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Die Vögel

Zweiter Akt

Dr. Owlglaß translation

Erste Szene

Ratefreund, Hoffegut, Chorführer, Chor der Vögel Ratefreund und Hoffegut treten, grotesk mit Federn besetzt, hinter einem Busch vor.

Ratefreund (mustert lachend den Hoffegut): Herrjeh, beim Zeus, da schaut bloß Den! Hab’ nie ein’ größern Spaß gesehn. Hoffegut: Was freut dich so? Ratefreund: Dein Schwingenpaar! Gleichst einem Gänsebild fürwahr, Wie’s kleine Kinder kritzekratzeln. Hoffegut: Und du, mein Lieber, ganz und gar Den rundum tonsurierten Atzeln. Ratefreund: So geht’s, wenn man sich resigniert Mit selbstgewachsnen Federn ziert! Chorführer: Was tun wir itzt? Ratefreund: Fürs erste braucht Die Stadt einen Namen, hoch erlaucht Dann gilt’s, den Göttern Opfer spenden. Chorführer: Ist dir ein Name schon bewußt? Hoffegut (vorschnell): Wenn wir sie einfach Sparta nennten? Ratefreund: Potz Herakles, das fehlte just! Wir sind von minder rauher Art: Hier wird geschmaust und nit gespart! Hoffegut: Ja wie denn sonst? Chorführer: Geh, bläh’ dich! Leim’! Aus luftigen Höh’n und Wolkenzügen, Läßt sich da nichts zusammenfügen? Ratefreund (nach einigem Besinnen): Wie wär’s mit ... Wolkenkuckucksheim? Chorführer: Großmächtig! Prächtig! Hei, juchhu! Ein herrlich Wort erfandest du! Hoffegut: Ist das dieselbe Wunderstadt, Wo Prahlhans seine Schätze hat? Ratefreund: Jawohl ... und wo auch die Giganten Durch Göttermut ein schmählich Ende fanden! Chorführer: Ein fetter Brocken, meiner Treu! .. Wer meinst du, daß ihr Schutzgott sei? Wem werden wir die Weihgewänder schenken? Hoffegut: Athene bleibt’s doch, sollt’ ich denken. Ratefreund: Ob’s einer Stadt ersprießlich geht, Drin waffenstarr ein Gottweib steht Und mancher Mann die Spindel dreht?! Chorführer: So sag’, wer unsre Mauern hüte? Ratefreund: Ein Vogel sei’s, aus persischem Geblüte, Den alle rings als Helden preisen Und drum des Ares Küchlein heißen. Hoffegut: Der Hahn als Schutzgott scheint mir nütze: Er liebt die hohen Auslugsitze! Ratefreund (zu Hoffegut, in die Hände patschend): Flugs jetzt und in die Luft hinauf! Trage den Maurern Steine zuhauf! Den Kittel aus! Mach’ Mörtel an Und laß den Kübel weiter gahn! Stell’ Posten auf! Fall’ leiterab Und auf das Feuer Obacht hab’! Rühr’ deine Wächterschelle brav Und schlaf’ dabei den Maurersschlaf! Ein’ Boten schick’ ins Götterreich, Ein’ andern zu den Menschen gleich Und alle beide dann zu mir! Hoffegut (wehleidig): Daß dich der Henker! .. Du bleibst hier ..! Ratefreund (ungeduldig): So folg’ mir doch und sei nicht träge! Wenn du nicht mittust, bring’ ich nichts zuwege. (Hoffegut geht ab) Ich aber will zum ersten Male Den neuen Göttern Opfer breiten. Ein Priester soll den Umzug leiten. (rufend): Weihwasser, he, und Opferschale! (Ab) Chor: Rauscht Beifall zu mit blanken Schwingen! Laßt uns den Göttern Opfer bringen! Ein Festzug walle Schritt vor Schritt! Durchschneidet einem Lamm die Kehle! Stimmt an die pythischen Choräle! Und Bruder Rabe dudle mit!

Zweite Szene

(Ein Festzug, mit Musikanten, dem Priester und Ratefreund an der Spitze, tritt auf; ein Rabe bläst schrill und falsch die Flöte.)

Ratefreund (fährt den Raben an): So gib’s doch auf, dich zu gehaben! Ich hörte viel, was mich entsetzt. Doch nie solch flötengellen Raben! (zum Priester): Priester, ans Werk, und opfre jetzt! Priester: Wohlan ... Wo sind die Opfergaben? (Ein Knabe überreicht ihm Korb und Weihwasser) Mit feierlicher Monotonie: Fleht zu der Vogelherdbeschützerin, Zum Habicht fleht, der überm Hause wacht, Zu den olympischen Vögeln all und Vögelinnen! Chor (respondierend): Sei mir gegrüßt, Herr, Sunionhabicht du! Priester: Und fleht zum pythischen und delischen Schwan, Zu Mutter Leto aus dem Wachtelland, Zur bunten Distelfinkin Artemis! Ratefreund: Auch Disteln sind kein übles Jagdrevier! Priester: Zum phrygischen Weinbergspatz, zur Straußin fleht, Die aller Wesen große Mutter ist! Ratefreund: So wie der Strauß, der Krieg, der Dinge Vater. Priester: Fleht, daß sie uns, den Wolkenkuckucksheimern, Schutz und Gesundheit allezeit verleihn, Uns und den Bundesfreunden! Ratefreund (belustigt): I du mein! Priester: Fleht zu der Vogelhelden Sippen auch, Zum Purpurhuhn, zum Specht, zur kropfigen Gans, Zum Feuerkopf, zum Pfau, zum Auerhahn, Zu Ente, Trappe, Eule, Meise, Mönch, Zum Geier fleht, zum Adler und zum Reiher .. Ratefreund: Hör’ auf, zum Kuckuck, du verrückter Schreier! Was lädst du denn zum Opfermahl Den Adler und den Lämmergeier? (auf das Opfer deutend): Ein einziger fräß das rattenkahl! Fahr’ ab mit deinen Priesterkränzen! Ich will das Opfer schon allein kredenzen! (Er reißt dem Priester die Opfergeräte aus der Hand; dieser geht ab) Chor: Von neuem singt den Göttern Psalmen, Indes die Opferfeuer qualmen Und heilig Wasser niedertaut! Doch darf uns nur ein Einziger hören, Weil, was wir bieten und bescheren, Nichts weiter ist als Horn und Haut! Ratefreund: Itzt betend, opfernd aufgeschaut! (schickt sich an, das Opfer darzubringen)

Dritte Szene

Ein Bettelpoet, die Vorigen

Bettelpoet (langmähnig, schmutzig und abgerissen, tritt schlotternd auf): Sing’, Muse, mit verzücktem Reim Vom seligen Wolkenkuckucksheim! Ratefreund: Was kommt denn da für ein Gestell! Wer bist du! Sag? Poet: Ich? ... Honighell Und süß rinnt meiner Lieder Quell. Ich bin ein flinker Knecht der Musen (sehr geziert) ... Um gleichsam auf Homer zu fußen ... Ratefreund: Ein Knecht? Mit diesem Lockenschwall? Poet: Nicht so ... Vielmehr .. Wir Dichter all Sind flinke Knechte hehrer Musen ... Um gleichsam auf Homer zu fußen ... Ratefreund: Flink? .. Flickbedürftig scheinst du eh’r! — Aber, Poet, was treibt dich her? Poet: Auf euer Wolkenkuckucksheim Macht’ ich so manchen süßen Reim Und viele schöne Reigensänge, Jungfrauenchöre, Bardenklänge! .. Ratefreund: I was, so viele? Und seit wann? Poet: Lang, lang sing’ ich die Stadt schon an. Ratefreund: Wie? Hab ich nicht das Kind erst eben Getauft und ihm den Namen ’geben? Poet: O ... blitzschnell wie ein Pferdehuf Flog zu mir her der Muse Ruf. — Du aber, der die Stadt erschuf, Gib mir, was dein geneigter Geist Dich mir von dir zu geben heißt. Ratefreund: Dies Übel läßt nicht mit sich spaßen, Wenn wir kein Trinkgeld springen lassen. (Zu einem Diener): Du hast ein Hemd und auch ein Koller. Tu eines ab und gib’s dem Roller! (Reicht’s dem Poeten): So, nimm das Wams und hüll dich drein. Dich friert ja bis ins Mark hinein. Poet (freudig bewegt): Nicht ohne Sympathie empfängt Die Muse das, was man ihr schenkt. Vernimm dafür des Pindar Weisen. Ratefreund: Der Mensch ist nimmer loszueisen! Poet: Es irrt ein Mann im Skythenland. Wer wob ihm wohl das Leibgewand? Ein Wams läuft ruhmlos ohne Hemd. (Den Ratefreund anstoßend): ... Verstehst du mich? Ratefreund: Potz, wie verschämt! So willst du also auch das andre? (zum Diener): Schnell, gib dem Dichter, was ihn grämt. (Wirft dem Poeten das Hemd zu): Fang’ auf und zieh dir’s an und .. wandre! Poet: Ich geh ja schon ... Zu Hause dann Dicht’ ich die Stadt von neuem an: Sing’, Muse du auf goldnem Throne, Die Stadt der frostig-kalten Zone, Allwo ich Schnee und Früchte sah ... Trala lala lala lala. (tänzelt ab) Ratefreund (ihm mit der Peitsche nachwinkend): Dein Unterzeug hast du gewonnen Und bist noch grad dem Frost entronnen! Wer hätt’ gedacht, daß dieser Hund Uns also rasch erschnüffeln kunnt’! (zum Sklaven): Von neuem bring’ das heilige Naß! (Der Opferkrug wird ihm gereicht): Neigt euch in Andacht!

Vierte Szene

Wahrsager (dazwischentretend): Laß, laß, laß! Ratefreund: Wer bist denn du? Wahrsager: Ich sage wahr. Ratefreund (die Peitsche hebend): Bald sagst du: weh! Wahrsager: Du scherzest gar? Mit Göttlichem wird nicht gefackelt! Ein uralt Seherwort orakelt Von Wolkenkuckucksheim. Ratefreund: Warum Bliebst du, eh’ daß ich’s baute, stumm? Wahrsager: Der Götter Wille wollt’s nicht leiden. Ratefreund: So magst du uns denn jetzt bescheiden. Wahrsager (aus einer Papierrolle ablesend): Aber behausen dereinst die Wölfe mit schwärzlichen Krähen Jenes Gebiet, das zwischen Korinth sich und Sikyon breitet ... Ratefreund: Was gehn mich die Korinther an? Wahrsager: Die Luft meint der prophetische Mann! (im Lesen fortfahrend): Dann so gilt es, Pandoren ein lichtweiß Böcklein zu opfern. Doch wer als erster sich naht, mein göttlich Orakel zu künden, Selbigem schenket ein reines Gewand nebst neuen Sandalen. Ratefreund: Wie? Was? Sandalen überdies? Wahrsager (ihm die Papierrolle hinweisend): Da, nimm und lies ...! (fortfahrend): Schenkt ihm die rundliche Schale und füllt ihm die Hand mit Gekröse. Ratefreund: Wenn der Prophet sich nur nicht stieß! Wahrsager (wie oben): Da, nimm und lies ...! Handelst du so, wie ich heische, dann wirst du, göttlicher Jüngling, Flugs im Gewölk ein Adler ... Sofern du’s aber verweigerst, Wirst du nicht Turteltaube noch Adler werden noch Baumspecht. Ratefreund: Ja, ist das richtig und gewiß! Wahrsager: Da, nimm und lies ...! Ratefreund: Wie anders lautet doch der Rat, Den mir Apollo selbst verschrieben hat! (Tut, als wenn er vom Peitschenstecken ablese): Naht dir ein hergelauf’ner, ein ungerufener Schwätzer, Der die Opfernden stört und sich Gekröse erbettelt, Selbem verzwiebele, was zwischen Schultern und Schenkeln sich breitet. Wahrsager (empört): Ist Lästerung und Ärgernis! Ratefreund (ihm die Peitsche zeigend): Da, nimm und lies! (wie oben): Schone des Frevelnden nicht, und wär’s ein Adler in Wolken, Wär’s ein pfiffiger Pfaff, ja wär’s der größte Prophete. Wahrsager (verdutzt): Ja, ist das richtig und gewiß? Ratefreund: Da, nimm und lies! Und jetzt zum Kuckuck! (zieht ihm mit der Peitsche eins über) Wahrsager: Weh mir, oh! Ratefreund: Hinaus! Orakle anderswo! (Wahrsager rennt von der Szene)

Fünfte Szene

Meton, der Astronom und Geometer, tritt hochgestiefelt auf, mit einer Meßstange, Winkelmaßen und einem Riesenzirkel beladen Ich komm’ zu euch ... Ratefreund: Ein neues Übel! Woher des Weges wallt dein Stiebel? Was willst denn du? Was ist dein Plan? Welch hoher Ratschluß treibt dich an? Meton: Die Luft will ich quadrangulieren Und sie in Tagwerk’ segmentieren. Das Seine mess’ ich jedem zu .. Ratefreund: Potztausend auch, wer bist denn du? Meton: Ich? Meton. Meines Geistes Kraft Rühmt Hellas und die Nachbarschaft. (Beginnt mit seinen Geräten zu wirtschaften) Ratefreund: Was nimmst du da in deine Hände? Meton: Das sind die Luftmeßinstrumente. (eifrig): Der Luftraum ähnelt doch, nicht wahr, Der Käseglocke auf ein Haar? (lebhaft gestikulierend): Ich nehme nun dies Lineal, Gekrümmt für den besondren Fall, Und setze drauf den Zirkel ein, Hier oben, sieh! ... Verstehst du? Ratefreund (kopfschüttelnd): Nein. Meton: Hernach so zieh’ ich eine Grade Und mach’ den Zirkel zum Quadrate. Der Marktplatz soll inmitten sein, Viel grade Gassen führen drein. ’s ist wie ein Stern, ganz akkurat: Die Strahlen laufen allseits grad, Und doch — er selbst ist eine Sphäre ... Ratefreund: Ein zweiter Thales! ... Aber höre! Meton: Was gibt’s Ratefreund: Ich mein’ es gut mit dir. Drum troll’ dich sacht. (eindringlich) Geh’, folge mir! Meton: Droht ein Verdruß? Ratefreund: Du sollst es wissen: Wer fremd ist, wird hier rausgeschmissen, So wie in Sparta. Es gährt im Volke. Am Himmel steht eine Prügelwolke. Meton: Seid ihr in Zwist? Ratefreund: Nicht daß ich wüßt’! Meton: Ja was denn sonst? Ratefreund: Beschlossen ist, All Schwindlerpack hinauszufegen. Meton (ängstlich): Da will ich mir doch überlegen ... Ratefreund: Tu’s nur, beim Zeus; bloß weiß ich nicht, Ob’s dazu nicht an Zeit gebricht. (Schlägt ihn mit der Peitsche): Guck’ her, da prasselt schon der Regen! Meton: O weh mir, weh! Ratefreund: Ich sagt’s ja lange! Nun zirkle dich weiter mit Winkeln und Stange! (Meton eilt ab)

Sechste Szene

Ein Zöllner, prunkhaft gekleidet, tritt auf: Wo sind die athenischen Syndici? Ratefreund: Was für ein Sardanapal naht hie? Zöllner: Ich komm als Zöllner in eure Stadt, Weil mich das Los getroffen hat. Ratefreund: Als Zöllner? Wer entsandte dich? Zöllner (ein Papier vorweisend): Hier dies Diplom beglaubigt mich. Ratefreund: Bist du geneigt, wenn wir dir zollen, Dich ohne Umschweif heimzutrollen? Zöllner: Und ob! ... ’s ist Volksversammlung heut, Da hab’ ich ein Geschäft bereit Für meinen persischen Satrapen. Ratefreund (zieht ihm mit der Peitsche eins über): So nimm und lauf’! Hier ist der Zoll! Zöllner (auffahrend): Ich frage, was das heißen soll?! Ratefreund (peitscht ihn nochmals): Bring’s deinem persischen Satrapen! Zöllner (gegen das Publikum): Ihr zeuget mir: mich peitschte Der, Als ob ich kein Beamter wär’! Ratefreund: Wirst du dich jetzt wohl selbst verfrachten? (peitscht ihn hinaus) Da schicken sie schon Zöllner her, Noch eh’ wir Götteropfer brachten!

Siebente Szene

Ein >Händler mit Volksversammlungsbeschlüssen, einen dicken Zettelpacken unterm Arm und eine Ausruferschelle schwingend, tritt auf.

Händler (feierlich vorlesend): Falls aber ein Wolkenkuckucksheimer sich der Beleidigung eines Atheners schuldig machen sollte ... Ratefreund: Was weißt denn du für schlimme Mär? Händler: Ich bring’ euch Volksbeschlüsse her, Gesetze, nagelneu und frisch. Nur eingekauft! Ratefreund: Lies deinen Wisch! Händler (vorlesend): Es erscheint geboten, daß die Wolkenkuckucksheimer sich der nämlichen Maße, Gewichte und Volksversammlungsbeschlüsse bedienen wie die Eulenhuter ... Ratefreund: Dich bring’ ich gleich zum Heulen, Luder! (peitscht ihn) Händler: Oho! Ratefreund: Fort mit Gesetz und Schein, Sonst geb’ ich dir was Bittres ein! Gleich heut’ noch! (jagt ihn hinaus)

Achte Szene

Zöllner (wieder auftretend): Ratefreund, wir treffen Von wegen Torts, der mir geschah, Uns nächsten Monat vor den Schöffen! Ratefreund: Wahrhaftig! Bist du auch noch da? Händler (wieder auftretend): Sofern jedoch Einer den Beamten die Tür weist und sie nicht aufnimmt, gemäß den Bestimmungen des Gesetzes ... Ratefreund: O jeh, auch du? Händler (drohend): Ich will dich knuten! Du sollst zehntausend Drachmen bluten! Ratefreund: Versuch’ erst meine Peitschenschnur! (peitscht ihn hinaus) Zöllner (höhnisch): He, weißt du noch, wie du bei Nacht Des Hermes Säule vollgemacht? (rennt weg) Ratefreund (hinter ihm her): Pfui Kuckuck! Drauf! ... Wo blieb er nur? — — — — — — — — — — — — — — — — Jetzt aber fort vor allen Dingen, Das Götteropfer darzubringen! (Mit seiner Begleitung ab)

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