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Macbeth

DRITTE SZENE

Dorothea Tieck translation · Edition 4

(Dunsinan, ein Zimmer im Schloß)

(Macbeth tritt auf; der Arzt, Gefolge.)

MACBETH Bringt keine Nachricht mehr! Laßt alle fliehn; Bis Birnams Wald anrückt auf Dunsinan, Ist Furcht mir nichts. Was ist der Knabe Malcolm? Gebar ihn nicht ein Weib? Die Geister, kundig All irdischen Waltens, prophezeiten so: Sei kühn, Macbeth, kein Mann, vom Weib geboren, Soll je dir was anhaben. Flieht denn immer, Ihr falschen Thans, zu Englands Weichlingen! Dies Herz und meinen Herrschergeist verwegen, Dämpft Zweifel nicht und soll die Furcht nie regen.

(Ein Diener tritt auf.)

Der Teufel brenn dich schwarz, milchbleicher Lump! Wie kommst du an den Gänseblick?

DIENER Da sind zehntausend—

MACBETH Gäns, Schuft?

DIENER Krieger, Herr.

MACBETH Reib dein Gesicht, die Furcht zu überröten, Weißlebriger Hund. Was denn für Krieger, Hansnarr? Hol dich der Teufel! Deine Kreidewangen Verführen all zur Furcht. Was denn für Krieger, Molkengesicht?

DIENER Erlaubt, das Heer von England!

MACBETH Weg dein Gesicht!

(Diener ab.)

Seyton!—Mir wird ganz übel, Seh ich so—Seyton! Heda!—Dieser Ruck Kuriert auf immer oder liefert jetzt mich. Ich lebte lang genug; mein Lebensweg Geriet ins Dürre, ins verwelkte Laub; Und was das hohe Alter soll begleiten, Gehorsam, Liebe, Ehre, Freundestrost, Danach darf ich nicht aussehn; doch, statt dessen Flüche, nicht laut, doch tief. Munddienst und Hauch, Was gern das arme Herz mir weigern möchte, Und wagts nicht.—Seyton!

(Seyton kommt.)

SEYTON Was befiehlt mein Herrscher?

MACBETH Was gibt es Neues?

SEYTON Alles wird bestätigt, Was das Gerücht verkündet.

MACBETH Ich will fechten, Bis mir das Fleisch gehackt ist von den Knochen. Gebt meine Rüstung mir!

SEYTON Noch tuts nicht not.

MACBETH Ich leg sie an. Mehr Reiter sendet aus, durchstreift das Land; Wer Furcht nennt, wird gehängt.—Bringt mir die Rüstung! Was macht die Kranke, Arzt?

ARZT Nicht krank sowohl, Als durch gedrängte Phantasiegebilde Gestört, der Ruh beraubt.

MACBETH Heil sie davon! Kannst nichts ersinnen für ein krank Gemüt? Tief wurzelnd Leid aus dem Gedächtnis reuten? Die Qualen löschen, die ins Hirn geschrieben? Und mit Vergessens süßem Gegengift Die Brust entledigen jener giftgen Last, Die schwer das Herz bedrückt?

ARZT Hier muß der Kranke selbst das Mittel finden.

MACBETH Den Hunden deine Kunst, ich mag sie nicht.— Legt mir die Rüstung an; den Stab her!—Seyton, Schick aus!—Doktor, die Thans verlassen mich.— Nun, mach geschwind!—Arzt, könntst du meinem Land Beschaun das Wasser, seine Krankheit finden, Und es zum kräftgen frühern Wohlsein reingen, Wollt ich mit deinem Lob das Echo wecken, Daß es dein Lob weit hallte. —Weg den Riemen!— Welche Purganz, Rhabarber, Senna führte Wohl ab die Englischen?—Hörst du von ihnen?

ARZT Ja, hoher König, Eure Kriegesrüstung Macht, daß wir davon hören.

MACBETH Bringts mir nach!— Nicht Tod und nicht Verderben ficht mich an, Kommt Birnams Wald nicht her nach Dunsinan!

([Er geht ab.] Alle außer dem Arzt gehen ab.)

ARZT War ich von Dunsinan mit Heil und Glück, So brächte mich kein Vorteil je zurück.

([Alle] ab.)

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