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U-Boot-Abenteuer im Sperrgebiet

Das geheimnisvolle Segelschiff

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Noch einmal bäumt sich der »Petit Henri« auf, das schon halb untergetauchte Vorschiff kommt hoch, als sträubte es sich, so kurz vor dem Hafen sein Leben beschließen zu müssen, dann aber geht es um so schneller. Mit dem Klüverbaum voraus fährt er senkrecht in die Tiefe, bis die quirlende See sich über seinem Heck schließt.

Etwa fünfhundert Meter ab rudert die Mannschaft des versenkten Neufundlandfahrers der Insel Oléron zu, deren niedrige Nordhuck Chassiron mit dem scharf ausgeprägten Sattel, dem Leuchtturm und der Küstensignalstation über die Oberfläche hinausragt. Einen Augenblick haben die Franzosen, als ihr Schiff sich in den letzten Zuckungen aufbäumte, zu rudern aufgehört, dann, nachdem der »Petit Henri« ausgelitten hat, pullen sie weiter nach Land zu.

Eben will »U 135« nach Versenkung des Seglers nach See zu drehen, als die Aufmerksamkeit der auf dem Turm Befindlichen durch lebhaftes Schreien und Winken auf das kleine Boot, in dem ein ziemliches Durcheinander zu herrschen scheint, gelenkt wird.

»Stopp!« gibt der Kommandant an den Steuermann, der den Befehl an die Maschine übermittelt. Dann wendet er sich fragend zum wachhabenden Offizier:

»Was mögen die Kerle bloß wollen, da muß etwas Besonderes los sein.«

Der wachhabende Offizier, der mit dem Glas die Vorgänge drüben verfolgt, antwortet:

»Das Boot scheint leck zu sein, Herr Kapitänleutnant, es taucht bereits bis zum Dollbord ein.«

»Na, fahren Sie mal ran.«

Wenige Minuten später ist »U 135« längsseit. Das kleine Fahrzeug ist tatsächlich leck. Bis über die Knie stehen die Leute, soweit sie nicht auf die Duchten geklettert sind, im Wasser, während ihre in Bündel geschnürten Habseligkeiten aufgeschwommen sind und wegzutreiben versuchen. Bald ist auch das Rätsel des unvermuteten Schiffbruchs gelöst. Etwa zwanzig Meter ab ragt die Vorkante eines Dampfers, der anscheinend erst vor kurzem hier das Schicksal, das heute den »Petit Henri« ereilte, geteilt hat, eben über die Wasserfläche hinaus. Das Eisen hat das Boot, das durch die leichte Dünung auf das Wrack gesetzt wurde, leck gestoßen. Es ist nicht mehr weit bis zum Wegsacken. Die Wahl ist nicht groß, ein anderes Boot ist nicht in der Nähe. So beschließt also der Kommandant, die Leute an Bord zu nehmen, um sie bei Gelegenheit einem anderen fahrbaren Untersatz anzuvertrauen.

Einer nach dem anderen wird durch das Wasser herauf geholt. Fröstelnd und frierend stehen sie in ihren nassen Kleidern mit den triefenden Bündeln in der Hand zusammengedrängt und warten, was der Kommandant über sie beschließen wird. Sie machen einen ruhigen, vernünftigen Eindruck. Wetterfeste Seeleute, mit dem Gelichter, das sonst auf den englischen und französischen Dampfern fährt, gar nicht zu vergleichen. Einzeln werden sie nach dem warmen Maschinenraum geführt, um dort erst einmal das nasse Zeug vom Leibe loszuwerden und dafür trockene Kleider aus den Beständen des Bootes, die für solche Zwecke an Bord mitgeführt werden, zu erhalten. Bald haben sie sich an die fremde Umgebung gewöhnt. Es sind sehnige, wetterharte und wortkarge Gesellen, die nichts gemein zu haben scheinen mit jenen zappeligen, ewig schwadronierenden Franzosen des Binnenlandes. Kaum daß einer ein Wort verliert.

Der Kapitän taut bald auf, als der Kommandant ihm ein Glas Portwein geben läßt und ihn über Schiff und Reise befragt. Schon vor einem halben Jahr ist der »Petit Henri« mit Wein und Salz von Bordeaux nach Neufundland abgegangen, um dort einige Monate Dorsch zu angeln. Als die Ladung von fünfhundert Tonnen voll war, wurde der Rückweg angetreten. Es war eine stürmische Fahrt durch den Atlantik. Sechs Wochen waren sie oft mehr unter als über dem Wasser gewesen, bis endlich in den letzten beiden Tagen der Sturm nachließ und sie geglaubt hatten, erleichtert aufatmen zu dürfen. Mit der französischen Küste aber kam gleichzeitig auch das deutsche U-Boot in Sicht und mit ihm das Ende!

Vorläufig muß die ganze Gesellschaft an Bord bleiben, bis sich eben eine Gelegenheit findet, sie abzusetzen. Hoffentlich dauert es nicht zu lange, bis die Boote eines versenkten Dampfers mit ihrer eigenen Mannschaft auch die Leute des »Petit Henri« an Land nehmen.

Südwärts steuert »U 135« auf die Mündung der Gironde zu, wo reger Schiffsverkehr nach Bordeaux herrschen muß. Der Kommandant sieht sich aber bald in seinen Erwartungen böse getäuscht. Keine Rauchfahne, nicht einmal ein Fischerboot zeigt sich. Es scheint tatsächlich immer mehr, als hätte die deutsche Sperrgebietserklärung auch hier alle Schiffe von der See hinweggefegt. Was sonst noch draußen war, dürfte die Meldungen der hier gelandeten Mannschaften versenkter Schiffe wohl schleunigst wieder in den Hafen gejagt haben. Mit den Franzosen an Bord ist die Tätigkeit des U-Bootes aber arg behindert. Die Leute zehren von dem Proviant und stehen überall im Wege. Es muß ein Ausweg gefunden werden.

Langes Überlegen führt zu nichts. Sind die Leute hier draußen nicht los zu werden, dann bietet sich sicher in der Mündung der Gironde selbst eine Gelegenheit, sie zu landen. Das Unternehmen ist zwar verteufelt brenzlich, wann aber hat ein deutscher U-Bootskommandant danach gefragt! Die französische U-Bootsabwehr und die Bewachungsfahrzeuge haben sich jedenfalls in richtiger Einschätzung ihrer nicht sonderlich großen Fähigkeiten sofort stromaufwärts zurückgezogen, als die Kunde vom Auftauchen der deutschen U-Boote hierher gedrungen ist.

Im grauenden Morgen steht »U 135« nicht weit von der Insel Cordouan in der Mündung des Flusses. Im Nebel, der in dichten Schwaden über dem Wasser lagert, ist der Leuchtturm selbst nicht zu sehen. Mitunter nur scheint sein Licht wie ein fahles Dämmern die dichten Schleier durchdringen zu wollen, auch die Feuer auf Huck Coubre an der Nordseite und Grave auf der Südseite verschwimmen in dem einförmigen Grau. Wie aufgesogen scheint alles vom dichten Brodem.

Vorsichtig, mit langsamer Fahrt fühlt sich das Boot von Seezeichen zu Seezeichen weiter. Alles trieft vor Nässe. Ein dunkler Gegenstand taucht plötzlich wie ein Schatten an Steuerbordseite auf, keine fünfzig Meter ab. Im gleichen Augenblick, als die Leute auf dem Turm das Fahrzeug drüben, dessen Umrisse im Nebel zu verschwimmen scheinen, als einen französischen Lotsenkutter ausmachen, schallt auch schon von drüben durch den Sprachtrichter die Frage herüber:

»Brauchen Sie einen Lotsen?«

Eine Sekunde ratlosester Verblüffung über dieses allzu liebenswürdige Anerbieten, dann ruft schnell gefaßt der Kommandant zum höflichen Franzosen hinüber:

»Nein, danke!«

Wenige Minuten darauf ist das französische Boot im Nebel wieder spurlos verschwunden und »U 135« setzt seine Fahrt stromaufwärts fort.

Der Nebel wird zusehends dünner, heller Schimmer im Osten deutet auf den anbrechenden Tag. Zu beiden Seiten tritt das Land hervor. Eine niedrige Küste, hinter der mehrere Dünenzüge sich abheben, auf der Nordseite; im Süden weißer Sandstrand, Häuser, grünes Buschwerk, weiter binnenlands einzelne, über die Düne hinwegragende Kirchtürme. So weit das Auge das Revier überblicken kann, ist kein Dampfer in Sicht, kein Boot, dem man die Franzosen, die wohlweislich unter Deck geschickt sind, übergeben könnte. Immer heller und klarer wird es, so sichtig, daß es höchste Zeit scheint, zu drehen und auszulaufen. Ein wahres Wunder, daß das U-Boot noch nicht als deutsches erkannt wurde. Freilich, mit einer derartigen Kühnheit rechnen die Franzosen hier wohl schwerlich. In Sicht des Talais-Feuerschiffes wendet »U 135« und geht stromabwärts nach See zu.

Deutlich hebt sich jetzt, von der Morgensonne grell beleuchtet, der hohe kegelförmige weiße Leuchtturm von Cordouan auf seinem Riffe vom blauen Himmel ab. Unter ihm, dicht am aufgemauerten Damm, ist der Lotsenschoner vor Anker gegangen. »U 135« geht längsseit. Ehe die »wachsamen« Lotsen noch aus ihrer behaglichen Morgenruhe erwacht sind, springen schon die Sprengmannschaften an Deck, schicken die heraufkommende Besatzung in die Boote und übergeben ihnen die Mannschaft des Neufundlandfahrers. Wenige Minuten später kracht, bevor die Beiboote des Fahrzeuges noch an der Mole anlegen, der dumpfe Schlag der Sprengpatrone, und das Lotsenschiff sackt auf den Grund der Gironde, während das deutsche Tauchboot allmählich aus Sicht verschwindet. Die zur Verfolgung angesetzten Kriegsfahrzeuge, die bald nachher mit hoher Fahrt aus der Mündung vorstoßen, finden nur glatte freie See. Während sie planlos hin- und herjagen und vergebens nach dem frechen Eindringling ausspähen, überlegt zwanzig Meter unter ihnen der Kommandant von »U 135« in aller Ruhe, was nun als nächstes zu tun wäre. Das Tätigkeitsgebiet muß unbedingt wegverlegt werden. In Bordeaux wissen sie längst, daß sich deutsche U-Boote hier herumtreiben und lassen in der nächsten Zeit sicherlich kein Schiff mehr ausfahren. Auch die nach der Gironde bestimmten Fahrzeuge sind sofort funkentelegraphisch gewarnt worden. Ist es aber möglich gewesen, unbemerkt in die Gironde hineinzukommen, dann gelingt es vielleicht ebenso, den Franzosen im äußersten Süden, unweit der spanischen Grenze eine freundliche Überraschung zu bereiten. Die Schiffahrt ist dort zwar unbedeutend, an der Mündung des Adour aber liegen, unmittelbar an der See, die Forges de l'Adour, die Hüttenwerke, die Tag und Nacht an der Herstellung von Granaten und von Sprengstoff für die Front arbeiten. Ein paar gut gezielte Geschosse müssen dort heillose Verwirrung anrichten. Um aber die Geschütze zum Tragen bringen zu können, muß das Boot aufgetaucht herankommen. Das ist aber, wenn die Franzosen nur einigermaßen wachsam sind, unmöglich. Unmöglich? –

In Sicht der Küste von Béarn zieht ein kleiner Segler durch die blaugrünen Fluten der Biscaya. Ein niedriges Fahrzeug, dessen Körper nur wenig über die Oberfläche hinaus ragt. An zwei dünnen Pfahlmasten stehen prall gefüllt in der achterlichen Brise die kleinen braunen Segel; eines der französischen Fischerboote, die in dieser Gegend in großer Zahl ihrem Gewerbe nachgehen. Direkt auf die Mündung des Adour hält es zu. Wahrscheinlich hat es genügend gefangen, so daß sich das Einlaufen nach Bayonne schon lohnt. Ruhig setzt das Fahrzeug seinen Weg heimwärts fort. An beiden Seiten, weit draußen in See ziehen zahlreiche Segel anderer Fischer dahin. Sie beneiden wohl den glücklicheren Kameraden, der mit gefüllter Bünn zu Markte fährt. Und die Fische stehen jetzt in Kriegszeit hoch im Preise.

An Steuerbord ragen die schneebedeckten Gipfel und Kämme der Pyrenäen auf; voraus, kaum fünf Seemeilen ab, hebt sich immer deutlicher ein Gewirr hoher Schornsteine; zwischen dem Gebirge und dem Hüttenwerk zeichnet sich als deutliche Ansteuerungsmarke auf seinem hohen Küstenabhange der Leuchtturm von Biarritz. Grell leuchtet in der Sonne der überall vorgelagerte weiße Sandstrand.

Der Patron des Fischerbootes scheint plötzlich seine Absicht, den Fang auf dem Bayonner Fischmarkt los werden zu wollen, geändert zu haben. Er stoppt, dreht, daß er quer zum Lande liegt ...... Im nächsten Augenblicke fallen die Segel; zwei Feuerstrahlen spritzen auf, weißer Pulverqualm zieht ab, lang nachhallender Geschützdonner rollt über die See. .... »U 135«, das sich in der Maske eines harmlosen Fischerbootes herangepirscht hat und dessen Granaten nun unaufhörlich, Schlag auf Schlag in das Hüttenwerk hineinfegen. Das Dach einer mächtigen Halle stürzt ein, Flammen züngeln aus einem anderen Gebäude, und immer neue Granaten heulen heran. Dicht unter einem Schornstein jagt eine grelle Flamme hoch. Eine riesige Rauchwolke steigt empor; langsam zuerst, als besänne er sich, dann in jähem Sturze neigt sich der Schornstein und schmettert mit seiner dunklen Masse in den hellen Qualm hinein. Der dröhnende Schlag der Explosion dringt an das U-Boot heran, unaufhörlich klingen kleinere, schwächere Detonationen der hochgehenden Munition nach.

Einzelne Gestalten hetzen in fliegender Hast über den weißen Sand und verschwinden im Grün der Tannen, die sich am Fuße der Dünen dunkel abheben. Gleich darauf blitzt es aus dem Walde dort auf. Eine französische Batterie, die das U-Boot unter Feuer nimmt. Ihre Geschosse schlagen noch ziemlich weit im Wasser ein, es hat aber keinen Sinn, sich unnötig hier einer Gefahr auszusetzen. Der Zweck des Unternehmens, die Beschießung des Hüttenwerkes, ist erfüllt, der Weg nach Hause ist weit, und andere Unternehmungen harren noch.

Von Bewachungsfahrzeugen hat sich während des ganzen Vorfalles, der geraume Zeit dauerte, nichts gezeigt. Unangefochten läuft »U 135« mit voller Fahrt südwärts, wo aus der Stellung der eben über der Kimm noch hochtauchenden Segel der französischen Fischer zu sehen ist, daß die Herrschaften Lunte gerochen haben und sich vor dem unheimlichen Kameraden schleunigst aus den Kinken bergen wollen. Die spanische Hoheitsgrenze ist nicht weit. Es gelingt ihnen vielleicht, sie zu erreichen, bevor das U-Boot heran ist. Ein ganzes Rudel, mehr als ein Dutzend steht beisammen. Sie haben sich keine Zeit gelassen, die Netze einzuholen; mit einigen Beilhieben sind wahrscheinlich die Leinen gekappt, und Hals über Kopf laufen sie nun davon. Immer mehr aber kommt inzwischen der Verfolger auf. Zwar machen die drüben bei günstiger Backstagbrise gute Fahrt, das U-Boot aber ist ihnen bedeutend an Geschwindigkeit überlegen.

Nach halbstündiger Jagd schon saust aus dem vorderen Geschütz die Einladung zum sofortigen Stoppen mitten unter sie. So leicht aber geben sie das Rennen nicht auf. Erst der dritte Schuß, der einem ziemlich vorn liegenden Boot gleich die ganze Takelage entführt, wirkt. Bis auf zwei, denen es tatsächlich gelingt, zu entkommen, werfen sie jetzt alle ihre Segel herunter. »U 135« umkreist die auseinanderstehenden Franzosen und treibt sie zusammen. In wenigen Minuten schon hat die Gesellschaft begriffen, daß der Kommandant ihnen allen als fahrbaren Untersatz jenes Fahrzeug bestimmt hat, das der dritte Schuß seiner Segel beraubte. Gefährlich ist die Geschichte ja nicht. In einer Stunde längstens müssen sie an der spanischen Küste, die kaum vier Seemeilen abliegt, landen können. Fast zum Greifen nahe scheint in der klaren Luft das Land. Scharf heben sich weit binnenlands die Umrisse der Pyrenäen vom tiefblauen Himmel ab. Die aufregende Jagd ist von drüben beobachtet worden. In hellen Scharen strömen die Leute an den Strand hinunter und starren neugierig auf See hinaus. Die beiden Geflüchteten, die eben auf den Sand auflaufen, scheinen bedeutend weniger Interesse zu finden für die Ereignisse, die sich draußen abspielen. Das deutsche Tauchboot stellt die Ungeduld der Zuschauer auf keine zu lange Probe.

Je zwei Fahrzeuge werden zusammengebunden, Sprengpatronen zwischen ihnen angebracht, dann sacken sie schleunigst weg. Dem geschäftstüchtigsten Fischer ist es allerdings noch gelungen, einen Teil seines Fanges für gute blanke Münze an die Besatzung loszuwerden. Gute Freunde scheint er sich mit seinem Vorgehen ja nicht erworben zu haben. Auf dem Boot, das eben nach Land zu rudert, herrscht eine so lebhafte Unterhaltung, daß sie bis an Bord herüberdringt. Ob ihm die Kameraden dort etwa Vorwürfe wegen seines unpatriotischen Vorgehens machen? Schwerlich! Die ärgern sich wohl, daß sie nicht vor ihm auf den guten Gedanken kamen und sich das schöne Geschäft vor der Nase wegschnappen ließen. –

Weit außer Sicht des Landes fährt ein kleiner Segler in der leichten Brise nordwärts. An Deck ist eine Anzahl Leute in den verschiedensten Bekleidungen, die nur das eine gemeinsam haben, daß sie alle reichliche Spuren von Öl aufweisen, damit beschäftigt, Silberlachse zu entschuppen und für die Küche fertigzumachen. Die Stimmung ist ausgezeichnet. Kein Wunder übrigens, wenn man die ruhige See und den steten Wind, der das Fahrzeug ungewöhnlich schnell vorwärtstreibt, bedenkt. Der Besatzung von »U 135« macht es diebischen Spaß, zur Abwechslung einmal auf einem Segelboot durch die blauen Fluten des Ozeans zu gondeln. Wenn auch das taktmäßige Geräusch aus dem Schiffsinnern zeigt, daß die Dieselmotoren arbeiten, so genügen doch die verhältnismäßig kleinen braunen Segel, den harten Tauchbootkrieg für Augenblicke vergessen zu machen und den Anschein des Friedens vorzugaukeln.

Warm strahlt die Mittagssonne auf das Deck herab und auf die Leute, die wohlig ausgestreckt umherliegen und mit Behagen nach den Düften schnuppern, die aus der Kombüse nach oben dringen.

»Voraus zwei Strich an Backbord ein Segler!«

Im Nu ist die Idylle des fröhlichen Fischerbootes abgestreift, die Segel wandern unter Deck, und mit voller Kraft jagt »U 135« dem herankommenden Schiff entgegen. Eine stolze Viermastbark, die alle Lappen gesetzt hat. Majestätisch, in wundervoll ruhiger flotter Fahrt rauscht sie heran, daß den Seeleuten an Bord das Herz im Leibe lacht. Dicht vor ihr schlägt eine Granate ein, jagt das Wasser bis an Deck hinauf. Die Aufforderung genügt. Die Segel werden backgebraßt, die Fahrt kommt allmählich aus dem Schiff, bis es regungslos in der leichten Dünung schaukelt ... Auf Signal geht die Flagge hoch: die Trikolore!

Ein Ruderboot stößt ab, die Schiffspapiere werden gebracht: Salpeter aus Chile, bestimmt für die Forges de l'Adour.

Mit stehenden Segeln geht eine halbe Stunde später das schöne Schiff kopfüber in die Tiefe. Eben, als die Wellen sich über ihm schließen, legt das französische Boot, das die Sprenggruppe wieder an Bord bringt, an. Der Kapitän der Bark, der auf »U 135« geblieben war, hat dem Kommandanten erzählt, daß sein Schiff hundertfünfundzwanzig Tage unterwegs war, wochenlang mußte er bei Kap Horn beigedreht liegen, fast ebensolange Zeit trieb er in der Flaute unter der Linie. Wie die Kinder hätten sie sich gefreut, heute Abend an Land kommen zu können, wo es nach dem vielen Salzfleisch wieder einmal Frischproviant geben sollte. Der Kommandant weiß seinen Kummer, daß die für die Forges de l'Adour so wertvolle Ladung versenkt wurde, bald zu verscheuchen. Er erzählt ihm, daß die Hüttenwerke wohl in Verlegenheit gekommen wären, was sie mit dem Salpeter anzufangen hätten, da sie selbst nach den Vorgängen des heutigen Morgens an die Verarbeitung vorläufig kaum würden denken können. Auch um den heute so ersehnten Frischproviant sollen sie nicht kommen. Ein Ruf nach der Zentrale, und wenige Minuten später erscheint der Koch mit einer großen Back voll gebratener Fische, die er den Leuten in ihr Boot hinunterreicht. Treuherzig begleitet er seine Gabe noch mit einer Ansprache: »Nu futtert man düchtig los. Sind Landslüd von ju – man bloß schad um de scheune dütsche Bodder!«

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