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Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache

S. (continued 2)

Reading edition

Sill, das. Hauptsächlich in der Verbindung Luksill gebraucht: die Schwelle. Das niederdeutsche Wort sülle, sül, mittelniederdeutsch sul, sulle, sille; niederländisch sulle: angelsächsisch syll, englisch sill, norwegisch svill, althochdeutsch swella, swelli, kommen mit dem gotischen sulja, Sohle, von einer Wurzel sval = schwellen. Man hat zunächst an eine Anschwellung der Haut unter den Füßen zu denken, sodann wird Sohle als Träger und Grundbalken einer Tür gebraucht im Sinne einer Anschwellung, einer Erhöhung; was für ein Luksill an Bord besonders zutreffend ist, denn das ist besonders hoch, damit überkommende Seeen nicht in die unteren Schiffsräume laufen.

Sirene, die, ist ein Nebelsignalapparat, der einen weithin heulenden Ton von sich gibt und Schiffen im Nebel die Nähe des Landes kund tut. Die Benennung ist zwar nicht ganz sinngemäß, da diese Sirene das gerade Gegenteil beabsichtigt wie die klassischen Sirenen, aber doch insofern glücklich gewählt, als jeder gleich weiß, was darunter zu verstehen ist. — Wie sich ein althochdeutscher Physiologus eine Sirene vorstellte, sehen wir aus einer Wiener Handschrift des elften Jahrhunderts: „In demo mere sint uunderlihu unihtir, diu heizzent sirene unde onocentauri. Sirene sint meremannin unde sind uuibe gelih unzin ze demo nabilin, dannan uf vogele, unde mugin vile scono sinen (singen). So si gesehint man an demo mere varin, so sinen sio vilo scono, unzin si des uunnisamin lides so gelustigot uuerdin, daz si inslafin. So daz mermanni daz gesihit, so verd ez in unde brichit si.‟

Skiff, das. Dabovich nennt so, S. 1237, ein für eine Person eingerichtetes Outrigger-Boot. Im Allgemeinen aber heißt so — englisch skiff, französisch esquiff, deutsch sonst Schiff — „any small boat. In merchant ship's boats the skiff is next in size to the launch or long-boat, and is used for towing, running out a kedge etc.‟ Die Form des Wortes läßt auf nordischen Ursprung der Sache schließen.

Skorbut, der, eine glücklicherweise unter dem Einfluß der besseren Schiffsverpflegung unserer Zeit ihrer Schrecken beraubte Krankheit der Seeleute bei längeren Seetörns. Das Wort hieß zwar mittellateinisch scorbutus, stammt aber aus dem Niederländischen, wo scheur Riß heißt. Skorbut heißt neuniederländisch scheurbuik, aber die lateinische Form scorbutus zeigt, daß es früher scheurbut geheißen haben muß, also nichts mit Bauch zu tun hatte, sondern Hautriß bedeutete. Die Form scheurbuik ist volksetymologische Anlehnung an buik = Bauch, und daraus ist bei der Aufnahme ins Hochdeutsche durch Mißverständnis Scharbock geworden; da ist Skorbut denn doch deutlicher.

Sitzer, der, s. Spant.

Sliding gunter. Man spricht von einem sliding gunter Mast und einem sliding gunter Segel; beide sind zusammen, wie es scheint, durch das moderne Lust- und Rennjachtwesen nach Deutschland gekommen. Sie werden nur selten geführt, am meisten noch bei Kriegsschiffsbooten. Das Segel ist von dreieckiger Gestalt, sein oberer Teil ist an einer Stenge untergeschlagen, die vermöge zweier Eisenringe an dem verhältnismäßig niedrigen Maste auf und niederfährt oder gleitet, daher auch Gleitsegel genannt. Das Wort kommt mit der Sache aus England und bezieht sich — ursprünglich wohl scherzweise — auf Edmund Gunter und dessen Sliding-rule, „a sliding scale corresponding to logarithms for performing the multiplication and division of numbers without dividers.‟ — Man nennt die sliding gunter Takelage auch portugiesische oder Houari-Takelage; houari ist ein Wort der amerikanisch-indianischen Seemannssprache, von den Portugiesen nach Europa gebracht.

sloopen ist soviel wie abwracken, ein altes Schiff in seine einzelnen Teile zerlegen und diese als Brennholz verkaufen. Das niederdeutsche Wort slopen heißt schleifen, abtragen, niederreißen. Es ist unser hochdeutsches schleifen, eine Festung, ein Haus schleifen; sowohl sprachlich als begrifflich.

Sodraum, der, = Kielraum, der unterste Raum im Schiffe, gleichbedeutend mit Bilge. Das sich hier sammelnde Wasser heißt wie Bilge- und so auch Sodwasser. Sod und Bilge sind bedeutungsverwandt. Denn wenn Bilge die rauschende Bewegung des nach ihr benannten Wassers bezeichnet, so bedeutet Sod die siedende Bewegung desselben, wenn das Schiff von den Wellen gerüttelt und geschüttelt wird. Im Uebrigen heißt sod im Niederdeutschen Brunnen, von seden = sieden in der Bedeutung aufkochen, aufbrausen, aufwallen, aufquellen; „wie Brunnen von brennen und Welle von wallen.‟ Vergl. Bilge am Ende.

Sog, der, heißt in Ostfriesland und in den Niederlanden das Kielwasser. Eigentlich heißt so die Form und Gestalt des Hinterteiles eines Schiffes, der Piek; der Zug oder Verlauf der Linien hinten am Schiffe. Weiterhin hat sich dann der Name auf das Wasser ausgedehnt, das von diesem Teile des Schiffes als bewegtes, schäumendes Wasser bei der Fahrt hinter sich gelassen wird. Das Wort sog ist zwar niederdeutsch, aber da Zug sonst überall im Niederdeutschen tog heißt, so ist hochdeutsche Entlehnung anzunehmen.

Soldatenloch, das. „Der Mars hat in erster Linie den Zweck, dem zur Stütze der Marsstenge nach den Seiten hin bestimmten stehenden Gut die erforderliche Spreizung zu geben, soll nebenbei aber auch die Bedienung der Takelage erleichtern. In der Mitte hat er eine vierkantige Öffnung, das sogenannte Soldatenloch, welches sich noch durch zwei Klappen nach den Seiten hin vergrößern läßt und den Zweck hat, das Auflegen des stehenden Guts des Untermastes, das Aufbringen der Marsstenge, sowie das ungehinderte Andeckfahren eines Teils des laufenden Guts zu ermöglichen.‟ (Dick u. Kretschmer, II. 87). Im Entern ungeübte Leute, z. B. die (See-)Soldaten, klettern, wenn sie in den Mars wollen, nicht außen herum an den Püttings hinauf, sondern kriechen durch dieses Loch, das daher von ihnen den Namen hat, wahrscheinlich weil sie der Meinung sind, der Zimmermann habe besonders für sie dieses Loch gelassen. — Wie jedes Loch an Bord ein gat genannt werden kann, so ist auch dieses häufig in der Form Soldatengat.

Sonnensegel, das, ein aus Segeltuch hergestelltes Schutzdach gegen die Sonne. Das Bedürfnis, sich gegen die brennenden Strahlen zu schützen, ist schon immer empfunden worden, und man hat daher von jeher ähnliche Vorrichtungen getroffen. Die alten Friesen scheinen sich einfach an Deck ein Zelt aufgeschlagen zu haben; sie hatten das Wort dendeschyp (tentschip) = Zeltschiff; doch könnte auch ein Schiff mit einem Leinwanddach gemeint sein.

Sorgleine, die, ist eine am Ruder angebrachte Leine oder Kette, die an Deck fährt oder sonst zugänglich ist und den Zweck hat, für den Fall, daß die übrigen Einrichtungen zum Steuern aus irgend einem Grunde nicht gebrauchsfähig wären, das Ruder wenigstens noch einigermaßen regieren zu können. Darum ist auf jeder Seite des Ruders eine Sorgleine befestigt. Der Name schon deutet den Zweck an: er ist eine Fürsorge für den Fall der Not, schweren Sturmes, Gefechtes etc. etc.

sorren s. zurren.

Spake, die, ein hölzerner Hebebaum zum Drehen des Spills, ] zum Bewegen der Kanonen und vielerlei anderen Verrichtungen an Bord gebräuchlich. Sie muß „handlich‟ sein, sich mit der Hand regieren lassen; tut sie das, so führt sie den Namen Handspake. Neuerdings hört man unter dem Einfluß des zur See fahrenden hochdeutschen Mannes auch Handspeiche. Und in der Tat ist die Radspeiche und die Handspake dasselbe. Altenglisch heißt spake, angelsächsisch space, spaca, mittelniederdeutsch speke, althochdeutsch speicha, die Radspeiche, radius. Das althochdeutsche spahha bezeichnete ein abgebrochenes Stück Holz; und diese allgemeine Bedeutung entsprach in den Anfangszeiten der Kultur sowohl dem was wir Spake als dem was wir Speiche und auch dem was wir Spiker (s. d.) nennen.

Spant, das. Die Spanten sind oft und zutreffend die Rippen des Schiffes genannt worden, die am Kiel wie an einem Rückgrat festsitzen. Röding kannte noch die Form Spann. Aber auch ohne sie würde sich die Etymologie von selbst ergeben, da die Spanten vom Kiel ausgespannt werden. Die Wurzel von spannen bedeutet ziehen, die ursprüngliche Bedeutung von Spant ist also „etwas auseinander Gezogenes, auseinander Gespanntes‟. — Ein Spant besteht aus dreierlei Stücken. Unten am Kiel sind die Bauchstücke befestigt, auf ihnen sitzen die Sitzer; daran schließen sich nach Bedarf die Auflanger. Das Bauchstück heißt auch Lieger; ihm eben entsprechen die Sitzer.

Spardeckschiff, das, s. Schiff.

Speedykessel, der, s. Kessel.

Speiback, die. Eins der schlimmsten Vergehen wider die Schiffsordnung ist das Andeckspucken. Da aber Tabak kauende Leute öfters genötigt sind zu spucken, so hat man hie und da runde flache Holzgefäße — Backen — aufgestellt, die mit Sand gefüllt sind und das vorstellen, was man hochdeutsch einen Spucknapf nennt.

Speigat, das, heißt ein Gat, ein Loch in der Bordwand in der Höhe des Oberdecks, im Wassergang, durch das das Schiff das Wasser, das durch Sturzwellen übergekommen ist, das Regenwasser, das Deckwaschwasser gleichsam ausspeit. Nach Röding hätte früher jedes Deck seine Speigaten gehabt. Er schreibt: „Auf Kriegsschiffen haben die Speygaten des untern Decks an der äußersten Seite des Schiffes eine Mamiering, um zu verhindern, daß die See, insonderheit wenn das Schiff auf der Seite liegt, nicht hineinstürze.‟ Das war trotzdem nicht ohne Gefahr, und darum sind diese Speigaten mit Recht abgeschafft worden. — Bekanntlich hat man bei der Gotik die Wasserspeier mit vieler Sorgfalt behandelt und ihnen die Gestalt von in Stein gehauenen wilden Tieren, aus deren Rachen das Wasser herausfließt, gegeben. — Mittelniederdeutsch spegat; in einem von v. Liliencron herausgegebenen alten historischen Volksliede kommt die Stelle vor, daß infolge eines feindlichen Kanonenschusses „dat blod al ut den spegaten flot.‟

Speisewasser, das, hat seinen Namen nicht daher, daß etwa mit ihm die Speisen gekocht würden, was mit Trinkwasser geschieht, sondern es ist das getrennt von diesem in besonderen Tänks aufbewahrte, zum Kochen und Trinken nicht geeignete Süßwasser, das zum Speisen der Kessel, sowie für Bade- und Waschzwecke bestimmt ist.

Spesen, die, nur in der Mehrzahl gebräuchlich, sind die Kosten für Fracht, Beförderung, Kommission, Schiffsversicherung, Hafenabgaben, Zoll u. s. w., also im Allgemeinen: Handlungsunkosten die auf eine Ware kommen. Wörtlich: Ausgaben; italienisch spese, Unkosten, Mehrzahl von spesa = Aufwand; aus dem mittellateinischen spensa, Aufwand, Lebensmittel; lateinisch expensa, Ausgabe.

Spiegel, der, ist der vom Heckbalken und den Randsomhölzern begrenzte Teil des Hecks; er war früher ganz flach, wie er es bei großen Beibooten jetzt noch ist. Bei hohen Schiffen mit entsprechend hohem Heck hatte er Fenster, in denen sich, wenn das Schiff in ruhigem Wasser vor Anker lag, die Wellen spiegelten. Bei niedrigeren Schiffen wurden die Fenster nur durch Holzwerk und entsprechende Malerei angedeutet. Man kennt diese gemalten Fenster als nicht gerade hervorragende Kunstleistungen. Aber eines lag dem Künstler stets nahe: der Gedanke daran, daß, wenn sie wirkliche Fenster wären, sich das Meer darin spiegeln müßte, und so versuchten sie es mit ihrer Kunst, das sich spiegelnde Wasser auf den geschilderten Fenstern zur Darstellung zu bringen.

Spier, die, ist eine Stange, die an Bord vielfach Verwendung findet, z. B. als Backspier, an welcher im Hafen die Beiboote festgemacht werden, als Leesegelsspier u. s. w. Ursprünglich eine „dünne Stange,‟ eigentlich eine dünne, schwanke, kleine Spitze, ein Grashalm. Die Bedeutung hat sich also ähnlich entwickelt wie die von Bram. Spierstaude = spiraea ist als Tautologie anzusehen. — Hernach = Sparren; französisch (1704) esparres, éparres. In Groningen haben sie ein Zeitwort bespieren, jemanden ein (rechtliches) Hindernis in den Weg legen, ursprünglich eine Spier vor einen Weg machen, zum Zeichen, daß er verboten ist; hochdeutsch: „Ich werde ihm ein Stöckchen davor stecken‟. Altfriesisch spiri = hasta, Speer. Bremer Wörterbuch: „Spier, eine jede kleine Spitze, und in Sonderheit die zarte Gras-oder Kornspitze, welche eben aus der Erde kommt‟. Daher denn auch: Kleinigkeit, ein wenig, ein bischen, etwas Geringes. — Aus germanischer Wurzel spir, platzen, schwellen, wachsen, treiben, sprossen.

Spiker, der, ist jetzt gleichbedeutend mit Nagel, heißt aber eigentlich Holznagel, ja ursprünglich — s. Spake — nur ein Stück Holz, dann ein als Bolzen oder Nagel zugespitztes Stück Holz. Man spricht hochdeutsch von einem Speichernagel; tautologisch, denn in diesem „Speicher‟ steckt Speiche (Spake) = ein Stück Holz, ein Zapfen, ein „Zweck‟, der als Nagel dient. Die ersten Nägel waren von Holz und hießen hochdeutsch Speicher, niederdeutsch Spiker. Letzteres hat sich, wie überhaupt im Niederdeutschen, so auch in der Seemannssprache erhalten, während im Hochdeutschen Speicher auf diesem Wege verschwunden ist: Speicher, Speichernagel, Nagel.

Spill, das, ist die Vorrichtung zum Ankerlichten und auch zum Hissen sonstiger besonders schwerer Lasten. Die Ketten oder die Taue, an denen die Last gehißt werden soll, werden um das Spill genommen und dann wird dieses gedreht, so daß sich die Kette oder das Tau auf oder um das Spill wickelt. Auf großen Schiffen hat man ein Dampfspill, wenigstens wenn sie einigermaßen der Neuzeit entsprechen; auf älteren ein Gangspill, auf den alten, kleinen ein Bratspill oder eine Windas (s. d.). Spill ist Zusammenziehung von Spindel. Und zwar ist Bratspill eine liegende Spindel, die wie ein Bratspieß gedreht wird; Dampfspill eine stehende Spindel von starkem Bau; desgleichen das Gangspill, das gedreht wird, indem man Spillspaken in die Öffnungen steckt, mit denen die Matrosen in die Runde gehen. — Ein eigentümliches Schicksal hat das romanische Wort für Spill gehabt. Es heißt englisch capstan, französisch cabestan, aus dem Spanischen stammend, wo es cabrestante heißt. Man hatte ursprünglich einen Bock (cabron) zum Winden mit einer liegenden Spindel, die cabria hieß. Als man dieses Werkzeug verbesserte und die cabria aufrecht stellte, nannte man sie cabrestante, stehende Winde. Soweit wäre die Sache in Ordnung. Aber die Niederländer brachten sie in Verwirrung. Schon bei Kilian ist ein capestant daraus geworden, und 1702 heißt das Spill kaapsta-ander, und daraus machten die Deutschen einen Kopfständer. Doch hatte schon vorher im Mittelniederdeutschen eine andere Verdunkelung stattgefunden, und zwar in kapstange. In einer Livländischen Urkunde vom Jahre 1407 wird als Merkzeichen eines verschollenen Schiffes angegeben: „unde de kapstange si boven spitz und beneden, dar id touwe umme geit, gelike dicke.‟ — Zu dieser Stelle bemerkt freilich Breusing im sechsten (Nachtrags-) Bande zu Schiller und Lübben S. 176: „Kapstange kann schwerlich capstan sein, da dieses (ein Gangspill) oben gerade einen dicken Kopf hat, weshalb es auch Kopfständer verdeutscht wird. Es wird Signalstange bedeuten, vergl. kapinge. Die wird oben spitz, und unten, wo sie mit Tauen befestigt wird, gleich dick sein.‟ Ich kann dem nicht beistimmen. Wie soll das verschollene Schiff zu einer Signalstange gekommen sein? Kapinge, das zum Vergleich herangezogen wird, heißt überdies Bake, wie die Bremer Urkunde von 1400 besagt: „ok moghen de Bremere kennynge weten onde kapinge setten edder tunnen legghen oppe den Mellem (Mellum, Sandbank, „Plate‟ vor der Weser) ofte op dat rode zand.‟ An Bord führt man keine Baken mit sich. Und wenn das Spill auch allerdings für gewöhnlich einen dicken Kopf hat, so wird eben als besonderes Kennzeichen jenes verschollenen Schiffes angegeben, daß sein Spill oben spitz war. Es hatte also, was andere nicht hatten, oben auf dem dicken Teile noch irgend eine spitz zulaufende Verzierung.

Spinnaker, der. Wenn Rennjachten mit raumem Wind oder achterlicher Brise segeln, so gilt es, wenn sie keine Rahesegel führen, ihnen auf andere Weise die Möglichkeit zu geben, möglichst viel Leinwand vor dem Winde auszubreiten. Dazu hilft ein Spinnaker, „ein großes dreieckiges Segel aus leichtem Baumwollstoff, welches vermittelst eines Falles am Mast gehißt und mittelst eines Spinnakerbaumes, der an dem äußersten Schothorn des Segels befestigt und mit der am inneren Ende befindlichen Gabel gegen den Mast gestützt wird, ausgebreitet wird.‟ (Dick und Kretschmer II. 285/6). Nach der vom Freiherrn von Strombeck in der Marinerundschau (Oktober 1899 S. 1124-1136) veröffentlichten Übersetzung eines Kapitels aus einer englischen Seemannschaft, sitzt der Spinnakerbaum in einem nach der Gestalt Schwanenhals genannten Gelenk, das in eine Spur am Mast eingesetzt wird und der Spur des Spinnakerbaumes zur Aufnahme und Stütze und zum Halt dient. Der Spinnaker findet sich nur auf Rennjachten, kann nur bei leichtem Winde gefahren werden, dient dann aber dazu, jedes Lüftchen aufzufangen und auszunützen. — Wort und Sache sind englisch; ersteres „from spin, in sense of to go rapidly.‟

Spinnekopp, der, ist ein Hilfsmittel zur Befestigung eines Sonnensegels, das von ferne an das Gewebe einer Spinne erinnert. Es ist ein hölzerner Kopf, ein längliches Stück Holz durch das verschiedene Löcher in regelmäßigen Abständen von einander gebohrt sind. Durch diese Löcher werden dünne Taue gezogen und diese in immer weiterer Entfernung am Firsttau des Sommersegels befestigt. Eben dadurch, daß diese das genannte Segel tragenden Taue von zwei Seiten aus verschiedenen Entfernungen in dem hölzernen Kopf zusammenlaufen entsteht der Eindruck, als habe da eine Riesenspinne ihr Werk getrieben.

spinnen wird im Seemännischen wie im Hochdeutschen gebraucht. Besonders zu erwähnen ist daher nur die Redensart: „ein Garn spinnen‟; etwas lang und ausführlich, „mit epischer Breite‟ erzählen, wie es alte Seeleute, wenn sie überhaupt einmal den Mund auftun, lieben. Sie erinnert an die ursprüngliche Bedeutung von spinnen, die auch in dem studentischen Ausdruck spinnen für trinken und in „Spanferkel‟ liegt, nämlich ziehen, in die Länge ziehen und dabei drehen, herausziehen, trinkend ziehen, „einen Zug tun‟, saugen.

Spleetflagge, die, auch wohl Splitflagge, ist eine Flagge bei der ein dreieckiges Stück ausgeschnitten ist, so daß sie in zwei Spitzen endigt. Sie hat den Namen davon, daß sie wie gespalten aussieht, denn split oder splet ist die niederdeutsche Form für Spalt und bedeutet die Stelle, wo oder von wo aus sich etwas spaltet, der Scheidungspunkt zweier Schenkel, Wege, Linien; von spliten oder spleten = spalten, von einer Wurzel spar, spal = auseinandergehen.

Sporn, der, ist die spitz zulaufende Verlängerung des Vorstevens bei Panzerschiffen, die sie in den Stand setzt ein anderes Schiff zu rammen; daher man auch Rammsporn sagt. Der Reiter hat den Sporn hinten, das Schiff vorne, das Eigentümliche der Bedeutung aber ist „mit den Füßen stoßen,‟ daher ist auch Spur damit verwandt. (Kluge 355).

splissen heißt zwei Taue so zusammenfügen und in einanderflechten, daß an der fest zusammengefügten Stelle kein Knoten und auch keine merkliche Verdickung eintritt. Damit solches geschehen könne, muß man zuerst das Gegenteil von Zusammenfügen vornehmen, nämlich die beiden Taue, die mit einander verbunden werden sollen, einzeln mittelst des Marlspikers spalten und auseinander teilen, damit dann die beiden Teile ein jeder mit seinen einzelnen Teilen gegenseitig in einander eingesteckt und durch einander durchgesteckt werden können. Splissen nennt man zunächst eigentlich nur dieses Spalten, dann aber die ganze dazu gehörige Arbeit; hochdeutsch spleißen, mittelhochdeutsch splizen; davon auch Splitter als etwas Gesplissenes. — Mit dem Splissen geht das Knoten Hand in Hand. Die beiden Künste werden dem angehenden Seemann zusammen beigebracht. Deshalb heißt der Unterrichtsgegenstand stehend „Splissen und Knoten‟. Die verschiedenen Knoten kunstgerecht zu machen ist auch wirklich eine Kunst. Der sinnigste und bedeutsamste ist der englische truelove-knot oder truelover's-knot, ein künstliches, symbolisches Gebilde, das sich ohne Abbildung kaum beschreiben läßt, zumal es verschiedene Arten gibt. Als die Preußische Marine eingerichtet wurde und das Schiffsjungen-Institut ins Leben trat (24. April 1850), wollte man eine Zeit lang sich aufs Vornehme aufspielen und sagte anstatt knoten knüpfen. Das hat aber nicht lange gedauert.

Splitterdeck, das. „Ein in der Richtung der Unterkante des Seitenpanzers liegendes und mit einer stärkeren Beplattung als die gewöhnliche Decksbeplattung versehenes Zwischendeck heißt Splitterdeck.‟ „Es ist in der Regel nur dann vorhanden, wenn sich an der Oberkante des Gürtelpanzers ein Panzerdeck befindet.‟ (Dick u. Kretschmer). Es hat die Bestimmung, die unter ihm gelegenen Räume gegen Splitterwirkung zu schützen.

Sponung, die. Das ostfriesische Zeitwort sponen heißt spalten, abspalten, einkerben. An den Stellen wo ein Balken an den andern anstößt oder mit ihm verbunden werden soll, muß, damit er sich fest anlegt, aus dem einen Balken ein Stück von der Gestalt des anderen herausgeschnitten werden. Dieser Schnitt heißt die Sponung. Nach Doornkaat hängt das Wort mit Spahn zusammen, denn auch diesem liegt der Begriff des Gespaltenen zu Grunde.

Spriet, das, eine Stange, Spiere, ein Baum; die Stange die diagonal ein sogenanntes Sprietsegel ausspannt und der schräg liegende Baum, der als Mast angesehen werden kann und, weil er am Bug hinausragt, Bugspriet heißt. — Es kommen in Spriet zwei Begriffe zusammen. An sich bedeutet es, als von sprießen stammend, als etwas Gesprossenes, einen Baum, eine Stange, einen Stab oder Stecken; Kilian: spriet = baculus pastoralis, angelsächsisch spreot = Stange, Pfahl, Spieß; niederdeutsch spret. „Als der Schwedenkönig Erich die Schlacht bei Fyriswall gegen Styrbiörn schlagen sollte, opferte Styrbiörn dem Thor, aber Erich dem Odin, weihte sich ihm und bestimmte die Frist seines Todes auf zehn Winter. Da sah er einen großen Mann mit breitem Hute, der gab ihm seinen Rohrstengel (reyrsproti) in die Hand, ihn über das feindliche Heer mit den Worten zu schießen: „Odin hat euch alle!‟ Als das geschah, erschien ein Wurfspeer in der Luft, flog über Styrbiörns Schlachtreihen und schlug sein Kriegsvolk wie ihn selbst mit Blindheit.‟ (Simrock, Myth. 176) — Sodann aber spielt, weil, wie erwähnt, ein Spriet bei manchen Segeln zum Ausspannen gebraucht wird, auch der Begriff spreizen dazwischen. Man kann die Begriffe aber so auseinander halten, daß man sagt: bei Bugspriet steht der von Baum, bei Spriet der von spreizen im Vordergrunde; beide aber stammen von der germanischen Wurzel sprut, emporwachsen; mittelhochdeutsch spriezen; angelsächsisch sprutan, englisch sprit; niederländisch spruiten.

Spring, der, auch Sprung, ist der Auflauf des Vor- und Hinterschiffes im Vergleich zum Mittelschiff, so daß dieses der niedrigste Teil des Schiffes ist; die Erhebung des Decks nach vorn und hinten zu. Diese Erhöhung hat Einfluß auf die Freibordhöhe. Das Wort kommt von springen im Sinne der Architektur. Wie man sagt: „die Ecke springt vor‟, so ist hier gedacht: „das Deck springt höher.‟

Spring, der. Wenn man aus irgend einem Grunde das Schiff nicht so liegen haben will wie es sich, von der Strömung abgesehen, von selbst zum Winde legt; wenn man also nicht haben will, daß der Wind von vorne kommt, sondern, besserer Ventilation oder — beim Kohlen-Übernehmen — grösserer Reinlichkeit wegen, von der Seite; oder wenn nicht Raum genug da ist um in der gewöhnlichen Weise vor Anker zu liegen; oder man will als Kriegsschiff seine Breitseite gegen eine feindliche Stellung kehren — so gibt man dem Schiffe die gewünschte Lage dadurch, daß man das Hinterteil mit Hilfe einer ausgebrachten Trosse dreht. Diese Trosse kann an der eigenen Ankerkette oder an einem Ducdalben oder einer Boje oder sonstwie festgemacht werden. Man sagt dann: „das Schiff liegt auf dem Spring‟, „ist auf den Spring geholt.‟ Unter den schier zahllosen Dingen und Begriffen, die im Englischen mit Spring bezeichnet werden, befindet sich auch diese Trosse, „a rope passed out of a ships stern, and attached to a cable proceeding from her bow, when she is at anchor. It is intended to bring her broadside to bear upon some object.‟

Springflut, die. Das Gegenteil von Nipflut. Während diese letztere die Flut zur Zeit der Mondviertel bedeutet, da die Flut am niedrigsten ist, bedeutet Springflut die höchste Flut wie sie zur Zeit des Vollmondes und Neumondes einzutreten pflegt. Man hat Spring für englisch ausgeben wollen. Es ist deutsch, niederdeutsch. In Ostfriesland heißt Spring das Aufspringen, Aufsteigen, Aufquellen, Aufwallen von Wasser; in Holland spring Quelle, Springbrunnen, Springflut, Ursprung. Aus „entspringen‟ und „Springbrunnen‟ sehen wir, daß auch im Neuhochdeutschen das althochdeutsche Spring, sprinc, = Quell, nicht ganz geschwunden ist. — Wie gedankenlos man zuweilen mit der Sprache umgeht beweist der Ausdruck, den man hören und auch lesen kann: Springebbe, der aber ganz mechanisch und äußerlich ohne Rücksicht auf den Sinn von Spring als einfacher Gegensatz von Springflut gebildet worden ist. — „Dat de Mahn de Ebbe und Floht regeret, und de Vorloping des Getides verorsaket, ys jetzunder by ein jeder, und insunderheit by den Seefahrenden genoch bekandt, welckes Natur und Egenschop ys beschreben van Renates descartes, in dem Anfang sinder begehrden Wyßheit, int veerde Deel, dar He anwiset, dat erenehr de Mahn full, offt nie ys, dat alßdenn de Flothen höger, und de Ebben syder fallen, welckes by uns ein Sprinckstrohm genöhmet werd‟ ... „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟, Lübeck 1673.

Stab, der eines Kriegsschiffes, wird gebildet von den Offizieren und höheren Beamten. Im Mittelhochdeutschen war stap = Stab, wie jetzt der Feldmarschallstab das Zeichen hoher militärischer Gewalt, das Zeichen amtlicher, besonders auch richterlicher Gewalt. „Der Stab‟ im neuzeitlichen Sinne sind die Gehilfen, die ausführenden Kräfte, die ein Befehlshaber um sich versammelt hält, auch wenn er nicht grade den Stab im mittelalterlichen Sinne als Abzeichen seiner Amtsgewalt trägt, wie die Polizisten in England noch heute tun. — Stabsarzt, Stabsingenieur, Stabszahlmeister sind jetzt lediglich Bezeichnungen eines Dienstgrades.

Staden, der, ist leider kein eigentliches Seemannswort, weil nur von oberdeutschen Schiffern gebraucht; Straßburg, Basel, Zürich haben ihre Staden. Es bedeutet das Wort Flußufer, eine Stelle wo man stehen und wo man Güter hinstellen kann. Von der indogermanischen Wurzel sta = stehen, von der auch Gestade kommt. Betrübenderweise schon mehrfach durch quai verdrängt, (Limmatquai in Zürich). Wenn man noch wenigstens, da Quai ursprünglich ein niederdeutsches Seemannswort war, die Form Kai oder Kaje gewählt hätte.

Stag, das, ein dickes Tau, durch das jeder Mast und jede Stenge ihre Befestigung nach vorne erhält, während die Wanttaue zur Befestigung der Masten nach beiden Seiten und nach hinten zu dienen. Die Stage halten die Masten hauptsächlich beim Stampfen des Schiffes, die Wanten beim Schlingern. Jeder Mast und jede Stenge hat ein Stag; es fährt um den Top und von da nach dem Fuß des nächstvordern Mastes oder der nächstvordern Stenge, beim Vortop oder bei einmastigen Schiffen nach den entsprechenden Stellen des Vorgeschirrs. — Niederländisch stag, isländisch, norwegisch, schwedisch, dänisch stag; englisch stay, französisch étai, spanisch und portugiesisch estay. Das Wort kommt von stan = stehen, als etwas, was etwas stehen macht, stützt; mittelniederdeutsch staeden, staeyen; bei Kilian staede, staye, Stütze, Hilfe. — Aber nicht nur zur Stütze der segeltragenden Masten und Stengen dienen die Stage, sie tragen nebenbei auch selbst Segel, dreieckige, Stagsegel genannt, die näher bezeichnet und benannt werden nach den Stagen an denen sie fahren. — Wenn man das Schiff wendet so gehen die Stagsegel von der einen Seite über das Stag auf die andere Seite; daher man das Wenden auch nennt „über Stag gehen.‟ — Staglaterne ist eine Laterne, die am Vorstengestag gehißt wird, hoch in der Mitte zwischen beiden Positionslaternen, zum Zeichen daß das Schiff unter Dampf ist. Auch die Ankerlaterne wird in ähnlicher Weise, doch niedriger, gehißt, zum Zeichen, daß das Schiff vor Anker liegt. — Über Stagläufer s. Läufer. — Ein schöner dichterischer Ausdruck für Pferd findet sich in der Edda: stagstjorn-marr, Stagsteuermähre, also ein Pferd das Stag und Steuer hat, dem der Zaum und Zügel als Halt dient und die Richtung angibt. — Stagtalje, Stagtakel erklären sich von selbst. — Von Stag ist seemännisch ein Zeitwort gebildet: stagen = stützen. — Wasserstag heißt das Stag des Bugspriets nach dem Vorsteven zu, weil es so nahe am Wasser, das dem Wasser nächste Stag, ist. — Es gibt auch noch einen von „wenden‟ verschiedenen Sinn von „über Stag gehen‟, nämlich den von „fallen, umfallen‟; wenn das Schiff z. B. plötzlich sehr „überholt‟, sich unvermutet sehr auf die Seite legt, so geht etwas das nicht fest, seefest gezurrt ist „über Stag‟, d. h. es verliert seinen Halt, seine Stütze, sein Gleichgewicht und fällt um.

staken wird seemännisch für die Tätigkeit zur Fortbewegung eines kleineren Fahrzeuges in seichtem Wasser mit Hilfe von Staken oder Stangen gebraucht. Der Stakende stößt mit der Stake in den Grund und stößt so das Schiff vorwärts. Das niederdeutsche stake = Stange ist uns Hochdeutschen in dem Worte Stacket, Zaun von Pfählen, durchgeschnittenen Stangen, geläufig.

Standarte, die, die Flagge des Landesherrn und der Mitglieder seines Hauses, im Großtop gehißt, die Gegenwart der Genannten an Bord anzeigend. Mittelhochdeutsch stanthart; bei Stieler 1691 Standart, mitttelniederdeutsch standart, bei Kilian standaerd = vexillum, signum; altfranzösich estendart, neufranzösisch étendart, spanisch estandarte, provençalisch estendart; italienisch stendardo, mittellateinisch standarda, vom lateinischen Zeitwort extendere = ausbreiten. Ursprünglich eine Reiterfahne.

stampfen, s. schlingern.

Stander, der.

1. Eine dreieckige Signalflagge, s. Standarte.

2. Verschieden von 1, auch der Ableitung nach, ist Stander, niederländisch staander, ein „Stehender‟, nämlich ein stehendes Tau oder eine stehende Kette zum Tragen und Halten von Lasten, z. B. Drehreepstander, Kohlenstander. Stehend ist aber, wie Kohlenstander beweist, nicht im Sinne von „aufrecht stehend‟ gemeint, sondern im Sinne von „fest stehend‟, im Gegensatz zu laufend, zu „laufendem Gut‟ als „stehendes Gut‟ betrachtet.

3. Stander, der, oder Ständer, eine aufrecht stehende Stütze aus (hohlem) Eisen, an Stellen wo sie beim Exerzieren, im Gefecht u. s. w. hinderlich sind, beweglich und abnehmbar.

Die beiden Stander 2. und 3. kommen von stan, stehen; Stander unter 1. von extendere, ausbreiten, entfalten.

Stänge, die, ist die Verlängerung des Mastes nach oben in der Reihenfolge Marsstänge, Bramstänge, Öberbramstänge. Eine vielgebrauchte Nebenform dazu ist Stenge, wie Stänge selbst Nebenform zu Stange ist. Eine Diminutivform zu Stange ist Stengel. Die Verlängerung des Bugspriets heißt nicht Stänge, sondern Baum, Klüverbaum, Außenklüverbaum oder Jagerbaum.

Stapel, der, ist das Gestell, das Gerüst, die Unterlage von hölzernen Stapelklötzen auf dem der Kiel eines im Bau (oder im Dock) befindlichen Schiffes ruht. Ist das Schiff fertig, so wird es vom Stapel gelassen, es läuft vom Stapel, sein Stapellauf findet statt. Zur Erklärung geht man wohl am besten auf das altfriesische stapul, stapel zurück, das den Block bedeutete, auf dem ein Kopf oder eine Hand abgehauen wurde, den Richtblock. Es ist also Stapel die aus dergleichen Stapeln errichtete Unterlage, auf der das Schiff beim Bau aufliegt. Weil nun diese Stapelklötze in gerader, geordneter Reihe liegen, so heißt stapeln etwas z. B. Holz, geordnet hinlegen oder hinsetzen, und zwar nicht bloß in einer Reihe, sondern wenn es die Ordnung erfordert auch auf einen Haufen; daher „ein Vermögen aufstapeln‟, besonders auch Güter aufstapeln, namentlich gelöschte Ladungen, die aufzunehmen gewisse Städte das Vorrecht vor anderen hatten, das sogenannte Stapelrecht, wie es lange Zeit Emden für die Ems besaß. Daher niederländisch staapel-plaats (1704 bei Aubin), ein öffentlicher Handelsplatz, wohin die Kaufleute gewisser Gegenden ihre Waren bringen müssen um sie zum Verkauf auszustellen. Das Bremer Wörterbuch erklärt stapel mit „Haufe, nämlich ein ordentlicher gelegter Haufe in richtiger Reihe‟, so wie die Stapelklötze liegen. Das Wort kommt von einem alten Thema stap, von dem das altsächsische Zeitwort stapan = setzen, stellen stammt. Kilian übersetzt stapel mit stabulatio, sedes, statio. Auch sonst kommt das Wort im Mittelniederdeutschen in zahlreichen Bedeutungen vor, z. B. auch in der von „Haublock eines Knochenhauers.‟

stauen.

1. Wasser stauen heißt es irgendwie hemmen, daß es nicht weiter fließen kann, abdämmen, durch einen Damm am Fließen hindern, zum Stehen bringen.

2. Waren in einem Schiffsraum unterbringen, niedersetzen, aufstellen, ihnen den richtigen Stand und die rechte Stelle geben, sie sachgemäß unterbringen, sie so legen oder stellen, daß sie nicht über Stag gehen. — Im übertragenen Sinne: viel essen.

Beide Bedeutungen kommen in der einen überein „stehen machen‟. Niederdeutsch stauen; mittelniederdeutsch stouwen, stowen, auch in der Zusammensetzung understouwen. In einem Hansischen Vertrag von 1442 heißt es: „Unde de schipher schal deme kopmanne de vittallige (Lebensmittel) understouwen, unde schal sulven nene vittallige offte kopmansgud up den averlope (Overlop zwischen Back und Schanze) voren‟. Altenglisch steowin und stowin, englisch stow; althochdeutsch stowan, stouwan, stuwan; mittelhochdeutsch stouwen = hemmen, stauen, stehend machen; aus einer Wurzel sta, stu = stehen.

Stechbolzen, der, ist ein einfaches Tauende mit einem Auge an der einen Seite. Die Stechbolzen dienen dazu, den Teil des Segels der durch die Reeftaljen an die Rahe herangeholt ist an diese festzustecken. Das Wort ist Verhochdeutschung von Stekbolzen. Stek ist etwas was durch Durchstecken eines Taues durch ein Auge entstanden ist. Bolzen ist ein Etwas, das nach dem Ende hin verdickt ist; der Stechbolzen ist durch das Auge verdickt.

Stechschwert, das, s. Schwert.

Stehendes Gut, s. Stander 2.

Steife, die, s. Metacentrum.

Stek, der. Wenn man das Ende eines Taues mit dem Tau selbst zusammensteckt nachdem dieses um den zu befestigenden Gegenstand gelegt ist, und zwar so zusammensteckt, daß durch das Durchstecken des Endes eine Schlinge entsteht, die nicht schliert wenn Kraft darauf kommt, also nicht sich zum Knoten zusammenzieht, sondern leicht löslich bleibt, so hat man einen Stek gemacht. Man kann ihn auf verschiedene Weise machen. Je nachdem er gemacht ist oder nach dem Zwecke des Gebrauches hat er verschiedene Namen. Ankerstek, der Stek mit dem das Ankertau am Röring des Ankers befestigt wird; Fischerstek der, mit dem man Säcke zum Ein- und Ausladen befestigt; Schotenstek, mit dem man die Schot an das Schothörn festmacht; Trompetenstek zur einfachen Verkürzung eines zu langen Taus, das man nicht abschneiden will; Zimmerstek, um Rundhölzer beim Hissen gelegt; Sackstek, um zwei Taue an einander zu binden, u. a. m. Ein Palstek (s. d.) ist ein Stek mit dem man eine Troß um einen Pfahl, einen Dücdalben legt. Das Nähere gehört in das Gebiet der speziellen Seemannschaft. Das Wort steht als niederdeutsche Form für Stich, es ist gewählt, weil das Ende durchgesteckt wird; stecken aber ist Faktitivum zu stechen.

Stell, das, ist ein echt seemännischer kurzer, knapper Ausdruck für Zusammenstellung. Man spricht von einem Stell Segel, das bedeutet eine Zusammenstellung von Segeln, so daß von jedem Segel das an Bord geführt wird, ein Exemplar vertreten ist; ebenso von einem Stell Flaggen etc. etc. Es bedeutet also das was wir im Hochdeutschen mit dem Fremdworte Sortiment bezeichnen.

Stelling, die, ist ein Gestell, das aus einigen Querhölzern mit Brettern darüber besteht und an Tauen schwebt, so wie es die Maler haben wenn sie ein Haus anstreichen. An Bord gebraucht man eine Stelling um außenbords die Nahten zu kalfatern, die Außenbordwand zu malen, die Stängen zu schrapen u. s. w. Es heißt eigentlich Stelling, nicht sowohl weil es steht, sondern man sich darauf stellen kann; meist aber sitzen die Matrosen darauf und lassen die Beine herunterbaumeln.

Stenge, s. Stänge.

Stern, der, s. steuern.

Steuerbord, die rechte Seite des Schiffes von vorn bis hinten, die ganze rechte Seite und zwar von hinten aus gesehen, in der Richtung der Fahrt betrachtet. Es ist der Bord über den in alter Zeit gesteuert wurde als dies noch mit einem Riemen oder einer Pagaie geschah. Vergl. Backbord. Steuerbord heißt in Holland stuurboord, sprich stürboord. Von da haben es die Franzosen übernommen mit der Aussprache stirbord und haben daraus durch Umstellung (Metathesis nennen es die Schriftgelehrten) stribord gemacht. Weil nun stribord die rechte Schiffsseite ist, so haben es nachher etliche aus dem Lateinischen deuten wollen, als ob es eine Abkürzung von dextribord wäre, und dextribord hat es auch eine Zeit lang auf französisch geheißen, bis man sich besann und wieder zu stribord zurückkehrte; da man ja in der französischen Seemannssprache schon so viele deutsche Seemannswörter hatte, kam es auf eins mehr auch nicht an. — Mittelniederdeutsch sturbord; Seebuch (1400): „De dar wil segelen to Kalkesorde de sal laten dat twedeel van dem watere an backbort van eme unde dat dorde deel an sturbort.‟ — Lucas Jansson Waghenaer, 1588 im „Spiegel der Zeevaerdt‟ hat stuyerboort: „... so sietmen aen stuyerboort een cleyn Eylant daer een Kercxken op staet.‟

Steuerbordwache, s. Wache.

Steuermann, der, war früher der Mann der steuerte, indem er am Stern sitzend mit einem Ruder freihändig dem Fahrzeug die Richtung gab. In der Edda heißt er stjori = Lenker, angelsächsisch steorman, altenglisch steores mon, althochdeutsch stiurman, mittelhochdeutsch stiure, stiurman; (stieurmeier heißt dagegen Steuereinnehmer); althochdeutsch und mittelhochdeutsch auch scifmeister, Schiffsmeister. — Jetzt steuert der Steuermann nicht mehr, er ist (wohl auch nicht grade respektvoll „Stürke‟ genannt) auf Handelsschiffen der Mann, der die Navigierung besorgt, nachdem er auf einer Steuermannsschule die Prüfung bestanden hat; auf Kriegsschiffen ist er ein Deckoffizier, der mit seinen Steuermannsmaaten und Steuermannsgasten das Navigationsressort unter Aufsicht und Verantwortung des Navigationsoffiziers verwaltet. Das Steuern besorgen auf dem Schiffe die Rudergänger, im Boot der Bootssteurer.

steuern, ein Schiff, ein Boot lenken. Altenglisch steoren; angelsächsisch steoran, stieran, styran; althochdeutsch stiuran; altfriesisch stiura, stiora, isländisch styra. Gothisch stiurjan; mittelhochdeutsch stiuren. Zur Erklärung geht man passend von dem niederdeutschen Eigenschaftswort stur aus, das „stark‟ bedeutet, und vergleicht dazu die Bedeutungen dieses mittelhochdeutschen stiuren: stützen, lenken, leiten, lindern, beschränken, Einhalt tun, mäßigen, treiben, stoßen, bedrängen, unterstützen, helfen, wozu verhelfen, versehen mit, beschenken, ausstatten, als Abgabe entrichten, Steuer zahlen, Steuer auflegen, erheben. Dann leuchtet die Annahme Schades doch sehr ein, daß das althochdeutsche stiuri, stark, der Ursprung und Grundbegriff von steuern sei. Ein Starker mußte das Ruder führen, ja der Stärkste wird es geführt haben in einer Zeit, wo man weder Pinne noch Rad besaß, sondern der Steuernde saß im Heck, oder vielmehr in dem von stiuren den Namen führenden Stern, und lenkte mit dem Ruder (daher Steuerruder, stiurruodar, was damals paßte, jetzt aber nicht mehr gesagt werden kann, seemännisch auch nicht gesagt wird) fest und sicher das Fahrzeug durch Klippe und Brandung, indem er das Ruder aus freier Hand regierte. — Von dieser Tätigkeit des Regierens bis zu einem wirklichen Regiment war nur ein Schritt. In Zeiten wo es gilt, richtet sich der Blick aller auf den Stärksten, Mutigsten, Kühnsten. Der Stärkste am Ruder ward wie von selbst der Führer, der Herr, der Häuptling, der Herzog der anderen; er kam ans Staatsruder, an die Regierung, angelsächsisch steor, styr; altenglisch steore; althochdeutsch stiura; wie man denn im Niederländischen noch heute jedes Regiment bestuur nennt: gemeentebestuur, huisbestuur, scheepsbestuur, staatsbestuur, stadsbestuur, ja jeden Vereinsvorstand. So erklärt sich auch Steuer als Abgabe. Zunächst freiwillige Abgabe an den Stärkeren zur Unterstützung bei seinem Aufwand für das gemeine Wesen, gegeben auf seine Bitte hin. Daraus ward dann nach und nach ein Herkommen, ein Sitte; und wie es von der bede zur sede ging, so ging es nach und nach von der sede zur wede, zum Gesetz. Daneben aber blieb das Geschenkmäßige in Aussteuer und Haussteuer, wie mundartlich ein Hochzeitsgeschenk noch heute genannt wird, Geschenk ins (neue) Haus. — Wie die beiden Begriffe steuern und regieren zusammenhängen sieht man aus dem Teuthonista: stuyren: regieren een scheep of anderswat, oder sonst etwas; ja bereits im Beówulf finden wir styrian sowohl für lenken als auch für feststellen, ordnen. — Das Steuer, also das was man seemännisch jetzt Ruder nennt, die Steuervorrichtung, hieß mittelniederdeutsch stur, stür; davon kommt die mittelniederdeutsche, auch im niederdeutsch-seemännischen Sprachgebrauch noch vorhandene Wendung „over sture‟, rückwärts, „over stür gan‟, zunächst vom Schiff = „über den Achtersteven gehen‟, rückwärts getrieben werden, dann auch bildlich: „den Krebsgang gehen.‟

Stert, der, ist ein kurzes Tauende das an einem Block — der darum Stertblock heißt — befestigt, gesplißt ist und an dem der Block irgendwo, wo er grade gebraucht werden soll, festgebunden werden kann. Einen ähnlichen Stert hat die Ankerboje zum Anfassen, die Leesegelspier zum Befestigen. Stert heißt im Niederdeutschen Schwanz, das althochdeutsche sterz, mundartlich noch heute als Sterz im Gebrauch. Der Ausdruck kommt von der Ähnlichkeit; ein Block mit einem Stert sieht einem kurzen dicken Tier mit einem langen Schwanze ähnlich. — Im Mittelniederdeutschen war stert, wie es scheint, ein sehr beliebtes Wort, man wandte es sogar, weniger fein als deutlich, auf Menschen an: „Id syn itlike lude, die ore kleidere so kort maken, dat men sie achter in den stert mach syn.‟ Hirsch, Danziger Handelsgeschichte, berichtet aus dem Jahre 1447 von deutschen Seeleuten die den englischen gram waren: „vnd also in tauernen sittende seyden se, se wulden den Engelschen de sterte vor dem ersse aff houwen.‟ Im Redentiner Osterspiel von 1464 sagt der Teufel Oberster Lucifer zu seinen Unterteufeln: „De krugerschen myt ereme tappen Unde ok den monnik mit syner cappen. De holdet alle bi deme sterte.‟ — Im Seebuch (1400) wird stert als Bezeichnung des spitzen Ausläufers eines Sandes, einer Sandbank gebraucht: „Item van den sulven sande strecket eyn stert aff, de het de Speyt‟ ... „Unde buten der Seynis sal he vinden 55 vadem, unde komet nicht neyer by nachte, umme des stertes willen, wente he strecket verne in de see.‟

Steven, der, ist ein starker auf und nieder stehender Balken am Bug und am Heck, der an diesen Stellen die Gestalt des Schiffes bestimmt; den Lauf des Bugs vorne und die Form des Hecks hinten; vorn heißt er Vorsteven, hinten Achtersteven; an den Steven stoßen die Seitenplanken der beiden Borde an und sind mit ihm durch eine Sponung verbunden. Früher kannte man es nicht anders als daß der Vorsteven weit überkragte, auslud oder überschoß, oft um den achten Teil der ganzen Schiffslänge. Dem modernen Dampfschiffsbau blieb es vorbehalten, den Vorsteven zurückspringen oder wenigstens senkrecht verlaufen zu lassen; für das Auge des Seemanns keine Verschönerung. Auch ist bei den großen neuen eisernen oder stählernen Schiffen der Steven längst kein Balken mehr, sondern eine in einem Stück gegossene Eisen- oder Stahlmasse. — Das Wort Steven gehört in das weitverbreitete Gebiet der Wurzel sta = stehen, und zwar so daß Stab und Stamm dabei mitspielen und einmal mehr Stab, das andere Mal mehr Stamm in den Vordergrund tritt. Altsächsisch stamn, ein aus einem Stamm (Einbaum!) gefertigtes oder mit einem Stamm (Steven) versehenes Fahrzeug. Altfriesisch stef, stev, Pfahl, Stab, Grenzpfahl, vor allen Dingen ein Kreuzpfahl, an dem jemand zum Beweise seiner Unschuld eine gewisse Zeit unbeweglich mit ausgebreiteten Armen stehen mußte. Hielt er die gesetzte Zeit nicht aus, so wurde er sachfällig. Auch standen beide Parteien am Kreuze, und der es am längsten aushalten konnte, erhielt die triumphante Sentenz, wie Wiarda mitteilt. Dieses Ordale genannte examen crucis hat übrigens Ludwig der Fromme schon abgeschafft. — Angelsächsisch stafn, stefn, stemn = Baumstamm und Steven. Steven ist also der Teil des Schiffes der durch einen Stamm Festigkeit erhält, durch ihn verstärkt und versteift ist. Das bezieht sich allerdings besonders auf das Vorderteil des Schiffes. Aber es war in alten Zeiten schon so und ist auch heute noch so, daß, wenn kurzweg von Steven die Rede ist, man zuerst und hauptsächlich an den Vorsteven denkt. Schon in der Edda hieß stafn das Vorderteil des Schiffes und stafn-tjald war ein daselbst aufgeschlagenes Zelt. Auch die alten Friesen sagten stewen und meinten den Vorsteven; Emsiger Land-Recht: „Huarsoma annen ut smit eter stewene, that ma hine eter stiure wither haut‟, wenn man jemanden beim Vorderteile des Schiffes auswirft, daß man ihn beim Hinterteile wiederkriegt. Das war auch im Mittelniederdeutschen so: Hamburger Chronik: „vnd synt de Hamborger vnd Bremer myt schepen tor seewert gerucket ... vnd weg genamen, wat en vor steuen gekamen is.‟

Steward, der. Diese Bezeichnung des „Kellners‟ bezw. Ökonomen an Bord sieht sehr englisch aus, stammt aber von deutschen Eltern ab. Sie bedeutet ursprünglich einen Viehhüter. Das mag den Earls of Leicester, in deren Familie das Amt eines Lord high steward als das vornehmste im Lande erblich war, schon nicht mehr bewußt gewesen sein, aber Tatsache ist, daß das Wort angelsächsisch stigeward und stiward, altenglisch styward hieß und eine Zusammensetzung des altdeutschen Wortes stiga, Schweinestall, Schafstall, überhaupt Stall und wart Wärter ist. Insofern in alten Tagen, wie es Walter Scott im Ivanhoe an Cedrik und seinem Wambo so meisterhaft geschildert hat, der Viehstand eines vermögenden Mannes das Hauptstück seines Vermögens ausmachte, auch in jenen unruhigen und rechtsunsicheren Tagen ein energischer, mutiger, kampfgeübter Mann als Wächter, Hüter und Verteidiger dieses Besitzstandes nötig war, war dieses Amt gar nicht so unwichtig, und es nimmt uns nicht Wunder, daß solch ein Viehhüter sich allmählich zu höherem ausgewachsen hat. So gut wie der Marschall sich gefallen lassen muß, daß sein Amtstitel Pferdeknecht bedeutet, so gut kann es jeder Steward mit ansehen, daß er vom Stallknecht abstammt. Was man übrigens damals unter einem Stall verstand, war aber gewiß nichts weiter als ein Pferch, ein Verschlag von Latten, eine Hürde in die die Tiere des Nachts getrieben wurden. Nur so erklärt sich das sonst befremdliche altdeutsche Wort Stiga. Wir müssen annehmen, daß die Wände des Pferches wie eine Leiter, eine Stiege gestaltet waren und auch zum Steigen benutzt wurden. Ward ist ein weitverbreitetes, gemeingermanisches Wort, von dem auch das wie ein Fremdwort aussehende Garde stammt, auch Münzwardein, Wartefrau und Wirt (gotisch vairdus, sprich wärdus, noch heute wird Wirt vielfach wie Wärd ausgesprochen), wie denn der Begriff Wirt dem von Steward auf einem Kriegsschiffe auch in der Bedeutung sehr nahe kommt. Die ganze Sippe geht zurück auf althochdeutsch wartjan, warten, aufwarten, hüten, pflegen (daher êwart der Priester, der Hüter des Rechtes), gotisch vards, altfriesisch wardia, altenglisch ward, altisländisch vördr. Da das Wort unser deutsches Eigentum ist, so kann uns niemand verwehren es Ste-ward anstatt Stjuward auszusprechen: sprechen es doch selbst die Engländer nur in Folge der falschen Meinung Stjuard aus, daß es aus stew und ard bestände, da es doch aus ste und ward besteht.

stoppen heißt in der Seemannssprache „eine Bewegung aufhalten‟, „machen, daß etwas sich nicht weiter bewegt‟, z. B. eine Maschine, ein laufendes Tau, eine Logleine, eine Ankerkette. Das entsprechende Kommando heißt: „Stopp‟ oder „Stop‟! oft mit einer lang gedehnten scharf betonten Endung e, „Stoppé!‟ Im ganzen niederdeutschen Sprachgebiet heißt stoppen: stopfen, füllen, voll machen, verstopfen, dicht machen, stehend machen, hemmen, aufhalten, angelsächsisch stoppian, altsächsisch stuppon, althochdeutsch stoppon. Vom lateinischen stuppare, mit stuppa = Werg verstopfen, italienisch stoppare, altspanisch estopar, französisch étouper = „to stop with tow‟. Diese Bedeutung „mit Werg verstopfen‟ führt uns den ursprünglichen Vorgang vor Augen: man verstopfte die Ausflußöffnung irgend eines Flüssigkeitsbehälters mit Werg und versperrte dadurch der Flüssigkeit den Weg, daß sie nicht in Bewegung geraten, daß sie sich nicht aus dem Gefäß herausbewegen konnte, von hier aus entwickelte sich die Bedeutung weiter bis zu dem allgemeinen Begriffe „hemmen.‟ Das Wort ist also mit stauen bedeutungsverwandt. — Bei Kilian wird het schip stoppen sogar noch mit kalfaten wiedergegeben, man dachte damals also noch an das Werg. — Es gibt an Bord verschiedene Arten eine Bewegung zu hemmen. Ein Tau wird mit einem Abstopper abgestoppt, der auch kurz Stopper heißt oder Taustopper, da er ein kurzes Tauende darstellt mit dem ein Tau, das geholt wurde, so lange festgehalten wird bis es belegt ist und sich selbst hält. Besonders wichtig sind, von der Dampfmaschine und ihren Vorrichtungen zum Stoppen abgesehen, die Stopper der Ankerkette. Je nach dem Orte wo sie in Tätigkeit treten oder nach der Weise wie sie arbeiten, spricht man von Zwischendecksstoppern, Decksstoppern, Kneifstoppern, Zungenstoppern und Schlippstoppern.

Stosstalje, die, dient, wie auch der Stoßstander, zum Abstützen der Unterrahen wenn das Schiff heftig schlingert und die Rahen sonst hin- und hergestoßen würden, oder wenn auf die Rahe durch das Hissen einer schweren Last viel Kraft kommt. Diese Taljen und Stander haben also ihren Namen nicht davon, daß sie stoßen, sondern davon, daß sie das Stoßen verhüten sollen. —

Strak, die, ist die Richtung in der etwas verläuft, die Gestalt oder der Zug wie eine Sache sich ausdehnt. So spricht man von einer Decksstrak, einer Spantenstrak, einer Reelingsstrak und meint damit die Linien in denen sich ein Deck etc. etc. hinzieht. Linie, Strich, Zug, Reihe, Streifen, Strecke u. s. w. bedeutet nämlich das niederdeutsche Wort strack, das auch für Landstrich, Gegend gebraucht wird, es kommt von striken = strecken, eine Bewegung, einen Zug machen.

Strand, der, sonst ein Streifen am Meer, der bald von der Flut mit Wasser bedeckt, bald von der Ebbe trocken gelegt wird, der also einmal Land und einmal Wasser ist; so im „Seebuch,‟ 1400, und noch bei Röding 1794. Jetzt aber ziemlich gleichbedeutend mit Küste, namentlich wenn diese flach ist. Allenfalls daß man in Seebädern im besonderen Sinne von einem (sandigen, nicht schlickigen) Badestrande redet. — Auch stranden wird nicht mehr als scharf umgränzter Begriff gebraucht, sondern häufig mit scheitern zusammengeworfen, wiewohl man doch stranden kann ohne zu scheitern, da schon manches gestrandete Schiff aus eigener Kraft oder mit fremder Hilfe wieder flott geworden ist, sogar ohne irgendwelchen Schaden zu nehmen. — Das Wort Strand ist ziemlich spät aus dem Niederdeutschen ins Neuhochdeutsche übergegangen. — Was die sehr schwierige Deutung des so einsam und allein im weiten Sprachgebiet stehenden Wortes betrifft, so sieht es beinahe so aus als ob die Bedeutung „sandiger (Bade-)Strand‟ die ursprüngliche wäre, indem, wie Doornkaat anzunehmen geneigt ist, ein schallmalendes Thema stradht zu Grunde liegen könnte, daß das Knirschen des Sandes beim Betreten andeuten dürfte.

Strandgut, das, s. Seetriften.

Stratus, s. Cirrus.

Streckbug, der. Beim Kreuzen hat man einen Weg die Segel nach der einen, den anderen Weg sie nach der anderen Seite gedreht; d. h. man hat sie einmal über den Backbord-, das andere Mal über den Steuerbordbug gebraßt und sagt dann: „wir fahren über den Backbord- oder über den Steuerbordbug.‟ Nun geschieht es, daß man über den einen Bug weiter in der Richtung des eigentlichen Kurses vorwärts kommt als über den andern, daß man über den einen Bug eine größere Strecke gewinnt, sich näher dem Ziele entgegenstreckt, darum heißt dieser Bug der Streckbug.

strecken, den Kiel. Hier ist strecken in dem gewöhnlichen hochdeutschen Sinne dieses Wortes gebraucht. Es ist verwandt mit Strak im Sinne von Zug, Richtung, Verlauf. Den Kiel strecken heißt eigentlich ihn grade machen, ihm seine Ausdehnung in der vorgeschriebenen Richtung geben, bedeutet aber im weiteren Sinne alles was zu dem eigentlichen Anfang des wirklichen Baues eines Schiffes, der immer mit dem Kiel beginnt, gehört, die erste an die Öffentlichkeit tretende und etwas von dem zukünftigen Schiffe in die Erscheinung bringende Tätigkeit, nachdem der Zeichensaal und der Schnürboden ihre Schuldigkeit getan haben. Es ist mit dem Strecken des Kiels eine gewisse Feierlichkeit verbunden, und auch in dieser Hinsicht hat die Sache etwas von einer Art Grundsteinlegung an sich.

Strecktau, das, s. Laufstag.

Strich, der. Man hat die Kompaßrose oder -Scheibe in 32 Teile eingeteilt und jeden derselben mit einem Strich bezeichnet und ihm einen Namen gegeben. Diese 32 Striche nennt man ganze Striche. Jeder Strich ist aber noch einmal geteilt, und jeder dieser Teile noch einmal, so daß man auf Viertelstriche genau steuern kann. Das war in alten Zeiten anders. Da nahm man es nicht so genau. Von den Zeiten des „Seebuches‟, 1400, sagt Breusing in der Einleitung: „Die Kompaßangaben im Seebuche gehen nur bis auf ganze Striche und nicht, wie dies jetzt gebräuchlich ist, bis auf Viertelstriche. Soll die Richtung genauer bestimmt werden, so wird der Zusatz „ein wenig nach‟ gebraucht (en luttik tegen norden), womit die Größe eines Viertelstriches gemeint sein wird, oder der Zusatz: „reichlich‟ (wal so nortlik, wal so sutlik), womit die Größe von beinahe einem halben Strich angedeutet sein mag.‟

streichen wird seemännisch in der weiteren Bedeutung des niederdeutschen Zeitwortes striken gebraucht; angelsächsisch strikan, altenglisch striken, englisch strike, altniederdeutsch strijken, althochdeutsch strichen, altisländisch strinka, mittelhochdeutsch strichen, strichen lazen = in Bewegung setzen. Striken bedeutet allgemeiner als das hochdeutsche „streichen‟ irgend eine beliebige Bewegung nach irgend einer beliebigen Richtung hin. Im Seemännischen kommt eine Bewegung nach zwei Richtungen hin in Betracht, eine abwärts und eine rückwärts. Abwärts wurden früher die Segel gestrichen, indem man als Zeichen der Unterwerfung, als Eingeständnis der Niederlage die Rahen fallen ließ, so daß die Segel von selbst mit niedergingen. Da man jetzt im Gefecht keine Segel mehr führt, so streicht das besiegte Schiff seine Flagge, d. h. es holt sie nieder. — Rückwärts werden die Riemen bewegt auf das Kommando: „Streich!‟ Teils streicht man an Backbord, wenn das Boot sich rascher, als das Ruder es bewirken kann, nach Backbord drehen soll, teils am Steuerbord, wenn es sich um die entgegengesetzte Richtung handelt; teils an beiden Seiten, wenn die Fahrt des Bootes plötzlich aufgehalten oder in eine rückläufige Bewegung geändert werden soll. — Im Mittelniederdeutschen kam striken auch wohl ohne Objekt vor, so daß es unentschieden bleibt, ob Segel oder Flagge gestrichen wurden, so allgemein bedeutete es „sich gefangen geben‟ Lübische Chronik: „Pawel sprack tho dem Lombarder, he scholde striken und geven de goder van sich‟, daher denn auch striken ganz allgemein als „nachgeben, klein bei geben‟ gebraucht wurde. 1530: „De heillosen papen weren so trotzig, dat se vor gades wort endlick nicht stricken wolden, sundern bleven jummer stiff by eren dingen‟; (Lüb. Reformationsgeschichte). So gut streichen bedeutet „aufhören zu kämpfen,‟ so gut könnte es auch bedeuten „aufhören zu arbeiten,‟ und wir hätten, wenn wir das Wort in diesem Sinne gebrauchen wollten, einen deutlichen deutschen Ersatz für das Fremdwort striken, die Arbeit einstellen, womit allen Mißhandlungen desselben bis hin zum „Stricke machen‟ ein Ende bereitet wäre; es wird ja ohnehin manchmal schon streiken geschrieben, und manchmal wird mit dem striken dem Arbeitgeber gewiß ein böser „Streich‟ gespielt. — Dieses Streichen wirft auch das richtige Licht auf das Wort Zapfenstreich. Die Segel streichen heißt aufhören mit kämpfen, den Zapfen streichen heißt aufhören mit zapfen, so daß der Wirt also den Zapfen zumacht und den Gästen Feierabend gebietet.

Stringer, der, „Längsstringer sind noch weiter (als die Seiten-Kielschweine) seitlich liegende, dem Kielschwein ähnliche Längsverbände. Decksstringer sind auf den Decksbalken an den Bordseiten liegende Platten, welche mit den Balken, der Außenhaut und den Querspanten, verbunden werden.‟ (Dick und Kretschmer, I. 83.) So gibt es auch Kimmstringer und Kastenstringer. Die Bedeutung wird durch die Herkunft des Wortes vom lateinischen stringo klar, das zusammenziehen, also verbinden bedeutet. Ein Stringer ist also ein Verbinder, ein Ding, das einen Verband herstellt; auf deutsch kurzweg „ein Binder.‟ Wir haben das Wort auf dem Umwege über England empfangen, wo stringer bedeutet „in ship-building an inside strake of plank or of plates, secured to the ribs and supporting the ends of the beams.‟

Strom, der, wird seemännisch nicht für einen schiffbaren Fluß gebraucht, der vielmehr Revier (Rivier) heißt, sondern für Meer, für die freie offene See, und zwar nicht oder wenigstens nicht durchgängig mit Beziehung auf Meeresströmungen, ausgenommen in Meeren wo es solche gibt, die Ebbe- und Flutströmungen, s. unten. Strom ist im Munde des Seemanns das, was man im Mittelniederdeutschen sestrom nannte. In einer alten Göttinger Urkunde steht: „... unde de unse unde ok den gemenen copmann uppe dem vryen seestrome groffliken beschediget.‟ Desgleichen in einer anderen: „do dusse lude van Engeren uth Britannien verdreven weren und leghen an den seestrome unde krygeden myt den Britanniern.‟ — Heute sagt man, wenn ein Schiff im Dock oder in einem Binnenhafen lag und es geht in freiem Wasser (wenn es auch ein Hafen ist) an eine Boje oder vor Anker: „Das Schiff verholt auf dem Strom.‟ — Im „Seebuch‟ (1400) ist unter Strom meistens der Flut- und Ebbestrom des Meeres verstanden, wobei hoch strome hohe Flut, Springflut bedeutet: „Jtem van Bervlete to Seynehovede in deme varwege (Fahrwasser) maket lege water westsudwesten mane, und also id is hoch strom, so maket lege water west ton suden mane.‟

Stropp, der, ist ein in sich selbst zurückkehrendes kurzes Tau, ein kurzes Tau ohne Ende, einen Kranz bildend, ein aus einem Stück Tau gemachter Ring, der durch das Zusammensplissen der beiden Enden entstanden ist. Solch ein Stropp wird um einen Block oder um eine Kausch gelegt, auch sieht man oft (aber nie auf Kriegsschiffsbooten) die Riemen eines Bootes am Dollbord mit einem Stropp befestigt; mit einem Stropp, den man um ihn gelegt hat, wird ein Warenbalken oder sonstiges Stückgut gehißt. Es ist also ein zwar unscheinbares, aber sehr wichtiges und nützliches seemännisches Hilfsmittel. Es war auch schon in alten klassischen Zeiten, sogar unter seinem jetzigen Namen bekannt. Lateinisch stroppus, gedrehter Riemen zur Sänfte oder zum Anbinden der Ruder an die Ruderbank, dünner Kranz von Bast gedreht; griechisch strophos, das von Leder oder Hanf zusammengedrehte oder geflochtene Band, der Gurt, das Tragband, Wickelband, Windel; verwandt mit strophe, das Wenden oder Drehen, daher unser Strophe; vom griechischen strepho, estropha, drehen, wenden, biegen, zusammendrehen. Winkelmann, Geschichte der Kunst, führt ein griechisches Wort an, das stroppos heißt und von Festus in der Bedeutung „Kranz‟ aufgeführt wird. Gellius hat das lateinische stroppus als „Band.‟ Grade dieselben Bedeutungen vereinigt das Wort in unser Seemannssprache. Der 560 n. Chr. geborene Erzbischof von Sevilla Isidorus sagt in seinem berühmten Buche Origines s. Etymologiae: „struppi quibus remi ad scalmos alligantur.‟ Als stropp führt Wright es aus dem Altenglischen an; Kilianus kannte es im Mittelniederländischen; im Mittelniederdeutschen war es im Gebrauch für den Strick des Henkers: „hoe gheerne solde een dief, die enen strop om sinen hals hadde ... weder gheuen, dat hie ghestolen hadde.‟ Es gab damals auch stropballien, solche Baljen, die mit einem Stropp versehen waren, „dar de Kalk inne vpn thorn gewunden warth.‟ — Italienisch stroppo, französisch 1702 etrope und estrope, jetzt étroppe, portugiesisch estropo. — Bestroppen, etwas mit einem Stropp versehen, z. B. einen Block, und so gebrauchsfertig machen. Daher auch übertragen: „Das werden wir bestroppen,‟ d. h. „das wollen wir machen.‟

Stück, das, war früher ein allgemeiner Ausdruck für Kanone. „Ein Schiff mit 48 Stück.‟ Zu Roedings Zeiten (1794) waren die Kommandos beim Exerzieren mit Stücken an Bord: 1. Stille! 2. Gebt Acht! 3. Macht die Stücken los! 4. Holt die Stücken ein! 5. Nehmt den Windpfropf ab! 6. Platloth ab! 7. Stopft das Zündgat! 8. Kratzer in die Stücken! 9. Wischer in die Stücken! 10. Öffnet die Karduse! 11. Die Kardus in die Stücken! 12. Setzt die Kardus an! 13. Kugel und Propf in die Stücken! 14. Setzt an Kugel und Propf! 15. Den Bohrpfriem in die Zündgaten! 16. Kraut in die Zündgaten! 17. Deckt die Zündgaten! 18. Stücken an Bord! 19. Faßt den Kuhfuß und die Handspake! 20. Pointirt! 21. Blaset die Lunte ab! 22. Nehmt das Platloth ab! 23. Feuer! Seit jener Zeit war die Bezeichnung Geschütz in den Vordergrund getreten, doch so daß Kommando 3 stets „Kanonen los!‟ hieß, da doch das unmittelbar vorhergehende Kommando gelautet hatte: „An die Geschütze!‟ Ganz neuerdings ist durch die Schnellladekanonen das Wort Kanone wieder mehr in den Vordergrund getreten. Stück hat sich aber nie ganz verloren; Stückpforten hat es immer gegeben, und neuerdings ist bei der Kaiserlichen Marine auch die Bezeichnung „Stückmeister‟ in Aufnahme gekommen.

Sturmdeck, s. Deck.

Sturmtor, s. Schleuse.

Sturmtreiber, s. Treiber.

Sturzsee, die, ist eine See im Sinne von Woge oder hoher Welle, die so hoch ist, daß sie über die im Sturme sich neigende Reling oder das Schanzkleid hinweg auf Deck stürzt; um das überkommende Wasser wieder zu entfernen, sind in das Schanzkleid neuerdings größere Öffnungen dicht über dem Deck eingeschnitten; man nennt sie Stürzpforten, weil das Wasser zu diesen Pforten wieder hinausstürzen soll.

stützen kommt in allen hochdeutschen Bedeutungen auch im Seemännischen vor; besonders zu nennen ist daher hier nur der Gebrauch des Wortes beim Steuern. Wenn befohlen war, daß das Ruder nach irgend einer Richtung hin gedreht werden sollte, und es soll nun nicht weiter in dieser Richtung gedreht werden, so wird kommandiert: „stütz!‟ oder: „stütz so!‟ Niederdeutsch stütten, welches oft anstatt stützen zu hören ist, anstatt „stütz so‟ heißt es dann „stütti!‟ wohl auch in Anlehnung an das englische steady, „steer the ship a steady course‟.

Südwester, der, ein in den Nacken hinabfallender Segeltuch- oder Öltuch-Hut zum Schutze gegen Sturm und Regen. — Grimm erklärt West aus dem gotischen vis = Meeresstille. Für unsere Meere paßt das nicht, würde auch zu dem Südwester nicht stimmen, der seinen Namen gerade davon hat, daß es eben bei Süd-West am meisten stürmt und regnet. Doch heißt vis nicht nur Meeresstille, sondern überhaupt Stille, Ruhe, Abend. Grimm vermutet auch eine gotische Form vistr, gegen Abend, adversum occidentem.

Superkargo, s. Cargo.

Süsswasser, das, ist dem Seemann der Gegensatz zu Salzwasser, sei es, daß es in Tänks von Hause oder aus irgend einem Hafen mitgenommen, sei es, daß es aus Salzwasser destilliert ist. Früher mußten die Matrosen oft mit vieler Mühe das Regenwasser auffangen. Übrigens sagt der Seemann lieber Frischwasser als Süßwasser, welches doch eigentlich hauptsächlich für die Unterscheidung von Süßwasser- und Salzwasserfischen gebraucht wird.

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