← Table of contents
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache

P.

Reading edition

P. and O. Abkürzung für Peninsular and Oriental Line, eine Schiffahrtslinie die ihre Verbindungen mit der Peninsula d. h. Spanien und Portugal und mit dem Orient d. h. mit Ostindien etc. etc. unterhält. Im Abkürzen sind die Engländer groß; Gib für Gibraltar und Frisco für Francisco und Hock für „Hochheimer‟ kann man auf jedem englischen Kriegsschiffe hören, und in ganz Indien, China und Japan hört man nie anders als von P. and O. = Dampfern reden, wenn man von dieser englischen Linie und ihren Schiffen spricht.

p. m. s. a. m.

Pageie, die, heißt nach Roeding (1794) bei den Negern an der afrikanischen Küste und auch bei den Indianern eine Art Riemen mit breitem Blatt. Wort und Sache scheinen zu uns auf dem Wege über Frankreich gekommen zu sein, französisch pagaye, Zeitwort pagayer, und der Ruderer mit diesem Werkzeug heißt pagayeur. Die Pageie wird nicht auf den Dollbord aufgelegt, sondern der an der Bordwand des Bootes sitzende pagayeur rudert aus freier Hand, die Pageie auf und nieder haltend. „L'effet de la Pagaye est plus considérable que celui de l'aviron, mais sa manoeuvre exige plus de force et fatigue davantage.‟ (Bonnefoux et Paris, marine à voiles 542.)

paddeln heißt auf eigentümliche Art rudern oder im Wasser sich bewegen. Es scheint, daß in England sich der Name Pageie nicht eingebürgert hat, (s. d.) vielleicht weil man dorten für ein ähnliches Werkzeug den sehr populären Namen paddle hatte, der sich nicht verdrängen ließ, „a sort of short oar with a broad blade used in propelling and steering canoes and boats.‟ Paddel ist aber auch bei uns neben Pageie in Gebrauch, besonders indessen das Zeitwort paddeln, eine Tätigkeit anzeigend durch die das Wasser, sei es durch Rudern, sei es durch eigentümliches Schwimmen, so bewegt wird, wie ein Frosch es beim Schwimmen bewegt. Ein Frosch oder eine „Kröte‟ hieß aber angelsächsisch pada und heißt englisch paddock, niederdeutsch padde.

Packung, die. Packen heißt zuerst ein Packet machen, dann seine Sachen für die Reise in einen Koffer legen, dann sie in einer Truhe, einer Kommode unterbringen, in Ordnung bringen, sichern; daher heißt die Dichtung einer Gas- oder Dampfröhre, weil sie eine Sicherung darstellt, Packung s. Bagger, Baginrahe, Packetboot.

Packetboot, das, ein Schiff das regelmäßige Fahrten ausführt und dabei Passagiere, Güter, Packete und Briefe befördert, also das vorstellt, was man jetzt gewöhnlich einen Postdampfer nennt. Das Wort Packet ist mit dem niederdeutschen bag verwandt, das Sack bedeutet, s. Bagger und Bagienrahe. Aus balg = Tierhaut ward bag = Sack; aus bag ward Pack, denn wer keinen bag hatte, der band sein Zeug einfach mit einem beliebigen Stück alter Leinewand zusammen, und das stellte dann auch einen Pack vor. Dann erweiterte sich der Begriff dahin, daß alles was zusammengeschnürt oder auch nur in ein Papier eingewickelt war schon als Packet angesehen wurde. Die Post die dergleichen besorgt heißt Packetpost, das Schiff das dergleichen befördert Packetboot.

Pall, das, ist eine eiserne Sperre am Spill, dessen Rücklauf zu verhindern. Pall, englisch pallet, heißt das im Winkel gebogene Ende des Armes eines sogen. Ankers in einer Uhr, das in die Zähne des Zahnrades eingreift. Das Bremer Wörterbuch kennt das Wort in verschiedenen Bedeutungen. „Wenn das Sperreisen in eine solche Kerbe greift, so rufen die (das Spill drehenden) Matrosen: Pall! und machen eine Pause. Daher haben wir die sehr gebräuchlichen Redensarten: pall staan: unbeweglich stehen, standhafte Gegenwehr tun; to Pall setten, fest setzen; slim to Pall kamen, übel anlaufen, mit vieler Mühe seinen Zweck erreichen.‟ — Auch in der Seemannssprache unserer Tage adverbial gebraucht: Das Schiff steht pall, steht fest. Überhaupt ist mit dem Worte der Begriff „fest‟ verbunden. Er hat also nichts mit dem Pall in Pall-Mall (Malje) zu tun, das von palla = Ball und maglio (malleus) Hammer kommt und ein ehedem auch in deutschen und niederländischen Städten (Halle, Altona, Utrecht) beliebtes Ballspiel bedeutete, sondern kommt vom lateinischen pala, der Spaten. Dieses Werkzeug scheinen die Alten aber ausgedehnter gebraucht zu haben als wir, denn es kommt seinerseits von pango = festschlagen; allerdings schlagen auch wir die Kanten des mit dem Spaten Gegrabenen mit dem Spaten fest, aber in pala scheint der Begriff „fest‟ doch noch stärker zur Geltung gekommen zu sein. — Ich finde das Substantivum „die Pallen‟ zuerst in der „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟, 1673: „Es sähe überall sauer aus, und die Noth war da, derohalben entschloß ich, daß wir wolten daß erste Land für das beste erkiesen; auff daß wir in der See nicht vergehen möchten; den zuvor dürffte ich mich nicht mit dem harten Wind an den Wall geben, weil die Pallen von daß Bratspieß weg wahren, den so wir zum Ancker gehen mußten, konnten wir solches nicht wieder auffbekommen, gedacht auch, so der Wind Westlich blieb, wolten wir den andern Tag unser Korß nachs heilige Land (Helgoland) setzen, den wir waren damahls neben dem Eylande Just, so an die Fresische Kost gelegen ungefehr acht Meilen von de Wall.‟

palmen heißt Hand über Hand holen, also nicht wie solches auf Kriegsschiffen gewöhnlich geschieht, den zu hissenden Gegenstand auflaufen, sondern mit wenig Matrosen, indem jeder von ihnen eine Hand vor die andere setzt, in die Höhe ziehen; das Gegenteil davon ist fieren, was auch Hand über Hand geschehen muß damit der zu fierende Gegenstand oder vielmehr das an ihm befestigte Tau nicht schliere. — Kommt vom lateinischen palma, das Innere der Hand, von dem auch die stolzen Palmen wegen der Ähnlichkeit ihrer Blätter mit einer flachen Hand und ihren ausgebreiteten Fingern den Namen haben. — Die Hand wurde auch ebensogut wie der Fuß und der Ellbogen als Maß benutzt und man gebraucht dementsprechend palmen auch für messen.

Palstek, der. Stek heißt Stich, vom Durchstechen eines Tauendes durch eine Schlinge; Pal heißt Pfahl; darum aus dem Ganzen einen „Pfahlstich‟ zu machen ist ein unangebrachter Versuch der Verhochdeutschung eines gut niederdeutschen Seemannswortes. Das Eigentümliche des Palsteks ist, daß er nicht zuschliert wenn er um einen Poller oder Dükdalben gelegt wird, auch wenn Kraft darauf kommt, und daß man, sobald die Kraft zu wirken aufhört, den Palstek ohne Weiteres wieder von dem Pfahl, dem Poller, dem Dükdalben abnehmen und über einen anderen streifen kann, wenn etwa ein Schiff verholt werden soll.

Pampero, der, ist ein heftiger, plötzlich und überraschend aufkommender, mit schwerer Bö einsetzender Wind an der Küste von Südamerika, aus Westen wehend, hat er seinen Namen von den Pampas, über die er hinwegstreicht. Schon manches Schiff lag dem Kentern nahe oder ist gekentert, wenn es sich an jenen Küsten von einer so schwer vorherzusehenden „weißen Bö‟ überraschen ließ.

Pantry, die, ausgesprochen Päntry, also über England zu uns gekommen, bedeutet jetzt den zu einer Messe gehörigen Anrichteraum, in dem die Gläser, Teller, Messer, Gabeln etc. etc. aufbewahrt und auch abgewaschen werden. Vorräte werden in diesem Raume nicht verstaut, doch muß früher wenigstens ein gewisser Vorrat von (Hart-) Brot in der Pantry gehalten worden sein, denn von panis, das Brot, hat sie ihren Namen, der also eigentlich Brotkammer bedeutet; das Mittelglied zwischen panis und pantry ist das französische paneterie.

Panzer, der. Die gewaltigen Panzerschiffe die jetzt den Ocean durchfurchen haben ihren Namen vom Unterleib. Panzer ist ein Lehnwort aus dem Lateinischen. Da heißt pantex der Leib, gewöhnlich in der Mehrzahl und poetisch gebraucht als pantices, die Eingeweide. Daraus ward italienisch pancia, spanisch panza, provençalisch pansa, französisch panse; mittelniederdeutsch panse, pantze, pantse, der Pansen, Wanst, Bauch, Magen, Kuhmagen, Magen der Wiederkäuer. Von Menschen wird es jetzt nur noch in sehr freier Rede gebraucht und in stehenden derben Redensarten: „Ich trete Dir vor, in den Pans!‟ „Sük de Pans full fräten.‟ Doch spricht das Volk auch ganz harmlos: „Mit ledige (leeren) Pansen is god dansen‟, wo der Gebildete sagen würde: „plenus venter non studet libenter.‟ — Den Teil der Rüstung der den Unterleib deckte nannten die Italiener panciera, spanisch pancere, altfranzösisch panchire, mittelniederdeutsch (Kil.) pans-yser oder panssier. Es war eine schuppenförmige Stahlschürze, die hat sich inzwischen zu halbmeterdicken Stahlplatten ausgewachsen. — Die Panzerung eines Schiffes besteht aus einzelnen Panzerplatten die je nach dem Material, dem Erfinder, dem Ort der Verfertigung ihre Namen führen; so spricht man von Stahlpanzerplatten, Compoundpanzerplatten, Nickelstahlplatten, Harweyisierten Platten, Tressiderplatten u. s. w.

Pardun, das. Die Parduns sind stehendes Gut und stützen die Stengen nach der Seite und nach hinten zu und verleihen ihnen festen Halt. Die Endung un, oen geschrieben, kommt im Niederländischen, woher das Wort — es lautet daselbst perdoen — stammen wird, häufig vor; katoen, blazoen, latoen, plantsoen, festoen, galjoen, menizoen, vermiljoen. Die Stammsilbe par dürfte von bar, par = tragen kommen, denn das Pardun ist ein tragendes, haltendes, festhaltendes Etwas. Es müßte, wenn diese Ableitung richtig ist, eigentlich Parun heißen; aber so gut man, wie in Kiel geschieht, der bequemeren Aussprache wegen anstatt Karl Kardel sagen kann, so gut kann sich auch hier das d eingeschlichen haben, zumal bar, par die Neigung hat, sich mit d weiterzubilden, wie Geberde und Hellebarde, Helleparte beweisen.

Part, die. Das Wort kommt von pars, der Teil, und wird schon im Mittelhochdeutschen für Teil, Anteil, Abteilung gebraucht. Demgemäß wird es noch heute häufig gehört: Halbpart, Partei, Partie Waren, eine „gute Partie‟, eine Landpartie; seemännisch als Anteil an einem Bodmereigeschäft, Schiffspart, und dann sehr häufig im Gebrauch für „Teil eines Taues,‟ und dann auch wohl die Parte. So heißt jeder einzelne Teil des Läufers eines Takels der von einer Scheibe bis zur anderen geht, so daß ein Takel doppelt so viele Parten hat als Scheiben. — Ein einfaches Tau, das überhaupt durch keine Scheibe geschoren ist, das man also im Binnenlande einfach als Strick bezeichnen würde, nennt der Seemann eine enkelte Part, einzelne Part. Wird aber dasselbe zusammengebogen, so daß dessen beide Enden neben einander liegen, so heißt die so gebildete Bucht eine doppelte Part.

Passat, der, ist der nördlich und südlich vom Äquator regelmäßig aus Nordost bezw. Südost und annähernd stets in der gleichen Stärke wehende, dem Seemann hochwillkommene Wind. Das unter Passer erwähnte spanische paso heißt nicht nur Schritt, Gang, Art zu schreiten, in welcher Bedeutung es schon allein zur Erklärung von Passat genügen würde, sondern auch „Strich der Vögel‟. Wie nun die Vögel auf ihrem Zuge nach oder vom Süden stets den gleichen Strich inne halten, so streicht auch der Passat stets auf demselben Strich, aus bekannten physischen Ursachen. Englisch heißt der Passat tradewind; trade heißt ursprünglich Weg, Lauf, Pfad; Passat wäre also ein Wegwind, der stets denselben Weg weht. Es liegt auf der Hand, daß in diesem allgemeinen Sinne auch die Monsune Passate sind; doch haben die ihren eigenen arabisch-persischen Namen behalten.

Passer, der, ist das was uns jetzt unter dem Namen Zirkel geläufiger ist. Ursprünglich hieß unser Kompaß in den romanischen Sprachen compasso und bedeutete weiter nichts als Zirkel = Meßinstrument; die jetzige Bedeutung als Instrument zum Messen der Himmelsrichtung ist später hinzugekommen. Im Spanischen hat paso neben vielen anderen Bedeutungen auch die von Takt, Versmaß, überhaupt von Maß und von Werkzeug zum Messen. Fuß, Spanne, Hand (palma), Elbogen, Klafter sind Maße vom menschlichen Leibe genommen; ein solches Maß ist auch der Schritt, sogar jetzt im Zeitalter des Meters noch sehr gangbar. Vom Schritt zum Messen und vom Messen zum Meßwerkzeug war jedesmal nur ein Schritt. — Insbesondere wurde der Passer zum Absetzen auf der Seekarte gebraucht, die man darum auch Paßkarte nannte.

Pegel, der. Maß zum Messen des Wasserstandes bei Meeren, Seen, Flüssen. Es bedeutet im Mittelalter ganz besonders ein Maß zum Messen von Getränken, wobei die messende Skala an der inneren Wand des Trinkgefäßes angebracht war. Das von einigen Gelehrten Ende des 18. Jahrhunderts herausgegebene „Bremer Wörterbuch‟ bemerkt hierzu: „Vor Zeiten bedeutete Pegel ein gewisses Maß flüssiger Sachen. Nächstdem nannte man hier auch also einen inwendigen Ring einer Kanne, der zum Abmessen des Trunkes bei den Gelagen diente. Unter den Meisterstücken der hiesigen Zinngießer ist noch jetzt eine Kanne mit Pegeln gebräuchlich. Da eine solche Kanne mit verschiedenen dergleichen Ringen versehen gewesen, so hatte ehedem ein jeder der Saufbrüder grade bis auf einen solchen Ring, ohne abzusetzen, trinken müssen. Hatte er diesen verfehlt, so war er genötigt, zur Strafe auf den folgenden zu trinken. Wobei der ziemlich unhöfliche Zuruf gewöhnlich gewesen: Suup up den Pegel, du Flegel! Daher sagt man auch noch: enen goden Pegel supen, einen guten Trunk verstehen können, ein großer Säufer sein.‟ Daher also stammt der Ausdruck picheln für Trinken. Man sieht, die Deutschen befleißigten sich von jeher des Trunkes nach allen Regeln der Kunst. Doch tat der Pegel gute Dienste beim Einschenken, indem man, wie bei den Kindersaugflaschen, durch die Striche an der Wand genau den Inhalt des Gefäßes sehen konnte. So konnte jeder wissen, ob er für sein Geld auch sein rechtes Maß bekam. „Sed to, ys dat recht getappet? Is dar doch ein gantz pegel weggeschnappet‟, beklagte sich im Mittelalter ein Mecklenburger beim Wirt. Ebendaher stammt auch der Vers: „Is it ein mester, moet man en firen, so moet he am ersten sinen pegel utliren.‟ Der alte Kilianus Duffläus erklärt peghel mit capacitas sive mensura vasis; peghelen mit metiri, mensurare und sagt auch schon öfters peylen anstatt peghelen (s. peilen). Nordfriesisch heißt Pegel nicht nur ein Maß an oder in einem Trinkgefäß, es kommt der Ausdruck auch beim Kornmessen vor. Also ist die Bedeutung ganz allgemein die eines Maßes. Die Verwandtschaft mit Beil ist wahrscheinlich. Beil hieß altnordisch biegel, althochdeutsch pigil und heißt in Bayern heute noch Beichel. Man hat sich also die Sache so zu denken, daß ursprünglich die Maße am Rande des (hölzernen) Gefäßes Einschnitte oder Kerben, mit einem Beile gehauen, waren.

peilen, etwas abmessen, untersuchen, beobachten, messen, feststellen, bestimmen. Die Sonne peilen, sie mit einem Peil-oder Azimutal-Kompaß beobachten, in welcher Himmelsgegend sie steht. Den Grund peilen, die Tiefe desselben mit dem Senkblei, welches daher das Peillot genannt wird, untersuchen; das Land peilen oder die Lage desselben mit dem Peilkompaß bestimmen, wie weit vom Schiffe und nach welchem Kompaßstriche es liegt. Die Pumpe peilen oder mit dem Peilholz untersuchen, wie hoch das Wasser in der Pumpe steht. Peilen ist zusammengezogen aus pegelen, indem das g der größeren Bequemlichkeit wegen ausfiel und aus den beiden dann zusammengetroffenen e der Diphthong ei wurde. Pegelen aber kommt von Pegel (s. d.). Was heute Peilkompaß heißt, nannte der Verfasser der „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟ 1673 noch durchgängig Pegel-Compaß. „Tho Pegelinge averst der Landen, Torens, Huken und Baken, imgeliken der Sünnen up und underganck, is nichts bequemeres, den ein recht Pegel-Kompaß, wil se averst mennigen tho dür sin (dar doch offt Schip, Man und Gut angelegen is) so werender ock weinig by der See gefunden, de se gebrucken offt bei sik föhren, behelpen sick, in Platz von dessen, mit ein Kompaß mit ein Pin, dar man sik ok thor Noth wohl mit behelpen kan, wen man wet dat de Drat unter de Rose Süden und Norden gelecht is. Dat seckerste holde ick awerst vor best.‟

Penterhaken, der. Früher gab es einen Penterbalken, ein Pentertakel und einen Penterhaken, sie bildeten zusammen gleichsam eine Reservevorrichtung die beim Ankerlichten in Tätigkeit trat. Bei der neuzeitigen großen Umwälzung die das ganze Ankergeschirr erlebt hat, ist als letzte Erinnerung daran nur der Penterhaken geblieben, und auch ihn führt das amtliche Handwörterbuch für technische Ausdrücke in der Kaiserlichen Marine schon nicht mehr unter den zahlreichen anderen Haken auf. Er faßt beim Ankerlichten in den Ring des Ankers. Das niederdeutsche Wort pennen heißt: in einander stecken, in einander fügen, verbinden, schließen, riegeln, vergl. das englische to pin = einstecken, anstecken, heften, anheften, befestigen, festmachen. Das Zeitwort pennen kommt von Pinne, einem Ding zum Ein-, Auf-, Feststecken, Festhalten, Festmachen, Verschließen, Verbinden; mittellateinisch pinna, der Nagel. — Vergl. übrigens „Porteurleine‟ am Schluß. Der Penterhaken und die Porteurleine gehören so nahe zusammen, daß die Annahme beinahe unabweislich ist, daß Penter eine volkstümliche Form von Porteur, oder Porteur eine gelehrte Form von Penter ist.

Peter, blauer, eine blaue Flagge als Abfahrtssignal eines Schiffes. Durch Hissen desselben gibt der Kapitän zu erkennen, daß er die Absicht hat, in See zu gehen und daß also, wer an Bord gehört, sich einzufinden habe. Die Bezeichnung stammt aus dem Englischen, wo sie scherzweise aufkam als Umbildung von blue repeater, einer blauen Kontre-Signal-Flagge.

Pferde, heißen die Taue unterhalb der Rahen, auf denen die Matrosen beim Segelsetzen oder -bergen stehen. Sie haben mit dem Lehnwort aus dem Lateinischen Pferd = Roß nichts zu tun. Vielmehr kommt das Wort davon, daß die Matrosen auf diese Taue mit ihren Füßen treten. Treten hieß angelsächsisch paddan, peddan, eigentlich wandeln, laufen, spazieren gehen, also in dem Sinne, in dem wir von einem Pflastertreten sprechen. Niederdeutsch pedden. Es kommt aber auch die Form perren und perden vor. In Hinterpommern nennt man „in Menschenkot treten‟ „in't Fossise perre.‟ Das was einer perd kann er leicht ein Perd nennen und das Neuhochdeutsche hat im Mißverstand ein Pferd daraus gemacht.

Pflicht, die. Doornkaat: „Auf kleinen Schiffen und namentlich solchen, deren Raum offen ist und die kein eigentliches Deck oder Vordeck haben, ein abgezimmerter mit einem Deck oder Verdeck versehener kleiner Raum im Hinter- und Vorderteil von Fluß- und Wattschiffen oder Tjalken, welcher im Hinterteil die Stelle einer Kajüte auf großen Schiffen vertritt und als solche achterpflicht heißt, während die förpflicht oder der bedeckte und abgezimmerte Raum im Vorderteil solcher Schiffe auch forunder genannt wird (s. Farunner).‟ Es ist die Form Pflicht eine der schlimmsten hochdeutschen Verdunkelungen der Seemannssprache. Das Wort heißt nicht Pflicht, sondern Plicht. Niederdeutsch plicht; niederländisch plecht, plicht; auf Wangerooge pliucht; schwedisch und dänisch pligt; norwegisch plitt; offenbar verwandt mit dem englischen plight = Decke, da die Plicht doch bedeckt ist und ein Deck darstellt. Das „Bremer Wörterbuch‟ sagt: Pligt = ein kleiner Raum vorn und hinten auf einem Schiffe. Es war aber ursprünglich wohl die Bedeutung auf den vorderen Raum beschränkt. Das geht einesteils aus der Übersetzung Kilians hervor, der plecht van 't schip mit prora wiedergibt, andernteils auch aus der Bezeichnung Plichtanker. Der heißt so, weil er auf der Plicht seinen Platz hat, um stets bei der Hand zu sein. Den Anker braucht man aber in der Regel vorn; so war die forplicht jedenfalls die eigentliche Plicht. Das wird auch durch den noch gangbaren Ausdruck Bootspflicht bestätigt, denn so heißt der erhöhte, mit einem Gräting gedeckte Teil vorn, am Bug eines Bootes. Noch deutlicher wird dies durch die Zusammensetzung „Lausepflicht‟. Damit ist der Raum vorn am Gallion bezeichnet; da wo der Mann seine Notdurft verrichtet, macht er auch seine Toilette, da kämmt er sich, und daß der derbe Seemann die Plicht, auf der sich die Leute zu kämmen pflegen, Lauseplicht nennt, wer wird sich darüber verwundern?

Pforte, die, eine verschließbare Öffnung in der Bordwand. Es gab oder gibt Ladepforten, Ballastpforten, Ruderpforten, Piekpforten, Jagdpforten (ganz vorne für die Jagdstücke, die beim Jagen eines fliehenden Feindes in Tätigkeit treten), Luftpforten, Lichtpforten, Stückpforten. Die letzteren sind auf den Kriegsschiffen von besonderer Bedeutung, und darum versteht man, wenn schlechthin Pforte gesagt wird, stets eine Geschützpforte darunter. Das lateinische porta heißt bekanntlich Tür, Tor, es liegt ihm aber ein griechisches Zeitwort zu Grunde, das durchgehen, passieren bedeutet. Insofern ist die Bezeichnung Pforte doch nicht unglücklich gewählt, wenn auch durch diese keine Menschen gehen.

Piek, die. Wo immer dieses Wort in der Seemannssprache vorkommt, da hat es irgend etwas mit „Spitze, Äußerstes‟ zu tun. Die Achterpiek, Hinterpiek ist der äußerste, hinterste, unterste, spitz zulaufende Teil des Schiffes; heißt meist kurzweg die Piek, während der entsprechende vorderste Teil, wenn er überhaupt Piek genannt wird, mit Vorderpiek näher bezeichnet werden muß. Aber nicht nur das Äußerste nach hinten oder vorn, sondern auch nach oben heißt Piek; diese Bedeutung ist sogar die ursprünglichere. So heißt z. B. sogar das Tau mit dem die Gaffel des Besans so getoppt wird, daß ihre Nock sich in die Höhe streckt, ebenfalls Piekfall. Die Rahen auf Piek setzen ist ein anderer Ausdruck für kaien, nämlich sie so auf und nieder setzen, daß sie weniger Raum einnehmen. Die Riemen pieken heißt „Riemen hoch‟ nehmen, sie mit der Spitze, dem Blatt, welches zwar nicht spitz aber doch das Äußerste am Riemen ist, in die Höhe halten. — Piek ist dasselbe Wort wie pique im französischen Kartenspiel und bedeutet Pike, Lanze, Speer, Spitze, Bergspitze, Zinne, Gipfel; spanisch und portugiesisch pica, italienisch picca, was mit picco, spanisch und portugiesisch pico, französisch pic, angelsächsisch pic englisch peak zusammengehört, alles mehr oder weniger Spitze bedeutend. — Das Piekfall hieß früher Dirk, Gaffeldirk, jetzt heißt Dirk nicht mehr das Tau zum Auftoppen der Besansgaffel, sondern das zum Auftoppen des Besansbaums.

Pier, die, ist der englische, auch bei uns oft gebrauchte Ausdruck für das was wir gewöhnlich Moole nennen, also für einen Steindamm, für eine steinerne Mauer, in See hinausgebaut, zum Schutze der Hafeneinfahrt oder zum Anlegen und Festmachen für Schiffe. Das Wort kommt vom französischen pierre = Stein. Doch ist der Begriff des Steinernen ziemlich in den Hintergrund getreten, denn man kann jedes beliebige hölzerne Bollwerk wohl auch eine Pier nennen hören. Waghenaer 1588 hat die Form Piere: „By westen Sanson leydt Gyon ende heeft een Piere oft afstekent hooft daer d'inwoonders haer visschers barken onder legghen.‟ Er hielt es damals also doch für nötig Piere zu übersetzen und zu erklären, weil es für einen Niederländer auch in jener überaus fremdwortfreundlichen und -reichen Zeit ein erklärungsbedürftiges Fremdwort war.

Pijacket, Peajacket, Pijacke. Der kurze Überzieher der Mannschaften, die bei der Kaiserlichen Marine dienen, den sie, auch wenn sie ausgedient haben, mit anderen (Civil-)Knöpfen besetzt gerne noch weiter tragen. Die letztangeführte Form (Pijacke) ist die einfachste und richtigste zugleich; hat auch den Vorzug die deutscheste zu sein. Schon Ende des 14. Jahrhunderts kommt im Spanischen un jaque de seda vor, eine seidene Jacke. Neuspanisch jaco, italienisch giaco, französisch jaque, niederländisch jasje, zoort van seemannsjas. Ums Jahr 1358 soll, nach Ducange, zu Beauvais ein Häuptling gewesen sein mit Namen Jaque, der, wenn er zum Kampfe auszog, einen kurzen Oberrock getragen habe; daher das zweite Wort in der Zusammensetzung. Das erste, Pi, bedeutet ebenfalls Jacke. Die fremde unverstandene Bezeichnung Jacke genügte dem deutschen Küstenbewohner nicht für das bald heimisch gewordene Kleidungsstück, (die Häuptlinge auf den Siegeln des 14. und 15. Jahrhunderts tragen bis auf die Knie gehende Röcke) darum verbanden sie sie mit dem altgewohnten Worte für Rock py, pye, welches heute noch in Ostfriesland pe, peje, pei, pi heißt und einen kurzen Unterrock von rauhem, grobem Tuch bezeichnet; in Bremen pye, pey, pige, pikke, pike, eine Jacke, ein warmes Unterkleid von Flanell; in Holland pij, pije, in Nordfriesland pie, pei, Rock. Aus dem Griechischen durch das Gothische zu uns gekommen, indem baite, Hirtenrock, Bauernkleid aus Ziegenfell, zu paida wurde; angelsächsisch peda, Untergewand; mittelhochdeutsch pfeit, Hemd, hemdähnliches Kleidungsstück; niederdeutsch pede, nach Schwund des d kontrahiert zu pee, pe mit einem leichten Anklang an das auf dem Wege ins Niederdeutsche zurückgedrängte i, woraus dann leicht das einfache pi werden konnte. Pijacke ist demnach ein Jackenrock, oder vielmehr eine Rockjacke. In Groningen heißt es piejekker, aber auch molvanger, monkie (auch bei uns manchmal zu hören) schort, twiefelder, twiefeloar und, mehr deutlich als fein, vreischieter. — Zu bemerken ist, daß die Handelsmatrosen das Kleidungsstück nicht etwa von der Kriegsmarine überkommen haben. Umgekehrt; und in Holland ist es sogar so eingebürgert, daß der Dichter Vondel es nennen kann: „Een dracht, die sterven zal, wanneer de schipvaert sterft.‟ — Ziemlich spät erst ist im Deutschen Jacke mit Pi verbunden worden. In den gerichtlichen Inventarien, die in Wismar während der Jahre 1438 bis 1547 aufgenommen worden sind, kommt für Rock das Wort pyge ohne Verbindung mit Jacke vor. Dafür ist es aber eine andere Verbindung eingegangen und heißt szepyge, also Seerock, Seewamms; vielleicht das was man heute Lootsenjacke oder Seelenwärmer nennt; irgend etwas Warmes, Gefüttertes, denn der Schreiber der jenes Inventar aufnahm hat es mit „rot foderhemmede‟ verdeutlicht, rotes, gefüttertes Hemd. — Pijacket ist n., Pijacke f.

Pinass(e), die, auch (fälschlich) Pinnass(e) geschrieben, eins der großen Beiboote, jetzt fast nur noch dampfend, daher meistens Dampfpinasse oder -pinass gesagt wird, mit dem Ton auf Dampf und Weglassung des auslautenden e. Offenbar zuerst ein aus dem Holze der Fichte, pinus gebautes Boot. Der Name ist im romanischen Sprachgebiet entstanden und weiter gebildet: ital. pinaccia, spanisch pinaza, französisch (um 1700 als Seemannswort allgemein im Gebrauch) pinasse. Das e ist stumm, also tut der Seemann recht, es unausgesprochen zu lassen, es würde in seinem Munde recht geziert lauten. — Im spanisch-englischen Kriege unter Königin Elisabeth waren Pinassen als wirkliche seegehende, seeschlachtfähige Kriegsschiffe im Gebrauch. Als im Jahre 1596 die Königin es für ratsam hielt, „den Spanischen ihr angethanes Hertzleid selbst in ihrem tiefsten Eingeweide fühlen zu lassen‟, sandte sie eine Flotte aus, die bei Cadix eine ruhmreiche Affäre hatte. Davon berichtet der Verfasser der „Durchläuchtigsten Seehelden‟ I 405: „Der Pinas des Ritters Robbert Southwel, der zu Kühn war, das Schiff Philippus anzugreiffen, ward mit demselben verbrandt, das Volck aber davon gerettet.‟ Als im Jahre 1625 die Spanier den Holländern Bahia wieder abzunehmen sich rüsteten, waren bei der aussegelnden Flotte einunddreißig Gallionen, eine Caravell, drei Tartanen und vier Pinassen. Wenn diese auch die kleinsten der Kriegsschiffe waren, so waren sie doch immerhin groß genug, Bahia mit belagern zu helfen.

Pinke, die. Pink, Pinke, Pinkschiff sind Namen für gar verschiedenartige Fahrzeuge im Mittelländischen Meere und in der Nordsee. So verschieden sie auch gebaut und getakelt sind, eins hatten sie ursprünglich alle mit einander gemein, daß sie scharf und spitz gebaut waren. Daher ist Verwandtschaft mit dem unter Piek angegebenen Pik anzunehmen, von dem Pink eine nasalierte Form ist. Schon Kilian kannte sie und als peynk kommt sie bereits in der Hamburger Chronik vor: „Reynke wert myt noch eynem van den kapteins van der peynke angetastet, de gewalt auer alle boyers and euers hadde.‟ Und in den Monum. Liv. kommt die Stelle vor „den bogert ... tho senden in de see den freygebuter myt der pinke tho soeken.‟ Es muß also im Mittelalter eine Pinke ein starkes und schnelles Schiff gewesen sein. Man gebraucht sie in Holland zum Heringsfang. Waghenaer, „Spiegel der Zeevaerdt‟, 1588: „Leyt mede op dese stroomen de bequame vermaerde Zeestede Enckhuyzen (sie war Waghenaers Heimat), al waer soo veel Harincx voor de Stadt (in de Zuyder Zee) op sekeren tyt des Jaers ghevanghen wert, alsser op een telte met de Buysen, Boots ende Pincken de Maze ingebracht ende verhandelt wert.‟

Pinne, die. Der hölzerne Griff mit dem das Ruder gehalten und bewegt wird, die Ruderpinne. Das niederdeutsche penne, pinne, pin heißt Nagel, Zweck, Zapfen, ein vorn zugespitztes oder abgestumpftes Stück Holz zum Festhalten, Befestigen, Verschließen. Die Zusammenstellung mit penna, Feder, Floßfeder ist allzu gekünstelt. Weit natürlicher läßt sich das Wort, wie Pinaß, von pinus, die Fichte, ableiten, da eine Pinne offenbar ursprünglich von Fichtenholz war.

Pirat, der, der Seeräuber. Das Wort stammt aus dem Griechischen peirates, von peiraein = versuchen, unternehmen, sein Glück in Abenteuern suchen, auf Raub ausgehen, das Meer auf Raub befahren. Lateinisch pirata, italienisch pirate und pirato, französisch pirate. Dazu das Fremdwort Piraterie, der Seeraub, die Seeräuberei. Göthe: „Krieg, Handel und Piraterie, dreieinig sind sie, nicht zu trennen.‟

Pirogue, die, ist ein Fahrzeug das in der Südsee und in Indien gebraucht wird, woher auch der Name stammt, der französisch pirogue, spanisch piragua lautet. Es hat verschiedene Veränderungen erfahren, aber das Eigentümliche aller Piroguen ist, daß sie Einbäume sind, aus einem Stamm gefertigt. Demgemäß können sie nur klein und rank sein und haben daher einen Auslieger (outrigger).

Planke, die. Bord, Diele, Bohle, Brett und Planke sind begrifflich nicht ganz leicht auseinander zu halten. Die beiden letzteren z. B. sind vielfach gleichbedeutend, so daß man oft für Brett Planke und für Planke Brett sagen kann. Doch neigt der Sprachgebrauch dahin, daß man ein dickes, starkes, langes, großes Brett Planke nennt, was schon daraus erhellt, daß Planke keine Verkleinerungsform kennt, während man häufig von einem Brettchen spricht. Eine Packkiste ist aus Brettern, eine Zigarrenkiste aus Brettchen zusammengenagelt, nicht aus Planken, aber das Deck eines Schiffes besteht nicht aus Brettern, sondern aus Planken. Im Allgemeinen wird man sagen können, daß, wohl wegen der Verwendung des Wortes beim Schiffbau und im Schiffsleben, Planke im Nieder-, Brett im Hochdeutschen bevorzugt wird. Planke stammt aber aus dem Romanischen, es ist mit dem piemontesischen pianca, Steg; provençalisch planca, plancha; französisch planche, Brett; lateinisch planca = Brett, Bohle aus einer Wurzel plak entstanden, von der Doornkaat es unentschieden läßt, ob sie etwas flaches, plattes oder etwas gespaltenes bedeutet. Schon in einer mittelniederdeutschen Urkunde aus Göttingen vom Jahre 1348 finden wir das Wort, aber mit anlautendem b anstatt p, (was nicht zu verwundern ist, da auch heute noch selbst in Niederdeutschland das p von Planke ziemlich weich ausgesprochen wird). „We lovet, dat we neynerleyghe buv mer scholen buwen darsulves von steynwerke eder von bomwerke, dar ienecherleyghe eyrkenere utgan van blanken eder van graven.‟

Plate, die, eine breite, flache, platte Sandbank von größerer Ausdehnung. Das Wort Plate ist niederdeutsche Form für Platte, irgend ein breites flaches Etwas von Stein, Holz, Eisen etc. etc. Vom griechischen plate, und dieses von einer Wurzel prath sich ausbreiten. In Ostfriesland nennen sie eine Plate eine Sandbank die bei Flut überschwemmt wird, bei Ebbe trocken fällt. Es gibt aber auch Platen in der Weser, in der Ostsee etc. etc. Was letztere betrifft, so lesen wir in Manson, See-Buch, Lübeck 1735 bei Gelegenheit einer Segelanweisung nach Wismar: „Als einem aber der Wind nicht fugen wolte, dieses Tonnen-Tieff einzusiegeln, muß er aussen um den Hannibal auf 6 oder ja 5 Fadem loden, und nach den Küsterhöft zu lauffen, und segeln die Mittel-Tieff. West-Südwest von der Tonnen ein klein Stück seynd zwo runde Sandbänken, die heissen Platen, die läßt man am Stührbord. Hannibal lieget Nordwest zum Norden eine kleine halbe Meil von der Kirchen die auf Poel stehet.‟

Plattfusswache, s. Wache.

Plattformdeck, s. Deck.

Platting, die, ist ein aus Kabel- oder Schiemannsgarn geflochtener Zopf, der nach der Zahl seiner Garne schmäler oder breiter ist und auch nach dieser Zahl genannt wird, Dreigarnplatting, Fünfgarnplatting etc. etc. Die Zahl der Garne ist stets ungrade. Wie sehr sie auch untereinander verschieden sind, so haben sie doch alle das gemein, daß sie, eben weil sie nicht gedreht, sondern geflochten sind, ein plattes Geflecht darstellen. Man stellt wohl auch sehr schöne runde und vierkante Plattings her; die werden eben mit demselben Rechte, wiewohl sie eigentlich keine Plattings sind, so genannt mit dem man eine Fensterscheibe, wiewohl sie jetzt keine Scheibe mehr sondern ein Viereck ist, doch noch Scheibe nennt, und mit dem sie niederdeutsch Raute heißt, obgleich sie die rautenförmige Gestalt längst verloren hat. — Die Platting dient zur Bekleidung der Taue an Stellen wo sie besonderen Schutzes bedürfen.

Pockholz, das, ein sehr hartes Holz aus dem man Blockscheiben, Kegelkugeln u. s. w. drechselt. Der Name hat eine eigentümliche Geschichte. Der Westindische Baum von dem das Holz kommt, eine Gattung der Zygophyllen, heißt guajacum officinale L. und wird Guajak-, Franzosen-, Pock- oder Heiligenholz genannt. Die Erklärung ist bereits bei Kilian zu finden. Er bemerkt zu pock-hout: „ebenus, hebenus, hebenum, guiacum: lignum expugnandae lui venereae accomodatissimum, lignum Indum, vulgo gaiatum‟ und spaensche pocken übersetzt er mit „morbus Gallicus, scabies Hispanica, Neapolitana, lues Venerea: siphylis: serpigo Indica.‟ Von den „spanischen Pocken‟ stammt der Name des Holzes, von der lues venerea, zu deren Heilung heute noch ein Decoct von diesem lignum vitae angewandt wird.

Polacker, der, ist ein Mittelmeerschiff, dessen eigentümliches Kennzeichen Pfahlmasten sind, d. h. Masten die aus einem Stück bestehen und keine Stenge haben. Wo diese Art Masten auch bei uns vorkommt, da nennt man die Takelage eines solchen Fahrzeuges Polackertakelage. Das Wort kommt vom lateinischen palus, der Pfahl; italienisch und spanisch polacra, französisch und englisch polacre; im Deutschen, Niederländischen, Dänischen und Schwedischen konnte sich das Wort um so eher einbürgern und die Form Polacker annehmen als hier das Wort Polack für Pole gangbar war.

Poller, der. Die Poller sind starke Balken, die allein oder zu zweien an Deck oder am Lande angebracht sind zum Belegen von Trossen beim Festmachen oder Verholen. Neuerdings sind teilweise eiserne Gestelle daraus geworden, die mit einem Balken wenig Ähnlichkeit mehr haben, aber doch auch noch den Namen Poller tragen, der Balken bedeutet. Polder hat schon Kilian richtig mit trabs übersetzt, und Polder muß das Wort eigentlich auch geschrieben werden, wiewohl es der Bequemlichkeit wegen meist Poller ausgesprochen wird, wie so viele ähnliche niederdeutsche Wörter. Es kommt mit dem französischen poutre, altfranzösisch pouldre = Balken, von dem mittellateinischen poledrus.

Poop, die, ausgesprochen Pup mit langem u, ist „the highest and aftermost part of a ship's deck, or a partial deck extending close aft, above the complete deck of a vessel‟. Wir hätten dieses Wort nicht nötig, denn man könnte stets mit unserem gut deutschen Kampanje auskommen, indessen da es nun einmal öfters gehört wird, so sei hier bemerkt, daß es die englische Form für das lateinische puppis, Hinterteil des Schiffes ist, im Gegensatz zu prora, dem Vorderteil; doch wurden poetisch beide Wörter auch zur Bezeichnung des ganzen Schiffes gebraucht, während das Sprichwort „mihi prora et puppis est‟ besagte: das ist mir die Hauptsache, mein Ein und mein Alles, mein Hauptplan etc. etc.

Popoffka, die, ist ein Küstenverteidigungspanzerschiff von kreisförmiger Gestalt. Seitdem die alte übliche Schiffsform verlassen ist, tauchen immer neue Gestaltungen auf. Nach einem Gedanken des englischen Ingenieurs Elders hat der russische Admiral Popoff Kreisfahrzeuge mit zwölf Kielen ausgedacht, die nach ihm Popoffkas heißen. Sie können nur geringe Fahrt machen und eignen sich schon deshalb nur zur Küstenverteidigung.

Ponton, das, ist eigentlich das, was man in Ostfriesland eine Pünte nennt, ein großer, flacher, länglich viereckiger Kahn, der meist als Fährboot über Flüsse verwendet wird. Es dient also anstatt einer Brücke, daher mag es kommen, daß sich die Behauptung, ponton stamme von pons = Brücke ab, so hartnäckig erhält. Allerdings kommt von pons die Bezeichnung für Deck in den romanischen Sprachen pont, aber ponton wird doch wohl vom lateinischen ponto kommen, und das soll ein gallisches Wort sein, den Römern als Bezeichnung eines gallischen Lastschiffes bekannt geworden, eines Transportschiffes, wie sie denn auch eine Schiffsbrücke, eine Fähre, nicht pons, sondern ponto nannten, Genitiv pontonis. Es ist also pont = Deck von unserem Ponton zu trennen. Dieses hat sich in neuerer Zeit ein einflußreiches Gebiet erobert. Nicht nur, daß die Armee aus Pontons Schiffbrücken schlägt, auch die Marine verwendet Pontons auf ihren Werften, wo sie als Verschluß der Docks und Kammerschleusen — zugleich allerdings auch der Brücken — dienen. Sie haben zur Zeit wenig mehr von gallischen Transportschiffen an sich, haben überhaupt oft kaum mehr Schiffsgestalt, aber das bringt der veränderte Zweck ihres Daseins mit sich.

Porteurleine, die, ist die Leine, die den Anker unter dem Krahnbalken festhält. Breusing nennt Pertürleine „das Tau, welches den Anker, ehe man ihn fallen läßt, unter dem Krahnbalken festhält oder trägt‟ und sagt, daß er „offenbar von dem französischen porteur abzuleiten ist.‟ Diese Ableitung liegt allerdings nahe genug. Man könnte ohne Weiteres an portere, portare denken, wenn nicht nur das Deutsche, Holländische, Dänische und Schwedische, sondern auch das Englische, Französische, Italienische, Spanische und Portugisische eine Porteurleine hätten. Aber die romanischen Sprachen, die es doch zuerst haben müßten, wenn es von portare käme, haben dieses Wort nicht. Und doch steckt portare sicher darin. Darum denke ich an einen Umweg, nämlich zunächst an das französische port-bossoir, an das unter dem Krahnbalken sitzende, demselben Halt und Stütze verleihende Knie. Mit diesem port hält die genannte Leine nächste Nachbarschaft, und nach solcher Nachbarschaft sind zahlreiche seemännische Ausdrücke gebildet, vergl. Klaue und Nock. So mag das Wort zunächst Porterleine geheißen haben, und Porteurleine würde dann wissenschaftliche Umbildung im Gedanken an Porteur sein, vorgenommen bei der Übernahme ins Hochdeutsche. Die Form Perturlin ist niederdeutsch. — Es kommt allerdings auch die Form Penturleine vor, so daß — vergl. Penterhaken — „Porteur‟ vielleicht nur eine etymologische Veränderung von „Penter‟ ist. Es wäre freilich auch denkbar, daß das „Penter‟ in Penterhaken von dem „Porteur‟ in Porteurleine käme.

Prahm, der, war ehedem ein Schiff so gut oder schlecht man es in alten Tagen hatte. Jetzt ist er heruntergekommen und wird nur noch als Kohlenprahm, Wasserprahm, Proviantprahm Munitionsprahm gebraucht um diese Dinge längsseits eines Schiffes zu bringen und zur Übernahme für dasselbe bereit zu halten. Das geringste und unscheinbarste aller Boote, kaum mehr den Namen eines Bootes verdienend, ist der Scheuerprahm, ein Seelenverkäufer, der zum Reinigen der Außenbordwand benutzt wird und nicht nur das Aschenbrödel, sondern auch gleichsam die komische Person unter den Schiffsbooten spielt, aber ebenfalls die Gestalt eines Prahms hat, breit, flach, mit einem Rand versehen. Daß der Prahm bessere Zeiten sah, erfahren wir aus dem Gudrunliede:

Hagen war indessen gegangen auf einen Prahm, Noch eh' sich ihm geöffnet der wohlverschloss'ne Kram, Da schwebten Watens Anker schon hoch ob der Welle, So schied man von dem König der Frauen holde Schar in jäher Schnelle.

Legerlotz bemerkt dazu: Prahm, breites Frachtschiff, noch jetzt in Niederdeutschland gebräuchlich, dänisch pram = Fähre und Rand, altnordisch pramr, eine Art von Schiffen, mittelhochdeutsch pram, breites Flußschiff. Nach Kluge entstammt das Wort dem Slavischen, wo es ein zur indogermanischen Wurzel par gehöriges Wort pramu gibt; die Bedeutung ist die von „übersetzen‟, wie sie auch mit fahren zusammenhängt. Der Übergang aus dem Slavischen ins Nordische muß sehr früh, ja kann nur zu der Zeit gesehen sein, da die Slaven nicht nur Wagrien (Ostholstein) bewohnten, sondern auch die ganze Ostsee mit ihren Prähmen beherrschten und die nordischen Küsten so oft mit ihren Raubzügen heimsuchten, daß ihr Name nur mit Furcht und Schrecken genannt wurde, also um die Mitte des zwölften Jahrhunderts. Um diese Zeit trat der berühmte geistliche Seeheld, Bischof Absalon von Roeskilde, auf, ermunterte König Waldemar den Großen — Absalon war der Größere — und sein Volk, sich zum Widerstand zu ermannen, das Joch abzuschütteln und den Wenden mit ihren eigenen Waffen zu begegnen. Er wurde so der Schöpfer einer dänischen Marine. Und wie man einst in Rom nach dem Muster eines gestrandeten punischen Schiffes eine Flotte baute, so hat auch Absalon sich die Schiffe seiner Feinde zum Muster genommen. Wie sie aussahen, wissen wir nicht genau, aber jedenfalls waren sie zum Segeln und auch zum Rudern eingerichtet. Denn als einmal die Kälte zu einem so hohen Grade gestiegen war, daß die Mannschaft, die Proviant zu den Schiffen bringen sollte, sich der Wagen nicht bedienen konnte, weil die Räder festfroren und man daher alles auf Pferde packen und diese mit großer Beschwerlichkeit zu Fuße nach dem Hafen, wo die Flotte lag, treiben mußte, beklagte Absalon die Männer und sprach ihnen sein Bedauern aus, daß sie für das Vaterland so viel Mühsal leiden müßten. Sie aber antworteten, sie trügen mit Lust ein Mühsal, welches sie dem Geschicke, als Sklaven auf den Ruderbänken der Seeräuber zu sitzen, vorzögen (vergl. Saxo Grammaticus).

Praktika, die, heißt die Verkehrserlaubniß für ein Schiff. Ist ein solches in einen Hafen eingelaufen, so erscheinen der Hafenkapitän und der Hafenarzt, um festzustellen, ob gesundheitliche Bedenken gegen den Verkehr seiner Besatzung und seiner Passagiere mit dem Lande bestehen. Ist das der Fall, so muß das Schiff Quarantäne halten, ist es nicht der Fall, so erhält es die Praktika; eigentlich die Erlaubnis zu „praktizieren,‟ französisch pratiquer, italienisch pratticare, mittellateinisch practicare, vom griechischen prattein, tun, machen, handeln, ausüben (die Kunst des Arztes, des Anwaltes). Die üble Nebenbedeutung, namentlich in der Mehrzahl „Praktiken,‟ ist schon früh dem Worte angehängt worden. Im Französischen heißt pratique überhaupt traite, communication, commerce.

preien, heißt ein anderes Schiff anrufen um mit ihm wichtige Mitteilungen auszutauschen, was, wenn eins von den zweien oder auch alle beide lange Seetörns hinter sich haben, von großer Bedeutung sein kann. Das Anrufen geschieht mit den Worten: „Schiff ahoi!‟ und oft mit Zuhilfenahme eines Sprachrohres. Die Preidistanz ist das, was man hochdeutsch Rufweite nennt. — Das Wort wird in Ostfriesland auch am Lande gebraucht für jemanden anreden, auf ihn einreden, ihn bereden, ihm zusprechen. Niederländisch preijen, schwedisch preja, dänisch praje. Es hieß altenglisch schon breien und ist das jetzige englische pray beten, bitten, anrufen, ersuchen, einladen, auffordern; altfranzösisch preier, „und dieses wohl aus lat. precari von prex, precis (Bitte)‟. Doornkaat. Nach Ehrentraut, Fries. Archiv II, 69 heißt preien auf Wangeroog jemanden anrufen auch in dem Sinne „jemanden wecken.‟ — Fritz Reuter, „Ut mine Stromtid‟ I. 288, führt in einem klassischen Seemannsvergleich das Wort in der Form praien an. Die ganze Stelle ist echt seemännisch. „Knapp was hei (Fritz) denn nu mit Lovise ne lütte Tid tausamen west, dunn smet hei den Frugenshaß mitsammt de ganze Erinnerung an Marie Möllers Waschschöttel un Spiskamer äwer Burd un verlöd tau den Ballast von Romanenideen schippslastenwis „die junge aufkeimende Liebe zu Louisen‟ — as hei sine nige Ladung för siek sülwst deklarierte — un as hei des' nu unner sine Hartens-Luken wegstaut hadd und all de Belämmerungen, dei em von sine Jugend wegen noch anhaken künnen, intreckt hadd, un hei nu mit sick sülwst, sine Leiw un sin Schipp klor was, segelte hei los. In de Irst krüzte un lawirte hei herümmer, un sin leiw Tanten stunn om't Äuwer un wüßt nich, wohen hei stüren ded', äwer dat wohrte nicht lang', dann würd sin Kurs strammer, un as hei irst up de hohe See von „seinen Gefühlen‟ was, un de Topsegel uphiste, dunn sach sei denn mit Schrecken, wohen hei dat Stüer richt't hadd, un dat ehr leiw Swestersähn nich beter as en räuklosen Seeröwer, Pirat un Korsor was, dei up 'ne schändliche Wis' Jagd up de lütte, smucke Brigg maken ded', worin sei all ehre mütterlichen Hoffnungen einschippt hadd.‟ —

Sei praiete em en por Mal an, woso? un woans? äwer de Pirat let sick nich stüren, sei schot en por Mal in ehre Hartens-Angst mit Notsignalen noch ehren Paster 'räwer‟ ...

Presenning, die, wasserdichte Decke aus (geteertem) Segeltuch, durch Umstellung oft auch in der Form Persenning vorkommend; doch hieß es 1702 bei Aubin schon Preesening. Man gebraucht es zum Zudecken von Luken, zum Bedecken von Proviant in offenen Booten, zum Schutze an Deck stehender Kanonen, überhaupt dazu, etwas vor Nässe zu schützen. Es kommt von préceinte, einem veralteten französischen Worte, das Umhüllung bedeutet und mit dem lateinischen Zeitwort praecingo, ich umgürte, umgebe, zusammenhängt.

Priel, der, eine Wasserrinne im Watt, die auch zur Zeit der Ebbe voll Wasser bleibt, ein schmales Rinnsal, eine Wasserlache, oft recht tief und, weil der Boden Schlick ist, für Jäger oder Fischer die hineingeraten sehr gefährlich, da man sich schwer ohne fremde Hilfe wieder herausarbeiten kann. Es ist das neuhochdeutsche Wort Briel, Brühl, althochdeutsch brogil, broil = Sumpf. — Wenn die Rinne breit und tief genug ist für die Schiffahrt, so heißt sie Balje.

Prikke, die, hat den Zweck einer Bake, ist aber einfacher als diese, indem sie nur ein zur Bezeichnung des Fahrwassers oder einer Untiefe ins Wasser oder vielmehr in den Grund gesteckte Stange ist, etwa mit einem Strohwisch oder Reisigbesen an der Spitze. Es gibt ein weitverbreitetes niederdeutsches und niederländisches Zeitwort prikken, das sowohl stechen als stecken bedeutet; davon das Iterativum prikkeln. Da diese Stangen in die Erde gesteckt werden, so ist die Erklärung ohne Weiteres gegeben.

Prise, die. Wenn ein Kriegsschiff oder ein Kaper ein feindliches Handelsschiff wegnimmt, so ist dieses eine Prise, von prendre, nehmen. Es fragt sich nur, ob es unter Beobachtung des bestehenden Seerechtes geschehen ist. Das muß unter Umständen durch ein Schiedsgericht festgestellt werden. Erklärt dieses, daß das Schiff rechtmäßig genommen ist, so erklärt es damit dasselbe für eine „gute Prise‟ d. h. für eine rechtmäßige.

Propeller, der, gehört eigentlich der Sprache des deutschen Seemanns nicht an, aber man liest das englische Wort zuweilen in Büchern. Es kommt von propello, vorwärtstreiben. Und zwar bezeichnet es nicht das was einen Raddampfer, sondern das was einen Schraubendampfer vorwärts treibt, man sagt also anstatt Propeller viel besser, deutlicher, kürzer: Schraube.

pullen. Dieses Zeitwort wird wohl öfters einmal anstatt rudern gebraucht; doch, wie es scheint, nur von solchen, die dadurch ihre Bekanntschaft mit dem Englischen dartun wollen, also bewußt als Fremdwort. Der niederdeutsche Seemann sagt rojen, und in der Kaiserlichen Marine heißt es amtlich rudern; pullen muß also um so mehr als unberechtigter Eindringling angesehen werden, als rudern im Englischen selbst viel besser und deutlicher mit row bezeichnet wird, pull aber zunächst ganz allgemein „ziehen‟ heißt. Da nun beim Rudern ja allerdings am Riemen „gezogen‟ wird, so bedeutet es unter Umständen auch rudern, es wäre aber kein Schade, wenn das Wort wieder verschwände.

Pumpe, die, die bekannte mechanische Vorrichtung zum Heben von Wasser. Die modernen Kriegsschiffe haben ein so kompliziertes Pumpensystem, daß ein ordentliches Studium dazu gehört, alle die verschiedenartigen Pumpen kennen zu lernen, und daß ein eigener Pumpenmeister kommandiert werden muß, der die Pumpen bedient und der womöglich schon während des Baues sich mit ihrer Anlage bekannt gemacht hat. Pumpe ist dasselbe Wort wie Bombe und hieß auch vor zweihundert Jahren im Oberdeutschen noch Bombe. Es ist ein Schallwort (bum!) und bedeutet zunächst ein Geräusch, einen Lärm; daher provençalisch bomba, Prahlerei, Gepränge, spanisch pompa, französisch pompe, neuhochdeutsch Pomp, bombastisch, Pump- (Pomp-) Hose. Lateinisch bombus = Gesumse, Geräusch von einem surrenden, summenden Geschoß; italienisch ribombare widerhallen. Die Pumpe hat also den Namen von dem Geräusch, das sie macht, kann aber zunächst auch vom Zeitwort bombare, trinken, schlürfen, saugen abgeleitet sein, denn die Pumpe saugt das Wasser auf; aber auch dieses Zeitwort ist naturlautmalend, so daß die Sache ziemlich auf dasselbe hinauskommt. — Pumpensod s. „Bilge‟ am Ende und „Sodraum‟.

purren wird an Bord für „wecken‟ gebraucht. Es heißt aber sonst im niederdeutschen Sprachgebiet stechen, stoßen, stacheln, treiben, reizen, kann also nur insofern wecken bedeuten als solches durch Stoßen, Klopfen, Reizen etc. etc. bewirkt wird. — Auch das Hochdeutsche hat ein Zeitwort purren, das heißt aber sausen, brausen, rauschen, brummen. Doch dürften die beiden unter einen Hut zu bringen sein, wenn man beide als lautmalend ansieht (purr! oder auch bloß prrr!). Es liegt auf der Hand, daß bei der Lautmalerei die Begriffe ziemlich weit auseinander gehen können, so daß ein und derselbe Ton sowohl reizen als brummen bedeuten kann. — Diese Erklärung wird unterstützt durch das Zeitwort verpurren: eine Sache verderben, einen Fang verhindern, ein Mißlingen verursachen, etwa durch ein vorzeitiges oder unglückliches purrendes Geräusch.

Putjer, der, ist ein Mensch der geringe, niedrige Arbeit tut. Das Wort stammt aus der Seemannssprache und wird in wegwerfendem, geringschätzigem Sinne gebraucht. Es hieß mittelniederdeutsch putker, puteker und bedeutete Schiffsknecht, Kajütenjunge, den niedrigsten Diener an Bord, der mit den puten — so hießen die Pützen damals — zu tun hatte, also wusch, scheuerte, rein machte und der jedenfalls auch das nützliche aber wenig ehrenvolle Amt eines Gallionsinspektors versah (die Aborte rein hielt). Davon kommt auch das niederdeutsche Eigenschaftswort pütjerich, pütscherich, kleinlich, beschränkt, gering. — Statt Putjer hört man auch Butjer. Und in dieser Form ist das Wort noch mehr herabgesunken, so daß es jetzt hauptsächlich für Herumsteher, Eckensteher, Bollwerksbruder, Gelegenheitsarbeiter gebraucht wird.

Püttings, die, sind Ketten die den Jungfern der Wanten nach unten zu Halt und Festigkeit verleihen. Die Püttings der Unterwanten sind in die Bordwand eingelassen, fahren durch die Rüst und halten da die Jungfern fest. Die Marspüttings über die der Seemann unter Verachtung des „Soldatenloches‟ in den Mars entert, also die Püttings der Stengewanten fahren von deren Jungfern durch den Mars hinunter nach dem Unterwant, auf diesem sitzt eine „Wurst‟, und an der Wurst sind sie befestigt. In Pütting liegt irgendwie auch der Begriff von „Wurst‟. So sonderbar es klingt, wir müssen dabei auf das englische pudding Bezug nehmen, denn das bedeutet ursprünglich ebenfalls Wurst. Französisch boudin, Wurst, eigentlich etwas Aufgetriebenes oder Geschwollenes; ostfriesisch ist püt eine Düte, ein Beutel, eine Tasche, ein Kropf, ein Fleischwulst, Fettwulst, Ausbauschung, Anschwellung. Die Püttings sind aber Ausbauschungen, sie schwellen nach außen zu, nach dem Rande der Rüst bezw. des Marses an; das würde schon allein genügen, sie mit püt zusammen zu bringen. Da aber die Wurst an der sie befestigt sind, ihren Einfluß geltend gemacht haben wird, so lag ein mit Pudding im Sinne von Wurst verwandtes Wort erst recht nicht allzufern zur Bezeichnung dieser Anschwellung.

Pütze, die, heißt an Bord der Eimer. Man hat Holzpützen und Segeltuchpützen (Admirale); Bootspützen, Deckwaschpützen, Teerpützen u. a. m. Im Mittel- und Neuniederdeutschen heißt put der Brunnen, aus dem Lateinischen, von puteus stammend. Daher stammt das niederdeutsche Zeitwort putten, Wasser (aus einem Brunnen) schöpfen. Daher stammt auch das mittelniederdeutsche putse als etwas womit man Wasser aus dem put schöpft. Putse wäre also die richtige Form des Wortes. Woher mit einem Male in die neuhochdeutsche Seemannssprache der Umlaut gekommen ist, ist unerfindlich; man wäre geneigt denselben auf Rechnung des Neuhochdeutschen zu setzen, wenn nicht auch von Wangerooge her püds bezeugt wäre. — Kilian hat schon die kurze Form putse, während der Teuthonista noch puteymer sagt.

Explore with AITake your curiosity a little further.

Reading settings