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Macbeth

VIERTE SZENE

Dorothea Tieck translation · Edition 4

(Daselbst. Prunksaal im Schloß, gedeckte Tafel)

(Es treten auf Macbeth, Lady Macbeth, Rosse, Lenox, Lords, Gefolge.)

MACBETH Ihr kennt selbst euren Rang: nehmt Platz! Willkommen Seid ein für allemal!

LORDS Dank Euer Hoheit!

MACBETH Wir wollen Uns in die Gesellschaft mischen Als aufmerksamer Wirt. Die Wirtin nahm Schon ihren Sitz; doch mit Vergünstigung Ersuchen Wir um ihren Gruß und Willkomm.

LADY MACBETH Sprich ihn für mich zu allen unsern Freunden; Denn herzlich heiß ich alle sie willkommen.

([Der erste Mörder tritt zur Seitentür ein.])

MACBETH Sieh, ihres Herzens Dank kommt dir entgegen. Gleich voll sind beide Seiten. Hier will ich Mich in die Mitte setzen.

(Der erste Mörder tritt zur Tür ein.)

Ungehemmt Sei nun die Lust; gleich soll der Becher kreisen.—

([Geht zur Tür.])

Auf deiner Stirn ist Blut.

MÖRDER So ist es Banquos.

MACBETH Viel besser draußen an dir, als in ihm drinnen! So ist er abgetan?

MÖRDER Herr, seine Kehle Ist durchgeschnitten. Das tat ich für ihn.

MACBETH Du bist der beste Kehlabschneider; doch Auch der ist gut, der das für Fleance getan; Warst du's, so hast du deinesgleichen nicht.

MÖRDER Mein königlicher Herr, Fleance ist entwischt.

MACBETH So bin ich wieder krank; sonst wär gesund ich Und stark wie Marmor, fest wie Fels gegründet, Weit, allgemein, wie Luft und Windeshauch; Doch jetzt bin ich umschränkt, gepfercht, umpfählt, Geklemmt von niederträchtger Furcht und Zweifeln. Doch Banquo ist uns sicher?

MÖRDER Ja, teurer Herr, im Graben liegt er sicher: In seinem Kopfe zwanzig tiefe Wunden, Die kleinst ein Lebenstod.

MACBETH Nun, Dank! Da liegt Die ausgewachsne Schlange; das entflohne Gewürm ist giftig einst, nach seiner Art; Doch zahnlos jetzt.—Nun mach dich fort; auf morgen Vernehm ich mehr.

(Mörder geht ab.)

LADY MACBETH Mein königlicher Herr, Ihr seid kein heitrer Wirt. Das Fest ist feil, Wird nicht das Mahl durch Freundlichkeit gewürzt, Durch Willkomm erst geschenkt. Man speist am besten Daheim; doch auswärts macht die Höflichkeit Den Wohlgeschmack der Speisen; nüchtern wäre Gesellschaft sonst.

MACBETH Du holde Mahnerin!— Nun, auf die Eßlust folg ein gut Verdauen, Gesundheit beiden!

LENOX Gefällt es Eurer Hoheit, sich zu setzen?

(Banquos Geist kommt und setzt sich auf Macbeths Platz.)

MACBETH Beisammen wär uns hier des Landes Adel, Wenn unser Freund nicht, unser Banquo, fehlte; Doch möcht ich lieber ihn unfreundlich schelten, Als eines Unfalls wegen ihn bedauern.

LENOX Da er nicht kommt, verletzt er sein Versprechen. Gefällts Eur Majestät, uns zu beglücken, Indem Ihr Platz in unsrer Mitte nehmt?

MACBETH Die Tafel ist voll.

LENOX Hier ist ein Platz noch.

MACBETH Wo?

LENOX Hier, teurer König. Was erschreckt Eur Hoheit?

MACBETH Wer von euch tat das?

LORDS Was, mein guter Herr?

MACBETH Du kannst nicht sagen, daß ichs tat! O schüttle Nicht deine blutgen Locken gegen mich!

ROSSE Steht auf, Ihr Herrn, dem König ist nicht wohl.

LADY MACBETH Bleibt sitzen, Herrn, der König ist oft so Und wars von Jugend an—o steht nicht auf! Schnell geht vorbei der Anfall, augenblicks Ist er dann wohl. Beachtet Ihr ihn viel, So reizt Ihr ihn, und länger währt das Übel. Eßt, seht ihn gar nicht an.—Bist du ein Mann?

MACBETH Ja, und ein kühner, der das wagt zu schauen, Wovor der Teufel blaß wird.

LADY MACBETH Schönes Zeug! Das sind die wahren Bilder deiner Furcht; Das ist der luftge Dolch, der, wie du sagtest, Zu Duncan dich geführt!—Ha, dieses Zucken, Dies Starrn, Nachäffung wahren Schrecks, sie paßten Zu einem Weibermärchen am Kamin, Bestätigt von Großmütterchen.—O schäm dich! Was machst du für Gesichter, denn am Ende Schaust du nur auf 'nen Stuhl.

MACBETH Ich bitt dich, sieh, blick auf, schau an!—Was sagst du? Ha, meinethalb! Wenn du kannst nicken, sprich auch! Wenn Grab und Beingewölb uns wiederschickt, Die wir begruben, sei der Schlund der Geier Uns Totengruft!

(Der Geist geht fort.)

LADY MACBETH Was! Ganz entmannt von Torheit!

MACBETH So wahr ich leb, ich sah ihn!

LADY MACBETH O der Schmach!

MACBETH Blut ward auch sonst vergossen, schon vor alters, Eh menschlich Recht den frommen Staat verklärte, Ja, auch seitdem geschah so mancher Mord, Zu schrecklich für das Ohr: da wars doch so, Daß, war das Hirn heraus, der Mann auch starb, Und damit gut. Doch heute stehn sie auf, Mit zwanzig Todeswunden an den Köpfen, Und stoßen uns von unsern Stühlen: Das Ist wohl seltsamer noch als solch ein Mord.

LADY MACBETH Mein König, Ihr entzieht Euch Euren Freunden.

MACBETH Ha, ich vergaß! Staunt über mich nicht, meine würdgen Freunde; Ich hab ein seltsam Übel, das nichts ist Für jene, die mich kennen. Allen Wohlsein Und Lieb! Ich will mich setzen. Wein! Füllt voll!

([Der Geist kommt.])

So trink ich auf das Wohl der ganzen Tafel, Und Banquos, unsers Freunds, den wir vermissen. Wär er doch hier! Sein Wohlergehen wie aller Trink ich: Ihm, Euch!

LORDS Wir danken pflichtergeben.

(Der Geist erscheint wieder.)

MACBETH Aus meinen Augen!—Weg!—Die Erd verberg dich! Marklos ist dein Gebein, dein Blut ist kalt, Du hast kein Anschaun mehr in diesen Augen, Mit denen du so stierst.

LADY MACBETH Nehmt dies, Ihr Herrn, Als was Alltägliches, nichts weiter ists; Nur daß es uns des Abends Lust verdirbt.

MACBETH Was einer wagt, wag ich! Komm du mir nah als zottger russischer Bär, Geharnischt Nashorn, Tiger aus Hyrkanien, Nimm jegliche Gestalt, nur diese nicht— Nie werden meine festen Nerven beben. Oder sei lebend wieder, fordre mich In eine Wüst aufs Schwert; verkriech ich mich Dann zitternd, ruf mich aus als Dirnenpuppe! Hinweg, gräßlicher Schatten, Unkörperliches Blendwerk, fort!

(Geist entweicht.)

Ha, so! Du nicht mehr da, nun bin ich wieder Mann.— Ich bitte, steht nicht auf!

LADY MACBETH Ihr habt die Lust Verscheucht und die Geselligkeit gestört Durch höchst fremdartge Grillen.

MACBETH Kann solch Wesen An uns vorüberziehn wie Sommerwolken, Ohn unser mächtig Staunen? Ihr entfremdet Mich meinem eignen Selbst, bedenk ich jetzt, Daß ihr anschaut Gesichte solcher Art, Und doch die Röte eurer Wangen bleibt, Wenn Schreck die meinen bleicht.

ROSSE Was für Gesichte?

LADY MACBETH Ich bitt Euch, sprecht nicht; er wird schlimm und schlimmer; Fragen bringt ihn in Wut. Gut Nacht mit eins! Beim Weggehn haltet nicht auf Euern Rang, Geht all zugleich!

LENOX Wir wünschen Eurer Hoheit Gut Nacht und beßres Wohl.

LADY MACBETH Gut Nacht Euch allen!

(Alle Lords nebst Gefolge gehn ab.)

MACBETH Es fordert Blut, sagt man; Blut fordert Blut. Man sah, daß Fels sich regt' und Bäume sprachen, Auguren haben durch Geheimnis-Deutung Von Elstern, Krähn und Dohlen ausgefunden Den tief verborgnen Mörder.—Wie weit ist die Nacht?

LADY MACBETH Im Kampf fast mit dem Tag, ob Nacht, ob Tag.

MACBETH Was sagst du, daß Macduff zu kommen weigert Auf unsre Ladung?

LADY MACBETH Sandtest du nach ihm?

MACBETH Ich hörts von ungefähr; doch will ich senden. Kein einzger, in des Haus mir nicht bezahlt Ein Diener lebte. Morgen will ich hin Und in der Frühe zu den Zauberschwestern; Sie sollen mehr mir sagen, denn gespannt Bin ich, das Schlimmst auf schlimmstem Weg zu wissen. Zu meinem Vorteil muß sich alles fügen; Ich bin einmal so tief in Blut gestiegen, Daß, wollt ich nun im Waten stillestehn, Rückkehr so schwierig war als durchzugehn. Seltsames glüht im Kopf, es will zur Hand Und muß getan sein, eh noch recht erkannt.

LADY MACBETH Dir fehlt die Würze aller Wesen, Schlaf.

MACBETH Zu Bett!—Daß selbstgeschaffnes Graun mich quält, Ist Furcht des Neulings, dem die Übung fehlt. Wahrlich, wir sind zu jung nur.

(Sie gehen ab.)

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