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Der Busch

DER WACHTPOSTEN

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In einem Bergwerk in der Nähe von Chihuahua meldete eines Morgens der Vorarbeiter, ein Mestize, dem diensthabenden Ingenieur, daß in einem der Hauptstollen „etwas im Gange sei“.

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An der Decke des Stollens, so berichtete der Vorarbeiter, befände sich ein gewaltiger Stein, dessen Gewicht schätzungsweise drei bis vier Tonnen habe. Rund um diesen Stein beginne, so war die Meldung, seit einigen Stunden Sand und Kleinkiesel herunterzuregnen, ein sicheres Zeichen, daß der Stein am Lösen sei und bald kommen dürfte, was in einer Stunde, vielleicht aber auch erst in sechs Tagen geschehen könnte, so genau ließe sich der Zeitpunkt nicht bestimmen.

Zahlreiche Arbeiter hatten diesen Stollen zu begehen, und weil der Ingenieur deren Leben nicht aufs Spiel setzen wollte, rief er einen indianischen Bergarbeiter herbei und sagte zu ihm:

„Sehen Sie den Stein dort, Augustin?“

„Natürlich sehe ich ihn, ich bin doch nicht blind, Senjor.“

„Gut, dieser Stein ist los und wird bald herunterkommen.“

„Kein Wunder, wenn er los ist; man sieht ja bereits, wie es bröckelt.“

„Wenn der Stein runterkommt, und es ist gerade zufällig jemand darunter, dann ist er breitgequetscht wie eine Tortilla.“

„Das ist doch mal bombensicher, Senjor. So schlau bin ich selbst.“

„Gut. Ich stelle Sie jetzt hier als Wachtposten auf. Sie haben nichts weiter zu tun, als jeden Mann, der hier drunter hergehen will, auf die Gefahr aufmerksam zu machen und ihn durch den Stollen 14 zu schicken, ihm jedenfalls nicht zu erlauben, daß er diesen Stollen benutzt. Sie sehen ein, wie gefährlich dieser Stollen ist.“

„Das sehe ich, man kann es ja schon riechen, Senjor.“

Eine Stunde später ging der Ingenieur die Stollen ab, und auf seinem Wege kam er auch zu dem Gefahrstollen.

Der Wachtposten saß mitten unter dem losen Stein, rauchte gemütlich seine Zigarette und war die Seligkeit selbst, daß er einen so angenehmen Posten gefunden hatte, wo er nichts zu tun brauchte.

Pflichtgemäß berichtete er dem Ingenieur, daß er jedem untersage, hier unter dem Stein durchzugehen, weil der Stein jeden Augenblick kommen könne, und es sei auch noch keiner darunter hergegangen, seit er hier hergesetzt worden sei, um aufzupassen, der Senjor Ingenieur könne sich auf ihn durchaus verlassen.

„Ich würde mich an Ihrer Stelle aber nicht gerade mitten unter den losen Stein setzen“, riet der Ingenieur, „der Platz ist keineswegs zu empfehlen.“

„Warum, Senjor?“ sagte der Mann. „Lassen Sie das nur meine Sorge sein, wo ich sitze. Dieser Platz ist sehr bequem für mich. Ich brauche mich dann nicht so anzustrengen, brauche nicht so sehr zu schreien, habe es nach jeder Seite hin gleich weit und kann so ohne große Mühe am besten verhindern, daß nicht doch noch jemand hier drunter herzugehen versucht. Denn es ist sehr gefährlich, Senjor, wenn da gerade jemand drunter wäre, wenn der Stein kommt.“

Dabei drehte er sich seelenruhig eine neue Zigarette und zündete sie mit großem Behagen an.

Vier Stunden später war der Mann zermalmt. Alles, was man seiner Frau von seinen sterblichen Überresten bringen konnte, war die Sandale seines linken Fußes, der unter dem Steinkoloß hervorlugte.

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