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Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Dritter Band

Geschichte von England (continued 4)

Wilhelm Beseler translation

Unter gewöhnlichen Umständen würden die Höfe von Spanien und Rom einem Fürsten, der so nachdrücklich gegen die Ketzerei zu Felde zog, den lebhaftesten Beifall gezollt haben. Aber die Ungerechtigkeit und der Hochmuth Ludwig’s hatten einen solchen Haß erregt, daß, als er zum Verfolger wurde, die Höfe von Spanien und Rom für die religiöse Freiheit Partei nahmen und laut die Grausamkeit mißbilligten, eine wilde und freche Soldateska gegen ein harmloses Volk zu hetzen13. Das ganze protestantische Europa brach in einen Schrei des Schmerzes und der Wuth aus. Nach England kam die Nachricht von der Zurücknahme des Edicts von Nantes ungefähr eine Woche vor dem Tage, bis zu welchem das Parlament vertagt war. Es wurde nun klar, daß der Geist Gardiner’s und Alba’s noch immer der Geist der römisch-katholischen Kirche war. Ludwig stand Jakob an Hochherzigkeit und Humanität nicht nach und war ihm in allen Fähigkeiten und Kenntnissen eines Staatsmannes jedenfalls weit überlegen. Wie Jakob, hatte auch Ludwig zu wiederholten Malen versprochen, die Rechte seiner protestantischen Unterthanen zu achten. Dennoch trat Ludwig jetzt ganz offen als Verfolger des reformirten Glaubens auf. Konnte man wohl zweifeln, daß Jakob nur auf eine günstige Gelegenheit wartete, um dieses Beispiel nachzuahmen? Schon bildete er, dem Gesetz zum Hohn, eine Militairmacht, die zum großen Theile von römisch-katholischen Offizieren befehligt ward. Lag wohl etwas Unvernünftiges in der Befürchtung, daß diese Armee zu gleichen Zwecken verwendet werden sollte, wie die fränzösischen Dragoner?

Eindruck dieser Verfolgung in England. Jakob war über das Verfahren des Hofes von Versailles fast eben so erstaunt als seine Unterthanen. Es schien in der That als hätte dieser Hof es darauf abgesehen gehabt, ihn in Verlegenheit zu setzen und ihm zu schaden. Er war eben im Begriff, von einer protestantischen gesetzgebenden Versammlung volle Duldung für die Katholiken zu verlangen, und es konnte ihm daher nichts unwillkommener sein, als die Nachricht, daß die Regierung eines Nachbarstaates so eben den Protestanten die Duldung entzogen habe. Sein Verdruß wurde noch vermehrt durch eine Rede, die der Bischof von Valence zur selben Zeit im Namen der gallikanischen Geistlichkeit an Ludwig XIV. richtete. Der gottesfürchtige Souverain von England, sagte der Redner, blicke auf den allerchristlichsten König und hoffe auf seine Unterstützung gegen eine ketzerische Nation. Es wurde bemerkt, daß namentlich die Mitglieder des Hauses der Gemeinen sich bemühten, Exemplare dieser Rede zu erlangen und daß sie von alten Engländern mit Unwillen und Besorgniß gelesen wurde14. Jakob wünschte sehr, den Eindruck, den diese Dinge gemacht hatten, zu verwischen und ebenso wäre es ihm durchaus nicht unlieb gewesen, wenn er bei dieser Gelegenheit Europa hätte zeigen können, daß er nicht der Sklave Frankreichs sei. Er erklärte daher öffentlich, daß er das Verfahren gegen die Hugenotten mißbillige, gewährte den Verbannten eine Unterstützung aus seiner Privatchatoulle und forderte durch ministerielle Ausschreiben seine Unterthanen auf, seine Freigebigkeit nachzuahmen. In wenigen Monaten zeigte es sich schon, daß all’ dieses Mitleid nur erheuchelt war, um dem Parlamente zu schmeicheln, daß er die Flüchtlinge mit tödtlichem Hasse betrachtete und daß er nichts mehr bedauerte, als daß er nicht das Nämliche thun konnte, was Ludwig gethan hatte.

Zusammentritt des Parlaments, Rede des Königs. Am 9. November traten die Häuser zusammen. Die Gemeinen wurden vor die Schranken der Lords beschieden und der König hielt eine Thronrede, die er selbst verfaßt hatte. Er wünschte seinen getreuen Unterthanen zu der Unterdrückung des Aufstandes im Westen Glück, setzte aber hinzu, daß die Schnelligkeit, mit der dieser Aufstand zu einer furchtbaren Ausdehnung angewachsen sei, wie die lange Dauer desselben Jedermann überzeugen müsse, wie wenig man sich auf die Miliz verlassen könne. Er habe daher die reguläre Armee vergrößert, die Unterhaltungskosten derselben würden hinfüro mehr als das Doppelte der bisherigen betragen und er hoffe, daß die Gemeinen ihm die Mittel zur Bestreitung dieses Mehraufwandes bewilligen würden. Hierauf kündigte er der Versammlung an, daß er einige Offiziere angestellt habe, welche zwar den Testeid nicht geleistet hätten, die er aber als des öffentlichen Vertrauens würdige Männer kenne. Er fürchte, daß ränkesüchtige Menschen diese Unregelmäßigkeit benutzen möchten, um das gute Einvernehmen zwischen ihm und seinem Parlamente zu stören; aber er wolle ihnen offen sagen, daß er entschlossen sei, sich nicht von Männern zu trennen, auf deren Treue er sich verlassen könne und deren Hülfe er vielleicht bald bedürfen werde15.

Es bildet sich eine Opposition im Hause der Gemeinen. Diese deutliche Erklärung, daß er die Gesetze verletzt habe, welche die Nation als die Hauptbollwerke der Staatsreligion betrachtete, und daß er entschlossen sei, in der Verletzung dieser Gesetze zu beharren, war nicht geeignet, die aufgeregte Stimmung seiner Unterthanen zu beschwichtigen. Die Lords, welche selten geneigt sind, in der Opposition gegen eine Regierung voranzugehen, beschlossen, ihm ihren förmlichen Dank für die gesprochenen Worte auszudrücken; die Gemeinen aber zeigten eine minder willfährige Stimmung. Als sie in ihren Saal zurückgekehrt waren, trat eine lange andauernde Stille ein und tiefe Betrübniß sprach aus den Zügen vieler der ehrenwerthesten Mitglieder. Endlich erhob sich Middleton und trug darauf an, daß sich das Haus augenblicklich zu einem Comité zur Berathung über die Thronrede constituiren solle; aber Sir Edmund Jennings, ein eifriger Tory von Yorkshire, von dem man vermuthete, daß er die Gesinnungen Danby’s aussprach, protestirte gegen diesen Schritt und verlangte Zeit zur Überlegung. Sir Thomas Clarges, der Oheim des Herzogs von Albemarle von mütterlicher Seite und seit langer Zeit im Parlament als geschäftskundiger Mann und wachsamer Aufseher über die Verwendung der öffentlichen Gelder bekannt, trat auf die nämliche Seite. Die Stimmung des Hauses war nicht zu verkennen. Sir Johann Ernley, Kanzler der Schatzkammer, bestand darauf, daß der Aufschub zweimal vierundzwanzig Stunden nicht übersteigen dürfe, aber er wurde überstimmt und man beschloß, die Berathung drei Tage zu verschieben16.

Die Zwischenzeit wurde von den leitenden Gegnern des Hofes wohl angewendet. Sie hatten in der That kein leichtes Stück Arbeit zu bewältigen: in drei Tagen sollte eine Vaterlandspartei organisirt werden. Die Schwierigkeit dieser Aufgabe kann in unsrer Zeit nicht gehörig gewürdigt werden, denn man darf sagen, daß in unsrer Zeit die ganze Nation bei jeder Berathung der Lords wie der Gemeinen zugegen ist. Was die Häupter der Ministerialpartei und der Opposition nach Mitternacht sagen, wird von der ganzen Hauptstadt bei Tagesanbruch, von den Bewohnern von Northumberland und Cumberland am Nachmittag und in Irland und den schottischen Hochlanden am andren Morgen gelesen. Daher sind in unseren Tagen die Stadien der Gesetzgebung, die Regeln der Debatte, die Taktik der Factionen, die Ansichten, der Character und die Ausdrucksweise jedes thätigen Mitgliedes der beiden Häuser Hundert­tausenden bekannt. Jeder, der jetzt ins Parlament kommt, besitzt, was man im siebzehnten Jahrhundert einen reichen Schatz parlamentarischer Kenntnisse genannt haben würde. Diese Kenntnisse konnte man sich damals nur durch praktische parlamentarische Thätigkeit erwerben. Der Unterschied zwischen einem alten und einem neuen Mitgliede war daher eben so groß als zwischen einem Veteranen und einem eben vom Pfluge kommenden Rekruten, und Jakob’s Parlament enthielt eine ganz ungewöhnliche Menge neuer Mitglieder, welche keine politische Kenntnisse, wohl aber eine Menge leidenschaftlicher Vorurtheile von ihren Landsitzen mit nach Westminster gebracht hatten. Diese Herren haßten die Papisten, aber nicht minder haßten sie die Whigs und betrachteten den König mit einer abergläubischen Ehrfurcht. Aus solchen Elementen eine Opposition zu bilden, war eine Aufgabe, welche die größte Geschicklichkeit und zarteste Schonung erforderte. Einige Männer von großem Gewicht nahmen jedoch das schwierige Werk in Angriff und führten es mit gutem Erfolge durch. Mehrere erfahrene whiggistische Staatsmänner, welche keinen Sitz in diesem Parlamente hatten, gaben nützliche Winke und Rathschläge; an dem Tage vor der Eröffnung der Debatte wurden viele Versammlungen gehalten, in denen die Leiter die Neulinge instruirten, und es zeigte sich bald, daß diese Bemühungen nicht vergebens gewesen waren17.

Ansichten auswärtiger Regierungen. Die fremden Gesandtschaften waren alle in heftiger Aufregung. Sie erkannten sehr wohl, daß wenige Tage die große Frage entscheiden würden, ob der König von England der Vasall des Königs von Frankreich war oder nicht. Die Gesandten des Hauses Österreich wünschten sehnlich, daß Jakob sein Parlament zufrieden stellen möchte. Innocenz hatte zwei Männer nach London geschickt, welche beauftragt waren, durch Zureden und gutes Beispiel auf Mäßigung zu dringen. Einer von diesen war Johann Leyburn, ein englischer Dominikaner, der Sekretär beim Cardinal Howard gewesen war und der bei einiger Gelehrsamkeit und einem reichen Schatze natürlichen Verstandes der besonnenste, geschickteste und verschwiegenste Mann war, den es geben konnte. Er war unlängst zum Bischof von Adrumetum geweiht und zum apostolischen Vikar in Großbritannien ernannt worden. Ferdinand, Graf von Adda, ein Italiener von nicht gerade ausgezeichneten Geistesgaben, aber von sanftem Character und einnehmendem Wesen, war zum Nuntius ernannt worden. Jakob nahm diese Würdenträger sehr freundlich auf. Seit mehr als einem halben Jahrhundert hatte kein römisch-katholischer Bischof geistliche Functionen auf der Insel verwaltet, und während der hundert­siebenund­zwanzig Jahre seit dem Tode Maria’s war kein päpstlicher Nuntius bei uns empfangen worden. Leyburn erhielt eine Wohnung in Whitehall und einen Jahrgehalt von tausend Pfund. Adda nahm noch keinen öffentlichen Character an, galt für einen vornehmen Fremden, der zu seinem Vergnügen nach London gekommen war, erschien täglich bei Hofe und wurde mit großer Auszeichnung behandelt. Beide päpstliche Gesandte thaten ihr Möglichstes, um das Gehässige, das von ihrer amtlichen Stellung unzertrennlich war, zu mildern und den unbesonnen Eifer Jakob’s zu dämpfen. Der Nuntius insbesondere erklärte, daß nichts der römischen Kirche nachtheiliger sein könne, als ein Bruch zwischen dem Könige und dem Parlamente18.

Barillon war auf der entgegengesetzten Seite thätig. Die Instructionen, welche er bei dieser Gelegenheit von Versailles erhielt, verdienen aufmerksam studirt zu werden, denn sie geben den Schlüssel zu der Politik, die sein Gebieter während der letzten zwanzig Jahre vor unsrer Revolution systematisch gegen England verfolgte. Die Nachrichten von Madrid, schrieb Ludwig, lauteten sehr beunruhigend; man hege dort die sichere Hoffnung, daß Jakob sich mit dem Hause Österreich eng verbinden werde, sobald er die Gewißheit habe, daß sein Parlament ihm nicht zu schaffen machen werde. Unter diesen Umständen lag es augenscheinlich im Interesse Frankreichs, daß das Parlament sich widerspenstig zeigte, und Barillon erhielt daher Befehl, mit aller möglichen Vorsicht gegen etwaige Entdeckung die Rolle eines Friedensstörers zu spielen. Bei Hofe sollte er keine Gelegenheit vorübergehen lassen, um den religiösen Eifer und den Herrscherstolz Jakob’s aufzustacheln, zu gleicher Zeit aber dürfte es auch wünschenswerth sein, daß er geheime Verbindungen mit den Mißvergnügten unterhalte. Allerdings seien diese Verbindungen gefährlich und erforderten die äußerste Gewandtheit; aber es werde dem Gesandten auf diese Weise vielleicht gelingen, ohne sich und seine Regierung zu compromittiren, den Eifer der Opposition für die Gesetze und Freiheiten Englands zu beleben und dabei zu verstehen zu geben, daß diese Gesetze und Freiheiten von seinem Gebieter nicht mißfällig betrachtet würden19.

Comité der Gemeinen wegen der Thronrede. Als Ludwig diese Instructionen ertheilte, ahnete er gewiß nicht, wie bald und vollständig seine Befürchtungen durch Jakob’s Hartnäckigkeit und Dummheit gehoben werden würden. Am 12. November trat das Haus der Gemeinen zu einem Comité zur Berathung der Thronrede zusammen. Der Staatsanwalt Heneage Finch nahm den Präsidentenstuhl ein. Die Debatte wurde von den Oberhäuptern der neuen Vaterlandspartei mit seltenem Takt und Geschick geleitet. Niemandem entschlüpfte ein Ausdruck, der Mangel an Achtung vor dem Souverain oder Sympathie für die Rebellen verrathen hätte. Der Aufstand im Westen wurde stets mit Abscheu erwähnt und von Kirke’s oder Jeffreys’ Grausamkeiten kein Wort gesagt. Es wurde zugegeben, daß die durch die letzen Unruhen verursachten bedeutenden Ausgaben den König berechtigten, eine fernerweite Creditbewilligung zu verlangen, gegen die Vermehrung der Armee und die Verletzung der Testacte aber wurden sehr ernste Einwürfe erhoben.

Den Gegenstand der Testacte übergingen die Höflinge mit geflissentlichem Stillschweigen, dagegen aber hoben sie mit ziemlichem Nachdrucke die großen Vorzüge eines stehenden Heeres vor einer Miliz hervor. Einer von ihnen fragte höhnisch, ob die Vertheidigung des Königs etwa den Rindfleischessern überlassen bleiben solle. Ein Andrer äußerte, daß er wohl wissen möchte, wie sich die Milizen von Devonshire, welche vor Monmouth’s Sensenmännern in wilder Verwirrung geflohen seien, den Haustruppen Ludwig’s gegenüber Stand gehalten haben würden. Diese Argumente aber machten auf Kavaliere, die sich noch immer mit bittrem Grolle des strengen Regiments des Protectors erinnerten, wenig Eindruck. Der vornehmste toryistische Landedelmann Englands, Eduard Seymour, gab dem allgemeinen Gefühle energischen Ausdruck. Er gestand zu, daß sich die Miliz nicht in einem befriedigenden Zustande befinde, behauptete aber, daß sie reorganisirt werden könne. Allerdings würde diese Reorganisation Geld kosten, aber er für seine Person wolle lieber eine ganze Million zum Unterhalte eines Heeres geben, von dem er nichts zu fürchten habe, als eine halbe Million für eine Armee, von der er jederzeit Schlimmes befürchten müsse. Führe man eine gute Disciplin bei der Miliz ein und verstärke die Flotte, so werde das Land vollkommen geschützt sein. Ein stehendes Heer sei im besten Falle nichts als ein Blutegel der Staatseinkünfte, der Soldat werde jeder nützlichen Arbeit entzogen, er producire nichts, sondern verzehre nur die Früchte des Gewerbfleißes Anderer und dominire dabei über Diejenigen, die ihn erhalten müßten. Unter jetzigen Umständen aber drohe der Nation nicht nur ein stehendes Heer, sondern ein papistisches stehendes Heer, ein stehendes Heer, das von Männern commandirt werde, welche sehr liebenswürdige und achtbare Leute sein könnten, aber grundsätzlich Feinde der Verfassung des Reiches seien. Sir Wilhelm Twisden, Abgeordneter für die Grafschaft Kent, sprach in gleichem Sinne mit großer Energie und unter lautem Beifalle. Sir Richard Temple, einer von den wenigen Whigs, die in jenem Parlamente saßen, paßte seine Rede geschickt der vorherrschenden Stimmung seiner Zuhörer an und machte sie darauf aufmerksam, daß ein stehendes Heer nach den gemachten Erfahrungen der rechtmäßigen Autorität der Fürsten eben so gefährlich sei als der Freiheit der Völker. Sir Johann Maynard, der gelehrteste Jurist der damaligen Zeit, nahm ebenfalls an der Debatte Theil. Er war jetzt über achtzig Jahre alt und konnte sich noch sehr gut der politischen Zwistigkeiten unter der Regierung Jakob’s I. erinnern. Er hatte im Langen Parlamente gesessen und auf der Seite der Rundköpfe gestanden, hatte aber stets zur Milde und Mäßigung gerathen und sich bemüht, eine allgemeine Aussöhnung herbeizuführen. Seine vom Alter noch nicht geschwächten ausgezeichneten Fähigkeiten und seine juristischen Kenntnisse, durch die er lange Zeit ganz Westminsterhall imponirt hatte, sicherten ihm eine sehr gewichtige Stimme im Hause der Gemeinen. Auch er erklärte sich gegen die Vermehrung des stehenden Heeres.

Nach lebhaften Debatten wurde beschlossen, der Krone einen Credit zu bewilligen, zu gleicher Zeit aber auch eine Bill zur zweckmäßigeren Organisirung der Miliz einzubringen. Dieser letzte Beschluß war gleichbedeutend mit einer Erklärung gegen das stehende Heer. Der König war höchst unzufrieden, und man sprach schon davon, daß, wenn es so fortgehe, die Session nicht von langer Dauer sein werde20.

Am nächsten Morgen begann der Kampf von neuem. Die Sprache der Vaterlandspartei war auffallend kühner und schärfer als am vorigen Tage. Der die Geldbewilligung betreffende Paragraph in der Thronrede des Königs ging dem auf den Test bezüglichen voraus. Aus diesem Grunde schlug Middleton vor, den auf die Geldbewilligung bezüglichen zuerst im Comité zu berathen. Die Opposition verlangte die umgekehrte Reihenfolge; sie behauptete, das vernünftige, und verfassungsmäßige Verfahren sei, erst dann Geld zu bewilligen, wenn den Beschwerden abgeholfen worden, diesem Gebrauche aber würde man untreu, wenn man sich sklavisch an die Reihenfolge binde, in der der König die Gegenstände in der Thronrede erwähnt habe.

Es wurde nun über die Frage abgestimmt, ob Middleton’s Antrag angenommen werden solle. Der Präsident ersuchte die mit „Nein“ Stimmenden, sich in das Vorzimmer zu begeben. Dies verdroß sie heftig und sie beschwerten sich laut über seine Servilität und Parteilichkeit, da sie wußten, daß sie nach der damals geltenden verwickelten und subtilen Regel, welche in unsrer Zeit durch einen verständigeren und zweckmäßigeren Gebrauch ersetzt worden ist, berechtigt waren, auf ihren Plätzen zu bleiben. Auch waren überhaupt alte parlamentarischen Taktiker jener Zeit der Ansicht, daß die im Saale zurückbleibende Partei einen Vortheil gegen die sich entfernende voraus hatte, denn die Einrichtung mit den Bänken war damals noch so mangelhaft, daß Niemand, der so glücklich gewesen war, einen guten Platz zu erlangen, ihn gern einbüßte. Trotzdem sah man zum großen Ärger der Minister viele Mitglieder, auf deren Stimme der Hof zuversichtlich gerechnet hatte, auf die Thür zu gehen. Unter ihnen befand sich der Kriegszahlmeister Karl Fox, Sohn des Sekretärs beim Hofmarschallgericht, Sir Stephan Fox. Der Zahlmeister hatte sich durch seine Freunde überreden lassen, während eines Theils der Debatte hinauszugehen; aber es quälte ihn eine unerträgliche Angst. Er kehrte daher in das Präsidentenzimmer zurück, hörte einen Theil der Debatte mit an, entfernte sich dann wieder, und nachdem er eine oder zwei Stunden zwischen seinem Gewissen und seinem Jahrgehalt von fünftausend Pfund geschwankt hatte, faßte er einen mannhaften Entschluß und eilte gerade noch zur rechten Zeit, um seine Stimme abzugeben, in den Saal zurück. Zwei Offiziere von der Armee, der Oberst Johann Darey, Sohn des Lord Conyers, und der Hauptmann Jakob Kendall, begaben sich ebenfalls ins Vorzimmer. Middleton ging an die Schranke hinab und setzte sie heftig zur Rede, wobei er sich vorzugsweise an Kendall wendete, einen unbemittelten Anhänger des Hofes, der auf Befehl des Königs von einem bestochenen Wahlkörper in Cornwall ins Parlament geschickt worden war und kürzlich hundert zur Deportation verurtheilte Rebellen zum Geschenk erhalten hatte. „Sir“, fragte Middleton, „commandiren Sie nicht eine Abtheilung Reiterei in Seiner Majestät Diensten?“ — „Allerdings, Mylord“, antwortete Kendall, „aber mein älterer Bruder ist eben gestorben und hat mir siebenhundert Pfund jährlich hinterlassen.“

Niederlage der Regierung. Als die Stimmenzähler ihr Geschäft beendet hatten, ergaben sich hundert­zweiund­achtzig bejahende und hundert­dreiund­achtzig verneinende Stimmen. Also in einem Unterhause, welches durch gewissenlose Anwendung von Ränken, Bestechungen und Gewaltmaßregeln zusammengebracht war und von dem Jakob gesagt hatte, daß elf Zwölftel der Mitglieder so seien, wie er sie selbst gewählt haben würde, in einem solchen Unterhause erfuhr der Hof in einer Lebensfrage eine Niederlage21.

In Folge dieser Abstimmung wurden die Ausdrücke, deren sich der König rücksichtlich des Testes bedient hatte, am 13. November in Erwägung gezogen. Nach einer langen Discussion wurde beschlossen, ihm eine Adresse zu überreichen, worin er erinnert werden sollte, daß er dem Gesetze nach hinfüro keine Beamten mehr anstellen dürfe, welche den Zulässigkeitseid verweigerten und durch die er zugleich aufgefordert werden sollte, Verfügungen zu treffen, welche geeignet wären, die Besorgnisse und das Mißtrauen seines Volks zu zerstreuen22.

Dann wurde der Antrag gestellt, daß die Lords ersucht werden sollten, sich der Adresse anzuschließen. Ob dieser Antrag ehrlicherweise von der Opposition gestellt wurde, in der Hoffnung, daß der Anschluß der Peers der Gegenvorstellung mehr Gewicht geben werde, oder ob er arglistigerweise von der Hofpartei ausging, welche hofften, dadurch einen Bruch zwischen den beiden Häusern herbeizuführen, läßt sich nicht mehr ermitteln. Der Antrag wurde indessen verworfen.23

Das Haus constituirte sich hierauf zu einem Comité, um über den Betrag des zu bewilligenden Credits zu berathen. Der König brauchte vierzehn­hundert­tausend Pfund, aber die Minister sahen wohl ein, daß sie eine so große Summe vergebens fordern würden. Der Kanzler der Schatzkammer sprach von zwölfhundert­tausend Pfund. Die Häupter der Opposition erwiederten, daß sie durch Bewilligung eine solchen Summe die beständige Dauer des gegenwärtigen Militairetats votiren würden; sie seien nicht geneigt, mehr zu geben, als hinreiche, um die regulären Truppen so lange auf dem Kriegsfuße zu erhalten, bis die Miliz neu organisirt werden könne, und schlügen deshalb vierhundert­tausend Pfund vor. Die Höflinge waren entrüstet über diesen Vorschlag, den sie als unwürdig des Hauses und respectwidrig gegen den König bezeichneten; aber sie stießen auf nachdrücklichen Widerstand. Einer der Abgeordneten aus dem Westen, Johann Windham, der Salisbury vertrat, zeichnete sich besonders aus. Er sagte, er habe die stehenden Heere von jeher mit Besorgniß und Widerwillen betrachtet, und neuerdings gemachte Erfahrungen hätten ihn in dieser Ansicht bestärkt. Dann wagte er es, ein Thema zu berühren, das bis jetzt geflissentlich umgangen worden war. Er schilderte die traurige Lage der westlichen Grafschaften. Das Volk, sagte er, sei müde der Bedrückungen durch die Truppen, müde der freien Einquartierungen, der Räubereien und der noch ruchloseren Vergehen, welche das Gesetz Felonien nenne, gegen die man aber, wenn sie von dieser Klasse von Verbrechern begangen würden, keine Abhülfe erlangen könne. Die Diener des Königs hätten zwar dem Hause gesagt, daß vortreffliche Verordnungen in Betreff des Benehmens der Armee erlassen worden seien, allein Niemand könne behaupten, daß diese Verordnungen auch befolgt würden. Was müsse man nothwendig daraus schließen? Beweise nicht der Widerspruch zwischen den väterlichen Verordnungen des Thrones und der unerträglichen Tyrannei der Soldaten, daß die Armee schon jetzt für den Fürsten sowohl als für das Volk zu stark sei? Die Gemeinen könnten also sicherlich, ohne sich selbst zu wiedersprechen, ihr volles Vertrauen in die guten Absichten Seiner Majestät ausdrücken und dennoch jede Vermehrung einer Armee verweigern, die Seine Majestät offenbar nicht zu zügeln vermöchte.

Zweite Niederlage der Regierung. Der Antrag, daß die zu bewilligende Summe vierhundert­tausend Pfund nicht übersteigen solle, fiel mit zwölf Stimmen durch. Dieser Sieg der Minister war jedoch nicht viel besser als eine Niederlage. Die Häupter der Vaterlandspartei, durchaus nicht entmuthigt, zogen sich ein wenig zurück, hielten dann wieder Stand und schlugen sieben­hundert­tausend Pfund vor. Das Comité schritt zur Abstimmung und die Hofpartei wurde mit zweihundertzwölf Stimmen gegen hundertsiebzig geschlagen24.

Der König giebt den Gemeinen einen Verweis. Am folgenden Tage begaben sich die Gemeinen mit ihrer Adresse in Bezug auf den Test in Prozession nach Whitehall. Der König empfing sie auf dem Throne. Die Adresse war in ehrerbietiger und herzlicher Sprache abgefaßt, denn die große Mehrheit Derer, die dafür gestimmt hatten, war eifrig und sogar abergläubisch loyal und hatte schon zur Einflechtung einiger schmeichelhaften Redensarten und zur Vermeidung jedes von den Höflingen für anstößig gehaltenen Wortes bereitwilligst ihre Zustimmung gegeben. Jakob’s Antwort war ein kalter und mürrischer Verweis. Er sprach sein entschiedenes Mißfallen und Erstaunen aus, daß die Gemeinen die Ermahnungen, die er ihnen gegeben, so wenig berücksichtigt hätten. „Doch was Sie auch thun mögen,“ setzte er hinzu, „ich werde alle Ihnen gegebenen Versprechungen unverbrüchlich halten.“25

Mißvergnügt, aber auch ein wenig eingeschüchtert, versammelten sich die Gemeinen wieder in ihrer Kammer. Für die meisten von ihnen war der König noch immer ein Gegenstand kindlicher Verehrung. Drei weitere Jahre voll Ungerechtigkeiten und voll Beleidigungen, welche noch kränkender waren als Ungerechtigkeiten, reichten kaum hin, das Band zu zerreißen, welches die Kavaliergentry an den Thron fesselte.

Der Sprecher wiederholte den wesentlichen Inhalt der königlichen Antwort. Es trat eine feierliche Stille ein, dann wurde, wie gewöhnlich, die Tagesordnung verlesen und das Haus bildete sich zum Comité behufs der Berathung der Bill wegen Reorganisation der Miliz.

Coke wird wegen Verletzung der dem Könige schuldigen Achtung von den Gemeinen mit Gefängnißstrafe belegt. In wenigen Stunden aber lebte der Oppositionsgeist wieder auf. Als gegen das Ende der Sitzung der Sprecher seinen Stuhl wieder eingenommen hatte, stellte Wharton, der kühnste und thätigste der Whigs, den Antrag, daß ein Tag bestimmt werden solle, um die Antwort Seiner Majestät in Erwägung zu ziehen. Johann Coke, Abgeordneter für Derby, unterstützte Wharton, obgleich er ein bekannter Tory war. „Ich hoffe,“ sagte er, „daß wir alle Engländer sind und uns durch einige hohe Worte nicht von unsrer Pflicht zurückschrecken lassen werden.“

Das war männlich, aber nicht klug gesprochen. Das ganze Haus gerieth in stürmische Aufregung. „Schreibt seine Worte nieder!“ „Vor die Barre!“ „In den Tower!“ erscholl es von allen Seiten. Die Nachsichtigsten schlugen vor, dem Beleidiger einen Verweis zu geben; die Minister aber bestanden mit Heftigkeit darauf, daß er in Haft geschickt werden solle. Das Haus, sagte er, möge Beleidigungen gegen sich selbst verzeihen, habe aber nicht das Recht, eine Beleidigung der Krone zu vergeben. Coke wurde in den Tower geschickt. Die Übereilung eines Einzelnen zerstörte das ganze von den Häuptern der Opposition so geschickt entworfene Operationssystem. Umsonst versuchte es in diesem Augenblicke Eduard Seymour, seine Anhänger wieder zu sammeln, forderte sie auf, einen Tag zur Berathung über die königliche Antwort zu bestimmen und sprach die zuversichtliche Erwartung aus, die Discussion werde mit derjenigen Achtung geführt werden, welche Unterthanen ihrem Herrscher schuldig seien. Die Mitglieder waren durch das Mißfallen des Königs so sehr eingeschüchtert und über Coke’s Rücksichts­losigkeit so aufgebracht, daß eine Abstimmung nicht rathsam gewesen wäre26.

Das Haus vertagte sich und die Minister schmeichelten sich mit der Hoffnung, daß der Geist der Opposition bezwungen sei. Aber am nächstfolgenden Tage, dem 19. November, zeigten sich neue beunruhigende Symptome. Die Zeit war gekommen, um die aus allen Theilen Englands eingegangenen Petitionen gegen die letzten Wahlen in Erwägung zu ziehen. Als Seymour sich in der ersten Zusammenkunft des Parlaments über die Gewalt und Hinterlist beschwert, wodurch die Regierung die Wahlkörper in dem freien Ausdrucke ihrer Meinung behindert habe, hatte er keine Unterstützung gefunden. Viele aber, welche damals von seiner Seite gewichen waren, hatten sich später ein Herz gefaßt und hatten mit Johann Lowther, dem Abgeordneten von Cumberland, an der Spitze, vor dem Auseinandergehen auf Untersuchung der Mißbräuche angetragen, welche das Volk so heftig aufgeregt hätten. Jetzt war das Haus in einer viel mißmuthigeren Stimmung und es erhoben sich zahlreiche Stimmen mit kühnen Drohungen und Anklagen. Man sagte den Ministern, die Nation erwarte kräftige Abhülfe und werde sie erlangen. Inzwischen wurde geschickt darauf hingedeutet, daß die beste Genugthuung, welche ein durch ordnungswidrige Mittel ins Parlament gewählter Gentleman dem Publikum geben könne, darin bestehe, daß er seine übel erworbene Macht zur Verteidigung der Religion und der Freiheiten seines Vaterlandes anwende. Kein Mitglied, das in dieser Krisis seine Pflicht thue, habe etwas zu fürchten. Es könne sein, daß man ihm seinen Sitz im Hause vorenthalten müsse, aber der ganze Einfluß der Opposition werde dann aufgeboten werden, um seine Wiedererwählung durchzusetzen.27

Opposition gegen die Regierung im Hause der Lords. Der Earl von Devonshire. An dem nämlichen Tage zeigte es sich auch klar, daß der Oppositionsgeist sich von den Gemeinen in das Haus der Lords und selbst bis auf die Bank der Bischöfe verbreitet hatte. Wilhelm Cavendish, Earl von Devonshire, stellte sich im Oberhause an die Spitze, und er war ganz dazu geeignet. In Reichthum und Einfluß stand er keinem andren englischen Edelmanne nach, und er galt allgemein für den feinsten Gentleman seiner Zeit. Seine Prachtliebe, sein ausgezeichneter Geschmack, seine Talente, seine klassische Bildung, seine Hochherzigkeit und sein liebenswürdiges, herablassendes Benehmen wurden selbst von seinen Feinden anerkannt; leider aber konnten seine Lobredner nicht behaupten, daß seine Sittlichkeit von der damals so weit verbreiteten Ansteckung frei geblieben sei. Obwohl ein Feind des Papismus und der willkürlichen Gewalt, hegte er doch eine entschiedene Abneigung gegen jede Überstürzung, war, als die Ausschließungsbill fiel, zu einem Vergleiche bereit gewesen und hatte sich nie an den gesetzwidrigen und übereilten Plänen betheiligt, welche die Whigpartei in einen so üblen Geruch gebracht hatten. Aber wenn er auch das Verfahren seiner Freunde zum Theil mißbilligte, so erfüllte er deshalb doch mit gewissenhaftem Eifer die schwierigsten und gefährlichsten Pflichten der Freundschaft. Er hatte neben Russell an den Schranken gestanden, hatte an dem schauerlichen Morgen der Hinrichtung mit innigen Umarmungen und unter heißen Thränen von ihm Abschied genommen und sich sogar erboten, ihm mit Gefahr seines eignen Lebens zur Flucht zu verhelfen.28 Dieser große Edelmann trug jetzt darauf an, daß ein Tag zur Berathung über die Thronrede festgesetzt werden sollte. Auf der andren Seite wurde behauptet, die Lords hätten sich durch ihr Dankvotum für die Thronrede bereits jede Möglichkeit, Beschwerden dagegen zu erheben, abgeschnitten. Aber dieser Einwand wurde von Halifax mit Verachtung zurückgewiesen. „Solche Dankesbezeigungen“, sagte er mit dem sarkastischen Scherze, durch den er sich auszeichnete, „schließen keine Billigung in sich. Wir sind unsrem gnädigen Herrn und Gebieter stets dankbar, wenn er mit uns zu sprechen geruht, und ganz besonders dankbar sind wir ihm, wenn er, wie im vorliegenden Falle, gerade heraus spricht und uns offen sagt, was wir zu gewärtigen haben“.29

Der Bischof von London. Doctor Heinrich Compton, Bischof von London, sprach nachdrücklich zu Gunsten des Antrags. Obgleich dieser Mann nicht mit ausgezeichneten Fähigkeiten begabt, noch in seinen Berufs­wissen­schaften gründlich bewandert war, so wurde er doch stets mit Ehrerbietung von dem Hause angehört, denn er war einer der wenigen Geistlichen jener Zeit, die sich adeligen Blutes rühmen konnten. Er selbst und seine ganze Familie hatten ausgezeichnete Beweise ihrer Loyalität gegeben. Sein Vater, der zweite Earl von Northumberland, hatte für König Karl I. tapfer gefochten und war, von Parlamentssoldaten umzingelt, mit dem Schwerte in der Hand gefallen, weil er sich weigerte, Pardon zu geben oder anzunehmen. Der Bischof selbst hatte vor seiner Ordination in der Garde gedient, und obgleich er sich im Allgemeinen nach Kräften bemühte, die einem Prälaten ziemende Würde und Ruhe zu bewahren, so zuckten doch gelegentlich einige Blitze seines militairischen Geistes hervor. Er hatte die religiöse Erziehung der beiden Prinzessinnen geleitet und diese wichtige Aufgabe in einer Weise gelöst, die alle guten Protestanten zufrieden stellte und ihm einen bedeutenden Einfluß auf die Gemüther seiner Zöglinge, namentlich der Prinzessin Anna sicherte. Jetzt erklärte er, er sei ermächtigt, die Gesinnung seiner Amtsbrüder auszusprechen und ihrer wie seiner eignen Ansicht nach sei die ganze bürgerliche und kirchliche Verfassung des Reiches in Gefahr.30

Viscount Mordaunt. Eine der merkwürdigsten Reden jenes Tages wurde von einem jungen Manne gehalten, dessen excentrische Laufbahn später ganz Europa in Erstaunen setzen sollte. Es war Karl Mordaunt, Viscount von Mordaunt, viele Jahre später weit und breit bekannt als Earl von Peterborough. Er hatte schon zahlreiche Beweise seines Muthes, seiner Befähigung und jener sonderbaren Verschrobenheit des Geistes gegeben, durch welche sein Muth und seine Fähigkeiten für sein Vaterland völlig nutzlos wurden. Schon hatte er sich als Schöngeist und Gelehrter, als Soldat und als Seemann ausgezeichnet, und er hatte sich sogar vorgenommen, mit Bourdaloue und Bossuet in die Schranken zu treten. Obgleich ein erklärter Freidenker, hatte er doch auf der See ganze Nächte durchwacht, um Predigten auszuarbeiten, und war nur mit großer Mühe daran gehindert worden, die Mannschaft eines Kriegsschiffes durch seine frommen Vorträge zu erbauen.31 Er sprach jetzt zum ersten Male mit der ihm eigenen Beredsamkeit, Lebhaftigkeit und Keckheit zu den Lords. Er tadelte die Gemeinen, daß sie nicht kühner aufgetreten seien. „Sie haben nicht den Muth gehabt, mit der Sprache herauszugehen,“ sagte er. „Sie haben von Besorgnissen und Mißtrauen gesprochen. Was haben Besorgniß und Mißtrauen hiermit zu thun? Besorgniß und Mißtrauen sind Gefühle, mit denen wir zukünftigen und noch ungewissen Übeln entgegensehen. Das Übel aber, mit dem wir es hier zu thun haben, ist weder ein zukünftiges, noch ein ungewisses. Ein stehendes Heer existirt, und es ist von Papisten befehligt. Wir haben keinen auswärtigen Feind, auch keinen Aufstand im Lande. Wozu wird also diese Streitmacht anders unterhalten als zu dem Zwecke, unsere Gesetze umzustoßen und jene Willkürherrschaft einzuführen, welche die Engländer mit Recht verabscheuen?“32

Jeffreys sprach gegen den Antrag in der rohen und gemeinen Sprache, in der er Meister war; aber er überzeugte sich bald, daß es nicht so leicht war, die stolzen und mächtigen Barone Englands in ihrem eigenen Saale einzuschüchtern, als Advokaten, deren Existenz von seiner Gunst abhing, und Gefangene, deren Kopf in seiner Gewalt war, niederzudonnern. Ein Mann, der sein ganzes Leben damit hingebracht hat, anzugreifen und zu dominiren, spielt in der Regel eine jämmerliche Figur, wenn er mit energischem Nachdruck angegriffen wird, mögen seine Talente und sein Muth noch so groß sein, denn da er nicht gewohnt ist, sich vertheidigen zu müssen, wird er verlegen, und das Bewußtsein, daß Alle, die er gekränkt und beleidigt hat, sich über seine Verlegenheit freuen, verwirrt ihn immer mehr. Jeffreys wurde jetzt zum ersten Male, seit er ein großer Mann war, auf gleichem Fuße von Gegnern angegriffen, die ihn nicht fürchteten. Zum allgemeinen Ergötzen sprang er plötzlich vom höchsten Übermuth zur tiefsten Erniedrigung über und konnte sich nicht enthalten, aus Wuth und Ärger zu weinen.33 Es fehlte in der That nichts zu seiner Demüthigung, denn das Haus war mit etwa hundert Peers gefüllt, eine größere Anzahl, als selbst an dem hochwichtigen Tage der Ausschließungsbill abgestimmt hatten. Auch der König war anwesend. Sein Bruder pflegte seiner Zeit den Sitzungen der Lords zum Vergnügen beizuwohnen und sagte oft, eine parlamentarische Debatte sei eben so unterhaltend wie eine Komödie. Jakob kam jedoch nicht, um sich zu amüsiren, sondern in der Hoffnung, daß die Discussion durch seine Anwesenheit in den Schranken der Mäßigung zurückgehalten werden würde. Er sah sich aber getäuscht. Das Haus sprach seine Meinung so kräftig aus, daß die Höflinge nach einer überaus kühnen Schlußrede von Halifax es nicht wagten, eine Abstimmung zu verlangen. Einer der nächsten Tage wurde zur Erwägung der Thronrede festgesetzt und der Wunsch ausgesprochen, daß jeder nicht zu weit von Westminster entfernt wohnende Peer auf seinem Platze sein möchte.34

Prorogation des Parlaments. Am folgenden Morgen kam der König in seinen Staatskleidern in das Haus der Lords. Der Thürsteher mit dem schwarzen Stabe beschied die Gemeinen vor die Schranken und der Kanzler kündigte ihnen an, daß das Parlament bis zum 10. Februar prorogirt sei.35 Die Mitglieder, welche gegen den Hof gestimmt hatten, wurden aus dem Staatsdienste entlassen; Karl Fox ward seines Zahlmeisteramtes enthoben; der Bischof von London hörte auf, Dechant der königlichen Kapelle zu sein und wurde aus der Liste der Geheimen Räthe gestrichen.

Durch diese Prorogation wurde ein Prozeß von der höchsten Wichtigkeit beendigt. Thomas Grey, Earl von Stamford, der Sprosse eines der vornehmsten Häuser Englands, war unlängst unter einer auf Hochverrath lautenden Anklage verhaftet und im Tower in strenges Gewahrsam gebracht worden. Er war der Betheiligung an dem Ryehousecomplot angeklagt. Die große Jury der City von London hatte die Anklage begründet gefunden und sie vor die Schranken der Lords gebracht, der einzige Gerichtshof, bei dem ein weltlicher Peer während der Parlamentssession wegen eines Verbrechens, das über einem gewöhnlichen Vergehen steht, angeklagt werden kann. Der 1. December war zur Verhandlung anberaumt und schon Befehl gegeben, daß Westminster mit Sitzen und Behängen versehen werden sollte. In Folge der Prorogation aber wurde dieser Prozeß auf unbestimmte Zeit vertagt und Stamford erlangte bald seine Freiheit wieder.36

Außerdem waren beim Schlusse der Session noch drei andere hochangesehene Whigs in Haft. Karl Gerard, Lord Gerard von Bramdon, der älteste Sohn des Earl von Macclesfield, Johann Hampden, Enkel des berühmten Führers des Langen Parlaments, und Heinrich Booth, Lord Delamere. Gerard und Hampden waren der Theilnahme an dem Ryehousecomplot, Delamere der Unterstützung des Aufstandes im Westen angeklagt.

Prozeß Lord Gerard’s und Hampden’s. Es war nicht die Absicht der Regierung, Gerard oder Hampden mit dem Tode zu bestrafen. Grey hatte sich Schonung ihres Lebens ausbedungen, ehe er einwilligte, als Zeuge gegen sie aufzutreten.37 Aber man hatte einen noch gewichtigeren Grund, um Nachsicht gegen sie zu üben. Sie waren die Erben großer Besitzungen, aber ihre Väter lebten noch. Der Hof konnte daher durch Confiscation sehr wenig gewinnen, um so mehr aber durch Auflegung eines Lösegeldes. Gerard wurde verhört, und nach den dürftigen Nachrichten, welche auf uns gekommen sind, scheint er sich mit viel Geist und Nachdruck vertheidigt zu haben. Er berief sich auf die Anstrengungen und Opfer, die seine Familie zu Gunsten Karl’s I. aufgewendet habe und bewies, daß Rumsey durchaus keinen Glauben verdiene, da er Russell und Cornish durch zwei ganz von einander abweichende Aussagen gemordet habe. Die Jury gab nach einigem Zögern ihr „Schuldig“ ab. Nach langer Haft durfte Gerard sich loskaufen.38 Hampden hatte die politische Meinung und einen großen Theil der Fähigkeiten seines Großvaters geerbt, in Betreff der Biederkeit und des Muthes aber, durch welche Letzterer sich ausgezeichnet hatte, war er aus der Art geschlagen. Man ließ den Gefangenen mit raffinirter Grausamkeit lange in quälender Ungewißheit, um seine Familie zur Bezahlung einer großen Summe für seine Begnadigung zu bewegen. Die beständige Todesangst hatte seinen Muth völlig gebrochen, und als er vor den Schranken der Old Bailey erschien, bekannte er sich nicht nur für schuldig, sondern entehrte auch seinen berühmten Namen durch kriechende Unterwürfigkeit und demüthige Bitten. Er versicherte, daß er in den Mordplan nicht eingeweiht gewesen sei, gestand aber, daß er Revolutionsideen gehegt habe, äußerte tiefe Reue über sein Vergehen, erflehte die Fürsprache der Richter und gelobte, daß, wenn die königliche Gnade ihm zu Theil würde, er während seines ganzen Lebens seine Dankbarkeit für diese große Güte an den Tag legen wolle. Die Whigs waren empört über seinen Kleinmuth und erklärten laut, daß er weit mehr Tadel verdiene als Grey, der, obgleich er als Königszeuge aufgetreten sei, doch einen gewissen Anstand dabei beobachtet habe. Hampden’s Leben wurde geschont, aber seine Familie bezahlte dem Kanzler mehrere Tausend Pfund, und einige Höflinge niederen Ranges erpreßten kleinere Summen von ihm. Der unglückliche Mann hatte noch Ehrgefühl genug, um die Erniedrigung, zu der er sich herabgelassen, schmerzlich zu empfinden. Er überlebte den Tag seiner Schande mehrere Jahre. Er lebte noch so lange, um seine Partei triumphiren zu sehen, noch einmal ein einflußreiches Mitglied derselben zu werden, eine hohe Stellung im Staate einzunehmen und seine Verfolger vor sich zittern zu sehen. Aber sein Glück wurde durch eine quälende Erinnerung verbittert. Er erlangte nie seinen heiteren Sinn wieder und starb endlich von seiner eignen Hand.39

Delamere’s Prozeß. Es ist nicht sehr wahrscheinlich, daß Delamere die königliche Gnade erlangt haben würde, wenn er ihrer bedurft hätte. Soviel ist wenigstens gewiß, daß jeder Vortheil, den der Buchstabe des Gesetzes der Regierung gewährte, ohne Bedenken und ohne Scham gegen ihn benutzt wurde. Er befand sich in einer ganz andren Lage als Stamford. Die Anklage gegen Letzteren war während der Parlamentssession vor die Schranken der Lords gebracht worden und konnte daher vor dem Wiederzusammentritt des Parlaments nicht weiter verfolgt werden; dann konnten alle Peers ihre Stimmen abgeben, um sowohl über das Rechtliche als über das Thatsächliche zu entscheiden. Delamere’s Anklage aber war erst nach der Prorogation als begründet erkannt worden.40 Er stand daher unter der Jurisdiction des Gerichtshofes des Lordgroßrichters. Dieser Gerichtshof, welcher, so lange das Parlament nicht versammelt ist, über alle von weltlichen Peers begangenen Kapitalverbrechen (treasons and felonies) zu erkennen hat, war damals so zusammengesetzt, daß kein Gefangener, der eines politischen Vergehens angeklagt war, ein unparteiisches Urtel zu erwarten hatte. Der König ernannte den Lordgroßrichter und dieser ernannte nach seinem Gutdünken gewisse Peers, welche über ihren angeklagten Collegen richten sollten. Die Zahl derselben war unbestimmt und eine Appellation gegen ihren Ausspruch nicht statthaft. Eine einfache Majorität, vorausgesetzt, daß sie aus zwölf Personen bestand, genügte zur Schuldigerklärung. Über die Rechtsfrage entschied nur der Lordgroßrichter, und die beisitzenden Lords bildeten eine bloße Jury, die über den Thatbestand zu entscheiden hatte. Jeffreys wurde zum Lordgroßrichter ernannt. Er wählte dreißig Peers und seine Wahl war für den Mann wie für seine Zeit bezeichnend. Alle Dreißig waren entschiedene politische Gegner des Gefangenen. Fünfzehn davon waren Regimentsobersten und konnten vom Könige nach Belieben ihres einträglichen Commando’s enthoben werden. Unter den übrigen Fünfzehn befanden sich der Lordschatzmeister, der erste Staatssekretär, der Obersthofmeister, der Haushofmeister, der Hauptmann der königlichen Leibgarde, der Kammerherr der Königin und andere Personen, welche durch starke Bande des Interesses an den Hof geknüpft waren. Dessenungeachtet hatte Delamere einige große Vortheile über die untergeordneteren Angeklagten, welche vor die Old Bailey gefordert waren. Hier waren die Geschwornen heftige Parteigänger, welche von höfischen Sheriffs auf einen Tag aus der Masse der Gesellschaft genommen wurden, um sogleich darauf wieder unter dieser Masse zu verschwinden, durch keine Rücksichten des Schamgefühls gebunden, und da sie wenig daran gewöhnt waren, Beweise sorgfältig zu erwägen, so folgten sie unbedenklich den Weisungen der Richter. Beim Gerichtshofe des Lordgroßrichters dagegen war jeder beisitzende Lord ein Mann von einiger Geschäftserfahrung. Jeder von ihnen nahm eine hohe Stellung in der Gesellschaft ein, jeder mußte einzeln aufstehen und vor einem zahlreichen Zuhörerkreise auf Ehre und Gewissen sein Urtheil abgeben, und dieses Urtheil wurde mit seinem Namen versehen, der ganzen Welt bekannt gemacht und lebte in der Geschichte fort. Dazu kam noch, daß, obgleich die ausgewählten Adeligen sämmtlich Tories und fast durchgehends öffentliche Beamte waren, doch schon viele von ihnen angefangen hatten, mit Besorgniß die Schritte des Königs zu betrachten und zu fürchten, daß sie wohl bald in den nämlichen Fall kommen könnten wie Delamere.

Jeffreys benahm sich wie gewöhnlich übermüthig und ungerecht. Allerdings hatte er einen alten Groll, der seinen Eifer aufstachelte. Er war Oberrichter von Chester gewesen, als Delamere, damals Mr. Booth, diese Grafschaft im Parlamente vertrat. Booth hatte sich bei den Gemeinen bitter beschwert, daß die theuersten Interessen seiner Wähler einem trunksüchtigen Narren anvertraut seien.41 Der rachsüchtige Richter schämte sich nun nicht, Kunstgriffe zu Hülfe zu nehmen, die selbst bei einem gewöhnlichen Advokaten strafbar gewesen wären. Er erinnerte die beisitzenden Lords in sehr bezeichnender Sprache daran, daß Delamere im Parlamente sich der Verurtheilungsbill gegen Monmouth widersetzt habe, eine Beschuldigung, die weder bewiesen war, noch bewiesen werden konnte. Doch Jeffreys war nicht der Mann, der eine Versammlung von Peers einschüchtern konnte, wie er gewöhnliche Geschworne einzuschüchtern pflegte. Der Beweis für die Krone würde auf der Rundreise im Westen oder in den Assisen­verhandlungen der City wahrscheinlich für vollkommen genügend erachtet worden sein, konnte aber nicht einen Augenblick Männern imponiren wie Rochester, Godolphin und Churchill, die überdies auch, bei allen ihren Fehlern, noch nicht so verdorben waren, daß sie den einfachsten Regeln der Gerechtigkeit zuwider einen Nebenmenschen hätten zum Tode verurtheilen können. Grey, Wade und Goodenough wurden als Zeugen vorgeführt, konnten aber nur das wiederholen, was sie Monmouth und Wildman’s Emissären hatten sagen hören. Der Hauptzeuge für die Anklage, ein Schurke, Namens Saxton, der an dem Aufstande Theil genommen hatte, und sich jetzt bemühte, seine Begnadigung zu erlangen, indem er gegen alle der Regierung mißliebige Personen eidliches Zeugniß ablegte, war durch eine Menge unverwerflicher Beweise überführt, eine Reihe von Lügen ausgesagt zu haben. Sämmtliche beisitzende Lords, von Churchill an, der als jüngster Baron zuerst sprach, bis hinauf zu dem Lordschatzmeister, erklärten bei ihrer Ehre, daß Delamere nicht schuldig sei. Der Ernst und das Gepränge des ganzen Gerichtsverfahrens machte selbst auf den Nuntius, der an die Ceremonien Roms gewöhnt war, welche an Feierlichkeit und Glanz Alles übertreffen, was die übrige Welt aufweisen kann, einen tiefen Eindruck.42 Der König, welcher anwesend war und gegen ein so offenbar gerechtes Urtheil nichts einwenden konnte, gerieth in Wuth gegen Saxton und gelobte, daß der Schurke zuerst wegen Meineids vor Westminsterhall an den Pranger gestellt und dann in den Westen geschickt werden solle, um wegen Verraths gehängt, gcschleift und geviertheilt zu werden.43

Eindruck seiner Freisprechung. Die Freude des Publikums über Delamere’s Freisprechung war groß. Die Schreckens­herrschaft war also vorüber, die Unschuldigen begannen wieder freier zu athmen und die falschen Ankläger zu zittern. Einen bei dieser Gelegenheit geschriebenen Brief kann man kaum lesen, ohne zu Thränen gerührt zu werden. Russell’s Wittwe erfuhr in ihrer Abgeschiedenheit die frohe Nachricht mit verschiedenartigen Gefühlen. „Ich danke Gott,“ schrieb sie, „daß er dem Blutvergießen in diesem unglücklichen Lande Einhalt gethan hat. Aber während ich mich mit den Fröhlichen freuen sollte, suche ich einen einsamen Winkel auf, um darin zu weinen. Ich fühle, daß ich keiner Freude mehr fähig bin, denn jeder neue Umstand, und gerade die Vergleichung meiner kummervollen Nacht nach solch’ einem Tage, mit ihren Tagen der Freude, zerreißt mein gebrochenes Herz, ich mag die Sache betrachten, von welcher Seite ich will. Obwohl ich weit entfernt bin, ihren Tagen ein Ende zu wünschen, wie das der meinigen, so kann ich doch nicht umhin, es zuweilen zu beklagen, daß das meinige nicht war wie das ihrige“.44

Jetzt trat ein entscheidender Wendepunkt ein. Der Tod Stafford’s, den das gemeine Volk, dessen Wuth er geopfert worden war, mit Äußerungen der innigsten Theilnahme und Reue angesehen hatte, bezeichnet das Ende der einen Proscription, die Freisprechung Delamere’s bezeichnet das Ende der andren. Die Verbrechen, welche Shaftesbury’s stürmisches Tribunat geschändet hatten, waren furchtbar gesühnt, das Blut unschuldiger Papisten war mehr als zehnfältig durch das Blut eifriger Protestanten gerächt. Auch eine andre große Reaction hatte begonnen. Die Parteien erfuhren eine schnelle Umgestaltung, alte Verbündete trennten sich und alte Feinde verbanden sich. Unzufriedenheit verbreitete sich rasch durch alle Reihen der unlängst noch herrschenden Partei; eine allerdings noch schwache und unbestimmte Hoffnung auf Sieg und Rache beseelte die andre, welche kurz zuvor schon vernichtet zu sein schien. Unter solchen Umständen ging das ereignißvolle und sturmbewegte Jahr 1685 zu Ende und das Jahr 1686 begann.

Parteien am Hofe. Die Prorogation hatte den König von den sanften Vorstellungen der beiden Häuser befreit, aber er mußte noch andere Vorstellungen anhören, welche Ähnliches bezweckten, wenn sie auch in einem noch vorsichtigeren und unterwürfigeren Tone ausgesprochen wurden. Einige Männer, die ihm mit einem nur zu großen, ihrem eigenen Rufe wie dem öffentlichen Wohle nachtheiligen Eifer gedient hatten, begannen von schlimmen Ahnungen ergriffen zu werden und wagten es bei Gelegenheit, einen kleinen Theil ihrer Gefühle schwach anzudeuten.

Stimmung der protestantischen Tories. Seit vielen Jahren waren der Eifer des englischen Tory für die erbliche Monarchie und sein Eifer für die Staatskirche nebeneinander aufgewachsen und hatten sich gegenseitig gekräftigt. Nie war es ihm in den Sinn gekommen, daß diese beiden unzertrennlich und sogar identisch scheinenden Gefühle sich eines Tages nicht nur als verschieden, sondern sogar als unverträglich erweisen könnten. Seit dem Beginn des Streites zwischen den Stuarts und den Gemeinen waren die Sache der Krone und die Sache der Hierarchie allem Anscheine nach Eins gewesen. Die Kirche hatte Karl I. als ihren Märtyrer betrachtet. Wenn Karl II. gegen sie complottirt hatte, so hatte er es nur im Geheimen gethan. Öffentlich hatte er sich stets als ihren dankbaren und ergebenen Sohn erklärt, hatte an ihren Altären gekniet und es war ihm bei aller seiner Sittenlosigkeit gelungen, der großen Masse ihrer Anhänger einzureden, daß er eine aufrichtige Vorliebe für sie hege. Welche Kämpfe der ehrliche Kavalier daher auch gegen Whigs und Rundköpfe zu bestehen gehabt hatte, er war bisher wenigstens nicht durch Kämpfe in seiner eigenen Brust beunruhigt worden. Er hatte den Pfad der Pflicht klar vor sich gesehen. Er mußte im Glück wie im Unglück der Kirche und dem Könige treu bleiben. Wenn nun aber diese beiden erhabenen und ehrwürdigen Mächte, welche bisher so eng mit einander verbunden zu sein schienen, daß wer der einen treu war, der andren nicht untreu werden konnte, durch tödtliche Feindschaft getrennt wurden, welchen Weg sollte dann der orthodoxe Royalist gehen? Konnte es eine schwerere Prüfung für ihn geben, als die ihm dann bevorstehende: zwischen zwei gleich heiligen Pflichten, zwischen zwei gleich starken Sympathien hin und her geworfen zu werden? Wie sollte er dem Kaiser geben was des Kaisers war, ohne Gott einen Theil dessen zu entziehen, was Gottes war? Wer diese Gefühle hegte, konnte den Streit zwischen dem Könige und dem Parlamente in der Testfrage nicht ohne tiefe Betrübniß und düstere Ahnungen verfolgt haben. Wenn Jakob wenigstens jetzt noch bewogen werden konnte, sein Verfahren zu überlegen, die Häuser wieder einzuberufen und sich ihren Wünschen zu fügen, so konnte noch Alles gut gehen.

Dies waren die Gedanken zweier Verwandten des Königs, der Earls von Clarendon und von Rochester. Die Macht und die Gunst dieser beiden Edelleute schienen in der That groß zu sein. Der jüngere Bruder war Lordschatzmeister und Premierminister, der ältere war, nachdem er einige Monate das Geheimsiegel verwahrt hatte, zum Lordlieutenant von Irland ernannt worden. Der ehrwürdige Ormond trat auf die nämliche Seite. Middleton und Preston, welche als Führer des Hauses der Gemeinen neuerdings aus Erfahrung gelernt hatten, wie theuer die Staatskirche der loyalen Gentry Englands war, stimmten ebenfalls für gemäßigte Beschlüsse.

Gleich zu Anfang des neuen Jahres erfuhren diese Staatsmänner und die große Partei, die sie repräsentirten, eine tiefe Kränkung. Daß der verstorbene König im Herzen ein Katholik gewesen, war zwar seit einigen Monaten vermuthet und leise angedeutet, aber doch noch nicht förmlich angekündigt worden. Allerdings mußte diese Eröffnung auch großes Ärgerniß erregen. Karl hatte sich unzählige Male für einen Protestanten erklärt und hatte das Abendmahl stets von Bischöfen der Staatskirche empfangen. Diejenigen Protestanten, die im Unglück treu zu ihm gehalten und ihm noch immer ein liebevolles Andenken bewahrten, mußten mit Scham und Unwillen erfüllt werden, wenn sie erfuhren, daß sein ganzes Leben eine Lüge gewesen war, daß er, während er vorgab, ihrem Bunde anzugehören, in Wirklichkeit sie als Ketzer betrachtete, und daß die Demagogen, die ihn als einen verkappten Papisten dargestellt, die Einzigen gewesen waren, die seinen Character richtig beurtheilt hatten. Selbst Ludwig begriff den Stand der öffentlichen Meinung Englands hinreichend, um einzusehen, daß die Enthüllung der Wahrheit schaden könne und hatte daher aus eigenem Antriebe versprochen, Karl’s Übertritt streng geheim zu halten.45 So lange Jakob’s Macht noch neu war, hatte er es für rathsam gehalten, in diesem Punkte vorsichtig zu sein, und es nicht gewagt, seinen Bruder nach dem Gebrauche der römischen Kirche begraben zu lassen. Eine Zeit lang stand es daher einem Jeden frei, zu glauben, was er wollte. Die Papisten nahmen den verewigten Fürsten als ihren Proselyten in Anspruch, die Whigs verwünschten ihn als einen Heuchler und Renegaten, die Tories hielten das Gerücht von seinem Abfall für eine Verleumdung, deren Verbreitung aus verschiedenen Gründen im gemeinschaftlichen Interesse der Papisten und der Whigs lag.

Veröffentlichung hinterlassener Papiere Karl’s II. Jakob that nun einen Schritt, der die ganze anglikanische Partei bestürzt machte. In Karl’s Cassette hatten sich zwei Aufsätze gefunden, in denen in gedrängter Kürze die Gründe entwickelt waren, welche die Katholiken in ihrer Polemik gegen die Protestanten geltend zu machen pflegten, und sie waren als von Karl eigenhändig geschrieben erkannt worden. Diese Papiere zeigte Jakob triumphirend mehreren Protestanten und erklärte, daß seines Wissens sein Bruder als Katholik gelebt habe und gestorben sei.46 Einer der Männer, denen die Handschriften vorgelegt wurden, war der Erzbischof Sancroft. Er las sie tief bewegt und sagte nichts. Dieses Stillschweigen war einzig und allein die natürliche Wirkung eines Kampfes zwischen Respect und Verdruß. Jakob aber glaubte, der Primas sei vor der unwiderstehlichen Gewalt der angeführten Gründe verstummt und forderte Se. Gnaden dringend auf, mit Hülfe der ganzen Bischofsbank eine befriedigende Antwort zu entwerfen. „Legen Sie mir eine gründliche, in schicklichem Tone gehaltene Antwort vor,“ sagte er, „und sie kann die von Ihnen so sehr gewünschte Wirkung haben, mich zum Übertritt in den Schooß Ihrer Kirche zu bestimmen.“ Der Erzbischof entgegnete gelassen, daß seiner Meinung nach eine solche Antwort leicht zu schreiben sei, lehnte aber die Polemik unter dem Vorwande der Ehrfurcht vor dem Gedächtniß seines entschlafenen Gebieters ab. Diesen Grund hielt der König für die Ausflucht eines geschlagenen Disputanten.47 Wäre er mit der polemischen Literatur der letzten hundertfünfzig Jahre vertraut gewesen, so würde er gewußt haben, daß die Aufsätze, auf die er so großes Gewicht legte, von jedem fünfzehnjährigen Knaben des Gymnasiums von Douay hätten verfaßt werden können, und daß sie nichts enthielten, was nach der Überzeugung aller protestantischen Geistlichen nicht schon zehntausendmal widerlegt und entkräftet war. In seinem unwissenden Enthusiasmus befahl er, daß diese Abhandlungen mit der prächtigsten typographischen Ausstattung gedruckt werden sollten, und fügte denselben, eine durch seine eigenhändige Unterschrift bekräftigte Erklärung bei, daß die Originale von seines Bruders eigener Hand seien. Er vertheilte die ganze Auflage unter seine Höflinge und unter die geringeren Leute, die sich um seinen Wagen drängten. Ein Exemplar schenkte er einem jungen Frauenzimmer niederen Standes, von der er glaubte, daß sie seine religiöse Überzeugung theile, und versicherte sie, daß sie durch die Lectüre höchlich erbaut und getröstet werden würde. Zum Lohn für seine Güte überreichte sie ihm einige Tage darauf einen Brief, durch den sie ihn beschwor, das mystische Babylon zu verlassen und den Becher der Hurerei von seinen Lippen zu stoßen.48

Stimmung der achtungswerthen Katholiken. Diese Dinge machten die der Staatskirche angehörenden Tories sehr besorgt; nicht weniger unzufrieden damit war der achtungswerthere Theil des katholischen Adels. Es wäre in der That zu entschuldigen gewesen, wenn die Leidenschaft sie bei dieser Gelegenheit taub gemacht hätte gegen die Stimme der Klugheit und Gerechtigkeit, denn sie hatten viel gelitten. Die Eifersucht der Protestanten hatte sie des Ranges entsetzt, zu dem sie geboren waren, hatte den Erben von Baronen, welche die Magna Charta unterzeichnet die Thüren des Parlamentshauses verschlossen, hatte das Commando über eine Compagnie Infanterie als einen zu hohen Posten für die Nachkommen von Generälen erklärt, welche bei Flodden und Saint-Quentin gesiegt hatten. Es gab kaum einen dem alten Glauben anhängenden vornehmen Peer, dessen Ehre, Vermögen und Leben nicht in Gefahr gewesen wäre, der nicht Monate lang im Tower zugebracht, der nicht oft das Schicksal Stafford’s für sich selbst gefürchtet hätte. Männern, die so lange und so herzlos unterdrückt worden waren, hätte man es wohl verzeihen können, wenn sie die erste Gelegenheit, um zu gleicher Zeit Ansehen zu erlangen und Rache zu üben, begierig ergriffen hätten. Aber weder Fanatismus, noch Ehrgeiz, weder der Groll wegen früher erlittenen Unrechts, noch der durch plötzliches Glück verursachte Rausch konnte den ausgezeichnetsten Katholiken die Einsicht nehmen, daß das Glück, dessen sie sich endlich erfreuten, nur vorübergehend war und daß es ihnen verderblich werden könnte, wenn sie nicht einen weisen Gebrauch davon machten. Schmerzliche Erfahrungen hatten sie belehrt, daß die Abneigung der Nation gegen ihren Glauben nicht eine bloße Laune sei, die der Befehl eines Fürsten vertreiben könne, sondern vielmehr ein tiefwurzelndes Gefühl, das Erzeugniß von fünf Generationen, durch alle Klassen und Parteien verbreitet und mit den Grundsätzen der Tories nicht minder eng verflochten, als mit denen der Whigs. Allerdings lag es in der Macht des Königs, durch Ausübung seines Begnadigungsrechts die Wirkung des Strafgesetzes zu suspendiren. Es konnte ihm durch behutsames Verfahren mit der Zeit gelingen, vom Parlamente die Aufhebung der Gesetze zu erwirken, welche die Bekenner seines Glaubens für nicht zulässig zu öffentlichen Ämtern erklärten. Aber wenn er es versuchte, die protestantische Gesinnung Englands durch rohe Gewaltmittel zu ersticken, so ließ sich leicht voraussehen, daß dem heftigen Drucke auf eine so starke und elastische Feder ein eben so heftiger Rückschlag folgen werde. Durch voreilige Versuche, den Weg in den Geheimen Rath und in das Haus der Lords zu erzwingen, konnten die katholischen Peers ihre Schlösser und ihre großen Besitzungen verlieren und in die Lage kommen, daß sie ihr Leben als Verräther auf Towerhill oder als Bettler an den Thüren italienischer Klöster enden mußten.

So dachte Wilhelm Herbert, Earl von Powis, welcher damals allgemein als das Haupt der römisch-katholischen Aristokratie betrachtet wurde und der, nach Oates’ Aussage, für den Fall des Gelingens der papistischen Verschwörung zum Premierminister bestimmt war. Johann Lord Bellasyse hatte ganz die nämliche Ansicht von der Sache. Er hatte in seiner Jugend tapfer für Karl I. gefochten, war nach der Restauration mit hohen Ehrenstellen und Commandos belohnt worden und hatte diese nach Erlassung der Testacte niedergelegt. Mit diesen ausgezeichneten Führern stimmten alle vornehmsten und reichsten Mitglieder ihrer Kirche überein, ausgenommen Lord Arundell von Wardour, ein alter Mann, der schon anfing kindisch zu werden.

Cabale heftiger Katholiken. Es gab jedoch am Hofe eine kleine Anzahl Katholiken, an deren Herzen vergangene Unbill nagte, denen ihre neuerliche Erhebung den Kopf verrückt hatte, die es nicht erwarten konnten, die höchsten Ehrenstufen im Staate zu erklimmen und denen der Gedanke an einen Tag der Wiedervergeltung wenig Sorge machte, da sie nicht viel zu verlieren hatten.

Castelmaine. Einer von diesen war Roger Palmer, Earl von Castelmaine in Irland, Gemahl der Herzogin von Cleveland. Es war notorisch, daß er seinen Titel mit seiner eignen und seiner Gemahlin Entehrung erkauft hatte. Er besaß nur ein unbedeutendes Vermögen und sein von Natur unfreundlicher Character war durch häusliche Zwistigkeiten, durch öffentliche Vorwürfe und durch die in den Tagen des papistischen Complots erduldeten Leiden noch mehr verbittert worden. Nachdem er lange in Gefangenschaft zugebracht, war ihm endlich der Prozeß auf Tod und Leben gemacht worden. Zu seinem Glück wurde er erst als die Wuth des Volks sich einigermaßen gelegt hatte und der Credit der falschen Zeugen erschüttert war, vor Gericht gestellt. So war er mit knapper Noth dem Tode entgangen.49

Jermyn. Mit Castelmaine eng befreundet war einer der bevorzugtesten von den hundert Liebhabern seiner Frau, Heinrich Jermyn, den Jakob kürzlich mit dem Titel Lord Dover zum Peer erhoben hatte. Jermyn hatte sich vor mehr als zwanzig Jahren durch seine Liebeshändel und verzweifelten Duelle ausgezeichnet, war jetzt durch das Spiel zu Grunde gerichtet und strebte eifrig danach, seinen zerrütteten Finanzen durch einträgliche Stellen, von denen ihn das Gesetz ausschloß, wieder aufzuhelfen.50

White. Zu der nämlichen Partei gehörte ein ränkevoller unternehmender Irländer, Namens White, der viel im Auslande zugebracht, dem Hause Österreich als ein Zwitterding von Gesandten und Spion gedient hatte und für seine Dienste mit dem Titel eines Marquis von Albeville belohnt worden war.51

Tyrconnel. Bald nach der Prorogation erhielt diese verwegene Partei eine wichtige Verstärkung. Richard Talbot, Earl von Tyrconnel, der Heftigste und Unbeugsamste von Allen, welche die Freiheiten und die Religion Englands haßten, kam von Dublin am Hofe an. Talbot stammte aus einer alten normännischen Familie, die lange in Leinster ansässig gewesen, dort in Verfall gerathen war, die Sitten der Celten angenommen hatte, gleich diesen der alten Religion anhing und sich bei dem Aufstande von 1641 denselben angeschlossen hatte. In seiner Jugend war er einer der bekanntesten Schwindler und Raufbolde Londons gewesen. Als Karl und Jakob in Flandern in der Verbannung lebten, war er ihnen als ein Mann vorgestellt worden, der zu dem abscheulichen Dienste, den Protector zu ermorden, geschickt und bereit war. Bald nach der Restauration versuchte es Talbot, durch einen noch schändlicheren Dienst die Gunst der königlichen Familie zu erlangen. Man bedurfte eines Vorwandes, um den Herzog von York deshalb zu rechtfertigen, daß er das Eheversprechen brach, durch welches er von Anna Hyde den höchsten Beweis von weiblicher Liebe erlangt hatte. Talbot unternahm es in Verbindung mit einigen seiner ausschweifenden Genossen, einen solchen Vorwand zu liefern. Es wurde verabredet, die junge Dame als ein Geschöpf ohne Tugend, Scham und Ehrgefühl darzustellen und einen langen Roman von zärtlichen Zusammenkünften und heimlichen Gunstbezeigungen zu erdichten. Talbot insbesondere erzählte, wie er bei einem seiner heimlichen Besuche so unglücklich gewesen sei, das Dintenfaß des Kanzlers über einen Stoß von Papieren zu schütten und wie geschickt sie der Entdeckung dadurch vorgebeugt habe, daß sie die Schuld an dem Unfalle auf ihren Affen schob. Diese Geschichten, die, selbst wenn sie wahr gewesen wären, nur über die Lippen des gemeinsten Menschen hätten kommen können, waren reine Erfindungen. Talbot war auch bald genöthigt, dies einzugestehen, und er that es ohne zu erröthen. Die verleumdete Dame wurde Herzogin von York. Wäre ihr Gemahl ein wirklich rechtschaffener und ehrenwerther Mann gewesen, so würde er die Schurken, die sie verleumdet hatten, mit Entrüstung und Verachtung aus seiner Nähe verbannt haben. Aber es war eine characteristische Eigenheit Jakob’s, daß er eine auch noch so schändliche und gemeine Handlung nicht für verwerflich hielt, wenn sie in der Absicht begangen war, seine Gunst zu gewinnen. Talbot hatte nach wie vor Zutritt bei Hofe, erschien täglich mit frecher Stirn vor der Fürstin, die er hatte ins Verderben stürzen wollen und erhielt bald den einträglichen Posten eines Hauptkupplers ihres Gemahls. Nicht lange darauf wurde Whitehall plötzlich durch die Nachricht erschreckt, daß Dick Talbot, wie er gewöhnlich genannt wurde, einen Plan zur Ermordung des Herzogs von Ormond geschmiedet habe. Der Bravo wurde in den Tower geschickt, aber schon nach wenigen Tagen stolzirte er wieder in den Galerien umher und beförderte Briefchen zwischen seinem Gebieter und den schamlosesten Hoffräuleins. Vergebens drangen ergraute und besonnene Rathgeber in die königlichen Brüder, diesen abscheulichen Menschen nicht zu begünstigen, dessen einzige Empfehlung sein einnehmendes Äußere und sein guter Geschmack in der Kleidung sei; Talbot war nicht nur willkommen im Palaste, wenn die Flasche oder der Würfelbecher die Runde machten, sondern er wurde auch in Staats­angelegen­heiten aufmerksam angehört. Er spielte die Rolle eines irischen Patrioten und vertheidigte mit großer Unverschämtheit und zuweilen mit Erfolg die Sache seiner Landsleute, deren Vermögen confiscirt worden war, ließ sich aber jederzeit seine Dienste gut bezahlen und erwarb sich theils durch den Handel mit seinem Einflusse, theils durch das Spiel, theils durch Kuppelei ein Vermögen von dreitausend Pfund jährlicher Einkünfte. Denn unter dem äußeren Scheine des Leichtsinns, der Verschwendung, der Sorglosigkeit und der maßlosesten Unverschämtheit, war er der feilste und schlaueste Mensch, den es geben konnte. Jetzt war er nicht mehr jung und büßte mit schweren körperlichen Leiden die Ausschweifungen seiner Jugend; aber weder Alter noch Krankheit hatten eine wesentliche Änderung in seinem Character und in seinen Sitten hervorgebracht. So oft er den Mund öffnete, tobte, fluchte und schwur er noch immer mit so rasender Heftigkeit, daß flüchtige Beobachter ihn für den unbändigsten Wüstling hielten. Der große Haufe begriff nicht, daß ein Mann, der selbst im nüchternen Zustande sich prahlerischer und wüthender geberdete, als Andere in der Trunkenheit, und der vollkommen unfähig zu sein schien, irgend eine Gefühlsregung zu verbergen oder ein Geheimniß zu bewahren, in der Wirklichkeit ein kaltherziger, weitsehender und wohlberechnender Speichellecker sein könne. Gleichwohl war Talbot solch ein Mensch. Seine Heuchelei war von weit höherer und seltenerer Art als die, welche in Barebone’s Parlament florirt hatte. Denn nicht Derjenige ist ein vollendeter Heuchler, der seine Lasterhaftigkeit hinter einem Schein von Tugend zu verbergen weiß, sondern Der, welcher das Laster, das er sich nicht scheut offen zur Schau zu tragen, als Larve zur Verhüllung schwärzerer und einträglicherer Laster benutzt, welche zu verbergen in seinem Interesse liegt.

Nachdem Talbot von Jakob zum Earl von Tyrconnel erhoben war, hatte er während der neun Monate zwischen dem Tode Karl’s und dem Beginn der Lordstatt­halter­schaft Clarendon’s die Truppen in Irland befehligt. Als der neue Lordlieutenant im Begriff war, sich von London nach Dublin zu begeben, wurde der General von Dublin nach London berufen. Dick Talbot war lange Zeit wohlbekannt gewesen auf dem ganzen Wege, den er zurückzulegen hatte; es gab zwischen Chester und der Hauptstadt kein Gasthaus, in welchem er nicht Händel gehabt hätte. Wohin er kam, preßte er dem Gesetze zum Hohn Pferde, fluchte über die Köche und Postillone, und veranlaßte durch seine unverschämten Rodomontaden fast Aufläufe. Die Reformation, sagte er zu dem Volke, habe Alles ruinirt, aber es würden schon wieder gute Zeiten kommen, die Katholiken würden bald wieder obenauf sein und dann sollten die Ketzer für Alles bezahlen. So unaufhörlich tobend und lästernd wie ein Besessener kam er am Hofe an.52 Sobald er angelangt war, verband er sich auf das Engste mit Castelmaine, Dover und Aldeville. Diese Leute schrieen einstimmig nach Krieg gegen die Kirchen- und Staatsverfassung. Sie sagten ihrem Gebieter, daß er es seiner Religion und der Würde seiner Krone schuldig sei, sich durch das Geschrei der ketzerischen Demagogen nicht irre machen zu lassen und dem Parlament gleich anfangs zu verstehen zu geben, daß er trotz aller Opposition der Herr zu bleiben gedenke und die Opposition nichts Andres bewirken werde, als ihn zu einem harten Herrn zu machen.

Gesinnung der fremden Gesandten. Jede der beiden Parteien, in die der Hof gespalten war, hatte eifrige ausländische Verbündete. Die Gesandten Spaniens, des deutschen Reichs und der Generalstaaten waren jetzt eben so eifrig bemüht, Rochester zu unterstützen, wie sie früher Halifax unterstützt hatten. Barillon bot seinen ganzen Einfluß in entgegengesetzter Richtung auf, und er wurde darin von einem im Range unter ihm stehenden, in Talenten aber ihm weit überlegenen andren französischen Agenten unterstützt: von Bonrepaux. Barillon war zwar nicht ohne diplomatische Befähigung und besaß in hohem Grade die Liebenswürdigkeit und die feine Bildung, durch die sich der damalige französische Adel auszeichnete. Aber sein Verstand war den Anforderungen seines wichtigen Postens nicht gewachsen. Er war phlegmatisch und bequem geworden, liebte gesellige Vergnügungen und Tafelfreuden mehr als die Geschäfte und entwickelte bei wichtigen Vorgängen gewöhnlich erst dann eine energische Thätigkeit, wenn er Ermahnungen und selbst Verweise aus Versailles erhalten hatte.53 Bonrepaux hatte sich durch die Umsicht und Thätigkeit, die er als Sekretär bei der Marineverwaltung gezeigt, aus der Dunkelheit emporgeschwungen und er galt für eingeweiht in die Geheimnisse der Handelspolitik. Zu Ende des Jahres 1685 wurde er mit mehreren besonderen Aufträgen von hoher Wichtigkeit nach London geschickt. Er sollte einen Handelsvertrag anbahnen, sollte den Zustand der englischen Flotten und Werfte ermitteln und darüber berichten, und endlich den hugenottischen Flüchtlingen, von denen man voraussetzte, sie würden durch Mangel und Verbannung so zahm geworden sein, daß sie fast jede Bedingung der Wiederaussöhnung dankbar annehmen würden, gewisse Vorschläge machen. Der neue Gesandte war plebejischen Ursprungs, seine Gestalt war zwergartig, sein Gesicht lächerlich häßlich und sein Dialect der seiner gascognischen Heimath; aber sein heller Verstand, sein seltener Scharfblick und sein witziger Geist befähigten ihn ganz vorzüglich für seinen Posten. Trotz seiner niederen Herkunft und seines abstoßenden Äußeren war er sehr bald als ein höchst angenehmer Gesellschafter und gewandter Diplomat bekannt. Während er mit der Herzogin von Mazarin scherzte, mit Waller und St. Evremond wissenschaftliche Fragen erörterte und mit La Fontaine correspondirte, wußte er sich eine genaue Kenntniß der englischen Staats­angelegen­heiten zu erwerben. Seine Geschicklichkeit im Seewesen empfahl ihn Jakob, der schon seit vielen Jahren den Geschäften der Admiralität eine große Aufmerksamkeit zugewendet hatte und diese Geschäfte so gut verstand, als er überhaupt etwas zu verstehen fähig war. Sie unterhielten sich Tag für Tag offen über den Zustand der Schiffe und der Werfte. Das Resultat dieses intimen Verkehrs war, wie es sich erwarten ließ, daß der kluge und wachsame Franzose Jakob’s Fähigkeiten und Character gründlich verachten lernte. Er sagte, die Welt habe seine Großbritannische Majestät weit überschätzt, denn sie besitze weniger Befähigung und nicht mehr Tugenden als Karl.54

Obgleich die beiden Gesandten Ludwig’s den nämlichen Zweck verfolgten, so schlugen sie doch wohlweislich verschiedene Wege ein. Sie theilten sich in den Hof; Bonrepaux verkehrte hauptsächlich mit Rochester und dessen Umgebungen, Barillon stand namentlich mit der entgegengesetzten Partei in Verbindung. Die Folge davon war, daß sie zuweilen das nämliche Ereigniß von verschiedenen Gesichtspunkten betrachteten. Die besten Aufschlüsse, die es über den Streit giebt, welcher damals Whitehall bewegte, findet man in ihren Depeschen.

Spaltung zwischen dem Papste und der Gesellschaft Jesu. Wie jede der beiden Parteien am Hofe Jakobs an auswärtigen Fürsten eine Stütze hatte, so wurde auch jede von ihnen durch eine kirchliche Autorität, vor der Jakob große Achtung hatte, unterstützt. Der Papst war für ein gesetzliches und gemäßigtes Verfahren und die Organe seiner Ansichten waren der Nuntius und der apostolische Vikar.55 Auf der andren Seite stand eine Körperschaft, deren Gewicht sogar dem Gewichte des Papstthums gleichkam: der mächtige Jesuitenorden.

Daß sich bei dieser Gelegenheit diese beiden großen geistlichen Mächte, welche einst untrennbar verbunden zu sein schienen, feindlich gegenüberstanden, ist ein sehr wichtiger und bemerkenswerther Umstand. Während eines Zeitraums von mehr als tausend Jahren war die Ordensgeistlichkeit die Hauptstütze des heiligen Stuhles gewesen. Dieser Stuhl hatte sie gegen bischöfliche Einmischung beschützt und den ihnen gewährten Schutz hatten sie reichlich vergolten. Ohne ihre Anstrengungen wäre der Bischof von Rom wahrscheinlich nur das Ehrenoberhaupt einer großen Prälaten-Aristokratie gewesen. Mit Hülfe der Benedictiner war Gregor VII. im Stande, zu gleicher Zeit die fränkischen Kaiser und die weltliche Priesterschaft zu bekämpfen. Mit Hülfe der Dominikaner und Franziskaner vernichtete Innocenz III. die albigensischen Sectirer.

Der Jesuitenorden. Im sechzehnten Jahrhundert wurde das Papstthum, das damals von neuen und furchtbareren Gefahren als je zuvor bedroht war, durch einen neuen religiösen Orden gerettet, der mit glühender Begeisterung erfüllt und mit außerordentlichem Geschick organisirt war. Als die Jesuiten zur Rettung des Papstthums erschienen, schwebte es in der größten Gefahr, aber von diesem Augenblicke an wendete sich das Glück. Der Protestantismus, der während eines ganzen Menschenalters Alles mit sich fortgerissen hatte, wurde in seinem Fortschreiten gehemmt, und mit reißender Schnelligkeit vom Fuße der Alpen bis an die Küsten der Ostsee zurückgetrieben. Der Orden bestand noch keine hundert Jahre, so hatte er schon die ganze Welt mit Denkmalen großer Thaten und Leiden für den Glauben erfüllt. Keine religiöse Gemeinschaft konnte eine Liste so mannigfach ausgezeichneter Männer aufweisen, keine andre hatte das Feld ihrer Thätigkeit zu solchem Umfange erweitert und doch hatte in keiner jemals eine so vollkommene Einheit des Denkens und Handelns geherrscht. Es gab keine Gegend des Erdballs, kein Gebiet des wissenschaftlichen oder praktischen Lebens, auf dem nicht Jesuiten zu finden waren. Sie leiteten die Beschlüsse der Könige; sie entzifferten lateinische Inschriften; sie beobachteten die Bahnen der Trabanten des Jupiter; sie gaben ganze Bibliotheken heraus: Polemik, Casuistik, Geschichte, Werke über Optik, alcäische Oden, Ausgaben der Kirchenväter, Madrigals, Katechismen und Libelle. Die höhere Erziehung der Jugend fiel fast ausschließlich in ihre Hände und wurde von ihnen mit ausgezeichnetem Geschick geleitet. Sie hatten genau den Punkt entdeckt, bis zu welchem man mit der geistlichen Bildung gehen kann, ohne geistige Emancipation fürchten zu müssen. Selbst ihre Feinde mußten zugestehen, daß sie in der Kunst, das jugendliche Gemüth zu leiten und zu bilden nicht ihres Gleichen hatten. Daneben pflegten sie auch mit großem Eifer und Erfolg die Kanzelberedtsamkeit. Mit noch größerem Eifer und noch größerem Erfolge aber widmeten sie sich dem Dienste des Beichtstuhls. Durch das ganze katholische Europa waren sie im Besitz der Geheimnisse jeder Regierung und fast jeder hochstehenden Familie. Unter zahllosen Gestalten, als elegante Kavaliere, als einfache Landleute und als puritanische Prediger, schlichen sie aus einem protestantischen Lande in das andre. Sie wanderten nach Ländern, zu deren Erforschung weder merkantilische Habsucht noch wissenschaftliche Neugierde je einen Fremden veranlaßt hatte. Man fand sie in Mandarinentracht in Peking als Aufseher der Sternwarte; man fand sie mit dem Spaten in der Hand in Paraguay, wo sie den Wilden in den Anfangsgründen des Ackerbaues unterrichteten. Doch wo sie auch sein und was sie auch treiben mochten, ihr Geist war stets und überall der nämliche: unbegrenzte Hingebung für die gemeinsame Sache und unbedingter Gehorsam gegen die Centralgewalt. Keiner von ihnen hatte seinen Aufenthaltsort oder seinen Beruf selbst gewählt. Ob der Jesuit unter dem Polarkreis oder unter dem Äquator leben, ob er seine Tage damit hinbringen sollte, im Vatikan Gemmen zu ordnen und Handschriften zu vergleichen, oder damit, die Wilden der südlichen Hemisphäre zu bitten, daß sie einander nicht auffressen mochten, dies waren Fragen, deren Entscheidung er mit tiefster Unterwürfigkeit Anderen überließ. Brauchte man ihn in Lima, so schwamm er mit der nächsten Flotte auf dem Atlantischen Meere; wurde er in Bagdad gebraucht, so watete er mit der nächsten Karawane durch den Sand der Wüste. Bedurfte man seiner Dienste in einem Lande, wo sein Leben unsicherer war als das eines Wolfes, wo es ein Verbrechen war, ihn zu beherbergen, und wo die auf den öffentlichen Plätzen aufgesteckten Köpfe und Glieder seiner Brüder ihm sagten, was er zu gewärtigen habe, so ging er ohne Murren und ohne Zaudern seinem Schicksale entgegen. Dieser heldenmüthige Geist der Aufopferung ist noch jetzt nicht erloschen. Als in unseren Tagen eine neue und furchtbare Seuche die Runde um die Welt machte, als in mehreren großen Städten die Furcht alle Bande, die eine Gesellschaft zusammenhalten, zerrissen, als die weltlichen Geistlichen ihre Heerden verlassen hatten, als ärztlicher Verstand nicht mit Geld zu erkaufen war und selbst die stärksten natürlichen Neigungen der Liebe zum Leben gewichen waren, fand man den Jesuiten an dem Krankenlager, das Bischof und Pfarrer, Arzt und Wärterin, Vater und Mutter verlassen hatten, zu den verpesteten Lippen herabgeneigt, um den schwachen Hauch der letzten Beichte zu erhaschen und dem verscheidenden bußfertigen Sünder das Bild des sterbenden Erlösers bis zum letzten Augenblicke vorzuhalten.

Aber mit der der Gesellschaft Jesu eigenen bewundernswerthen Energie, Uneigennützigkeit und Selbstverleugnung waren große Fehler vermischt. Es wurde, und nicht ohne Grund, behauptet, daß der glühende Gemeinsinn, der den Jesuiten gleichgültig gegen seine Ruhe, seine Freiheit und sein Leben machte, ihn auch eben so gleichgültig gegen Wahrheit und Mitleid mache, daß kein Mittel ihm unerlaubt scheine, wenn es das Interesse seiner Religion fördern konnte, und daß er unter dem Interesse seiner Religion nur zu oft das Interesse seines Ordens verstehe. Es wurde behauptet, daß seine Mitwirkung bei den abscheulichsten Intriguen und Verschwörungen, von denen die Geschichte erzählt, deutlich zu erkennen sei, daß er, nur in der Anhänglichkeit an seine Gesellschaft unwandelbar, in manchen Ländern der gefährlichste Feind der Freiheit, in anderen der gefährlichste Feind der Ordnung gewesen sei. Die großen Siege, die er in der Sache der Kirche errungen zu haben sich rühmte, waren nach der Meinung vieler ausgezeichneter Mitglieder dieser Kirche mehr scheinbar als wirklich. Er hatte sich zwar mit anscheinend wundervollem Erfolge bemüht, die Welt ihren Gesetzen zu unterwerfen, aber indem er dies gethan, hatte er zugleich die Gesetze gelockert, um sie dem Geiste der Welt anzupassen. Anstatt sich zu bestreben, die menschliche Natur auf die hohe, durch göttliche Lehre und göttliches Beispiel bezeichnete Stufe zu erheben, hatte er diese Stufe erniedrigt, bis sie sich unter dem Durchschnittsniveau der menschlichen Natur befand. Er prahlte mit Massen von Bekehrten, welche in den fernen Gegenden des Ostens getauft worden waren; aber es wurde berichtet, daß Vielen dieser Bekehrten die Facta, auf die sich die ganze Glaubenslehre des Evangeliums gründet, arglistig verschwiegen worden seien und daß Andere sich dadurch vor Verfolgung schützen könnten, daß sie vor den Bildern falscher Götter niederknieten, während sie im Stillen Paternosters und Ave-Marias beteten. Und solche Kunstgriffe sollten nicht blos in heidnischen Ländern angewendet worden sein. Es war kein Wunder, daß Leute aller Stände, und besonders die der höchsten, sich zu den Beichtstühlen der jesuitischen Tempel drängten, denn Niemand verließ diese Beichtstühle unbefriedigt. Hier war Allen der Priester Alles. Er zeigte eben nur so viel Strenge, damit die vor seinem geistlichen Richterstuhle Knieenden nicht in eine Dominikaner- oder Franziskanerkirche getrieben wurden. Wenn er ein wahrhaft frommes Gemüth vor sich hatte, sprach er in dem heiligen Tone der ersten Kirchenväter; aber bei dem sehr großen Theile der Menschen, welche Religion genug haben, damit sie sich ängstigen, wenn sie etwas Böses gethan haben, aber nicht genug, um das Böse zu meiden, befolgte er ein ganz andres System. Da er sie nicht von der Schuld freisprechen konnte, so war es sein Geschäft, sie vor der Reue zu bewahren. Er verfügte über einen unerschöpflichen Vorrath schmerzstillender Mittel für verwundete Gewissen. In den casuistischen Werken, die von seinen Brüdern geschrieben und mit Bewilligung seiner Vorgesetzten gedruckt waren, fanden sich Tröstungen für Sünder jeder Gattung. Der Bankerottirer wurde belehrt, wie er, ohne eine Sünde zu begehen, sein Vermögen vor seinen Gläubigern verheimlichen könne. Der Dienstbote wurde belehrt, wie er, ohne eine Sünde zu begehen, mit dem Silberzeuge seines Herrn durchgehen könne. Der Kuppler wurde versichert, daß ein Christ sich ohne Schuld seinen Lebensunterhalt verschaffen könne, indem er zwischen einer verheiratheten Frau und ihren Liebhabern Briefe und Aufträge befolgte. Der stolze und empfindliche französische Edelmann wurde durch eine Entscheidung zu Gunsten des Zweikampfes beruhigt. Der an eine gemeinere und mehr im Dunklen schleichende Rache gewöhnte Italiener erfuhr zu seiner Freude, daß er, ohne ein Verbrechen zu begehen, aus dem Hinterhalte auf seinen Feind schießen könne. Dem Betruge war ein Spielraum gelassen, der groß genug war, um den ganzen Werth menschlicher Verträge und menschlichen Zeugnisses zu vernichten. In der That, die menschliche Gesellschaft hielt nur deshalb noch zusammen, das Leben und Eigenthum genoß nur deshalb noch einige Sicherheit, weil die gesunde Vernunft und das natürliche Humanitätsgefühl die Menschen abhielt, das zu thun, was sie nach den Versicherungen der Gesellschaft Jesu mit gutem Gewissen hätte thun können.

Der Character dieser berühmten Brüder war ein wunderliches Gemisch von Gutem und Bösem und in dieser Mischung lag das Geheimniß ihrer gigantischen Macht. Eine solche Macht hätten bloße Heuchler eben so wenig als strenge Moralisten je erlangen können. Sie war nur Männern erreichbar, die für die Verfolgung eines großen Zieles wahrhaft begeistert und dabei gewissenlos in der Wahl der Mittel waren.

Anfangs waren die Jesuiten zu besondrem Gehorsam gegen den Papst verpflichtet gewesen. Es war nicht weniger ihre Aufgabe gewesen, jede Empörung im Schooße der Kirche zu unterdrücken, als die Angriffe ihrer erklärten Feinde abzuwehren. Ihre Lehre war im höchsten Grade das, was diesseits der Alpen ultramontan genannt worden ist und wich von der Lehre Bossuet’s eben so sehr ab, wie von der Lehre Luther’s. Sie verdammten die gallikanischen Freiheiten, den Anspruch öcumenischer Concile auf die Beaufsichtigung des römischen Stuhles und den Anspruch der Bischöfe auf unabhängigen Auftrag von Oben. Lainez erklärte in Trient im Namen der ganzen Brüderschaft unter dem Beifalle der Creaturen Pius’ IV. und dem Murren der französischen und spanischen Prälaten, daß Christus die Herrschaft über die Gläubigen dem Papste allein übertragen habe, daß in dem Papste allein alle priesterliche Autorität vereinigt sei und daß er allein den Priestern und Bischöfen eine geistliche Autorität verleihen könne.56 Viele Jahre lang hatte die Einigkeit zwischen den Päpsten und dem Orden ungeschwächt fortbestanden. Wäre diese Einigkeit zu der Zeit, als Jakob II. den Thron bestieg, noch nicht zerrissen gewesen, hätten die Jesuiten sowohl als der Papst ihren Einfluß zu Gunsten einer gemäßigten und verfassungtreuen Politik aufgeboten, so würde die große Revolution, welche in kurzer Zeit die ganze Gestalt der europäischen Angelegenheiten veränderte, wahrscheinlich nicht stattgefunden haben. Aber schon vor der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts war die auf ihre Dienste stolze und auf ihre Macht bauende Gesellschaft des Joches überdrüssig geworden. Es stand eine Generation von Jesuiten auf, die lieber von dem französischen als von dem römischen Hofe Schutz und Leitung annehmen wollte, und diese Stimmung gewann nicht wenig an Stärke, als Innocenz XI. den päpstlichen Thron bestieg.

Die Jesuiten waren damals in einen erbitterten Kampf gegen einen Feind verwickelt, den sie anfangs verachtet hatten, endlich aber mit Achtung und Furcht zu betrachten genöthigt worden waren. Gerade als sie sich auf dem Gipfel des Glücks befanden, wurden sie von einer Handvoll Gegner herausgefordert, welche zwar keinen Einfluß auf die Beherrscher dieser Welt ausübten, aber stark an religiösem Glauben und an geistiger Energie waren. Es folgte ein langer, denkwürdiger und ruhmvoller Kampf des Geistes gegen die Macht. Die Jesuiten riefen Kabinette, Tribunale und Universitäten zu ihrem Beistande auf und sie gaben dem Rufe Gehör. Port Royal appellirte nicht umsonst an die Herzen und an den Verstand von Millionen. Die Dictatoren der Christenheit sahen sich plötzlich in der Lage von Angeklagten. Sie wurden beschuldigt, den Maßstab der evangelischen Sittlichkeit systematisch zu dem Zwecke herabgedrückt zu haben, um ihren eigenen Einfluß zu erhöhen, und diese Beschuldigung wurde in einer Weise hingestellt, welche mit einem Male die Aufmerksamkeit der ganzen Welt fesselte, denn der Hauptankläger war Blaise Pascal. Er besaß Geistesgaben, wie sie selten einem Menschenkinde verliehen worden sind, und die Heftigkeit seines Feuereifers hatte sich in grausamen Kasteiungen und Nachtwachen, unter denen sein erschöpfter Leib in ein frühes Grab sank, nur zu wohl erprobt. Sein Geist war der Geist des heiligen Bernhard, aber die Feinheit seines Witzes, die Reinheit, Kraft und Einfachheit seiner Rhetorik haben nie ihres Gleichen gehabt, außer unter den großen Meistern der attischen Beredtsamkeit. Ganz Europa las und staunte, lachte und weinte. Die Jesuiten versuchten zu antworten, aber ihre schwachen Entgegnungen wurden vom Publikum mit Hohngeschrei aufgenommen. Es fehlte ihnen allerdings an keinem der Talente und an keiner der Fertigkeiten, die dem Menschen durch ausgezeichneten Unterricht eingelernt werden können; aber ein solcher Unterricht kann wohl die Anlagen gewöhnlicher Köpfe entwickeln, das angeborne Genie aber wird er eher ersticken, als entfalten. Es ward allgemein anerkannt, daß in dem wissenschaftlichen Streite die Jansenisten den vollständigsten Sieg davongetragen hatten. Den Jesuiten blieb nichts weiter übrig, als die Secte zu unterdrücken, die sie nicht widerlegen konnten. Ludwig XIV. war jetzt ihre Hauptstütze; sie hatten seine Überzeugungen von Jugend auf nach ihren Willen geleitet und er hatte von ihnen gelernt, den Jansenismus eben so sehr wie den Protestantismus und noch weit mehr als den Atheismus zu verabscheuen. Innocenz XI. dagegen neigte sich zu den jansenistischen Ansichten. Die Folge von dem Allen war, daß sich die Gesellschaft Jesu in einer Lage erblickte, an die ihre Gründer nie gedacht hatten. Die Jesuiten waren dem Papste entfremdet und eng verbunden mit einem Fürsten, der sich zum Beschützer der gallikanischen Freiheiten und zum Feinde der ultramontanen Forderungen erklärte. So wurde der Orden in England ein Werkzeug für Ludwig’s Pläne und arbeitete mit einem Erfolge, den die Katholiken nachher lange und bitter bereuten, darauf hin, die Kluft zwischen dem Könige und dem Parlamente zu erweitern, die Thätigkeit des Nuntius zu durchkreuzen, die Macht des Lordschatzmeisters zu untergraben und die verzweifelten Pläne Tyrconnel’s zu unterstützen.

So standen denn auf der einen Seite die Hyde mit der ganzen Masse der toryistischen Anhänger der Staatskirche, Powis mit den achtungswerthesten Edelleuten und Gentlemen von des Königs Glauben, die Generalstaaten, das Haus Österreich und der Papst; auf der andren Seite einige römisch-katholische Abenteurer mit zerrüttetem Vermögen und beflecktem Rufe, unterstützt von Frankreich und den Jesuiten.

Pater Petre. Der Hauptrepräsentant der Jesuiten in Whitehall war ein englischer Ordensbruder, der eine Zeit lang als Viceprovinzial gedient hatte, von Jakob mit besonderer Gunst beehrt und erst kürzlich noch zum Kabinetssekretär ernannt worden war. Dieser Mann, Namens Eduard Petre, stammte aus einer achtbaren Familie. Er besaß einnehmende Manieren, eine gewandte und zum Herzen dringende Redeweise, war aber schwach und eitel, habsüchtig und ehrgeizig. Von allen bösen Rathgebern, denen der König ein geneigtes Ohr lieh, hatte er vielleicht den größten Antheil am Untergange des Hauses Stuart gehabt.

Stimmung und Ansichten des Königs. Der starrsinnige und herrschsüchtige Character des Königs kam Denjenigen, die ihm riethen fest zu bleiben, in nichts nachzugeben und sich gefürchtet zu machen, sehr zu Statten. In seinem beschränkten Kopfe hatte sich eine Staatsmaxime eingenistet, die durch keine Vernunftgründe daraus zu vertreiben war. Er war überhaupt nicht gewohnt, auf Vernunftgründe zu hören. Seine Methode der Beweisführung, wenn man es so nennen darf, war von der Art, wie man sie bei beschränkten und eigenwilligen Personen, welche nur Untergebene um sich zu haben gewohnt sind, sehr häufig findet. Er stellte eine Behauptung auf, und wenn verständigere Leute sich herausnahmen, ihm zu beweisen, daß er im Irrthum war, so wiederholte er seine Behauptung mit den nämlichen Worten und glaubte auf diese Weise alle Einwendungen entkräftet zu haben.57 „Ich mag keine Zugeständnisse machen“, sagte er oft: „mein Vater machte auch Zugeständnisse und er wurde enthauptet“.58 Wenn es auch wahr gewesen wäre, daß Karl I. sich durch seine Nachgiebigkeit ins Verderben gestürzt, so würde doch jeder verständige Mann eingesehen haben, daß eine einzige Erfahrung selbst in viel weniger verwickelten Wissenschaften als die Staatswissenschaft ist, nicht genügt, um eine allgemeine Regel festzustellen, daß seit Erschaffung der Welt nicht zwei politische Experimente unter völlig gleichen Bedingungen gemacht worden sind und daß man auf keinem andren Wege aus der Geschichte Staatsklugheit schöpfen kann, als indem man eine große Anzahl Fälle prüft und mit einander vergleicht. Wenn indessen der einzelne Fall, auf den der König sich stützte, überhaupt etwas bewies, so bewies er nur, daß der König Unrecht hatte. Es dürfte kaum einem Zweifel unterliegen, daß, wenn Karl dem Kurzen Parlamente, welches im Frühjahr 1640 zusammentrat, aus freiem Antriebe nur die Hälfte der Zugeständnisse gemacht hätte, die er wenige Monate später dem Langen Parlamente machte, er als ein mächtiger König gelebt haben und gestorben sein würde. Auf der andren Seite kann es nicht im geringsten bezweifelt werden, daß, wenn er sich geweigert hätte, dem Langen Parlamente irgend ein Zugeständniß zu machen, und er zur Vertheidigung des Schiffsgeldes und der Sternkammer die Waffen ergriffen hätte, er Hyde und Falkland neben Hollis und Hampden in den feindlichen Reihen gesehen haben würde. In Wahrheit aber würde er gar nicht im Stande gewesen sein zu den Waffen zu greifen, denn es würden sich keine zwanzig Kavaliere seiner Fahne angeschlossen haben. Nur seinen ausgedehnten Zugeständnissen verdankte er die Unterstützung der großen Masse von Kavalieren und Gentlemen, die so lange und so tapfer für seine Sache fochten. Doch es wäre ganz umsonst gewesen, Jakob diese Dinge vorzustellen.

Außerdem war sein Geist noch in einem andren unseligen Irrthum befangen, den er sich nicht nehmen ließ, bis er ihn ins Unglück gestürzt hatte. Er glaubte steif und fest er könne thun was er wolle, die Mitglieder der Staatskirche würden nach ihren Grundsätzen handeln. Es war, wie er wußte, von zehntausend Kanzeln herab gepredigt und von der Universität Oxford feierlich erklärt worden, daß selbst eine so fürchterliche Tyrannei wie die der verderbtesten Cäsaren den Widerstand der Unterthanen gegen die königliche Autorität nicht rechtfertige, und er war schwach genug, hieraus den Schluß zu ziehen, daß die ganze Hauptmasse der toryistischen Gentlemen und Geistlichen sich geduldig von ihm ausplündern, bedrücken und verhöhnen lassen würde, ohne nur die Hand gegen ihn zu erheben. Man sollte es kaum für möglich halten, daß ein Mann, der sein fünfzigstes Lebensjahr zurückgelegt hatte, noch nicht dahinter gekommen war, daß die Menschen zuweilen etwas thun, obgleich sie es als unrecht erkennen. Jakob brauchte nur in sein eignes Herz zu blicken, um hinreichende Beweise dafür zu erhalten, daß selbst ein starkes religiöses Pflichtgefühl den schwachen Menschen nicht immer abhält, trotz aller göttlichen Gebote und auf die Gefahr der furchtbarsten Strafen hin, seinen Leidenschaften zu fröhnen. Er mußte wissen, daß er, obgleich er den Ehebruch für eine Sünde hielt, dennoch ein Ehebrecher war; aber nichts vermochte ihn zu überzeugen, daß ein Mensch, der den Aufruhr laut für sündlich erklärte, je einmal im Nothfalle selbst ein Aufrührer werden konnte. Die Kirche Englands war seiner Ansicht nach ein passives Opfer, das er ohne die mindeste Gefahr nach Gutdünken mißhandeln und quälen konnte, und er sah seinen Irrthum nicht eher ein, als bis die Universitäten Anstalt trafen, aus ihrem Silbergeschirr Geld schlagen zu lassen, damit sie die Kriegskasse seiner Feinde unterstützen konnten, und bis ein lange Zeit durch seine Loyalität ausgezeichneter Bischof den Priesterrock abwarf, das Schwert um die Lenden gürtete und das Commando eines Insurgenten­regiments übernahm.

Sunderland bestärkt den König in seinen Irrthümern. In diesen unseligen Täuschungen wurde der König arglistigerweise durch einen Minister bestärkt, der Exclusionist gewesen war und sich noch immer einen Protestanten nannte, den Earl von Sunderland. Die Beweggründe und die Handlungsweise dieses grundsatzlosen Staatsmannes sind oft irrig dargestellt worden. Er wurde bei seinen Lebzeiten von den Jakobiten beschuldigt, daß er schon vor dem Regierungsantritte Jakob’s eine Revolution zu Gunsten des Prinzen von Oranien hervorzurufen beabsichtigt und daß er zu dem Ende eine Reihe von Gewaltmaßregeln gegen die staatliche und kirchliche Verfassung des Reichs anempfohlen habe. Diese grundlose Fabel ist bis auf unsere Tage von unwissenden Schriftstellern nacherzählt worden. Aber kein gut unterrichteter Geschichtsforscher, welches auch seine vorgefaßte Meinung sein mochte, hat sich entschließen können, daran zu glauben, denn es liegt durchaus kein Beweis dafür vor, und einsichtsvolle Männer würden sich kaum durch irgend einen Beweis überzeugen lassen, daß Sunderland absichtlich Schuld und Schande auf sich lud, um eine Veränderung herbeizuführen, durch die er offenbar unmöglich etwas gewinnen konnte und durch die er in der That nachher unermeßlichen Reichthum und Einfluß verlor. Auch ist nicht der mindeste Grund zu einer so sonderbaren Annahme vorhanden, denn das Wahre liegt klar auf der Hand. So krumm auch die Wege dieses Mannes waren, das Gesetz, welches sie ihm vorzeichnete, war sehr einfach. Sein Verfahren muß dem abwechselnden Einflusse der Habgier und der Furcht auf einen für diese beiden Leidenschaften sehr empfänglichen und mehr scharfsichtigen als weitsehenden Geist zugeschrieben werden. Er wollte mehr Macht und mehr Geld haben. Mehr Macht konnte er nur auf Unkosten Rochester’s erlangen, und das klar vorliegende Mittel zur Erreichung dieses Zweckes war, daß er das Mißfallen des Königs an Rochester’s gemäßigten Rathschlägen nährte. Geld war am leichtesten und am reichlichsten vom Hofe von Versailles zu erlangen, und Sunderland eilte, sich diesem Hofe zu verkaufen, er hatte keine heiteren und anständigen Laster, gegen Wein und Frauenschönheit war er sehr gleichgültig; aber er besaß eine zügellose, unersättliche Begierde nach Reichthum. Eine maßlose Spielwuth beherrschte ihn und war durch ungeheure Verluste nicht vermindert worden. Er war der Erbe eines großen Vermögens, hatte lange Zeit einträgliche Ämter bekleidet und kein Mittel gescheut, wodurch er sie noch einträglicher machen konnte; aber sein Unglück am Spieltisch war so groß, daß seine Güter von Tag zu Tag mit immer neuen Schulden belastet wurden. In der Hoffnung, sich aus seinen Verlegenheiten zu reißen, verrieth er Barillon alle gegen Frankreich gerichteten Pläne, die im englischen Kabinet geschmiedet worden waren, und gab zu verstehen, daß in solchen Zeiten ein Staatssekretär Dienste leisten könne, welche gut zu bezahlen von Ludwig sehr weise gehandelt sein würde. Der Gesandte sagte seinem Gebieter, daß sechstausend Guineen die kleinste Gratification sei, die man einem so einflußreichen Minister anbieten könne. Ludwig willigte ein bis zu fünfund­zwanzig­tausend Kronen zu gehen, was ungefähr so viel als fünftausend­sechs­hundert Pfund Sterling war. Man kam überein, daß Sunderland jährlich diese Summe erhalten und dagegen seinen ganzen Einfluß aufbieten sollte, um die Wiedereinberufung des Parlaments zu hintertreiben.59

Er trat deshalb der jesuitischen Cabale bei und wußte den Einfluß derselben so geschickt zu benutzen, daß er zum Nachfolger Halifax’ in der hohen Stellung eines Lordpräsidenten ernannt wurde, ohne deshalb den viel einflußreicheren und einträglicheren Posten als Staatssekretär aufgeben zu müssen.60 Er sah jedoch wohl ein, daß er nie hoffen konnte einen überwiegenden Einfluß bei Hofe zu erlangen, so lange er noch für ein Mitglied der Staatskirche galt. Ihm war jede Religion gleich, und er pflegte in Privatzirkeln oft von den heiligsten Dingen mit einer empörenden Geringschätzung zu sprechen. Er beschloß daher, dem Könige das Vergnügen und den Ruhm zu verschaffen, eine Bekehrung zu Stande gebracht zu haben. Die Sache mußte indessen mit Vorsicht und Geschick angegriffen werden. Niemand ist völlig gleichgültig gegen die Meinung seiner Nebenmenschen, und wenn sich auch Sunderland aus der Schande wenig machte, so fürchtete er doch das Schimpfliche eines öffentlichen Abfalles. Er spielte seine Rolle mit seltener Gewandtheit. Der Welt zeigte er sich als Protestanten; im königlichen Kabinet nahm er die Miene eines ernsten Wahrheitsforschers an, der schon fast dahin gebracht war, sich für römisch-katholisch zu erklären, und in Erwartung weiterer Erleuchtung vorläufig schon geneigt war, den Bekennern des alten Glaubens jeden in seiner Macht stehenden Dienst zu leisten. Jakob, der nie sehr scharfsichtig, in religiösen Dingen aber völlig blind war, ließ sich trotz Allem, was er von menschlicher Schurkerei, der Schurkerei der Höflinge im Allgemeinen und der Schurkerei Sunderland’s im Besonderen erfahren hatte, zu dem Glauben verlocken, daß die göttliche Gnade das falscheste und verstockteste aller menschlichen Herzen gerührt habe. Viele Monate lang wurde der schlaue Minister am Hofe für einen hoffnungsvollen Katechumenen gehalten, ohne daß er deshalb in den Augen des Publikums als Renegat erschien.61

Er machte den König in Zeiten darauf aufmerksam, daß es zweckmäßig sein dürfte, einen geheimen Ausschuß von Katholiken zu bilden, der in allen die Interessen ihres Glaubens berührenden Angelegenheiten Rath zu ertheilen habe. Dieser Ausschuß versammelte sich bald in Chiffinch’s Privatwohnung, bald in den amtlichen Gemächern Sunderland’s, der, obgleich dem Namen nach noch Protestant, an allen ihren Berathungen Theil nahm und bald ein entschiedenes Übergewicht über die anderen Mitglieder erlangte. Jeden Freitag speiste die jesuitische Cabale bei dem Staatssekretär. Bei Tafel herrschte eine sehr freie Unterhaltung und die Schwächen des Fürsten, den die Verbündeten zu leiten hofften, wurden dabei nicht geschont. Dem Petre versprach Sunderland den Cardinalshut, Castelmaine eine glänzende Gesandtschaft in Rom, Dover ein einträgliches Commando in der Garde und Tyrconnel eine hohe Stellung in Irland. So durch die stärksten Bande des Interesses mit einander verbunden, gingen diese Männer ans Werk, die Macht des Schatzmeisters zu stürzen.62

Treulosigkeit Jeffreys’. Es waren im Kabinet zwei protestantische Mitglieder, welche an dem Kampfe keinen thätigen Antheil nahmen. Jeffreys wurde um diese Zeit von einer schmerzhaften inneren Krankheit gequält, die sich durch Unmäßigkeit verschlimmert hatte. Bei einem Gastmahle, das ein reicher Alderman einigen Regierungs­häuptern gab, waren der Lordschatzmeister und der Lordkanzler dermaßen betrunken, daß sie sich fast splitternackt auskleideten und nur mit Mühe abgehalten werden konnten, auf einen Schildpfahl zu klettern, auf dem sie die Gesundheit Sr. Majestät ausbringen wollten. Der fromme Schatzmeister kam mit dem bloßen Skandale davon, der Kanzler aber bekam einen heftigen Anfall seines Übels. Eine Zeit lang glaubte man sein Leben sei in ernster Gefahr. Jakob zeigte sich sehr beunruhigt durch den Gedanken an den Verlust eines Ministers, der sich so gut in ihn zu schicken wußte, und sagte, in gewissem Sinne mit Recht, daß ein solcher Mann nicht leicht zu ersetzen sei. Als Jeffreys wieder genesen war, versprach er beiden streitenden Parteien seine Unterstützung und wartete es ab, welche von ihnen sich als siegreich erweisen würde. Einige merkwürdige Beweise von seiner Doppelzüngigkeit sind noch vorhanden. Wir haben schon erwähnt, daß die ehemals in London sich aufhaltenden zwei französischen Agenten sich in den englischen Hof getheilt hatten. Bonrepaux verkehrte beständig mit Rochester, Barillon mit Sunderland. In einer und derselben Woche erfuhr Ludwig durch Bonrepaux, der Kanzler sei ganz befreundet mit dem Schatzmeister, und durch Barillon, der Kanzler habe sich mit dem Sekretär63 verbündet.

Godolphin und die Königin. Der vorsichtige und schweigsame Godolphin that sein Möglichstes, um neutral zu bleiben. Seine Ansichten und Wünsche waren allerdings für Rochester; aber sein Amt nöthigte ihn, beständig in der Nähe der Königin zuzubringen, und daher wollte er natürlich nicht gern auf gespanntem Fuße mit ihr stehen. Man hat in der That Grund zu glauben, daß er mit einer romantischeren Zuneigung an ihr hing, als sie gewöhnlich in dem Herzen ergrauter Staatsmänner Platz findet, und Umstände, deren Erwähnung jetzt nöthig wird, hatten sie gänzlich der jesuitischen Cabale in die Arme geworfen.64

Liebeshändel des Königs. Der König stand trotz seines unfreundlichen Charakters und seiner ernsten Haltung doch nicht viel weniger unter der Herrschaft weiblicher Reize, als ehedem sein lebhafterer und liebenswürdigerer Bruder. Allerdings fragte Jakob nicht viel nach der Schönheit, durch die sich die begünstigten Damen Karl’s auszeichneten. Barbara Palmer, Eleonore Gwynn und Louise von Quérouaille gehörten zu den schönsten Frauen ihrer Zeit. Jakob hatte schon in früher Jugend um der unschönen Gesichtszüge der Anna Hyde willen seiner Freiheit entsagt, war unter seinen Rang herabgestiegen und hatte sich dadurch das Mißfallen seiner Familie zugezogen. Zum großen Ergötzen des Hofes hatte er sich bald von seiner simplen Gemahlin durch eine noch simplere Geliebte, Arabella Churchill, abziehen lassen. Seine zweite Gemahlin hatte häufig Ursache, sich über seine Unbeständigkeit zu beklagen, obgleich sie zwanzig Jahr jünger als er und von Gesicht wie von Gestalt nicht häßlich war. Aber die stärkste von allen seinen unerlaubten Neigungen war die, welche ihn an Katharine Sedley fesselte.

Katharine Sedley. Diese Dame war die Tochter des Sir Karl Sedley, eines der glänzendsten aber sittenlosesten Schöngeister der Restauration. Die Schamlosigkeit seiner Schriften wird nicht durch besondere Eleganz und Lebendigkeit der Sprache aufgewogen; aber der Zauber seiner Conversation wurde selbst von ernsten Männern, die seinen Character nicht achteten, anerkannt. Es wurde als eine besondere Gunst betrachtet, im Theater neben ihm zu sitzen und sein Urtheil über ein neues Stück zu hören.65 Dryden hatte ihm die Ehre erzeigt, ihn zu einer Hauptperson in dem Gespräch über dramatische Dichtkunst zu machen, Sedley’s Lebenswandel war von der Art, daß er selbst zu jener Zeit Ärgerniß erregte. Einmal zeigte er sich nach einem schwelgerischen Gelage ohne eine Spur von Kleidungsstück auf dem Balcon eines Gasthauses unweit Coventgarden und haranguirte das vorübergehende Volk in einer so unanständigen und gottlosen Sprache, daß er deshalb gerichtlich verfolgt, zu einer schweren Geldbuße verurtheilt wurde und vom Gerichtshofe der Kings Bench einen sehr nachdrücklichen Verweis erhielt.66 Seine Tochter hatte seine Talente und seine Schamlosigkeit geerbt. Körperliche Reize besaß sie nicht, außer einem Paar blitzender Augen, deren Glanz jedoch Männern von wirklich feinem Geschmack frech und unweiblich vorkam. Von Gestalt und Gesicht war sie hager. Karl fand zwar Gefallen an ihrer Unterhaltung, lachte aber über ihre Häßlichkeit und sagte die Priester müßten sie seinem Bruder als Bußmittel empfohlen haben. Sie wußte sehr wohl, daß sie nicht hübsch war und scherzte selbst über ihre Häßlichkeit. Sonderbarerweise aber schmückte sie sich trotzdem sehr gern und machte sich oft lächerlich, wenn sie mit Schönpflästerchen beklebt, geschminkt, in brüsseler Spitzen gekleidet, von Diamanten strahlend und alle Reize eines achtzehnjährigen Mädchens affectirend, im Theater erschien.67

Welcher Art ihr Einfluß auf Jakob war, ist nicht leicht zu erklären. Er war nicht mehr jung und ein religiöser Mann, oder wenigstens bereit, für seine Religion Anstrengungen und Opfer aufzuwenden, vor denen die meisten von Denjenigen, die man religiös nennt, zurückschrecken würden. Es muß auffallend erscheinen, daß irgend welche Reize im Stande waren, ihn zu einem Lebenswandel zu verleiten, den er als höchst strafbar betrachtet haben muß; und in diesem Falle konnte man nicht einmal begreifen, wo der Reiz lag. Katharine selbst war erstaunt über die Heftigkeit seiner Leidenschaft. „Meine Schönheit kann es nicht sein“, sagte sie, „denn er muß doch sehen, daß ich eben nicht schön bin; und mein Geist kann es auch nicht sein, denn er hat nicht genug, um zu bemerken, daß ich welchen habe.“

Zur Zeit seines Regierungsantritts machte das Gefühl der auf ihn lastenden neuen Verantwortlichkeit den König besonders empfänglich für religiöse Eindrücke. Er faßte und äußerte viele gute Vorsätze, sprach öffentlich mit großer Strenge von den gottlosen und ausschweifenden Sitten der Zeit und versprach privatim der Königin und seinem Beichtvater, daß er Katharine Sedley nicht mehr sehen wolle. Er ersuchte seine Maitresse schriftlich, die Gemächer, die sie in Whitehall bewohnte, zu verlassen und ein Haus am St. James Square zu beziehen, das auf seine Kosten prachtvoll für sie eingerichtet worden war. Zu gleicher Zeit versprach er ihr einen hohen Jahrgehalt aus seiner Chatulle. Die kluge, energische, unerschrockene und sich ihrer Macht bewußte Katharine aber weigerte sich das Feld zu räumen. Schon nach wenigen Monaten raunte man sich zu, daß Chiffinch’s Dienste wieder in Anspruch genommen würden und daß die Maitresse häufig durch die verborgene Thür aus- und eingehe, durch welche Pater Huddleston die Hostie an Karl’s Bett gebracht hatte. Die protestantischen Minister des Königs hofften wahrscheinlich, die Verblendung ihres Gebieters für dieses Weib könne ihn von der weit gefährlicheren Verblendung heilen, die ihn antrieb, ihre Religion anzugreifen. Sie besaß alle die Talente, die sie befähigen konnten, mit seinen Gefühlen und seinen Gewissensscrupeln Scherz zu treiben und ihm die Schwierigkeiten und Gefahren, in die er sich kopfüber stürzte, mit den grellsten Farben auszumalen.

Intriguen Rochester’s zu Gunsten der Katharine Sedley. Rochester, der Vorkämpfer der Kirche, bemühte sich, ihren Einfluß zu vergrößern. Ormond, der gewöhnlich als die personificirte Sittenreinheit und Hochsinnigkeit des englischen Kavaliers betrachtet wird, unterstützte ebenfalls diesen Plan. Selbst Lady Rochester schämte sich nicht, das Ihrige dazu beizutragen und zwar in der abscheulichsten Weise. Ihre Aufgabe bestand darin, die Eifersucht der beleidigten Gemahlin auf eine ganz unschuldige junge Dame zu lenken. Dem ganzen Hofe fiel die Kälte und Härte auf, mit der die Königin dem armen Mädchen begegnete, auf welche der Verdacht geworfen war, aber die Ursache der üblen Laune Ihrer Majestät war ein Geheimniß. Eine Zeit lang wurde die Intrigue glücklich und unentdeckt fortgesponnen. Katharine sagte dem Könige oft keck ins Gesicht, was die protestantischen Lords des Geheimen Raths nur in den zartesten Ausdrücken leise anzudeuten wagten. Seine Krone, sagte sie, sei in Gefahr, der alte kindische Arundell und der großsprecherische Tyrconnel würden ihn ins Verderben führen. Es ist leicht möglich, daß sie durch ihre Liebkosungen noch das erreicht haben würde, was dem vereinten Zureden der Lords und Gemeinen, des Hauses Österreich und des heiligen Stuhles nicht gelingen wollte, hätte nicht ein sonderbarer Unfall die ganze Gestalt der Dinge verändert. Jakob beschloß in einem Anfalle von Zärtlichkeit, seine Geliebte zur Gräfin von Dorchester zu erheben. Katharine erkannte die ganze Gefährlichkeit eines solchen Schrittes und lehnte die gehässige Ehre ab. Ihr Geliebter aber beharrte darauf und drückte ihr selbst das Diplom in die Hand. Endlich nahm sie es unter einer Bedingung an, welche ihr Vertrauen auf ihre Macht und seine Schwäche beweist. Er mußte ihr das feierliche Versprechen geben, nicht daß er sie nie verlassen, sondern nur daß er ihr in diesem Falle seinen Entschluß selbst ankündigen und ihr eine Abschieds­zusammen­kunft gewähren wolle.

Notes in this chapter

Note 1 · Die damals in verschiedenen Sprachen erschienenen Schriften über diese Verfolgung sind unzählig. Eine ungemein klare, elegante und geistvollNote 2 · „Mi dicono che tutti questi parlamentarii ne hanno voluto copia, il che assolutamente avrà causate pessime impressioni.“ Adda v. 9.(19.) NovNote 3 · Lords’ Journals, Nov. 9. 1685. „Vengo assicurato“, sagt Adda, „che S. M. stessa abbia composto il discorso.“ — Depesche vom 16.(26.) Nov. 16Note 4 · Commons’ Journals; Bramston’s Memoirs; Jakob von Leeuwen an die Generalstaaten, 10.(20.) Nov. 1685. Leeuwen war Sekretär bei der holländischNote 5 · Dodd’s Church History; Leeuwen, 17.(27.) Nov. 1685; Barillon, 24. Dec. 1685. Barillon sagt von Adda: „On l’avoit fait prévenir que la suretéNote 6 · Commons’ Journals, Nov. 12. 1685; Leeuwen, 13.(23.) Nov.; Barillon, 16.(26.) Nov.; Sir John Bramston’s Memoirs. Der beste Bericht über die VNote 7 · Common’s Journals, Nov. 13. 1685; Bramston’s Memoirs; Reresby’s Memoirs; Barillon, 16.(26.) Nov.; Leeuwen, 13.(23.) Nov.; Memoirs of Sir SteNote 8 · Commons’ Journals, Novbr. 16, 1685; Harl. MS. 7187; Lansd. MS. 235.Note 9 · Commons’ Journals, Nov. 17, 18. 1685.Note 10 · Commons’ Journals, Nov. 18. 1685; Harl. MS. 7187; Lansd. MS. 253; Burnet I. 667. 27. Lonsdale’s Memoirs. Burnet sagt uns (I. 667), daß nach Note 11 · Burnet, I. 560; Funeral Sermon of the Duke of Devonshire, preached by Kennet, 1708; Travels of Cosmo III. in England. 29. Bramston’s MemoirsNote 12 · Wood, Ath. Ox.; Gooch’s Funeral Sermon on Bishop Compton.Note 13 · Teonge’s Diary. 32. Barillon giebt uns die beste Auskunft über diese Debatte. Ich will seinen Bericht über Mordaunt’s Rede hier im Auszuge aNote 14 · Lords’ und Commons’ Journals, Nov. 20. 1685. 36. Lords’ Journals. Nov. 11, 17, 18. 1685.Note 15 · Burnet, I. 646. 38. Bramston’s Memoirs; Luttrell’s Diary. 39. Der Prozeß in der Collection of State Trials; Bramston’s Memoirs; Burnet, I. 6Note 16 · Lords’ Journals, Nov. 9, 10, 16. 1685. 41. Siehe über die Verderbtheit der Richter in Lord Delamere’s Werken, 1694. 42. „Fa una funzione pieNote 17 · Lady Russell an Dr. Fitzwilliam vom 15. Jan. 1686.Note 18 · Ludwig an Barillon, 10.(20.) Febr. 1685/86.Note 19 · Evelyn’s Diary, Oct. 2. 1685. 47. Clarke’s Life of James the Second, II. 9. Orig. Mem. 48. Leeuwen, vom 1.(11.) und 12.(22.) Jan. 1686. So lNote 20 · Siehe seinen Prozeß in der Collection of State Trials und sein 1681 gedrucktes merkwürdiges Manifest.Note 21 · Mémoires de Grammont; Pepys’s Diary, Aug. 19. 1662; Bonrepaux an Seignelay, 1.(11.) Febr. 1686.Note 22 · Bonrepaux an Seignelay, 1.(11.) Febr. 1686.Note 23 · Mémoires de Grammont; Life of Edward, Earl of Clarendon; Correspondenz Heinrich’s Earl von Clarendon an mehreren Stellen, besonders der BrieNote 24 · Siehe seine spätere Correspondenz an mehreren Stellen; St. Evremond desgl.; die Briefe der Frau von Sévigné zu Anfang des Jahres 1689. Auch Note 25 · Adda, 16.(26.) Nov., 7.(17.) Dec. und 21.(31.) Dec. 1685. Adda giebt in diesen Depeschen gewichtige Gründe für einen Vergleich durch AbschafNote 26 · Fra Paolo, lib. VII.; Pallavicino, lib. XVIII. chap. 15.Note 27 · Ganz dieselbe Methode befolgte auch seine Tochter Anna, und Marlborough sagt, sie habe das von ihrem Vater gelernt. — Vindication of the DucNote 28 · Barillon, 16.(26.) Nov. 1685; Ludwig an Barillon, 26. Nov. (6. Dec.) In einem höchst interessanten Schriftstück, das 1687 so gut als gewiß vNote 29 · Clarke’s Life of James the Second, II. 74, 77. Orig. Mem.; Sheridan MS.; Barillon, March 19.(29.) 1686.Note 30 · Reresby’s Memoirs; Luttrell’s Diary, Feb. 2. 1685/86; Barillon, 4.(14.) Feb., 28. Jan. (7. Feb.); Bonrepaux, 25. Jan. (4. Feb.)Note 31 · Dartmouth’s Note zu Burnet I. 621. In einer zeitgenössischen Satyre heißt es von Godolphin: „Mit staatsklugem Kopf er sich in Alles schickteNote 32 · Pepys, 4. Oct. 1664. 66. Pepys, 1. Juli 1663. 67. Siehe Dorset’s satyrische Verse auf sie.
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