EHE
Reading edition
MANN und Frau faulenzen auf dem Diwan. Der Mann ist am Einschlafen. Die Frau wird von Halbträumen umfangen.
Eine Fliege summt.
Die Glocken einer fernen Kirche baumeln.
— — — Der Mann ächzt, räkelt sich, fragt: «Sind das Glocken?»
Die Frau horcht. «Das sind doch keine Glocken. — Das ist eine Fliege.»
«Unsinn. Das ist doch keine Fliege. — Das sind Glocken.»
«Das ist eine Fliege.»
«Das sind Glocken.»
Beide horchen.
Der Mann: «Selbstredend sind das Glocken. — Warum wird denn geläutet?»
Die Frau: «Ich werde doch Glocken von einer Fliege unterscheiden können! Ich höre keine Glocken. Das ist eine Fliege.»
«Das sind Glocken.»
«Wenn ich dir sage, das ist eine Fliege.»
«Herrgott, das sind Glocken. Das ist doch keine Fliege!»
«Das ist eine Fliege!»
«Das sind Glocken!»
«Na, da bleib’ bei deinem Glauben.»
«So etwas Dummes! Ich bin doch nicht verrückt. Natürlich sind das Glocken. — Ganz deutlich.»
«Eine Fliege ist es.»
«Wo ich genau die einzelnen Glocken heraushöre.»
«Was du alles fertig bringst. — Ich höre bloß eine Fliege. — Warum sollten denn jetzt die Glocken läuten?!»
«Ja, das möchte ich eben gerne wissen.»
«Du kannst dich drauf verlassen, das ist eine Fliege.»
Beide horchen.
Die Glocken haben aufgehört, zu summen.
Auch die Fliege läutet nicht mehr.
Der Mann denkt: Ekelhaft. So macht sie’s immer. Bei jeder Gelegenheit. Da ist einfach nichts zu wollen. Zum Auswachsen. — Eine Fliege! Lachhaft. — Aber da kann sie niemand davon abbringen. Sie bleibt bei ihrer Fliege. Es ist eine Fliege. Und wenn die Glocken hier in der Stube vor ihrer Nase läuteten, — — es ist eben eine Fliege. Albern. Wenn sie sich etwas einbildet, bleibt sie dabei. — Selbstredend waren es Glocken. — — — Mir einstreiten zu wollen, daß es eine Fliege war . . . .
Er schläft.
Die Frau denkt: Wenn es nicht zufällig mein Mann wäre, ich konnte ihn ohrfeigen. Das Schaf. Immer recht haben. Immer recht haben. Muß er. — Ich höre deutlich die Fliege summen. Nein, es sind eben Glocken. — — Ich kann sagen, was ich will: er bleibt bei seinen Glocken. — Jetzt, um die Zeit Glocken! — — — So ein Schaf! — — — Aber das ist jeden Tag so. — — — Das Kamel . . . .
Sie schläft.
Sie träumt von einer Fliege, die hoch auf dem Kirchturme geläutet wird.
Der Mann träumt von Glocken, die ihm über das Gesicht krabbeln.
Ganz leise fängt die Fliege wieder an, zu summen.
Es klingt wie fernes Glockenläuten.