Zukunft
Reading edition
1
Der ich schon längst nicht schenke Aus kleinem Krug an Mensch und Welt, Wohin es mich auch lenke Bleibst Du mir immer beigesellt.
Aussend ich wilde Mannheit Um Deinen milden Frauenleib, Eingehen mußt Du meiner Zeit, Zu geben großes Bild vom Weib.
Ich will aus Dir herlesen Was in der Zeit noch grauend liegt, Einbrechen in Dein Wesen Wie man in glühend Eisen biegt.
Gewiß verbirgt Dein guter Schoß Das Sterben und die ganze Not, Verschlossen hüpft und riesengroß In Dir schon unser aller Tod.
Drum laß ich nieder, wo Du bist, Die müdgespannte Muskellast O sei Du heilig rein geküßt Da Du mich eingelassen hast.
2
Die Erde tat am Mond Verrat, Nun kann ihr keine Obhut sein, Rot Feuer fällt auf unsere Stadt, In Trümmern Du und ich allein.
Zweifach durch schwarze Nacht gescheucht Scharlachentzündet Firmament, O mein zerschrienes Herz schrill keucht, Daß mein Gesicht Dich nicht mehr kennt.
Da nimmst Du meinen Kopf an dich, Aus der unsagbar Edles spricht, Ins Auge ungeheuerlich Bricht überströmend neu das Licht.
3
Schwingt Anemonen trunken Der traumersehnte See, Die Zeiten sind gesunken, Aus Blumen bleicht der Schnee.
Die Schädel vieler Leichen Sind in die Luft gepflanzt, Auf Feldern ohnegleichen Wird wundersam getanzt.
Aus Klängen Bäche bluten, In Eins zuspitzt die Welt, Aus Lärm und Ruf und Gluten Wird Heiland neu bestellt.
*
Die jungen Juden haben Dräuend die Hand gestreckt, Was ihre Herzen gaben Hält süß ihn zugedeckt.
Aus ihren Hungergassen Wächst Jubel langsam auf, Noch können sie nicht fassen. Starr geht ihr Blick hinauf.
Doch dann sind sie unbändig Und Leid bricht rot heraus, Das schleudern tausendhändig Sie in die Zeiten aus.
*
Es ist nur ein Gesicht, Das auf der Erde geht, Nur einer ist, der spricht, Jed Wort wird zum Gebet.
Den Schnitter in der Hitze Springt Grausen geltend an, Kein Zweiter bleibt, der stütze, Nicht kennt sich Weib noch Mann.
Gott sind die Menschen alle Und Auge, das erlischt, Sie schrein, bereit zum Falle, Einander ins Gericht.
*
Hört Glockenrasen ragen, Hell aufgebäumt von Stoß, Die schuldig sind, sie sagen Sich voneinander los.
Ein heulend Stürzen nieder Gepackt von aller Last Zerspringen ihre Glieder — Gott hat sie angefaßt.
Die Erde überwehen Kühler und schwarzer Wind. Dann bleibt die Erde stehen. Gott wurde trauernd blind.
*
Schwingt Anemonen trunken Der traumersehnte See, Die Zeiten sind versunken, Aus Blumen bleicht der Schnee.
Still kommen hergefahren In Nachen singend Lied Unzählbar Seelenscharen, Aus denen Himmel blüht.
Sie tragen ihre Helle An den verwünschten Ort. Aufnimmt sie Sonnenwelle, Sie leben herrlich fort!
4
Du gib die überhelle Kraft, Aus der der Stern der Güte stammt, Zerspreng die Haft, gib Wissenschaft Und unermeßlich machtvoll Amt.
Was gab denn Haß, da ich vergaß Und Liebe, die in Qual verrann, Wenn ich mich alles des vermaß Sag an, was blieb mir dann!
Mein Schlaf schwimmt in verzagten Tag Und ahnt die Ufer nicht, Wie leicht erlag dem starren Schlag Mein helles Traumgesicht.
So gib, daß ich der Hüter einst Nah Deinem Atem bin, Wenn Gott Du weinst, Licht, wenn Du scheinst, Wie stürzt da alles selig hin!