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Gesänge gegen den Tod

Die Liebe spricht. Ein Spiel des Schmerzes auf der Straße am Krönungstag des Königs.

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Die Liebe spricht:

Auf allen Straßen staut sich königliche Pracht. Horch, wie es jubelt, jauchzt und lacht! Ich will, was sich bewegt fühlt auf den Straßen, weg von der Leber reden lassen. Vielleicht löst sich ein heller Schrei aus einer dunkeln Kehle frei, heut, da in königlicher Pracht ach, alles jubelt nur und lacht.

Das Spiel.

Das Pflaster:

Besinnung ist an solchen Tagen schwer, wenn alles Leben wirrer rauscht, ich glaub, es ist ein Menschenalter her, daß Schmerz sich wieder über Schmerzen bauscht. Mich martert jeder Pferdehuf, der Tritt der Menschen, der vertausendfacht mich trifft, und niemand, niemand leidet mit, ach, alles jubelt nur und lacht.

Die Gäule:

Uns zwingt ein Hoflakai, uns schlägt der Strang, Geschirr zwängt unsern Atem ein und Zügel foltern uns den Weg entlang vor einem fremden, goldnen Schrein. Wir liefen lieber wild, statt unsern Schritt zu opfern für den König, der die Pracht genießt; wir leiden, niemand leidet mit, ach, alles jubelt nur und lacht!

Die Tannenzweige:

Wir lebten seliggrün am jungen Baum, die Säge hatte keinen milden Zahn, die schauerndkalte Schere keinen Traum, wir fielen, drängten uns zu Kränzen an. So sterben wir am wunden Schnitt, wenn alle Straße lebt; das macht uns traurig; ach, und niemand trauert mit, ach, alles jubelt nur und lacht!

Die Fahne:

Mich krümmt der Wind. (Umsonst scheint all mein Tun.) Er foltert mich von Raum zu Raum, und meine Sehnsucht, feierlich zu ruhn, war nur ein falschgefaßter Traum. Schon oft, weiß ich, daß ich am Galgen litt, und stets hat sich mein Haß entfacht, ich leide nur und niemand leidet mit, ach, alles jubelt nur und lacht!

Der Königswagen:

Ich schnaufte einst als Baum im Frühlingswind, versteckte mich als Gold im harten Erz, da formte mich ein gieriges Gesind zum Wagen um und alle Lust zum Schmerz. Nach freien Wäldern singt mein runder Schritt, ich bin ein Sklave königlicher Pracht, ich leide, niemand, niemand leidet mit, ach, alles jubelt nur und lacht!

Das Kind:

Wenn ich doch auch ein goldner König wär, ich trüge Tag und Nacht die Perlenkron, im goldnen Wagen reiste ich umher und kaufte Schokolade und Bonbon. Aber mein Schaukelpferd ist ohne Schritt, aus dünner Pappe Helm und Geld gemacht; ach, wenn ich König wär, ich lachte mit, wenn alles jubelt, jauchzt und lacht!

Die Mutter:

Wie blitzt verhöhnend jedes Bajonett! Vielleicht durchblutet bald ein Krieg das Land; ich sehe schon ein großes Schollenbett und eine abgeschossne Jünglingshand. Mein Sohn, mich schmerzt dein strenger Schritt, der wehen Takt mit hundert andern macht; ich bin so traurig, niemand trauert mit, ach, alles jubelt nur und lacht!

Der Vater:

Ich schaffte Münzen ein mit heißem Fleiß und baute mir ein Nest am eignen Herd, nicht eine Tagesstunde stockt der Schweiß, es härtet sich die Hand die uns ernährt. Ich fühl, wie jeder Steuerpfennig drückt, der König aber fährt in goldner Pracht; all meine Lebensfreude ist zerstückt, ach, alles jubelt nur und lacht!

Der König:

Ich nicke, weil ich dankend nicken muß, ich fahre als ein Sklave durch den Tag und meine Fahrt gleißt andern zum Genuß, Gott weiß, wo die Pistole lauern mag. Vielleicht ein Schuß im nächsten Augenblick — im Blut ertrinkt die lügnerische Pracht: Ich bin das einzig traurige Geschick, wenn alles jubelt, jauchzt und lacht!

Die Liebe spricht:

Habt, ihr am schwangern Jubeltag gehört, wie jedes Herz sich aus dem Trug empört? Daß jedes glaubt, es sei im Schmerz allein, erlöst zu seinem eignen Seligsein, weil jedes trachtet und nach innen ringt daß auch in ihm die Lust der andern singt. Im Schmerz lebt unerschöpfter seliger Sinn, weil ich mit ihm in allen Dingen bin.

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