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Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache

L.

Reading edition

Labber kommt nur in der Verbindung „labbere Kühlte‟ vor und ist gleichbedeutend mit dem sonstigen niederdeutschen labberig, das zumeist vom Geschmack gebraucht wird: fade, weichlich, süßlich, kraftlos, schlaff. Das letztere nähert sich dem seemännischen Gebrauch, denn bei der unter Kühlte angegebenen Fahrt, die ein Schiff bei labberer Kühlte macht, müssen die Segel wenigstens zeitweilig ziemlich schlaff herunter hängen. Indessen ist nicht nach dem Geschmack sondern nach dem Gehör das Wort gebildet, nach einem Schallstamme von dem Geräusch des Schmatzens beim Essen von Süßigkeiten und beim Küssen; daher Labberei, Schleckerei, Schmatzerei, Küsserei. Auch das seemännische labber erklärt sich aus dem Schall, aus dem Geräusch das die Segel machen, wenn ihnen zeitweilig der Wind ganz ausgeht; dann flattern und flappern, wappern und lappern (auch sonst schlagen: „he lapde hum en an de oren‟) und labbern sie.

laden, mit Tragbarem beschweren, ganz verschieden von laden, wohin berufen. Unser laden heißt gothisch hlathan, eine Last auflegen. Es kommt manchem Schiffe für seine Fahrt sehr darauf an, daß es richtig geladen sei, daß es in Bezug auf die richtige Verteilung der Last sein Recht empfange, wenn das geschehen ist, dann nennt man es: „das Schiff ist auf seinen Paß geladen.‟ Der Raum für die Ladung heißt Laderaum. Die Linie, bis zu welcher das Schiff ohne Gefahr geladen werden kann, die Ladelinie, die Gesamtheit des Geladenen die Ladung; Schiffsladung, auch ein (allerdings ziemlich unbestimmtes) Maß bezeichnend, „Schiffsladung, Ladung schottischer Kohlen‟. — Das Laden einer Kanone, eines Gewehrs erinnert, wie das gleichbedeutende Fremdwort chargieren, noch deutlich an das Beschweren mit Tragbarem. — Uebertragener Sinn: „er hat zu schwer, er hat schief geladen.‟

Labsalen. Tauwerk mit Teer einreiben. — Hat mit Labsal nichts zu tun, wiewohl ein richtiges Seemannsherz der Meinung ist, der Teer sei für das Tau ein Labsal. Aber der Seemann sagt gar nicht labsalen, das ist vornehmer sein sollende neuhochdeutsche Seemanns-Schiffssprache, er sagt labsalben und das Einreiben oder Einschmieren, was ist es anders als Einsalben? Und auch das „lab‟ erklärt sich auf sehr einfache Weise. Das Salben geschieht mit einem Lappen, niederdeutsch lap — also lap-salben ist die richtige und ohne weiteres verständliche Form. — lap-döse (Lappendose) heißt der Kasten auf dem Schiffe, der die Lappen (zum Verbinden), Pflaster, einige Arzneien und Instrumente chirurgischer Art enthält, also „Pflasterkasten‟; lap-dös bedeutet aber auch Flicken- oder Flickkorb, und also auch in dieser Hinsicht ein für manche fatale Bedeutungsähnlichkeit mit Pflasterkasten. — In Groningen schimpft man einen der zerrissenes Zeug an hat Lapsak und Lapsalver, scherzweise auch Laplander. Schlecht angezogene Leute, „Lumpen und Lappen‟ wurden früher auf der Jagd zur Umstellung des Wildes gebraucht, daher: „durch die Lappen gehen.‟ — Ueber die Erklärung von labsalen hilft sich Kilian hinweg, der doch ganz richtig lapsalven hat, mit der leichthin geäußerten Bemerkung es werde wohl „quacksalven‟ sein. —

Labskausch, der, eine Speise, Rindfleisch und Kartoffelmus gemischt. An Bord, von präserviertem Rindfleisch hergestellt, ist das oft ein zweifelhafter Genuß. Wenn aber der Seemann sich erst einmal der Seefahrt begeben hat und in die so beliebte Zivilversorgung gegangen ist, dann fängt dieses Essen an, ihm in verklärtem Lichte zu erscheinen, er denkt wunders wie fein es ihm einst geschmeckt habe und veranstaltet feierliche Labskauschessen. Die Etymologie ergibt sich schon aus Kilians Uebersetzung von lap, smout, „pinguis liquor ex coriorum loris sive segmentis,‟ also aus Streifen oder Lappen Fleisch, aus Lappenstücken; die waren kein Abfall, kein übrig Gebliebenes, sondern Stücke des weichen Bauchfleisches, der Bauchlappen des Rindviehs. Das Zeitwort lappen aber übersetzt Kilian mit farcinare, „farcieren‟, eine „Farce‟ bereiten aus Fleisch. Die erste Silbe von Labskausch bedeutet also Hackfleisch; (die Kartoffel ist erst nachträglich hinzugekommen). Die zweite Silbe ist das niederdeutsche Kaus = Schüssel, Schale, so daß das Ganze also „eine Schüssel Gehacktes‟ heißt. Der Geschlechtswechsel hat sich vollzogen in einer Zeit, wo dem Sprachbewußtsein — Kausch als Schüssel nicht mehr gegenwärtig war.

Laffete, die, das Gestell auf dem eine Kanone ruht. Zuerst bei Stieler 1691: Lafet, Lafete; Goethe: Lavete. Ein Lehnwort, französisch l'affût, aus dem lateinischen ad und fustis = Stock, Prügel, Baum, Holz; spanisch fuste, provençalisch fust. Noch vor hundert jahren, 1794, als Roeding sein Lexikon schrieb, war Laffete an Bord nicht ausschließlich in Gebrauch, da sagte man auch noch Rapert und Rampert, niederländisch rampaard, also Rammpferd, „Rollpferd‟ sagt Roeding. Das Gestell hieß also Pferd, (vergl. Bock, Widder, Krahn) und ward näher bezeichnet als Rammpferd, weil es aus- und eingerammt wurde beim Schießen und Exerzieren.

Lage, die, alle Kanonen, die an einer Seite eines Schiffes auf einem Deck stehen (liegen), eine halbe Batterie, eine Breitseite. Sind mehrere Decks vorhanden, die Kanonen tragen, so heißen alle zusammen an einer Seite eine volle Lage. Dem entsprechend heißt: „eine Lage geben‟, „eine volle Lage geben‟ die betreffenden Kanonen zugleich, (in Konzentration) auf ein feindliches Ziel abfeuern. Auch übertragen: „eine Lage Bier geben‟, eine Runde Bier ausgeben, so daß jeder Teilnehmer der Tafelrunde ein Glas bekommt; jemanden mit einer vollen Lage von Schimpfwörtern dienen.

Lägel, der, auch Legel.

1. Kurze Stücke von Tauen deren Enden an das Liek eines Segels gesplißt werden, so daß sie mit diesem eine Art Ring oder wenigstens einen Halbkreis bilden. Es werden an ihnen die Bulins und anderes laufendes Tauwerk befestigt.

2. Die Ringe um das Stag, an die das Vorliek des Stagsegels befestigt ist, an denen dieses Segel am Stag auf- und niederläuft; ebenso die Ringe um Schnaumast und Gaffel durch die die Gaffelsegel sich auf und nieder bewegen lassen. Den Ringen zu vergleichen, mit denen man eine Gardine oder Portière bewegt. — Gehört zum niederdeutschen lag, leg = leer, frei, ledig, unbehindert, und zwar im Sinne der leichten Beweglichkeit, und dieses ist Kontraktion von ledig. Ledig ist einer der sich leicht rühren und bewegen kann; von Arbeit, Mühe, Beschwerde oder sonstiger Hinderung frei. Daher vermutet Dornkaat mit Wahrscheinlichkeit das ledig = lidig sei; lid aber heißt Glied, Gelenk, Stelle wo Arm und Beine sich bewegen, so daß die Gelenkigkeit, die Beweglichkeit und ein Zustand bezeichnet wird, in dem einer oder etwas, oder ein Mittel durch das einer oder etwas biegsam, geschmeidig, beweglich, lenksam ist, sich frei bewegen kann. Diese Bedeutung stimmt mit dem Begriff von Lägel oder besser: Legel überein, denn ein Legel kann man sehr wohl als Glied oder Gelenk bezeichnen, dadurch das Segel bewegt und gelenkt und gerichtet wird.

längsdeck, ein viel gebrauchtes Adverbium, die Längsrichtung des Decks bezeichnend; die Rahe liegt längsdeck, die Leute laufen mit dem Taljenläufer längsdeck. „Mit jemandem längsdeck gehen‟ heißt im übertragenen Sinne, ihm „über‟ sein, ihn überwältigen, ihm seinen Meister zeigen.

Längsstringer s. Stringer.

Landung, die, allgemein (die Landung des Columbus auf Guanahani) das Anlanden an einer Küste; besonders aber das Anlandsetzen von Waren; auf Kriegsschiffen das Ausschiffen von Truppen, im Frieden als Landungsmanöver geübt. — Das Zeitwort landen hieß und heißt teilweise noch im Hochdeutschen länden, aber das niederdeutsche landen hat es wegen des Übergewichts der Seeschiffahrt in den Hintergrund gedrängt. Das Landen ist nicht immer wörtlich zu nehmen, es wird auch wohl von solchen Häfen gesagt, die gar keine Häfen sind, sondern offene Reeden, wer z. B. in Montevideo „landet‟, der liegt so weit vom Lande ab, daß wenig genug davon zu sehen ist.

Landmarke s. Kennung.

Lanen, die, des Bootes sind die manchmal gitterartigen, dann auch Gräting genannten Bretter, die den inwendigen Boden des Bootes bilden. Sie liegen lose auf den Bauchstücken und können daher abgenommen werden, wenn man sie reinigen will oder wenn man das Wasser ausöst. Im Ostfriesischen heißt läne, län = Lehne, Geländer, Gitter, woran man sich hält oder worauf man sich stützt, worauf man einen Stütz- und Ruhepunkt findet. Lane dürfte also zu unserem Lehne zu stellen sein, die zwar jetzt besonders einen Halt und eine Stütze für Hände, den Kopf oder den Rücken bedeutet, aber ursprünglich war das anders, da bedeutete Lehne ein Lager, und lehnen „eine schiefe Stellung bilden, eine schräge Lage einnehmen‟ und diese nehmen die Beine der im Boot Sitzenden, namentlich der Rudernden ein, indem letztere sie noch gegen auf Lanen angebrachte Fußleisten anlehnen.

laschen heißt zunächst verlängern, besonders von der Tätigkeit der Schiffszimmerleute gesagt, wenn sie zwei Balken so zusammenfügen, daß sie zwar auf einander liegen, aber zusammen doch nur die Dicke des einen haben. Sie werden dann so zusammen verbunden. Daher heißt laschen auch überhaupt verbinden, befestigen, festbinden, zwei Dinge mit einander zusammenbinden. Eine Lasche ist ein Stück Zeug oder Leder, das man irgendwo einsetzt, dazwischen setzt, ansetzt um etwas zu verlängern. Die Erklärung macht Schwierigkeiten. Doch gibt Kluge einen Weg an, auf den sie sich dürften heben lassen; darnach wäre das Wort mit Lappen verwandt, indem im Althochdeutschen ein vorausgesetztes lafska sich in laska verwandelt hätte.

Last, die.

1. Die Ladung, das Geladene; auch als bestimmtes Gewicht: eine Last Kohlen, eine Last Torf.

2. Der Raum in dem die Ladung verstaut ist oder werden kann. Es ist Ableitungsform von laden, (du ladest mit ausgefallenem d) wie mittelniederdeutsch lest (von lädst). „Das deutsche Wort drang ins Romanische, französisch lest, Ballast, laste, italienisch lasto, Last, als Schiffsgewicht‟. (Kluge). Diejenige Last, also derjenige Raum, der für eine stets sich gleich bleibende Ladung bestimmt ist, die zur Versorgung des Schiffes dient, wird nach dem was er enthält benannt: Brotlast, Fleischlast, Wasserlast.

Lastadie, die. „Navale, locus ubi naves constituuntur, aedificantur, aut quassatae reparantur‟ ist bei Kilianus eine Lastagie, sonst meist, wie viele Straßen- und Platznamen in deutschen Seestädten beweisen, in der Form Lastadie gang und gäbe. Es fragt sich, welches die ursprünglichere Form ist. Die Endung agie ist eine weitverbreitete mittelniederdeutsche Kollektivendung. Ueberall wo eine Menge zusammengehöriger Dinge zusammengenannt werden soll, geschieht dies durch Anhängen der Endung agie. Sie wird zwar meist wie asche ausgesprochen, aber agie, asje, asche, acze, aghe abwechselnd geschrieben: Takelasje, Fustage, Fastage, Budelaghe, Segelasche, Segelacze, Segelacie, Stellage, Slytage, Ankeragie, Ankeracie, Eskipage: sogar Priesteragie für Pfarrhaus kommt vor. Im Englischen steht dafür die Endung age; lastage = Last im Sinne von Ladung, auch Ballast, und Last im Sinne von Laderaum. Und das eben gibt uns die ursprüngliche Bedeutung an die Hand. Stelle am Ufer, wo die für Schiffe bestimmten Lasten aufgestapelt waren, oder wo der Ballast lagerte, also Laststelle, Ladestelle, natürlich auch Löschstelle. Beim Laden oder Löschen stellt sich wohl das Bedürfnis heraus, an Ort und Stelle kleinere Reparaturen auszuführen, dafür wurden zunächst recht einfache und vorübergehende Einrichtungen in Anspruch genommen, aus denen sich jedoch nach und nach eine richtige Schiffbauwerkstätte, eine Werft entwickelte, die aber den Namen behielt, den der Ort von der Last erhalten hatte. — Aber wie ward aus Lastagie Lastadie? Oder, für den Fall, daß doch Lastadie die ursprüngliche Form wäre, woher kommt das d in der Endung? Da ist auf das schöne deutsche Wort Staden hinzuweisen. Es ist gleichbedeutend mit Kai, Kaje (Quai!). In Straßburg i. E. gibt es einen St. Nicolausstaden, einen Schifferleutstaden, Fischerstaden, Pariser Staden, Kaufhausstaden u. s. w. Leider ist aber auch der Gebrauch dieses Wortes so ziemlich auf das Gebiet Hochdeutschlands beschränkt. Dafür kennt das Niederdeutsche ein allerdings immer ungebräuchlicher werdendes Stade, welches zunächst so viel wie Gestade, Ufer ist, dann aber auch allgemein Stätte, Stelle, Platz, Ort u. s. w. bedeutet und, wie Staden, von einem Zeitwort kommt, das die Bedeutung hat: etwas irgendwo hinstellen, zu Statten bringen, zum ruhigen Bestande bringen, aufstellen, sich verheiraten, einen begraben etc., womit auch das Wort Stalhof (Stadelhof) verwandt ist, wie das Haus hieß, das die Oesterlinge zur Zeit der Hansa in London hatten, in dem die deutschen Kaufleute ihre Waren ausgestellt hielten, (es mag hauptsächlich ein Musterlager gewesen sein, weil man ein Muster, eine Warenprobe heute noch einen Stal, ein Stälchen nennt). — Also die Stätte, wo eine Last lagerte hieß Stade. Wie nahe lag da die Verbindung Laststade. Das eine st wurde als lästig gefallen ausgewiesen, so wie aus Raststede Rastede wurde. Der bloße Gedanke an Stade konnte bewirken, daß aus Lastagie Lastadie wurde. Da für letzteres aber auch die Form Lastadigen bezeugt ist, was eine Erinnerung an das von der richtigen Stelle verdrängte g von Lastagie sein könnte, so gewinnt dadurch die Ansicht das Übergewicht, daß Lastagie die ursprünglichere Form ist, aus welcher durch Anlehnung an die Vorstellung Last-stade Lastadie sich gebildet hat. Jetzt ist es durch Werft völlig verdrängt.

Lateinische Segel haben als besonderes Kennzeichen die Eigenschaft dreieckig zu sein und an einer langen Rahe zu sitzen, die ihrerseits an einem niedrigen, meist etwas vornübergeneigten Mast sitzt. Diese Art stammt aus dem Mittelmeer, aus dem eigentlichen Sprachgebiet des Lateinischen, und wird daselbst von Galeeren, Schebecken, Pinken, Tartanen, Felucken, Galioten und überhaupt fast allen dort gebräuchlichen Fahrzeugen geführt. Solche Schiffe sind leicht zu bedienen und segeln gut beim Winde.

Laterne, die. Diese allbekannte Lichtspenderin wird an Bord in verschiedenen Arten und zu verschiedenen Zwecken geführt, muß aber allemal so gesichert sein, daß auch der Sturm das darin brennende Licht, eine dicke Kerze, nicht auslöschen kann. Man hat Lauflaternen, Kompaßlaternen und besonders Positionslaternen. Diese sind von der größten Wichtigkeit, weil sie in der Dunkelheit das einzige Mittel sind, die Position, also nicht nur das Vorhandensein eines Schiffes überhaupt, sondern auch seine Fahrtrichtung zu erkennen zu geben oder zu erkennen. Zu diesem Zwecke brennt vorne an Steuerbord eine grüne, vorne an Backbord eine rothe Laterne, ist das Schiff ein Dampfer, so brennt hoch über den beiden am Stag eine Laterne mit weißem Licht, die Staglaterne.

Laufendes Gut nennt man alle Taue die ihrer Natur und Bestimmung nach beweglich sind und bewegt werden durch Menschen, neuerdings auch durch Dampfkraft. Gegensatz: stehendes Gut, das nicht nur für sich selbst fest und unbeweglich zu stehen hat, sondern auch dazu hilft, daß andere Teile des Schiffes fest stehen, weil sie von ihm gestützt sind.

Läufer, der, ehedem ein Mann dessen Beruf das Laufen war, ein Bote zu Fuß, Diener in besonderer Kleidung, der Kutsche Vornehmer vorauslaufend um Raum zu schaffen, auch Aufwärter etc. etc. (Ein Lauffeuer ist ein Strich ausgeschütteten Pulvers zum Anstecken von Gegenständen aus größerer Entfernung.) Seemännisch: 1. Das Ende eines Takels, einer Talje, einer Jolle an dem die Matrosen holen, und zwar sollen sie, besonders auf Kriegsschiffen, möglichst schnell holen, laufend holen, indem sie mit dem Läufer in der Hand längsdeck laufen, z. B. beim Hissen eines Kutters. 2. Ein Posten vor der Kajüte oder Messe, der Befehle überbringt, Botschaften ausrichtet, anmeldet etc. etc. (Treppen- und Flurläufer kommen wohl auch an Bord vor, sind aber nichts besonders Seemännisches). Doch ist in Bezug auf 1 zu bemerken, daß eigentlich das ganze Tau eines Takels mit allen seinen Parten Läufer heißt, weil es über die Scheiben der Blöcke läuft, daß aber die holende Part, weil hier das Laufen in doppeltem Sinne zum Bewußtsein kommt, auch besonders als Läufer in den Vordergrund tritt.

Laufplanken, die, sind Planken die vom Schiffe an Land geschoben werden, damit man auf ihnen aus- oder einsteigen kann; besonders aber die Planken an beiden Seiten der inneren Bordwand durch die Back und Schanze so mit einander verbunden sind, daß man von dieser auf jene gehen kann, ohne an Deck hinabsteigen zu müssen. Auch auf offenen Flußfahrzeugen finden sich an der derselben Stelle Laufplanken, auf denen die Matrosen hin- und hergehn beim Staken.

Laufstag, das, im engeren Sinne ist eine Haltevorrichtung für die Matrosen die am Bugspriet zu arbeiten haben, bestehend aus zwei gestreckten Tauen, die wie ein Geländer aussehen und zwischen denen man hindurchgehen kann. Da in der Nähe dieses Laufstages das Gallion ist (war), so mag mit ihm der Ausdruck „Stagläufer‟ für getrocknete, gelbe Erbsen in Verbindung stehen, die so schwer verdaulich für manchen Magen sind, daß sie manchmal gänzlich unverdaut in der Nähe des Laufstages wieder ans Licht kommen, (vergl. das Wort: „er sieht aus wie eine Erbse, die dreimal durch einen Soldaten gegangen ist‟, von einem gelb und kränklich aussehenden Menschen gesagt). — Im weiteren Sinne kann man Laufstag auch jedes Manntau nennen, also jedes zeitweilig geschorene Tau an dem der Mann an Bord sich festhalten kann, sei es an Deck bei so schlechtem Wetter, daß man ohne ein solches nicht stehen oder gehen kann, sei es beim Paradieren auf den Rahen, also das was man sonst Strecktau nennt, ein Tau, nach dem der Matrose die Hand ausstreckt um sich festzuhalten.

Launske, e. Memeler Lootsen kommandieren: „e Launske Backbord dat Rohr‟ (Ruder), „fier weg e Launske achtern‟! Nach schriftlicher Mitteilung eines früheren Ostseekapitäns ist das Wort aus dem englischen allowance verderbt und mit Diminutivendung versehen. Allowance ist aber Ration, Portion. Wie man nun von einer tüchtigen Ration Prügel und einer gehörigen Portion Schelte spricht, so sagt der Ostseemann: „e Launs Schelte oder Prügel bekommen‟, wie er auch die Ration Essen oder Trinken Launs nennt. Die Verkleinerungsform deutet also das an was wir mit „ein Teilchen, ein Bischen, ein Stückchen‟ bezeichnen.

Lausepflicht, die, s. Pflicht.

laviren heißt so viel wie kreuzen, sich aufkreuzen; doch ist man unter Umständen froh wenn man beim Laviren wenigstens nicht zurückkommt; namentlich bei schwerem Wetter und hoher See. Aber die eigentliche Meinung ist doch die, daß man dabei Luv gewinnen möchte. Man mußte also richtiger luviren sagen, wie im Französischen auch wirklich die Formen louvier und louvoier bezeugt sind, Aubin 1702; sie sind offenbar aus dem niederländischen loef richtig gebildet, (während das französische lof sich von einer falschen Aussprache des Holländischen herschreiben wird). Das Wort erklärt sich aus dem Niederdeutschen, besonders dem Niederländischen. Da heißt dasselbe zuerst loeven, von loef, Windseite des Schiffes, dann mit der beliebten fremden Endung loeveren, endlich verderbt, vielleicht auch in der Erinnerung an eine uralte Form von Luv laf (Beówulf) lavéren; so hat es Kilian schon; ja bereits das Seebuch (1400) hat inlaveren; die hochdeutsche Form laviren kommt im 16. Jahrhundert vor. So fremdartig laviren aussieht, so ist es doch unser eigenster deutscher Besitz.

lecken = Wasser durchlassen, bedeutet eigentlich dürsten, austrocknen, vor Trockenheit Ritzen bekommen und dann Wasser durchlassen; lechzen ist eigentlich auch rissig werden vor Trockenheit und erst übertragen „vor Trockenheit schmachten‟, und ist iterative Bildung von lechen, austrocknen, weiter zurückführend auf das oberdeutsche Adjective lech = rissig, undicht, wofür wir jetzt die niederdeutsche Form leck haben (Heyne). Von der Schiffahrt her im 17. Jahrhundert in die Schriftsprache gekommen. Davon das Substantiv der Leck, das Leck, sogar die Lecke. — Althochdeutsch lechen, Edda: leka, angelsächsisch lekkan, naß machen, tropfen, lecken (das Lecken mit der Zunge ist ein anderes Wort). — Leckasche ist das, was an flüssigen Waren aus den Fässern rinnt und in Abzug zu bringen ist. — Wie die Seefahrer des 17. Jahrhunderts ein Leck stopften erzählt der Verfasser der „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟, Rostock 1673: „Weil wir nun auch ein Leckschiff hatten, gingen etzliche von dem Volck bey die Pump; wir andern gedachten uns von den Masten frey zu machen, daß Wasser aber nam im Schiff überhand, so, daß wir vermerkten, daß wir noch eine größere Leck bekommen hatten, welches eine große Bestürtzung unter dem Volck machte; Ich war bißweilen in dem Soct (Pumpensood), märckte endlich, daß das Wasser muste von ferne kommen, derowegen sandte ich den Zimmermann mit einigen nach den vordersten, sie machten den Vorluck auff, da wurden sie gewahr, daß das Wasser häuffig einbrausete, rieffen derowegen, daß da die Leck wär: wir hatten aber zu unsern Glück, wenig Gut in Boch gestauet, derhalben dürfften wir nur wenig Fässer in Stücken hauen, worin Verginisch Tobacksblätter wahren, den unsere Ladung war Zucker und Toback, daß Volk nam gantze Armen voll Tobacksblätter, und fielen damit gegen das Wasser an, und legten sich darauff, daß es nicht in die Höhe brausen konte, sonst konte man dar nicht beykommen, den es war anzusehen alß wenn der gantze Boch offen war; Wie nun das Wasser mit den Toback gedampffet, könte man darunter fühlen wo daß Wasser herkam, also funden wir erstlich ein Holtzen Nagel Gat, welchen Nagel daß Fockenspar (eine bis an die Bordwand reichende Planke der Spur des Fockmastes?) hatte ausgerissen, wir machten alsobald einen Pfropff von ein Stück Ochsenfleisch, drückten es dar hinein, legten dar ein wenig von einem Bret auff, und dar eine Streve gegen an, da ward es dicht, noch funden wir eine Planck mitten auffgeborsten, welches viel Wassers brachte, wir nahmen Ochsenfleisch, legten es gegen das Gat an, und dar Stücklein von Brettern auff, so zwischen die Inholtzen paste, und solches ward bestrebet, damit daß Wasser das Fleisch nicht wegtreiben konnte, da ward es dicht, welches uns einen guten Muht machte, und wenn wir mit solchem in der Eyl nicht waren vorgekommen, solte es bald mit uns ein böses Ende genommen haben. Wir pumpten das Wasser bald wieder aus, nachdem giengen wir bey die Masten, die immer gefährlich auff das Schiff anrammelten, und machten uns davon frey.‟ — Leck wird auch als Adjektivum und Adverbium gebraucht, „das Schiff ist leck geworden‟, „das Boot ist leck gesprungen‟. Höchst auffallender Weise hat der Uebersetzer der „durchläuchtigsten Seehelden‟ anstatt leck „luck‟. „Black war unterdessen mit siebenzig Segeln bey Fayer-hill unter die große Fischerey geraten, allda er dreyzehn Buys-Convoyer genommen, etliche Buysen geplündert, etliche vom Volck entblößet treiben lassen, und die übrigen jedwede seines Weges gejaget. Tromp der ihm vorgenommen ihn zu finden, ward bei Fayer-hil und Hitland von einem harten Sturm überfallen, er selber war in großer Gefahr zu sinken, weil das Schiff sehr luck worden, und bloß mit Bomben (Bumpen) noch oben zu halten.‟ Als oberdeutschem Manne war ihm das seemännische leck wohl unbekannt oder ungeläufig, er hatte aber einmal etwas davon gehört, daß es auf Schiffen Oeffnungen gäbe, die man Luken nenne.

Lee, (ohne Artikel) die dem Winde abgekehrte Seite (des Schiffes). Breusing hat im Jahrbuch des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung 1876 sich die Deutung Kilians angeeignet, der lye mit „latus navis depressum‟ übersetzt und mit „quod a vento deprimitur‟ erklärt, indem er es mit ley = niedrig in Verbindung brachte. Darauf hat ihm aber Müllenhoff alsbald dargetan, daß an leg nicht zu denken sei. Mit Recht. Denn wenn auch zu gewissen Zeiten und unter gewissen Umständen an Bord die Leeseite die niedrigere Seite werden kann, so denkt dabei doch niemand an das Niedrige und das Wort Lee wird sehr oft da gebraucht wo von hoch oder niedrig gar keine Rede sein kann. Müllenhoff fügt seiner Ablehnung die Worte hinzu, er finde aus dem Germanischen keine Erklärung, so lange er sie auch im Auge gehabt und gesucht habe. Das kommt offenbar daher, daß er, wie auch Breusing mit einem zu engen Begriff von Lee gearbeitet hat, nämlich dem rein seemännischen. Es gilt aber zuerst sich den ganz allgemeinen Begriff und die umfassende Bedeutung von Lee klar zu machen. Es ist nicht nur die dem Winde abgekehrte Seite des Schiffes sondern jeder Ort wo man Schutz findet, Ruhe, Stille, Schatten, Obdach, Zufluchtsort. Spricht doch der Seemann selbst auf See, an Bord nicht bloß: „in Lee vom Schiffe‟, sondern auch: „in Lee von der Luvbordwand‟, (und da ist von ley, niedrig doch keine Rede); und ebensogut sagt er am Lande: „in Lee von einem Hause, von einer Mauer, von einem Busch‟ (wobei er an hoch oder niedrig erst recht nicht denkt), weil Haus, Mauer und Busch Schutz vor Wind, vor Regen oder Sonne gewähren. Überhaupt kam das Wort in allgemeinen Gebrauch ehe die Bedeutung so hervorragend seemännisch war, daß sie so nachdrücklich hätte auf die Sprache der Landbewohner zurückwirken können. Es ist das Wort vom Lande auf die See übertragen nicht umgekehrt. Sobald nun die Bedeutung Schutz, Schutz auch am Lande, festgehalten wird, kommt man ohne Weiteres auf das altnordische Wort hle; altsächsisch hleo, hlea, angelsächsisch hleo; sie alle bedeuten Schatten, Schutz, Schutzort, wobei gleich bemerkt sei, das Schatten vor der Sonne sowohl als Schutz vor ihren sengenden Strahlen, als auch als trübes, düsteres, trauriges Dunkel empfunden werden kann; so willkommen der Schatten um Johanni ist, so beengend, ja mit Todesahnungen erfüllend kann er in der Zeit der „zwölf Nächte‟ vom Weihnacht- bis zum Epiphanientage wirken. — In einer sehr lehrreichen Abhandlung über den altdeutschen Mythus vom Körperschatten hat Rochholz „Deutscher Unsterblichkeitsglaube‟, dargethan, daß Lee keineswegs ausschließlich oder auch nur hauptsächlich seemännisch ist. „Mit einerlei Wortstamm benennt unsere Sprache das schattige Waldgebirge, das dunkle Meer und das finstere Grab, diese drei großen Hauptgemarkungen, die das Land oder das Leben abgrenzen. Wir haben demgemäß Leewälder, Leberberge, Lebermeere und Leefelder, d. h. Grabfelder. Es ist nachzuweisen, wie die Vorstellungen über den Schatten in eben diesen Wortstämmen Le, Lew, Ler sich ausgebildet haben.‟ Indem er dieses tut, führt ihn sein Weg bis in das tiefste Binnenland, bis nach Österreich hinein. Uns aber geht besonders das Leemeer an. Der altnordische Wasserriese Hlê wohnt nach einer nordischen Sage auf der Insel Läsöe (Hlêsey) im Kattegat und hält sich dorten einen Hirten Snio, d. i. das Schneewehen vom Meere her. In weiterer Ausdehnung der Mythe bewohnt Hlê das unbeweglich stehende Eismeer, mare mortuum, welches die Isidorischen Glossen mit lebirmeri übersetzen. Die Seelen der Schiffbrüchigen finden in der Tiefe dieses Lebermeeres Zuflucht und Obdach unter umgestülpten Töpfen. — An die Stelle solcher Hlêmeere traten in den Binnenländern die Leewasser und ihre geisterbehüteten Leebrücken. Auf der Leebrücke zwischen dem Flecken Schwyz und dem Dorfe Brunnen am Waldstädtersee sitzt die Nachtspinnerin und wen sie anhaucht, der erblindet, wird leeblind. — Der Meeresgott Hlê ist natürlich nur eine andere Gestaltung der Schattengöttin Hel. Es möge aber genügen hier darauf hingewiesen zu haben, daß der gemeinsame Begriff von Leewald, Leemeer, Leefeld und Leebrücke der des Schattens, des Schutzes, des Zufluchtsortes ist und daß das Wort sich in jenen niederdeutschen Ortsnamen so oft wiederholt, die mit -leben zusammengesetzt sind: Eisleben, Wegeleben, Wanzleben, Ermsleben etc. Unter den zahlreichen Beinamen Odins kommt auch Hlêfreyr, Leeherr vor. Simrock meint, der bedeute jedenfalls seine Herrschaft über das Wasser. Aber was heißt Hlê-Herr? Doch zunächst einen Schutzherr oder Schirmherr, eine besondere Beziehung zum Meere liegt nicht darin. Und wenn der über Walhall reichende Wipfel der wunderbaren Weltesche Yggdrasil den Namen Laerad führt, so heißt das doch nur „Schutz und Schirm‟ spendend, und unter den Wurzeln dieser Esche quellen zwar drei Brunnen, aber mit dem Meere hat sie nichts zu tun. Ist nun die eigentliche Bedeutung von Lee Schutz, so ist es nicht zu verwundern, daß gerade die Seeleute sich im Laufe der Zeiten besonders das Wort angeeignet und bis auf unsere Tage im Gebrauch behalten haben; das liegt in der Natur der Sache, da für sie Schutz vor Sturm und Seenot eine besonders wichtige Sache ist. Dabei ist zu bedenken, daß auf Wangerooge angenehmes, warmes Wetter li-weder heißt und daß in der Edda laegi Meeresstille bedeutet. Daher haben die Verfasser des „Bremer Wörterbuches‟ auch schon das Richtige geahnt, als sie schrieben: „Lee oder Lehe, ein Dorf dieses Namens, eine halbe Meile von Bremen‟ (also Bremerlehe). Im Angelsächsischen ist hleow und hleowth eigentlich ein Ort, der (an der Sonne liegt und) vor dem Winde sicher ist: ein Zufluchtsort.‟ Und weiter: „Bei unseren Schiffern heißt lee ein Ort, wo die See stille ist und die Wellen nicht ankommen. „In't lee van't land‟ bezeichnet eine Station der Schiffe bei einer Insel oder Erdzunge, wo der Wind vom Lande absteht, und wo folglich dichte unter dem Lande die See vom Winde nicht beweget wird.‟ — Und andererseits lesen wir in einer mittelniederdeutschen Chronik: „und wo woll den Deutschen und Lubschen alles thoiegen was und in der Lehe werden.‟ Hier ist allerdings eine ausschließlich seemännische Bedeutung von Lee unzweifelhaft, indem es für ein Segelschiff natürlich sehr hinderlich ist, sich in Lee eines feindlichen Schiffes zu befinden, nicht weil es leger, niedriger wäre, sondern weil es in seiner Bewegungsfreiheit der in Luv befindlichen Schiffe gegenüber im Nachteil ist. Insofern bedeutet Lee eine schwierige Lage, etwa diejenige einer Partei, die „ins Hintertreffen geraten‟ ist; Not, Bedrängnis, Schwierigkeit. Aber darum hätte der holländische Dichter ten Kate ly — so heißt Lee im Niederländischen — doch nicht gleich von leiden ableiten sollen, was auch Kilian mit seinem latus navis depressum auf dem Gewissen hat. Adelung aber hat sogar ein altes lee = links herangezogen und dabei an Backbord, die linke Schiffsseite gedacht, als ob Backbord immer Lee und Steuerbord immer Luv wäre. — Leegierig, s. luvgierig am Ende.

Leesegel, das. Die Leesegel sind eine Vergrößerung gewisser Segel bei günstigem, beständigen Winde, eine Vermehrung der Segelfläche, und zwar nicht wie früher, als man die Segel nach unten zu durch ein Bonnet oder Bonnit vergrößerte, sondern neben, an der Seite, nämlich allemal an der Luvseite, da sie in Lee keinen Zweck hätten. Daher ist eine der beliebtesten Scherzfragen die: „Warum heißen die Leesegel Leesegel?‟ Antwort: „Weil sie stets in Luv stehen!‟ Das wäre also ein lucus a non lucendo. — Breusing hat (Jahrbuch für niederdeutsche Sprachforschung 1879, S. 14 und 15) folgenden Erklärungsversuch gemacht: „dann fand man, daß die früher übliche Verlängerung der Untersegel durch ein Bonnet wenig zweckentsprechend war, deshalb zog man es vor, bei günstigem Wetter die Segel an der dem Winde zugewendeten Seite durch einen Streifen Segeltuch, eine Leiste, niederländisch lyst zu verbreitern und nannte diese Beisegel im Niederländischen lystzeils, woraus durch euphonische Verschleifung der Konsonanten lyzeils und im Niederdeutschen lêseils wurden, und hieraus entstand der deutsche Name Leesegel, der mit dem einfachen Wort Lee durchaus keinen Zusammenhang hat, denn die Leesegel werden eben nicht in Lee gesetzt.‟ Diese Erklärung kann nicht richtig sein, denn erstens ist das Leesegel keine Leiste, sondern ein Segel, ein richtiges Segel, und ein solches, auch wenn es ziemlich lang und schmal ist, eine Leiste zu nennen, geht nicht an, wenn man bedenkt, was eigentlich eine Leiste ist. Sodann heißt im Niederländischen Leesegel lyseil, weil Lee im Niederländischen ly heißt; eine Form lystszeil gibt es nicht, Breusing hat sie auch nicht nachgewiesen; sollte sie sich ihm zufällig einmal irgendwo gezeigt haben, so könnte es höchstens als Erklärungsversuch geschehen sein, der aber nichts beweißt, wie unzähliche dergleichen Versuche von Weiland dartun. — Es bietet sich uns eine andere Deutung von Leesegel ganz ungezwungen dar. Wie unter Lee bemerkt ist, heißt auf Wangerooge ein angenehmes, warmes Wetter li weder; dieses li ist das ostfriesische le — lau, warm, mild; dabei sei dahingestellt ob dieses le von dem altnordischen hle — Schutz, Schatten, Schirm kommt, oder mit lau verwandt ist (welches aber auch mit hle, Lee eines Stammes sein dürfte). Weil im Ostfriesischen dieses le auch lau und lu heißt, so liegt der Gedanke an lau am nächsten. Doornkaart führt folgendes Beispiel für den Gebrauch an: „'t water is man äfen lê, das Wasser ist nur eben warm, lê water, lauwarmes Wasser; „'t is so 'n lauen lücht,‟ es ist eine so mildwarme, weiche, laue Luft, de wind weid so lau‟ etc. Wie auch die Verwandtschaft sei, le bedeutet gutes, schönes Wetter; ein Leesegel ist also ein Schönwettersegel. — Von hier aus fällt nun auch ein Lichtstrahl auf die Etymologie des erwähnten Wortes Bonnet, mit dem die Leesegel heute noch in den romanischen Sprachen bezeichnet werden, das aber ursprünglich eine Verlängerung der Segel nach unten zu bedeutete. Eine solche konnte auch nur bei gutem Wetter vorgenommen werden, und es steckt also in Bonnet, italienisch bonetta, spanisch boneta, das lateinische bonus, mit einer schmeichlerischen, kosenden Verkleinerungsform, wie man ja auch bei uns von einem „schönen Wetterchen‟ spricht. Also auch hier die Bedeutung: „Gutwettersegel‟, wie in früheren Tagen ja auch das Großsegel „Schönwettersegel‟ genannt wurde.

Leeweg, der, s. Abtrift.

Leibholz, das, s. Wassergang.

Legerwall, der, ist eine Küste unter dem Winde, eine Küste auf die der Wind zuweht, so daß beide mit einander einen rechten Winkel bilden, vielleicht sogar, indem rechts und links das Land vorspringt, einen spitzen. Dann ist also eine Bucht vorhanden. Eine solche kann, wie die berüchtigte an der jütischen Küste, eine rechte „Jammerbucht‟ werden, wenn ein (Segel-)Schiff durch Wind und Sturm so nahe an die Küste getrieben wird, daß es in Gefahr steht durch Kreuzen nicht wieder frei zu kommen. Dasselbe Gefühl, das Breusing veranlaßt hat Lee = leg, niedrig, zu setzen hat wohl auch die Form Legerwall anstatt Leewall in Gang gebracht. Aber Leewall ist das richtige, wie schon ein Blick auf das englische Lee-shore beweist und wie es auch in der Natur der Sache liegt. Die Veränderung in Legerwall mag aber dadurch gefördert worden sein, daß es in der Regel eine niedrige Küste sein wird, die ein Schiff in solche Gefahr bringt, denn eine hohe sieht es in größerer Entfernung, braucht ihr also nicht so nahe zu kommen, daß die Verlegenheit des Legerwall eintritt. — Gegen die Deutung Leewall könnte sprechen, daß das Gegenteil davon nicht Luvküste, sondern Opper- oder Upperwall hieß. — Aber einmal kann eben der Upperwall später gebildet sein, als Gegensatz zu Legerwall, zur Zeit als dieses in dieser Form bereits aufgekommen war, und dann ist zu bemerken, daß man doch auch von einer Luvküste spricht, ja daß Upperwall in neuerer Zeit geradezu von Luvküste verdrängt worden ist. — Legerwall gehörte zu dem Gefährlichsten was es für einen Seemann geben konnte. Der alte Kapitän der 1673 die „Beschrivung von der Kunst der Seefahrt‟ verfaßte, wußte davon zu erzählen. „Ich hätte billig Ursach mehr von Gottes Wunderwerken zu schreiben, wie ich zu zweyen mahlen in der Nordsee sonder Ruder gewesen, da daß eine auff die Quernes ist weggestoßen, und sind nachdem mit dem Schiffe sonder Ruder zu Rotterdam glücklich angekommen, daß andermahl durch einen starcken Nord Nordewesten Wind, unter Reveshoren daß Ruder weggeritten, und daß Schiff nach Allerheiligen, bei dunkern Mohn, durch das Katzen Gat zu Kopenhagen gebracht, und wie offt der Allerhöchste mich errettet, wann ich auf dem Legerwall von Sturm bin besetzt gewesen, da ich oftermahl nicht anders alß den Todt vor Augen gesehen, wie auch eins Mahls auff der Küst von Africa, nebenst Mamora, da wir bald in die Brandung waren, gab Gott daß der Wind sich legte, und indem auch raum ward, so, daß wir glücklich die Cap Spartel passierten, wann wir sonst an den Wall gekommen waren, und etzliche noch daß Leben, wie eine Beute davon gebracht, hätten die Mohren uns doch zu Schlaven gemacht.‟

Leguan, der, ein dicker bekleideter, beschmarteter, betakelter Kranz von Tauwerk, ein Stropp von besonderer Art, den man an besonders gefährdeten Stellen der Takelage zur Sicherung oder Schonung anlegt. So legte man zur Zeit der Segelschiffahrt vor dem Gefecht einen Leguan um Mast und Rahe, die beiden zusammenzuhalten wenn etwa Rack, Fall oder Toppnant zerschossen würden. Auch zur Verhütung des Schamfilens von stehendem Gut durch laufendes legte man wohl einen Leguan an, und oben um den etwas vorragenden Vorsteven eines Bootes kann man ihn heute noch gelegt sehen zur Milderung des Stoßes und Verhinderung von Schaden beim Anlegen. Wie kommt dieser Stropp zu dem Namen der großen Eidechse Iguana, iguana tuberculata, die auf deutsch Leguan heißt, jenes freundlichen und nützlichen, zum Fangen von Fliegen als Haustier gehaltenen munteren Tieres, das jedem Seemann bekannt ist, der einmal an den Küsten des tropischen Amerika weilte? Die Bezeichnung war offenbar zuerst scherzhaft. Der Stropp war ein Legan, weil er angelegt ward; weil das aber so sehr ähnlich wie Leguan klang, so lag für einen scherzhaft angelegten Seemann eine absichtliche Verwechslung nahe und die ist dann zur stehenden Bezeichnung geworden; also ähnlich wie ammer zu ammeral und Admiral wurde, so daß jetzt ein Eimer den Namen „Admiral‟ führt. Doch hat sich neben Leguan auch die ursprüngliche Form Legan bis auf diesen Tag erhalten, ja sie scheint sogar Leguan wieder etwas in den Hintergrund gedrängt zu haben.

Leibknoten, der, ist ein Knoten, der nicht zuschliert, dessen Auge also stets offen bleibt, auch wenn Kraft darauf wirkt. Er wird besonders dazu verwandt, einen Menschen in die Höhe zu winden, der sich mit seinem Leibe in das offene Auge gesetzt hat. Leibknoten können auf verschiedene Weisen gesteckt werden, doch bleibt stets das Auge für den Leib eines Menschen offen.

Leichtmatrose, s. Jungmann.

Leichter, der, auch Leichterfahrzeug, ein kleines Schiff, das einem größeren die Ladung teilweise abnimmt, damit es nicht mehr so viel Tiefgang hat und in einen seichten Hafen einsegeln kann. Man hört und liest manchmal auch Lichter und Lichterfahrzeug, doch ist diese Form geeignet Verwechslungen herbeizuführen, s. Anker lichten, und daher ist, wiewohl lichten die richtige niederdeutsche Form für leichter machen ist, doch Leichter vorzuziehen. Das Mittelniederdeutsche sagte luchteschute. 1368: „Vortmer moghen si hebben eghene prame unde luchteschuten‟. 1369 ... „und geven van dem prame ene mark vnd van der luchteschuten ene halve mark, darmede mogen se up unde ut schepen.‟ Ein luchteschute war also kleiner als ein prame.

Leine, die. Eine der zahlreichen Bezeichnungen die der Seemann für das Erzeugnis des Reepschlägers oder Seilers anwendet. Roeding sagt: „Dünne Taue von verschiedener Dicke, die zu mannigfaltigem Gebrauch auf Schiffen dienen.‟ — Altfriesisch lina, neuniederdeutsch lin, angelsächsisch line. Kommt vom lateinischen linum, das nicht nur Lein, Flachs bedeutet, sondern auch alles was daraus hergestellt wird: Faden, Schnur, Leinwand, Linnen, Segel, Netz, Seil, Tau. — In übertragenem Sinne, da die Leine als Leitseil diente, directorium, disciplina, also ein sittlicher Begriff. — Auch unser Lineal stammt von linus, von der Leine mit der die Zimmerleute sich auf das zu behauende Holz eine Linie — daher der Name — ziehen (daher die ganze Wendung „Linien ziehen‟), indem sie die geschwärzte Leine anziehen und dann auf das Holz schnellen lassen, wo es abfärbt. — Von den vielen Linien, die man auf Kartenblätter zog um die Grade zu bezeichnen war Eine so die Hauptlinie, daß man sie schlechthin „die Linie‟ nannte (Äquator.) Wer diese zum ersten Male passiert, muß sich gefallen lassen, daß allerlei „Hänselei‟ (von Hansa, denn wer in eine solche eintrat mußte allerlei über sich ergehen lassen) mit ihm getrieben wird; Linientaufe. Die Hauptsache dabei ist das (Unter-)Tauchen. Da taufen und tauchen ein und dasselbe Wort ist, so ist der Name treffend (s. Schiffstaufe.)

Leitblock, der, ist ein Block, der den Zweck hat, das durch ihn fahrende Tau in eine andere Richtung zu leiten. Es kommt z. B. ein Läufer in senkrechter Richtung zur Verwendung, geholt soll er aber in wagrechter Richtung werden; dann muß ein Leitblock die senkrechte in die wagerechte Richtung überleiten.

Leiter, der, ein ganz anderes Wort als die von lehnen stammende Leiter, die an die Wand etc. gelehnt wird zum Steigen, nämlich ein Tau an dem etwas geführt, von dem etwas geleitet wird, also ein schönes, kurzes Wort für Leitseil. Bei Stagsegeln etc. laufen sie, wie Roeding es passend vergleicht, wie eine Gardinenstange auf der sich die Lägel als Ringe bewegen.

Leiwagen, der. Es ist ein t ausgefallen, das Wort heißt eigentlich Leitwagen, wie Dabovich es auch schreibt und schon Roeding gekannt hat. Es ist ja auch ein Leiwagen eine Vorrichtung auf der die Ruderpinne hin und her geleitet wird. Bei -wagen ist aber nicht an einen wirklichen Wagen zu denken, sondern an das niederdeutsche wege, welches zwar dasselbe Wort wie Wagen, Wage und Wiege ist, aber noch allgemeiner den Begriff des Bewegens darstellt: ein Gerät zum Hin- und Herbewegen. Nun ist zwar Leiwagen kein Gerät, sondern eine am Deck befestigte Vorrichtung, auf der sich die Pinne bewegt, aber er trägt seinen Namen doch mit Recht, denn er dient dazu, die Bewegung der Pinne zu leiten. Und auch wo der Leiwagen nicht für die Pinne, sondern für eine Schot bestimmt ist, dient er doch demselben Zwecke: die Bewegung der Schot zu leiten. — Das Wort wird öfters auch Leuwagen geschrieben, diese Form gebührt aber einem ganz anderen Dinge, s. Leuwagen.

lenz, als Adjektivum und Adverbium in häufigem Gebrauch; es bedeutet leer. Das Bremer Wörterbuch sagt: lens = trocken, da keine Nässe mehr ist. De Pumpe geit lens: die Pumpe will nicht mehr ziehen, kein Wasser mehr geben (weil keins mehr da ist); de kann is lens: die Kanne ist ausgetrunken. Enen lens maken, einen so lange beschmausen, bis das Getränk alle ist. Niederländisch lens = zonder vocht. Mit dem Lenz, der Frühling bedeutet und seinen Namen vom Längerwerden der Tage hat, hat dieses lenz nichts zu tun, es soll vielmehr mit dem lateinischen lentus zusammenhängen. Dieses hat aber dreierlei Bedeutungen, von denen sich jeder die ihm einleuchtende aussuchen kann: 1. die von „erschöpft‟. 2. langsam, träge (so wie das Letzte aus einem Gefäß ausfließt). 3. zäh, klebrig, (so wie das Unterste bei vielen Flüssigkeiten zu sein pflegt). So recht will keine von den dreien, will überhaupt das ganze lentus nicht einleuchten, aber noch ist nichts Besseres gefunden. Übertragen: „ich bin lenz‟, ich habe kein Geld mehr.

lenzen. 1. vollständig leer und trocken machen, den Inhalt eines Fasses, einer Cisterne, eines Brunnens, einer Kanne, einer Flasche, eines Tänks, der Bilge erschöpfen; übertragen: jemanden ausplündern bei Spiel. 2. vor einem Sturme fahren, so daß der Sturm das Schiff mit nur wenigen und kleinen Segeln oder auch ganz ohne solche („vor Top und Takel‟) vor sich hertreibt. — Die Erklärung wird etwas erschwert dadurch, daß manchmal ohne Berechtigung und ohne Verständnis für den eigentlichen Hergang lenzen einfach mit „vor dem Winde segeln‟ gleichgesetzt wird. Die Wahrheit ist die, daß lenzen einen Sturm voraussetzt, der so stark ist, daß ein Segel nach dem andern weggenommen werden muß. Nun haben wir unter „lenz‟ gesehen, daß es leer bedeutet; lenzen also heißt leeren, zunächst von Flüssigkeiten; es kann aber auch im übertragenen Sinne gebraucht werden und in ganz allgemeiner Bedeutung von leeren; und so werden wir es hier anzusehen haben: die Rahen, den Mast, die Takelage leer machen von Segeln, so daß das Schiff schließlich nicht nur keine vollen Segel, sondern überhaupt keine Segel mehr führt. Von dem transitiven Gebrauch zum intransitiven war nur ein Schritt, und die Bedeutungsentwicklung von: „die Segel entfernen‟ bis zu: „das Schiff lenzt‟ lag nahe. Daß „lenzen‟ einen Sturm voraussetzt, beweist auch die Bezeichnung Lenzsack; den führt ein Rettungsboot im Inventar und gebraucht ihn bei hohem Seegang. Bei Dick und Kretschmer (II. 315) ist er anschaulich beschrieben: „ein trichterförmiger Sack aus starkem Segeltuch, dient dazu, das Boot der Länge nach vor der See zu halten und damit zu steuern, wenn durch hohe See das Hinterteil des Bootes so gehoben wird, daß Steuerriemen oder Steuerruder aus dem Wasser kommen. Hätte man dann keinen Lenzsack, so würde das Boot von der See quer geworfen und übergerollt werden. Der Lenzsack wird, mit der Öffnung nach vorn, an einem starken Tau geschleppt, während eine dünne Leine an dem spitzen Ende befestigt ist. Da beim Schleppen die Mündung nach vorn ist, so füllt sich der Sack mit Wasser, leistet einen beträchtlichen Widerstand und hält dadurch das Boot vor der See. Wirft man das stärkere Tau an der Mündung los und holt die dünne Leine an dem spitzen Ende ein, so wird der Sack umgekehrt, klappt zusammen und kann mit leichter Mühe ins Boot geholt werden.‟

Leutnant zur See. So sehr man auch versucht hat das Wort Leutnant als deutsches in Anspruch zu nehmen, so wird es doch bei der französischen Abstammung sein Bewenden haben müssen. Es ist sonst an ambacht, Ambt, Amt gedacht worden, weil das Volk in manchen Gegenden Leutnamt sagt, als ob ein Leutnant ein Mann wäre der ein Amt über Leute hätte. Allerdings findet sich schon ums Jahr 1500 die Form Leutenamt und so hieß das Wort auch während des 30jährigen Krieges, aber das sind höchstens Versuche, das Wort mundgerecht zu machen und dem Deutschen anzubequemen. Die ältesten Spuren führen nach Frankreich, wo das Wort schon im 15. Jahrhundert im Gebrauch war, bestehend aus lieu und tenant und ursprünglich demgemäß für eine Statthalterwürde gebraucht. „Des Königs Lieutenant‟ ist der Mann, der „anstatt‟ des Königs das Kommando führt. — Noch vor Kurzem bedeutete Lieutenant zur See den jetzigen Oberleutnant zur See, der jetzige Leutnant zur See aber mußte sich mit Unterlieutenant zur See begnügen.

Leuchtturm, s. Blüse.

Leuwagen, der, ist ein Stock mit einer Bürste daran zum Waschen des Schiffes, ein Schrubber. In diesem Worte ist nicht wie bei Leiwagen ein t ausgefallen, denn hier wird keine Bewegung geleitet. Allerdings deutet das -wagen auch eine Bewegung an, aber man wird annehmen dürfen, daß das Geschäft des Schiff- bezw. Deckwaschens als ein wenig angenehmes nicht gerade mit besonders fleißigen Bewegungen geschah und geschieht. Leu heißt aber im Niederdeutschen faul, träge, unlustig zur Arbeit, insonderheit wird es auch von einem Menschen gebraucht, der faul in seinen Bewegungen ist; also auch einen, der sich nicht gern bückt. Ein solcher mag den Stiel an der Bürste erfunden haben, die ursprünglich sicher ohne ein solchen gebraucht wurde, also beschwerliches Bücken erforderte. Ganz peinliche und reinliche Hausfrauen halten heute noch darauf, daß ihre Dienstmädchen die Arbeit der Stubenreinigung nicht im Stehen abmachen. Ihnen mag die Anbringung eines Stabes an den Scheuerbürsten als eine „faule‟ Sache erschienen sein, so daß sie das Arbeiten mit dem ihnen unlieben Instrument als eine „leue Bewegung‟ zu brandmarken versuchen. Es hat sich aber doch Bahn gebrochen.

levendig, werden die Segel gebraßt, wenn der Wind sie so fassen soll, daß sie killen, d. h. sich bewegen, nicht tot und steif stehen wie ein Brett, sondern flattern wie ein lebendiges Wesen. Lebendig ist Weiterbildung des Participiums lebend, und levendig ist niederdeutsche Form dafür. So weit wäre die Sache richtig. Aber es wird nicht, lebendig entsprechend, levéndig, sondern lévendig ausgesprochen. Doch hieß lebéndig früher auch lébendig, der Ton lag also auf der Stammsilbe, was im 17. Jahrhundert noch vorkommt, bei Gryphius: „Man hat ein zartes Kind noch lebendig geschunden.‟ „Das dauert landschaftlich in vielen Gegenden von Deutschland noch jetzt, die Rückung des Tones auf lebéndig ist aber auch schon im 14. Jahrhundert nachzuweisen‟ (Heyne).

„Do he en sag liggen also, Ward he wedder unfro Darumme, dat Brûn noch levendig was.‟ Reinke de Fos.

Wegen der Betonung weist Kluge auf Holunder hin, dem es ebenso wie lebendig gegangen ist.

lichten ist besonders in der Verbindung „Anker lichten‟ bekannt. Es ist von lichten = leicht machen, gänzlich verschieden, denn es heißt eigentlich lüften, nicht im Sinne von „frische Luft in eine Stube lassen‟, sondern von „in die Luft erheben‟. Man hört auch hie und da — in Stade z. B. — Anker lüften. Die niederdeutsche Form ist aber liften; englisch lift. Im Niederdeutschen nun, und je mehr es nach dem Niederländischen zugeht, desto leichter wird f in ch umgewandelt: gracht für Graft, kracht für Kraft, lucht für Luft etc. So hat sich auch liften in lichten verschoben.

Liderung, die, im Maschinenwesen ein Verschluß, ein Verschließen oder Verpacken irgend einer Öffnung, die man dicht haben will. Es ist das niederdeutsche Wort lid = Deckel, Verschluß, Tür, und dasselbe wie Lid in Augenlid, Altsächsisch hlidan, angelsächsisch hlidan, altenglisch hliden = bedecken, schließen; altfriesisch hlidia. — Von lid auch das Zeitwort lidern, schließen, verpacken.

Lieger, der, ist ein Mann von der Brabank, der auf einem nicht in Dienst befindlichen, auf der Werft liegenden Kriegsschiffe wohnt, d. h. nicht bloß am Tage da weilt, sondern auch nachts da schläft (liegt). Er hat das Schiff in Bezug auf Feuer etc. zu bewachen, für richtigen Verschluß aller Räume zu sorgen. Früher war ein Lieger ein ganz anderer Mann, nämlich wie Hirsch, Danzig, S. 227 berichtet, ein dispositionsfähiger Handlungsgehilfe im Unterschied von nichtdispositionsfähigen Handlungsknechten. — Lieger heißt auch das Bauchstück der Bodenwrange.

Lik, Liek, das. Das Tau, mit dem ein Segel eingefaßt ist. Bei einem Rahsegel unterscheidet man viererlei Lieke: Das Rahliek oben, das Unterliek und die beiden stehenden Lieke rechts und links. — Unser deutsches Wort „gleich‟ bestand ursprünglich aus der Vorsilbe ga und lika. Lika heißt Körper. Unser „Leiche‟ hatte nämlich noch im Mittelhochdeutschen nicht die Bedeutung „toter Leib‟ sondern galt auch für den lebendigen Leib, für die Körpergestalt, (so wie stinken früher eine vox media war und auch von Rosen und Veilchen und der köstlichen Nardensalbe der Maria zu Bethanien gesagt wurde). Wir sprechen aber täglich unzählige Male ahnungslos das Wort aus in dem Suffix = lich; männlich ist einer der die Gestalt, Form und Art eines Mannes hat; königlich ist einer der die Haltung und Gestaltung eines Königs besitzt, gleich einem Könige ist. Im Niederländischen und überhaupt im Niederdeutschen hat sich g nicht eingebürgert, da hält man sich mit der Vorsilbe auch in ihrer abgekürzten Gestalt nicht auf, sondern sagt liek, wie denn in Ostfriesland in früheren Zeiten eine politische Partei liekedeler hießen, Gleichteiler. — In der Bedeutung Gestalt hat sich dieses Wort allein im Seemännischen erhalten, denn unser Liek ist ja das Tau, das die Umrisse der Gestalt des Segels genau darstellt. Eine beachtungswerte Verwendung hat unser Liek im Französischen gefunden in dem Worte ralingue, aus Rahliek entstanden. Das -liek hatte man aber nicht in seinem Werte erkannt, sondern für eine Art Endung gehalten, etwa für die niederdeutsche Endung -ing, und so wurde ralingue aus einem Worte, das eigentlich ralique hätte werden müssen.

Linie = Aequator, s. Leine.

Linienschiff, das, ist das größte und stärkste Panzerschiff, ein Schlachtschiff erster Ordnung, Hochseeschlachtschiff; müßte eigentlich Schlachtlinienschiff heißen, denn es ist ein solches, das stark genug ist, in einer Seeschlacht in der Schlachtlinie zu kämpfen.

Lloyd, der. In der ganzen Welt, besonders in der seemännischen, ist dieser Name bekannt, weil ihn eine ganze Reihe großer Schiffahrtsgesellschaften tragen. Es gibt einen österreichisch-ungarischen, einen russischen, einen germanischen Lloyd, einen Lloyd francais und vor allen Dingen denken wir an den „Norddeutschen Lloyd.‟ Von Bremerhaven nach Lehe geht es erst durch die „Bürgermeister Smidt-Straße‟, dann durch die „Lloydstraße‟. Wer Bürgermeister Smidt war, das steht deutlich genug an seinem Denkmal auf dem Bremerhavener Marktplatze zu lesen. Aber wer war Lloyd? — Es gab bereits zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts in London eine Matrosenkneipe die „Lloyds coffee-house‟ hieß. Was dieser Mr. Lloyd sonst für ein Mann war wissen wir nicht, aber die Verpflegung bei ihm muß gut gewesen sein, denn es verkehrten nicht bloß Matrosen bei ihm, es fanden sich nach und nach auch Steuerleute, Schiffskapitäne, Makler, Kaufleute, Reeder bei ihm ein. Da gab denn ein Wort das andere, und weil es lauter Leute waren, die mit dem Seewesen zu tun hatten, so kann man sich denken, daß sich die Unterhaltung meist um Schiffe und Schiffahrt gedreht hat. Und besonders lag ihnen die Schiffsversicherung am Herzen. Aus diesen Besprechungszusammenkünften entstand 1716 eine Gesellschaft, die nach dem Orte ihres Beisammenseins den Namen „Lloyds‟ führte und heute noch besteht. Ihre Aufgabe ist: „The collection and diffusion of marine intelligence, the insurance, classification, and certification of vessels and the transaction of business of various kinds connected with shipping.‟ Bei der Übernahme des Wortes ins Deutsche ist das Genetiv-s in Lloyds, das man in England bis heute treu bewahrt hat, verloren gegangen. Dieses vielen schon so befremdlich vorgekommene s, oft für eine Pluralform gehalten, ist als eine Erinnerung an jenes Kaffehaus geschichtlich berechtigt.

Log, das, ein flaches Brettchen wie ein Quadrant gestaltet dessen Radius etwa 15 cm mißt; es ist eine Leine daran befestigt, die Logleine, die über eine Rolle, Logrolle, läuft. Loggen heißt mit Hilfe dieses Logs, dieser Loggvorrichtung, die Fahrt des Schiffes messen, indem man das Log ins Wasser wirft, das Logglas, eigentlich Loggglas, d. i. eine kleine Sanduhr, umdreht, die Leine eine von dem Glase angegebene bestimmte Zeit ablaufen läßt von der Rolle und dann an den Knoten der Leine abliest, wie viel Knoten das Schiff läuft, d. h. wie viele den Knoten entsprechende Seemeilen in der Stunde. — Edward Wright hat zu London 1599 ein Werk unter dem Titel: „the Haven-finding art‟ herausgegeben, in dem die erste Beschreibung, in dem auch zum ersten Male der Name Log zu finden ist. Darüber schreibt Roeding (1794): „Der Verfasser dieser Beschreibung, oder der Erfinder dieses Instrumentes ist nicht bekannt; auch findet man nicht eher wieder davon Erwähnung, als in der Beschreibung einer Reise nach Ostindien, vom Jahr 1607, welche Purchas herausgab, nach dieser Zeit aber wird in mehreren Reisebeschreibungen davon geredet, und es scheint auch von Ausländern allgemein angenommen worden zu sein; es erwähnt dessen z. E. Günter 1623, Snellius 1624, Metius 1631, Oughtred 1633, Herigone 1634, Saltonstall 1636, Norwood 1637, Fournier 1643, und fast alle neueren Schriftsteller, die von der Navigation geschrieben haben. Es ist dieses Instrument jetzt noch eben so beschaffen, als wie es erfunden wurde, ungeachtet man verschiedene Versuche gemacht hat, dasselbe zu verbessern, oder es durch andere Erfindungen ganz zu entbehren.‟ — Die Erfindung dürfte also in England gemacht sein; dahin deutet auch der Name, denn Log ist das englische log, das einfach ein Stück Holz heißt. Ursprünglich war also von der Form eines Kreisausschnittes für das Brettchen keine Rede, es war das Log überhaupt kein (weil unten beschwert aufrechtstehendes) Brettchen, sondern ein beliebiges Stück Holz an das die Leine befestigt war. — Das Loggbuch ist das Schiffstagebuch, in welches der Offizier der Wache alles Bemerkenswerte einträgt sobald die Wache vorüber ist. Die Benennung geschieht a potiore, weil die richtige Eintragung der richtig geloggten Fahrt, d. h. der während der Wache zurückgelegten Strecke, eine sehr wichtige Sache ist. In der „Beschriving von der Kunst der Seefahrt‟, Lübeck 1673 wird das ursprüngliche Stück Holz schon „ein hölzernes Schiffchen oder dreieckig Brettchen‟ genannt: „By etliken wert de wech, so dat schip aver see maket, mit ein gemarckede Lin, welckes dorch ein holten schepigen offt drehuckig bretien wert utgedreven, gefunden und affgemeten, welckes averst veel belemmeringe an sich heft und by nacht nicht wol tho dohnde ys.‟ Es ist aber trotz der Belemmerung heute auch noch nichts Besseres erfunden. — Lucas Janszoon Waghenaer im „Spiegel der Zeevaerdt‟ empfiehlt schon damals, 1588, die Einrichtung einer Art Loggbuches: „Item tis oock goet dat een Stuerman alle morghens ende auonts by gheschrifte stelle oft dve stellen, wat coursen hy ghezeyelt ende behouden heeft, op datmen daer nae inde Caerte af steecken ende ouerslaen mach, hoe de hoecken ende canalen van hem syn legghende.‟

Logger, der, englisch Lugger, und so auch öfters in neuerer Zeit bei uns, wo es dann aber nur ein offenes Boot oder kleine Jacht bedeutet mit Luggersegel, d. h. Segel das nach chinesischer Art (doch ohne die Querlatten) so angeordnet ist, daß beim Wenden und Halsen kein Dippen erforderlich ist. — Sonst war Logger ein „zum Kriege ausgerüstetes schnellsegelndes Fahrzeug‟ mit zwei Masten, sehr starkem Ausleger und einem Treiber („Brodgewinner‟). Der Ausleger ermöglichte das Führen mehrerer Stagsegel. Weil die Stagsegel nicht treibend, sondern ziehend gedacht werden, so ist als Etymon zu Logger und Lugger das Zeitwort luken, ziehen, zerren, reißen, zupfen in Betracht zu ziehen; englisch lug.

Logis, das, ist der Ort an Bord wo die Matrosen wohnen und schlafen. Bemerkenswert ist an diesem Fremdworte die Aussprache. Unsere Seeleute sprechen das s deutlich mit aus. Daran kann man merken, daß das Wort über Holland zu uns gekommen ist, wo auch in Commis und anderen französischen Wörtern das stumme s als nicht stumm angesehen wird. Auf Wangerooge ist das Logis wenn kein Raum an Deck dazu da ist ein farunner (s. d.)

Lohen, die Segel, heißt sie mit Lohe tränken um sie dichter und haltbarer zu machen; sie empfangen dadurch das bekannte braune Aussehen der Segel auf unseren Küsten- und Kanalfahrern; die Eichenrinde heißt englisch tan, to tan heißt dementsprechend gerben, aber auch braun machen, dann übertragen bräunen, von den Sonnenstrahlen, von Wind und Wetter.

Lootse, der, ein Mann, der Seefahrt und des Ortes kundig, der den Beruf hat, einem Schiff in schwierigem Fahrwasser den Weg in den Hafen oder aus dem Hafen zu zeigen; das Schiff zu lootsen. Um dieses Wort richtig erklären zu können, müssen wir vor allen Dingen von dem italienischen, französischen, englischen, holländischen piloto, pilote, piloot, pyloot ganz absehen, wenigstens zunächst. Diese Wörter werden oft mit Lootse zusammengebracht, haben aber nichts damit zu schaffen und können daher die Untersuchung nur trüben und verwirren. Auch der Versuch, das Wort zu Lot zu stellen, als sei der Lootse ein Mann der durch Loten die Tiefe des Wassers feststelle, muß aufgegeben werden. Das Bremer Wörterbuch sagt zwar: „Loots, Lootsmann = Piloot, der mit dem Senkblei die Tiefe des Wassers ergründet. Überhaupt ein erfahrener Mann, der das Fahrwasser, die Tiefen und Untiefen kennt‟, aber dadurch wird die Sache nicht besser, denn wenn auch das zweite, mit dem erfahrenen Mann stimmt, das erste, mit dem Loten, stimmt keineswegs. Wer auch nur einmal in seinem Leben mit einem Lootsen gefahren ist, der muß wissen, daß ein solcher viel zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt ist und auf zu viel anderes zu achten hat, als daß er sich aufs Loten einlassen könnte. Dazu wird eigens ein Matrose abgeteilt, der die gelotete Tiefe laut aussingt. — Auf die richtige Spur leitet uns das niederländische lodsman, englisch loadsman, altenglisch lodeman. Dieses lod aber hat mit lod = Blei nichts gemein, sondern heißt Weg. Ein lodsman ist also ein Wegmann, ein Mann der den Weg zeigt, und zwar, sinnverwandt mit dem brim-wisa = Führer zur See, ein Wasserwegweiser. Im Seebuch (1400) heißt der Name loedman und loetsman, lootsmann und dieser Ausdruck kehrt, wie Breusing (Jahrbuch V. 8) anführt in allen nordischen Quellen des Seerechts wieder; „in den Jugemens d'Oleron als lodemann; water regt van Damme als laedsage; kostumen van Westcapelle als leydtsman; Waterrecht van Wisby als Leytsager und leytsman.‟ Kilian, der pylloot freilich mit „expertus nauta, qui bolide altitudinem maris explorat, nauta loci peritus‟ übersetzt, hat doch auch die Form lootsman. — In einem Hansareceß von 1437 lesen wir: „Int erste hebbe ik gegeven deme losmanne, de my segelde in de Temese 6 Pf.‟ Und anderweitig: „So wan en schip van nodt wegen queme vor eyn land, dar yd hauen moste, vnde vmbekant were, so dat ydt eynen leydsagen bederuede‟ ... Weiter: „Wor en scipper wynnet enen sturman, eder enen letsagen edder enen schepesknapen, deme synt se to rechte schuldich syne reise wol to donde.‟ Auch im übertragenen und bildlichen Sinne in einem Adventsgebet: „O heerscopper aller heren vnde weldighe leytsaghe des slechtes Israhel.‟ Das früheste Zeugnis für die Form letsaghe fällt in das Jahr 1299: „So wellik letsaghe jof sturman oder schipman, de sic vormedet heuet eneme unseme borghere, wil he enen vnsen borghere vorklaghen, dat schal he don vor sineme oldermanne‟ (Lüb. Urk.) — Das Wort lootsman hat sich in dieser Gestalt, wie die Stelle aus dem Bremer Wörterbuch beweist, zwar bis in die neuere Zeit erhalten, daneben aber hat sich allmählich das Wort durch Verschlucken der Endsilbe in Lootse abgeschliffen, zunächst nur in der gesprochenen Sprache, so wie man boatswain Bosen ausspricht und das mann in Bootsmannsmaat verschluckt und Bootsmaat sagt. — Das Wort ist also ein echt germanisches. Heißt doch im Altenglischen der Nordstern loadstar, Weg-, Leitstern, und der Magnet loadstone = Weg-, Leitstein. Und zwar ist das erste Wort in der Zusammensetzung mit unserem neuhochdeutschen leiten = führen verwandt, die wörtliche Übersetzung von Bootsmann also „Geleitsmann‟. So war das Wort im Mittelalter in Deutschland, England, Holland und auch in Frankreich in Gebrauch. — Nun kamen aber zur Hansazeit die Italiener in deutsch-niederländische Häfen. Die hatten bis dahin so etwas wie einen Lootsen in unserem Sinne gar nicht gekannt. Wohl hatten sie einen piloto, aber der stellte, wie aus der Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen bekannt ist, und wie Breusing a. a. O. vortrefflich ausgeführt hat, etwas ganz anderes dar, einen Mann, der einen ganz anderen Beruf hat als ein Lootse, nämlich überhaupt einen seekundigen Mann, der die Navigation auf offener See betreibt, wie wir z. B. aus den Reisen des Columbus wissen, daß der eine der Gebrüder Pinzon der piloto mayor des Geschwaders der ersten Fahrt war. „Ein Bedürfnis von Lootsen in unserem jetzigen Sinne, wo das Wort einen Wegweiser für enge gefährliche Fahrwasser bedeutet, besteht im mittelländischen Meere gar nicht. Die großen Handelsemporien Konstantinopel und Alexandria, Messina und Palermo, Venedig und Genua, Neapel, Marseille, Barcelona, Valencia, Malaga[3] liegen an offener See. Andererseits muß man bedenken, daß in früheren Zeiten der Schiffer eigentlich nur der Schiffsherr war und kein Seemann zu sein brauchte. Ulloa in seiner Conversationes sagt darüber: En lo antiguo eran dos ministerios separados, el de mandar las embarcaciones y el de dirigirlas. Los capitanes tenian el mando interior civil, economico y militar; y les pilotos eran los que desempenaban la parte nautica en pilotage y maniobra. So erklärt sich die Vorschrift, daß ein Schiffsherr, der nicht selbst Seemann war, einen der Schiffahrt kundigen Mann annehmen mußte, von selbst, und man hat hier nicht an einen Lootsen zu denken. Bei den Völkern des Mittelländischen Meeres hat das Wort piloto keine andere Bedeutung gehabt, als die wir mit einem „befahrenen Seemann‟ verbinden ... Auch der Nichtseemann begreift, wie widersinnig es wäre, für völlig unbekannte Gewässer (wie die von Columbus aufgesuchten) einen Lootsen anzustellen, der eben davon seinen Namen hat, daß er von einem ganz bestimmten Fahrwasser eine genaue Ortskenntnis besitzt, um als Wegweiser dienen zu können ... Erst nach dem Jahre 1300 kamen genuesische und venetianische Schiffe nach Antwerpen und lernten in den nordischen Meeren eigentliche Lootsen kennen. Denn hier lagen die Handelsplätze nicht wie im Mittelmeere an offener Seeküste. Hamburg und Bremen, Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen, London und Bristol, Rouen und Nantes und Bordeaux liegen tief im Lande an Revieren, deren Eingang durch Sandbänke versperrt ist und wo die Möglichkeit des Einsegelns von der genauen Kenntnis der von Ebbe und Flut bedingten Wassertiefe und Gezeitströmung abhängig ist.‟ Aber für einen loodsmann war kein Wort im Italienischen, eben weil die Sache unbekannt war. Da halfen sie sich mit einem anderen Wort, mit einem, das wenigstens so ungefähr etwas Ähnliches anzudeuten schien und nannten den loodsman: pilota. Diese beiden haben sich dann so miteinander vermengt und vermischt, daß in Holland, England und Frankreich, vielleicht unterstützt durch den ähnlichen Klang, die romanische Form die germanische in den Hintergrund geschoben hat. Doch ist es ihr weder in Frankreich noch in Holland gelungen, sie ganz zu verdrängen. In Frankreich ist nämlich das normannische lodemann in locman, dieses in locmaneur (mit Anbildung an gouverneur = Steuermann) und dieses in das neufranzösiche lamaneur übergegangen, und lamanage heißt heute noch die Thätigkeit des Lootsen, während man im Altfranzösischen maronier sagte, vom kymrischen mar = Führer, oder vielmehr von dem Beinamen des Mercurius Marunus = Wegweiser; auf einer bei Baden gefundenen Inschrift aus der Römerzeit steht: „Marones (Name eines Volkes in den Alpen) enim appellantur viarum praemonstratores‟. — Was aber Holland betrifft, so beweist ein Blick in das 1629 erschienene erste deutsche Buch über Schiffbau, die Architectura Navalis von Josef Furttenbach, daß das germanische Wort damals noch galt. Es ist da ein durch seine Schnelligkeit berühmtes holländisches Schiff unter Segel abgebildet und genau beschrieben, ein Schiff, das einst zu Wasser schneller von Amsterdam nach Genua kam, als der Avis mit der Landpost, der melden sollte, daß das Schiff geladen sei. Es führte den Namen „Lotzmann‟ und hätte ihn nicht führen können, wenn nicht Lotsmann neben pylot in Holland noch gangbar gewesen wäre. — Im Deutschen, und zwar in der deutschen Seemannssprache hat sich das deutsche Wort unbefleckt von piloto erhalten. Daher wir auch der Mühe überhoben sind, der Abstammung dieses Fremdwortes nachzugehen. Es macht sich zwar hie und da in hochdeutschen Büchern und namentlich Gedichten breit, aber es wird stets als Fremdwort empfunden. Und wenn bereits 1735 im „Seebuch‟ Johann Manson schreibt: „Für tieffgehenden Schiffen ist nicht rathsam dieses Fahr-Wasser einzusiegeln (durch das Mitteltief nach Wismar), wo er nicht desto besser bekannt ist, sondern muß sich Piloten aus der Stadt nehmen‟, so beweist das doch nur, daß damals schon die Fremdwörterei im Gange war, was ohnehin bekannt ist. Außerdem hat Hans Wittenburgk, Schiffer in Wismar, das Manson'sche Buch aus dem Schwedischen ins Hochdeutsche, so gut ers konnte, übersetzt. — Lootsenflagge ist die als solche erkennbare weil besonders unterschiedene Flagge, die ein Schiff hißt zum Zeichen, daß es einen Lootsen haben will; auch die Flagge die der Lootsendampfer, der Lootsenschuner zeigt, der Lootsen abzugeben hat. — Ein Lootsenkommando hat einen Lootsenkommandeur, Oberlootsen, Steuerleute, Lootsen, Lootsenaspiranten etc. etc. — Lootsenwasser ist ein Fahrwasser, das man auf Karte und Segelanweisung hin nicht befahren kann, sondern nur mit Hilfe eines Lootsen. Waghenaer im „Spiegel der Zeevaerdt‟, 1588, schreibt: „Dan men moet verstaen dat wij dese Tonnen ende Baecken alhier so aengeteckent hebben, als de selue int voorleden Jaer van 82 geleyt ende gestelt sijn geweest. Ende dat de diepten ende stroomen Jaerlyckx seer verloopen ende verandern: ouermidts d'onghestadighe sandtgronden, ende dat de gaten beneffens der Zee seer wyt ende breet worden, waer door dese stroomen al Lootsmans water syn, darmen hem versien moet van goede Piloten.‟ Ein neuer Beweis, wie man in Holland Lootsman und Pilot neben einander gebraucht hat. Vergl. auch Waghenaers Segelanweisung für Brest: „Oock meucht ghy van daer innewaerts seylen voor den hauen van Brest, maer daer leyt een Clippe ghenaemt de Bagyne recht binnen d'Oosthoeck van Croixduynen af, ontrent Midtswater aen de Noortzyde ist best daeromme te loopen. Voorts die inde hauen van Brest oft Landerneau wil wesen, moet schicken Lootsluyden in te cryghen wantet Lootsmans water is.‟

Löschen, die Ladung des Schiffes an Land bringen. — Bei dem neuhochdeutschen Zeitwort löschen denkt man zunächst an Brennen, sei es daß Holz oder Durst brennt. Eine Ladung löschen müßte demnach bedeuten, daß sie brennt und daß dem Feuer gewehrt wird. Das seemännische Löschen heißt aber eigentlich garnicht löschen, sondern lößen (und dieses ist unser hochdeutsches lösen). Das wird im Niederdeutschen in sehr allgemeinem Sinne gebraucht. Man sagt z. B. in Ostfriesland: eine Tür lösen oder los machen anstatt öffnen, und gebraucht lößen für frei machen, auslösen (vergl. Geld lösen, Erlös), befreien, entfernen, trennen, scheiden, entbinden, entfesseln; „stenen, törf, kalen, rogge etc. etc. lössen.‟ Die eigentliche Bedeutung von Löschen ist also: Die Ladung vom Schiffe (los =) lösen (entfernen, das Schiff entladen). Gothisch liusan = los, frei machen, leicht machen, lichten. Aubin: „Een ship lossen, Last lossen = Lichten, de goederen afschepen, outschepen, ontlasten, ontladen, ontlossen. Teuthonista: loyssen = ontbinden. Bremer Wörterbuch: „lossen, ein Schiff ausladen. Einige Oberländer sprechen unrecht löschen.‟

Lose, die s. durcholen.

Loskiel, der, „ist eine unter dem Kiel angebrachte Holzplanke, welche mit demselben nur in solcher Weise verbunden wird, daß sie bei Grundberührungen sich loslösen kann, ohne daß Leckagen entstehen. Sie bietet also dem Schiff beim auf Grund Kommen einen gewissen Schutz‟ (Dick u. Kretzschmer I. 85).

Loten, die Tiefe des Wassers mit dem Lot messen, sei es mit dem Handlot, sei es mit dem „großen‟ oder Tieflot. Ersteres ist die häufigere Art, namentlich beim Einfahren in einen Hafen oder beim Ausfahren aus demselben üblich, wobei der lotende Matrose die gelotete Tiefe in Metern aussingt: „grade — das a sehr lang — fünfzehn! (wobei dann genügsame Gemüter immer wieder mit dem Scherze kommen, fünfzehn sei ja gar nicht grade) oder: „zwanzig Meter und keinen — das ei sehr lang — Grund!‟ — Die Zahl der Meter ist an den verschiedenfarbigen in die Lotleine eingeknoteten Streifen Zeug kenntlich. — Das niederdeutsche lod heißt Blei, Lot ist also das Hochdeutsche „Senkblei‟. Die Sache selbst ist eine uralte Einrichtung, vergl. die Beschreibung des Sturmes Apostelgeschichte 27, 27 und 28; Luther hat die Stelle übersetzt: „Da aber die vierzehente Nacht kam, und wir in Adria fuhren, um die Mitternacht, wähneten die Schiffleute, sie kämen etwa an ein Land. Und sie senkten den Bleiwurf ein und funden zwanzig Klafter tief, und über ein wenig von dannen senkten sie abermal und funden funfzehn Klafter.‟ Das griechische Zeitwort für „den Bleiwurf einsenken‟ heißt bolizo, von ballo ich werfe; dem entsprechend bolis beides heißt: Wurfgeschoß und Senkblei. Es ist klar, daß Bleiwurf viel treffender ist als Senkblei, denn das Werfen, das Schwingen und dann möglichst weit nach vorne Werfen des Bleies ist eine wesentliche Bedingung beim Loten. — Das Seebuch (1400) nennt die Tätigkeit depen = tiefen, wie man jetzt wohl auch noch sagt: „ein Fahrwasser austiefen‟, was nicht mit ausbaggern zu verwechseln ist. — Der lotende Matrose steht außenbords, mittschiffs, auf einer Gräting und muß sich bei seiner Arbeit sehr weit nach vorne überbeugen um das Lot möglichst weit vom Schiff frei zu bekommen (hoher Schwung und weites Werfen ist Ehrensache); daher ist er mit einer Art von Schurz umgeben, der, am Schiffe befestigt, ihm Halt bietet und Lotbrook heißt. Die Leine heißt Lotleine.

Es trieben Südenwinde sie in die offne See, Dem edlen Fahrtgesinde schuf es bitteres Weh, Mit tausend Leinen hätte es den Meergrund nicht gefunden, Die besten Schiffer stöhnten; allen war der Mut dahingeschwunden.

Kilian hat „grond-loot, diep-loot, funis cum plumbo, quo fundus et maris altitudo exploratur.‟ — Es bedarf kaum der Erwähnung daß das Senkblei am Lande nicht als Lot zum Messen der Tiefe, sondern einer lotrechten Linie dient. Überhaupt spielt Lot eine große Rolle, namentlich als (Blei-)Gewicht und als (Blei-)Kugel; „jemand eene loden, blaawe of huzaren boon geven‟: bleierne, blaue oder Husarenkugel. — Italienisch heißt das Senkblei scandaglio, spanisch escandallo; loten italienisch scandagliare (vom lateinischen scandere, messen); mittellateinisch scandilia, die Sprossen der Leiter, wobei daran zu denken ist, daß die Grade an der Senkschnur bemerkt waren; auch spanisch-portugiesisch sonda, französisch sonde = Senkblei, sonder die Meerestiefe messen (aus sub-undare, in das Meer tauchen), sondieren. — Waghenaer legt in seinem „Spiegel der Zeevaerdt‟, 1588, ganz besonderes Gewicht auf fleißiges und sorgfältiges Loten. Er nennt es manchmal kurzweg „werfen‟. „Twee kenninghen buyten Heys werpt gy 45 vadem‟; manchmal auch tiefen, diepen: „Dicht by Heyssant ist diep 45 vadem, en daer binnen ist oneffen daermen qualyck diepen can.‟

Lose, die s. holen.

Luftkasten, der. Luftkästen sind ein wesentliches Erfordernis eines Rettungsbootes, nämlich die Träger desselben durch Brandung und hohen Seegang. Sie müssen das Boot auch dann noch über Wasser halten, wenn es voll Wasser geschlagen ist. Es sind bei unseren Rettungsbooten neuester Art, die eine große Stabilität haben und doch leicht sind, weil aus verzinktem kannelierten Stahlblech gebaut, den sogen. deutschen Rettungsbooten, wie sie die „Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger‟ verwendet, kupferne Kästen zu beiden Seiten des Stechschwertes, die, wasserdicht verlötet, im Verhältnis zum Boot die Größe haben, die für den angegebenen Zweck erforderlich ist. Auf anderen Rettungsbooten, z. B. dem englischen life-boat, sind nicht nur zu beiden Seiten, sondern auch hinten und vorn solche Luftkästen, air-cases, angebracht. Sonst dienen auch einfach doppelte, hohle Bordwände dem Zwecke größerer Stabilität.

Luftzuführung s. Windsack.

Luftsack s. Windsack.

Luk, das, auch Luke, die, eine viereckige Öffnung im Deck die als Zugang zu dem betreffenden Deck dient; früher mit einer Falltür verschließbar, im modernen Eisenschiffbau wohl durch eine eiserne Schiebeklappe zu verschließen. Wiewohl man Luke gewöhnlich nach dem Augenschein für eine Öffnung ansieht und auch als Öffnung erklärt, so hat doch nicht diese, sondern im Gegenteil das Verschließen, die Verschließbarkeit den Namen hergegeben, das Wort hat nämlich nichts mit Loch zu tun, sondern kommt von einem Zeitwort das schließen bedeutet, gotisch lukan, althochdeutsch luhhan, altnordisch luka, altfriesisch luka, altsächsisch lukan, angelsächsisch lucan, altenglisch luken, englisch lock, nordfriesisch loke, luka, laka; im Saterland luka, mittelhochdeutsch luchen, niederländisch luiken. Der Grundbegriff aller dieser Wörter ist aber ziehen, unser niederdeutsches, noch jetzt im allgemeinen Gebrauch stehendes luken = ziehen. Das Verschließen einer Tür ist ja vor allen Dingen ein Zuziehen derselben. Aber an eine Tür war am Morgen der indogermanischen Sprache, als das Wort geschaffen wurde, noch nicht gedacht, vielmehr ist der Ausdruck dem Leben der Hirten und einfachsten Ackerbauer entnommen, und zwar von einer ganz bestimmten Vorrichtung, nämlich einer durch Querstangen verschließbaren Umzäunung, Umhegung von Weideplätzen, von Hürden und Pferchen. Die wurden einfach dadurch verschlossen, daß eine Stange vor die Öffnung geschoben wurde; wurde die Stange wieder zurückgeschoben, so war der Raum wieder offen. Dasselbe Bild stellt sich uns dar, wenn wir an den ältesten Verschluß von Türen und Fensterläden denken: es war kein Schloß, sondern ein Riegel, der hin- und hergeschoben wurde. Die Stange, der Riegel wurden also geluckt, d. h. hin- und hergezogen oder geschoben, denn luken heißt ziehen und schieben. Je nachdem nun die Stange oder der Riegel hin- und hergeschoben wurde, war der Raum offen oder zu: daher schreibt sich dieses immer wieder hervortretende Schwanken der Bedeutung von luken zwischen schließen und öffnen, offenbar auch die von Luk, Luke zwischen Öffnung und Verschluß. — „Das Luk‟ scheint zu veralten; „die Luke‟ mehr in Aufnahme zu kommen. Ausschließlich wird letzteres Geschlecht gebraucht in der oft gehörten Redensart: „Guckst Du mich aus die Luke?‟ Sie wird gebraucht, wenn man jemanden erkannt hat in seinen Absichten und ihm in der ersten Überraschung solchen Erkennens mitteilt, daß er „erkannt‟ sei.

Luv meist, wie Lee, ohne Artikel. — Es sind auffallend wenig Erklärungsversuche an dieses Wort herangetreten, gleichsam als ob sich an das schwierige Wort niemand so recht herangetraut hätte. Und es ist doch ein so wichtiges Wort für den Seemann. Wir müssen vor allen Dingen von der Frage ausgehen: Was ist Luv? Was will es sagen? Von welcher Anschauung mag die Benennung ausgegangen sein? Und da ist vor allen Dingen zu bemerken, daß Luv die Seite ist von der man mit dem (Segel-)Schiffe herkommt, also die Seite die man auf der Fahrt nach Lee zu hinter sich zurückläßt. Das stimmt zwar jetzt wo man „beim Winde‟ zu segeln gelernt hat, nicht mehr ganz, in alten Zeiten aber, wo bei der unbeholfenen Segelführung an ein Aufkreuzen nicht zu denken war, sondern nur mit raumen Winde Kurs gehalten werden konnte, da stimmte es. Man erklärt Luv jetzt gewöhnlich als die Seite, von der der Wind kommt, die Windseite. Das ist auch richtig. Aber eben so richtig ist, oder war es doch, zu sagen, die Seite wo das Schiff herkommt, oder die Seite die das Schiff auf seiner Fahrt hinter sich zurückläßt. Und dieser Begriff des Zurücklassens dürfte ausschlaggebend gewesen sein. Das Zurückgelassene heißt im Angelsächsischen laf. Im Beówulf kommt das Wort oft vor und bedeutet neben dem Zurückgelassenen den Nachlaß, das Erbe, besonders auch als vorzüglich kostbaren Gegenstand der Vererbung: das Schwert; echt dichterisch ist auch die Wendung sweorda laf, die das Schwert zurückgelassen hat, die vom Schwerte in männermordender Schlacht verschont geblieben sind. — Dem entsprechend heißt im Altfriesischen leva, lewa, relinquere, nachlassen, davon lawa, Glaube; lawa, Gesetz, lawa, Erbe; allen dreien ist der Begriff gemeinsam: Zurückgelassenes, Restierendes, der Nachlaß; das was bleibt, wenn alle im Laufe der Zeiten dahingehen, das Dauernde, Feste, zu Haltende, Unvergängliche, Unverletzliche. Aber die Grundbedeutung ist zurücklassen. Dem entspricht im Gotischen laiba, Überbleibsel, althochdeutsch leiba. Im Seebuch, 1400, tritt dann das Wort in seemännischer Bedeutung auf, und zwar in der Form loff. Daneben aber laufen im Sprachgebrauch der Zeit lof = Windseite und lova, louwe = Hinterlassenschaft, loven, leven, zurücklassen. In einer unter Lee angeführten Stelle war gesagt, daß den Dänen und Lübeckern alles thoiegen und sie in der lehe waren; es heißt dann weiter: „Auerst de leve gott gaff gnade, dat de wind umbginck und de Denen und Lubeschen den loff kregen.‟ Es war altes ostfriesisches Landrecht: „Woir dat de frouwe ein man nimpt und tuigt ein Kind by em unde se stervet tho voeren und dat Kint darna, so soelen broedere und sustere de lova gelieke antasten.‟ — In dieser letzteren Bedeutung ist das Wort beinahe ganz dem Sprachgebrauch entschwunden; sollte es darum sein, daß es von dem seemännischen verdrängt worden wäre? Denn das Seemannswort hat sich immer mehr Bahn gebrochen. Niederdeutsch lof, niederländisch loef, daher französisch lof und louvoyer; in Groningen loof, auf Wangerooge lauv; dänisch luv, schwedisch lofven. Der Vokal ist schwankend; die Physiologie der Lautbildung lehrt, daß Vokale immer schwankende Laute sind. Ein wenig mehr a- oder o- oder u-Lautfarbe macht also nichts aus; ja wer dem Seemann genau auf den Mund sieht, der kann wahrnehmen, wie Luv, das für gewöhnlich lang ist — das Zeitwort luven ist immer lang — , oft aber auch sehr kurz ausgesprochen wird und dann leicht auch heute noch zu dem alten Klange lov zurückkehrt, ja in lav überspringt, welch letzteres ja dann auch das ursprünglichere ist. Das Schwanken der Orthographie zwischen f und v ist selbstverständlich. Sprachlich steht also der Verwandtschaft nichts im Wege. Sachlich, wenn man an die alten Zeiten denkt, auch nicht. Doch ist zuzugeben, daß der Begriff sich in der neuzeitlichen Seemannssprache unter dem Einfluß der neuzeitlichen, verbesserten Segelführung etwas verschoben hat, namentlich der des Zeitwortes luven, das unter Umständen jetzt so ziemlich das Gegenteil von zurücklassen, nämlich entgegenkommen bedeuten kann, besonders als anluven. Aber das liegt in der Natur der Sache. — Übertragen sagt man: „er luvt nicht darauf‟, d. h. er hört nicht, gehorcht nicht, tut nicht was ihm gesagt wird; vom Luven des Schiffes hergenommen; „das Schiff luvt‟, es gehorcht dem Ruder und geht mehr nach dem Wind. — Im Englischen heißt die Seite von der der Wind herkommt windward; diesen Ausdruck hatte man früher in der deutschen Seemannssprache auch. Der Verfasser der „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟ war, (s. Schönfahrsegel) von seinem venetianischen Schiffe kurz vor der Pulverexplosion über Bord gesprungen. „Wie ich nun gedachte nach dem Admiral zu schwemmen, muß ich es allezeit gegen die See halten, weil er zu Windwärts von mir war; Wen ich aber auff die See kam, lieff mich die Rabbeling (wohl verdruckt für Kabbeling) vom Wasser übers Häupt, so, daß ich nicht sehen konte, und weil zu zweyen mahlen einige Kordusen (Kartuschen) durch Unvorsichtigkeit waren in Brand gekommen, wodurch ich ziemlich kahl war versenget, waren mich auch die Augen davon hitzig geworden, so daß ich kein Saltzwasser in den Augen vertragen konte.‟ — Doch kannte neben „windwärts‟ der Verfasser der „Beschriving‟ auch sehr wohl den Ausdruck „luv‟, jedoch natürlich in den niederdeutschen Formen lof und loff. Die Stelle, in der die Ausdrücke vorkommen, ist so lehrreich für die Kenntnis der Seefahrt jener Zeit, daß sie hier Aufnahme finden möge. „Mich hat auch gut gedünkt etwas zu melden, wie ein Schiffer, der in der West- und Mittelländischen See nicht wol erfahren, und allda einige Örter besegeln müßte, sich hat vorzusehen, daß er nicht in der Heyden (Seeräuber) Gewalt kommen möge. — Wenn nun ein Schiffer ümbtrent in der West- oder Middelländischen See seine Feinde gewahr würde, so sol er nicht verzagen, sondern sich Gott und seiner gnädigen Vorsorge anbefehlen. Kan ers entlauffen, umb unters Land sich zu salvieren, oder daß er wans finster wird, sein Kurß kan forsetzen, so tue ers in der Zeit, wo nicht, und daß sein Schiff etwas bewehret ist, so tue er sein bestes, und setze seine Segel daß er lofen und tragen (Richtung) halten kann; Nemblich dem grossen Halß zu, und gehe mit halben Wind, daß alle Segel ziehen können, und ob er ja sein Kurß deßwegen verändern müßte, so wil es doch nicht anders seyn, ihr könnet ihn aber lang vexieren und auffhalten; ehe und bevor er euch kann an Bort kommen; Denn, wo er nach euch zu kompt, umb euch an Bort zu legen, so müsset ihr auffdauwen (niederdeutsch touwen = eilen) und ihn das hinterste zukehren, doch nicht eher und bevor er euch bald an Bort ist, und gebet allezeit Feuer, Gott kan es endlich so schicken, daß ihr einen glücklichen Schuß tut, dadurch ihr dennoch endlich ihm entkommen möchtet; Weil ich nun bey solchen Handel selbst mit gewesen; da es uns gelungen, also hab ich den günstigen Leser hiermit zur Nachricht dienen wollen. Es war Anno 1645 ungefehr zwischen Cap S. Vincent und S. Hubes Huck 8 Meilen von dem Wall, da kamen auff uns zu fünff Türkische Schiffe, weil wir aber sahen, daß wir gegen sie nicht fechten konten; den wir nicht mehr dann zehn Stücken und noch ein Hamburger so bey uns war sechs Stücken auff hatte, täten wir unser bestes und machtens wie vor gedacht, daß wir mit halben Wind voraus lieffen, einer aber unter ihnen war eine Hollandische Fregat mit 28 Stücken Geschütz gemondiert, der siegelte uns endlich auff, und lieff den vorgedachten Hamburger vorbey, weil derselbe hinter uns anhielt; den der Türcke gedacht uns erst an Bort zu legen, der Hamburger würde den andern nicht entlauffen. — Wie er aber näher kam, kehrten wir ihm daß hinter Schiff zu, und paßten auff, daß wir ihn mit unserm hintern Geschütz, so neunpfündige Kugeln schoß ziemlich wol traffen, loffeden auch alsoford wieder an, der Türcke aber kam inmittelst etwas zu Loffwart hinten aus, er folgete uns aber wieder nach, und wolte wieder an Bort kommen, wir machtens aber wieder wie zuvor, und kehrten ihm das hinterste zu, gaben auch indem auf ihn Feuer, traffen ihn also, daß sein Vormarssegel nicht allein von oben nieder fiel, sondern auch von einem Ende zum andern auffrisse, dadurch er uns nicht so bald wiederumb besegeln konte: der Vice-Admiral aber von den Türcken gedachte unssern Cammeraten an Bort zu legen, der ihn auch solches verdrehete und ihm daß Hinterschiff zukehrte, daß dem Vice-Admiral sein Bochspret vor die Steve hing, derowegen konnte er sein Segel nicht schrab (fest) setzen, daß er uns ferner verfolgen konnte; die andern drey so noch zurücke waren, schossen zwar mit ihren Bochstücken hinter uns an, welches ihn zurücke hielt, und was wir hinter aus schossen, foderte uns, so, daß wir endlich vor ihm das Land bekamen, sie aber dürfften dem Land nicht so nahe kommen, weil der Vice-Admiral durch sein Bochspret redloß war, derhalben musten sie uns endlich verlassen, wir aber gingen längst dem Wall nach S. Hubes, umb allda erstlich in Salvo zu kommen, und ferner Compagney mit uns nach S. Lucas zu suchen, dahin unser Wil war.‟

Luvart kommt in der Verbindung zu luvart häufig als Bezeichnung der Richtung vor aus der der Wind kommt. „Das Schiff segelt zu luvart von uns‟; Gegensatz: „Das Boot fährt in Lee von uns‟. Die Präposition zu ist fälschlich zu luvart gekommen in einer Zeit in der man die Zusammensetzung von luvart nicht mehr im Bewußtsein hatte. Dieses Wort heißt nämlich eigentlich luvwärts und ist über luvwart zu luvart geworden, doch so, daß von dem geschwundenen w manchmal noch etwas zu hören ist, wenn nicht das Wort noch bequemer und nachlässiger luvert ausgesprochen wird. Die Form „luvwart‟ ist bezeugt als „Loffwart‟ in der „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟ 1673; der Verfasser trieb schwer havarirt in einem Novembersturm in der Nordsee: „Wir sahen auch ein Schiff zu Loffwart von uns; liessen derowegen ein Schau oder Zeichen weyhen, daß wir verlegen waren‟ ...

Luvgierig ist ein Schiff, wenn es die Neigung hat, sich mit seinem Bug dem Winde zuzudrehen, sei es infolge seiner Bauart, oder falschen Stauens der Ladung oder verkehrter Segelführung. Die beiden letzteren Ursachen lassen sich beseitigen, gegen den erstgenannten Fehler läßt sich nichts weiter machen, als daß man mit Ruderführung und Segelstellung die Luvgier zu heben sucht. — Das Gegenteil nennt man leegierig; dabei fällt das Schiff allzuleicht ab und ist schwer beim Winde zu halten.

Luvküste, die, s. Upperwall.

Notes in this chapter

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