T.
Reading edition
Taifun, der. Der mit Recht so gefürchtete ostasiatische Wirbelsturm. Das Wort kommt nach einem mir zugegangenen sachverständigen Urteil von der Kantoner Aussprache zweier Charaktere, die sich hier nicht für das Auge wiedergeben lassen, die aber für das Ohr tai fung lauten. „Tai heißt „groß‟ und fung „Wind‟. Nun nennen zwar die Chinesen jeden starken Wind tai fung, während sie für einen Taifun noch den speziellen Ausdruck fung kü haben. Sie sagen ta fung ku. Das ta entspricht dem französischen il fait. Die aus dem Chinesischen kommenden Ausdrücke beruhen ja nicht immer auf der gründlichsten Kenntnis der chinesischen Sprache. Da tai fung außerordentlich häufig (auch schon in der Kinderstube, aus der und von deren Amah's sich wohl vielfach die Kenntnis chinesischer Wörter seitens der früheren Europäer herleiten wird) gehört wird, und da überdies ta fung kü wieder so ähnlich klingt, so glaube ich, braucht man keinen Zweifel zu hegen. — Merkwürdig ist das Verschwinden des g am Ende. Die Engländer schreiben wie taifoon auch Kowloon für kau lung („Neun Drachen‟) die chinesische Stadt und daher auch die britische Halbinsel Hongkong gegenüber. Ich erkläre mir das aus dem Nasenlaute der Portugiesen (von Makao her) und des Französischen der alten katholischen Missionare. So auch Kanton statt Kwang-tung oder Kwang-tong; Tonkin statt Tong king oder Tung-king. Daß der Laut der Kantoner Aussprache für die Europäer maßgebend geworden ist, findet sich auch in dem Worte Japan (japanisch Nippon), von der Kantoner Aussprache Jat pun (mit verschlucktem, kaum hörbarem t in jat). Jat heißt Sonne, pun heißt Ursprung oder Aufgang.‟
Takel, das, ein „Flaschenzug‟, Windezeug aus zwei oder mehreren Blöcken (s. d.). Niederländisch, dänisch und schwedisch takel, englisch tackle, französisch palan à itague, etague, itacle, itagle, itaque. Von einem Stamme mit Tau. Früher die Gesamtheit aller Taue, überhaupt des ganzen Segelwerkes, wie aus der Zusammenstellung „Vor Top und Takel‟ hervorgeht. — Kilianus Duffl hat Takel in dreierlei Bedeutung 1. tackel = trajectus, transenna, funis latus in utraque fluminis ripa alligatus, ut pontonem dirigat et provehat. 2. tackel sax: trosse, remulcus. 3. taekel = hofd-touwe = funis nauticus major, also Gien. — Es liegt nahe, an das gotische tagl = Haar zu denken, althochdeutsch zagil, angelsächsisch tägel, englisch tail, altnordisch tagl, cauda, besonders equina, da man ja wohl von je her Taue aus Pferdehaar gekannt hat und die Frauen in Syrien in schwerer Kriegszeit sogar ihre Haare abschnitten zu Schiffstauen, vergl. jedoch Tau, s. a. Gut. Über die Zusammenstellung „Takel und Mantel‟ s. Mantel. — Das Takel wird erst durch das Hinzukommen des Mantels ein Takel; ohne Mantel ist es eine Talje (s. d.).
Takelage, die, die Gesamtheit alles dessen das zum Segeln gehört. Das Wort hieß mittelniederdeutsch takelaghe und wird damals kaum takelasche ausgesprochen worden sein, wiewohl diese Bezeichnung eines Sammelbegriffes, die im Mittelniederdeutschen oft vorkommt, kaum anders als unter französischem Einfluß entstanden sein wird. Hätte es auf dem Wege seiner ferneren Entwickelung das h behalten, dann wäre überhaupt kaum jemand auf den Gedanken gekommen, es Takelasche auszusprechen. Übrigens ist die Form des Sammelbegriffes in diesem Falle ganz überflüssig, da Takel ursprünglich für sich allein schon ein solcher Begriff war. — Im 18. Jahrhundert, in der Zeit der Fremdländerei, scheint sich erst die Aussprache asche festgesetzt zu haben. Wenigstens finden wir da erst Segelasche und, was dasselbe, Seilasche gedruckt. Der moderne Sprachgebrauch hat an der Endung solches Wohlgefallen gefunden, daß er sogar Stellasche, Kledasche und — Fressasche spricht. Kilian hat die Form taekelinghe; Takelung (s. d.) ist aber jetzt etwas anderes. — In Ostfriesland wird heute noch nicht Takelasche, sondern Takelasje gesagt, wie denn überhaupt alle die zahlreichen Wörter mit der Sammelendung -age so ausgesprochen werden.
Takeln, betakeln, auftakeln, abtakeln, Takelung s. Takler.
Takler, der. Jeder rechte Seemann muß ein Takler sein, d. h. die Arbeit des Takelns verrichten, eine Takelung herstellen, ein Ende betakeln und beim Auf- oder Abtakeln eines Schiffes seinen Mann stellen können. Alle diese Wörter kommen ja schließlich auf eines hinaus: seemännisches Vermögen mit dem Tauwerk richtig umgehen zu können und ihm die Gestalt und Beschaffenheit zu verleihen, in der es an seinem Orte und zu seiner Bestimmung gebraucht wird. — Insonderheit heißt betakeln das abgeschnittene Ende eines Taues so mit einem Bändsel befestigen, daß die Kardeele nicht aufgehen. Takeln überhaupt heißt splissen und knoten und dergl. Will man eine derartige Arbeit ganz allgemein bezeichnen, so nennt man sie eine Takelung. Wird ein Schiff in Dienst gestellt und es bekommt seine Segel und sein Tauwerk und es wird alles an seiner richtigen Stelle gesetzt und geschoren, so heißt das auftakeln, das Gegenteil davon aber abtakeln. — Auf der Werft hat man eigene Takler und eine besondere Werkstatt für sie. — Ein Frauenzimmer, das sich sehr geputzt hat ist „mächtig aufgetakelt‟; doch sagt man auch ohne Vorwurf „fein aufgetakelt‟, s. Takel.
Talfahrt, die, ist bei der Flußschiffahrt die Fahrt den Strom abwärts, während die Fahrt in umgekehrter Richtung Bergfahrt heißt. — Talweg ist der Stromstrich, die Mitte eines Flußes. So wurde am 9. Februar 1801 zu Lunéville, als man das alte deutsche Reich über den Haufen warf, unter Zustimmung von „Kaiser und Reich‟ beschlossen, der Talweg des Rheins solle die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich sein.
Talje, die, ist ein an Bord völlig unentbehrliches Werkzeug, ein Flaschenzug, der oben einen zweischeibigen (Violin-) Block und unten einen einscheibigen Block hat. Die beiden Blöcke sind durch ein Tau verbunden, das, da es über die Scheiben der Blöcke läuft, Läufer heißt, Taljenläufer. — So wie die Talje sich zunächst dem Auge darstellt, nämlich in unbenütztem Zustande, sind die beiden Blöcke noch zusammen, so daß sie wie ein Ganzes aussehen, das in der Mitte einen Einschnitt hat. Von diesem (allerdings nur scheinbaren) Einschnitt kommt der Name. Man kann auch an den Einschnitt denken, der den Violinblock in zwei (ungleiche) Teile teilt. — Französisch heißt der Schneider bekanntlich tailleur, der Einschnitt taille, einschneiden, schneiden tailler; italienisch taglia, spanisch taja, talla, portugiesisch und provençalisch talha = Schnitt, Einschnitt, Wuchs. Das geht alles auf das lateinische talea = abgeschnittenes Stück zurück; (daher auch Detail und Talon). Kilian hat talie = incisura. Niederländisch (1702) taalie. Da die Franzosen den Flaschenzug nicht taille sondern palan nennen, so scheint Talje direkt aus dem Mittelmeer ins Niederdeutsche getragen worden zu sein; gewiß schon früh, denn solch ein handliches und brauchbares Hilfsmittel werden sich die friesischen Kreuzfahrer sicher nicht haben entgehen lassen.
Tamp, der. Jedes Tauende, abgeschnitten oder nicht, heißt Tamp, auch der Tampen. Das Ursprüngliche dürfte das abgeschnittene kurze Ende sein; nämlich das Ende, das zur Aufrechterhaltung der Ordnung dient, wie bei uns in der Schule der Haselstock und in China der Bambus; der Tamp in der Hand eines schneidigen Stabswachtmeisters, eines Mannes, den man früher Rumormeister nannte und von dem Leonhart Frohnsperger im Kriegsbuch berichtet, wenn die Kriegsleute sich nicht mit einander vergleichen (vertragen) wollten, dann habe er „einen Vergleicher, ist ungefährlich eines Armes lang.‟ Doch ist das Schlagen der Mannschaft jetzt verboten. Nur Schiffsjungen bekommen noch mit diesem Vergleicher ihre Strafe, mit einem Tau, „ungefährlich eines Armes lang‟; es geht aber auch ganz gut mit dem nicht abgeschnittenen Ende irgend eines grade in der Nähe aufgeschossenen laufenden Gutes. Tamp ist wohl Nasalierung vom niederdeutschen tap, wie tampon von tapon; tap aber bedeutet einen Schlag, einen „Klapps‟; ein Tamp war also ursprünglich das Tau oder der Teil eines Taues, mit dem ein Klapps gegeben wurde und ist dann nach und nach in die allgemeine Bedeutung Tauende übergegangen.
Tänk, der, ist ein an Bord gebräuchlicher Aufbewahrungsbehälter für Wasser, Petroleum, Öl u. s. w., überhaupt für Flüssigkeiten, Wein, Bier etc. etc. ausgenommen; eine Art Cisterne, ein größeres, oft viereckiges, sonst auch dem Raum angepaßtes Gefäß. — Ein Tänkschiff ist ein solches das eingerichtet ist, Petroleum ohne die Fässer in sich aufzunehmen, so daß es drüben in Amerika in die entsprechenden Behälter eingepumpt und hüben wieder ausgepumpt wird. — Das Wort kommt aus dem Englischen, wo es tank heißt. Und zwar ist da, wie die englischen Provinzialismen und das Schottische beweisen, ein s im Anlaut abgefallen. Es stammt vom lateinischen stagnum, eine Pfütze stehenden Wassers (daher auch stagnieren); italienisch stagno, spanisch estanque, altfranzösisch estanc, neufranzösisch étang.
Tau, Tauwerk, das, ungefähr gleichbedeutend mit Seil. Ursprüngliche Bedeutung ist: Werkzeug zum Ziehen, hernach so erweitert, daß jedes beliebige Werkzeug ein Tau genannt werden konnte und man sogar von einem vartouwe = Wagen und von einem schriftau = Schreibzeug gesprochen hat. Tau hat also dieselbe allgemeine Bedeutung wie unser Zeug, das auch mit ihm zusammen eines Stammes ist, verwandt mit dem lateinischen ducere. Gotisch taujau = tun, machen; also jedes Werkzeug mit dem man etwas tut. Althochdeutsch ziohan, (altsächsisch tiohan), ziehen, oder zawjan, machen, davon althochdeutsch zawa, Seil, Strick, Werkzeug, Webergerät, Fuhrwerk, Wagen, Schiffsgerät, Schiffstau. Dieser zwar vielseitige aber im Grunde doch immer auf ein Ziehen mit der Hand, also auf Handwerk, Handarbeit hinauskommende Gebrauch des Wortes erinnert an das französische manoeuvre aus eben demselben Grunde Tau bedeutend, und zwar heißt sinnreich das laufende Gut manoeuvres courantes oder coulantes und das stehende Gut manoeuvres dormantes (vergl. „schlafendes Auge‟ in der Botanik). Tauwerk ist das noch unverarbeitete Gut, so wie es vom Reepschläger kommt; Hanftauwerk, Manilatauwerk, neuerdings auch Drahttauwerk.
tauen, (vertauen, vertäuen) (mit einem Tau) ziehen, ein Schiff von der Stelle ziehen und an einem anderen Orte wieder festmachen, alles vermittelst eines Taues. Aubin unterscheidet zwischen toüer und remorquer (s. Remorqueur): „Remorquer signifie le changement de place qu'on fait à un vaisseau par le moien d'un bâtiment à rames (so wurde die schwedische Fregatte „Eugenie‟ in der Magellanstraße aus dem Bereiche eines der daselbst so heftig, aber örtlich beschränkt wehenden Wirbelwinde durch ihre Boote um eine Felsenecke getaut oder vertaut, wo es totenstill war) et toüer signifie le même remuëment par le moien du cabestan ou par la hansiére.‟ — Ist das Schiff an der Stelle angekommen wo man es haben will, so wird es festgemacht, an einem Bollwerk, einer Pier, einer Boje; insofern solches mit einem Tau geschieht heißt es vertäuen, wangerländisch vertojen. — In Holland heißt aanturen ein Tier zum Weiden mit einem Tau festbinden, ostfriesisch tüddern, daher vertüddert oder vertütert anstatt „unklar‟, verwirrt, bei Stricken, Bindfaden, Nähgarn.
Taube Jütte, die s. Davit.
Taube Gezeit s. Nipflut.
Teakholz, das. „This timber is excellent for ship-building, and has been called the oak of the East. It works easily, and, though porous, is strong and durable; it is easily seasoned and shrinks but little, and from containing a resinous oil it resists the action of water, and repels the attacks of insects of all kinds.‟ Es ist das Holz der Tectona grandis aus der Ordnung der Verbenaceen, die in Indien, auf Ceylon und den Molukken bis zu gewaltiger Höhe wächst und sehr breite und lange Blätter hat. Teak ist ein tamilisches Wort.
Teer, der, ein aus Fichten, Kiefern etc. etc. durch Brennen gewonnenes, mit harzigen Teilen vermischtes dickflüssiges Öl, das Tauwerk, Holz, Segeltuch u. dergl. gegen die Einwirkungen des Wetters, besonders der Feuchtigkeit schützt. Matrosen, die grade mit Teer umgehen, sehen nicht besonders reinlich aus. Sie tragen dann besondere Anzüge, Jacken, denen kein Teer mehr etwas schaden kann. Daher sie nicht bloß Blaujacken, sondern auch Teerjacken genannt werden. Viele Leute lieben den Teergeruch. — Als etwas das vom Baume kommt hat Teer den Namen empfangen. Gotisch triu = Baum, Holz; englisch tree; vergl. -der in Wachholder, Maßholder, Holunder; die indogermanische Grundlage ist derw — , griechisch drüs, Eiche; Sanscrit daru = Baum. Littauisch derwa, finnisch derwas, lappisch tarwas, Kien = Harz = Teerholz; esthnisch terw, finnisch terwa, gädhelisch tearr, kymrisch tar, bretonisch ter = pix. „Die Entwicklung der Formen deutet auf Osteuropa als Heimat des Wortes, die keltischen Wörter sind dann aus dem Deutschen entlehnt.‟ — Das Wort kommt Hochdeutsch erst 1556 vor, war aber im ganzen niederdeutschen Sprachgebiet früh verbreitet. Im Beòwulf heißt niw-tyrwed neugeteert, niw-tyrwedne naca, ein neugeteertes Schiff.
Tender, der, „a small vessel employed to attend a larger one for supplying her with provisions and other stores, or to convey intelligence and the like.‟ Also ein kleineres Schiff, das einem großen beigegeben ist, um seinen Verkehr mit dem Lande zu vermitteln, von einem Schiffsboot oder einem Beiboot dadurch unterschieden, daß es nicht an Bord des größeren Schiffes genommen werden kann, weil es dazu zu groß ist, und daß es seine eigene ständige, aber vom größeren Schiffe abhängige Besatzung hat, auch einen Offizier vom Stabe des Schiffes als Kommandanten. — Bekanntlich heißt Tender auch der der Lokomotive eines Eisenbahnzuges beigegebene Wagen, der sie mit Kohlen etc. etc. versieht. — Das Wort kommt vom lateinischen tendo, spannen, anspannen, irgendwohin richten, lenken, reichen, darreichen, für etwas sich bemühen, arbeiten, ein Zelt aufschlagen, lagern. Tender ist also mit Intendantur gleicher Herkunft.
Tide, die, ist — vergl. Gezeiten — die Zeit von Ebbe und Flut, die Flutzeit, die Flutperiode, die zeitliche Zusammensetzung einer Ebbe und einer Flut; doch wird an der Nordseeküste das Wort so gebraucht, daß man dabei eher geneigt ist, an Flut zu denken als an Ebbe. Soll letztere gemeint sein, so muß das schon besonders irgendwie angedeutet werden, entweder dadurch, daß man nach Breusing „taube Gezeit‟ oder nach Dornkaat „dode ti‟ (ostfriesisch heißt tide auch tie und ti) sagt, namentlich zu der Zeit, wo der Mond im Viertel steht, während eine tide zur Zeit des Voll- oder Neumondes spring-tide heißt. — Das Wort Tide ist von vielen für englisch gehalten und Teid ausgesprochen worden. Mit Unrecht; denn schon 1400 im Seebuch kommt es als gut deutsches Wort vor, und zwar in den Formen tide und tyde. „mit halver tide‟; „en quarter, dordendeel, twedeel tydes‟; „myt ener halven tiden‟; auch in der Mehrzahl: „de tyde van Calismains, Engelant.‟ 1588 hat Waghenaer das Wort in drei Formen: getijden, ghetijden und tije, auch spricht er der größeren Deutlichkeit halber wohl auch einmal von watergetijde.
Tidehafen, der. In diesem Worte tritt es deutlich zu Tage, daß, ob zwar eine Tide Flut und Ebbe bedeutet, die Flut doch den gewichtigeren Teil der Verbindung ausmacht, denn ein Tidehafen ist soviel wie ein Fluthafen, nämlich ein offener, nicht durch eine Schleuse geschlossener Hafen, der nur zur Zeit des Hochwassers zugänglich ist. — Die gangbare niederländische Zusammenziehung tij für tide war schon Waghenaer 1588 sehr geläufig; er spricht häufig von „tij hauen,‟ ja sogar von Tijbuckinghen als den besten, die natürlich in Holland verzehrt werden, während die minderwertigen Maertschen Buckingh die Elbe hinauf nach Deutschland, Böhmen, Ungarn und bis zur Türkei gehen, „al waer de selve Buckingh voor de goede leckernye mede vercocht, gesleten ende gheconsumeert wert.‟
Tief, das, ist im seemännischen Sprachgebrauch ein Fahrwasser, und zwar mehr eine Fahrwasserrinne zwischen Untiefen, im Watt, zwischen zwei Inseln; eine Strecke, die tief genug ist für Schiffe. Dep heißt sonst niederdeutsch Graben, Kanal, Fluß, niederländisch diep (Nieuwediep, sprich Nüwediep), englisch deep, Tiefe, See, Meer; „Anything remarkable for depth, sea, ocean.‟ Hochdeutsch die Tiefe, aber im weitern Sinne, so daß es nicht bloß Meerestiefe, sondern (Luther) überhaupt Meer bedeutet.
Tiefgangsmarke, s. Ahming.
Tiefladelinie, die, ist eine außenbords an einem Handelsschiffe angebrachte, durch einen Kreis gezogene horizontale Linie, die anzeigt, wie tief ohne Gefahr für Schiff, Ladung und Mannschaft ein Fahrzeug geladen werden darf. Das richtet sich nach der Bauart und Güte des Schiffes, nach der Art der Ladung und besonders auch nach dem Bestimmungsort, indem ein Schiff für große Fahrten nicht so tief geladen werden darf, wie ein Binnenfahrer. — Es wäre zu wünschen, daß ein allgemeines deutsches Tieflademarkengesetz gegeben würde.
Tieflot, das, hieß sonst das „schwere‟ oder „große‟ Lot, ein Lot, das dazu dient, größere Tiefen auszuloten als das Handlot es vermag, s. loten. Da zum Auswerfen des Tieflotes Leute am Bug und am Heck des Schiffes beschäftigt sind, so verständigen sich diese unter einander durch Aussingen, wobei der berühmte Vers ausgesungen oder gerufen wird: Warschau von untere, Kabliau und Flundere, Jetzt kommt das große Lot Und schlägt euch alle tot. „Men mut ock nicht allein up de Gissing tho Warck gahn, den Gissung maket bewilen Missung, de Hulp middelen, alß dat Duiep Loet, mut flitig in acht genahmen werden, vornehmlich in der Nord-See, und sünst dar men underschetlicke Gründen hefft; welckes bewilen gude Narichtunge gifft.‟ „Kunst der Seefahrt,‟ 1673.
Timmerstek s. Stek.
Tjalk, die, ein kleineres, ziemlich breites, kurzes, rundes Fahrzeug für Küstenschiffahrt mit einem Pfahlmast und einem Farunner. Im Niederdeutschen und besonders im Ostfriesischen, wo die Tjalk zu Hause ist, schreibt man in Folge der eigentümlichen Aussprache des j im Anlaut oft anstatt j ein tj, man sagt sogar oft tja anstatt ja. Dieser Umstand läßt für Tjalk auf eine ursprüngliche Form Jalk schließen. In der Tat kennt und hat auch das „Bremer Wörterbuch‟ noch diese Form. So geht das Wort also auf Jolle (englisch yawl, yal) zurück und dürfte eine Diminutivform davon darstellen, die über Jolleken, Jolken, Jolk sich entwickelt hat; kann man doch Tjalk auch Tjolk aussprechen hören. Es ist dabei zu bedenken, daß Jolle, wenn sie wirklich durch die Phönizier mit ihrem gaulos an unsere Küsten gelangt ist, damals kein so kleines Boot war wie heute, sondern ein seegehendes Fahrzeug.
Tonne, die.
1. Ein Seezeichen, das ursprünglich aus einer Tonne bestand, jetzt aber aus Eisen gefertigt wird und einer Tonne wenig mehr ähnlich sieht. Aber der Name ist geblieben und hat sogar dienen müssen zur Zusammenfassung der Tonnen, Bojen, Baken, Spieren in den einen Begriff Tonnenwesen. Die Schiffe, die dergleichen Seezeichen legen und überhaupt in Ordnung halten, heißen jetzt Tonnenleger, Dampftonnenleger. Früher, z. B. zur Zeit der langen Oldenburgisch-Bremischen Weserzollstreitigkeiten, hießen sie Tonnenbojer. Da die Abgaben der Schiffe zunächst zur Unterhaltung der Seezeichen bestimmt waren, so heißen sie noch heute Tonnengelder.
2. Spricht man von Tonne im Sinne von Tonnengehalt. Dieser bedeutet die Zahl der Tonnen, die ein Schiff mit Sicherheit zu tragen vermag, bezw. die Anzahl der Registertonnen als Raummaß für die Schiffsvermessung; eine solche Tonne mißt 2,832 cbm; während eine Tonne als Schiffslast 1000 Kgr. wiegt.
Schon frühzeitig ist man im Betonnen eines Fahrwassers von der eigentlichen Tonnenform der größeren Deutlichkeit der Unterscheidung zuliebe abgewichen. Namentlich in den Niederlanden war es Gebrauch, Tonnen auszulegen, die oft mit einer Tonne gar keine Ähnlichkeit hatten. Waghenaer, „Spiegel der Zeevaerdt‟ 1588, schreibt: „Op alle de stroomen van Hollandt, Vrieslandt ende Zeeland, sijn de tonnen aent opperste rondt en breedt, ende afgaende aent neerste eynde smal ende scherp als hier aan gheteeckent staet (folgt Abbildung eines Dinges, das wie ein Trichter aussieht), sijn swert ghepeckt of geteert, ligghen al meest op de rechter hant int wantzeylen aen de slincker int inecomen, ende aen de ander sijden op de sanden ofte platen staen gemeenlijk de Baeckens met korven bouen op in deser manieren (folgt Bild einer Bake: eine Stange mit einem runden korbgeflechtartigen Ball darauf) op datmerse te verder sien maech. Ende waermen eenige holken oft sanden soude mogen onderseylen, sijn (om dat de verhoeden) witte tonnen gelegt van dessen fatsoene (Bild einer richtigen Tonne) ende legghen altijt op de contrarie sijde van de voors. swerte tonnen.‟
Tonnenbojer, der. Ein Schiff, dazu bestimmt Tonnen und Bojen auszulegen, wangerländisch tunbujer. — Als die Bremer dem Grafen Anton Günther von Oldenburg, ja dem Kaiser und Reich mit Gewalt entgegentraten um einen den Oldenburgern vom Kaiser bewilligten Weserzoll zu hindern, war das Mittel der Gewalt — ein einziger „Tonnenboyer‟. Der genügte der freien Reichs- und Hansastadt Bremen, um viele Jahre lang die Absicht des Kaisers und des Grafen zu hindern. Wir haben an ein Schiff zu denken ähnlich einem Zollkreuzer, mit einigen Kanonen, für gewöhnlich friedlicher Beschäftigung obliegend, aber gelegentlich zu kriegerischen Zwecken verwendet. Übrigens hatte man früher auch gewöhnliche kleinere Handelsschiffe, die Bojer hießen, aber mit dem Legen von Bojen nichts zu tun hatten, sondern nur nach dem Vorbilde der (Tonnen-)Bojer gebaut waren; kleine Fahrzeuge mit nur einem Maste, die kaum die hohe See hielten, wie aus einer alten Nachricht erhellt: „anno 1525 im pasken (Ostern) segelde Herm. Euers (Evers) mit enem bojer mit enem smaksegel in Engelant, das touoren angehört was.‟
Topp, der, in der Einzahl richtiger: Top. Spitze, Äußerstes, Höchstes; höchste Spitze des Mastes, dann auch in der Verbindung Vortop, Großtop, Kreuztop den ganzen betreffenden Mast bedeutend mit allem was drum und dran ist, so daß pars pro toto genannt ist, wie man Dach für Haus, Köpfe oder Seelen für Menschen, Segel oder Kiel für Schiff sagt. Topp, eigentlich im Singular bloß Top, ist nichts anderes als Zopf, nur mit unverschobenem An- und Auslaut. Das niederdeutsche Sprachgebiet in seiner zähen Art hat die hochdeutsche Lautverschiebung von Konsonanten welche im Germanischen aus indogermanischen Verschlußlauten entstanden waren, nicht mitgemacht. Von dieser hochdeutschen Verschiebung sagt Wilmanns, daß sie besonders lehrreich sei, „weil sie sich zum großen Teil vor unseren Augen vollzieht und genauere Einsicht in die stetig fortschreitende Änderung der Konsonanten und die sie regelnden Kräfte gewährt.‟ „Der Beginn der Verschiebung fällt in die Zeit vom 5. bis 7. Jahrhundert unserer Zeitrechnung und deshalb sind ihr auch viele romanische Lehnwörter, die bis zum 8. Jahrhundert ins Deutsche aufgenommen sind, unterlegen. Von Oberdeutschland geht die Bewegung aus; die Sprache der Langobarden, Bayern, Alemannen und eines Teils der Franken wird von ihr ergriffen; je weiter nach Norden, um so schwächer wird die Wirkung.‟ An Top ist sie wirkungslos geblieben. Im Althochdeutschen ward die Tenuis des Anlauts durch das homogene Reibungsgeräusch von t affriziert, also von s, und so ward aus t ein z. Das homogene Reibungsgeräusch von p ist f, die Affrikation von p ist also pf. Da aber Top sich, wie gesagt, nach niederdeutscher Eigentümlichkeit an diesen Affrikationen nicht beteiligt hat, so ist es bis auf diesen Tag Top geblieben. Daß Top = Zopf aber für Mastspitze gebraucht werden konnte beweist uns, daß Zopf ursprünglich nicht das herabhängende, geflochtene Haar, sondern den „Schopf‟, das nach oben zusammengefaßte und -gebundene Haar, den obersten Scheitel (toupet) bedeute. Wenn Shakespeare sagt: „To take the present time by the top‟; so meinte er ja damit auch nicht die Stirnlocke, sondern vielmehr den Teil des Haarwuchses, an dem man etwa einen Ertrinkenden zu packen hätte, um ihn aus dem Wasser zu ziehen. — Im Niederländischen heißt top so allgemein das Oberste, Äußerste, „die Krone‟ von etwas, daß man sogar vom „top van den vinger‟ spricht.
Top und Takel. Vor Top und Takel segeln heißt, ohne jegliches Segel zu setzen sich dem Sturme preisgeben, so daß also lediglich das Schiff selbst und seine Takelage dem Sturme eine Angriffsfläche bietet. Es liegt auf der Hand, daß das äußerste Gefahr bedeutet und auf Leben oder Sterben geht. Darum heißt französisch das „aller à mats et à cordes‟ auch „aller à la dérive, aller à Dieu et au tems‟ (Aubin, 1702). Dänisch: „med top og tavl‟, ganz und gar, mit Kopf und Schwanz, mit Haut und Haaren. In Holland, überhaupt bei allen seefahrenden Völkern sind ähnliche Redewendungen in Gebrauch; „over Gods genaade drijven‟; „sig aan het geweldt der winden en baaren (Wellen) overgeven.‟
Toppnant, weiblich. Toppnanten sind „Taue, die an beiden Nocken der Rahen und am Top des Mastes oder auch unter dem Eselshaupt durch einen Block aufs Deck hinunter fahren, diese Taue dienen die Rahen horizontal zu erhalten oder sie auch nach Umständen gegen den Horizont zu neigen‟, vergl. Kajen. Treffend heißen die Toppnanten französisch balancines. „On s'en sert pour tenir la vergue en balance, lors qu'elle est dans la situation naturelle, ou pour la tenir haute et basse, selon qu'il est à propos‟ (Aubin). Was das Wort selbst betrifft, so vermute ich, daß Toppnant nichts weiter ist als eine Verkürzung von Toppenende, das zuerst Toppnend geheißen haben mag und dann ohne Rücksicht auf die Herkunft, vielleicht bei Aufnahme in die neuhochdeutsche Seemannssprache, bei welcher Gelegenheit an gar manchem Orte gesündigt wurde, die gegenwärtige Gestalt erhielt. Daß „Ende‟, das Ende eines Taues, für das Tau selbst gebraucht wird, siehe unter Ende. — Die Rahe mittelst der Toppnant auf und nieder bewegen heißt sie toppen.
tot wird in der Seemannssprache in folgenden Verbindungen gebraucht:
1. Totes Gewicht s. Deplacement.
2. Totes Werk. So nennt man den Teil des Schiffes, der über der Schwimmebene liegt, also den Teil des Schiffskörpers, der sich über Wasser befindet. Tot ist dieser Teil, weil er nicht hilft Wasser verdrängen, weil er also nicht mit trägt, sondern getragen werden muß.
3. Totes Holz. So heißen die Kielklötze. Sie heißen so im Gegensatze zu dem lebendigen, beweglichen Schiffe.
4. Tot segeln. Den Strom tot segeln, heißt, gegen den Strom so viel Fahrt machen, daß man ihn überwindet und trotz des Stromes noch vorwärts kommt, seinem Ziele sich nähert. Ein Schiff tot segeln, heißt, es überholen, ihm vorbeikommen, also schneller segeln als es.
toppen s. brassen und toppen.
Törn, der, s. Seetörn.
Torpedo, der. In der Kaiserlichen Marine versteht man unter einem Torpedo ziemlich ausschließlich einen Offensiv-Torpedo (während die Defensiv-Torpedos Minen genannt werden), also das bekannte zigarrenähnliche Geschoß, mit Schießbaumwolle geladen, von komprimierter Luft durch eine kleine Schraube getrieben, unter Wasser sich mit ziemlicher Geschwindigkeit auf ein feindliches Schiff zu bewegend, um da zu explodieren und das Ziel in die Luft zu sprengen. Das Nähere gehört nicht hierher, ist auch in tiefes Geheimnis gehüllt. — Nur muß bemerkt werden, daß fälschlicherweise im Binnenlande und sogar auch in Kriegshafenstädten oft Torpedo gesagt wird, wo man ein Torpedoboot meint, nämlich ein Boot, das lediglich zum Schießen mit Torpedos eingerichtet ist und ausschließlich dazu bestimmt ist, während die großen Panzerschiffe und Kreuzer ihre Torpedoarmierung nur so nebenbei haben. — Torpedos müssen rasch arbeiten; es ist daher ein eigentümliches Zusammentreffen, daß das Wort eigentlich steif, langsam, plump, unbeweglich bedeutet, denn in diesem Sinne hat der dicke, plumpe, unförmige Fisch seinen Namen Torpedo (vom lateinischen torpeo) empfangen. Er hat ihn allerdings für diese moderne Seekriegswaffe nicht hergeliehen wegen seiner Schnelligkeit, sondern seiner Fähigkeit, elektrische Schläge auszuteilen.
Torpedooffizier, der. Ein Torpedooffizier verhält sich zu einem Torpederoffizier wie ein Artillerieoffizier zu einem Feuerwerksoffizier, d. h. der Torpedooffizier steht in der Front und betreibt das Militärische am Torpedowesen, das Exerzieren, Instruieren und Schießen, während der Torpederoffizier sich am Lande dem Technischen und der Verwaltung in Torpedoangelegenheiten widmet als einem dauernden Lebensberuf. Der Torpedooffizier aber ist ein Seeoffizier, der nur eine Zeit lang das Torpedowesen an Bord unter sich hat und dann wieder ein anderes Kommando bekommt, als Batterieoffizier, Erster Offizier, Kommandant u. s. w.
Trackkarte, die, ist eine Seekarte, auf der sich Seeleute ihre Tracks, d. h. die Strecken die sie auf See zurückgelegt haben, einzeichnen, den Weg den sie „gezogen‟ sind (denn track hängt mit dem niederdeutschen, niederländischen trekken, ziehen zusammen); ihre Seereisen. Seemännischen Wert hat dies nicht, es dient nur als Reiseerinnerung, allenfalls noch als Anhaltspunkt für das Gedächtnis in Bezug auf Strömungen, vorherrschende Windrichtungen, überstandene Stürme, Länge der Seetörns u. s. w.
Treibbake = Schwimmbake, s. Bake.
Treiber, der, ist ein ganz hinten am Stern von Lustjachten (manchmal auch bei sonstigen Segelbooten) angebrachtes, an niedrigem Maste fahrendes, über das Heck hinausragendes Schratsegel bei sogenannter Jawl (s. Tjalk) — Tagelake. Es soll den Großbaum entlasten und durch den Druck auf das Heck den Bug gegen die See halten. — Ist schweres Wetter, so tritt an die Stelle des Treibers ein kleinerer, stärkerer Sturmtreiber. — Früher hatte man auch auf Vollschiffen einen Treiber. Er fuhr an einer Leesegelsspier, die an der Nock der Besansgaffel gehißt war; die Schoten wurden an einer über die Reling gelegten Spier ausgeholt. Es war also dieser Treiber eine Art Rahsegel. Es wurde gesetzt, wenn das Schiff vor dem Winde segelte, der Besan also nicht zur Geltung kam. Viel half der Treiber freilich auch nicht, aber er trieb das Schiff immerhin etwas schneller weiter, half also die Fahrt beschleunigen und so das Verdienst mehren und führte darum den sinnreichen Namen „Brodgewinner.‟
treiben. Das bekannte Lied: „Treibe, treibe, Schifflein treibe!‟ klingt ganz nett im Salon; im seemännischen Sinne ist treiben keine angenehme Bewegung, sondern bedeutet allemal etwas das man lieber nicht sähe. Ein Schiff treibt, wenn es nicht von Dampf oder Segel sondern von der Gewalt eines Sturmes in Bewegung gesetzt wird. Es treibt „vor Top und Takel‟ wenn der Sturm so schwer ist, daß es keine Segel führen kann. Es treibt „vor Anker‟ wenn die Anker im Sturm nicht halten, das Schiff also trotz der Anker in Bewegung gerät. Es ist dann oft so gut wie unlenkbar und allen möglichen Gefahren preisgegeben. Ein Schiff treibt ab, wenn Strom oder ungünstiger Wind es von seinem Kurse abdrängen.
treideln ist die offizielle Bezeichnung für das, was sonst treilen, trauen, treieln, treueln, troilen heißt und die Tätigkeit eines Menschen bezeichnet, der an einer langen Leine um die Schulter ein Schiff einen Fluß oder einen Kanal entlang zieht. Die Leine heißt Treil; französisch traille, vom lateinischen tragula, Diminitivum von traha, vom Zeitwort traho ich ziehe. Die Form treideln ist auffallend, weil nicht zu ersehen ist, woher das d hineingekommen ist. Man könnte denken, sie habe sich aus dem Keltischen erhalten, wo es im Kymrischen ein Wort treidio gab, das laufen bedeutete; da treilen ja mit Laufen verbunden ist, so könnten die beiden Begriffe in einander geflossen sein und treilen hätte dabei das d von treidio in sich aufgenommen. Aber in mittelalterlichen Urkunden findet sich das d nicht, da steht immer nur treilen oder troilen. 1323: „Naves ducere volentibus, quod vulgariter troylen dicitur.‟ 1343: „We bekennet, dat wi vorkoft hebbet vnse dre molen stat to N. mit allem anschote, also dat man varen mach it water vp vnde neder, sunder hinder ouer vsen anschot velich treilen.‟ 1348: „Also dat de ghenne, de twischen Luneborch vnde Ulsen de Elmenowe vp vnde neddervaret, moghen vppe den oueren gan vnde de sceppe dar vppe troylen na ereme behoue.‟ Und in dem Privilegium des Herzogs Magnus für Braunschweig aus dem Jahre 1431 steht: „Ok so mögen de schiplude troylen vp mynen oueren.‟ Das d ist also neueren Datums; vielleicht Folge des Gedankens daran, daß der treilende Mann nur kleine Schritte, nur kurze Tritte machen kann, wegen der Last die er zieht. So könnte ein Iterativum von treten, tritteln, mit in den Begriff treilen geraten sein, dessen geminirtes t hinter dem Diphthong schwinden mußte und zur Media wurde. Dabei ist daran zu erinnern, daß der noch teilweise von Kaiser Trajan herrührende Treidelweg durchs eiserne Tor, der teils als Halbwölbung in den Felsen eingehauen, teils als hängender Weg gebaut war, von den Donauschiffern Treppelweg genannt wird und daß treppeln so viel wie trippeln und dieses Iterativum zu trappen ist. — Es wäre auch möglich, daß der Gedanke an trödeln das d in treideln gebracht hätte, weil das Geschäft zuweilen recht langsam vor sich geht. — Die Franzosen haben für den Mann, der es betreibt, ein seine Tätigkeit sehr deutlich beschreibendes Substantiv gebildet aus dem deutschen Zeitwort holen (s. d.) und nennen ihn haleur. Man hatte seinen Scherz mit ihm und rief ihm früher an der Loire und sonst in Frankreich das Wort arrache-persil, Petersilienausreißer, zum Spott zu. Sprichwörtlich sagte man nicht unwitzig: „arrache-persil navigue aussi.‟ Sie antworteten mit einer Flut von Schimpfreden, ähnlich wie die Flößer auf dem Neckar, wenn die Tübinger Studenten ihnen zuriefen: „Jockele sperr!‟ — Englisch to drail; holländisch (Weiland) treil: denkelyk een bastaardwoord van het fr. tirail ontlend, en darmede van tirer, trekken, afkomstig. Eene lyn, om een schip voort te trekken. Voorts — und das bedeutet eine bedeutende Erweiterung des Begriffes, der sich übrigens auch in Ostfriesland findet — „ook het gesamenlyke touwwerk van een schip: van zeil, van treil, van roer, van snoer, van maste beroofd. — Het schip word met zeil en treil verkocht.‟
trekken, s. treideln.
Trempel, s. Drempel.
trensen heißt teils zur Verstärkung, teils des besseren Aussehens wegen um ein Tau ein anderes dünneres so herumlegen oder schlängeln, daß letzteres den Raum zwischen den Kardeelen des ersteren, die Vertiefungen, ausfüllt. Ankertaue wurden, Wanttaue werden zur Verstärkung, Sceptertaue des besseren Aussehens wegen getrenst. — Das Wort ist schon früh aus dem Spanischen gekommen, wo trenzar flechten heißt. Kilian hat es als trensse = funiculus, vinculum reitinaculum equorum, also als Trense im Sinne von Pferdezaum, vom spanischen Substantivum zu trenzar trenza die Flechte, Zopf, trenzado geflochtener Zopf an den Mähnen der Pferde. — Im seemännischen Sinne bei Aubin 1702: emmieller un étai = een stag trensen; tusschen de staagen met dunne draaden woelen‟ (s. Wuhling).
Tresidderplatte, s. Panzerplatte.
Trift, s. Abtrift und Seetrift.
triftig ist das Schiff, wenn es treibt (s. treiben). Seetriftige Güter sind solche, die auf der See treiben oder von der See an die Küste getrieben werden. Hanseatische Urkunde von 1513: „vorder schal unde mach de copmann schipbrochich affte zeedriftich gut sulvest bergen effte bergen laten.‟ Ditmarsische Urkunde von 1384: „Se scholen hebben den drudden del des ghudes, dat drifftich worden were.‟ Bremer Urkunde von 1564: „Jacob R. sy mt synem bochsprede inn ohre houwet tow gedreuen, dar her also se beide thosamende drifftich gewurden vnde inn grundt gedreuen weren.‟
trimmen heißt: „in Ordnung bringen.‟ „Die Segel trimmen‟, sie in gebrauchsfähigen, ordnungsmäßigen Zustand versetzen; „Kohlen trimmen,‟ sie richtig in den Kohlenbunkern unterbringen. — Von dem englischen trim mit deutscher Endung weiter gebildet und erst in neuerer Zeit, unter der Herrschaft des Dampfes siegreich durchgedrungen. Angelsächsisch trymian, trymman, befestigen, fest machen, in Ordnung bringen; trum = stark, fest, englisch to trim, „to put in due order for any purpose.‟ Auch im übertragenen Sinne: „Leute trimmen,‟ gut einexerzieren, gut auf eine Sache einüben; „seine Leute gut im Trimm haben.‟ — Einen besonderen Sinn hat Trimm in der Verbindung Trimmberechnung. Diese hat den Zweck, die Tauchungsänderung eines Schiffes vorne und hinten bei Verschiebung von Gewichtung in der Längsrichtung zu berechnen, und Trimm hat hier die Bedeutung von trim = „to adjust, as a ship or boat, by arranging the cargo or disposing the weight of persons or goods so equally on each side of the centre and at each end that she shall sit well on the water and sail well. A vessel is said to be trimmed by the head or by the stern respectively when the weight is so disposed as to make her draw more water towards the head than towards the stern, or the reverse.‟
trissen nannte man bei der ausgestorbenen Blinde das, was man bei anderen Rahsegeln brassen nennt. Mittelniederdeutsch trisse, trysse, tritse = Winde; s. Schiller und Lübben, Mittelniederdeutsches Wörterbuch IV. 613; trissen drehen, schwingen, winden. Erhalten ist das Wort im niederdeutschen triseln, herumlaufen, taumeln, schwindeln, und drüseln, zaudern, zögern, ostfriesisch trüseln und triseln, unsicher, hin und her wankend gehen, hin und her wanken und schwanken, wie ein Ohnmächtiger oder ein Betrunkener. Also: „hin und her bewegen.‟
Trompetenstek s. Stek.
Troier, der, das Flanellhemde, das unsere Kriegsschiffsmatrosen auf der bloßen Haut tragen, vorn auf der Brust mit einigen blauen Streifen besetzt. — In Ostfriesland heißt (Doornkaat III 437) tröje, troi eine gestrickte wollene Unterjacke für Männer, ohne Knöpfe, die als Bluse oder Hemd über den Kopf angezogen wird. Im Groningenschen heißt so eine gestrickte Weste „een gebreide mansborstrok, die de plaats vervult van hemdrok.‟ Schon beim Teuthonista kommt das Wort für Jacke vor in der Form troye. Auch sonst häufig in mittelniederdeutschen Urkunden z. B. in einem Stendaler Privileg der Kürschner und Schneider vom Jahre 1346: „vortmer we eyn werk sick bededingeth tu makende mit bomwullen als eyn troye edder des ghelik, maket de schroder dat wandelbar, dat schal he beteren mit dren schillingen‟ oder in der Lübecker Chronik: „des blef de reise na, unde dar ward af achter en pels unde vor en troye.‟ Das „Bremer Wörterbuch‟ bemerkt, daß troje, troye in einer alten Urkunde als eine Waffenrüstung vorkam, ein Koller oder Brustharnisch. In der Tat steht in einem Oldenburger Statut von 1345 ... „zinen helm ofte ysern hut, zine yseren huven, zine troyen, zine armeleden.‟ Und weiter: „en iewelk lantman ... schal hebben to ewighen tyden ene troyen, enen ysern hud, en par wapenhanschen, enen schilt, ene worpbarden vnde enen peck van zestein voten vnde kortere nicht.‟ Aber auch hier bedeutet troye offenbar weiter nichts als Wams, etwa ein Lederwams, wie es eben damals Bauern und andere Leute, die den Krieg nicht rittermäßig im Brustharnisch führten, zu tragen pflegten. Diese Verwendung von troye hilft also nicht bei der Erklärung, und der Versuch Doornkaats, es vom althochdeutschen triuwa, bezw. von tro, troi in der Bedeutung fest, sicher abzuleiten, leuchtet nicht ein. — Mittelhochdeutsch troie = Wamms: Dafür führen nach Diefenbach Schiller und Lübben IV. 614 eine Form triplois auf. Dies könnte auf eine Spur führen. Da neben triplois gleichzeitig diplois steht, so ist anzunehmen, daß damit die Qualität und Herstellungsart des Stoffes, aus dem der troie gemacht war, angedeutet werden soll, wie man im Deutschen von fünfschäftigem Zeug oder im Französischen von taffetas deux bouts spricht. Es kann also triplois ein dickes, warmes, mit drei doppelten Wollfäden gestricktes Wams gewesen sein, und aus triplois wird beim Übergang ins Mittelhochdeutsche durch Schwund der mittleren, unbequemen Buchstaben so gut troie, zunächst troi, geworden sein, wie aus paraveredus Pferd geworden ist. — Das r am Schlusse von Troier hat sich erst beim Übergang aus dem Neuniederdeutschen ins Neuhochdeutsche aus Unkenntnis des Ersteren hinzugefunden.
Trosse, die, auch Troß, ist ein besonders dickes, starkes, langes Tau aus Hanf, Manilahanf (dann auch Manilaleine genannt) oder Draht, das zum Verholen von Schiffen und auch sonst überall da gebraucht wird, wo viel zu halten ist, z. B. wenn ein Schiff sich an ein Bollwerk legt. — Das Wort kommt im Mittelniederdeutschen für ein Tau vor, das außerhalb des Wassers gebraucht wird, wie es im Lübischen Zunftrecht heißt: „Vorthert warckgarne dat schal nen reper slan tho kabellen, to waterthowen, anders nergent to men tho trossen.‟ — Niederdeutsch — ostfriesisch — niederländisch versteht man unter tros, trosse ein Bündel oder Büschel von Beeren; Weiland: „tros = een bundel van onderling vereenigde dingen: een groote tros druiven.‟ Die Bedeutung vereinigt sich mit der Trosse der Seemannschaft in dem Begriffe binden, zusammenbinden. Daher mittelhochdeutsch trossen = packen, Gepäck zusammenbinden und aufladen (woher Troß, Troßknecht). Neufranzösisch trousser, altfranzösisch torser, provençalisch trossar, italienisch torciare: zusammendrehen, festbinden, vom lateinischen torquere. Mittellateinisch trossa, das Heubündel, Strohbündel, spanisch troza, Seil zum Binden.
Trysegel, das, ist der zuweilen, neuerdings besonders auf Lustjachten, gebrauchte, dem Englischen entnommene Ausdruck für das deutsche Schratsegel. Wegen der vorherrschend dreieckigen Gestalt dieser Segel dürfte das Wort auf irgend eine Weise mit dem lateinischen tres, tria zusammenhängen.
tublocks. Wenn man an einer Talje so lange holt bis es nicht weiter geht, so ist der eine Block an den andern gekommen, man hat die Talje also „Block an Block‟, „tublocks‟ geholt. Damit ist das Holen zu Ende. Soll es weiter gehen, so muß eine neue Talje aufgeschlagen werden. Daher die übertragene Bedeutung: „ich bin mit meinem Gelde tublocks, ich bin mit meinen Zigarren, mit meinen Vorräten tublocks.‟
Tümmler, der.
1. Der Stehauf, ein schwankendes, taumelndes, sich von selbst aufrichtendes und aufstellendes Glas, englisch tumbler.
2. Der Delphin, wegen seiner eigenartigen Bewegung, die ihn öfters als einen Taumelnden, Sichdrehenden sichtbar an der Oberfläche des Wassers erscheinen läßt. Daher ein Seesoldat scherzweise ein Tümmler genannt wird, wohl wegen des taumelnden Ganges an Bord in Folge der mangelnden „Seebeine‟.
Türkischer Bund, Knoten s. Knoten.
Turm, der. Unter Turm versteht man in der modernen Seemannssprache einen gepanzerten oder geschützten turmartigen Aufbau. Derartige Türme dienen auf unseren Panzerschiffen zum Schutze besonders wichtiger Stellen. Man unterscheidet hauptsächlich Kommandotürme und Geschütztürme. Erstere schützen den Kommandanten und die ihn im Kommando Unterstützenden, sowie die Kommandoapparate oder -elemente, besonders auch die Leitungen der elektrischen Befehlsübertragungen. — Die Geschütztürme schützen die Kanone mit ihrer Mannschaft. Sie sind meist so eingerichtet, daß, um die Geschütze zu richten, nicht diese selbst gedreht werden, sondern es wird der Turm, in dem die Kanone steht, bewegt. Man hat, nach ihren Erfindern benannt, verschiedene Türme, den Coles'schen, den Ericson'schen, den Napier'schen Panzerturm. Der Barbetteturm, auch kurz Barbette genannt nach der heiligen Barbara, der Schutzheiligen der Artilleristen, hat die Eigentümlichkeit, daß seine Geschütze „über Bank‟ d. h. über den Rand der Turmwand hinweg schießen.
Twist, der, heißt die Wischbaumwolle die, besonders in der Maschine, zum Wischen, Putzen, auch zum Abwischen der von Maschinenöl beschmutzten Hände, benützt wird. Ursprünglich ein Garn, zweimal gedreht; dann überhaupt gedreht, verwickelt, zusammengeballt. Das niederdeutsche twist heißt auch Zwist, Zwietracht, es steckt immer die Zahl zwei, twe darinnen, wie in Zwieback, zwiespältig, zwiefach; „twie in dem jare‟, zweimal im Jahre, sollten nach dem Lagerbuch des drosten Jakob van der Sprecken vom Jahre 1428, die Herren bei ihren „belenden luden‟ einkehren.