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Die Vögel

Vierter Akt

Dr. Owlglaß translation

Erste Szene

Prometheus kommt vermummt, geduckt und vorsichtig umherschauend mit einem großen Schirm hereingeschlichen: Zeus wird mich doch nicht sehen? ... Nein? (ruft halblaut): He, Ratefreund! Ratefreund (hinter einem Busch vortretend): Ei ... was ist das? Ein Tiefvermummter? Prometheus: Siehst du was? Schleicht einer der Götter hinter mir drein? Ratefreund: Bewahre, nein ... Wer bist denn du? Prometheus: Sag’ an, wie hoch ist’s wohl am Tage? Ratefreund: Nachmittag kaum ... Wer bist denn du? Prometheus: Ist’s schon am späten Nachmittage? Ratefreund: Du kommst mir herzlich albern für! Prometheus: Schläft Zeus? ... Hat er die Wolkentür Weit offen oder zugeschoben? Ratefreund (drohend): Wart, alter Freund, jetzt komm’ ich dir! Prometheus (sich enthüllend): So sei die Maske abgehoben! Ratefreund (in freudiger Aufregung): Sieh da! ... Prometheus! ... Freund! Prometheus: Pss — — sst! Sei still und brüll’ nicht so! Ratefreund: Was ist? Prometheus: Psst! Nenn’ mich nicht beim Namen! Leis! Ich bin verloren, sieht mich Zeus. (reicht ihm den Schirm) Da ... nimm den Schirm ... und spann ihn auf, Daß mich die Götter nicht erspähen! ... Ich künde dir der Dinge Lauf, Wie sie da droben vor sich gehen ... Ratefreund: Haha! ... Das hast du gut gemacht Und prometheisch vorbedacht! So duck’ dich flink und sorg’ dich nit! Prometheus: Hör’ an! Ratefreund: Nun denn? Prometheus: Zeus ist ... fallit! Ratefreund: Seit wann? Prometheus: Seit ihr die Luft besitzt. Kein Mensch will mehr die Götter ehren. Es steigt kein süßer Fettdampf itzt Mehr zu uns auf von den Altären. Wir müssen fasten allesamt. Und von der Hungerswut entflammt Brüllen die groben Barbarengötter Und drohen dem Zeus mit Kriegsunwetter, Wenn man nicht flugs die Schranken hebe Und freie Hackfleisch-Einfuhr gebe! Ratefreund: Barbarengötter? Gibt’s denn das? Die stammen wohl vom Boreas? Prometheus: Tartaren sind es, rauh behaart ... Ratefreund: Ah! ... Hackfleisch auf Tartarenart! Prometheus: Vorzüglich! ... Aber was ich sage: Von Zeus und den Tartaren naht Eine Gesandtschaft dieser Tage, Die große Friedenspläne hat. Ihr aber — hörst du — tut nicht mit, Wenn er sich sträubt, daß ihr befehligt, Und seine Basileia nit Hals über Kopf mit dir vereh’licht. Ratefreund: Wer ist’s? Prometheus: Ein Mädchen wunderhold, Das Zeusens Donnerkeil verwaltet Und über alle Dinge schaltet: Über Vernunft, Gesetz und Zucht, Schiffswerfte, Schimpf- und Scheltesucht, Zahlmeisterei und Richtersold ... Ratefreund: Der alles durch die Finger rollt? Prometheus: Jawohl... Und gibt er dir das Mädchen, Hast du die ganze Welt am Fädchen ... Drum kam ich her und tat dir’s kund, Weil zu den Menschen stets mein Sinnen stund. Ratefreund: Ja ... bratenlos wär’ unser Leben, Hätt’st du uns nicht das Feuer geben! Prometheus: Den Göttern allen bin ich feind! Ratefreund: Das geht im Austausch, wie es scheint. Der reinste Timon! Prometheus: Nun aber weg! Reich’ mir den Schirm, daß mich der Alte, Sieht er’s, für einen Jungferndiener halte! (schleicht geduckt hinaus) Ratefreund (wirft ihm einen Feldstuhl nach): Paßt der nicht auch für diesen Zweck?

Zweite Szene

Poseidon mit dem Dreizack, Herakles mit Löwenfell und Keule und der Barbarengott oder Tartar, mit einem dicken Prügel, den Mantel verkehrterweise über der linken Schulter zusammengeknüpft, treten auf.

Poseidon: Da liegt das Wolkenkuckucksnest, Wohin sie uns zu gehen hießen! (den Tartaren anfahrend): Was machst denn du? ... Der Bursche läßt Von links den Mantel niederfließen! Gleich hängst ihn rechts! (Der Tartar hängt den Mantel nach der anderen Seite, aber so, daß er nunmehr vorn auf dem Boden schleppt) Unseliger du! Deckst dir wohl einen Klumpfuß zu? ... Das hat man von der Demokratie! Selbst Götter küren diesen hie! (Versucht, ihm den Mantel richtig umzuhängen): So halt’ doch still! Sonst geht’s dir übel, Barbarengötter-Oberrüpel! ... Nun, Herakles, was machen wir? Herakles (mit wildem Augenrollen): Ich sagt’s ja eh’: der Kerl muß hangen, Der uns durch Mauern abgesperrt! Poseidon: Ja ... aber, Freund, wir sind doch hier, Um Friedenspakte zu erlangen. Herakles: Drum ist er doppelt hängenswert! Ratefreund, der sich den Anschein gibt, als sehe er die Götter nicht, hat inzwischen durch einen Sklaven etliche gerupfte Vögel herbeibringen lassen. Zum Sklaven: Die Käseraspel! Majoran! Und Käse! ... Schür’ die Kohlen an! (in die Hände patschend) Huß! huß! Poseidon (vortretend): Drei Götter bieten Heil und Gruß! Ratefreund (wirtschaftet weiter, ohne sich stören zu lassen): So ... und nun reib’s mit Ingwer ein! Herakles (tritt neugierig schnüffelnd näher): Was mag das für ein Kernfleisch sein? Ratefreund (ohne aufzuschauen): Vögel ... Empörer ... Apostaten ... Werden jetzt zur Strafe gebraten. Herakles (lüstern): Und vorher fügst du Ingwer zu? Ratefreund (blickt auf, tut erstaunt): Ah! ... Herakles! ... Was treibst denn du? Poseidon: Wir kommen, die Händel beizulegen ... Göttergesandte ... des Friedens wegen ... Ratefreund (den Sklaven anfahrend): Kein Tropfen Öl ist mehr im Krug! Herakles (ekstatisch): Ja ... Vögel sind nie fett genug! Poseidon: Uns bringt der Krieg kein’ Vortel nit. Ihr aber, wenn wir Freunde wären, Solltet den Regen nie entbehren Und alleweil an vollen Pfützen Halkyonische Tage versitzen ... Für all das han wir Vollmacht mit. Ratefreund: Auch uns bedünkt der Krieg nicht nötig. Wir haben niemals angefangen! Wenn wir nur unser Recht erlangen, Sind wir zum Frieden gern erbötig: Den Vögeln, wie vor alter Zeit, Muß Zeus das Szepter wiedergeben. Dann wollen wir in Eintracht leben ... (mit einladender Gebärde): Ihr Herrn, das Frühstück steht bereit. Herakles (begeistert): Mir leuchtet’s ein ... ich bin’s zufrieden. Poseidon: Einfältiger Tor und Magenknecht! Bringst deinen Vater ums Herrenrecht? Ratefreund: Wieso? ... Regieren wir hienieden, Werdet auch ihr euch höher recken. Jetzt duckt sich vor euch das Menschengeschlecht Meineidig hinter Wolkendecken. Wenn wir uns aber verbündet haben Und einer beim Zeus flucht oder beim Raben: Gleich fliegt ihm der Rabe heimlich ins Haus Und hackt dem Frevler die Augen aus. Poseidon: Da stimm’ ich, beim Poseidon, zu! Herakles: Mir paßt’s nicht minder. Ratefreund (zum Tartaren): Was meinst du? Tartar (unwirsch): Lat mi in Ruh. Ratefreund: Siehst wohl? Auch ihm will’s so behagen! ... Nun laßt euch noch was andres sagen: Ein Mensch in Not hat einen zarten Schafhammel einem Gott gelobt ... Dann drückt er sich ... der Gott kann warten! ... Und unser Hammel ... wird verkloppt! — Wir aber treiben die Forderung ein! Poseidon: Wie? Ratefreund: Zählte der Kerl die Gülden sein Und dehnt er dann im Bad die Glieder, Gleich flitzt die schlaue Elster nieder Und — wuppdich — an den Kassenschrein, Daß sie den Kaufpreis zweier Schafe Für den geprellten Gott erraffe! Herakles (enthusiastisch): Man muß das Szepter euch verleihn! Poseidon: So frag’ auch den Tartaren. Herakles: Gut. — (versetzt ihm einen Rippenstoß) Wie wär’s mit Prügeln, du Kalfakter? Tartar (mit dem Knüppel drohend): Ick klopp dir Pelz mit Bakel ut! Herakles: Das sei just seine Meinung, sagt er. Poseidon: Schön ... paßt’s euch, mein’ auch ich: er nimmt’s! Herakles (zu Ratefreund): Du ... also mit dem Szepter stimmt’s! (Alle schicken sich an, zum Frühstück zu gehen) Ratefreund: Halt ... eben fällt mir noch ’was ein: Die Hera mag dem Zeus verbleiben; Doch soll er mit dem Töchterlein, Mit Basileia, mich beweiben. Poseidon (wendet sich unmutig ab): Du scherzest ... gib dir keine Mühe! Wir gehn nach Haus! Ratefreund: Mir ist’s egal! (hinausrufend): Koch, würz nur ja die Bratenbrühe! Herakles (zu Poseidon): Wie komisch bist du auf einmal! Ein Krieg um eines Weibes willen! Poseidon (unschlüssig): Was machen wir in diesem Fall? Herakles: Wir wollen seinen Wunsch erfüllen! Poseidon: Du Jammerlappen! Merkst du nicht, Wie er dich zu betrügen trachtet? Schad’st dir ja selber, armer Wicht! ... Wird Zeus einmal vom Tod umnachtet, Laß dich bloß schnurstracks auch begraben, Wenn die hier erst die Herrschaft haben! ... Dein ist, wenn Zeus stirbt, alles, was Er je an Macht und Geld besaß. Ratefreund: O weh ... wie täuscht dich der Sophist! Komm her ... ich will dir was vertrauen! (den Herakles beiseite ziehend): Du darfst nicht auf den Oheim bauen! Was er vom Erbe fackelt, ist Für dich — den Bastard — ein Geschwätze! Dich trifft es nichts — nach dem Gesetze. Herakles: Ein Bastard ich? Ratefreund: So ist’s, jawohl. Die dich gebar, gilt nicht für voll. Wie erbte anders sonst Athene, Die Tochter, hätt’ er richtige Söhne! Herakles: Wenn aber gleichwohl dem Bastard Das Vatergut verschrieben ward? Ratefreund: Da sei getrost und guter Ruh: So was läßt das Gesetz nicht zu. ... Er, der dich aufhetzt, — s’ist zum Lachen! — Poseidon wird dir’s strittig machen, Weil er’s als Bruder reklamiert ... Hör’ an, wie Solon dekretiert:

Der Bastard hat, sofern eheliche Kinder vorhanden sind, keinerlei Erbfolgerecht. Sind eheliche Kinder nicht da, so fällt das Vermögen an den nächsten Verwandten des Vaters.

Herakles (verblüfft): Da fällt mir also gar nichts zu? Ratefreund: Weiß Gott, nein ... Aber eins noch, du: Hat dich der Vater sozusagen Bereits ins Stammbuch eingetragen? Herakles (noch mehr verdutzt): Nein ... ’s hat mich auch schon längst erstaunt. Ratefreund: Was stierst du aufwärts mißgelaunt? ... Geh, halt’s mit uns! Ich will dich krönen Und mittelst Vogelmilch versöhnen ... Herakles: Gut also ... ja ... ich geb’ sie dir. Top! Ratefreund (zu Poseidon): Was sagst du? Poseidon: Ich protestier’! Ratefreund: So kommt’s auf den Tartaren an ... (sich an diesen wendend): Wie stellst denn du dich? Tartar (grinsend, mit fistliger Stimme): Swalbele ... quitt ... Hei sall det moje Maidje han Und grote Konigin ... kiwitt ... Herakles: Das heißt: wir sollen sie ihm geben. Poseidon: Nein, nein, so ist das nicht gemeint. Er schwalbenzwitschert, wie mir scheint. Ratefreund: Nun ja doch ... Schwalben ... Vögel ... eben! Poseidon: So schließt ihr Frieden und Verträge, Indes ich mich aufs Schweigen lege. Herakles (freudig zu Ratefreund): Schön ... was du forderst, wird gebilligt! Nun steig mit uns ins Himmelreich, Hol’ dir die Basileia gleich Und alles, was wir dir bewilligt! Ratefreund: Wie gut, daß ich die Vögel just Zu meiner Hochzeit schlachten mußt’! Herakles (sich die Finger leckend): Was meint ihr, wenn ich hier verbliebe Und mir die Zeit am Spieß vertriebe? Ihr könnt’ ja gehn ... Poseidon: Das paßte dir! Du drehst den Spieß aus Freßbegier. ... Kommst nicht mit uns? Herakles: Ist mir zu weit! Ratefreund (hinausrufend): Man bringe mir das Hochzeitskleid!

Poseidon, der Barbarengott und Ratefreund ab

Herakles pirscht sich an die gerupften Vögel heran

Illustration from Die Vögel: Eine Komödie
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