Geschichte von England
Wilhelm Beseler translation
seit der
Thronbesteigung Jakob’s des Zweiten.
Aus dem Englischen.
Vollständige und wohlfeilste
Stereotyp-Ausgabe.
Sechster Band:
enthaltend Kapitel 11 und 12.

Leipzig, 1856.
G. H. Friedlein.
Elftes Kapitel.
Wilhelm von Oranien.
Inhalt.
Seite
Wilhelm und Marie 5
Festlichkeiten durch ganz England 6
Festlichkeiten in Holland 6
Unzufriedenheit der Geistlichkeit und der Armee 6
Reaction der öffentlichen Meinung 7
Stimmung der Tories 9
Stimmung der Whigs 11
Ministerielle Einrichtungen 12
Wilhelm sein eigner Minister des Auswärtigen 13
Danby 14
Halifax 15
Nottingham 15
Shrewsbury 17
Die Admiralität 17
Das Schatzamt 17
Das große Siegel 18
Die Richter 18
Der Hofstaat 19
Untergeordnete Ernennungen 21
Die Convention in ein Parlament verwandelt 22
Die Mitglieder der beiden Häuser werden aufgefordert die Eide zu leisten 25
Fragen bezüglich des Einkommens 26
Abschaffung der Herdsteuer 28
Entschädigung der Vereinigten Provinzen 29
Meuterei in Ipswich 29
Die erste Meutereibill 32
Suspension der Habeas-Corpus-Acte 35
Unpopularität Wilhelm’s 36
Popularität Mariens 38
Das Hoflager wird von Whitehall nach Hampton-Court verlegt 40
Der Hof in Kensington 42
Wilhelm’s ausländische Günstlinge 43
Allgemeine schlechte Verwaltung 44
Uneinigkeit unter den Staatsdienern 46
Das Departement der auswärtigen Angelegenheiten 49
Religionsstreitigkeiten 50
Die Hochkirchenpartei 51
Die Niederkirchenpartei 52
Wilhelm’s Pläne bezüglich der Kirchenverfassung 53
Burnet, Bischof von Salisbury 54
Nottingham’s Pläne in Bezug auf die kirchliche Verfassung 56
Die Toleranzbill 58
Die Comprehensionsbill 63
Bill zur Festsetzung der Huldigungs- und Suprematseide 69
Die Bill zur Festsetzung des Krönungseides 79
Die Krönung 81
Beförderungen 83
Die Coalition gegen Frankreich 84
Die Verwüstung der Pfalz 84
Kriegserklärung gegen Frankreich 87
Wilhelm und Marie. Die Revolution war vollendet und die Decrete der Convention allenthalben mit Unterwerfung aufgenommen worden. London, seit fünfzig ereignißvollen Jahren treu der Sache der bürgerlichen Freiheit und des reformirten Glaubens, erklärte zuerst den neuen Herrschern seine Ergebenheit. Nachdem der erste Wappenherold unter den Fenstern von Whitehall den neuen Herrscher ausgerufen, ritt er mit feierlichem Gepränge den Strand entlang bis Temple Bar. Ihm folgten die Scepterträger der beiden Häuser, die beiden Sprecher Halifax und Powle und ein langer Zug von Equipagen mit Cavalieren und Gentlemen. Die Magistratsbeamten der City hielten ihre Thore geöffnet und schlossen sich der Prozession an. Vier Regimenter Miliz bildeten durch Ludgate Hill, um die St. Paulskirche herum und Cheapside entlang Spalier. Die Straßen, die Fenster und selbst die Dächer waren mit Zuschauern gefüllt. Alle Glocken von der Westminsterabtei bis zum Tower ließen ihr fröhliches Geläute ertönen. Vor der Börse wurde die Proclamation unter dem Jubel der versammelten Bürger bei Trompetenschall zum zweiten Male verlesen.
Am Abend war jedes Fenster von Whitechapel bis Picadilly erleuchtet. Die Prunkgemächer des Palastes waren geöffnet und mit einer glänzenden Versammlung von Höflingen gefüllt, welche gekommen waren, dem Könige und der Königin die Hand zu küssen. Es waren die Whigs, die sich, von Glück und Siegesfreude strahlend, hier versammelt hatten. Einigen unter ihnen konnte man es wohl verzeihen, wenn sich ein Gefühl befriedigter Rache in ihre Freude mischte. Die am schwersten Gekränkte aber von Allen, welche die schlimmen Zeiten überlebt hatten, fehlte. Lady Russel war, während ihre Freunde sich in den Gallerien von Whitehall drängten, zu Haus geblieben, um an Den zu denken, der, wenn er noch gelebt hätte, bei der Feier dieses hochwichtigen Tages eine nicht unbedeutende Rolle gespielt haben würde. Ihre Tochter jedoch, welche einige Monate zuvor die Gemahlin des Lord Cavendish geworden, ließ sich durch dessen Mutter, die Gräfin von Devonshire, dem Königspaare vorstellen. Es existirt noch ein Brief, in welchem die junge Dame den Jubel der Bevölkerung, den Lichterglanz in den Straßen, das Gedränge in dem Empfangszimmer, die Schönheit Mariens und den Ausdruck, der die strengen Züge Wilhelm’s veredelte und milderte, mit großer Lebendigkeit schildert. Die interessanteste Stelle darin ist die, wo die Verwaiste die wehmüthige Freude gesteht, mit der sie die verspätete Bestrafung des Mörders ihres Vaters mit ansah.1
Festlichkeiten durch ganz England. Dem Beispiele London’s folgten auch die Provinzialstädte. Drei Wochen lang waren die Spalten der Journale mit Berichten über die Festlichkeiten gefüllt, durch die sich die öffentliche Freude kund gab: Cavalcaden von Gentlemen und Freisassen, Prozessionen von Sheriffs und Bailiffs im scharlachnen Amtskleide, Umzüge eifriger Protestanten mit orangefarbenen Fahnen und Bändern, Geschützsalven, Freudenfeuer, Illuminationen, Musikfeste, Bälle, Gastmähler, Rinnen und Röhren in denen Ale und Claret flossen.2
Festlichkeiten in Holland. Noch herzlicher war die Freude unter den Holländern, als sie erfuhren, daß der erste Beamte ihrer Republik auf einen Thron erhoben worden. Wilhelm hatte am Tage seines Regierungsantritts an die Generalstaaten geschrieben, daß die Veränderung in seiner Stellung die Liebe zu seinem Vaterlande nicht geschmälert und daß seine neue Würde ihn hoffentlich in den Stand setzen werde, seine älteren Pflichten wirksamer zu erfüllen als je. Die olicharchische Partei, welche den Lehren Calvin’s und dem Hause Oranien stets feindlich gesinnt gewesen, murmelte zwar leise, Sr. Majestät müsse das Statthalteramt niederlegen. Aber all’ dieses Gemurmel wurde von dem Zujauchzen eines Volks übertäubt, das stolz war auf das Genie und das Glück seines großen Landsmannes. Es ward ein Tag zu Dankesbezeigungen bestimmt, und in allen Städten der sieben Provinzen äußerte sich die allgemeine Freude in Festlichkeiten, deren Kosten hauptsächlich durch freiwillige Gaben bestritten wurden. Alle Klassen nahmen Theil daran; der ärmste Tagelöhner konnte sich betheiligen, indem er einen Triumphbogen errichten half oder Reisig zu einem Freudenfeuer trug. Selbst die ruinirten Hugenotten konnten durch ihre Geschicklichkeit und ihre Erfindungsgabe mitwirken. Eine Kunst, die sie mit sich in die Verbannung genommen, war die Feuerwerkerei, und so erleuchteten sie jetzt zu Ehren des siegreichen Vorkämpfers ihres Glaubens die Kanäle von Amsterdam durch prachtvolle Feuerwerke.3
Dem flüchtigen Beobachter konnte es scheinen, als hätte Wilhelm damals einer der beneidenswerthesten Menschen sein müssen; in der That aber war er einer der sorgenvollsten und unglücklichsten. Er wußte wohl, daß die Schwierigkeiten seiner Aufgabe erst begannen. Schon war die so glänzend angebrochene Morgenröthe seines Glücks umwölkt und viele Anzeichen verkündeten einen dunklen, stürmischen Tag.
Unzufriedenheit der Geistlichkeit und der Armee. Man machte die Bemerkung, daß zwei wichtige Stände wenig oder keinen Theil an den Festlichkeiten nähmen, durch welche in ganz England die Einsetzung der neuen Regierung gefeiert wurde. Nur sehr selten sah man einen Priester oder einen Soldaten unter den Leuten, die sich um die Marktsäulen versammelten, wo der König und die Königin ausgerufen wurden. Der Berufsstolz der Geistlichkeit und des Heeres war tief verletzt worden. Die Lehre vom Nichtwiderstande war den anglikanischen Geistlichen theuer gewesen; sie war ihr unterscheidendes Kennzeichen, sie war ihr Lieblingsthema. Wenn wir nach dem auf uns gekommenen Theile ihrer öffentlichen Vorträge urtheilen dürfen, so hatten sie über die Pflicht des passiven Gehorsams mindestens eben so oft und eifrig gepredigt, wie über die Dreieinigkeit und die Sühne.4 Ihre Anhänglichkeit an ihren politischen Glauben war zwar hart geprüft und auf eine kurze Zeit erschüttert worden; aber mit Jakob’s Tyrannei waren auch die bittern Gefühle verschwunden, welche diese Tyrannei in ihnen geweckt hatte. Der Pfarrer eines Kirchspiels war natürlich nicht geneigt, sich einer Sache anzuschließen, die ein thatsächlicher Triumph über die Grundsätze war, die seine Gemeinde ihn an jedem Jahrestage des Märtyrertodes5 und der Restauration hatte verkündigen hören.
Auch die Soldaten waren mißvergnügt. Sie haßten zwar den Papismus und hatten den verbannten König nicht geliebt; aber sie fühlten nur zu wohl, daß sie in dem kurzen Feldzuge, der das Schicksal ihres Vaterlandes entschieden, eine ruhmlose Rolle gespielt hatten. Vierzig schöne Regimenter, eine reguläre Armee, wie noch nie zuvor eine unter dem Banner England’s gefochten, hatten sich über Hals und Kopf vor einem Eindringling zurückgezogen und sich ihm dann ohne Schwertstreich unterworfen. Diese große Streitmacht war bei der jüngsten Veränderung von gar keinem Einflusse gewesen; sie hatte eben so wenig etwas gethan, Wilhelm abzuwehren, als ihn ins Land zu bringen. Die Bauern, welche mit Heugabeln bewaffnet und auf Karrengäulen reitend, im Gefolge Lovelace’s oder Delamere’s umhergezogen waren, hatten einen größeren Theil an der Revolution genommen als jene glänzenden Haustruppen, deren Federhüte, geflickte Röcke und curbettirende Schlachtrosse die Londoner so oft in Hyde Park bewundert. Die Verstimmung der Armee wurde noch vermehrt durch die Spötteleien der Fremden, welche weder durch Befehle noch durch Strafen völlig unterdrückt werden konnten.6 An verschiedenen Orten äußerte sich der Unmuth, den man bei einer tapferen und von Ehrgefühl beseelten Gemeinschaft von Männern unter solchen Umständen wohl erwarten darf, in beruhigender Weise. Ein in Cirencester liegendes Bataillon löschte die Freudenfeuer aus, ließ den König Jakob hoch leben und trank auf den Untergang seiner Tochter und seines Neffen. Die Garnison von Plymouth störte die Festlichkeiten in der Grafschaft Cornwall, es kam zu Schlägereien, und ein Mann wurde dabei getödtet.7
Reaction der öffentlichen Meinung. Die Mißstimmung der Geistlichkeit und der Armee konnte auch den Unaufmerksamsten nicht entgehen, denn beide Stände zeichneten sich von den übrigen Klassen durch in die Augen fallende Eigenthümlichkeiten in der Kleidung aus. „Die Schwarzröcke und die Rothröcke,“ sagte ein heftiger Whig im Hause der Gemeinen, „sind der Fluch der Nation.“8 Die Unzufriedenheit beschränkte sich jedoch nicht auf die Schwarzröcke und Rothröcke. Die Begeisterung, mit welcher Leute aller Stände Wilhelm zu Weihnachten in London bewillkommnet, hatte noch vor Ende Februar bedeutend nachgelassen. Der neue König selbst hatte, in dem Augenblicke als sein Ruhm und sein Glück den höchsten Punkt erreicht, die kommende Reaction vorhergesagt. Diese Reaction hätte allerdings auch ein minder scharfsichtiger Beobachter der menschlichen Dinge voraussehen können, denn sie muß hauptsächlich einem Gesetz zugeschrieben werden, das eben so feststeht wie die Gesetze, welche die Aufeinanderfolge der Jahreszeiten und den Wechsel der Passatwinde regeln. Es liegt in der Natur des Menschen, gegenwärtige Übel zu hoch, und gegenwärtiges Gute zu niedrig anzuschlagen, sich nach dem was er nicht hat zu sehnen, und mit dem was er hat unzufrieden zu sein. Dieser Hang, wie er sich bei dem Individuum zeigt, ist oft von lachenden und von weinenden Philosophen besprochen worden. Er war ein Lieblingsthema Horaz’ und Pascal’s, Voltaire’s und Johnson’s. Seinem Einflusse auf das Schicksal großer Gemeinschaften können die meisten Revolutionen und Gegenrevolutionen, von denen die Geschichte erzählt, zugeschrieben werden. Hundert Generationen sind seit der ersten großen nationalen Emancipation, von welcher Nachricht auf uns gekommen ist, vorübergegangen. In dem ältesten der Bücher lesen wir, daß ein Volk, unter einem grausamen Joche in den Staub gebeugt, von strengen Zuchtmeistern zur Arbeit gepeitscht, ohne nur Stroh zu einem Lager zu erhalten, und doch gezwungen die tägliche Anzahl Bausteine zu liefern, des Lebens müde ward und einen zum Himmel schreienden Jammerruf ertönen ließ. Die Sklaven wurden wunderbar befreit, und im Augenblicke ihrer Befreiung stimmten sie eine Dankes- und Siegeshymne an; doch schon nach wenig Stunden begannen sie ihre Sklaverei zurückzuwünschen und gegen den Anführer zu murren, der sie von dem leckeren Tische des Hauses der Knechtschaft hinweggelockt in die öde Wüste, die sie noch von dem Lande trennte, wo Milch und Honig fließen sollten. Seitdem ist die Geschichte jedes großen Befreiers eine Wiederholung der Geschichte Moses gewesen. Auf Freudenbezeigungen wie die am Ufer des rothen Meeres ist jederzeit, bis auf den heutigen Tag, sehr bald ein Murren wie das an den Wassern der Zwietracht gefolgt.9 Die gerechteste und heilsamste Revolution muß viele Leiden hervorbringen. Die gerechteste und heilsamste Revolution kann nicht all’ das Gute schaffen, das Leute von mangelhafter Bildung und sanguinischem Temperament von ihr erwarteten. Selbst der Weiseste vermag nicht, so lange sie noch neu ist, die Übel, die sie hervorgerufen, gegen die Übel, die sie beseitigt, mit vollkommener Genauigkeit abzuwägen. Denn die Übel, die sie hervorgerufen, werden gefühlt, die Übel aber, die sie beseitigt, werden nicht mehr gefühlt.
So war es damals in England. Das Publikum war, wie immer während des Zustandes von Abkühlung, der auf Fieberanfälle folgt, mißmuthig, schwer zu befriedigen, unzufrieden mit sich selbst und unzufrieden mit denen, welche noch kürzlich seine Lieblinge gewesen. Der Waffenstillstand zwischen den beiden großen Parteien war zu Ende. Obwohl getrennt durch die Erinnerung an Alles was während eines Kampfes von einem halben Jahrhundert gethan und gelitten worden, hatte eine gemeinsame Gefahr sie auf einige Monate mit einander verbunden. Jetzt war die Gefahr vorüber, die Verbindung war aufgelöst und der alte Groll brach wieder in seiner ganzen Stärke hervor.
Stimmung der Tories. Jakob war während der letzten Jahre seiner Regierung von den Tories noch mehr gehaßt worden als von den Whigs, und zwar nicht ohne Grund, denn den Whigs war er nur ein Feind, den Tories aber war er ein treuloser und undankbarer Freund gewesen. Doch die alten royalistischen Gefühle, welche in der Zeit seiner gesetzlosen Herrschaft erloschen zu sein schienen, waren durch sein Mißgeschick zum Theil wieder geweckt worden. Viele Lords und Gentlemen, welche im December für den Prinzen von Oranien und ein freies Parlament zu den Waffen gegriffen, sagten zwei Monate später, sie hätten sich mit fortreißen lassen, sie hätten zu großes Vertrauen in die Erklärung Sr. Hoheit gesetzt und hätten in ihm eine Uneigennützigkeit vermuthet, die, wie es sich jetzt zeige, nicht in seinem Charakter liege. Sie hätten dem König Jakob zu seinem eigenen Besten einen leichten Zwang auflegen, die Jesuiten und Renegaten, die ihn irre geleitet, bestrafen und von ihm eine Garantie für die Aufrechthaltung der bürgerlichen und kirchlichen Institutionen des Reichs erlangen, nicht aber ihn entthronen und verbannen wollen. Für seine schlechte Verwaltung fand man Entschuldigungsgründe. Sei es ein Wunder, daß er, durch Rebellen, welche dem Namen Protestanten Schande machten, schon als Knabe seinem Vaterlande entrissen, und gezwungen seine Jugend in Ländern zu verleben, wo die römisch-katholische Religion herrschte, durch diesen verführerischen Aberglauben angezogen worden? Sei es ein Wunder, daß sein Charakter durch die Verfolgungen und Verleumdungen einer unversöhnlichen Partei härter und strenger geworden als man anfangs geglaubt, und daß er, als die, welche es versucht hatten, seine Ehre zu vernichten und ihn seines Geburtsrechts zu berauben, endlich in seiner Gewalt waren, die Gerechtigkeit nicht genügend durch Nachsicht gemildert habe? Was endlich die schlimmste ihm zur Last gelegte Anschuldigung betreffe: daß er durch Adoptirung eines untergeschobenen Kindes seinen Töchtern ihr rechtmäßiges Erbe habe entziehen wollen, — worauf gründe sich diese Anklage? Bloß auf geringfügige Umstände, die man wohl auf Rechnung des Zufalls oder der mit seinem Charakter nur zu sehr im Einklang stehenden Unbesonnenheit schreiben könne. Habe wohl je der einfältigste Dorfrichter einen Menschen ins Gefängniß geworfen, ohne stärkere Beweise zu verlangen, als die, auf welche hin das englische Volk seinen König des niedrigsten und abscheulichsten Betrugs schuldig erklärt habe? Allerdings habe er einige große Fehler begangen, und es sei nichts gerechter und verfassunggemäßer, als daß seine Rathgeber und Creaturen wegen dieser Fehler zur strengen Rechenschaft gezogen würden; auch verdiene von allen diesen Rathgebern und Creaturen Niemand mehr bestraft zu werden als die Rundkopf-Sectirer, deren Schmeichelei ihn ermuthigt habe, in der verderblichen Ausübung der Dispensationsgewalt zu beharren. Es sei ein Grundgesetz des Landes, daß der König nicht Unrecht thun könne und daß, wenn Kraft seiner Autorität Unrecht gethan werde, seine Rathgeber und Werkzeuge dafür verantwortlich seien. Diese große und wesentliche Regel unsrer Verfassung sei jetzt umgedreht worden. Die Speichellecker, welche von Rechtswegen zu bestrafen gewesen seien, erfreuten sich der Straflosigkeit, und der König, der von Rechtswegen nicht zu bestrafen sei, werde mit schonungsloser Strenge bestraft. Sei es anders möglich, als daß die Cavaliere England’s, die Söhne der Krieger, welche unter Ruprecht gekämpft, bitteren Schmerz und Unwillen empfänden, wenn sie an das Schicksal ihres rechtmäßigen Lehnsherrn dächten, des Erben einer langen Reihe von Fürsten, der erst unlängst mit allem Glanze in Whitehall auf den Thron erhoben worden und jetzt ein Verbannter, ein Bittender, ein Bettler sei? Sein Unglück sei größer als selbst das des gefeierten Märtyrers, dessen Sprößling er sei. Der Vater sei durch erklärte Todfeinde hingeschlachtet worden, der Untergang des Sohnes sei das Werk seiner eigenen Kinder. Gewiß hätte die Strafe, wenn sie auch verdient sei, durch andere Hände auferlegt werden sollen. Und sei sie denn wirklich ganz verdient? Sei der unglückliche Mann nicht eher schwach und unbesonnen als schlecht? Besitze er nicht einige von den Eigenschaften eines vortrefflichen Fürsten? Man könne zwar nicht sagen, daß er ausgezeichnete Fähigkeiten habe, aber er sei thätig, er sei sparsam, er habe tapfer gefochten, er sei sein eigner Marineminister gewesen und habe als solcher seine Sache recht gut gemacht; er habe ferner, bevor seine geistlichen Leiter einen verhängnißvollen Einfluß auf ihn gewonnen, für einen Mann von strenger Gerechtigkeit gegolten, und endlich habe er, wenn er nicht von ihnen irre geführt worden sei, fast immer die Wahrheit gesprochen und ehrlich gehandelt. Bei so vielen Tugenden habe er, wenn er ein Protestant, ja selbst wenn er ein gemäßigter Katholik gewesen wäre, glücklich und ruhmvoll regieren können. Vielleicht sei es noch nicht zu spät für ihn, seine Fehler wieder gut zu machen. Man könne ihn wohl schwerlich für so verblendet und verderbt halten, daß er aus der empfangenen furchtbaren Lehre nicht Nutzen ziehen sollte, und wenn diese Lehre die Wirkung gehabt habe, die man vernünftigerweise davon erwarten dürfe, so werde England unter seinem rechtmäßigen Herrscher noch immer ein größeres Maß von Glück und Ruhe genießen können, als es von der Verwaltung des besten und tüchtigsten Usurpators zu erwarten habe.
Wir würden denen, welche diese Sprache führten, sehr Unrecht thun, wenn wir annähmen, daß sie, als Gesammtheit, aufgehört hätten, den Papismus und Despotismus mit Abscheu zu betrachten. Wohl mag es einige Zeloten darunter gegeben haben, welche den Gedanken, ihrem Könige Bedingungen vorzuschreiben, nicht ertragen konnten und die bereit waren, ihn zurückzurufen ohne die geringste Zusicherung von seiner Seite, daß nicht augenblicklich die Indulgenzerklärung wieder publicirt, die hohe Commission wieder eingesetzt, Petre wieder in den Staatsrath berufen und die Fellows des Magdalenencollegiums wieder vertrieben werden sollten. Allein die Zahl dieser Männer war klein. Um so größer war dagegen die Zahl derjenigen Royalisten, welche bereit gewesen wären, sich aufs neue um Jakob zu schaaren, wenn er seine Irrthümer eingesehen und versprochen hätte, die Gesetze zu beobachten. Es ist eine bemerkenswerthe Thatsache, daß zwei talentvolle und erfahrene Staatsmänner, welche eine Hauptrolle in der Revolution gespielt hatten, wenige Tage nach derselben offen ihre Besorgniß äußerten, daß eine Restauration nahe bevorstehe. „Wenn König Jakob ein Protestant wäre,“ sagte Halifax zu Reresby, „so könnten wir ihn keine vier Monate außer Landes halten.“ — „Wenn König Jakob,“ sagte Danby um dieselbe Zeit zu dem nämlichen Manne, „dem Lande in Sachen der Religion nur einige Genugthuung geben wollte, was er leicht thun könnte, so würde es sehr schwer sein, ihm die Spitze zu bieten.“10 Zum Glück für England war Jakob, wie immer, sein eigener schlimmster Feind. Kein Wort, aus dem man hätte abnehmen können, daß er sich wegen der Vergangenheit tadele oder daß er in Zukunft verfassunggemäß zu regieren gedenke, war aus ihm heraus zu bringen. Jeder Brief, jedes Gerücht, das seinen Weg von Saint-Germains nach England fand, ließ einsichtsvolle Männer fürchten, daß, wenn er in seiner gegenwärtigen Stimmung wieder zur Macht gelangen sollte, die zweite Tyrannei schlimmer sein würde, als die erste. So mußten denn die Tories in ihrer Gesammtheit, wenn auch ungern, eingestehen, daß sie für den Augenblick nur die Wahl hatten zwischen Wilhelm und dem öffentlichen Ruin. Daher ließen sie sich die neue Regierung unmuthig gefallen, ohne jedoch die Hoffnung ganz aufzugeben, daß der eigentlich rechtmäßige König früher oder später der Stimme der Vernunft noch Gehör geben werde, und ohne für den factischen König eine Spur von Loyalität zu empfinden.
Stimmung der Whigs. Es ist die Frage, ob der neuen Regierung während der ersten Monate ihres Bestehens die Zuneigung der Whigs nicht gefährlicher war als die Abneigung der Tories. Offene Feindschaft kann kaum nachtheiliger sein als mäkelnde, eifersüchtige, anspruchsvolle Zuneigung, und solcher Art war die, welche die Whigs dem Herrscher ihrer Wahl erwiesen. Sie lobten und priesen ihn laut, sie waren bereit, ihn mit Gut und Blut gegen fremde und einheimische Feinde zu unterstützen. Aber ihre Zuneigung zu ihm war eine ganz eigenthümliche. Eine Loyalität wie die, welche die tapferen Edelleute beseelte, die für Karl I. kämpften, oder wie die, welche Karl II. den durch eine zwanzigjährige schlechte Verwaltung hervorgerufenen Gefahren und Schwierigkeiten entrissen: einem solchen Gefühl waren die Lehren Milton’s und Sidney’s nicht günstig, so wenig als ein durch einen Aufstand eben erst zur Macht gelangter Fürst hoffen durfte, es einzuflößen. Die whiggistische Regierungstheorie geht dahin, daß der König für das Volk, nicht das Volk für den König da ist; daß das Recht eines Königs in keinem andren Sinne göttlich ist als wie das Recht eines Parlamentsmitgliedes, eines Richters, eines Geschwornen, eines Mayors und eines Constabels; daß, so lange der erste Beamte im Staate den Gesetzen gemäß regiert, ihm Gehorsam und Ehrerbietung bezeigt werden muß; daß aber, sobald er die Gesetze verletzt, ihm Widerstand geleistet werden darf, und daß er, wenn er die Gesetze gröblich, systematisch und beharrlich verletzt, abgesetzt werden muß. Von der Richtigkeit dieser Principien hing die Gerechtigkeit von Wilhelm’s Anspruch auf den Thron ab. Es liegt auf der Hand, daß zwischen Unterthanen, welche diesen Principien huldigten, und einem Herrscher, dessen Thronbesteigung der Sieg dieser Principien gewesen war, ein ganz andres Verhältniß stattfinden mußte als das, welches zwischen den Stuarts und den Cavalieren bestand. Die Whigs liebten Wilhelm zwar, aber sie liebten ihn nicht als König, sondern als Parteiführer, und es war nicht schwer vorauszusehen, daß ihr Enthusiasmus bald nachlassen würde, wenn er sich etwa weigerte, der bloße Führer ihrer Partei zu sein, und versuchen sollte, den König der ganzen Nation zu spielen. Zum Dank für die Hingebung, die sie seiner Sache bewiesen, verlangten sie von ihm, daß er einer der Ihrigen, ein zuverlässiger, eifriger Whig sei, daß er seine Gunst nur Whigs zu Theil werden lasse, daß er allen alten Groll und Haß der Whigs zu seinem eignen mache, und es stand mit nur zu gutem Grunde zu befürchten, daß, wenn er diese Erwartung täuschte, der einzige Theil der Nation, der seiner Sache eifrig zugethan war, ihm entfremdet werden würde.11
Dies waren die Schwierigkeiten, von denen er sich im Augenblicke seiner Erhebung umringt sah. Wo es einen guten Ausweg gab, hatte er selten verfehlt, denselben zu wählen, jetzt aber hatte er nur die Wahl zwischen Wegen, die alle mit gleicher Wahrscheinlichkeit zum Verderben führten. Von der einen Partei durfte er keine aufrichtige Unterstützung erwarten, und die aufrichtige Unterstützung der andern konnte er sich nur dadurch erhalten, daß er selbst der entschiedenste Parteimann in seinem Königreiche, ein Shaftesbury auf dem Throne wurde. Verfolgte er die Tories, so verwandelte sich ihre Verstimmung unfehlbar in Wuth; gewährte er ihnen seine Gunst, so war es noch keineswegs gewiß, ob er dadurch ihre Zuneigung gewann, während es nur zu wahrscheinlich war, daß er dann seinen Halt im Herzen der Whigs verlieren werde. Etwas mußte er indeß thun, etwas mußte er wagen: es mußte ein Geheimrath vereidigt und alle wichtigen Staats- und Justizämter mußten besetzt werden. Es hierbei Allen recht zu machen, war unmöglich, es war schon schwer genug, es Jemandem recht zu machen; doch etwas mußte geschehen.
Ministerielle Einrichtungen. Was man jetzt ein Ministerium nennt, das gedachte er nicht zu bilden. Überhaupt lernte England ein solches Ministerium erst kennen, als er einige Jahre auf dem Throne saß. Unter den Plantagenets, den Tudors und den Stuarts hatte es wohl Minister, aber kein Ministerium gegeben. Die Diener der Krone standen nicht, wie jetzt, in einem solidarischen Verhältnisse zu einander, man erwartete nicht von ihnen, daß sie, selbst in Fragen von höchster Bedeutung, gleicher Meinung seien. Oft waren sie sogar politische und persönliche Feinde und machten kein Geheimniß aus ihrer Feindschaft. Es galt noch nicht für nachtheilig und unschicklich, daß sie einander schwerer Verbrechen beschuldigten und daß Einer des Andren Kopf verlangte. Niemand hatte den Lordkanzler Clarendon heftiger angeklagt als Coventry, ein Mitglied der Schatzcommission. Niemand hatte den Lordschatzmeister Danby heftiger angeklagt als Winnington, der Generalprokurator. Nur ein Einigungspunkt war zwischen den Regierungsmitgliedern: ihr gemeinsames Oberhaupt, der Souverain. Die Nation betrachtete ihn als das wirkliche Oberhaupt der Verwaltung und tadelte ihn streng, wenn er seine hohen Functionen auf einen Unterthan übertrug. Clarendon sagt uns, daß den Engländern seiner Zeit nichts so verhaßt gewesen sei als ein Premierminister. Sie würden, meint er, lieber unter einem Usurpator wie Oliver stehen, der factisch wie nominell erster Beamter im Staate war, als unter einem rechtmäßigen Könige, der sie an einen Großwessier verwies. Eine der Hauptbeschuldigungen, welche die Vaterlandspartei gegen Karl II. erhoben, bestand darin, daß er zu indolent und vergnügungssüchtig sei, um die Rechnungsablagen des Staatshaushaltes und die Inventuren der militärischen Vorrathsmagazine sorgfältig zu prüfen. Als Jakob auf den Thron kam, beschloß er, keinen Lordgroßadmiral, kein Admiralitätscollegium zu ernennen, sondern die ganze Leitung der Marineangelegenheiten selbst in die Hand zu nehmen, und diese Einrichtung, welche heutzutage von Männern aller Parteien für im höchsten Grade verfassungswidrig und nachtheilig erklärt werden würde, fand damals allgemeinen Beifall selbst bei Solchen, die nicht geneigt waren, seine Handlungsweise in einem günstigen Lichte zu betrachten. Wie vollständig das Verhältniß, in welchem der König zu seinem Parlamente und zu seinen Ministern stand, durch die Revolution verändert worden war, erkannten anfangs selbst die erleuchtetsten Staatsmänner nicht. Man glaubte allgemein, daß die Regierung, wie in früherer Zeit, wieder durch von einander unabhängige Beamte geleitet werden und daß Wilhelm die Oberaufsicht über dieselben führen werde. Auch erwartete man zuversichtlich, daß ein Fürst von Wilhelm’s Befähigung und Erfahrung viele wichtige Geschäfte ohne allen fremden Rath und Beistand besorgen werde.
Wilhelm sein eigner Minister des Auswärtigen. Man hatte daher nichts zu erinnern, als man erfuhr, daß Wilhelm die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten sich selbst vorbehalten habe. Allerdings blieb auch kaum etwas Andres übrig, denn mit der einzigen Ausnahme Sir Wilhelm Temple’s, den nichts bewogen haben würde, aus seiner Zurückgezogenheit wieder ins öffentliche Leben zu treten, gab es damals keinen Engländer, der sich als fähig erwiesen hatte, eine wichtige Unterhandlung mit fremden Mächten zu einem ersprießlichen und ehrenvollen Ende zu führen. Viele Jahre waren verstrichen, seit England sich mit Gewicht und Würde in die Angelegenheiten der großen Republik der Nationen eingemischt. Die Aufmerksamkeit der geschicktesten englischen Staatsmänner war lange fast ausschließlich durch Zerwürfnisse in Bezug auf die bürgerliche und kirchliche Verfassung ihres eigenen Landes in Anspruch genommen worden. Die Streitigkeiten wegen der papistischen Verschwörung und der Ausschließungsbill, wegen der Habeas-Corpusacte und der Testacte hatten einen Überfluß, man könnte fast sagen eine Fluth von solchen Talenten erzeugt, welche in einer durch innere Spaltungen zerrissenen Gesellschaft Männer zu Macht und Ansehen erheben. Das ganze Festland hatte keine so geschickten und schlauen Parteiführer, keine so gewandten parlamentarischen Taktiker, keine so schlagfertigen und beredten Wortführer aufzuweisen als in Westminster versammelt waren. Aber es bedurfte einer ganz andren Schule, um einen Minister des Auswärtigen zu bilden, und die Revolution hatte England plötzlich in eine Lage versetzt, in welcher die Dienste eines großen Ministers für die auswärtigen Angelegenheiten unentbehrlich waren.
Wilhelm eignete sich ganz vorzüglich zur Ausfüllung dieses Postens, dem die vollendetsten Staatsmänner seines Reiches nicht gewachsen waren. Er hatte sich schon seit geraumer Zeit als Unterhändler ausgezeichnet. Er war der Schöpfer und die Seele der europäischen Coalition gegen das Übergewicht Frankreichs. Der leitende Faden, ohne den es gefährlich war, das große und verwickelte Labyrinth der festländischen Politik zu betreten, war in seinen Händen. Daher wagten es seine englischen Räthe, so talentvoll und thätig sie sonst waren, während seiner Regierung nur selten, sich in den Theil der Staatsgeschäfte einzumischen, die er zu seinem speciellen Departement erwählt hatte.12
Die innere Verwaltung England’s konnte dagegen nur unter dem Beirathe und der Mitwirkung englischer Minister geleitet werden. Die Wahl, welche Wilhelm bei Ernennung dieser Minister traf, bewies, daß er sich vorgenommen hatte, keine Partei auszuschließen, die geneigt war, seinen Thron zu stützen. Den Tag darauf, nachdem ihm im Bankethause die Krone überreicht worden, wurde der Geheime Rath vereidigt. Die meisten Räthe waren Whigs; doch standen auch die Namen mehrerer ausgezeichneter Tories auf der Liste.13 Die vier höchsten Staatsämter wurden vier Edelleuten übertragen, welche die vier Hauptklassen der Politiker repräsentirten.
Danby. In praktischer Befähigung und geschäftlicher Erfahrung war keiner seiner Zeitgenossen Danby überlegen. Er hatte ein starkes Anrecht auf die Dankbarkeit des neuen Herrscherpaares, denn durch seine Geschicklichkeit war ihre Vermählung trotz unbesiegbar scheinender Schwierigkeiten zu Stande gebracht worden. Die Feindschaft, die er stets gegen Frankreich gehegt, war eine kaum minder gewichtige Empfehlung. Er hatte die Einladung vom 30. Juni unterzeichnet, hatte den Aufstand im Norden veranstaltet und geleitet und hatte in der Convention seinen ganzen Einfluß und seine ganze Beredtsamkeit wider den Regentschaftsplan aufgeboten. Trotzdem betrachteten ihn die Whigs mit unüberwindlichem Mißtrauen und Widerwillen. Sie konnten es nicht vergessen, daß er in schlimmen Tagen der erste Minister des Staats, das Haupt der Cavaliere, der Vorkämpfer der Prärogative, der Verfolger der Dissenters gewesen. Selbst indem er ein Rebell wurde, hatte er nicht aufgehört ein Tory zu sein. Wohl hatte er das Schwert gegen die Krone gezogen, aber nur zur Vertheidigung der Kirche. Wohl hatte er in der Convention durch seinen Widerstand gegen den Regentschaftsplan Gutes gewirkt, auf der andren Seite aber hatte er geschadet durch beharrliche Aufrechthaltung des Satzes, daß der Thron nicht erledigt und die Stände nicht berechtigt seien, über die Besetzung desselben zu entscheiden. Die Whigs waren daher der Meinung, er müsse sich für seine neuerlichen Verdienste dadurch reichlich belohnt erachten, daß man ihm die Strafe für die ihm zehn Jahre früher zur Last gelegten Vergehen erlasse. Er dagegen schätzte seine unleugbar eminenten Talente und Dienste nach ihrem vollen Werthe und hielt sich für berechtigt zu dem hohen Posten eines Lordschatzmeisters, den er früher bekleidet. Seine Erwartung wurde jedoch getäuscht. Wilhelm erachtete es grundsätzlich für wünschenswerth, die Macht und das Patronat des Schatzamts unter mehrere Commissarien zu theilen. Er war der erste König von England, der vom Beginn bis zum Schlusse seiner Regierung den weißen Stab niemals den Händen eines einzelnen Unterthanen anvertraute. Danby ward die Wahl freigestellt zwischen der Präsidentschaft im Geheimen Rathe und einem Staatssekretariat. Er entschied sich verdrüßlich für die Präsidentschaft und während die Whigs murrten, als sie ihn so hoch gestellt sahen, bemühte er sich kaum, seinen Aerger darüber zu verbergen, daß er nicht noch höher gestellt worden war.14
Halifax. Halifax, der Ausgezeichnetste unter der kleinen Partei die sich rühmte, daß sie zwischen den Whigs und Tories das Gleichgewicht erhielt, übernahm das Geheimsiegel und blieb nach wie vor Sprecher im Hause der Lords.15 Er hatte sich durch streng gesetzliche Opposition gegen die letzte Regierung hervorgethan und mit großer Gewandtheit gegen die Dispensationsgewalt gesprochen und geschrieben; aber er hatte von dem Invasionsplane nichts wissen wollen, er hatte, selbst als die Holländer schon auf dem vollen Marsche gegen London waren, noch darauf hingearbeitet, eine Versöhnung zu Stande zu bringen, und er hatte Jakob erst dann verlassen, als dieser den Thron verließ. Von dem Augenblicke der schimpflichen Flucht aber hatte der scharfblickende Trimmer in der Überzeugung, daß ein gütlicher Vergleich nicht mehr möglich sei, einen entscheidenden Entschluß gefaßt. Er hatte sich in der Convention glänzend hervorgethan, und es war ein besonders glücklicher Griff, daß man ihn zu dem Ehrenamte ernannt, dem Prinzen und der Prinzessin von Oranien im Namen aller Stände England’s die Krone zu überreichen, denn soweit man überhaupt sagen kann, daß unsre Revolution den Charakter eines einzelnen Geistes trug, trug sie sicherlich den Charakter des großen, aber besonnenen Geistes Halifax’. Doch die Whigs waren nicht in der Stimmung, einen neueren Dienst als Ersatz für ein altes Vergehen anzunehmen, und das Vergehen Halifax’ war in der That ein arges gewesen. Vor langer Zeit hatte er während eines harten Freiheitskampfes in ihren vordersten Reihen gestritten, und als sie endlich siegten, als Whitehall in ihrer Gewalt zu sein schien, als sich eine nahe Aussicht auf Herrschaft und Rache eröffnete, da war er, und mit ihm das Glück, ins feindliche Lager übergegangen. In der großen Debatte über die Ausschließungsbill hatte seine Beredtsamkeit sie zu Boden geschmettert und der verzagten Hofpartei neuen Lebensmuth eingeflößt. Allerdings war er, obgleich er sie in den Tagen ihres übermüthigen Glücks verlassen, zur Zeit der Noth in ihre Reihen zurückgekehrt; aber jetzt, da die Noth vorüber war, vergaßen sie, daß er zu ihnen zurückgekehrt, und erinnerten sich nur noch, daß er sie verlassen hatte.16
Nottingham. Der Ärger, mit dem sie Danby im Staatsrathe präsidiren und Halifax das Geheimsiegel führen sahen, wurde nicht vermindert durch die Nachricht, daß Nottingham zum Staatssekretär ernannt sei. Einige von den eifrigen Kirchenmännern, welche nie aufgehört hatten, die Lehre vom Nichtwiderstande zu predigen, in deren Augen die Revolution nicht zu rechtfertigen war, die für eine Regentschaft gestimmt und bis zuletzt bei der Behauptung geblieben waren, daß der englische Thron nicht einen Augenblick erledigt sein könne, hielten es gleichwohl für ihre Pflicht, sich der Entscheidung der Convention zu unterwerfen. Sie hatten, sagten sie, sich nie gegen Jakob aufgelehnt und Wilhelm nicht gewählt; da sie aber jetzt einen Fürsten auf dem Thron sahen, den sie allerdings nie darauf gesetzt haben würden, waren sie der Meinung, daß kein göttliches oder menschliches Gesetz es ihnen zur Pflicht machte, den Kampf weiter fortzusetzen. Sie glaubten in der Bibel sowohl wie im Gesetzbuche Vorschriften zu finden, die nicht mißverstanden werden könnten. Die Bibel befiehlt Gehorsam gegen die bestehenden Gewalten an. Das Gesetzbuch enthält einen Paragraphen, welcher besagt, daß kein Unterthan deshalb als ein Übelthäter betrachtet werden solle, weil er sich dem im factischen Besitz des Thrones befindlichen Könige anschließe. Aus diesen Gründen glaubten Viele, die zur Einsetzung der neuen Regierung nicht mitgewirkt hatten, daß sie derselben ihre Unterstützung gewähren könnten, ohne weder Gott noch einen Menschen zu beleidigen. Einer der ausgezeichnetsten Staatsmänner dieser Schule war Nottingham. Auf sein Ansuchen hatte die Convention, bevor der Thron besetzt war, den Unterthaneneid dergestalt umgeändert, daß er und seine Meinungsgenossen diesen Eid unbedenklich leisten konnten. „Meine Grundsätze,“ sagte er, „gestatten mir nicht, mich bei der Wahl eines Königs zu betheiligen. Ist aber ein König einmal gewählt, so gebieten mir meine Grundsätze, ihm einen strengeren Gehorsam zu bezeigen, als er von Denen erwarten darf, die ihn gewählt haben.“ Zum Erstaunen einiger von Denen, die ihn am meisten schätzten, willigte er jetzt ein, im Staatsrathe zu sitzen und die Sekretariatssiegel anzunehmen. Wilhelm hoffte ohne Zweifel, diese Ernennung werde von der Geistlichkeit und der toryistischen Landgentry als eine genügende Bürgschaft dafür angesehen werden, daß er gegen die Kirche nichts Böses im Sinne habe. Selbst Burnet, der späterhin eine starke Abneigung gegen Nottingham fühlte, gestand in einigen bald nach der Revolution geschriebenen Abhandlungen, daß der König richtig geurtheilt und daß der zur Unterstützung der neuen Herrscher ehrlich verwendete Einfluß des toryistischen Staatssekretärs England vor großen Calamitäten bewahrt habe.17
Shrewsbury. Der andre Staatssekretär war Shrewsbury.18 Seit Menschengedenken hatte kein so junger Mann einen so hohen Posten bei der Regierung bekleidet. Er hatte eben erst sein achtundzwanzigstes Lebensjahr zurückgelegt. Gleichwohl erblickte Niemand, mit Ausnahme der feierlichen Formalisten bei der spanischen Gesandtschaft, in seiner Jugend ein Hinderniß für seine Ernennung.19 Er hatte sich schon durch die hervorragende Rolle, die er bei der Befreiung seines Vaterlandes gespielt, einen Platz in der Geschichte gesichert. Seine Talente, seine Kenntnisse, sein liebenswürdiges Benehmen und sein sanfter Charakter machten ihn allgemein beliebt. Besonders die Whigs beteten ihn fast an. Niemand ahnete, daß er mit vielen großen und gewinnenden Eigenschaften solche Fehler des Geistes und Herzens verband, welche den Rest seines unter so günstigen Auspicien begonnenen Lebens ihm selbst zur Last und seinem Lande fast nutzlos machen sollten.
Die Admiralität. Die Leitung der Marineangelegenheiten und der Finanzen wurde Collegien übertragen. Herbert ward erster Commissar der Admiralität. Er hatte unter der vorigen Regierung Reichthum und Würden aufgegeben, als er sah, daß er sie mit Ehren und mit gutem Gewissen nicht behalten konnte; er hatte die denkwürdige Einladung nach dem Haag überbracht und die holländische Flotte auf der Fahrt von Helvoetsluys nach Torbay befehligt. In Bezug auf Muth und Berufstüchtigkeit genoß er eines hohen Rufes. Wohl wußte man, daß er auch seine Thorheiten und Fehler begangen, aber sein neuerliches Benehmen in einer Zeit schwerer Prüfung hatte Alles wieder gut gemacht und berechtigte zu der Hoffnung, daß seine fernere Laufbahn eine ruhmvolle sein werde. Ihm zur Seite im Admiralitätscollegium standen zwei ausgezeichnete Mitglieder des Hauses der Gemeinen: Wilhelm Sacheverell, ein Whigveteran, der sich bei seiner Partei eines großen Ansehens erfreute, und Sir Johann Lowther, ein rechtschaffener und äußerst gemäßigter Tory, der in Bezug auf Vermögen und parlamentarische Bedeutung unter der englischen Gentry eine der ersten Stellen einnahm.20
Das Schatzamt. An die Spitze der Finanzen wurde Mordaunt, einer der heftigsten Whigs, gestellt, warum, ist schwer zu sagen. Sein romanhafter Muth, sein ruheloser Geist, seine excentrischen Einfälle, sein Hang zu verzweifelten Wagnissen und staunenerregenden Effecten waren eben keine Eigenschaften, die ihm bei finanziellen Operationen und Unterhandlungen von besonderem Nutzen sein konnten. Der zweite Schatzcommissar und zugleich Kanzler der Schatzkammer war Delamere, ein womöglich noch heftigerer Whig als Mordaunt. Außerdem saßen zwei whiggistische Mitglieder des Hauses der Gemeinen in dem Collegium: Sir Heinrich Capel, Bruder jenes Earls von Essex, der sich im Tower entleibte, und Richard Hampden, der Sohn des großen Führers des Langen Parlaments. Der Commissar aber, auf dem die Hauptlast der Geschäfte ruhte, war Godolphin. Dieser schweigsame, einsichtsvolle, fleißige und harmlose, für keine Regierung schwärmende, aber jeder Regierung nützliche Mann war nach und nach ein fast unentbehrlicher Theil der Staatsmaschiene geworden. Obgleich ein Anhänger der Landeskirche, hatte er sich doch an einem von Jesuiten geleiteten Hofe emporgeschwungen. Obwohl er für eine Regentschaft gestimmt hatte, war er doch das wirkliche Oberhaupt eines mit Whigs angefüllten Schatzamtes. Seine Fähigkeiten und Kenntnisse, welche unter der vorigen Regierung die Mängel Bellasyse’s und Dower’s ausgeglichen hatten, waren auch jetzt nöthig, um die Mängel Mordaunt’s und Delamere’s zu übertragen.21
Das große Siegel. Die Verleihung des großen Siegels hatte einige Schwierigkeiten. Der König wünschte es zuerst Nottingham anzuvertrauen, dessen Vater es mehrere Jahre mit großer Auszeichnung geführt hatte.22 Nottingham aber lehnte es ab, und es wurde deshalb Halifax angetragen, der es ebenfalls ablehnte. Beide Lords fühlten ohne Zweifel, daß dies ein Amt sei, das sie nicht mit Ehren für sich selbst und mit Nutzen für den Staat verwalten konnten. In alten Zeiten war das Staatssiegel zwar größtentheils in den Händen von Nichtjuristen gewesen. Selbst noch im siebzehnten Jahrhundert hatten es zwei ausgezeichnete Männer geführt, welche in keinem Rechtscollegium studirt hatten. Dechant Williams war Lordsiegelbewahrer Jakob’s I., Shaftesbury Lordkanzler Karls II. gewesen; aber solche Ernennungen konnten nicht länger ohne ernste Nachtheile stattfinden. Die Billigkeit hatte sich allmälig zu einer verwickelten Wissenschaft ausgebildet, welche kein menschlicher Verstand ohne lange und angestrengte Studien ausüben konnte, selbst Shaftesbury hatte bei all’ seinem scharfen Verstande seinen Mangel an technischen Kenntnissen schmerzlich gefühlt,23 und während der fünfzehn Jahre, welche verstrichen waren, seitdem er das Siegel niedergelegt, waren diese technischen Kenntnisse seinen Nachfolgern immer nothwendiger geworden. Daher wagte es weder Nottingham, obwohl er einen Schatz juristischer Kenntnisse besaß, wie man ihn selten bei einem Manne findet, der die Rechtswissenschaft nicht studirt hat, noch Halifax, obgleich er bei den Gerichtssitzungen des Hauses der Lords oft die Versammlung durch sein treffendes Urtheil und durch seine scharfe Logik in Erstaunen gesetzt, das höchste Amt, das ein englischer Laie bekleiden kann, anzunehmen. Nach langem Zaudern wurde das Siegel einer Commission von ausgezeichneten Juristen, mit Maynard an der Spitze, übertragen.24
Die Richter. Die Wahl der Richter machte der neuen Regierung Ehre. Jedes Mitglied des Geheimraths wurde aufgefordert eine Liste einzureichen. Diese Listen wurden miteinander verglichen und zwölf Männer von hervorragendem Talent und Verdienst ausgewählt.25 Pollexfen hatte in Folge seiner juristischen Kenntnisse und seiner whiggistischen Grundsätze Anspruch auf den höchsten Platz. Aber man erinnerte sich, daß er in den westlichen Grafschaften bei den Assisen, welche auf die Schlacht von Sedgemoor folgten, als Commissar der Krone fungirt hatte. Es geht zwar aus den Berichten über die Untersuchungen hervor, daß er, wenn er überhaupt von der Krone bevollmächtigt war, so wenig that als er konnte und daß er es den Richtern überließ, Zeugen und Gefangene einzuschüchtern. Dessenungeachtet aber war sein Name in der öffentlichen Meinung mit den blutigen Assisen untrennbar verbunden. Er konnte daher nicht füglich an die Spitze des höchsten Criminalgerichtshofes gestellt werden.26 Nachdem er einige Wochen als Generalfiskal fungirt, ward er zum Oberrichter der Common Pleas ernannt. Sir John Holt, ein noch junger Mann, aber ausgezeichnet durch Gelehrsamkeit, Rechtschaffenheit und Muth, wurde Oberrichter der King’s Bench, Sir Robert Atkyns, ein ausgezeichneter Jurist, der einige Jahre in ländlicher Zurückgezogenheit zugebracht, der aber in Westminster Hall noch immer eines großen Rufes genoß, wurde zum ersten Baron27 ernannt. Powell, der wegen seiner ehrenwerthen Erklärung zu Gunsten der Bischöfe abgesetzt worden war, nahm seinen Sitz unter den Richtern wieder ein. Treby wurde Pollexfen’s Nachfolger als Generalfiskal, und Somers wurde zum Prokurator ernannt.28
Der Hofstaat. Zwei der höchsten Ämter im königlichen Hofstaate wurden mit zwei englischen Cavalieren besetzt, welche ganz geeignet waren, die Zierde eines Hofes zu werden. Der hochherzige und kenntnißreiche Devonshire ward zum Obersthofmeister ernannt. Niemand hatte in der entscheidenden Crisis für England mehr gethan und gewagt. Indem er England’s Freiheiten wiederhergestellt, hatte er auch das Vermögen seines eigenen Hauses wiedererlangt. Seine Schuldverschreibung über dreißigtausend Pfund wurde unter den Papieren gefunden, welche Jakob in Whitehall zurückgelassen, und von Wilhelm vernichtet.29
Dorset wurde Lordkammerherr und verwendete den Einfluß und das Patronat seiner Stellung, wie schon seit langer Zeit seine Privatmittel, zur Aufmunterung des Genies und zur Linderung des Mißgeschicks. Eine der ersten Maßregeln, die er zu ergreifen gezwungen war, muß einem Mann von so edlem Charakter und so warmer Theilnahme für alles Ausgezeichnete in Künsten und Wissenschaften, sehr schmerzlich gewesen sein. Dryden konnte nicht länger Hofdichter bleiben. Das Publikum würde es nicht geduldet haben, unter den Dienern Sr. Majestät einen Papisten zu sehen, und Dryden war nicht nur ein Papist, sondern ein Apostat. Außerdem hatte er die Schuld seines Glaubensabfalls noch dadurch erschwert, daß er die Kirche, die er verlassen, verleumdet und verspottet hatte. Er hatte sie, wie man scherzweise sagte, behandelt, wie die heidnischen Verfolger des Alterthums ihre Kinder behandelten. Er hatte sie in die Haut eines wilden Thieres gekleidet und sie dann zur öffentlichen Belustigung gehetzt.30 Er wurde entlassen, erhielt aber von der Privatgüte des freigebigen Kammerherrn eine seinem zurückgezogenen Gehalt gleichkommende Pension. Dessenungeachtet fuhr der abgesetzte poeta laureatus, der eben so arm an Edelsinn wie reich an Geistesgaben war, Jahr aus Jahr ein fort, den nicht erlittenen Verlust zu beklagen, bis endlich sein Gejammer Äußerungen wohlverdienter Verachtung von Seiten ehrenwerther Jakobiten hervorrief, welche ihren Grundsätzen Alles aufgeopfert hatten, ohne deshalb ein bittendes oder klagendes Wort laut werden zu lassen.31
Im königlichen Hofstaat wurden auch einige von den holländischen Edelleuten angestellt, die sich der besonderen Gunst des Königs erfreuten. Bentinck bekam das hohe Amt des ersten Kammerherrn mit einem jährlichen Gehalt von fünftausend Pfund; Zulestein erhielt die Oberaufsicht über die königliche Garderobe, und Oberstallmeister ward Auverquerque, ein tapferer Soldat, der das Blut der Nassau und das Blut der Horn in sich vereinigte und der mit gerechtem Stolze ein kostbares Schwert trug, welches ihm die Generalstaaten in Anerkennung des Muthes verliehen hatten, mit dem er an dem blutigen Tage von Saint-Denis Wilhelm das Leben gerettet.
Das Amt des Vicekammerherrn der Königin wurde einem Manne zu Theil, der sich eben erst im öffentlichen Leben bemerkbar gemacht hatte und dessen Name in der Geschichte dieser Regierung häufig vorkommen wird. Johann Howe, oder, wie er gewöhnlich genannt wurde, Jack Howe, war von dem Burgflecken Cirencester zur Convention gesandt worden. Seine äußere Erscheinung war die eines Mannes, dessen Körper durch die unablässige Thätigkeit eines ruhelosen und reizbaren Geistes aufgerieben worden. Er war lang, hager und bleich, und sein unruhiges, stechendes Auge hatte einen Ausdruck von Wildheit und Verschlagenheit. Er war seit mehreren Jahren als kleiner Dichter bekannt, und einige der zügellosesten Spottlieder, welche in den Kaffeehäusern circulirten, wurden ihm zugeschrieben. Im Hause der Gemeinen aber entfalteten sich seine Talente wie sein giftiges Wesen am auffallendsten. Er war noch keine drei Wochen Mitglied desselben, als er sich schon durch seine Sprachgewandtheit, seine beißende Schärfe und seine Hartnäckigkeit bemerkbar gemacht hatte. Scharfsinn, Energie und Kühnheit erhoben ihn bald zu dem Range eines bevorzugten Menschen. Seine Feinde — und er hatte viele Feinde — sagten jedoch, daß er seine persönliche Sicherheit selbst in der heftigsten Aufregung nicht aus den Augen lasse und die Soldaten mit einer Rücksicht behandle, die er gegen Damen oder Bischöfe niemals zeige. Aber Niemand besaß in größerem Maße den gefährlichen Muth, der dem Widerwillen und dem Hasse trotzt und sogar darum buhlt. Keine Schicklichkeitsgründe vermochten ihn in Schranken zu halten, sein Haß war unversöhnlich, und er besaß eine merkwürdige Geschicklichkeit darin, die schwachen Seiten starker Geister herauszufinden. Alle seine großen Zeitgenossen fühlten gelegentlich seinen Stachel. Einmal schlug dieser Stachel eine Wunde, die sogar Wilhelm aus seiner ruhigen Fassung brachte und ihm die Äußerung entlockte, daß er wohl wünschte ein Privatmann zu sein, damit er Mr. Howe zu einer kurzen Unterredung hinter Montague House einladen könne. Gegenwärtig jedoch gehörte Howe zu den eifrigsten Stützen der neuen Regierung und richtete alle seine Sarkasmen und Ausfälle gegen die Mißvergnügten.32
Untergeordnete Ernennungen. Die niederen Stellen bei allen öffentlichen Ämtern wurden unter beide Parteien vertheilt; der größere Antheil aber kam auf die Whigs. Einige Personen, die dem Namen Whig wenig Ehre machten, wurden in der That glänzend für Dienste belohnt, die kein braver Mann geleistet haben würde. Wildman wurde zum Generalpostmeister ernannt, und Ferguson erhielt eine einträgliche Sinekure bei der Steuererhebung. Das Amt des Schatz-Prokurators war eben so wichtig als verhaßt. Dieser Beamte hatte politische Prozesse zu führen, die Beweise zu sammeln, den Anwalt der Krone zu instruiren, dafür zu sorgen, daß die Gefangenen nicht gegen ungenügende Bürgschaft in Freiheit gesetzt wurden, und darauf zu sehen, daß die Juries nicht aus regierungsfeindlichen Personen zusammengesetzt wurden. Zu den Zeiten Karl’s und Jakob’s waren die Schatz-Prokuratoren mit nur zu gutem Grunde beschuldigt worden, daß sie gegen dem Hofe mißliebige Personen die empörendsten Chikanen anwendeten. Die neue Regierung hätte hier eine Wahl treffen sollen, die über jeden Verdacht erhaben war. Leider entschieden sich Mordaunt und Delamere für Aaron Smith, einen hämischen und characterlosen Politiker, der in den Tagen der papistischen Verschwörung der Rechtsbeistand des Titus Oates und in das Ryehousecomplot tief verwickelt gewesen war. Richard Hampden, ein Mann von entschiedenen Ansichten, aber von gemäßigter Gesinnung, erhob Einwendungen gegen diese Ernennung. Aber seine Einwürfe wurden nicht beachtet. Die Jakobiten, welche Smith haßten und auch Ursache dazu hatten, behaupteten er habe seine Stelle dadurch erlangt, daß er den Lords des Schatzes die Hölle heiß gemacht, und besonders ihnen gedroht habe, es würde Hampden das Leben kosten, wenn sie seine (Smith’s) gerechten Ansprüche nicht befriedigten.33
Die Convention in ein Parlament verwandelt. Es vergingen einige Wochen, ehe die vorerwähnten Ernennungen öffentlich bekannt gemacht wurden, und währenddem hatte sich viel Wichtiges ereignet. Sobald der neue Geheimrath vereidigt war, mußte demselben eine ernste und dringliche Frage vorgelegt werden. Konnte die gegenwärtig tagende Convention in ein Parlament verwandelt werden? Die Whigs, welche eine überwiegende Majorität im Unterhause hatten, waren sämmtlich für die Bejahung dieser Frage. Die Tories dagegen, welche wußten, daß die öffentliche Stimmung sich während des letzten Monats bedeutend verändert hatte, und von einer allgemeinen Wahl eine ansehnliche Verstärkung hofften, waren für die Verneinung. Sie behaupteten, daß zum Bestehen eines Parlaments königliche Ausschreiben unerläßlich seien. Die Convention sei nicht durch solche Ausschreiben einberufen worden und dieser ursprüngliche Mangel könne jetzt nicht nachgeholt werden; daher seien die beiden Häuser bloße Privatklubbs und müßten sofort auseinandergehen.
Darauf wurde ihnen erwiedert, das königliche Ausschreiben sei eine bloße Formalität und es würde der unvernünftigste Irrwahn sein, wenn man um einer hohlen Form willen das Wesen unserer Gesetze und Freiheiten bedenklichen Zufällen aussetzen wollte. Wo immer man den Souverain, die geistlichen und weltlichen Peers und die von den Wahlkörpern des Reichs frei gewählten Volksvertreter versammelt sähe, habe man das Wesen eines Parlaments. Ein solches Parlament sei jetzt da, und könne es wohl etwas Thörichteres geben, als es zu einem Zeitpunkte aufzulösen, wo jede Stunde kostbar sei, wo zahlreiche wichtige Angelegenheiten sofortige gesetzmäßige Erledigung verlangten, und wo dem Staate Gefahren drohten, welche nur durch die vereinten Anstrengungen des Königs, der Lords und der Gemeinen abgewendet werden könnten? Ein Jakobit könne sich allerdings aus haltbaren Gründen weigern, diese Convention als ein Parlament anzuerkennen, denn er sei der Ansicht, daß sie von vornherein eine ungesetzliche Versammlung gewesen, daß alle ihre Beschlüsse ungültig und die Souveraine, die sie eingesetzt, Usurpatoren seien. Mit welcher Consequenz aber könne irgend einer von Denen, welche behaupteten, es müsse unverweilt durch Ausschreiben unter dem großen Siegel Wilhelm’s und Marien’s ein neues Parlament einberufen werden, die Autorität in Frage stellen, welche Wilhelm und Marien auf den Thron gesetzt habe? Wer Wilhelm als rechtmäßigen König ansähe, müsse nothwendig auch die Körperschaft von der dieser König sein Recht habe, als rechtmäßigen Großen Rath des Landes betrachten. Nach dem nämlichen Grundsatze könnten Diejenigen, welche ihn zwar nicht als einen rechtmäßigen König betrachteten, aber doch der Überzeugung seien, daß sie ihm als factischen Könige den Huldigungseid leisten dürften, sicherlich auch die Convention als ein factisch bestehendes Parlament anerkennen. Es liege auf der Hand, daß die Convention die Urquelle sei, aus der die Autorität aller zukünftigen Parlamente abgeleitet werden und daß von der Rechtsgültigkeit der Beschlüsse der Convention die Rechtsgültigkeit jedes zukünftigen Gesetzes abhängen müsse. Wie könne der Strom höher steigen als die Quelle? Sei es nicht eine Absurdität, wenn man behaupten wolle, die Convention sei die höchste Macht im Staate, und doch eine Null, sie sei eine Legislatur für den höchsten aller Zwecke, und doch keine Legislatur für die geringfügigsten Zwecke; sie sei befugt, den Thron für erledigt zu erklären, die Thronfolge abzuändern, die Grenzen der Verfassung zu bestimmen, und doch nicht befugt, die unbedeutendste Verordnung zur Ausbesserung eines Hafendammes oder zur Erbauung einer Pfarrkirche zu erlassen?
Diese Argumente würden selbst dann von großem Gewicht gewesen sein, wenn alle Präcedenzfälle für die entgegengesetzte Meinung gesprochen hätten. In der That aber bot unsre Geschichte nur einen Fall dar, welcher überhaupt hier angezogen werden konnte, und dieser Fall sprach entschieden zu Gunsten des Satzes, daß königliche Ausschreiben zum Bestehen eines Parlaments nicht unbedingt nöthig seien. Kein königliches Ausschreiben hatte die Convention einberufen, welche Karl II. zurückrief. Gleichwohl war jene Convention noch nach seiner Restauration beisammen geblieben, hatte Gesetze gegeben, das Budget aufgestellt, eine Amnestieacte erlassen und die Lehnsdienstleistungen abgeschafft. Diese Maßnahmen waren durch eine Autorität sanctionirt worden, von der keine Partei im Staate ohne Ehrerbietung sprechen konnte. Hale hatte wesentlichen Theil daran genommen und hatte stets behauptet, daß sie streng gesetzlich seien. Auch Clarendon, so wenig er geneigt war, irgend eine, die Rechte der Krone oder das Ansehen des Siegels, dessen Bewahrer er war, beeinträchtigende Doctrin zu begünstigen, hatte erklärt, daß, wenn Gott der Nation zu einem äußerst kritischen Zeitpunkte ein gutes Parlament gegeben habe, es die größte Thorheit sein würde, technische Mängel in dem Instrument zu suchen, durch welches ein solches Parlament zusammenberufen sei. Konnte irgend ein Tory behaupten, daß die Convention von 1660 ehrwürdigeren Ursprungs gewesen sei als die von 1689? War ein Schreiben, das der erste Prinz von Geblüt auf Ansuchen der gesammten Pairie und Hunderter von Gentlemen, welche Grafschaften und Städte vertraten, erlassen hatte, nicht eine mindestens eben so gute Vollmacht als ein Beschluß des Rumpfparlaments?
Schwächere Gründe als diese würden den Whigs, welche die Majorität des Geheimen Raths bildeten, genügt haben. Der König begab sich demnach am fünften Tage nach seiner Proklamirung mit königlichem Gepränge in das Haus der Lords und nahm seinen Sitz auf dem Throne ein. Die Gemeinen wurden hereingerufen und er erinnerte nun seine Zuhörer mit vielen huldvollen Ausdrücken an die gefährliche Lage des Landes, und ermahnte sie, diejenigen Schritte zu thun, welche unnöthigen Verzögerungen im Gange der Staatsgeschäfte vorbeugen könnten. Seine Rede wurde von den zahlreich versammelten Gentlemen mit dem leisen Gemurmel aufgenommen, durch welches unsere Vorfahren ihren Beifall zu erkennen zu geben pflegten und das oft an geheiligteren Stätten als die Kammer der Peers war, gehört wurde.34 Sobald er sich wieder entfernt hatte, wurde eine die Convention für ein Parlament erklärende Bill auf den Tisch der Lords gelegt und ohne weiteres von ihnen angenommen. Bei den Gemeinen dagegen gab es eine heiße Debatte. Das Haus erklärte sich zu einem Comité, und die Aufregung war so groß daß, nachdem die Autorität des Sprechers beseitigt war, die Ordnung kaum noch aufrecht erhalten werden konnte. Es wurden scharfe persönliche Ausfälle gewechselt. Der Ausruf „Hört ihn!“ den man ursprünglich nur zur Dämpfung ordnungswidrigen Geräusches und um die Mitglieder daran zu erinnern, daß es ihre Pflicht sei, der Discussion aufmerksam zu folgen, gebraucht hatte, war nach und nach das geworden was er jetzt ist, nämlich ein Ausruf, welcher je nach der Betonung, die man ihm gab, Bewunderung, Zustimmung, Entrüstung oder Hohn ausdrückte. Bei dieser Gelegenheit riefen die Whigs so geräuschvoll Hört! Hört! daß die Tories sich über Unschicklichkeit beklagten. Seymour, der Führer der Minorität, erklärte, daß von Freiheit der Debatte nicht mehr die Rede sein könne, wenn solcher Lärm geduldet werde. Einige alte whiggistische Mitglieder fühlten sich dadurch veranlaßt, ihn zu erinnern, daß, wenn er den Vorsitz führte, zuweilen ein gleiches Geschrei gehört und nicht verboten worden sei. So gereizt und erbittert indeß beide Parteien auch waren, bekundeten doch die beiderseitigen Reden die hohe Achtung vor Gesetz und verjährtem Recht, welche seit langer Zeit ein characteristischer Zug der Engländer ist und die, wenn sie auch zuweilen in Pedanterie und Aberglauben ausartet, immerhin ihr Gutes hat. Selbst in dieser wichtigen Krisis, als die Nation sich noch in der Gährung einer Revolution befand, erörterten unsere Staatsmänner ausführlich und ernst alle Umstände, welche bei der Absetzung Eduard’s II. und Richard’s II. obgewaltet, und untersuchten mit ängstlicher Genauigkeit, ob die Versammlung, welche, mit dem Erzbischof Lanfranc an der Spitze, Robert von der Normandie vom Throne ausschloß und Wilhelm den Rothen darauf setzte, nachher noch fortfuhr, als gesetzgebender Körper des Landes zu wirken oder nicht. Es wurde viel über die Geschichte der Ausschreiben, viel über die Etymologie des Wortes Parlament gesagt. Bemerkenswerth ist es, daß der alte Maynard derjenige Redner war, der die Sache von dem staatsmännischsten Gesichtspunkte auffaßte. Er hatte während der bürgerlichen Zwistigkeiten von fünfzig ereignißvollen Jahren gelernt, daß Fragen, welche die höchsten Interessen des Staats berührten, nicht durch Wortklaubereien und durch Brocken von juristischem Französisch und juristischem Latein entschieden werden konnten, und da er anerkanntermaßen der scharfsinnigste und gelehrteste englische Jurist war, durfte er seine Gedanken und Gesinnungen unumwunden aussprechen, ohne Gefahr zu laufen, der Ignoranz oder Anmaßung beschuldigt zu werden. Er verwarf die ganze Büchergelehrsamkeit, welche einige in solchen Dingen weit weniger erfahrene Männer als er in die Discussion gezogen hatten, als kleinlich und übel angebracht. „Wir stehen,“ sagte er, „in diesem Augenblicke nicht auf dem gebahnten Wege. Wenn wir daher entschlossen sind, nur auf diesem Wege fortzugehen, so werden wir gar nicht vorwärts kommen. Wer in einer Revolution sich vornimmt, nichts zu thun was nicht streng der herkömmlichen Form gemäß ist, gleicht einem Menschen, der sich in der Wildniß verirrt hat und beständig nur ruft: Wo ist die Landstraße? ich will nur auf der Landstraße gehen! — In einer Wildniß muß man denjenigen Weg einschlagen, auf dem man nach Hause gelangt. In einer Revolution müssen wir das höchste Gesetz, das Wohl des Staates, zur Richtschnur nehmen.“ Ein andrer Rundkopfveteran, der Oberst Birch, sprach in gleichem Sinne und argumentirte mit großer Gewandtheit und Schärfe aus dem Präcedenzfalle von 1660. Seymour und seine Anhänger wurden im Comité geschlagen und wagten es nicht, das Haus über den Bericht abstimmen zu lassen. Die Bill ging rasch durch und erhielt am zehnten Tage nach Wilhelm’s und Mariens Thronbesteigung die königliche Zustimmung.35
Die Mitglieder der beiden Häuser werden aufgefordert die Eide zu leisten. Das Gesetz, welches die Convention in ein Parlament verwandelte, enthielt einen Paragraphen, welcher bestimmte, daß nach dem 1. März in keinem der beiden Häuser Jemand Sitz und Stimme haben solle, der nicht dem neuen Königspaare den Huldigungseid geleistet habe. Diese Verordnung brachte die ganze Gesellschaft in große Aufregung. Die Anhänger der verbannten Dynastie hofften und sagten mit Bestimmtheit voraus, daß die Eidverweigerer zahlreich sein würden. Die Minorität in beiden Häusern, meinten sie, werde der Sache der erblichen Monarchie treu bleiben. Es werde vielleicht hier und da einen Verräther geben, die große Masse Derer aber, welche für eine Regentschaft gestimmt hatten, werde fest bleiben. Zwei Bischöfe höchstens würden die Usurpatoren anerkennen. Seymour werde sich eher aus dem öffentlichen Leben zurückziehen, als seinen Grundsätzen untreu werden, Grafton habe sich schon vorgenommen, nach Frankreich zu entfliehen und seinem Oheim zu Füßen zu fallen. Solche Gerüchte machten während der letzten Hälfte des Februar durch alle Kaffeehäuser die Runde. Die Aufregung im Publikum war so groß, daß, wenn ein angesehener Mann zwei Tage hintereinander an seinen gewohnten Aufenthaltsorten vermißt wurde, man sich gleich zuraunte, er sei nach Saint-Germains entwichen.36
Der zweite März kam heran und das Resultat schlug die Befürchtungen der einen Partei nieder und zerstörte die Hoffnungen der andren. Der Primas hielt sich zwar mit einigen seiner Suffraganen beharrlich fern, aber drei Bischöfe und dreiundsiebzig weltliche Peers leisteten die Eide. Bei der nächsten Sitzung des Oberhauses fanden sich noch einige Prälaten mehr ein; kurz, binnen einer Woche hatten ungefähr hundert Lords die Bedingungen zur Einnahme ihrer Plätze erfüllt. Andere, welche durch Krankheit verhindert waren zu erscheinen, sandten Entschuldigungen und Versicherungen ihrer Anhänglichkeit an Ihre Majestäten. Grafton widerlegte alle über ihn in Umlauf gebrachten Märchen, indem er gleich am ersten Tage zur Eidesleistung erschien. Zwei Mitglieder der kirchlichen Commission, Mulgrave und Sprat, beeilten sich ihren Fehler dadurch gut zu machen, daß sie Wilhelm Treue und Gehorsam schworen. Beaufort, der lange als Typus eines Royalisten der alten Schule gegolten hatte, unterwarf sich nach kurzem Schwanken. Aylesbury und Dartmouth, obwohl zwei heftige Jakobiten, trugen eben so wenig Bedenken, den Huldigungseid zu leisten, als sie nachher Bedenken trugen, ihn zu brechen.37 Die Hyde schlugen verschiedene Richtungen ein. Rochester fügte sich dem Gesetz; Clarendon aber zeigte sich widerspenstig. Viele fanden es sonderbar, daß der Bruder, der so lange zu Jakob gehalten, bis dieser flüchtete, sich weniger hartnäckig erwies, als der Bruder, der im holländischen Lager gewesen war. Die Erklärung ist vielleicht darin zu suchen, daß Rochester durch Verweigerung der Eide viel mehr verloren haben würde als Clarendon. Clarendon’s Einkünfte hingen nicht vom Belieben der Regierung ab; Rochester aber hatte einen Jahrgehalt von viertausend Pfund, den er fortzubeziehen nicht hoffen durfte, wenn er sich weigerte, das neue Herrscherpaar anzuerkennen. Er hatte in der That so viele Feinde, daß es sogar einige Monate zweifelhaft schien, ob man ihm unter irgend welchen Bedingungen die glänzende Belohnung lassen werde, die er sich durch Verfolgung der Whigs und durch einen Sitz in der Hohen Commission erworben hatte. Vor diesem harten Schlage für seine Vermögensumstände wurde er durch die Verwendung Burnet’s bewahrt, den er schwer beleidigt und der sich jetzt rächte wie es einem christlichen Priester ziemte.38
Im Unterhause wurden am zweiten März vierhundert Mitglieder vereidigt, darunter auch Seymour. Durch seinen Abfall ward der Muth der Jakobiten gebrochen, und die Minorität folgte mit sehr wenigen Ausnahmen seinem Beispiele.39
Fragen bezüglich des Einkommens. Schon vor dem zur Eidesabnahme bestimmten Tage hatten die Gemeinen eine wichtige Frage zu berathen begonnen, welche keinen Aufschub gestattete. Während des Interregnums hatte Wilhelm als provisorisches Haupt der Verwaltung die Steuern erhoben und sie für den Staatsdienst verwendet, ein Verfahren, dessen Angemessenheit von Niemandem, der die Revolution billigte, bestritten werden konnte. Jetzt aber war die Revolution vorüber, der Thron war wieder besetzt, die Häuser waren versammelt, das Gesetz war in voller Kraft, und es wurde nöthig, ohne Verzug zu entscheiden, zu welchem Einkommen die Regierung berechtigt war.
Niemand leugnete, daß alle Ländereien und erblichen Besitzungen der Krone mit dieser auf die neuen Herrscher übergegangen waren. Eben so wenig leugnete Jemand, daß alle Einkünfte, welche der Krone auf eine bestimmte Anzahl Jahre bewilligt worden, verfassunggemäß bis zum Ablauf des Termins beansprucht werden durften. Allein das Parlament hatte Jakob große Revenüen auf Lebenszeit verwilligt und ob diese von Wilhelm und Marien in Anspruch genommen werden konnten, so lange Jakob noch lebte, das war eine Frage, über welche die Ansichten getheilt waren.
Holt, Treby, Pollexfen und überhaupt alle angesehenen Whigjuristen, mit Ausnahme Somers’, meinten, diese Einkünfte seien dem vorigen Könige in seiner politischen Eigenschaft, aber auf seine natürliche Lebenszeit, bewilligt worden, und sie seien daher, so lange er in einem fremden Lande zubringe, an Wilhelm und Marien zu bezahlen. Aus einem sehr gedrängten und unzusammenhängenden Berichte über die Debatte geht hervor, daß Somers von dieser Ansicht abwich. Er war der Meinung, daß, wenn die Parlamentsacte, welche die in Rede stehenden Abgaben aufgebürdet, ihrem Geiste nach ausgelegt würde, das Wort Leben als gleichbedeutend mit dem Worte Regierung betrachtet werden müsse, und daß sonach die Frist, auf welche diese Abgaben der Krone bewilligt worden, erloschen sei. Dies war unzweifelhaft die richtige Meinung, denn es war geradezu widersinnig, Jakob’s Interesse bei dieser Verwilligung als zu gleicher Zeit mit seiner Person und auch mit seinem Amte verknüpft zu betrachten, in einem Athem zu sagen, die Kaufleute von London und Bristol müßten Geld hergeben, weil er physisch noch lebe, und seine Nachfolger müßten dieses Geld bekommen, weil er politisch todt sei. Das Haus theilte entschieden die Ansicht Somers’. Die Mitglieder waren im Allgemeinen für die Vornahme einer großen Reform, denn man sah ein, daß ohne eine solche die Rechtserklärung nur eine unvollkommene Garantie für die öffentliche Freiheit sein würde. Während des Kampfes, den fünfzehn aufeinanderfolgende Parlamente gegen vier aufeinanderfolgende Könige geführt, war die Macht des Geldes die Hauptwaffe der Gemeinen gewesen, und wenn sich die Vertreter des Volks einmal verleiten ließen, diese Waffe aufzugeben, hatten sie jedesmal sehr bald Ursache gehabt, ihre allzu leichtgläubige Loyalität zu bereuen. In der Zeit der stürmischen Freude, welche auf die Restauration folgte, war Karl II. fast durch Acclamation ein großes Einkommen auf Lebenszeit bewilligt worden. Doch schon nach einigen Monaten gab es kaum einen ehrenwerthen Cavalier im Lande, der sich nicht gesagt hätte, daß die Zahlmeister der Nation weiser gehandelt haben würden, wenn sie die Mittel zur Abstellung der Mißbräuche, welche alle Zweige der Verwaltung schändeten, in ihrer Hand behalten hätten. Jakob II. hatte von seinem unterwürfigen Parlamente ohne eine opponirende Stimme ein Einkommen erlangt, welches hingereicht haben würde, die gewöhnlichen Staatsausgaben für seine ganze Lebenszeit zu bestreiten, und noch ehe er dieses Einkommen ein halbes Jahr genossen, machte sich die Mehrzahl Derer, welche so freigebig gegen ihn gewesen, bittere Vorwürfe wegen ihrer Liberalität. Wenn man der Erfahrung, einer langen und schmerzlichen Erfahrung, trauen durfte, so gab es keine wirksame Sicherheit gegen schlechte Verwaltung, sobald der Souverain nicht genöthigt war, sich öfters an seinen Großen Rath um Geldunterstützung zu wenden. Fast alle rechtschaffenen und einsichtsvollen Männer stimmten daher darin überein, daß wenigstens ein Theil der Zuschüsse nur auf kurze Termine verwilligt werden dürften. Und welcher Zeitpunkt war wohl geeigneter zur Einführung dieses neuen Modus als das Jahr 1689, der Anfang einer neuen Regierung, einer neuen Dynastie, einer neuen Ära in der constitutionellen Verwaltung? Die Meinung über diesen Gegenstand war so mächtig und allgemein, daß die abweichende Minorität nachgab. Es wurde zwar kein formeller Beschluß gefaßt, aber das Haus verfuhr nach der Annahme, daß die Jakob auf Lebenszeit bewilligten Einkünfte durch seine Abdankung aufgehoben seien.40
Es war unmöglich, ohne Untersuchung und Berathung eine neue Feststellung des Einkommens vorzunehmen. Die Schatzkammer wurde daher angewiesen, die nöthigen Vorlagen zu beschaffen, welche das Haus in den Stand setzten, die öffentlichen Ausgaben und Einnahmen abzuschätzen. Inzwischen wurde den augenblicklichen Bedürfnissen des Staats mit geziemender Liberalität genügt. Eine durch directe monatliche Besteurung zu erhebende außerordentliche Unterstützung wurde dem Könige gewährt. Es wurde eine Verordnung erlassen, welche alle Diejenigen, die seit seiner Landung in seinem Namen die Jakob zugesprochenen Abgaben erhoben, für schuldlos erklärte, und die erloschenen Abgaben wurden noch auf einige Monate verlängert.
Abschaffung der Herdsteuer. Auf seinem ganzen Marsche von Torbay bis London war Wilhelm von dem niederen Volke mit Bitten bestürmt worden, daß er es von der unerträglichen Last des Herdgeldes befreien möchte. Diese Abgabe scheint in der That alle die schlimmsten Übelstände in sich vereinigt zu haben, die man irgend einer Steuer zur Last legen kann. Sie war unverhältnißmäßig, und zwar in der verderblichsten Weise, denn sie lastete schwer auf dem Armen, und leicht auf dem Reichen. Ein Landmann, dessen ganzes Besitzthum keine zwanzig Pfund werth war, mußte zehn Schilling bezahlen, während der Herzog von Ormond oder der Herzog von Newcastle, deren Güter eine halbe Million werth waren, nur vier bis fünf Pfund bezahlten. Die Einsammler waren ermächtigt, das Innere jedes Hauses im Lande zu untersuchen, die Familien bei ihrer Mahlzeit zu stören, die Thüren der Schlafzimmer zu erbrechen, und, wenn die verlangte Summe nicht pünktlich bezahlt wurde, den Tisch, auf dem den armen Kindern ihr Gerstenbrot zugeschnitten wurde, oder das Kissen unter dem Haupte der Wöchnerin wegzunehmen und zu verkaufen. Eben so wenig vermochte das Schatzamt den Herdgeldmann wirksam daran zu hindern, daß er seine Vollmacht mit Härte ausübte, denn die Steuer war verpachtet und die Regierung war in Folge dessen genöthigt, die Gewaltthätigkeiten und Erpressungen, welche zu allen Zeiten den Namen Zöllner sprüchwörtlich zu dem verhaßtesten von der Welt gemacht haben, stillschweigend hingehen zu lassen.
Auf Wilhelm hatten die vernommenen Klagen und Beschwerden einen so erschütternden Eindruck gemacht, daß er den Gegenstand bei einer der ersten Sitzungen des Geheimen Raths zur Sprache brachte. Er forderte das Haus der Gemeinen durch eine Botschaft auf, zu erwägen, ob zweckmäßigere Einrichtungen den Mißbräuchen, welche so große Unzufriedenheit erregt hätten, wirksam abhelfen könnten, und setzte hinzu, daß er gern in die gänzliche Abschaffung der Steuer willigen würde, wenn es sich herausstellen sollte, daß die Mißbräuche von der Steuer unzertrennlich seien.41 Diese Mittheilung ward mit lautem Beifall aufgenommen. Allerdings gab es einige Finanzmänner der alten Schule, welche murmelten, daß Mitleid mit den Armen wohl etwas Schönes sei, daß aber kein Theil der Staatseinkünfte so pünktlich auf den Tag einginge als das Herdgeld, daß die Goldschmiede nicht immer bewogen werden könnten, auf die Sicherheit des nächsten Quartals der Zölle oder der Accise zu leihen, daß es aber nicht schwer sei, auf eine Herdgeldverschreibung Vorschüsse zu erhalten. Im Hause der Gemeinen wagten die so Denkenden es nicht, ihre Stimmen gegen die allgemeine Ansicht zu erheben; im Hause der Lords aber entspann sich ein Kampf, dessen Ausgang eine Zeitlang zweifelhaft schien. Endlich aber erwirkte der kräftig angewendete Einfluß des Hofes eine Acte, kraft welcher die Kaminsteuer als ein Zeichen von Sklaverei erklärt und unter vielen Dankesversicherungen gegen den König für alle Seiten abgeschafft wurde.42
Entschädigung der Vereinigten Provinzen. Die Gemeinen bewilligten nach kurzer Debatte und ohne Abstimmung sechsmalhunderttausend Pfund zu dem Zwecke, die Kosten der Expedition, welche England befreit hatte, den Vereinigten Provinzen zurückzuerstatten. Die Leichtigkeit, mit der diese bedeutende Summe einem schlauen, thätigen und sparsamen Volke bewilligt ward, das in politischer Beziehung unser Bundesgenosse, in commercieller Hinsicht aber unser gefährlichster Nebenbuhler war, erregte außerhalb der Kammern einiges Murren und war mehrere Jahre lang ein Lieblingsthema für die Sarkasmen der toryistischen Tagesschriftsteller.43 Die Freigebigkeit des Hauses war jedoch leicht zu erklären. An dem nämlichen Tage, an welchem dieser Gegenstand berathen wurde, trafen in Westminster beunruhigende Nachrichten ein und überzeugten Viele, die zu einer andren Zeit geneigt gewesen wären, jede von den Holländern eingeschickte Rechnung einer strengen Prüfung zu unterwerfen, daß unser Land die Dienste fremder Truppen noch nicht entbehren konnte.
Meuterei in Ipswich. Frankreich hatte den Generalstaaten den Krieg erklärt und die Generalstaaten hatten in Folge dessen vom Könige von England die Unterstützung verlangt, die er durch den Vertrag von Nimwegen zu leisten verpflichtet war.44 Er hatte einige Bataillone nach Harwich verordert, um sich dort zur Überfahrt nach dem Festlande bereit zu halten. Die alten Soldaten Jakob’s waren meist in einer sehr schlechten Stimmung, und dieser Befehl übte keine besänftigende Wirkung aus. Am größten war die Unzufriedenheit in dem Regimente, das gegenwärtig als das erste der Linie bezeichnet wird. Obgleich dieses Regiment der englischen Armee angehörte, hatte es doch seit der Zeit, da es zuerst unter dem großen Gustav kämpfte, fast ausschließlich aus Schotten bestanden, und die Schotten haben nie verfehlt, in jedem Lande, wohin ihr abenteuerlicher und ehrgeiziger Sinn sie führte, die geringste ihrem Heimathlande bewiesene Geringschätzung zu fühlen und zu ahnden. Offiziere wie Gemeine murmelten, daß der Beschluß einer ausländischen Versammlung in ihren Augen nichts gelte. Wenn sie überhaupt ihres Treuschwurs für König Jakob VII. entbunden werden könnten, so müsse dies durch die Stände von Edinburg, nicht durch die Convention von Westminster geschehen. Ihr Unmuth wuchs, als sie erfuhren, daß Schomberg zu ihrem Obersten ernannt war. Vielleicht hätten sie es sich zur Ehre schätzen sollen, den Namen des größten Soldaten Europa’s zu führen, aber bei aller seiner Tapferkeit und militärischen Tüchtigkeit war er doch nicht ihr Landsmann, und während der sechsundfunfzig Jahre, welche verstrichen waren, seitdem sich ihr Regiment in Deutschland seine ersten Lorbeern verdiente, war es nie von einem Andren als einem Hopburn oder einem Douglas commandirt worden. In dieser gereizten Stimmung erhielten sie Befehl, zu den Streitkräften zu stoßen, die sich in Harwich sammelten. Es wurde viel gemurrt, doch kam es zu keinem Ausbruch, bis das Regiment in Ipswich anlangte. Hier gaben zwei Hauptleute, welche eifrige Anhänger des verbannten Königs waren, das Zeichen zur Empörung. Der Marktplatz füllte sich bald mit hin und her rennenden Pikenmännern und Musketiren. Schüsse wurden aufs Gerathewohl nach allen Richtungen hin abgefeuert. Diejenigen Offiziere, welche die Meuterer im Zaume zu halten versuchten, wurden überwältigt und entwaffnet. Endlich gelang es den Leitern des Aufstandes, einige Ordnung herzustellen und sie marschirten nun an der Spitze ihrer Anhänger aus Ipswich ab. Die kleine Armee bestand aus etwa achthundert Mann. Sie hatten vier Kanonen mitgenommen und sich der Kriegskasse bemächtigt, die eine bedeutende Summe Geldes enthielt. Eine halbe Meile von der Stadt wurde Halt gemacht, eine allgemeine Berathung gepflogen und beschlossen, daß die Meuterer in ihr Heimathsland zurückeilen und mit ihrem rechtmäßigen Könige leben und sterben wollten. Demgemäß brachen sie in Eilmärschen nach dem Norden auf.45
Als die Nachricht in London eintraf, war die Bestürzung groß. Es hieß, daß auch bei anderen Regimentern sich beunruhigende Symptome gezeigt hätten und besonders daß ein in Harwich liegendes Füsilircorps große Lust zu haben scheine, dem in Ipswich gegebenen Beispiele zu folgen. „Wenn diese Schotten,“ sagte Halifax zu Reresby, „nicht auf Unterstützung rechnen können, so sind sie verloren; haben sie aber im Einverständniß mit Anderen gehandelt, dann ist die Gefahr in der That sehr ernst.“46 Das Wahre scheint zu sein, daß eine Verschwörung bestand, die in vielen Heerestheilen Verzweigungen hatte, daß aber die Verschwörer durch die Festigkeit der Regierung und des Parlaments im Schach gehalten wurden. Es ward eben eine Ausschußsitzung des Geheimen Raths gehalten, als die Nachricht von dem Aufstande in London eintraf. Wilhelm Harbord, der Vertreter des Burgfleckens Launceston, welcher Mitglied des Ausschusses war, wurde von seinen Collegen ersucht, sich sogleich in das Haus der Gemeinen zu begeben und dort das Vorgefallene mitzutheilen. Er ging, erhob sich auf seinem Platze und erzählte seine Geschichte. Der Geist der Versammlung trug der Lage der Dinge gebührende Rechnung. Howe war der Erste, der kräftiges Einschreiten verlangte. „Ersuchet den König,“ sagte er, „seine holländischen Truppen gegen diese Leute zu entsenden. Ich wüßte nicht, wem man sonst trauen könnte.“ — „Die Sache ist kein Spaß,“ sagte der alte Birch, welcher Oberst im Dienste des Parlaments gewesen war und das mächtigste und berühmteste Haus der Gemeinen, das es je gegeben, durch dessen eigene Soldaten zweimal hatte säubern und zweimal hatte auseinandersprengen sehen; „wenn Ihr das Übel um sich greifen laßt, werdet Ihr binnen wenigen Tagen eine Armee auf dem Halse haben. Ersuchet den König, auf der Stelle Reiter und Fußvolk abzusenden, und zwar seine eigenen Leute, auf die er sich verlassen kann, damit dieses Volk mit einem Schlage niedergeworfen wird.“ Jetzt fingen auch die Männer der langen Robe Feuer. „Das Wissen meines Berufs ist hier unnütz,“ sagte Treby. „Es kommt hier darauf an, der Gewalt mit Gewalt entgegenzutreten und im Felde das zu behaupten, was wir im Senate gethan haben.“ — „Schreibt an die Sheriffs,“ sprach Oberst Mildmay, Mitglied für Essex, „und laßt die Miliz aufbieten. Es sind ihrer Hundertfunfzigtausend Mann und lauter gute Engländer; sie werden Euch nicht im Stiche lassen.“ Es wurde beschlossen, daß alle in der Armee angestellten Mitglieder des Hauses vom Besuche des Parlaments dispensirt werden sollten, damit sie sich unverzüglich auf ihre militärischen Posten begeben könnten. Sodann wurde einstimmig eine Adresse votirt, welche den König ersuchte, energische Maßregeln zur Unterdrückung des Aufstandes zu ergreifen und eine Proklamation zu erlassen, welche die öffentliche Rache auf die Rebellen herabrief. Ein Mitglied deutete darauf hin, daß es vielleicht gut sei, wenn Sr. Majestät Denen, die sich im Guten unterwürfen, Verzeihung zusichere; allein das Haus verwarf wohlweislich diesen Vorschlag. „Es ist jetzt nicht der Augenblick,“ wurde sehr richtig bemerkt, „zu einer Nachsicht, die wie Furcht aussehen würde.“ Die Adresse wurde sogleich ins Haus der Lords gesandt und von diesen genehmigt. Zwei Peers, zwei Grafschaftsvertreter und zwei Abgeordnete von Burgflecken wurden damit an den Hof geschickt. Wilhelm empfing sie sehr gnädig und sagte ihnen, daß er bereits die nöthigen Befehle gegeben habe. In der That waren auch schon mehrere Regimenter Reiterei und Dragoner unter dem Commando Ginkell’s, eines der tapfersten und geschicktesten Offiziere der holländischen Armee, nach dem Norden entsendet worden.47
Mittlerweile eilten die Aufständischen durch die Gegend zwischen Cambridge und dem Wash. Ihr Weg führte über eine weite, öde Moorstrecke, die mit der ganzen Feuchtigkeit von dreizehn Grafschaften gesättigt war und auf welcher den größten Theil des Jahres ein grauer Nebel lagerte, über den sich der viele Meilen im Umkreise sichtbare prächtige Thurm von Ely erhob. In dieser traurigen, mit großen Schwärmen wilder Vögel bedeckten Gegend führte damals ein halbwildes Volk, bekannt unter dem Namen der Breedlings, ein amphibienartiges Leben, von einem Eiland festen Grund und Bodens zum andren theils watend theils rudernd.48 Die Straße gehörte zu den schlechtesten der ganzen Insel und als sich das Gerücht von der Annäherung der Rebellen verbreitete, wurden sie von dem Landvolke absichtlich noch mehr verschlechtert. Brücken wurden abgebrochen und Baumstämme quer über die Straßen gelegt, um das Fortschaffen der Kanonen zu erschweren. Dessenungeachtet drangen die schottischen Veteranen nicht nur mit großer Eil vor, sondern es gelang ihnen auch, ihre Artillerie mit fort zu bringen. So erreichten sie die Grafschaft Lincoln, und als sie nicht mehr weit voll Sleafort entfernt waren, erfuhren sie, daß Ginkell mit einer unüberwindlichen Truppenmacht ihnen hart auf den Fersen sei. Von Sieg konnte so wenig die Rede sein wie von Entkommen. Die tapfersten Krieger konnten gegen eine vierfache Übermacht nichts ausrichten, das vortrefflichste Fußvolk konnte einer Reiterschaar nicht entrinnen. Da indessen die Anführer wohl wußten, daß sie keinen Pardon zu erwarten hatten, drangen sie in ihre Mannschaften, das Glück einer Schlacht zu versuchen. Eine fast von allen Seiten von Sümpfen und Teichen eingeschlossene Stelle war in dieser Gegend leicht gefunden. Hier wurden die Insurgenten aufgestellt und die Kanonen an der einzigen Seite aufgefahren, die man durch natürliche Vertheidigungsmittel nicht hinreichend gedeckt glaubte. Ginkell befahl den Angriff an einer Stelle zu unternehmen, die sich außer dem Bereiche der Geschütze befand, und seine Dragoner sprangen muthig ins Wasser, obwohl es so tief war, daß ihre Pferde schwimmen mußten. Jetzt sank den Rebellen der Muth. Sie versuchten zu parlamentiren, ergaben sich aber schließlich auf Gnade und Ungnade und wurden unter starker Bedeckung nach London gebracht. Ihr Leben war verwirkt, denn sie hatten sich nicht blos der Meuterei, welche damals kein legales Verbrechen war, sondern des bewaffneten Widerstandes gegen den König schuldig gemacht. Wilhelm unterließ jedoch mit weiser Nachsicht, das Blut selbst der Strafbarsten zu vergießen. Einige von den Haupträdelsführern wurden vor die nächsten Assisen von Bury gestellt und des Hochverraths überwiesen; aber ihr Leben ward geschont. Die Übrigen erhielten einfach den Befehl, zu ihrer Pflicht zurückzukehren. Das vor Kurzem so aussätzige Regiment ging gehorsam nach dem Continent und zeichnete sich dort in vielen beschwerlichen Feldzügen durch Treue, Disciplin und Tapferkeit aus.49
Die erste Meutereibill. Dieser Vorfall erleichterte eine wichtige Veränderung in unsrer Politik, eine Veränderung, welche zwar über kurz oder lang hätte vorgenommen werden müssen, die aber doch so leicht nicht hätte durchgeführt werden können, außer in einem Augenblicke der höchsten Gefahr. Die Zeit war endlich gekommen, wo es nöthig wurde, einen gesetzlichen Unterschied zwischen dem Soldaten und dem Bürger zu machen. Unter den Plantagenets und den Tudors hatte es kein stehendes Heer gegeben, und das stehende Heer, das England unter den letzten Königen des Hauses Stuart besessen, war von allen Parteien im Staate mit einem starken und nicht unbegründeten Widerwillen betrachtet worden. Das gemeine Recht gewährte dem Souverain nicht die Mittel, seine Truppen gebührend im Zaume zu halten, denn das Parlament, das sie als bloße Werkzeuge der Tyrannei betrachtete, hatte keine Lust gehabt, diese Mittel durch Gesetze zu bewilligen. Jakob hatte zwar seine bestochenen und servilen Richter dahin gebracht, daß sie einigen veralteten Gesetzen eine Auslegung gaben, die ihn in den Stand setzte, die Desertion mit einer Kapitalstrafe zu belegen. Allein diese Auslegung wurde von alten angesehenen Juristen als irrig betrachtet, und wäre sie auch richtig gewesen, so würde sie doch bei weitem nicht alles das geboten haben, was zur Aufrechthaltung der militärischen Disciplin nöthig war. Selbst Jakob wagte es nicht, auf das Erkenntniß eines Kriegsgerichts hin die Todesstrafe zu verhängen. Der Deserteur wurde wie ein gewöhnlicher Verbrecher behandelt, vor die Assisen gestellt, auf die von einer großen Jury herausgefundenen Klagegründe hin von einer kleinen Jury abgeurtheilt, und es stand ihm frei, jeden in der Anklageacte zu entdeckenden Formfehler zu seinem Gunsten zu benutzen.
Indem die Revolution die Stellung des Fürsten und des Parlaments zu einander veränderte, hatte sie auch die gegenseitige Stellung der Armee und der Nation verändert. Der König und die Gemeinen waren jetzt einig und beide wurden durch die größte Militärmacht bedroht, die es seit dem Untergange des römischen Reichs in Europa gegeben hatte. Binnen wenigen Wochen konnten dreißigtausend sieggewohnte, von geschickten und erfahrenen Feldherren angeführte Veteranen aus den Häfen der Normandie und der Bretagne an unsere Küsten übersetzen. Daß eine solche Truppenmacht eine dreifache Anzahl von Milizen ohne große Schwierigkeit auseinandersprengen würde, konnte Niemand bezweifeln, der vom Kriege etwas verstand. Man mußte also reguläre Soldaten haben, und wenn man solche haben mußte, so war es im Interesse ihres eigenen wirksamen Bestehens, wie zur Sicherheit jeder andren Klasse durchaus nothwendig, daß sie unter einer strengen Disciplin gehalten wurden. Eine schlecht disciplinirte Armee ist zu allen Zeiten nichts weiter als eine kostspieligere und zügellosere Miliz gewesen, ohnmächtig gegen einen auswärtigen Feind und nur dem Lande selbst gefährlich, zu dessen Vertheidigung sie unterhalten wird. Es muß demnach eine strenge Grenzlinie zwischen den Soldaten und der übrigen Gesellschaft gezogen werden. Im Interesse der öffentlichen Freiheit müssen sie, inmitten der Freiheit, unter eine despotische Zucht gestellt werden. Sie müssen einem schärferen Strafcodex und einer nachdrücklicheren Prozeßordnung unterworfen sein, als nach denen die ordentlichen Gerichtshöfe verfahren. Gewisse Handlungen, welche bei dem Bürger unschuldig sind, müssen bei dem Soldaten Verbrechen sein. Gewisse Handlungen, welche bei dem Bürger mit Geldbuße oder Gefängniß geahndet werden, müssen bei dem Soldaten mit dem Tode bestraft werden. Die Maschinerie, vermittelst welcher die Gerichtshöfe die Schuld oder Unschuld eines angeklagten Bürgers feststellen, ist zu langsam und zu verwickelt, um auf einen angeklagten Soldaten Anwendung finden zu können, denn die militärische Insubordination ist von allen vorkommenden Krankheiten des Staatskörpers diejenige, welche die promptesten und eingreifendsten Gegenmittel erheischt. Wird das Übel nicht gleich im Keime erstickt, so breitet es sich aus, und weit kann es sich nicht ausbreiten ohne Gefahr für die eigentlichen Lebensnerven der Gesellschaft. Im Interesse des Gemeinwohls muß daher in Feldlagern eine summarische Gerichtsbarkeit von furchtbarer Ausdehnung strengen Tribunalen, aus Männern des Schwerts bestehend, übertragen werden.
Obgleich es aber gewiß war, daß das Land zu jenem Zeitpunkte ohne berufsmäßige Soldaten nicht sicher sein konnte, und eben so gewiß, daß berufsmäßige Soldaten schlimmer als nutzlos sein mußten, wenn sie nicht unter ein willkürlicheres und strengeres Regiment gestellt wurden als andere Leute, so konnte doch ein Haus der Gemeinen es nicht ohne große Besorgniß wagen, die Existenz eines stehenden Heeres anzuerkennen und die Mittel zur Unterhaltung desselben zu bewilligen. Es gab kaum einen bedeutenden Staatsmann, der nicht oft die Überzeugung ausgesprochen hätte, daß unsre Verfassung und ein stehendes Heer nicht nebeneinander bestehen könnten. Die Whigs hatten es bei jeder Gelegenheit wiederholt, daß stehende Heere die freien Institutionen der Nachbarvölker vernichtet hätten. Eben so oft hatten die Tories es wiederholt, daß auf unsrer Insel ein stehendes Heer die Kirche umgestürzt, die Gentry tyrannisirt und den König gemordet habe. Kein Führer der einen wie der andren Partei konnte darauf antragen, daß ein solches Heer fortan eine bleibende Staatseinrichtung sein sollte, ohne sich der Beschuldigung grober Inconsequenz auszusetzen. Die Meuterei von Ipswich und der panische Schrecken, den dieselbe hervorgerufen, erleichterten die Durchführung eines Schrittes, der außerdem höchst schwierig gewesen sein würde. Es ward eine kurze Bill eingebracht, welche mit der bündigen Erklärung begann, daß das englische Recht von stehenden Heeren und Kriegsgerichten nichts wisse. Hierauf wurde verordnet, daß in Anbetracht der großen Gefahren, welche in diesem Augenblicke dem Staate drohten, kein Mann, der im besoldeten Dienst der Krone stehe, bei Todesstrafe oder derjenigen milderen Strafe, die ein Kriegsgericht für genügend halten würde, seine Fahnen verlassen oder sich gegen seine vorgesetzten Offiziere auflehnen dürfe. Dieses Gesetz sollte nur sechs Monate in Kraft bleiben, und viele von Denen, welche dafür stimmten, glaubten wahrscheinlich, daß es nach Ablauf dieser Frist als erloschen betrachtet werden würde. Die Bill ging rasch und leicht durch. Im Hause der Gemeinen wurde nicht eine einzige Abstimmung darüber vorgenommen. Eine mildernde Clausel, welche ein eigenthümliches Licht auf die damaligen Sitten wirft, wurde nach der dritten Lesung als Zusatz angefügt. Diese Clausel bestimmte, daß ein Kriegsgericht zu keiner andren Zeit als in den Stunden zwischen sechs Uhr Morgens und ein Uhr Nachmittags ein Todesurtheil fällen sollte. Man speiste damals zeitiger als jetzt, und es war nur zu wahrscheinlich, daß ein Gentleman unmittelbar nach Tisch in einem Zustande sein werde, in welchem ihm das Leben seiner Mitmenschen nicht füglich anvertraut werden konnte. Mit diesem Amendement wurde die erste und conciseste von unseren zahlreichen Meutereibills den Lords zugeschickt, durchlief dort binnen wenigen Stunden alle parlamentarischen Stadien und ward vom Könige genehmigt.50
So geschah ohne eine einzige abweichende Stimme im Parlamente, und ohne das leiseste Murren unter dem Volke, der erste Schritt zu einer Veränderung, welche zum Wohle des Staates nothwendig geworden war, die aber zur Zeit jede Partei im Staate mit der größten Besorgniß und dem entschiedensten Widerwillen betrachtete. Die sechs Monate vergingen und die öffentliche Gefahr war noch immer dieselbe. Die zur Aufrechthaltung der militärischen Disciplin nöthige Gewalt wurde der Krone nochmals auf kurze Zeit zugestanden. Die Vollmacht erlosch wieder, und wieder wurde sie erneuert. So versöhnte die Gewohnheit ganz allmälig die öffentliche Meinung mit den einst so verhaßten Namen: stehendes Heer und Kriegsgericht. Die Erfahrung bewies, daß in einem wohleingerichteten Staate berufsmäßige Soldaten einem auswärtigen Feinde Respect einflößen und doch der bürgerlichen Gewalt gehorsam sein könnten. Was zuerst als Ausnahme geduldet worden, begann nun als Regel betrachtet zu werden. Keine Session verging mehr ohne eine Meutereibill. Als es endlich klar wurde, daß eine politische Umgestaltung von höchster Wichtigkeit in einer Weise stattfand, daß man es kaum bemerkte, da erhoben einige Aufwiegler, welche die Hand der Regierung schwächen wollten, und auch einige ehrenwerthe Männer, die eine aufrichtige, obwohl unverständige Achtung vor jeder alten constitutionellen Tradition hegten und nicht begreifen konnten, daß eine Einrichtung, die auf der einen Stufe des gesellschaftlichen Fortschritts schädlich ist, auf einer andren Stufe unerläßlich sein kann, ein lautes Geschrei. Dieses Geschrei wurde jedoch mit den Jahren immer schwächer und schwächer. Die mit jedem Frühjahr wiederkehrende Debatte über die Meutereibill wurde bald nur noch als eine Gelegenheit betrachtet, bei welcher hoffnungsvolle junge Redner, die eben aus dem Christchurch-Collegium kamen, debutiren und erzählen konnten, wie die Garden des Pisistratus sich der Citadelle von Athen bemächtigten und wie die prätorianischen Cohorten das Römische Reich an Didius verkauften. Endlich wurden diese Declamationen zu lächerlich, um immer aufs neue wiederholt zu werden. Der altfränkischste, überspannteste Politiker konnte unter der Regierung Georg’s III. schwerlich noch behaupten, daß man keine regulären Truppen brauche, oder daß das gewöhnliche Recht, von den ordentlichen Gerichtshöfen gehandhabt, unter solchen Truppen die Disciplin mit Erfolg aufrecht erhalten könne. Da alle Parteien über das allgemeine Prinzip einig waren, so ging eine lange Reihe von Meutereibills ohne Discussion durch, ausgenommen wenn ein einzelner Artikel des Militärstrafgesetzbuches einer Abänderung bedurfte. Dem Umstande, daß die Armee so allmälig und fast unmerklich eine der Institutionen England’s geworden, ist es vielleicht zuzuschreiben, daß sie in so vollkommenem Einklange mit allen anderen Institutionen gehandelt hat, in hundertsechzig Jahren nicht ein einziges Mal dem Throne untreu oder dem Gesetze ungehorsam geworden ist, nicht ein einziges Mal sich gegen die Gerichtshöfe aufgelehnt oder die Wahlkörper durch Drohungen eingeschüchtert hat. Bis auf den heutigen Tag jedoch fahren die Stände des Reichs mit lobenswerthem Mißtrauen fort, der in den Tagen der Revolution gezogenen Grenze von Zeit zu Zeit einen Markstein beizufügen. Jedes Jahr wiederholen sie feierlich den in der Rechtserklärung ausgesprochenen Grundsatz und bewilligen dann dem Souveraine die außerordentliche Befugniß, eine gewisse Anzahl Soldaten auf die Dauer weiterer zwölf Monate nach bestimmten Regeln zu unterhalten.
Suspension der Habeas-Corpus-Acte. In der nämlichen Woche, in welcher die erste Meutereibill auf den Tisch der Gemeinen niedergelegt wurde, ging ein andres durch den noch unbefestigten Zustand des Königreichs nöthig gewordenes temporäres Gesetz durch. Seit Jakob’s Flucht waren viele Personen, welche muthmaßlich an seinen ungesetzlichen Handlungen starken Antheil gehabt oder in Complots zu seiner Restauration verwickelt gewesen, verhaftet und eingekerkert worden. Während der Vacanz des Thrones konnten diese Leute aus der Habeas-Corpus-Acte keinen Nutzen ziehen, denn die Maschinerie, durch welche allein diese Acte in Ausführung gebracht werden konnte, existirte nicht mehr, und während des ganzen Hilariustermins waren alle Gerichtshöfe in Westminster-Hall geschlossen geblieben. Jetzt, wo die ordentlichen Gerichte ihre Thätigkeit wieder beginnen sollten, fürchtete man, daß alle diejenigen Gefangenen, deren Prozesse nicht sogleich erledigt werden konnten, ihre Freiheit verlangen und erhalten würden. Es wurde deshalb eine Bill eingebracht, welche den König ermächtigte, solche Leute, bei denen er schlimme Absichten gegen seine Regierung vermuthete, einige Wochen lang in Haft zu halten. Diese Bill ward in beiden Häusern mit wenig oder keiner Opposition angenommen.51 Allein die Mißvergnügten außerhalb der Kammern unterließen nicht zu bemerken, daß die Habeas-Corpus-Acte unter der vorigen Regierung nicht einen Tag suspendirt worden sei. Es sei Mode, Jakob einen Tyrannen und Wilhelm einen Befreier zu nennen. Dennoch habe der Befreier, noch ehe er einen Monat auf dem Throne gesessen, die Engländer eines kostbaren Rechtes beraubt, das der Tyrann respectirt habe.52 Es ist dies ein Vorwurf, der jede aus einer Volksrevolution hervorgegangene Regierung fast unvermeidlich trifft. Die Menschen halten sich natürlich für berechtigt, von einer solchen Regierung eine mildere und freisinnigere Verwaltung zu verlangen, als man sie von einer alten und tief eingewurzelten Macht erwartet. Gleichwohl kann eine solche Regierung, da sie stets viele thätige Feinde, aber nicht die aus der Rechtmäßigkeit und Verjährung hervorgehende Stärke hat, sich anfangs nur durch eine Wachsamkeit und Strenge halten, deren eine alte und tief eingewurzelte Macht nicht bedarf. Außerordentliche und unregelmäßige Vertheidigungen der öffentlichen Freiheit sind zuweilen nothwendig; aber, obgleich nothwendig, ziehen sie doch fast immer einige zeitweilige Verkürzungen eben dieser Freiheit nach sich, und jede solche Verkürzung ist ein fruchtbares und plausibles Thema für Spott und Schmähung.
Unpopularität Wilhelm’s. Leider war es nur zu wahrscheinlich, daß die gegen Wilhelm gerichteten Sarkasmen und Schmähungen ein geneigtes Ohr finden würden. Jede der beiden großen Parteien hatte ihre Gründe, unzufrieden mit ihm zu sein, und in einigen Beschwerden stimmten beide Parteien mit einander überein. Sein Benehmen gab fast allgemeinen Anstoß. In der That eignete er sich viel besser dazu, eine Nation zu retten, als einen Hof zu zieren. In den höchsten staatsmännischen Talenten kam ihm unter seinen Zeitgenossen Keiner gleich. Er hatte Pläne entworfen, die an Großartigkeit und Kühnheit denen eines Richelieu nicht nachstanden, und er hatte sie mit einem Takt und einer Besonnenheit durchgeführt, die eines Mazarin würdig waren. Zwei Länder, die Sitze der bürgerlichen Freiheit und des reformirten Glaubens, waren durch seine Weisheit und durch seinen Muth vor den schlimmsten Gefahren behütet worden. Holland hatte er von fremden, England von einheimischen Feinden befreit. Anscheinend unübersteigliche Hindernisse hatten sich zwischen ihm und seinen Plänen aufgethürmt, und sein Genie hatte diese Hindernisse in Schrittsteine verwandelt. Seine Geschicklichkeit hatte es dahin zu bringen gewußt, daß die Erbfeinde seines Hauses ihm halfen einen Thron besteigen und daß die Verfolger seines Glaubens ihm behülflich waren, seinen Glauben gegen Verfolgung zu schützen. Flotten und Heere, welche aufgeboten worden waren ihm Widerstand zu leisten, hatten sich ohne einen Kampf seinen Befehlen unterworfen. Politische und kirchliche Parteien, durch tödtlichen Haß getrennt, hatten ihn als ihr gemeinsames Oberhaupt anerkannt. Ohne Blutvergießen, ohne Verheerungen hatte er einen Sieg errungen, im Vergleich mit dem alle Siege Gustav’s und Turenne’s unbedeutend waren. Binnen wenigen Wochen hatte er die gegenseitige Stellung sämmtlicher Staaten Europa’s verändert und das Gleichgewicht wiederhergestellt, welches durch das Übergewicht einer Macht gestört worden war. Fremde Völker ließen seinen eminenten Eigenschaften volle Gerechtigkeit widerfahren. In jedem festländischen Staate, wo es protestantische Gemeinden gab, sandte man heiße Dankgebete zu Gott, der aus dem Stamme seiner Diener, Moritz’ des Befreiers von Deutschland, und Wilhelm’s des Befreiers von Holland, einen dritten Befreier, den weisesten und mächtigsten von allen, hatte hervorgehen lassen. In Wien, in Madrid, ja selbst in Rom ward der tapfere und scharfsinnige Ketzer als das Haupt des großen Bundes gegen das Haus Bourbon geehrt, und sogar in Versailles war der Haß, den man gegen ihn empfand, stark mit Bewunderung gemischt.
Bei uns wurde er minder günstig beurtheilt. In der That, unsere Vorfahren betrachteten ihn in dem allerschlechtesten Lichte. Die Franzosen, die Deutschen und die Italiener sahen ihn aus einer solchen Entfernung, daß sie nur das Große erkannten und daß seine kleinen Fehler ihnen entgingen. Den Holländern stand er nahe, denn er war selbst ein Holländer. In seinem Verkehr mit ihnen wurde er von der vortheilhaftesten Seite betrachtet; bei ihnen fühlte er sich vollkommen heimisch, und unter ihnen hatte er sich seine ersten und theuersten Freunde gewählt. Den Engländern aber erschien er unter einem höchst ungünstigen Gesichtspunkte. Er stand ihnen zu gleicher Zeit zu nahe und zu fern. Er lebte mitten unter ihnen, so daß die geringsten Eigenheiten seines Charakters und seiner Sitten ihnen nicht entgehen konnten; dennoch aber lebte er abgesondert von ihnen und war in ihren Augen in Sprache, Neigungen und Gewohnheiten entschieden ein Fremdling.
Es war seit langer Zeit eine der Hauptfunctionen unserer Regenten, an der Spitze der Londoner Gesellschaft zu stehen. Diese Function hatte Karl II. mit ungeheurem Glück ausgeübt. Seine Leutseligkeit, seine hübschen Anekdoten, die Art und Weise, wie er tanzte und Ball spielte, der Ton seines herzlichen Lachens, waren jedem Londoner bekannt. Einmal sah man ihn unter den Ulmen von St. James Park mit Dryden über Poesie plaudern;53 ein andermal lag sein rechter Arm auf Durfey’s Schulter und der linke ruhte auf einem andren, während sein Begleiter „Phillida, Phillida“ oder „To horse, brave boys, to Newmarket, to horse“ sang.54 Auch Jakob war, obwohl viel weniger lebhaft und leutselig, doch ebenfalls zugänglich und gegen Leute, die ihm nicht in den Weg traten, sogar artig. Diese Geselligkeit aber ging Wilhelm gänzlich ab. Er verließ nur selten sein Arbeitskabinet, und wenn er einmal in den Empfangszimmern erschien, so stand er ernst und sinnend unter dem Schwarme der Cavaliere und Hofdamen, ohne daß ein Scherz, oder nur ein Lächeln seinen Lippen entschlüpfte. Sein unfreundliches Aussehen, sein Stillschweigen und die kurzen, trocknen Antworten, die er gab, wenn er nicht länger schweigen konnte, entfremdeten ihm Adel und Gentry, welche gewohnt waren, von ihren königlichen Gebietern auf die Schulter geklopft, Jack oder Harry gerufen, wegen gewonnener Wetten beglückwünscht und mit bekannten Schauspielerinnen aufgezogen zu werden. Die Frauen vermißten die ihrem Geschlecht gebührenden Huldigungen. Sie bemerkten, daß der König selbst mit der Frau, der er so viel verdankte und die er aufrichtig liebte und achtete, in einem etwas gebieterischen Tone sprach.55 Es amüsirte und verdroß sie zugleich, wie er, als die Prinzessin Anna einmal bei ihm speiste und die ersten grünen Erbsen auf die Tafel kamen, den ganzen Inhalt der Schüssel verzehrte, ohne Ihrer Königlichen Hoheit einen Löffelvoll davon anzubieten, und sie erklärten, dieser große Feldherr und Staatsmann sei nicht viel besser als ein niederländischer Bär.56
Ein Mangel, der ihm als ein Verbrechen angerechnet wurde, war sein schlechtes Englisch. Er sprach unsre Sprache, aber nicht gut. Sein Accent war ausländisch, seine Aussprache entbehrte der Eleganz und sein Vokabularium schien nicht umfänglicher zu sein, als es zur Erledigung von Geschäften nöthig war. Dem Umstande, daß es ihm schwer wurde sich auszudrücken und daß er sich seiner schlechten Aussprache bewußt war, müssen seine Schweigsamkeit und seine kurzen Antworten, die so großes Ärgerniß gaben, theilweis zugeschrieben werden. Unsre Literatur zu goutiren oder zu verstehen war er unfähig. Nicht ein einziges Mal während seiner ganzen Regierung erschien er im Theater.57 Die Dichter, welche pindarische Verse zu seinem Lobe schrieben, beklagten sich, daß ihre sublimen Poesien über seinen Horizont gingen,58 Wer indessen die panegyrischen Oden jener Zeit kennt, wird vielleicht der Meinung sein, daß er durch seine Unbekanntschaft damit nicht viel verlor.
Popularität Mariens. Seine Gemahlin that allerdings ihr Möglichstes, um das Fehlende zu ergänzen, und sie war in der That vortrefflich geeignet, an der Spitze eines Hofes zu stehen. Sie war nicht nur von Geburt, sondern auch in ihren Neigungen und Gesinnungen eine Engländerin. Sie besaß ein hübsches Gesicht, eine majestätische Haltung, ein sanftes, heiteres Gemüth und leutselige, gewinnende Manieren. Ihr Geist war, obwohl sehr unvollkommen ausgebildet, ungemein lebhaft; ihrer Unterhaltung fehlte es nicht an weiblichem Witz und Muthwillen und ihre Briefe waren so gut abgefaßt, daß sie wohl verdient hätten, orthographisch richtig geschrieben zu sein. Sie fand viel Geschmack an den leichteren Zweigen der Literatur und trug nicht wenig dazu bei, unter den vornehmen Damen Bücher in Aufnahme zu bringen. Die makellose Reinheit ihres Privatlebens und die strenge Gewissenhaftigkeit, mit der sie ihre religiösen Pflichten erfüllte, waren um so achtungswerther, als sie durchaus frei war von Tadelsucht und den bösen Leumund eben so wenig unterstützte wie das Laster. In dem Mißfallen an üblen Nachreden stimmte sie zwar mit ihrem Gemahl vollkommen überein; aber Beide äußerten ihr Mißfallen auf verschiedene und sehr charakteristische Weise. Wilhelm beobachtete das tiefste Stillschweigen, warf aber dem Verleumder einen Blick zu, daß ihm, wie Jemand sagte, der einem solchen Blick einmal begegnet war, sich aber wohl hütete, ihm zum zweiten Male zu begegnen, die Geschichte im Halse stecken blieb.59 Marie suchte dem Geschwätz über Entführungen, Zweikämpfe und Spielschulden dadurch ein Ende zu machen, daß sie die Schwätzer sehr ruhig aber doch nachdrücklich fragte, ob sie ihre Lieblingspredigt, die des Doctors Tillotson über den bösen Leumund, gelesen hätten. Ihre Wohlthaten spendete sie mit freigebiger Hand und richtigem Takt, und obgleich sie nie damit prahlte, wußte man doch, daß sie ihre eigenen Bedürfnisse einschränkte, um Protestanten zu unterstützen, welche die Verfolgung aus Frankreich und Irland vertrieben hatte und die in den Mansarden London’s darbten. Ihr Benehmen war so liebenswürdig, daß die Ehrenwertheren unter Denen, welche die Art und Weise ihrer Erhebung auf den Thron mißbilligten, und selbst unter Denen, die sie als Königin gar nicht anerkennen wollten, allgemein mit Achtung und Liebe von ihr sprachen. In den jakobitischen Libellen der damaligen Zeit, die an Gift und Galle Alles was die neuere Zeit derartiges hervorgebracht, weit hinter sich zurücklassen, wird ihrer nicht oft mit Strenge gedacht. Sie äußerte sogar selbst zuweilen ihre Verwunderung darüber, daß Pasquillanten, die sonst nichts achteten, doch ihren Namen respectirten. Gott, sagte sie, kenne ihre schwachen Seiten. Sie sei zu empfindlich gegen Schmähungen und Verleumdungen, er habe ihr gnädig eine Prüfung erspart, die über ihre Kräfte gehe, und der beste Dank, den sie ihm dafür bezeigen könne, bestehe darin, daß sie keine boshaften Ausfälle über den Charakter Anderer dulde. Überzeugt, daß sie das volle Vertrauen und die ganze Zuneigung ihres Gemahls besaß, brach sie seinen scharfen Reden bald durch sanfte, bald durch scherzhafte Antworten die Spitze ab und verwendete die ganze Macht ihrer vielen liebenswürdigen Eigenschaften dazu, ihm die Herzen des Volks zu gewinnen.60
Das Hoflager wird von Whitehall nach Hampton Court verlegt. Hätte sie noch lange die beste Gesellschaft London’s um sich versammelt, so würde ihre Freundlichkeit und Leutseligkeit wahrscheinlich noch viel dazu beigetragen haben, den ungünstigen Eindruck, den sein finstres und abstoßendes Wesen machte, zu verwischen. Leider war es ihm jedoch seiner Gesundheit wegen unmöglich, in Whitehall zu residiren. Die Luft von Westminster, vermischt mit den feuchten Ausdünstungen des Flusses, der bei Springfluthen die Höfe des Palastes überschwemmte, mit dem Steinkohlenrauche von zweimalhunderttausend Schornsteinen und mit den mephitischen Dünsten des Kothes, den man damals ungehindert in den Straßen sich anhäufen ließ, war ihm unerträglich, denn er hatte eine schwache Brust und außerordentlich feine Geruchsnerven. Sein unheilbares Asthma machte reißende Fortschritte, und seine Ärzte erklärten es für unmöglich, daß er das Ende des Jahres erleben könne. Sein Gesicht war so leichenhaft, daß er kaum noch zu erkennen war. Diejenigen, welche mit ihm zu verkehren hatten, hörten ihn mit Entsetzen nach Athem ringen und husten, daß ihm die Thränen über die Wangen liefen.61 Und sein Geist, so stark er übrigens war, litt mit dem Körper. Wohl war sein Urtheil noch so klar und scharf als je; aber seit einigen Monaten war eine merkliche Erschlaffung der Energie eingetreten, durch die er sich früher ausgezeichnet hatte; selbst seine holländischen Freunde flüsterten einander zu, daß er nicht mehr der Nämliche sei, der er im Haag gewesen.62 Es war schlechterdings nothwendig, daß er London verließ, und er verlegte daher seine Residenz in die reinere Luft von Hampton Court. Dieses von dem prachtliebenden Wolsey begonnene Schloß war ein schönes Muster der Architectur, welche unter den ersten Tutors in England blühte; die Gemächer desselben aber waren nach den Begriffen des 17. Jahrhunderts nicht ganz geeignet für eine königliche Wohnung. Unsere Souveraine hatten daher seit der Restauration diese Residenz nur selten und nur dann benutzt, wenn sie einige Zeit recht eingezogen leben wollten. Da aber Wilhelm gesonnen war, das verlassene Gebäude zu seinem Hauptwohnsitze zu erwählen, mußte er Bauten und Anpflanzungen vornehmen, was ihm im Grunde gar nicht unlieb war. Denn, wie die Mehrzahl seiner Landsleute, fand er Vergnügen daran, ein Landhaus auszuschmücken, und nächst der Jagd waren Baukunst und Gärtnerei seine Lieblingszerstreuungen. Er hatte bereits in einer sandigen Haide von Geldern ein Paradies geschaffen, das viele Neugierige aus Holland und Westphalen herbeizog. Marie hatte den Grundstein zu dem Schlosse gelegt, und Bentinck hatte die Anlage der Fischteiche geleitet. Es gab dort Wasserfälle und Grotten, eine große Orangerie und ein Vogelhaus, das Hondekoeter zahlreiche Exemplare buntgefiederter Vögel lieferte.63 Der König sehnte sich in seiner glänzenden Verbannung nach dieser Lieblingsresidenz und fand einigen Trost darin, daß er sich an den Ufern der Themse ein zweites Loo schaffen konnte. Bald war eine große Bodenfläche mit regelmäßigen Alleen und Gartenanlagen bedeckt. Viel müßiger Scharfsinn wurde aufgeboten, um das verwickelte grüne Labyrinth anzulegen, das fünf Generationen von Londoner Sonntagsbesuchern mit Staunen und Freude erfüllt hat. Dreißigjährige Linden wurden aus den benachbarten Wäldern dahin verpflanzt, um die Alleen zu beschatten. Künstliche Springbrunnen warfen ihren Wasserstrahl zwischen den Blumenbeeten empor. Ein neues Residenzschloß, zwar nicht vom reinsten Styl, aber stattlich, geräumig und bequem, erstand unter Wren’s Leitung. Das Wandgetäfel war mit dem reichen und zarten Schnitzwerk eines Gibbons verziert. Die Treppenhäuser entzückten das Auge durch Verrio’s herrliche Fresken. In jedem Winkel des Gebäudes zeigte sich ein Überfluß von reizenden Tändeleien, welche englischen Augen noch ungewohnt waren. Marie hatte aus dem Haag eine Liebhaberei für chinesisches Porzellan mitgebracht, und sie legte jetzt in Hampton Court eine große Sammlung häßlicher Figuren und Gefäße an, auf denen Häuser, Bäume, Brücken und Mandarine in haarsträubendstem Widerspruch mit allen Regeln der Perspective abgemalt waren. Diese Mode, welche so von der liebenswürdigen Königin eingeführt wurde, verbreitete sich rasch und weit. Nach wenigen Jahren enthielt fast jedes vornehme Haus im Königreiche ein Museum solcher grotesker Spielereien. Selbst Staatsmänner und Generäle schämten sich nicht des Rufes, den Werth von Theekannen und Drachen richtig schätzen zu können, und die Satyriker wiederholten lange Zeit hindurch, daß eine schöne Dame ihr buntbemaltes Porzellangeschirr eben so hoch halte als ihren Affen und viel höher als ihren Gatten.64 Doch der neue Palast wurde auch mit Kunstwerken andrer Art ausgeschmückt. Es ward eine Gallerie für die Cartons von Raphael gegründet. Diese herrlichen Bilder, damals und noch heute die schönsten diesseits der Alpen, waren durch Cromwell vor dem Schicksale bewahrt worden, das die meisten anderen Meisterwerke der Sammlung Karl’s I. getroffen; aber man hatte sie viele Jahre in ihren hölzernen Kisten ruhen lassen. Jetzt wurden sie aus dem Dunkel hervorgezogen, um von den Künstlern mit Bewunderung und Verzweiflung betrachtet zu werden. Die Kosten der Bauten und Einrichtungen von Hampton Court waren ein Gegenstand bitterer Beschwerde für viele Tories, welche die grenzenlose Verschwendung, mit der Karl II. die Wohnung der Herzogin von Portsmouth gebaut und umgebaut, möblirt und anders möblirt, nur sehr mild getadelt hatten.65 Die Kosten waren jedoch nicht der Hauptgrund der Unzufriedenheit, welche Wilhelm’s Residenzwechsel erregte. Es gab keinen Hof mehr in Westminster; Whitehall, einst der tägliche Sammelplatz der Vornehmen und Mächtigen, der Schönen und Heiteren, der Ort, wohin Dandies kamen, um ihre neuen Perrücken zu zeigen, Ritter der Galanterie, um mit schönen Damen zu liebäugeln, Politiker, um ihr Glück zu verfolgen, Müßiggänger, um Neuigkeiten zu hören, Landedelleute, um die königliche Familie zu sehen, war jetzt, zur lebhaftesten Zeit des Jahres, während London mit Fremden und Einheimischen gefüllt und das Parlament versammelt war, gänzlich verödet. Eine einsame Schildwache schritt auf dem von Gras überwucherten Pflaster vor dem Eingange auf und ab, der einst zu eng gewesen war für die sich begegnenden Ströme der kommenden und gehenden Höflinge. Die Dienste, welche die Hauptstadt dem Könige geleistet, waren groß und noch neu, und man meinte, er habe diese Dienste wohl besser vergelten können, als damit, daß er London behandelte, wie Ludwig Paris behandelt habe. Halifax hatte den Muth, dies anzudeuten; aber wenige Worte, die keine Erwiederung zuließen, brachten ihn zum Schweigen. „Wollen Sie, daß ich sterbe?“ sagte Wilhelm in gereiztem Tone.66