Es ist ein echt weiblicher Zug von Ihnen –
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Der Fünfuhrtee im Kaiserhof ist in vollem Gang, und ich sitze an einem der kleinen, mit Blumen und Lampen geschmückten Tische und erwarte meinen Berliner Freund, den Professor, den ich fast ein halbes Jahr lang nicht gesehen habe.
Ich behalte die Eingangstür im Auge, um ihm gleich zuwinken zu können, denn ich weiß, daß es ihm, trotz einer absichtlich betonten Nonchalance, peinlich ist, sich erst lange zwischen den eleganten Gästen und den unsagbar vornehmen Kellnern durchwinden zu müssen.
Und dann sehe ich doch mal nach dem sehr feschen Paar am Nebentisch hinüber, und gerade in diesem Augenblick sagt jemand neben mir: »Guten Abend,« und der Professor setzt sich an den Tisch, als habe er mich gestern zuletzt gesehen. Ich reiche ihm die Hand hinüber und frage statt aller Begrüßungszeremonien:
»Hoffentlich hat Sie mein telephonischer Anruf gestern nicht gestört?«
»Natürlich hat er mich gestört,« antwortet er, indem er die Blumen vom Tisch nimmt und daran riecht. »Ich hatte gerade meinen Mittagsschlaf angefangen.« – »Das schadet nichts,« sage ich kühl, »welcher ausgewachsene Mensch schläft auch am hellichten Tage?«
»Nun, zum Beispiel ich und zum Beispiel Sie,« erwidert er, »denn Sie wollen mir doch nicht einreden, daß heut vormittag um zehn Uhr, als ich Sie vergeblich zu sprechen wünschte, Mitternacht war. – Und übrigens – ausgewachsener Mensch! Wer ist ausgewachsen? Welche Anmaßung! Wollen Sie etwa von sich behaupten, daß Sie ein ausgewachsener Mensch seien?«
»Lieber Professor,« sage ich, »ich höre gern meine Jugend preisen, aber ich finde, augenblicklich geht Ihre Höflichkeit zu weit.«
»Und wer weiß,« fährt er fort, »ob wir nicht gerade im Schlaf am besten wachsen?« – »Jawohl,« werfe ich ein, »von den Säuglingen wird das allgemein behauptet.«
»Dummes Mädel,« fährt er mich an, »muß denn immer von körperlichen Funktionen die Rede sein? Es ist ein echt weiblicher Zug von Ihnen, daß Sie nie das Geistige ins Auge fassen können.«
»Verzeihen Sie, aber der Gedanke lag mir zu fern, daß Sie als Lehrer der Jugend den Schlaf für das beste geistige Förderungsmittel ansehen könnten. Es sei denn, Ihre Vorlesungen – –«
Er schlägt mit der Hand auf den Tisch, daß das Nachbarpaar erstaunt herübersieht und der Kellner nervös zusammenzuckt.
»Herrgott, hat dieses Mädel ein Mundwerk! Ein wahres Glück, daß ich Sie nicht geheiratet habe!«
»Warum?« frage ich, »ich kann mir das reizend vorstellen, und es wäre uns beiden sicher sehr gesund gewesen.«
»Gesund?« antwortet er, »das wäre möglich, etwa nach der Methode, daß man den einen nimmt und den anderen damit verprügelt.«
»Ja, so dachte ich mir's,« bestätige ich und sehe vergnügt zu, wie er sich zum Entsetzen des Kellners den Teller mit Kuchen belädt. Nachdem der Befrackte endlich entlassen ist, sage ich:
»Es ist ein echt weiblicher Zug von Ihnen, daß Sie so gern Kuchen essen.«
»Wer sagt Ihnen, daß ich gern Kuchen esse?« fragt er gereizt, »und wenn Sie mich übrigens deshalb gestern am Telephon mit allen Mitteln weiblicher Verführungskunst hierhergelockt haben, um mir anzudeuten, daß Ihnen mein Appetit unsympathisch ist –.« – »Wieso unsympathisch?« frage ich, »mir ist jeder menschliche Zug an Ihnen willkommen. Ich habe Sie aber nicht deshalb hierherbeordert –.« – »Gefleht haben Sie.« – »Hierherbeordert,« wiederhole ich. – »Auf den Knien haben Sie gelegen.«
»Nein,« sage ich, »dazu war die Schnur zu kurz. Aber Sie sehen, ich habe es versucht, und das genügt Ihnen hoffentlich. Also lassen Sie mich gefälligst ausreden. Nicht deshalb, um mich an Ihrem Appetit zu erfreuen, sondern um festzustellen, ob Sie noch immer so ein Grobian sind wie früher. Und ich muß sagen, mein Wissensdurst ist gestillt.«
»Nun, dann kann ich ja Gott sei Dank nach Hause gehen, wenn ich den Kuchen aufgegessen habe, denn wenn Sie etwa glauben –«
»Ja, das können Sie,« unterbreche ich ihn, »eine Stunde werden Sie reichlich damit zu tun haben, und mehr Zeit habe ich ohnehin nicht für Sie vorgesehen.«
»Kellner!« ruft er. – »Um Gottes willen,« flehe ich, »Sie blamieren mich, wenn Sie sich noch mehr Kuchen nehmen. Wir werden hinausgeworfen.« – »Werden Sie jetzt artig sein?« fragt er. »Sie sehen, ich habe Sie in der Hand, ich kann Sie aufs tödlichste blamieren, wenn ich will. Also geben Sie jetzt zu, daß Sie mich angefleht haben, hierherzukommen?« – »Ja, ja,« sage ich, denn der Kellner steht schon neben uns.
»Reichen Sie der Dame den Kuchen,« sagt der Professor großartig.
Ich lasse den Kellner unverrichteterdinge abziehen und sage: »Ich habe mich vorhin schon bedient, während Sie wahrscheinlich noch mit Ihrem geistigen Wachstum beschäftigt waren.«
Er schnippt mit Daumen und Mittelfinger nach meiner Hand, die ich erschrocken zurückziehe.
»Sie haben die körperliche Züchtigung verdient,« sagt er, »denn Sie hätten merken können, daß ich jetzt vernünftig mit Ihnen sprechen will.« – »Es ist mir nichts aufgefallen.« – »Ruhig! – Also, wie geht es Ihnen?«
»Auf eine so originelle Frage kann ich nur ebenso originell antworten. Es geht mir natürlich sehr gut.« – »Wieso natürlich?« fragt er, »ach so, Sie meinen, einer so entzückenden Dame gegenüber kann das Schicksal natürlich gar nicht anders als zart und galant verfahren. Sie stehen ja auf einem so hohen Piedestal, Sie schweben so hoch über allen Erdendingen –.« – »Um Gottes willen,« sage ich, »was haben Sie auf einmal?« – »Warum?« fragt er, »war ich etwa nicht grob?« – »Geradezu unverschämt,« versichere ich.
»Na also,« sagt er, »was ist da zu erschrecken! Mir scheint, Sie sind etwas verwöhnt und verzärtelt worden seit unserem letzten Zusammensein. – Was machen übrigens Ihre vierzig Freunde?«
»Sie verwechseln das,« belehre ich ihn, »bei unserem letzten Zusammensein war von Ihren dreiundvierzig Freundinnen die Rede.«
»Nun ja, warum sollte ich nicht drei mehr haben als Sie?« fragt er, »gönnen Sie mir die etwa nicht?«
»Von Herzen,« sage ich. »Don Juan hatte noch mehr.«
»Don Juan war auch kein feiner Genießer wie ich,« erklärt er. »Ich bin nur für Auslese, und deshalb kann auch der Kreis unmöglich vergrößert werden, so sehnsüchtig Sie darauf warten, aufgenommen zu werden.«
»Weshalb sind Sie so grausam?« frage ich, »gehen mir vielleicht ein paar Tugenden ab, die notwendig sind, um unter die Göttinnen eingereiht zu werden?«
»Alle,« erklärt er, »zuerst die wichtigste, Bescheidenheit. Sie sind von einem ebenso unberechtigten wie unerträglichen Hochmut geradezu geschwellt. Sie halten sich für unausstehlich gescheit –.« – »Ganz im Gegenteil,« versichere ich, »ich halte mich für sehr angenehm begabt.«
»Sie sind überzeugt, daß Sie keine Fehler haben –.« – »Auch das nicht,« antworte ich, »aber ich habe gerade meine kleinen Untugenden von jeher sehr reizvoll und sympathisch gefunden. – Fahren Sie übrigens nur fort, es gibt für mich nichts Wohltuenderes, als wenn sich jemand so eingehend mit meiner Person beschäftigt.«
»Für diese niedrige Eitelkeit verdienen Sie meine Verachtung,« antwortet er, »oder ist Ihnen eine körperliche Züchtigung lieber?«
»Ach nein,« sage ich erschrocken und verstecke die Hände unterm Tisch, »wenn ich dann lieber um Ihre Verachtung bitten dürfte.«
»Dacht ich mir's doch,« sagt er, »man hat Sie entsetzlich verweichlicht im letzten halben Jahr. – Aber jetzt ernstlich: Was machen die vierzig? Oder sind's seitdem mehr geworden oder gar weniger?«
Ich nicke: »Einer weniger.«
»Verkracht?« fragt er und strahlt geradezu teuflisch. – »Ach, wenn's nur das wäre,« sage ich.
»So, so, also ernstlich,« überlegt er. »War's Ihr bester?«
»Ich weiß nicht,« antworte ich, »aber ich glaube, der, den man verloren hat, war immer gerade der beste.«
»Na ja,« brummt er, »das hat dann gleich so etwas vom verlorenen Sohn an sich. Aber mit Freunden sollte es anders sein. Die man ohne eigene Schuld verliert, an denen ist meistens nichts verloren. Und so streitsüchtig Sie sind, ich nehme an, es war nicht Ihre Schuld.«
Ich muß lachen. »Ach nein,« sage ich, »ich war ganz und gar unschuldig, der Junge hat sich verheiratet.«
»O weh, o weh!« sagt der Professor und schlenkert die Hand durch die Luft, als habe er sich verbrannt. »Also ein fast unheilbarer Fall. Wie konnte der Trottel nur?«
»Trottel?« sage ich empört. »Er hat sehr vernünftig geheiratet, ideal und nützlich zugleich.«
»Also ein idealer Nützlichkeitstrottel,« nickt er. »Und er hat Ihnen versprochen: Zwischen uns bleibt alles, wie es war, und unsere Freundschaft besteht jede Probe, und so weiter?«
»So ähnlich,« antworte ich.
»Und Sie Schaf haben's geglaubt?«
»Lieber Professor,« sage ich, »ich bin vielleicht geistig etwas unter dem Durchschnitt, aber für so ein Schaf dürfen Sie mich nun doch nicht halten.«
»Na also,« sagt er, »und trotzdem beklagen Sie sich jetzt.«
»Ich glaube, ich kann Ihnen mit gutem Gewissen die ehrenvolle Anrede zurückgeben. Denken Sie Schaf vielleicht, uns schmerzen nur die Dinge, die wir nicht vorausgesehen haben?«
»Es war dumm, natürlich,« brummt er. »Sie haben recht. Es gibt allerdings Menschen, denen das Vorhergewußthaben jeden Schmerz versüßt, aber dazu gehören Sie anscheinend nicht. Wieso kam es aber zum Bruch? Hat man Sie etwa beleidigt?«
»Es ist gar kein Bruch, und mit Absicht hat man mich wohl nicht beleidigt,« antworte ich, »aber haben Sie nicht schon bemerkt, daß uns die Kränkungen am tiefsten treffen, die uns unabsichtlich zugefügt werden?«
»Natürlich,« sagt er, »die verfluchte Eitelkeit! Wir ertragen's eher, daß man uns haßt und verabscheut, als daß man uns gleichgültig gegenübersteht. – Übrigens vermute ich, Sie verlieren nicht mehr viel an dem Verkehr, denn wir waren uns ja von jeher darüber einig, daß glücklich verheiratete Leute kein Umgang für Menschen von Geschmack sind. Ob sie's wollen oder nicht, sie bringen ihr Familiensofa überall mit hin, und man kann sie noch so entfernt voneinander placieren, immer hat man das Gefühl, als säßen sie Hand in Hand. – Ist übrigens noch kein Ersatz in Sicht?«
»Ersatz?« wiederhole ich. »Jeder ist doch ein Mensch für sich, und einer kann den anderen nicht ersetzen.«
»Nun,« antwortet er, »meistens ist es doch im Leben so, daß uns die Dinge schon halb verloren sind, während wir sie noch zu halten glauben, und während von uns ungeahnt, irgendwo aus der Flut der Erscheinungen schon das Neue aufsteigt, das den Ersatz in sich trägt.«
Wir schweigen eine Zeitlang, und ich schaue ein wenig gedankenlos in die kleine rosa Lampe vor mir. Endlich sage ich:
»Drollig, mir ist ein Wort im Ohr hängen geblieben, das Sie vorhin sprachen. Vielleicht, weil's so widerspruchsvoll klingt. Was ist das, ein idealer Nützlichkeitstrottel?«
»Na,« antwortet er, »widerspruchsvoll klingt das Wort nun ganz und gar nicht, oder doch nur für den Trägen im Geist. Im allgemeinen drücke ich mich allerdings höflicher aus und sage: ideale Nützlichkeitsmenschen. Das Trottel sollte vorhin nur die weitverbreitete Trottelei des Heiratens treffen.«
»Meine geistige Trägheit schreit wahrscheinlich zum Himmel,« antworte ich, »aber ich kann mir auch unter der milderen Form nichts vorstellen. Also bitte, Herr Professor –«
Er fährt sich seufzend über den, trotz seiner Jugend, schon recht kahlen Schädel. »Gräßlich, wenn man durch die verfluchte Galanterie auch noch außerhalb der Vorlesungen zum Dozieren gezwungen wird. Aber nun passen Sie wenigstens auf, sonst setzt's was. Noch einmal kommen Sie nicht mit meiner Verachtung davon, diesmal knipse ich.«
»Mein Denkapparat wird nur so rasseln,« versichere ich und verstecke die Hände unterm Tisch.
»Na also,« er denkt einen Augenblick nach, »wissen Sie noch etwas von Lessings Hamburgischer Dramaturgie?«
»Ja,« sage ich stolz, »sie handelt hauptsächlich von Laokoon.«
»Ganz recht,« lobt er. »Sie meinen zwar den Laokoon von Lessing, aber das schadet nichts.« –
»Nein,« sage ich, »es schadet sicher nichts. Was hat es aber mit den idealen Nützlichkeitsmenschen zu tun?«
»Komische Frage,« antwortet er, »was soll es ausgerechnet damit zu tun haben? Ich muß morgen einen Vortrag über die Hamburgische Dramaturgie halten und wollte mich von Ihnen inspirieren lassen.«
»Und ist es geglückt?« frage ich. – »Vollkommen,« antwortet er, »ich bin nun so im Zug, daß ich Ihnen meinen Vortrag sofort halten werde.«
»Ich hoffe, Sie sind nicht böse, wenn ich dabei die Augen schließe,« frage ich, »das ist nämlich meine Gewohnheit bei Vorträgen und vielleicht der Grund zu meiner geistigen Fortgeschrittenheit.«
»Meinetwegen,« sagt er, »es ist mir ohnedies peinlich, wenn Sie mich so mit den Blicken verzehren und mir jedes Wort von den Lippen saugen.«
Ich überwinde einen krampfartigen Lachanfall, und er beginnt:
»Lessing war der Ansicht, daß in Hamburg das Prinzip der Nützlichkeit das überwiegende und ausschlaggebende sei. Davon steht zwar nichts in seiner Hamburgischen Dramaturgie, aber wir dürfen das dem Mann nicht zum Vorwurf machen, denn warum hätte er das gerade da hineinschreiben sollen? Er war trotzdem dieser Ansicht, und wir sind es mit ihm. Nun gibt es sowohl in, als auch außerhalb Hamburgs verschiedene Arten von Nützlichkeitsmenschem. Ad 1: Die gewöhnliche Feld-, Wald- und Wiesenpflanze, die jeder sofort erkennt, ad 2: die verfeinerte Sorte, die zwar auch nicht ganz selten ist, aber nur von Denkenden und geistig Hochstehenden erkannt und richtig eingereiht wird.
Es sind die Glücklichen, die nie eine Überzeugung, nie eine Neigung opfern müssen, weil ihre Überzeugung und ihre Neigung sich immer nach dem ihnen Nützlichen dreht, wie die Magnetnadel nach Norden. So leben sie unbeschwert von Sentiments, die nicht gerade der Augenblick in ihnen weckt, unbeschwert vor allem von retrospektiven Störungen, denn alles ist in ihrem Gedächtnis, oder sagen wir in dem Gedächtnis ihres Herzens ausgelöscht, was ihnen nicht mehr nützen kann. Und man darf von ihnen als ideal veranlagten Naturen nicht verlangen, daß sie sich nach etwas anderem als dem Zug ihres Herzens richten.
Sie sehen denn auch mit Verachtung auf den gewöhnlichen Nützlichkeitsmenschen herab, der der Stimme seines Herzens zuwider handelt und sich oft erst nach hartem Kampf mit sich selbst und mit bewußter Kraft und Rohheit das erringen muß, was ihnen eine besonders glückliche Veranlagung schenkt. Ihre Entschuldigung, wenn sie einer bedürfen, ist, daß sie nichts von dieser glücklichen Veranlagung wissen und ihrer wirklichen Überzeugung nach als ideal geartete Menschen durch die Welt gehen. – Kapiert?«
»Jawohl,« sage ich.
»Also kurz rekapitulieren!« Er sieht mich streng an, und ich sage, die Hände krampfhaft unterm Tisch:
»Lessings Hamburgische Dramaturgie gipfelt in der Erkenntnis, daß es gewöhnliche und ideale Nützlichkeitsmenschen gibt. Die ersten werden zum Beispiel nie ein armes Mädchen heiraten, die zweiten werden sich nie in ein armes Mädchen verlieben.«
»Basta punktum!« sagt der Professor grinsend, »da hat sich's der Weiberkopf Gott sei Dank in seine Weibersprache übersetzt. Vom Verlieben und Heiraten muß bei euch die Rede sein, da seid ihr zu Hause und geborgen, da könnt ihr mitschwimmen und plätschern wie ein Fisch im Wasser.«
»Weshalb verallgemeinern Sie so?« frage ich sanft. »Sollten Ihre dreiundvierzig Freundinnen am Ende ebenso trivial sein wie ich?« – »Die werden sich hüten,« antwortet er, »wer mit mir vom Heiraten spricht, hat ausgespielt.«
»Erzählen Sie ein bißchen von den dreiundvierzig,« schlage ich vor, um ihn wieder milder zu stimmen. »Sind sie alle sanft und bescheiden oder sind auch Wilde und Feurige dabei oder herb Verschlossene oder hinreißend Kluge? Daß sie alle berückend schön sind, setze ich als selbstverständlich voraus.«
»Alles ist da,« antwortet er stolz.
»Das muß ja unglaublich interessant und spannend sein,« schmeichle ich ihm, und er lächelt in teuflischer Verschlagenheit vor sich hin.
»Sie sind so verschwiegen,« beklage ich mich, »und ich habe Ihnen heute schon so viel von mir erzählt, daß Sie sich freundschaftlicherweise revanchieren dürften.«
»Ja,« sagt er nach einer kleinen Pause, »ich will Ihnen erzählen: Sie ist sanft und feurig und schelmisch und ernst und verschlossen und mitteilsam und stolz und bescheiden und alles zugleich. Und schön ist sie –«
»Sie, sie!« sage ich ganz fassungslos, »ich denke, es sind dreiundvierzig!«
»Quatschkopf!« sagt er und schnippt nach meiner Hand. »Sie wissen doch schon lange, daß es nur eine ist.«