Erster Akt
Dr. Owlglaß translation
Erste Szene
Hoffegut, eine Dohle auf der Hand, und Ratefreund mit einer Krähe, kommen mühsam über die Felsen geklettert. Beide tragen Bratspieße geschultert, an denen etliche Töpfe und Krüge baumeln.
Hoffegut (zur Dohle): Gradaus meinst du, dem Baum dort zu? Ratefreund (zur Krähe): Daß du zerplatztest, Mistvieh du!... Die krächzt zurück! Hoffegut: Übel beraten Spulen wir ab des Weges Faden. Die Berge auf, die Berge ab Irrlichtelieren wir ins Grab. Ratefreund: Ich Narr! Ließ mich von der Krähe fangen! Bin tausend Meilen umgegangen! Hoffegut: Ich Ärmster! Folgte dem Dohlenschrei Und stieß mir die Zehennägel entzwei! Ratefreund: Wo sind wir bloß in aller Welt? Hoffegut: Du fändest nimmer heimwärts, gelt? (Stößt an einen Stein) O wehe! Ratefreund: Ist just ein Weg für deine Zehe! Hoffegut: Uns hat der Vogler bös genarrt, Der gallengelbe Widerwart. Die sollten uns zu Tereus weisen, Zum Vogel Wiedehopf? .. Ja .. Meisen! Ein’ Batzen galt die Dohle, drei Galt deine Krey —, Und was verstehn sie? Zuzubeißen! (zur Dohle) Du schnappst? Was soll das wieder heißen? Willst uns den Fels hinunterschmeißen? Das wär’ fürwahr ein sondrer Weg! Ratefreund: Beim Zeus, ich seh’ nicht Pfad noch Steg. Hoffegut: Und deine Krähe? Weiß sie Kunde? Ratefreund: Krächzt anders als vor einer Stunde. Hoffegut: Was meint sie zu dem Weg? Ratefreund: Sie sagt, Daß sie die Finger mir abe hackt. Hoffegut: ’s ist arg: wir, die zum Kucker wöllen, Wir wohlbesohlte Wanderg’sellen, Wir müssen itzt den Weg verfehlen! (gegen die Zuschauer) O teilnahmsvolles Publikum, Uns treibt ein ander Übel um Als den, der an der Stadtsucht leid’t Und seinem Dorf entrinnen möchte; Wir sind aus noblem Stadtgeschlechte, Sind gute Städter, echte, rechte, Und doch, von keiner Faust bedräut, Aus unsrer Stadt in weitem Bogen Mit gleichen Füßen ’rausgeflogen. Ihr meint, weil wir sie haßten? Nein. Groß ist sie von Natur und fein, Und offen stehen ihre Türen All denen, die ums Geldverlieren Prozesse führen. Ein’n Monat oder zwei im Jahr Gilft in den Büschen die Grillenschar. Aber vor Gericht der Athener Sang Dauert das ganze Leben lang. Drum sind wir hier mit Sack und Pack, Suchen einen Ort nach unsrem Schmack, Wo nit Rechtstreit’ und Händel brennen, Wo wir im Frieden hausen können. Zum Wiedehopf führt unser Pfad, Ob er die so beschaff’ne Stadt Vielleicht im Flug eräuget hat. Ratefreund: Du! Hoffegut: Nun, was gibt’s? Ratefreund: Die Krähe weist Nach oben. Hoffegut: Auch die Dohle beißt Grimmig nach oben, will mir was künden. Mich dunkt, da müssen sich Vögel finden. .. Ein bissel Lärm wird’s gleich ergründen. Ratefreund (scherzend): Schlag das Bein Ans Gestein, Gleich so fallen die Vögel ein. Hoffegut: Und du den Kopf, ’s wird lauter sein! Ratefreund: Ich nähm’ doch lieber einen Stein! Hoffegut: Gut, wenn du meinst. (klopft mit einem Stein an eine Felswand) He, Wirtschaft! Ho! Ratefreund: Ei was — nit so! Wirtschaft statt Wiedhopf! Qui pro quo! Hoffegut: He, Wiedehopf! (lauscht) Kein Laut ... Meinst, daß ich nochmals klopf’? (tut’s) He, Wiedehopf!
Zweite Szene
Zaunschlüpfer, Hoffegut, Ratefreund
Zaunschlüpfer (fährt mit weit offenem Schnabel aus einem Busch): Wer seid ihr? Wer ruft meinem Herrn? Hoffegut prallt entsetzt zurück; Ratefreund fällt rücklings zu Boden und bleibt liegen bis zum Abgang des Zaunschlüpfers; Krähe und Dohle entflattern. Hoffegut: Hilf Himmel! Welch ein Schnabelsperrn! Zaunschlüpfer (nicht minder erschrocken): O weh, o weh! Zwei Vogelfänger! Hoffegut: Bist mir ein schöner Gastempfänger! Zaunschlüpfer: Daß ihr verdürbet! Hoffegut: Laß doch, laß! Wir sind ja keine Menschen! Zaunschlüpfer: Was? Hoffegut: Ich bin das Vöglein Fürchtefist Aus Lybien. Zaunschlüpfer: Wenn ich’s glauben müßt’! Hoffegut (hinter sich weisend): So guck’, was mir entfallen ist! Zaunschlüpfer: Wie wird dein Kamerad genannt? Ratefreund (stotternd): Ka .. Kackrich aus Fasanenland. Hoffegut: Und du? Was bist du für ein Vieh? Zaunschlüpfer: Ein Vogelknechtlein bin ich. Hoffegut: Wie? Zaunschlüpfer: Mein Herr, da er zum Wiedhopf ward, Wollt’ einen Diener gleicher Art, Heischt’, daß ich ein Vöglein werden möchte. Hoffegut: Ja braucht denn auch ein Vogel Knechte? Zaunschlüpfer: Der schon, weil er einst Mensch gewesen. Bald will der Herr Sardellen essen: Da schlupf’ ich mit der Schüssel fort; Bald Brei, und hat nicht Topf noch Löffel: Gleich schlupf’ ich hin zum Löffelbord. Hoffegut (gegen die Zuschauer): Heißt Zaunschlupf drum, der gute Töffel! .. He, weißt’ was? ruf’ uns deinen Herrn! Zaunschlüpfer: Das tu ich, meiner Treu, nit gern. Hat eben Myrten und Mucken verzehrt, Ärgert sich, wenn man sein Schläfchen stört. Hoffegut: Ach was ... geh, weck’ ihn! Zaunschlüpfer: Euch zuliebe. Aber mir schwant, für mich setzt’s Hiebe. (schlüpft in den Busch zurück)
Dritte Szene
Ratefreund, Hoffegut
Ratefreund (langsam sich aufrichtend und dem Zaunschlüpfer nachdrohend): Verreck! .. Hab’ mich zu Tod erschrocken! Hoffegut: Mir ist die Dohl’ vor Angst verflogen. Ich Unglückselger! Ratefreund: Feigstes Tier! Weil du dich forchtest, entkam sie dir. Hoffegut: Soso .. Und als du fielst, mein Sohn, Ließest du nicht die Krähe davon? Ratefreund: Ich nicht. Hoffegut: Wo ist sie? Ratefreund: Selbst entflohn! Hoffegut: Du ließest sie nicht? ... Du Mordspatron!
Vierte Szene
Wiedehopf, Hoffegut, Ratefreund
Wiedehopf (hinter der Szene): Tu auf den Wald, ich will hinaus! (Ein Busch öffnet sich; der Wiedehopf, eben in der Mauser, kommt zum Vorschein) Hoffegut (den Ratefreund anstoßend): O Herakles! Was für ein Augenschmaus! Sieh bloß das Gefieder! Den dreifachen Busch! Wiedehopf: Wer sucht mich da? Hoffegut (halb für sich, mit entsprechender Geste): Es scheint, dich wusch Die Hand der zwölf Götter ... Wiedehopf: Ihr spottet mein? Und meines Gefieders? ... Fremdlinge, wißt: Ich war ein Mensch. Hoffegut: Wir lachen nit dein .. Ratefreund: Bloß weil du so lächrig geschnäbelt bist. Wiedehopf: Derart als Tereus ausstaffiert Hat Sophokles mich verschimpfiert. Hoffegut: Wie? Tereus bist du? Ein Vogel? .. Ein Wunder? Wiedehopf: Ein Vogel. Hoffegut: Wo sind deine Federn jetzunder? Wiedehopf: Sind ausgegangen. Hoffegut: Bist krank gewesen? Wiedehopf: Nein. Winters han wir Federlesen. Da mausern wir all und kriegen sie neu. ... Aber was seid denn ihr für zwei? Hoffegut: Wir? Sterbliche. Wiedehopf: Und wo stammt ihr her? Hoffegut: Wo die schönen Schiffe sich wiegen im Meer. Wiedehopf: Ihr seid .. Geschworne? Hoffegut: Nein. Im Zorn Han wir der Sippe abgeschwor’n. Wiedehopf: Sät man dort mehr von solchem Korn? Hoffegut: Auf abgelegnen Ackergründen Magst du vielleicht noch etlichs finden. Wiedehopf: Was ist der Reise Zweck und Drum? Hoffegut: Dir zu begegnen. Wiedehopf: Und warum? Hoffegut: Du warst ein Mensch wie wir — einmal Und machtest Schulden wie wir — einmal Und zahltest nicht gern wie wir — einmal. Hernach bist du ein Vöglein worden, Flogst kreisend über Land und Meer, Und was der Menschen und Vögel Begehr, Das bist du alles inne worden. Drum sind wir zwei zu dir gereist, Ob du wohl eine Stätte weißt, Wo wir uns wollig betten könnten. Wiedehopf: Noch größer als Athenens Stadt? Hoffegut: Nein, aber linder aller Enden. Wiedehopf: So bist du ein Aristokrat? Hoffegut: Das wäre just mein Gusto nicht. Wiedehopf: Worauf ist euer Sinn gericht’t? Hoffegut: Da wünscht’ ich mir als schlimmste Sorgen: Ein Freund besuchte mich am Morgen Und spräche: „He, beim Zeus, geschwind Komm du zu mir mit Kegel und Kind, — Das heißt, wenn sie gewaschen sind! Ein Festmahl dampft mir in der Küchen. .. Nein, Freund, hier wird nicht ausgewichen! Sonst magst mir gerne draußen bleiben, Wenn’s gilt, die Sorgen zu vertreiben!“ Wiedehopf: Du liebst die Mühsal, meiner Treu! (zu Ratefreund): Und du? Ratefreund: Da bin ich auch dabei. ’s müßt Einer auf mich losspazieren, Der einen knuspern Knaben hat, Und tiefgekränkt mich inquirieren: „Grad kam mein Söhnlein aus dem Bad, Vom Turnplatz her. Warum, du Tropf, Nahmst du ihn nicht verliebt beim Schopf? Warum hast ihm nicht angepfiffen, Ihn abgeküßt und ausgegriffen? Und willst mein Freund von langher sein!“ Wiedehopf: Das sind mir saubre Träumerein! Doch wüßt’ ich euch am roten Meer Solch gnadenreiche Stadt .. Hoffegut: Nein nein, Bloß nicht am Meer! Auf einmal schwimmt ein Schiff daher, Setzt einen Büttel an den Strand .. Nein .. weißt du nichts im griechischen Land? Wiedehopf: Könntet ja zu den Leprosen entschweben. Hoffegut: Sind mir ein Greuel und ein Graus! .. Aber wie sieht’s bei euch Vögeln aus? Du mußt’s ja wissen. Wiedehopf: Kein ungut Leben! Man braucht kein Geld nicht auszugeben .. Hoffegut: So sparst dir Trug und Schwindel viel. Wiedehopf: Wir treiben in Gärten unser Spiel, Weiden in Mohn und Sesam und Myrtenzweigen .. Hoffegut: Fürwahr: ein ewiger Hochzeitsreigen! Ratefreund (aus tiefster Versonnenheit heraus): O, oho! Mir weist mein Geist ein’n hohen Plan Und Regiment der Vögel an ... Aber ihr müßt euch folgsam zeigen! Wiedehopf: Worin? Ratefreund: Worin? Fürs erste flattert Nicht offnen Schnabels weit herum, Weil ihr so keinen Respekt ergattert. Sieht man bei uns solch flüchtig Treiben, Gleich spricht das liebe Publikum: „Ein leichter Vogel! Ein loser Fink! Ein Unverlaß! Luftibus! Flitzeflink!“ Wiedehopf: Tätst uns nicht eben falsch beschreiben .. Aber wie wenden wir das Blatt? Ratefreund: Erbaut selbander eine Stadt. Wiedehopf: Was wir für eine bauen kunnten?! Ratefreund: Sei bloß kein Tor! .. Komm, schau nach unten! Wiedehopf: Ich schau’. Ratefreund: Nach oben ebenfalls! Wiedehopf: Ich schau’. Ratefreund: Und nun dreh’ flugs den Hals! Wiedehopf: Was nutzt’s, wenn ich ihn mir verrenke? Ratefreund: Siehst was? Wiedehopf: Nur Himmel und Wolkenbänke. Ratefreund: Ist’s nicht fürwahr der Vögel Statt? Wiedehopf: Statt? Ei, wieso? Ratefreund: Kannst auch Stätte sagen. Man nennt sie so, weil früh und spat Alles hier seinen Durchgang hat Und also wohl von Statten gat.. Ihr müßt bloß bauen und Schanzen schlagen, So wird die Stätte — eine Stadt. Die Menschen habt ihr dann am Kragen, Als wären’s Grillen im Felde draus, Und hungert die himmlischen Götter aus. Wiedehopf: Wie? Ratefreund: Zwischen Himmel und Erdental Breitet sich doch die Luft zumal. Wie uns, wenn wir nach Delphi wollen, Die Böotier den Durchgang verzollen, So sollt ihr, bringen am Altar Die Menschen Götteropfer dar, Der fetten Dünste Aufstieg versperren, Wenn sie euch nicht zollen, die himmlischen Herren! Wiedehopf (jubelnd): Hui, Juchhu! Potz Schlingen, Netz und Garn und Erd’, Hab’ nie einen feineren Plan gehört! Möcht’ wohl mit dir die Stadt erbauen, .. Wenn dem die andern Vögel nicht mißtrauen! Ratefreund: Wer soll ihnen aber den Handel klären? Wiedehopf: Du. .. Ich tät sie die Sprache lehren. Eh’ daß ich zu ihnen kommen war, Krähten sie gleich Barbaren gar. Ratefreund: Wie wirst du sie zur Stelle bringen? Wiedehopf: Ganz leicht .. Ich wecke mein Gemahl, Tief drin im Busch die Nachtigall: Wir wollen sie zusammensingen. Hören sie unsrer Stimmen Schall, Wern sie sich alle hierher schwingen. Ratefreund: Du liebstes Vöglein! Flugs! Huschhusch! Und weck’ die Nachtigall im Busch! (Wiedehopf ab.)
Fünfte Szene
Wiedehopf (hinter der Szene), Hoffegut, Ratefreund
Wiedehopf (singt): Erwache, Freundin! Auf, wach’ auf! Stimm’ an hochheiliger Lieder Sang! Laß deiner Kehle freien Lauf Und heiß’ die süße weinen, Aus dunkler Brust, schmetternd und bang, Um meinen Sohn und deinen! Klar dringt der Klage Widerhall Durch schwarzer Eiben Düsterkeiten Hinauf bis in den Göttersaal. Da lauscht Apoll und rührt die Saiten, Harfner und Reigenführer zumal. Und die Unsterblichen begleiten In seligen Chören deine Qual. (Flötenmusik hinter der Szene) Hoffegut: Beim Zeus! Wie süß das Vöglein ruft! Umspinnt den Busch mit Honigduft! Ratefreund: Du! Hoffegut: Nun? Ratefreund: Schweig’ doch! Hoffegut: Was ist denn bloß? Ratefreund: Der Wiedehopf legt schon wieder los. Wiedehopf (immer noch im Busch, singt, von der Nachtigall begleitet): Epopopopopopopoi! Io, Io, Ito, Ahoi! Herbei, Mitvögel ihr, Genossen, Die ihr auf weiten Feldern haust, Wo reich die Sommerhalme sprossen! Ihr tausend Stämme Gerstenbrocker Und, die ihr durch die Lüfte saust, Ihr Scharen kleiner Furchenhocker, Die zwitschernd ihr das Korn zermürbt Und sangesfroh Die braune Scholle zart umzirpt! Tjo, Tjo, Tjo, Tjo! Ihr all’, die ihr in Gärten wohnet Und im Gerank des Efeus thronet, Bergläufer ihr und Ölbaumschröpfer Und Erdbeerköpfer: Euch ruft mein Mund! Flugs! Flix! Trioto, Trioto, Totobrix! Ihr Muckenschnapper im feuchten Grund Und alle, die auf tauigen Wiesen Sich gütlich tun, Wo Marathons Gefilde sprießen, Und du, mein Vöglein Haselhuhn, So flügelbunt! Ihr, die ihr über Meereswogen In Schwärmen froh dahingezogen Mit Sturmeisvögeln, all hieher! Ich will euch künden neuste Mär! Langhalsige Vögel, all hieher! Es kam ein Greis in unsre Berge, Scharfsinnig und gedankenschwer, Ein Unternehmer neuer Werke. Hieher, hieher, hieher, hieher! Toroto, toroto, toroto, torotix! Kikkabau! Kikkabau! Torotorotorotorolililix! Hoffegut: Siehst einen Vogel? Ratefreund: Nein, Kotz Knauf! Und sperr’ das Maul gen Himmel auf! Hoffegut: Tät der im Busch mit seiner Stimmen Umsonst den Regenpfeifer mimen?
Sechste Szene
Ratefreund, Hoffegut, Wiedehopf, Flamingo, Hahn, Zweiter Wiedehopf, Pelikan, Chor der Vögel, Chorführer.
Flamingo (hereineilend): Torotix! Torotix! Ratefreund: Sieh’ her! Da stelzt was ... buckelt ... knicks! Hoffegut: Wahrhaftig, ja. Was ist’s? Ein Pfau? Ratefreund (auf den wieder heraustretenden Wiedehopf deutend): Der Wiedehopf sagt’s uns genau. Wiedehopf: ’s ist keiner von der gewöhnlichen Sorte, Bewohnt die Sümpf’ und feuchten Orte. Hoffegut: Wie ist er schön und rot als Flammen! Wiedehopf: Flamingo heißt er drum mit Namen. (Ein Hahn rennt herein und kräht) Hoffegut: He, du! Ratefreund: Was brüllst? Hoffegut: Da ist noch ein andrer! Ratefreund: Beim Zeus! Nit minder unbekannt! Wie ist der Sangprophet genannt, Der seltsam stolze Bergbewandrer? Wiedehopf: Ein Hahn ist’s aus dem Mederland. Ratefreund: O Herakles! Ein Meder der? Wie flog er ohne Kamel daher? (Ein dritter Vogel, auch ein Wiedehopf, tritt auf) Hoffegut: Schon wieder einer mit buschigem Kopf! Ratefreund: Wie? was? Ein zweiter Wiedehopf? Ja gibt’s denn ihrer mehr? Wiedehopf: Gewiß! Mein Enkel. Ratefreund: Wie er die Federn ließ! Wiedehopf: Was bei Gericht man nicht gerupft, Han ihm die Weiber ausgezupft. (Ein Pelikan kommt hereingewatschelt) Ratefreund: Und dieser hier, der bunte Gauch, Wer ist es denn? Wiedehopf: Heißt Schlag / in / Bauch. Ratefreund: So gibt’s bei euch die Sorte auch? ... Aber wozu die grimmen Büsche Und Federwische? Wiedehopf: Wer Prügel meidet und Gefahr, Der duckt sich hintern Busch; nicht wahr? (Es erscheinen gleichzeitig Schwärme von Vögeln) Ratefreund: Poseidon, hilf uns! Welch Getümmel Zieht als ein Wetter auf am Himmel! Hoffegut: Wie Wolken senkt es sich geschwind! O weh! Vor Flattern werd’ ich blind! Ratefreund: Ein Rebhuhn, sieh, ein Haselhähnchen, Ein Enterich, ein Goldfasänchen ... Und da ist eine Eule zu sehn! Hoffegut: Wer trägt denn Eulen nach Athen! Ratefreund: Und Häher, Taube, Stiegelitz, Weih, Sperber, Blutfink, Emmeritz, Turmfalke, Kuckuck, Taucher, Star, Schopflerche, Habicht, Specht und Aar! Hoffegut: Jejeh! Die Vögel, die Drosseln hie! Wie piepsen und zwitschern und kreischen sie! Ist ein Gewusel und Gelauf! Weh! sie sperren die Schnäbel auf! Drohen und äugen zu dir, zu mir! Ratefreund: Auch mir kommt’s nit geheuer für. (Beide drücken sich in einen Busch) Chor der Vögel (aufgeregt umhertrippelnd): Wo / wo / wo / wo / wo / wo / wo ist, Der uns zu rufen sich vermißt? Wiedehopf: Hier wart’ ich lang schon, treu den Magen. Chor der Vögel: Wie? Wie? Wie? Was weißt du zu sagen? Wiedehopf: Ein sicher Wort, süß und gerecht, Das einem Jeden Nutzen brächt’ ... Zwei Männer kamen her, zwei Weise ... Chor der Vögel (erschrocken): Wie? Wo? Was sagst? Wiedehopf: Zwei kluge Greise, Zwei Menschen, rückten bei uns an Mit eines Riesenwerkes Plan. Chorführer (entrüstet): Waaas? .. O du schlimmster Widerpart, Seitdem ich aufgepäppelt ward! Wiedehopf: Bloß keine Angst! Chorführer: Was wirst mir tun? Wiedehopf: Ei nun: Zwei Männer hab’ ich aufgenommen. Wollten in unsre Gemeinschaft kommen. Chorführer: Das tatest du? Wiedehopf: Und freue mich. Chorführer (um sich blickend): Sind gar schon hie? Wiedehopf: So gut wie ich. Chor (jammernd): Weh uns! Verraten! Ein Frevel unerhört! Der einst als Freund mit uns die Saaten Draußen im weiten Land verzehrt, Hat alte, gute Sitten, Er hat den Eid der Vögel überschritten! Hat uns in eine Falle geladen, Dem frevelnden Geschlecht verraten, Das wider uns, seitdem es lebt, Nur Feindschaft webt! Chorführer (drohend gegen den Wiedehopf): Mit dir Wird es sich später schon noch weisen! Aber die Alten müssen wir Alsbald nach Recht und Billigkeit zerreißen! Ratefreund (hinterm Busch): Aus ist’s! Hoffegut: Das hast du eingerührt! Warum hast mich hieher geführt? Ratefreund: Ich wollt’ da .. nit alleinig weilen. Hoffegut: Und ich sollt’ bittre Tränen heulen! Ratefreund: Wie willst du weinen, dummer Wicht, Wenn’s an den Augen dir gebricht?! Chor der Vögel: Auf, auf! Herzu! Herbei! Heran! Greift mörderisch die beiden an! Im Schweben Schlaget die Schwingen, umzingelt sie rund, Sie sollen laut aufjammern und Dem Schnabel Beute geben! Da schirmt kein Hügel schattenschwer, Kein himmlischer Nebel, kein graues Meer Der beiden Flüchtigen Leben! Chorführer: Zaudert nicht, rupft und hackt! He, Waibel, rechtseits angepackt! Hoffegut (hin- und hertäppelnd): Da haben wir’s! Wo renn’ ich hin? Ratefreund: So bleib’ doch! Hoffegut: Daß mich die da schinden? Ratefreund: Wie denkst du ihnen zu entfliehn? Hoffegut: Weiß nit. Ratefreund: Paß auf, ich will dir’s künden: Wir müssen bleiben! Müssen uns mit den Töpfen wehren! Hoffegut: Die wern sich grad um Töpfe scheren! Ratefreund: Die Eule kannst damit vertreiben. Hoffegut: Aber der Krallenkrummen Hauf? Ratefreund: Pflanz’ deinen Bratspieß vor dir auf! Hoffegut: Und vor die Augen halt’ ich was? Ratefreund: Da nimm als Schild den Krug mit Essig. Hoffegut: Wie weise, schlau und feldherrnmäßig! Du übertriffst den Nikias! Chorführer: Drauf! Schnabel vor! Rupft ohne Zauderei! Schlagt zu! Haut erst den Feuertopf entzwei! (Die Vögel rücken vor) Wiedehopf (beschwichtigend dazwischentretend): Was soll das? Seid ihr bei Verstande? Wollt wider diese Männer an? Haben euch nichts zuleid getan, Sind meiner Frauen Anverwandte! Chorführer: Soll’n wir sie eh’r denn Wölfe schonen? Sag’, wo uns schlimmre Feinde wohnen? Wiedehopf: Im Herzen Freund — wenn auch vom Feindesstamm — Wollen sie uns was Nützes schenken... Chorführer: Das Nütze kann ich mir ja denken! Waren doch schon den Ahnen gram! Wiedehopf (eindringlich): Auch von den Feinden lernt der Weise. Die Vorsicht ist der beste Schild. Du lernst sie nicht im Freundeskreise, Dich zwingt zu ihr, wer bös gewillt. Vom Feinde lernten sie in den Städten Mauern und Kriegsfahrzeuge bau’n, Denen sie Gut und Blut vertrau’n .. Und solche Lehre tät sie retten. Chorführer (nach einigem Besinnen, zögernd): Nun denn ... dieweil’s ersprießlich scheint .. Gewiß: Man lernt ja auch vom Feind .. Ratefreund (zu Hoffegut): Die Wut läßt nach. Zurück jetzt! Schritt vor Schritt! Wiedehopf (zum Chorführer): Recht so ... und tut mir’s zu Gefallen! Chorführer: Du weißt, wir gingen sonst bei allen Vorschlägen ohne Zaudern mit. Ratefreund: Die Friedsamkeit greift in die Breit’ und Quere. Stell’ Topf und Schüsseln still zur Erd’ Und wandle mit dem Bratenspeere Randlängs um unsern Waffenherd, Scharf äugend nach dem Feindesheere. Denn, ach, zu fliehn ist uns verwehrt! Hoffegut: Wenn sie uns aber doch erschlügen, Wo würden wir da eingescharrt? Ratefreund: Am Töpfermarkte, wo die Helden liegen. Um dort ein Ehrengrab zu kriegen Vermelden wir dem Totenwart: Wir starben und sind nit entloffen Im heißen Kampf bei Vogelhofen. Chorführer (zum Chor): Haltet ein! Zurück in eure alten Reih’n! Duckt euch, legt abe Grimm und Mut, Wie der Soldat mit seiner Rüstung tut! ... Und itzt zu diesen fremden Mannen: Wes Geistes Kinder sie, von wannen Und was sie planen. He, Wiedhopf! Wiedehopf: Was ist dein Begehr? Chorführer: Wer sind die beiden und woher? Wiedehopf: Kommen vom weisen Griechenland. Chorführer: Was hat sie grad zu uns gewandt? Wiedehopf: Der Trieb, nach eurer Art zu leben, Mit euch zu weben und zu streben, Ja zu verkleben .. Chorführer: Wie? Was ist ihrer Reden Sinn? Wiedehopf: Ganz unerhört, kaum zu verstehen! Chorführer (auf Ratefreund deutend): Dünkt’s diesem Alten ein Gewinn, Wenn wir mit ihm zusammengehen? Wir sollen ihn wohl unterstützen, Den Feind zu zwingen und dem Freund zu nützen? Wiedehopf: Er kündet uns ein glückhaft Wort, Unsagbar, nicht zu glauben! Höre! Er sagt, daß alles rundum: da und dort Und wieder dort, daß Alles — uns gehöre! Chorführer: Rast er? Wiedehopf: Nein, er ist bei Verstand. Chorführer: Ist er auch klug? Wiedehopf: Der schlauste Fant! Ein Gauner, Fuchs, gerieben, hell! O, ein Verstand wie allerfeinstes Mehl! Chorführer (eindringlich): Dann soll er reden! Sag’s ihm! Schnell! Schon wenn du sprichst, fühl’ ich beglückt, Wie mich’s in allen Federn jückt! Wiedehopf (zu den beiden Athenern): So rüstet ab und legt’s zuhauf Und hängt die Waffen in der Küche auf! (zu Ratefreund): Du aber sprich und künde diesen, Warum wir sie zusammen kommen ließen. Ratefreund: Ich tu’ s nit ohne festen Kontrakt, Wie einst mit seiner Fraue Der Messerschmied, der affenschlaue: Daß ihr mich weder beißt noch an dem Säckel packt Noch anbohrt ... Chorführer: Wo? (sich auf den Hintern klopfend): Du meinst wohl hie? Nie! Ratefreund: Die Augen mein’ ich. Chorführer: Einverstanden. Ratefreund: Beschwöre mir’s! Chorführer: Ich schwör’s zu Handen: So wahr ich hier mit diesem Spiel Kritik und Publikum gewinnen will! Ratefreund: Top! Chorführer: Halt ich aber keinen Frieden, Sei schnöder Durchfall mir beschieden! (an die Vögel gewandt): Hört an, ihr Völker! Schultert eure Speere Und zieht nach Haus und wartet weitrer Märe! (Ein Teil der Vögel ab)
Siebente Szene
Chorführer, Chor der Vögel, Ratefreund, Hoffegut, Wiedehopf. Später die Nachtigall.
Chorführer: Was sie in allewege tut: Voll Tücke steckt die Menschenbrut .. Doch rede! Hast mir vielleicht was Nützes abgesehn? Geheime Kräfte, die ich blöde Nit konnt’ erspähn? So künde, was dir aufgefallen! Es soll das Glück, das du verheißt, Auf mich und dich, auf beide niederfallen. Was trieb dich her? Was sinnt dein Geist? Wir halten den Vertrag .. Sprich du nur dreist! Ratefreund (großartig): Bei Gott, schon schwillt in mir ein Wort Und gährt und treibt in einem fort Und sprengt mir schier die Wände. Ich muß es kneten und ich kann’s .. (gegen einen Sklaven): He, einen Kranz! Und Wasser für die Hände! Hoffegut: Gibt’s was zu schmausen? Oder wie? Ratefreund (zu Hoffegut): Nein .. Schon seit langem drängt’s mich hie, Ein wahrhaft großes Wort zu künden, Ein in sich selbst gefestetes, Saftstrotzendes, gemästetes, Um ihre Seelen zu entzünden. (zum Chor): .. Was tut ihr Vögelein mir leid, Daß ihr nicht mehr, wie früher, Könige seid! Chorführer: Wir Könige? Ja über wen? Ratefreund: Über alles, was ist: über mich, (auf Hoffegut deutend) über den, Ja selbst über Zeus ... Ihr habt ältere Ahnen Als Kronos oder die Schaar der Titanen. Ihr wart — vor der Erde! Chorführer: Der Erde? Ratefreund: Jawohl. Chorführer: Das hört’ ich nie noch, beim Apoll! Ratefreund: Warst eben faul in der Schülerzeit! Dir ward der Äsop nicht eingebläut! Da steht von der Haubenlerche zu lesen, Daß sie der erste Vogel gewesen. Noch vor der Erde ... An einer Seuchen Tät ihr der Vater stracks erbleichen. Und weil’s noch keine Erde gab, Kam er fünf Tage nicht ins Grab, Bis daß sie ihm in ihrer Not Den eigenen Kopfbusch als Ruhstatt bot. — — — — — — — — — — — — — — — — Weil ihr also vor Göttern und Erde wart, Dünkt’s euch da nicht die rechte Art, Ihr, als die ältesten, wäret die Herren? Hoffegut: Laß dir nur gleich einen Schnabel stehn! .. Bloß wird sich Zeus dagegen sperren, Vorm Eichelspecht ins Ausgeding zu gehn! Ratefreund: Daß die Vögel und nit die Götter vor Zeiten Uns Menschen lenkten und betreuten, Dafür sind der Exempel viel. Erst nenn’ ich euch zu solchem Ziel Den Hahn... Er hätt’ den ersten Platz Als Herr der Perser aufzuweisen, Noch vor Darius und vor Megabaz .. Daher sie ihn den Perservogel heißen. Hoffegut: Drum stelzt er wie ein grimmer Schach Und hat ein’n Spitzhut auf dem Dach! Ratefreund: So mächtig war er, stolz und groß, Daß jetzt noch in der Frühe, kräht er bloß, Ein jeder flugs zum Tagwerk zieht: Der Häfner, Gerber und Kupferschmied, Der Schuster, Bader und der Melber, Der Leyerschilderdrechsler selber .. Und auf Sandalen schreiten alle sacht Hin durch die Nacht. Hoffegut: Ein’n wullenen Mantel, daß ihr’s wißt, Hab ich durch diesen Vogel eingebüßt. Zur Kindstauf’ hätt’ man mich gebeten. Ich trank mir Einen an, bevor Die andern Gäste schmausen täten .. Und döselt’ ein ... Die Hähne krähten. „’s ist Morgen!“ denk’ ich, eil’ ans Tor .. Da haut mich einer hinters Ohr. Ich fall’ .. Ich schreie mordio! .. Mein Mantel war schon anderswo! Ratefreund: Der Griechen König war der Weih. Chorführer: Der Griechen? Ratefreund: Ja. Er tät sie lehren, Daß es am Platz und nötig sei, Als König ihn im Staube zu verehren. Hoffegut: Beim Dionys, ich hab’s erlebt! .. Ich seh’, wie einer ob mir schwebt .. Fall’ offnen Maules aufs Gesäß .. Da rutscht mir aus der Backenhöhle Ein Groschen meuchlings in die Kehle .. Ich fand’s nicht zweck- und wunschgemäß! Ratefreund: In Ägypten und im phönikischen Land Das Regiment beim Kuckuck stand. Und wenn der Kuckuck „Kuckuck!“ rief, All Volk ins Feld zur Ernte lief. Hoffegut: Daher kommt wohl das Sprüchel gar: Hinaus, zum Kuckuck, du beschnittne Schaar!? Ratefreund: So wohlbegründet war ihr Gubernieren, Daß in jedwedem Königshaus, Bei Agamemnon und bei Menelaus, Ein Vogel auf dem Szepter saß Und, ließ die Majestät sich schmieren, Mit von der milden Gabe aß. — — — — — — — — — — — Doch am erstaunlichsten ist das: Selbst Zeus, der itzt die Welt regiert, Ein’ Adler auf dem Haupte führt, Als Zeichen für sein Königtum. Sein Töchterlein hat eine Eule; Apoll, dem Diener, ward ein Falk zu teile .. Chorführer: Wohlwohl. Sag bloß: wozu? warum? Ratefreund: Damit, wenn einer das Gekröse Beim Opferfest nach altem Brauch In seines Gottes Hand ergösse, Der zugehörige Vogel auch, Und zwar vor Zeus, das Opfermahl genösse. .. Kein Mensch einst bei den Göttern schwur: All-alle bei den Vögeln nur. Sie nannten euch früher heilig und groß, Itzt aber Sklaven und Tölpel bloß. Sie werfen nach euch und schießen euch, Als wäret ihr tollen Hunden gleich. In jedem Tempel und Gotteshaus Legen sie Schlingen und Netze aus, Ruten mit Leim, Garne, Geflechte, Drin eure Art sich fangen möchte. Greifen, verhandeln euch in Massen. Ihr müsset euch betasten lassen. Und wenn es ihnen dann gefällt, Werdet ihr nicht als schlichter Braten Des Mittags auf den Tisch gestellt: Sie wandeln euch zu Würzsalaten. Sie machen euch mit Öl und Käse, Mit Essig und mit Knöblich räse; Mischen dazu eine fette, süße Leckere Brühe und gießen diese Über euch aus, siedheiß, zum Spaß, Als wäret ihr ein stinkend Aas! Chor (klagend): Genug, genug der trüben Mär Brachtest du her! Wie geht uns unsrer Väter Schmach, Die herbe, Das feig verscherzte Ahnenerbe, Wie geht’s uns nach! .. Dich aber schickt ein Dämon gut, Ein freundlicher, uns zu befreien. Dir wollen wir uns willig weihen Und unsre Brut! Chorführer: Sag an: Was tun? .. Das Leben ist nichts wert, Wenn uns die Herrschaft nimmer zugehört! Ratefreund: Für’s erste: So erbauet euch Ein Vogelstadtbild. Dann ummauert Die Luft rundum, das Zwischenreich, Mit Backsteinwällen, mächtig hoh’n, Wie einst vor Zeiten Babylon. Hoffegut: Wie lang dies Riesenwerk wohl dauert?! Ratefreund: Und ist der Wunderbau vollend’t, Verlangt von Zeus das Regiment! Und wenn er nein sagt und sich wehrt, Wird ihm der heilige Krieg erklärt. Verboten wird den Göttern allen, Durch euer Land gesteiften Speers zu wallen, Die frech voreinst auf solchen Flügen Die Semele und andere bestiegen. Und wagen sie sich gleichwohl dran, So hängt der Latte ein Sigillum an, Auf daß sie’s nimmer machen kann. Den Menschen kündet nebenher, Daß euer Reich itzt kommen wär’. Euch müßten sie opfern und erst hernach Den Göttern, wie das früher geschach. Ein’m jeden Gott wird unverweilt Der passende Vogel zugeteilt. Wer Aphroditen Opfer beut, Dem Bleßhuhn Waizensamen streut. Wer dem Poseidon Schafe schlacht’t, Hab’ auf das Entenfutter acht. Und wer was weiht dem Herakles, Der Vielfraßmöve nit vergeß’ Und ihrer röschen Honigkuchen. Will einer König Zeus versuchen Mit einem Bock, der denke doch: Zaunkönig steht nit minder hoch, Ist wohl gar höher noch zu achten. Man muß ihm eine Hodenmucke schlachten ... Hoffegut (lachend:) Ein Muckenschlachtfest! I du mein! Da fahr’ doch gleich der Donn’rer drein! Chorführer: Werden wir aber für Götter gelten, Da wir doch fliegen? Nicht für Kräh’n? Hoffegut: Nun muß ich deine Einfalt schelten! Hast du des Hermes Flügel nie gesehn? Er fliegt, als Gott, wie andre Götter mehr: Goldflüglig hebt sich Nike von dem Sitze, Und Eros fliegt.. Von Iris sagt Homer, Sie sehe wie ein schüchtern Täubchen her. Und schickt uns Zeus nicht die beschwingten Blitze? Chorführer: Wenn sie uns aber doch verkennten Und die Olympier wahre Götter nennten? Ratefreund: So sollen Spatzen ohne Zahl Und andre Picker ihre Fluren füllen. Die ernten alles nackt und kahl ... Demeter mag dann ihren Hunger stillen. Hoffegut: Die wird sich hüten, wird sich drehn! Ratefreund: Und Raben sollen niedergehn, Um ihren Ochsen, die am Pflug sich placken, Und ihrem Vieh die Augen auszuhacken ... Dann mag Apollo gegen bar — Was tut er nicht um Honorar? — Sie heilen! Hoffegut (schickt sich an, wegzulaufen): Ich will nur gleich mein Rinderpaar verkeilen ... Ratefreund: Wenn euch jedoch für Gott und Welt Und für Poseidon, Kronos, Leben Ihr gläubiges Gemüte hält, Dann sollt ihr ihnen alle Güter geben. Chorführer: Wie? Nenne mir der Güter eins. Ratefreund: Dann sind Heuschrecken nimmer die Verderber Des eben aufgeblühten Weins: Sie würgt ein Fähnlein Eulen ab und Sperber. Ameisen auch und Wespen nagen Nimmer die süße Feige an: Ein Drosselhaufe nimmt sie all am Kragen, Fein säuberlich und Mann für Mann. Chorführer: Wie aber soll’n wir ihnen Gold bescheren, Darnach sie alle sich verzehren? Ratefreund: Dem, der die Vögel nach Gold befrägt, Werden köstliche Gruben aufgedeckt. Will einer um Gewinn verreisen: Sie wern sich als Propheten weisen. Kein Schiffer stirbt .. Chorführer: Wie kann das sein? Ratefreund: Stets spricht ein seherisch Vögelein: Fahr’ nicht, ’s gibt Sturm! Fahr’ zu, ’s bringt ein! Hoffegut: Ich kauf’ ein Schiff, will Seefahrt treiben. Mag nimmermehr bei euch verbleiben. Ratefreund: Auch wissen die Vögel alle Plätze Vergrabner alter Silberschätze Und zeigen sie auf ... Drum heißt’s im Lied: „Mein Schätzel bloß ein Vöglein sieht ..“ Hoffegut: Flugs geb’ ich meinen Schifferkahn Für eine wackre Schaufel dran Und fang’ nach Geld zu graben an. Chorführer: Wie machen wir aber die Menschen gesund? Das liegt doch in der Götter Händen. Ratefreund: Wem’s wohl geht, der ist frisch und rund. Wer’s übel treibt, muß übel enden. Chorführer: Wie werden sie alt? Auch diese Gabe Wohnt im Olymp. Bringt man sie gar Als kleine Kinder schon zu Grabe? Ratefreund: Da hat es keinerlei Gefahr: Die Vögel legen ihnen im Nu Noch dreimal hundert Jahre zu. Chorführer: Woher? Ratefreund: Aus eigenem Gehalt: Die Krähe wird fünf Menschenleben alt! Hoffegut (gegen die Zuschauer gewendet): Ei ja! Die hab’ ich doch noch lieber Zu Königen als Zeus, den Wolkenschieber! Ratefreund: Und ob! Wir brauchen ihnen mitnichten Steinerne Tempel aufzurichten, Mit güldenen Toren. Denn sie wohnen Im Strauchwerk und in Eichenkronen. Die Allerheiligsten und Besten Verehrt man unter Ölbaumästen. Man wird nicht mehr nach Delphi wallen Und nicht mehr opfern Ammon zu Gefallen. Nein. Aufrecht, Körner in der Hand, Treten wir an den Beerenstand. Wir flehn im Schatten der Oliven: Gebt uns aus eurer Schätze Schrein! Und kriegen gleich, um was wir riefen, Wenn wir ein bischen Waizen streun. Chorführer (begeistert): O bester Greis! So wird zum Freund der Feind! Von nun ab bleib’ ich ewig dir vereint! Voll Stolz vertrau’ ich deiner Kunde Und schwöre: Kämpfst du jetzt mit mir In ehrlich-heilig-treuem Bunde Wider der Götter Ungebühr, Dann wird mein Szepter über Nacht Aus dem Olymp hiehergebracht! Wo’s Kraft braucht, da lass’ uns nur walten! Dir bleibt der kluge Ratschlag vorbehalten. Wiedehopf: Wohlauf! Wohlan! Jetzt gilt’s nicht, schläfrig umzublicken Und, winkt uns Nike, einzunicken: Jetzt heißt es: hurtig drauf und dran! (zu den beiden Athenern): Doch tretet erst in meine Klause .. ’s ist freilich Reisig bloß und Stroh im Hause .. Wie heißt ihr denn — — wenn’s euch geruht? Ratefreund: Ich Ratefreund, der Hoffegut. Wiedehopf: So seid mir beide hoch willkommen! Ratefreund: Wir danken dir. Wiedehopf: Und geht hinein. Ratefreund (etwas geziert): Wenn du uns bei der Hand genommen. Wiedehopf (tut’s): Wohlan! (sie gehen auf den Busch zu) Ratefreund (sich nochmals umwendend): Halt halt! Mir fällt was ein: Ihr fliegt ... Wie kommen wir da mit Und haben keine Flügel nit? Wiedehopf: Ganz einfach. Ratefreund: Denk’ an jenen Bund, So zwischen Adler und Fuchs bestund! Er war dem Fuchsen nit gesund! Wiedehopf: I wo! — Ich hab’ ein Wunderkraut; Euch wachsen Flügel, wenn ihr’s kaut. Ratefreund: Hinein denn! (zu zwei Theaterdienern, auf die Töpfe und Spieße weisend): Schafft den Krempel fort! Chorführer: He! Hollahe, du! Auf ein Wort! Wiedehopf: Was soll’s? Chorführer: Führ’ du hinein die zweie Und atze sie... Uns aber laß, Daß unser Herz sich ihrer freue, Die Sängerin der süßen Schreie, Die Freundin derer vom Parnaß. Ratefreund: Tu ihnen doch die Liebe an, Heiß’ aus dem Rohr das Vöglein gahn! Hoffegut: Auf daß auch wir uns dran erlaben! Wiedehopf: Wenn ihr’s denn wollt, so sollt ihr’s haben. (zärtlich lockend): Prokne, komm’ vor, zeig’ dich, du Meine! (Die Nachtigall tritt auf, reich geschmückt, mit einer Flöte und einer langschnäbligen Vogelmaske überm Kopf) Ratefreund: Wie schön das Vöglein ist, beim Zeus! Wie gliederzart, wie blank und weiß! Hoffegut: Dürft’ ich nur zwischen ihre Beine! Ratefreund Wie eine Jungfer, eine feine, Ist sie geputzt und hergericht’t! Hoffegut: Am liebsten küßte ich die Kleine! Ratefreund: Narr! Siehst den Bratspießschnabel nicht? Hoffegut: So wie die Schale von dem Ei Schält man ihn ab (hebt ihr die Maske auf) und ist so frei (küßt sie). Wiedehopf: Fort, fort jetzt! Ratefreund: Also denn: es sei! (Wiedehopf, Ratefreund und Hoffegut gehen ab)