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Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, zweiter Band

ZEHNTER THEIL BUCH DER PRIESTER (continued 2)

Karl Eugen Neumann translation

»Was ist aber wichtig, o Gotamo, um Gehör zu geben? {588} Was um Gehör zu geben wichtig sei fragen wir Herrn Gotamo.«

»Um Gehör zu geben, Bhāradvājo, ist zugesellen wichtig. Wer sich da nicht zugesellt kann nicht Gehör geben. Doch weil er sich zugesellt giebt er Gehör. Darum ist es um Gehör zu geben wichtig sich zugesellen.«

»Was ist aber wichtig, o Gotamo, um sich zuzugesellen? Was um sich zuzugesellen wichtig sei fragen wir Herrn Gotamo.«

»Um sich zuzugesellen, Bhāradvājo, ist herankommen wichtig. Wer da nicht herankommt kann sich nicht zugesellen. Doch weil er herankommt gesellt er sich zu. Darum ist um sich zuzugesellen wichtig herankommen.«

»Was ist aber wichtig, o Gotamo, um heranzukommen? Was um heranzukommen wichtig sei fragen wir Herrn Gotamo.«

»Um heranzukommen, Bhāradvājo, ist Vertrauen wichtig. Wer da kein Vertrauen hat kann nicht herankommen. Doch weil er Vertrauen hat kommt er heran. Darum ist um heranzukommen Vertrauen wichtig.«

»Was der Wahrheit Nachgehn sei haben wir Herrn Gotamo gefragt: was der Wahrheit Nachgehn ist hat Herr Gotamo erklärt; und es hat uns gefallen und behagt und wir sind es zufrieden. Was der Wahrheit Nachkunft sei haben wir Herrn Gotamo gefragt: was der Wahrheit Nachkunft ist hat Herr Gotamo erklärt; und es hat uns gefallen und behagt und wir sind es zufrieden. Was der Wahrheit Nachfolge sei haben wir Herrn Gotamo gefragt: was der Wahrheit Nachfolge ist hat Herr Gotamo erklärt; und es hat uns gefallen und behagt und wir sind es zufrieden. Was um der Wahrheit nachzufolgen wichtig sei haben wir Herrn Gotamo gefragt: {589} was um der Wahrheit nachzufolgen wichtig ist hat Herr Gotamo erklärt; und es hat uns gefallen und behagt und wir sind es zufrieden. Was wir eben auch Herrn Gotamo gefragt haben, das hat eben auch Herr Gotamo erklärt; und es hat uns gefallen und behagt und wir sind es zufrieden. — Wir haben ja früher, o Gotamo, also gedacht: ›Was sind das doch für kahlköpfige Asketen da, ein dreistes Gesindel, einer dem anderen auf den Fersen: was werden die von Wahrheit wissen!‹ Erzeugt hat mir, wahrlich, Herr Gotamo Asketenliebe zu den Asketen, Asketenfreude an den Asketen, Asketenehrfurcht vor den Asketen. — Vortrefflich, o Gotamo, vortrefflich, o Gotamo! Gleichwie etwa, o Gotamo, als ob man Umgestürztes aufstellte, oder Verdecktes enthüllte, oder Verirrten den Weg wiese, oder Licht in die Finsterniss brächte: ›Wer Augen hat wird die Dinge sehn‹: ebenso auch ist von Herrn Gotamo die Lehre gar vielfach gezeigt worden. Und so nehm’ ich bei Herrn Gotamo Zuflucht, bei der Lehre und bei der Jüngerschaft: als Anhänger möge mich Herr Gotamo betrachten, von heute an zeitlebens getreu.«[251]

96.

Zehnter Theil

Sechste Rede

ESUKĀRĪ

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos.

Da nun begab sich Esukārī[252] der Priester dorthin wo der Erhabene weilte, wechselte höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit dem Erhabenen und setzte sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend sprach nun Esukāri der Priester zum Erhabenen also:

»Die Priester, o Gotamo, verkünden die viererlei Pflichten: sie verkünden die Pflichten des Priesters, verkünden die Pflichten des Kriegers, verkünden die Pflichten des Bürgers, verkünden die Pflichten des Dieners. {590} Da geben denn, o Gotamo, die Priester als Pflichten des Priesters an: ›Der Priester darf dem Priester dienen, der Krieger darf dem Priester dienen, der Bürger darf dem Priester dienen, der Diener darf dem Priester dienen.‹ Das geben, o Gotamo, die Priester als Pflichten des Priesters an. Da geben denn, o Gotamo, die Priester als Pflichten des Kriegers an: ›Der Krieger darf dem Krieger dienen, der Bürger darf dem Krieger dienen, der Diener darf dem Krieger dienen.‹ Das geben, o Gotamo, die Priester als Pflichten des Kriegers an. Da geben denn, o Gotamo, die Priester als Pflichten des Bürgers an: ›Der Bürger darf dem Bürger dienen, der Diener darf dem Bürger dienen.‹ Das geben, o Gotamo, die Priester als Pflichten des Bürgers an. Da geben denn, o Gotamo, die Priester als Pflichten des Dieners an: ›Der Diener nur darf dem Diener dienen: wer wird auch anders einem Diener dienen?‹ Das geben, o Gotamo, die Priester als Pflichten des Dieners an. Die Priester, o Gotamo, verkünden diese viererlei Pflichten. Was hält nun Herr Gotamo davon?«

»Sag’ mir doch, Priester: giebt das die ganze Welt den Priestern zu, dass diese viererlei Pflichten gelten sollen?«

»Das wohl nicht, o Gotamo!«

»Gleichwie etwa, Priester, wenn da ein Mann wäre, arm, unfrei, unselbständig; und man nöthigte ihm gegen seinen Willen einen Bissen auf: ›Da hast du, lieber Mann, ein Stück Fleisch zu essen, {591} und das musst du mit Geld bezahlen‹: ebenso nun auch, Priester, haben sich die Priester mit den anderen Priestern und Asketen nicht verständigt, sondern sie verkünden eben diese viererlei Pflichten. Ich sage nicht, Priester, dass man jedem dienen solle; ich sag’ auch nicht, Priester, dass man keinem dienen solle. Denn wer da, Priester, indem er einem dient, durch den Dienst schlechter würde, nicht besser: dem, sag’ ich, soll man nicht dienen. Doch wer da, Priester, indem er einem dient, durch den Dienst besser würde, nicht schlechter: dem, sag’ ich, soll man dienen. Wenn man da, Priester, einen Krieger fragte: ›In wessen Dienste dienend du schlechter würdest, nicht besser; und in wessen Dienste dienend du besser würdest, nicht schlechter: eines wessen Dienst möchtest du da wählen?‹, so würde wohl, Priester, der Krieger rechte Antwort also geben: ›In wessen Dienste dienend ich schlechter würde, nicht besser: dem mag ich nicht dienen; in wessen Dienste dienend ich aber besser würde, nicht schlechter: dem mag ich dienen.‹ Wenn man da, Priester, einen Priester fragte, einen Bürger, einen Diener fragte: ›In wessen Dienste dienend du schlechter würdest, nicht besser; und in wessen Dienste dienend du besser würdest, nicht schlechter: eines wessen Dienst möchtest du da wählen?‹, so würde wohl, Priester, der Priester und der Bürger und der Diener rechte Antwort also geben: ›In wessen Dienste dienend ich schlechter würde, nicht besser: dem mag ich nicht dienen; in wessen Dienste dienend ich aber besser würde, nicht schlechter: {592} dem mag ich dienen.‹

»Ich sage nicht, Priester, dass hohe Geburt besser mache; ich sag’ auch nicht, Priester, dass hohe Geburt schlechter mache. Ich sage nicht, Priester, dass große Schönheit besser mache; ich sag’ auch nicht, Priester, dass große Schönheit schlechter mache. Ich sage nicht, Priester, dass großer Reichthum besser mache: ich sag’ auch nicht, Priester, dass großer Reichthum schlechter mache.[253] Auch von hoher Geburt ist ja da, Priester, mancher ein Mörder, ist ein Dieb, ist ein Wüstling, Lügner, Verleumder, ist ein Zänker und Schwätzer, voll Gier und Hass und Eitelkeit: darum sag’ ich nicht, dass hohe Geburt besser mache. Auch von hoher Geburt ist ja da, Priester, mancher kein Mörder, ist kein Dieb, ist kein Wüstling, Lügner, Verleumder, ist kein Zänker und Schwätzer, ist nicht begehrlich, nicht gehässig, recht gesinnt: darum sag’ ich nicht, dass hohe Geburt schlechter mache. {593} Auch mit großer Schönheit, Priester, auch mit großem Reichthum ist ja da mancher ein Mörder, ist ein Dieb, ist ein Wüstling, Lügner, Verleumder, ist ein Zänker und Schwätzer, voll Gier und Hass und Eitelkeit: darum sag’ ich nicht, dass große Schönheit, großer Reichthum besser mache. Auch mit großer Schönheit, Priester, auch mit großem Reichthum ist ja da mancher kein Mörder, ist kein Dieb, ist kein Wüstling, Lügner, Verleumder, ist kein Zänker und Schwätzer, ist nicht begehrlich, nicht gehässig, recht gesinnt: darum sag’ ich nicht, dass große Schönheit, großer Reichthum schlechter mache. Ich sage nicht, Priester, dass man jedem dienen solle; ich sag’ auch nicht, Priester, dass man keinem dienen solle. Denn bei wem da, Priester, indem er einem dient, durch den Dienst das Vertrauen zunimmt, die Tugend zunimmt, die Erfahrung zunimmt, der Opfermuth zunimmt, die Weisheit zunimmt: {594} dem, sag’ ich, soll man dienen.«

Nach diesen Worten wandte sich Esukārī der Priester also an den Erhabenen:

»Die Priester, o Gotamo, verkünden vier Arten von Besitz: sie verkünden das Besitzthum des Priesters, verkünden das Besitzthum des Kriegers, verkünden das Besitzthum des Bürgers, verkünden das Besitzthum des Dieners. Da geben denn, o Gotamo, die Priester als Besitzthum des Priesters Almosenspende an; ein Priester aber, der das Besitzthum von Almosenspende verachtet, begeht Unrecht, dem Hüter gleich, der den Hort angreift. Das geben, o Gotamo, die Priester als Besitzthum des Priesters an. Da geben denn, o Gotamo, die Priester als Besitzthum des Kriegers Bogen und Köcher an; ein Krieger aber, der das Besitzthum von Bogen und Köcher verachtet, begeht Unrecht, dem Hüter gleich, der den Hort angreift. Das geben, o Gotamo, die Priester als Besitzthum des Kriegers an. Da geben denn, o Gotamo, die Priester als Besitzthum des Bürgers Feldbau und Viehzucht an; ein Bürger aber, der das Besitzthum von Feldbau und Viehzucht verachtet, begeht Unrecht, dem Hüter gleich, der den Hort angreift. Das geben, o Gotamo, die Priester als Besitzthum des Bürgers an. Da geben denn, o Gotamo, die Priester als Besitzthum des Dieners Hippe und Tragstock an; ein Diener aber, der das Besitzthum von Hippe und Tragstock verachtet, begeht Unrecht, dem Hüter gleich, der den Hort angreift. Das geben, o Gotamo, die Priester als Besitzthum des Dieners an. {595} Die Priester, o Gotamo, verkünden diese vier Arten von Besitz. Was hält nun Herr Gotamo davon?«

»Und sag’ mir, Priester: giebt das die ganze Welt den Priestern zu, dass diese vier Arten von Besitz gelten sollen?«

»Das wohl nicht, o Gotamo!«

»Gleichwie etwa, Priester, wenn da ein Mann wäre, arm, unfrei, unselbständig; und man nöthigte ihm gegen seinen Willen einen Bissen auf: ›Da hast du, lieber Mann, ein Stück Fleisch zu essen, und das musst du mit Geld bezahlen‹: ebenso nun auch, Priester, haben sich die Priester mit den anderen Priestern und Asketen nicht verständigt, sondern sie verkünden eben diese vier Arten von Besitz. Ich aber, Priester, verkünde ein heiliges, überweltliches Recht als Besitzthum des Menschen; mag sich auch einer seiner einstigen Abstammung von Vater und Mutter erinnern, wo er eben also und also erzeugt und geboren eben diesen und diesen Namen erhalten hat: im Kriegergeschlechte erzeugt und geboren eben ‚Krieger‘ genannt, im Priestergeschlechte erzeugt und geboren eben ‚Priester‘ genannt, im Bürgergeschlechte erzeugt und geboren eben ‚Bürger‘ genannt, im Dienergeschlechte erzeugt und geboren eben ‚Diener‘ genannt. Gleichwie etwa, Priester, woher da eben Feuer entfacht eben danach genannt wird, von Holz entfacht eben ‚Holzfeuer‘ genannt, von Reisig entfacht eben ‚Reisigfeuer‘ genannt, von Heu entfacht eben ‚Heufeuer‘ genannt, {596} von Dung entfacht eben ‚Dungfeuer‘ genannt: ebenso nun auch, Priester, verkünde ich ein heiliges, überweltliches Recht als Besitzthum des Menschen; mag sich auch einer seiner einstigen Abstammung von Vater und Mutter erinnern, wo er eben also und also erzeugt und geboren eben diesen und diesen Namen erhalten hat: im Kriegergeschlechte erzeugt und geboren eben ‚Krieger‘ genannt, im Priestergeschlechte erzeugt und geboren eben ‚Priester‘ genannt, im Bürgergeschlechte erzeugt und geboren eben ‚Bürger‘ genannt, im Dienergeschlechte erzeugt und geboren eben ‚Diener‘ genannt. Wer da, Priester, aus einem Kriegergeschlechte vom Hause fort in die Hauslosigkeit gezogen und zu des Vollendeten dargelegter Lehre und Ordnung gekommen ist, von Mord absteht, von Diebstahl absteht, von Unkeuschheit absteht, von Lüge, Verleumdung, Zank und Geschwätz absteht, nicht begehrlich, nicht gehässig, recht gesinnt ist, hat Aechtes erwirkt, heilsames Recht. Wer da, Priester, aus einem {597} Priestergeschlechte oder Bürgergeschlechte oder Dienergeschlechte vom Hause fort in die Hauslosigkeit gezogen und zu des Vollendeten dargelegter Lehre und Ordnung gekommen ist, von Mord absteht, von Diebstahl absteht, von Unkeuschheit absteht, von Lüge, Verleumdung, Zank und Geschwätz absteht, nicht begehrlich, nicht gehässig, recht gesinnt ist, hat Aechtes erwirkt, heilsames Recht. — Was meinst du wohl, Priester: kann da nur ein Priester hierzulande ohne Grimm und ohne Groll sein Herz an Milde gewöhnen? Aber nicht so ein Krieger, aber nicht so ein Bürger, aber nicht so ein Diener?«

»Das wohl nicht, o Gotamo! Denn auch ein Krieger, o Gotamo, kann hierzulande ohne Grimm und ohne Groll sein Herz an Milde gewöhnen: und ebenso, o Gotamo, ein Priester, und ebenso, o Gotamo, ein Bürger, und ebenso, o Gotamo, ein Diener; ein jeder, o Gotamo, von den vier Kasten kann hierzulande ohne Grimm und ohne Groll sein Herz an Milde gewöhnen.«

»Ebenso nun auch, Priester, kann wer da aus einem Kriegergeschlechte oder Priestergeschlechte oder Bürgergeschlechte oder Dienergeschlechte vom Hause fort in die {598} Hauslosigkeit gezogen und zu des Vollendeten dargelegter Lehre und Ordnung gekommen ist, von Mord absteht, von Diebstahl absteht, von Unkeuschheit absteht, von Lüge, Verleumdung, Zank und Geschwätz absteht, nicht begehrlich, nicht gehässig, recht gesinnt ist, Aechtes erwirken, heilsames Recht. — Was meinst du wohl, Priester: darf da nur ein Priester, mit Schwamm und Seife versehn, zum Flusse baden gehn, um Staub und Schmutz abzuwaschen? Aber nicht so ein Krieger, aber nicht so ein Bürger, aber nicht so ein Diener?«

»Das wohl nicht, o Gotamo! Denn auch ein Krieger, o Gotamo, darf Schwamm und Seife nehmen und nach dem Flusse baden gehn, um Staub und Schmutz abzuwaschen: und ebenso, o Gotamo, ein Priester, und ebenso, o Gotamo, ein Bürger, und ebenso, o Gotamo, ein Diener; ein jeder, o Gotamo, von den vier Kasten darf Schwamm und Seife nehmen und nach dem Flusse baden gehn, um Staub und Schmutz abzuwaschen.«

»Ebenso nun auch, Priester, kann wer da aus einem {599} Kriegergeschlechte oder Priestergeschlechte oder Bürgergeschlechte oder Dienergeschlechte vom Hause fort in die Hauslosigkeit gezogen und zu des Vollendeten dargelegter Lehre und Ordnung gekommen ist, von Mord absteht, von Diebstahl absteht, von Unkeuschheit absteht, von Lüge, Verleumdung, Zank und Geschwätz absteht, nicht begehrlich, nicht gehässig, recht gesinnt ist, Aechtes erwirken, heilsames Recht. — Was meinst du wohl, Priester: es ließe da der König, der Herrscher, dessen Scheitel gesalbt ist, eine Schaar von hundert Männern verschiedener Geburt zu sich bescheiden: ›Kommt, ihr Lieben, die ihr da von Kriegern, Priestern, Fürsten abstammt, und nehmt ein Reibholz vom Kronbaum, oder von der Föhre, oder vom Sandel, oder vom Ingwerbaum, und erweckt damit Feuer, bringt Licht hervor! Und kommt auch ihr Lieben, die ihr da von Treibern, Jägern, Korbflechtern, {600} Radmachern, Gärtnern abstammt, und nehmt ein Reibholz von einem Hundetrog, oder von einem Schweinetrog, oder von einem Waschtrog, oder von einem Rizinusbaume, und erweckt damit Feuer, bringt Licht hervor!‹ Was meinst du wohl, Priester: wenn da von denen, die von Kriegern, Priestern, Fürsten abstammen, mit einem Reibholze vom Kronbaum, oder von der Föhre, oder vom Sandel, oder vom Ingwerbaum, Feuer erweckt, Licht hervorgebracht ward, hat dann wohl dieses Feuer Flamme und Glanz und Leuchtkraft, und kann man dieses Feuer zu Feuerzwecken verwenden? Und wenn da von denen, die von Treibern, Jägern, Korbflechtern, Radmachern, Gärtnern abstammen, mit einem Reibholze von einem Hundetrog, oder von einem Schweinetrog, oder von einem Waschtrog, oder von einem Rizinusbaume, Feuer erweckt, Licht hervorgebracht ward, hat dann wohl dieses Feuer keine Flamme und keinen Glanz und keine Leuchtkraft, und kann man dieses Feuer zu Feuerzwecken nicht verwenden?«

»Das wohl nicht, o Gotamo! ist da, o Gotamo, von denen, die von Kriegern, Priestern, Fürsten abstammen, mit einem Reibholze vom Kronbaum, oder von der Föhre, oder vom Sandel, oder vom Ingwerbaum, Feuer erweckt, Licht hervorgebracht worden, so hat dieses Feuer Flamme und Glanz und Leuchtkraft, und man kann dieses Feuer zu Feuerzwecken verwenden. Und ist da von denen, die von Treibern, Jägern, Korbflechtern, Radmachern, {601} Gärtnern abstammen, mit einem Reibholze von einem Hundetrog, oder von einem Schweinetrog, oder von einem Waschtrog, oder von einem Rizinusbaume Feuer erweckt, Licht hervorgebracht worden, so hat auch dieses Feuer Flamme und Glanz und Leuchtkraft, und man kann auch dieses Feuer zu Feuerzwecken verwenden. Denn ein jedes Feuer, o Gotamo, hat Flamme und Glanz und Leuchtkraft, und man kann ein jedes Feuer zu Feuerzwecken verwenden.«

»Ebenso nun auch, Priester, kann wer da aus einem Kriegergeschlechte oder Priestergeschlechte oder Bürgergeschlechte oder Dienergeschlechte vom Hause fort in die Hauslosigkeit gezogen und zu des Vollendeten dargelegter Lehre und Ordnung gekommen ist, von Mord absteht, von Diebstahl absteht, von Unkeuschheit absteht, von Lüge, Verleumdung, Zank und Geschwätz absteht, nicht begehrlich, {602} nicht gehässig, recht gesinnt ist, Aechtes erwirken, heilsames Recht.«

Nach diesen Worten sprach Esukārī der Priester also zum Erhabenen:

»Vortrefflich, o Gotamo, vortrefflich, o Gotamo! Als Anhänger möge mich Herr Gotamo betrachten, von heute an zeitlebens getreu.«[254]

97.

Zehnter Theil

Siebente Rede

DHANAÑJANI

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Rājagaham, im Bambusparke, am Hügel der Eichhörnchen.

Um diese Zeit nun hielt sich der ehrwürdige Sāriputto, mit vielen Mönchen weiterwandernd, bei Dakkhiṇāgiri auf. Da nun begab sich einer der Mönche, der zu Rājagaham die Regenzeit zugebracht hatte, nach Dakkhiṇāgiri, dorthin wo der ehrwürdige Sāriputto weilte. Dort angelangt wechselte er mit dem ehrwürdigen Sāriputto höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte und setzte sich seitwärts nieder. Und zu jenem Mönche, der da seitwärts saß, sprach nun der ehrwürdige Sāriputto also:

»Ist wohl, Bruder, der Erhabene rüstig und munter?«

»Rüstig, Bruder, ist der Erhabene und munter.«

»Und ist auch, Bruder, die Jüngerschaar rüstig und munter?«

»Auch die Jüngerschaar, Bruder, ist rüstig und munter.«

»Da lebt, Bruder, zu Taṇḍulapāladvārā ein Priester Namens Dhanañjani: ist wohl, Bruder, dieser Priester Dhanañjani rüstig und munter?«

»Auch Dhanañjani, Bruder, der Priester, ist rüstig {603} und munter.«

»Und ist wohl, Bruder, Dhanañjani der Priester recht beflissen?«

»Und wie gar, Bruder, ist Dhanañjani der Priester recht beflissen! Dhanañjani, Bruder, der Priester, verlästert beim König die priesterlichen Hausväter: und bei den priesterlichen Hausvätern verlästert er den König. Seine Gattin, die fromm war, aus frommem Hause heimgeführt die ist ihm gestorben, und er hat eine andere Gattin, die unfromm ist, aus unfrommem Hause, geheirathet.«

»Schlechtes, wahrlich, Bruder, haben wir gehört, da wir gehört haben wie unbeflissen Dhanañjani der Priester ist. Möchten wir doch gelegentlich einmal mit Dhanañjani dem Priester zusammentreffen, auf dass da irgend eine Unterredung stattfände.«

Und der ehrwürdige Sāriputto begab sich nun, da er nach Belieben zu Dakkhiṇāgiri geweilt hatte, auf die Wanderung nach Rājagaham, von Ort zu Ort wandernd näherte er sich der Stadt.

Zu Rājagaham weilte nun der ehrwürdige Sāriputto, im Bambusparke, am Hügel der Eichhörnchen.

Und der ehrwürdige Sāriputto, zeitig gerüstet, nahm Mantel und Schaale und ging nach Rājagaham um Almosenspeise. Um diese Zeit aber ließ Dhanañjani der Priester nahe der Stadt seine Kühe im Kuhstalle melken.

Nachdem nun der ehrwürdige Sāriputto in der Stadt um Almosenspeise gestanden hatte, kehrte er zurück, nahm das Mahl ein und begab sich dann zu Dhanañjani dem Priester hin. Und Dhanañjani der Priester sah den ehrwürdigen Sāriputto von ferne herankommen; und als er ihn gesehn ging er ihm entgegen und sprach ihn also an:

{604} »Nur näher, Herr Sāriputto, Milch zu trinken: schon wird es Zeit zum Mahle sein.«

»Genug, Priester: fertig bin ich für heute mit dem Mahle. Am Fuße jenes Baumes werd’ ich bis Abend verweilen; dort magst du hinkommen.«

»Wohl, Herr!« entgegnete da zustimmend Dhanañjani der Priester dem ehrwürdigen Sāriputto.

Und Dhanañjani der Priester begab sich nach dem Mahle, als er den Morgenimbiss eingenommen, dorthin wo der ehrwürdige Sāriputto weilte. Dort angelangt wechselte er höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit dem ehrwürdigen Sāriputto und setzte sich seitwärts hin. Und zu Dhanañjani dem Priester, der da seitwärts saß, sprach nun der ehrwürdige Sāriputto also:

»Bist du wohl, Dhanañjani, recht beflissen?«

»Und wie, o Sāriputto, sind wir recht beflissen, die wir Vater und Mutter zu ernähren, Weib und Kind zu ernähren, Knecht- und Dienergesinde zu ernähren haben, die wir Freunden und Genossen Freundes- und Genossendienste zu leisten, Verwandten und Vettern Verwandten- und Vetterdienste zu leisten haben, den Gästen Gastfreundschaft gewähren, den Manen Manendienst, den Göttern Gottesdienst, dem König Königsdienst darbringen müssen, und auch den Körper da hegen und pflegen sollen!«

»Was meinst du wohl, Dhanañjani: es habe da einer um Vater und Mutter willen falsch und unrecht gelebt, und wegen seines falschen und unrechten Lebens verfiel’ er der Hölle höllischen Wächtern; wär’ es dem etwa gegönnt: ›Ich habe um Vater und Mutter willen falsch und unrecht gelebt: lasst mich von hinnen, höllische Wächter!‹, oder wär’ es etwa seinen Eltern gegönnt: ›Er hat unseretwillen falsch und unrecht gelebt: {605} lasst ihn von hinnen, höllische Wächter!‹?«

»Das wohl nicht, o Sāriputto! Wie er auch jammerte ließen ihn da die höllischen Wächter zur Hölle fahren.«

»Was meinst du wohl, Dhanañjani: es habe da einer um Weib und Kinder willen falsch und unrecht gelebt, und wegen seines falschen und unrechten Lebens verfiel’ er der Hölle höllischen Wächtern; wär’ es dem etwa gegönnt: ›Ich habe um Weib und Kindes willen falsch und unrecht gelebt: lasst mich von hinnen, höllische Wächter!‹, oder wär’ es etwa seinem Weibe und Kinde gegönnt: ›Er hat unseretwillen falsch und unrecht gelebt: lasst ihn von hinnen, höllische Wächter!‹?«

»Das wohl nicht, o Sāriputto! Wie er auch jammerte ließen ihn da die höllischen Wächter zur Hölle fahren.«

»Was meinst du wohl, Dhanañjani: es habe da einer um der Knechte und Diener willen, um der Freunde und Genossen, Verwandten und Vettern, um der Gäste willen, habe um der Manen, um der Götter, um des Königs willen falsch und unrecht gelebt, und wegen seines falschen und unrechten Lebens verfiel’ er der Hölle höllischen Wächtern; wär’ es dem etwa gegönnt: ›Ich habe um jener willen falsch und unrecht gelebt: {606} lasst mich von hinnen, höllische Wächter!‹, oder wär’ es etwa jenen gegönnt: ›Er hat unseretwillen falsch und unrecht gelebt: lasst ihn von hinnen, höllische Wächter!‹?«

»Das wohl nicht, o Sāriputto! Wie er auch jammerte ließen ihn da die höllischen Wächter zur Hölle fahren.«

»Was meinst du wohl, Dhanañjani: es habe da einer um den Körper zu hegen und zu pflegen falsch und unrecht gelebt, und wegen seines falschen und unrechten Lebens verfiel’ er der Hölle höllischen Wächtern; {608} wär’ es dem etwa gegönnt: ›Ich habe um den Körper zu hegen und zu pflegen falsch und unrecht gelebt: lasst mich von hinnen, höllische Wächter!‹, oder wär’ es etwa den anderen für ihn gegönnt: ›Er hat um den Körper zu hegen und zu pflegen falsch und unrecht gelebt: lasst ihn von hinnen, höllische Wächter!‹?«

»Das wohl nicht, o Sāriputto! Wie er auch jammerte ließen ihn da die höllischen Wächter zur Hölle fahren.«

»Was meinst du wohl, Dhanañjani: wer um Vater und Mutter willen falsch und unrecht lebte, oder wer um Vater und Mutter willen wahr und recht lebte: was ist besser?«

»So einer, o Sāriputto, um Vater und Mutter willen falsch und unrecht lebte, ist das nicht besser: doch so einer, o Sāriputto, um Vater und Mutter willen wahr und recht lebte, ist das eben da besser. Denn dem falschen und unrechten Leben, o Sāriputto, ist das wahre und rechte Leben vorzuziehn.«

»Es giebt ja noch, Dhanañjani, ehrliche, wohlgegründete Beschäftigungen, die es ermöglichen Vater und Mutter zu ernähren ohne Unrecht zu thun und ohne vom rechten Pfade zu weichen. — Was meinst du wohl, Dhanañjani: wer um Weib und Kindes willen falsch und unrecht lebte, oder wer um Weib und Kindes willen wahr und recht lebte: was ist besser?«

»So einer, o Sāriputto, um Weib und Kindes willen falsch und unrecht lebte, ist das nicht besser: doch so einer, o Sāriputto, um Weib und Kindes willen wahr und recht lebte, ist das eben da besser. {609} Denn dem falschen und unrechten Leben, o Sāriputto, ist das wahre und rechte Leben vorzuziehn.«

»Es giebt ja noch, Dhanañjani, ehrliche, wohlgegründete Beschäftigungen, die es ermöglichen Weib und Kind zu ernähren ohne Unrecht zu thun und ohne vom rechten Pfade zu weichen. — Was meinst du wohl, Dhanañjani: wer um der Knechte und Diener willen, um der Freunde und Genossen, Verwandten und Vettern, um der Gäste willen, wer um der Manen, um der Götter, um des Königs willen falsch und unrecht lebte, oder wer um ihretwillen wahr und recht lebte: was ist besser?«

»So einer, o Sāriputto, um jener willen falsch und unrecht lebte, ist das nicht besser: doch so einer, o Sāriputto, {610} um jener willen wahr und recht lebte, ist das eben da besser. Denn dem falschen und unrechten Leben, o Sāriputto, ist das wahre und rechte Leben vorzuziehn.«

»Es giebt ja noch, Dhanañjani, ehrliche, wohlgegründete Beschäftigungen, die es ermöglichen jenen gerecht zu werden ohne Unrecht zu thun und ohne vom rechten Pfade zu weichen. — Was meinst du wohl, Dhanañjani: wer um den Körper zu hegen und zu pflegen falsch und unrecht lebte, oder wer um den Körper zu hegen und zu pflegen wahr und recht lebte: was ist besser?«

»So einer, o Sāriputto, um den Körper zu hegen und zu pflegen falsch und unrecht lebte, ist das nicht besser: doch so einer, o Sāriputto, um den Körper zu hegen und zu pflegen wahr und recht lebte, ist das eben da besser. Denn dem falschen und unrechten Leben, o Sāriputto, ist das wahre und rechte Leben vorzuziehn.«

»Es giebt ja noch, Dhanañjani, ehrliche, wohlgegründete Beschäftigungen, die es ermöglichen den Körper zu hegen und zu pflegen ohne Unrecht zu thun und ohne vom rechten Pfade zu weichen.«

{613}Da war denn Dhanañjani der Priester durch des ehrwürdigen Sāriputto Rede erfreut und befriedigt; und er stand auf und entfernte sich.

Und Dhanañjani der Priester wurde späterhin unwohl, leidend, schwerkrank. Und Dhanañjani der Priester wandte sich an einen seiner Leute:

»Geh’, lieber Mann, und begieb dich zum Erhabenen hin und bring’ dem Erhabenen zu Füßen meinen Gruß dar: ›Dhanañjani, o Herr, der Priester, ist unwohl, leidend, schwerkrank: er bringt dem Erhabenen zu Füßen Gruß dar‹; dann geh’ zum ehrwürdigen Sāriputto hin und bring’ dem ehrwürdigen Sāriputto zu Füßen meinen Gruß dar: ›Dhanañjani, o Herr, der Priester, ist unwohl, leidend, schwerkrank: er bringt dem ehrwürdigen Sāriputto zu Füßen Gruß dar;‹ und füge hinzu: ›gut wär’ es‹, sagt’ er, o Herr, ›wenn der ehrwürdige Sāriputto nach dem Hause Dhanañjani des Priesters kommen wollte, von Mitleid bewogen.‹«

»Wohl, Herr!« entgegnete da gehorsam jener Mann Dhanañjani dem Priester. Und er begab sich dorthin wo der Erhabene weilte, bot ehrerbietigen Gruß dar und setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend sprach er also zum Erhabenen:

»Dhanañjani, o Herr, der Priester, ist unwohl, leidend, schwerkrank: er bringt dem Erhabenen zu Füßen Gruß dar.«

Dann begab er sich zum ehrwürdigen Sāriputto hin, bot ehrerbietigen Gruß dar und setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend sprach er also zum ehrwürdigen Sāriputto:

{614} »Dhanañjani, o Herr, der Priester, ist unwohl, leidend, schwerkrank: er bringt dem ehrwürdigen Sāriputto zu Füßen Gruß dar; und er lässt sagen, gut wär’ es, o Herr, wenn der ehrwürdige Sāriputto nach dem Hause Dhanañjani des Priesters kommen wollte, von Mitleid bewogen.«

Schweigend gewährte der ehrwürdige Sāriputto die Bitte.

Und der ehrwürdige Sāriputto rüstete sich, nahm Mantel und Schaale und begab sich nach dem Hause Dhanañjani des Priesters. Dort angelangt nahm er auf dem dargebotenen Sitze Platz. Und er wandte sich also an Dhanañjani den Priester:

»Fühlst du dich, Dhanañjani, schon wohler, geht es dir etwas besser, nehmen die Schmerzen wieder ab und nicht zu, merkt man, dass sie nachlassen und nicht zunehmen?«

»Nicht fühl’ ich mich, o Sāriputto, wohler, es geht mir nicht besser, die heftigen Schmerzen nehmen zu und nicht ab, man merkt, dass sie zunehmen und nicht nachlassen. Gleichwie etwa, o Sāriputto, wenn ein starker Mann mit scharfer Dolchspitze die Schädeldecke zerhämmerte, ebenso nun auch, o Sāriputto, schlagen mir überheftige Strömungen auf die Schädeldecke auf: nicht fühl’ ich mich, o Sāriputto, wohler, es geht mir nicht besser, die heftigen Schmerzen nehmen zu und nicht ab, man merkt, dass sie zunehmen und nicht nachlassen. Gleichwie etwa, o Sāriputto, wenn ein starker Mann feste Riemenstränge auf dem Kopfe peitschend tanzen ließe, ebenso nun auch, o Sāriputto, hab’ ich im Kopfe betäubende Kopfgefühle: nicht fühl’ ich mich, o Sāriputto, wohler, es geht mir nicht besser, die heftigen Schmerzen nehmen zu und nicht ab, man merkt, dass sie zunehmen und nicht nachlassen. {615} Gleichwie etwa, o Sāriputto, wenn ein geschickter Schlächter oder Schlächtergeselle mit scharfem Schlachtmesser den Bauch durchschlitzte, ebenso nun auch, o Sāriputto, schneiden mir überheftige Strömungen durch den Bauch: nicht fühl’ ich mich, o Sāriputto, wohler, es geht mir nicht besser, die heftigen Schmerzen nehmen zu und nicht ab, man merkt, dass sie zunehmen und nicht nachlassen. Gleichwie etwa, o Sāriputto, wenn zwei starke Männer einen schwächeren Mann an beiden Armen ergriffen und in eine Grube voll glühender Kohlen hineinquälten, hineinrollten, ebenso nun auch, o Sāriputto, hab’ ich im Körper überheftig glühende Quaal: nicht fühl’ ich mich, o Sāriputto, wohler, es geht mir nicht besser, die heftigen Schmerzen nehmen zu und nicht ab, man merkt, dass sie zunehmen und nicht nachlassen.«

»Was meinst du wohl, Dhanañjani: was ist besser, die Hölle oder der thierische Schooß?«

»Vor der Hölle, o Sāriputto, ist der thierische Schooß besser.«

»Was meinst du wohl, Dhanañjani: was ist besser, der thierische Schooß oder das Gespensterreich?«

»Vor dem thierischen Schooße, o Sāriputto, ist das Gespensterreich besser.«

»Was meinst du wohl, Dhanañjani: was ist besser, das Gespensterreich oder die Menschenwelt?«

»Vor dem Gespensterreich, o Sāriputto, ist die Menschenwelt besser.«

»Was meinst du wohl, Dhanañjani: was ist besser, die Menschenwelt oder der Himmel der Vier großen Könige?«

»Vor der Menschenwelt, o Sāriputto, ist der Himmel der Vier großen Könige besser.«

»Was meinst du wohl, Dhanañjani: was ist besser, {616} der Himmel der Vier großen Könige oder der Himmel der Dreiunddreißig Götter?«[255]

»Vor dem Himmel der Vier großen Könige, o Sāriputto, ist der Himmel der Dreiunddreißig Götter besser.«

»Was meinst du wohl, Dhanañjani: was ist besser, der Himmel der Dreiunddreißig Götter oder der Himmel der Schattengötter?«

»Vor dem Himmel der Dreiunddreißig Götter, o Sāriputto, ist der Himmel der Schattengötter besser.«

»Was meinst du wohl, Dhanañjani: was ist besser, der Himmel der Schattengötter oder der Himmel der Säligen Götter?«

»Vor dem Himmel der Schattengötter, o Sāriputto, ist der Himmel der Säligen Götter besser.«

»Was meinst du wohl, Dhanañjani: was ist besser, der Himmel der Säligen Götter oder der Himmel der Götter der unbeschränkten Freude?«

»Vor dem Himmel der Säligen Götter, o Sāriputto, ist der Himmel der Götter der unbeschränkten Freude besser.«

»Was meinst du wohl, Dhanañjani: was ist besser, der Himmel der Götter der unbeschränkten Freude oder der Himmel der Jenseit der unbeschränkten Freude weilenden Götter?«

»Vor dem Himmel der Götter der unbeschränkten Freude, o Sāriputto, ist der Himmel der Jenseit der unbeschränkten Freude weilenden Götter besser.«

»Was meinst du wohl, Dhanañjani: was ist besser, der Himmel der Jenseit der unbeschränkten Freude weilenden Götter oder die Brahmawelt?«

»‚Brahmawelt‘ hat Herr Sāriputto gesagt, ‚Brahmawelt‘ hat Herr Sāriputto gesagt!«

Da gedachte nun der ehrwürdige Sāriputto: ›Diese Priester sind der Brahmawelt zugeneigt[256]: wie, wenn ich nun Dhanañjani dem Priester den Weg zeigte, der zu Brahmā führt?‹

»Den Weg, Dhanañjani, der zu Brahmā führt, werd’ ich dir zeigen: hör’ es und achte wohl auf meine Rede.«

»Ja, Herr!« erwiderte da aufmerksam Dhanañjani der Priester dem ehrwürdigen Sāriputto. Der ehrwürdige Sāriputto sprach also:

»Was ist das also, Dhanañjani, für ein Weg, der zu Brahmā führt? {617} Da strahlt, Dhanañjani, ein Mönch liebevollen Gemüthes weilend nach einer Richtung, dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in allem sich wiedererkennend durchstrahlt er die ganze Welt mit liebevollem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem. Das ist, Dhanañjani, der Weg, der zu Brahmā führt. Weiter sodann, Dhanañjani: erbarmenden Gemüthes, freudevollen Gemüthes, unbewegten Gemüthes weilend strahlt ein Mönch nach einer Richtung, dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in allem sich wiedererkennend durchstrahlt er die ganze Welt mit erbarmendem Gemüthe, mit freudevollem Gemüthe, mit unbewegtem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem. Das ist, Dhanañjani, der Weg, der zu Brahmā führt.«

»Wohl denn, o Sāriputto! Und bring’ dem Erhabenen zu Füßen meinen Gruß dar: ›Dhanañjani, o Herr, der Priester, ist unwohl, leidend, schwerkrank: er bringt dem Erhabenen zu Füßen Gruß dar.‹«

Und der ehrwürdige Sāriputto, der Dhanañjani den Priester, obzwar noch mehr zu thun war, in hinfällige Brahmawelt eingeführt hatte, erhob sich nun von seinem Sitze und ging fort.

Bald aber, nachdem der ehrwürdige Sāriputto fortgegangen war, starb Dhanañjani der Priester und erschien in der Brahmawelt wieder.

Und der Erhabene wandte sich an die Mönche:

{618} »Es hat, ihr Mönche, Sāriputto Dhanañjani den Priester, obzwar noch mehr zu thun war, in hinfällige Brahmawelt eingeführt, ist dann aufgestanden und fortgangen.«

Und der ehrwürdige Sāriputto kam zum Erhabenen heran, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend sprach nun der ehrwürdige Sāriputto zum Erhabenen also:

»Dhanañjani, o Herr, der Priester, ist unwohl, leidend, schwerkrank: er bringt dem Erhabenen zu Füßen Gruß dar.«

»Warum hast du doch, Sāriputto, Dhanañjani den Priester, obzwar noch mehr zu thun war, in hinfällige Brahmawelt eingeführt, bist dann aufgestanden und fortgegangen?«

»Ich habe, o Herr, gedacht: ›Diese Priester sind der Brahmawelt zugeneigt: wie, wenn ich nun Dhanañjani dem Priester den Weg zeigte, der zu Brahmā führt?‹«

»Gestorben ist, Sāriputto, Dhanañjani der Priester, in der Brahmawelt wiedererschienen.«[257]

98.

Zehnter Theil

Achte Rede

VĀSEṬṬHO

Um diese Zeit nun hielten sich viele wohlbekannte, wohlberühmte hochmögende Priester zu Icchānaṉgalam auf, als da waren Caṉkī der Priester, Tārukkho der Priester, Pokkharasāti der Priester, Jāṇussoṇi der Priester, {619} Todeyyo der Priester, und noch andere wohlbekannte, wohlberühmte hochmögende Priester.[258]

Als nun eines Tages Vāseṭṭho und Bhāradvājo, zwei junge Brāhmanen, auf einem Spaziergange lustwandelnd sich ergingen, kam folgende Rede unter ihnen auf:

»Sagt mir, Herr, wie man Priester wird!«

Bhāradvājo der junge Brāhmane gab also Antwort:

»Wenn da, Herr, einer beiderseit wohlgeboren ist, vom Vater und von der Mutter aus, lauter empfangen, bis zum siebenten Ahnherrn hinauf unbefleckt, untadelhaft von Geburt, ist er insofern, Herr, ein Priester.«

Vāseṭṭho der junge Brāhmane gab also Antwort:

»Wer da, Herr, tugendhaft ist und gewissenhaft lebt[259], ist insofern, Herr, ein Priester.«

Aber weder vermochte Bhāradvājo der junge Brāhmane Vāseṭṭho den jungen Brāhmanen zu seiner Ansicht zu bringen, noch auch vermochte Vāseṭṭho der junge Brāhmane Bhāradvājo den jungen Brahmanen zu sich zu bekehren. Da wandte sich denn der junge Vāseṭṭher also an den jungen Bhāradvājer:

»Es hält sich da, o Bhāradvājo, der Asket Gotamo, der Sakyersohn, der dem Erbe der Sakyer entsagt hat, bei Icchānaṉgalam auf, im Waldgehölz bei Icchānaṉgalam. Diesen Herrn Gotamo aber begrüßt man allenthalben mit dem frohen Ruhmesrufe, so zwar: ›Das ist der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt Kenner, der unvergleichliche Leiter der Männerheerde, der Meister der Götter und Menschen, der Erwachte, der Erhabene.‹ Wir wollen uns, o Bhāradvājo, dorthin begeben wo der Asket Gotamo weilt und den Asketen Gotamo darum befragen: wie es uns der Asket Gotamo erklären wird, so wollen wir es halten.«

»Gut, Herr!« sagte da zustimmend der junge Bhāradvājer {620} zum jungen Vāseṭṭher.

Und die beiden jungen Brāhmanen Vāseṭṭho und Bhāradvājo begaben sich dorthin wo der Erhabene weilte. Dort angelangt tauschten sie höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit dem Erhabenen und setzten sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend sprach nun der junge Vāseṭṭher den Erhabenen mit den Sprüchen an:

»Als Kenner sind wir anerkannt, In drei der Veden eingeweiht: Pokkharasāti lehrte mich, Tārukkho Diesen, meinen Freund. »Was Vedendeuter kundgethan, Vollkommen haben wir’s gemerkt, Behalten sinnig Satz um Satz Und sprechen wie ein Meister spricht. »Als von Geburt die Rede war Erstand ein Streit uns, Gotamo: ‚Ein Priester ist man durch Geburt‘, Behauptet Bhāradvājo hier, Ich aber sage: durch die That; Du sollst es wissen, Seherfürst! »Und keiner können beide wir Zufrieden mit einander sein: Den Herrn zu fragen sind wir da, Den Auferwachten, hochberühmt. »Gleichwie der vollgewordne Mond, Hervorgekommen, fromm begrüßt Vom Volke, froh gefeiert wird, So preisen sie auch deinen Preis.[260] »Das Auge, das der Welt erwuchs, Befragt sei von uns Gotamo: Ist man ein Priester durch Geburt, Ist man es durch die That allein? Die Ungewissen weise du, Auf dass den Priester wir verstehn.«

Der Herr:

»So will ich denn erklären euch Der Reihe nach und recht genau {621} Der Wesen mancherlei Geburt, Von einer Art zur andern Art.[261] »Das Gras, ihr kennt es, kennt den Baum, Doch euch erkennen diese nicht: Ihr Stamm ist von Geburt bestimmt, Von einer Art zur andern Art. »Die Kerfe dann, was kriecht und fliegt, Ameisen, Asseln insgesammt: Ihr Stamm ist von Geburt bestimmt, Von einer Art zur andern Art. »Vierfüß’ge Thiere, klein und groß, Auch sind euch diese wohlbekannt: Ihr Stamm ist von Geburt bestimmt, Von einer Art zur andern Art. »Bauchläufer kennt ihr, was da schleicht Als Schlange hin, als Echse her: Ihr Stamm ist von Geburt bestimmt, Von einer Art zur andern Art. »Und Fische kennt ihr, was da schwimmt Und schweifend in Gewässern west: Ihr Stamm ist von Geburt bestimmt, Von einer Art zur andern Art. »Die Vögel kennt ihr, was da schwebt, Auf Schwingen durch die Lüfte zieht: Ihr Stamm ist von Geburt bestimmt, Von einer Art zur andern Art. »Wie nun bei diesen Arten hier Bestimmt ist einzeln jeder Stamm, So gilt es bei den Menschen nicht, Dass einzeln sei der Stamm bestimmt. »An Haaren nicht, am Haupte nicht, An Ohren und an Augen nicht, Am Munde nicht, an Lippen nicht, An Nase nicht, an Brauen nicht, »Am Halse nicht, an Schultern nicht, Am Bauche nicht, am Rücken nicht, An Brust nicht und an Hüften nicht, An After nicht und nicht an Schaam, »An Händen und an Füßen nicht, {622} An Fingern und an Nägeln nicht, An Schienen und an Schenkeln nicht, Nicht an Gestalt und Stimme nicht Ist einzeln jeder Stamm bestimmt Wie bei den andern Arten hier. »Gemeinsam ist ein jeder Mensch Mit seinem Leibe so begabt[262]: Was Menschen unterschieden macht, Es ist ein Name, den man giebt. »Wer es von Menschen immer sei, Der von der Viehzucht sich ernährt, Verstehe da, Vāseṭṭho, wohl: Ein Bauer heißt er; Priester nicht. »Wer es von Menschen immer sei, Der durch ein Handwerk sich erhält, Verstehe da, Vāseṭṭho, wohl: Handwerker heißt er; Priester nicht. »Wer es von Menschen immer sei, Der sich durch Handel unterhält, Verstehe da, Vāseṭṭho, wohl: Ein Händler heißt er; Priester nicht. »Wer es von Menschen immer sei, Der sich in Andrer Dienst erhält, Verstehe da, Vāseṭṭho, wohl: Ein Dienstmann heißt er; Priester nicht. »Wer es von Menschen immer sei, Der nimmt was ihm nicht angehört, Verstehe da, Vāseṭṭho, wohl: Ein Räuber heißt er; Priester nicht. »Wer es von Menschen immer sei, Der sich um Sold verdungen hat, Verstehe da, Vāseṭṭho, wohl: Ein Söldner heißt er; Priester nicht. »Wer es von Menschen immer sei, Der Opferamt bei Hofe hält, Verstehe da, Vāseṭṭho, wohl: Ein Opfrer heißt er; Priester nicht. »Wer es von Menschen immer sei, Der über Land und Leute herrscht, Verstehe da, Vāseṭṭho, wohl: {623} Ein König heißt er; Priester nicht. »Nicht kann als Priester gelten mir Ein fleischgeborner Muttersohn; Wohl spricht er andre eifrig an[263] Und strebt nach diesem, strebt nach dem: Wer nichts erstrebt, wer nichts mehr nimmt, Als Priester gelten kann mir der. »Wer jedes Band durchschnitten hat, Wer nimmer bange Furcht erfährt, Der Ueberwinder, fesselfrei, Als Priester gelten kann mir der. »Wer Band und Riemen, Strang und Seil Mit Macht zerschnitten hat entzwei Und, auferwacht, den Riegel hebt: Als Priester gelten kann mir der. »Wer Schmähung, Schläge, Haft und Tod Geduldig, ruhig, sanft erträgt, Der Dulderheld, der herrlich taugt: Als Priester gelten kann mir der. »Der unerzürnbar schlichte Mann,[264] Der alles aushält, nichts verwünscht, Der sanft das letzte Dasein lebt: Als Priester gelten kann mir der. »Dem Tropfen gleich am Lotusblatt, Dem Senfkorn gleich an spitzem Pfriem: Wer an der Lust nicht hängen bleibt, Als Priester gelten kann mir der. »Der Leiden Ende, wer es da Hienieden noch an sich erfährt, Von Lasten ledig, Fesseln frei: Als Priester gelten kann mir der. »Der tief bedacht ist, weise will, Den Weg und Abweg deutlich schaut, Das höchste Gut errungen hat: Als Priester gelten kann mir der. »Der Welt entfremdet, Brüdern fremd, Sich keinen Menschen schließend an, Zufrieden ohne Heim und Haus: Als Priester gelten kann mir der. »Verwerfend jede Waff’ und Wehr, {624} Nicht Thieren feind, nicht Pflanzen feind: Wer weder tödtet, weder schlägt, Als Priester gelten kann mir der. »Wuthlos in dieser Wüthenswelt, Wehrlos in dieser Waffenwelt, Wunschlos in dieser Wunscheswelt: Als Priester gelten kann mir der. »Wer abgeworfen Gier und Hass Und Hochmuth und Scheinheiligkeit, Senfsaamen gleich von spitzem Pfriem: Als Priester gelten kann mir der. »Wer ohne Aerger, ohne Grimm Der Wahrheit klare Sprache spricht, Wodurch er keinen kränken kann: Als Priester gelten kann mir der. »Wer da nicht Großes, Kleines nicht, Was fein ist, grob, schön, unschön ist, Wer nichts von allem nehmen mag: Als Priester gelten kann mir der. »Wer nichts erhofft von dieser Welt, Wer nichts erhofft von jener Welt, Von Hoffnung heil ist, fesselfrei: Als Priester gelten kann mir der. »Wer nirgend haften, hangen kann, In Weisheit nimmer ungewiss, Am ew’gen Ufer angelangt: Als Priester gelten kann mir der. »Wer guter That und böser That, Wer beiden Fesseln sich entwand, Geläutert, ohne Gier und Gram: Als Priester gelten kann mir der.[265] »Dem reinen vollen Monde gleich, Der klar und heiter herrlich strahlt: Wer Gnügelust versiegen ließ, Als Priester gelten kann mir der. »Wer diesem Irrweg, diesem Sumpf, Dem Wahn der Wandelwelt entrann, Gerettet, welterlöst, vertieft, Unwandelbar, unzweifelhaft, Erloschen ohne Ueberrest: Als Priester gelten kann mir der. {625} »Wer da der Liebe Glück verschmäht Und haus- und heimlos weiterzieht, Wer Liebeslust versiegen ließ, Als Priester gelten kann mir der. »Wer Durst nach Dasein da verschmäht Und haus- und heimlos weiterzieht, Wer Durst nach Dasein hat versiegt, Als Priester gelten kann mir der. »Entronnen diesem Menschenreich, Entgangen aller Götterwelt, Von jedem Joche losgelöst: Als Priester gelten kann mir der. »Der Lust und Unlust abgewandt, Verglommen nirgend haftend an, Der Ueberwinder aller Welt: Als Priester gelten kann mir der. »Der Wesen Schwinden, wer es merkt, Und ihr Erscheinen allzumal, Unhaftbar, sälig, auferwacht: Als Priester gelten kann mir der. »Von dem nicht Götter, Geister nicht Und Menschen nicht die Spur erspähn: Der Wahnversieger, Weiheherr, Als Priester gelten kann mir der. »Wem nichts mehr gilt Vergangenheit, Nichts Zukunft und nichts Gegenwart, Wer nichts erstrebt, wer nichts mehr nimmt: Als Priester gelten kann mir der. »Der Hehre, allerbeste Held, Der hohe Seher, siegesreich, Vollendet, ewig, auferwacht: Als Priester gelten kann mir der. »Vergangen Dasein, wer das kennt, So Unterwelt wie Oberwelt, Und die Geburten hat versiegt: Als Priester gelten kann mir der. {626} »Nur Name ist es in der Welt Den Stand und Titel darzuthun, Von alters überkommen uns, Gegeben weiter fort und fort. »Was lange Zeiten man geglaubt, Das Wort Unweiser, ihr Gebot, Man spricht es also noch uns vor: ‚Ein Priester ist man durch Geburt.‘ »Geburt macht nicht den Priester aus, Geburt lässt nicht Unpriester sein: Die That macht einen Priester aus, Die That lässt ihn Unpriester sein. »Ein Bauer ist man durch die That, Ist durch die That ein Handwerksmann, Ein Händler ist man durch die That, Ist durch die That im Dienste Knecht, »Ein Räuber ist man durch die That, Ist durch die That ein Kriegsoldat, Ein Opfrer ist man durch die That, Ist durch die That ein Landesherr. »Getreu der Wahrheit, wohlbewährt, Betrachten Denker so die That; Wie eines aus dem andern folgt Verstehn sie, was die That erwirkt. »Durch Thaten ist die Welt bedingt, Bedingt durch Thaten ist das Volk; Um Thaten dreht sich jedes um, Wie um die Achse rollt das Rad. »Ein heißer Ernst, ein keuscher Sinn, Genugsamkeit und Selbstverzicht, Das macht den Menschen Priester sein, Ist allerhöchste Priesterschaft. »Der Wissen dreifach in sich trägt, Gestillt versiegt hat Wiedersein, Verstehe da, Vāseṭṭho, wohl, Ist Brahmā, Sakko, recht erkannt.«

Also belehrt sagten da die jungen Brāhmanen Vāseṭṭho und Bhāradvājo zum Erhabenen:

»Vortrefflich, o Gotamo, vortrefflich, o Gotamo! Als Anhänger möge uns Herr Gotamo betrachten, {627} von heute an zeitlebens getreu.«[266]

99.

Zehnter Theil

Neunte Rede

SUBHO

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos.

Um diese Zeit nun hielt sich Subho, ein junger Brāhmane, der Sohn Todeyyos, zu Sāvatthī auf, in der Wohnung eines gewissen Hausvaters, irgend eines Geschäftes halber.

Wie sich nun Subho der junge Brāhmane, der Sohn Todeyyos, bei jenem Hausvater dort befand sprach er also zu ihm:

»Ich habe, Hausvater, reden hören, viel besucht werde Sāvatthī von Heiligen: was für einen Asketen oder Priester sollen wir da heute aufsuchen?«

»Es weilt da, o Herr, der Erhabene zu Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos: Ihn, o Herr, den Erhabenen sollst du aufsuchen.«

Da begab sich denn Subho der junge Brāhmane, der Sohn Todeyyos, auf den Rath jenes Hausvaters zum Erhabenen hin. Dort angelangt wechselte er höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit dem Erhabenen und setzte sich seitwärts nieder. {628} Seitwärts sitzend sprach nun Subho der junge Brāhmane, der Sohn Todeyyos, zum Erhabenen also:

»Die Priester, o Gotamo, reden also: ›Wer im Hause bleibt kann Aechtes erwirken, heilsames Recht; wer vom Hause fortzieht kann es nicht.‹ Was hält nun Herr Gotamo davon?«

»Mancherlei sag’ ich, Brāhmane, darüber aus, nicht sag’ ich darüber einerlei aus. Ob einer, Brāhmane, im Hause bleibt, oder ob einer vom Hause fortzieht: lebt er falsch, so lob’ ich es nicht. Denn wer im Hause bleibt, Brāhmane, und wer vom Hause fortzieht: lebt er falsch, so kann er um seines falschen Lebens willen nicht Aechtes erwirken, heilsames Recht. Ob einer, Brāhmane, im Hause bleibt, oder ob einer vom Hause fortzieht: lebt er recht, so lob’ ich es. Denn wer im Hause bleibt, Brāhmane, und wer vom Hause fortzieht: lebt er recht, so kann er um seines rechten Lebens willen Aechtes erwirken, heilsames Recht.«

»Die Priester, o Gotamo, reden also: ›Die viel gewichtige, viel geschäftige, viel sorghafte, viel mühsame Thätigkeit des Hauslebens trägt viel ein; die wenig gewichtige, wenig geschäftige, wenig sorghafte, wenig mühsame Thätigkeit des Pilgerlebens trägt wenig ein.‹[267] Was hält nun Herr Gotamo davon?«

»Auch darüber sag’ ich, Brāhmane, mancherlei aus, nicht sag’ ich darüber einerlei aus. Es giebt, Brāhmane, eine Thätigkeit, die viel gewichtig, viel geschäftig, viel sorghaft, viel mühsam misslingend wenig einträgt. Es giebt, Brāhmane, eine Thätigkeit, die viel gewichtig, viel geschäftig, viel sorghaft, viel mühsam gelingend viel einträgt. Es giebt, Brāhmane, eine Thätigkeit, die wenig gewichtig, wenig geschäftig, wenig sorghaft, wenig mühsam misslingend wenig einträgt. {629} Es giebt, Brāhmane, eine Thätigkeit, die wenig gewichtig, wenig geschäftig, wenig sorghaft, wenig mühsam gelingend viel einträgt. Was ist das aber, Brāhmane, für eine Thätigkeit, die viel gewichtig, viel geschäftig, viel sorghaft, viel mühsam misslingend wenig einträgt? Der Ackerbau ist, Brāhmane, eine Thätigkeit, die viel gewichtig, viel geschäftig, viel sorghaft, viel mühsam misslingend wenig einträgt. Und was ist es, Brāhmane, für eine Thätigkeit, die viel gewichtig, viel geschäftig, viel sorghaft, viel mühsam gelingend viel einträgt? Wiederum ist der Ackerbau, Brāhmane, eine Thätigkeit, die viel gewichtig, viel geschäftig, viel sorghaft, viel mühsam gelingend viel einträgt. Was ist das aber, Brāhmane, für eine Thätigkeit, die wenig gewichtig, wenig geschäftig, wenig sorghaft, wenig mühsam misslingend wenig einträgt? Der Handel ist, Brāhmane, eine Thätigkeit, die wenig gewichtig, wenig geschäftig, wenig sorghaft, wenig mühsam misslingend wenig einträgt. Und was ist es, Brāhmane, für eine Thätigkeit die wenig gewichtig, wenig geschäftig, wenig sorghaft, wenig mühsam gelingend viel einträgt? Wiederum ist der Handel, Brāhmane, eine Thätigkeit, die wenig gewichtig, wenig geschäftig, wenig sorghaft, wenig mühsam gelingend viel einträgt.

»Gleichwie nun, Brāhmane, der Ackerbau eine Thätigkeit ist, die viel gewichtig, viel geschäftig, viel sorghaft, viel mühsam misslingend wenig einträgt: ebenso auch, Brāhmane, ist das Hausleben eine Thätigkeit, die viel gewichtig, viel geschäftig, viel sorghaft, viel mühsam misslingend wenig einträgt. Gleichwie nun, Brāhmane, wiederum der Ackerbau eine Thätigkeit ist, die viel gewichtig, viel geschäftig, viel sorghaft, viel mühsam gelingend viel einträgt: {630} ebenso auch, Brāhmane, ist das Hausleben eine Thätigkeit, die viel gewichtig, viel geschäftig, viel sorghaft, viel mühsam gelingend viel einträgt. Gleichwie nun, Brāhmane, der Handel eine Thätigkeit ist, die wenig gewichtig, wenig geschäftig, wenig sorghaft, wenig mühsam misslingend wenig einträgt: ebenso auch, Brāhmane, ist das Pilgerleben eine Thätigkeit, die wenig gewichtig, wenig geschäftig, wenig sorghaft, wenig mühsam misslingend wenig einträgt. Gleichwie nun, Brāhmane, wiederum der Handel eine Thätigkeit ist, die wenig gewichtig, wenig geschäftig, wenig sorghaft, wenig mühsam gelingend viel einträgt: ebenso auch, Brāhmane, ist das Pilgerleben eine Thätigkeit, die wenig gewichtig, wenig geschäftig, wenig sorghaft, wenig mühsam gelingend viel einträgt.«

»Die Priester, o Gotamo, geben fünf Bedingungen an, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben.«

»Was da, Brāhmane, die Priester als fünf Bedingungen angeben, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben: wenn es dir nicht schwer fällt magst du wohl diese fünf Bedingungen der Versammlung hier mittheilen.«

»Es fällt mir, o Gotamo, nicht schwer, wo so Ehrwürdige versammelt sind, oder ihnen Aehnliche.«

»Wohlan denn, Brāhmane, so rede.«

»Wahrhaftigkeit, o Gotamo, geben die Priester als erste Bedingung an, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben. Buße, o Gotamo, geben die Priester als zweite Bedingung an, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben. Keuschen Wandel, o Gotamo, geben die Priester als dritte Bedingung an, {631} um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben. Andacht, o Gotamo, geben die Priester als vierte Bedingung an, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben. Entsagung, o Gotamo, geben die Priester als fünfte Bedingung an, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben. Die Priester, o Gotamo, geben diese fünf Bedingungen an, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben. Was hält nun Herr Gotamo davon?«

»Was glaubst du, Brāhmane: giebt es unter den Priestern auch nur einen Priester, der da gesagt hat: ›Ich selber kann den Erfolg dieser fünf Bedingungen als erfahren und verwirklicht aufweisen‹?«

»Wohl nicht, o Gotamo!«

»Was glaubst du, Brāhmane: giebt es unter den Priestern auch nur einen Meister, oder Meister und Altmeister, bis zum siebenten Großmeisterahnen hinauf, der da gesagt hat: ›Ich selber kann den Erfolg dieser fünf Bedingungen als erfahren und verwirklicht aufweisen‹?«

»Wohl nicht, o Gotamo!«

»Was glaubst du, Brāhmane: die da vormals der Priester Seher waren, die Verfasser der Sprüche, Verkünder der Sprüche, deren uralte Spruchlieder, wie sie gesungen, ausgesprochen, gesammelt wurden, die Priester heute und hier ihnen nachsingen, ihnen nachsagen, das Gesagte weitersagen, das Gelehrte weiterlehren, als da waren Aṭṭhako, Vāmako, Vāmadevo, Vessāmitto, Yamataggi, Aṉgiraso, Bhāradvājo, Vāseṭṭho, Kassapo, Bhagu: haben etwa diese gesagt: ›Wir selber können den Erfolg dieser fünf Bedingungen als erfahren und verwirklicht aufweisen‹?«

»Wohl nicht, o Gotamo!«

»So giebt es denn, Brāhmane, unter den Priestern auch nicht einen Priester, {632} der da gesagt hat: ›Ich selber kann den Erfolg dieser fünf Bedingungen als erfahren und verwirklicht aufweisen‹; giebt es unter den Priestern auch nicht einen Meister, oder Meister und Altmeister, bis zum siebenten Großmeisterahnen hinauf, der da gesagt hat: ›Ich selber kann den Erfolg dieser fünf Bedingungen als erfahren und verwirklicht aufweisen‹; und die da vormals der Priester Seher waren, die Verfasser der Sprüche, Verkünder der Sprüche, deren uralte Spruchlieder, wie sie gesungen, ausgesprochen, gesammelt wurden, die Priester heute und hier ihnen nachsingen, ihnen nachsagen, das Gesagte weitersagen, das Gelehrte weiterlehren, als da waren Aṭṭhako, Vāmako, Vāmadevo, Vessāmitto, Yamataggi, Aṉgiraso, Bhāradvājo, Vāseṭṭho, Kassapo, Bhagu: auch diese haben nicht gesagt: ›Wir selber können den Erfolg dieser fünf Bedingungen als erfahren und verwirklicht aufweisen.‹ Gleichwie etwa, Brāhmane, eine Reihe Blinder, einer dem anderen angeschlossen, und kein vorderer sieht, und kein mittlerer sieht, und kein letzterer sieht: ebenso nun auch, Brāhmane, als eine Reihe Blinder will mir das Reden der Priester erscheinen, wo kein vorderer sieht, und kein mittlerer sieht, und kein letzterer sieht.«

So berichtet wurde Subho der junge Brāhmane, der Sohn Todeyyos — vom Erhabenen mit dem Gleichnisse von der Blindenreihe belehrt — unwillig und unzufrieden; und den Erhabenen lästernd und den Erhabenen tadelnd und den Erhabenen warnend — ›Ob wohl der Asket Gotamo vollbracht hat‹ — sprach er also zum Erhabenen:[268]

»Pokkharasāti, o Gotamo, der Priester, der Opamaññer von Subhagavanam, hat gesagt: ›Ebenso auch behaupten da gar manche Asketen und Priester ein überirdisches, {633} reiches Heilthum der Wissensklarheit zu besitzen: denen gereicht diese Rede nur zum Spotte, zum bloßen Namen, erweist sich ganz eitel und nichtig. Denn wie sollte wohl ein Erdensohn ein überirdisches, reiches Heilthum der Wissensklarheit verstehn oder erkennen oder verwirklichen? Das ist unmöglich.‹«

»Wie denn, Brāhmane: kann der Priester Pokkharasāti, der Opamaññer von Subhagavanam, auch aller Asketen und Priester Herz im Herzen schauen und erkennen?«

»Freilich, o Gotamo, nicht einmal bei seiner Magd Puṇṇikā kann der Priester Pokkharasāti, der Opamaññer von Subhagavanam, das Herz im Herzen schauen und erkennen: woher sollt’ er denn gar aller Asketen und Priester Herz im Herzen schauen und erkennen?«

»Gleichwie etwa, Brāhmane, wenn da ein Blindgeborener wäre: der sähe keine schwarzen und keine weißen Gegenstände, keine blauen und keine gelben, keine rothen und keine grünen, er sähe nicht was gleich und was ungleich ist, sähe keine Sterne und nicht Mond und nicht Sonne. Und er spräche also: ›Es giebt nichts Schwarzes und Weißes, es giebt keinen, der Schwarzes und Weißes sähe; es giebt nichts Blaues und Gelbes, es giebt keinen, der Blaues und Gelbes sähe; es giebt nichts Rothes und Grünes, es giebt keinen, der Rothes und Grünes sähe; {634} es giebt nichts Gleiches und Ungleiches, es giebt keinen, der Gleiches und Ungleiches sähe; es giebt keine Sterne, es giebt keinen, der Sterne sähe; es giebt weder Mond noch Sonne, es giebt keinen, der Mond und Sonne sähe. Ich selber weiß nichts davon, ich selber seh’ nichts davon: darum ist es nicht.‹ Würde der wohl, Brāhmane, also redend recht aussagen?«

»Gewiss nicht, o Gotamo! Es giebt Schwarzes und Weißes, und man sieht es; es giebt Blaues und Gelbes, und man sieht es; es giebt Rothes und Grünes, und man sieht es; es giebt Gleiches und Ungleiches, und man sieht es; es giebt Sterne und Mond und Sonne, und man sieht sie. ›Ich selber weiß nichts davon, ich selber seh’ nichts davon: darum ist es nicht‹: also redend, o Gotamo, würde jener Mann gewiss nicht recht aussagen.«

»Ebenso nun auch, Brāhmane, ist der Priester Pokkharasāti, der Opamaññer aus Subhagavanam, blind und augenlos. Dass der etwa ein überirdisches, reiches Heilthum der Wissensklarheit verstehn oder erkennen oder verwirklichen würde, ist unmöglich. — Was meinst du wohl, Brāhmane: jene hochmögenden kosalischen Priester, als da sind Caṉkī der Priester, Tārukkho der Priester, Pokkharasāti der Priester, Jāṇussoṇi der Priester, oder dein Vater Todeyyo: welche gelten bei denen als besser, {635} die da mit Zusammenhang reden können, oder ohne Zusammenhang?«[269]

»Mit Zusammenhang, o Gotamo!«

»Welche gelten ihnen als besser, die da mit Bedacht reden können, oder ohne Bedacht?«

»Mit Bedacht, o Gotamo!«

»Welche gelten ihnen als besser, die da mit Begründung reden können, oder ohne Begründung?«

»Mit Begründung, o Gotamo!«

»Welche gelten ihnen als besser, die da sinnig reden können, oder unsinnig?«

»Sinnig, o Gotamo!«

»Was meinst du wohl, Brāhmane: ist es also, hat dann der Priester Pokkharasāti, der Opamaññer aus Subhagavanam, mit Zusammenhang geredet, oder ohne Zusammenhang?«

»Ohne Zusammenhang, o Gotamo!«

»Mit Bedacht geredet, oder ohne Bedacht?«

»Ohne Bedacht, o Gotamo!«

»Mit Begründung geredet, oder ohne Begründung?«

»Ohne Begründung, o Gotamo!«

»Sinnig geredet, oder unsinnig?«

»Unsinnig, o Gotamo!«

»Fünf giebt es, Brāhmane, der Hemmungen: welche fünf? Die Hemmung durch Wunscheswillen, die Hemmung durch Hassensgroll, die Hemmung durch matte Müde, die Hemmung durch stolzen Unmuth, die Hemmung durch Schwanken. Das sind, Brāhmane, die fünf Hemmungen. In diese fünf Hemmungen, Brāhmane, ist der Priester Pokkharasāti, der Opamaññer aus Subhagavanam, eingeschlossen, eingeschnürt, verzogen und verwickelt. Dass der etwa ein überirdisches, reiches Heilthum der Wissensklarheit verstehn oder erkennen oder verwirklichen würde, ist unmöglich. Fünf giebt es, Brāhmane, der Begehrungen: welche fünf? Die durch das Gesicht ins Bewusstsein tretenden Formen, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch das Gehör ins Bewusstsein tretenden Töne, {636} die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch den Geruch ins Bewusstsein tretenden Düfte, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch den Geschmack ins Bewusstsein tretenden Säfte, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch das Getast ins Bewusstsein tretenden Tastungen, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden. Das sind, Brāhmane, die fünf Begehrungen. Diesen fünf Begehrungen, Brāhmane, hat sich der Priester Pokkharasāti, der Opamaññer aus Subhagavanam, verlockt, geblendet, anheimgefallen, ohne das Elend zu sehn, ohne an Entrinnung zu denken, hingegeben. Dass der etwa ein überirdisches, reiches Heilthum der Wissensklarheit verstehn oder erkennen oder verwirklichen würde, ist unmöglich. — Was meinst du wohl, Brāhmane: wenn Feuer, durch Heu und Holz genährt, entfacht würde; oder wenn Feuer, durch regengetränktes Heu und Holz genährt, entfacht würde: welches von beiden hätte da Flamme und Glanz und Leuchtkraft?«

»Wär’ es möglich, o Gotamo, Feuer, durch regengetränktes Heu und Holz genährt, zu entfachen, so hätte auch dieses Feuer Flamme und Glanz und Leuchtkraft.«

»Unmöglich ist es, Brāhmane, es kann nicht sein, dass Feuer, durch regengetränktes Heu und Holz genährt, entfacht werde, es sei denn durch magische Macht. Gleichwie nun, Brāhmane, als ob man Feuer, durch regengetränktes Heu und Holz genährt, entfachte, erscheint mir, Brāhmane, eine Heiterkeit, durch die fünf Begehrungen genährt.[270] Gleichwie nun, Brāhmane, als ob man Feuer, durch Heu und Holz genährt, entfachte, erscheint mir, Brāhmane, eine Heiterkeit, gar fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen. Was ist das aber, Brāhmane, {637} für eine Heiterkeit, gar fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen? Da weilt, Brāhmane, ein Mönch, eben fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen, in sinnend gedenkender ruhegeborener säliger Heiterkeit, in der Weihe der ersten Schauung. Das ist nun, Brāhmane, eine Heiterkeit gar fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen.

»Weiter sodann, Brāhmane: nach Vollendung des Sinnens und Gedenkens erwirkt der Mönch die innere Meeresstille, die Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie, in der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten Schauung. Das ist nun, Brāhmane, eine Heiterkeit gar fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen.

»Was da, Brāhmane, die Priester als fünf Bedingungen angeben, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben: welche davon erklären sie als die wirksamste, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben?«

»Was da, o Gotamo, die Priester als fünf Bedingungen angeben, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben: Entsagung erklären sie davon als am wirksamsten, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben.«

»Was meinst du wohl, Brāhmane: es habe da irgend ein Priester eine große Opferfeier vorbereitet, und es kämen zwei andere Priester heran: ›Wir wollen dem Opferfeste dieses Priesters beiwohnen.‹ Und der eine der beiden gedächte bei sich: ›Ach dass mir doch bei dem Mahle der beste Sitz, das beste Wasser, der beste Bissen zufiele, und nicht etwa einem anderen Priester!‹ Möglich, Brāhmane, dass einem anderen Priester beim Mahle der beste Sitz, das beste Wasser, der beste Bissen zugetheilt werde, und nicht ihm. Und er würde erbittert und missvergnügt: {638} ›Ein anderer Priester hat beim Mahle den besten Sitz, das beste Wasser, den besten Bissen erhalten, nicht ich!‹ Was geben nun wohl, Brāhmane, die Priester als Vergeltung dafür an?«

»Nicht reichen ja, o Gotamo, die Priester also Almosen: ›Dadurch soll der Nächste erbittert und missvergnügt werden‹, sondern sie reichen, o Gotamo, eben aus Mitleid Almosen.«

»Ist es also, Brāhmane, so haben die Priester diesen sechsten Anlass Gutes zu thun, nämlich aus Mitleid.«

»Also ist es, o Gotamo, dass die Priester diesen sechsten Anlass haben Gutes zu thun, nämlich aus Mitleid.«

»Was da, Brāhmane, die Priester als fünf Bedingungen angeben, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben: wo hast du diese zumeist angetroffen, bei Hausleuten oder bei den Pilgern?«

»Was da, o Gotamo, die Priester als fünf Bedingungen angeben, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben: diese hab’ ich zumeist bei den Pilgern angetroffen, wenig bei Hausleuten. Wer im Hause lebt, o Gotamo, ist ja viel bethätigt, viel beschäftigt, viel besorgt, viel bemüht, nicht jederzeit ganz und gar der Wahrhaftigkeit zugethan. Wer aber dem Hause fern steht, o Gotamo, ist wenig bethätigt, wenig beschäftigt, wenig besorgt, wenig bemüht, jederzeit ganz und gar der Wahrhaftigkeit zugethan. Wer im Hause lebt, o Gotamo, ist ja viel bethätigt, viel beschäftigt, viel besorgt, viel bemüht, nicht jederzeit ganz und gar bußhaft, keusch, andächtig, entsagungsvoll. Wer aber dem Hause fern steht, o Gotamo, ist wenig bethätigt, {639} wenig beschäftigt, wenig besorgt, wenig bemüht, jederzeit ganz und gar der Buße, der Keuschheit, der Andacht, der Entsagung zugethan. Was da, o Gotamo, die Priester als fünf Bedingungen angeben, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben: diese hab’ ich zumeist bei den Pilgern angetroffen, wenig bei Hausleuten.«

»Was da, Brāhmane, die Priester als fünf Bedingungen angeben, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben: des Herzens Geräthe heiße ich diese, wo das Herz ohne Grimm, ohne Groll darauf hinarbeitet. Da ist, Brāhmane, ein Mönch wahrhaftig, und ›Ich bin wahrhaftig‹ weiß er und gewinnt Verständnis des Sinnes, Verständniss der Wahrheit, verständnissreife Wahrheitwonne; und was da heilsame Wonne ist, das heiß’ ich des Herzens Geräth, wo das Herz ohne Grimm, ohne Groll darauf hinarbeitet. Da ist, Brāhmane, ein Mönch bußhaft, keusch, andächtig, entsagungsvoll, und er weiß es und gewinnt Verständniss des Sinnes, Verständniss der Wahrheit, verständnissreife Wahrheitwonne; und was da heilsame Wonne ist, das heiß’ ich des Herzens Geräth, wo das Herz ohne Grimm, ohne Groll darauf hinarbeitet. Was da, Brāhmane, die Priester als fünf Bedingungen angeben, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben: des Herzens Geräthe heiße ich diese, wo das Herz ohne Grimm, ohne Groll darauf hinarbeitet.«

Nach diesen Worten wandte sich Subho der junge Brāhmane, der Sohn Todeyyos, also an den Erhabenen:

»Was meinst du wohl, Brāhmane: ist Naḷakāram das Dorf nahebei, liegt es unweit von hier?«

»Freilich, Herr, ist Naḷakāram das Dorf nahebei, es liegt unweit von hier.«

»Was meinst du wohl, Brāhmane: es sei da ein Mann, in Naḷakāram von Geburt auferwachsen, und man fragte ihn, wie weit es noch des Weges nach Naḷakāram sei: würde da etwa, Brāhmane, dieser Mann, in Naḷakāram von Geburt auferwachsen, um den Weg nach Naḷakāram gefragt, irgend zögern oder zaudern?«

»Gewiss nicht, o Gotamo!«

»Und warum nicht?«

»Der Mann ist ja, o Gotamo, in Naḷakāram von Geburt auferwachsen: so kennt er denn alle die Wege nach Naḷakāram genau.«

»Doch könnte, Brāhmane, dieser Mann, in Naḷakāram von Geburt auferwachsen, um den Weg nach Naḷakāram gefragt, irgend zögern oder zaudern: nicht aber kann der Vollendete, um die Brahmawelt oder den Pfad, der zur Brahmawelt führt, gefragt, irgend zögern oder zaudern. Den Brahmā kenn’ ich, Brāhmane, und die Brahmawelt und den Pfad, der zur Brahmawelt führt, und auf welche Weise man in brahmische Welt gelangt, auch das kenn’ ich.«

»Reden hab’ ich hören, o Gotamo: ›Der Asket Gotamo zeigt den Weg, der zu Brahmā führt.‹ O dass mir doch Herr Gotamo den Weg zeigte, der zu Brahmā führt!«

»Wohlan denn, Brāhmane, so höre und achte wohl auf meine Rede.«

»Ja, Herr!« erwiderte da aufmerksam Subho der junge Brāhmane, der Sohn Todeyyos, dem Erhabenen. Der Erhabene sprach also:

»Was ist das also, Brāhmane, für ein Weg, der zu Brahmā führt? {641} Da strahlt, Brāhmane, ein Mönch liebevollen Gemüthes weilend nach einer Richtung, dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in allem sich wiedererkennend durchstrahlt er die ganze Welt mit liebevollem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem. In also geübter liebevoller Gemütherlösung, Brāhmane, kann beschränktes Werk nicht mehr übrig bleiben, nicht mehr bestehn. Gleichwie etwa, Brāhmane, ein kräftiger Trompeter gar mühelos nach den vier Seiten posaunen kann, ebenso nun auch, Brāhmane, kann in also geübter liebevoller Gemütherlösung beschränktes Werk nicht mehr übrig bleiben, nicht mehr bestehn. Das aber ist, Brāhmane, der Weg, der zu Brahmā führt.

»Weiter sodann, Brāhmane: erbarmenden Gemüthes, freudevollen Gemüthes, unbewegten Gemüthes weilend strahlt ein Mönch nach einer Richtung, dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in allem sich wiedererkennend durchstrahlt er die ganze Welt mit erbarmendem Gemüthe, mit freudevollem Gemüthe, mit unbewegtem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem. In also geübter erbarmender, freudevoller, unbewegter Gemütherlösung, Brāhmane, kann beschränktes Werk nicht mehr übrig bleiben, nicht mehr bestehn. Gleichwie etwa, Brāhmane, ein kräftiger Trompeter gar mühelos nach den vier Seiten posaunen kann, ebenso nun auch, Brāhmane, kann in also geübter erbarmender, freudevoller, unbewegter {642} Gemütherlösung beschränktes Werk nicht mehr übrig bleiben, nicht mehr bestehn. Das aber ist, Brāhmane, der Weg, der zu Brahmā führt.«

Nach dieser Rede sprach Subho der junge Brāhmane, der Sohn Todeyyos, zum Erhabenen also:

»Vortrefflich, o Gotamo, vortrefflich, o Gotamo! Gleichwie etwa, o Gotamo, als ob einer Umgestürztes aufstellte, oder Verdecktes enthüllte, oder Verirrten den Weg wiese, oder Licht in die Finsternis brächte: ›Wer Augen hat wird die Dinge sehn‹: ebenso auch ist von Herrn Gotamo die Lehre gar manigfach dargelegt worden. Und so nehm’ ich bei Herrn Gotamo Zuflucht, bei der Lehre und bei der Jüngerschaft: als Anhänger möge mich Herr Gotamo betrachten, von heute an zeitlebens getreu. — Wohlan denn, o Gotamo, jetzt wollen wir aufbrechen: manche Pflicht wartet unser, manche Obliegenheit.«

»Wie es dir nun, Brāhmane, belieben mag.«

Und Subho der junge Brāhmane, der Sohn Todeyyos, durch des Erhabenen Rede erfreut und befriedigt, stand auf von seinem Sitze, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig, ging rechts herum und entfernte sich.

Um diese Zeit aber fuhr Jāṇussoṇi der Priester in einem weißen Zeltwagen aus Sāvatthī hinaus, am Nachmittage. Da sah Jāṇussoṇi der Priester den jungen Brāhmanen Subho, den Sohn Todeyyos, von ferne herankommen, und als er ihn gesehn sprach er also zu ihm:

»Sieh’ da, wo kommt denn der verehrte Bhāradvājo[271] her, in der Sonne des Nachmittags?«[272]

»Von dort, Lieber, vom Asketen Gotamo komme ich.«

{643} »Was meint wohl Herr Bhāradvājo: hat der Asket Gotamo große Geisteskraft? Man hält ihn für weise.«

»Wer bin ich, Lieber, dass ich über die große Geisteskraft des Asketen Gotamo urtheilen sollte? Der müsste ihm wohl gleichen, der die große Geisteskraft des Asketen Gotamo kennte!«

»Gewaltig, fürwahr, preist Herr Bhāradvājo das Lob des Asketen Gotamo!«

»Wer bin ich, Lieber, dass ich den Asketen Gotamo preisen sollte? Von Gepriesenen gepriesen wird Herr Gotamo, der Höchste der Götter und Menschen. Und was da, Lieber, die Priester als fünf Bedingungen angeben, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben: nur des Herzens Geräthe sind es, hat Herr Gotamo gesagt, wo das Herz ohne Grimm, ohne Groll darauf hinarbeitet.«

Also berichtet stieg Jāṇussoṇi der Priester von seinem weißen Zeltwagen herab, entblößte eine Schulter, verneigte sich ehrerbietig nach der Richtung wo der Erhabene weilte, und ließ dann den Gruß ertönen:

»Gesegnet ist König Pasenadi von Kosalo, Hochgesegnet ist König Pasenadi von Kosalo, In dessen Reiche Der Vollendete weilt, Der Heilige, vollkommen Erwachte.« [273]

100.

Zehnter Theil

Zehnte Rede

SAṈGĀRAVO

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit wanderte der {644} Erhabene im Lande Kosalo von Ort zu Ort, von vielen Mönchen begleitet.

Um diese Zeit nun lebte Dhanañjānī, das Weib eines Priesters, zu Paccalakappam, gläubig ergeben dem Meister, der Lehre und den Jüngern.[274]

Da hielt denn Dhanañjānī das Priesterweib mit ihrer Arbeit inne und ließ dreimal den Gruß ertönen:

»Verehrung dem Erhabenen, Dem heilig auferwachten Herrn! »Verehrung dem Erhabenen, Dem heilig auferwachten Herrn! »Verehrung dem Erhabenen, Dem heilig auferwachten Herrn!«

Damals aber war Saṉgāravo, ein junger Brāhmane, nach Paccalakappam gezogen, ein Meister der drei Veden, sammt ihrer Auslegung und Deutung, sammt ihrer Laut- und Formenlehre, und ihren Sagen zufünft, der Gesänge kundig und ein Erklärer, der die Merkmale eines großen Weltweisen aufwies.

Und Saṉgāravo der junge Brāhmane hatte gehört wie Dhanañjānī das Priesterweib also gesprochen, und er wandte sich zu ihr:

»Verkümmert ist dieses Priesterweib Dhanañjānī, verkommen ist dieses Priesterweib Dhanañjānī, das ja da, wo es Priester, Kenner der drei Veden giebt, jenen kahlgeschorenen Asketen preisen mag!«[275]

»Nicht kennst du ja doch, guter Freund, des Erhabenen Tugend und Weisheit: wenn du, guter Freund, des Erhabenen Tugend und Weisheit kenntest, so würdest du, guter Freund, nicht daran denken, Ihn, den Erhabenen zu schmähen und zu schelten.«

»Wohl denn, liebe Frau: wenn einmal der Asket Gotamo nach Paccalakappam kommt, so lass’ es mir sagen!«

»Gern, guter Freund!« erwiderte da Dhanañjānī das Priesterweib Saṉgāravo dem jungen Brāhmanen.

Und der Erhabene wanderte im Lande Kosalo von Ort zu Ort weiter und gelangte allmälig nach Paccalakappam.

{645} Zu Paccalakappam weilte nun der Erhabene, im Mangohaine der Todeyyer Priester.

Da hörte Dhanañjānī das Priesterweib reden: ›Der Erhabene ist in Paccalakappam angekommen, weilt bei Paccalakappam, im Mangohaine der Todeyyer Priester!‹

Und Dhanañjānī das Priesterweib begab sich zu Saṉgāravo dem jungen Brāhmanen hin und meldete ihm:

»Er ist hier, guter Freund! In Paccalakappam ist der Erhabene angekommen, weilt bei Paccalakappam, im Mangohaine der Todeyyer Priester: wie es dir nun, guter Freund, belieben mag.«

»Schön, liebe Frau!« sagte da freundlich Saṉgāravo der junge Brāhmane zu Dhanañjānī dem Priesterweib.

Und er begab sich dorthin wo der Erhabene weilte, wechselte höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit dem Erhabenen und setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend sprach nun Saṉgāravo der junge Brāhmane zum Erhabenen also:

»Es giebt, o Gotamo, manche Asketen und Priester, die der Erkenntniss letzte Vollendung, das Urasketenthum hienieden erreicht zu haben glauben. Zu welchen aber, o Gotamo, von diesen Asketen und Priestern, die der Erkenntniss letzte Vollendung, das Urasketenthum hienieden erreicht zu haben glauben, gehört da Herr Gotamo?«

»Die der Erkenntniss letzte Vollendung, das Urasketenthum hienieden erreicht zu haben glauben sind eben, sag’ ich, Bhāradvājo[276], verschieden geartet. Es giebt, Bhāradvājo, manche Asketen und Priester, die wissen vom Hörensagen her und glauben, durch Hörensagen der Erkenntniss letzte Vollendung, das Urasketenthum hienieden erreicht zu haben; gleichwie etwa die Dreivedenpriester. Es giebt auch, Bhāradvājo, manche Asketen und Priester, die ganz aus eigenem Dünken der Erkenntniss letzte Vollendung, das Urasketenthum hienieden erreicht zu haben glauben; gleichwie etwa die Grübler und Forscher.[277] Es giebt, Bhāradvājo, manche Asketen und Priester, {646} die bei nie zuvor erfahrenen Dingen die Wahrheit eben selbst erkannt und der Erkenntniss letzte Vollendung, das Urasketenthum hienieden erreicht zu haben glauben. Zu den Asketen und Priestern, Bhāradvājo, die da bei nie zuvor erfahrenen Dingen die Wahrheit eben selbst erkannt und der Erkenntniss letzte Vollendung, das Urasketenthum hienieden erreicht zu haben glauben, zu denen gehör’ ich. Darum muss man es nun, Bhāradvājo, dem Verhältniss entsprechend beurtheilen, wie zu den Asketen und Priestern, die bei nie zuvor erfahrenen Dingen die Wahrheit eben selbst erkannt und der Erkenntniss letzte Vollendung, das Urasketenthum hienieden erreicht zu haben glauben, auch ich gehöre.«[278]

»Ernstlich hat sich wohl Herr Gotamo darum bemüht, {664} ehrlich hat sich wohl Herr Gotamo darum bemüht, wie das einem Heiligen, vollkommen Erwachten ansteht. — Sagt mir doch, Herr Gotamo: giebt es Götter?«

»Deutlich merkt man es ja, Bhāradvājo, ob es Götter giebt.«

»Wie denn, o Gotamo: auf die Frage ›Giebt es Götter‹ antwortest du ›Deutlich merkt man es ja, Bhāradvājo, ob es Götter giebt‹; dann also ist es, o Gotamo, bloße Lüge?«

»‚Giebt es Götter‘, wer also, Bhāradvājo, gefragt, ›Es giebt Götter‹ sagte, und wer ›Deutlich merkt man es ja‹ sagte: ein verständiger Mann wird da wohl den nämlichen Schluss ziehn, ob es Götter giebt.«

»Warum aber hat mir Herr Gotamo nicht sogleich Bescheid gegeben?«

»Der Edle ist einig geworden, Bhāradvājo, in der Welt, ob es Götter giebt.«

Nach diesen Worten sprach Saṉgāravo der junge Brāhmane zum Erhabenen also:

{665} »Vortrefflich, o Gotamo, vortrefflich, o Gotamo! Als Anhänger möge mich Herr Gotamo betrachten, von heute an zeitlebens getreu.«

Notes in this chapter

Note 1 · Lies mit dem siam. Texte santharāpetvā.Note 2 · Vergl. die 12. Rede, S. 152 des ersten Bandes.Note 3 · Der Text hat yaṃ cittaṃ sarāgaṃ sadosaṃ samoham.Note 4 · Der Text hat natürlich yo.Note 5 · Siehe die 38. Rede, Seite 487–492 der Uebersetzung.Note 6 · Das »tausendspeichige Rad« ist der Abdruck, den der Fersenball bei jedem Schritte auf staubigem oder feuchtem Boden zurücklässt: als śrīpādaNote 7 · Vergl. Längere Sammlung, II. Band, S. 65, Anm. 20.Note 8 · cattārīsadanto so bhavaṃ Gotamo, wörtlich ‚vierzigzähnig ist Herr Gotamo‘, womit natürlich, wie auch sonst bei Zahlenreihen, nur die begonneNote 9 · Gegenüber diesen im Volksmunde beliebten sagenhaften Merkmalen eines großen Mannes vergl. das Gespräch des Meisters mit Sāriputto, im SaṃyutNote 10 · Der siam. Text hat richtig addasāma antaragharam pavisantam.Note 11 · Lies mit dem siam. Texte yathā yathā.Note 12 · Vergl. S. 410.Note 13 · Lies mit dem siam. Texte asambhinnā khattiyakulā.Note 14 · Der siam. Text hat richtig pāṇena.Note 15 · Wie oben pāṇena zu lesen; cf. den Schluss der 85. Rede.Note 16 · Der letzte Theil dieses Zwiegesprächs, S. 601–604, erinnert formal, in der großartigen Monotonie, an die eddischen Fragen und Antworten, besNote 17 · Der Name Esukārī von Pāṇinis erwähnt IV, 2, 54.Note 18 · Lies pāpiyaṃso und seyyaṃso (= śreyas, n.); dies haben auch die siṇh. Ausgaben des Dhp in v. 43.Note 19 · Von dem Inhalte dieser und ähnlicher Reden giebt Asoko einen meisterhaften Auszug, auf dem 1. Śiddāpurer Edikte, I. 4–5: Pakamasa hi iyaṃ phNote 20 · Es sei hier bemerkt, dass die »Dreiunddreißig Götter« bereits im ältesten Ṛgvedas, als Summe der schlechthin weltlichen Götter, genannt werdNote 21 · Cf. Anm. 14. — PINDAR, fragm. 104: Τι θεος; ὁ τι το παν.Note 22 · Lies mit dem siam. Texte kālakato va brahmaloke upapanno. Vergl. die Meisterrede im Saṃyuttakanikāyo vol. V, p. 408–410. Der kurzen BegrüßunNote 23 · Diese und noch andere hochberühmte Brāhmanen treten namentlich im letzten Buch der Bruchstücke der Reden recht anschaulich hervor.Note 24 · Lies mit dem siam. Texte vattasampanno.Note 25 · Vergl. Manus IX, 309.Note 26 · Lies aññamaññāhi.Note 27 · Lies: Paccattaṃ sasarīresu manussesvetaṃ vijjati.Note 28 · bhovādi kommt auch in der Smṛti vor, e. g. Harivaṃśe III, 3, 13: śūdrā bhovādinaścaiva bhaviṣyanti yugakṣaye; cf. ib. 36 f.: brāhmaṇā dhanatNote 29 · Lies mit dem siam. Texte dhutavantaṃ, i. e. dhṛtavantaṃ.Note 30 · Cf. Suttanipāto 431: Aṇumatto pi puññena attho mayhaṃ na vijjati.Note 31 · Vergl. die 55. Rede, S. 51, und die 100. Rede, letzte Seite. — An den Ausspruch, dass Brahmā etc. den Verständigen im Heiligen dargestellt eNote 32 · Vergl. Manus III, 77 f., VI, 89 f: gṛhastha ucyate śreṣṭhaḥ. — In diesem Sinne auch der Spruch οικος φιλος, οικος αριστος, und GOETHE, Vier Note 33 · Lies mit den siam. und siṇh. Texten samaṇo ca Gotamo pāpito bhavissatīti, wie auch in der 80. Rede, S. 372.Note 34 · Lies mit dem siam. Texte seyyā und sammucchā.Note 35 · Es ist mit dem siṇh. Texte erst nissaṭṭhatiṃakaṭṭhupādāno zu lesen; dann tiṇakaṭṭhupādāno. Cf. die drei Gleichnisse von den Holzscheiten, inNote 36 · nomen gentile Subhos.Note 37 · divā divassa = mero meridie, mitten am Tage.Note 38 · Den fünf Bedingungen, S. 642, ist Bhagavadgītā XII, 12 analog. — Zum Leben im Hause als einer viel mühsamen Thätigkeit, ibid., cf. TheragāthNote 39 · Es wird, wie der siam. Text richtig hat, Paccalakappam zu lesen sein, pratīci; etwa »Westernhof«.Note 40 · Lies mit dem siam. Texte vijjamānānaṃ tevijjānam brāhmaṇānam und tassa muṇḍakassa samaṇassa.Note 41 · nomen gentile Saṉgāravos.Note 42 · Cf. Anm. 91.Note 43 · Im Text ist hier das Hauptstück aus der 85. Rede (S. 441–459) eingeschaltet. — Mit folg. uccena sammatam vergl. Ṛgvedas Ende: samānam astu vNote 44 · Auf Manus XII, 10 hat, nach BÖHTLINGK-ROTH, bereits FEER im Journal asiatique 1888 II. p. 237 f. hingewiesen.Note 45 · Ein Werk über Buddhistische Kunst kündigt nun der Verlag Bruno Cassirer an.
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