R.
Reading edition
Rabatteisen, das, s. Kalfaten.
Rack, das, heißt die Vorrichtung mittelst deren die Rahe an den Mast befestigt wird. Sie hat im Laufe der Zeit mancherlei technische Veränderungen erfahren, ist auch verschieden bei Unterrahen, verschieden bei Marsrahen, verschieden bei Gaffeln, aber das Gemeinsame ist und bleibt stets dies, daß das Rack, bestehe es nun, wie ursprünglich aus einem Tau auf dem rosenkranzartig runde Holzkugeln, Rackkloten, aufgezogen sind, die das Auf- und Abziehen erleichtern, oder aus Rackketten und Racktaljen, immer dasjenige Etwas ist, das die Rahe an den Mast heranbringt, mit ihm in Berührung bringt und an ihm festhält. Dieser Begriff liegt aber in dem niederdeutschen Zeitwort raken. Dornkaat gibt dafür für das Ostfriesische folgende Bedeutungen an: treffen oder erreichen, eine Bewegung machen wohin oder worauf los, sich bewegen vor, kommen zu, berühren, anrühren, reichen an ..., wohin kommen, gelangen, geraten, zusammenstoßen. Es ist also klar, daß Rack zu diesem raken gehört. Das seemännische Zeitwort racken aber ist dann wiederum von Rack gebildet: das tun was mit einem Rack getan wird, die Rahe an den Mast befestigen. — Rack heißt niederländisch rak, schwedisch rack, norwegisch, dänisch rakke, altnordisch rakki, isländisch racki. Aus dem Germanischen ist das Wort ins Französische gegangen: raque. — Nur der Englische ging eigene Wege. Hier heißt das Rack parrel, was von apparrel, Zurichtung gekürzt sein soll. Doch klingt das sehr allgemein. Sollte nicht am Ende pearl, niederländisch parrel, in dem Worte stecken, so daß die Rackkloten mit den Perlen eines Rosenkranzes verglichen worden wären? Der Gedankengang lag nahe genug.
Rahe, die. „Segelstange.‟ Wird auch Raa, Raae, Rah geschrieben. Das aus einem aufgeweichten g entstandene h verlangt sein Recht. Mittelniederdeutsch rhaa; hier ist das h, wenn es auch an verkehrter Stelle steht, doch nicht ganz verloren gegangen; Lübecker Zunftrecht: „Ein lehrknecht, de sine lehrjahre uthgedenet, schal tom provestücke maken ein rhaa, mast vnd roer.‟ Das Erste was einem beim Anblick einer Rahe in die Augen fällt ist daß sie ragt, weit in die Luft hinausragt. Und das Ragende hat bei der Benennung gewiß den Ausschlag gegeben. Gothisch rakjan, ragen. Schon im Althochdeutschen hatte sich die Lautverschiebung vollzogen: raha, Stange; mittelhochdeutsch schon rahe wie heute. Altnordisch râ; Teuthonista: rae, des scheeps balck geheyten en ra dair dat segel of seyle an gevesticht is. Niederländisch ree. Diese letzten drei Formen sind Zusammenziehungen nach Schwund der Gutturale oder des aus ihr entstandenen h und bedeuten ein Zugeständniß an niederdeutsche Einsilbigkeit. Die Schreibart Rahe, als an die Herkunft erinnernd, ist vorzuziehen. Beim Otfried kommt eine Stelle vor: „Zimboron thia racha‟, was wohl mit dem erwähnten raha verwandt sein dürfte.
Raketenapparat, der, ist eine Vorrichtung zur Rettung von Menschen aus Seenot, wie sie die unter dem Protektorat des Kaisers stehende „Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger‟ auf den Rettungsstationen an den deutschen Küsten vorrätig hält. Das Erste und Hauptsächliche an der Sache ist, daß eine Rakete, an der eine dünne Leine befestigt ist, über das gefährdete Schiff hinweggeschossen wird, und daß man an Bord dieses Schiffes die Leine erfaßt und festhält. Alles andere ergibt sich dann nach der genauen Handhabungsvorschrift der genannten Gesellschaft von selbst. (Vergl. auch „Hosenboje‟) Rakete, englisch rocket, (nicht zu verwechseln mit dem Ballschläger racket, der in Deutschland im Mittelalter raket hieß, von rete = Netz eine Diminutivform, also Schlagnetz) italienisch rochetta, Diminutivum vom italienischen rocca, althochdeutsch roccho, rocco = Rocken. Das Wort ist also deutsch und kommt von der Ähnlichkeit einer pulvergefüllten Papierhülse mit einem Spinnrocken.
rammen. Durch anrennen in den Grund bohren, zu bohren versuchen. Es gibt ein althochdeutsches Zeitwort ramen, mittelhochdeutsch ramen: aufs Korn nehmen, nach etwas trachten. Da haben wir schon dasselbe Wort. Davon kam zunächst ramme, Balken oder Klotz zum Einstoßen von Pfählen oder Steinen in die Erde; Sturmbock zum Einrennen von Toren und Mauern, Widder. — Der Bock, der Widder gibt die Erklärung, denn der hieß und heißt mundartlich heute noch ram, mittelhochdeutsch ram, althochdeutsch rammo, von einer Wurzel ra, die stoßen bedeutet. — Rammen kann ein Schiff füglich nur wenn es mit seinem Vorderteil dem anderen in die Seite fährt. Daher muß sein Steven, sein Bug als Rammsteven, Rammbug gestaltet sein; es ist dann ein Rammschiff.
Randsomhölzer, die, sind die Hölzer aus denen der Holzschiffbau das hinterste und auch das vorderste Spant zusammensetzt, so daß also die hinteren mit den Wrangen und dem Heckbalken den Spiegel, die vorderen den Bug angeben. Das Wort stammt aus dem Niederländischen, wo es randsoenhouten heißt. Randsoen besteht aus der beliebten niederländischen Endung oen, sprich un, (vergl. Pardun) und rand. In der Tat bilden diese Hölzer den hintersten bezw. vordersten Rand des Schiffes, daher sie auch im Englischen fashion pieces heißen, d. h. „Façonstücke‟, Stücke die die Gestalt bestimmen. Die Randsomhölzer sind stärker als die gewöhnlichen Spanten. Bei dem zur Zeit in Kiel im Bau befindlichen Südpolarexpeditionsschiffe werden, wie fachmännische Seite mündlich berichtet, die Randsomhölzer besonders verstärkt um dem Eise desto mehr Widerstand bieten zu können. — Für gewöhnlich wird angenommen, daß es nur hinten Randsomhölzer gibt, doch sagen Männer vom Fach, daß sie auch vorne vorkommen.
rank ist ein Schiff, wenn es sich leicht auf die eine oder die andere Seite legt, wenn es zum Krängen neigt. Das Gegenteil davon ist „stabil‟. Ob ein Schiff rank oder stabil ist, hängt von der Lage seines Metacentrums (s. d.) ab. — Das verwandte hochdeutsche Zeitwort steckt noch in unserem verrenken, „drehen, hin und her ziehen‟. Daher auch Ranke; für eine Pflanze das Mittel sich festzuhalten, doch so daß sie Spielraum hat sich hin und her zu bewegen durch die Federkraft der spiralförmigen Rankengestalt. Rank ist in der Einzahl als Substantivum nicht gebräuchlich, desto mehr in der Mehrzahl Ränke, eine schnelle Wendung, eine krumme Bewegung, eine List andeutend; im Mittelhochdeutschen war aber die Einzahl rank = schnelle, drehende Bewegung gebräuchlich. Im Niederländischen sagt man wohl von einem Mädchen, sie sei „een rank meisje‟; das heißt nicht, wie Weiland meint, ein dünnes, sondern vielmehr ein flinkes, bewegliches Mädchen.
Rapert, das, ein jetzt ziemlich veraltetes Wort für Laffette. Eigentlich Rampert, niederländisch rampaard, also Rammpferd. Während die Laffette in den romanischen Sprachen Wagen (carretta) heißt, hat man sich in den germanischen das Kanonenrohr als auf ein Pferd gebunden vorgestellt, Rammpferd aber gewählt, weil es beim Schießen stößt wie ein ram, ein Widder (s. rammen).
Rauchsegel, das. Wenn ein Segelschiff, das auch Dampfkraft hat, diese letztere zeitweilig benützt, so müssen die (natürlich fest gemachten) Segel mit Bezügen versehen werden, damit der Rauch sie nicht schwärze. Ein solcher Bezug ist ein Rauchsegel; Segel weil aus Segeltuch hergestellt, wie man auch von Sonnen- oder Regensegel spricht. Sie wurden früher und werden wohl auch jetzt noch treffender Rauchbezüge genannt.
Raum, der, ohne nähere Bezeichnung bedeutet auf Handelsschiffen den Raum zur Aufnahme der Ladung, den Laderaum, niederdeutsch rum. Alle anderen Räume, sie mögen noch so bedeutsam sein, müssen besonders bezeichnet und benannt werden, Kajüte, Pflicht, Farunner, nur der Raum, auf den es bei einem solchen Schiffe allerdings hauptsächlich ankommt, heißt der Raum. — Vor Zeiten war Raum in gewissen Zusammensetzungen gleichbedeutend mit Deck z. B. Ober-Raum = Oberdeck. Es erzählen die „Durchläuchtigsten Seehelden‟, Sulzbach 1681 von Andreas Doria: „Es will aber das Krieges Glück nicht allezeit fügen, und ein so tapferer Kriegsmann wird nirgends gefunden, dem es nicht etwa einmal zu wider lauffen sollte. Und warlich so viel herrliche Thaten mochten wol ein oder zwey widerwärtige Fälle überwägen. Doria hatte zu Spesia das teutsche Fußvolck von Madrucci auf viertzig Galeyen eingenommen, und wiewohl ihm nicht unbewust war, daß die Türckische Flotte sich in der See aufhielte, verhoffte er gleichwohl, dieselbige entweder an Gaetta, oder an einem andern benachbarten Orte an das Land zu setzen; weil es aber Nacht worden, und er wegen seines hohen Alters nicht länger oben auf dem Ober-Raum bleiben konnte, hat er befohlen, daß man von der Insel Ponza sich abhalten solte, es wurden aber die Galeyen entweder durch den Strom, oder durch Unvorsichtigkeit der Steuerleute, so nahe an dem Ort, da die Türken lagen, getrieben, daß sie ihnen eher auf den Hals kamen, als sie sich zum fechten fertig machen konten. Derohalben Doria Befehl thät, daß man auf das füglichste, als es immer müglich zu weichen, bedacht seyn solte, aber unter denselben ward eine Galeye verloren, wie auch noch andere sechse, so die gantze Nacht, und den halben folgenden Tag von den Türken verfolget, und benebenst sieben hundert Teutschen, und einem Obersten, genommen wurden.‟
raumen ist die seemännische Form für das neuhochdeutsche Wort räumen, sich von der Stelle bewegen, den Platz verlassen, Raum machen oder geben, Platz machen, niederdeutsch rumen, mittelhochdeutsch rumen, althochdeutsch ruman, angelsächsisch rumjan. Seemännisch bedeutet: „Der Wind raumt‟, er verändert seine Richtung, aber nicht wie beim Krimpen, in ungünstiger, sondern in günstiger Richtung, so daß man besser Kurs steuern und die Segel aufbrassen d. h. den Wind unter günstigerem Winkel auf die Segel wirken lassen kann. Wenn der Wind so günstig ist, ungefähr backstags weht, so spricht man von raumem Wind und kann raumschots segeln; man spricht auch von raumer See, wenn das Schiff freie Bahn hat, wenn ihm genug Seeraum zur Verfügung steht.
rauschen lassen heißt eine Sache nicht langsam an einem Tau fieren, sondern das Tau loswerfen und so den Gegenstand dem Gesetze seiner Schwere übergeben, daß er diesem Gesetze folgend zu Boden saust. Rauschen heißt nach Kluge brausen, sausen, stürmen, eilig einhereilen, entsprechend dem niederländischen ruischen, englisch to rush = stürzen. Diese letzte Bedeutung erinnert an einen sehr gefährlichen Scherz, der eigentlich kaum ein Scherz genannt werden kann, darin bestehend, daß man einen schlafend oder doch ahnungslos in der Hängematte Liegenden „rauschen‟ läßt, indem man heimlich die Befestigung der Hängematte am Hängemattshaken löst.
reddern die Segel, heißt, sie durch Ordnen der Brassen, Schoten u. s. w. so in den Stand setzen, daß sie zum sofortigen Gebrauch bereit, klar zum Segelsetzen sind. Das niederdeutsche Zeitwort reden, mit dem auch Reede verwandt ist, bedeutet „bereit machen‟, eigentlich fertig machen zum Reiten, sattelfertig für das Besteigen eines Pferdes, seinen Anzug ordnen. In vielen Konjugationsformen von reden stellt sich ein doppeltes d ein. Von einer solchen geminierten Form ist reddern ein Faktitivum, besonders als solches gebildet ohne Rücksicht auf den eigentlichen schon an sich faktitiven Sinn des Zeitwortes.
Ree! ist auf Segelschiffen der Handelsmarine dasselbe Kommando, das auf Kriegsschiffen: „Klar zum Wenden!‟ lautet, bedeutet also den Befehl, daß jeder sich auf seinem Posten bereit zu halten habe zu den stets wichtigen Manövern des Wendens. Das erste Kommando zum wirklichen Beginn desselben heißt jetzt „Luv zum Wenden!‟ Früher hieß es: „Ruder (-Pinne) in Lee!‟ Es ist behauptet worden, Ree wäre eine sehr starke Zusammenziehung dieses Kommandos, („Ruder in Lee‟, „Rulee‟, „Ree‟) aber das stimmt schon dem Sinne nach nicht, da Ree dem „Ruder in Lee‟ zeitlich und begrifflich vorangeht. Ree ist allerdings eine Kontraktion, aber von rede und daß dieses nichts anderes als „bereit‟, „fertig‟, „klar zum Manöver‟ heißt, weiß jeder, der den Ursprung von Reede kennt.
Reede, die, ist ein Ankerplatz für Schiffe im Gegensatz zu Hafen. Ein niederdeutsches Wort, das als Rhede und Rede Ende des 17. Jahrhunderts ins Hochdeutsche drang. Wie sich aus dem Folgenden ergeben wird, ist für die Schreibweise Rhede gar kein Grund vorhanden. Man könnte ruhig Rede schreiben, da das e ohnehin lang gesprochen werden muß, und nur um es von Rede = Sprache zu unterscheiden, empfiehlt es sich, die Schreibweise Reede zu bevorzugen. Das Wort lautet französisch rade, spanisch, portugiesisch und italienisch rada, ist aber deutschen Ursprungs. Wir müssen auf das Gothische zurückgehen. Da heißt garaiths angeordnet, garaidjan bereit machen, zubereiten, mittelhochdeutsch gereite fertig machen. Und zwar liegt dem Worte ursprünglich der Begriff des Reitens zu Grunde; „bereit‟ ist aber der, der fertig ist aufs Pferd zu steigen, wie der fertig (fährtig) ist, der bereit ist, auf den Wagen, auf dem er fahren will, zu steigen. Althochdeutsch reiten, reiden = bereit machen. Mittelniederdeutsch rede = fertig. Nach einer Urkunde im Archiv zu Bremen entschuldigt sich Enno Edzardisna, hovetling in der Greet, (Häuptling zu Greetsiel) bei Bremen, daß er den Verbundbrief noch nicht geschickt habe, „wente de inseghel des mene landes een dele nycht al rede synt.‟ Die älteste deutsche Form für Rede ist reyde, reide, rede; diese drei kommen bereits 1400 im „Seebuch‟ vor. Gewöhnlich aber reyde in den meisten niederdeutschen Urkunden. Dem entsprechend spricht ein kaiserliches Reskript vom 2. März 1634 von Bremischem „Convoy-, Tonnen-, Baken-, Hafen-, Reyder-, Consumtions- und Schreibgeld.‟ Dieses Reydergeld nennt der aus Mitteldeutschland stammende oldenburgische Chronist Hamelmann 1598 Reutergeld. „Aber dessen ungeachtet haben die von Bremen im Jahr 85 wieder solchen vertrag angefangen Reuter- und Tonnengeldt und dergleichen von den Schiffen zu nehmen‟ ... Allmählich aber ist der Diphthong ei geschwunden und hat dem einfachen e Platz gemacht. Derselbe Vorgang hat sich mit dem niederdeutschen Eigenschaftsworte reide abgespielt; es wird zunächst rede und dann des Öfteren durch Schwund des d, wie slee von slede, kurz ree, wie ja auf Handelsschiffen der Befehl: „Klar zum Manöver‟ einfach ree! heißt. Von diesem rede = bereit hat Reede den Namen. In einem alten Stralsunder Vocabularium heißt es: „reyde het de stede vor de hauene, dar man en schip reydet, rede makt to segelende.‟ Das ist ungefähr, aber doch nicht ganz richtig. Nicht darum heißt der Ankerplatz Reede, weil das Schiff da rede gemacht wird, sondern weil es bereits rede ist, wenn es diesen Platz aufsucht; weil es nicht eher auf Rede geht, als bis es rede ist. Erst wenn es im Hafen völlig aufgetakelt, bemannt, geladen, ausgerüstet ist, kann es hinaus auf die Reede, bereit Anker auf zu gehen sobald der Befehl dazu ergeht und der Wind dazu günstig ist. Die meisten Reeden würden sich gar nicht zum Ausrüsten und Laden eines Schiffes eignen. — In der Marine-Rundschau 1892 ist der Versuch gemacht, Reede auf umgekehrtem Wege zu erklären, so daß Reede — englisch road — als Weg zum Reiten, zum Fahren für Schiffe das ursprünglichere wäre und das Eigenschaftswort rede eben davon käme, daß das Schiff, das auf der Reede liegt, rede ist. Das bedeutet aber einen großen Umweg, den man um so mehr sparen kann, als die Sache auch so zuletzt doch auf dasselbe, nämlich auf den aus „reiten‟ entstandenen Begriff „bereit‟ hinauskommt. — Das Wort hat reiche Beziehungen im Romanischen. Außer dem erwähnten rada finden wir im Italienischen arredo, spanisch arreo, portugiesisch arreio, altfranzösisch arroi = Zurüstung, Putz, Geräte; italienisch arredare zurüsten, corredo, altfranzösisch conroi, Ausrüstung. Alles vom gothischen raidjan. Dazu auch französisch agrès Takelwerk, agréer auftakeln; altfranzösisch agrei überhaupt Ausrüstung, Vorrat; wofür der Teuthonista schyp gereytscap hat; mittelniederdeutsch bei Kilian gereide. So sehr lag in dem Worte der Begriff Bereitschaft, daß man ein Testament selgerede, Bereitschaft der Seele zum Sterben nannte. — „Auf die Reede gehen‟ heißt auf der Reede zu Anker gehen. Deshalb sagt 1588 Waghenaer anstatt ankern „Reede machen.‟ „Daer leyt een banck buyten Iutlandt von Dodenbarch een myl inde Zee ghenaemt Reefhoren, streckende west ten zuyden wel acht mylen lanck, is tot sommighe plaetsen niet dieper dan dry vadem, daermen tot sommighe plaetsen door zeylen ende rede maken mach voor eenen noordtwesten ende norden wind.‟
Reederei, die, heißt eine Firma, die ihr gehörige Schiffe fahren läßt, wozu gehört, daß sie dieselben vorher ausrüsten, bemannen und laden läßt, also rede macht (s. Reede). Der Inhaber einer Reederei heißt Reeder, niederländisch reeder, altnordisch, isländisch reidari, norwegisch reidar, schwedisch redare, dänisch reder. Eigentlich heißt Reeder weiter nichts als Bereiter, Anfertiger, Zu- oder Ausrüster z. B. linnen-reder, Leineweber. Wenn aber bloß Reeder gesagt wird, so ist ein Schiffsreeder gemeint.
Reep, das, ist nicht nur das Tauwerk im Dienste der Seemannschaft, in Niederdeutschland heißt von Alters her jedes Seil, jeder Strick, jeder Strang Reep: das Reep der Glocken, das Reep des Henkers, sogar die Meßschnur heißt als Seil zum Messen in einer Skra die Lübeck etwa 1290 nach Lübischem Recht an den Hof der Deutschen in Nowgorod verfügt hat, repe: „So we one begrepen wert mit eime valschen repe oder mit einer valschen elen unde darmede met‟ ... Doch muß es schon dem Teuthonista vor mehr denn 400 Jahren geläufig gewesen sein, bei Reep hauptsächlich an den seemännischen Gebrauch zu denken, denn nachdem er zuerst ganz allgemein gesagt hat, es sei ein „seyl of towe‟, fügt er hinzu: „repe of seyl tot den segel of seyle op den schyp dyenende‟, „repe of seyl in den schyp der men in den wyntstorm gebruict‟, „repe dar men dat segel in den schyp mede op trect.‟ Gothisch heißt es raip, althochdeutsch reif. Dieses letztere wird aber für zwei Begriffe gebraucht, für Seil und für Ring. Das muß daher kommen, daß ein „aufgeschossenes‟ Seil wie ein Ring daliegt, zumal wenn anstatt des Hanftaues eine wilde Waldrebe gebraucht wird, wie es das ursprüngliche war. Wer gesehen hat, wie noch jetzt in einfachen ländlichen Verhältnissen an Stelle eines Strickes eine Waldrebe gebraucht wird, der kann sich leicht vorstellen, daß ein Reep im Grunde nichts anderes ist als eine Rebe. Das gothische Wort skaudaraip pflegt man wohl mit Schuhriemen zu übersetzen, es war aber ursprünglich nicht etwa ein Lederriemen, sondern einfach ein Stück Rebe. Wenn die altdeutschen Damen, wie aus dem Worte wida, Haarband, hervorgeht, zum Aufbinden ihrer langen blonden Haare eine wida, Weide, benützten, ähnlich wie heutzutage die Besenbinder die Birkenreiser zusammenbinden, so werden die Männer sich auch wohl mit einer Rebe als Schuhband begnügt haben. Im Laufe der Zeiten ist aber die Herkunft des Wortes Reep von Rebe als dem bindenden Material so aus dem Bewußtsein der Leute entschwunden, daß man in Ostfriesland sogar ein aus Stroh gedrehtes Seil ein Strohreep nennt. — Mit Reep ist auch Rippe verwandt mit der gemeinschaftlichen Bedeutung Umschlingung. Man hat versucht, Reep davon abzuleiten, daß der Reepschläger den Hanf „rupft‟ beim Rückwärtsgehen; das dürfte kaum angängig sein.
Reffen, reefen. Die Segel kleiner machen, sei es daß der Wind an Stärke zunimmt, sei es daß man aus irgend einem Grunde kleinere Fahrt machen, mit geringerer Geschwindigkeit segeln will. Richtiger reefen. Es ist ganz unerfindlich, wie das ff in das Wort gekommen sein mag. Es muß irgend ein Unkundiger an raffen gedacht haben, weil das Segel beim Reffen von der Rahe aus mit der Hand gerafft wird. Der Seemann spricht aber reefen, niemals reffen. Und er tut recht, denn reffen kommt von Reef und dieses von Reep. Hören wir Roeding's allgemeines Wörterbuch der Marine über das Technische: „Man bindet nämlich durch dünne Linien, (Leine, Band, Bändsel, Reffbändsel,) die Reefbanden genannt werden, und in einem quer über das Segel genähetem Streif Segeltuchs befestigt sind, und auf beiden Seiten des Segels herabhängen ... einen Teil desselben um die Raa fest, so daß der übrige nicht eingebundene Teil allein dem Winde ausgesetzt bleibt.‟ So viele „quer über das Segel genähete‟ Streifen einander parallel in gewissen Abständen vorhanden sind, so viele Reefen können „eingesteckt‟ werden. Nun ist Reep zu vergleichen und zu beachten daß Reep früher nicht nur ein Tau, sondern auch einen Leinwandstreifen bedeutete, (ähnlich wie unser Riemen für Lederstreifen von dem griechischen rhyma, Seil, kommt). Diese Leinwandstreifen, zur Verstärkung des Segels da aufgenäht wo die Reffbändsel zu sitzen kommen, sind eigentlich die Reefe; reefen aber ist das davon abgeleitete Zeitwort. So erklärt sich auch das Kommando: „Das erste, zweite, dritte, vierte Reef in die Marssegel!‟ natürlich von oben gerechnet. — Um aber denen, die an raffen gedacht haben, alle Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, so ist nicht ausgeschlossen, daß raffen im Sinne von umfassen und halten eines Stammes mit Reep, Rebe und Rippe ist, entstammt der Wurzel die im Sanskrit rabh heißt und fassen, umfassen bedeutet. — Beim Ankern wird nicht gereeft, da werden die Segel aufgegeit (s. d.). Da wo Karl Simrock von Oegir (Aegir) handelt und über das Schiff „Ellida‟ aus der Frithjofsage von Tegner eine Stelle anführt, die im Original „refvade seglet sig sjelf‟ lautet, hätte er Gelegenheit gehabt, diesen, der ja nicht Seemann sondern Bischof war, zu verbessern. Er hat sie sich aber entgehen lassen, so daß wir bei ihm in Uebersetzung lesen:
Tags darauf stand Wiking am Meer, und sieh, wie ein Seeaar, Wenn er die Beute verfolgt, in die Bucht einlief ihm ein Drachschiff. Niemand sah man darauf, ja es stand selbst keiner am Steuer; Dennoch fand's den geschlängelten Weg durch Klippen und Scheeren, Gleich als bewohnt es ein Geist, und als es dem Strande sich nahte, Reffte das Segel sich selbst, unberührt von menschlichen Händen Senkte der Anker sich nieder und biß mit dem Zahne den Seegrund. Stumm stand Wiking und sahs: da sangen die spielenden Wogen: „Oegir gedenkt, den du bargest, der Schuld und schenkt Dir den Drachen.‟
Regatta, die. Das Wort ist jetzt für jedes zur See stattfindende Wettfahren in Gebrauch: Segelregatta = Wettsegeln; Bootsregatta = Bootswettsegeln; Ruderregatta = Bootswettrudern. Das Wort stammt aus Venedig und ist lange Zeit nur dorten für die Wettfahrten der Gondeln angewandt worden.
Regelchronometer, der. Wie Regelkompaß der maßgebende Kompaß ist, so ist Regelchronometer derjenige, nach dem man sich von Schiffs wegen ein für allemal richtet, der Hauptchronometer. Zum Vergleich und zur größeren Sicherheit gibt es auf größeren, nach den Anforderungen der Neuzeit ausgerüsteten Schiffen mehrere Chronometer, aber einer dient als Regel und Richtschnur.
Regelkompass, der, ist der Kompaß, nachdem sich der Kommandant, der Navigationsoffizier, der wachhabende Offizier richten, er muß daher in der Nähe der Stelle angebracht sein, von der aus diese drei ihre Befehle ergehen lassen, nahe der Kommandobrücke und dazu möglichst hoch, schon um den magnetischen Einflüssen der Umgebung nach Möglichkeit entrückt zu sein. Da mit dem Regelkompaß auch gepeilt wird, so muß er schon darum einen freien, übersichtlichen Stand haben. Ist dieser in der Nähe der Kommandobrücke nicht möglich, so muß ein eigener Peilkompass an passender Stelle angebracht werden. Einen besonderen Steuerkompass, den die Leute am Ruder bequem sehen können, gibt es ohnehin.
Regensegel, s. Rauchsegel.
Registerbrief, der, die amtliche Bescheinigung der heimischen maßgebenden Behörde, die ein Schiff mit sich führt über seine Nationalität, seine rechtliche Zugehörigkeit zu einer bestimmten Nation; sein Ausweis andern Staaten gegenüber, daß es den Schutz seiner Flagge seitens seines Heimatsstaates genießt; das darüber ausgestellte Certifikat, der Brief, muß eine Beschreibung des Schiffes enthalten, den Namen und die nähere Bezeichnung des Eigentümers, des Kapitäns etc. und eine Angabe darüber, daß es in die heimischen Register eingetragen ist.
Reibholz, das, ist nicht mit der Bezeichnung Reibholz = Streichholz zu verwechseln, sondern bedeutet das Holz, das zwischen einem an einer Kaimauer liegenden Schiffe und der Kaimauer selbst sich befindet und verhütet, daß das Schiff sich an den Steinen der Mauer reibt, also ein Mittel gegen das Schamfilen. Wird die Vorsichtsmaßregel von Bord aus getroffen, so bedient man sich eines Fenders; von Land aus, so nennt man das dazu verwendete Holz Reibholz, doch können natürlich auch Bord und Land zusammenwirken.
Reichskommissar, der, für das Seemannswesen, ist der Beamte des Reichs, der, ein früherer Seeoffizier, angestellt ist um bei Seegerichtsverhandlungen mit Recht zu sprechen und dabei sein seemännisches Verständniß zur richtigen Beurteilung eines See-Unglücksfalles im besonderen in die Wagschale fallen zu lassen.
Reil, das, ist das zuweilen noch gehörte, schlecht ausgesprochene Wort für Oberbramsegel: royal. Es heißt eigentlich königlich, offenbar weil dieses Segel das höchste, oberste an Bord ist. Es könnte aber auch sein, weil die royal navy es zuerst in Gebrauch gehabt hätte. Doch das müssen die Engländer unter sich ausmachen. Es beschränkt sich der Gebrauch des Namens bei uns auf das Oberbramsegel; die Oberbramstenge und Oberbramrahe ist bei uns überall nicht nach diesem royal benannt.
„Reise, reise!‟ Der Ruf mit dem der Bootsmannsmaat der alten Wache die neue Wache die „verfangen‟ soll aufweckt. Wie oft ist dieser Ruf für englisch gehalten worden, wo to rise bekanntlich aufstehen heißt. Und doch wurden in Ostfriesland Leute mit dem Rufe riis! geweckt, lange ehe Britannien daran dachte die Wogen zu beherrschen. Schon im Altfriesischen, das seit fünfhundert Jahren nicht mehr gesprochen wird, hieß es: „riys oer ein! Di sinne scynt yn dyn naest!‟ Aufstehen, sich erheben hieß eben altfriesisch risan, gotisch urreisan, althochdeutsch risan, mittelhochdeutsch risen, mittelniederdeutsch noch ziemlich spät und zwar, wie die davon abgeleiteten Wörter bezeugen, nahe an reisen anklingend, ebenfalls risen. Daher kommt nämlich ein Reisiger, einer der sich aufmacht, zu Felde zu ziehen. Daher das schweizerische pleonastische Reislaufen, in fremden Kriegsdienst treten. Schon im Althochdeutschen hieß reisa Aufbruch, Kriegszug, und daraus entstand nach und nach unser „Reise‟ im Sinne von: „So jemand eine Reise tut,‟ dabei gilt es ja und galt es früher noch mehr, sich früh zu erheben, „der Sonne entgegen‟ zu gehen. — Sehr deutlich hat die Architektur in ihrem Worte Riese die Bedeutung „sich erheben‟ festgehalten. Sie unterscheidet in der Gothik bei einer Fiale, diesem kleinen schlanken Türmchen, den Leib und den Riesen, und dieser ist der Teil der sich verjüngend nach oben strebt. — 1673 hieß niederdeutsch das Steigen, das Höhergehen der Sonne noch risen; „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟: „im gewissesten tho gahn, so mag man diese Pegeling 2. à 3. mahl dohn, und ein jedermahl anschriven, doch mut solckes kort na ein ander geschehen ehr de Sün vel rist.‟ — „Wenn gy nu sünd by Norden de Sünn, dat ys wen de Sünn Südwart van juv ys, und upt Högeste ys geresen, so nehmet den Stock (Jakobsstab), und settet ehn an dat buten Kant, nevens juw Ogappel, und schufet dat Krütz so lang, dat gy dat bawenste Ende vant Krütz recht int midden up de Sünn krigen, und dat underste Ende just an de Kimmen offt Horizont des Waters. Wachtet den ein weinich und proberet ydt wedder, und wat de Sünn den höger reist, dat halet dat Krütz na juw, bet gy sehn dat de Sünn nicht mehr riest, so ys ydt wol.‟
Reling, die. Es ist nicht zu verkennen, daß unsere Kriegsschiffsseeleute heutzutage unter Reling etwas anderes verstehen als was sie eigentlich ist. Denn sie nennen die ganze Bordwand soweit sie über das Oberdeck hinausragt Reling, während sie eigentlich doch nur ein auf dieser Bordwand aufsitzendes Geländer bedeutet. Es waren auf dieser Bordwand Stützen angebracht, und diese waren mit Riegeln unter einander verbunden, so daß diese Riegel das Geländer bildeten. Riegel heißt niederdeutsch Regel; daher zunächst Regeling und dann nach Schwund des g und Zusammenziehung der beiden e Reling. Roeding (1794) hat eine leicht verständliche Beschreibung: „Regelingen sind lange dünne hölzerne Riegel die von Zeit zu Zeit durch hölzerne Stützen getragen werden, die man Finknetzstützen oder Regelingsstützen nennt. Letztere sind auch manchmal von Eisen und beide zusammengenommen bilden ein Geländer um den Bord des Schiffes, welches die Schanzkleidung trägt. Auf Kriegsschiffen sind die Finknetzstützen gewöhnlich von Eisen und doppelt; statt der Regelingen scheert man gern einen Leier (Leiter) von hinlänglich starkem Tauwerk durch ein Loch an ihrem oberen Ende. Vom Leier bis zum Bord wird nach innen und außen ein Netz von dünner Lien befestigt, welches das Finknetz heißt. Zwischen beide werden im Gefecht und bei gutem Wetter zum Auslüften die Hangematten des Schiffsvolks gestauet, die eine Art von Brustwehr machen, welche zuletzt mit einer Schanzkleidung von gemaltem Segeltuch oder bloßer Presenning bedeckt wird.‟
Remorqueur, der. Am Rhein hält man es für geschmackvoll, einen Schleppdampfer remorqueur zu nennen und von remorquieren zu sprechen. Französisch rémorquer, italienisch remorchiare, spanisch remolcar, vom lateinischen remulcum = Schlepptau, remulcare, griechisch remulkein, am Seil ziehen, ins Schlepptau nehmen.
Reveille, die. Mit Bezug auf dieses Wort sind wir französischer als die Franzosen. Denn die reden nicht von Reveille, sondern sagen battre la diane; holländisch die Diana slaan. Diana heißt die Morgenwache, italienisch diana, der Morgenstern, eigentlich stella diana, von dem verschwundenen Adjektiv diano, von dies, der Tag. Die Göttin der Jagd ist durch Mißverständnis in die seemännische Gesellschaft gekommen. Übrigens hat man sich besonnen und sagt jetzt anstatt Reveille Wecken.
Revier, das, ist das Fährwasser in einem schiffbaren Flusse. Es ist also ganz überflüssig Flussrevier zu sagen. Diese nähere Bestimmung ist zu Revier nur hinzugefügt worden, weil in verschiedenen hochdeutschen Verbindungen, wie z. B. Jagdrevier,Forstrevier, Revierförster, und auch für sich allein stehend das Wort Revier die Beziehungen zu Fluß, die es ursprünglich besaß, verloren hat. Es kommt von rivière, Fluß; dann Gegend am Fluß, also Ufer; dann Gegend am Ufer, und zuletzt einfach Gegend, Bezirk. Mittelhochdeutsch rivier, und so meist auch mittelniederdeutsch, die zweite Silbe mit sehr langem i, fließendes Wasser, Fluß, Strom. Die Formen revier, rivier, rever wechseln mit einander. Es ist zu beachten, daß seemännisch nicht jedes fließende Wasser, sondern nur das schiffbare Revier heißt. In den „durchläuchtigsten Seehelden‟ (1681) wird von einer holländischen Gesandtschaft nach England aus dem Jahre 1664 berichtet. Der Gesandte, Herr von Goch, „hatte noch denselbigen Abend geheime Audientz bei dem König, da anfänglich nichts als allerley Freund- und Höfflichkeiten vorgiengen. Aber Se. Majt. fiel zum ersten auf die Sachen der Ost- und West-Indischen Compagnie davon er unter anderen Reden sagte: Es wäre unerträglich, daß die West-Indische Compagnie mit etlichen wenigen Vestungen, und einem Schiffe drey oder viere (drei oder vier Schiffen), ohne fernere Besitzung einiges Landes die gantze Africanische Küste mit derselben Rivieren und Strömen unsicher machen und andern den Handel alle verhindern und incommodiren solte.‟
Riemen, der, besser Remen, das seemännische Wort für das Werkzeug zur Fortbewegung eines Boots, das im nichtseemännischen Leben Ruder genannt wird. Daß Remen zu Riemen gemacht und so in die Lage gebracht wurde, mit einem Lederstreifen verwechselt zu werden, war ein ziemlich kühnes Wagnis, zumal es Leute gemacht haben, die doch wohl kaum ahnen konnten, daß die beiden Wörter am letzten Ende auf eine Wurzel zurückgeführt werden können. Tatsache ist, daß jetzt Remen = Ruder und Riemen = Lederstreifen zwei sehr verschiedene Dinge sind. — Remen ist als seemännisches Wort zuerst, und zwar schon in althochdeutscher Zeit, am Oberrhein gebraucht worden. Von da ist es den Rhein hinabgewandert und hat sich an den Küsten der Nordsee und auch — wie zahlreiche mittelniederdeutsche Urkunden beweisen — an der Ostsee ausgebreitet. An den Oberrhein haben ihr remus die Römer gebracht, vielleicht der römische Admiral Crescentius, dessen Votivstein im Museum in Köln steht, oder einer seinesgleichen, denn es gab römische Seeleute genug am Rhein. Es fragt sich jedoch, wie die alten Deutschen dazu kamen, das fremde Wort für eine Sache anzunehmen, die ihnen doch unzweifelhaft schon lange vor der Zeit der römischen Herrschaft am Rhein bekannt war. Sie hatten doch gewiß auch in der vorrömischen Zeit einen deutschen Namen für das Fortbewegungsmittel ihrer Einbäume. Da sie nicht so neuerungssüchtig waren wie ihre spätgeborenen Söhne, so muß der uralte Name zu Gunsten des neuen darum aufgegeben oder doch zurückgedrängt worden sein (s. Ruder) weil das neue Werkzeug ein wesentlich verbessertes, brauchbareres, handlicheres darstellte als das bis dahin gebrauchte. Es mag also hier gegangen sein wie mit der verbesserten Mahlvorrichtung molina, der zu Liebe die Väter ihr Wort quairn so ziemlich in Vergessenheit geraten ließen und Mühle sagen lernten. Wahrscheinlich hatten die Rheinländer bis dahin mit Pagaien aus freier Hand gerudert, während remus auf dem Dollbord aufliegend gehandhabt wurde. Die Schreibart Remen ist der von Riemen aus geschichtlichen, sprachlichen und sachlichen Gründen vorzuziehen, s. auch Ruder und rojen. Französisch rame ist wohl dem italienischen, spanischen, portugiesischen rama, Ast, nachgebildet aber in seiner Bedeutung doch durch remus bestimmt, das der französischen Sprache ursprünglich gewiß nicht fehlte, aber ihr als eine zu ausdruckslose Form, denn es hätte rein lauten müssen, mißfiel. Wangerländisch rium, Ehrentraut II. 62. Nordfriesisch reem. — Auffallend hat sich der Begriff eretmos und der rhyma in dem Worte vereinigt, das die Rheinschiffsleute in der Schweiz gebrauchen: „Zugruder.‟
Riff, das, kommt vom altnordischen rifa, schlitzen, spalten und bedeutet etwas Gespaltenes, zersplittertes, zerklüftetes Felsgebilde. Dann aber auch im weiteren Sinne jede sich ins Meer hinausstreckende, von Wasser bedeckte Bank, auch wenn sie eine Sandbank ist; besonders auch eine sich unter Wasser hinziehende Korallenbank. An sich liegt die Bedeutung „unter Wasser befindlich‟ nicht in dem Worte, sie wird aber im seemännischen Sprachgebrauche unwillkürlich damit verbunden. — Mittelniederdeutsch rif, ref, reve; „we schipbrokich gudt vindt by dem Strande, de schal dat antwerten der negesten Stadt ... van den upgefischeden gude schall men eme geven, de dat gevunden heft, dat twintigste deel; hale he dat ock ut der see van dem reve, so behort hem dat drudde deel.‟ Das war Lübisches Recht. Das Rigaer sagt: „So we scipbroken gut vindet oppe dem vorende, de sal daraf hebben den twintegesten deel; de et halet uppe deme reue vppe der ze, de zulen hebben den dridden del.‟
Rof, das, ist ein Aufbau an Deck, der als Unterkunftsraum für die Schiffsmannschaft dient. Das niederdeutsche rof heißt Decke in allen Bedeutungen, die dieses Wort im Hochdeutschen hat. Die Bedeutung ist also der von Plicht ähnlich. — Angelsächsisch hrof, Dach, englisch roof, niederländisch roef, Kajüte, mittelniederdeutsch (Kilian) roef = puppis concameratio. Altnordisch hrof, das Dach, unter dem ein Schiff gebaut wurde, kleine Schiffswerft. Edda: raefr = Dach. Altfriesisch hrof. — Mittelniederdeutsch auch roffe: „Schipper Albert sy achter vth dem roffe inn de kokenn gekahmen,‟ Bremer Urkunde von 1564. — Das Wort ist mit Robe verwandt, denn das ursprünglichste Kleid war nur eine Decke. Wahrscheinlich liegt das Zeitwort rauben zu Grunde, so daß rof etwas Geraubtes, einen Raub bedeutet; sei es daß man auf dem Beutezuge dem Feinde zuerst und hauptsächlich seine Decken, seine Kleider raubte; sei es daß man noch weiter zurückgehen und daran denken muß, daß die ersten und ältesten Decken Tierfelle waren, die der Mensch dem Tier erst rauben mußte um sich damit bedecken zu können.
rojen s. rudern.
Rolle, die, ist die Verteilung jedes einzelnen Mannes auf seinen Posten beim Exerzieren und Manöverieren. Wie der Theaterdirektor die einzelnen Mitglieder seiner Bühne auf ihre Posten stellt und jedem seine Rolle zuteilt, so teilt an Bord der Erste Offizier die Rollen aus und stellt jeden auf seinen Platz. Je nachdem es sich bei dieser Verteilung um Segel-, Ruder-, Gefechts-, und Feuerlöschübungen handelt gibt es eine Segel-, Ruder-, Gefechts-, Feuer-Rolle. Jedesmal wird, ehe ein solches Manöver beginnt, genau untersucht ob auch jeder da steht, wo er nach der Rolle stehen soll. Diese Rolle ist aber schon lange keine Rolle mehr, sondern ein richtiges Buch, das Rollenbuch, von dem jeder Offizier sich genaue Kenntnis verschaffen muß. — Rollen heißt sich um einen Mittelpunkt drehend bewegen. Eine Rolle ist eine walzenförmig zusammengerollte Schrift; ein geschriebenes Verzeichnis, das den Namen Rolle behält, auch wenn es nicht mehr die Form einer Rolle, sondern die eines Buches hat. Von rota, das Rad, oder vielmehr von rotula, das Rädchen.
rollen heißt eigentlich sich wie ein rotula, ein Rädchen, um seine Achse drehen. Daher ist die theoretische Bestimmung, nach welcher rollen = schlingern ist, zwar richtig, aber sie entspricht nicht dem populären Sprachgebrauch unserer Seeleute. Die nennen die Bewegung des Schiffes in der Richtung von Steuerbord nach Backbord und zurück schlingern; die Bewegung des Schiffes von achtern nach vorne und umgekehrt, also das Eintauchen des Schiffes mit den Heck oder dem Bug in ein Wellental und das entsprechende Wiederhochkommen stampfen; die für nicht ganz seefeste Leute aber sehr unangenehme Verbindung beider Bewegungen mit einander nennt man rollen.
Roring, der, heißt der Ring an der Spitze des Ankerschaftes durch den der Anker mit der Ankerkette verbunden wird. Das Wort wird auch Rooring und Röring geschrieben, heißt aber neuerdings meistens Schäkel. Diese letztere Bezeichnung ist offenbar in Anbetracht dessen in Aufnahme gekommen, daß man sich sagte, daß ja der Roring eigentlich gar kein Ring ist, sondern wegen der einen offenen von beiden Seiten den Schaft umfassenden Stelle weit eher einem Schäkel ähnlich sieht. Dieser Gedankengang ist richtig, bildet aber keinen Vorwurf gegen die Seeleute früherer Tage, die das Wort Röring gebildet und gebraucht haben. Denn einmal war der Roring damals wirklich ein Ring, und dann hat das Wort mit Ring überhaupt garnichts zu schaffen und hieß im Niederdeutschen die Roring (oder vielmehr, wie gleich zu erwähnen sein wird: Röring). Zu Rödings Zeiten hieß so auch die aus altem Tauwerk hergestellte Bekleidung des Ankerringes, die man vornahm um denselben vor Rost zu schützen und um ihn dicker zu machen, damit das Ankertau sich desto besser um denselben schließen könne. Röding nennt diese Bekleidung Ankerrührung oder Röring, und zwar: die Ankerrührung oder der Röring. Er hat aber offenbar etwas Nebensächliches für die Hauptsache gehalten. Nicht die Bekleidung war das Wichtige, sondern der Ring selbst, und der treffliche Mann ist wohl auch nur darum auf die Bekleidung verfallen, weil er sich sonst für den Ring das Femininum nicht erklären konnte. Das erklärt sich aber leicht, wenn man von der im Grunde doch — wie Schäkel beweist — nebensächlichen Ringform dieses Stückes absieht und, anstatt an die Gestalt, an den Zweck desselben denkt. Der Roring hat den Zweck, zu ermöglichen, daß der Anker durch die Ankerkette bewegt, umgestoßen, von der Stelle gerückt werde. Eine solche Bewegung heißt an der deutschen Nordseeküste röring, von dem Zeitwort rören, rühren, bewegen, regen, anfassen, treffen, erreichen. Roring also (richtiger, wie bei Röding, Röring) hat seinen Namen daher, weil damit die Stelle bezeichnet wird, entweder wo Kabel und Anker sich berühren, treffen, sich erreichen; oder, und das will noch einleuchtender erscheinen, davon, daß der Anker mittelst des Rorings bewegt, umgestoßen, von der Stelle gerückt, gerührt wird. Nicht davon, daß der Ring das bewegliche Ding am Anker ist, heißt er „Bewegung‟, sondern davon, daß durch ihn — abgesehen davon daß er im Übrigen die Gestalt eines Ringes hat — der Anker seine Bewegung erhält. So erklärt sich auch ungezwungen zweierlei. Einmal die Form Röring und sodann das Femininum. Männlich ist das Wort erst bei der Aufnahme ins Hochdeutsche geworden, weil man dabei an Ring dachte, ohne aber zu bedenken, daß dann, wenn Ring zur Geltung gebracht werden sollte, auch Rorring hätte geschrieben werden müssen, dann hätte man es wenigstens mit Berührungsring übersetzen können, die zweite Silbe im Worte heißt aber nicht -ring, sondern -ing und ist weiter nichts als die niederdeutsche Form der Endung -ung. — Da aber unter dem Einfluß der ringförmigen Gestalt sich die männliche Form „der Röring‟ einmal festgesetzt hat und schwer durch die weibliche Form „die Röring‟ wieder zu verdrängen gewesen wäre, so ist es eigentlich für das sprachliche Gefühl mit Freude zu begrüßen, daß der Eindringling nun in „Schäkel‟ einen so mächtigen Gegner erhalten hat. — Das niederdeutsche Zeitwort rören heißt niederländisch roeren, altfriesisch hrera, auf Wangerooge rer, im Saterland röre; altsächsisch hrorjan, angelsächsisch reran, altenglisch hroren, altnordisch hroera, norwegisch und schwedisch röra, dänisch röre; althochdeutsch hruorjan, hroren, mittelhochdeutsch ruoren. Aus dieser dem Doornkaat entnommenen Zusammenstellung geht hervor, daß die Form röring ihre volle niederdeutsch-seemännische Berechtigung hat.
Rose, die, heißt an Bord die Kompaßrose. Das Wort erklärt sich nach dem bekannteren Windrose von selbst, wenn auch eine sehr beträchtliche Phantasie dazu gehört, in dem Bild der verschiedenen Kompaßstriche eine Rose zu erblicken. Doch mag bei der Neigung der Alten, auch dergleichen Dinge zu schmücken, ein besonderer Schmuck die Veranlassung gegeben haben, diese runde Tafel Rose zu nennen. Auf französischen Kompassen des 18. Jahrhunderts und besonders auch des 17., ist in der Mitte ein Mann zu Pferde abgebildet, auf den acht Hauptstrichen sind Menschenköpfe und sonstige Verzierungen angebracht. Der Strich für Nord ist aber von einer französischen Lilie in der bekannten heraldischen Form gebildet. Nichtsdestoweniger hieß die Scheibe schon damals auch im Französischen rose; so mag also anstatt der Lilie zu anderer Zeit oder an anderen Orten eine Rose als Verzierung gedient haben.
Rosenlaschung, die. Wenn irgendwo zwei Augen, wie man die Ringe am Ende eines Taues nennt, mit einander verbunden werden sollen, so geschieht dies mit einem Taljereep, dessen beide Enden sich in der Mitte der Verbindung kreuzen. Um die Kreuzungsstelle werden die beiden Parten einigemale zur größeren Festigkeit so herumgewickelt, daß aus den schneckenhausförmig neben einander liegenden Schlägen eine Art Scheibe entsteht, die man mit der nötigen Einbildungskraft wohl für etwas Rosenartiges halten kann.
Routine, die, die Zeiteinteilung, Ordnung des Tageslaufes, genaue Bestimmung, was an einem Tage, wann und in wie langer Zeit es zu geschehen hat. Diese Bedeutung hatte das Wort ursprünglich nicht; weder im Lateinischen, noch im Italienischen, noch im Französischen. Es kommt von rumpere brechen; davon via rupta ein gebrochener Weg, das Gegenteil von einer gebrochenen Linie, indem der Weg möglichst gerade und direkt durch Felsen gebrochen worden ist, wie die Donau entlang am Eisernen Tor, also eine Kunststraße im Gegensatz zu den Karawanenwegen der Elfenbeinträger in Afrika, wo sich der Pfad um jeden Stein, der im Wege liegt, herumschlängelt. Von demselben Worte stammt italienisch rotta, spanisch, portugiesisch, provençalisch rota, altfranzösisch route, Bruch, Bruchteil, Abteilung eines Heeres, ein Trupp Soldaten, eine „Rotte‟; dann überhaupt einen Bruchteil einer größeren Versammlung bezeichnend, wobei der Bruch aus dem Bewußtsein geschwunden und nur der Teil geblieben ist; davon „sich zusammenrotten.‟ — Unser seemännischer Sinn von Routine entstand durch folgende Bedeutungsentwicklung. Auch bei via rupta ging, als man via wegließ, doch nicht etwa die Bedeutung Weg (vergl. die Entstehung von Straße aus via saxis quadratis strata, wo strata doch verhältnismäßig das unbedeutendere Wort in der Verbindung darstellt), sondern vielmehr die Bedeutung „gebrochen‟ verloren, so daß route, wie man für rupta sagte, bald ganz allgemein für Weg im Gebrauch war; zunächst im Sinne von zurückgelegtem Weg, durchwanderter Strecke; daher portugiesisch rota, Lauf des Schiffes; dann auch für eine noch zurückzulegende Strecke. Ein Mann aber, der des Weges kundig war, hieß routier. Und davon ist erst routine gekommen. Es bedeutet zunächst nur durch Übung erlangte Kenntnis des Weges. Dann bald bloß Übung, Gewandtheit, Geschicklichkeit, Kenntnis, Pfiffigkeit, Routiniertheit. Demnach ist Schiffsroutine nicht nur der Wegweiser für den Tageslauf, sondern auch der Weg selbst, auf dem die Schiffsmannschaft durch richtige Einteilung und Ausnutzung der Zeit die nötige Übung und Gewandtheit im Schiffsdienste erlangen kann. — Eine richtige Routine — in der Schule sagt man Stundenplan — auszuarbeiten ist eine schwere Sache, bei der sehr viel zu berücksichtigen ist; sie liegt in den Händen des Ersten Offiziers.
Rücker, der, ist ein Tau, einerseits an der Bram- oder Oberbramrahe, andererseits an dem Bram- bezw. Oberbramraheniederholer befestigt und dazu dienend, die Rahe, wenn sie gekait und an Deck genommen werden soll, zu rücken, d. h. los zu machen von der bisherigen Stelle, durch einen Ruck zu entfernen, also zu rücken, zu bewegen.
Ruder, das. 1. Eine Vorrichtung zum Steuern eines Schiffes. 2. Ein Werkzeug zum Fortbewegen eines Bootes. Auf Kriegsschiffen ist nur die erste Bedeutung im Gebrauch, sonst überall im deutschen Sprachgebiet hat sich die zweite im Munde von Seeleuten und Nichtseeleuten erhalten, wiewohl schon zur Zeit der römischen Herrschaft am Rhein Remen oder Riemen (s. d.) vom lateinischen remus herübergenommen wurde. Es wird auch nie gelingen, dem Worte sein Hausrecht im Deutschen zu rauben, dazu war es denn doch zu fest eingewohnt und -gewurzelt als das fremde Wort eindrang. — Indessen hatten Ruder und Remen in einer Wiege gelegen, indem beide von einer indogermanischen Bewegungswurzel abstammen, die in der Form ra, re, er, ar, ro vorkommt und jede Art von Fortbewegung bedeuten kann: stoßen, treiben, schieben, ziehen, rücken. Eine Zeit lang sind die beiden Hand in Hand ihren Weg gegangen und haben sich in der Bedeutung wenig von einander entfernt. Wo sich nachher die Trennung vollzogen hat, läßt sich nicht mehr genau angeben. Es kann aber im Griechischen geschehen sein, so daß eretmos noch für beide die gemeinschaftliche Form darstellte. Das hätten wir uns etwa so vorzustellen. Es gab vom gleichen Stamme wie eretmos ein griechisches Wort, rhyma, Seil, Zugseil, von welcher unser (Leder-) Riemen herkommt. Unter Anlehnung an dieses Fortbewegungsmittel rhyma ward aus eretmos das Fortbewegungsmittel remus gebildet, durch Aphäresis des anlautenden e und Schwund des t. Beide, rhyma und eretmos, waren ja Hilfsmittel, das Schiff fortzubewegen, das Zugseil und der Remen, ja vielleicht die Fortbewegung mit dem Zugseil die ursprüngliche und das Rudern kam erst später auf. Dann hätte man also die alte Bezeichnung der Fortbewegung durch Ziehen („treideln‟ s. d.) für die neue Fortbewegung durch Rudern beibehalten, etwa wie wir jetzt sagen, das Schiff segelt nach Newyork, wiewohl es sich dabei um einen gar keine Segel führenden Dampfer handelt. — Eretmos aber diente nicht nur zur Fortbewegung des Schiffes, sondern auch zum Lenken desselben. Insofern es nun diese letztere Bedeutung hatte, folgte man naturgemäß nicht dem Zuge und Einfluß von rhyma, sondern bildete eretmos selbständig weiter, und zwar auf dem Wege vom Griechischen zum Germanischen, durch Abwerfen (Aphäresis) des e und Abschwächung der Tenuis zur Media, sowie durch Schwund des m und Vertauschung der griechischen mit germanischer Endung, (vorausgesetzt, daß die Weiterentwickelung des Wortes sich nicht schon in vorgriechischer Zeit auf gemeinschaftlicher indogermanischer Wanderung vollzogen hat). Jedenfalls ist das Wort nicht durchs Lateinische, wie remus, sondern durch das gothische rodra, Werkzeug zum Rudern, als ruodar ins Althochdeutsche gegangen. Hier trafen die beiden Vettern wieder zusammen. Und wenn der fremde — remus — sich auch zeitweilig vordrängte, ja sich für das Werkzeug zur Fortbewegung ausschließlich im Gebrauche des Seemanns festsetzte, so hat der einheimische — als „Ruder‟ — sich doch im ganzen Binnenlande behauptet, ja auch bei den Seeleuten als Werkzeug oder Vorrichtung zum Steuern seine Geltung behalten. — Es ist auffallend, wie kurz sich die Isländer ihr Wort für Remen zurecht gemacht haben, sie sagen ar und sind so wieder auf die ursprüngliche Bewegungswurzel zurückgegangen, während doch schon im Sanskrit aritras das Ruder, arita der Ruderer hieß.
rudern, die Tätigkeit, die mit dem Ruder, aber nur in seiner Eigenschaft als Fortbewegungsmittel, ausgeübt wird, (während die Tätigkeit die mit dem Ruder als Lenkungsmittel erfolgt, steuern (s. d.) heißt, daher wird dieses auch im Binnenlande Steuerruder genannt). Aber nur hochdeutsche Leute sagen rudern, was ein niederdeutscher Seemann ist, der sagt rojen. Diese Form hat er sich aus der althochdeutschen oder eher noch der angelsächsischen Form für Ruder, ruodor oder rodor, gebildet. Niederländisch roeijen, englisch to row, isländisch roa; „Bágd er ad róa einni ár,‟ mit einem Remen ist nicht gut rudern, vergl. Lüpkes „Seemannssprüche.‟ Altnordisch róa; „I vindi skal vid höggva, vedri á sjó róa; myrkri vid man spjalla, mörg ern dags augu‟, „Im Winde soll man Holz hauen, bei gutem Wetter in die See rudern, im Finstern mit Weibern kosen; viele Augen hat der Tag.‟ Lüpkes p. 146. Angelsächsisch rôwan. — Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß dem Ruder und rudern wohl auch eine Wurzel ru zugeteilt worden ist, die spalten bedeutet, so daß man daran zu denken hätte, wie das Ruder das Wasser „spaltet‟; indessen ist das doch ein recht nebensächlicher Gedanke (vergl. Ruder), wenn auch im Altkirchenslavischen graba sowohl „ich grabe‟ als auch „ich rudere‟ (grabe in den Wellen) heißt.
Ruderbälle, die, bestehen aus zwei automatisch wirkenden Leinwandkegeln die den Zweck haben, jedem kenntlich zu machen, wie zur Zeit das Ruder liegt. Der eine Ball ist rot, der andere grün. Sie hängen möglichst nach allen Richtungen hin sichtbar, damit man, und das ist das Wichtigste an der Sache, auch auf den anderen Schiffen eines zusammen fahrenden Geschwaders zu jeder Zeit sehen kann, wie der Vorder-, Neben- oder Hintermann mit seinem Ruder manövriert und also wissen kann, wessen man sich von ihm zu versehen hat. Es sollen also Zusammenstöße durch die Ruderbälle vermieden werden.
Rudergat, s. Hennegat.
Ruderjoch, s. Joch.
Ruderpinne, s. Pinne.
Ruderreep, s. Reep.
Rundhölzer, die, sind alle walzenförmigen Hölzer die zur Takelage gehören: Masten, Stengen, Rahen, Spieren, Giekbäume, Gaffeln, Sprieten, Ruten etc. etc. Ein Rundholz braucht um so zu heißen nicht notwendig ein Holz zu sein; auch die eisernen Masten und Rahen gehören im weiteren Sinne zu den Rundhölzern und haben auf den Werften ihren Platz im Rundhölzerschuppen. Hier kommt also mehr das Runde wie das Hölzerne in Betracht.
Rund achtern! rund vorn! lautet das Kommando beim Wenden, das erfolgt, wenn das Schiff so weit durch den Wind gegangen ist, daß man die Rahen oder vielmehr die Segel über den anderen Bug brassen kann, so daß dann die Nock, die vorher hinten war, nach vorne kommt, und umgekehrt. Rund ist nicht mathematisch zu nehmen, sondern so zu verstehen, daß die Rahe sich teilweise um den Mast dreht. In der Handelsmarine heißt das entsprechende Kommando: „Gaan!‟ = gehen.
Rundsel, die, ist der runde Einschnitt im Dollbord in dem die Riemen sich beim Rudern bewegen. Der eigentliche Einschnitt ist zwar nicht rund, aber er ist mit einem runden Metallstück ausgefüttert; daher der Name. Wenn nicht gerudert wird, so wird in den Ausschnitt ein kleines Brett, das Rundselbrett, gesteckt. Das Kommando lautet: „Rundseln dicht‟, weshalb die Rundselbrettchen, wiewohl sie eckig sind, manchmal für die Rundseln selbst fälschlicherweise gehalten worden sind.
Rüst, die, ist die Vorrichtung an der Außenbordwand des Schiffes zu beiden Seiten die den Wanttauen bezw. deren Jungfern zum Halt dient. Sie findet sich an Backbord und an Steuerbord, an jedem Mast und besteht aus starken, vorspringenden, gerüstartig angebrachten Planken, die nach unten zu durch schräge eiserne Träger gestützt sind. Das Wort kommt wie das hochdeutsche Gerüst vom althochdeutschen hrustan, zurecht machen, bereit machen, zurüsten; davon mittelhochdeutsch geruste = Vorrichtung, Zurüstung, Bau, Maschine, Werkzeug, Gerät, Waffenrüstung, Schmuck. Neuhochdeutsch müßte das Wort eigentlich Gerüste heißen, aber des Seemannes niederdeutsche Liebe zur Kürze betätigt sich in Weglassung der Vorsilbe und der Endung.