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Handbuch der Germanischen Mythologie

ERSTES HAUPTSTÜCK. (continued 3)

Reading edition

Riesische Wesen in Tiergestalt sind nicht selten. Dahin gehören der Midgardswurm, der Adler Hräswelg, von dessen Schwingen die Winde ausgehen, der Wolf Fenrir, die Sonnen- und Mondwölfe. Riesennamen wie Kǫtt (Kater), Hyndla und Mella (Hündin), Trana (Kranich), Kráka (Krähe) weisen aufs Tierreich. Die Sage meldet auch von Verwandlungen: so erscheint Thjazi als Riesenadler, Fafnir nimmt Wurmsgestalt an und liegt auf dem Hort, im hürnen Seyfrid 22 wird der Drache zu einem Menschen, zunächst für einen Tag, nach fünf Jahren soll er für immer menschliche Gestalt gewinnen. Die Verwandlungsfähigkeit der Riesen ist aber im allgemeinen seltener als die der Elbe und wol von dorther entlehnt. Dem ungeschlachten Riesen steht die geschmeidige Beweglichkeit des Albs nicht wol an. Wie die Elemente zu Riesen wurden, lehrt eine ziemlich junge norwegische Sage, worin die gewöhnlichen Bezeichnungen, welche die Sprache für die Naturerscheinungen besitzt, persönlich genommen und in Verwandtschaftsverhältniss zu einander gesetzt sind. Auf ähnliche Weise dürften auch die älteren Riesengestalten entstanden sein. Als die ältesten Bewohner Norwegens gelten die Riesen, Forniots Geschlecht. Des Stammvaters Namen und Art ist noch nicht sicher aufgeklärt⁠[115], über seine Nachkommenschaft⁠[116] aber kann kein Zweifel aufkommen, ihr Wesen ist durchsichtig. Von Forniot stammen die Söhne Hler, Logi und Kari; der erste, auch Aegir genannt, waltete über das Meer, der zweite über die feurige Lohe, der dritte über die Winde. Logi bedeutet Lohe, Kari Wind. Von Kari entspringen Jokul (Gletscher), von diesem Snær (Schnee), dessen Kinder waren Thorri (Januarmonat), Fonn (Schneehaufe), Drifa (Schneetrift), Mjoll (feiner glänzender Schnee). Nach anderem Bericht ist Frosti (der Frost) des Snær Vater. Kalt weht es aus diesem Zweige des Riesengeschlechtes von dem norwegischen Hochgebirge herunter. Über die untersten Ansätze der Mythenbildung, die Personificierung blosser Begriffe, geht eine Sage vom König Snær oder Snio hinaus, welche Uhland (Schriften 6, 23) so auslegt: „Wenn bei Saxo der Dänenkönig Snio seinen vermummten Boten nach einer schönen Königin in Schweden ausschickt, wenn der Bote ihr leise, leise zusingt: Snio liebt dich, und sie ebenso, kaum hörbar, entgegenflüstert: Ich lieb ihn wieder, und wenn sie dann die verstohlene Zusammenkunft auf den Anfang des Winters bestimmt; wenn nach der Saga von Sturlaug dieser norwegische Jarl und nachmalige König in Schweden seinen Pflegbruder Frosti nach der schönen, lichtgelockten Mjoll, der Tochter des Finnenkönigs Snær, aussendet und Frosti die mit ihm Entfliehende unter dem Gürtel fassen muss, worauf sie rasch im Winde hinfahren; oder wenn nach dänischen Chroniken Snio ein Hirte des Riesen Lä (Hler) auf Läsö ist, so erahnt man wol noch bald das leise Gesäusel der niederfallenden Flocken, bald den stürmischen Flug des glänzenden Schneegestöbers, bald den dichten Trieb der Schneewolkenherde vom Meere her, dem Gebiete des Hlers, in seltsame Märchenbilder verwandelt.“ Von Logi, der mit dem Namenshelden der norwegischen Landschaft Halogaland als Halogi zusammengeworfen wird, erfahren wir noch, dass seine Frau Glod, die Glut, hiess; seine Töchter waren Eysa und Eimyrja, Glutasche. Von Hlers Sippe, seinen Wellentöchtern wird unten Näheres zu berichten sein. So waltet also das Riesengeschlecht in Luft, Feuer und Wasser. Besonders der Wind, der von den Gletschern herunter weht und Schnee daher treibt und aufhäuft, ist ihr Element.

Die Volkssage schreibt den Riesen hohes Alter zu. Noch im späten Mittelalter gelten Zwerge und Riesen für älter als die Menschen. Die nordische Mythologie versetzt die Riesen in das uranfängliche Chaos, aus dem sich der Urriese Ymir (auch Örgelmir oder Brimir genannt) als erstes leibliches Gebilde erhebt. Somit sind die Riesen auch älter als die Götter, und die nordische Sage führt diese Thatsache folgerichtig dahin aus, dass von den Riesen vor allen tiefste Weisheit über urweltliche Zustände und Ereignisse zu erholen ist. Ymir, der aus der Mischung der Elemente unmittelbar erwuchs, ist der Ahnherr aller Riesen. Selbst die Götter sind den Riesen verschwägert. Bur nahm eine Riesin, Bestla des Bolthorn Tochter, zur Frau. Mimir scheint ihr Bruder und Bolthorns Sohn gewesen zu sein. Von Bur und Bestla entstammten aber Odin, Wili und We. Jedoch die ganze Schöpfungssage und das Verhältniss der Götter und Riesen steht unter fremden Einflüssen, wie später ausgeführt wird.

Wie die Elbe so haben auch die Riesen zuweilen etwas Scheues, Heidnisches an sich, sie gebärden sich wie ein bedrängter Volksstamm, der im Begriff steht, die alte Heimat den neuen mächtigen Ankömmlingen zu überlassen. In der Sage vom Riesenspielzeug betrachtet die Riesentochter die Menschen als kleine Erdwürmer, der alte Riese aber weiss, dass sein eignes starkes Geschlecht den unscheinbaren Geschöpfen unterliegen muss. Dem Christentum sind die Riesen feind, sie schleudern Felsen gegen Kirchen. Aber sie müssen weichen. Als der heilige Gallus in stiller Nacht die Netze zum Fischen auswarf, vernahm er die Zwiesprache zwischen einem Bergriesen und einem Wasserriesen, die darüber Klage führten, dass der neue Glaube ihre Macht breche, dass sie selber aber ihren Feinden, den Gottesmännern, welche sich mit dem Gebet schützten, nicht an könnten. Da bekreuzigte sich Gallus und bannte sie aus der Gegend⁠[117]. So feindselig die Riesen aber auch im allgemeinen dem neuen Glauben entgegen stehen, so macht sich doch auch wie bei den Elben zuweilen die Sehnsucht bemerkbar, seiner Segnungen teilhaftig zu werden. In der Sage von Þorstein uxafót Kap. 6 richtet ein Erdriese (jarðbúi), der ihn in einem Kampfe unterstützt hatte, die Worte an Thorstein: „Du wirst auch einen Glaubenswechsel mitmachen, und dieser Glaube ist viel besser für die, die ihn annehmen können. Aber die müssen zurückbleiben, die nicht hiezu geschaffen sind, und so sind wie ich; denn ich und meine Brüder waren Erdriesen. Nun schiene mir aber viel daran zu liegen, dass du meinen Namen unter die Taufe brächtest, wenn es dir beschieden wäre, einen Sohn zu bekommen.“ Ebenso verlangt der Riese Armann, der dem Hallward im Traume erschien, „wenn es dir möglich wird, sollst du meinen Namen unter die Taufe und unter das Christentum bringen“⁠[118].

3. Wasserriesen.

In die Welt der riesischen Meerungeheuer eröffnet das ags. Gedicht Beowulf einen Einblick. Schon in früher Jugend erwarb sich Beowulf Ruhm bei seinem mehrtägigen Wettschwimmen mit Breca. Mit dem Schwerte musste er sich der Angriffe der Meerfische (hronfixas, merefixas) erwehren, die ihn auf den Grund zu ziehen trachteten. In den Wogen erschlug er neun Nixe (niceras nigene). Dadurch ist er vorbereitet auf seine grösste Heldenthat, den Kampf mit Grendel und seiner Mutter. In die Halle Heorot, welche der Dänenkönig Hrodgar erbaut hatte, drang allnächtlich Grendel, ein Unhold, der die Insassen mordete und den Saal verödete, bis Beowulf der Geatenheld übers Meer den Dänen zu Hilfe eilte, mit Grendel kämpfte, ihn auf den Tod verwundete, endlich in seine Behausung auf dem Meeresgrund drang, dort Grendels Mutter tötete und dem Unhold selber das Haupt abschlug. Die schwierigen Fragen, die mit dem Beowulfmythus und Gedicht⁠[119] zusammenhängen, berühren uns hier nicht, wir entnehmen daraus nur, was die Angelsachsen und wol überhaupt die Seegermanen unter Wasserdämonen sich vorstellten. Mit Grendel d. h. Schlange ist ein Dämon der zerstörenden Gewässer gemeint, sei es der Sturmfluten an der Nordseeküste, sei es der fieberbringenden Sümpfe, die infolge der Überflutungen sich bildeten. Einseitig fasste Müllenhoff Grendel als Sturmflut, Uhland und Laistner erklärten ihn als Verkörperung der Seuchen und Plagen einer versumpften und verpesteten Meerbucht, die geräuschlos zur Nachtzeit im Nebel aufsteigen und den Menschen beschleichen. Kögel findet mit Recht beide Plagen, Sturmflut und Sumpffieber in Grendel verleiblicht. Grendel ist nach den Worten des Gedichtes der kundbare Grenzgänger, der Moore, Sumpf und Strand (móras, fen and fæsten) inne hat. Immer wieder wird die neblige moorige Heimat hervorgehoben (héold mistige móras). Vom Moor unter den Nebelklippen (of móre under misthleoþum) kommt Grendel zum Metsal geschritten, er watet in Wolken gehüllt daher (wód under wolcnum). Wie ein Nebelstreif zieht sich also der Unhold unhörbar leise aus dem Moor zur Halle hin, worin die Helden schlafen. Er wird als Riese (eoten) bezeichnet, sein Haupt ist furchtbar, seine Hand läuft in stahlharte Krallen aus, sein Blut schmelzt Schwerter. Grendels wölfische Mutter (brimwylf, grundwyrgen), die mit ihm in der grausigen Meerflut (wæteregesan) haust, folgt des Sohnes Spuren und sucht ihn zu rächen. Höchst anschaulich wird die Wohnstätte der Unholde geschildert. Sie haben inne verstecktes Land, windige Landzungen, fürchterliche Moorpfade, wo der breite Strom unter dunkle Landstreifen, unter der Erde sich verliert. Jäh fällt das steinige Land, von düstrem Walde, von wurzelfesten Bäumen bestanden, die überhängen, plötzlich in mooriges, sumpfiges Meer ab. Da mag man nächtliches Wunder schauen, Feuer in der Flut. Noch niemand hat den unheimlichen Grund erforscht. Der von Hunden gehetzte, geweihstolze Hirsch lässt eher am Ufer das Leben, als dass er in den schaurigen Wald flüchtet. Nicht geheuer ist der Ort, dunkles Wogengemisch steigt zu den Wolken, wenn der Wind leide Unwetter zusammentreibt, bis dass die Luft düstert, die Himmel weinen. Auf den abstürzenden Klippen lagert allerlei Gewürm, wunderliche Seedrachen und Nixe, welche dem Schiffer oft gefährlich werden. Beowulf steigt kühn in die greuliche Flut und gelangt zum Grunde, wo ihn die Wölfin (Grendels Mutter) packt. Vor ihren Griffen und den scharfen Zähnen der Seetiere beschützt ihn seine Brünne. Das Meerweib trägt ihn in ihre Behausung, welche bedacht ist und dem Wasser keinen Zutritt verstattet. Mit blinkendem Glanze leuchtet drinn ein Feuer.

Aus den Wasserriesen erhebt sich freundlicher gestaltet der Beherrscher des Meeres, Aegir, der Wassermann.⁠[120] Von Natur zwar riesisch, kann er doch mit den Asen in Gastfreundschaft kommen. Er ist, wie die Einleitung der sog. Bragarœður berichtet, in Asgard beim Gastmahle der Götter zugegen und empfängt von Bragi reiche Belehrung. Die Götter aber besuchen wiederum den Aegir in seiner Heimstätte, wo er ihnen in einem gewaltigen Kessel Bier braut und ein Mahl zurüstet. Daher heisst er beim Skald Egill im Lied auf seinen ertrunkenen Sohn geradewegs Bierbrauer der Lichtgötter (ǫlsmiþr allra tíva). Der meilentiefe Braukessel ist aber ursprünglich in der Gewalt des Hymir und muss erst durch Thor herbeigeschafft werden. Aegir scheint das der Schifffahrt offene Meer zu verkörpern. Sein Verkehr mit den Asen und das Beiwort „barnteitr“, fröhlich wie ein Kind, kennzeichnen den Riesen als gutartig und umgänglich, wol im Gegensatz zu Hymir. Freilich nimmt das Gelage bei Aegir ein schlimmes Ende, weil Loki die Friedensstätte durch Todschlag entweiht und die anwesenden Götter lästert. Auch hatte sich Aegir nur durch des streitbaren Thor Befehl dazu verstanden, das Gelage zuzurüsten, und sann auf Rache an den Asen. Er hatte im Stillen gehofft, die Fahrt zu Hymir werde dem Thor verderblich sein. Aegir hatte zwei Diener, Fimafeng und Eldir. Statt des Feuers diente helles Gold zur Beleuchtung; das Bier trug sich selber auf. Im Grunde des Meeres sind alle die Schätze gehäuft, welche die gierige Flut verschlang. Im Leuchten des windstillen Meeres aber mochte man den Glanz des versunkenen Goldes spielen sehen. Aegirs friedliches, freundliches Wesen wird durch sein raubgieriges Weib, die Ran, ergänzt. Freund und Feind ist dem Schiffer die See, beide Seiten kommen in Aegir und Ran zum Ausdruck.

In der SE. 1, 206 wird Hlésey, die dänische Insel Läsö im Kattegat, als Heimat des Aegir bezeichnet. Hlér gilt als andrer Name Aegirs. Die Wogen heissen ebenso Töchter des Aegir wie des Hlér (SE. 2, 180). Vermutlich kannten die Dänen und West-Norweger den Meerriesen unter diesem Namen, dessen Etymologie nicht sicher zu bestimmen ist.⁠[121]

Ein weiterer Name dieses Meerriesen ist Gymir⁠[122], wie im Eingang der Lokasenna ausgesprochen wird und aus den skaldischen Umschreibungen, in denen der Name allein vorkommt, deutlich erhellt. Das Meer heisst Gymirs Wohnung (Gymis flet), die Brandung ist sein Lied (Gymis ljóþ), die Ran sein zukunftkundiges Weib (Gymis vǫlva). Ob Gymir, Gerds Vater, der aus dem Skirnirlied bekannte Riese, derselbe ist, muss unentschieden bleiben. Weinhold fasste die Gerd als Meernixe, welche den Fluten entsteigend im stillen Hain am Gestade mit dem Gotte Freyr sich vermählt.

Dem Aegir steht Hymir⁠[123], der Dämmrer, gegenüber. Er verkündigt sich als Frost- und Eisriesen, als Beherrscher des lichtlosen, nebligen, fahlgrauen nördlichen Eismeeres. Seine Art entspricht seiner Heimat. Genaueres über ihn hören wir nur aus dem Hymirliede, wie Thor und Tyr sich aufmachen, den Kessel zu Aegirs Gelage ihm zu entführen. Der Erzählung gesellten sich Züge vom Märchen des Besuches beim wilden, unholden Menschenfresser. Hier beachten wir nur die Schilderung seines Wesens. Im Osten der stürmischen Wogen am Himmelsrande haust der weise Hymir, der einen meilentiefen Kessel (d. h. das Meer im Verschluss winterlicher Eisdecke) besitzt. Bei ihm sind seine neunhundertköpfige Urahne und seine brauenweisse Geliebte, die Mutter Tyrs. Der hässliche, rauhe Hymir kommt spät vom Waidwerk heim, Eiszapfen klirren, sein Bart ist gefroren. Vor des Riesen Blick zerbirst Balken und Pfeiler, dass acht Kessel vom Standbrett herunterkollern. Am andern Tag rudern sie zur eisig kalten Fischerfahrt hinaus. Zwei Walfische zieht der Riese auf einmal an der Angel heraus. Er verlangt von Thor Arbeit und Stärkeproben. Einen Glaskelch soll Thor zerbrechen, aber leichter zerschlägt er die Pfeiler, bis endlich an Hymirs hartem Schädel der Kelch zerschellt. Nun darf Thor den Braukessel forttragen. Hymirs Töchter (Hymes meyjar) werden in der Lokasenna 34 erwähnt, ohne dass ihre Bedeutung völlig klar würde. Wenn Aegirs und Hlers Töchter die Wogen bezeichnen, wird es wol auch mit Hymirs ähnliche Bewandtniss haben. Man denkt an die Gletscherbäche, die aus den Eisbergen ins Meer sich ergiessen.

Von einzelnen Meer- oder Wasserriesen lassen sich noch folgende hervorheben. In der Gudrun tritt der alte Wate hervor, in der Wielandssage der Riese Vadi, der Vater des kunstreichen Schmiedes, bei den Angelsachsen finden wir Wada, der die Hælsinge beherrschte. Zu Grunde liegt diesen Berichten eine Sage der Seegermanen vom Riesen Wado, dem Sohne einer Meerminne.⁠[124] Ein riesenmässiger Greis mit ellenbreitem Barte, unbändigen Grimmes voll, mit fürchterlicher Stimme begabt, bei deren Klange das Land erbebte, das Meer aufbrauste und die Mauern einzustürzen drohten, wanderte am Meeresstrande auf und ab und trug wol auch zuweilen auf seinen Schultern Menschen über Sunde hinweg. Der regelmässige Wechsel von Ebbe und Flut war die Wirkung dieses watenden Riesen, dessen rasendem Zorne nichts widerstand. In den norwegischen Aluwasserfällen hauste der wilde Starkad, ein vielkundiger Riese (hundvíss jǫtunn).⁠[125] Der hatte acht Hände und schlug mit vier Schwertern auf einmal. Von ihm wird erzählt, wie er mit Hergrim, einem Halbtroll, der bald bei Riesen, bald bei Menschen weilte, um den Besitz eines Weibes kämpfte. Im Namen Hergrim klingt wol der Fossegrim an, die Sage meldet also vom Streit zweier Stromriesen. Nachmals raubte Starkad die Alfhild, die Tochter König Alfs aus Alfheim, also eine Elbin. Der Vater rief Thor um Hilfe an, Thor aber erschlug den Jotun. Der Wasserriese zeigt sich hier als Liebhaber, wie auch andre Sagen solche Züge hervorheben. Natürlich ist Thor sein Erbfeind. Das Lied von Helgi dem Hjorwardsson 12 ff. führt uns eine unholde Meerriesin namens Hrimgerd vor. Helgi hatte im Hatafjord den Beherrscher der Bucht, den Riesen Hati getötet. Nachts lagen die Schiffe im Fjord, Atli hatte Wache. Da sprach ihn Hatis Tochter Hrimgerd, die in Stutengestalt den Wogen entstieg, an, und es erhub sich ein Scheltgespräch. Hrimgerd verlangt zur Sühne des erschlagenen Hati, der viele Weiber aus der Umgegend geraubt hatte, eine Nacht bei Helgi zu schlafen. Also Vater und Tochter sind erpicht auf Liebesverkehr mit Menschen. Helgi fertigt die Lüsterne derb ab, der zottige Thurs Lodin passe besser für sie. Hrimgerds Mutter war vor den Schiffen Helgis an der Mündung der Bucht gelegen und hatte sie zu verderben gesucht, aber vergeblich. Dagegen ertränkte Hrimgerd Hlodwards Söhne, Verbündete Helgis. Auch seine Schiffe wollte sie vernichten, aber Swawa, die Walküre, die lichte Maid wandte das Verderben. Schliesslich überrascht die Sonne das Riesenweib, das zu Stein verwandelt am Fjord stehen bleibt.

Über Ran, Aegirs Weib, wird unter den germanischen Todesgöttinnen näheres zu berichten sein. Hier gedenken wir noch solcher Gestalten, welche in riesischem oder tierischem Leib, als Unhold oder Ungetüm die verderblichen Seiten des Meeres verkörpern. Von Aegir und Ran stammen neun Töchter, deren Namen die SE. aufzählt. Die Bedeutung ist durchsichtig, gemeint sind die Wogen (Udr, Bara, Kolga, Bylgja), die Brandung, das stürmische Unwetter, die blutgierige (Blóðughadda) Meerriesin. Der Seesturm erschien wie ein Kampf mit diesen Ungeheuern. Die neun Mütter Heimdalls, die im Hyndlalied 38 aufgezählt sind, weisen ebenso auf Eigenschaften der als Riesinnen persönlich gewordenen Meereswogen. Zu Hrimgerd stellt sich die Meerriesin (margýgr), die in alter und neuer Sage begegnet. Aus dem Meere und aus grossen Landseen erhebt sich der Wassergeist oft in Rossgestalt (isl. nykur, vatnahestur). Der auf dem Wasser sich ballende Nebel gab wol Anlass zu Sagen, die von aufsteigenden Riesengestalten berichten. Als skrimsl, Ungetüm im allgemeinen, bezeichnen die Isländer Wassergeister von fabelhafter Gestalt.⁠[126] Das Meer wurde mit Vorliebe in Tiergestalt verkörpert, wofür die nordischen Quellen Belege erbringen. Die grosse Seeschlange des Schifferglaubens begegnet im midgardsorm oder jǫrmungandr⁠[127], d. h. der Weltschlange oder dem grossen Ungetüm, welche Thor bekämpft, und die später Lokis Sippe, der Teufelsbrut zugezählt wurde. Die Midgardschlange liegt im tiefen Meer, das alle Länder umgiebt, und ist so gross, dass sie sich mitten im Meer wie dieses selbst ebenfalls um alle Länder schlingt und sich in den Schwanz beisst. Im Riesenzorne (í jǫtonmóþe) wälzt sie sich durch die Wogen. Seinem Namen nach (fen, Meer), gehört auch der Wolf Fenrir⁠[128] zu den Wasserriesen. Jedoch sind in seiner Gestalt die verschiedenartigsten Vorstellungen mit einander vereinigt, und gerade der Meerriese tritt am wenigsten hervor. Fenrirs Fesselung, wobei Tyr seinen Arm verlor, entspricht der des Teufels, der gefesselte Wolf ist nur ein andres Bild des gefesselten Loki. Von Fenrir entstammen die Wölfe, die Sonne und Mond verschlingen, im Wafthrudnirlied 47 frisst Fenrir selber die Sonne auf. Ob damit die im Meer versinkende, im Nebel verschwindende Sonne angedeutet ist, ob der Mythus aus dieser Naturerscheinung erwuchs, muss dahin gestellt bleiben.

Der gewaltige Giftwurm, dessen Flügelgestalt und Name Drache⁠[129] dem antiken Fabeltier nachgebildet sind, erscheint in der Volkssage unter dem Eindruck von Naturbegebnissen. Aus Wasser, Nebel, Wolke, Meteorfeuer lässt die Phantasie diese Drachen hervorgehen. Das Weltmeer als Schlange wurde eben genannt, Grendel ist vielleicht ursprünglich auch eine Wasserschlange. Die Drachen liegen auf Gold und schädigen bei ihrer Ausfahrt Land und Leute. Vornehmste Aufgabe der Helden ist Bekämpfung dieser Ungetüme, Erlösung von der Landplage, Hebung des Hortes. Die Volkssage denkt bei den riesigen Würmern an Verwüstung durch die See, im Binnenlande an plötzlichen Wassersturz anschwellender Ströme oder Bäche. Schützt Kraft und Einsicht endlich das Land gegen solche Gefahren, so ist ein grosser Schatz, das Gedeihen der ganzen Gegend, damit erkämpft. Neben den Meeresdrachen ragen besonders die des Hochgebirgs hervor, mit denen Dietrich von Bern wie auch mit allen andern Riesen der Bergwelt viel zu schaffen hat. Wo der Bach vom hohen Fels herbricht, da springt der grimmige Drache, Schaum vor dem Rachen, fort und fort auf den Gegner los und sucht ihn zu verschlingen; bei eines Brunnen Flusse vor dem Gebirge, das sich hoch in die Lüfte zieht, schiessen grosse Würmer her und hin und trachten, die Helden zu verbrennen; bei der Herankunft eines solchen, der Ross und Mann zu verschlingen droht, wird ein Schall gehört, recht wie ein Donnerschlag, davon das ganze Gebirge ertost. Leicht erkennbar sind diese Ungetüme gleichbedeutend mit den siedenden donnernden Wasserstürzen selbst. In den deutschen Sagen der Brüder Grimm Nr. 217 heisst es: Das Alpenvolk in der Schweiz hat noch viel Sagen bewahrt von Drachen und Würmern, die vor alter Zeit auf dem Gebirge hausten und oftmals verheerend in die Thäler herabkamen. Noch jetzt, wenn ein ungestümer Waldstrom über die Berge stürzt, Bäume und Felsen mit sich reisst, pflegt es in einem tiefsinnigen Sprüchwort zu sagen: es ist ein Drach ausgefahren.

Von den Wasserriesen reicht einer in uralte gemeingermanische Sagenüberlieferung zurück, während die andern erst später bei den einzelnen Völkern erdichtet wurden. In der nordischen Sage spielt er eine wichtige Rolle, es ist der weise Mimir⁠[130], aus dessen Quell Odin Weisheit schöpft. Sein Verhältniss zu Odin wird später erörtert, hier ist die gemeingermanische Grundvorstellung dieser Riesengestalt zu erforschen. Die urgermanische Namensform lautete Mimiaz oder Mimiô, d. h. der Sinnende. Verwandt scheint das ags. Adj. mimor, eingedenk, und das Verbum mimerien, das auch nds. mimeren, grübeln begegnet. In Deutschland haftet der Name an Ortsnamen wie Mimigerdaford (Münster), Mimidun (Minden), Mimileba (am Harz und Memleben an der Unstrut). Das Flüsschen Mimling im Odenwald bezeichnet sich als Abkömmling des Mimo oder Mimilo. Zum Mimirquell stellt sich der schwedische Mimes sjö, Mimes å, Mimis Fluss und See. Die deutsche Heldensage (Biterolf 124 ff.) gedenkt eines klugen Schmiedemeisters, der zwanzig Meilen hinter Toledo sass, Mime der Alte genannt. Der schuf die besten Schwerter, die auf der Welt zu finden waren. Wielands Schwert Miming, das Witege führte, war Mime zu Ehren so geheissen. In der Thidrekssaga ist Mimir der Lehrmeister und Erzieher Sigfrids. Saxo erwähnt noch einen Waldgeist namens Miming (Mimingo silvarum satyro), der wunderbares Geschmeide, Schwert und Armring besitzt. Mimir in den nordischen Quellen ist Riese, in der Heldensage aber erscheint er als Zwerg und kunstreicher Alb. Elbische und riesische Wesen gehen ja häufig in einander über. Tiefe Weisheit ist überall mit diesem Wesen verknüpft. Seine Behausung ist Wald und Wildniss, Gewässer sind nach ihm benannt. Im Norden ist er von der Quelle unzertrennlich, Beherrscher der Gewässer ist Mimir wol von Anfang an. Seen, Flüsse, Wälder und Bäume, die mit seinem Namen in Verbindung stehen, belehren, dass wir keinen Meerriesen, sondern den Herrn der Binnengewässer vor uns haben. Damit treten wir der Urgestalt des Mimiaz näher. Die Germanen dachten sich darunter einen urweisen Wasserriesen, der im geheimnissvollen Dunkel tiefer Haine an murmelnden Quellen oder zauberisch wallenden Bergseen zu Hause war. Seine Söhne, die Flüsse, strömten zu den Menschen. Wer ihrem Ursprung nachging, bis in die Nacht des Urwalds zum geheiligten Baume, aus dessen Wurzeln der Quell hervorsprudelte, wo „Mimir sein Haupt barg“, vorzudringen vermochte, der stand am Urquell alles Wissens. Der alte, erfahrene, kunstreiche Wald- und Brunnengeist beriet selbst Odin, er war Lehrer und Meister der besten Helden und stattete sie mit köstlichem Rüstzeug aus.

4. Wind- und Wetterriesen.

Aus Wind und Wetter gingen Riesen hervor. Der brausende Sturm gab zu verschiedenen mythischen Gebilden Anlass. Im Winde zogen die Seelen, das wütende Heer, im Sturm erschien der wilde Jäger, der Wode. Kaum ist eine Sage der Gegenwart häufiger und vielfältiger bezeugt als diese⁠[131]. Unter Wodan wird noch mehr davon zu berichten sein, hier sollen nur einige Gestalten herausgehoben werden, in denen der Sturm als Riese verkörpert wird. In der Schweiz heisst die wilde Jagd das Dürstengejeg. Das Volk hört den Dürst in den Sommernächten am Jura jagen und die Hunde mit seinem Hoho anfrischen; Unvorsichtige, die ihm nicht aus dem Wege weichen, überrumpelt er. Wenn die Alemannen den thurs umreiten hören, so die Dänen den jotun. Auf der Insel Möen jagt der Grönjette, der bärtige Riese, jede Nacht zu Pferde, eine Meute Hunde um sich herum. Er jagt nach der Meerfrau, die er schliesslich einholt und quer vor sich übers Pferd wirft. Im Süden und Norden sieht also die Sage gleichmässig im wilden Jäger einen riesigen Reiter und nennt ihn noch nach seinen alten Namen. Die allgemeinen Bezeichnungen des Riesengespenstes als Nachtjäger, Helljäger, die vielen geschichtlichen Personen, die damit verknüpft wurden, berühren uns in dieser Mythologie nicht weiter, wo nur auf den Riesenjäger und auf den Wode Gewicht fällt. Jedoch ältere Sagen aus dem Mittelalter, die auf derselben Vorstellung beruhen, verdienen Beachtung. In einem Wettersegen des 11. Jahrhunderts wird Mermeut, der übers Wetter gesetzt ist, ein Riese (daemon et satanas) beschworen, keinen Hagel übers Feld zu bringen.⁠[132] In einem späteren Segen steht: „Ich peut dir Fasolt, dass du das wetter verfirst mir und meinen nachpauren ân schaden“. Dieser Fasolt ist also ein Wetterherr. Im Eckenlied wird Näheres von ihm erzählt, und er zeigt sich deutlich als Sturmriese, als wilder Jäger. Fasolt, dessen Leib Riesenlänge hat, der langes Frauenhaar trägt, dem wilde Lande unterthan sind, kommt daher geritten mit lautem Horneston, von Hunden umgeben. Er jagt eine schöne Jungfrau, die in Dietrichs Schutz flüchtet. Im Kampfe mit Dietrich bricht Fasolt starke Baumzweige ab, mit denen er auf seinen Gegner losschlägt. Der Sturmriese fällt Bäume, räumt den Wald aus und lässt ihn laut erschallen, wie die Riesennamen der Virginal Vellenwalt, Rûmenwalt, Schelledenwalt andeuten. Das spätmhd. Gedicht vom Wunderer schildert einen ähnlichen wilden Unhold, der mit Hunden die Jungfrau Sälde hetzt und sie fressen will, aber vom Berner im Kampf erschlagen wird. Überall tritt uns das Bild des Sturmriesen vor Augen, dem die Windsbraut oder ein elbisches Weib voranfegt. Wenn nach den Skáldskaparmál Kap. 1 Odin auf Sleipnir mit dem Riesen Hrungnir wettet, er habe gewiss kein ebenso treffliches Ross, Hrungnir aber zornig seinen Gullfaxi besteigt und dem Odin nachjagt, wenn die Rosse durch Luft und Meer über die Spitzen der Hügel hinfliegen, so erschauen wir ein Wettrennen zwischen dem Sturmgott und seinem riesischen Urbild, dem Sturmriesen. Der Windriese nimmt aber auch tierische Gestalt an. Als Adler rauscht er durch die Lüfte. So heisst es im Wafthrudnirlied 37:

Der Riese Hraeswelg sitzt am Rande des Himmels In des edlen Aars Gestalt; Regt er die Schwingen, so rauscht, wie man sagt, Der Wind dahin durch die Welt.

Darum erscheinen Riesen überhaupt gern in Adlergewand. Thjazi, der Sturmriese des nordischen Hochgebirges, sitzt in Adlergestalt im Gezweig der Eiche und verhindert mit seinem Flügelschlage, dass die unter dem Baum gelagerten Götter das Fleisch am Feuer gar sieden. Der Sturm rauscht in den Baumzweigen, das ist die Stimme des Adlerriesen, welche die Götter vernehmen, der Wind verweht das Kochfeuer und verhindert so den Sud, bis ihm Anteil an der Speise zugesagt wird. Auch nach späterem Volksglauben will der Wind Opfer haben und gefüttert sein. Hernach entführt Thjazi in Adlergestalt die Idun aus Asgard, in Adlergestalt verfolgt er Loki, welcher Idun zurückholt, und versengt sein Gefieder im Feuer, das die Asen entfacht, worauf er erschlagen wird. Thrymheim, die Welt des Getöses (þrymr, Lärm, Getöse), wo die Stürme sausen und brausen, wol nur ein anderer Name des „weiten Windheims“, wie die Vǫlospǫ́ den Himmel als die Heimat der Winde bezeichnet, ist des Thjazi Wohnsitz. Dem mit dem Dichtermet im Leibe in Adlergestalt entfliegenden Odin setzt Suttung gleichfallls in Adlergestalt nach. Wie der Sturmgott mit dem Sturmriesen Hrungnir um die Wette ritt, so fliegt er hier als Adler mit ihm um die Wette. Derselbe Gedanke ist bildlich nur anders gewendet.

Die Skalden bezeichnen, vielleicht teilweise aus volkstümlicher Anschauung schöpfend, den Wind wie ein persönliches Wesen, als den Brecher (brjótr), Schädiger (skađi), Fäller (bani) des Waldes. Auch als Hund und Wolf (hundr, vargr) des Waldes erscheint der Wind. Bereits bei den Elben war auf die Tiere hinzuweisen, auf den Roggenwolf und Roggenhund, die beim Winde durchs Korn laufen. Korngeister in menschlicher und tierischer Gestalt gibt es in Menge. Elbe und Riesen gehen aber in diesen „Korndämonen“ so unmerklich in einander über, dass ebenso dieser Abschnitt wie der vorige ihrer zu gedenken hat.

Riesen des tosenden Gewitters, Gegenbilder Thors, wie die Windriesen Odin gegenüber stehen, treten in Hrungnir, Geirröd und vielleicht auch in Thrym hervor. Hrungnir ist mit Thrym gleichbedeutend, der Lärmer⁠[133], und wol alle gehören nach Thrymheim, das dem Thjazi als Heimstätte zugewiesen ist. Die Gegnerschaft Thors und Thryms ergibt sich aus dem Gedichte, das schildert, wie Thrym den Hammer des Gottes entwendet. Gott und Riese streiten um die Herrschaft über das Gewitter. Im offnen Kampfe erblicken wir Thor mit Hrungnir und Geirröd. Hrungnir und Mokkurkalfi (Nebelwade), der Stein-, Lehm- und Nebelriese, der umnebelte, aus Lehmgrund aufragende Fels im Geröllfelde, werden besiegt, wenn krachend Gewitter im Gebirge sich verfangen. Es ist das Unwetter des nackten Felsgebirges, das mit Geröllsturz herniederbraust, vom Gewitter gerüttelt und gelöst. Leicht vermischt sich die Vorstellung vom Wetterriesen mit der des Bergriesen, da Wind und Wetter aus den Bergen hervorbrechen. Der Kampf zwischen Thor und Geirröd spielt sich in Geirröds Halle ab. Die ganze Halle entlang waren grosse Feuer entzündet; als Thor vor Geirröd trat, fasste dieser mit einer Zange ein glühendes Eisenstück und warf es nach Thor. Thor aber fing das glühende Eisen mit seinen Eisenhandschuhen auf und hob es in die Luft. Da sprang Geirröd hinter eine Säule, um sich zu schützen, Thor jedoch schwang das Eisenstück hoch in die Luft und schmetterte es durch die Säule. Es durchschlug auch den Geirröd und die Wand der Halle und fuhr ausserhalb tief in die Erde hinein. Das Geschoss ist das Bild des Blitzes. Blitze zucken gegen einander, wo zwei Gewitter auf einander stossen. Der Gewittergott überwindet den Gewitterriesen. Aber nur in diesem Wettkampfe zeigt sich Geirröd als Gewitterriese, im übrigen ist die Sage reich mit allerlei anderen Zügen ausgestattet.

Noch sind einige Namen zu erwähnen, die aber nicht über die mythische Keimbildung blosser Personificierung gediehen, wenigstens sind keine Sagen davon bekannt. Unter den Riesennamen der SE. finden wir einen Vindr; in einer norwegischen Wendung der Sage vom Riesenbaumeister, der dem hl. Olaf eine Kirche baut, führt der Unhold den Namen Vind och Veder, oder Bläster. In Deutschland ist von der Windin, der windes brût oder windgelle (venti concubina) die Rede, der Wirbelwind ist als ein durch die Luft fahrendes, vom Sturm umbuhltes Riesenweib gedacht. Vindsvatr (Windkühl) oder Vindljóni (Windmensch) heisst im Norden des Vętr (Winter) Vater. Die Eltern Lokis, Fárbauti, den gefährlich Schlagenden, d. h. den Sturmwind, und Nál, d. h. Nadel am Nadelbaum oder Laufey, d. h. Laubinsel deutet Bugge, Studien 80 als ein dichterisches Bild, das den Ursprung des Feuerriesen Loki erklären soll: der Sturm schlägt und entfacht Feuerflammen aus dem Gehölz. In der Virginal 732 tritt ein Riese Velsenstôȥ auf:

sîn stimm rekt als ein orgel dôȥ, sô man sî sêre stimet; dâ von berc unde tal erschal.

Gemeint ist der im Hochgebirg heulende, tosende Sturm. Glockebôȥ (ebenda 864 ff.), der Glockenschläger, ist der Sturmwind, der die Glocken in Schwingung versetzt, und zu ihm steht Klingelbolt (870 ff.). Vielleicht kommt in diesen Namen auch der Hass der Riesen gegen Glockenschall zum Ausdruck.

Von Kári d. h. der windbewegten Luft⁠[134] stammen Eis und Schnee, Vindsvatr ist des Winters Vater. Die winterlichen Mächte sind mithin die Kinder der Winterstürme, die Winterriesen dürfen den Windriesen zugezählt werden. Die nordischen Gedichte nennen uns hrímþursar, Reifriesen⁠[135]; mit hrím sind mehrere Riesennamen zusammengesetzt wie Hrimnir, Hrimgrimnir, Hrimgerd. Ymir-Örgelmir ist der Ahnherr der Reifriesen, er ging aus den chaotischen Eis- und Reifmassen hervor, die winterliche Kälte wird in diesen Riesengestalten persönlich.

5. Berg- und Waldriesen.

Die Volkssage vergleicht Berge mit Riesenleibern oder sie bevölkert die Bergwelt mit Riesen. Im Norden heissen die Jotunen Berg-, Fels-, Stein-, Lavabauern oder Höhlenbewohner.⁠[136] Das unwirtliche Hochgebirge und die Klippen sind die Heimat des Riesenvolkes, von dort her machen sie ihre verderblichen Einfälle in das von Menschen bebaute Land; wer in die wilde Einöde wandert, begibt sich ins Gebiet und in die Macht der furchtbaren Unholde. Ein schöner stattlicher Bergkönig Norwegens, von dem die Kjalnesinga saga Kap. Nr. 12/4 berichtet, ist Dofri, der Gebieter des Dovregebirges, der drinnen in prächtigen Räumen mit vielem Volke wohnt; der Eingang lag unter einem Gipfel in einem Felsen. Er war nicht unfreundlich. Mit seiner schönen Tochter Frid lebte Bui, der Sohn des Königs Harald Harfagri von Jul bis Sommersanfang in Liebe zusammen. Ihrem Sohne Jokull war die Bergriesin Gnípa (d. h. Berggipfel) weniger hold gesinnt.

Bergbewohnende Riesen sind die 12 Riesen im Nibelungenlied, die Schilbung und Nibelung dienen, und im Hürnen Seyfrid der Riese Kuperan, welcher den Schlüssel zum Drachenstein in Bewahrung hat. Hyndla, die Höhlenbewohnerin, ist eine Riesin, die auf dem Wolfe, dem Reittier der Unholdinnen, ausreitet. Sie heisst als Riesin brúþr jǫtons (51) und íviþja (49), d. h. Waldriesin. Einem Riesenweibe (gýgr), die im Steine wohnt, begegnen wir im Lied von Brynhilds Todesfahrt. Die Unholdin sucht den Weg zu sperren, wird aber von Brynhild zum Weichen gebracht. Die Riesentochter Gunlod, die aber schön und anmutig ist, weilt als Hüterin des kostbaren Metes im Berge.

Seltsame, menschenähnliche, einsam aufragende Felsen riefen Sagen von versteinerten Riesen⁠[137] hervor, die ebenso im Norden wie im Süden begegnen. Die Riesen sind entweder, wie auch andere Nachtunholde, vom Sonnenstrahl getroffen oder wegen irgend welcher Unthat verflucht zu Stein gewandelt. Die Riesin Hrimgerd im Lied von Helgi Hjorwardsson wird vom Sonnenstrahl versteinert, der hl. Olaf verfluchte Trolle, die dem Christentum feindlich waren, in Klippen. In der deutschen Sage wird meist ein allgemein sittlicher Grund solcher Versteinerungen angegeben, grosser Übermut oder gottlose Grausamkeit. So in der Sage vom Watzmann.⁠[138] Der war ein alter Riesenkönig, der für seine blutige Wildheit mit Weib und Kind zu dem vielzackigen, gewaltigen Bergstock verwünscht ward. Bei einer unmenschlich grausamen That des Wüterichs, der als wilder Jäger geschildert ist, endete Gottes Langmut. Ein dumpfes Brausen erhob sich, ein Donnern in den Höhen, ein Heulen in den Klüften, und des Königs eigne Hunde würgten ihn, sein Weib und seine sieben Kinder, dass ihr Blut zu Thal strömte. Ihre Leiber aber wuchsen versteinernd zu Bergen. So steht noch der eisumstarrte König Watzmann, neben ihm der kleinere Zinken, sein Weib, um ihn die sieben Kinder, tief unten die weiten Becken zweier Seen, in welche einst das Blut der Grausamen floss. Gewitter, Bergsturz, Überschwemmung wirken oft in den Bergriesensagen zusammen, wie ja auch Hrungnir Gewitter- und Bergriese in einer Person ist. Wegen Übermuts ist die Riesenkönigin Frau Hütt bei Innsbruck verzaubert. Ebenso im Sinthale in Tirol der Riese Serles, der wegen seines Wütens samt seinem Weib und seinem Berater zu den drei Felszacken versteinert ist, die über der Brennerstrasse aufsteigen.

Die Vorrede zum Heldenbuch nennt eine Riesin namens Runse, Eckes Vaterschwester.⁠[139] Runse ist abgeleitet aus runs, etwas das rinnt, worin etwas rinnt, also sowol Erguss, Fluss, als Rinnsal. Die Runse ist eine Riesin des Tiroler Hochgebirges, ein wildes wüstes Waldweib von schreckhaftem Aussehen; doch sind ihre Wirkungen noch schrecklicher, jene Schlammgüsse nämlich, die bei heftigem Regen aus den Hochgebirgen niederstürzen und Erde, Bäume, Hütten und Felsen fortreissend über Abhänge und Thäler die grausigsten Verwüstungen schütten. Solche Runsen hausen in den Tiroler und Schweizer Alpen leider viele. Auch die norwegischen Gebirge scheinen solche böse Riesinnen zu kennen, denn Leirwor, die Schlammige, Lehmige, mag niemand anders als eine nordische Runse sein. Neben dem Steinriesen Hrungnir steht der Lehmriese (leirbrímir) Mokkurkalfi, den Thjalfi zu Fall bringt. Auf Felssturz und Lehmrutsch, in dunkle Nebelwolke gehüllt, mag die Sage anspielen.

Im Mühlenlied der Snorra Edda, im Grottasǫngr, treten zwei Riesinnen namens Fenja und Menja hervor. König Frodi hatte die Mädchen in Schweden gekauft und führte sie nach Dänemark heim, wo sie Magddienste verrichten mussten. Sie allein waren stark genug, die Mühle Grotti zu treiben.⁠[140] Grotti aber war eine Wunschmühle, Frodi befahl den Mägden, rastlos Gold, Frieden und Glück zu mahlen. Aber die erzürnten Riesinnen mahlten Unfrieden, dass Frodi von seinen Feinden überfallen und getötet ward. Daran ist in der prosaischen Einleitung eine zweite Sage angehängt. Der Seekönig Mysing nimmt die Mühle und die Mägde an sich und befiehlt, Salz zu mahlen. Sie mahlten, bis das Schiff sank. Seitdem ist dort ein Strudel, wo die See durch das Loch des Mühlsteines fiel. Seitdem ist auch das Meer salzig. Sagen von Wunschmühlen, die durch unrechten Gebrauch ihren Segen in Unheil verkehren, sind auch sonst vorhanden. Ebenso Geschichten, warum das Meer Strudel bildet und salzig schmeckt. Die Riesinnen gedenken ihrer Abstammung von Hrungnir, Thjazi und andern Bergriesen. Neun Winter lang wuchsen sie unter der Erde auf, mächtige Thaten vollführten sie und verrückten selbst Berge. Steine wälzten sie übers Gehege der Riesen, dass die Erde erbebte; grosse Blöcke schleuderten sie zu den Menschen. Im Lande der Schweden aber übten sie Walkürenthaten, der harte Speer ziemte ihren Händen besser als die Mahlstange. Die Übertragung der Walkürenschaft auf Riesinnen konnte wol erst verhältnissmässig spät geschehen und ist schwerlich ein alter, echter Zug.⁠[141] Im übrigen gebärden sich Fenja und Menja durchaus als Bergriesinnen, die Felsblöcke herabstürzen und Bergrutsch verursachen. Auf die Etymologie des Namens Fenja (zu fen, Meer) gestützt deutete Uhland die Mädchen als Wasserriesinnen, als Aegirs Töchter, als Meereswogen und Bergströme. Die Auslegung ist allzu künstlich und widerspricht der thatsächlichen Schilderung von der Art der beiden Riesentöchter. Die Mühle und die Mahlmägde stehen überhaupt schwerlich in altem ursprünglichem mythischem Zusammenhang.

Besondere Waldriesen sind nur in geringer Anzahl vorhanden und meistens ihrem Wesen nach eher zu den Windriesen zu stellen. Vielleicht mag der germanische Urwald dichter von Riesen bevölkert gewesen sein als die heutigen Wälder, in denen elbische Waldgeister vor den riesischen vorherrschen. Das Hyndlalied 34 erwähnt einen Widolf als Ahnherrn der vǫlor, der Weissagerinnen, ohne weiteres von ihm zu sagen. Vitolfus bei Saxo ist ein in der Heilkunst erfahrener, durch Nebel trügender Waldeinsiedler. Der Riese Widolt im König Rother, ein furchtbarer Kämpfer, der mit der Stahlstange zuschlägt und für gewöhnlich in Ketten gefesselt ist, kommt Widolf im Namen nahe. Gemeint ist wol ein Waldriese (an. viđr, ahd. witu, Gehölz), ein wilder Mann⁠[142], dessen fürchterliche Erscheinung der deutschen Sage wol bekannt ist. Er ist ein gewaltiger Riese, von weitem gleicht er einer Fichte, die ganz mit Moos überkleidet ist. Wenn er auf dem Wege eines Stockes benötigt, so reisst er den nächsten Baumstamm aus. Manchmal stürmt er im brausenden Winde einher und verfolgt wie der wilde Jäger elbische Waldfrauen. Der Riesenname Welderich, Beherrscher der Wälder, der im gedruckten Heldenbuche vorkommt, entstammt demselben Vorstellungskreise. Waldriesinnen sind wol mit den nordischen íviþjur gemeint. Auch járnviþja ist so zu erklären. Járnviþr bedeutet Eisenwald, wie auch in Deutschland Wälder von hohem Alter und unvergänglicher Dauer genannt sind. Járnviþja ist die Bewohnerin eines solchen Waldes, die Urwaldriesin. In Südtirol sind die Waldfrauen von ungeheurer Gestalt, am ganzen Körper behaart und beborstet; ihr Antlitz ist verzerrt, ihr Mund von einem Ohr zum andern gezogen. Ihr schwarzes Haupthaar hängt voll Baumbart und reicht rauh und struppig über den Rücken. Joppen von Baumrinden und Schürzen von Wildkatzenpelzen bilden ihre Kleidung.

Sie leben in Gesellschaft in Wäldern zusammen und sind an den heimischen Wald gebunden. Wird er geschlagen, so schwinden sie. Wie die Namen erweisen, sind sie eigentlich persönlich gewordene Bäume: Hochrinta (hohe Rinde), Stutzforche (Stutzföhre), Rohrinta (rauhe Rinde) sind sie benannt. Auf Tiergestalt zielt der Name Stutzemutze (Stutzkatze). Im ganzen aber gebärden sich die Waldriesinnen genau so wie die Waldelbinnen, nur in ihrer äusseren Erscheinung, nicht in ihrer Art sind sie verschieden.

Es bleiben noch einige Riesen übrig, welche in die eben besprochenen Hauptklassen sich nicht einfügen. Sie sind späte Allegorieen, welche keine lebendigen Sagen hervorgebracht haben. Feuerriesen erscheinen in Fornjots Geschlecht, in Logis Sprösslingen. Logi, die Lohe, treffen wir nur ein einziges Mal bei Thors Fahrt zu Utgardloki. Loki erbietet sich, mit einem der Utgardleute um die Wette zu essen. Da tritt Logi dem Loki gegenüber. Ein grosser Trog, mit Fleisch gefüllt, ward herbeigebracht und auf den Fussboden der Halle gesetzt. Loki war am einen Ende, Logi am andern. Jeder von beiden ass nun, so rasch er konnte, in der Mitte des Troges kamen sie zusammen. Da hatte Loki alles Fleisch verzehrt bis auf die Knochen, Logi aber hatte ausser dem Fleisch auch die Knochen mitsamt dem Troge verschlungen und hatte also die Wette gewonnen. Diese schwankartige Erzählung soll das fressende Feuer, dessen Gier nichts verschont, andeuten. Die Riesennamen Eldr (Feuer), Herkir (zu harka, Feuer), Brandingi (Sohn des Brandes), Hripstod (zu hripuđr, Feuer?), Hyrja (zu hyrr, Feuer) zeigen Versuche zur Personificierung des Elementes. Die Riesin Hyrrokin, die auf einem schlangengezäumten Wolfe heranreitet und das Leichenschiff Baldrs mit einem Stosse in die See treibt, nachdem die Götter sich vergeblich damit abgemüht hatten, ist der feurige Wirbelwind.⁠[143] Endlich ist Surt zu nennen.⁠[144] Surts Lohe (Surta loge) ist der Weltbrand, in dem dereinst alles endigen wird. Von Mittag her kommt Surt gefahren mit Feuer, von seinem Schwerte geht Glanz aus: vor ihm und hinter ihm ist brennendes Feuer. Auf Island sind Erdbrände vulkanischen Ursprungs gefährliche Ereignisse, welche dem Wirken der Riesen zugeschrieben werden. So erzählt die Landnáma 2 Kap. 5: „Thorir war da alt und blödsichtig geworden, als er spät am Abend hinausging, und er sah, dass ein Mann von aussen her nach Kaldaros hereinruderte in einem Eisennachen, gross und bösartig. Der ging hinauf zu dem Hofe, der Hrip hiess, und grub da beim Stadelthore. In der Nacht aber schlug ein Erdfeuer dort auf und da brannte Borgarhraun; dort stand der Hof, wo jetzt der Lavahaufen ist.“

Der Streit zwischen Sommer und Winter⁠[145] ist von alters her allegorisiert worden. In Frühlingsfeiern treten die beiden Gegner persönlich auf und streiten um den Vorrang, den der Sommer schliesslich siegreich behauptet. Aber die persönlich vorgestellten Träger der sommerlichen und winterlichen Macht und Abzeichen lassen sich nicht in den lebendigen Glauben und Kult des germanischen Heidentums zurückführen, obschon Ansätze in den nordischen Quellen vorhanden sind. Swasud (der Milde) und Windswal (der Windkalte) sind zwei Riesen, deren Söhne nach dem Wafthrudnirlied 27 Vetr (Winter) und Sumar heissen. Nach Gylfaginning Kap. 19 ist Wasad (Kummerbringer zu an. vás, Mühe, Kummer) Vetrs Ahne, Windswals Vater. „Diese Sippe war rauh und kaltherzig, der Winter hat ihre Art geerbt.“

Der Stammbaum der Nólt (Nacht), deren Sprössling Dagr (Tag) ist, geht auf Riesen zurück. Das Nähere darüber wird unten im Abschnitt über die Weltschöpfung mitgeteilt.

6. Spuren vom Riesenkult.

Ein Riesenkult ist nur schwach bezeugt. In einigen Beschwörungen werden Riesen angerufen zu Fluch und Segen. Die Zauberin Busla ruft Trolle, Bergriesen und Hrimthursen herbei, dass sie dem König Hring Schaden thun (Bósasaga Kap. 5). Im deutschen Wettersegen werden Mermeut und Fasolt beschworen, das Unwetter abzuwenden. Im Skirnirlied 35 wird Gerd verwünscht, dem Riesen Hrimgrimnir im Totenland bei den Hrimthursen anheimzufallen, wofern sie nicht Freys Werbung sich füge. Um fliessendes Blut zu stillen, lautet ein altdeutscher Segen⁠[146]:

tumbo saȥ in berke mit tumbemo kinde enarme. tumb hieȥ ter berch, tumb hieȥ taȥ kint: ter heilego Tumbo versegene tiusa uunda.

Mit Tumbo (ahd. mhd. tump, got. dumbs, an. dumbr) ist ein stummer, gefühlloser Steinriese gemeint, der nun auch die Wunde gefühllos, schmerzlos machen soll. Der starre, stumme Riese sitzt auf einem Berge mit einem Kinde im Arme. Vielleicht liegt eine Versteinerungssage zu Grunde, eine seltsame Felsbildung, die einem riesigen Manne mit einem Kinde im Arme glich. Beachtung verdient auch die nordische Barðarsaga Dumbssonar, worin der Riesenkönig Dumbr in Norwegen ein bjargvættr, ein Schutzgeist genannt wird. Sein Sohn Bard, welchen Mjöll gebar und Dofri erzog, der also aus den Schneewehen des norwegischen Hochgebirges herstammt, ging auf Island in den Snæfellsgletscher ein. Die Leute hielten ihn für einen heitguđ (einen mit Gelübden anzurufenden Gott) und einen kräftigen Schutzgeist (bjargvættr). Dumbr vergleicht sich im Namen dem Tumbo, aber sonst zeigen sich keinerlei Ähnlichkeiten. Unter den Riesennamen zählt die SE. 1, 471 und 551 auch Dumbr auf.

Notes in this chapter

Note 1 · Die Erklärung des Namens, der im Ags. als Forneot wiederkehrt, ist Forn-jótr, alter Riese, Urriese, oder For-njótr, Vorbesitzer des Landes, Note 2 · Von Forniots Geschlecht berichten die Fornaldar sögur 2, 3 ff.; von Halogi ebenda 2, 383 ff.; zur Sage vgl. Uhland, Schriften 6, 20 ff.; MogNote 3 · Vita St. Galli MG. II. 7 volvente deinceps cursu temporis electus dei Gallus retia lymphae laxabat in silentio noctis, sed inter ea audivit Note 4 · Vgl. die Armanns Saga; Maurer, Bekehrung 1, 234 Anm. 13.Note 5 · Über Beowulf vgl. Müllenhoff, ZfdA. 7, 419 ff.; Beowulf, Untersuchungen über das Epos, Berlin 1889; Sarrazin, Beowulf-Studien, Berlin 1888; Note 6 · ægir ist aus âgu̯iaz entfaltet und steht zu got. ahua, lat. aqua; völlig verschieden ist œgir, der Schrecker, zum ablautenden Zeitwort agan,Note 7 · Vgl. Weinhold, Riesen S. 235 f.; zu hlé, Obdach, gestellt ist Hlér der Deckende, Schützende.Note 8 · Die Stellen, welche Gymir nennen, sammelt Sveinbjörn Egilsson, Lexicon 282; Gymir fällt im Wortsinn mit Hlér zusammen, es bedeutet Schützer,Note 9 · Von Hymir erzählt die Hymeskviþa u. Gylfag. Kap. 48, wo der Name Ymir und Eymir verschrieben ist; vgl. K. Gislason in Danske vidensk. selsk.Note 10 · Über Wado vgl. Müllenhoff, ZfdA. 6, 62 ff.Note 11 · Über Starkad Aludreng, d. h. Spross des Ala vgl. der Hervararsaga Kap. 1 und die Gautrekssaga Kap. 3; dazu Uhland, Schriften 6, 101 ff.Note 12 · Über Meerungeheuer vgl. Maurer, Isländische Volkssagen 30 ff.Note 13 · Über die Weltschlange Vǫl. 50; Hym. 22/4; Gylfag. Kap. 34, 47, 48, 51; vgl. ferner unten im Abschnitt über Thor.Note 14 · Über Fenrir Vǫl. 40, 53, 54; Vafþ. 46/7; Hyndl. 40; Gylfag. Kap. 34 u. 51; dazu die Abschnitte über Tyr und Odin.Note 15 · Gr. δράκων, lat. draco, ags. draca, an. dreki, ahd. traccho. Litteratur über den Drachen als Giessbach bei Laistner, Nebelsagen 256 f.Note 16 · Über Mimir vgl. Uhland, Schriften 6, 197 ff.; Weinhold, Riesen 243 ff.; Müllenhoff, Altertumskunde 5, 101 ff., und unten im Abschnitt über ONote 17 · Litteratur zum wilden Jäger bei E. H. Meyer, Mythologie 236 ff.Note 18 · Abgedruckt nach einer Münchener Handschrift von J. Grimm, Myth. 3, 493 f.; ebenda 494 der deutsche Segen. Nach Wackernagel, ZfdA. 6, 290 f. Note 19 · Hrungnir wird von Weinhold, Riesen 272 Anm. aus an. hrang, Schall, Getöse, und hringja, läuten, hringla, klingeln als der Schallende, RauschNote 20 · Vgl. J. Aasen, norsk ordbog 348; J.E. Rietz, ordbok öfver svenska allmogespråket 379.Note 21 · Hrímþursar in Vafþr. 33; Skírn. 35; Grímn. 31; Hǫ́v. 108 und an mehreren Stellen der SE.Note 22 · Vgl. bergrisar, bergbúar, bergjarlar, bergdanir, bergmærir, bergstjórar (Bergbeherrscher), bergýrar (Bergauerstiere), bjarga gætir (montium Note 23 · Vgl. J. Grimm, Myth. 518; 3, 158; ZfdA. 4, 503 f.Note 24 · Die Watzmannssagen bei Vernaleken, Alpensagen 101; Panzer, Beitrag zur deutschen Mythologie 1, 245 ff.Note 25 · Vgl. Weinhold, Riesen 268.Note 26 · Zum Mühlenlied Finnur Jónsson, den oldnorske og oldislandske litteraturs historie 1, 214 ff.; ein Mühlenmärchen, dessen Verhältniss zum GrotNote 27 · In der Vǫlsungasaga Kap. 1 erscheint übrigens ebenso die Tochter des Riesen Hrimnir namens Hljod als Wunschmaid Odins, eine Riesin als WalküNote 28 · Über den wilden Mann vgl. Mannhardt, Der Baumkultus der Germanen S. 105 und öfters; über Waldriesinnen ebenda S. 88 ff.; über die rauhe ElseNote 29 · Zu hyrr, Feuer und rok, Wirbel; so Weinhold, Riesen S. 278; Bugge, Studien S. 230, Anm. 4 schlägt die Lesart Hyrrokkin vor und erklärt hyr-hNote 30 · Über Surt vgl. Vǫl. 52; Vafþr. 50/1; Gylfag. Kap. 4, 5, 13, 51 sowie unten im Abschnitt über den Weltbrand. Eine grosse Lavahöhle Islands isNote 31 · Vgl. Uhlands Abhandlung über die deutschen Volkslieder, Abschnitt I Sommer und Winter.Note 32 · Der Segen bei Müllenhoff-Scherer, Denkmäler3 IV, 6; dazu die Anmerkungen im 2. Bande S. 53; vgl. J. Grimm, Kl. Schriften 2, 147; Myth. 3, 15
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