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Im Sattel durch Zentralasien

I. KAPITEL. Nach der Mongolei und durch Schansi. (continued 2)

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Am 2. November, einem Sonntage, gelangten wir endlich nach Pautingfu, das im Innern gerade auf Befehl Yuan-schi-kais nach europäischem Muster gepflastert wurde. Man sah auffallend viel Soldaten auf den Straßen. Wie stets in großen Städten, waren alle Gasthäuser voll besetzt, und erst nach langem, langem Suchen gelang es uns, unterzukommen. Die Ställe waren natürlich wieder miserabel, außerdem wollte der Geschäftsführer mich gleich gehörig übers Ohr hauen und mit meinem Mafu paktieren; letzterer war anständig genug, sofort abzuwinken. Abends hatte ich Besuch von einem Englisch sprechenden Chinesen, der sich mir als Besitzer des Gasthauses vorstellte. Wie sich nachher herausstellte, war es ein Schwindler, der durch anscheinende Bekanntschaft mit dem reisenden Europäer irgendwo anders Kapital herausschlagen wollte. Pautingfu macht, wie ich am nächsten Tage feststellte, immer noch denselben sauberen Eindruck, wie zu Zeiten der Okkupation; man sieht, daß die Chinesen auch darin etwas gelernt haben. Ein neuer kaiserlicher Palast ist im Bau und sieht seiner baldigen Vollendung entgegen. Wer weiß, ob nicht die Kaiserin-Witwe eines Tages ihren gesamten Hofstaat aus Peking hierher verlegen wird.

Nachdem ich schon um 3 Uhr morgens durch Signale geweckt worden war, marschierten wir am 4. November durchs Osttor weiter. Gleich vor der Stadt lagen viele Soldatenlager; der Vizekönig Yuan-schi-kai hat hier 4 Schwadronen Kavallerie, 5 Batterien und 20 Kompagnien, jede zu 500 Mann, vereinigt; eine Batterie exerzierte am Geschütz, auf dem großen Exerzierplatz übte die Infanterie. Hornisten bliesen ihre meist deutschen Signale, kurzum, es war ein Bild, genau wie bei uns in einer größeren Garnison. In der Mitte des großen Exerzierplatzes ist ein Podium für den besichtigenden General errichtet. Die Kompagnien waren gerade mit dem Dienst fertig und rückten nach den Quartieren. Vier Trommler und vier Hornisten bliesen zum Marschieren; der Tritt ist sehr langsam, im übrigen haben sie sonst vollkommen deutsches Reglement. Die Griffe, die ich sah, wurden recht gut ausgeführt. Mir fielen Leute mit roten Ärmeln auf; hiermit bezeichnet man Deserteure, also Leute im zweiten Grade des Soldatenstandes. Ich fragte einen der Offiziere, der sich mir als Major Wang vorstellte, ob ich sein Revier ansehen könne; dieses wurde gern erlaubt, und ich trat in eines der mit Wall und Graben versehenen Soldatenlager ein. In demselben lagen 504 Mann, Offiziere wohnten mit im Lager. Die Unterbringung war in einfachen, tadellos sauberen Lehmhäusern. Der Major führte mich selbst herum, und ich war überrascht, welchen guten Eindruck die Leute machten; hier wurde das Soldatenspielen unbedingt mit Ernst betrieben. Die Leute waren alle mit Gewehr Modell 88 ausgerüstet. Im übrigen waren Montierungskammern, Unterrichtstube für Kapitulantenunterricht, Küche, Eßsaal, Krankenstube, alles vorhanden. Nachdem mir noch Tee gereicht worden war, marschierte ich weiter und verritt mich in der Ebene mehrfach. Die Leute wiesen mich hier scheinbar absichtlich falsch. Abends gelangten wir nach Hsian tschönn.

Am 5. November gings weiter auf Pa-tschau zu. Ich schickte meinen Mafu voraus und ritt selbst mit Franz und dem Schimmel als Packtier hinterher. Als ich antreiben wollte, riß mir der Strick und der Schimmel lief weg. Nach langer Hetze bekam ich ihn glücklich wieder, aber nun streikte die Bestie und war weder durch Hiebe noch durch gutes Zureden vorwärts zu bekommen; ich mußte sie ganz langsam zu Fuß vorwärts zerren und gelangte erst abends 9 Uhr nach Pa-tschau, wo mich mein Mafu voller Angst erwartete. Er hatte versucht, mit der Mauserpistole zu schießen, um mich über die zu nehmende Richtung zu orientieren, hatte jedoch nicht mit ihr umzugehen verstanden. Am 7. November traf ich, über Wang-cing-to-tschönn und Schiku-hotu reitend, in Tientsin ein und war doch recht froh, daß ich wieder zu Hause war, denn der gute Franz war infolge des mangelhaften Beschlages so gut wie fertig. Die beiden anderen Tiere hatten die schwere Tour sehr gut bestanden und waren ganz frisch.

Illustration from Im Sattel durch Zentralasien: 6000 Kilometer in 176 Tagen

Zu Kapitel II.

Routenkarte zum Distanzritt Tientsin - Peking

Illustration from Im Sattel durch Zentralasien: 6000 Kilometer in 176 Tagen
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