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Macbeth

ERSTE SZENE

Dorothea Tieck translation · Edition 4

(Eine finstre Höhle, in der Mitte ein brodelnder Kessel)

(Donner; die drei Hexen kommen.)

ERSTE HEXE Die gelbe Katz hat dreimal miaut.

ZWEITE HEXE Drei- und einmal der Igel gequiekt.

DRITTE HEXE Harpyie schreit:—'s ist Zeit, 's ist Zeit!

ERSTE HEXE Um den Kessel dreht euch rund! Giftgekrös in seinen Schlund! Kröt, die unterm kalten Stein Tag' und Nächte, dreißig und ein, Giftschleim schlafend ausgegoren, Sollst zuerst im Kessel schmoren!

ALLE Doppelt plagt euch, mengt und mischt! Kessel brodelt, Feuer zischt.

ZWEITE HEXE Sumpfger Schlange Schwanz und Kopf Brat und koch im Zaubertopf: Molchesaug und Unkenzehe, Hundezung und Hirn der Krähe; Zäher Saft des Bilsenkrauts, Eidechsbein und Flaum vom Kauz: Starken Zauber eingemischt! Höllenbrei im Kessel zischt.

ALLE Doppelt plagt euch, mengt und mischt! Kessel brodelt, Feuer zischt.

DRITTE HEXE Wolfeszahn und Kamm des Drachen, Hexenmumie, Gaum und Rachen Aus des Haifischs scharfem Schlund; Schierlingswurz aus finsterm Grund; Auch des Lästerjuden Lunge, Türkennase, Tatarzunge; Eibenreis, vom Stamm gerissen In des Mondes Finsternissen; Hand des gleich erwürgten Knaben, Den die Metz gebar im Graben, Dich soll nun der Kessel haben. Tigereingeweid hinein, Und der Brei wird fertig sein.

ALLE Doppelt plagt euch, mengt und mischt! Kessel brodelt, Feuer zischt.

ZWEITE HEXE Kühlt es nun mit Paviansblut, Zauber wird dann stark und gut!

(Hekate kommt.)

HEKATE Recht so! Ich lobe euer Walten; Und jede soll auch Lohn erhalten. Nun um den Kessel reiht euch, singt Kobolden gleich in einem Ring, Verhexend alles, was darin!

(Gesang)

Geister weiß [und grau, Geister rot und blau, Rührt, rührt, rührt, Rührt aus aller Kraft!]

(Hekate ab.)

ZWEITE HEXE Ha, mir juckt der Daumen sehr, Etwas Böses kommt hieher!

([Klopfen.])

Laßt ihn ein, wers mag sein.

(Macbeth tritt auf.)

MACBETH Nun, ihr geheimen, schwarzen Nachtunholde! Was macht ihr da?

ALLE Ein namenloses Werk.

MACBETH Bei dem, was ihr da treibt, beschwör ich euch —Wie ihr zur Kund auch kommt—, antwortet mir: Entfesselt ihr den Sturm gleich, daß er kämpft Gegen die Kirchen, und die schäumgen Wogen Vernichten und verschlingen alle Schiffahrt, Daß reifes Korn sich legt und Wälder brechen, Daß Burgen auf den Schloßwart niederprasseln, Daß Pyramiden und Paläste beugen Bis zu dem Grund die Häupter; müßte selbst Der ganze Schatz der zeugenden Natur Zusammentaumeln, bis Vernichtung selbst Vergeht: Gebt Antwort mir auf meine Fragen!

ERSTE HEXE Sprich!

ZWEITE HEXE Frag!

DRITTE HEXE Wir geben Antwort.

ERSTE HEXE Hörst du's aus unserm Munde lieber oder Von unsern Meistern?

MACBETH Ruft sie, ich will sie sehn!

ERSTE HEXE Gießt der Sau Blut, die neun Jungen Fraß, noch zu; werft Fett, gedrungen Aus des Mörders Rabenstein, In die Glut!

ALLE Kommt, groß und klein! Seid dienstbehend und stellt euch ein!

(Donner. Ein bewaffnetes Haupt steigt aus dem Kessel.)

MACBETH Sprich, unbekannte Macht—

ERSTE HEXE Er weiß dein Fragen: Hören mußt du, selbst nichts sagen.

DIE ERSCHEINUNG Macbeth! Macbeth! Macbeth! Scheu den Macduff, Scheue den Than von Fife.—Laßt mich—genug!

(Versinkt.)

MACBETH Wer du auch seist, für deine Warnung Dank! Du trafst den wunden Fleck.—Doch noch ein Wort—

ERSTE HEXE Er läßt sich nicht befehlen. Hier ein andrer, Mächtger als jener.

(Donner. Ein blutiges Kind steigt aus dem Kessel.)

DIE ERSCHEINUNG Macbeth! Macbeth! Macbeth!

MACBETH Hätt ich drei Ohren, hört ich dich.

DIE ERSCHEINUNG Sei blutig, kühn und fest, lach aller Toren: Dir schadet keiner, den ein Weib geboren; Kein solcher kränkt Macbeth.

(Versinkt.)

MACBETH Dann leb, Macduff, was brauch ich dich zu fürchten? Doch mach ich doppelt sicher Sicherheit Und nehm ein Pfand vom Schicksal. Du sollst sterben! Dann sag ich zu der bleichen Furcht: du lügst!— Und schlafe trotz dem Donner.

([Donner. Ein gekröntes Kind steigt aus dem Kessel, mit einem Baum in der Hand.])

Was ist das,

(Donner. Die Erscheinung eines gekrönten Kindes mit einem Baum in der Hand steigt auf.)

Das aufsteigt wie der Sprößling eines Königs Und um die Kindesstirn geflochten hat Den Kranz der Majestät?

ALLE Horch; sprichs nicht an!

DIE ERSCHEINUNG Sei löwenkühn und stolz; nichts darfst du scheuen, Wer tobt, wer knirscht, und ob Verräter dräuen: Macbeth wird nie besiegt, bis einst hinan Der große Birnams-Wald zum Dunsinan Feindlich emporsteigt.

(Versinkt.)

MACBETH Das kann nimmer werden! Wer wirbt den Wald, heißt Bäume von der Erden Die Wurzel lösen? Wie der Spruch entzückt! Aufruhr ist tot, bis Birnams Waldung rückt Bergan, und Macbeth lebt in seiner Hoheit Bis an das Ziel der Tage, zahlt Tribut Nur der Natur und Zeit. Doch klopft mein Herz, nur eins noch zu erfahren; Sprecht, kann mir eure Kunst dies offenbaren: Wird Banquos Same je dies Reich regieren?

ALLE Frag weiter nichts!

MACBETH Ich will befriedigt sein! Versagt mir das, Und seid verflucht auf ewig! Laßt mich wissen—

([Oboen.])

Warum versinkt der Kessel? Welch Getön?

(Oboen.)

ERSTE HEXE Erscheint!

ZWEITE HEXE Erscheint!

DRITTE HEXE Erscheint!

ALLE Erscheint dem Aug und quält den Sinn, Wie Schatten kommt und fahrt dahin!

(Acht Könige erscheinen und gehen über die Bühne, der letzte trägt einen Spiegel; Banquo folgt.)

MACBETH Du bist zu ähnlich Banquos Geist! Hinab! Dein Diadem brennt mir die Augen.—Und du Mit goldumwundner Stirne gleichst dem ersten— Ein dritter wie der zweite! Garstge Hexen, Was zeigt ihr das? Ein vierter! Blick, erstarre! Wie, dehnt die Reih sich bis zum Jüngsten Tag? Und noch?—Ein siebter!—Ich will nichts mehr sehn.— Da kommt der achte noch und hält 'nen Spiegel, Der mir viel andre zeigt, und manche seh ich, Die zwei Reichsäpfel und drei Zepter tragen— Furchtbarer Anblick! Ja, ich seh, 's ist wahr; Denn blutbesudelt lächelt Banquo her Und deutet auf sie als die Seinen.—Ists so?

ERSTE HEXE Ja, alles ist so.—Doch warum Steht Macbeth da so starr und stumm? Auf, zu ermuntern seinen Geist, Ihm unsre schönsten Künste weist! Durch Zauber schaff ich luftge Weisen, Auf, tanzt in vielverschlungnen Kreisen! Der König soll uns Lob gewähren, Sein Kommen wußten wir zu ehren.

(Musik; die Hexen tanzen und verschwinden.)

MACBETH Wo sind sie? Fort? Mag diese Unglücksstunde Verflucht auf ewig im Kalender stehn!— Herein, du draußen!

(Lenox tritt auf.)

LENOX Was befiehlt Eur Hoheit?

MACBETH Sahst du die Zauberschwestern?

LENOX Nein, mein König.

MACBETH Sie kamen nicht vorbei?

LENOX Gewiß nicht, Herr.

MACBETH Verpestet sei die Luft, auf der sie fahren, Und alle die verdammt, so ihnen trauen! Ich hörte Pferdgalopp—wer kam vorbei?

LENOX Zwei oder drei, Herr, die Euch Nachricht brachten, Daß Macduff floh nach England.

MACBETH Floh nach England?

LENOX Ja, gnädger Herr.

MACBETH O Zeit, vor eilst du meinem grausen Tun! Nie wird der flüchtge Vorsatz eingeholt, Geht nicht die Tat gleich mit. Von Stund an nun Sei immer meines Herzens Erstling auch Erstling der Hand. Und den Gedanken gleich Zu krönen, sei's getan, so wie gedacht. Die Burg Macdufis will ich jetzt überfallen; Fife wird erobert, und dem Schwert geopfert Sein Weib und Kind und alle armen Seelen Aus seinem Stamm. Das ist nicht Torenwut; Es ist getan, eh sich erkühlt mein Blut. Nur keine Geister mehr!—Wo sind die Herrn? Komm, führ mich hin zu ihnen.

(Sie gehn ab.)

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