Vierzehntes Kapitel. Wilhelm und Marie. (continued 3)
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Damit waren jedoch die Führer des Unterhauses nicht einverstanden. Sobald sie sich wieder in der Kapelle Heinrich’s VII. befanden, veranlaßte einer von ihnen eine Debatte über die eidverweigernden Bischöfe. Trotz des bedauerlichen Gewissensbedenkens, den diese Prälaten hegten, seien sie doch gelehrte und heilige Männer, und ihr Rath könne unter den gegenwärtigen Umständen der Kirche von größtem Nutzen sein. Das Oberhaus sei in Abwesenheit des Primas und vieler seiner angesehensten Suffragane kaum ein Oberhaus. Könne nichts geschehen, um diesen Uebelstand zu beseitigen?[131] Ein andres Mitglied beklagte sich über einige unlängst erschienene Pamphlets, in denen nicht mit der gebührenden Achtung von der Convocation gesprochen werde. Die Versammlung fing Feuer. Sei es nicht empörend, daß dieses ketzerische und schismatische Zeug in den Straßen öffentlich ausgeboten und in den Läden von Westminsterhall, hundert Schritt von dem Stuhle des Wortführers, verkauft werden dürfe? Das Werk der Verstümmelung der Liturgie und der Verwandlung der Kathedralen in Conventikel könne gewiß so lange aufgeschoben werden, bis die Synode Maßregeln zum Schutze ihrer eignen Freiheit und Würde getroffen habe. Es wurde nun darüber debattirt, wie das Drucken solcher anstößiger Bücher verhindert werden könne. Einige waren für Klagerhebung, Andere für eine geistliche Censur.[132] Unter solchen Berathungen verstrich Woche auf Woche. Nicht ein einziger auf eine Comprehension bezüglicher Vorschlag war auch nur discutirt worden. Weihnachten rückte heran, und zu dieser Zeit sollten die Sitzungen unterbrochen werden. Die Bischöfe wünschten, daß während der Ferien ein Ausschuß beisammen bleibe, um die Geschäfte vorzubereiten. Das Unterhaus verweigerte seine Einwilligung.[133] Es war jetzt augenscheinlich, daß dieses Haus sich fest vorgenommen hatte, nicht einmal einen Theil des von den Königlichen Beauftragten entworfenen Planes in Berathung zu nehmen. Die Abgeordneten der Diöcesen waren in schlechterer Stimmung als bei ihrer ersten Ankunft in Westminster. Viele von ihnen hatten wahrscheinlich noch niemals eine Woche in der Hauptstadt zugebracht und hatten nicht geahnet, wie groß der Unterschied zwischen einem Stadtgeistlichen und einem Landgeistlichen war. Der Anblick des Luxus und der Bequemlichkeiten, welche die beliebten Prediger der Hauptstadt, genossen, mußte in einem Vikar aus Lincolnshire oder Caernarvonshire, der gewohnt war, so einfach wie ein kleiner Farmer zu leben, nothwendig einige wehmüthige Empfindungen erwecken. Gerade weil der Londoner Klerus durchgehends für eine Comprehension war, wollten die Vertreter der Landgeistlichkeit nichts davon wissen.[134] Die Prälaten als Gesammtheit wünschten aufrichtig, daß den Nonconformisten ein Zugeständniß gemacht werden möchte. Aber die Prälaten waren durchaus nicht im Stande, die aufsässige Demokratie zu beugen. Ihre Zahl war gering, einige von ihnen waren dem Parochialklerus im höchsten Grade zuwider, der Präsident hatte nicht die volle Autorität eines Primas, und überdies war es ihm gar nicht unlieb, die Männer, die ihn seiner Meinung nach übel behandelt hatten, in ihren Plänen behindert und gekränkt zu sehen.
Die Convocation prorogirt.
Man mußte nachgeben. Die Convocation wurde auf sechs Wochen prorogirt. Nach Verlauf dieser sechs Wochen wurde sie aufs neue prorogirt und viele Jahre vergingen, ehe sie ihre Thätigkeit wieder beginnen durfte.
So endete, und zwar für immer, die Hoffnung, daß die englische Kirche bewogen werden könnte, den Bedenken der Nonconformisten ein Zugeständniß zu machen. Eine gelehrte und ehrenwerthe Minorität des Priesterstandes gab diese Hoffnung mit tiefem Bedauern auf. Sehr bald jedoch fanden selbst Burnet und Tillotson Grund zu glauben, daß ihre Niederlage thatsächlich ein glückliches Entrinnen war und daß der Sieg ein Unglück gewesen sein würde. Eine Reform, wie sie zu den Zeiten der Königin Elisabeth die große Gesammtheit der englischen Protestanten vereinigt haben würde, würde zu Wilhelm’s Zeiten mehr Herzen einander entfremdet als versöhnt haben. Das Schisma, welches die Eide herbeigeführt hatten, war bis jetzt noch ohne Bedeutung. Neuerungen wie die von der Königlichen Commission vorgeschlagenen würden ihm eine gefährliche Wichtigkeit gegeben haben. Bis jetzt saß ein Laie, mochte er auch das Verfahren der Convention für unverantwortlich halten und die Tugendhaftigkeit des eidverweigernden Klerus preisen, nach wie vor unter der gewohnten Kanzel und kniete an dem gewohnten Altare. Wenn aber in diesem Augenblicke, während seine Gemüthsstimmung durch das seinen Lieblingsgeistlichen zugefügte vermeintliche Unrecht gereizt und er vielleicht in Zweifel war, ob er ihrem Beispiele folgen solle oder nicht, seine Augen und Ohren durch Aenderungen in dem Gottesdienste, dem er innig zugethan war, beleidigt worden, wenn die Compositionen der Doctoren des Jerusalemszimmers an die Stelle der alten Collecten getreten wären, wenn er Geistliche ohne Chorhemd Kelch und Hostienteller sitzenden Communicanten hätte darreichen sehen, so würde das Band, das ihn an die Landeskirche knüpfte, zerrissen sein. Er würde sich in eine Versammlung von Eidverweigerern begeben haben, wo der Gottesdienst, den er liebte, ohne Verstümmelungen abgehalten wurde, die neue Secte, welche für jetzt noch fast ausschließlich aus Priestern bestand, würde bald durch viele und zahlreiche Gemeinden verstärkt worden sein, und diese Gemeinden würden eine verhältnißmäßig größere Menge Reicher, Vornehmer und Gebildeter aufzuweisen gehabt haben, als irgend eine andre Dissentergemeinde. Die so verstärkten episkopalen Schismatiker würden dem neuen Könige und seinen Nachfolgern wahrscheinlich eben so furchtbar gewesen sein, wie die puritanischen Schismatiker es jemals den Fürsten des Hauses Stuart waren. Es ist eine unbestreitbare und höchst lehrreiche Thatsache, daß wir die bürgerliche und religiöse Freiheit, deren wir uns jetzt erfreuen, zum großen Theil der Beharrlichkeit verdanken, mit der die hochkirchliche Partei in der Convocation von 1689 sich weigerte, irgend einen Comprehensionsplan auch nur in Berathung zu nehmen.[135]
„Kommt her, Ihr Whigs, und leiht mir Eure Ohren, Habt Ihr nicht, wie der Doctor, sie verloren.“
Diese Zeilen müssen Mason vorgeschwebt haben, als er das Couplet schrieb:
„Merkt auf Ihr Hills, Ihr Johnsons, Scots, Shebbeares, Hört meinen Ruf, denn mancher unter Euch hat Ohren.“
„Und hochgeborner Howard, majestät’scher Sire. Ergänzt den Chorus mit den Narr’n von Stande.“
Pope’s hochgeborner Howard war Eduard Howard, der Autor der British Princes.
Ich bin erstaunt, daß Johnson Wilhelm Law für keinen Logiker erklärte. Law verfiel allerdings in große Irrthümer, aber es waren Irrthümer, gegen welche die Logik keinen Schutz gewährt. In rein dialektischer Gewandtheit übertrafen ihn sehr Wenige. Daß er mehr als einmal über Hoadley den Sieg davon trug, wird kein aufrichtiger Whig leugnen. Doch Law gehört nicht der Generation an, mit der ich es jetzt zu thun habe.
Im hohen Liede kommt ein wunderschöner Vers vor: „Ich beschwöre Euch, Ihr Töchter Jerusalems, findet Ihr meinen Freund, so saget ihm, daß ich vor Liebe krank liege.“ Patrick’s Version lautet: „So wendete ich mich an Diejenigen meiner Nachbarn und vertrauten Bekannten, die durch mein Geschrei geweckt worden waren und herbeikamen, um zu sehen was es gebe, und beschwor sie, wie sie es vor Gott verantworten könnten, meinem Geliebten, wenn sie mit ihm zusammenträfen, mitzutheilen — Was soll ich sagen? — Was sollt Ihr ihm Andres sagen, als daß ich jetzt, da ich seinen Umgang entbehre, meines Lebens nicht froh werde, daß mir nicht eher wieder wohl sein wird, als bis ich seine Liebe wieder gewinne.“
Stereotypie und Druck von Philipp Reclam jun. in Leipzig.
Anmerkungen zur Transkription
Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Hervorhebungen, die im Original g e s p e r r t sind, wurden mit einem anderen Schriftstil gekennzeichnet. Textstellen, die im Original in Antiqua gesetzt waren, wurden in einer anderen Schriftart markiert.
Die variierende Schreibweise und Grammatik der Vorlage wurden weitgehend beibehalten. Lediglich offensichtliche Fehler wurden berichtigt wie hier aufgeführt (vorher/nachher):
... In Schotttland war der Gang der Ereignisse ganz anders. Dort ... ... In Schottland war der Gang der Ereignisse ganz anders. Dort ...
... machten, ihnen irgendwie nützlich zu sein. Sie mußen sich klar ... ... machten, ihnen irgendwie nützlich zu sein. Sie mußten sich klar ...
... Smaragdohringe getragen, welche ihr Vetter, der Prinz, ihr zum Geschenk ... ... Smaragdohrringe getragen, welche ihr Vetter, der Prinz, ihr zum Geschenk ...
... Ueber das frühere Verhältniß zwischen Wilhelm und Dundee haben einige Jakobieten ... ... Ueber das frühere Verhältniß zwischen Wilhelm und Dundee haben einige Jakobiten ...
... die Verantwortlichkeit für außerordenliche Vertheidigungsmittel auf ... ... die Verantwortlichkeit für außerordentliche Vertheidigungsmittel auf ...
... nicht stattgefunden, so ist es wahrscheinlich, daß das schotttische Gesetz bezüglich ... ... nicht stattgefunden, so ist es wahrscheinlich, daß das schottische Gesetz bezüglich ...
... Ein solcher Mann war Sir Patrik Hume. Er war aus ... ... Ein solcher Mann war Sir Patrick Hume. Er war aus ...
... Siehe The Life and Correspondance of Carstairs und die interessanten ... ... Siehe The Life and Correspondence of Carstairs und die interessanten ...
... „Coll der Kühne“ gegeben hatte. Endlich zwangen seine frechen ... ... „Coll der Kühe“ gegeben hatte. Endlich zwangen seine frechen ...
... Mac Callum More’s. Sie lagen nicht im Steit mit ihm, schuldeten ... ... Mac Callum More’s. Sie lagen nicht im Streit mit ihm, schuldeten ...
... Telepraphen, vermittelst dessen sie sich über die Linien der Schildwachen ... ... Telegraphen, vermittelst dessen sie sich über die Linien der Schildwachen ...
... Mitterweile wurde auf beiden Seiten ein Kleingewehrfeuer unterhalten, ... ... Mittlerweile wurde auf beiden Seiten ein Kleingewehrfeuer unterhalten, ...
... Einbildungkraft zu einem Heere celtischer Krieger vergrößert. Einige der ... ... Einbildungskraft zu einem Heere celtischer Krieger vergrößert. Einige der ...
... den Bericht über die Schlache in einem von Burt’s Briefen. Macpherson druckte einen ... ... den Bericht über die Schlacht in einem von Burt’s Briefen. Macpherson druckte einen ...
... war indessen eine vorteffliche holländische Brigade unter dem Commando ... ... war indessen eine vortreffliche holländische Brigade unter dem Commando ...
... waren vier Regimenter, ein Cavalerieregiment und drei Infanterieregimenter, ... ... waren vier Regimenter, ein Cavallerieregiment und drei Infanterieregimenter, ...
... Infanterie, die er vom bothnischen Meerbusen bis zum atlanischen Ocean ... ... Infanterie, die er vom bothnischen Meerbusen bis zum atlantischen Ocean ...
... ihren französchen Verbündeten unterhalten werden. ... ... ihren französischen Verbündeten unterhalten werden. ...
... über seine Parteilichkeit für sein Adoptivvaterland murrte. Die holländschen ... ... über seine Parteilichkeit für sein Adoptivvaterland murrte. Die holländischen ...
... sei; daß er perremptorisch auf einem Artikel bestehe, der allen Handelsverkehr ... ... sei; daß er peremtorisch auf einem Artikel bestehe, der allen Handelsverkehr ...
... Aliirten gaben einer großen deutschen Truppenmacht in Serbien ... ... Alliirten gaben einer großen deutschen Truppenmacht in Serbien ...
... der göttlichen Wahrheit unterrrichtet und durch göttliche Gnade beschützt ... ... der göttlichen Wahrheit unterrichtet und durch göttliche Gnade beschützt ...
... Auditorum herbeiziehen, mußte sich damit begnügen, der Geistliche ... ... Auditorium herbeiziehen, mußte sich damit begnügen, der Geistliche ...
... dies waren Ausnahmen. Betriebsame Armuth ist ein der Tugenhaftigkeit ... ... dies waren Ausnahmen. Betriebsame Armuth ist ein der Tugendhaftigkeit ...
... Hochkirchlichen unter den Zurückleibenden waren Doctor Wilhelm Beveridge, ... ... Hochkirchlichen unter den Zurückbleibenden waren Doctor Wilhelm Beveridge, ...
... die Regierung es weder gewagt hatte, die Uebelhäter zu bestrafen, noch ... ... die Regierung es weder gewagt hatte, die Uebelthäter zu bestrafen, noch ...
... Stande, die aufsätzige Demokratie zu beugen. Ihre Zahl war gering, ... ... Stande, die aufsässige Demokratie zu beugen. Ihre Zahl war gering, ...