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Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Elfter Band

Zweiundzwanzigstes Kapitel. Wilhelm III. (continued 2)

Reading edition

Die Gegner der Bill wagten zwar nicht zu behaupten, keine öffentliche Gefahr könne so groß sein, daß sie eine Verurtheilungsacte rechtfertige. Sie gaben zu, daß Fälle eintreten könnten, in denen die allgemeine Regel einer dringenden Nothwendigkeit weichen müsse. Aber war der vorliegende Fall ein solcher? Selbst wenn man, nur um der Argumentirung willen, zugeben wolle, daß Strafford und Monmouth ihr Urtheil mit Recht verdient hätten, sei Fenwick, wie Strafford, ein großer Minister, der viele Jahre lang das englische Gebiet nördlich vom Trent und ganz Irland mit unumschränkter Gewalt beherrschte, der hoch in der Gunst des Königs stand und dessen Talente, Beredtsamkeit und Entschlossenheit ihn noch in seinem Sturze zu einem Gegenstande der Furcht machten? Oder sei Fenwick, wie Monmouth, ein Kronprätendent und der Abgott des gemeinen Volks? Strömten alle kräftigen Jünglinge dreier Grafschaften herbei, um unter seinem Banner zu dienen? Sei er etwas Andres als ein untergeordneter Verschwörer? Er habe zwar einst bedeutende Stellen bekleidet, aber die habe er längst wieder verloren. Er habe ein großes Vermögen besessen, aber er habe es verschwendet. Ausgezeichnete Talente und einen angesehenen Namen habe er nie gehabt. Er sei allerdings durch seine Frau mit einer sehr vornehmen Familie verwandt; aber diese Familie theile seine politischen Vorurtheile nicht. Habe er also eine andre Wichtigkeit als die, welche seine Verfolger ihm unklugerweise erst gaben, indem sie alle das Leben der Engländer sichernden Schutzwehren durchbrächen, um ihn zu vernichten? Selbst wenn er in Freiheit gesetzt würde, was könne er Andres thun, als jakobitische Kaffeehäuser besuchen, Orangen zerdrücken und auf die Gesundheit des Königs Jakob und des Prinzen von Wales trinken? Wenn jedoch die Regierung trotz der Unterstützung der Lords und der Gemeinen, der Flotte und der Armee, einer Miliz von hundertsechzigtausend Mann und einer halben Million Bürger, welche die Vereinsurkunde unterzeichnet, wirklich von diesem armen ruinirten Baron eine Gefahr befürchtete, so könne ihm die Wohlthat der Habeascorpusacte vorenthalten werden. Er könne so lange innerhalb vier Wänden gehalten werden, als die geringste Möglichkeit für ihn vorhanden sei, Unheil zu stiften. Für einen so furchtbaren Feind könne man ihn wohl schwerlich halten, daß der Staat nicht eher sicher wäre, als bis er im Grabe liege.

Es wurde zugegeben, daß sich Präcedenzfälle für diese Bill und selbst für eine noch mehr Einwendungen zulassende Bill finden ließen. Aber es wurde gesagt, daß Jeder, der unsre Geschichte studire, geneigt sein werde, diese Präcedenzfälle eher als warnende, denn als nachahmenswerthe Beispiele zu betrachten. Es sei oft vorgekommen, daß eine in einer Regung von Servilität oder Erbitterung angenommene Verurtheilungsacte, wenn das Glück sich gewendet oder wenn die Wuth sich abgekühlt habe, widerrufen oder feierlich für ungerecht erklärt worden sei. So sei vor Alters die Acte, welche in dem Paroxismus eines nicht unprovocirten Hasses gegen Roger Mortimer erlassen wurde, in einem ruhigeren Augenblicke deshalb wieder aufgehoben worden, weil man ihm, so schuldig er auch übrigens gewesen sein mochte, nicht unparteiisch gestattet habe, sich zu vertheidigen. So sei auch innerhalb der Erinnerung der gegenwärtigen Generation, das Gesetz, welches Strafford verurtheilte, ohne eine einzige abweichende Stimme annullirt worden. Es dürfe ferner, ward hinzugesetzt, nicht unerwähnt bleiben, daß, sei es nun kraft des ordentlichen Gesetzes von Ursache und Wirkung, oder durch das außerordentliche Gottesurtheil, Personen, welche selbst für die Annahme von Strafbills eingenommen gewesen, zu wiederholten Malen durch solche Bills zu Grunde gegangen seien. Niemand habe je einen rücksichtsloseren Gebrauch von der gesetzgebenden Gewalt zur Vernichtung seiner Feinde gemacht als Thomas Cromwell, und durch einen rücksichtslosen Gebrauch der gesetzgebenden Gewalt sei er selbst vernichtet worden. Wenn es wahr sei, daß der unglückliche Gentleman, dessen Schicksal jetzt in der Wagschale zittere, früher selbst an einem ähnlichen Prozeßverfahren, wie es jetzt gegen ihn angewendet werde, Theil genommen habe, sei dies nicht ein Umstand, der zu sehr ernsten Betrachtungen Anlaß geben müsse? Diejenigen, welche Fenwick höhnisch daran erinnerten, daß er die Bill unterstützt habe, welche Monmouth verurtheilte, könnten vielleicht selbst noch in einer finstren und schrecklichen Stunde höhnisch daran erinnert werden, daß sie die Bill unterstützt hätten, welche Fenwick verurtheilte. „Bedenken wir, welche Wechselfälle wir erlebt haben. Lernen wir aus so vielen auffallenden Beispielen von der Wandelbarkeit des Geschicks, Mäßigung im Glücke. Wie wenig dachten wir daran, als wir diesen Mann als einen begünstigten Cavalier in Whitehall, als einen mit militärischem Gepränge umgebenen General in Hounslow sahen, daß wir es erleben würden, ihn vor unsrer Schranke stehen zu sehen, von unsren Sippen sein Urtheil erwartend! Und wie weit entfernt sind wir von der Gewißheit, daß wir nicht selbst dereinst in tiefer Seelenqual vergebens den Schutz der milden Gesetze anrufen werden, die wir jetzt so leichtfertig behandeln! Gott möge es verhüten, daß wir je wieder der Tyrannei unterworfen werden! Vor Allem aber möge Gott es verhüten, daß unsere Tyrannen je in die Lage kommen, zur Rechtfertigung des Schlimmsten, das sie über uns verhängen können, Präcedenzfälle geltend zu machen, die wir selbst geliefert haben!”

Diese geschickt ausgeführten Themata machten auf viele gemäßigte Whigs einen großen Eindruck. Montague bemühte sich nach Kräften, seine Anhänger wieder zu gewinnen. Wir besitzen noch die rohen Umrisse seiner Rede, die gewiß eine sehr bedeutende Wirkung äußerte. „Diese Herren warnen uns” — so scheint er sich, wenigstens annähernd, ausgedrückt zu haben — „dem Könige Jakob nicht einen Präcedenzfall zu liefern, den er, wenn er einmal wieder auf den Thron gelangen sollte, gegen uns anwenden könnte. Glauben sie wirklich, daß wenn jener unheilvolle Tag kommen sollte, er sich dieses gerechte und nothwendige Gesetz zum Vorbilde nehmen würde? Nein, Sir, er wird sich nicht unsre Verurtheilungsbill, sondern seine eigene zum Muster nehmen; nicht unsre Bill, die nach vollständigen Beweisen und nach unparteiischer Anhörung aller Betheiligten, die wohlverdiente Strafe über ein einzelnes schuldiges Haupt verhängt, sondern seine eigne Bill, die ohne Vertheidigung, ohne Untersuchung, ohne Anklage, nahe an dreitausend Menschen, deren einzige Verbrechen ihr englisches Blut und ihr protestantischer Glaube waren, die Männer zum Galgen, die Frauen zum Scheiterhaufen verurtheilte. Dies ist der Präcedenzfall, den er geliefert hat und den er befolgen wird. Damit er nie im Stande sein möge, ihn zu befolgen, damit die Furcht vor gerechter Strafe die Feinde unsres Vaterlandes von dem Wunsche abhalten möge, ihn in London herrschen zu sehen, wie er in Dublin herrschte, stimme ich für diese Bill.”

Trotz aller Beredtsamkeit und allen Einflusses des Ministeriums wurde die Minorität im Verlaufe der Debatte immer stärker und stärker. Die Frage, ob die Erlaubniß zum Einbringen der Bill gegeben werden solle, war mit fast Drei zu Eins bejaht worden. Bei der Abstimmung über die Frage, ob die Bill einem Ausschusse überwiesen werden solle, betrug die Zahl der Jas hundertsechsundachtzig, die der Neins hundertachtundzwanzig. Bei der Abstimmung über die Frage, ob die Bill angenommen werden solle, betrug die Zahl der Jas hundertneunundachtzig, die der Neins hundertsechsundfunfzig.

Die Verurtheilungsbill den Lords überreicht.

Am 26. November wurde die Bill den Lords überreicht. Noch ehe sie dort ankam, hatten die Lords sich schon auf ihren Empfang vorbereitet. Jeder von der Hauptstadt abwesende Peer war eingeladen worden zu erscheinen; jeder Peer, der der Einladung nicht Folge leistete und für sein Ausbleiben keine befriedigende Erklärung geben konnte, wurde von dem schwarzen Stabe in Gewahrsam genommen. An dem zur ersten Lesung festgesetzten Tage waren die Bänke so gefüllt wie noch nie. Die Gesammtzahl der weltlichen Lords mit Ausnahme der Minorennen, der Katholiken und der Eidverweigerer, belief sich auf ungefähr hundertvierzig. Von diesen waren hundertfünf auf ihren Plätzen. Viele waren der Meinung, daß man den Bischöfen hätte erlauben, wenn nicht befehlen sollen, wegzubleiben, denn nach einem alten Kirchengesetz war es Denen, welche an den Altären Gottes fungirten, untersagt, an einer Zuerkennung der Todesstrafe irgend welchen Antheil zu nehmen. Bei der Prozessirung eines wegen Hochverraths angeklagten Peers entfernen sich die Prälaten jedesmal und überlassen die Freisprechung oder Verurtheilung des Angeklagten den Laien. Und gewiß, wenn es sich nicht ziemt, daß ein Geistlicher als Richter seine Nebenmenschen zum Tode verurtheilt, so muß es sich noch weniger ziemen, daß er sie als Gesetzgeber zum Tode verurtheilt. In diesem wie in jenem Falle macht er sich der Befleckung mit Blut schuldig, welche die Kirche mit Schaudern betrachtet, und es wird schwerlich in Abrede gestellt werden können, daß sich gegen das Blutvergießen durch eine Verurtheilungsacte einige gewichtige Einwendungen machen lassen, welche gegen das Blutvergießen auf dem gewöhnlichen Justizwege keine Anwendung erleiden. Als die Bill zur Verurtheilung Strafford’s berathen wurde, hatten sich in der That alle geistlichen Peers entfernt. Jetzt aber wurde das Beispiel Cranmer’s, der für einige der schändlichsten Verurtheilungsacte gestimmt hatte, die jemals angenommen worden sind, für nachahmenswerther gehalten und man sah zahlreiche Batistärmel in der Versammlung. Sehr zweckmäßigerweise wurde beschlossen, daß bei dieser Gelegenheit das Privilegium, in Vollmacht zu stimmen, suspendirt, daß die Mitglieder zu Anfang und zu Ende jeder Sitzung namentlich aufgerufen und daß jedes Mitglied, das nicht auf seinen Namen antwortete, von dem schwarzen Stabe in Gewahrsam genommen werden sollte.[70]

Monmouth’s Kunstgriffe.

Mittlerweile brütete der unruhige Kopf Monmouth’s über sonderbare Pläne. Er hatte jetzt eine Altersstufe erreicht, wo sich seine Fehler nicht mehr durch Jugend entschuldigen ließen; aber er war launenhafter und excentrischer als je. Sein geistiger sowohl als sein moralischer Character besaß eine reiche Fülle jener schönen Eigenschaften, die man Luxuseigenschaften nennen kann; dagegen fehlte es ihm in bedauerlichem Maße an den unerläßlich nöthigen gediegeneren Eigenschaften. Er besaß glänzenden Witz und prompte Erfindungsgabe ohne praktischen Verstand, und ritterliche Hochherzigkeit und Delikatesse ohne wahre Rechtschaffenheit. Er war fähig, sich zu der Rolle des schwarzen Prinzen zu erheben, und doch auch fähig, sich zu der Rolle eines Fuller zu erniedrigen. Sein politisches Leben war durch einige höchst unehrenwerthe Handlungen befleckt, obwohl er nicht unter dem Einflusse der Triebfedern stand, denen die meisten unehrenwerthen Handlungen von Staatsmännern zugeschrieben werden müssen. Die Macht hatte wenig, das Geld noch weniger Werth für ihn. Für die Furcht war er gänzlich unempfänglich. Wenn er sich zuweilen soweit erniedrigte, ein Schurke zu sein — denn kein milderes Wort kommt der Wahrheit nahe genug — so that er dies nur zu seinem Vergnügen und um andere Leute in Erstaunen zu setzen. In bürgerlichen wie in militärischen Dingen liebte er Hinterhalte, Ueberfälle und nächtliche Angriffe. Er glaubte jetzt eine glänzende Gelegenheit zu haben, Aufsehen zu machen, eine große Erschütterung hervorzurufen und die Versuchung war für einen so ruhelosen Geist wie der seinige unwiderstehlich.

Er wußte oder vermuthete wenigstens stark, daß die Geschichten, welche Fenwick nach dem Hörensagen erzählt hatte und die der König, die Lords und die Gemeinen, die Whigs und die Tories einmüthig als Verleumdungen behandelten, in der Hauptsache wahr seien. Sollte es nicht möglich sein, zu beweisen, daß sie wahr waren, das weise Verfahren Wilhelm’s zu durchkreuzen, mit einem Male einige der hochstehendsten Männer beider Parteien zu brandmarken, die ganze politische Welt in eine unlösbare Verwirrung zu stürzen?

Nichts konnte ohne die Beihülfe des Gefangenen geschehen, und mit diesem direct zu verkehren, war unmöglich. Man mußte sich der Vermittelung mehr als einer Agentin bedienen. Die Herzogin von Norfolk war eine Mordaunt und Monmouth’s erste Cousine. Sie war bekannt wegen ihrer Galanterien und ihr Gemahl hatte einige Jahre früher seine adeligen Collegen zu bestimmen versucht, eine Bill zur Auflösung seiner Ehe anzunehmen, aber der Versuch war, zum Theil in Folge des Eifers, mit dem Monmouth die Sache seiner Cousine verfochten hatte, gescheitert. Die Dame lebte, obgleich von ihrem Gatten getrennt, auf einem ihrem Range angemessenen Fuße und hatte Umgang mit vielen vornehmen Frauen, unter andern mit Lady Marie Fenwick und mit einer Verwandten derselben, Namens Elisabeth Lawson. Durch Vermittlung der Herzogin ließ Monmouth dem Gefangenen mehrere Papiere zukommen, welche sehr klug entworfene Rathschläge enthielten. Sir John, — dies war der wesentliche Inhalt dieser Rathschläge — möge dreist behaupten, daß sein Bekenntniß wahr sei, daß er Beschuldigungen, zwar nur nach Hörensagen, aber nicht nach gewöhnlichem Hörensagen, erhoben habe, daß er seine Kenntniß der behaupteten Facta aus den hochstehendsten Duellen schöpfe, und er möge ein Mittel angeben, wodurch seine Wahrhaftigkeit leicht auf die Probe gestellt werden könne. Er möge darum bitten, daß die Earls von Portland und von Romney, welche anerkanntermaßen das Vertrauen des Königs besäßen, aufgefordert würden zu erklären, ob sie nicht, im Besitz von Nachrichten seien, welche mit den von ihm erzählten Dingen übereinstimmten. Er möge darum bitten, daß der König ersucht würde, dem Parlamente die Aufschlüsse, welche die plötzliche Entlassung Lord Marlborough’s zur Folge gehabt, und alle Briefe vorzulegen, die auf dem Wege zwischen Saint-Germains und Lord Godolphin aufgefangen worden seien. „Wenn,” sagte Monmouth zu seinen Agentinnen, „Sir John nicht unter dem Einflusse eines Verhängnisses steht, wenn er nicht ganz von Sinnen ist, so wird er meinen Rath befolgen. Thut er es, so sind sein Leben und seine Ehre gerettet. Thut er es nicht, so ist er ein todter Mann.” Hierauf schmähte dieser kühne Intrigant mit seiner gewöhnlichen frechen Redeweise Wilhelm wegen dessen, was eigentlich einer seiner Hauptansprüche auf Ruhm war. „Er ist der schlechteste Mensch. Er hat schändlich gehandelt. Er giebt vor, diese Beschuldigungen gegen Shrewsbury, Russell, Marlborough und Godolphin nicht zu glauben, obgleich er weiß” — und Monmouth bekräftigte diese Behauptung mit einem entsetzlichen Schwure, — „daß jedes Wort der Beschuldigungen wahr ist.”

Die von Monmouth aufgesetzten Schriftstücke wurden von Lady Mary ihrem Gemahl übergeben. Wäre der Rath, den sie enthielten, befolgt worden, so unterliegt es kaum einem Zweifel, daß der Zweck des Rathgebers erreicht worden wäre. Der König würde sich heftig geärgert haben, es würde ein allgemeiner panischer Schrecken unter den Staatsmännern jeder Farbe entstanden sein; selbst Marlborough’s heiterer Gleichmuth würde auf eine harte Probe gestellt worden sein, und Shrewsbury würde sich wahrscheinlich erschossen haben. Ob aber Fenwick seine Lage dadurch verbessert haben würde, ist sehr zweifelhaft. Dies war auch seine Meinung. Er sah ein, daß der Schritt, zu dem man ihn drängte, ein sehr gefährlicher war. Er wußte, daß er nicht deshalb zu diesem Schritte gedrängt wurde, weil er möglicherweise dadurch gerettet werden konnte, sondern weil er gewiß Anderen dadurch schaden mußte, und er war entschlossen, nicht Monmouth’s Werkzeug zu sein.

Debatten der Lords über die Verurtheilungsbill.

Am 1. December passirte die Bill ohne Abstimmung das erste Stadium. Hierauf wurde Fenwick’s Bekenntniß, das auf Befehl des Königs auf den Tisch gelegt worden war, vorgelesen, und dann erhob sich Marlborough. „Es kann Niemanden Wunder nehmen,” sagte er, „daß ein Mensch, dessen Kopf in Gefahr ist, sich durch Anschuldigung Anderer zu retten versucht. Ich versichere Euren Lordschaften, daß ich seit der Thronbesteigung der gegenwärtig regierenden Majestät mit Sir John wegen keines Gegenstandes irgendwie verkehrt habe, und ich erkläre dies auf mein Ehrenwort.”[71] Marlborough’s Behauptung mag wahr gewesen sein, aber sie vertrug sich vollkommen mit Allem was Fenwick gesagt hatte. Godolphin ging weiter. „Ich bin allerdings bis zum letzten Augenblicke im Dienste Jakob’s und seiner Gemahlin geblieben, und ich wurde von ihnen Beiden geschätzt. Aber ich kann dies nicht für ein Verbrechen halten. Möglich, daß sie und ihre Umgebungen noch jetzt glauben, ich sei ihrer Sache ergeben; dafür kann ich nicht. Aber es ist durchaus unwahr, daß ich mit dem Hofe von Saint-Germains in einem Verkehr gestanden habe, wie das Schriftstück angiebt, das Euren Lordschaften so eben vorgelesen worden ist.”[72]

Fenwick wurde nun eingeführt und gefragt, ob er noch etwas zu gestehen habe. Mehrere Peers befragten ihn, aber erfolglos. Monmouth, der nicht glauben konnte, daß die Papiere, die er nach Newgate gesandt, keine Wirkung gehabt haben sollten, richtete in freundlichem und ermuthigendem Tone verschiedene Fragen an den Gefangenen, durch die er ihm Antworten zu entlocken hoffte, welche den angeklagten Lords durchaus nicht angenehm gewesen sein würden. Aber keine solche Antwort war aus Fenwick herauszubringen. Monmouth sah, daß seine sinnreichen Machinationen ihren Zweck verfehlt hatten. Aufgebracht und enttäuscht, machte er nun plötzlich kehrt und wurde ein so eifriger Fürsprecher der Bill als irgend ein andrer Peer im Hause. Jedermann fiel der plötzliche Umschlag in seiner Stimmung und seinem Benehmen auf, aber man schrieb diesen Umschlag anfangs lediglich seiner wohlbekannten Unbeständigkeit zu.

Am 8. December wurde die Bill aufs neue in Erwägung gezogen, und an diesem Tage war Fenwick in Begleitung seines Vertheidigers anwesend. Bevor man ihn jedoch hereinrief, wurde eine Vorfrage gestellt. Mehrere vornehme Tories, namentlich Nottingham, Rochester, Normanby und Leeds sagten, daß es ihrer Ansicht nach unnütz sei, die Schuld oder Unschuld des Gefangenen zu untersuchen, wenn das Haus ihn nicht für einen so gefährlichen Menschen hielte, daß er, wenn schuldig, durch eine Parlamentsacte verurtheilt werden müsse. Sie wollten gar keine Beweise hören, sagten sie. Denn selbst angenommen, daß die Beweise keinen Zweifel an seiner Strafbarkeit übrig ließen, würden sie es dennoch für besser halten, ihn nicht zu bestrafen, als erst ein Gesetz zu seiner Bestrafung zu machen. Die allgemeine Ansicht war jedoch entschieden dafür, die Sache weiter zu verfolgen.[73] Es wurde dem Gefangenen und seinem Vertheidiger noch eine Woche bewilligt, um sich vorzubereiten, und endlich am 15. December begann der Kampf allen Ernstes.

Die Debatten waren die längsten und heftigsten, die Abstimmungen die häufigsten, die Proteste die am zahlreichsten unterschriebenen, die man in der ganzen Geschichte des Hauses der Peers je gekannt hatte. Die Bänke waren mehrmals von zehn Uhr Morgens bis nach Mitternacht gefüllt.[74] Die Gesundheit vieler Lords litt darunter, denn der Winter war grimmig kalt; aber die Majorität war nicht zur Nachsicht geneigt. Eines Abends wurde Devonshire unwohl; er schlich sich fort und legte sich ins Bett; aber der schwarze Stab wurde ihm bald nachgeschickt, um ihn zurückzuholen. Leeds, der äußerst kränklicher Constitution war, beschwerte sich laut. „Junge Gentlemen,” sagte er, „mögen sich ohne Nachtheil um zwei Uhr Morgens zum Abendessen und zum Weine niedersetzen können; aber einige von uns bejahrten Leuten dürften hier wohl eben so viel werth sein als sie, und wir werden bald im Grabe liegen, wenn wir zu einer solchen Jahreszeit so lange aushalten müssen.”[75] Der Parteigeist war jedoch in solchem Grade erregt, daß diese Beschwerde unberücksichtigt blieb und das Haus vierzehn- bis funfzehnstündige Sitzungen hielt. Die Hauptgegner der Bill waren Rochester, Nottingham, Normanby und Leeds. Die Hauptredner auf der andren Seite waren Tankerville, der trotz der heftigen Erschütterungen, welche ein ausnehmend unglückliches Leben seinem öffentlichen wie seinem Privatrufe zugefügt hatte, stets mit einer die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer fesselnden Beredtsamkeit sprach; Burnet, der eine große historische Gelehrsamkeit entfaltete, Wharton, dessen lebhafte und familiäre Ausdrucksweise, die er sich im Hause der Gemeinen angewöhnt, zuweilen das Förmlichkeitsgefühl der Lords verletzte, und Monmouth, der die Redefreiheit stets bis an den Rand der Zügellosigkeit getrieben hatte und der jetzt nie den Mund öffnete, ohne den Gefühlen eines Gegners eine Wunde zu schlagen. Einige wenige Edelleute von großem Gewicht, Devonshire, Dorset, Pembroke und Ormond, bildeten eine dritte Partei. Sie wollten die Verurtheilungsbill als ein Folterwerkzeug gebrauchen, um dem Gefangenen ein ausführliches Geständniß auszupressen. Aber sie waren entschlossen, nicht für seine Verurtheilung zum Tode zu stimmen.

Die erste Abstimmung betraf die Frage, ob die Bestätigung dessen was Goodman hätte beweisen können, durch einen sekundären Zeugen zugelassen werden sollte. Bei dieser Gelegenheit schloß Burnet die Debatte mit einer gewaltigen Rede, auf welche keiner der toryistischen Redner unvorbereitet zu antworten wagen konnte. Es waren hundertsechsundzwanzig Lords anwesend, eine in unsrer Geschichte beispiellose Zahl. Darunter waren dreiundsiebzig zufrieden und dreiundfunfzig nicht zufrieden. Sechsunddreißig von der Minorität protestirten gegen die Entscheidung des Hauses.[76]

Die nächste große Kraftprobe fand bei der Frage statt, ob die Bill zum zweiten Male gelesen werden sollte. Eine interessante Episode brachte eine Diversion in die Debatte. Monmouth machte in einer heftigen Rede einige harte und wohlverdiente Bemerkungen über den verstorbenen Lord Jeffreys. Der Titel und ein Theil des übelerworbenen Vermögens Jeffreys’ war auf seinen Sohn übergegangen, einen ausschweifenden jungen Mann, der vor kurzem mündig geworden war und damals schon einen Sitz im Hause hatte. Der junge Mann fing Feuer, als er seinen Vater tadeln hörte. Das Haus mußte sich ins Mittel legen und den beiden Disputanten das Versprechen abnehmen, die Sache nicht weiter zu treiben. An diesem Tage waren hundertachtundzwanzig Peers anwesend. Die Frage der zweiten Lesung ging mit dreiundsiebzig gegen fünfundfunfzig Stimmen durch, und neunundvierzig von den fünfundfunfzig protestirten.[77]

Viele glaubten jetzt, daß Fenwick der Muth sinken werde. Es war bekannt, daß er nicht gern sterben wollte. Bisher konnte er sich mit der Hoffnung geschmeichelt haben, daß die Bill scheitern werde. Jetzt aber, wo sie in dem einen Hause angenommen worden war und wo es gewiß zu sein schien, daß sie auch in dem andren angenommen werden würde, war es wahrscheinlich, daß er sich durch Enthüllung alles dessen was er wußte, retten würde. Er wurde aufs neue vor die Schranke gebracht und verhört. Er weigerte sich zu antworten, aus dem Grunde, weil seine Antworten von der Krone vor der Old Bailey gegen ihn gebraucht werden möchten. Man versicherte ihm, daß das Haus ihn in Schutz nehmen werde; aber er behauptete, diese Versicherung sei nicht genügend, das Haus bleibe nicht immer beisammen und er könne während einer Vertagung prozessirt und gehängt werden, bevor ihre Lordschaften wieder zusammenträten. Das Wort des Königs allein, sagte er, werde ihm eine vollständige Garantie sein. Die Peers ließen ihn wieder fortführen und beschlossen unmittelbar darauf, daß Wharton sich nach Kensington begeben und Se. Majestät bitten sollte, das Versprechen zu geben, das der Gefangene verlangte. Wharton eilte nach Kensington und kam mit einer günstigen Antwort zurück. Fenwick wurde wieder vor die Schranke gebracht. Man sagte ihm, der König habe sein Wort gegeben, daß nichts von dem was er an dieser Stelle aussagen würde, an einem andren Orte zu seinem Nachtheil benutzt werden sollte. Er machte indeß noch immer Schwierigkeiten. Wenn er auch Alles gestehe was er wisse, sagte er, könne man doch glauben, er verschweige noch immer etwas. Kurz, er werde nichts sagen, bis er die Zusicherung seiner Begnadigung habe. Er wurde nun zum letzten Male feierlich vom Wollsacke aus gewarnt. Es wurde ihm versichert, daß, wenn er offen gegen die Lords sei, sie sich am Fuße des Thrones für ihn verwenden und daß ihre Fürsprache nicht erfolglos sein würde. Wenn er jedoch obstinat bliebe, so würden sie die Bill weiter verfolgen. Es ward ihm eine kurze Bedenkzeit bewilligt und er dann aufgefordert, seine definitive Antwort zu geben. „Ich habe sie bereits gegeben,” sagte er; „ich habe keine Sicherheit. Wenn ich sie hätte, würde ich den Wünschen des Hauses sehr gern entsprechen.” Er wurde hierauf in seine Zelle zurückgebracht, und die Peers trennten sich nach einer Sitzung, welche bis tief in die Nacht hinein gedauert hatte.[78] Die Peers, welche Fenwick angeklagt hatte, hielten sich zu verschiedenen Seiten. Marlborough stimmte beharrlich mit der Majorität und bewog den Prinzen Georg das Nämliche zu thun. Godolphin stimmte ebenso beharrlich mit der Minorität, enthielt sich aber mit characteristischer Vorsicht, Gründe für seine Voten anzugeben. Keine Periode seines Lebens berechtigt uns dazu, sein Verfahren einem höheren Motive zuzuschreiben. Wahrscheinlich hielt er es, nachdem er durch die Whigs aus dem Amte vertrieben und gezwungen worden war, sich zu den Tories zu flüchten, für rathsam mit seiner Partei zu gehen.[79]

Schritte gegen Monmouth.

Sobald die Bill zum dritten Male gelesen war, wurde die Aufmerksamkeit der Peers auf einen Gegenstand gelenkt, der die Ehre ihres Standes nahe berührte. Lady Marie Fenwick war begreiflicherweise über das Benehmen Monmouth’s höchlich entrüstet. Er war, nachdem er den ernsten Willen geäußert, ihren Gatten zu retten, plötzlich zurückgetreten und der unbarmherzigste Verfolger ihres Gatten geworden, und dies Alles lediglich deshalb, weil der unglückliche Gefangene sich nicht als Werkzeug zur Vollführung eines phantastischen Unheilplanes hatte gebrauchen lassen wollen. Sie war wohl zu entschuldigen, wenn sie dachte, daß Rache süß sein müsse. In ihrer Wuth zeigte sie ihrem Vetter, dem Earl von Carlisle, die Papiere, die sie von der Herzogin von Norfolk erhalten hatte. Carlisle brachte die Angelegenheit vor die Lords. Die Papiere wurden vorgelegt. Lady Mary erklärte, daß sie sie von der Herzogin erhalten, die Herzogin erklärte, daß sie sie von Monmouth erhalten habe, und Elisabeth Lawson bestätigte die Aussage ihrer beiden Freundinnen. Alle bitteren Dinge, die der kecke Earl über Wilhelm gesagt hatte, wurden wiederholt. Die Wuth der beiden großen Parteien brach mit unbändiger Heftigkeit aus. Die Whigs waren durch die Entdeckung erbittert, daß Monmouth im Geheimen darauf hingearbeitet hatte, zwei hochstehende Männer, mit deren Ruf der Ruf der ganzen Partei verknüpft war, in Schande und Verderben zu stürzen. Die Tories beschuldigten ihn, heimtückisch und grausam gegen den Gefangenen und dessen Gemahlin gehandelt zu haben. Unter den Whigs sowohl wie unter den Tories hatte sich Monmouth durch seine Spötteleien und Invectiven zahlreiche persönliche Feinde gemacht, welche die Furcht vor seinem scharfen Witze und seinem Degen bisher in Schach gehalten hatte.[80] Alle diese Feinde erhoben jetzt die Stimme gegen ihn. Man war sehr neugierig, was er zu seiner Vertheidigung würde sagen können. Seine Beredtsamkeit, schrieb der Correspondent der Generalstaaten, habe schon oft Anderen geschadet; jetzt werde er sie aber in vollem Maße brauchen, um sich selbst zu schützen.[81] Seine Beredtsamkeit war in der That mehr für den Angriff als für die Vertheidigung geeignet. Monmouth sprach nahe an drei Stunden verworren und abschweifend, rühmte sich über die Maßen seiner Dienste und Opfer, sagte dem Hause, daß er eine wichtige Rolle bei der Revolution gespielt, daß er in den schlimmen Zeiten vier Reisen nach Holland gemacht, daß er seitdem hohe Aemter ausgeschlagen, daß er den materiellen Gewinn stets verachtet habe. „Ich habe,” sagte er, sich bedeutungsvoll zu Nottingham wendend, „keine große Herrschaft gekauft, ich habe keinen Palast gebaut, ich bin um zwanzigtausend Pfund ärmer als zu der Zeit meines Eintritts in das öffentliche Leben. Mein altes Erbschloß droht mir über dem Kopfe einzustürzen. Kann irgend Jemand, der sich erinnert, was ich für Se. Majestät gethan und gelitten habe, glauben, daß ich unehrerbietig von ihm sprechen würde?” Er erklärte feierlich — und dies war die schwerste von den vielen schweren Sünden seines langen und bewegten Lebens, — daß er mit den Papieren, welche so großes Aergerniß erregt, nichts zu thun habe. Die Papisten, sagte er, haßten ihn, sie hätten sich vorgenommen, ihn zu verderben, seine undankbare Cousine habe sich zu ihrem Werkzeuge hergegeben und habe seine eifrigen Bemühungen, ihre Ehre zu wahren, damit vergolten, daß sie es versucht habe, die seinige zu untergraben. Als er geendet hatte, trat ein lange anhaltendes Stillschweigen ein. Er fragte, ob Ihre Lordschaften wünschten, daß er sich entferne. Jetzt ergriff Leeds, für dessen treuen Freund er sich einst erklärt, den er aber mit characteristischer Unbeständigkeit verlassen und mit characteristischer Rücksichtslosigkeit angegriffen hatte, die Gelegenheit, sich zu rächen. „Es ist ganz unnöthig,” sagte der schlaue alte Staatsmann, „daß der edle Earl sich jetzt entfernt. Die Frage, die wir für jetzt zu entscheiden haben, ist lediglich die, ob diese Papiere unsren Tadel verdienen oder nicht. Wer sie geschrieben hat, ist eine Frage, die nachher erörtert werden kann.” Es wurde hierauf beantragt und einstimmig beschlossen, daß die Papiere verleumderisch seien und daß der Verfasser derselben sich eines schweren Verbrechens und Vergehens schuldig gemacht habe. Monmouth selbst mußte sich in Folge dieser geschickten Taktik der Verurtheilung seiner eigenen Schriftstücke anschließen.[82] Dann ging das Haus zur Inbetrachtnahme der gegen ihn vorliegenden Beschuldigung über. Seine Cousine, die Herzogin, stand zwar nicht im besten Rufe; aber ihre Aussage wurde sowohl durch directes als durch aus den Umständen geschöpftes Zeugniß bestätigt. Ihr Gemahl sagte mit höhnischem Scherze, daß er Allem was sie ausgesagt habe, vollkommenen Glauben schenke. „Mylord Monmouth hielt sie für gut genug, um meine Gattin zu sein, und wenn sie gut genug ist, um meine Gattin zu sein, so bin ich überzeugt, daß sie auch gut genug ist, um gegen ihn zu zeugen.” In einem Hause von nahe an achtzig Peers schienen nur acht bis zehn geneigt, gegen Monmouth einige Nachsicht zu üben. Er wurde der That, an der er unschuldig zu sein auf das Feierlichste betheuert hatte, für schuldig erklärt, in den Tower geschickt und aller seiner Stellen entsetzt, und sein Name aus dem Rathsbuche gestrichen.[83] Man hätte denken sollen, daß der Verlust seines Rufes und seines irdischen Glückes unwiederbringlich sein müßte. Aber seine Natur besaß eine unverwüstliche Elasticität. In seinem Gefängnisse war er zwar so unbändig wie ein eben in den Käfig gesperrter Falke, und er würde vor bloßer Ungeduld gestorben sein, wenn er lange in Haft geblieben wäre. Sein einziger Trost war, wilde und romanhafte Pläne zu ersinnen, wie er sich aus seiner unangenehmen Lage befreien und sich an seinen Feinden rächen könne. Als er seine Freiheit wieder erlangte, stand er allein in der Welt, ein entehrter Mann, von den Whigs mehr gehaßt als irgend ein Tory, und von den Tories mehr gehaßt als irgend ein Whig, und zu solcher Armuth reducirt, daß er davon sprach, sich auf das Land zurückzuziehen, wie ein Pächter zu leben und seine Gemahlin in die Milchkammer zu stellen, um Butter und Käse zu machen. Doch selbst nach diesem Sturze erhob sich dieser ruhelose Geist noch einmal und stieg höher als je. Als er das erste Mal wieder vor den Augen der Welt erschien, hatte er den Earltitel des Oberhauptes seiner Familie geerbt, führte nicht mehr den befleckten Namen Monmouth und umgab den Namen Peterborough bald mit neuem Glanze. Er war noch immer lauter Feuer und Leben. Sein schlagender Witz und sein unerschrockner Muth machten ihn gefährlich, einige liebenswürdige Eigenschaften, die mit seinen Lastern auffallend contrastirten, und einige große Thaten, deren Eindruck durch die sorglose Leichtfertigkeit, mit der er sie ausführte, noch erhöht wurde, machten ihn populär und seine Landsleute vergaßen gern, daß ein Held, auf dessen Thaten sie stolz waren und der sich eben so sehr durch Talent und Muth, wie durch Ritterlichkeit und Freigebigkeit auszeichnete, sich zu Streichen erniedrigt hatte, die den Pranger verdienten.

Stellung und Gesinnung Shrewsbury’s.

Es ist interessant und lehrreich, das Schicksal Shrewsbury’s mit dem Schicksale Peterborough’s zu vergleichen. Shrewsbury’s Ehre war unbefleckt. Er war von den in Fenwick’s Bekenntniß enthaltenen Anklagen triumphirend freigesprochen worden. Bald darauf wurde er noch triumphirender von einer noch abscheulicheren Anklage freigesprochen. Ein schändlicher Spion, Namens Matthäus Smith, welcher nicht genügend belohnt worden zu sein meinte und sich gern rächen wollte, behauptete, Shrewsbury habe frühzeitig Kenntniß von dem Mordcomplot gehabt, habe aber gethan als wisse er nichts davon, und habe keine Maßregeln ergriffen, um die Verschwörer an der Ausführung ihres Vorhabens zu hindern. Daß dies eine niederträchtige Verleumdung war, kann Niemand bezweifeln, der die Prozeßacten geprüft hat. Der König erklärte, daß er selbst die Unschuld seines Ministers beweisen könne, und die Peers erklärten, nachdem sie Smith vernommen hatten, die Anklage für unbegründet. Shrewsbury war soweit gereinigt, als es in der Macht der Krone und des Parlaments stand, ihn zu reinigen. Er besaß Macht und Reichthum, die Gunst des Königs und die Gunst des Volks. Niemand hatte eine größere Anzahl ergebener Freunde. Er war der Abgott der Whigs, und auch die Tories waren ihm persönlich nicht abgeneigt. Man sollte demnach meinen, daß er sich in einer Lage befand, um die ihn Peterborough wohl beneiden konnte. Aber Glück und Unglück kommen von innen. Peterborough besaß eines von jenen Gemüthern, deren tiefste Wunden heilen, ohne Narben zurückzulassen. Er war öffentlich beschuldigt worden, mit Saint-Germains in Verbindung zu stehen, und obwohl König, Lords und Gemeine ihn für unschuldig erklärt hatten, sagte ihn doch sein Gewissen, daß er schuldig sei. Die Lobsprüche, die er nicht verdient zu haben sich bewußt war, klangen ihm wie Vorwürfe. Er erlangte seinen verlornen Seelenfrieden nie wieder. Er trat aus dem Amte; aber eine quälende Erinnerung begleitete ihn in die Zurückgezogenheit. Er verließ England; aber eine quälende Erinnerung begleitete ihn über die Alpen und Apenninen. An einem denkwürdigen, für sein Vaterland folgenschweren Tage trat er jedoch nach einer Reihe unthätiger und ruhmloser Tage noch einmal als der Shrewsbury von 1688 hervor. Es giebt kaum etwas Schwermüthigeres in der Geschichte als dieser späte und vereinzelte Lichtstrahl, der das Ende eines Lebens beleuchtet, das so glänzend begonnen und das frühzeitig hoffnungslos getrübt und verdüstert worden war.

Die Verurtheilungsbill angenommen.

An dem Tage, an welchem die Lords die Verurtheilungsbill annahmen, vertagten sie sich für die Dauer der Weihnachtsfeiertage. Das Schicksal Fenwick’s blieb daher über vierzehn Tage ungewiß. Während dieser Zeit wurden Fluchtpläne entworfen, und man hielt es für nöthig, Newgate mit einer starken Militärwache zu umgeben.[84] Einige Jakobiten kannten Wilhelm so wenig, daß sie anonyme Briefe an ihn schrieben, worin sie ihm mit Erschießen oder Erstechen drohten, wenn er dem Gefangenen ein Haar zu krümmen wagte.[85] Am Morgen des 11. Januars genehmigte er die Bill. Zu gleicher Zeit genehmigte er auch eine Bill, welche die Regierung ermächtigte, Bernardi und einige andere Verschwörer ein Jahr lang in Haft zu halten. Am Abend dieses Tages bildete ein höchst trauriges Ereigniß in London das Stadtgespräch. Die Gräfin von Aylesbury hatte mit ängstlicher Spannung die Untersuchung gegen Sir John verfolgt. Ihr Gemahl war eben so tief wie Sir John in hochverrätherische Pläne verwickelt gewesen, war, wie Sir John, in Haft, und hatte, wie Sir John, Theil an Goodman’s Flucht genommen. Mit Schrecken hatte sie erfahren, daß es ein Mittel gab, um ein Verbrechen, das außer dem Bereiche des ordentlichen Rechtsweges lag, zu bestrafen. Ihre Angst hatte mit jedem Stadium der Verurtheilungsbill zugenommen. An dem Tage, an welchem die königliche Genehmigung ertheilt werden sollte, wurde ihre Aufregung so groß, daß ihre Constitution sie nicht mehr zu ertragen vermochte. Als sie den Donner der Kanonen vernahm, welche verkündeten, daß der König sich nach Westminster begab, fiel sie in Ohnmacht und starb nach wenigen Stunden.[86]

Versuche, Fenwick zu retten.

Selbst nachdem die Bill zum Gesetz erhoben war, wurden noch immer energische Anstrengungen zur Rettung Fenwick’s gemacht. Seine Gattin fiel Wilhelm zu Füßen und überreichte ihm ein Gnadengesuch. Er nahm das Gesuch an und sagte sehr freundlich, es solle erwogen werden, die Sache aber sei von öffentlicher Wichtigkeit und er müsse daher erst mit seinen Ministern zu Rathe gehen, bevor er sich entscheiden könne.[87] Sie wendete sich nun an die Lords und sagte ihnen, daß ihr Gatte seine Verurtheilung nicht erwartet habe, daß er nicht Zeit gehabt, sich auf den Tod vorzubereiten, daß er während seiner langen Haft noch keinen Geistlichen bei sich gesehen habe. Sie ließen sich leicht bewegen, um eine Woche Aufschub für ihn nachzusuchen. Die Frist wurde bewilligt, aber achtundvierzig Stunden vor Ablauf derselben überreichte Lady Mary den Lords eine zweite Petition, worin sie sie bat, sich beim Könige dahin zu verwenden, daß die Strafe ihres Gatten in Verbannung verwandelt werden möchte. Das Haus war überrascht von dem Ansinnen und ein Antrag auf Vertagung der Sache wurde mit Mühe mit zwei Stimmen durchgebracht.[88] Am folgenden Tage, dem letzten, den Fenwick noch zu leben haben sollte, wurde eine ähnliche Petition den Gemeinen überreicht. Aber die Whighäupter waren auf ihrer Hut; das Haus war gefüllt, und ein Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung wurde mit hundertzweiundfunfzig gegen hundertsieben Stimmen angenommen.[89] Eigentlich konnte auch keiner der beiden Zweige der Legislatur, ohne sich selbst zu verurtheilen, Wilhelm ersuchen, Fenwick’s Leben zu schonen. Geschworne, die in Ausübung einer schmerzlichen Pflicht einen Angeklagten für schuldig erklärt haben, können ihn ohne die mindeste Inconsequenz der Gnade der Krone empfehlen. Aber die Parlamentshäuser hätten die Verurtheilungsbill nicht annehmen dürfen, wenn sie nicht überzeugt waren, nicht nur daß Sir John ein Hochverräther war, sondern auch daß er nicht ohne ernstliche Gefahr für den Staat am Leben gelassen werden konnte. Er konnte nicht zu gleicher Zeit ein geeigneter Gegenstand für eine solche Bill und ein geeigneter Gegenstand für die königliche Gnade sein.

Fenwick’s Hinrichtung.

Am 28. Januar fand die Hinrichtung statt. Aus Artigkeit gegen die vornehmen Familien, mit denen Fenwick verwandt war, wurde Befehl gegeben, daß das Ceremoniell in jeder Hinsicht das Nämliche sein sollte, wie bei der Hinrichtung eines Peers des Reichs. Ein schwarz behangenes Schaffot war auf Towerhill errichtet, und der Gefangene wurde von Newgate in der Equipage seines Vetters, des Earls von Carlisle, die von einer Abtheilung Leibgarden umgeben war, auf den Richtplatz gebracht. Obgleich der Tag kalt und stürmisch war, hatte sich doch eine ungeheure Zuschauermenge eingefunden; aber es fand keine Störung statt, und nichts verrieth, daß das Volk mit dem Verbrecher sympathisirt hätte. Er benahm sich mit einer Standhaftigkeit, die man nicht von ihm erwartet hatte. Festen Schrittes bestieg er das Schaffot, verbeugte sich artig vor den darauf versammelten Personen, sprach aber mit Niemandem als mit White, dem abgesetzten Bischofe von Peterborough. White betete ungefähr eine halbe Stunde mit ihm. In dem Gebete wurde der König dem göttlichen Schutze empfohlen, aber kein Name genannt, der hätte Anstoß geben können. Fenwick übergab hierauf den Sheriffs ein versiegeltes Papier, nahm Abschied von dem Bischofe, kniete nieder, legte den Kopf auf den Block und rief aus: „Herr Jesus, empfange meine Seele.” Ein einziger Schlag trennte sein Haupt vom Rumpfe. Seine irdischen Reste wurden in einen prachtvollen Sarg gelegt und noch in derselben Nacht bei Fackelschein unter den Steinplatten der Martinskirche beigesetzt. Seitdem hat in England Niemand wieder kraft einer Verurtheilungsacte die Todesstrafe erlitten.[90]

Bill zur Regulirung der Wahlen.

Inzwischen war eine wichtige Frage, über welche die öffentliche Stimmung sehr aufgeregt war, discutirt worden. Sobald das Parlament zusammengetreten war, wurde eine Bill zur Regulirung der Wahlen, die sich im Wesentlichen wenig von der Bill unterschied, der der König in der vorhergehenden Session seine Genehmigung versagt hatte, im Hause der Gemeinen eingebracht, von den Landgentlemen freudig willkommen geheißen und rasch durch alle Stadien gebracht. Bei der Berichterstattung wurde beantragt, daß fünftausend Pfund persönliches Vermögen eine genügende Qualification für den Vertreter einer Stadt oder eines Burgfleckens sein sollten. Doch dieses Amendement wurde verworfen. Bei der dritten Lesung wurde ein Zusatz beigefügt, der einem Kaufmanne, welcher fünftausend Pfund besaß, gestattete, seinen Wohnplatz zu vertreten; aber es war zugleich bestimmt, daß Niemand als Kaufmann betrachtet werden sollte, weil er Actien der Bank oder der Ostindischen Compagnie besaß. Der Kampf war heiß. Cowper zeichnete sich unter den Gegnern der Bill aus. Seine sarkastischen Bemerkungen über die jagenden Bauern, welche die ganze Gesetzgebung in ihren Händen behalten wollten, veranlaßte einige heftige bäuerische Gegenhiebe. Ein schlichter Squire, sagte man ihm, könne dem Lande voraussichtlich eben so gute Dienste leisten, als der zungenfertigste Jurist, der für eine Guinee bereit sei zu beweisen, daß schwarz weiß aussehe. Bei der Abstimmung über die Frage, ob die Bill angenommen werden solle, betrug die Zahl der Jas zweihundert, die der Neins hundertsechzig.[91]

Die Lords waren zwölf Monate früher einer ähnlichen Bill bereitwillig beigetreten; seitdem aber hatten sie sich die Sache noch einmal überlegt und waren andren Sinnes geworden. Wenn ein Gesetz, das von jedem Mitgliede des Hauses der Gemeinen den Besitz eines Vermögens in Landgrundstücken von einigen hundert Pfund Rentenwerth verlangte, streng hätte durchgeführt werden können, so würde ein solches Gesetz allerdings den Landgentlemen von mäßigem Grundbesitz sehr vortheilhaft, den Großen des Reichs aber keineswegs vortheilhaft gewesen sein. Der Besitzer eines kleinen Gutes würde als Candidat für die Stadt, in deren Nachbarschaft seine Familie seit Jahrhunderten wohnte, aufgetreten sein, ohne die mindeste Besorgniß, daß sich ihm ein Alderman von London entgegenstellen würde, den die Wähler vor dem Tage des Vorschlags nie gesehen hatten und dessen Hauptanspruch auf ihre Gunst in einer mit Banknoten gefüllten Brieftasche bestand. Ein reicher Cavalier aber, der ein Vermögen von zehn- bis zwanzigtausend Pfund jährlicher Einkünfte besaß und über zwei bis drei Burgflecken zu gebieten hatte, würde ferner nicht mehr im Stande gewesen sein, seinen jüngeren Sohn, seinen jüngeren Bruder oder seinen Geschäftsmann ins Parlament zu bringen oder sich den Hosenbandorden oder einen höheren Grad in der Pairie zu verdienen, indem er einem Lord des Schatzes oder einem Generalfiskal einen Sitz verschaffte. Bei dieser Gelegenheit fiel demnach das Interesse der Häupter der Aristokratie, eines Norfolk und Somerset, eines Newcastle und Bedford, eines Pembroke und Dorset, mit dem der reichen Kaufleute der City und der jugendlichen Aspiranten des Temple zusammen und war dem Interesse eines Squires von tausend bis zwölfhundert Pfund Einkünften direct entgegengesetzt. An dem zur zweiten Lesung festgesetzten Tage waren die Lords sehr zahlreich anwesend. Es wurden mehrere Petitionen von Wahlkörpern, denen es hart dünkte, daß der Ausübung des Wahlrechts eine neue Beschränkung auferlegt werden sollte, überreicht und vorgelesen. Nach einer mehrstündigen Debatte wurde die Bill mit zweiundsechzig gegen siebenunddreißig Stimmen verworfen.[92] Nur drei Tage später schlug eine von Groll erfüllte zahlreiche Partei unter den Gemeinen vor, die so eben von den Peers verworfene Bill einer Grundsteuerbill anzuhängen. Dieser Antrag würde wahrscheinlich durchgegangen sein, hätte nicht Foley die Obliegenheiten seiner Stellung ein wenig überschritten und unter dem Vorgeben, der Ordnung das Wort zu reden, bewiesen, daß ein derartiges Anhängen in der Geschichte unserer Parlamente ohne Beispiel sei. Als die Frage gestellt wurde, erhoben die Jas ein so lautes Geschrei, daß man glaubte, sie bildeten die Majorität; bei der Abstimmung aber ergab es sich, daß ihre Zahl nur hundertfünfunddreißig betrug, während sich die Neins auf hundertdreiundsechzig beliefen.[93]

Bill zur Regulirung der Presse.

Auch noch andere parlamentarische Verhandlungen dieser Session verdienen Erwähnung. Während die Gemeinen eifrig mit dem großen Werke der Wiederherstellung der Finanzen beschäftigt waren, ereignete sich ein Vorfall, der eine kurze Zeit der jungen Preßfreiheit verderblich zu werden drohte, der sich aber gerade als das Mittel zur Befestigung derselben erwies. Eine von den vielen Zeitungen, welche seit dem Aufhören der Censur gegründet worden, war die Flying Post. Der Herausgeber, John Salisbury, war das Werkzeug einer Gesellschaft von Börsenspekulanten der City, in deren Interesse es zufällig lag, den Cours der Staatspapiere herunterzudrücken. Er veröffentlichte eines Tages einen unwahren und böswilligen Artikel, der offenbar den Zweck hatte, die Schatzkammerscheine zu verdächtigen. Von dem Credit der Schatzkammerscheine hing in diesem Augenblicke die politische Größe und die Handelsblüthe des Reichs ab. Das Haus der Gemeinen war empört, und der Sprecher erließ eine Vorladung an Salisbury. Es wurde ohne Abstimmung beschlossen, daß eine Bill eingebracht werden sollte, die das Veröffentlichen von Neuigkeiten ohne Censur verbot. Achtundvierzig Stunden darauf wurde die Bill schon überreicht und gelesen. Aber die Mitglieder hatten inzwischen Zeit gehabt, sich abzukühlen. Es gab fast Keinen unter ihnen, dessen Aufenthalt auf dem Lande im vergangenen Sommer durch die Londoner Journale nicht angenehmer gemacht worden wäre. So dürftig diese Journale auch Demjenigen erscheinen müssen, der jeden Morgen die Times auf seinem Frühstückstische findet, für die damalige Generation waren sie eine neue und reiche Quelle der Unterhaltung. Kein Gentleman von Devonshire oder Yorkshire, mochte er ein Whig oder ein Tory sein, konnte den Gedanken ertragen, wieder sieben Monate des Jahres hindurch in Bezug auf Alles was in der Welt vorging auf die Neuigkeitsbriefe beschränkt zu sein. Wäre die Bill angenommen worden, so hätten die Blätter, welche jetzt zweimal die Woche auf jedem Landsitze des Königreichs so ungeduldig erwartet wurden, nichts weiter enthalten, als was der Staatssekretär publik werden zu lassen für gut fand; sie wären factisch lauter London Gazettes gewesen, und der eifrigste Leser der London Gazette wäre über die wichtigsten Ereignisse seiner Zeit in Unkenntniß geblieben. Ein paar Stimmen erhoben sich jedoch auch zu Gunsten der Censur. „Diese Blätter,” sagten sie, „sind oft schädlichen Inhalts.” — „Warum werden sie dann nicht gerichtlich verfolgt?” war die Antwort. „Hat der Generalfiskal jemals gegen eines von ihnen eine Klage angestellt? Und ist es nicht absurd, von uns zu verlangen, daß wir ein neues Abhülfsmittel durch ein Gesetz schaffen sollen, während das Abhülfsmittel, welches das Landrecht darbietet, noch nie versucht worden ist?” Bei der Abstimmung über die Frage, ob die Bill zum zweiten Male gelesen werden sollte, beliefen sich die Jas auf nur sechzehn, die Neins auf zweihundert.[94]

Bill zur Abschaffung der Vorrechte von Whitefriars und dem Savoy.

Eine andre Bill, welche bessere Aufnahme fand, muß als ein Beispiel von dem langsamen aber stetigen Fortschreiten der Civilisation erwähnt werden. Die alten Gerechtsame, welche einige Bezirke der Hauptstadt, unter denen Whitefriars der größte und schmachvollste war, genossen, hatten Mißbräuche hervorgerufen, die nicht länger geduldet werden konnten. Die Templeinsassen auf der einen Seite von Alsatia und die Bürger auf der andren hatten die Regierung und die Legislatur schon seit langer Zeit gedrängt, einen so empörenden Uebelstand zu beseitigen. Aber noch immer existirte dieses im Westen von der großen Schule der englischen Jurisprudenz, im Osten von dem großen Centralpunkte des englischen Handels begrenzte Labyrinth schmutziger und winkeliger Häuser, deren jedes vom Keller bis unter das Dach von dem Abschaume der Bevölkerung vollgepfropft war, dessen ganzes Leben einen beständigen Kampf mit der Gesellschaft bildete. Der beste Theil der Bewohner dieses Stadttheils bestand aus Schuldnern, welche die Bailiffs fürchteten. Die übrigen waren removirte Advokaten, Zeugen, welche Stroh in ihren Schuhen trugen, zum Zeichen für das Publikum, daß hier für eine halbe Krone ein falscher Eid zu bekommen sei, Gauner, Diebshehler, Geldbeschneider, Banknotenfälscher, aufgeputzte Frauenzimmer mit von Schminke und Branntwein gerötheten Wangen, die im Zorne häufigen Gebrauch von ihren Nägeln und Scheeren machten, deren Freundlichkeit aber noch weit gefährlicher war als ihr Zorn. Von diesem Auswurf der Menschheit wimmelten die engen Gassen des Sanctuariums. Das Klappern von Würfeln, der Ruf nach mehr Punsch und Wein und das Geräusch von Flüchen und Zotenliedern hörten die ganze Nacht nicht auf. Die Vorsteher des inneren Temple konnten den Scandal und Lärm nicht länger ertragen, und sie ließen den nach Whitefriars führenden Ausgang zumauern. Die Bewohner von Alsatia versammelten sich in großer Anzahl, griffen die Arbeiter an, tödteten einen von ihnen, rissen die Mauer ein, schlugen den Sheriff, der zur Herstellung der Ruhe herbeikam, zu Boden und nahmen ihm seine goldene Kette, die ohne Zweifel bald in den Schmelztiegel wanderte. Der Tumult wurde erst unterdrückt, als eine Compagnie der Fußgarden erschien. Dieser Frevel erregte allgemeinen Unwillen. Die City, empört über die dem Sheriff zugefügte Mißhandlung, rief laut nach Gerechtigkeit. Es war jedoch so schwierig, in den Höhlen von Whitefriars ein gerichtliches Verfahren einzuleiten, daß beinahe zwei Jahre vergingen, ehe ein einziger Unruhstifter verhaftet wurde.[95]

Das Savoy war ein andrer Platz der nämlichen Art, zwar kleiner und minder berüchtigt, aber von einer ebenso gesetzlosen Bevölkerung bewohnt. Ein unglücklicher Schneider, der sich dahin wagte, um eine Schuldforderung einzutreiben, wurde von dem ganzen Pöbelhaufen der Gauner, Betrüger und Buhldirnen angefallen. Er erbot sich, seinem Schuldner die ganze Forderung zu erlassen und das Gesindel zu tractiren; aber umsonst. Er hatte sich einen Eingriff in ihre Gerechtsame erlaubt, und dies war ein unverzeihliches Verbrechen. Er wurde zu Boden geschlagen, ausgezogen, getheert und befiedert. Dann band man ihm einen Strick um den Leib und schleifte ihn unter dem Geschrei: „Ein Bailiff! ein Bailiff!” nackend durch die Straßen. Schließlich mußte er niederknien und seine Eltern verfluchen. Nachdem er diese Ceremonie verrichtet hatte, erlaubte man ihm — und die Erlaubniß wurde von vielen Bewohnern des Savoy getadelt, — ohne einen einzigen Lumpen auf dem Leibe nach Hause zu hinken.[96] Der Sumpf von Allen, die Pässe der Grampians waren nicht unsicherer als dieser kleine Knäuel von Gassen, der von den Palästen des vornehmsten Adels eines blühenden und aufgeklärten Königreichs umgeben war.

Endlich im Jahre 1697 ging eine Bill zur Aufhebung der Privilegien dieser Stadtbezirke in beiden Häusern durch und erhielt die Genehmigung des Königs; die Bewohner von Alsatia und dem Savoy waren wüthend. Parlamentsmitglieder, die sich durch eifrige Unterstützung der Bill ausgezeichnet hatten, empfingen anonyme Zuschriften, worin ihnen mit Ermordung gedroht wurde; aber derartige Drohungen befestigten nur die allgemeine Ueberzeugung, daß es hohe Zeit sei, diese Banditennester zu zerstören. Es wurde eine Gnadenfrist von vierzehn Tagen bewilligt und bekannt gemacht, daß nach Ablauf dieser Frist das Gesindel, das ein Fluch für London gewesen war, unbarmherzig ans Tageslicht gezogen und verfolgt werden würde. Es fand eine tumultuarische Flucht nach Irland, nach Frankreich, nach den Colonien, nach Kellern und Mansarden in minder berüchtigten Stadtbezirken statt, und als an dem festgesetzten Tage die Beamten des Sheriffs die Grenze zu überschreiten wagten, fanden sie die Straßen, in denen wenige Wochen zuvor der Ruf: „Ein Verhaftsbefehl!” tausend wüthende Raufbolde und keifende Weiber hervorgelockt haben würde, eben so ruhig wie den Kreuzgang einer Kirche.[97]

Schluß der Session; Beförderungen und Ernennungen.

Am 16. April schloß der König die Session mit einer Rede, in der er den Häusern warmen und wohlverdienten Dank sagte für die Energie und Weisheit, welche die Nation aus commerciellen und finanziellen Verlegenheiten gerissen hatte, von denen unsre Geschichte kein zweites Beispiel aufzuweisen hat. Ehe er nach dem Continent abreiste, verlieh er einige neue Ehrenbezeigungen und traf einige neue ministerielle Arrangements. Jedes Mitglied der Whigjunta wurde durch einen Beweis der königlichen Gunst ausgezeichnet. Somers gab das Siegel ab, dessen Bewahrer er war; er erhielt es alsbald wieder und wurde gleichzeitig beauftragt, es einem Diplom beizufügen, das ihn zum Baron Somers von Evesham ernannte.[98] Russell wurde Earl von Oxford und Viscount Barfleur. Noch nie war ein Titel einem auf fremdem Gebiet liegenden Schlachtfelde entlehnt worden. Aber der damals aufgestellte Präcedenzfall hat wiederholte Nachahmung gefunden, und die Namen Saint-Vincent, Trafalgar, Camperdown und Douro werden jetzt von den Nachkommen großer Commandeurs geführt. Russell scheint seinen Earltitel nach der ihm eigenen Weise nicht nur ohne Dankbarkeit, sondern sogar murrend und als ob ihm ein großes Unrecht geschähe, angenommen zu haben. Was galt ihm eine Adelskrone? Er hatte ja kein Kind, das sie erben konnte. Die einzige Auszeichnung, die für ihn einen Werth gehabt haben würde, war der Hosenbandorden, und diesen hatte Portland erhalten. Solche Dinge, meinte er, seien natürlich nur für die Holländer, und es sei eine unerhörte Anmaßung von einem Engländer, hätte er auch einen Sieg erfochten, der den Staat gerettet, zu erwarten, daß seine Ansprüche berücksichtigt werden könnten, bevor nicht alle Mynheers im Palaste versorgt seien.[99]

Wharton behielt seine Stelle als Haushofmeister des Königs und wurde außerdem mit dem einträglichen Amte des Oberrichters in Eyre, südlich vom Trent, bedacht, und sein Bruder Godwin Wharton wurde zum Lord der Admiralität ernannt.[100]

Obgleich Godolphin’s Rücktritt im October angenommen worden war, so wurde doch erst nach der Prorogation eine neue Schatzcommission ernannt. Ueber die Frage, wer erster Commissar werden sollte, ward lange und heftig debattirt. Denn Montague hatten seine Fehler viele Feinde gemacht, und seine Tugenden nicht minder. Starre Formalisten nannten ihn hohnlächelnd einen Schöngeist und Dichter, der allerdings einige Gewandtheit in der Debatte besitze, der aber schon viel höher erhoben worden sei, als seine Leistungen es verdienten und als sein Geist es vertrüge. Es würde thöricht sein, einem so jungen Laffen bloß deshalb, weil er fließend und elegant zu sprechen verstehe, in ein Amt einzusetzen, von dem das Wohl des Königreichs abhänge. Sir Stephan Fox qualificire sich von allen Lords des Schatzes sicherlich am Besten dazu, an der Spitze der Commission zu stehen. Er sei ein Mann in reiferen Jahren, ernst, erfahren, pünktlich und fleißig, und er habe nie in seinem Leben einen Vers gemacht. Der König schwankte ziemlich lange zwischen den beiden Candidaten; aber die Zeit gereichte Montague entschieden zum Vortheil, denn vom ersten bis zum letzten Tage der Session stieg sein Ruhm fortwährend. Die Stimme des Hauses der Gemeinen und der City bezeichnete ihn laut als den geeignetsten ersten Minister der Finanzen. Endlich trat Sir Stephan Fox, wenn auch nicht sehr bereitwillig, von der Concurrenz zurück. Er wünschte es jedoch in der London Gazette angezeigt, daß die Stelle des ersten Lords ihm angeboten, aber von ihm abgelehnt worden war. Eine solche Anzeige wäre eine Beleidigung für Montague gewesen, und Montague, von Glück und Ruhm aufgebläht, war nicht in der Stimmung, sich Beleidigungen gefallen zu lassen. Der Streit wurde beigelegt. Montague ward erster Lord des Schatzes und den erledigten Sitz im Staatsrathe erhielt Sir Thomas Littleton, einer der tüchtigsten und consequentesten Whigs im Hause der Gemeinen. Aus Rücksicht für Fox wurden diese Ernennungen jedoch nicht in der Gazette angezeigt.[101]

Dorset legte seine Stelle als Oberkammerherr nieder, doch nicht mit Unmuth, und zog sich, mit königlichen Gunstbezeigungen beladen, ins Privatleben zurück. Sein Nachfolger war Sunderland, der auch, nicht ohne viel Murren von verschiedenen Seiten, zu einem der Lords Justices ernannt wurde.[102] Von den Tories wurde Sunderland gründlich verabscheut. Einige von den Whighäuptern hatten seinem einschmeichelnden Wesen nicht widerstehen können, und andre waren dankbar für die Dienste, die er unlängst der Partei geleistet. Doch die Führer vermochten nicht ihre Anhänger zurückzuhalten. Verständige Männer, die der bürgerlichen Freiheit und der protestantischen Religion zugethan waren, die sich außer dem Bereiche von Sunderland’s unwiderstehlichem Zauber befanden und welche wußten, daß er in der Hohen Commission gesessen, bei der Indulgenzerklärung mitgewirkt, als Zeuge gegen die sieben Bischöfe aufgetreten war und die Hostie von einem papistischen Priester empfangen hatte, konnten ihn nicht ohne Unwillen und Beschämung mit dem Stabe in der Hand zur Seite des Thrones stehen sehen. Noch empörender war es, daß einem solchen Manne in Abwesenheit des Souverains die Administration der Regierung anvertraut werden sollte. Wilhelm begriff diese Gesinnungen nicht. Sunderland war ein talentvoller und brauchbarer Diener; er war zwar ohne Grundsätze, aber dies waren alle englischen Staatsmänner dieser Generation, welche unter der unseligen Tyrannei der Frommen die Tugend verachten gelernt hatten und während des wilden Jubels der Restauration in die schmachvollste Lasterhaftigkeit versunken waren. Er war ein ächtes Musterexemplar seiner Klasse, vielleicht ein wenig schlechter als Leeds oder Godolphin und ungefähr eben so schlecht als Russell oder Marlborough. Warum er aus der Heerde vertrieben werden sollte, konnte der König nicht begreifen.

Trotz der Unzufriedenheit, welche Sunderland’s Erhebung erweckt hatte, war England diesen Sommer vollkommen ruhig und in vortrefflicher Stimmung. Jedermann, die fanatischen Jakobiten allein ausgenommen, freute sich über das rasche Wiederaufleben des Handels und über die nahe Aussicht auf Frieden. Auch Irland und Schottland waren nicht minder ruhig.

Zustand Irland’s.

In Irland hatte sich, seitdem Sidney nicht mehr Lordlieutenant war, nichts ereignet, was umständlichere Erwähnung verdiente. Die Regierung hatte die Colonisten ungehindert über die eingeborne Bevölkerung dominiren lassen, und die Colonisten hatten sich dafür der Regierung durchaus unterwürfig bezeigt. Die Verhandlungen der in Dublin tagenden lokalen Legislatur waren in keiner Hinsicht wichtiger oder interessanter gewesen als die Verhandlungen der gesetzgebenden Versammlung von Barbados. Das nennenswertheste Ereigniß in der parlamentarischen Geschichte Irland’s zu jener Zeit war vielleicht ein Streit zwischen den beiden Häusern, welcher durch eine Collision zwischen dem Wagen des Sprechers und dem Wagen des Kanzlers entstanden war. Es gab zwar Parteispaltungen, aber sie entsprangen lediglich aus persönlichen Prätensionen und Animositäten. Die Namen Whig und Tory waren über den St. Georgskanal gebracht worden, hatten aber unterwegs ihre ganze Bedeutung verloren. Ein Mann, der in Dublin ein Tory genannt wurde, würde in Westminster für einen eben so entschiedenen Whig gegolten haben als Wharton. Die Hochkirchlichsten in Irland verabscheuten und fürchteten den Papismus so sehr, daß sie geneigt waren, jeden Protestanten als einen Bruder zu betrachten. Sie erinnerten sich der Tyrannei Jakob’s, der Beraubungen, der Verbrennungen, der Confiscationen, des Kupfergeldes und der Verurtheilungsacte mit bitterem Grolle, und verehrten Wilhelm als ihren Befreier und Erhalter. Ja selbst für das Gedächtniß Cromwell’s konnten sie nicht umhin eine gewisse Achtung zu hegen, denn was er auch sonst gewesen sein mochte, er war immer der Vertheidiger und Rächer ihres Stammes gewesen. Die Parteispaltungen England’s hatten daher mit den Parteispaltungen Irland’s fast gar nichts gemein. In England gab es zwei Parteien von gleichem Stamme und Glauben, die mit einander kämpften; in Irland gab es zwei Kasten verschiedenen Stammes und Glaubens, von denen die eine die andre mit Füßen trat.

Zustand Schottland’s.

Auch Schottland war ruhig. Die Ernte des letzten Jahres war zwar knapp ausgefallen und es herrschte daher viel Noth. Aber der Muth der Nation wurde durch hochfliegende Hoffnungen aufrechterhalten, die in schmerzliche Enttäuschung ausgehen sollten. Ein schöner Traum von Wohlstand und Herrschaft erfüllte die Gemüther der Leute so vollständig, daß sie die gegenwärtige Noth kaum fühlten. Wie dieser Traum entstand und durch welches schreckliche Erwachen er zerstört wurde, soll nachher erzählt werden.

Eine Parlamentssession in Edinburg.

Im Herbste des Jahres 1696 traten die schottischen Stände in Edinburg zusammen. Die Sitzungen waren spärlich besucht, und die Session dauerte nur fünf Wochen. Es wurde eine Summe von wenig über hunderttausend Pfund bewilligt und zwei Acten zur Sicherung der Regierung angenommen. Die eine von diesen beiden Acten verlangte von allen öffentlichen Angestellten die Unterzeichnung einer Vereinsurkunde ähnlich der, welche im Süden der Insel so allgemein unterzeichnet worden war. Die andre Acte bestimmte, daß das schottische Parlament durch den Tod des Königs nicht aufgelöst werden sollte.

Acte zur Errichtung von Schulen.

Das bei weitem wichtigste Ereigniß dieser kurzen Session war jedoch die Annahme einer Acte zur Errichtung von Schulen. Durch dieses denkwürdige Gesetz wurde, nach schottischer Ausdrucksweise, bestimmt und verordnet (statuted and ordained), daß jede Gemeinde im Lande für ein geräumiges Schulhaus sorgen und einen Lehrer mit mäßigem Gehalte anstellen sollte. Die Folgen dieses Gesetzes konnten natürlich nicht sogleich empfunden werden. Aber noch ehe ein Menschenalter verstrichen war, begann es sich unverkennbar zu zeigen, daß das gemeine Volk Schottland’s in der Intelligenz dem gemeinen Volke jedes andren Landes in Europa überlegen war. In welches Land der Schotte auch auswandern, welchem Berufe er sich widmen mochte, in Amerika oder in Indien, im Handel oder im Kriege, überall erhob ihn der Vortheil seiner ersten Schulbildung über seine Concurrenten. Wenn er als Ausläufer in ein Waarengeschäft aufgenommen ward, wurde er bald der erste unter seinen Collegen. Trat er in die Armee ein, so wurde er bald Sergeant. Zu gleicher Zeit machte Schottland, trotz seines sterilen Bodens und seines rauhen Klima’s, im Landbau, im Fabrikwesen, im Handel, in der Literatur, in den Wissenschaften, kurz in Allem was die Civilisation ausmacht, so bedeutende Fortschritte, wie die alte Welt sie nie gesehen und wie sie selbst in der neuen Welt kaum übertroffen worden sind.

Diese wunderbare Veränderung ist, wenn nicht einzig und allein, doch hauptsächlich dem nationalen Unterrichtssystem zuzuschreiben. Den Männern aber, durch welche dieses System eingeführt wurde, ist die Nachwelt keinen Dank schuldig. Sie wußten nicht was sie thaten; sie waren die unbewußten Werkzeuge der Aufklärung des Geistes und der Humanisirung der Herzen von Millionen. Ihr eigner Geist aber war so beschränkt und ihre Herzen so verhärtet wie die der Familiaren der Inquisition in Lissabon. In dem nämlichen Monate, in welchem die Acte zur Errichtung von Schulen mit dem Scepter berührt wurde, begannen die Häupter der Kirche und des Staats in Schottland mit Nachdruck zwei des zehnten Jahrhunderts würdige Verfolgungen, eine Verfolgung der Hexen und eine Verfolgung der Ungläubigen. Eine Anzahl unglücklicher Weiber, deren einziges Verbrechen darin bestand, daß sie alt und arm waren, wurden des Verkehrs mit dem Teufel angeklagt. Der Geheime Rath schämte sich nicht, ein Decret zur Prozessirung von zweiundzwanzig dieser unglücklichen Geschöpfe zu erlassen.[103] In den Läden der Edinburger Buchhändler wurde strenge Nachsuchung nach ketzerischen Schriften gehalten. Gottlose Bücher, zu denen die Weisen des Presbyteriums Thomas Burnet’s Sacred Theory of the Earth rechneten, wurden aufs Strengste verboten.[104] Aber die bloße Vernichtung von Papier und Schafleder genügte den Bigotten nicht. Ihr Haß verlangte Opfer, welche Gefühl hatten, und sie ruhten nicht eher als bis sie ein Verbrechen verübt, wie es seitdem nie wieder unsre Insel geschändet hat.

Der Prozeß Thomas Aikenhead’s.

Ein achtzehnjähriger Student, Namens Thomas Aikenhead, von großem Fleiß und tadelloser sittlicher Führung, war im Verlaufe seiner Studien auf einige von den gewöhnlichen Argumenten gegen die Bibel gestoßen. Er glaubte einen der übrigen Menschheit verborgenen Weisheitsschatz entdeckt zu haben und theilte seine Entdeckung mit dem eitlen Stolze, von dem lebhafte junge Leute selten frei sind, vier oder fünf seiner Stubengenossen mit. Dreiheit in der Einheit, sagte er, sei ein eben so großer Widerspruch wie die Quadratur des Zirkels. Esra sei der Verfasser des Pentateuchs. Die Apokalypse sei ein allegorisches Buch über den Stein der Weisen. Moses habe in Egypten Zauberei gelernt. Das Christenthum sei eine Täuschung, die nicht bis zum Jahre 1800 dauern würde. Wegen dieses albernen Geschwätzes, dessen er sich wahrscheinlich noch lange vor seinem fünfundzwanzigsten Jahre geschämt haben würde, wurde er von dem Lordadvokaten in Anklagestand versetzt. Der Lordadvokat war jener James Stewart, der so oft ein Whig und so oft ein Jakobit gewesen war, daß es schwer ist, seine Abfälle zu zählen. Er war jetzt zum dritten, wenn nicht zum vierten Male ein Whig. Nach dem schottischen Gesetz hätte Aikenhead allerdings mit Gefängniß bestraft werden können, bis er seine Irrthümer widerrufen und vor der Congregation seines Kirchspiels Abbitte gethan haben würde, und jeder Verständige und Humane würde dies als eine hinreichende Strafe für das Geschwätz eines vorlauten Knaben betrachtet haben. Stewart aber, der eben so grausam als schlecht war, verlangte Blut. Es gab unter den schottischen Gesetzen eines, das Schmähungen oder Verwünschungen des höchsten Wesens oder einer Person der Dreieinigkeit zu einem Kapitalverbrechen stempelte. Von dem, was Aikenhead gesagt hatte, konnte jedoch nichts in den Bereich dieses Gesetzes gebracht werden, ohne seinen Worten den gewaltsamsten Zwang anzuthun. Aber der Lordadvokat bot seine ganze Spitzfindigkeit auf. Der arme junge Mann hatte keinen Vertheidiger und er war durchaus unfähig, sich selbst zu vertheidigen. Er wurde für schuldig befunden und dazu verurtheilt, gehängt und am Fuße des Galgens begraben zu werden. Umsonst widerrief er mit Thränen in den Augen seine Irrthümer und bat kläglich um Gnade. Einige von Denen, die ihn im Kerker besuchten, hielten seinen Widerruf für aufrichtig, und es ist auch keineswegs unwahrscheinlich, daß bei ihm wie bei vielen anderen vermeintlichen Philosophen, welche die Religion ihrer Kindheit völlig abgestreift zu haben wähnen, die nahe Aussicht auf den Tod eine totale Umwandlung in seinen Ansichten bewirkt hatte. Er reichte bei dem Geheimen Rathe das Bittgesuch ein, daß, wenn ihm das Leben nicht geschenkt werden könnte, man ihm wenigstens eine kurze Frist bewilligen möchte, damit er sich mit Gott, den er beleidigt habe, aussöhnen könne. Einige Staatsräthe waren für Gewährung dieser kleinen Nachsicht. Andere meinten, sie dürfe nur dann bewilligt werden, wenn die Edinburger Geistlichen sich verwendeten. Die beiden Parteien hielten einander die Wage und die Frage wurde durch die den Ausschlag gebende Stimme des Kanzlers gegen den Angeklagten entschieden. Der Kanzler war ein Mann, der im Laufe dieser Geschichte häufig, aber nie mit Ehren erwähnt worden ist. Es war jener Sir Patrick Hume, dessen streit- und parteisüchtiges Wesen der Unternehmung Argyle’s zum Verderben gereicht und der Regierung Wilhelm’s nicht wenig zu schaffen gemacht hatte. In dem Club, der dem Könige getrotzt und über das Parlament dominirt, hatte es keinen lärmenderen Republikaner gegeben. Aber ein Titel und ein Amt hatten eine merkwürdige Bekehrung herbeigeführt. Sir Patrick hieß jetzt Lord Polwarth, er hatte das große Siegel Schottland’s in Verwahrung, führte den Vorsitz im Geheimen Rathe, und so lag es in seiner Macht, die schlechteste That seines schlechten Lebens zu begehen.

Es blieb nun noch übrig zu sehen wie die Edinburger Geistlichkeit handeln würde. Man sollte es kaum für möglich halten, daß Geistliche gegen das Flehen eines reumüthigen Verbrechers, der nicht Begnadigung, sondern nur ein wenig Zeit verlangt, um ihre Belehrungen zu empfangen und den Himmel um die Gnade zu bitten, die ihm auf Erden nicht gewährt werden kann, taub bleiben konnten. Dennoch war es so. Die Geistlichen verlangten nicht nur seine Hinrichtung, sondern seine sofortige Hinrichtung, mochte es auch sein ewiger Tod sein. Selbst von den Kanzeln herab forderten sie seine Abschlachtung. Es ist wahrscheinlich, daß der eigentliche Grund, warum sie ihm eine Frist von einigen Tagen verweigerten, die Besorgniß war, daß die Umstände seines Prozesses nach Kensington berichtet und daß der König, der bei Ablegung des Krönungseides vom Throne herab erklärt hatte, kein Verfolger sein zu wollen, den bestimmten Befehl geben könnte, das Urtheil nicht zu vollstrecken. Aikenhead wurde zwischen Edinburg und Leith gehängt. Er zeigte aufrichtige Reue und erlitt den Tod mit der Bibel in der Hand. Die Bevölkerung von Edinburg wurde, obgleich durchaus nicht geneigt, sein Vergehen leicht zu nehmen, durch seine Jugend, seine Reue und die grausame Eile, mit der man ihn aus der Welt beförderte, zu Mitleid gerührt. Man schien zu befürchten, daß ein Versuch zu seiner gewaltsamen Befreiung gemacht werden möchte, denn ein starkes Corps Füseliere stand unter den Waffen, um die Civilgewalt zu unterstützen. Die Priester, welche die eigentlichen Mörder des jungen Mannes waren, umgaben den Galgen und beleidigten während seines letzten Todeskampfes den Himmel durch Gebete, welche ärgere Blasphemien waren als Alles was der arme Mensch je gesagt hatte. Wodrow hat keine größere Abscheulichkeit von Dundee erzählt.[105]

Militärische Operationen in den Niederlanden.

Im Ganzen genommen waren die britischen Inseln seit zehn Jahren nie so frei von inneren Unruhen gewesen als in dem Augenblicke wo Wilhelm, Ende April 1697, nach dem Continent aufbrach. Der Krieg in den Niederlanden wurde ein wenig, aber auch nur ein wenig lebhafter betrieben als im vorhergehenden Jahre. Die französischen Generäle eröffneten den Feldzug mit der Einnahme der kleinen Stadt Aeth. Hierauf faßten sie eine bei Weitem wichtigere Eroberung ins Auge. Sie machten einen plötzlichen Angriff auf Brüssel, und ohne Wilhelm’s Umsicht würde ihr Vorhaben wahrscheinlich gelungen sein. Er campirte auf einer Stelle in unmittelbarer Nähe des Löwen von Waterloo, als er spät Abends die Nachricht erhielt, daß die Hauptstadt der Niederlande in Gefahr sei. Er setzte unverzüglich seine Truppen in Bewegung, marschirte die ganze Nacht und nachdem er die Ebene, welche hundertachtzehn Jahre später eine schreckliche Berühmtheit erlangen sollte, sowie die langen Defilés des Waldes von Soignies passirt hatte, erschien er am Morgen auf dem Punkte, von wo aus Brüssel zwei Jahre früher bombardirt worden war und aufs Neue bombardirt worden sein würde, wenn er nur drei Stunden später angekommen wäre. Hier umgab er sich mit Verschanzungen, welche der Feind nicht anzugreifen wagte. Dies war das wichtigste militärische Ereigniß, das während dieses Sommers in den Niederlanden stattfand. Man war in beiden Lagern nicht geneigt, am Vorabend eines allgemeinen Friedensschlusses viel aufs Spiel zu setzen.

Von Frankreich offerirte Friedensbedingungen.

Ludwig hatte zu Anfang des Frühjahrs zum ersten Male seit seiner langen Regierung aus freiem Antriebe seinen Feinden billige und ehrenvolle Bedingungen angeboten. Er hatte sich bereit erklärt, die Eroberungen, die er im Laufe des Kriegs gemacht, zurückzugeben, Lothringen seinem eigenen Herzoge abzutreten, Luxemburg an Spanien, Straßburg an das deutsche Reich zurückzugeben und die bestehende Regierung England’s anzuerkennen.[106] Wer sich der großen Leiden erinnerte, die sein wortbrüchiger und erbarmungsloser Ehrgeiz über Europa gebracht hatte, konnte mit gutem Grunde vermuthen, daß diese ungewohnte Mäßigung nicht Gefühlen der Gerechtigkeit oder Humanität zuzuschreiben sei. Aber was ihn auch bestimmt haben mochte, solche Bedingungen anzubieten, es war offenbar das Interesse und die Pflicht der Conföderation, sie anzunehmen. Denn man hatte in der That wenig Hoffnung ihm durch Krieg größere Zugeständnisse abzuzwingen, als die, welche er jetzt freiwillig als Friedenspreis anbot. Die sanguinischsten seiner Feinde konnten schwerlich eine lange Reihe so glücklicher Feldzüge wie der von 1695 erwarten. Und selbst in einer langen Reihe ebenso glücklicher Feldzüge wie der von 1695 würden die Verbündeten schwerlich im Stande gewesen sein, Alles das wiederzuerobern, was er jetzt zurückzugeben sich bereit erklärte. Wilhelm, der, wie gewöhnlich, eine klare und staatsmännische Ansicht von der ganzen Situation faßte, stimmte jetzt eben so entschieden für Friedensschluß, als er in früheren Jahren für energische Fortsetzung des Kriegs gestimmt hatte, und er wurde durch die öffentliche Meinung England’s sowohl als Holland’s unterstützt. Leider aber begannen gerade in dem Augenblicke, wo die beiden Mächte, welche allein unter den Mitgliedern der Koalition in dem langen Kampfe treulich ihre Pflicht gethan hatten, anfingen sich in der nahen Aussicht auf Ruhe zu erfreuen, einige von den Regierungen, welche niemals ihre vollen Contingente gestellt hatten, welche nie zur rechten Zeit schlagfertig gewesen waren, und die zum Dank für empfangene Subsidien stets Entschuldigungen geschickt hatten, Schwierigkeiten zu erheben, welche die Drangsale Europa’s bis ins Unendliche zu verlängern drohten.

Verhalten Spanien’s.

Spanien hatte, wie Wilhelm in seinem Unmuth an Heinsius schrieb, für die gemeinsame Sache nichts beigetragen als Rodomontaden. Es hatte keine energische Anstrengung gemacht, auch nur sein eignes Gebiet gegen Einfälle zu vertheidigen. Ohne die englischen und holländischen Armeen würde es Flandern und Brabant verloren haben. Ohne die englischen und holländischen Flotten würde es Katalonien verloren haben. Das Mailändische hatte es nicht durch Waffengewalt, sondern dadurch gerettet, daß es trotz der Vorstellungen von Seiten der englischen und holländischen Regierungen einen schimpflichen Neutralitätsvertrag abschloß. Es besaß kein einziges Kriegsschiff das einen Windstoß hätte aushalten können. Es besaß kein einziges Regiment, das nicht schlecht bezahlt und schlecht disciplinirt, schlecht gekleidet und halb verhungert gewesen wäre. Dennoch hatte es in den letzten zwei Jahren sowohl Wilhelm als die Generalstaaten mit einer Impertinenz behandelt, welche bewies, daß es seine Stellung unter den Staaten gänzlich verkannte. Es wurde jetzt über die Maßen anspruchsvoll, verlangte von Ludwig Concessionen, die es nach dem Verlaufe des Kriegs nicht zu erwarten berechtigt war, und schien es hart zu finden, daß Verbündete, die es fortwährend unwürdig behandelte, keine Lust hatten, ihr Blut und Geld noch weitere acht Jahre für ein solches Land zu opfern.

Verhalten des Kaisers.

Das Verhalten Spaniens ist lediglich der Arroganz und Thorheit zuzuschreiben. Aber die Abgeneigtheit des Kaisers, selbst in die billigsten Friedensbedingungen zu willigen, war eine Wirkung selbstsüchtigen Ehrgeizes. Der katholische König war kinderlos und kränklich, sein Leben war keine drei Jahre mehr werth, und wenn er starb, so wurden seine Besitzungen der Zankapfel für eine Menge Prätendenten. Das Haus Oesterreich sowohl als das Haus Bourbon hatten Ansprüche auf diese große Erbschaft. Es lag offenbar im Interesse des Hauses Oesterreich, daß der bedeutungsvolle Tag, mochte er kommen wann er wollte, eine große europäische Coalition gegen das Haus Bourbon gerüstet fände. Der Zweck des Kaisers war daher, daß der Krieg so wie er bisher geführt worden, mit geringen Kosten für ihn selbst und mit großen Kosten für England und Holland fortgeführt werde, nicht bis billige Friedensbedingungen erlangt werden könnten, sondern einfach bis zum Tode des Königs von Spanien. „Die Minister des Kaisers,” schrieb Wilhelm an Heinsius, „sollten sich ihrer Handlungsweise schämen. Es ist unerträglich, daß eine Regierung, die alles Mögliche thut, um den Erfolg der Unterhandlungen zu hintertreiben, nichts zur gemeinsamen Vertheidigung beiträgt.”[107]

Es ist kein Wunder, daß unter solchen Umständen das Friedenswerk geringe Fortschritte machte. Das Völkerrecht hat, wie jedes andre Recht, seine Chikanen, seine Spitzfindigkeiten, seine technischen Formen, welche nur zu leicht dazu angewendet werden können, es unwirksam zu machen. Es wurde daher denjenigen streitenden Theilen, welche den Streit nicht bald beendigt zu sehen wünschten, nicht schwer, Verzögerungen herbeizuführen. Es wurde lange über den Ort disputirt, wo die Conferenzen gehalten werden sollten. Der Kaiser schlug Aachen vor. Die Franzosen machten Einwendungen und schlugen den Haag vor. Dagegen machte der Kaiser wieder Einwendungen. Endlich kam man dahin überein, daß die Gesandten der verbündeten Mächte im Haag und die französischen Bevollmächtigten fünf Meilen davon in Delft zusammenkommen sollten.[108] Nach Delft begaben sich demgemäß Harlay, ein Mann von ausgezeichnetem Geist und feiner Bildung, Crecy, ein schlauer, geduldiger und fleißiger Diplomat, und Cailleres, der, obgleich er in den Accreditiven als Dritter genannt war, über alle Punkte, welche voraussichtlich zu berathen waren, viel besser unterrichtet war als jeder seiner beiden Collegen.[109] Im Haag befanden sich der Earl von Pembroke, und Eduard, Viscount Villiers, welche England repräsentirten. Prior begleitete sie in der Eigenschaft eines Sekretärs. An der Spitze der kaiserlichen Gesandtschaft stand Graf Kaunitz, an der Spitze der spanischen Don Francisco Bernardo de Quiros; die Gesandten untergeordneten Ranges aufzuzählen würde ermüdend sein.[110]

Congreß von Ryswick.

Auf halbem Wege zwischen Delft und dem Haag liegt ein Dorf, Namens Ryswick, und in der Nähe desselben stand damals, in einem von geradlinigen Kanälen umgebenen, in regelmäßige Gehölze, Blumen- und Melonenbeete eingetheilten rechtwinkeligen Garten ein Landhaus der Prinzen von Oranien. Das Haus war wie geschaffen für eine Gesellschaft von Diplomaten, wie sie hier zusammenkommen sollte. Im Centrum befand sich ein von Honthorst gemalter Saal. Zur Rechten und Linken waren genau correspondirende Seitenflügel angebaut. Zu jedem der beiden Flügel führte eine besondere Brücke, ein besonderer Eingang und eine besondere Avenue. Der eine Flügel wurde den Verbündeten, der andre den Franzosen, der Saal im Centrum dem Vermittler angewiesen.[111] Einige Vorfragen der Etikette wurden nicht ohne Mühe erledigt, und endlich, am 9. Mai, näherten sich eine Menge sechsspänniger Equipagen, von Läufern, Bedienten und Pagen begleitet, von verschiedenen Seiten dem Schloß. Der schwedische Gesandte stieg am Haupteingange aus. Der Zug vom Haag kam durch die rechte Seitenallee an; der Zug von Delft durch die linke Seitenallee. Bei der ersten Zusammenkunft überreichten die Vertreter der kriegführenden Regierungen ihre Vollmachten dem Vermittler. Beim zweiten Zusammentreffen, achtundvierzig Stunden später, vollzog der Vermittler die Ceremonie der Auswechslung dieser Vollmachten. Dann wurden mehrere Zusammenkünfte damit hingebracht, die Zahl der Wagen, Pferde, Lakaien und Pagen festzustellen, welche jeder Gesandte nach Ryswick mitzubringen berechtigt sein sollte, ob die Dienstleute Stöcke tragen sollten, ob sie Degen tragen sollten, ob sie Pistolen in den Halftern haben sollten, wer bei den Ausfahrten den Vorrang haben und wessen Equipage auf den Straßen ausweichen sollte. Es zeigte sich bald, daß der Vermittler nicht allein zwischen der Koalition und den Franzosen, sondern auch zwischen den verschiedenen Mitgliedern der Coalition zu vermitteln haben würde. Die kaiserlichen Gesandten beanspruchten das Recht, am Berathungstische obenan zu sitzen. Der spanische Gesandte wollte dieses Recht nicht anerkennen und versuchte sich zwischen zwei von jenen einzudrängen. Die kaiserlichen Gesandten wollten die Gesandten von Kurfürsten und Republiken nicht Excellenz tituliren. „Wenn ich nicht Excellenz genannt werde,” sagte der Minister des Kurfürsten von Brandenburg, „so wird mein Gebieter seine Truppen aus Ungarn zurückziehen.” Die kaiserlichen Gesandten verlangten ein Zimmer für sich im Gebäude und einen besonderen Platz im Hofe für ihre Equipagen. Alle anderen Gesandten der Conföderation erklärten dies für ein durchaus ungerechtfertigtes Verlangen, und eine ganze Sitzung wurde mit diesem kindischen Streite verschwendet. Man wird leicht glauben, daß Verbündete, die in ihrem Verkehr unter sich so kleinlich waren, aller Wahrscheinlichkeit nach in ihrem Verkehr mit dem Feinde nicht sehr gefällig sein würden. Die Hauptbeschäftigung Harlay’s und Kaunitz’ bestand darin, gegenseitig ihre Füße zu beobachten. Keiner von ihnen hielt es für verträglich mit dem Ansehen der Krone, der er diente, sich dem Andren mit rascheren Schritten zu nähern, als der Andre sich ihm näherte. Wenn daher der Eine bemerkte, daß er aus Versehen zu rasch gegangen war, kehrte er bis zur Thür zurück, und die steife Menuett begann von neuem. Die Gesandten Ludwig’s setzten einen Vertragsentwurf in ihrer Muttersprache auf. Die deutschen Staatsmänner protestirten gegen diese Neuerung, gegen diese Beleidigung der Würde des heiligen römischen Reichs, gegen diesen Eingriff in die Rechte unabhängiger Nationen und wollten nicht eher etwas von dem Entwurfe wissen, als bis er aus gutem Französisch in schlechtes Latein übersetzt war. Schon Mitte April wußte Jedermann im Haag, daß Karl XI., König von Schweden gestorben und daß sein Sohn ihm auf den Thron gefolgt war; aber es widerstritt der Etikette, daß irgend einer der versammelten Gesandten die Kenntniß dieses Ereignisses äußerte, bevor Lilienroth es förmlich annoncirt hatte; nicht minder widerstritt es der Etikette, daß Lilienroth diese Anzeige machte, bevor seine Equipagen und seine Dienerschaft in Trauer gehüllt waren, und es vergingen einige Wochen, bis seine Wagenbauer und Kleidermacher ihre Aufgabe vollendet hatten. Endlich, am 12. Juni, kam er in einem schwarz ausgeschlagenen und von Bedienten in schwarzer Livree begleiteten Wagen nach Ryswick und kündigte hier in vollem Congreß an, daß es Gott gefallen habe, den großmächtigsten König Karl XI. zu sich zu nehmen. Sämmtliche Gesandten bezeigten ihm hierauf ihre Theilnahme an der betrübenden und unerwarteten Nachricht und begaben sich dann nach Hause, um ihre Stickereien abzulegen und sich in Trauer zu kleiden. Unter solchen feierlichen Tändeleien verging eine Woche nach der andren, und es wurde kein reeller Fortschritt gemacht. Lilienroth hegte keineswegs den Wunsch, die Sache zu beeilen. So lange der Congreß dauerte, nahm er eine hochangesehene Stellung ein. Er wäre gern beständig Vermittler geblieben, und er hätte aufgehört dies zu sein, wenn die Parteien zu seiner Rechten und Linken aufhörten, mit einander zu hadern.[112]

Im Juni begann die Hoffnung auf Frieden zu sinken. Man erinnerte sich, daß der vorige Krieg noch Jahre lang fortgedauert hatte, während ein Congreß in Nymwegen tagte. Die Vermittler hatten im Februar 1676 ihren Einzug in diese Stadt gehalten, und erst im Februar 1679 war der Vertrag unterzeichnet worden. Indessen waren die Unterhandlungen von Nymwegen nicht langsamer von Statten gegangen als die Unterhandlungen von Ryswick. Es war nur zu wahrscheinlich, daß noch das 18. Jahrhundert große Armeen einander am Rhein und der Maas gegenüberstehend, betriebsame Bevölkerungen durch Steuern zu Boden gedrückt, fruchtbare Provinzen verwüstet, die Schifffahrt auf dem Ocean durch Corsaren beunruhigt und die Bevollmächtigten Noten wechselnd, Protokolle aufnehmend und sich über den Platz, wo dieser Minister sitzen und über den Titel, der jenem Minister bewilligt werden sollte, streitend finden würde.

Wilhelm eröffnet eine bestimmte Unterhandlung.

Wilhelm hatte sich jedoch fest vorgenommen, dieser Komödie bald ein Ende zu machen. Er wollte entweder Frieden oder Krieg. Jedes von beiden war seiner Ansicht nach besser als dieser interimistische Zustand, der die Nachtheile beider in sich vereinigte. So lange die Unterhandlungen dauerten, konnten die Lasten, die sein Volk drückten, sich nicht vermindern, und doch konnte er von seinen Verbündeten kein energisches Handeln erwarten. Wenn Frankreich wirklich geneigt war, einen Tractat unter billigen Bedingungen zu schließen, so sollte dieser Tractat trotz der Bornirtheit des katholischen Königs und trotz der selbstsüchtigen Arglist des Kaisers zu Stande kommen. Meinte es Frankreich nicht aufrichtig, dann war es um so besser, je eher die Wahrheit bekannt wurde, je eher die in Ryswick spielende Posse aufhörte, je eher die Bevölkerungen England’s und Holland’s — denn von ihnen hing Alles ab — erfuhren, daß sie sich zu großen Anstrengungen und Opfern entschließen mußten.

Pembroke und Villiers konnten, obgleich ihnen jetzt ein diplomatischer Veteran, Sir Joseph Williamson, zur Seite stand, wenig oder nichts zur Beschleunigung der Congreßverhandlungen thun. Denn obwohl Frankreich versprochen hatte, den Prinzen von Oranien als König von Großbritannien und Irland anzuerkennen, sobald der Friede zu Stande käme, hatte es ihn doch noch immer nicht anerkannt. Seine Gesandten verkehrten daher nicht direct mit Harlay, Crecy und Cailleres. Wilhelm beschloß mit der Weisheit und Entschlossenheit eines ächten Staatsmannes durch einen der in den Niederlanden commandirenden französischen Marschälle mit Ludwig in Unterhandlung zu treten. Der Marschall Villeroy stand unter ihnen am höchsten im Range. Aber Villeroy war schwach, vorschnell, hochmüthig und empfindlich. Von einem solchen Unterhändler war weit eher zu erwarten, daß er die Dinge verwirren, als daß er sie zu einer gütlichen Ausgleichung bringen werde. Boufflers hingegen war ein Mann von Einsicht und Mäßigung, und zum Glück hatte er während der wenigen Tage, die er nach dem Falle Namur’s in Huy zugebracht, unter der Obhut Portland’s gestanden, der ihn mit der größten Artigkeit und Freundlichkeit behandelt hatte. In Folge dessen hatte sich ein freundschaftliches Verhältniß zwischen dem Gefangenen und seinem Hüter gebildet. Beide waren tapfere Soldaten, ehrenhafte Cavaliere und treue Diener. Wilhelm glaubte daher mit Recht, daß sie viel eher zu einer Verständigung kommen würden als Harlay und Kaunitz selbst mit dem Beistande Lilienroth’s. Portland besaß in der That alle wesentlichen Eigenschaften eines vorzüglichen Diplomaten. In England war das Volk gegen ihn eingenommen, weil er ein Ausländer war; sein Earltitel, sein Hosenbandorden, seine einträglichen Stellen, sein rasch zunehmender Reichthum erweckten Neid; man verstand seinen Dialect nicht, seine Manieren waren nicht die der großen Herren, welche in Whitehall gebildet waren. Daher wurden seine Talente bei weitem nicht gebührend gewürdigt; man pflegte ihn einen Dummkopf zu nennen, der zu nichts tauge als zum Ueberbringen von Botschaften. Auf dem Continent aber, wo er ohne Uebelwollen beurtheilt wurde, machte er einen ganz andren Eindruck. Es ist ein bemerkenswerthes Factum, daß dieser Mann, der in den Gesellschaftszirkeln und Kaffeehäusern London’s ein plumper einfältiger Hogan Mogan[113] — dies war die gebräuchliche Redensart — genannt wurde, in Versailles für einen außerordentlich fein gebildeten Hofmann und einen höchst gewandten Unterhändler galt.[114] Seine empfehlendste Eigenschaft war jedoch seine unerschütterliche Rechtschaffenheit. Es war gewiß, daß die seiner Fürsorge anvertrauten Interessen ihm eben so theuer sein würden als sein Leben und daß jeder Bericht, den er seinem Gebieter abstattete, buchstäblich genau sein würde.

Zusammenkünfte Portland’s mit Boufflers.

Gegen Ende Juni ließ Portland Boufflers freundlich um eine halbstündige Unterredung bitten. Boufflers schickte sogleich einen Expressen an Ludwig und erhielt in der kürzesten Zeit, die ein Courier brauchte, um nach Versailles und wieder zurück zu eilen, Antwort. Ludwig befahl dem Marschall, Portland’s Wunsch zu erfüllen, so wenig als möglich zu sagen, und so viel als möglich zu erfahren.[115]

Am 28. Juni nach altem Style, fand in der Nähe von Hal, einer ungefähr zehn Meilen von Brüssel auf der Straße nach Mons liegenden Stadt die erste Zusammenkunft statt. Nachdem die ersten Begrüßungen gewechselt waren, stiegen Boufflers und Portland ab, ihre Begleiter zogen sich zurück und die beiden Unterhändler blieben in einem Garten allein. Hier gingen sie zwei Stunden lang auf und ab und erledigten in dieser kurzen Zeit mehr als die Bevollmächtigten in Ryswick in eben so vielen Monaten zu erledigen vermochten.[116]

Bis dahin hatte die französische Regierung den zwar natürlichen, aber durchaus irrigen Verdacht gehegt, daß Wilhelm den Krieg in die Länge ziehen wolle, daß er sich nur deshalb dazu verstanden habe zu unterhandeln, weil er es nicht wagen dürfe, sich der öffentlichen Meinung England’s und Holland’s zu widersetzen, daß er aber das Scheitern der Unterhandlungen wünsche, und daß das eigensinnige Verhalten des Hauses Oesterreich und die Schwierigkeiten, die in Ryswick entstanden waren, hauptsächlich seinen Machinationen zuzuschreiben seien. Dieser Verdacht war jetzt beseitigt. Kalte und ernste, aber achtungsvolle Artigkeiten wurden zwischen den beiden großen Fürsten gewechselt, deren Feindschaft Europa seit einem Vierteljahrhundert in beständiger Aufregung erhielt. Die Unterhandlungen zwischen Boufflers und Portland schritten so rasch vorwärts als die Nothwendigkeit häufiger Referate nach Versailles es gestattete. Ihre fünf ersten Conferenzen wurden unter freiem Himmel gehalten; bei der sechsten aber zogen sie sich in ein kleines Haus zurück, in welches Portland Tische und Schreibmaterialien hatte bringen lassen, und hier wurde das Ergebniß ihrer Arbeiten zu Papier gebracht.

Die zu erledigenden Hauptpunkte waren vier an der Zahl. Wilhelm hatte zuerst zwei Zugeständnisse von Ludwig verlangt, und Ludwig hatte zwei Zugeständnisse von Wilhelm verlangt.

Wilhelm’s erste Forderung war, daß Frankreich sich verpflichten sollte, keinem Versuche, den Jakob oder seine Anhänger machen könnten, um die bestehende Ordnung der Dinge in England zu stören, direct oder indirect Beistand oder Vorschub zu leisten.

Wilhelm’s zweite Forderung war, daß Jakob nicht mehr gestattet sein sollte, an einem England so gefährlich nahen Orte wie Saint-Germains zu wohnen.

Auf die erste dieser Forderungen entgegnete Ludwig, daß er vollkommen bereit sei, sich auf das Feierlichste zu verpflichten, keinem Versuche zur Störung der bestehenden Ordnung der Dinge in England in irgend einer Weise Unterstützung oder Vorschub zu leisten, daß es aber mit seiner Ehre unverträglich sei, daß der Name seines Vetters und Gastes in dem Vertrage genannt werde.

Auf die zweite Forderung entgegnete Ludwig, daß er einem unglücklichen Könige, der in seinem Lande eine Zufluchtsstätte gesucht habe, seine Gastfreundschaft nicht versagen und daß er nicht einmal versprechen könne, den Wunsch zu äußern, Jakob möchte Saint-Germains verlassen. Aber Boufflers gab, als ob er seine eigne Idee ausspräche, obgleich er ohne Zweifel nichts sagte, was nicht mit den Wünschen seines Gebieters übereinstimmte, zu verstehen, daß die Sache sich wahrscheinlich arrangiren lassen werde, und nannte Avignon als einen Ort, wo die verbannte Familie residiren könnte, ohne der englischen Regierung Grund zu Besorgnissen zu geben.

Ludwig verlangte dagegen seinerseits erstens, daß den Jakobiten eine allgemeine Amnestie gewährt werden, und zweitens, daß Marie von Modena ihr Leibgedinge von funfzigtausend Pfund jährlich erhalten sollte.

Die Bewilligung der ersten von diesen beiden Forderungen verweigerte Wilhelm entschieden. Er werde stets bereit sein, die Vergehen von Männern zu verzeihen, welche den Willen zeigten, in Zukunft ruhig unter seiner Regierung zu leben; allein er könne sich nicht dazu verstehen, die Ausübung seines Begnadigungsrechtes zum Gegenstande eines Uebereinkommens mit einer auswärtigen Macht zu machen. Das von Marien von Modena beanspruchte Jahrgeld werde er gern bezahlen, wenn er die Gewißheit habe, daß es nicht zu Machinationen gegen seinen Thron und seine Person, zur Unterhaltung eines neuen Etablissements an der Küste von Kent wie das Hunt’s oder zum Ankauf von Pferden und Waffen zu einem neuen Attentate wie das von Turnham Green verwendet werden würde. Boufflers habe von Avignon gesprochen. Wenn Jakob und seine Gemahlin dort ihren Aufenthalt nähmen, so sollten wegen des Jahrgeldes keine weiteren Schwierigkeiten gemacht werden.

Die Friedensbedingungen zwischen Frankreich und England werden festgesetzt.

Endlich waren alle streitigen Punkte geordnet. Nach langen Discussionen wurde ein Artikel aufgesetzt, in welchem Ludwig sein Ehrenwort gab, daß er keinen Versuch zum Umsturz oder zur Beunruhigung der bestehenden Regierung England’s irgendwie begünstigen werde. Dagegen versprach auch Wilhelm, kein Unternehmen gegen die Regierung Frankreich’s zu begünstigen. Dieses Versprechen hatte Ludwig nicht verlangt und er schien daher anfangs geneigt, es als eine Beleidigung zu betrachten. Sein Thron, sagte er, stehe vollkommen fest und Niemand bestreite sein Recht auf denselben. Es gebe in seinem Lande keine Eidverweigerer, keine Verschwörer, und er halte es für unvereinbar mit seiner Würde, einen Vertragspunkt zu genehmigen, in welchem zu liegen scheine, daß er Complots und Aufstände befürchte, wie sie eine aus einer Revolution hervorgegangene Dynastie naturgemäß fürchten müsse. Er gab jedoch in diesem Punkte nach, und man kam überein, daß die Verpflichtung streng gegenseitig sein sollte. Wilhelm verlangte nicht mehr, daß Jakob’s Name genannt werde und Ludwig verlangte nicht mehr, daß den Anhängern Jakob’s eine Amnestie bewilligt werde. Es wurde festgesetzt, daß in dem Vertrage weder über den Aufenthaltsort des verbannten Königs von England, noch über das Leibgedinge seiner Gemahlin etwas erwähnt werden sollte. Aber Wilhelm autorisirte seine Bevollmächtigten beim Congresse, zu erklären, das Marie von Modena das haben solle, worauf eine vorzunehmende Untersuchung ihren rechtmäßigen Anspruch darthun werde. Auf was sie rechtmäßigen Anspruch hatte, war eine Frage, deren Beantwortung ganz Westminsterhall in Verlegenheit gesetzt haben würde. Doch es war ausgemacht, daß sie ohne Sträuben so viel erhalten würde, als sie nur irgend verlangen konnte, sobald sie sich mit ihrem Gemahl in die Provence oder nach Italien zurückgezogen haben würde.[117]

Schwierigkeiten, durch Spanien und den Kaiser veranlaßt.

Vor Ende Juli war Alles geordnet, soweit Frankreich und England betheiligt waren. Inzwischen erfuhren die in Ryswick versammelten Gesandten, daß Boufflers und Portland wiederholte Zusammenkünfte in Brabant gehalten und daß sie in höchst regelwidriger und unpassender Weise, ohne Beglaubigungsschreiben, ohne Vermittelung, ohne Noten, ohne Protokolle, ohne gegenseitig ihre Schritte zu zählen und ohne einander Excellenz zu nennen, mit einander unterhandelten. Sie waren so barbarisch unerfahren in den ersten Anfangsgründen der edlen Wissenschaft der Diplomatie, daß sie das Werk, der Christenheit den Frieden wiederzugeben, beinahe zu Stande gebracht hatten, während sie unter einigen Aepfelbäumen umhergingen. Die Engländer und Holländer zollten Wilhelm’s Klugheit und Entschiedenheit lauten Beifall. Er hatte den Knoten zerhauen, den der Congreß nur verwirrt und zusammengezogen hatte. Er hatte in einem Monate gethan, was die im Haag versammelten Formalisten und Pedanten nicht in zehn Jahren zu Stande gebracht haben würden. Auch die französischen Bevollmächtigten waren nicht unzufrieden. „Es ist interessant,” sagt Harlay, ein geistreicher und verständiger Mann, „daß, während die Gesandten sich bekriegen, die Generäle Frieden schließen.”[118]

Aber Spanien behielt die nämliche Miene arroganter Sorglosigkeit bei, und die Gesandten des Kaisers, welche offenbar vergaßen, daß ihr Gebieter wenige Monate früher, ohne Wilhelm zu fragen, einen Neutralitätsvertrag für Italien abgeschlossen hatte, schienen es höchst auffallend zu finden, daß Wilhelm sich erdreistete zu unterhandeln, ohne ihren Gebieter zu fragen. Es zeigte sich mit jedem Tage deutlicher, daß der Wiener Hof es darauf anfing, den Krieg in die Länge zu ziehen. Am 10. Juli proponirten die französischen Gesandten nochmals billige und ehrenvolle Friedensbedingungen, setzten aber hinzu, daß wenn diese Bedingungen bis zum 21. August nicht angenommen wären, der Allerchristlichste König sich nicht an sein Anerbieten gebunden erachten würde.[119] Wilhelm ermahnte umsonst seine Verbündeten vernünftig zu sein. Alle Argumente prallten an dem unsinnigen Stolze der einen Linie des Hauses Oesterreich, und an der selbstsüchtigen Politik der andren ab. Der 21. August kam und verging, und der Tractat war nicht unterzeichnet; es stand Frankreich somit frei, seine Forderungen zu steigern, und es that dies. Denn gerade um diese Zeit traf die Nachricht von zwei harten Schlägen ein, welche Spanien betroffen hatten, der eine in der alten, der andre in der neuen Welt. Ein französisches Armeecorps unter Vendome’s Befehlen hatte Barcelona genommen. Ein französisches Geschwader war heimlich aus Brest ausgelaufen, hatte die verbündeten Flotten umgangen, war über das Atlantische Meer gefahren, hatte Carthagena geplündert und war mit Schätzen beladen nach Frankreich zurückgekehrt.[120] Die spanische Regierung sprang mit einem Male von übermüthiger Apathie zu niedriger Angst über und war bereit jede Bedingung anzunehmen, die der Sieger vorschreiben würde. Die französischen Bevollmächtigten kündigten dem Congresse an, daß ihr Gebieter entschlossen sei, Straßburg zu behalten, und daß, wenn die von ihm angebotenen Bedingungen in so modificirter Gestalt bis zum 10. September nicht angenommen wären, er sich für berechtigt halten würde, auf weiteren Modificationen zu bestehen. Noch nie war Wilhelm’s Geduld auf eine härtere Probe gestellt worden. Er wurde sowohl durch den Starrsinn seiner Verbündeten, wie durch die gebieterische Sprache des Feindes gereizt. Nicht ohne schweren Kampf und heftige Seelenqual entschloß er sich, in das zu willigen, was Frankreich jetzt vorschlug. Aber er fühlte, daß es ganz unmöglich sein würde, selbst wenn es wünschenswerth gewesen wäre, das Haus der Gemeinen und die Generalstaaten zu bewegen, den Krieg zu dem Zwecke fortzusetzen, um Frankreich eine einzelne Festung zu entreißen, eine Festung, an deren Schicksal weder England noch Holland ein unmittelbares Interesse hatten, eine Festung, die dem Reiche nur durch die unverständige Hartnäckigkeit des kaiserlichen Hofes verloren gegangen war. Er beschloß, die modificirten Bedingungen anzunehmen und ließ seinen Gesandten in Ryswick die Weisung zukommen, daß sie an dem festgesetzten Tage unterzeichnen sollten. Die Gesandten Spanien’s und Holland’s erhielten ähnliche Instructionen. Es unterlag keinem Zweifel, daß auch der Kaiser trotz seines Murrens und Protestirens dem Beispiele seiner Bundesgenossen bald folgen würde. Um ihm Zeit zur Ueberlegung zu lassen wurde festgesetzt, daß er in den Tractat aufgenommen werden solle, wenn er seinen Beitritt bis zum 1. November anzeigte.

Versuche Jakob’s, einen allgemeinen Friedensschluß zu verhindern.

Inzwischen erregte Jakob durch seine Klagen und Drohungen die Heiterkeit und das Mitleid von ganz Europa. Er hatte vergebens sein Recht geltend gemacht, als der alleinige wirkliche König von England einen Gesandten zu dem Congresse zu schicken.[121] Er hatte umsonst an sämmtliche römisch-katholische Fürsten der Conföderation eine Denkschrift gerichtet, in der er sie beschwor, sich mit Frankreich zu einem Kreuzzuge gegen England zu verbinden, um ihn wieder in sein Erbe einzusetzen und die gottlose Rechtsbill zu annulliren, welche Mitglieder der wahren Kirche vom Throne ausschloß.[122] Als er sah, daß diese Aufforderung unbeachtet blieb, erließ er einen feierlichen Protest gegen die Gültigkeit jedes Vertrags, an welchem die bestehende englische Regierung sich betheiligen würde. Er erklärte alle Verpflichtungen, die sein Königreich seit der Revolution eingegangen war, für null und nichtig und kündigte an, daß, wenn er wieder zur Gewalt gelangen sollte, er sich an keine dieser Verpflichtungen gebunden erachten würde. Er gab zu, daß er durch die Nichtachtung dieser Verpflichtungen große Calamitäten sowohl über seine eigenen Lande als über die ganze Christenheit bringen könne; aber er erklärte, daß er sich wegen dieser Calamitäten weder vor Gott noch vor den Menschen für verantwortlich halten werde. Es scheint fast unglaublich, daß selbst ein Stuart, ja der schlimmste und beschränkteste aller Stuarts wähnen konnte, das es die erste Pflicht nicht nur seiner Unterthanen, sondern der ganzen Menschheit sei, seine Rechte zu vertheidigen; das Franzosen, Deutsche, Italiener und Spanier ein Verbrechen begingen, wenn sie nicht Jahr auf Jahr für ihn ihr Blut vergössen und ihr Geld opferten; daß die Interessen der sechzig Millionen Menschen, für welche der Friede ein Segen gewesen wäre, im Vergleich mit den Interessen eines Einzelnen von gar keinem Gewicht seien.[123]

Der Tractat von Ryswick unterzeichnet.

Trotz aller seiner Proteste rückte der Tag des Friedensschlusses heran. Am 10. September versammelten sich die Gesandten Frankreich’s, England’s, Spanien’s und der Vereinigten Provinzen in Ryswick. Es waren drei Verträge zu unterzeichnen, und man stritt sich lange über die wichtige Frage, welcher zuerst unterzeichnet werden sollte. Es war ein Uhr Morgens, als man sich endlich dahin einigte, daß der Tractat zwischen Frankreich und den Generalstaaten den Vorzug haben sollte, und erst bei Tagesanbruch waren sämmtliche Instrumente vollzogen. Dann beglückwünschten die Bevollmächtigten einander unter vielen Verbeugungen, daß sie die Ehre gehabt hatten, zu einem so großen Werke etwas beizutragen.[124]

Eine Schaluppe erwartete Prior. Er eilte an Bord und nachdem er einen Aequinoctialsturm überstanden, landete er am dritten Tage an der Küste von Suffolk.[125]

Spannung in England.

Selten hatte in England eine größere Aufregung geherrscht als während des letzten Monats vor seiner Ankunft. Wenn der Westwind die holländischen Packetboote zurückhielt, stieg die Spannung des Volks aufs Höchste. Jeden Morgen standen Hunderttausende mit der Hoffnung auf zu hören, daß der Tractat unterzeichnet sei, und jede Post, welche ankam, ohne die gute Nachricht mitzubringen, verursachte bittere Enttäuschung. Die Mißvergnügten versicherten sogar laut, daß der Friede gar nicht zu Stande kommen und die Unterhandlungen noch in dieser späten Stunde abgebrochen werden würden. Einer von ihnen hatte Jemanden gesprochen, der eben von Saint-Germains angekommen war; ein Andrer hatte ein eigenhändiges Schreiben Ihrer Majestät gelesen, und Alle waren überzeugt, daß Ludwig den Usurpator niemals anerkennen werde. Viele von Denen, welche diese Sprache führten, waren so verblendet, daß sie auf die Richtigkeit ihrer Meinung hohe Wetten machten. Als die Nachricht von dem Falle Barcelona’s eintraf, waren alle hochverrätherischen Tavernen mit eidverweigernden Priestern angefüllt, welche lachten, laut sprachen und einander die Hände schüttelten.[126]

Ankunft der Friedensnachricht in England.

Endlich, am Nachmittag des 13. Septembers, erhielten einige Spekulanten in der City auf Privatwegen die gewisse Nachricht, daß der Tractat am Morgen des 11. vor Tagesanbruch unterzeichnet worden sei. Sie hielten die Sache geheim und beeilten sich, sie zu ihrem Vortheile zu benutzen; aber ihre eifrigen Bemühungen Bankactien zu kaufen, und die hohen Preise, die sie dafür boten, erweckten Verdacht, und man glaubte allgemein, daß am folgenden Tage etwas Wichtiges angezeigt werden würde. Am folgenden Tage erschien denn auch Prior mit dem Tractate vor den Lords Justices in Whitehall. Es wurde sogleich eine Fahne auf der Abtei, eine andre auf der Martinskirche ausgesteckt und die Kanonen des Towers verkündeten die frohe Botschaft. Alle Kirchthürme und befestigten Schlösser von Greenwich bis Chelsea antworteten. Es war keiner von den Tagen, an welchen die Zeitungen gewöhnlich erschienen; aber zum ersten Male wurden Extrablätter mit großgedruckten Ueberschriften in den Straßen ausgerufen. Der Cours der Bankactien stieg rasch von 84 auf 97. In wenigen Stunden begannen sich auf einigen Plätzen Triumphbögen zu erheben, während auf anderen mächtige Freudenfeuer emporloderten. Der holländische Gesandte schrieb an die Generalstaaten, daß er versuchen werde, seine Freude durch ein der Republik, die er vertrete, würdiges Feuer an den Tag zu legen, und er hielt Wort, denn eine solche Flamme hatte London noch nie gesehen. Hundertvierzig Fässer Pech prasselten und leuchteten vor seinem Hause am St. James Square und bildeten ein Feuer, das Pall Mall und Piccadilly so hell machte wie am Tage.[127]

Schrecken der Jakobiten.

Der Schrecken unter den Jakobiten war groß. Einige von Denen, welche auf Ludwig’s Festigkeit hoch gewettet hatten, ergriffen die Flucht. Ein unglücklicher Zelot des göttlichen Rechts ertränkte sich. Doch bald faßte die Partei wieder Muth. Der Tractat war zwar unterzeichnet, aber ratificirt wurde er gewiß nie. In Kurzem kam die Ratification, der Friede wurde feierlich durch die Herolde proklamirt und auch die hartnäckigsten Eidverweigerer begannen zu verzweifeln. Einige Geistliche, welche Jakob acht Jahre lang treu geblieben waren, leisteten jetzt Wilhelm den Huldigungseid. Wahrscheinlich waren es Männer, welche, wie Sherlock, der Ansicht waren, daß eine feststehende, wenn auch in ihrem Ursprunge illegitime Regierung Anspruch auf den Gehorsam von Christen habe, die aber geglaubt hatten, daß die Regierung Wilhelm’s nicht wirklich feststehend genannt werden könne, so lange die größte europäische Macht sich nicht nur weigerte, sie anzuerkennen, sondern sogar ihren Rivalen kräftig unterstützte.[128] Die heftigeren und entschlosseneren Anhänger des verbannten Königshauses waren wüthend auf Ludwig. Er habe Die, welche ihn um Hülfe angefleht, hintergangen und verrathen. Man solle nicht von dem Elende seines Volks sprechen. Man solle nicht sagen, daß er jede Einnahmequelle erschöpft habe und daß in allen Provinzen seines Reichs das Landvolk in Lumpen gehüllt einhergehe und sich nicht einmal mehr mit dem gröbsten und schwärzesten Brode sättigen könne. Seine erste Pflicht sei die, welche er gegen die königliche Familie von England habe. Die Jakobiten sprachen und schrieben gegen ihn eben so absurd und fast eben so gemein, als sie lange gegen Wilhelm gesprochen und geschrieben hatten. Eines ihrer Libelle war so unanständig, daß die Lords Justices die Verhaftung des Verfassers anordneten.[129]

Allgemeine Freude.

Aber die Wuth und der Aerger beschränkten sich auf eine sehr kleine Anzahl. Seit dem Restaurationsjahre hatte man nie ähnliche Kundgebungen der allgemeinen Freude gesehen. In allen Gegenden des Reichs, wo der Friede proklamirt wurde, äußerte sich die Volksstimmung durch Bankets, feierliche Aufzüge, loyale Toaste, Salven, Trommelwirbel, Trompetenschall und Aufschlagen von Biertonnen. An einigen Orten begab sich die ganze Bevölkerung unaufgefordert in die Kirchen, um dem Himmel zu danken. An anderen fanden Aufzüge von weißgekleideten und mit Lorbeer bekränzten Mädchen statt, welche Fahnen mit der Inschrift: God bless King William trugen. In jeder Grafschaftshauptstadt begleitete eine lange Cavalcade der angesehensten Gentlemen aus einem Umkreise von vielen Meilen den Mayor zum Marktkreuze. Ein Festtag genügte noch nicht zur Aeußerung so vieler Freude. Am 4. November, dem Geburtstage des Königs, und am 5., dem Jahrestage seiner Landung in Torbay, erneuerten sich das Glockengeläute, der Jubel und die Illuminationen in London wie im ganzen Lande.[130] An dem Tage, an welchem er in seine Hauptstadt zurückkehrte, wurde in den zweitausend Straßen dieses ungeheuren Marktes keine Arbeit gethan und kein Laden geöffnet. Die Hauptstraßen waren für diesen Tag mit Sand bestreut worden; alle Innungen hatten sich neue Fahnen, alle Magistratspersonen neue Amtskleider angeschafft. Zwölftausend Pfund Sterling waren auf Veranstaltung von Feuerwerken verwendet worden. Große Massen Volks aus allen benachbarten Grafschaften waren herbeigeströmt, um das Schauspiel mit anzusehen. Die City war nie in einer loyaleren oder heiterern Stimmung gewesen. Die schlimmen Tage waren vorüber. Die Guinee war auf einundzwanzig Schilling sechs Pence gefallen, die Banknote war auf Pari gestiegen. Die großen, schweren und scharf geprägten neuen Kronen und halben Kronen klangen auf allen Ladentischen.

Notes in this chapter

Note 1 · Lords’ Journals, Nov. 14. 30. Dec. 1. 1696.Note 2 · Wharton an Shrewsbury, 1. Dec. 1696; L’Hermitage von dem nämlichen Datum.Note 3 · L’Hermitage, 4. (14.) Dec. 1696; Wharton an Shrewsbury, 1. Dec.Note 4 · Lords’ Journals, Dec. 8. 1696; L’Hermitage von dem nämlichen Datum.Note 5 · L’Hermitage, 15. (25), 18. (28.) Dec. 1696.Note 6 · L’Hermitage, 18. (28.) Dec. 1696.Note 7 · Lord’s Journals, Dec. 15. 1696; L’Hermitage, 18. (28.) Dec.; Vernon an Shrewsbury, 15. Dec. Hinsichtlich der Zahlen weichen Vernon und L’HerNote 8 · Lord’s Journals, Dec. 18. 1696; Vernon an Shrewsbury, 19. Dec.; L’Hermitage, 22. Dec. (1. Jan.). Die Zahlen entnehme ich Vernon.Note 9 · Lord’s Journals, Dec. 25. 1696; L’Hermitage, 26. Dec. (4. Jan.). In der Vernon Correspondence befindet sich ein Brief von Vernon an ShrewsbuNote 10 · Vernon an Shrewsbury, 24. Dec. 1696.Note 11 · Dohna, der Monmouth genau kannte, schildert ihn folgendermaßen: „Il avoit de l’esprit infiniment, et même du plus agréable; mais il y avoit Note 12 · L’Hermitage, 12. (22.) Jan. 1697.Note 13 · Lords’ Journals, Jan. 9. 1696/97; Vernon an Shrewsbury von dem nämlichen Datum; L’Hermitage, 12. (22.) Jan.Note 14 · Lords’ Journals, Jan. 15. 1696/97; Vernon an Shrewsbury von dem nämlichen Datum; L’Hermitage desgleichen.Note 15 · Postman vom 29. und 31. Dec. 1696.Note 16 · L’Hermitage, 12. (22.) Jan. 1697.Note 17 · Van Cleverskirke, 12. (22.) Jan. 1697; L’Hermitage, 15. (25.) Jan.Note 18 · L’Hermitage, 15. (25.) Jan. 1697.Note 19 · Lords’ Journals, Jan. 22, 26. 1696/97; Vernon an Shrewsbury, 26. Jan.Note 20 · Commons’ Journals, Jan. 27. 1696/97. Die Eintragung in die Protokolle, welche leicht der Beachtung entgehen könnte, wird durch einen Brief LNote 21 · L’Hermitage, 29. Jan. (8. Febr.) 1697; London Gazette vom 1. Febr.; Gazette de Paris; Vernon an Shrewsbury, 28. Jan.; Burnet II. 193.Note 22 · Commons’ Journals, Dec. 19; Vernon an Shrewsbury; 28. Nov. 1696.Note 23 · Lords’ Journals, Jan. 23. 1696/97; Vernon an Shrewsbury, 23. Jan.; L’Hermitage, 26. Jan. (5. Febr.).Note 24 · Commons’ Journals, Jan. 26, 1696, 97. Vernon an Shrewsbury und Van Cleverskirke an die Generalstaaten von dem nämlichen Datum. Es ist merkwüNote 25 · Commons’ Journals, April 1. 3. 1697; Narcissus Luttrell’s Diary; L’Hermitage, 2. (12.), 6. (16.) April. L’Hermitage sagt: „La plupart des meNote 26 · Narcissus Luttrell’s Diary, June 1691, May 1693.Note 27 · Commons’ Journals, Dec. 30. 1696; Postman vom 4. Juli 1696.Note 28 · Postman vom 22. April 1697; Narcissus Luttrell’s Diary.Note 29 · London Gazette vom 26. und 29. April 1697.Note 30 · London Gazette vom 29. April 1697; L’Hermitage, 23. April (3. Mai).Note 31 · London Gazette, vom 26. und 29. April 1697; L’Hermitage, 23. April (3. Mai).Note 32 · Die Ansicht des Publikums erfahren wir aus einem unmittelbar nach Godolphin’s Rücktritt geschriebenen Briefe L’Hermitage’s vom 3. (13.) Nov.Note 33 · London Gazette vom 22. und 26. April 1697.Note 34 · Postman vom 26. Jan., 7. und 11. März 1696/97, und 8. April 1697.Note 35 · Postman vom 29. Oct. 1696.Note 36 · Howell’s State Trials; Postman vom 9. (19.) Jan. 1696/97.Note 37 · Siehe das Protokoll vom 10. Febr. 1697 in den Actes et Mémoires des Négociations de la Paix de Ryswick, 1707.Note 38 · Wilhelm an Heinsius, 11. (21.) Dec. 1696. Aehnliche Aeußerungen finden sich auch in anderen Briefen, welche der König um diese Zeit schrieb.Note 39 · Siehe die in Wien aufgesetzten, vom 16. Sept. 1696 und 14. März 1697 datirten Schriftstücke. Ferner auch das am 18. (28.) März 1697 im Haag Note 40 · Characteristiken aller drei französischen Bevollmächtigten giebt Saint-Simon.Note 41 · Actes et Mémoires des Négociations de la Paix de Ryswick.Note 42 · Eine Abbildung und ein Grundriß des Schlosses befinden sich in den Actes et Mémoires.Note 43 · Wer sich genauer über die müßigen Streitereien und Possen unterrichten will, mit denen der Congreß die Zeit vergeudete, lese die Actes et MéNote 44 · Von „Hochmögend,” dem Titel der holländischen Generalstaaten. — D. Uebers.Note 45 · Saint-Simon war gewiß ein eben so guter Beurtheiler der Menschen als irgend einer der tadelsüchtigen Engländer, welche Portland einen DummkoNote 46 · Boufflers an Ludwig, 21. Juni (1. Juli) 1697; Ludwig an Boufflers, 22. Juni (2. Juli); Boufflers an Ludwig, 25. Juni (5. Juli).Note 47 · Boufflers an Ludwig, 28. Juni (8. Juli), 29. Juni (9. Juli) 1697.Note 48 · Meine Mittheilungen über diese Unterhandlung habe ich hauptsächlich den Depeschen im französischen Ministerium des Auswärtigen entlehnt. UebNote 49 · Prior MS.; Williamson an Lexington, 20. (30.) Juli 1697; Williamson an Shrewsbury, 23. Juli (2. Aug.).Note 50 · Die Note des französischen Gesandten, datirt 10. (20.) Juli 1697, findet man in den Actes et Mémoires.Note 51 · Monthly Mercury, August und September 1697.Note 52 · Life of James, II. 565.Note 53 · Actes et Mémoires des Négociations de la Paix de Ryswick; Life of James, II. 566.Note 54 · Jakob’s Protest findet man in seiner Lebensgeschichte II. 572.Note 55 · Actes et Mémoires des Négociations de la Paix de Ryswick; Williamson an Lexington, 14. (24.) Sept. 1697; Prior-Manuscript.Note 56 · Prior-Manuscript.Note 57 · L’Hermitage, 20. (30.) Juli, 27. Juli (6. Aug.), 24. Aug. (3. Sept.), 27. Aug. (6. Sept.), 31. Aug. (10. Sept.) 1697; Postman vom 31. Aug.Note 58 · Van Cleverskirke an die Generalstaaten, 14. (24.) Sept. 1697; L’Hermitage, 14. (24.) Sept.; Postscipt zum Postman von dem nämlichen Tage; PoNote 59 · L’Hermitage, 17. (27.) Sept., 24. Sept. (4. Oct.), 19. (29.) Oct. 1697; Postman vom 20. Nov.Note 60 · L’Hermitage, 21. Sept. (1. Oct.), 2. (12.) Nov. 1697; Gazette de Paris vom 20. (30.) Nov.; Postboy vom 2. Nov. Es erschien damals ein PasquiNote 61 · London Gazette; Postboy vom 18. Nov. 1697; L’Hermitage, 5. (15.) Nov.
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