Tränenlied
Reading edition
Soll ich mein kleines Lustliedlein singen, Mein Herzlein bringen Vor Deinen Mund, Knie will ich falten, Hände hinhalten, Mach mich gesund!
Hebe mir Schwere Vom Haupt, O ich ersticke, Aller Geschicke Steh ich beraubt. Laß mich die Leere Mit meinen bloßen Armen durchstoßen,
Bin ich doch nackt Ausgegossen in Deine Hände, O so beende Was mich da packt.
Zärtlichkeit hasse ich, Schwäche versehrt mich, Liebe zerstört mich, Ich bin gar unfähig.
Im Fensterriß errötend rings von Tag Der Häusermauern eckiges Gesicht, Beglotzt den Traum, lang rasselndes Gewicht, Das mich die ganze starre Nacht umlag.
Der Baum im Hof erhebt sich kraß und dicht Sirenenbrunst und kurzer Uhrenschlag; Das schon ganz tief im hellen Himmel stak: Erschrocken unterm Dach verlischt ein Licht.
Hundegebell, es häufen sich die Zeichen, Ich werde bald mich aufrecht stehend wissen, Wind wird mich, zärtliches Gefühl, umschleichen,
Ich fand mich nie zurecht in meinen Kissen, Ich will die Sonne sehn, sie soll Dir gleichen, Soll Mädchen sein und meine Augen küssen.