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Reise in das Morgenland in den Jahren 1836 und 1837, Dritter und letzter Band

Vorrede.

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Dieser letzte Band meiner Reisebeschreibung, welcher heute vollendet vor mir liegt, führt den theilnehmenden Leser weiter durch das alte Heimathland des Glaubens, dann zu jenem des wissenschaftlichen Beschauens, endlich aber zurück zu dem Ort des leiblichen Daheimseyns. Indem ich am Schlusse der ganzen Arbeit noch einmal die Bahn betrachte, durch welche mein Reisebericht führt, erkenne ich freilich, lebendiger denn vielleicht irgend ein Andrer, die Mangelhaftigkeit dieses Führers. Denn obgleich es die Quellen vom Hermon und Libanon, von Judäas und Ephraims Gebirgen, dem vorüberrinnenden Bächlein meiner Beschreibungen an Nahrung nicht fehlen ließen, blieb dieses dennoch ein Siechbach, welcher nur zu oft dem Gesetz des Falles unterliegend von der Höhe herab in die dürre Ebene der Alltäglichkeit sich ergoß und hier im Sande sich verlor. Wenn aber auch nicht selten ein Gebüsch der Tamarisken, das am Rande des vertrockneten Gießbaches grünet, die Erwartung des Lesers täuschen sollte, der sich da einem erfrischenden Quell im Haine der Zypressen zu nahen hoffte, möge dennoch der Getäuschte dem alten Reisebeschreiber nicht zu sehr zürnen. Es sind nicht allein die Quellen des Gebirges, die man nach Willkühr aufsuchen und wieder verlassen kann, welche dem dürren Lande sein lebendiges Wasser geben, sondern die Segnungen von diesem kommen am meisten und zunächst aus dem oberen Gewölk, über dessen Erguß und Lauf unser Wille keine Gewalt hat. Und selbst jene Weise der Darstellung, welche dem armseligen Gebüsch der Tamariske aus der Ferne die anscheinende Gestalt der edlen Cypresse verleihet, kam nicht aus der Willkühr des Beschreibers. Die Erinnerung an das vorhin Empfundene und Erlebte ist ein Abendroth, welches selbst die unscheinbaren Nebel der Höhe mit seinem lieblichen Purpur bekleidet, und zugleich auf das Angesicht Dessen der es betrachtet und beschreibt, einen veredlenden Schein wirft, der jenem von Natur nicht zukommt.

Es war anfänglich meine Absicht als Anhang zu diesem letzten Bande meiner Reise ein Verzeichniß von Arabischen Namen der Naturkörper, namentlich der Pflanzen und Thiere zu geben. Dieses war der Grund aus welchem ich die Arabischen Benennungen, auch wo sie mir bekannt geworden, im Buche selber nur selten beifügte. Abgesehen jedoch davon, daß der Inhalt des dritten Bandes selber unter der Hand zu einer größeren Ausdehnung angewachsen war als ich erwartet hatte, und daß ein solches Namensverzeichniß nur für den geringsten Theil der Leser, für welche ich zunächst dieses Buch schrieb, von Interesse seyn würde, hielt ich es nach reiflicherer Ueberlegung auch aus andren Gründen für besser, jenen weitläufigen und dennoch lückenhaften Anhang für eine passendere Gelegenheit zurück zu behalten.

Eine Zusammenstellung unsrer auf der Reise von Kairo bis nach Beirut gemachten barometrischen Beobachtungen sammt den hierauf gegründeten Berechnungen der Höhen verspricht mein verehrter College, Dr. E. A. von Steinheil, welcher dem Geschäft jener Berechnungen freundlich sich unterzog, in den Denkschriften der Münchner Academie der Wissenschaften zu geben. Freilich geht jenen Angaben leider die Sicherheit ab, die sie nur durch correspondirende Beobachtungen erhalten konnten, und von den vier aus München wie aus Wien mitgenommenen Barometern war das einzige, durch Dr. Erdls unermüdete Wachsamkeit noch für den letzten wichtigsten Theil der Reise gerettete, vielleicht nicht einmal das beste; dennoch können unsre Beobachtungen einen vorläufigen Anhalt für die Höhenkenntniß von Palästina geben.

Die hier beigefügte Landkarte, zu welcher mein treuer Reisegefährte Dr. Erdl den Plan von Jerusalem, großentheils nach Catherwood zeichnete, gewährt nur eine allgemeine Uebersicht über die Richtung unsres Weges; von dem Haupt- und Mittelpunkt der ganzen Reise, von der Landschaft Palästina's, wird die hoffentlich bald erscheinende Karte meines Freundes K. von Raumer ein möglichst vollständiges und getreues Bild geben.

Die Auswahl aus den Zeichnungen meines Reisebegleiters, des Herrn Maler Bernatz liegt nun vollendet, in vier Heften, vor. Wenn diese Abbildungen auch keinesweges auf glänzenden Effekt berechnet sind, so kann ich dagegen desto mehr die gewissenhafte Treue rühmen, mit welcher dieselben an Ort und Stelle entworfen sind. Die von mehreren Seiten gerügte Ungleichheit der Abdrücke war nicht die Schuld des in weiter Entfernung vom Druckorte wohnenden Künstlers.

Sehr zu beklagen habe ich, daß mir die vorläufigen Berichte der Herren Robinson und Eli Smith über ihre Reise in Arabien und Palästina (in der Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes) erst nach dem Abdruck des zweiten Bandes meiner Reise zu Gesichte kamen. Ich würde mich sonst ausführlich über die Gründe erklärt haben, aus denen ich noch jetzt, übereinstimmend zwar im Ganzen mit den Wahrnehmungen jener trefflichen Beobachter, zugleich aber auch in Berücksichtigung von Siebers, Catherwoods u. A. Annahmen über den Lauf der alten Mauern von Jerusalem, es für mehr als wahrscheinlich halte, daß die Stätte, auf welcher die h. Grabeskirche erbaut ist, zur Zeit von Christi Kreuzigung außerhalb der Stadtmauern gelegen sey, und daß sie die wirklichen Orte von Golgatha und vom heiligen Grabe umfasse. Uebrigens freue ich mich von Herzen auf das Erscheinen einer Reisebeschreibung, welche so reichhaltig zu seyn verspricht an Aufschlüssen über die Geographie und Naturbeschaffenheit von Palästina denn vielleicht kaum eine andre der neueren Zeit.

Ich bin befragt worden, wie hoch sich wohl die Kosten einer solchen Reise, wie die unsrige war, belaufen möchten? Hierauf kann ich antworten, daß wenn eine kleine Gesellschaft, etwa der unsrigen an Zahl der Personen gleich, denselben Weg einschlagen wollte, den wir zurücklegten, die Ausgaben für eine Person beiläufig 900 Thaler Preußisch oder nahe 1600 Gulden rheinisch betragen möchten; daß man aber bei der jetzigen Einrichtung der Dampfschiffahrt gar wohl mit etwa 800 Gulden die Reise von Triest nach dem gelobten Lande, dann durch ganz Syrien und von dort zurück nach Triest machen könnte. In der That, gering und unbedeutend waren die äußren Opfer, Entbehrungen und Mühen, welche diese Reise erforderte, gegen den Genuß und Gewinn welchen sie uns brachte; denn wir wurden im ganzen Verlauf derselben wie auf Adlersfittichen geführt und bewahrt; selbst die Wüste gewährte uns Freuden, welche im Geräusch der Städte kaum gefunden werden.

Pähl im Ammergrunde am 28sten August 1839.

Der Verfasser.

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