← Table of contents
Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Elfter Band

Einundzwanzigstes Kapitel. Wilhelm III. (continued 2)

Reading edition

Uebergabe der Stadt Namur.

Am 20. Juli bemächtigten sich die Bayern und Brandenburger unter Cohorn’s Leitung nach hartem Kampfe einer Linie von Vertheidigungswerken, welche Vauban in festes Gestein von der Sambre bis zur Maas gehauen hatte. Drei Tage später setzten sich die Engländer und Holländer, Cutts wie gewöhnlich in vorderster Reihe, in der zweiten Contrescarpe fest. Alles war zu einem Hauptsturme bereit, als eine weiße Fahne auf den Wällen erschien. Der Effectivbestand der Besatzung betrug jetzt noch wenig mehr als die Hälfte von dem was er bei Eröffnung der Laufgräben gewesen war. Boufflers fürchtete, daß es unmöglich sein werde, mit achttausend Mann den ganzen Gürtel der Mauern noch viel länger zu vertheidigen; aber er war überzeugt, daß ein solches Truppencorps hinreichen werde, das Kastell auf dem Gipfel des Felsens zu behaupten. Ueber die Kapitulationsbedingungen wurde man bald einig. Ein Thor wurde den Verbündeten preisgegeben. Den Franzosen wurden achtundvierzig Stunden bewilligt, um sich in das Kastell zurückzuziehen, und es wurde ihnen die Versicherung gegeben, daß die Verwundeten, welche sie unten ließen, etwa fünfzehnhundert an der Zahl, gut behandelt werden sollten. Am 6. rückten die Alliirten ein. Der Kampf um den Besitz der Stadt war vorüber, und ein neuer und furchtbarerer Kampf begann um den Besitz der Citadelle.[51]

Villeroy hatte unterdessen einige kleine Eroberungen gemacht. Dixmuyden, das einigen Widerstand hätte leisten können, hatte ihm nicht ohne dringenden Verdacht der Verrätherei von Seiten des Gouverneurs, seine Thore geöffnet. Deynse, das weniger im Stande war, sich zu vertheidigen, war diesem Beispiele gefolgt. Die Besatzungen der beiden Städte waren in offener Verletzung eines zur Auswechselung der Gefangenen getroffenen Uebereinkommens nach Frankreich geschickt worden. Der Marschall rückte hierauf gegen Brüssel vor, wahrscheinlich in der Hoffnung, durch Bedrohung dieser schönen Hauptstadt die Verbündeten zur Aufhebung der Belagerung des Kastells von Namur zu bestimmen. Sechsunddreißig Stunden lang warf er Bomben und glühende Kugeln in die Stadt. Die Kurfürstin von Bayern, die sich innerhalb der Mauern befand, abortirte vor Schreck. Sechs Klöster wurden zerstört. Fünfzehnhundert Häuser standen zu gleicher Zeit in Flammen. Die ganze untere Stadt würde bis auf den Grund niedergebrannt sein, hätten nicht die Bewohner durch Sprengung zahlreicher Gebäude dem Feuer Schranken gesetzt. Ungeheure Massen der kostbarsten Spitzen und Teppiche wurden vernichtet, denn die Industrie und der Handel, welche Brüssel in der ganzen Welt berühmt gemacht hatten, waren bisher durch den Krieg wenig beeinträchtigt worden. Mehrere von den Prachtgebäuden, welche den Marktplatz umgaben, wurden in Trümmer geschossen. Selbst das Rathhaus, das prächtigste der vielen prächtigen Senatshäuser, welche die Bürger der Niederlande erbaut haben, war in der größten Gefahr. All’ diese Verwüstung bewirkte jedoch weiter nichts, als daß sie viele Privatleute unglücklich machte. Wilhelm ließ sich weder durch Furcht noch durch Herausforderung bewegen, die Hand, mit der er Namur umklammert hielt, zu lockern. Das Feuer, das seine Batterien rings um das Kastell unterhielten, war von der Art, wie man es noch in keinem Kriege gesehen hatte. Die französischen Kanoniere wurden durch den Kugelregen von ihren Geschützen vertrieben und gezwungen, in unterirdischen gewölbten Gallerien Schutz zu suchen. Cohorn wettete jubelnd mit dem Kurfürsten von Bayern um vierhundert Pistolen, daß der Platz bis zum 31. August neuen Styls fallen werde. Der große Ingenieur verlor zwar seine Wette, aber nur um wenige Stunden.[52]

Boufflers begann jetzt einzusehen, daß seine einzige Hoffnung noch auf Villeroy ruhte. Dieser war von Brüssel nach Enghien gerückt, hatte dort aus den entferntesten Festungen der Niederlande alle entbehrlichen Truppen zusammengezogen und marschirte nun an der Spitze von mehr als achtzigtausend Mann auf Namur. Mittlerweile stieß Vaudemont zu den Belagerern. Wilhelm hielt sich daher für stark genug, Villeroy eine Schlacht anzubieten, ohne die Operationen gegen Boufflers einen Augenblick einzustellen. Dem Kurfürsten von Bayern wurde die unmittelbare Leitung der Belagerung übertragen. Der König von England nahm auf der Westseite der Stadt eine stark verschanzte Stellung ein und erwartete hier die von Enghien heranrückenden Franzosen. Alles schien anzudeuten, daß ein wichtiger Tag bevorstehe. Zwei der zahlreichsten und besten Armeen, welche Europa je gesehen, standen einander gegenüber. Am 15. August erblickten die Vertheidiger des Kastells von ihren Wachtthürmen das mächtige Heer ihrer Landsleute. Zwischen diesem Heere aber und der Citadelle war das nicht minder mächtige Heer Wilhelm’s in Schlachtordnung aufgestellt. Villeroy gab Boufflers durch eine Salve von neunzig Kanonenschüssen das Versprechen eines baldigen Entsatzes, und in der Nacht mahnte Boufflers durch Signalfeuer, welche weithin über die ausgedehnte Ebene der Maas und Sambre zu sehen waren, Villeroy an die schleunige Erfüllung dieses Versprechens. In den Hauptstädten Frankreich’s und England’s war Alles in der ängstlichsten Spannung. Ludwig schloß sich in sein Betzimmer ein, beichtete, genoß das heilige Abendmahl und gab Befehl, daß die Hostie in seiner Kapelle ausgestellt werden solle. Seine Gemahlin hieß alle ihre Nonnen niederknien.[53] London wurde durch eine Reihenfolge von Gerüchten, theils von Jakobiten, theils von Börsenspekulanten fabricirt, in einem Zustande heftiger Aufregung erhalten. Eines frühen Morgens wurde mit Bestimmtheit behauptet, es habe eine Schlacht stattgefunden, die Verbündeten seien geschlagen, der König getödtet und die Belagerung aufgehoben worden. Sobald die Börse geöffnet wurde, war sie gedrängt voll Leute, welche hören wollten, ob die Nachricht wahr sei. Die Straßen waren den ganzen Tag mit Gruppen von Schwatzenden und Zuhörenden angefüllt. Am Nachmittag beruhigte die Gazette, welche ungeduldig erwartet worden war und von Tausenden begierig gelesen wurde, die Aufregung, jedoch nicht vollkommen, denn man wußte, daß die Jakobiten durch Kaper und Schmuggler, die bei jedem Wetter in See gingen, früher Nachrichten erhielten als sie dem Staatssekretär in Whitehall auf dem regelmäßigen Wege zukamen. Noch vor dem Abend hatte sich die Aufregung völlig gelegt; aber sie wurde durch einen frechen Betrug plötzlich wieder angefacht. Ein Reiter in der Uniform der Garden sprengte durch die City und meldete, daß der König gefallen sei. Er würde wahrscheinlich einen ernsten Aufruhr veranlaßt haben, hätten ihn nicht einige für die Revolution und den protestantischen Glauben schwärmende junge Handwerker zu Boden geschlagen und nach Newgate transportirt. Der vertraute Correspondent der Generalstaaten berichtete nach dem Haag, daß man trotz aller Geschichten, welche die mißvergnügte Partei erfinde und aussprenge, allgemein der Ueberzeugung sei, daß die Alliirten siegen würden. Der Probierstein der Aufrichtigkeit in England, schrieb er, seien die Wetten. Die Jakobiten seien zwar stets bereit zu beweisen, daß Wilhelm geschlagen werden müsse, oder zu behaupten, daß er schon geschlagen sei; aber sie wollten gleichwohl keine höheren Einsätze wetten als ihre Gegner und seien kaum zu bewegen, überhaupt eine Wette einzugehen. Die Whigs seien hingegen bereit, Tausende von Guineen auf den Ausgang des Kriegs und auf den Glücksstern des Königs zu wetten.[54]

Die Ereignisse rechtfertigten das Vertrauen der Whigs und die Zurückhaltung der Jakobiten. Am 16., 17. und 18. August standen die Armeen Villeroy’s und Wilhelm’s einander gegenüber. Man erwartete mit Bestimmtheit, daß der 19. der entscheidende Tag sein werde. Die Alliirten waren schon vor Tagesanbruch kampffertig. Um vier Uhr stieg Wilhelm zu Pferde und ritt bis acht Uhr Abends von Posten zu Posten, seine Truppen vertheilend und die Bewegungen des Feindes beobachtend. Der Feind näherte sich seinen Verschanzungen an mehreren Stellen hinreichend um zu sehen, daß es nicht leicht sein würde, ihn daraus zu vertreiben; aber es kam zu keinem Gefecht. Er legte sich zur Ruhe nieder und erwartete mit Sonnenaufgang angegriffen zu werden. Aber als die Sonne aufging, sah er, daß die Franzosen sich einige Meilen zurückgezogen hatten. Er schickte sofort einen Boten an den Kurfürsten von Bayern und ersuchte ihn, unverzüglich das Kastell zu erstürmen. Während man die nöthigen Vorbereitungen dazu traf, wurde Portland abgeschickt, um die Besatzung zum letzten Male zur Uebergabe aufzufordern. Es sei klar, sagte er zu Boufflers, daß Villeroy alle Hoffnung aufgegeben habe, die Belagerung aufheben zu können. Es würde daher eine nutzlose Vergeudung von Menschenleben sein, wenn er den Kampf noch länger fortsetze. Boufflers war jedoch der Meinung, daß zur Wahrung der französischen Waffenehre noch ein Tag des Gemetzels erforderlich sei, und Portland kehrte zurück, ohne etwas ausgerichtet zu haben.[55]

In den ersten Nachmittagsstunden wurde der Sturm durch vier Divisionen des verbündeten Heeres an vier Stellen zu gleicher Zeit unternommen. Ein Punkt war den Brandenburgern, ein andrer den Holländern, ein dritter den Bayern und der vierte den Engländern angewiesen. Die Engländer waren zuerst minder glücklich, als sie seither gewesen. Dies kam daher, weil die meisten diensterfahrenen Regimenter mit Wilhelm gegen Villeroy marschirt waren. Sobald als das Zeichen durch Sprengen zweier Pulverfässer gegeben war, rückte Cutts zuerst an der Spitze einer kleinen Schaar Grenadiere unter Trommelwirbel und mit fliegenden Fahnen aus den Laufgräben vor. Dieses tapfere Corps sollte durch vier Bataillone unterstützt werden, welche noch nie im Feuer gewesen waren und die, obgleich vom muthigsten Geiste beseelt, noch der Festigkeit entbehrten, die ein so gefährlicher Dienst erforderte. Die Offiziere fielen rasch hintereinander. Jeder Oberst und jeder Oberstleutnant wurde getödtet oder schwer verwundet, Cutts erhielt eine Kugel in den Kopf, die ihn für einige Zeit kampfunfähig machte. Die unerfahrenen Rekruten, so fast ohne alte Führung, drangen mit Ungestüm vorwärts, bis sie in Unordnung und außer Athem unter einem mörderischen Feuer und einem fast ebenso mörderischen Hagel von Fels- und Mauerstücken, vor einem Abgrunde ankamen. Sie verloren den Muth und wichen in Verwirrung zurück, bis es Cutts, dessen Wunde inzwischen verbunden worden war, gelang, sie wieder zu sammeln. Er führte sie nun nicht dahin von wo sie zurückgetrieben worden waren, sondern auf einen andren Punkt, wo ein furchtbarer Kampf wüthete. Die Bayern hatten tapfer, aber erfolglos ihren Sturmangriff gemacht; ihr General war gefallen und sie begannen schon zu wanken, als die Ankunft des Salamanders und seiner Leute das Schicksal des Tages änderte. Zweihundert englische Freiwillige, welche die Unehre ihres vorherigen Zurückweichens um jeden Preis wieder gut machen wollten, waren die Ersten, die sich mit dem Säbel in der Faust einen Weg durch die Palissaden bahnten, eine Batterie erstürmten, die unter den Bayern arg aufgeräumt hatte, und die Kanonen gegen die Besatzung richteten. Unterdessen hatten die vortrefflich disciplinirten und vortrefflich commandirten Brandenburger ohne großen Verlust die ihnen zuertheilte Aufgabe gelöst. Die Holländer waren ebenso glücklich gewesen. Als der Abend hereinbrach, hatten die Verbündeten die Außenwerke des Kastells auf eine Meile im Umfang im Besitz. Dieser Vortheil War mit dem Verluste von zweitausend Mann erkauft worden.[56]

Jetzt endlich glaubte Boufflers Alles gethan zu haben, was seine Pflicht erheischte. Am andren Morgen bat er um einen achtundvierzigstündigen Waffenstillstand, um die Hunderte von Leichen, welche die Gräben füllten und welche bald unter den Belagerern wie unter den Belagerten Krankheiten erzeugt haben würden, wegräumen und beerdigen zu lassen. Sein Ansuchen wurde bewilligt, und noch vor Ablauf der festgesetzten Zeit ließ er sagen, daß er geneigt sei zu kapituliren. Er wolle, sagte er, das Schloß binnen zehn Tagen übergeben, wenn er bis dahin nicht entsetzt würde. Es wurde ihm darauf erwiedert, daß die Verbündeten auf solche Bedingungen nicht mit ihm unterhandeln könnten und daß er sich entweder zu einer sofortigen Uebergabe verstehen oder auf einen unverzüglichen Sturm gefaßt machen müsse. Er gab nach und man kam überein, daß ihm und seinen Leuten freier Abzug gestattet werden, und daß er die Citadelle, die Artillerie und die Vorräthe den Siegern überlassen solle. Drei Salven aus sämmtlichen Feuerschlünden der verbündeten Armee verkündeten Villeroy den Fall der Festung, der er vergebens Unterstützung zu bringen versucht hatte. Er zog sich augenblicklich auf Mons zurück und ließ Wilhelm im ungestörten Genusse eines Triumphes, welcher durch die Erinnerung an vieles Mißgeschick noch erhöht wurde.

Uebergabe des Kastells von Namur.

Der 26. August war zu einem Schauspiele bestimmt worden, wie es der älteste Soldat in Europa noch nie gesehen und wie es noch vor wenigen Wochen der jüngste Soldat kaum zu erleben gehofft hatte. Von Condé’s erster bis zu Luxemburg’s letzter Schlacht hatte die Fluth des militärischen Erfolgs ohne erhebliche Unterbrechung fortwährend eine und dieselbe Richtung beibehalten. Jetzt wendete sich das Kriegsglück. Zum ersten Male, sagte man, seit Frankreich Marschälle habe, sollte ein Marschall von Frankreich eine Festung einem siegreichen Feinde übergeben.

Die in einer Doppelreihe aufgestellten verbündeten Truppen, Infanterie und Cavallerie, bildeten eine prächtige Gasse von der Bresche, um welche vor kurzem mit so verzweifelter Tapferkeit gekämpft worden war, bis ans Ufer der Maas. Der Kurfürst von Bayern, der Landgraf von Hessen und viele hohe Offiziere hielten zu Pferde in der Umgebung des Kastells. Wilhelm befand sich nahe bei ihnen in seinem Wagen. Die auf ungefähr fünftausend Mann zusammengeschmolzene Besatzung kam mit Trommelwirbel und wehenden Fahnen heraus. Boufflers schloß mit seinem Stabe den Zug. Es war einige Schwierigkeit über die Form der Begrüßung entstanden, welche zwischen ihm und den verbündeten Souverainen gewechselt werden mußte. Ein Kurfürst von Bayern hatte kaum Anspruch darauf, von einem Marschall von Frankreich mit dem Degen salutirt zu werden. Ein König von England hatte unbestreitbar Anspruch auf ein solches Zeichen von Ehrerbietung; aber Frankreich erkannte Wilhelm nicht als König von England an. Endlich verstand sich Boufflers dazu, die Salutirung zu verrichten, ohne zu zeigen, welchem der beiden Souveraine sie gelte. Er senkte seinen Degen. Wilhelm allein erwiederte das Compliment. Hierauf folgte eine kurze Unterredung. Um den Gebrauch der Worte Sire und Majestät zu vermeiden, wendete sich der Marschall nur an den Kurfürsten. Dieser theilte Wilhelm das Gesagte mit allen Zeichen der Ehrerbietung mit, und Wilhelm berührte kalt seinen Hut. Die Offiziere der Garnison nahmen die Nachricht mit in ihr Vaterland, daß der Emporkömmling, der in Paris nur der Prinz von Oranien genannt wurde, von den stolzesten Potentaten des deutschen Staatenbundes mit ebenso tiefer Ehrerbietung behandelt wurde, als Ludwig sie von seinen Kammerherren verlangte.[57]

Verhaftung Boufflers’.

Die Ceremonie war jetzt vorüber, und Boufflers ritt weiter; aber er hatte erst eine kurze Strecke Wegs zurückgelegt, als er von Dykvelt angehalten wurde, der die verbündete Armee als Deputirter der Generalstaaten begleitete. „Sie müssen in die Stadt zurückkehren, mein Herr,” redete Dykvelt ihn an. „Der König von England hat mir befohlen, Ihnen zu sagen, daß Sie sein Gefangener sind.” Boufflers war außer sich vor Wuth. Seine Offiziere schaarten sich um ihn und schwuren, ihn bis zum letzten Athemzuge zu vertheidigen: Aber von Widerstand konnte nicht die Rede sein, denn eine starke Abtheilung holländischer Reiterei kam heran, und der Brigadier verlangte den Degen des Marschalls. Der Marschall äußerte laut seinen Unwillen. „Das ist ein abscheulicher Wortbruch! Lesen Sie die Bedingungen der Kapitulation. Was habe ich gethan, um einen solchen Affront zu verdienen? Habe ich mich nicht als Mann von Ehre benommen? Muß ich nicht als ein solcher behandelt werden? Bedenken Sie wohl was Sie thun, meine Herren. Ich diene einem Gebieter, der mich rächen kann und wird.” — „Ich bin Soldat, mein Herr,” entgegnete der Brigadier, „und es ist meine Pflicht, erhaltenen Befehlen zu gehorchen, ohne mich um das Weitere zu bekümmern.” Dykvelt erwiederte sodann ruhig und artig auf die unwilligen Aeußerungen des Marschalls: „Der König hat nur mit Widerstreben das von Ihrem Gebieter gegebene Beispiel nachgeahmt. Die Soldaten, welche die Besatzungen von Dirmuyden und Deynse bildeten, sind trotz gegebenen Zusicherungen als Gefangene nach Frankreich geschickt worden. Der Fürst, dem sie dienen, würde seiner Pflicht gegen sie uneingedenk sein, wenn er nicht Wiedervergeltung übte. Se. Majestät hätte mit vollem Rechte alle Franzosen, die in Namur waren, zurückhalten können. Aber er will einem Präcedenzfalle, den er mißbilligt, nicht so weit Folge geben. Er hat beschlossen, Sie, und nur Sie allein gefangen zu nehmen, und Sie dürfen eine Maßregel, welche thatsächlich ein Zeichen seiner besonderen Achtung gegen Sie ist, nicht als eine Beleidigung ansehen. Wie kann er Ihnen ein glänzenderes Compliment machen, als indem er Ihnen beweist, daß er Sie als ein vollkommenes Aequivalent für die fünf- bis sechstausend Mann betrachtet, welche Ihr Souverain widerrechtlich als Gefangene zurückhält? Ich will Sie sogar noch jetzt ungehindert Ihres Weges ziehen lassen, wenn Sie mir Ihr Ehrenwort geben, wieder hierher zurückzukehren, im Fall die Besatzungen von Dirmuyden und Deynse nicht binnen vierzehn Tagen in Freiheit gesetzt werden.” — „Ich weiß nicht, warum mein Gebieter jene Soldaten zurückhält, und daher kann ich Ihnen keine Hoffnung darauf machen, daß er sie freilassen wird. Sie haben eine Armee hinter Sich; ich bin allein; handeln Sie nach Ihrem Belieben.” Er lieferte seinen Degen ab, kehrte nach Namur zurück und wurde von dort nach Huy gebracht, wo er einige Tage in luxuriöser Ruhe verlebte, nach Gefallen ausgehen und ausreiten durfte wann er wollte, und von Denen, die ihn bewachten, mit ausgezeichneter Rücksicht behandelt wurde. In der kürzesten Zeit, in der es möglich war, von dem Orte, wo er in Haft gehalten wurde, an den französischen Hof zu schreiben und Antwort zurück zu erhalten, empfing er die Ermächtigung, zu versprechen, daß die Besatzungen von Dirmuyden und Deynse zurückgeschickt werden sollten. Er wurde sogleich in Freiheit gesetzt und reiste nach Fontainebleau ab, wo ein ehrenvoller Empfang seiner wartete. Er wurde zum Herzog und Pair ernannt. Damit er den nöthigen Aufwand seiner neuen Würden bestreiten konnte, erhielt er zugleich eine bedeutende Summe Geldes, und Ludwig bewillkommnete ihn in Anwesenheit des gesammten französischen Adels mit einer herzlichen Umarmung.[58]

In allen gegen Frankreich verbündeten Ländern wurde die Nachricht von dem Falle Namur’s mit Freude begrüßt; bei uns aber war der Jubel am größten. Seit mehreren Generationen hatten unsere Vorfahren zu Lande keine bedeutende Waffenthat gegen auswärtige Feinde vollführt. Wir hatten zwar unseren Bundesgenossen zuweilen kleine Hülfscorps geliefert, welche die Ehre der Nation in gutem Ansehen erhielten. Aber von dem Tage an, wo die beiden tapferen Talbot, Vater und Sohn, in dem vergeblichen Versuche, Guienne wieder zu erobern, umgekommen waren, bis zur Revolution, hatte auf dem Continent kein Feldzug stattgefunden, in welchem die Engländer eine Hauptrolle gespielt hätten. Endlich hatten unsere Vorfahren nach einer Pause von nahe an dritthalb Jahrhunderten wieder angefangen, den Kriegern Frankreich’s die Palme des militärischen Ruhmes streitig zu machen. Es war ein harter Kampf gewesen. Das Genie Luxemburg’s und die ausgezeichnete Disciplin der Haustruppen Ludwig’s hatten in zwei großen Schlachten die Oberhand behalten; aber der Ausgang dieser Schlachten war lange zweifelhaft gewesen, der Sieg war theuer erkauft worden, und der Sieger hatte nicht viel mehr gewonnen als die Ehre, Herr des Schlachtfeldes geblieben zu sein. Inzwischen bildete er selbst seine Gegner aus. Die Rekruten, welche seine strenge Schule überlebten, wurden rasch Veteranen. Steenkerke und London hatten die Freiwilligen gebildet, welche Cutts durch die Palissaden von Namur folgten. Der Ausspruch aller großen Krieger, welche sämmtliche Nationen des westlichen Europa’s an den Zusammenfluß der Sambre und Maas gesandt hatten, lautete, daß der englische Subalternoffizier und der englische Gemeine keinem Subalternoffizier und keinem Gemeinen der Christenheit nachstehe. Die englischen Offiziere höheren Ranges dagegen wurden kaum für würdig erachtet, eine solche Armee zu commandiren. Cutts hatte sich zwar durch seine Unerschrockenheit ausgezeichnet. Aber selbst Diejenigen, die ihn am meisten bewunderten, gestanden zu, daß er weder die Befähigung noch die Kenntnisse besaß, deren ein General bedurfte.

Die Freude der Sieger wurde erhöht durch die Erinnerung an die drei Jahre früher auf dem nämlichen Punkte erlittene Niederlage und an den Uebermuth, mit welchem ihr Feind damals über sie triumphirt hatte. Jetzt war die Reihe zu triumphiren an ihnen. Die Holländer prägten Denkmünzen, die Spanier sangen Te Deums. Es erschienen eine Menge theils ernster, theils launiger Gedichte, von denen nur eines uns erhalten worden ist. Prior travestirte mit köstlichem Geist und Humor die bombastischen Verse, in welchen Boileau die erste Einnahme von Namur verherrlicht hatte. Die beiden Oden, welche nebeneinander gedruckt erschienen, wurden mit großem Vergnügen gelesen, und die Kritiker bei Will’s erklärten, daß England sowohl im Witz als in den Waffen den Sieg davon getragen habe.

Der Fall von Namur war das große militärische Ereigniß dieses Jahres. Der türkische Krieg beschäftigte noch immer einen großen Theil der kaiserlichen Truppen mit unentscheidenden Operationen an der Donau. Weder in Piemont noch am Rhein geschah etwas Erwähnenswerthes. In Catalonien erlangten die Spanier einige unbedeutende Vortheile, die sie ihren englischen und holländischen Bundesgenossen verdankten, welche alles Mögliche gethan zu haben scheinen, um einer Nation zu helfen, die niemals sonderlich geneigt gewesen ist, sich selbst zu helfen. Die Ueberlegenheit England’s und Holland’s zur See war jetzt notorisch erwiesen. Während des ganzen Jahres war Russell der unbestrittene Herr des mittelländischen Meeres, fuhr zwischen Spanien und Italien hin und her, bombardirte Palamos, verbreitete Schrecken längs der ganzen Küste der Provence und hielt die französische Flotte im Hafen von Toulon eingeschlossen. Mittlerweile war Berkeley der unbestrittene Herr des Kanals, kreuzte angesichts der Küsten des Artois, der Picardie, der Normandie und der Bretagne, warf Bomben nach Saint-Malo, Calais und Dünkirchen und brannte Granville bis auf den Grund nieder. Ludwig’s Flotte, welche fünf Jahre früher die furchtbarste in Europa gewesen, die unbehindert von den Dünen bis Land’s End umhergefahren war, die bei Torbay geankert und Teignmouth in Asche gelegt hatte, gab jetzt kein Lebenszeichen mehr, außer durch das Plündern von Kauffahrern, welche nicht von Kriegsschiffen begleitet waren. In diesem einträglichen Kriege waren, die französischen Kaper gegen Ende des Sommers sehr glücklich. Mehrere mit Zucker beladene Schiffe aus Barbados wurden aufgebracht. Die Verluste der unglücklichen, von Schwierigkeiten schon umgebenen und durch grenzenlose Verschwendung in Bestechungen sehr geschwächten Ostindischen Compagnie waren enorm. Fünf große aus den östlichen Meeren zurückkehrende Schiffe mit Ladungen, deren Werth allgemein auf eine Million geschätzt wurde, fielen in die Hände des Feindes. Diese Unfälle erregten einiges Murren auf der Börse. Im Ganzen aber war die Stimmung der Hauptstadt und der Nation besser als sie seit einigen Jahren gewesen.

Inzwischen fanden in London Ereignisse statt, welche kein früherer Geschichtsschreiber der Erwähnung werth gehalten hat, die aber von weit größerer Wichtigkeit waren als die Waffenthaten von Wilhelm’s Armee oder von Russell’s Flotte. Ein großes Experiment wurde gemacht, eine große Revolution war im Gange: es waren Zeitungen erschienen.

Wirkung der Emancipation der englischen Presse.

So lange die Censuracte in Kraft war, gab es in England keine Zeitungen außer der London Gazette, welche von einem Beamten des Staatssekretariats redigirt wurde und die nichts enthielt als was der Staatssekretär die Nation wissen lassen wollte. Periodische Schriften gab es zwar viele, aber keine derselben konnte eine Zeitung genannt werden. Welwood, ein eifriger Whig, gab ein Journal, der Observator genannt, heraus; aber sein Observator enthielt ebenso wie der früher von Lestrange herausgegebene keine politischen Neuigkeiten, sondern nur politische Abhandlungen. Ein geistesschwacher Buchhändler, Namens Johann Dunton, gab den Athenian Mercury heraus; aber der Athenian Mercury erörterte nur Fragen der Naturwissenschaften, der Casuistik und der Galanterie. Ein Mitglied der königlichen Societät, Namens Johann Houghton, gab eine periodische Schrift heraus, die er eine Sammlung zur Hebung der Industrie und des Handels nannte. Aber seine Sammlung enthielt nicht viel mehr als die Course der Actien, Erklärungen der Art und Weise des Geschäftsganges in der City, Anpreisungen neuer Projecte, Ankündigungen von Büchern, Geheimmitteln, Chokolade, Mineralwasser, Zibethkatzen und Gesuche brodloser Schiffschirurgen, herrenloser Bedienten und heirathslustiger Damen. Wenn er ja einmal eine politische Nachricht mittheilte, so war sie aus der Gazette abgedruckt. Die Gazette aber war eine so parteiische und so magere Chronik der Begebenheiten, daß sie, obgleich ohne alle Concurrenz, doch nur eine geringe Verbreitung hatte. Die Auflage betrug nur achttausend, so daß also bei weitem noch nicht ein Exemplar auf jedes Kirchspiel des Landes kam. In der That, wer die Geschichte seiner Zeit nur aus der Gazette studirt hätte, dem würden viele Ereignisse von höchster Wichtigkeit unbekannt geblieben sein. Er würde zum Beispiel nichts von dem Kriegsgericht über Torrington, von den Untersuchungen in Lancashire, von dem Verbrennen des Hirtenbriefes des Bischofs von Salisbury, oder von der Anklage gegen den Herzog von Leeds erfahren haben. Doch wurden die Lücken der Gazette bis zu einem gewissen Grade in London durch die Kaffeehäuser und in der Provinz durch die Neuigkeitsbriefe ausgefüllt.

Am 3. Mai 1695 erlosch das Gesetz, das die Presse einer Censur unterworfen hatte. Innerhalb der nächsten vierzehn Tage erließ ein entschiedener alter Whig, Namens Harris, der in den Tagen der Ausschließungsbill den Versuch gemacht hatte, eine Zeitung unter dem Titel „Intelligence Domestic and Foreign” zu begründen, aber diesen Plan bald wieder hatte aufgeben müssen, die Anzeige, daß die vor vierzehn Jahren durch die Tyrannei unterdrückte „Intelligence Domestic and Foreign” wieder erscheinen würde. Zehn Tage nach der ersten Nummer der Intelligence erschien die erste Nummer des „English Courant”. Dann kam das „Packet Boat from Holland and Flanders”, der „Pegasus”, der „London Newsletter”, die „London Post”, die „Flying Post”, der „Old Postmaster”, der „Postboy” und der „Postman”. Die Geschichte der Zeitungen von jener Zeit bis auf unsere Tage ist ein höchst interessanter und lehrreicher Theil der Geschichte des Landes. Im Anfang waren sie klein und unansehnlich. Selbst der Postboy und der Postman, welche die bestredigirten und gangbarsten gewesen zu sein scheinen, waren abscheulich auf Blätter von schmutziggrauem Papier gedruckt, wie man es heutzutage nicht gut genug für Straßenballaden halten würde. Es erschienen wöchentlich nur zwei Nummern, und eine Nummer enthielt nicht viel mehr Stoff, als man jetzt in einer einzigen Spalte unserer Tagesblätter findet. Was man jetzt einen Leitartikel nennt, erschien nur selten, außer wenn Mangel an Neuigkeiten war, wenn die holländischen Posten durch den Westwind aufgehalten wurden, wenn die Rapparees im Sumpfe von Allen sich ruhig verhielten, wenn keine Diligence von Straßenräubern angefallen, wenn keine eidverweigernde Gemeinde durch Constabler zerstreut worden, wenn kein Gesandter mit einem langen Gefolge sechsspänniger Equipagen angekommen war, wenn kein Lord oder Dichter in der Abtei begraben worden und wenn es in Folge dessen schwer war, vier dürftige Seiten zu füllen. Indessen waren die Leitartikel, obgleich sie, wie es scheint, nur in Ermangelung anziehenderen Stoffes aufgenommen wurden, keineswegs schlecht geschrieben.

Es ist ein bedeutsames Factum, daß die jungen Zeitungen alle auf Seiten Wilhelm’s und der Revolution waren. Dieses Factum mag sich zum Theil durch den Umstand erklären lassen, daß anfangs die Existenz der Herausgeber von ihrem guten Verhalten abhing. Es war keineswegs klar, ob ihr Gewerbe an sich nicht ungesetzlich war. Das Drucken von Zeitungen war allerdings durch kein Gesetz verboten; aber gegen das Ende der Regierung Karl’s II. hatten die Richter erklärt, daß es nach dem Landrecht ein Vergehen sei, politische Nachrichten ohne Erlaubniß des Königs zu veröffentlichen. Freilich waren die Richter, welche dieses Prinzip aufstellten, nach dem Belieben des Königs absetzbar und beeiferten sich bei jeder Gelegenheit, die königliche Prärogative zu erhöhen. Wie Holt und Treby die Frage, wenn sie wieder aufgeworfen worden wäre, entschieden haben würden, ist zweifelhaft, und die Folge dieser Ungewißheit war, daß die Minister der Krone Nachsicht übten und daß die Journalisten sich vorsahen. Keiner von beiden Theilen hegte den Wunsch, die Rechtsfrage zur Erörterung zu bringen. Die Regierung ließ daher das Erscheinen von Zeitungen stillschweigend hingehen, und die Herausgeber derselben hüteten sich sorgfältig, etwas zu drucken, was die Regierung provociren oder beunruhigen konnte. In einer der ersten Nummern eines der neuen Journale erschien allerdings ein Artikel, der darauf hindeuten zu wollen schien, daß die Prinzessin Anna sich nicht aufrichtig über den Fall von Namur freue. Aber der Drucker beeilte sich, seinen Fehler durch die demüthigsten Entschuldigungen wieder gut zu machen. Eine geraume Zeit waren die nichtamtlichen Zeitungen, wenn auch viel plauderhafter und unterhaltender als die amtliche Gazette, fast eben so höfisch. Wer sie nachliest, wird finden, daß der König stets mit der größten Ehrerbietung erwähnt wird. Ueber die Debatten und Abstimmungen der beiden Häuser wird ein ehrfurchtsvolles Stillschweigen beobachtet. Es kommen zwar viel Schmähungen darin vor; aber diese sind fast alle gegen die Jakobiten und die Franzosen gerichtet. Es scheint gewiß, daß die Regierung Wilhelm’s durch die Substituirung dieser unter beständiger Furcht vor dem Generalfiskal redigirten gedruckten Zeitungen an Stelle der mit zügelloser Freiheit geschriebenen Neuigkeitsbriefe nicht wenig gewann.[59]

Die Pamphletisten standen unter minder harten Beschränkungen als die Journalisten; doch muß Jeder, der die politische Polemik der damaligen Zeit aufmerksam studirt hat, bemerkt haben, daß die Libelle gegen Wilhelm’s Person und Verwaltung während der zweiten Hälfte seiner Regierung entschieden weniger heftig und hämisch waren als während der ersten Hälfte. Und der Grund davon ist offenbar kein andrer als der, weil die Presse, welche während der ersten Hälfte seiner Regierung in Ketten und Banden lag, während der zweiten Hälfte frei war. So lange die Censur bestand, hatte keine Schrift, welche die Leitung eines Verwaltungszweiges wenn auch in der gemäßigtsten und anständigsten Sprache tadelte, Aussicht, mit Genehmigung des Censors gedruckt werden zu dürfen. Im Allgemeinen blieben daher selbst die achtbaren und gemäßigten Gegner des Hofes, da sie es nicht über sich gewinnen konnten, in der vom Gesetz vorgeschriebenen Weise zu drucken, und es nicht für recht oder rathsam hielten, in einer vom Gesetz verbotenen Weise zu drucken, lieber ganz still und überließen die Kritik der Verwaltung zwei Klassen von Menschen: fanatischen Eidverweigerern, welche aufrichtig glaubten, daß der Prinz von Oranien eben so wenig Anspruch auf Schonung oder Artigkeit habe, wie der Fürst der Finsterniß, und gemeinen, boshaften und lästerzüngigen Miethlingen in Grub Street. Daher gab es unter den Vielen, welche gegen die Regierung zu schreiben pflegten, kaum einen einzigen Verständigen, Gemäßigten und Rechtschaffenen. Die Gewohnheit, gegen die Regierung zu schreiben, übte in der That an sich eine ungünstige Wirkung auf den Character aus, denn wer gewohnt war, gegen die Regierung zu schreiben, der war auch gewohnt, die Gesetze zu übertreten, und die Gewohnheit selbst ein unbilliges Gesetz zu übertreten, führt den Menschen zu völliger Gesetzlosigkeit. Wie absurd ein Zolltarif auch immer sein mag, ein Schmuggler wird stets nur zu wahrscheinlich ein Schurke und Spitzbube sein. Wie despotisch ein Jagdgesetz immer sein mag, der Uebergang von einem Wilddieb zu einem Mörder ist nur zu leicht. Ebenso war, obgleich sich zu Gunsten der die Literatur beschränkenden Gesetze nur wenig sagen läßt, doch große Gefahr vorhanden, daß ein Mann, der diese Gesetze beständig verletzte, kein Mann von besonderer Ehre und strenger Rechtschaffenheit sein würde. Ein Autor, der sich vorgenommen hatte, etwas drucken zu lassen, und die Erlaubniß des Censors dazu nicht erlangen konnte, mußte sich der Beihülfe bedürftiger und verzweifelter Menschen bedienen, welche, von den Dienern des Friedensgerichts verfolgt und gezwungen, jede Woche andere Namen und Verkleidungen anzunehmen, ihr Papier und ihre Typen in jenen Höhlen des Lasters verbargen, welche die Pest und die Schande großer Hauptstädte sind. Solche Elende mußte er erkaufen, damit sie sein Geheimniß bewahrten und sich der Gefahr aussetzten, anstatt seiner ausgepeitscht zu werden oder die Ohren zu verlieren. Ein Mann, der sich zu solchen Genossen und zu solchen Hülfsmitteln herabließ, konnte einen zarten Sinn für Recht und Schicklichkeit kaum unversehrt bewahren. Die Emancipation der Presse bewirkte eine große und heilsame Aenderung. Die besten und einsichtsvollsten Männer in den Reihen der Opposition übernahmen jetzt ein Amt, das bisher den Gewissenlosen und Heißblütigen überlassen gewesen war. Schriften gegen die Regierung wurden jetzt in einem Tone geschrieben, dessen sich Staatsmänner und Gentlemen nicht zu schämen brauchten, und selbst die Producte der niederern und heftigeren Klasse der Mißvergnügten wurden etwas weniger roh und gemein, als sie es in den Tagen der Censoren gewesen waren.

Einige schwache Menschen hatten geglaubt, daß Religion und Moral des Schutzes eines Censors bedürften. Der Lauf der Dinge bewies schlagend, daß sie im Irrthum waren. Die Censur hatte in der That die Zügellosigkeit und Profanation so gut als gar nicht beschränkt. Das „Verlorne Paradies” war mit genauer Noth der Verstümmelung entgangen, denn das Verlorne Paradies war das Werk eines Mannes, dessen politische Ansichten den herrschenden Gewalten verhaßt waren. Aber Etherege’s She Would If She Could, Wycherley’s Country Wife, Dryden’s „Uebersetzungen aus dem vierten Buche des Lucrez” erlangten ohne Mühe das Imprimatur, denn Dryden, Etherege und Wycherley waren Höflinge. Von dem Tage, an welchem die Emancipation unsrer Literatur eintrat, begann die Läuterung unsrer Literatur. Diese Läuterung wurde nicht durch das Einschreiten von Senaten oder Magistraten bewirkt, sondern durch die Ansicht der großen Masse der gebildeten Engländer, denen das Gute und das Schlechte vor Augen gelegt, und denen es freigestellt wurde, zu wählen. Seit hundertsechzig Jahren ist die Freiheit unsrer Presse immer vollständiger geworden, und während dieser hundertsechzig Jahre ist der Zügel, den die allgemeine Gesinnung der Leser den Schriftstellern angelegt hat, immer wirksamer geworden. Endlich ist selbst diejenige Klasse von Schriften, von denen man sonst meinte, daß eine wollüstige Phantasie sich darin Ausschreitungen gestatten dürfe, wie Liebeslieder, Lustspiele und Novellen, anständiger geworden, als die Predigten des 17. Jahrhunderts es waren. Heutzutage können Ausländer, die kein tadelndes Wort gegen die Regierung, unter der sie leben, zu drucken wagen, nicht begreifen, wie es zugeht, daß die freieste Presse in Europa die prüdeste ist.

Wilhelm’s Rückkehr nach England; Auflösung des Parlaments.

Am 10. October kam der König, dessen Armee ihre Winterquartiere bezogen hatte, in England an und wurde mit ungewohntem Enthusiasmus empfangen. Während seines Zuges durch die Hauptstadt nach seinem Palaste gingen alle Glocken und jede Straße war erleuchtet. Es wurde spät, bevor er durch die jubelnden Menschenmassen nach Kensington gelangte. Aber trotz der späten Stunde wurde sofort noch eine Sitzung des Staatsraths abgehalten. Es war ein wichtiger Punkt zu entscheiden. Sollte das Haus der Gemeinen beisammen bleiben dürfen oder sollte eine sofortige Auflösung stattfinden? Der König würde dieses Haus wahrscheinlich gern bis ans Ende seiner Regierung beibehalten haben. Aber dies stand nicht in seiner Macht. Die Dreijährigkeitsacte hatte den 25. März als den letzten Termin für die Existenz des Parlaments festgesetzt. Wenn daher 1695 keine allgemeine Wahl mehr stattfand, so mußte 1696 eine solche stattfinden, und wer konnte sagen, in welchem Zustande das Land im Jahre 1696 sein würde? Es konnte ein unglücklicher Feldzug stattfinden. Es konnte, und man hatte nur zu triftigen Grund dies anzunehmen, eine gefährliche Handelskrisis eintreten. In beiden Fällen war es wahrscheinlich, daß die Mißstimmung groß sein würde. Der Feldzug von 1695 war glänzend gewesen, die Nation war in einer vortrefflichen Stimmung, und Wilhelm beschloß wohlweislich, den günstigen Moment zu benutzen. Es wurden unverweilt zwei Proklamationen erlassen. Die eine derselben kündigte in der gewöhnlichen Form an, daß Se. Majestät beschlossen habe, das alte Parlament aufzulösen, und befohlen habe, Wahlausschreiben zu einem neuen Parlamente ergehen zu lassen. Die andre Proklamation war ohne vorgängiges Beispiel. Sie that kund und zu wissen, daß es der Wille des Königs sei, daß jedes in einem Wahlorte liegende Regiment den Tag vor der Vorschlagung der Wahlcandidaten aus diesem Orte ausrücken und nicht eher dahin zurückkehren solle, als bis das Volk seine Wahl getroffen habe. Die Besatzungen der befestigten Städte und Schlösser waren von diesem Befehle, der allgemein als ein Zeichen lobenswerther Achtung vor den Rechten des Volks betrachtet wurde, natürlich ausgenommen.

Obgleich aber Wilhelm sich sorgfältig hütete, die Wahlkörper durch irgend etwas, das wie Zwang oder Einschüchterung aussah, zu verletzen, verschmähte er es doch nicht, durch gelindere Mittel auf ihre Stimmen einzuwirken. Er beschloß, die sechs Wochen der allgemeinen Wahl dazu anzuwenden, daß er sich den Bevölkerungen vieler Districte zeigte, die er noch nie besucht hatte. Er hoffte auf diese Weise eine Popularität zu erlangen, die einen erheblichen Einfluß auf die Wahlen ausüben konnte. Er zwang sich daher, eine Leutseligkeit und Freundlichkeit an den Tag zu legen, an denen er es nur zu oft fehlen ließ, und die Folge davon war, daß er auf jeder Station seiner Reise von seinen Unterthanen Beweise von Wohlwollen erhielt. Ehe er abreiste, stattete er seiner Schwägerin einen officiellen Besuch ab und war mit dem ihm zu Theil werdenden Empfange sehr zufrieden. Der erst sechs Jahr alte Herzog von Gloucester kam seinem Oheime mit einer kleinen Flinte auf der Schulter entgegen und präsentirte das Gewehr. „Ich lerne exerciren,” sagte der Knabe, „damit ich Ihnen helfen kann die Franzosen zu schlagen.” Der König lachte herzlich und belohnte den kleinen Soldaten einige Tage darauf mit dem Hosenbandorden.[60]

Wilhelm unternimmt eine Reise durch das Land.

Am 17. October ging die Königin nach Newmarket, gegenwärtig mehr ein Ort des Gewerbfleißes als des Vergnügens, in den Herbstmonaten des 17. Jahrhunderts aber der heiterste und luxuriöseste Platz auf der Insel. Es war nichts Ungewöhnliches, daß der ganze Hof mitsammt dem Cabinet sich dahin begab. Juweliere und Modistinnen, Schauspieler und Musiker, feile Poeten und feile Schönheiten folgten massenhaft. Die Communication in den Straßen wurde durch sechsspännige Equipagen gehemmt. An den öffentlichen Vergnügungsorten liebäugelten Peers mit Ehrenfräuleins, und Offiziere der Leibgarde, von Federn und goldenen Tressen strotzend, drängten sich in buntem Gewühl mit Professoren in schwarzen Roben und Baretten, denn die benachbarte Universität Cambridge schickte stets ihre höchsten Würdenträger mit Ergebenheitsadressen und wählte ihre tüchtigsten Theologen aus, um sie vor dem Souverain und seinem glänzenden Gefolge predigen zu lassen. In den zügellosen Tagen der Restauration wollte es zwar auch den gelehrtesten und beredtsamsten Geistlichen zuweilen nicht gelingen, ein fashionables Auditorium herbeizuziehen, besonders wenn Buckingham seine Absicht ankündigte, einen Vortrag zu halten; denn zuweilen gefiel es Sr. Gnaden, die Langweiligkeit eines Sonntagsmorgens dadurch zu verscheuchen, daß er den Schwarm der eleganten Herren und Damen mit einer frivolen Ermahnung unterhielt, die er eine Predigt nannte. Aber der Hof Wilhelm’s war decenter und die akademischen Würdenträger wurden mit ausgezeichneter Achtung behandelt. Mit den Lords und Ladies von Saint-James und Soho und den Doctoren des Trinity College und King’s College war dann noch der Landadel vermischt, fuchsjagende Squires mit ihren rothwangigen Töchtern, die in schwerfälligen, von Karrengäulen gezogenen Familienkutschen aus den entferntesten Kirchspielen einiger Grafschaften herbeigekommen waren, um ihren Landesherrn zu sehen. Die Haide war von einem lärmenden, zigeunerähnlichen Lager eingefaßt, denn die Hoffnung, sich von den Ueberresten so vieler splendiden Tafeln sättigen und einige von den Guineen und Kronen aufheben zu können, welche die Verschwender von London wegwarfen, lockte Tausende von Landleuten aus einem Umkreise von vielen Meilen herbei.[61]

Nachdem Wilhelm an diesem heiteren Orte einige Tage seinen Hof gehalten und die Huldigungen von Cambridgeshire, Huntingdonshire und Suffolk entgegengenommen hatte, begab er sich nach Althorpe. Es scheint befremdend, daß er auf einer Reise, die eigentlich eine Stimmenwerbungstour war, einem Manne wie Sunderland, der mit so allgemeinem Mißtrauen und Haß betrachtet wurde, eine so ausgezeichnete Ehre erwies. Aber die Leute hatten sich einmal vorgenommen, froh und vergnügt zu sein. Ganz Northamptonshire strömte in die durch den Pinsel Vandyke’s geschmückte und durch Waller’s Muse zu klassischer Berühmtheit gelangte prächtige Gallerie, um die königliche Hand zu küssen, und der Earl versuchte seine Nachbarn mit sich zu versöhnen, indem er sie an acht mit Silbergeschirr schwer beladenen Tafeln bewirthete. Von Althorpe ging der König nach Stamford. Der Earl von Exeter, dessen fürstlicher Landsitz zu den großen Sehenswürdigkeiten England’s gehörte und noch gehört, hatte nie die Eide geleistet, und um einer Unterredung aus dem Wege zu gehen, die ihm hätte unangenehm sein müssen, war er unter irgend einem Vorwande nach London gereist, hatte aber Befehle hinterlassen, daß der erlauchte Besuch mit gebührender Gastlichkeit empfangen werde. Wilhelm war ein großer Freund der Baukunst und der Gartenanlagen, und seine Edelleute konnten ihm mit nichts mehr schmeicheln, als wenn sie ihn über die Verschönerung ihrer Landsitze um Rath fragten. Zu einer Zeit, wo viele Sorgen auf seinem Geiste lasteten, nahm er großes Interesse an dem Baue von Castle Howard und ein hölzernes Modell dieses Gebäudes, des schönsten Probestücks eines fehlerhaften Styls, wurde ihm nach Kensington zur Ansicht gesandt. Wir können uns daher nicht wundern, daß er Burleigh mit großem Vergnügen sah. Er begnügte sich sogar nicht mit einer Besichtigung, sondern stand am andren Morgen frühzeitig auf, um das Gebäude noch einmal in Augenschein zu nehmen. Von Stamford begab er sich nach Lincoln, wo er von dem Klerus in vollem Ornate, von den Magistratsbeamten in Scharlachmänteln und von einer Menge Baronets, Rittern und Esquires aus allen Theilen der ungeheuren Ebene, welche zwischen dem Trent und dem deutschen Ocean liegt, begrüßt wurde. Nachdem er in der prächtigen Kathedrale dem Gottesdienste beigewohnt, reiste er wieder ab und wendete sich östlich. An der Grenze von Nottinghamshire kam der Lordlieutenant der Grafschaft, John Holles, Herzog von Newcastle, mit einem zahlreichen Gefolge den königlichen Equipagen entgegen und geleitete sie auf seinen Landsitz in Welbeck, einem von riesigen Eichen, welche jetzt kaum älter aussehen als an dem Tage, wo jener glänzende Zug sich unter ihren Schatten dahinbewegte, umgebenen Schlosse. Das Haus, in welchem Wilhelm damals einige Stunden als Gast verweilte, ging lange nach seinem Tode durch weibliche Erbfolge von den Holles auf die Harley und von den Harley auf die Bentinck über und enthält jetzt die Originale der höchst interessanten Briefe, die zwischen ihm und seinem treuen Freund und Diener Portland gewechselt wurden. In Welbeck waren die Großen des Nordens versammelt. Der Lordmayor von York kam dahin mit einem Gefolge von Magistraten, der Erzbischof von York mit einem Gefolge von Geistlichen. Wilhelm jagte mehrere Male in diesem Walde, dem schönsten des Königreichs, wo in alten Zeiten Robin Hood und Little John hausten und der jetzt in die fürstlichen Domänen Welbeck, Thoresby, Clumber und Worksop getheilt ist. Vierhundert berittene Gentlemen nahmen an seinen Jagden Theil. Die Squires von Nottinghamshire hörten ihn nach einer prächtigen Hirschjagd mit Entzücken bei Tafel äußern, er hoffe, daß dies nicht das letzte Rennen sei, das er in ihrer Gesellschaft abgehalten habe, und er müsse ein Jagdschloß in diesen herrlichen Forsten miethen. Hierauf wendete er sich südwärts. Er wurde einen Tag von dem Earl von Stamford in Bradgate bewirthet, dem Orte, wo Lady Jane Grey einsam die letzten Worte Sokrates’ las, während das vom Schwarme der Hunde und Jäger verfolgte Hochwild durch den Park flog. Am folgenden Tage empfing Lord Brook seinen Souverain auf Warwick Castle, der schönsten von den mittelalterlichen Burgen, welche in friedliche Wohnungen verwandelt worden sind. Guy’s Thurm war erleuchtet, hundertzwanzig Gallonen Punsch wurden auf das Wohl Sr. Majestät getrunken und ein mächtiges Feuer brannte im Mittelpunkte des geräumigen Hofes, der von mit jahrhundertealtem Epheu bekleideten Ruinen umgeben war. Am nächsten Morgen reiste der König, von einer Menge berittener Gentlemen aus Warwickshire begleitet, weiter nach den Grenzen von Gloucestershire. Er machte einen Abstecher, um bei Shrewsbury auf dessen einsamen Wohnsitze in den Wolds zu speisen, und ging am Abend nach Burford. Die ganze Bevölkerung von Burford kam ihm entgegen und bat ihn, ein kleines Zeichen ihrer Liebe anzunehmen. Burford war damals berühmt durch seine Sättel. Namentlich ein Bürger der Stadt galt bei den Engländern für den besten Sattler in Europa. Zwei seiner Meisterstücke wurden ehrerbietig Wilhelm angeboten, der sie sehr freundlich annahm und sie speciell für seinen persönlichen Gebrauch aufzubewahren befahl.[62]

In Oxford wurde er mit großem Gepränge empfangen, mit einer lateinischen Ansprache begrüßt, mit einigen der schönsten Erzeugnisse der akademischen Presse beschenkt, durch Musikaufführungen unterhalten und zu einem glänzenden Feste in dem Sheldon’schen Theater eingeladen. Er reiste nach wenigen Stunden wieder ab, indem er die Kürze seines Aufenthalts damit entschuldigte, daß er die Collegien schon früher gesehen habe und daß sein gegenwärtiger Besuch nicht ein Besuch der Wißbegierde, sondern des Wohlwollens sei. Da man sehr wohl wußte, daß er die Oxforder nicht liebte und auch von ihnen nicht geliebt wurde, so gab seine Eile Anlaß zu einigen müßigen Gerüchten, die bei dem großen Haufen Glauben fanden. Man sagte, er sei deshalb hinweggeeilt, ohne von dem ihm zu Ehren veranstalteten glänzenden Mahle zu kosten, weil ein anonymer Brief ihm den warnenden Wink gegeben habe, daß, wenn er im Theater etwas äße oder tränke, es um ihn geschehen sei. Es ist jedoch schwer zu glauben, daß ein Fürst, der kaum durch die dringendsten Bitten seiner Freunde zu bewegen war, die einfachsten Vorsichtsmaßregeln gegen Meuchelmörder zu beobachten, von deren Anschlägen er notorische Beweise hatte, sich durch eine so alberne Erdichtung hätte schrecken lassen sollen, und es ist ganz gewiß, daß die Stationen seiner Reise festgesetzt waren und daß er so lange in Oxford blieb, als es mit den im vorhinein getroffenen Arrangements vereinbar war.[63]

Bei seiner Wiederankunft in der Hauptstadt wurde er durch ein prächtiges Schauspiel bewillkommnet, das während seiner Abwesenheit mit großem Kostenaufwande vorbereitet worden war. Sidney, jetzt Earl von Romney und Feldzeugmeister, hatte beschlossen, London durch ein Schauspiel, wie es England in so großartigem Maßstabe noch nie gesehen hatte, in Erstaunen zu setzen. Die ganze Geschicklichkeit der Pyrotechniker seines Departements wurde aufgeboten, um ein Feuerwerk herzustellen, das sich mit jedem messen konnte, welches man in den Gärten von Versailles oder auf dem großen Teiche im Haag gesehen hatte. Saint-Jamessquare wurde zum Schauplatze gewählt. Alle Fenster der prächtigen Paläste auf der nördlichen, westlichen und östlichen Seite waren mit vornehmen Leuten besetzt. Der König erschien am Fenster von Romney’s Empfangszimmer. Die Prinzessin von Dänemark mit ihrem Gemahl und ihrem Hofstaate befand sich in einem anstoßenden Hause. Das ganze diplomatische Corps war in der Wohnung des Gesandten der Vereinigten Provinzen versammelt. Eine mächtige Flammenpyramide warf leuchtende Cascaden aus, welche von den Hunderttausenden, die sich in den benachbarten Straßen und Parks drängten, gesehen wurden. Die Generalstaaten erfuhren durch ihren Correspondenten, daß trotz der ungeheuren Menschenmenge die Nacht ohne die geringste Störung vergangen sei.[64]

Die Wahlen.

Inzwischen waren die Wahlen ziemlich zu Ende. In allen Theilen des Landes zeigte es sich deutlich, daß die Wahlkörper im allgemeinen für den König und für den Krieg waren. Die City von London, welche im Jahre 1690 vier Tories gewählt hatte, wählte 1695 vier Whigs. Ueber die Vorgänge zu Westminster ist ein Bericht von mehr als gewöhnlicher Umständlichkeit auf uns gekommen. Im Jahre 1690 hatten die über die Sacheverell’sche Klausel entrüsteten Wähler zwei Tories gewählt. Im Jahr 1695 wurde, sobald man erfuhr, daß wahrscheinlich ein neues Parlament einberufen werden würde, ein Meeting gehalten, in welchem beschlossen wurde, eine Deputation mit einer Einladung an zwei Commissare des Schatzes, Karl Montague und Sir Stephan Fox, abzusenden. Sir Walter Clarges repräsentirte das toryistische Interesse. An dem Tage des Vorschlags der Candidaten zogen nahe an fünftausend Wähler zu Pferde durch die Straßen. Sie waren in drei Abtheilungen getheilt, und an der Spitze jeder Abtheilung ritt einer der Candidaten. Es war leicht, auf den ersten Blick die comparative Stärke der Parteien zu schätzen, denn die Cavalcade, welche Clarges folgte, war die mindest zahlreiche von den dreien, und man wußte sehr wohl, daß die Anhänger Montague’s für Fox und die Anhänger Fox’ für Montague stimmen würden. Die Geschäfte des Tages wurden durch lautes Geschrei gestört. Die Whigs schmähten den jakobitischen Candidaten, der es dahin bringen wolle, daß die Engländer in die Messe gingen, Frösche äßen und Holzschuhe trügen. Die Tories schimpften auf die beiden Staatsbeamten, welche mit der geraubten Habe der armen überlasteten Nation Schätze aufhäuften. Von Worten gingen die erbitterten Parteien zu Thätlichkeiten über und es entstand ein Tumult, der nicht ohne Mühe gedämpft werden konnte. Der Oberbailiff ging dann um die drei Reiterschaaren herum und erklärte nach flüchtiger Ueberzählung derselben, daß Montague und Fox ordnungsgemäß gewählt seien. Es wurde eine genaue Stimmenzählung verlangt. Die Tories boten alles Mögliche auf; weder Geld noch Tinte wurden gespart. Clarges gab in wenigen Stunden zweitausend Pfund aus, eine bedeutende Summe zu einer Zeit, wo das durchschnittliche Einkommen eines Parlamentsmitgliedes auf nicht mehr als achthundert Pfund jährlich geschätzt wurde. Im Laufe der auf die Proklamirung der Candidaten folgenden Nacht wurden Flugblätter voll Schmähungen gegen die beiden höfischen Emporkömmlinge, die sich durch Schurkerei aus Armuth und Dunkelheit zu Reichthum und Macht erhoben hätten, durch die ganze Hauptstadt verstreut. Der Bischof von London warb offen Stimmen gegen die Regierung, denn die Einmischung von Peers in die Wahlen war noch nicht von den Gemeinen für eine Privilegiumsverletzung erklärt worden. Doch es war Alles umsonst. Clarges stand am Ende der Stimmliste, ohne Aussicht sich zu erheben. Er zog sich zurück und Montague wurde auf den Schultern einer ungeheuren Menge von der Westminsterabtei nach seinem Amtsbureau in Whitehall getragen.[65]

Die nämliche Gesinnung trat an vielen anderen Orten zu Tage. Die Freisassen von Cumberland wiesen ihre Vertreter an, den König zu unterstützen und jede zur Fortsetzung des Kriegs für nöthig erachtete Summe zu bewilligen, und diesem Beispiele folgten noch mehrere andere Grafschaften und Städte.[66] Russell kam erst in England an, als die Ausschreiben erlassen waren. Aber er brauchte nur zu wählen, für welchen Ort er im Parlamente sitzen wollte. Seine Popularität war enorm, denn seine Schurkereien waren unbekannt, während seine dem Staate geleisteten Dienste allgemein bekannt waren. Er hatte die Schlacht von La Hogue gewonnen. Er hatte zwei Jahre im mittelländischen Meere commandirt. Er hatte daselbst die französischen Flotten in den Hafen von Toulon eingeschlossen und hatte die französischen Armeen in Catalonien aufgehalten und zurückgetrieben. Er hatte viele Schiffe, darunter zwei Linienschiffe genommen und hatte während seines langen Aufenthalts in einem entfernten Meere weder durch Krieg noch durch Unwetter ein einziges Fahrzeug verloren. Er hatte das rothe St. Georgskreuz zu einem Gegenstande des Schreckens für alle Fürsten und Republiken Italien’s gemacht. Das Resultat seiner Erfolge war, daß Gesandtschaften aus Florenz, Genua und Venedig unterwegs waren, um Wilhelm nachträglich zu seiner Thronbesteigung Glück zu wünschen. Russell’s Verdienste, von den Whigs geschickt vergrößert, machten einen solchen Eindruck, daß er nicht allein von Portsmouth, wo seine amtliche Stellung ihm einen großen Einfluß verlieh, und von Cambridgeshire, wo er bedeutende Privatbesitzungen hatte, sondern auch von Middlesex ins Parlament gewählt wurde. Diese letztere Auszeichnung verdankte er allerdings hauptsächlich seinem Namen. Vor seiner Ankunft in England hatte man allgemein geglaubt, daß für die hauptstädtische Grafschaft zwei Tories gewählt werden würden. Somers und Shrewsbury waren der Meinung, daß diesem Unglück auf keinem andren Wege vorzubeugen sei, als indem man den Namen des tugendhaftesten aller Märtyrer der englischen Freiheit heraufbeschwöre. Sie baten Lady Russell, es zu gestatten, daß ihr ältester Sohn, ein fünfzehnjähriger Knabe, der eben seine Studien in Cambridge beginnen sollte, auf die Candidatenliste gesetzt werde. Er müsse, sagten sie, seinen neuen Titel Marquis von Tavistock auf einen Tag ablegen und sich Lord Russell nennen. Es würden keine Kosten erwachsen und kein Kampf stattfinden. Tausende von berittenen Gentlemen würden ihn zu den Wahlbühnen geleiten, Niemand würde es wagen gegen ihn aufzutreten, und er würde nicht nur selbst gewählt werden, sondern auch noch einen andren Whig ins Parlament bringen. Die verwittwete Mutter weigerte sich in einem mit ihrer ganzen vortrefflichen Einsicht und Gesinnung geschriebenen Briefe, ihren Sohn ihrer Partei zu opfern. Seine Erziehung, sagte sie, würde dadurch unterbrochen werden, der Kopf würde ihm schwindeln, sein Sieg würde ihm zum Verderben gereichen. Gerade in diesem Augenblicke kam der Admiral an. Er erschien vor den auf der Höhe von Hampstead Hill versammelten Wählern von Middlesex und wurde ohne Opposition gewählt.[67]

Gleichzeitig erhielten mehrere angesehene Mißvergnügte Beweise des öffentlichen Mißfallens. Johann Knight, der factiöseste und übermüthigste von denjenigen Jakobiten, welche ehrloserweise dem Könige Wilhelm Treue geschworen hatten, um sich für den Sitz im Parlamente zu qualificiren, hörte auf, die große Stadt Bristol zu vertreten. Exeter, die Hauptstadt des Westens, war in heftiger Aufregung. Man hatte lange geglaubt, daß die Befähigung, die Beredtsamkeit, die Erfahrung, das große Vermögen und die vornehme Abkunft Seymour’s es unmöglich machen würden, ihn zu verdrängen. Aber sein moralischer Ruf, der nie weit her gewesen, war während der letzten drei oder vier Jahre immer tiefer und tiefer gesunken. Er war ein giftiges Mitglied der Opposition gewesen, Bis er eine Stelle erlangt hatte. So lange er diese bekleidete, hatte er auch die unpopulärsten Maßregeln der Regierung vertheidigt, und sobald er aus dem Amte getreten war, war er wieder ein giftiger Opponent geworden. Sein Salpetercontract hatte einen tiefen Flecken auf seiner persönlichen Ehre zurückgelassen. Es wurden ihm daher zwei Candidaten gegenübergestellt und ein Wahlkampf, der längste und heftigste jener Zeit, fesselte die Aufmerksamkeit des ganzen Königreichs und wurde selbst von auswärtigen Regierungen mit Spannung beobachtet. Die Stimmenliste war fünf Wochen geöffnet. Die Geldausgaben waren auf beiden Seiten enorm. Die Wahlmänner von Exeter, welche, so lange die Wahl dauerte, herrlich und in Freuden lebten, sehnten sich durchaus nicht nach baldiger Beendigung ihres luxuriösen Carnevals. Sie aßen und tranken nach Herzenslust; sie zogen jeden Abend mit tüchtigen Knitteln aus, um für Mutter Kirche, oder für König Wilhelm zu streiten; aber die Stimmen fanden sich nur sehr langsam ein. Erst am Vorabend des Zusammentritts der Parlamentshäuser kam die Wahl zu Stande. Seymour war zu seinem großen Aerger geschlagen und mußte zu dem kleinen Wahlflecken Totneß seine Zuflucht nehmen.[68]

Es ist auffallend, daß Johann Hampden auch bei dieser Wahl, wie bei der vorhergehenden, keinen Sitz erlangte. Seitdem er nicht mehr Parlamentsmitglied war, hatte er über seinen Unstern und seine unauslöschliche Schande gebrütet und gelegentlich seinem Unmuth in bitteren Pamphlets gegen die Regierung Luft gemacht. Als die Whigs am Hofe und im Parlamente zur Herrschaft gelangt waren, als Nottingham zurückgetreten und Caermarthen in Anklagestand versetzt worden war, faßte Hampden, wie es scheint, wieder Hoffnung, noch eine große Rolle im öffentlichen Leben spielen zu können. Aber den Führern seiner Partei war offenbar an einem Bundesgenossen von so hämischem und unruhigem Geiste nichts gelegen. Daher sah er sich immer vom Hause der Gemeinen ausgeschlossen. Er führte seit einigen Monaten ein trauriges Leben, indem er seine Sorgen bald unter den eleganten Spielern und den zarten Schönheiten, welche die Gesellschaftszimmer der Herzogin von Mazarine füllten, zu vergessen suchte, bald in religiöse Schwermuth versank. Der Gedanke an einen Selbstmord stieg oft in ihm auf. Nicht lange, so kam die Vertretung von Buckinghamshire zur Erledigung, der Grafschaft, die ihn und seine Vorfahren zu wiederholten Malen ins Parlament geschickt hatte, und er hoffte, daß er mit Hülfe Wharton’s, der über die Whigs von Buckinghamshire eine unumschränkte Herrschaft ausübte, ohne Schwierigkeit gewählt werden würde. Aber Wharton verwendete seinen Einfluß zu Gunsten eines andren Candidaten. Dies war ein vernichtender Schlag. Die Stadt wurde durch die Nachricht in Aufregung versetzt, daß Johann Hampden sich die Kehle durchschnitten, daß er noch einige Stunden gelebt, daß er tiefe Reue über seine Sünden an den Tag gelegt, Burnet’s geistlichen Beistand erbeten und der Herzogin von Mazarine eine feierliche Warnung zugesandt habe. Eine Coronersjury erklärte ihn für wahnsinnig. Der Unglückliche war mit den schönsten Aussichten ins Leben getreten. Er trug einen Namen, der mehr als adelig war. Er war der Erbe eines großen Vermögens und eines noch weit kostbareren Gutes: des Vertrauens und der Zuneigung von Hunderttausenden seiner Landsleute. Seine natürlichen Anlagen waren bedeutend und sie waren sorgfältig ausgebildet worden. Leider trieben Ehrgeiz und Parteigeist ihn an, sich in eine Lage voll Gefahren zu versetzen. Diesen Gefahren erwies seine Characterstärke sich nicht gewachsen. Er erniedrigte sich zu Bitten, die ihn zwar retteten, aber auch entehrten. Von diesem Augenblicke an kannte er keinen Seelenfrieden mehr. Seine Stimmung wurde verbittert und durch seine Stimmung wurde sein Verstand zerrüttet. Er suchte in Andachtsübungen und in Racheplänen, in fashionablen Vergnügungen und in politischen Bewegungen Erleichterung zu finden. Aber der schwarze Schatten wich nie wieder aus seinem Geiste, bis endlich im zwölften Jahre seiner Demüthigung ein trauriger Tod seinem traurigen Leben ein Ziel setzte.[69]

Das Ergebniß der allgemeinen Wahl bewies, daß Wilhelm einen günstigen Augenblick zur Auflösung gewählt hatte. Die Zahl der neuen Abgeordneten betrug ungefähr hundertsechzig und die meisten waren als der Regierung entschieden zugethan bekannt.[70]

Beunruhigender Zustand der Geldverhältnisse.

Es war von der höchsten Wichtigkeit, daß das Haus der Gemeinen in jenem Augenblicke geneigt war, in aufrichtigem Einklang mit dem Könige zu handeln. Denn es war durchaus nothwendig, ein Heilmittel gegen ein inneres Uebel anzuwenden, das allmälig eine furchtbare Ausdehnung erlangt hatte. Das Silbergeld, welches damals die feste Münzwährung des Landes bildete, befand sich in einem Zustande, der selbst die kühnsten und aufgeklärtesten Staatsmänner erschreckte.[71]

Bis zur Regierung Karl’s II. waren unsere Münzen vermittelst eines Verfahrens geschlagen worden, das noch aus dem 13. Jahrhunderte stammte. Eduard I. hatte geschickte Künstler aus Florenz kommen lassen, das zu seiner Zeit London gegenüber das war, was zur Zeit Wilhelm’s III. London Moskau gegenüber war. Die Instrumente, welche damals in unsrer Münze eingeführt worden waren, blieben, mit unbedeutenden Abänderungen, noch mehrere Generationen hindurch in Gebrauch. Das Metall wurde mit der Scheere zerschnitten und dann geformt und mit dem Hammer geprägt. Bei diesen Operationen war der Hand und dem Auge des Arbeiters viel überlassen. Es kam ganz natürlich vor, daß manche Stücke etwas mehr, andere etwas weniger als die gehörige Quantität Silber enthielten; nur selten waren sie vollkommen rund; und die Ränder waren nicht markirt. Man kam daher mit der Zeit dahinter, daß das Beschneiden des Geldes eine der leichtesten und einträglichsten Arten des Betrugs war. Unter der Regierung Elisabeth’s war es für nöthig erachtet worden zu verordnen, daß die Geldbeschneider, wie dies bei den Falschmünzern schon längst der Fall war, den auf den Hochverrath gesetzten Strafen unterworfen sein sollten.[72] Doch das Geldbeschneiden war ein zu einträgliches Geschäft, als daß es durch solche Maßregeln hätte verhindert werden können, und um die Zeit der Restauration begannen die Leute gewahr zu werden, daß ein großer Theil der coursirenden Kronen, halben Kronen und Schillinge eine kleine Verstümmelung erfahren hatten.

Die damalige Zeit war fruchtbar an Versuchen und Erfindungen in allen Zweigen der Wissenschaft. Es wurde eine große Verbesserung im Formen und Prägen der Münzen vorgeschlagen und im Tower von London ein Prägewerk aufgestellt, das in großem Umfange die menschliche Hand ersetzte. Dieses Werk wurde durch Pferde getrieben und würde von den Mechanikern unsrer Zeit wahrscheinlich eine rohe und schwache Maschine genannt werden. Die Münzen, die es lieferte, gehörten jedoch zu den besten in Europa. Sie waren nicht leicht nachzumachen, und da sie vollkommen rund und auf dem Rande mit einer Umschrift versehen waren, so war auch kein Beschneiden zu fürchten.[73]

Die gehämmerten Münzen und die geprägten Münzen coursirten nun zusammen, und sie wurden bei öffentlichen und folglich auch bei Privatzahlungen, ohne Unterschied genommen. Die damaligen Finanzmänner scheinen erwartet zu haben, daß das neue Geld, welches vortrefflich war, das alte schlechte bald verdrängen werde. Jeder Mensch mit gesundem Verstande hätte jedoch einsehen müssen, daß, wenn der Staat vollwichtige Münzen und zu leichte Münzen als gleich im Werthe behandelt, nicht die vollwichtigen Münzen die zu leichten aus dem Verkehr verdrängen werden, sondern ihrerseits verdrängt werden müssen. Eine beschnittene Krone galt auf englischem Gebiet bei Bezahlung einer Steuer oder einer Schuld ebensoviel als eine geprägte Krone. Sobald aber die geprägte Krone in den Schmelztiegel geworfen oder über den Kanal gebracht war, wurde sie viel werthvoller als eine beschnittene Krone. Man hätte daher so zuversichtlich voraussagen können, wie nur irgend etwas sich voraussagen läßt, was von menschlichem Willen abhängt, daß die geringeren Geldstücke auf dem einzigen Markte bleiben würden, auf dem sie den nämlichen Preis erlangen konnten wie die besseren Stücke, und daß die besseren eine Form annehmen oder an einen Ort eilen würden, wo aus ihrem höheren Werthe ein Gewinn zu ziehen war.[74]

Die Staatsmänner der damaligen Zeit übersahen jedoch in der Regel diese sehr naheliegenden Betrachtungen. Sie waren höchst erstaunt darüber, daß Jedermann so verkehrt sein sollte, sich lieber leichten Geldes als guten Geldes zu bedienen. Mit anderen Worten, sie wunderten sich, daß Niemand Lust hatte, zwölf Unzen Silber zu bezahlen, wenn zehn es auch thaten. Das Pferd im Tower ging noch immer im Kreise herum. Frische Wagenladungen guten Geldes gingen noch immer aus dem Prägewerke hervor und verschwanden noch immer eben so schnell als sie zum Vorschein kamen. Große Massen wurden eingeschmolzen, große Massen ausgeführt, große Massen zurückgelegt; aber kaum ein einziges neues Geldstück war in der Kasse eines Kaufladens oder in dem ledernen Beutel zu finden, den der Landwirth vom Viehmarkte mit nach Hause nahm. Bei den Einnahmen und Ausgaben der Schatzkammer überstieg der Betrag des geprägten Geldes nicht zehn Schilling auf hundert Pfund. Ein damaliger Schriftsteller erzählt einen Fall, wo ein Kaufmann in einer Summe von fünfunddreißig Pfund nur eine einzige halbe Krone geprägten Silbers empfing. Mittlerweile waren die Scheeren der Kipper in fortwährender Thätigkeit. Auch die Falschmünzer vermehrten sich und machten gute Geschäfte, denn je schlechter das Courantgeld wurde, um so leichter war es nachzumachen. Seit mehr als dreißig Jahren war dieses Uebel in stetem Wachsen begriffen. Anfangs hatte man es nicht beachtet; aber es war nach und nach ein unerträglicher Fluch für das Land geworden. Umsonst wurden die strengen Gesetze gegen Falschmünzer und Kipper mit Strenge gehandhabt. Bei jeder Session der Old Bailey wurden furchtbare Exempel statuirt. Schleifen mit vier, fünf, sechs Elenden, welche überführt waren, die Reichsmünzen nachgemacht oder verstümmelt zu haben, wurden jeden Monat Holborn Hill hinaufgezogen. An einem einzigen Morgen wurden sieben Männer und eine Frau wegen Geldbeschneidens verbrannt. Aber Alles war vergebens. Der Gewinn war so bedeutend, daß er gesetzlosen Menschen die Gefahr mehr als aufzuwiegen schien. Einige Kipper sollten großes Vermögen erworben haben. Einer insbesondere bot sechstausend Pfund für seine Begnadigung. Die Bestechungssumme wurde zwar nicht angenommen; aber der Ruf von seinem Reichthume verminderte sehr stark den Eindruck, den man durch das Schauspiel seiner Hinrichtung hervorzubringen bezweckte.[75] Ja die Härte der Strafen ermuthigte sogar zu dem Verbrechen. Denn so schädlich das Beschneiden war, erweckte es doch bei dem großen Haufen nicht einen solchen Abscheu, wie Mord, Brandstiftung, Raub, und selbst Diebstahl. Der Nachtheil, den die Gesammtheit der Kipper der ganzen Gesellschaft zufügte, war allerdings enorm; aber jeder einzelne Act des Beschneidens war eine Kleinigkeit. Eine halbe Krone auszugeben, nachdem man für einen Penny Silber davon abgeschnitten, erschien als ein geringfügiges, fast unmerkliches Vergehen. Selbst als die Nation am lautesten unter der Noth seufzte, welche der Zustand der Valuta erzeugte, hatte jeder Einzelne, der mit dem Tode bestraft wurde, weil er dazu beigetragen, die Valuta in diesen Zustand zu bringen, die allgemeine Theilnahme auf seiner Seite. Die Constabler wollten die Schuldigen nicht verhaften. Die Richter wollten sie nicht einsperren lassen. Die Zeugen wollten nicht die ganze Wahrheit sagen. Die Geschwornen wollten das Wort Schuldig nicht aussprechen. Umsonst sagte man dem Volke, daß die Verstümmler der Münzen weit mehr Unheil anrichteten als alle Straßenräuber und Diebe auf der ganzen Insel. Denn so groß auch die Gesammtmasse des Uebels war, auf den einzelnen Uebelthäter kam nur ein unendlich kleiner Theil dieses Uebels. Man hatte sich daher allgemein verschworen, den ordentlichen Gang des Gesetzes zu hemmen. So zahlreich auch die Verurtheilungen scheinen mochten, ihre Zahl war nur gering im Vergleich zu den Vergehen, und die verurtheilten Uebelthäter betrachteten sich als Gemordete und waren der festen Ueberzeugung, daß ihr Verbrechen, wenn es überhaupt ein Verbrechen war, eben so verzeihlich sei wie das eines Schulknaben, der sich im Garten des Nachbars einige Nüsse holt. Die ganze Beredtsamkeit des Gefängnißgeistlichen konnte sie nur selten dahin bringen, sich dem heilsamen Gebrauche anzubequemen, in ihren letzten Augenblicken die Größe ihrer Ruchlosigkeit anzuerkennen.[76]

Das Uebel verbreitete sich mit fortwährend zunehmender Schnelligkeit. Im Herbst des Jahres 1695 endlich konnte man kaum noch sagen, daß das Land zu praktischen Zwecken einen Maßstab für den Werth der Waaren besitze. Es ließ sich durchaus nicht mehr bestimmen, ob ein Geldstück, das ein Schilling genannt wurde, in Wirklichkeit ein Zehnpencestück oder ein Grot war. Das Resultat einiger Versuche, welche damals gemacht wurden, verdient erwähnt zu werden. Die Beamten der Schatzkammer wogen siebenundfunfzigtausendzweihundert Pfund geschlagenen Geldes, welche kürzlich eingegangen waren. Das Gewicht hätte eigentlich über zweihundertzwanzigtausend Unzen betragen sollen. Aber es betrug noch nicht hundertvierzehntausend Unzen.[77] Drei angesehene Londoner Goldschmiede wurden aufgefordert, jeder hundert Pfund Silbergeld einzuliefern, um es zu wiegen. Diese dreihundert Pfund hätten ungefähr zwölfhundert Unzen wiegen sollen. Es ergab sich aber, daß ihr wirkliches Gewicht nur sechshundertvierundzwanzig Unzen betrug. Die nämliche Prüfung wurde in verschiedenen Gegenden des Landes vorgenommen. Man überzeugte sich dadurch, daß hundert Pfund, welche etwa vierhundert Unzen hätten wiegen sollen, thatsächlich in Bristol zweihundertvierzig Unzen, in Cambridge zweihundertdrei, in Exeter einhundertachtzig, und in Oxford nur hundertsechzehn Unzen wogen.[78] Im Norden gab es allerdings noch einige Districte, in welche das beschnittene Geld erst angefangen hatte, seinen Weg zu finden. Ein ehrlicher Quäker, der in einem dieser Districte wohnte, erwähnt in einigen noch vorhandenen Notizen das Erstaunen, mit welchem auf einer seiner Reisen nach dem Süden die Kaufleute und Gastwirthe die großen und schweren Halbkronen anstarrten, mit denen er seine Bedürfnisse bezahlte. Sie fragten ihn, woher er komme und wo es solches Geld gebe. Die Guinee, für die er in Lancaster zweiundzwanzig Schillinge bezahlte, hatte auf jeder Station seiner Reise einen andren Werth. Als er nach London kam, kostete sie dreißig Schillinge und sie würde noch mehr gegolten haben, hätte nicht die Regierung diesen Preis als den höchsten festgesetzt, zu welchem das Gold bei Steuereinzahlungen genommen werden sollte.[79]

Die durch diesen Zustand des Courantgeldes erzeugten Uebel waren nicht von der Art, daß man sie für werth gehalten hätte, eine wichtige Stelle in der Geschichte einzunehmen. Es dürfte jedoch wohl zu bezweifeln sein, ob all’ das Elend, das in einem Vierteljahrhundert durch schlechte Könige, schlechte Minister, schlechte Parlamente und schlechte Richter über England gebracht worden war, dem Elende gleichkam, welches die schlechten Kronen und schlechten Schillinge in einem einzigen Jahre verursachten. Die Ereignisse, welche einer ergreifenden oder zornigen Beredtsamkeit den besten Stoff liefern, sind nicht immer diejenigen, welche das Wohl der großen Masse des Volks am meisten beeinträchtigen. Die schlechte Verwaltung Karl’s und Jakob’s, so arg sie auch immer gewesen sein mochte, hatte den gewöhnlichen Geschäftsverkehr nicht verhindert, seinen stetigen und gedeihlichen Fortgang zu nehmen. Während die Ehre und Unabhängigkeit des Staats an eine fremde Macht verkauft, während in wohlverbriefte Rechte eingegriffen und Grundgesetze verletzt wurden, arbeiteten und handelten Hunderttausende von ehrbaren und betriebsamen Familien, aßen und tranken und legten sich in Behaglichkeit und Sicherheit zur Ruhe nieder. Mochten Whigs oder Tories, Protestanten oder Jesuiten die Oberhand haben, der Landwirth trieb sein Vieh zu Markte, der Krämer wog seine Rosinen ab, der Tuchhändler schnitt seine Tuche aus, das Gewühl der Käufer und Verkäufer war so lebhaft als je in den Städten, das Erntefest wurde so fröhlich als je auf dem Lande gefeiert, der Rahm füllte die Krüge von Cheshire, der Aepfelsaft schäumte in den Pressen von Herefordshire, das Steingut glühte in den Oefen am Trent, und die Kohlenkarren rollten rasch über die hölzernen Schienenwege am Tyne. Als aber das große Tauschmittel in völlige Unordnung gerieth, war aller Handel und aller Gewerbfleiß wie gelähmt. Das Uebel wurde täglich und stündlich an fast jedem Orte und von fast jeder Klasse empfunden, in der Milchkammer und auf der Dreschtenne, am Amboß und am Webstuhl, auf den Wogen des Weltmeers und in den Tiefen der Bergwerke. Nichts konnte ohne Streit gekauft werden. An jedem Ladentisch gab es Zank und Hader vom Morgen bis zum Abend. Jeden Sonnabend stritt sich der Arbeiter regelmäßig mit dem Arbeitgeber. An einem Meß- oder Markttage hörten Geschrei, Vorwürfe, Schmähungen und Flüche nicht auf, und man konnte von Glück sagen, wenn es keine umgeworfenen Buden und keine blutigen Köpfe gab.[80] Kein Kaufmann wollte eine Waarenlieferung contrahiren, ohne wegen der Qualität der Münze, in der die Zahlung geleistet werden sollte, eine besondere Bestimmung zu treffen. Selbst Geschäftsmänner konnten sich aus der Verwirrung, die in allen Geldgeschäften herrschte, oft nicht herausfinden. Die Einfältigen und Sorglosen wurden von Wucherern, deren Anforderungen noch rascher wuchsen als das Geld zusammenschrumpfte, unbarmherzig geplündert. Der Preis der nothwendigsten Lebensbedürfnisse, der Fußbekleidung, des Biers, des Hafermehls, stieg in rascher Progression. Der Arbeiter fand, daß das Geldstück, das, wenn er es empfing, ein Schilling hieß, kaum noch einen Sixpence werth war, wenn er einen Krug Bier oder ein Laib Roggenbrot kaufen wollte. Wo Arbeiter von mehr als gewöhnlicher Intelligenz in großer Anzahl beisammen waren, da konnten sie ihren Beschwerden Gehör verschaffen und einige Abhülfe erlangen.[81] Der unwissende und hülflose Landmann aber wurde zwischen einer Klasse, die das Geld nur nach der Stückzahl ausgeben, und einer andren, die es nur nach dem Gewicht nehmen wollte, herzlos gedrückt. Doch seine Leiden waren schwerlich größer als die des unglücklichen Geschlechts der Autoren. Ueber die Art und Weise, wie unbekannte Schriftsteller behandelt wurden, können wir uns aus den noch vorhandenen Briefen von Dryden an seinen Buchhändler Tonson leicht eine Vorstellung bilden. Einmal schickt ihm Tonson vierzig Kupferschillinge, ungerechnet das beschnittene Geld. Ein andermal bezahlt er eine Schuld mit so schlechten Stücken, daß Niemand sie wiedernehmen will. Der große Dichter schickt sie alle zurück und verlangt anstatt ihrer Guineen zu neunundzwanzig Schilling das Stück: „Ich erwarte,” sagt er in einem Briefe, „gutes Silber, nicht solches, wie ich früher bekommen habe.” — „Wenn Sie etwas leidliches Silbergeld haben,” schreibt er in einem andren Briefe, „so wird meine Frau sich sehr freuen. An der letzten Zahlung von fünfzig Pfund habe ich dreißig Schilling oder noch mehr verloren.” Diese Klagen und Bitten, deren Erhaltung wir nur der hervorragenden Stellung des Schreibers derselben verdanken, sind wahrscheinlich nur eine kleine Probe von der Correspondenz, welche mehrere Monate lang alle Briefbeutel England’s füllte.

Eine Klasse befand sich inmitten der allgemeinen Noth außerordentlich wohl: die Bankiers, und unter ihnen konnte sich keiner in Bezug auf Geschicklichkeit oder Glück mit Karl Duncombe messen. Er war noch nicht viele Jahre früher ein Goldschmied von sehr mäßigem Vermögen gewesen. Auch er hatte wahrscheinlich, nach der Sitte seiner Berufsklasse, unter den Arkaden der Börse Kunden zu gewinnen gesucht, hatte die Kaufleute mit tiefen Verbeugungen begrüßt und um die Ehre gebeten, ihr baares Geld zu verwahren. Gegenwärtig aber benutzte er so geschickt jede Gelegenheit zu Gewinn, welche die allgemeine Verwirrung in den Preisen einem Geldwechsler darbot, daß er in dem Augenblicke, wo der Handel des Königreichs auf die niedrigste Stufe herabgedrückt war, gegen neunzigtausend Pfund für die Herrschaft Helmsley im Nordbezirk von Yorkshire bezahlte. Diese große Besitzung hatten die Gemeinen England’s in einer unruhigen Zeit ihrem siegreichen General Fairfax verliehen und sie hatte einen Theil des Heirathsgutes gebildet, das Fairfax’ Tochter dem glänzenden und verschwenderischen Buckingham zubrachte. Dorthin hatte sich Buckingham, nachdem er in toller sinnlicher wie geistiger Unmäßigkeit die herrlichsten Gaben der Natur und des Glückes vergeudet, mit den schwachen Ueberresten seines schönen Aeußern und seines glänzenden Geistes zurückgezogen, und dort hatte er sein buntbewegtes Leben unter dem bescheidenen Dache und auf dem einfachen Krankenlager beschlossen, welche der große Satyriker der folgenden Generation in unsterblichen Versen geschildert hat. Die große Herrschaft ging auf ein neues Geschlecht über, und binnen wenigen Jahren erhob sich ein glänzenderer und kostspieligerer Palast, als der prachtliebende Villiers ihn je bewohnt hatte, inmitten der schönen Wälder und Teiche, die er sein genannt hatte, und nahm den einst geringen Namen Duncombe an.

Seit der Revolution war der Zustand des Courantgeldes zu wiederholten Malen im Parlamente discutirt worden. Im Jahre 1689 war ein Ausschuß der Gemeinen ernannt worden, um den Gegenstand zu prüfen, hatte aber keinen Bericht erstattet. Im Jahre 1690 hatte ein neuer Ausschuß berichtet, daß ungeheure Quantitäten Silber von Juden, die für Geldgewinn Alles thäten, außer Landes geschafft würden. Es wurden Pläne entworfen, um die Einfuhr der edlen Metalle zu befördern und die Ausfuhr zu verhindern. Eine thörichte Bill nach der andren wurde eingebracht und fallen gelassen. Zu Anfang des Jahres 1695 endlich nahm die Sache ein so bedenkliches Aussehen an, daß die Häuser sie in ernste Erwägung zogen. Doch das einzige praktische Resultat ihrer Berathungen war ein neues Strafgesetz, von dem man hoffte, daß es dem Beschneiden des geschlagenen Geldes und dem Einschmelzen und Ausführen des geprägten Geldes Einhalt thun werde. Es wurde verordnet, daß Jeder, der einen Kipper denuncirte, Anspruch auf eine Belohnung von vierzig Pfund, und jeder Kipper, der zwei andere Kipper denuncirte, Anspruch auf Begnadigung haben, und daß Jeder, in dessen Besitz Silber-Feilspäne oder Abfälle gefunden würden, mit einem glühenden Eisen auf der Wange gebrandmarkt werden solle. Bestimmte Beamte wurden ermächtigt, nach ungemünztem Silber zu suchen. Wurde in einem Hause oder an Bord eines Schiffes ungemünztes Silber gefunden, so mußte der Eigenthümer den Beweis führen, daß es nicht von Reichsmünzen herrührte. Gelang es ihm nicht, den Ursprung jedes solchen Metallstücks in befriedigender Weise darzuthun, so verfiel er harten Strafen. Dieses Gesetz war, wie sich erwarten ließ, völlig wirkungslos. Während des nächstfolgenden Sommers und Herbstes verschwand das gute Geld immer mehr und mehr und der Nothschrei aus allen Grafschaften des Landes wurde lauter und dringender.

Zum Glück für England befanden sich unter seinen Staatsmännern einige, welche klar erkannten, daß der sinkende Gewerbfleiß und Handel nicht durch Strang und Brenneisen wieder gehoben werden könnten. Der Zustand des Metallgeldes beschäftigte seit einiger Zeit die ernste Aufmerksamkeit von vier durch öffentliche und private Bande eng mit einander verbundenen ausgezeichneten Männern. Zwei davon waren Staatsmänner, welche inmitten ihrer amtlichen und parlamentarischen Geschäfte niemals aufgehört hatten, die Wissenschaft zu lieben und zu verehren; die beiden anderen waren Philosophen, in denen die Gewohnheit des abstrakten Denkens den gesunden praktischen Verstand, ohne den in der Politik selbst das Genie Unheil anrichtet, nicht geschmälert hatte. Nie hatte es eine Gelegenheit gegeben, welche zugleich praktische und theoretische Befähigung dringender erfordert hätte, und nie hatte die Welt die glänzendsten praktischen und theoretischen Talente in einem so engen, so harmonischen und so ehrenwerthen Bunde vereinigt gesehen, wie er Somers und Montague mit Locke und Newton verknüpfte.

Es ist sehr zu bedauern, daß wir nicht eine ausführliche Geschichte der Conferenzen dieser Männer besitzen, denen England die Herstellung seiner Valuta und die lange Reihe glücklicher Jahre verdankt, welche mit dieser Herstellung beginnt. Es müßte interessant sein zu sehen, wie das von den beiden Philosophen gefundene reine Gold der wissenschaftlichen Wahrheit von den beiden Staatsmännern gerade mit derjenigen Quantität Zusatz vermischt wurde, die zur praktischen Ausführung nöthig war. Es würde interessant sein, die mannichfachen Pläne zu studiren, welche vorgeschlagen, erörtert und, einige als unpraktisch, andere als ungerecht, noch andere als zu kostspielig, wieder andere als zu gewagt verworfen wurden, bis endlich ein Plan ausgesonnen wurde, dessen Weisheit sich durch den besten Beweis, durch vollständigen Erfolg, bewährte.

Newton hat der Nachwelt keine Darlegung seiner Ansichten in Bezug auf die Valuta hinterlassen. Aber Locke’s Abhandlungen über diesen Gegenstand sind glücklicherweise noch vorhanden, und es ist die Frage, ob in irgend einer seiner Schriften, selbst in den genialen und tiefdurchdachten Kapiteln über die Sprache, welche vielleicht den werthvollsten Theil seiner Essays über den menschlichen Verstand bilden, die Kraft seines Geistes sichtbarer zu Tage tritt. Ob er je mit Dudley North bekannt gewesen ist, wissen wir nicht. Hinsichtlich des moralischen Characters hatten die beiden Männer wenig mit einander gemein. Sie gehörten verschiedenen Parteien an. In der That, hätte Locke nicht in Holland Schutz vor der Tyrannei gesucht, so ist es durchaus nicht unmöglich, daß er durch eine von Dudley North zusammengestellte Jury nach Tyburn geschickt worden wäre. In geistiger Beziehung dagegen hatten der Whig und der Tory Vieles mit einander gemein. Jeder von ihnen hatte sich seine eigne Theorie der Nationalökonomie ausgedacht, die im Wesentlichen mit der übereinstimmt, welche späterhin Adam Smith aufstellte. In manchen Beziehungen war sogar die Theorie Locke’s und North’s vollkommener und symmetrischer als die ihres berühmten Nachfolgers. Adam Smith ist oft mit Recht getadelt worden, daß er in directem Widerspruche mit allen seinen Grundsätzen behauptete, der Zinsfuß müsse vom Staate regulirt werden, und er ist um so mehr zu tadeln, als lange bevor er geboren ward Locke, und North gelehrt hatten, daß es ebenso absurd sei, Gesetze zu machen, die den Preis des Geldes feststellten, als Gesetze, die den Preis der Eisenwaaren oder des Tuches bestimmten.[82]

Dudley North starb 1693. Noch kurz vor seinem Tode veröffentlichte er anonym eine kleine Schrift, die einen kurzen Umriß eines Planes zur Herstellung der Valuta enthält. Dieser Plan war in der Hauptsache der nämliche wie der, welchen Locke später ausführlich entwickelte und geschickt vertheidigte.

Eine Frage, die ohne Zweifel vielfach eifrig discutirt wurde, war die, ob etwas geschehen sollte, so lange der Krieg noch fortdauerte. Auf welchem Wege man auch immer die Besserung der Münzen bewerkstelligen mochte, es mußten große Opfer entweder von der ganzen Gesellschaft, oder doch von einem Theile der Gesellschaft gebracht werden. Und solche Opfer zu einer Zeit zu verlangen, wo die Nation bereits Steuern bezahlte, deren Erhebung zehn Jahre früher kein Finanzmann für möglich gehalten hätte, war allerdings ein sehr gefährlicher Schritt. Aengstliche Politiker waren für Aufschub, aber die reiflich erwogene Ueberzeugung der großen Whigführer war, daß etwas gewagt werden müsse, oder daß Alles verloren sei. Montague insbesondere soll sich nachdrücklich dahin ausgesprochen haben, daß er entschlossen sei, zu tödten oder zu heilen. Wenn man hatte hoffen können, daß das Uebel nicht schlimmer werden würde als es war, so wäre es allerdings vielleicht weise gewesen, ein Experiment, das die Kraft des Staatskörpers auf eine harte Probe stellen mußte, bis zur Rückkehr des Friedens zu verschieben. Aber das Uebel machte mit jedem Tage Fortschritte, die fast mit Händen zu greifen waren. Im Jahre 1694 hätte man eine Umprägung mit der Hälfte der Gefahr vornehmen können, der man sich im Jahre 1696 aussetzen mußte, und wie groß auch die Gefahr im Jahre 1696 sein mochte, sie mußte noch viel größer werden, wenn man die Umprägung bis zum Jahre 1698 verschob.

Die Politiker, welche für den Aufschub waren, erweckten indeß noch nicht soviel Besorgniß als eine andre Klasse von Politikern, welche für allgemeine und sofortige Umprägung waren, aber darauf drangen, daß der neue Schilling nur neun oder zehnthalb Pence werth sein sollte. An der Spitze dieser Partei stand Wilhelm Lowndes, Sekretär des Schatzamts und Parlamentsmitglied für den Burgflecken Seaford, ein höchst achtbarer und fleißiger Staatsdiener, aber in den Details seines Amtes viel bewanderter als in den höheren Zweigen der Staatswissenschaft. Er hatte nicht die entfernteste Ahnung davon, daß ein Stück Metall mit dem Bildnisse des Königs eine Waare war, deren Preis durch die nämlichen Gesetze geregelt wurde, welche den Preis eines in einen Löffel oder in eine Schnalle geformten Stückes Metall regeln, und daß es eben so wenig in der Macht des Parlaments stand, das Land reicher zu machen, indem man eine Krone ein Pfund nannte, als das Land größer zu machen, indem man einen Furlong[83] eine Meile nannte. Er war, so unglaublich es scheinen mag, allen Ernstes überzeugt, daß, wenn man die Unze Silber in sieben, statt in fünf Schillinge theilte, das Ausland uns seine Weine und seine Seidenstoffe für eine geringere Anzahl Unzen verkaufen würde. Er hatte einen bedeutenden Anhang, der zum Theil aus beschränkten Menschen, die wirklich glaubten was er ihnen sagte, zum Theil aus verschmitzten Köpfen bestand, die gar zu gern wollten, daß das Gesetz sie ermächtigte, hundert Pfund mit achtzig zu bezahlen. Wären seine Argumente durchgedrungen, so würden zu den vielen anderen Uebeln, unter denen die Nation bereits seufzte, noch die Uebel einer großartigen Confiscation gekommen sein; der öffentliche Credit, noch in seiner zarten und schwächlichen Kindheit, wäre vernichtet worden und es würde sehr wahrscheinlich eine allgemeine Meuterei in der Flotte und im Heere ausgebrochen sein. Zum Glück wurde Lowndes durch Locke in einer zu Somers’ Gebrauch geschriebenen Abhandlung gründlich widerlegt. Somers war entzückt über diese kleine Schrift und wünschte, daß sie gedruckt werden möchte. Sie wurde bald das Textbuch aller aufgeklärten Politiker des Reichs und man kann sie noch jetzt mit Vergnügen und Nutzen lesen. Die Wirkung von Locke’s kräftiger und klarer Logik wird nicht wenig erhöht durch seinen unverkennbaren ernsten Willen, die Wahrheit zu ergründen, und durch die seltene Generosität und liebenswürdige Artigkeit, womit er einen an geistiger Befähigung tief unter ihm stehenden Gegner behandelt. Flamsteed, der königliche Astronom, bezeichnete die Polemik sehr treffend, indem er sagte, es handle sich darum, ob fünf sechs oder nur fünf sei.[84]

Soweit stimmten Somers und Montague mit Locke vollkommen überein; über die Art und Weise aber, wie die Herstellung der Valuta zu bewerkstelligen sei, herrschte einige Meinungsverschiedenheit. Locke empfahl, was schon Dudley North empfohlen hatte, der König solle durch öffentliche Bekanntmachung einen nicht fernen Tag bestimmen, nach welchem das geschlagene Geld bei allen Zahlungen nur nach dem Gewicht angenommen werden sollte. Die Vortheile dieses Planes waren unzweifelhaft groß und in die Augen springend. Es war der einfachste und zugleich der praktischste. Was durch Haussuchungen, Geldstrafen, Brandmarkungen, Hinrichtungen und Verbrennungen nicht zu erreichen gewesen war, mußte in einem Augenblicke geschehen sein. Das Beschneiden der geschlagenen Münzen und das Einschmelzen der geprägten Münzen mußte sogleich aufhören. Große Massen guten Geldes mußten aus geheimen Kästen und Schränken zum Vorschein kommen. Das verstümmelte Silber mußte nach und nach in die Münze fließen und in einer Gestalt wieder daraus hervorgehen, die jede Verstümmelung unmöglich machte. In kurzer Zeit mußte das ganze Courantgeld des Landes in einem gesunden Zustande sein und während diese große Umwandlung vor sich ging, konnte nicht ein Augenblick Mangel an baarem Gelde eintreten.

Dies waren gewichtige Betrachtungen und die vereinigte Autorität North’s und Locke’s verdient in einer solchen Angelegenheit große Achtung. Doch kann man nicht leugnen, daß ihr Plan einen ernsten Einwand zuließ, der ihnen zwar nicht ganz entging, den sie aber doch zu leicht genommen zu haben scheinen. Die Herstellung der Valuta war eine Wohlthat für die ganze Gesellschaft. Nach welchem Prinzip konnte man unter diesen Umständen die Kosten dieser Herstellung nur einem Theile der Gesellschaft aufbürden? Es war allerdings höchst wünschenswerth, daß die Worte Pfund und Schilling wieder eine feststehende Bedeutung erhielten und daß Jedermann wußte, wie er seine Contracte zu verstehen hatte und was sein Eigenthum werth war. Aber war es gerecht, diesen vortrefflichen Zweck durch Mittel zu erreichen, welche nothwendig zur Folge haben mußten, daß jeder Pächter, der hundert Pfund zur Bezahlung seines Pachtes, und jeder Gewerbtreibende, der hundert Pfund zur Deckung seiner laufenden Wechsel zurückgelegt hatte, diese hundert Pfund in einem Augenblicke auf fünfzig oder sechzig Pfund reducirt sah? Daß die Kronen und halben Kronen eines solchen Pächters oder Gewerbtreibenden nicht vollwichtig waren, dafür konnte er nicht. Der Staat selbst war daran Schuld. Das Uebel, das der Staat veranlaßt hatte, war der Staat verbunden wieder gut zu machen, und es wäre offenbar unrecht gewesen, die Kosten der Reparation einer einzelnen Klasse aufzubürden, lediglich deshalb, weil diese Klasse sich in einer Lage befand, in der sie mit Bequemlichkeit geplündert werden konnte. Es würde eben so vernünftig gewesen sein, von den Holzhändlern zu verlangen, daß sie die sämmtlichen Kosten der Ausrüstung der Kanalflotte, oder von den Büchsenmachern, daß sie die sämmtlichen Kosten der Versorgung der flandrischen Regimenter mit Waffen trügen, als die Landeswährung auf Kosten derjenigen Personen herstellen zu wollen, in deren Händen sich das beschnittene Silber in einem gegebenen Augenblicke zufällig befand.

Locke erklärte, daß er die Verluste bedaure, die, wenn sein Rath angenommen würde, die Besitzer von beschnittenem Gelde treffen mußten. Es schiene ihm aber, daß die Nation zwischen verschiedenen Uebeln eines wählen müsse. Es war auch allerdings viel leichter, den allgemeinen Satz aufzustellen, daß die Kosten der Wiederherstellung der Valuta von der Nation getragen werden müßten, als auf ein Mittel zu sinnen, wie diese Kosten ohne große Nachtheile und Gefahren von derselben getragen werden könnten. Sollte man bekanntmachen, daß Jeder, der innerhalb eines Jahres oder eines halben Jahres eine beschnittene Krone in die Münze ablieferte, dafür eine geprägte Krone erhalten würde und daß der Werthunterschied zwischen den beiden Stücken aus der Staatskasse gedeckt werden solle? Dies wäre eben so gut gewesen, als hätte man eine Prämie auf das Beschneiden gesetzt. Die Scheeren würden thätiger gewesen sein als je. Das zu leichte Geld würde mit jedem Tage noch leichter geworden sein. Die Differenz, welche die Steuerzahlenden zu decken gehabt hätten, würde nach Ablauf der Frist wahrscheinlich um eine Million größer gewesen sein als am Anfang, und diese ganze Million wäre Uebelthätern zu Gute gekommen. Durch bedeutende Verkürzung der Frist zum Einliefern der geschlagenen Münzen würde man die Gefahr des ferneren Beschneidens verhältnißmäßig vermindert haben, aber es würde dann wieder eine andre Gefahr eingetreten sein. Das Silber wäre in diesem Falle so bedeutend schneller in die Münze geströmt, als es wieder aus derselben hervorströmen konnte, daß auf einige Monate ein drückender Geldmangel entstehen mußte.

Somers verfiel auf ein außerordentlich kühnes und sinnreiches Auskunftsmittel, das von Wilhelm gebilligt wurde. Es bestand darin, daß ganz im Geheimen eine Proklamation vorbereitet und gleichzeitig in allen Theilen des Königreichs veröffentlicht werden sollte. Diese Proklamation sollte ankündigen, daß geschlagene Münzen fortan nur nach dem Gewicht genommen werden sollten. Aber jeder Besitzer derartiger Münzen sollte aufgefordert werden, sie binnen drei Tagen in einem versiegelten Packete der nächsten Behörde einzuliefern. Die Münzen sollten dann untersucht, gezählt, gewogen und dem Eigenthümer mit einer an seine Ordre gestellten Anweisung zurückgegeben werden, gegen welche er späterhin die Differenz zwischen dem wirklichen Silbergehalt seiner Münzen und dem Gehalt, den sie nach dem gesetzlichen Münzfuße hätten haben sollen, bei der Staatskasse erheben konnte.[85] Wäre dieser Plan adoptirt worden, so würde dem Beschneiden, dem Einschmelzen und dem Exportiren sofort Einhalt gethan und die Kosten der Herstellung der Valuta, wie es recht und billig war, von der Nation getragen worden sein. Die aus einem Mangel an baarem Gelde erwachsende Unzuträglichkeit wäre nur von sehr kurzer Dauer gewesen, denn die beschnittenen Stücke würden dem Verkehr nur so lange entzogen worden sein, bis sie gezählt und gewogen werden konnten; dann würden sie der Circulation zurückgegeben worden sein und die Umprägung würde allmälig und ohne bemerkbare Unterbrechung und Störung des Geschäftsverkehrs vor sich gegangen sein. Diesen großen Vortheilen aber ließen sich Bedenken entgegenstellen, denen Somers wohl zu trotzen bereit war, vor denen aber, und dies war nicht zu verwundern, Politiker von minder erhabenem Character zurückschreckten. Der Weg, den er seinen Collegen anempfahl, war zwar für das Land der beste, keineswegs aber für sie. Sein Plan konnte nur dann gelingen, wenn er plötzlich ins Werk gesetzt wurde, und er konnte nicht plötzlich ins Werk gesetzt werden, wenn zuvor die Genehmigung des Parlaments erbeten und erlangt werden mußte; einen Schritt von so folgenschwerer Bedeutung aber ohne die vorgängige Genehmigung des Parlaments zu thun, hieß, sich Tadel, Anklagen, Gefängnißstrafe und Verderben aussetzen. Der König und der Lordsiegelbewahrer standen allein im Geheimen Rathe. Selbst Montague war unschlüssig, und es wurde beschlossen, nichts ohne die Ermächtigung der Legislatur zu thun. Montague nahm es auf sich, den Gemeinen einen Plan vorzulegen, der zwar nicht ohne Gefahren und Nachtheile, aber wahrscheinlich der beste war, den er durchzubringen hoffen durfte.

Zusammentritt des Parlaments; Loyalität des Hauses der Gemeinen.

Am 22. November traten die Häuser zusammen. Foley wurde an diesem Tage wieder zum Sprecher erwählt. Am darauffolgenden Tage wurde er vorgestellt und genehmigt. Der König eröffnete die Session mit einer sehr geschickt abgefaßten Rede. Er beglückwünschte seine Zuhörer wegen des günstigen Verlaufs des Feldzugs auf dem Continent. Diesen günstigen Verlauf schrieb er in Worten, welche ihren Gefühlen geschmeichelt haben müssen, der Tapferkeit der englischen Armee zu. Er sprach von den Uebeln, welche aus dem beklagenswerthen Zustande der Münzen entsprungen seien und von der Nothwendigkeit, ein schleuniges Heilmittel dagegen anzuwenden. Er gab sehr deutlich zu verstehen, daß seiner Meinung nach die Kosten der Herstellung der Valuta vom Staate getragen werden müßten; aber er erklärte zugleich, daß er die ganze Angelegenheit der Weisheit des Großen Rathes anheimgebe. Ehe er seine Rede schloß, wendete er sich noch speciell an das neugewählte Haus der Gemeinen und drückte mit Wärme seinen Beifall über die vortreffliche Wahl aus, die sein Volk getroffen habe. Die Rede wurde mit einem leisen aber sehr bezeichnenden Beifallsgemurmel sowohl diesseits als jenseits der Schranke begrüßt, und wurde vom Publikum eben so günstig aufgenommen als vom Parlamente.[86] Bei den Gemeinen wurde eine Dankadresse beantragt, von Musgrave schwach bekämpft, ohne Abstimmung angenommen und vom ganzen Hause nach Kensington überbracht. Im Palaste äußerte sich die Loyalität des Hauses in einer Weise, die man jetzt schwerlich mit der senatorischen Würde vereinbar halten dürfte. Als im Vorzimmer Erfrischungen gereicht wurden, füllte der Sprecher sein Glas und schlug zwei Toaste vor: einen auf das Wohl König Wilhelm’s, und einen andren auf den Untergang König Ludwig’s, und beide wurden unter lauten Acclamationen ausgebracht. Ein aufmerksamer Beobachter konnte jedoch erkennen, daß die Vertreter der Nation, obgleich in ihrer Gesammtheit von Eifer für die bürgerliche Freiheit und für die protestantische Religion beseelt, und bereit, lieber Alles zu ertragen, als das Land wieder in Abhängigkeit zurückgeworfen zu sehen, besorgt und muthlos waren. Alle dachten an den Zustand der Münzen, Alle sagten, daß etwas geschehen müsse, und Alle gestanden, daß sie nicht wüßten, was geschehen sollte. „Ich fürchte,” sagte ein Mitglied, das die Gesinnungen Vieler aussprach, „die Nation wird weder die Krankheit noch die Heilung ertragen.”[87]

Es gab allerdings eine Minorität, welche die Schwierigkeiten und Gefahren jener Krisis mit boshafter Schadenfreude betrachtete, und der heftigste, kühnste und factiöseste Führer dieser Minorität war Howe, den die Armuth hämischer gemacht hatte als je. Er trug darauf an, daß das Haus sich zu einem Comité über die Lage der Nation erklären solle, und das Ministerium — denn dieses Wort kann jetzt ganz passend angewendet werden — stimmte bereitwillig bei. Die wichtige Valutafrage konnte auch in der That nicht zweckmäßiger erörtert werden als in einem solchen Ausschusse. Als der Sprecher den Stuhl verlassen hatte, haranguirte Howe eben so heftig gegen den Krieg, als er in früheren Jahren für denselben haranguirt hatte. Er wollte Frieden, Frieden unter jeder Bedingung. Die Nation, sagte er, gleiche einem Verwundeten, der mit Verzweiflung fortkämpfe, während er Ströme von Blut verlöre. Eine kurze Zeit könne der Geist den Körper noch aufrecht erhalten, aber bald müsse Entkräftung eintreten. Keine moralische Energie könne lange gegen physische Erschöpfung ankämpfen. Er fand jedoch sehr geringe Unterstützung. Die große Mehrzahl seiner Zuhörer war fest entschlossen, eher Alles aufs Spiel zu setzen, als sich Frankreich zu unterwerfen. Es wurde spöttelnd bemerkt, daß der Zustand seiner eignen Finanzen ihm das Gleichniß von einem sich Verblutenden eingegeben habe und daß, wenn man ihm eine Herzstärkung in der Form eines Gehalts reichte, er sich wenig um die ausgetrockneten Adern der Nation kümmern würde. „Wir erniedrigten uns nicht,” sagten die Whigredner, „durch Geschrei nach Frieden, als unsre Flagge aus unsrem eignen Kanal verdrängt war, als Tourville’s Flotte vor Torbay ankerte, als die irische Nation gegen uns unter den Waffen stand, als jede Post aus den Niederlanden die Nachricht von einer Niederlage brachte, als wir gegen das Genie Louvois’ im Cabinet und gegen das Genie Luxemburg’s im Felde zu kämpfen hatten. Und jetzt sollten wir zu Bittenden werden, wo sich nicht einmal im Mittelländischen Meere ein feindliches Geschwader zu zeigen wagt, wo unsere Waffen auf dem Continent siegreich sind, wo Gott den großen Staatsmann und den großen Krieger zu sich genommen hat, deren Talente so lange unsere Anstrengungen vereitelten, und wo die Schwäche der französischen Regierung unverkennbar den Einfluß eines weiblichen Günstlings verräth?” Howe’s Antrag wurde mit Verachtung verworfen, und der Ausschuß ging zur Erwägung des Zustandes der Valuta über.[88]

Polemik über die Valuta.

Inzwischen ruhten die kürzlich befreiten Pressen der Hauptstadt keinen Augenblick. Unzählige Broschüren und Flugblätter über die Münzverhältnisse lagen auf den Ladentischen der Buchhändler und wurden unter die Mitglieder des Parlaments in der Vorhalle vertheilt. In einer der interessantesten und ergötzlichsten von diesen Schriften waren Ludwig und seine Minister als in der größten Besorgniß dargestellt, daß England sich durch das einfache Mittel, neun Pence einen Schilling zu nennen, zum reichsten Lande der Welt machen möchte, und es wurde zuversichtlich darin prophezeit, daß eine neue Revolution ausbrechen würde, wenn man den alten Münzfuß beibehielte. Einige Schriftsteller opponirten heftig gegen die Behauptung, daß die Nation die Kosten der Herstellung der Valuta tragen müsse; andere forderten die Regierung dringend auf, diese Gelegenheit zu benutzen und das englische Geld dem Gelde der Nachbarstaaten zu assimiliren; ein Projectenmacher war dafür, Gulden zu prägen, ein andrer dafür, Thaler zu prägen.[89]

Maßregeln des Parlaments in Bezug auf die Valuta.

Innerhalb der Mauern des Parlaments dauerten die Debatten mehrere bange Tage hindurch. Endlich brachte Montague, nachdem er zuerst Diejenigen, welche die Dinge bis zum Frieden unverändert lassen wollten, und dann auch Diejenigen geschlagen hatte, welche für den kleinen Schilling waren, elf Resolutionen durch, in denen die Umrisse seines Planes dargelegt waren. Es wurde beschlossen, daß die Landesmünzen sowohl in Gewicht als in Feingehalt nach dem alten Fuße umgeprägt, daß alle neuen Stücken geprägt, nicht geschlagen werden, daß der Staat den Verlust an dem beschnittenen Gelde tragen, daß ein Termin bestimmt werden sollte, nach welchem beschnittenes Geld nur noch in Zahlungen an die Regierung genommen, und daß ein späterer Termin festgesetzt werden sollte, nach welchem beschnittenes Geld gar nicht mehr genommen werden sollte. Was für Abstimmungen im Ausschusse stattfanden, läßt sich nicht ermitteln. Bei der Berichterstattung über die Resolutionen fand eine Abstimmung statt, und zwar über die Frage, ob der alte Gewichtsfuß beibehalten werden solle. Es stimmten hundertvierzehn Mitglieder mit Nein, zweihundertfünfundzwanzig mit Ja.[90]

Es wurde angeordnet, daß eine auf die Resolutionen basirte Bill eingebracht werden sollte. Einige Tage darauf erklärte der Kanzler der Schatzkammer den Gemeinen in einem Ausschusse zur Berathung der Mittel und Wege den Plan, wie er die Kosten der Umprägung zu decken gedachte. Es sei unmöglich, sagte er, den zur Deckung des Ausfalls an den beschnittenen Münzen erforderlichen Betrag mit Genauigkeit zu bestimmen. Aber es sei gewiß, daß mindestens zwölfhunderttausend Pfund dazu nöthig sein würden. Die Bank von England war bereit, diese zwölfhunderttausend Pfund auf gute Sicherheit vorzustrecken. Es war ein unter den Finanzmännern angenommener Satz, daß die Regierung keine so gute Sicherheit mehr bieten könne, wie die Kaminsteuer gewesen war. So verhaßt diese Abgabe auch Denen war, die sie hatten zahlen müssen, im Schatzamt und in der City wünschte man sie jetzt sehnlich zurück. Der Kanzler der Schatzkammer meinte, daß sich vielleicht eine Abgabe auf die Häuser aussinnen lassen werde, die nicht minder einträglich und nicht minder sicher sein könne als die Herdsteuer, aber nicht so schwer auf dem Armen lasten und durch ein weniger drückendes Verfahren erhoben werden könne. Die Anzahl der Kamine in einem Hause sei ohne Besichtigung der Wohnungen nicht zu ermitteln. Die Fenster aber könne ein Einnehmer zählen, ohne die Schwelle zu überschreiten. Montague schlug vor, daß die Bewohner von Hütten, welche von den Einsammlern des Kamingeldes so herzlos bedrückt worden seien, von der neuen Abgabe gänzlich frei bleiben sollten. Sein Plan wurde vom Ausschusse für die Mittel und Wege gebilligt und vom Hause ohne Abstimmung genehmigt. Dies war der Ursprung der Fenstersteuer, einer Abgabe, die zwar immerhin ein großes Uebel ist, im Vergleich zu dem Fluche aber, von dem sie die Nation erlöste, als ein Segen betrachtet werden muß.

Bis hierher war Alles gut gegangen. Jetzt aber kam eine Krisis, welche die geschickteste Leitung erforderte. Die Nachricht, daß das Parlament und die Regierung eine Reform der Valuta beabsichtigten, erzeugte unter dem gemeinen Volke einen Unwissenheitsschrecken. Jedermann wollte seine beschnittenen Kronen und halben Kronen los sein, und Niemand wollte sie nehmen. In der Hälfte der Straßen London’s entstanden Zänkereien, welche an Tumulte grenzten. Die Jakobiten, welche an einem Tage des Mißgeschicks und der öffentlichen Gefahr, stets mit Freude und Hoffnung erfüllt waren, liefen mit eifrigen Mienen und geschäftigen Zungen hin und her. In Tavernen und Bierhäusern wurde ganz offen auf das Wohl Jakob’s getrunken. Viele Parlamentsmitglieder, welche bisher die Regierung unterstützt hatten, begannen zu schwanken, und damit nichts an den Schwierigkeiten des Moments fehlte, entstand über einen Privilegiumspunkt ein Streit zwischen den beiden Häusern. Die in Uebereinstimmung mit Montague’s Resolutionen entworfene Umprägungsbill war den Peers zugesandt worden und mit Abänderungen zurückgekommen, von denen einige die Lords nach der Ansicht der Gemeinen nicht zu machen berechtigt waren. Die Sache war zu wichtig, um einen Verzug zu gestatten. Montague brachte eine neue Bill ein, welche factisch mit seiner ersten übereinstimmte, aber in einigen Punkten den Wünschen der Lords gemäß modificirt war; die Lords, obgleich mit der neuen Bill noch nicht ganz zufrieden, nahmen sie unverändert an, und der König genehmigte sie unverzüglich. Der 4. Mai, ein Tag, dessen man sich im ganzen Lande und insbesondere in der Hauptstadt lange erinnerte, war als der Tag festgesetzt, an welchem die Regierung aufhörte, beschnittenes Geld bei Steuerzahlungen anzunehmen.[91]

Die Prinzipien der Umprägungsacte sind vortrefflich. Einige von den Einzelnheiten sowohl dieser Acte als auch einer Ergänzungsacte, welche zu einem späteren Zeitpunkte der Session erlassen wurde, beweisen, daß Montague nicht gehörig erwogen hatte, was die Gesetzgebung erreichen kann und was nicht. Er überredete zum Beispiel das Parlament zu verordnen, daß es strafbar sein sollte, mehr als zweiundzwanzig Schillinge für eine Guinee zu geben oder zu nehmen. Man darf mit Gewißheit behaupten, daß Locke diese Verordnung weder vorgeschlagen hatte, noch sie billigte. Er wußte sehr wohl, daß der hohe Preis des Geldes nicht das Uebel war, an dem der Staat laborirte, sondern bloß ein Symptom dieses Uebels, und daß der Umprägung des Silbers unvermeidlich ein Fallen des Goldpreises folgen werde, daß aber keine menschliche Macht oder Einsicht bewirken könne, daß es der Umprägung vorausgehe. Die Strafbestimmung scheint auch factisch gar keine Wirkung hervorgebracht zu haben, weder eine gute noch eine schlechte. So lange das geprägte Silber noch nicht in Circulation gesetzt war, galt die Guinee trotz des Gesetzes nach wie vor dreißig Schillinge. Als aber das geprägte Silber reichlich circulirte, fiel die Guinee nicht nur auf zweiundzwanzig Schilling, was der vom Gesetz gestattete höchste Preis war, sondern auf einundzwanzig Schilling sechs Pence.[92]

Anfang Februar legte sich der Schrecken, den die ersten Debatten über die Valuta hervorgerufen hatten, und von dieser Zeit bis zum 4. Mai wurde der Geldmangel nicht sehr gefühlt. Die Umprägung begann. Die Schmelzöfen wurden im Garten hinter dem Schatzamt errichtet und täglich wurden große Haufen beschnittener und entstellter Kronen und Schillinge in mächtige Silberklumpen verwandelt, welche sofort in die Münze im Tower befördert wurden.[93]

Annahme der Acte zur Regulirung des Prozeßverfahrens in Hochverrathsfällen.

Mit dem Schicksale des Gesetzes, das die Valuta herstellte, war das Schicksal eines andren Gesetzes eng verknüpft, das mehrere Jahre der Erwägung des Parlaments unterlegen und mehrere lebhafte Streitigkeiten zwischen dem erblichen und dem wählbaren Zweige der Legislatur verursacht hatte. Die Session hatte kaum begonnen, als die Bill zur Regulirung des Prozeßverfahrens in Hochverrathsfällen wieder auf den Tisch der Gemeinen gelegt wurde. Von den Debatten, zu denen sie Veranlassung gab, wissen wir nichts mehr; nur ein interessanter Umstand ist durch Ueberlieferung auf uns gekommen. Unter Denen, welche die Bill unterstützten, zeichnete sich ein junger Whig von hohem Range, großem Vermögen und vorzüglichen Anlagen aus, welche durch Studium sorgfältig ausgebildet worden waren. Dies war Anton Ashley Cooper, Lord Ashley, ältester Sohn des zweiten Earls von Shaftesbury und Enkel des berühmten Staatsmannes, der in den Tagen Karl’s II. zu einer Zeit der grundsatzloseste Minister, zu einer andren Zeit der grundsatzloseste Demagog gewesen war. Ashley war eben als Vertreter des Burgfleckens Poole ins Parlament gewählt worden und stand in seinem fünfundzwanzigsten Lebensjahre. Im Laufe seiner Rede stockte er, stammelte und schien den Faden seines Ideenganges zu verlieren. Das Haus, welches damals so gut wie jetzt nachsichtig gegen Neulinge war und wohl wußte, daß bei einem ersten öffentlichen Auftreten die Unsicherheit, eine Wirkung der Bescheidenheit und der Gefühlswärme, ein eben so gutes Zeichen ist als Geläufigkeit im Ausdruck und Unbefangenheit des Benehmens, munterte ihn auf fortzufahren. „Kann ich wohl, Sir,” sprach der junge Redner, sich wieder sammelnd, „ein gewichtigeres Argument zu Gunsten dieser Bill anführen, als mein eignes Stocken? Mein Vermögen, mein Ruf, mein Leben stehen nicht auf dem Spiele. Ich habe ein Auditorium vor mir, dessen freundliche Nachsicht mich wohl zu ermuthigen geeignet ist. Und doch habe ich, aus bloßer Gemüthsbewegung, aus bloßem Mangel an Uebung im Reden vor zahlreichen Versammlungen, meinen Gedankengang verloren, so daß ich nicht im Stande bin, in meiner Beweisführung fortzufahren. Wie hülflos muß dann erst ein armer Mann sein, der, nachdem er noch nie öffentlich gesprochen hat, aufgefordert wird, ohne sich einen Augenblick vorzubereiten, den gewandtesten und erfahrensten Advokaten des Königreichs zu antworten, und dessen Geisteskräfte durch den Gedanken gelähmt werden, daß er, wenn es ihm nicht gelingt, seine Zuhörer zu überzeugen, in wenigen Stunden am Galgen sterben und Die, welche ihm das Theuerste sind, in Armuth und Schande zurücklassen wird.” Man darf vielleicht mit einigem Grunde vermuthen, daß Ashley’s Befangenheit und seine kluge Benutzung derselben sorgfältig vorausbedacht waren. Doch jedenfalls machte seine Rede großen Eindruck und erweckte wahrscheinlich Erwartungen, welche nicht in Erfüllung gingen. Seine Gesundheit war zart, sein Geschmack bis zur Launenhaftigkeit verfeinert; er überließ die Politik bald Männern, deren Körper und Geist von gröberem Stoffe waren als die seinigen, gab sich nur geistigen Genüssen hin, vertiefte sich in die Irrgänge der alten akademischen Philosophie und strebte nach dem Ruhme, die alte akademische Beredtsamkeit wieder zu beleben. Seine gekünstelte und blumenreiche, oft aber wunderbar schöne und melodische Diction bezauberte viele junge Enthusiasten. Er hatte nicht bloß Schüler, sondern Anbeter, sein Leben war kurz, aber er lebte lange genug, um der Gründer einer neuen Secte englischer Freidenker zu werden, dem directen Gegensatze von derjenigen Secte von Freidenkern, deren Orakel Hobbes war. Viele Jahre lang blieben seine „Characteristiken” das Evangelium der romantischen und sentimentalen Ungläubigen, während das Evangelium der kaltblütigen und hartköpfigen Ungläubigen der „Leviathan” war.

Notes in this chapter

Note 1 · London Gazette vom 1. und 5. August 1695; Monthly Mercury vom August 1695, enthaltend die Briefe Wilhelm’s und Dykvelt’s an die GeneralstaatNote 2 · Monthly Mercury vom August 1695; Stepney an Lord Lexington, 16. (26.) August.Note 3 · Monthly Mercury, August 1695; Brief aus Paris vom 26. Aug. (5. Sept.) 1695 unter den Lexington Papers.Note 4 · L’Hermitage, 13. (23.) Aug. 1695.Note 5 · London Gazette vom 26. Aug. 1695; Monthly Mercury; Stepney an Lexington, 20. (30.) August.Note 6 · Boyer’s History of King William III., 1703; London Gazette vom 29. Aug. 1695; Stepney an Lexington, 20. (30.) Aug.; Blathwayt an Lexington, Note 7 · Nachschrift zu dem Monthly Mercury vom August 1695; London Gazette vom 9. Sept.; Saint-Simon; Dangeau.Note 8 · Boyer’s History of King William III., 1703; Nachschrift zu dem Monthly Mercury, vom August 1695; London Gazette vom 9. und 12. Sept.; BlathwNote 9 · Eine werthvolle und ich glaube die einzige Sammlung der Zeitungen aus Wilhelm’s Regierung befindet sich im Britischen Museum. Ich habe jedesNote 10 · L’Hermitage, 15. (25.) Oct., 15. (25.) Nov. 1695.Note 11 · London Gazette vom 24. Oct. 1695. Siehe Evelyn’s Account of Newmarket in 1671, und Pepys unterm 18. Juli 1668. Aus Tallard’s nach dem FriedeNote 12 · Ich habe diese Schilderung der Rundreise Wilhelm’s hauptsächlich aus der London Gazette, aus den Depeschen L’Hermitage’s, aus Narcissus LuttNote 13 · Siehe den Brief von Yard an Lexington vom 8. Nov. 1695 und die Anmerkung vom Herausgeber der Lexington Papers.Note 14 · L’Hermitage, 15. (25.) Nov. 1695.Note 15 · L’Hermitage, 25. Oct. (4. Nov.), 29. Oct. (8. Nov.) 1695.Note 16 · L’Hermitage, 5. (15.) Nov. 1695.Note 17 · L’Hermitage, 5. (15.); 15. (25.) Nov. 1695; Sir James Forbes an Lady Russell, 3. Oct. 1695; Lady Russell an Sir Eduard Russell; Postman vom Note 18 · Einen höchst interessanten Bericht von diesem Wahlkampfe findet man in L’Hermitage’s Depeschen.Note 19 · Postman vom 15. und 17. Dec. 1696; Vernon an Shrewsbury, 13. und 15. Dec.; Narcissus Luttrell’s Diary; Burnet I. 647; Saint-Evremond’s VerseNote 20 · L’Hermitage, 19. (29.) Nov. 1695.Note 21 · Ich habe viele werthvolle Aufschlüsse über diesen Gegenstand aus einem im Britischen Museum, Lansdowne-Sammlung No. 801, befindlichen ManuscNote 22 · Stat. 5 Eliz. c. 11, und 18 Eliz. c. 1.Note 23 · Pepys’s Diary, Nov. 23. 1663.Note 24 · Der erste Schriftsteller, der die Thatsache hervorgehoben hat, daß da, wo gutes Geld und schlechtes Geld neben einander coursiren, das schleNote 25 · N. Luttrell’s Tagebuch ist voll von Berichten über solche Hinrichtungen. „Le métier de rogneur de monnoye,” sagt L’Hermitage, „est si lucratNote 26 · Ueber die Sympathie des Publikums für die Kipper sehe man die höchst interessante Predigt, welche Fleetword, nachmals Bischof von Ely, im DeNote 27 · Lowndes’s Essay for the Amendment of the Silver Coins, 1695.Note 28 · L’Hermitage, 29. Nov. (9. Dec.) 1695.Note 29 · Die Memoiren dieses Quäkers aus Lancashire erschienen vor einigen Jahren in einer sehr geachteten Zeitschrift, dem Manchester Guardian.Note 30 · Lowndes’s Essay.Note 31 · L’Hermitage, 24. Dec, (3. Jan) 1695.Note 32 · Es muß indessen zu Adam Smith’s Ehre erinnert werden, daß er durch Bentham’s Defence of Usury vollständig bekehrt wurde und mit einer eines Note 33 · Engl. Feldmaß = 1/8 engl. Meile — D. Uebers.Note 34 · Lowndes’s Essay for the Amendment of the Silver Coins; Locke’s Further Considerations concerning raising the Value of Money; Locke an MolyneNote 35 · Burnet, II. 147.Note 36 · Commons’ Journals Nov. 22, 23, 24. 1695; L’Hermitage, 26. Nov. (6. Dec.)Note 37 · Ibid. Nov. 26, 27, 28, 29. 1695; L’Hermitage, 26. Nov. (6. Dec.), 29. Nov. (9. Dec.), 3. (13.) Dec.Note 38 · Commons’ Journals, Nov. 28, 29. 1695.; L’Hermitage 3. (13.) Dec.Note 39 · L’Hermitage, 22. Nov. (2. Dec.), 6. (16.) Dec. 1695.; An Abstract of the Consultations and Debates Between the French King and his Council cNote 40 · Commons’ Journals, Dec. 10. 1695; L’Hermitage, 3. (13.), 6. (16.), 10. (20.) Dec.Note 41 · Stat. 7 Gul. 3. c. 1.; Lords’ und Commons’ Journals; L’Hermitage, 31. Dec. (10. Jan.), 7. (17.), 10. (20.), 14. (24.) Jan. 1696. L’HermitageNote 42 · Daß Locke keinen Theil an dem Versuche hatte, das Geld durch Strafbestimmungen wohlfeiler zu machen, schließe ich aus einer Stelle, in der eNote 43 · L’Hermitage, 14. (24.) Jan. 1696.
Explore with AITake your curiosity a little further.

Reading settings