Note 117 — Zweiundzwanzigstes Kapitel. Wilhelm III. (continued 2)
Reading edition
Meine Mittheilungen über diese Unterhandlung habe ich hauptsächlich den Depeschen im französischen Ministerium des Auswärtigen entlehnt. Uebersetzungen von diesen Depeschen hat Grimblot veröffentlicht. Siehe auch Burnet II. 200, 201.
Es ist oft behauptet worden, Wilhelm habe versprochen, Marien von Modena funfzigtausend Pfund jährlich zu bezahlen. Wer sich jedoch die Mühe nimmt, das Protokoll vom 10. (20.) Sept. 1697 in den Acten des Friedens von Ryswick zu lesen, wird sehen, daß meine Angabe richtig ist. Prior verstand das Protokoll offenbar ebenso wie ich es verstehe, denn er sagt in einem Briefe an Lexington vom 17. Sept. 1697: „No. 2 ist der Punkt, in dem der König bezüglich der Dotation der Königin Marie einwilligt. Es wird ihr dadurch ehrlich soviel gegeben als das Gesetz ihr zugesteht. Der Vermittler soll diese Schrift den Franzosen dictiren und sie in sein Protokoll aufnehmen, und so denke ich, werden wir über diesen Artikel à bon marché hinwegkommen.”
Es hieß damals (siehe Boyer’s History of King William III. 1703) Portland und Boufflers seien über einen geheimen Artikel übereingekommen, durch welchen stipulirt gewesen sei, daß nach Wilhelm’s Tode der Prinz von Wales auf den englischen Thron kommen solle. Diese Fabel ist oft wiederholt worden, aber sie hat bei verständigen Männern nie Glauben gefunden und seit der Veröffentlichung der Correspondenz zwischen Ludwig und Boufflers wird auch der Beschränkteste sie schwerlich noch glauben. Dalrymple und andere Schriftsteller glaubten im Life of James (II. 574, 575) Beweise dafür gefunden zu haben, daß die Geschichte von dem geheimen Artikel wahr sei. Die Stelle, aus der sie dies schlossen, war jedoch sicherlich weder von Jakob selbst, noch unter seiner Leitung geschrieben; und die Autorität derjenigen Stelle seiner Lebensgeschichte, welche nicht von ihm oder unter seiner Leitung geschrieben wurden, ist nur gering. Bei genauer Untersuchung jener Stelle werden wir überdies finden, daß sie die Geschichte von dem geheimen Artikel nicht nur nicht bestätigt, sondern sie sogar geradezu widerlegt. Der Compilator der Lebensgeschichte sagt uns, daß, nachdem Jakob erklärt hatte, er werde sich nie dazu verstehen, durch Aufgaben seiner eigenen Rechte den englischen Thron für seine Nachkommen zu erkaufen, nicht weiter von dem Gegenstande gesprochen wurde. Nun ist es aber ganz gewiß, daß Jakob in seiner im März 1697 erschienenen Denkschrift, einer Denkschrift, die sich sowohl in der Lebensgeschichte (II. 566.) als auch in den Acten des Friedens von Ryswick findet, vor ganz Europa erklärte, daß er sich nie in einer so niedrigen und unwürdigen Handlung herablassen werde, dem Prinzen von Oranien unter der Bedingung, daß der Prinz von Wales ihm auf den Thron folgen solle, die Regierung zu gestatten. Daraus folgt, daß nach dem März 1697 von diesem Gegenstande nicht mehr die Rede gewesen sein kann. Es kann daher auch in den Konferenzen zwischen Boufflers und Portland, welche erst spät im Juni begannen, nicht davon gesprochen worden sein.
Hatte denn aber die Geschichte gar keine Grundlage? Ich glaube es gab eine solche, und ich habe bereits die Facta erzählt, auf denen dieses Gebäude von Erdichtung basirte. Es steht fest, daß Ludwig im Jahre 1693 durch die schwedische Regierung den Verbündeten die Hoffnung ausdrücken ließ, es möge ein Auskunftsmittel zur Versöhnung der Fürsten gefunden werden, die auf die englische Krone Anspruch machten. Er meinte mit diesem Auskunftsmittel ohne Zweifel, daß der Prinz von Wales Wilhelm und Marien auf dem Thron folgen sollte. Es ist möglich, daß, wie der Compilator der Lebensgeschichte Jakob’s sagt, Wilhelm „keine große Abgeneigtheit” gegen dieses Arrangement zeigte. Er hatte weder einen öffentlichen, noch einen privaten Grund, seine Schwägerin seinem Schwager vorzuziehen, wenn sein Schwager protestantisch erzogen wurde. Aber Wilhelm vermochte nichts ohne die Mitwirkung des Parlaments, und es ist im höchsten Grade unwahrscheinlich, daß er sowohl als das Parlament je eingewilligt haben würde, die englische Thronfolge zum Gegenstande eines Uebereinkommens mit Frankreich zu machen. Was er jedoch gethan oder nicht gethan haben würde, können wir nicht mit Gewißheit sagen. Denn Jakob erwies sich als unbeugsam. Ludwig gab daher jeden Gedanken an das Zustandebringen eines Vergleichs auf und versprach, wie wir gesehen haben, Wilhelm „ohne Schwierigkeit, Beschränkung, Bedingung oder Vorbehalt” als Königs von England anzuerkennen. Es scheint gewiß, daß nach diesem im December 1696 gegebenen Versprechen der Prinz von Wales in den Unterhandlungen nicht wieder erwähnt wurde.