ZWEITE SZENE
Dorothea Tieck translation · Edition 4
(Daselbst])
(Lady Macbeth tritt unten auf.)
LADY MACBETH Was sie betäubte, hat mich stark gemacht, Und was sie dämpft', hat mich entflammt.—Still, horch!— Die Eule wars, die schrie, der Unheilsbote, Der gräßlich gute Nacht wünscht.—Er ist dran: Die Türen sind geöffnet, schnarchend spotten Die überladnen Diener ihres Amts; Ich würzte ihren Schlaftrunk, daß Natur Und Tod sich streiten, wem sie angehören.
MACBETH (hinter der Bühne. [der oben erscheint.]) Wer ist da? He!
([Er geht wieder hinein.])
LADY MACBETH O weh, ich fürchte, sie sind aufgewacht Und nichts geschehn. Der Anschlag, nicht die Tat Verdirbt uns—Horch! Ich legt ihm ihre Dolche Bereit, die mußt er finden.—Hätt er nicht Geglichen meinem Vater, wie er schlief, So hätt ichs selbst getan.—Oh, mein Gemahl!
(Macbeth tritt auf.)
MACBETH Ich hab die Tat getan.—Hörtst du nicht was?
LADY MACBETH Die Eule hört ich schrein, und Heimchen zirpen. Sprachst du nichts?
MACBETH Wann?
LADY MACBETH Jetzt.
MACBETH Wie ich 'runter kam?
LADY MACBETH Ja.
MACBETH Horch! Wer schläft im zweiten Zimmer?
LADY MACBETH Donalbain.
MACBETH Erbärmlich sieht das aus!
(Betrachtet seine Hände.)
LADY MACBETH Wie wunderlich, Erbärmlich das zu nennen!
MACBETH Der eine lacht' im Schlaf—und Mord! schrie einer, Daß sie einander weckten; ich stand und hört es: Sie aber sprachen ihr Gebet und legten Zum Schlaf sich wieder.
LADY MACBETH Dort wohnen zwei beisammen.
MACBETH Der schrie: Gott sei uns gnädig!, jener: Amen! Als sähn sie mich mit diesen Henkershänden. Behorchend ihre Angst konnt ich nicht sagen Amen, als jener sprach: Gott sei uns gnädig!
LADY MACBETH Denk nicht so tief darüber!
MACBETH Doch warum Könnt ich nicht Amen sprechen? War mir doch Die Gnad am meisten not, und Amen stockte Mir in der Kehle.
LADY MACBETH Dieser Taten muß Man so nicht denken; so macht es uns toll.
MACBETH Mir war, als rief es: Schlaft nicht mehr, Macbeth Mordet den Schlaf!—Ihn, den unschuldgen Schlaf; Schlaf, der des Grams verworrn Gespinst entwirrt, Den Tod von jedem Lebenstag, das Bad Der wunden Müh, den Balsam kranker Seelen, Den zweiten Gang im Gastmahl der Natur, Das nährendste Gericht beim Fest des Lebens.
LADY MACBETH Was meinst du?
MACBETH Stets rief es: Schlaft nicht mehr! durchs ganze Haus, Glamis erschlug den Schlaf, und drum wird Cawdor Nicht schlafen mehr, Macbeth nicht schlafen mehr!
LADY MACBETH Wer war es, der so rief? Mein würdger Than, Du läßt den edeln Mut erschlaffen, denkst du So hirnkrank drüber nach. Nimm etwas Wasser Und wasch von deiner Hand das garstge Zeugnis.— Was brachtest du die Dolche mit herunter? Dort liegen müssen sie; geh, bring sie hin Und färb mit Blut die Kämmrer, wie sie schlafen.
MACBETH Ich gehe nicht mehr hin, ich bin entsetzt, Denk ich, was ich getan! Es wieder schaun— Ich wag es nicht!
LADY MACBETH O schwache Willenskraft! Gib mir die Dolche! Schlafende und Tote Sind Bilder nur; der Kindheit Aug allein Scheut den gemalten Teufel. Wenn er blutet, Färb ich damit den Dienern die Gesichter, Denn ihre Schuld solls scheinen.
(Sie geht ab. Man hört klopfen.)
MACBETH Woher klopft es? Wie ists mit mir, daß jeder Ton mich schreckt? Was sind das hier für Hände? Ha, sie reißen Mir meine Augen aus. Kann wohl des großen Meergotts Ozean Dies Blut von meiner Hand rein waschen? Nein; Weit ehr kann diese meine Hand mit Purpur Die unermeßlichen Gewässer färben Und Grün in Rot verwandeln.
(Lady Macbeth kommt zurück.)
LADY MACBETH Meine Hände Sind blutig wie die deinen; doch ich schäme Mich, daß mein Herz so weiß ist.
(Es wird geklopft.)
Klopfen hör ich Am Südtor.—Eilen wir in unsre Kammer; Ein wenig Wasser spült von uns die Tat; Wie leicht dann ist sie!—Deine Festigkeit Verließ dich ganz und gar.
(Es wird geklopft.)
Horch, wieder Klopfen! Tu an dein Nachtkleid; müssen wir uns zeigen, Daß man nicht sieht, wir wachten!—Verlier dich nicht So ärmlich in Gedanken.
MACBETH Meine Tat Zu wissen! Besser von mir selbst nichts wissen!
(Es wird geklopft.)
Klopf Duncan aus dem Schlaf! O könntest du's!
(Sie gehn ab.)