Fünftes Buch Der Andere (continued 2)
Reading edition
Michaele Süß hatte ihren Mann, den Kantor Isaschar, auf ihre Art geliebt. Er war ein netter, betulicher Mann gewesen und ein großer Sänger und Komödiant und vor allem auch ein sanfter, bequemer Mann, der viel auf Reisen war und auf die bösen Dinge, die man ihm über seine Frau zutrug, nicht hörte, sondern immer gleich zärtlich und voll dankbarer Bewunderung ihrer Schönheit blieb. Sie hatte auch sonst in ihrem langen, reichen, leichten Leben viele Männer gern gehabt. Aber jene Monate mit dem strahlenden Georg Eberhard Heydersdorff waren doch die Krone ihrer Tage gewesen. Wie er in Schmach und Jämmerlichkeit stürzte, war dies der echteste Schmerz, den sie all ihrer Tage gespürt hatte. Sie hatte dann in ihrem Sohn Josef den Vater wiedererlebt, atemlos und schwach vor Bewunderung hatte sie seinen beglückenden Aufstieg mitangeschaut, alle Jugend und Süßigkeit, allen Glanz und Rausch liebte sie in dem Sohn, sie schwamm selig in hemmungslos gläubigem Aufblick zu seinem Genie, seinem Stern, seiner Herrlichkeit. Und nun wiederholte sich in ihm noch viel grausiger Wendung und Sturz des Vaters.
Sie hatte erst geglaubt, die Haft des Sohnes sei eine List, eine Vermummung, aus der er bald um so glänzender auftauchen werde. Aber jetzt mußte sie sehen, daß es gräßlicher Ernst war. Das Urteil war zwar noch nicht bekannt, aber immer drohender und bestimmter hieß es im ganzen Reich, daß die Württemberger ihren gewesten Finanzienrat in den allernächsten Wochen würden aufhenken. Das Liedchen: „Der Jud muß hängen!“ wurde nicht nur am Neckar, sondern auch den ganzen Rhein hinauf, hinunter gepfiffen. Sie brachte den grausigen Gassenhauer nicht aus dem Ohr, wurde immer fahriger, ratloser. Machte ungeschickte Versuche, dem Sohn zu helfen, schrieb törichte Bittbriefe in die Welt hinein. Wenn wenigstens Rabbi Gabriel von sich hätte hören lassen! Sie schrieb einen drängenden, ratlosen Brief an ihn; aber sie wußte nicht, ob er ihn erreichte; denn sie hatte nur die Vermutung, keine Gewißheit, er sei in Holland. Sie schrieb ihrer verheirateten Tochter nach Wien, schrieb mit ihrer flatterigen, marklosen Schrift eine ganze Reihe von Briefen an die Wiener Oppenheimers, entschloß sich endlich zu diesem Aeußersten, suchte ihren ältesten Sohn auf, den Getauften. Da saß sie nun, den Mund ängstlich, erwartungsvoll halb offen, schaute mit gescheuchten, törichten Augen auf ihn. „Was soll man tun? Was soll man tun?“ jammerte sie.
Der Baron Tauffenberger rückte unbehaglich auf seinem Sessel, kramte nervös und mechanisch in seinen Papieren, zappelte herum. Er war ein fast kleiner, etwas zu feister Herr, die Haut hell und sehr gepflegt, die raschen Augen traten zu groß aus dem Kopf heraus, die Finger krümmten sich dick, weiß und beweglich, er war unelegant trotz reicher und sorgfältiger Kleidung. Sein Christentum war ihm unbehaglich bei aller gespielten Freigeisterei. Er moquierte sich gern über jüdische Sitte und jüdisches Wesen, verkehrte auch mit dem Helmstätter Professor Karl Anton und dem als Prediger nach Stuttgart versetzten früheren Propst von Denkendorf Johann Friedrich Paulus, die, beide frühere Juden, jetzt konvertiert und fanatische Verkünder der christlichen Heilslehren waren. Aber er neidete es dem jüngeren Bruder aus tiefster Seele, daß der es soviel weiter hatte bringen können als er selber und doch Jude bleiben. Auch hatte Josef ihn als einen Getauften unverhohlen und reichlich Spott und Verachtung spüren lassen, ihm, als sie einmal am kurpfälzischen Hof zusammengetroffen waren, kalt den Rücken gekehrt. Stießen sie geschäftlich aufeinander, so begannen sie ohne Vergleichsversuch zu prozessieren, und es reizte den Getauften bis aufs Blut, daß der Bruder voll Widerwillen und Ekel auch in importanten Affären es verschmähte, mit ihm persönlich zusammenzutreffen, und lieber, Verluste nicht scheuend, alles durch Agenten erledigen ließ. Der Sturz und die Schmach des Bruders traf ihn tief, auch wurde er darüber gehöhnt und gehänselt; gleichwohl konnte er, wie jetzt die Mutter ratlos vor ihm saß, für den geliebteren und bewunderten Sohn bei ihm zu betteln, ein leises Triumphgefühl nicht niederdrücken. „Da habt Ihr’s, da habt Ihr’s!“ sagte er mehrmals mit seiner hohen, hellen Stimme. „Es geht nicht, daß einer da hinaufsteigt und Jud bleibt. Es schickt sich auch nicht,“ eiferte er, heftig gestikulierend, „es soll nicht sein, es ist gegen göttliche Ordnung und menschlichen Fug.“
Aber Michaele ging nicht darauf ein. „Was soll man tun? Was soll man tun?“ jammerte sie, immer im gleichen Ton.
Der feiste Mann stand auf, lief nervös herum, legte einen Stapel Akten von einer Seite des Tisches auf die andere. „Es gibt nur ein Mittel,“ sagte er endlich. Da Michaele ihn gespannt und hoffend anschaute, nahm er Anlauf und warf es wie gleichmütig und selbstverständlich hin: „Er muß sich taufen lassen.“
Michaele überlegte. Dann sagte sie mutlos: „Er wird es nicht tun.“ Und, nach einer Weile: „Rabbi Gabriel erlaubt es nicht.“
Der Sohn höhnte nach: „Erlaubt es nicht! Mir hat er es auch nicht erlaubt. Hätte ich ihm gefolgt, wäre ich jetzt vielleicht so weit wie jener. Erlaubt es nicht! Erlaubt es nicht!“ ärgerte er sich, mit seiner hellen Stimme vor sich hinschimpfend, stark gestikulierend. „Was anderes weiß ich nicht,“ sagte er plötzlich, mit einem Ruck stehenbleibend. Und da er die Mutter mutlos und erloschen sitzen sah, fügte er noch hinzu: „Ich will gern tun, was ich kann, von seinem Vermögen zu halten, was zu halten ist. Obzwar er es nicht um mich verdient hat. Was man in Heidelberg, Frankfurt, Mannheim für ihn retten kann, ich will die Hand darauf legen. Ich will auch mit Geld nicht sparen, Versuche zu machen in Stuttgart bei der Regierung, bei den Richtern, im Gefängnis. Aber wenn er sich nicht taufen läßt,“ schloß er achselzuckend, „wird es schwerlich gut ablaufen.“ Michaele setzte, als sie ging, die Füße schwerer als beim Kommen.
In Stuttgart wirkte unterdessen stetig und gleichmütig Nicklas Pfäffle für seinen Herrn. Große Gelder flossen an Regierungsstellen, Gerichtsbeamte. Da der Herzog-Administrator angeordnet hatte, daß peinlich genau untersucht werden müsse, was unzweifelbarer, legitim erworbener Besitz des Süß sei und daß dieser Besitz nicht angetastet werden dürfe, hatte der Sekretär reiche Mittel zur Verfügung. Kostbare Vasen, Teppiche, Steine gingen aus dem Haus des Süß in der Form von Andenken an einflußreiche Parlamentarier, Hof- und Staatsbeamte, die offiziell mit der Affäre nichts zu tun hatten, mittelbar um so mehr wirken konnten.
Durch alle Judenheit aber lief es, raunte es, schwoll an: „Er hat gerettet den Reb Jecheskel Seligmann Freudenthal, er hat seine Hand ausgestreckt und geschützt die Juden am Neckar und am Rhein. Jetzt haben sie sich zusammengetan, Edom und alle Frevler, und sind hergefallen über ihn. Er war ihnen zu groß, er hat ihnen zuviel Glanz gestrahlt über die Judenheit. Sind sie hergefallen über ihn wie Haman der Frevler und wollen ihn totschlagen. Helft und rettet den Reb Josef Süß Oppenheimer, der ein guter Jud war und seine Hand gehalten hat, wie er in Glanz war, zu gutem Schutz über alle Judenheit.“ Da wurde gebetet und gefastet in den Bethäusern, da wurde gewirkt in den Kanzleien und Kabinetten, da wurde Geld gesammelt, viel Geld, immer mehr Geld, ungeheures Geld, alles zu Händen des Reb Isaak Simon Landauer, Hoffaktors und guten Juden, der bestellt war von den Rabbinern und den Gemeinden, zu schützen mit aller Kraft und Schlauheit und Vermögen den gefallenen Reb Josef Süß Oppenheimer, Retter Israels aus großer Not. Isaak Landauer aber hatte einen Plan, keinen besonders schlauen Plan, aber kühn und geradezu, für den Fall, daß sie es wirklich wagen sollten, den Süß zu verurteilen. Zu diesem Plan brauchte er Geld, märchenhaft viel Geld. Und märchenhaft viel Geld strömte in seine Kassen, blankes Gold, Wechsel, Verschreibungen, der Geringe gab gering, der Große gab groß, aus allen Ländern, aus allen Gemeinden, von den Juden aller Welt.
Johann Daniel Harpprecht saß in seiner Bibliothek, arbeitend. Der Herzog-Administrator hatte den Spruch der Kommission nicht bestätigt, hatte befohlen, ihn vorläufig geheimzuhalten, und hatte ihm, dem Harpprecht, das Urteil nebst dem ganzen zugehörigen riesigen Aktenmaterial zur Begutachtung schicken lassen.
Ingrimmig saß der alte Herr. Dies war der vierte Winter, seitdem er das Judizium über den Fall des Jecheskel Seligmann hatte abgegeben, den Stinkjuden wider Willen hatte retten müssen. Die nagenden Würmer hatten abgelassen jetzt und sich verkrochen; die obenan aufringelten, die fetten, gemästeten, der Herzog und der Jud, davon war der eine tot, der andere lag machtlos und unterm Fuß, und es stand bei ihm, zuzutreten. Ei, sie hatten gut genagt seither. Er, Harpprecht, war ein fester Mann gewesen, jetzt war er ein Greis durch sie, und viel Land und Wald und Acker und Menschenleib und Menschenseel war übel zerfressen und vertan durch sie, und der Junge, der Michael, war angenagt und die sanfte, liebliche Elisabeth Salomea Götzin war eine Hur geworden durch sie. Und wenn auch jetzt das Gewürm gescheucht ist und sich verkrochen hat, es wird wiederkommen, wie es immer wiedergekommen ist, und das alte Gebäu wird vollends zusammenstürzen. Und nun also saß er und sollte judizieren, ob es rechtens sei, diesen nagenden und schädigenden Wurm zu zertreten.
Bilfinger kam. Er war jetzt der eigentliche Regent im Land, ein treuer, uneitler Regent, der arbeitete wie ein Roß und mit Erfolg. Die Arbeit schlug ihm gut an, der schwere, vollblütige Herr sah, der Gleichaltrige, zehn Jahre jünger aus als Harpprecht.
„Wie steht’s, Herr Bruder?“ fragte er, den Blick auf dem Wust von Akten. „Ist es das gleiche,“ setzte er langsam, unbehaglich hinzu, „wie damals bei dem Juden Jecheskel?“
Draußen schneite es weich und dick. Es war sehr still im Zimmer. Von nebenan hörte man den Schritt des jungen Michael Koppenhöfer. „Ja, Herr Bruder,“ sagte Harpprecht. „Es ist das gleiche. Er ist formal, nach dem Buchstaben des Kriminalrechts, nicht genug überwiesen.“
Bilfinger nahm von den Papieren, zerteilte sie, schichtete sie wieder zusammen. „Ist nicht zu bedenken, Herr Bruder,“ sagte er nach einer Weile, „daß er sich im Verfassungsstaat Württemberg so viel Ausnahmen permittiert hat vom Verfassungsmäßigen, daß er es sich muß gefallen lassen, wenn man jetzt auch mit ihm eine Ausnahm macht von der Rechtsform?“
„Das ist zu bedenken,“ erwiderte Harpprecht. „Aber nicht von mir. Vom Herzog.“
Indessen war auch der Prozeß gegen den General Remchingen seinem Ende entgegengeführt worden. Der Freiherr, Jesuit und österreichische Oberst wurde nicht so glimpflich behandelt wie die eingesessenen Hallwachs, Mez, Bühler, Lamprechts, Scheffer, er hatte keine Verwandten in der Kanzlei sitzen, er hatte alles Zivil als Federfuchser, alles Nichtadelige, besonders das Parlament, stets nur als Kanaillen, Rotüre, Populace traktiert und war sehr verhaßt. Man inquirierte also scharf und trug Material zusammen, das, wenn nicht zum Todesurteil, so zumindest zur Bestrafung mit lebenslänglicher Festungshaft genügte.
Nun war aber um diese Zeit der Vergleich Karl Rudolfs mit der Herzogin-Witwe über die Vormundschaft bis in alle Details fertiggestellt worden, auf eine für den Regenten sehr günstige Art, und unterlag zugleich mit dem Regierungsreglement für die Administrationszeit der Prüfung und Bestätigung der kaiserlichen Kanzlei. In solchem Augenblick durch harte Bestrafung des Katholiken und Oesterreichers den Wiener Hof zu reizen, schien höchst inopportun. So beschloß man, die Urteilsfällung hinauszuschieben, und ließ den General einstweilen frei, gegen Handtreue und Ehrenwort. Remchingen brach, wie erwartet, schnurstracks sein Ehrenwort, floh außer Landes, trat unter dem General Schulenburg in venezianische Dienste. Wurde in Kontumaz verurteilt, tat in mehreren Klageschriften an Kaiser und Reich, besonders in der „Innocentia Remchingiana vindicata“ oder „Notgedrungenen Ehrenrettung“ erbitterten Einspruch. Spie noch durch Jahre Kot, Gift und Galle gegen Württemberg.
Das Volk war empört über Remchingens Flucht. Nun waren alle Bluthunde ungestraft entkommen, saßen in Eßlingen, anderthalb Meilen entfernt, lachten sich den Buckel voll oder machten gar noch wie Remchingen Stank und Diffikultäten. Den einzigen Juden hatte man noch. Aber der wenigstens sollte büßen. Wieder waren die Geheimräte Pflug und Pancorbo vornean, schürten, zahlten Demonstrationen. Wilder, heftiger, drohender, drängender ging es durch das Land: „Der Jud muß hängen!“
So lagen die Dinge, als Harpprecht dem Herzog-Administrator sein Gutachten abstattete. Der rechtliche, wahrhaftige Mann ließ sein Urteil nicht trüben durch den Haß gegen den Juden, nicht durch das tobende Volk, das laut und wie mit Einer Stimme nach dem Tod des Juden brüllte, nicht durch die Gunst oder Mißgunst des Kabinetts und des Parlaments. Der Rechtslehrer urteilte: Die auf Verfassung und Amt vereidigten Räte und Minister, welche die angeklagten Befehle und Verordnungen signiert hatten, müßten prozessiert und gestraft werden, nicht der unvereidigte, in keinem Staatsamt stehende Ausländer. Jene seien nach römischem und deutschem Recht des Todes schuldig, dieser nicht. Einen einzigen Punkt ausgenommen, den fleischlichen Verkehr mit Christinnen. Und dieser Punkt könne aus mancherlei Ursach ernsthaft nicht herangezogen werden, auch habe ihn die Kommission gar nicht erst in ihre Entscheidungsgründe aufgenommen. Er kam zum Schluß, auf Grund der bestehenden Gesetze des Römischen Reichs und des Herzogtums könne Inquisit zum Tod nicht verurteilt werden; man solle ihm seinen Raub, soweit er erwiesen sei, abnehmen und ihn des Landes verbannen.
Klein, schäbig, schief saß der eisgraue, verwitterte Herzog und hörte aufmerksam dem schweren, treuen, sachlichen Mann zu. „Er vermeint also,“ sagte er schließlich, „die Kommission hat den Juden mehr als den Schelmen verurteilt?“ „Ja,“ sagte Harpprecht. Draußen pfiff einer den Gassenhauer: „Der Jud muß hängen!“ Der alte Regent hielt die Lippen hart geschlossen. „Ich wollte, ich könnte tun nach Seinem Rat,“ sagte er endlich. Damit entließ er den Juristen.
Andern Tages unterzeichnete er das Todesurteil. „Besser, der Jud wird zu Unrecht erwürgt,“ sagte er, „als er bleibt zu Recht leben und das Land gärt weiter.“ Auch sagte er: „Das ist ein seltenes Ereignis, daß ein Jud für Christenschelmen die Zeche zahlt.“
Durch die kahlen, dumpfen Gänge der Festung Hohenasperg, über verwinkelte Treppen, ein mürrischer Korporal mit einem ungefügen Schlüsselbund voran, flatterte Michaele Süß. Der alten, verzärtelten Dame beschleunte sich das Herz, Mauern überall und klobige Waffen, ein großer, beklemmender, bedrohlicher Apparat. Der Korporal stapfte mit raschen Schritten voraus, sie konnte nur mit Mühe folgen und kam außer Atem, aber sie wagte nichts zu sagen. Endlich knarrte rasselnd eine niedrige, häßliche Tür auf. Sie schaute, schnaufend, in ein kahles Geviert, da saß auf einer Pritsche ein alter Mann, den Rücken krumm, schlaff und übel verfettet, mit schmutzig weißem, ungepflegtem Bart, und summte und döste vor sich hin mit einem abwesenden, törichten Lächeln. Sie sagte zaghaft zu dem Korporal: „Nicht zu dem, guter Mann; ich will zu Josef Süß.“ Der Korporal sagte übellaunig: „Das ist doch der Jud, Frau.“
Angefüllt von tiefem, kältendem Schrecken schaute Michaele Süß auf den eingesperrten Mann, der ihr jetzt langsam das Gesicht zuwandte, die braunen, blinzelnden, etwas entzündeten Augen. Der Korporal verschloß draußen umständlich rasselnd die Türe. Das ihr Sohn! Der häßliche, verwahrloste Mann, älter als sie, ihr strahlender Sohn! Oh, es war nichts mehr, nicht die leiseste Spur mehr war vom Heydersdorff in ihm, viel eher, merkte sie mit Grauen und Neugier, glich er trotz des Bartes dem Rabbi Gabriel. Sie beschaute ihn scheu, voll Grauen, sie spürte nichts von dem früheren fressenden, schmerzhaften Mitleid, sie spürte, wie er aus ihr glitt, wie sie leer wurde, es war ein fremder, schmutziger, verwahrloster Mensch, mit dem man, versteht sich! Bedauern haben mußte, denn er war eingesperrt und es ging ihm schlecht und zudem war er ein Jud. Aber sie hatte sich schon wieder verkapselt und ihr Inneres war umkrustet. Sie stand, eine fremde, elegante Dame, verlegen vor dem ungepflegten, in den Schmutz gerutschten Mann.
Als sie dann redeten, fand sie kein echtes Wort mehr. Er sprach mild zu ihr, mit einer leichten, überlegenen, fast scherzenden Güte, und streichelte ihre sehr weißen Hände. Sie weinte ein weniges. Aber keines seiner Worte drang zu ihr. Sie dachte immer nur: dieser alte Mann ihr Sohn! und war umkrustet. Sie war eigentlich froh, als die Stunde um war, die sie bei ihm bleiben durfte und der mißlaunige Korporal sie wieder abholte. Umschaute sie noch einmal aus der Tür voll scheuen Grauens nach dem alten Mann, der ihr Sohn war. Als sie dann die Festung verließ, war sie es, die den Schritt schneller nahm.
Bald darauf tauchte ein sanfter, stiller, trauriger Herr in die Zelle, neigte sich, war sehr höflich. Stille, große, weiße Hände, melancholische, fließende Augen in dem fleischigen, vom Rasieren bläulichen Gesicht. Er sprach leise, mit einer beredten, traurigen Stimme. Es war Johann Friedrich Paulus, früher Propst von Denkendorf, jetzt Prediger in Stuttgart, der Konvertit. Der Stadtvikar Hoffmann hatte ihn geschickt. Der Stadtvikar hätte zwar gern selber der Kirche diesen Verstockten gewonnen; aber er sah, hier war wenig Hoffnung, und lieber sollte ein anderer das Werk vollenden, als daß es gar nicht geschah. Der frühere Jude konnte sich vielleicht tiefer hineinschmiegen, hineintasten, hineinschmuggeln in die verhärtete Seele, sie aufzuweichen.
Still und höflich saß der Konvertit an der Wand, trotz seiner Fülle merkwürdig schattenhaft. Er ließ seine traurigen Mandelaugen herumgehen in der kahlen Zelle. Sprach leise, konversierend. „Dies alles sind nur Kleider und Masken,“ sagte er. „Ihr Palais, diese Zelle, Ihr Judentum, mein Christentum: Kleider, Masken. Es ist nur dies, daß einer den Strom Gott in sich spürt. Es ist dies, daß einer ein Schein im Schein, ein Wort im Wort ist. Ich habe Sie steigen sehen, Herr Finanzdirektor, ich habe Sie in Ihrem großen Glanz gesehen und hoch im Blau. Ich bin ein Freund und Schüler des Rabbi Jonathan Eybeschütz, der wieder ein Freund ist Ihres Onkels, des Rabbi Gabriel. Ich hatte oft Lust, mit Ihnen zu reden, Herr Finanzdirektor. Nicht weil Sie mich vielleicht verachteten um meine Taufe und mein Christentum und weil ich Sie besser belehren wollte. Wie ich Sie jetzt sehe,“ schloß er und seine streichelnde Stimme war noch leiser, und er war fast erschüttert, „sehe ich sehr genau, daß ich um unser beider willen gekommen bin, für mich nicht weniger als für Sie.“
„Sie sind doch gekommen,“ sagte Süß, „um mich zum Christentum zu bekehren? Der Stadtvikar Hoffmann hat Sie doch geschickt? Ist’s nicht so, ehrwürdiger Herr? Oder soll ich Sie Rabbi Unser Lehrer nennen?“ lächelte er. Der stille Mann an der Wand sagte: „Es ist nicht schwer und es ist billig, zu trotzen und ein Märtyrer zu sein. Viele verachten mich, weil ich Christ wurde. Aber die Beschmutzung tut nicht weh. Ich rühre mich nicht und wische sie nicht weg. Denn ich hab es getan nicht um Brot und Kleid und Titel, nur für die Idee, für mein Gesetz. Sie haben Ihr Gesetz, Sie haben Ihre Idee. Ist es nicht vielleicht richtiger, dies Gesetz fertig zu leben, dieses Licht nicht verlöschen zu lassen, auch wenn man statt des Kleides Judentum das Kleid Christentum anziehen muß? In solcher Zelle zu leben,“ – sein sanfter, fließender Blick glitt über die kahlen Wände – „ist sicher hart. Aber wer sagt Ihnen, Exzellenz, daß alles, was hart ist, Verdienst ist?“
„Sie haben eine sehr liebenswürdige Manier, ehrwürdiger Herr,“ sagte Süß, „die Heilslehren Ihrer Religion in eine komfortable Hülle zu verpacken. Ein weiches Bett, ein warmes Zimmer, Rehrücken, alter Madeirasekt sind unbestreitbare, eingängige, angenehme Wahrheiten; auch was Sie da sagen vom Wort im Wort und vom Schein im Schein, klingt gut und passabel. Aber sehen Sie, ich habe mein Palais in der Seestraße mit dieser Zelle vertauscht. Man hat mich in jedem Stück angezweifelt; aber nie hat jemand gezweifelt, daß ich ein tüchtiger Kaufmann bin. Ich muß also wohl“ – er lächelte listig – „zu solchem Tausch meine guten Gründe gehabt haben. Sagen Sie dem Herrn Stadtvikar,“ schloß er heiter und verbindlich, „und sagen Sie sich selbst: Sie haben getan und geredet, was einem Menschen möglich ist. Es liegt an mir, es liegt wirklich nur an mir.“
Allein, summte er, lächelte, wiegte den Kopf. Dachte an Michaele. Die liebe, törichte Frau. Er fühlte sich schwach, schwerlos, angenehm müde. Wie ein Kranker, wohlig im Bett, Genesung spürend. So saß er, dösend, auf der Pritsche. Da, ganz unvermutet, kam das Kind zu ihm, sprach zu ihm. Es war noch viel kleiner und jünger geworden, es war klein wie eine Puppe, und es setzte sich ihm merkwürdigerweise auf die Schulter und zupfte ihn zärtlich am Bart und es sagte: „Dummer Vater! Dummer Vater!“ Sie blieb etwa eine halbe Stunde. Sie sprach auch, aber lauter ganz kleine Dinge, sie sprach mit der Wichtigkeit und dem Ernst der Kinder, von den Tulpen, von der Auslegung einer Stelle im Hohen Lied, von dem Futter seines neuen Rockes. Als sie fort war, atmete Süß wie ein Schlafender, den Mund halb auf, glücklich. So gerufen hatte er sie, und sie war nicht gekommen, mit wilden, heißen, törichten Taten sie gerufen, ein grelles, ungeheures Totenopfer ihr angezündet, und sie war nicht gekommen. Was für ein Narr war er gewesen! Sie war ja so klein, ein so kleiner, sanfter, befriedeter Mensch war sie. Was denn hätte sie sollen mit seinen großen, grellen, schreienden Taten und Opfern anfangen. Aber jetzt, nun er ganz still war und sich schon beschieden hatte, sie nicht mehr zu sehen, nun auf einmal kam sie, und es war ein großes, anfüllendes Geschenk. Er ging die Zelle auf und nieder, seine fünfeinhalb Schritte, und die Zelle war reich und voll und die ganze Welt, und er streckte die Arme aus und lachte, allein und jungenhaft und laut und glücklich, daß der Wächter draußen auf dem Gang aufschrak und mißtrauisch hereinspähte.
Der Major Glaser eröffnete dem Süß, er solle sich bereit halten, anderen Tages in der Frühe nach Stuttgart zu fahren. Der Major wußte, der Jude fahre nach Stuttgart, sein Todesurteil zu hören, aber er hatte nicht Ordre, ihm das zu sagen, und hielt es nicht für not. Süß, im linden Nachschmack der Worte Naemis, glaubte, es gehe in sein Haus zurück und in die Freiheit. Er hielt es nicht im entferntesten für möglich, man werde ihm gegen den klaren Buchstaben des Rechts ans Leben gehen. Gutmütig scherzend und in schwerloser Laune sagte er, er freue sich des schönen Wetters für die Fahrt, fragte den Kommandanten, ob er ihm, der ein großer Schnupfer war, eine Tabaksdose zum Andenken übersenden dürfe. Gemessen lehnte der Major ab; doch gestattete er, das harte Gesicht kaum vor dem Grinsen wahrend, daß Süß einen Galarock für die Fahrt anlege. Auch vor dem Wärter erging sich Süß in leichten, schwingenden Worten über Rückkehr und Freiheit und gab dem erstaunten Mann, der nicht wußte was tun, eine Anweisung auf eine ansehnliche Summe als Trinkgeld.
Wie er sich des Abends auf seine Pritsche legte, fand er sich ganz entlastet und selig. Er wird jetzt irgendwohin ins Ausland gehen, an einen See oder ans Meer, in ein winziges, stilles Nest und ganz klein und mild leuchtend vor sich hinleben. Ein paar Bücher oder auch keine. Und bald wird er leicht und leise verklingen und unter den Menschen wird nur ein dummer, lauter Hall bleiben von seinem Leben und von seinem Gewese und der wird im Guten und im Bösen ganz anders sein und sehr verzerrt; bald aber wird auch sein Name gar nichts mehr bedeuten, wird nichts sein als etliche Buchstaben ohne Sinn; schließlich werden auch die verklungen und es wird große, reine Stille sein und nur mehr ein Schweben und sachtes Leuchten in der Oberen Welt.
Anderen Morgens, es war ein frostklarer, weißer, sonniger Tag, fuhr Süß bei guter Zeit. Trotz der Kälte im offenen Wagen. Er hockte schwach und froh im Fond, ein Wärter neben ihm, einer ihm gegenüber. Starke Wache auch zu beiden Seiten, vor, hinter dem Wagen. Er wollte erst mit seinen Begleitern sprechen, aber die hatten strenge Weisung, nicht zu erwidern. Ihn grämte es nicht. Er lehnte zurück, atmete, kostete, schluckte, sah, tastete nach den vielen dumpfen Monaten die reine, freie, beglückende Gottesluft. Blick, nicht an Mauer stoßend, wie köstlich! Bäume, sanfter, herrlich reiner Schnee darauf. Weites, weißes Feld, weich und zärtlich in den Himmel mündend. Weite Welt, feine, herrliche, reine, weite Welt! Luft! Freie, liebe Luft! Sie griff ihn an, den Eingesperrten, Entwöhnten, er lehnte ganz schlaff und schwach und erschöpft; aber er war selig. Er hatte den roten, goldbestickten Taffetrock mit dem zottigen Samtfutter aufgeschlagen, selbst das grüne, goldbordierte Kamisol der Luft geöffnet. Die Beine in den braunen Beinkleidern zitterten und waren sehr matt. Den Samthut und die auf dem schlecht gepflegten Haar übelsitzende Perücke hatte er abgenommen, er ließ wohlig den Luftzug der raschen Fahrt durch das weiße Haar streichen.
Aber in Stuttgart am Tor stand dick der Pöbel, wartete. Schrie, johlte, als die Kutsche kam, schmiß Steine, Kot. Stürzte sich auf den Juden, riß ihn heraus, stauchte ihn hin und her, zerrte ihn an dem weißen Bart. Hob Kinder hoch: „Lugt her! Da ist er, der Schinder, Judas, Mörder, Saujud!“ Spuckte, trat. Zerrissen der feine, rote Rock, in Kot getreten der artige Samthut. Die aus dem Blauen Bock sagten in wehmütiger, sentimentaler Genugtuung: „Das hätte der selige Konditor Benz noch erleben sollen.“ Nur mit Mühe gelang es der Eskorte, den Juden herauszuhauen. Mit fliegender Brust saß er jetzt im Wagen, das graue Gesicht zerschrundet, Rinnsel von Speichel und Blut langsam in den zerrauften Bart rinnend, Soldaten um ihn, drohend gegen die Menge, die Hand an der Waffe.
Das Geschrei und Gejohle drang auch in das große Zimmer, in dem Magdalen Sibylle lag, ein Kind des Immanuel Rieger gebärend. Der Expeditionsrat hätte gern gehabt, daß sie das Kind auf dem Land, auf ihrer schönen Besitzung Würtigheim, zur Welt bringe; aber da sie aus unerklärlichen Gründen durchaus in der Stadt bleiben wollte, fügte er sich. Da lag sie nun in Wehen, eine geschwätzige, betuliche Hebamme watschelte geschäftig herum, der Expeditionsrat ging blaß, dienstwillig, demütig und schwitzend ab und zu. Trotzdem sie breit schien und gebärtüchtig, war die Entbindung nicht so leicht, wie man gehofft hatte. Sie lag, schrie, stemmte sich, preßte, keuchte. Jetzt war eine Minute der Erleichterung gekommen, zurückgesunken, fahl, schweißüberdeckt bebte sie, immer wieder überschauert. In die Stille klang das Johlen der Volksmenge herein, ganz deutlich hörte man den Gassenhauer: „Der Jud muß hängen!“ Der Expeditionsrat rieb sich die Hände. „Ein gutes Omen,“ sagte er, „daß das Kind im Zeichen der Gerechtigkeit geboren wird.“ Aber sie schaute voll Haß auf den hageren, unscheinbaren Mann und betete unhörbar, ohne Reim und Schnörkelei, dringlich und stark: „Herr Gott im Himmel! Laß es nicht werden wie der da! Herr Gott im Himmel! Du hast mir soviel verhunzt. Das gib mir, das wenigstens gib mir, daß mein Kind nicht werde wie der da!“
Süß wurde inzwischen auf das Rathaus gebracht. Der große Saal war gestopft mit Zuschauern, das Richterkollegium war versammelt, feierlich in schwarzen Mänteln. Der Jude sah das jovial brutale, massige Gesicht des Gaisberg, das feine, höhnische, hakennasige des Schütz, das harte, grausame, hagere des Pflug, das des jungen Götz sogar, sonst leer, fad, rosig, schien belebt von Haß, Rache, Triumph. Da erkannte er, daß er nicht zur Freiheit, sondern zum Tod bestimmt war. Und da begann auch schon der Präsident, der Geheimrat Gaisberg, mit seiner harten, dröhnenden, ungefügen Stimme, stark schwäbelnd, das Urteil zu verlesen. Süß hörte in monotonem Wechsel Landschaden, Plünderung, Beraubung, Hochverrat, Majestätsverbrechen, Staatsverbrechen und den Schluß, daß er mit dem Strang vom Leben zum Tod solle hingerichtet werden. Er sah in dem überheizten Saal die dichtgedrängte Menge, die großen Herren alle, die Minister, Parlamentarier, Generäle, dünstend, schwitzend, voll Hochgefühl. Er sah die kleinen, eklen Tiere, da das große sich hingestreckt hatte in freiwilliger Wehrlosigkeit, darüber herfallen, sich festbeißen, geschäftig übereinanderwimmeln, daß ja ein jeder noch sinnlos die Zähne hineinschlage in die verendende Masse Lebens. Da war plötzlich wieder in ihm der frühere Süß. Er bäumte hoch, er begann zu reden, der alte, verfallene Mann, überdeckt mit dem Blut und dem Kot der Mißhandlungen, richtete sich hoch, erwiderte seinen Richtern. Kratzte, eiskalt sachlich, schneidend, dem Urteil die pathetische Tünche herunter. Lautlos hörte man seine ersten Sätze an. Dann aber, rot angelaufen über solche Frechheit, stürzten sich, nicht anders als das Volk, die vornehmen Herren auf ihn, brüllend, mit den flachen Degen auf ihn einschlagend, und wie dem Volk konnte die Eskorte auch ihnen nur mit Mühe den Delinquenten entreißen. Wie er abgeführt wurde, über den tosenden Saal hin, packten ihn die harten, höhnischen Worte des Geheimrats Pflug im Nacken: „Er hat gesagt, Jud, höher als der Galgen ist, könnten wir Ihn nicht hängen. Wir werden’s Ihm weisen.“
Mit Eilwagen fuhren von Hamburg her Rabbi Gabriel Oppenheimer van Straaten und Rabbi Jonathan Eybeschütz. Die beiden Männer sprachen auf der langen Fahrt nur das Nötigste. Sie sahen die schaukelnden Schenkel der Pferde, oft gewechselt, braune, schwarze, weiße; sie sahen das vorübergleitende Land, flaches Feld, Berg, Wald, Fluß, Weinhügel. Aber nur ihre Augen waren darauf, nicht ihr Sinn. Meilenstein um Meilenstein tauchte auf, verschwand. Sie sahen nur das Antlitz, dem sie zustrebten, daß sie es erreichten, ehe es verlösche.
Rabbi Gabriel saß wie immer massigen, mißlaunigen Gesichts, den dicklichen Leib in großbürgerlichen, etwas altmodischen Kleidern. Rabbi Jonathan, in seidigem Kaftan, mild leuchtend aus dem weißen, milchig fließenden Bart das listige, nicht alte Antlitz, war nach lüstern weltlichen Wochen wieder zurückgetaucht in Versunkenheit, Erkenntnis, Gott. Die letzte Zeit und Wandlung des Süß zog ihn mit grausamer Lockung an. Es war nicht das Schauspiel dieses Untergangs. Er und Rabbi Gabriel, ohne daß sie darüber gesprochen hätten, wußten, spürten die merkwürdige Verquickung von Freiwilligkeit und Zwang in diesem Ende. Die Entsprechung, das heimliche Band, der Fluß von jenem zu ihnen hatte nun auch den Rabbi Jonathan ergriffen, hob ihn, senkte ihn. Er stak in jenem, eine stärkste Wurzel von ihm starb in jenem. So fuhren die beiden Männer, gradaus das Aug, dem Tode des Josef Süß zu, wolkig schwer brütete um sie die Erkenntnis ihrer Bindung.
Auch auf anderen Straßen zog es nach Stuttgart, zu Süß, um Süß. Mit viel Wache und Bedeckung kam der Hoffaktor Isaak Simon Landauer; er hatte, trotzdem er sehr schlicht zu reisen pflegte, mit sich drei jüdische Kassiere und außer der gemieteten Polizeiwache ein paar sehr kräftige, verlässige Burschen. Es kamen der kleine, welke Jaakob Josua Falk, Rabbiner von Frankfurt, und der dicke, hitzige Rabbiner von Fürth. Die drei Männer trafen in der Nähe von Stuttgart zusammen, sie waren beim Herzog-Vormünder zur Audienz gemeldet und es war Sorge getragen, daß sie bei der Einfahrt nicht belästigt wurden.
Karl Rudolf empfing sie in Gegenwart Bilfingers und Pancorbos. Es sagte der Rabbiner von Fürth: „Euer Durchlaucht sind hochberühmt in der ganzen Welt um der Gerechtigkeit willen. Ist es gerecht, daß die Räuber sitzen ringsum in Reutlingen, in Eßlingen und lachen und fressen ihren Raub, und daß der Jud, der weniger schuld ist vor dem Gesetz, muß zahlen ihre Zeche? Euer Durchlaucht sind gerecht gegen hoch und nieder, gegen Schwaben und Oesterreicher, gegen Katholik und Protestant. Seien Sie gerecht auch gegen Ihren Juden.“ Es sagte der Rabbiner von Frankfurt: „Reb Josef Süß Oppenheimer ist gestanden vornean unter den Juden, er ist geboren aus einer alten, angesehenen jüdischen Familie. Was er getan hat, wird man sagen, hat die ganze Jüdischheit getan. Wenn man ihn wird aufhenken und die Christen, seine Konsorten, gehen frei herum, wird man sagen, die Judenheit ist schuld an allem, und es wird kommen neuer Haß und Verfolgung und Bosheit über die ganze Judenheit. Euer Durchlaucht sind ein gnädiger Herr und Fürst, Euer Durchlaucht wissen, daß der Jud ist nicht mehr schuld und nicht weniger als seine Genossen, die Christen. Es kommt Aergernis in die Welt und neue Heimsuchung über die Getretenen und Gedrückten, wenn er wird anders gerichtet als die anderen. Wir bitten Euer Durchlaucht aus peinvollem und demütigem Herzen um Gnade für den einen und die ganze Judenheit.“
Es sagte Isaak Landauer: „Was getan hat der Reb Josef Süß Oppenheimer, hat gewirkt, daß Schaden hat genommen an Geld und Gut der und jener und das Land Württemberg. Was gesündigt ist durch Geld, kann gutgemacht werden durch Geld. Wir haben uns zusammengetan, alle Judenheit, und haben zusammengesteuert Geld, viel Geld, ungeheures Geld. Und so sind wir gekommen und bitten Euer Durchlaucht: lassen Sie ledig den Reb Josef Süß Oppenheimer. Wir wollen machen gut, was er kann haben gesündigt, wir wollen es machen gut und aber gut, daß das Land Württemberg kann kommen in Flor und Gedeih. Wir bieten an, wenn Sie lassen ledig den Juden Josef Süß Oppenheimer, eine freiwillige Buße von fünfmalhunderttausend Doppeldukaten.“
Schweigend hatten der Herzog-Administrator und die beiden Minister die Juden angehört. Bei dem Angebot des Isaak Landauer zuckten sie auf. Das Angebot war eine Frechheit. Aber die Summe war so ungeheuerlich, soviel größer als der höchste Betrag, der jemals im Budget des Herzogtums gestanden war, daß man diesem Angebot nicht wohl mit so simplen Worten wie Unverschämtheit und Arroganz beikommen konnte. Fünfmalhunderttausend Golddukaten! Den Josef Süß loskaufen wollen war eine Frechheit und eine Dummheit. Den Josef Süß mit einer so ungeheuren Summe loskaufen wollen war ein kühnes, geniales Projekt, das in seiner naiven Großartigkeit verblüffte. Damit auch hatte Isaak Landauer gerechnet, darauf baute er seinen Plan. Er war von Anfang an überzeugt, mit Listen, mit Argumenten, mit Pochen auf Gerechtigkeit, mit Flehen um Gnade war hier nichts auszurichten. Vielleicht wirkte so plumpes, naives Geradezu. Für Geld konnte man alles in der Welt kaufen: Boden und Vieh, Berg, Fluß und Wald, Kaiser und Papst, Kabinette und Parlamente. Warum sollte man nicht können abkaufen diesen schwäbischen Gojims ihre Rachgier und ihr albernes Gerede von Justiz. Sie war, seine dumme, schiefe Gerechtigkeit, diesem Herzog teuer. Gut, so bezahlte man sie eben teuer. Fünfmalhunderttausend Golddukaten. Damit konnte man zur Not ein kleines Herzogtum kaufen: es war ein guter Preis für ein Stückchen sogenannter Justiz.
Ehe die Herren sich von ihrer Ueberraschung erholen konnten, sprach Isaak Landauer weiter. „Wir zahlen nicht in Wechseln, wir zahlen nicht in Verschreibungen. Wir zahlen Gold, blankes Gold. Golddukaten, runde, unbeschnittene.“ Er schlurfte zur Tür, er winkte seinen Leuten mit einem kopfwiegenden, überlegenen, Anstaunung einfordernden Lächeln. In stummer, gespannter Bannung schauten der Regent und seine Minister auf die eintretenden Burschen. Die trugen Säcke, kleine, sehr schwere Säcke, sie entleerten sie auf einen Wink des schmuddeligen Mannes. Heraus floß Gold, gemünztes Gold aller Währungen, rotes Gold, spanisches, afrikanisches, türkisches, aus allen Zonen. Häufte sich, türmte sich, hörte nicht auf, wuchs mannshoch, breitete sich dick wie eine ausgewachsene Eiche, ein Berg von Gold. Stumm schaute der kleine, schiefe, schäbige Herzog, der massige Bilfinger. Dom Bartelemi Pancorbo reckte den entfleischten, blauroten Kopf aus der verschollenen Krause, seine dürren Finger streckten sich, krümmten sich, konnten nicht länger widerstehen, streichelten das Gold, das liebe Gold, badeten in dem endlosen Fluß. Isaak Landauer stand daneben in seinem schmierigen Kaftan, die Schläfenlöckchen ungekämmt, in unschöner, unselbstverständlicher Haltung, lächelte fatal, hielt den einen Oberarm eng am Körper, die Handfläche hochgehoben nach außen, mit der andern Hand strähnte er den rotblonden, verfärbten Ziegenbart.
Das Angebot Isaak Landauers wurde abgelehnt. Aber die Worte der alten Männer klangen nach in dem Herzog. Er war ungerecht! Er war gezwungen, vor seinem Sterben ungerecht zu sein. Nicht nur gegen den Süß, auch gegen die anderen Juden. Besitz packte ihn nicht, Gold rührte ihn nicht an. Aber diese Leute hingen daran. Gold, Gold! war ihr Leben und ihr Sinn. Und dennoch hatten sie freiwillig so ungeheuer reich gesteuert und gezinst, sein Unrecht abzuwenden. Seine Pflicht war klar: er mußte vornächst seinen Schwaben recht, also den Juden unrecht tun. Aber dieser Berg von Gold drückte ihn, scheuerte ihn wund.
In einem dringlichen Brief bat er den Herzog Karl Friedrich von Württemberg-Oels um seinen Besuch. Er war gewillt, diesem die Vormundschaft und Regentschaft abzutreten. Er hatte sein Bestes getan, das Land aus dem ärgsten Dreck herauszuziehen, er hatte es wohl erreicht. Gerechtigkeit! hatte er gesagt, Pflicht! Autorität! Aber es war nicht möglich, in diesen Läuften das Regiment nach solchen Prinzipien zu führen. Er hatte müssen zusehen, wie man die todeswürdigen Schelmen hatte laufen lassen, jetzt mußte er zusehen, wie man den Juden, trotzdem es unrecht war, aufhenkte. Er war einundsiebzig Jahre alt und müde. Er fühlte seine Leibes- und Geisteskräfte merklich schwinden. Es sei ihm beschwerlich, schrieb er dem Kaiser, erklärte er den Geheimräten, dem völligen Detail einer so verwirrten als wichtigen Regierung nach eigenem Wunsche genugsam abzuwarten. Er sehnte sich, der schiefe, schäbige, ehrliche Soldat, nach der bäuerlichen Ruhe seines kleinen, umblühten Neuenstadt, nach einem stillen Sterben.
Nachdem Süß sich bei der Verkündung des Urteils so frech und widerspenstig erwiesen hatte, wurde er im Herrenhaus, wo er bis zur Vollstreckung des Urteils bleiben sollte, kreuzweis geschlossen und ohne Nahrung den Tag über in ein kahles, vollkommen leeres Gelaß gesperrt. Er war, nach dem Ausbruch vor den Richtern, sogleich wieder still geworden, beschaute, lächelnd, kopfwiegend, Blut und Schmutz, mit dem er überdeckt war. Hockte, in den Fesseln verkrümmt, auf dem Boden an der Wand des leeren, nicht dunklen Raumes. Haman, der Minister des Ahasver, besuchte ihn; er hatte die Hakennase des Herrn von Pflug und seine harte, hochmütige Stimme. Goliath kam, haute ihn mit der Bewegung des Herrn von Gaisberg plump, jovial und schmerzhaft kräftig auf die Schulter. Andere kamen, Freundlichere, machten halb schwäbisch, halb hebräisch Konversation. Der treue Elieser-Pfäffle war da, Abraham feilschte in Gestalt Johann Daniel Harpprechts mit dem Herrn um Gerechtigkeit. Und die Menschen kamen, die zu Naemi gekommen waren. Jesaia, der Prophet, knurrte und sänftete mit der übellaunigen Stimme des Oheims. An dem reichen Haar hing Absalom im Geäst; doch das Haar war weiß und das Gesicht darunter sein eigenes.
Aber da kläffte es hinein, schepperte, bellte. Ach, das war wieder der Stadtvikar Hoffmann, die Segnungen der Augsburgischen Konfession anpreisend. Ja, der eifrige Seelsorger war wieder zur Stelle, er glaubte, jetzt sei der Braten weich und mürb genug. Doch Süß war durchaus nicht gestimmt, heute mit ihm zu disputieren. Diese grobe Stimme verdrängte die sanfteren um ihn. Still und ohne Hohn bat er, von ihm abzustehen; er wolle gern, lasse man nur von ihm ab, der evangelischen Kirche zehntausend Taler für ihre Bemühungen testamentarisch verschreiben. Hoffnungslos zog sich der ergrimmte Geistliche zurück.
Anderer, unerwarteter Besuch kam. Ein feiner, älterer Herr, Windhundschädel, schnuppernd, ganz unauffällig und sehr vornehm gekleidet. Der Vater der Herzogin-Witwe, der alte Fürst Thurn und Taxis. Es hatte ihm keine Ruhe gelassen, es hatte ihn aus den Niederlanden hergetrieben. So ging das nicht, so konnte man den Süß nicht sterben lassen. Einen Mann, den seine Tochter besucht, dem er selbst die Hand gegeben hatte. Einen Mann, von dem die katholische Kirche zwar nicht offiziell, doch so, daß alle Höfe es wußten, Dienste angenommen hatte. Nein, nein, es vertrug sich nicht mit seinen Anschauungen von Höflichkeit, er hatte eine zu gute Kinderstube, das geschehen zu lassen. Ein Mann, mit dem man soweit gegangen war, war ein Herr. Takt, Anstand, Manierlichkeit gebot, daß man ihn nicht mit dem Galgen in Berührung kommen ließ. Der alte Fürst fuhr selber nach Stuttgart, inkognito, als ein Baron Neuhoff. Er hatte den Juden nie leiden mögen, er hatte es ihm nie vergessen, daß der gelbe Salon von Monbijou seinen gelben Frack, die weinrote Livree seiner Dienerschaft seinen weinroten Rock geschlagen hatte. Es wäre geschmacklos gewesen, sich jetzt an den üblen Umständen des andern zu freuen; immerhin, er brauchte jetzt nicht Angst zu haben, daß das Milieu des Juden die eigene Repräsentation beschatte.
Er kam mit einem festen Plan. Er wird dem Süß zur Flucht helfen, wie er den Remchingen hat fliehen lassen. Es wird im Fall des Juden nicht so einfach gehen; aber er war entschlossen, Geld und Mühe nicht zu sparen. Vielleicht wird es am Ende sogar diesem unsympathischen, alten, bäurischen Regenten und Töffel angenehm sein, den Juden auf diese Art loszuwerden. Jedenfalls: es wird gehen. Nur wird er eine Bedingung stellen. So viele Efforts zu machen für einen Juden, das ging auch wieder nicht. Es durfte eben kein Jud mehr sein. Der Jud mußte, und wird da in seiner Situation wohl auch keine Historien machen, der Jud mußte selbstverständlich übertreten. Es war Gewinn und Triumph für die katholische Kirche, diesen schlauen Finanzmann und gerissenen Politiker, der übrigens viel kavaliermäßiger war als die meisten schwäbischen sogenannten Herren, in ihren Schoß aufzunehmen.
Angewidert schreckte der elegante Fürst zurück, als er lächelnd, der Surprise sich freuend, die Schwelle überschritten hatte. Was war das? Da hockte ein alter, krummer Mauscheljude. War das der Finanzdirektor? War das der große Seladon? Unbehagen kroch ihn an, als wäre er selber schmutzig. Süß sah das Gesicht seines Besuchers. „Ja,“ sagte er mit einem ganz kleinen Lächeln, „ja, Durchlaucht, ich bin es.“
Man hatte jetzt eine Pritsche, einen Stuhl und einen Tisch in das Gelaß gestellt. Der Fürst setzte sich vorsichtig, unbehaglich. Er konnte sich den Mann, der da vor ihm hockte, durchaus nicht zusammenreimen mit dem eleganten Herrn, den er im Gedächtnis hatte. Sollte der Jude die Welt wieder einmal übertölpeln wollen? Sollte das Ganze ein Trick sein? Er hatte das gleiche unangenehme Gefühl wie damals in dem gelben Salon und vor den weinroten Livreen. Sollte der Jude das Unmögliche fertiggebracht und ihn selbst unter solchen Umständen, in dieser Zelle, geschlagen haben? Aber, wenn alle darauf hereinfallen: er nicht. Er denkt nicht daran, dem Juden auf den Leim zu kriechen. Er, der welterfahrene, skeptische Herr und Fürst, er läßt sich nicht bluffen.
„Vor mir brauchen Sie nicht zu simulieren, Exzellenz,“ tastete er glatt und höflich, als säße er im Salon. „Sie können mir unmöglich zumuten, daß ich Ihnen diese Mummenschanz glaube. Es ist ein Trick. Unterm Galgen werden Sie plötzlich den widerlichen Bart abnehmen und der gescheite, mondäne, versierte Kavalier sein von früher. Es ist ein Manöver,“ sagte er sieghaft. „Natürlich ist es ein Manöver. Aber, mein gewester Herr Finanzienrat, auf ein solches Theater fallen vielleicht die Herren vom Parlament herein. Ich nicht. Mir können Sie nichts vormachen.“
Süß schwieg. „Sie haben wahrscheinlich noch Trümpfe in der Hand,“ tastete wieder der Fürst, „die Sie im letzten Augenblick ausspielen wollen. Sie wollen vermutlich jetzt den leidenden Heiligen spielen, um dann eine so glänzendere Auferstehung zu halten. Seien Sie vorsichtig! Die Stimmung ist gefährlich hier. Vielleicht wird man Sie gar nicht soweit kommen lassen. Vielleicht wird man Sie – entschuldigen Sie! – aufhängen mitsamt Ihren Trümpfen in der Hand.“
Da Süß noch immer schwieg, wurde er ungeduldig. „Exzellenz! Mann! Mensch! Begreifen Sie doch! Reden Sie doch! Ich meine es gut mit Ihnen. Es ist Ihnen schwerlich an der Wiege gesungen worden, daß ein deutscher Reichsfürst sich um Sie soviel Mühe geben wird. Hören Sie! Reden Sie!“ Er setzte ihm, enerviert durch seine Haltung, schwunglos, seinen Plan und seine Bedingung auseinander. Als er zu Ende war, machte Süß keine Bewegung, tat nicht den Mund auf. Tiefer als je fühlte der feine Fürst sich geschlagen. Da hatte er die Reise gemacht, und nun saß der Jude da, refüsierte nicht einmal pathetisch, sagte einfach nichts. Der Fürst fühlte sich plötzlich alt und matt, er ertrug das Schweigen nicht mehr, sagte mit gemachtem Spott: „Sie haben im Gefängnis Ihre guten Manieren verlernt. Wenn man sich so für Sie abplagt, könnten Sie doch wenigstens Mille merci sagen.“
„Mille merci,“ sagte Süß.
Der Fürst stand auf. Daß dieser Jude sich nicht von ihm retten, sondern sich lieber an den lichten Galgen hängen lassen wollte, empfand er als persönliche Kränkung. „Sie sind ein Narr in Folio, mein Lieber,“ sagte er und seine verbindliche Stimme wurde überraschend scharf. „Ihr Stoizismus ist durchaus veraltet. Man stirbt nicht mehr, um in den Historienbüchern der Schuljungen eine bessere Zensur zu kriegen. Besser ein lebendiger Hund als ein toter Löwe, bemerkte sehr richtig Ihr König Salomo.“ Er stäubte sich den Rock ab, schloß, schon unter der Türe: „Lassen Sie sich wenigstens den Bart balbieren und ziehen Sie sich gut an, wenn Sie“ – er rümpfte die Nase – „partout dahinauf wollen. Das kann man verlangen von jemandem, den man so freundlich in seinen Kreis aufgenommen hat. Sie haben ein zahlreiches und prominentes Publikum. Ihr ganzes Leben haben Sie gute Figur gemacht. Stellen Sie sich Ihrem Kavaliersruf nicht selber in den Schatten, wenn Sie von diesem Welttheater abtreten.“ Damit ging er.
Der Galgen, an den Süß gehenkt werden sollte, war hundertundvierzig Jahre vorher erbaut worden. Es war ein sehr kostspieliger Galgen, er hatte schon in jener frühen, wohlfeilen Zeit dreitausend oberländische Gulden gekostet, er war durchaus etwas Besonderes und sehr anders als der hölzerne Ordinari-Galgen. Er war hoch wie ein Turm, fünfunddreißig Fuß war er hoch. Er war ganz aus Eisen erbaut, aus den sechsunddreißig Zentnern und achtzehn Pfunden Eisen, die der Alchimist Georg Honauer ausgesucht hatte, um dem Herzog Friedrich Gold zu machen, wobei er den Herzog um zwei Tonnen Goldes schädigte. Diesem Georg Honauer zu Lieb und Leid war der Galgen errichtet worden, schön rot angestrichen, auch mit Gold verziert und der Honauer daran gehenkt.
Ihm waren rasch hintereinander mehrere andere Alchimisten gefolgt, von denen sich Herzog Friedrich hatte betrügen lassen. Der erste war ein Italiener, Petrus Montanus. Ein Jahr darauf Hans Heinrich Neuscheler aus Zürich, der blinde Goldmacher genannt. Wieder ein Jahr später ein anderer Hans Heinrich, genannt von Müllenfels. Sein Glück hatte länger geblüht; er hatte sich oft lustig gemacht über die drei in freier Luft schwebenden Kunstgenossen; nun schwebte er wie sie. Dann wurde der Galgen lange nicht benützt. Bis ein Schmied aus der Grafschaft Oettingen auf den Gedanken kam, ihn sukzessive abzutragen und zu stehlen. Schon hatte er drei Stangen losgemacht und über sieben Zentner Eisen nächtlicherweile entwendet, als er gepackt und mit dem Instrument seines Verbrechens justifiziert wurde.
Ueber ein Jahrhundert seither war der eiserne Galgen leergestanden. Jetzt bestimmte Herr von Pflug, der das Arrangement der Exekution übernommen hatte, dem Juden als sechstem den Tod auf diese besondere Manier. Seit Beginn des Prozesses hatte der hagere, harte Mann darauf gewartet, seinem Haß dieses Fest zu rüsten. Jetzt wollte er es so feiern, daß Europa es nicht vergessen sollte.
Mit allen Raffinements des Schimpfes bereitete er die Hinrichtung vor. Die Geilheit des Juden, seine Fleischessünden, die Schändung christlicher, deutscher Frauen durch den beschnittenen Hund hatte ja leider, sehr gegen seinen Willen, in den Urteilsgründen keine Stelle finden dürfen. Jetzt bei der Exekution hatte er freie Hand. Er wird dem Juden seine Wollust und freche Luderei anstreichen. Nicht einfach am Galgen wird er ihn hängen lassen, nein, die wüste Tätigkeit seiner liederlichen Nächte mit populärem Wortspiel verhöhnend, in einem Vogelbauer.
Das Untersuchungsgericht ließ sich die solenne Vollziehung des Urteils etwas kosten. Auf dem Richtplatz, der Tunzenhofer Steige, auch Galgensteige genannt, der Prag zu gelegen, wurden komfortable Logen gebaut für die Kavaliere und Damen. Das Militär, das den Delinquenten eskortieren und die Absperrmaßnahmen durchführen sollte, übte seine Manöver ein. Der eiserne Galgen wurde sorgsam repariert, der Schinderkarren wurde mit höheren Rädern, das Malefikantenglöcklein mit einem neuen Strick versehen, die Schinderknechte bekamen neue Uniformen.
Größtes Gewicht wurde auf die solide Ausführung der witzigen Pläne des Herrn von Pflug gelegt. Der Jud hat gespottet, höher als der Galgen ist könnte man ihn nicht hängen. Man wird ihm zeigen, was man kann. Man wird einfach den eisernen Käfig, das Vogelbauer, über den Galgen hinaufziehen.
Die Ausführung des Käfigs und des zugehörigen umständlichen Apparats wurde den Meistern Johann Christoph Faust und Veit Ludwig Rigler anvertraut. Der Käfig war in zwei Teile zerlegbar, acht Schuh hoch, vier Schuh weit, er hatte in der Rundung vierzehn Reifen und siebzehn Stangen in die Höhe. Eine sinnreiche Maschinerie ermöglichte es, ihn leicht über den Galgen hochzuziehen. Seine Herstellung war außerordentlich teuer. Zuletzt mußte das gesamte Schlosserhandwerk einen Streich an dem Käfig tun. Sechs Pferde schleppten zwei Tage vor der geplanten Exekution das monströse Ding die steile Tunzenhofer Steige hinauf. Die Schuljugend der Hauptstadt lief mit. Ganz Stuttgart zog in diesen Tagen hinauf zur Galgensteige. In rasch errichteten Buden wurde Wein und Bier verschenkt, Händler boten fliegende Blätter aus mit dem Bild des Juden und Spottversen. In der fröhlichen Kälte trieb man sich lärmend herum auf dem Richtplatz, schaute interessiert der Aufschlagung der Logen zu, bewunderte die Polierung des Galgens, den sinnreichen Käfig.
Die Wirkung dieses Vogelbauers auf das Volk übertraf noch die Erwartungen des Herrn von Pflug. Ein ungeheures Gewieher und Gegrinse ging durch die Stadt, durch das ganze Land. Zahllose Reime mit Vögeln flogen auf, wurden von den Kindern auf den Straßen gesungen. Nur wollte man nicht glauben, daß Herr von Pflug der Autor dieses guten Witzes sei; das Volk schrieb vielmehr die ingeniöse Idee mit dem Vogelbauer seinem Liebling zu, dem allgemein geschätzten Major von Röder. Im Anschluß an die Vogelverse wurde denn auch gewöhnlich das Lied gesungen mit den Reimen: Da sprach der Herr von Röder: / Halt! oder stirb entweder!
In der Zelle des Süß saßen Rabbi Gabriel und Rabbi Jonathan Eybeschütz. Der große Paß der Generalstaaten hatte dem Mynheer Gabriel Oppenheimer van Straaten das Gefängnis ohne weiteres geöffnet. Nun saßen die drei Männer und hielten Mahlzeit. Rabbi Gabriel hatte Früchte mitgebracht, Datteln, Feigen, Apfelsinen, auch Backwerk und starken, südlichen Wein. Süß trug den scharlachfarbenen Rock, ein Barett über dem weißen Haar, über der Nase zackten ihm wie den beiden Rabbinen in die Stirn die drei Furchen, bildend das Schin, den Anfangsbuchstaben des göttlichen Namens Schaddai. Er tauchte Feigen in den Wein. Dies war seine letzte Mahlzeit. Rabbi Gabriel zerteilte mit den dicklichen Fingern eine Apfelsine. Die drei Männer saßen, verzehrten die Früchte, schweigend und in großem Ernst. Aber ihre Gedanken gingen schwer und flutend vom einen zum andern. Rabbi Gabriel und Süß waren eins und Rabbi Gabriel empfand zum erstenmal diese Bindung nicht als Zwang und böses Schicksal, sondern als Geschenk. Der dritte aber, Jonathan Eybeschütz, spürte den gleichen Strom wie sie, allein er war ausgeschlossen davon, er stand am Ufer und die Welle trug ihn nicht. Er saß mit ihnen, er trank mit ihnen, er trug das Zeichen des Schin wie sie, er war wissend und erweckt wie sie: aber die Welle trug ihn nicht. Rabbi Gabriel bestreute umständlich die Schnitten der Apfelsine mit Zucker und verteilte sie. Er schenkte von dem südlichen, schwarzfarbenen Wein. Die Zelle war voll von ungesprochenem Wort, von Gedanke, Gesicht, Gott. Doch an Rabbi Jonathan nagte es, bitter, zerrend, bösartig. Er machte sich mit zynischem Witz lustig darüber: es war leicht, Aufschwung zu haben, wenn man gehenkt wurde. Aber dieser schlimme Trost verfing nicht, er fühlte sich, der Reiche, Wissende, als kahlen Neidling und halben Verräter. Und als er den beiden anderen die Verse des Tischgebets zurückgab, prunkend in seidigem Kaftan und milchig fließendem weißem Bart, würdig, wissend, hochgeehrt, war er ein armer, trüber, vertaner Mann.
In der Eingangshalle des Rathauses, während ihm oben nochmals das Urteil verkündet und der Stab über ihn gebrochen wurde, warteten auf Süß der milde, welke Rabbiner von Frankfurt, der beleibte, sanguinische Rabbiner von Fürth und fröstelnd und erregt Isaak Landauer. Flockiger, sich lösender Schnee fiel, durch nebelige, trübe Luft brach, immer wieder verschwindend, blasse Sonne. Draußen vor dem Portal drängte sich neugierig und unabsehbar zahllos das Volk, Herr von Röder hielt auf seinem alten Fuchs vor der starken militärischen Eskorte, auf hohen Rädern ragte kahl der Schinderkarren, der Henker mit seinen Gehilfen in grellen Farben um ihn herum.
Endlich wurde Süß die Stufen heruntergeführt. Es war den Juden verstattet worden, ihn hier nochmals zu sprechen. Er beugte den Kopf nieder. Der kleine Rabbi Jaakob Josua Falk legte ihm die welken, milden Hände aufs Haupt und sagte: „Es segne dich Jahve und behüte dich. Es lasse leuchten Jahve sein Antlitz über dich und begnade dich. Es wende Jahve sein Antlitz dir zu und gebe dir Frieden.“ „Amen Sela,“ sagten die beiden anderen.
Umständlich wurde der Jude auf den hohen Schinderkarren gesetzt und gebunden. Trotz Frost und Nässe stand der ganze Marktplatz dick voll von Volk. Alle Fenster des Herrenhauses, des Rathauses, der Apotheke, des Sonnenwirtshauses waren weiß von Gesichtern. Auf dem Röhrbrunnen, ja selbst auf dem Schnapsgalgen und dem Hölzernen Esel hingen die Buben. Stumm glotzte das Volk. Herr von Röder gab seinen Reitern mit seiner knarrenden Stimme das Kommando. In Bewegung setzte sich die Eskorte, Stadtreiter voran, zwei Trommler, dann eine Kompagnie Grenadiers zu Fuß. Jetzt schwang sich ein Schinderknecht auf das Pferd des Karrens, schnalzte mit der Zunge, der Gaul zog an. Der kleine Rabbi Jaakob Josua Falk, mit fahlen Lippen, wiederholte: „Und gebe dir Frieden“. Doch der zornige Rabbiner von Fürth konnte sich nicht halten, wilde Flüche gurgelte er hinter dem Karren her gegen Edom und Amalek, die Feinde und Frevler. Isaak Landauer aber brach in ein gelles, ungezähmtes, tierisches Heulen aus. Es war sonderbar, den großen Finanzmann zu sehen, wie er den Kopf gegen die Torpfosten des Rathauses schlug und ohne Hemmung heulte. Nun begann auch die Malefikantenglocke zu läuten. Dünn, scharf, scheppernd mischte sie sich in das Geheul des Juden, drang durch die schneeige, dämpfende Luft, ins Mark reißend.
Schepperte in das Zimmer Magdalen Sibyllens. Sie hatte die Geburt gut überstanden, doch mußte sie noch liegen. Sie schaute auf das Kind, ein normales Kind, nicht groß, nicht klein, nicht schön, nicht häßlich. Sie hörte das scharfe Gewimmer der Glocke, sie krümmte sich nervös, sie schaute auf ihr und Immanuel Riegers Kind und sie liebte es nicht.
Die Glocke schepperte auch ins Schloß, wo der alte Regent saß mit Bilfinger und Harpprecht. Die drei Männer schwiegen. Dann endlich sagte Harpprecht: „Das Läuten klingt mir nicht lieblich ins Ohr.“ Karl Rudolf sagte: „Ich hab es müssen tun. Ich schäm mich, ihr Herren.“
Unterdes wurde Süß durch die Stadt geführt, der Galgensteige zu. Er saß auf dem Schinderkarren, hoch wie ein Götzenbild, in seinem scharlachfarbenen Rock, der Solitär glänzte an seinem Finger, der Herzog-Administrator hatte nicht erlaubt, daß man ihn des Ringes beraube. Die Straßen waren gesäumt mit Menschen, es flockte, die Prozession schritt sonderbar lautlos, die Menge schaute sonderbar lautlos zu. Die Zehntausende zogen, war der Delinquent vorbei, zu Fuß, zu Pferd, zu Wagen, neben, hinter den eskortierenden Truppen her. In der blassen, nebligen Luft, in dem schmutzigen, sich lösenden Schneegeflocke war alles doppelt schwer und still. Man nahm nicht den nächsten Weg, man führte den Juden langsam und umständlich im Bogen. Viele Zuschauer waren von weither gekommen, das ganze Land wollte dabei sein, auch von jenseits der Grenzen waren viele gekommen, man wollte allen das Schauspiel zeigen. Süß thronte hoch auf dem Karren, gebunden, steif, Schnee fiel auf seine Kleider, auf seinen weißen Bart.
An seinem Weg stand der Lizentiat Mögling. Er war betrübt und bedrückt, daß seine Verteidigungsschrift so gar nichts genützt hatte. Er durfte sich zwar sagen, er habe alles getan, auch sprach die vox populi einheitlich und mächtig gegen den Verurteilten. Aber es war doch bitter und schnürend, daß dieser Angeklagte, der ihm anvertraut war, ohne juristisch zureichenden Grund gehenkt wurde. Er fühlte sich unbehaglich, angefrostet. Er veranlaßte einen Henkersknecht, dem Süß einen Becher Weins hinaufzureichen. Der nahm ihn zwar nicht, er dankte nicht einmal, er blieb vollkommen unbeweglich, aber der Lizentiat fühlte sich leichter und wärmer.
Am Wege des Juden stand auch die Frau des Schertlin, die Waldenserin. Sie sah den Süß gebunden, sonderbar still, reglos wie ein Heiligenbild, das in Prozession durch die Stadt gefahren wird, Schnee in seinem Bart, Schnee auf seinem Rock. Sie, als einzige vielleicht dieser Zuschauer, ahnte Zusammenhänge, ahnte die Freiwilligkeit dieser schimpflichen Schaustellung. Gierig starrte sie, in zerrissenem, hohnvollem Triumph, auf den Mann, ihre kurzen, sehr roten Lippen standen halb offen, ihre länglichen Augen brannten. Eine Frau neben ihr sagte halblaut, stark schwäbisch: „Er hat immer hoch hinauf wollen. Jetzt kommt er noch höher.“ „Sale bête!“ sagte die Waldenserin vor sich hin in den flockenden Schnee.
An einer neuen Wegbiegung stand der Publizist Johann Jaakob Moser. Er begann, als der Zug in Sicht kam, eine kurze, markige, patriotische Ansprache. Aber seine feurigen Worte zündeten nicht, der Schnee löschte sie aus, die Leute blieben stumm, er tat den Mund zu, bevor er zu Ende war. Kurz, ehe der Zug sein Ziel erreichte, stand am Wege Nicklas Pfäffle, der blasse, gleichmütige Sekretär. Wie sein Herr ein letztes Mal vorüberkam, grüßte er tief. Süß sah ihn, nickte zweimal. Nicklas Pfäffle, wie der Karren vorbei war, folgte nicht zur Richtstatt, ging abseits, schluckte.
Als der Zug vor dem Hochgericht ankam, hatte Nebel und Geflock aufgehört. Sehr klar im Frost unter dem hellen, weißlichen Himmel standen die Weinberge. Der Jude sah oben in den Rebenterrassen das kleine Wachhaus, sah unten den Wasserturm, das Andräenhaus, das Bad. Er wandte sich und sah Stuttgart. Die Stiftskirche, Sankt Leonhart, das alte Schloß und den Neuen Bau, für den er das Geld geschafft hatte. Zu seiner Linken ragte kahl der hohe Holzgalgen. Aber er schien unansehnlich vor dem abenteuerlichen, künstlichen, riesigen Eisengerüst, das für ihn bestimmt war. Eine gedoppelte Leiter mit zahllosen Sprossen, vielfach gestützt, türmte sich hinauf, Räderwerk, Ketten und Gewinde schlang sich, den Käfig hochzuziehen. Das weite Feld war besetzt mit Menschen. Das hockte gierig und gespannt auf allen Vorsprüngen, Zäunen, Bäumen. Von ganz weit her schaute es mit großen, plumpen Fernrohren. Auf dem Rock des Süß war der Schnee gefroren, in Frost und Helle schimmerten die kleinen Kristalle auf seinem Barett, in seinem weißen Bart.
Auf drei großen Tribünen, jede für sechshundert Menschen, saßen die Damen und Kavaliere, die Herren des Hofes, hohe Beamte und Militärs, die auswärtigen Gesandten, die Herren des Gerichts, des Parlaments. Der Geheimrat von Pflug vornean. Er hatte bis zuletzt gefürchtet, der Hebräer, die Bestie, werde doch noch durch irgendeinen ganz verschmitzten jüdischen Schlich entkommen. Jetzt war es an dem, jetzt war das Ziel seines Lebens erreicht. Jetzt wird, jetzt gleich, der Verhaßte hochschweben, erwürgt. Die harten Augen des Geheimrats suchten gierig unter dem Kragen des Rockes den Hals des Juden, den Platz für den Strick. Herrlich ist es, den Tod des Feindes mitanzuschauen, ein Bad für die Augen, angenehm und lieblich ist der Klang der Todestrommeln, das Scheppern des Glöckleins. Unter den Damen waren manche, die den Süß sehr genau kannten und trotzdem aus irgendwelchen Gründen der Untersuchung entgangen waren. Nun schauten sie auf den Mann, mit dem sie verstrickt waren, befremdet, angefrostet. Er hatte sich sehr jung gegeben, er hatte, weiß Gott, erwiesen, daß er die Kraft eines Jünglings besaß, er konnte auch allerhöchstens vierzig sein, und jetzt hatte er weißes Haar und sah aus wie ein alter Rabbiner. Man mußte sich eigentlich vor sich selber schämen, daß man mit ihm im Bett gelegen war. Doch merkwürdigerweise schämten sie sich nicht. Gierig und gelockt schauten sie auf den sonderbaren Mann. Jetzt wird er gleich tot sein, jetzt wird er gleich für immer stumm und alle Gefahr vorbei und ihre Verstrickung sehr gewaltsam und schauerlich gelöst sein. Sie warteten darauf, lüstern und zitternd, sehnten sich danach, fürchteten sich davor. Die meisten von ihnen hätten sich lieber für ihr ganzes ferneres Leben unter die Gefahr der Entdeckung geduckt, hätte er leben dürfen.
Auch der junge Michael Koppenhöfer war auf der Tribüne. Nun also wird der Mühlstein zermahlen, der dem Land so lang um den Hals hing, der Landverderber schimpflich justifiziert. Aber: diesen hätt die Demoiselle Elisabeth Salomea nicht verabschiedet, fahrig hin und her hastend zwischen Büchern und Stapeln von Wäsche, diesem war sie zugefallen, und er hatte sich wohl nicht einmal sonderliche Mühe zu geben brauchen. Der alte, krumme Jud, was war an ihm? Was war sein Geheimnis? Neidisch und bitter starrte er hin zu dem Mann auf dem Schinderkarren. Doch der junge Geheimrat Götz, unter den Richtern, schaute voll dummer, dumpfer Befriedigung. Jetzt wird die Schmach seiner Mutter und seiner Schwester ausgelöscht. Soll dann einer wagen, schief zu blicken. Wie wird er ihn niederblitzen! Wie wird er wissen, was er zu tun hat!
Aber fein und schwach saß auf der Tribüne der alte, verfallene Weißensee. Nenikekas, Judaie! Nenikekas, Judaie! Ach, der Jude hatte ihn wiederum besiegt. Hatte von allen Tafeln geschmaust, alle feinsten Leckerbissen dieser Welt mit Augen, Sinnen, Hirn geschmeckt, jeden Sieg und jede Niederlage ausgekostet, hatte sich angefüllt mit dem tragischen Ende des Kindes, hatte die bunte, farbige, überfeine, überwilde, höllenschweflige Rache gerüstet und vollendet, und nun starb er diesen Tod, die Augen der ganzen Welt auf sich, diesen abenteuerlichen und wahrscheinlich freiwilligen Tod, viel heroischer als etwa der Tod vor dem Feind. Umprasselt von Haß, umhegt von Liebe, zwielichtig, groß. Was blieb von ihm, von Weißensee? Ein paar jämmerliche Verse seiner armselig verbürgerten Tochter. Doch jener wird weiterleben. Immer wieder wird, was er war, lebte, sah, dachte, starb, von Späteren in die Hand genommen werden, nachdenklich beschaut, nachgelebt, nachgespürt, nachgestorben werden.
Süß war vom Schinderkarren losgebunden worden. Er stand, die Glieder steif, blinzelte. Er sah die Menschen in den Logen, die Perücken, die geschminkten Gesichter der Frauen. Er sah die Truppen, die den Platz absperrten. Ei, man hatte sich mächtig angestrengt; das waren allein um den Galgen mindestens fünf Kompagnien. Selbstverständlich hatte, sichtbarlich vornean, der Major von Röder die militärische Oberleitung. Ja, ja, es brauchte viel Strategie, ihn, den Süß, jetzt vollends aus der Welt zu schaffen. Süß sah die Zehntausende von Gesichtern, neugierige Weiber, die Münder bereit zum Keifen, Männer, bereit, befriedigt zu schmatzen und zu knurren, Kindergesichter, pausbäckig, großäugig, bestimmt, so leer und bösartig zu werden wie die Fratzen der Eltern. Er sah den Atem der Menge, weißlich dampfend, sehr leibhaft in dem hellen Frost, die gierigen Augen, die gereckten Hälse, die sich vormals so devot vor ihm gebeugt hatten. Er sah das Vogelbauer, den umständlichen, schimpflichen Apparat seiner Tötung. Und während er dies sah, drang in sein Ohr etwas Plärrendes, Kläffendes. Der Stadtvikar Hoffmann hatte es sich nicht nehmen lassen, ihn unterm Galgen zu erwarten, nochmals auf ihn einzureden, von Himmel und Erde, von Verzeihung der Menschen und Gottes, von Sühnung und Glauben. Süß sah dies und hörte dies, er schaute langsam den Stadtvikar auf und ab, wandte sich weg, spie aus. Aufgerissene Augen, leises, empörtes, rasch verstummendes Schnauben der Menge.
Jetzt machten sich die Schinderknechte in ihren neuen, grellen Uniformen an ihn heran, öffneten ihm den Rock. Er spürte die rohen, ungefügen Hände, Ekel stieg hoch, er reckte sich, seine Steifheit war weg, er schlug um sich, wehrte sich verzweifelt. Alle Hälse wurden länger. Es war kurios anzusehen, wie der Mann in dem weißen Bart, in den Galakleidern, den blitzenden Edelstein an der Hand, sich mit den Knechten herumschlug, zappelte. Die Kinder lachten, jubelten, patschten in die Hände; auf den Tribünen begann eine geschminkte Frau schrill und anhaltend zu schreien, man mußte sie wegbringen. Das Barett des Juden fiel auf die nasse Erde, wurde in Kot gestampft. Die Henker packten ihn hart an, rissen ihm den Rock auf, sperrten ihn in den Käfig, legten ihm die Schlinge um den Hals.
Da stand er. Hörte leisen Wind, den Atem der Menge, die scharrenden Hufe der Pferde, das Keifen des Geistlichen. War dies das Letzte, was er auf Erden hören wird? Er dürstete nach anderem, er tat Herz und Ohr weit auf, er wollte anderes hören. Doch er hörte nur dies, dazu den eigenen Atem und das Surren des eigenen Blutes. Schon schwankte der Käfig, hob sich. Da, durch die leeren, grausamen Geräusche ein anderer Ton, gellende, gurgelnde Stimmen, schreiende: „Eins und ewig ist das Seiende, das Ueberwirkliche, der Gott Israels, Jahve, Adonai.“ Es sind die Juden, der kleine Jaakob Josua Falk, der dicke Rabbiner von Fürth, der schmierige Isaak Landauer. Sie stehen, in ihre Gebetmäntel gehüllt, sie und sieben andere, zehn, wie es Vorschrift ist, sie kümmern sich nicht um das Volk, das vom Galgen weg auf sie schaut, sie wiegen heftig die Leiber, stehen und schreien, gellen, gurgeln die Sterbegebete, über den weiten Platz hin: „Höre, Israel, eins und ewig ist Jahve Adonai.“ Weißliche Wolken in dem starken Frost ziehen die Worte von ihren Mündern, in die Ohren des Mannes im Käfig, und der Sohn des Marschalls Heydersdorff tut den Mund auf, schreit zurück: „Eins und ewig ist Jahve Adonai.“
Behend wimmeln, klettern die bunten Knechte die Leitern hinauf. Der Käfig hebt sich, die Schlinge drosselt zu. Unten flucht der Stadtvikar dem Sterbenden nach: „Fahr zur Hölle, verstockter Schelm und Jud!“ Das gelle Adonai der Juden ist in der Luft und in den Ohren aller. Aus dem Käfig tönt es zurück, bis die Schlinge den Ton erdrosselt.
Ganz vorn auf der Tribüne hat sich der Geheimrat Dom Bartelemi Pancorbo erhoben, er stützt die dürren, knochigen Hände auf die Brüstung, reckt aus der riesigen Halskrause den entfleischten, blauroten Kopf. Gierig hinter faltigen Lidern äugt er dem Käfig nach, wie er hochschwebt und in ihm der Mann in dem scharlachfarbenen Galarock und an dem Finger des Mannes der Solitär, tausendfarbig blitzend in der hellen Winterluft.
Nachdem der Kordon der Truppen aufgelöst war, beschaute sich die Menge den Galgen genau, ein paar Buben erstiegen die Leiter bis zur halben Höhe, man befühlte das Gerüst, oben auf den Stangen des Käfigs saßen in dicken Scharen schwarze Vögel.
Langsam zog die Menge in die Stadt zurück. Man hielt den Tag als Feiertag, aß gut, trank gut, soff, tanzte und raufte in den Schenken. Der junge Bürger Langefaß hatte aus dem Kot das zertretene Barett des Süß erobert, er war ein lustiger Bruder, berühmt als Witzbold; er stülpte sich das Barett auf, er stülpte es auch Mädchen und Mägden auf, die vergraust kreischten unter dem Barett des gehenkten Juden. Dennoch kam die rechte Lustigkeit nicht auf. Man wußte nicht recht wie, aber man hatte sich den Tag anders, befreiter, heiterer vorgestellt. Man sang: Der Jud muß hängen, man sang: Da sprach der Herr von Röder: Halt! oder stirb entweder! Doch das Adonai des Juden wollte nicht aus dem Ohr. Die Kinder spielten Hängen; und das Spiel ging so, daß einer oben stand und Adonai schrie und die anderen standen unten und schrien, brüllten, johlten, gellten: Adonai.
In der Nacht nach der Hinrichtung, gegen drei Uhr etwa, kam ein hagerer, großer Herr die Tunzenhofer Steige herauf zu dem eisernen Galgen. Der Weg war ein übles Gemisch von Dreck und schmelzendem Schnee, beschwerlich zu gehen. Der hagere Herr, sehr fröstelnd, hüllte sich tief in einen weiten Mantel von altmodischem, verschollenem Schnitt. Er hatte zwei Burschen mit sich, verkommene Bürgersöhne, in Stuttgart bekannt als beherzt und zu jeder Unternehmung willens, wenn sie nur Geld trug. Die beiden Burschen stiegen ungesäumt die Leiter zu dem Galgen hinauf. Sie hatten Mühe, die Sprossen waren glitschig und gefroren, sie fluchten leise vor sich hin. Um sie herum flatterten Vögel, die Tag und Nacht in dicker Menge auf dem Galgen hockten. Oben hielten sich die beiden Burschen ungebührlich lange auf. Der dürre Herr, der unten wartete, zog nervös die Schultern hoch, trat von einem Fuß auf den andern, murmelte unterdrückt und unwirsch vor sich hin. „Habt ihr ihn?“ herrschte er sie, leise, an, als sie endlich wieder unten waren. „Er ist nicht da!“ stammelten verstört die Burschen. „Ihr habt ihn gestohlen, ihr habt den Stein gestohlen!“ bellte heiser, mühsam gedämpft, der Portugiese. „Ich lasse euch den Prozeß machen, ich lasse euch rädern!“ Doch die Burschen, verängstet, versicherten: „Der ganze Jud ist nicht da. Es hängt ein anderer im Käfig. Der Teufel hat ihn geholt.“ Dom Bartelemi, lang ungläubig, ließ schließlich noch in der Nacht durch Leibhusaren, amtlich, den Käfig untersuchen. Ja, die Leiche war gestohlen, ausgetauscht.
In aller Frühe schon war der wütende, geprellte Mann beim Herzog-Administrator. Das kam von der Güte Seiner Durchlaucht. Jetzt hatten die Juden den Solitär gestohlen. Den Solitär? Karl Rudolf dachte an den Berg von Gold, glaubte es nicht. Die Leiche, ja, die konnten sie gestohlen haben. Er überlegte, hellte sich auf, schmunzelte fast. Eigentlich waren sie Teufelskerle, diese Juden. Stahlen einfach die Leiche vom lichten Galgen weg; Christen und Soldaten hätten das nicht besser machen können. Er gönnte ihnen gern den Solitär als Entgelt, ließ sie nicht verfolgen. Blaurot, dumpf wütend, mit seiner moderigen Stimme grausige Flüche vor sich hinbellend, zog der hagere Portugiese ab in seiner verschollenen Hoftracht.
Die Leiche indes, in großer Eile in Rupfen gewickelt, unter Stapeln von Waren und Kram versteckt, fuhr auf einem Karren nach Fürth. Hausierjuden geleiteten sie, wechselten ab von einem Ort zum andern. Der Solitär stak am Finger des Toten; keiner von den Geleitern fürchtete, sein Nachfolger könnte ihn stehlen.
In Fürth wurde die Leiche gewaschen, in das weiße, lange Totenleinen gehüllt, eingesargt. Zeigefinger, Mittelfinger, Goldfinger gerichtet im Zeichen des Schin, des Anfangsbuchstabens des göttlichen Namens Schaddai; ein kleines Häuflein Erde unter das Haupt, schwarze, krümelnde Erde, Zions Erde. Den Aufsichtsbehörden war gemeldet, ein nicht weiter bekannter toter Jud aus Frankfurt, gestorben auf der Landstraße, werde beerdigt. Auch den Mitgliedern der Gemeinde wurde nichts mitgeteilt. Aber es raunte von Mund zu Mund.
Da lag der Unbekannte, das schwarzblaue erwürgte Gesicht sonderbar umrahmt von dem schmutzigweißen Bart, die Augen hatten sich nicht zudrücken lassen, sie quollen trüb bräunlich heraus, doch zwischen ihnen über der Nase zackten sich tief in die Stirn die drei Furchen des Schin. Aus dem weißen, einfachen Laken leuchtete riesig und verwirrend der Solitär. Die zehn angesehensten Männer der Gemeinde saßen zwischen großen Kerzen und verhängten Fenstern und hielten Wache.
Unter sie trat ein Fremder. Dicklich, bartloses, massiges Gesicht, graue, trübe Steinaugen, altfränkische Tracht. Wasser goß er hinter sich, da er das Totenzimmer betrat, Wasser zu Häupten, Wasser zu Füßen des Toten. Die Männer erkannten den Kabbalisten, flüsterten, gaben Raum.
An die Leiche trat Rabbi Gabriel, knarrte mit seiner mißtönigen Stimme den Segensspruch: „Gerühmt seist du, Jahve, Gott, gerechter Richter.“ Mit den dicklichen Fingern, behutsam, rührte er die Lider des Toten, da schlossen sich die Lider. Dann setzte er sich auf den Boden, senkte zwischen die Knie den Kopf. Die zehn Männer waren bis zur Wand zurückgewichen. Sehr allein trotz ihrer Gegenwart, ein kleines, verlorenes Bündel, hockte Rabbi Gabriel bei dem Toten.
Alle Juden aus Fürth waren auf der Gräberstatt, als der Unbekannte beerdigt wurde. Sie senkten den Sarg in den Grund. Der Solitär war am Finger des Toten, unter seinem Haupt das kleine Häuflein Erde von der Erde Zions. Im Chor antworteten sie dem Vorbeter: „Eitel ist und vielfältig ist und Haschen nach Wind ist die Welt; doch eins und ewig ist der Gott Israels, das Seiende, Ueberwirkliche, Jahve.“ Dann rissen sie Gras aus und warfen es hinter sich. Und sie sprachen: „Wie das Gras welken wir aus dem Licht.“ Und sie sprachen: „Wir gedenken, daß wir Staub sind.“ Dann wuschen sie sich die Hände in fließendem, dämonenscheuchendem Wasser und verließen den Friedhof.
Werke von Lion Feuchtwanger
Im Drei Masken Verlag München:
Vasantasena Schauspiel. Vierte Auflage
Der holländische Kaufmann Schauspiel
Der Frauenverkäufer Spiel nach Calderon
Im Wegweiserverlag Berlin:
Die häßliche Herzogin Roman. 110. Tausend
Im Verlag Gustav Kiepenheuer Potsdam:
Leben Eduards des Zweiten Historie. (Zusammen mit Bertolt Brecht)
Im Georg Müller Verlag München:
Thomas Wendt Ein dramatischer Roman. Dritte Auflage
Die Kriegsgefangenen Schauspiel
Friede Ein burleskes Spiel nach dem Aristophanes
Warren Hastings Schauspiel
Presse-Stimmen
Vasantasena
Man kann das Stück des sagenhaften Königs Sudraka, das ein Jahrtausend vor Shakespeare entstanden ist, nicht besser charakterisieren, als es der Herausgeber in seiner Einleitung tut: „Die Vasantasena vereint süße, weisheitsvolle Resignation mit lichter, anmutiger Schalkhaftigkeit ... Hier ist kein Erdenrest zu tragen peinlich. Diese Dichtung tanzt, schwebt, löst alle irdische Diskrepanz in unirdische Harmonie ...“ – und Feuchtwanger ist es gelungen, diese dichterische Höhe in seiner Nachdichtung zu wahren.
Der holländische Kaufmann
Berliner Börsen-Ztg.: Das Stück erstrebt große Ziele und weite Perspektiven.
Der Frauenverkäufer
Neue Freie Presse, Wien: Calderons Schauspiel ist ein Wurf, aus dem Feuchtwanger in freier und sehr geschickter Nachdichtung eine Komödie machte. Feuchtwanger hat durch stärkeren komischen Einschlag und menschliche Vertiefung ausgleichend eingegriffen. „Der Frauenverkäufer“ wird eine bleibende Bereicherung des deutschen Spielplanes sein.
Nieuwe Rotterdamsche Courant: Fruchtbarste Phantasie, zwischen Adelsschloß, Wildnis und maurischen Felsburgen, Sinn und Ulk, Liebe und Kampf hin und her schweifend, sichert dieser Nachdichtung stärkste Wirkung.
Die häßliche Herzogin
Frankfurter Zeitung: Ein Roman von wunderbarer Frische und Leuchtkraft, von innerer Wahrhaftigkeit und tiefer Eindringlichkeit, aus mittelalterlichen Zeiten ein farbenkräftiges Gemälde von kultureller Treue, zeitenecht und gleichwohl zu uns sprechend wie zu Zeitgenossen. Eines der besten und wertvollsten Bücher der neueren Literatur.
Münchner Neueste Nachrichten: Das ausgezeichnet erzählte Buch ist das Werk eines Dichters und großen Psychologen.
Thomas Wendt
Der Tag, Berlin: Feuchtwanger hat in diesem Werk eine auf Erlebnis und scharfer Beobachtung ruhende, glänzende Darstellung der Zeit gegeben. Man kann an diesem ebenso ernsten wie witzigen Werk unmöglich vorbeigehen.
Thomas Mann: Dieses Werk hat mich tief ergriffen. Es ist voll Wahrheit, Freiheit, Gerechtigkeit und Schönheit.
Die Kriegsgefangenen
V. Cyril in der Pariser Humanité: In diesem Stück ist das Beste deutscher Kunst. Früher Sommer, ruhevolle, sanfte Landschaft, sicheres, hinreißendes Gefühl der Schwingungen von Mensch zu Mensch.
Friede
Basler Nationalzeitung: Feuchtwangers Bearbeitung beweist eine geradezu geniale Hand. Die Holzschnittdrastik seiner Knittelverse, voll Schlagkraft, voll sprühenden Witzes, die staunenswerte Beherrschung der Sprache machen das Werk zum Muster- und Meisterbeispiel einer Uebersetzung in unsere Sprache und unsere Zeit.
Vossische Zeitung: Eine höchst wirkungsvolle und bühnensichere Komödie.
Warren Hastings
Frankfurter Zeitung: Wir grüßen Lion Feuchtwanger. Er bedeutet für die Bühne entschiedenen Gewinn, denn er verweist sie auf neue Möglichkeiten.
Münchner Zeitung: Das Ganze ist ein Werk von durchaus persönlicher Haltung, ein Stück, dessen starke Wirkungen nicht mit billigen Mitteln erkauft sind.
Jakob Wassermann
Gestalt und Humanität
Zwei Reden
172 Seiten 8° * Ganzleinen Rm. 4.50
In Wassermanns Reden spiegelt sich ein gut Stück edelster geistiger Kultur der Gegenwart – in einer rhetorischen Prosa, wie man sie heute in Deutschland kaum mehr hört. Unserer Zeit ist der Sinn für das Wesen der Gestalt und die Kraft zu ihrer Schöpfung abhanden gekommen. Gestalt ist Symbol und Repräsentation menschlicher Geisteswelt, ist der höchste Ausdruck menschheitsgeschichtlicher Epochen. Durch Gleichnisse und Bilder führt Wassermann uns in der zweiten Rede in das innere Wesen der Humanität hinein; Verkörperung seiner Idee ist ihm die Gestalt des Humanus, Humanus ist ein Spiegel der Genien, die an der Vervollkommnung der Menschheit gewirkt haben, voll Herzensadel, voll Geistigkeit, voll Phantasie; er ist der Werkmeister am „Bau zur wahrhaften Ehre des Menschen“.
A. M. Frey
Robinsonade zu Zwölft
Grotesker Roman
378 Seiten 8° * Broschiert Rm. 5.–, Ganzleinen Rm. 6.50
Eine groteske Geschichte, dahingeplaudert in einem tollen Wirbelwind der Gedanken und Einfälle, verschroben oft und verwirrend in dem turbulenten Durcheinander der Gestalten und Ereignisse, aber immer spannend und als kraftvolle, dichterisch glänzend gelöste Satire nicht ohne sittlich ernsten Hintergrund. – Eine bunt zusammengewürfelte Gesellschaft von Gegenwartsmenschen wird aus ihrer gewohnten Zivilisation durch ein Flugabenteuer herausgerissen; die zwölf Leutchen haben ihre komplizierten Europäerseelen wieder einmal auf das Natürliche einzustellen. Das führt zu Szenen von überwältigender Komik, aber auch von feinster gesellschaftskritischer Bedeutung.
Drei Masken Verlag München
Jerome K. Jerome Alle Wege führen nach Golgatha Roman. Broschiert Rm. 4.–, Halbleinen Rm. 5.–
Carl Sternheim Chronik von des zwanzigsten Jahrhunderts Beginn Neue erweiterte Ausgabe mit 16 Holzschnitten von Franz Masereel Broschiert Rm. 10.–, Halbleinen Rm. 12.–
Dmitrij Mereschkowskij Der vierzehnte Dezember Roman. Broschiert Rm. 5.50, Halbleinen Rm. 7.–
Das Reich des Antichrist Broschiert Rm. 4.–, Halbleinen Rm. 5.–
Alfons Paquet Drei Balladen. (Einmalige numerierte Ausgabe) Pappband Rm. 7.–, Halbleder Rm. 15.–
Prophezeiungen. Roman Broschiert Rm. 4.50, gebunden Rm. 6.–
Erzählungen an Bord. 10. Auflage Broschiert Rm. 5.–, gebunden Rm. 6.50
Delphische Wanderung. Ein Zeit- und Reisebuch Broschiert Rm. 4.50, Halbleinen Rm. 6.–
In Palästina. Ein Reisebuch Broschiert Rm. 4.50, Halbleinen Rm. 5.50
Rom oder Moskau. Sieben Aufsätze Kartoniert Rm. 4.–
Fahnen. Ein dramatischer Roman Kartoniert Rm. 4.50
Drei Masken Verlag München
Druck von Mänicke und Jahn A.-G., Rudolstadt
Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Weitere Änderungen, teilweise unter Zuhilfenahme anderer Auflagen, sind hier aufgeführt (vorher/nachher):
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