F.
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Faden, der, dasselbe wie Klafter, ein Maß von 5-6 Fuß; bedeutet, ebenfalls wie Klafter, ursprünglich Umarmung mit beiden ausgestreckten Armen. Beide Wörter sind als Maß ähnlich gebildet wie Elle von (Ellenbogen) Elbogen. Besonders bedeutet Faden eine Schnur, eine Faser zu einem „Faden‟ gedreht, die so lang ist, daß sie von der Hand des einen ausgestreckten Armes zu der Hand des anderen ausgestreckten Armes reicht. Noch im 17. Jahrhundert fadem, englisch fathom, in deutschen Mundarten Fadem. Althochdeutsch fadam, beide ausgestreckten Arme, angelsächsisch fädm, die umspannenden Arme, Umarmung, daher Macht, Schutz, Busen, Schooß. Edda: fadmr, die ausgebreiteten Arme; gotisch fahan, fangen, umfangen; griechisch petannymi, ausbreiten. Vom lateinischen patere, offen stehen, sagt Kluge, daß es schon „weiter abseits‟ liege; also entfernte Verwandtschaft. — Das französische brasse hat genau die Bedeutung unseres Wortes Faden: die Entfernung der beiden Arme (bras), wenn sie ausgestreckt sind. — Meist wurde Faden als Tiefmaß gebraucht. Waghenaer 1588 bemerkt einleitend zu seinen Seekarten: „Tcyfer ghetal gestelt ontrent alle Havenen, Riuiren, Stroomen, Canalen binnen ende buyten inde zee, oock op de ondiepten ende sanden, beteekent hoe veel vadem dese plaetsen diep zyn ... alles met half vloet.‟ — Doch gebraucht derselbe Waghenaer Faden auch für Bezeichnung einer Entfernung: „Item een myle buyteu de Clippen van Obenrack leyt een rudtse (Fels) onder 't water, ist dat ghy laueren moet tusschen die Fours ende Obenrack, so comt de voors. rudtse niet naerden dan veertich vadem, West zuydtwest ende Zuydtwest vande seuen Eylanden, comt den lande niet naerder dan op veertich vadem.‟
Fahne, die, gehört streng genommen nicht hierher, da der Seemann anstatt Fahne Flagge sagt, doch ist ja neuerdings in der Marine der Dienstgrad Fähnrich zur See (für Seekadett) eingeführt. Fahne heißt eigentlich Tuch, Fahnentuch ist also tautologisch. Gotisch fana, Zeug, Tuch; althochdeutsch, altsächsisch, fano, linteum, vexillum; lateinisch pannus, Tuch, mittellateinisch auch Fahne und Tapete (Panneel); griechisch penos, Gewand; von der indogermanischen Verbalwurzel pan, pen = ziehen, spinnen, hängen. Altfranzösisch fanon, Tuch; aber gonfalon, italienisch gonfalone stammen vom altdeutschen guntfano, „Kampftuch‟ ab. Finnisch faana, die Fahne. Der Fähnrich hieß althochdeutsch faneri, Fahnenträger. Das englische pennant wird jetzt unter dem Einfluß von pendeo, hängen, in der Form pendant gebraucht, wobei man broad pendant = Flagge und long pendant = Wimpel unterscheidet.
Fähre, die, ist von Fährschiff so zu unterscheiden, daß Fähre ein flaches, niedriges Fahrzeug bedeutet mit dem Menschen, Pferde, Wagen, ja neuerdings ganze Eisenbahnzüge an einer bestimmten, dazu eingerichteten Stelle über einen Fluß oder ein sonstiges Gewässer gesetzt werden; es geschieht mit Staken oder Riemen, mit Hilfe eines Taues, einer Kette, mit Dampfbetrieb. — Fährschiff aber ist ein wirkliches Schiff, das auf Flüssen, Seeen, Kanälen und in Küstengewässern regelmäßige Fahrten von einem Ort zum andern macht und für einen festgesetzten Preis Passagiere und Waren mitnimmt; also ähnlich wie Börtschiff, nur vielleicht mit kürzeren Fahrten.
fahren wird auch in der Seemannssprache in der gewöhnlichen neuhochdeutschen Bedeutung gebraucht. Daneben jedoch noch in einem Sinne, der der eigentlichen Bedeutung „sich von einem Orte zum anderen bewegen‟ widerspricht. Man sagt: „Das Tau fährt nach vorne, nach achtern, nach unten.‟ Beim laufenden Gut möchte das noch angebracht sein, wiewohl es bei seinem Laufen eigentlich auch nicht seinen Ort verändert; aber beim stehenden Gut muß man sich schon zwingen, daran zu denken, daß es auch einmal noch nicht stehend war und erst beim Auftakeln des Schiffes in seine Stellung geführt worden ist. — Außerdem gebraucht der Seemann fahren im Sinne von „zur See fahren.‟ „Ich bin mit ihm gefahren,‟ heißt: „ich bin mit ihm zusammen an Bord gewesen, mit ihm zusammen auf einem Schiffe gefahren.‟ „Ich fahre auf Handelsschiffen,‟ sogar: „ich fahre auf Südamerika‟ (mundartlich: „ich mache in Amerika,‟ jedoch nur von einer einzelnen Reise, während der Seemann, der „auf‟ Amerika fährt, damit sagen will, daß er wiederholt und mit einer gewissen Regelmäßigkeit mit seinem Schiffe die Fahrt dahin betreibt.) Ein „befahrener‟ Mann ist einer, der entsprechend lange zur See gefahren hat — der Seemann sagt stets „ich habe gefahren,‟ offenbar weil er sich dabei, wie ein Kutscher am Lande, aktiv vorkommt — um in der Seemannschaft erfahren zu sein.
Fahrrinne, die, eine natürliche Rinne im Watt in der man auch bei Ebbe noch fahren kann; sodann die natürliche Vertiefung in einem Hafen im Verlaufe der Richtung die ein Schiff steuern muß, um nicht auf Grund zu geraten, daher meist Fahrwasserrinne genannt, Wasser wo man fahren kann. Besonders aber ein künstlich hergestellter Weg durchs Wasser, sei es, daß man ihn mit Eisbrechern durchs Eis gebahnt, sei es, daß man ihn ausgebaggert hat. — Früher hatte man ein seemännisches Wort Fahrweg. Im Seebuch, 1400, kommt es oft vor und bedeutet den Weg draußen auf offener See, im Gegensatz zu Reede, den Weg, wo man vom Lande unbehindert fahren kann, jedoch mit der Beschränkung die heutzutage das Fremdwort Route andeutet, Wasserstraße als nächster Weg von einem Orte zum andern. „Item in der reyde van der Nysse maket vul see sudsudwesten mane (Mond), unde uppe der stille suden mane, unde buten in deme varwege maket vul see sudwesten mane.‟ — Denselben Sprachgebrauch hat 1588 noch Waghenaer: „tusschen Heys en Belysle mede 30 vadem. Ende buyten de vaerweg ist diep 35 vadem. Binnen 't vaerwater zynde vintment diep 25 vadem. Twee kenninghen buyten Heys, werpt ghy 45 vadem.‟ Es ist also ein Unterschied zwischen einem äußeren Fahrweg und einem inneren Fahrwasser.
Fahrt, die. 1. = Reise; die Fahrt nach Kapstadt, eine Fahrt ins Mittelmeer.
2., die Fortbewegung, der Lauf, die Geschwindigkeit des Schiffes; „das Schiff ist in Fahrt,‟ „das Schiff hat schon oder hat noch Fahrt‟, „es ist in voller Fahrt‟, „es fährt mit halber Fahrt‟. Auch in übertragenem Sinne von Menschen gebraucht: „der ist in der Fahrt‟, „die ist mächtig in der Fahrt‟, wenn jemand recht im Eifer ist.
3. Man unterscheidet „Große Fahrt‟, „Kleine Fahrt‟, s. Schiffsregister. Je nachdem einer ein Steuermannsexamen macht, erhält er das Patent für die seinem Wissen and Können entsprechende Fahrt, „große Fahrt‟, „Küstenfahrt‟ u. s. w.
Früher unterschied man nur „große und kleine Seefahrt‟, und erstere war besonders die Fahrt nach Ost- oder Westindien. Der Verfasser der „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟ Lübeck 1673, spricht in einem Vorwort an den „günstigen Leser‟ von den Fortschritten, die der Mensch in der Observation gemacht habe. „Wil se nu dorch dise Erfahrenheit gedachten vel Provit tho erlangen, so hebben se dise Kunst ümmermehr na gesöcht, bet se entlick vel rike Landen und Eilanden up gefunden; Insünderheit dat Rick America, so den Olden in den vorigen Tiden hell unbekannt gewesen, welckes nu als ein nie Werrelt geachtet wert. — Se hebben sick ock herna in dise Kunst mehr geövet, und insünderheit die Europsche Natie darunder de Nedderlanders nicht van de minneste gewesen, alß by er uth gegeven Böck tho sehende, welcke Böck wi ock by unser Schipfahrt gebrucken, wil ui bet Dato nemand gefunden, de in unser Saxsischen Sprack etwas van der Kunst der Seefahrt beschreven hebben, dar idt doch ein hochnödich Warck schint tho wesen, na dem mahl vel van unsen Seefahrenden nicht wol in der Holländischen Sprack noch in er Böck tho lesen erfahren, so, dat se dat sulvige, wat se lesen, nicht recht verstahn noch begripen könen. — Ock sunt de Nedderlandesche Böck mit der groten Seefahrt mehrendeles vorfüllet, welckes besteit in Affdeling der Sphera der Werrelt, Bewegung der Hemmelen, im gelicken de dre Huckes, Krum Streck, langet und bret Recknung, und vel ander Regulen, de uth der Astronomie und Cosmographie genahmen; Welckes unsen jungen Seefahrenden weinig Nutzen bringet, na den mahl so selden de Ost- und West-Indyen befahren. Se werden averst velmehr dorch de mannigfoldigen Regulen up geholden, wil se de sünder Anwising und gud Underricht nicht lehren noch underscheden können, wat Regelen er tho der groten offt klenen Seefahrt fodderlick und nütlick sin!‟ ...
Fahrzeug, das, ist im Allgemeinen eine Bezeichnung für alles was Schiff heißt, jedoch im Besonderen oft mit der Nebenbedeutung des Geringeren, Minderwertigen, Kleinen. Ein Panzerschiff erster Güte wird man kaum ein Fahrzeug nennen; dagegen spricht man von Werft-, Hafen-, Lootsenfahrzeugen. Das Wort ist neueren Ursprungs, erst seit 1695 bezeugt, und soll eigentlich niederdeutsch sein. Im Mittelniederdeutschen war es aber unbekannt, da kommt nur ein vartouwe vor, das aber Fahrgeschirr = Wagen, bedeutet, wiewohl sonst tuch und tug in mannigfachem Gebrauch stand, namentlich auch im Sinne von Kriegszeug. Und auch im Neuniederdeutschen ist das Wort kaum gebräuchlich. Vielleicht daß es sich aus dem Niederländischen, wo vaartuig öfters gebraucht wird, eingeschlichen hat.
Fake, Facke, die, meist in der Mehrzahl gebraucht: die Faken, sind die Zwischenräume zwischen den einzelnen Spanten oder Inhölzern. Als man die Kriegsschiffe noch von Holz baute, wurden in der Wasserlinie die Faken mit Holz ausgefüllt zum Schutze gegen feindliche Kugeln. Das Wort ist nichts anderes als das niederdeutsche vak = Fach, Behälter, durch Scheidewände eingeschlossener und abgegrenzter Raum, Abteilung, Abschnitt, Behälter. Die Faken sind also die Fächer zwischen den Spanten.
Fall, das. „Ein Fall ist ein Tau, das zum Aufhissen oder Streichen eines Gegenstandes bestimmt ist und entweder in einem Takel oder einfach über eine Scheibe läuft. Die vorzüglichsten an Bord sind die Fallen der verschiedenen Rahsegel, der Gaffel und der Stagsegel. Die Mars- und Bramrahen sind mittelst eines Drehreeps mit dem oberen Blocke ihres Falles verbunden‟. (Brommy, „die Marine‟). Jedes Segel hat ein Fall. Aber merkwürdigerweise dient bei allen Segeln das Fall wohl zum Aufziehen derselben, aber nicht bei allen zum Fallenlassen. Während nämlich die Rahsegel mit ihren Rahen durch das Fall aufgehißt werden und, wenn man das Fall fiert, von selbst fallen, dienen die Stagsegelsfallen entgegen ihrem Namen nur zum Aufhissen; von selbst fallen sie nicht an dem betreffenden Stag herunter, auch wenn das Fall ganz lose ist; sie bedürfen darum noch eines besonderen Niederholers. vergl. Drehreep.
Fallhorn, das, ist das was sonst „Kopf des Stagsegels‟ heißt, nämlich das spitz wie ein Horn zulaufende obere Ende des Stagsegels, an dem das Fall befestigt ist.
Fallreep, das. Nicht leicht ist bei einem Worte der ursprüngliche, einfache und klare Sinn so verdunkelt und vergessen worden, wie bei diesem. Reep ist gleich Tau. Fallreep ist also das Tau, das man einem, der die Stufen der Bordwand hinauf wollte, hinabfallen ließ, sich daran festzuhalten. So bedeutet also das heutige Kommando „Fallreep!‟ eigentlich: „Fall Reep!‟ oder „laß fallen das Reep‟, für den an Bord Kommenden (oder auch von Bord Gehenden). Weil dies von einer bestimmten Stelle aus geschah, nämlich eben von da, wo in der Bordwand die schmalen Trittbretter eingelassen waren, so nannte man die ganze Gegend da in der Nähe nach diesem fallenden Reep „am Fallreep‟, „beim Fallreep‟, oder auch kurzweg „Fallreep‟, und der Nachtposten, der da steht, kann nun aussingen: „Steuerbord-Fallreep, oder Backbord-Fallreep alles wohl!‟ Man denkt gar nicht mehr an das Reep oder Tau, man glaubt, es mit einer einfachen Ortsbezeichnung zu tun zu haben. So erklärt es sich auch, daß in späteren, bequemeren Zeiten, als man statt der Bordwandtrittbretter richtige transportable Treppen einführte, diese Fallreepstreppen genannt wurden, wiewohl diese gerade durch ihr Geländer das Fallreep überflüssig machten, so daß die sogenannten Fallreepsgäste das Tau nur noch symbolisch in die eigene Hand nehmen und nur so tun, als ob sie es dem Kommenden oder Gehenden hinreichten. Es ist dies lediglich eine den Offizieren etc. etc. erwiesene Ehrenbezeugung geworden, auch dann noch erwiesen, wenn das Schiff am Bollwerk oder an der Werftkaje liegt. Wie sehr die ursprüngliche Bedeutung dem Bewußtsein entschwunden ist, lehrt besonders deutlich das Kommando: „Vier Fallreep‟ (für einen Stabsoffizier die Ehrenbezeugung), als ob der Fallreepsgast Fallreep genannt werden könnte, oder die Redewendung: „Er lehnt sich zum Fallreep hinaus‟, wobei keineswegs an das Reep, sondern an den Einschnitt in der Bordwand, der einer Tür ohne oberen Drempel gleicht, gedacht ist. — Indessen gibt es doch Gelegenheiten, wo das Reep noch wieder zu Ehren kommt und fällt; in See oder auf offener, sehr bewegter Rhede, wo das Schiff sich stark bewegt und die Treppe nicht ausgebracht werden kann. Da muß man, wenn es nicht gar über eine Jakobsleiter am Besansbaum geht, die Trittbretter an der Bordwand benützen und zieht das Reep aus leicht begreiflichen Gründen den Einschnitten zum Halten in den Trittbrettern vor. — Die Bedeutungsverschiebung ist nicht neu. Schon Aubin 1702 hat das holländische val-reep mit échelle de poupe übersetzt, was der erwähnten Jakobsleiter entspricht. Die Entwickelung ist also die: Tau, Tau-(Strick-)Leiter, Leiter, Treppe. Auch übersetzte er es sinnreich mit tire-vieilles: „Ce sont deux cordes qui ont des noeuds de distance au distance. Elles pendent le long du vaisseau endehors, savoir une corde de chaque coté de l'échelle‟. — Der Übersetzer der „Durchläuchtigsten Seehelden‟ hat sich die Sache mit Fallreep leicht gemacht und einfach Falltreppe gesagt. Er beschreibt eine Begegnung des Kaisers Karl V. mit König Franz I. „an den Bord des Käysers, da der König mit einer köstlichen zubereiteten Chaloup von Aquamorto, in Begleitung des Montmorancus, des Hertzogs und Cardinals von Lothringen ankommen war. Der Käyser begegnete dem König an der Fall-Treppen, und empfing ihn mit aller Freundlichkeit, und führte ihn nach dem Hinter-Teil des Schiffes, allda sie viele Stunden mit einander in sehr ergötzlichem Gespräch zubrachten, unter welchem die fürnehmsten Herren Seiner Käyserlichen Majestät Hände zu küssen kamen.‟
Fangleine, die, eine lange, dünne aber feste Leine, die aufgeschossen, von Bord aus an Land (oder umgekehrt) auf ziemlich weite Entfernung, wenn der Werfer seine Sache versteht, geworfen wird. Derjenige dem die Leine zugeworfen ist muß sie fangen, einholen und holt dann die am andern Ende der Fangleine befestigte Trosse mit ein, um sie am nächsten Poller oder Ducdallen festzumachen. Fangleine eines Bootes ist eine etwas stärkere Leine, die als Schlepptau dient. Fangtaue sind dünne Tauenden, mit denen etwas im Wege Hängendes aufgebunden, beiseitegebunden, aufgefangen wird. Fangstander ist ein Stück Kette das das im Davit hängende Boot tragen hilft und also die Taljenläufer desselben entlastet. — Auf Wangerooge sollen sie das Ankertau fangelin nennen.
Fardage, die. Packmaterial, Holz, Spähne, Rohr etc. etc. zwischen die einzelnen Teile (Colli) der Ladung gestopft um sie vor dem Rütteln, Schütteln und Stoßen zu schützen, überhaupt vor Bewegung. Stammt aus dem Französischen wo fardeau (altfranzösisch fardel) ein Bündel bedeutet; die Vorstellung ist also die, daß das Packmaterial in Bündeln zwischen die einzelnen Kisten, Kasten, Fässer u. s. w. gestopft wird; auch kommt im Englischen, außer diesen fardage, ein Substantiv fardel vor, welches ebenfalls Bündel heißt, und wie dieses oft im Sinne von unangenehmer, widerwärtiger „Last‟ gebraucht wird, so daß man wohl auch bei Fardage an ein dem Seemann lästiges, unnützes, wertloses Stück der Ladung, das nur so als notwendiges Übel mitgeschleppt wird, denken darf.
Farunner, das, ist auf Tjalken, Muten und Snicken das Logis der Matrosen, überhaupt der aus wenigen Leuten bestehenden Besatzung. Ehrentraut, Friesisches Archiv II. 62, sagt von einer Tjalk, daß sie rund gezimmert ist, „hat aber keine Kajüte, sondern einen Raum, worin die Mannschaft sich aufhält und schläft: dait farunner, und zwar ein doppeltes, hinten und vorn, auch ein rum (Raum, Laderaum).‟ Das Farunner unterscheidet sich von der Kajüte dadurch, daß es nicht so hoch ist und man nicht aufrecht darin stehen kann, und daß darin gekocht wird. Ursprünglich trug nur der vordere abgeteilte und gedeckte Raum den Namen farunner oder farunder, denn das far ist gleich för und es kommen die Formen förunder und vorunder vor. Letztere ist die älteste die mir bekannt geworden ist; sie steht in einer Bremer Urkunde von 1564: „darvp alsuort Jacob onde Albert de pumpen angegrepen, he, tuge, averst sy in dat vorunder gegann, synn steuell onde kleider angetaghenn‟ ... För, vor ist gleich vorne, forunner also das „Vornunter‟, der Raum wo die Leute vorne ihren Unterschlupf haben. Daß man hernach auch einen hinteren Unterkunftsraum so nannte, wird den nicht wundern, der das goldene Kopfeisen der Friesinnen kennt, oder die neumodischen Waschschwämme, die gar keine Schwämme sind, sondern aus Gummi verfertigt werden; sie heißen aber Schwämme.
Fastgaljas, die, vergl. Galeere, ein schnelles Schiff. Das Wort kommt in dem niederdeutschen „Kasper Ohm en ik‟ von John Brinkmann vor. Wir haben es hier nur mit der ersten Silbe zu tun. Fast ist unser neuhochdeutsches fest. Der Sinn ist im Niederdeutschen weiter als im Hochdeutschen. Denn da heißt es nicht nur unbewegt, dauerhaft, beständig, haltbar, „fest wie Magdeburg‟, nicht nur noch allgemeiner sicher, gewiß, zuverlässig, kräftig, stark, tüchtig, sondern auch schnell. Zur Tüchtigkeit gehört eben in gewissen Fällen Schnelligkeit (vergl. Kielschwein). Darum heißt fast nicht immer fest, sondern manchmal das Gegenteil von fest, nämlich beweglich, sehr beweglich, schnell beweglich, schnell. Ein tüchtiges Schiff ist nur dasjenige, welches die nötige Geschwindigkeit entwickelt, wie der nur ein tüchtiger Bote ist, der seine Botschaft mit einiger „Fixigkeit‟ ausrichtet. Im Englischen ist auch einer, der schnell vom Flecke kommt „a fast traveller.‟
Felucke, die, ein langes, schmales Fahrzeug des mittelländischen Meeres, mit zwei etwas nach vorne geneigten niedrigen Masten, hochragenden lateinischen Segeln und acht bis zwölf Riemen an jeder Seite. Sie ist meist ungedeckt, hat aber am Heck eine Hütte zum Schutze gegen Wind und Wetter. Kennzeichnend ist auch der lange spitze Schnabel, an dem der Hals des Focksegels befestigt wird. Doch gibt es auch andere, größere Felucken mit namhaften Abweichungen von dieser Beschreibung. Die ganze Art von Fahrzeugen muß aber, trotz früher oft gerühmter Geschwindigkeit, vor dem siegreichen Dampf die Segel streichen und wird bald vom Meere verschwunden sein. Stammt aus dem Arabischen felukah, von fulk = Schiff.
Fender, der, eine Art Polster aus umsponnenem Kork, dazu bestimmt, das Schiff, wenn es durch eine Schleuse geht oder an ein Bollwerk, vor dem Schamfilen zu schützen, indem es zwischen Bordwand und Mauer gehängt wird. Erst in neuerer Zeit in die deutsche Seemannssprache, die früher nur Wreifhölzer kannte, aufgenommenes aus England gekommenes Wort. Vom lateinischen defendere verteidigen, behüten, beschützen, bewahren. „Schutz‟ würde also die Übersetzung ins deutsche sein.
Feuerschiff, das, ist ein Schiff, das die Stelle eines Feuerturmes vertritt, an einem Orte verankert, wo sich ein Turm nicht bauen läßt, wo aber doch wegen der Beschaffenheit des Fahrwassers ein besonders deutliches, weithin sichtbares Feuerzeichen nötig ist. Es hat keine eigenen Fortbewegungsmittel. Der Mast oder die Masten dienen nur zum Hissen der Laternen bei Nacht, der Signalbälle bei Tage. Der Ausdruck Feuerschiff erinnert, wie Leuchtfeuer und Feuerturm, noch an die Zeit, in der auf dem Turm wirkliche Holz- oder Kohlenfeuer brannten. Da diese jetzt durch Lichter verschiedener Art verdrängt sind, so ist der engl. Ausdruck light-ship sinngemäßer als unser deutsches Feuerschiff; bei Turm haben wir uns auch den veränderten Umständen angepaßt und sagen Leuchtturm, aber Feuerschiff hat sich siegreich behauptet.
fieren, das Gegenteil von holen, ein Tau ablaufen lassen und so den Gegenstand, der an dasselbe festgebunden ist, nicht näher an sich heranholen, sondern weiter von sich entfernen. Die Versuchung liegt nahe, bei diesem Worte an feiern zu denken, das ja niederdeutsch fieren heißt; von fir = Feier, Feiertage, lateinisch feriae, Tage an denen keine Arbeit getan wird, wo die Arbeit ruht. Dieser Versuchung ist Weiland unterlegen; er schreibt: „vieren = rüsten (ruhen); den teugel vieren is, hem niet strak vasthouden, laten schieten.‟ Allerdings wird ja „geruht‟, nachgelassen mit der Arbeit des Holens beim fieren (wenn überhaupt unmittelbar vorher geholt worden ist), aber das gibt doch nicht bei der Bedeutung von fieren den Ausschlag, denn nachlassen mit holen bedeutet doch noch kein wiederablaufenlassen dessen das man geholt hat, sondern erfordert nur, daß das Geholte festgehalten und belegt wird. Überdies braucht dem Fieren ein Holen gar nicht unmittelbar voraufzugehen, so daß schon darum nicht von Ruhe, Nichtweiterarbeiten, Nichtweiterholen die Rede sein kann. Auch verbietet sich der Gedanke von feiern von selbst, wenn wir bedenken, was das heißt: „he let en fieren‟; das heißt doch wörtlich: „er läßt einen streichen‟, und wir haben da das andere niederdeutsche Wort fieren, welches auch unser seemännisches ist, mit fern verwandt ist und streichen heißt, fahren, gehen, laufen, schießen, gleiten; firen laten: los lassen, gehen lassen, frei geben, Raum und Freiheit geben sich zu bewegen; in die Ferne, ins Weite gehen, nicht bleiben und haften, nicht gehalten werden, — das ist die Folge des Fierens, und das Gefierte, das nun nicht mehr gehalten wird, sackt, senkt sich, sinkt so lange bis es anderweitig Halt und Stütze findet. Bei einer Verhandlung über einen Seeunfall im Jahre 1564 sagte zu Bremen ein Augenzeuge aus „dat N. dat spreeth loss gelatenn, sin schip vmme geswengeth ond dat grote anker ond touwe vthgefiret, ond he, tughe, dat plichtgarde (Pflichtleine) othgestekenn und gespraken: wat wylle gy vele fireinn? wy liggen alle an der grundt.‟
Fest holen s. holen.
Festzeisen s. zeisen.
Fid, fidden, nicht zu verwechseln mit fitten (s. d.) Fid ist eine aus hartem Holze gemachte runde Pinne, mit der man beim Splissen und Knoten die einzelnen Duchten von den Enden der Taue auseinander hält um durchstecken zu können. Das Auseinanderhalten nennt man fidden. Das Wort dürfte vom englischen to fit kommen, welches seinerseits wohl auf das gothische fetjan zurückgeführt wird, schmücken, dann in den zahllosen Bedeutungen von „zurechtmachen‟ gebraucht.
Fingerlinge, die, nennt man starke eiserne Hänge am Achtersteven, in welche das Ruder mit den Haken eingehängt wird; es kann indessen auch umgekehrt gemacht werden, daß das Ruder die Fingerlinge hat und der Steven die Haken. Man stelle sich eine in ihren Angeln sich drehende Tür vor. Zu Fingerling ist Däumling zu vergleichen. Es bedeutet eine Hülle, in die ein Finger paßt, wie der Däumling eine Umhüllung in die der Daumen grade hineingeht; wer sich am Finger verletzt hat und keinen dicken Verband haben will, der zieht den abgeschnittenen Finger eines ledernen Handschuhs, einen Fingerling, über, an dessem hinteren Ende ein Band befestigt ist, das ums Handgelenk gebunden wird. Ehrentraut (Friesisches Archiv, II. 65) schreibt: „Das Steuerruder: dat rôr am Hinterteil hängt in vier eisernen Haken, welche in Büchsen sitzen. Diese Büchsen heißen da fingelin (Sing.: dju fingelin);‟ und zwar bezieht sich das auf die Sprache der Wangerooger Seeleute.
Finknetzkasten, der. Der obere, kastenartige Abschluß der Reeling, in dem die Hängmatten verstaut werden. Diese wurden ursprünglich auf Kriegsschiffen vor der Schlacht auf die Reeling gebracht als Schutz gegen feindliche Kugeln. Hieraus entwickelte sich ein bleibender Verwahrungsort für die Hängematten mit entsprechender Gestaltung der Bordwand, kastenartig mit einem geteerten „Kleid‟ zum Überdecken. Aber wenn diese Einrichtung getroffen war, wurden im Falle einer Schlacht die Hängematten als Brustwehr mit großen Netzen befestigt. Diese führten den Namen Finknetze von dem niederdeutschen Schiffsnamen pink; das Fahrzeug dieses Namens war sehr vielseitig, wurde namentlich aber in Niederdeutschland als Fischerboot benützt, weshalb Kilianus das Wort auch mit navis piscatoria wiedergibt. Das große Netz dieser Pink hieß Pinknetz. (Kil.: pinck-net, rete majus). Der Übergang von Pink zu Fink stellt eine sehr gangbare Lautverschiebung dar. Das p des Umlautes wird zunächst affriziert zu pf und dann gestattet sich bequeme Aussprache in Nord- und Mitteldeutschland gerne die Spirans statt der Affricata: Ferd, Fand, Fund. — Anstatt des Finknetzes für die Hängematten ward dann ein Kasten für sie gebaut, aber der Name blieb erhalten, es wird bloß Kasten hinzugefügt: Finknetzkasten.
fischen, hat in der Seemannssprache außer dem gewöhnlichen Sinn auch noch den von festmachen, befestigen, unterbringen und zwar den bereits aus dem Wasser geholten (gekatteten) Anker. Der nachmalige Admiral Brommy beschreibt in seinem aus Athen datierten (Dezember 1847) Buche „Die Marine‟ den Vorgang des Ankerfischens: „So wie der Ring des Ankers über dem Wasser sich zeigt, haken zwei Bakgasten den Katzblock in denselben ein, das Gangspill wird wiederum gepallt. Schnell wird nun der Läufer der Katztakel angeholt, der Anker mittelst dieser an den Krahnbalken gezogen und durch die Penturleine daselbst befestigt. Der Fischhaken wird über den Schaft des Ankers geworfen und durch die Fischtakel derselbe auf die Seite gebracht, wo er mit der Rüstleine festgemacht wird.‟ Wie alles in der Seefahrt, so hat sich auch in diesem Stücke seit 1847 viel geändert; so hat man inzwischen einen Fischdavit erfunden und andere Neuerungen der Technik angebracht; die Bezeichnungen katten und fischen sind aber geblieben.
Fitten. Ehe ein Schiff ins Dock geht muß es — also unter Wasser — gefittet werden, d. h., es muß genau die gegenwärtige Form seines Kiels festgestellt werden, damit darnach die Stapelklötze so aufgebaut werden können, daß nachher im Dock wenn das Wasser sinkt und das Schiff sich auf die Klötze setzt, der Kiel in allen Teilen genau und richtig unterstützt ist, namentlich auch in etwaigen beschädigten Teilen, sei es, daß der Kiel durch die Länge der Zeit von seiner ursprünglichen Form gewichen ist, sei es, daß durch Festkommen eine Havarie entstanden, eine Beschädigung hervorgerufen ist. Diese festzustellen, den Fehler genau graphisch darzustellen dient eine Vorkehrung, eine Art Rahmen, die Fitte genannt. Und die Tätigkeit heißt fitten. Es liegt nahe an eine der vielen Bedeutungen des englischen to fit zu denken. Aber keine von ihnen paßt. Desto besser paßt ein noch viel näher liegendes niederdeutsches Zeitwort fitjen, das zunächst tadeln bedeutet, dann aber auch mäkeln, kritisieren, geflissentlich Mängel aufsuchen.
Fischerstek, s. Stek.
Fjord s. Föhrde.
Flagge, die. Kilianus erklärt das Wort fenlyn durch flammeum, flammeolum, d. h. Brautschleier, weil in Rom dieser flammend rot war. Eine ähnliche Gedankenverbindung drängt sich auf zwischen Schleier und Flagge, wenn man nicht an die Farbe, sondern an das Wehen und Flattern eines Schleiers denkt. Was flattert das flackert auch. Und von Flackern kommt der Name. Er ist neueren Ursprungs, zuerst nach Kluge 1613 gebucht. Englisch flag, im Angelsächsischen war aber das Wort, weil wahrscheinlich auch die Sache unbekannt, obgleich schon die Flotte Wilhelms des Eroberers mit wehenden Flaggen an der englischen Küste landete. Im Beówulf heißt das, was wir Flagge nennen, segn = Signum, war aber keine Fahne, sondern ein Schild. Der hoch am Maste befestigte Schild galt als das Zeichen der Gegenwart des Befehlshabers; war der König selbst an Bord, so hißte man einen Schild von Golde. Sogar zu Häupten des toten Königs Skild banden sie, als sie ihn im reichgeschmückten Schiffe dem Meere übergaben, ein goldenes „segn‟. Es gibt natürlich an Bord eines Schiffes vielerlei Flaggen: Kriegsflaggen, Nationalflaggen, Post- und Zollflaggen, Lootsenflaggen, Bootsflaggen, Signalflaggen, Winkflaggen, den blauen Peter, Admiralsflaggen etc. Was letztere betrifft, so genügte früher zur Unterscheidung des Ranges, wenn man sah an welchem Maste die Admiralsflagge gehißt war; jetzt, seitdem es überhaupt nur noch Gefechtsmasten auf den in Betracht kommenden Schiffen gibt, müssen die Admiralsflaggen unter sich verschieden sein. — In England unterschied man früher (bis 1864) Admirals of the red, of the white, of the blue flag, und in jeder dieser Farben gab es wieder einen Admiral, einen Vice- und einen Kontreadmiral, (wonach zu berichtigen Lüpkes, Seemannssprüche p. 63, wo angeführt ist, daß im englischen Sprichwort Admiral of the red (flag) einen „Söffel‟ bedeutet, wegen der roten Nase, Admiral of the white einen Feigling und Admiral of the blue einen Schankwirt, wegen der blauen Schürze). — Weil er das Recht hat, eine Flagge zu führen, nennt man den Admiral Flaggoffizier; Flaggleutnant aber heißt der Offizier, der des Flaggoffiziers, der ein Geschwader führt, rechte Hand ist. — Flaggenparade heißt das feierliche Hissen und Niederholen der Kriegsflagge. — Die Flaggen sind von feinem, wollenem Zeug, das zwar mit dem was wir sonst Tuch nennen gar keine Ähnlichkeit hat, aber doch Flaggentuch heißt. — Die Leine, an die die Flagge angesteckt wird, oder vielmehr zwischen die sie eingeknebelt wird, heißt Flagg-(nicht Flaggen-)leine. Das Schiff, auf dem der Geschwaderchef seine Flagge gesetzt hat, ist sein Flaggschiff, auch wird es das Flaggschiff des Geschwaders genannt. — Zu bemerken ist, daß die für ein an die Sprache der deutschen Marine gewöhntes Ohr sehr störend klingenden Formen Flaggenoffizier, Flaggenleutnant, Flaggenschiff etc. etc. in der österreichischen Marine gang und gäbe und auch im dienstlichen Gebrauche sind. — Es war von jeher üblich mit wehenden Flaggen zu kämpfen; „Durchläuchtigste Seehelden‟ II 449: „unterdessen wuchs das Wasser (im Hafen von Ostende, es handelt sich um einen Anschlag der Franzosen auf diesen) ziemlich an, da denn mit einem Nordost-Wind zehn mit Volck geladene Barcken, mit fliegenden Flaggen und Wimpeln, Trommelschlag, bereitem Gewehr, und die von des Königes (es war 1658) und Mazarini Leib-Guarde ihre blaue Bardürete und andere Röcke, und die Befehlhaber ihre Federn und Feldzeichen anhabend, und den Marschall in der Mitten, mit seinem Orden des H. Geistes, hinein kamen: der Wind war so gut, daß als sie über die Bank, die an dem Eingang des Havens liegt, kommen, es ihnen nicht möglich war, (weil sie zugleich von den einlauffenden starcken Strom fort getrieben wurden) die Fahrt aufzuhalten. In dieser Gestalt kamen sie an die Kay.‟ — Von der Aufstellung der spanischen und Venediger Schiffe unter Don Juan d'Austria bei Lepanto berichtet derselbe Verfasser: „Unter anderen Ordnungen war auch diese, woran nach aller Meinung sehr viel gelegen war, umb die bestellte Ordnung in dem Fechten zu halten, in Betrachtung, daß sowohl die Königlichen als Venedischen Galeyen unter einander vermengt waren, daß dieselbigen ein jede ihr besonder unterschieds-Zeichen haben sollten, damit sie sich in dem Schlagen leichtlich wieder unter ihre Flagge begeben konten, und also hatten die von der Bataille ein klein blau Fahne auf dem Gipffel eines jeden Mastbaums; die von dem rechten Fliegel eine grüne Banderol oder Fahne, an dem Ende der Segel-Stangen, die in dem linken Fliegel eine gelbe, und die im Nachzuge eine weisse auf dem hinder Theil der Schiffe.‟ — Wenn man Leonhart Frohnsberger glauben darf, der 1565 so gut wie ers verstand über See und Seemannschaft geschrieben hat, so wurde in seinen Tagen mit Flaggen ein außerordentlicher Luxus getrieben. „Eines grossen hohen Potentaten Schiff der lust oder zier nach zu versehen, mag außwendig ober dem Wasser, gar überall mit deß Herren farben und Reimen gemalt und angestrichen werden, deßgleichen das vorder und Hinderhauß oder Schloß am Schiff, mag allenthalben auff das zierlichst mit Fanen oder Panier, wie mans denn pflegt zu nennen, so auch mit des Herrn Wappen und Farben gemalt, auffgesteckt werden, dareyn auch Reymen und vergülte Knöpff darauff zu setzen, und dann insonderheit, muß das hinder und vorder Schloß am Schiff zu aller vorderst und hinderst, ein zimlichen Platz zu beyden seiten oder ecken, auch von solchem Schloß kommen zu der Belle (belle, zwischen Groß- und Fockmast), weiter vom Schiff zwo viereckechte grosse Fanen, gleichfalls mit solchen farben, Reimen und Wappen, gar oben dem Tymon („Steuerpflicht‟) soll auch ein grosser Fanen sein, welcher die andern an der grösse alle übertrifft, und dann auf jeder Seiten des Hauß oder Schloß gegen dem Mästen, sollen sechs oder acht Fanen sein, und auff den Mastkörben vom großen Mast sollen rund umb, von der Breite und Höhe der gemeldten Mastkörb, auch mit Reymen, farben und Wappen geziert, und auch angehengt sein, zu dem mag oder soll noch ein gespaltener grosser breiter langer Standart oder Panier, der biß ins Wasser raicht, und auf dem Mast von gemeldtem Mastkorb soll auch ein großer Fanen, mit farben, Reymen und Wappen geziert sein, fliegen oder hangen.‟
flaggen heißt: die Flagge hissen oder setzen, wird aber in diesem Sinne für eine einzelne Flagge bei der Marine nur am Lande gebraucht; „die fiskalischen Gebäude haben zu flaggen‟, „die Werft, das Lazaret flaggt‟. An Bord, wo sich das tägliche Hissen der Flagge im Hafen von selbst versteht, sagt man nur dann, daß das Schiff geflaggt habe, wenn es über die Toppen geflaggt oder Flaggengala angelegt hat, wie solches bei hohen vaterländischen Festen, Kaisersgeburtstag etc. etc. zu geschehen pflegt, indem die Signalflaggen in langer bunter Reihe vom Bug bis zum Heck, an einem langen Tau befestigt, „über die Toppen‟, von Mast zu Mast wehen.
Flaggenparade, ist eine militärische Feierlichkeit an Bord der Kriegsschiffe im Hafen, nämlich das feierliche Hissen der Flagge um 9 h. a. m. und das feierliche Niederholen (nicht Streichen) derselben bei Sonnenuntergang. Dabei tritt die Wache ins Gewehr, die Musik spielt den Präsentiermarsch und der Flagge werden die militärischen Ehren erwiesen, während die an Deck befindlichen Offiziere durch Anlegen der Hand an die Mütze sie grüßen. Das ist ein alter Brauch. Von der abendlichen Flaggenparade erzählt schon Frohnsberger 1565, er gebraucht zwar das Wort nicht und erwähnt auch die Flagge nicht, aber es ist doch nichts anderes. „Item wann es auf dem Meer oder Wasser schier zu der Sonne niedergang kompt, so entbieten alle umbhaltende oder fahrende Schiff dem öbersten Potentaten ehr und reverentz, zu dreymal auff einander, durch ein laut und groß Wasser, gleich einem Ave Maria oder Feldgeschrey, oder werden etwan mit Stück Büchsen drey schüß kurtz auff einander, zum zeichen der nachtwach, gethan, dazu etwan mit Baucken, Trommeten, sampt anderen Pfeiffen und Trummen, überlaut zum dritten mal gegen deß öbersten Schiff erzeiget. Hergegen wird dem gantzen Hauffen oder allen Schiffen, so umbher oder mit fahren und halten, hinwider ein gruß mit dancksagen erzeigt, darauff die Losungen auff etliche stund, zu halber oder gantzer nacht, nach dem es dem Herrn gefällig, empfangen.‟
Flaschenpost, die. Wenn Schiffbrüchige ihre letzten Grüße auf einen Zettel schreiben, in eine Flasche stecken und diese fest verschlossen über Bord werfen, in der Hoffnung, es werde ein günstiger Strom sie an irgend eine zivilisierte Küste treiben, so nennt man dies eine Flaschenpost, wiewohl es mit unserem Lehnwort Post (von positis equis) wenig genug zu tun hat. Man wirft aber auch ohne schiffbrüchig zu sein zuweilen Flaschenposten über Bord mit Angabe des Ortes, des Datums und der Adresse des Absenders, um aus dem Orte ihrer Ankunft auf die Richtung der Meeresströmung schließen zu können.
flau, flaue Brise = schwacher Wind; davon die Wendung „der Wind flaut ab‟, wird schwächer; auch: „das Interesse flaut ab‟, „flaue Geschäftszeit‟ etc. etc. Wenn wir das Wort vom althochdeutschen flawen fließen, strömen, schwimmen, waschen, spülen, ableiten dürfen, so ist das Wort nicht nur jetzt seemännisch, sondern ist es auch immer gewesen, und wir hätten uns die Bedeutungsentwicklung so vorzustellen: auf oder im Wasser schwimmend, durch Liegen in Feuchtigkeit erweicht, weich, matt, schwach, kraftlos, gleichgültig (wie ein „Waschlappen‟), verschwommen, blaß.
Flechting, die. Scheinbar sind die beiden einander an Steuerbord und an Backbord entsprechenden Hofdtaue zwei Taue, in Wirklichkeit bestehen die beiden aber aus einem Tau, das in der Mitte ein großes Auge hat, mit dem es über den Top des Mastes gestreift wird, so daß die eine Hälfte nach Steuerbord, die andere Hälfte nach Backbord fährt. Dieses Auge muß fest um den Mast sitzen und glatt anliegen, so als ob es um den Mast geflochten wäre. Da ihrer mehrere über einander zu liegen kommen, so sieht das Ganze in der Tat wie ein Geflecht aus, und der Name hat also seine Berechtigung.
Flibustier, der = Seeräuber, stammt in seiner gegenwärtigen Gestalt aus dem Französischen, aber der Ursprung ist deutsch. Es gibt in England ein Fährschiff das den Namen flyboat führt und aus den Niederlanden übernommen ist, wo es vlieboot heißt, nach den Vlielandern auf Vlieland, welche Insel durch het Vlie von Terschelling getrennt ist. Da es nun geschichtlich nur zu fest steht, daß die Bewohner der ganzen friesischen Küste von den ältesten Zeiten her bis zu den Tagen der Kontinentalsperre nicht immer die Seefahrt als „erlaubten Nahrungszweig‟ betrieben, sondern den Bremer und Hamburger Schiffen ebenso gut nachgestellt haben, wie die binnenländischen Ritter den Wagen der Kaufleute auf der Landstraße, so könnte das Wort schon von Fliebooter kommen, wenn nicht die alte französische Form fribustier neben flibustier stünde. Das kann ja nun eine der überall so beliebten aus sprachphysiologischen Gründen geschehene Verwechslungen von l und r sein. Doch wäre es denkbar, daß dieses r als organisch angesehen werden könnte, und dann müßte man das Wort von Freibeuter ableiten; sonst auch Aventurier, und im Mittelalter Vitalienbrüder (s. d.) genannt, in amerikanischen Gewässern bucaneer, französisch boucanier, von boucan einem caribischen Worte für räuchern, weil die ersten französischen Ansiedler auf Hayti wilde Ochsen und Schweine jagten und ihr Fleisch räucherten, dann aber auch gegen die Spanier freibeuterten. Vlieboote waren seegehende Kriegsschiffe; im Treffen bei Cadix 1596 waren ihrer etliche mit Erfolg tätig auf Seite der Engländer, „Durchläuchtigste Seehelden‟ I. 405: „In allen diesen grausamen Gefechten, waren der Englischen nicht über hundert Mann geblieben, wiewohl viel von ihren Schiffen offtmals durch und durch geschossen worden, ja etliche wol zu Zwey-und zwantzig malen. Der Pinas, des Ritters Robert Southwell, der zu Kühn war, das Schiff Philippus anzugreifen, ward mit demselbigen verbrandt, das Volck aber davon gerettet. Einer von den holländischen Vlie-Booten, der sich durchgehends tapffer und wol gehalten, gerieth auch durch sein eigen Pulver in Brandt, und blieb mit allem Volck, ausgenommen sieben oder acht Mann, die durch angewendeten grossen Fleiß erhalten wurden.‟
Flieger, der, ein für gewöhnlich nicht gefahrenes, auf Kriegsschiffen überhaupt nicht übliches Segel das nur bei gutem beständigem Wetter zwischen dem Stengenstagsegel und dem Bramstengenstagsegel gesetzt wird, überhaupt alle zwischen den eigentlichen Stagsegeln angebrachten Hilfsstagsegel. Ein Schiff mit solchen gewährt einen besonders schönen Anblick und kann auf den Beschauer den Eindruck erwecken als flöge es. — Auf Wangerooge heißt dagegen flieger eine schmale Flagge die am Maste fliegen gelassen wird und die durch ihr Fliegen die Windrichtung angibt. Vergl. Verkliker.
flott, ist das was schwimmt, weshalb auch im Niederdeutschen die Sahne, der Rahm der auf der Milch schwimmt, Flott genannt wird; dergleichen ein auf der Suppe schwimmendes Fettauge. In übertragener Bedeutung „flotter Bursch, flotter Student‟, im 18. Jahrhundert zuerst in der Studentensprache gebraucht. Das Wort ist verwandt mit dem griechischen ploo schwimmen, plotos schwimmend, das auf einer Wurzel plu beruht, die, im Lateinischen pluit es regnet, pluvium Regen bildend, im Althochdeutschen zu flawen geworden ist. Angelsächsisch flowan und fleotan, fließen, altnordisch floa auf dem Wasser treiben, altfriesisch fleta fließen, dazu fleth, flethe, flette = beweglich, vlottend gued = bewegliches, mobiles Gut, Möbel. Wenn ein Anker sich vom Grunde losgerissen hatte und trieb, so nannte man ihn altfriesisch flodfarend und billigte dem vor seinem Anker treibenden Schiffe Suspension der Seevorschrift zu: „Iding thing is ter set umbe thes flodfarende anckeren.‟ — Wenn ein Schiff „aufgefahren‟ ist, so werden alle Versuche angestellt, es wieder flott zu bekommen, es wieder zum Schwimmen zu bringen. In den „Durchlauchtigsten Seehelden‟ 1681 wird flott = gehend gebraucht. Peter Petersen Heyn, der holländische Admiral, machte einen Anschlag wieder die Portugiesen in Bahia, „darüber die Holländer nicht mehr als fünfzig Mann verlohren, nebenst etlichen Verwundeten, worunter der Admiral selber war, welcher eine Kugel durch den linken Arm, und einen Splitter vor das Schienbein bekommen hatte. Sein Schiff benebenst dem Schiffe Geldria geriet auch auf den Sand, da sie von dem feindlichen Geschütz tapfer getroffen wurden. Geldria, wiewohl es mehr als sechzig mahl getroffen ward, ward endlich wieder flott oder gehend, aber das Admiral-Schiff ward also fest sitzend beschossen, kunte aber nicht wieder flott oder gehend werden, daher es in den Brand gestecket und verlassen ward.‟
Flotte, die, ein Verband von Schiffen, Kriegsflotte, Handelsflotte, Fischerflotte, Panzerflotte; auch der ganze Bestand einer Nation an Kriegsschiffen, „die deutsche Flotte‟ etc. etc. Das Wort stammt von der unter flott angegebenen Wurzel und hat sich selbständig im niederdeutschen Sprachgebiet entwickelt. Es gibt allerdings auch ein italienisches, gleichbedeutendes Wort flota, portugiesisch frota, spanisch flota, französisch flotte. Aber unser „Flotte‟ hat mit ihnen nichts zu tun, weit eher umgekehrt. Denn wenn die romanischen Wörter auch von fluctus kommen, da altfranzösisch flote Menge, Schwarm hieß, — man sagte flote de gens, flote de nefs, flote de poile, Haarflocke — , ja wenn es auch sogar den Anschein hat, als sei das Wort nach Hochdeutschland — nach 1565, da der Ulmer Leonhart Frohnsperger es noch nicht kennt und statt dessen Armada sagt, wie denn überhaupt seine Kenntnisse sich auf südliche Seemannswörter beschränken, von der Hansa und deren Sprachgebiet hat er kaum eine Ahnung — nicht aus Niederdeutschland, sondern aus dem Mittelmeer gekommen, was aus der Form in der es zuerst auftrat: Flotta zu schließen ist und um derentwillen es 1617 im „Teutschen Michel‟ als Fremdwort verspottet worden ist, so bemerkt doch Diez gewiß richtig, daß seine ursprüngliche Bedeutung durch den Einfluß des niederländischen vloot eine der modernen sich anbequemende nähere Bestimmung erhalten habe. Jedenfalls hat an den Küsten der Nordsee Flotte schon früh eine Vereinigung von Schiffen bedeutet. Altfriesisch flothe: „ende thet bi der Elwa biland tha flothe.‟ Und wenn auch im Beówulf flota nur ein einzelnes Schiff bedeutet, so genügt das Wort dennoch zum Beweis für ein vom Mittelmeer unabhängiges Dasein. — Dagegen ist Flottille rein romanischen Ursprungs vom spanischen flottilla, kleine (Silber-)Flotte, 18. Jahrhundert. — Der Übersetzer der „Durchläuchtigsten Seehelden‟ 1681 gebraucht das Fremdwort Flotta und das einheimische Flotte neben einander; wahrscheinlich hat er ersteres aus seinem hochdeutschen Sprachbewußtsein, letzteres aus seinem Original, das holländisch geschrieben ist. Eine holländische Flotte segelte 1628 nach Westindien unter Pit Heyn. „Das Schiff, der schwartze Reuter, das Einhorn und der Fuchs, bekamen Befehl vorauß zu segeln, und darob zu seyn, daß sie deß Morgens allezeit wieder bei der Flotta seyn möchten. Und als sie sich den zehenden Julii auf der Höhe von vierzehn Graden und sechs und zwantzig Minuten, und deß andern Tages auf dreyzehen Graden und vier und fünfzig Minuten Norderbreite befunden, befahl der General (Admiral Heyn nämlich) der Jacht (Aviso!) dem Fuchs, nach dem Untergang deß Mondes vorauß zu segeln, und wenn sie etwa Land gewahr würden, der Flotte solches mit einem Schuß kund zu thun.‟
Flut, die, das Zuströmen, Anschwellen des Wassers, oft gleichbedeutend mit Welle, vielfach im übertragenen Sinne (Flut von Schimpfreden, altfriesisch im Sinne von Einfall, Überfall: „jenst den wilda witzinges (Seeräuber) floed‟). Stammt mit den unter flott und Flotte besprochenen Wörtern von der Wurzel plu, flu = fließen; davon gothisch flodus, Flut, altnordisch flod, angelsächsisch flod, althochdeutsch fluot; auch in vielen slavischen Wörtern die in irgend einer Verbindung mit Wasser, schwimmen fließen, stehen steckt dieselbe Wurzel. Was man aber unter Flut im engeren und besonderen seemännischen Sinne versteht, das ist der Gegensatz zu Ebbe, das Heranfließen des „kommenden‟, „steigenden‟ Wassers; mit Ebbe zusammen eine Tide bildend, doch so, daß Flut in der Verbindung beider das größere Gewicht hat, so daß bei Tide immerhin mehr an die Flut als an die Ebbe gedacht wird.
Fluttor s. Schleuse.
Fock, die, das unterste große viereckige Segel an dem nach ihm benannten Fockmast, entsprechend dem Großsegel am Großmast. War früher dreieckig, was schon daraus hervorgeht, daß es ein viereckiges Segel gibt, das Breitfock heißt; das kann nur Sinn haben, wenn die eigentliche Fock schmal d. h. dreieckig war, wofür auch der Name der Fock in den romanischen Sprachen zeugt, italienisch trincheto, portugiesisch traquete, spanisch trinquete, (das englische trinket ist zwar gleicher Herkunft, bedeutet aber ein anderes Segel, eins das jetzt noch dreieckig ist, ein Topsegel) vom lateinischen triquetrus, dreieckig; französisch trinquet, Fockmast, also Mast der dreieckige Segel trägt. Es heißt aber auch mât de miséne, von miséne = Fock. Daher hat Aubin (1702) bei der Übersetzung der holländischen Wörter breefock und stagfock das Wort fock beibehalten und foques de miséne gesagt. Er rechtfertigt das mit folgenden Worten: „Comme on ne sait point quel nom ont en François ces deux voiles qu'on voit, en Hollande, aux galiotes, et à diverses sortes de petits bâtimens, on prend la liberté de leur donner celuici, qui peut assez leur convénir, si en éfet il n'y en avoit point encore d'autres; et s'il y en a d'autres on sera obligé à ceux qui voudront les aprendre. Cependant on ne voit pas qu'on puisse se dispenser de parler de ces sortes de voiles. Elles servent toutes deux tour-â-tour, selon le vent, et jamais ensemble. C'est le mât où est la grande voile, qui les soutient aussi: elles sont par-devant vis-â-vis de la foque de beaupré. Celle qui s'apelle Bree-fok, est une voile quarée qui sert quand on a vent arriére, ou vent largue; et quand on va à la bouline („beim Winde‟) on l'ôte, et on lui substitue l'autre voile, apellée Stag-fok, qui est à tiers point, et fort pointue par le haut.‟ Unzweifelhaft ist also das Wort niederländisch-niederdeutsch, und an der Nordsee haben wir nach dem Etymon zu suchen. Nun kennt schon Kilian ein focke = minimum velum ad proram, also Stagfock, auch ein breede focke, aber auch ein Zeitwort focken = velefico. Focken hieß also schon damals ganz einfach „segeln‟, wie es heute noch in Holland heißt. Ganz im Allgemeinen aber hat das mittelniederdeutsche focken den Sinn von ziehen, aufziehen. Die Fock ist also ein Ziehding, wobei es wenig ausmacht, ob sie gezogen wird oder zieht. Das Nächstliegende ist wohl, daran zu denken, daß sie aufgezogen wird, so daß also die Stagfock das Ursprüngliche und Namengebende wäre. Da man indessen hinten (im Boot) einen Treiber hat, warum soll man nicht vorne im Schiff einen Zieher haben? Es wäre dann also die (Stag-)Fock als das vorderste Segel als das Schiff hinter sich herziehend gedacht. — So sehr hat das niederdeutsche focken alle Bedeutungen von ziehen, daß das Wort auch für „es zieht,‟ „es ist Zug,‟ „Zugluft‟ gebraucht wird, selbst wenn der Zug sich zum Sturm verstärkt; dänisch fyge, in einem Schneesturm treiben, schwedisch foga, vom Winde gejagt werden, isländisch fok, Schneesturm; mittelhochdeutsch foche, Windfegemühle, fochen, das Getreide durch den Wind derselben von der Spreu sondern; dialektisch focher = Blasebalg; neuhochdeutsch fauchen; beim Teuthonista vocken = wehen. — Niederdeutsch heißt Focke ein Ort, wo es zieht, ein Platz der dem Winde sehr ausgesetzt ist. — Auch „von dannen ziehen‟ heißt das Wort im Mittelniederdeutschen. Im „Reinke de Vos‟ sucht der Fuchs den Wolf zu überreden, ihn frei zu lassen. Der antwortet ihm aber:
Og, wo sholdestu mi dänne fokken, Lete ik di los mid sodaneme lokken. —
Auch ziehen im Sinne von erziehen und aufziehen heißt focken; in Ostfriesland wird es sowohl vom Aufziehen eines Menschen als auch eines Tieres, also für erziehen und züchten, gebraucht; fokkere, Züchterei, Viehhof, fokker, Erzieher, Züchter; doch ist zu bemerken, daß das Wort focker im Sinne von reicher Mann, Geizhals nicht von unserem focken stammt, sondern eine niederdeutsche Form für den Familiennamen Fugger ist, die schon Kilian gebraucht hat für Alleinhändler, Monopolist, monopola, ja er sagt sogar „pantopola vulgo fuggerus‟; fokerye = monopolium. — Und damit ja keine Bedeutung von „ziehen‟ fehle, so heißt mittelniederdeutsch focken sogar „jemanden aufziehen‟ in der Bedeutung von foppen.
Föhrde, die, eine Bucht, Bai, ein Meerbusen. Eigentlich eine Furt (mundartlich Fahrt), Fahrstelle, Fahrweg, Einfahrt, Durchfahrt; sodann in Ostfriesland das Thor einer Einfahrt; Sprüchwort: „wen de forde krakd, is se nog net to, wen dat kalf blarrd is het nog gen ko.‟ Altfriesisch forda, daher der alte Name für Münster i. W.: Mimigardaforda; englisch ford, Furt; altnordisch fjördhr, schwedisch, dänisch fjord; althochdeutsch vurt. Kommt nicht etwa von porta, sondern von fahren, weil, wenn man aus der offenen See kommt, die Föhrde den verengerten Weg darstellt, auf dem man in den Hafen oder die Flußmündung hineinfährt.
Fracht, die.
1. Gebühr für Beförderung der Waren.
2. die Ladung eines Wagens oder Schiffes,
3. die Ware selbst
Die zuerst genannte Bedeutung ist die ursprüngliche. Man hat zur Erklärung an das niederländische Iterativum von fahren: verchen = führen, gedacht und dabei eine Metathesis angenommen; dem könnte das schweizerische fergen, anfahren anbringen, die im Hause gefertigte Ware in der Fabrik abliefern, entsprechen, das jedoch auch eine Zusammenziehung von fertigen sein könnte, wobei zu bemerken ist, daß auch dann der Ursprung das Zeitwort fahren wäre. (Fertig: bereit zum Fahren). Einleuchtender ist aber die Ableitung vom althochdeutschen frehton verdienen, freht Verdienst, Lohn; französisch fret, spanisch flete, portugiesisch frete, mittellateinisch fretta, schwedisch frakt, dänisch fragt; englisch freight. Möglicherweise steckt unser fragen in frehton, daß man also an das Fragen im Sinne von Fordern, Ausmachen oder Ausbedingen des Lohnes für die Beförderung von Ware zu denken hätte. Doch ist zu bedenken, daß 1673 in der „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟ Fracht gleichbedeutend mit Reise gebraucht ist.
Fregatte, jetzt ein großes, vollgetakeltes Kriegsschiff, dessen Gestalt und Größe sich aber bei dem Wechsel der Benennungen wie von Schiffen überhaupt, so besonders von Kriegsschiffen nicht genau angeben läßt. Bis vor Kurzem hießen in der deutschen Marine diejenigen Schiffe Fregatten, die vor zwanzig Jahren gedeckte Korvetten hießen und die man jetzt „Große Kreuzer‟ nennen könnte, wenn sie nicht Schulschiffe wären und hießen, „Stein‟, „Moltke‟, „Gneisenau‟ etc. etc., also Vollschiff mit Batteriedeck. Aber so wars nicht immer. Leonhard Frohnsperger in seinem „Kayserlichen Kriegßrecht‟, 1565, führt alle zehn Arten von Schiffen auf die damals zu einer Armada gehörten:
Zu besserem verstandt und gemeiner eynleitung wirdt solches hiemit ungefährlichen nachfolgender gelegenheit zu halten fürgenommen, demnach ein oberster Kriegßherr oder Potentat, stattliches oder geringes vermögen, darzu in die nehe oder weite, auch lang oder kurtz mit einer Armada zu verrücken, willens oder vorhabens ist, so wirt ein jedes Schiff, so zu der Wehr gericht, mit seim eigen und besonderen Schiffherren oder Hauptmann, sampt der notwendigen Personen zu jeder sachen tauglich, auff nachfolgender monier, art oder gattung, versehen, etc.
Erstlich erfordert ein Armada vor allem, zu dem wenigsten ein groß gewaltigs Lastschiff, in oder bey welchem sich der öberst sampt sein verordneten Kriegßrähten, meistes theils eigner Person pflegt zu erhalten, derwegen solches vor allem mit gutem Kriegßvolck, Geschütz, Munition und Profandt nach notturfft, auch zu der Gegenwehr mit widerstand versehen.
Zu dem andern, so folgen aller nechst bey solchem etliche grosse streit Schiff, welche gleicher gestalt in ziemlicher grösse, vor den Galeen zum Schiff streit, Sturm oder Schlachten, mit gutem Geschütz, Kriegßvolck, Munition und ander notturfft, so denn zu dem schertz gehört, oder der sachen gemäß und tauglich, auch nach notturfft versehen werden, etc.
Zu dem dritten, folgen auff solche der grossen Galeen oder Galleatzen, welche auch nicht minderer gestalt dann hie oben vernommen, zu der Wehr und streit mit gutem Geschütz und dero zugehör, nach dem besten mit aller notturfft versehen.
Zu dem vierdten, folgt weiter bey solchen der geschnebelten grossen Galleen, welche mit guter Ruder Ordnung so zu dem nachtrieb, angriff oder lauff, auch sonst mit aller notturfft seiner art, nach dem besten versehen.
Zu dem fünfften, so wirt auch neben oder bey solchen, der gar grossen und hohen Galeen geschiffet, aber doch nicht so groß als die streit Schiff, welche vor andern zu dem Sturm und streit dienstlichen angeführt, auch mit aller notturft demnach verordnet werden.
Zu dem sechsten, werden auch daneben andere grosse Schiff, welche etwan Mathonen[1] genannt, mit geschiffet, so auch gleicher gestalt zu dem Feind mit Geschütz, Wehr und streit allermassen versehen, zur neben Profandt und ander Kriegßrüstung, darinn und mit fort gebraucht mag werden.
Zu dem siebenden, werden nachfolgend grosse raub, jag und Rennschiff, auch zu gleich mit gutem leichtem Geschütz, und der Land oder Wasser art und gelegenheit erkündiget, mit Kriegßleuten wol besetzet, durch welche der Gegenteil oder Feind erstmals ersucht, zu Scharmützeln auß und an zu reitzen oder umbzuschweiffen, abgefertiget werden.
Zu dem achten, folgen auch einer Armada, groß, lang, tieff, weit Nachen, so aller massen und gestalt nach notturfft zum Streit, Krieg und Wehr, wie andere, mit geführt, und nach notturfft in widerstand gerüst und versehen werden.
Zu dem neundten, werden erklärter massen mittel und ander klein Nachen, welche auch etwan Rahaten genannt in ziemlicher anzal mit geführt, in welchen auch nicht minder allerley nottürfftige Kriegßrüstung, neben zu schiffen, mit verordnet und geführt werden.
Zu dem zehenden, werden ander art oder gattung aber noch kleiner Schiff, welche etwan Strazapinen auff Spannisch genannt unter solchem Zeug mit zu führen verordnet, darzu noch weiter ein ziemliche notturfft Zillen, Kannen oder Weidling,[2] auß oder in welchen von einem in das ander zu fahren oder kommen ist, solche werden aber doch fast neben andere so was groß, angehenckt, mit und fortgebracht, etc.
Zu oberzeltem schiffen werden noch mehr art oder Geschlecht vernommen, welches zu lang alles nach notturfft oder ein jedes insonderheit auszuführen ein überfluß, dieweil sonst ein jedes mit seinem eigen Namen, Fanen oder Panier, zu einem gemerck underschiedlichen verzeichnet, darmit eins vor oder gegen dem andern erkennt und gebraucht mag werden, zu dem so fehrt jede gattung nach der Armada gebrauch darzu, etwan mit aufrechtem oder außgesteckten Fendlein in ziemlicher weite von dem andern, doch in guter bequem und tauglicher Schiff und Zugordnung, welche der zal nach nicht wol müglichen underschiedlich zu erklären, dann ein Schiff etwan über drey, vier odert fünffhundert Personen, so hergegen ein schlechtes nit halb sovil, minder oder mehr, sampt anderer notturfft pflegt zu ertragen, etc.
Auffallenderweise ist hier nicht von Fregatten die Rede, wiewohl Frohnsperger doch sonst mit mittelländischen Seemannsausdrücken besser bekannt ist als mit niederdeutschen. Dagegen führt er unter den Schiffen die „auff der Donauw‟ fahren eine Fregaten auf, und zwar als „nit so vollkommenlich und starck als ein Bergantin oder ein Fusten‟, also nichts Hervorragendes. — Auch hundert Jahre später (1681) in den „Durchläuchtigsten Seehelden‟ bedeutet Fregatte noch nicht das große Kriegsschiff späterer Zeiten, sondern ungefähr das was wir heute einen Aviso nennen. Da lesen wir nämlich bei Gelegenheit der Beschreibung der Seeschlacht von Lepanto: „Und als sie nun die Standarte des Verbündnüsses, welche in der Mitten ein Creutz hatte, zum Zeichen des Streites aufgestecket, wolte er (nämlich der Oberbefehlshaber „Don Jan‟, Don Juan d'Austria) noch einmal in Person die ganze Flotte durchsehen, und nachdem er benebenst Louis de Cordona und Johann Sora, auf eine schnelle und leichte Fregatt sich begeben, gantz in weissen Waffen, und ein Christen-Bild in seiner linken Hand haltend, hat er aller Orten den Leuten einen tapffern Muth zugesprochen‟ ... Aubin (1702) unterscheidet: Frégate legére: „C'est un vaisseau de guerre, bon voilier, qui n'a qu'un pont: il est ordinairement monté depuis seize jusques à vingtcinq piéces de canon‟. Frégate d'avis: „C'est un petit vaisseau qui porte des paquets et des ordres à l'armée. On s'en sert aussi pour aller reconnoître les vaisseux‟ Frégaton: „Cest un bâtiment Vénitien commun sur le golphe Adriatique, coupé à coupe quarré et qui porte un artimon, un grand mât et un beaupré.‟ — Roeding (1794): „Ein dreymastiges Kriegsschiff, welches weniger als fünfzig Kanonen führt. Die Fregatten sind überhaupt scharf gebaut und zum Schnellsegeln eingerichtet. Sie müssen dabei insonderheit die Eigenschaft haben, gut beim Winde zu segeln, und auch bei schwerem Winde See halten zu können, weil sie hauptsächlich zum Kreuzen bey einer Flotte gebraucht werden, oder die Bewegung des Feindes auszukundschaften, Depeschen zu überbringen, Kauffahrer zu convoyieren und dergleichen mehr.‟ Also ganz Aviso. — Fregatte ist also in Bezug auf Gestalt, Bauart, Takelage u. s. w. eine nichtssagende Bezeichnung und heißt eigentlich weiter nichts als Schiff. Ein solches wird italienisch bastimento, etwas Gebautes, genannt. Mit demselben Rechte oder noch größerem kann man es etwas Gezimmertes nennen, und das tut Fregatte, denn es kommt von fabricor, zimmern; fabricata, zusammengezogen farcata, fracata, italienisch fregata, spanisch fragata, portugiesisch fragata, holländisch fregat, dänisch fregat, schwedisch fregatt, englisch frigate. — Aus der neuen Dienstgradbezeichnung der deutschen Marine, Fregattenkapitän, Oberstleutnantsrang, Mitte zwischen Korvettenkapitän und Kapitän zur See, kann man ungefähr erkennen, wie hoch eine Fregatte an maßgebender Stelle eingeschätzt wird: höher als eine Korvette und niedriger als ein (von einem Kapitän zur See geführtes) Linienschiff.
Freibord, der. Der über Wasser gelegene Teil eines Schiffes, der demselben die nötige Sicherheit bietet, weil er die Reserveschwimmkraft darstellt. Je freier, d. h. je höher der Bord sich über das Wasser erhebt, ein je größerer Teil des Schiffes sich also über Wasser befindet, eine desto größere Schwimmsicherheit ist vorhanden. Es ist klar wie wichtig es, namentlich für die offene, sturmbewegte See, sein muß, das richtige Verhältnis des Freibords zum eingetauchten Teil des Schiffes, d. h. die richtige Ladelinie, zu finden, damit das Schiff seine volle Ladung nehmen kann und doch nicht überladen wird. Man hat verschiedene Methoden der Berechnung angewandt, Ratschläge erteilt, die Sache wissenschaftlich erforscht, Verordnungen erlassen, Gesetze gegeben, in Deutschland, dem Lande der Gesetze, besteht jedoch noch kein staatliches, kein Reichstiefladeliniengesetz, auch kein Tiefladelinienzwang; nur ein freiwilliger Versuch ist 1900 unter Kaiserlicher Belobigung gemacht worden.
Freiwache, s. Wache.
Frischwachs, das, spielen ist eines der beliebtesten Seemannsspiele, aber etwas derb. Der Name ist ebenso sonderbar wie das, übrigens schon vor mehr als 200 Jahren von uns aus zu den Franzosen übergegangene, Spiel. Es besteht darin, daß einer stehend sich mit dem Kopf in den Schooß eines ihm gegenüber Sitzenden neigt und so sich „die Hosen spannt‟. Dann hauen die Umstehenden mit der flachen Hand ihn kräftig, manchmal recht kräftig auf den Hinteren, und er soll nach dem Gefühl erraten, wer ihn geschlagen hat. Gelingt es ihm, so muß der Erratene seine Stelle einnehmen; gelingt es — wie meistens — nicht, oder doch nicht auf den ersten Schlag, so geht das Spiel weiter und es wachsen die Schläge frisch, d. h. immer wieder aufs Neue, wie jedes Jahr der Kohl wieder frisch wächst.
Frischwasser, das, heißt jedes auch noch so alte „Süßwasser‟ im Gegensatz zu Salz-, See- oder Brackwasser. Die Frischwasserfrage ist seit Erfindung der Destillierapparate nicht mehr so brennend wie früher, wo sie eine Lebensfrage war für seegehende Schiffe und belagerte Festungen. Man hat daher lange über die Frage der Herstellung von Süßwasser aus Salzwasser nachgedacht, Prämien ausgeschrieben und viele vergebliche Versuche angestellt, bis unsere Zeit die verhältnismäßig so einfache Sache zu Stande brachte, die übrigens schon einmal der Lösung nahe gewesen zu sein scheint. Bei der Belagerung der Festung auf Gerbi durch die Türken 1560 entstand unter den Belagerten eine große Not, „indem der Mangel an Wasser in der Festung je länger je grösser ward, woraus erfolgete, daß sie erst das Meel mit See-Wasser kneten und backen, wie auch die Speise kochen mußten, die doch ohne dieses, damit sie desto länger sollte wehren, an sich selbst gesaltzen genug war. Welches alles, nebenst der beharrlichen Arbeit und grosser Hitze, den Durst noch grösser machte. Diesen gewaltigen Durst, entweder zu entgehen, oder zu mindern, durfften die armen Leute nicht wohl genug essen, wodurch sie so verschmachteten, daß sie sich selber schwerlich auf den Beinen halten, ich geschweige denn, die Arbeit und den Streit ausstehn konnten, und warlich dieses machte sie verzweifelt, daß sie lieber wünschten zu sterben, als zu leben, und die noch das Leben etlichermaßen lieben konnten, erwehleten etwas anders, das noch schlimmer war, als der Tod, und gaben sich selber in der Türken Hände, für denen sie doch von Natur ein Schrecken hatten, und verkauften ihre theure und köstliche Freiheit für einen schlechten Bauch voll Wassers. Alles Gold und Silber, das da vorhanden seyn mochte, verlor seinen Preiß und Werth, angesehn ein groß Stück Geldes nicht genug war ein klein Faß voll Wasser zu bezahlen. Derjenige, welcher alles genau aufgezeichnet hat, was in diesem Jammerstande fürgefallen, erzehlet, daß einer ist gefunden worden, der alle seine Güter, die viel tausend Ducaten werth waren, abstehen wolte, an dem, der ihm die gantze Zeit über, dieser äussersten Noth, mit Wasser unterhalten und versorgen würde.
Ein Sicilian Sebastian de Pollere genandt, schlug vor, mit distilliren und überziehen eine gute Menge Wasser zu verschaffen, für welche Erfindung ihm Don Alvaro eine große Verehrung versprochen. Also ließ er durch die Teutschen, so allda waren, achtzehn-Brenn-Zeuge verfertigen, weil man nicht Materie, mehr dergleichen zu machen, bey der Hand hatte, und also grieff man zum Werk, aber was man immer brennete, so konte man doch des Tages nicht mehr, als fünff und dreissig Barilen, oder kleine Väßlein, und bißweilen nicht mehr als fünff und zwantzig überziehen, welches ein kleiner Vorrat für so viel Volcks war. Dieses überdistillierte Wasser ward so süsse befunden, daß wenn es mit Wasser aus den Zieh-Brunnen vermenget ward, wie saltzig dasselbe auch war, dennoch keinen unangenehmen Schmack gab. Der General Alvaro machte demnach eine Vermischung auf diese Weise: Er nahm fünfftzig Väßgen Zieh-Brunnen-Wasser, vierund zwantzig von dem distillirten Wasser und hundert von dem Wasser aus Cisternen, und wenn er das also zusammen gemenget, gab er davon zwey Saltzierlein des Tages für einen jeden Soldaten, der in dem Gewehr, und eines für denjenigen, so nicht bewehret war.‟
Fuke, die, beschreibt Doornkaat, Ostfr. Wörterbuch I 567 als ein „Stellnetz mit weit aufgesperrten Seitenflügeln, was sich nach innen zu immer mehr verengt und hinten eine kleine Öffnung zum Durchschlüpfen der Fische hat, vor welchem wieder ein zweites kleines Netz (Kikebus) vorgebunden wird, um solches abbinden und die gefangenen Fische mit Leichtigkeit herausnehmen zu können. Fig. Enge, Klemme, Bedrängnis.‟ Es gibt auch noch ein friesisches Wort fak = Fischbehälter, Umzäunung im Wasser für den Fischfang; beide kommen offenbar — verwandt mit pangere von einer Wurzel pak in der Bedeutung fassen, greifen halten, umfassen, umschließen.
Fuse s. Bake.