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Geflügelte Worte

XII. Geflügelte Worte aus der Geschichte. (continued 2)

Reading edition

Bruder Studio

erklärt Scheube ("Aus den Tagen unserer Grossväter", S. 174) also: "Als der Gründer der Universität Jena, Kurfürst Johann Friedrich der Grossmütige von Sachsen, aus seiner Gefangenschaft bei Kaiser Karl V. entlassen, am 24. Sept. 1552 feierlichen Einzug hält in seiner neuen Hochschule, da erfreut er sich besonders an der stattlichen Anzahl der ihn jubelnd empfangenden, kräftig frischen Jünglinge. 'Sieh! das ist Bruder Studium!' spricht er lächelnd zu dem im Wagen an seiner Seite sitzenden Lukas Cranach, indem er auf die ihn umgebenden Musensöhne deutet. Das Wort schlägt ein, und bald wird es zur allgemeinen Bezeichnung des deutschen Studenten, als die es wohl bis an das Ende aller Dinge fortleben wird".—

Fiat iustitia, et pereat mundus

wird in den "Loci communes" (1563) des Joh. Manlius II, p. 290 als Wahlspruch Kaiser Ferdinands I. (reg. 1556-64) angegeben, und Zincgref ("Apophth." Strassb. 1626, S. 107) sagt von diesem Kaiser: "Es war ihm auch diese Rede sehr gemein: 'Das Recht muss seinen Gang haben und sollte die Welt darüber zu Grunde gehen'."—

Dass

die Türkei der kranke Mann

genannt wird, erklärt sich also: Auf der Münchener Staatsbibl. (Cod. germ. 4055, S. 148-153) befindet sich ein Lied des Chorherrn zu Baumburg J. Albert Poysel, "Der Türk ist krank", 1683 (von Ditfurth. "Histor. Volksl. von 1648-1746", No. 45, Heilbr. 1877), in dem es heisst:

Mein Hirn das schwindt, mein Haupt empfindt Ohnmachten und Hinfallen; . . . . . . . . . . . . . . . Mein Alkoran und mein Divan In schwerer Schwachheit liegen; Mein g'habte Macht, mein g'führte Pracht Liegen fast in den Zügen.

No. 47 daselbst (Münchener Staatsbibl., Cod. germ. 4088, S. 117) von demselben Verfasser ist betitelt:

Suldans Krankheit. 1684.

Der Sultan klagt darin über seine Krankheit, und es wird ihm von zehn Ärzten über dieselbe Aufklärung erteilt.

Schon zu Ende des 17. Jahrh. hatte Sir Thomas Roe, Botschafter Jakobs II. in Konstantinopel, geschrieben, dass das Osmanenreich dem Körper eines alten Mannes gleiche, der, mit Krankheit bedeckt, den Anschein der Gesundheit annehme, obwohl sein Ende nahe sei. In Montesquieus "Lettres Persanes" (1721), I, Brief 19 heisst es dann: "Ich habe mit Erstaunen die Schwäche der Osmanen gesehen. Dieser kranke Körper wird nicht durch eine milde und massige Diät erhalten, sondern durch gewaltsame Mittel, die ihn unaufhörlich erschöpfen und untergraben" . . . und Voltaire (Correspondance XVI) schrieb an Katharina II.: "Votre Majesté dira que je suis un malade bien impatient et que les Turcs sont beaucoup plus malades". Nach H. v. Treitschke ("Deutsche Geschichte im 19. Jahrh." IV, 331) nannte Ancillon den Sultan zuerst einen "kranken Mann".

Endlich enthält ein 1854 im englischen Parlamente verteiltes Blaubuch die Unterredungen von Nikolaus I. mit dem britischen Gesandten Sir George Hamilton Seymour in Petersburg in den Monaten Januar bis April 1853. Am 14. Januar hatte der Kaiser der Pforte als eines an Altersschwäche leidenden Kranken erwähnt, der plötzlich unter den Händen sterben könnte. Seymour hatte über das Gespräch nach London an Lord Russel berichtet. Auf des letzteren Rückäusserung, die Auflösung des Patienten würde doch vielleicht noch länger, vielleicht noch hundert Jahre dauern, sagte der Kaiser zum Gesandten am 20. Februar 1853: "Ich wiederhole Ihnen, dass der Kranke im Sterben liegt".—

Über

Alter Schwede

bemerkte von Treitschke in einem Vortrage an der Berliner Universität über "Geschichte des preussischen Staates" (Sommer 1879), der Ausdruck sei dadurch entstanden, dass der grosse Kurfürst (1640-88) alte gediente schwedische Soldaten in seine Dienste zu treten veranlasste. Diese Leute seien vornehmlich zu Unteroffizieren gemacht worden, weil sie Rekruten gut zu drillen verstanden; sie hiessen "die alten Schweden". Weigand erklärt die Redensart als "Mann von altem Schrot und Korn"; "Der richtige Berliner" (4. Aufl., 1882, S. 92) als "gemütliche Anrede".—

In der Schlacht am Speierbache am 14. Nov. 1703 im spanischen Erbfolgekriege waren die deutschen Truppen, unter ihnen die von ihrem Erbprinzen geführten Hessen-Kasseler, geschlagen worden. Am 13. Aug. 1704 verloren die Franzosen die Schlacht bei Höchstedt (Blenheim). Als ihr Feldherr, Marschall Tallard, gefangen vor den Erbprinzen von Hessen geführt wurde, rief ihm dieser entgegen: "Ah, monsieur le maréchal, vous êtes très-bien venu, voilà de la revanche pour Speierbach".

Revanche für Speierbach

ist noch heute ein in Hessen und Westfalen geläufiges Wort.—

Nach Erman ("Mémoires pour servir à l'histoire de Sophie Charlotte, reine de Prusse" Berlin 1801, p. 197) beklagte sich Leibniz (1646-1716), die Königin Sophie Charlotte frage immer noch weiter, auch wenn er ihr ein philosophisches Problem gelöst habe: sie verlange,

le pourquoi du pourquoi, das Warum des Warums

zu erfahren.—

1716 wurde auf Grund einer Denkschrift des Grafen Karl Truchsess eine Reform wegen der Kriegsgefälle des platten Landes in dem Amt Brandenburg versucht, und der Graf und vier von den preussischen Ständen wurden zur Beratung nach Berlin beschieden. Ein Erbieten der vier preussischen Herren, die 220000 Thaler jährlich, auf die der König rechnete, in bisheriger Weise aufzubringen und dies mit dem dazu berufenen Landtage zu vereinbaren, lehnte Friedrich Wilhelm I. (reg. 1713-40) durch folgende Randbemerkung vom 25. April 1716 an die Kommission ab:

"sie sollen mir ihre Meinung schreiben, ob das nicht angeht sonder mein prejudice, dass ich den Landtag lasse ausschreiben; und gebe auch 4000 Thlr. Diäten. Aber die Hubenkommission soll ihren Fortgang haben. Ich komme zu meinem Zweck und stabiliere die Souveränität und setze die Krone fest wie einen

rocher von bronze,

und lasse den Herren Junkers den Wind von Landtag. Man lasse den Leuten Wind, wenn man zum Zweck kommt. Ich erwarte ihr sentiment". (Droysen: "Gesch. der Preuss. Polit.", Berl. 1855-81, IV, 2. Abtl. S. 198.) Daher scheint es unhistorisch, dass ein Bericht der Stände Preussens über die neue Besteuerung die Worte enthalten habe: Tout le pays sera ruiné (das ganze Land wird ruiniert werden), und dass der König dazu folgende Randbemerkung beigefügt habe: "Tout le pays sera ruiné? Nihil kredo[76], aber das Kredo[77], dass die Junkers ihre Autorität Nie pozwolam[78] wird ruiniert werden. Ich stabiliere die Souveränetät wie einen Rocher von Bronze". Wer erzählt das zuerst?—

Wir nennen einen Aufschneider und seine Aufschneidereien einen

Münchhausen und Münchhausiaden.

Freiherr Karl Friedrich Hieronymus von Münchhausen, auf Bodenwerder bei Hannover (1720-97) hatte sich durch die Erzählung unglaublicher Abenteuer, die er selbst erlebt haben wollte, einen Namen gemacht, so dass bereits im "Vademecum für lustige Leute" T. 8 (Berl. 1781, S. 92, No. 175) sechzehn "M—h—s—nsche Geschichten", und Teil 9 (1783. S. 76, No. 166) "Noch 2 M—Lügen" vorkommen. Auch gab er Veranlassung zu dem 1785 in London erschienenen, vom Professor Raspe in englischer Sprache verfassten Buche: "Baron Münchhausens Erzählung seiner wundersamen Reisen und Campagnen in Russland", das Bürger ins Deutsche übertrug. (Raspe war nach "the Gentleman's Magazine for January 1856", S. 2, storekeeper at Dolcoath Mine, in Cornwall und schrieb hier das Buch.) Immermanns humoristischer Eoman "Münchhausen" erschien 1838-39.—

Das Wort Friedrichs des Grossen (reg. 1740-86):

Gazetten müssen nicht geniert werden

ist einem Briefe des Kabinetsministers Grafen Podewils vom 5. Juni 1740 an Minister von Thulmeyer entlehnt, welchem darin der Wille des Königs mitgeteilt wird, dem Redakteur der Berliner Zeitung unbeschränkte Freiheit zu lassen, in dem Artikel "Berlin" von demjenigen, "was anitzo hier vorgeht", zu schreiben, was er will, ohne dass er censiert werde. "Ich nahm mir zwar die Freiheit", fährt Podewils fort, "darauf zu regerieren, dass der ***sche Hof über dieses Sujet sehr pointilleux sei. Se. Majestät erwiderten aber, dass Gazetten, wenn sie interessant sein sollten, nicht geniert werden müssten" (J. D. E. Preuss, "Friedrich der Grosse. Eine Lebensgeschichte". B. 3, S. 251).—

Am 22. Juni 1740 berichteten Staatsminister von Brand und Konsistorialpräsident v. Reichenbach an Friedrich II., dass wegen der römisch-katholischen Soldatenkinder, besonders zu Berlin, römisch-katholische Schulen angelegt wären, die zu allerlei Inkonvenienzen, namentlich aber dazu Gelegenheit gegeben hätten, dass wider des Königs ausdrücklichen Befehl aus Protestanten römisch-katholische Glaubensgenossen gemacht worden wären. Dies habe der Generalfiskal berichtet. Sie fragten nun an, ob die römisch-katholischen Schulen bleiben, oder welche andere Antwort sie dem Generalfiskal geben sollten. Der König schrieb an den Rand:

"Die Religionen Müsen alle Tolleriret werden und Mus der Fiscal nuhr das Auge darauf haben, das keine der andern abrug Tuhe, den hier mus ein jeder nach seiner Fasson Selich werden".

(Büsching, "Charakter Friedrichs II., Königs von Preussen".) Danach citiert man als Wort des Königs:

In meinem Staate kann jeder nach seiner Façon selig werden.

Er mochte in den "Mémoires, ou oeconomies royales d'état, domestiques, politiques et militaires de Henri le Grand" par Maximilien de Bethune, due de Sully (Amst. 1725, tom. I ch. 19) gelesen haben: "plût a Dieu . . que vous fussiez si prudent que de laisser à chacun gagner Paradis comme il l'entend".—

In dem Aufsatz "Die Tänzerin Barbarina" von Louis Schneider ("Der Bär", Berlin, 10. Jan. 1880, S. 25) wird erzählt, dass, als Graf Dohna für die Bemühungen seines Haushofmeisters C. L. Mayer in der Überführung der Tänzerin nach Berlin im Jahre 1744 auf eine besondere Belohnung desselben antrug, der König geantwortet habe: "Kriegt nichts! hat nur seine

verfluchte Schuldigkeit

gethan". Hat der König dieses Wort zuerst gebraucht? oder ist es schon vorher angewendet worden? Gewöhnlich sagt man:

Verfluchte Pflicht und Schuldigkeit.—

Als Friedrich der Grosse 1745 der Kaiserin Elisabeth von Russland sein Bildnis von Antoine Pesne sandte, gab er ihr in dem Begleitschreiben den Namen einer

Semiramis des Nordens,

den Voltaire später auf Katharina II. anwandte (s. Strauss "Voltaire" 1. Aufl. S. 294).—

Der Philosoph von Sanssouci

nannte Friedrich II. sich selbst, indem er 1752 die erste Sammlung seiner Werke unter dem Titel herausgab: "Oeuvres du Philosophe de Sanssouci. Au Donjon du Château. Avec privilège d'Apollon".—

Friedrichs Reitergeneral Hans Joachim von Zieten (nicht: Ziethen) erwarb sich den Namen:

Zieten aus dem Busch

(nach "Zieten", Gedenkblätter zum 8. Okt. 1880. S. 23) schon 1744 durch die dem Feinde sehr unbequeme und den bedrängten Waffengefährten höchst erfreuliche Plötzlichkeit seines Erscheinens.—

Am 23. Sept. 1757 schrieb Friedrich der Grosse aus Erfurt an Marquis d'Argens eine Épître, worin er den Vorsatz, seinem Leben ein Ende zu machen, deutlich ausspricht. Voltaire, dem diese Epistel zu Gesichte gekommen war, schrieb unmittelbar darauf an den König zwei Briefe, um ihn zu bitten, dass er noch länger leben möchte. In der Antwort des Königs vom 9. Okt. kommt vor:

Pour moi, menacé de naufrage, Je dois, en affrontant l'orage, Penser, vivre et mourir en Roi.

In Schubarts Hymnus "Friedrich der Grosse, März 1786" ("Sämtl. Ged." Stuttg. 1786. II, 406) heisst es:

Du schwurst im Drange der grössten Gefahr, Als König zu denken, zu leben, zu sterben.

Dieser Hymnus wurde in Berlin nachgedruckt; am Tage der Ausgabe wurden 7000 Exemplare verkauft: eine Wache vor dem Hause musste dem Andrange wehren. (Journal von und für Deutschland, 1786, 2, 165.)—

Vor der Schlacht bei Zorndorf (25. Aug. 1758) rief Friedrich dem Garde-Major von Wedel zu, als ihm die ersten zerlumpten Kosaken als Kriegsgefangene vorgeführt wurden:

(Sehe er hier,) mit solchem Gesindel muss ich mich herumschlagen.

(vrgl. Archenholz: "Gesch. d. siebenjähr. Krieges", Berl. 1793. I, 168.)—

Der Fürst ist der erste Diener seines Staats

hat Friedrich der Grosse sechsmal und stets in französischer Form geschrieben. So heisst es in Friedrichs "Mémoires de Brandebourg" (T. 1, p. 123 der Ausg. der Werke Friedrichs durch Preuss): "Un prince est le premier serviteur et le premier magistrat de l'État", und es wiederholt sich in verschiedenen Wendungen, bei denen einmal das Wort "domestique", einmal das Wort "premier ministre" gebraucht wird, an folgenden Stellen: T. 8, p. 65; T. 9, p. 197; T. 24, p. 109; T. 27, p. 297 und kommt ausserdem in dem im Archiv liegenden eigenhändigen 'Testament politique' des Königs vor.

Hettner ("Gesch. d. deutsch. Literat, im 18. Jahrh." 2. Buch. "D. Zeitalt. Friedr. d. Gr." 3. Aufl., Brnschwg. 1879, S. 14) glaubt das Wort auf Massillon zurückführen zu dürfen, "welcher die Knaben- und Jünglingsjahre Friedrichs aufs tiefste beschäftigte". In den berühmten Fasten-Predigten (Petit-Carême), die Massillon auf Befehl des Regenten dem 9jährigen König Ludwig XV. (im Jahre 1717) hielt, steht nämlich: "Sire, die Freiheit, welche die Fürsten ihren Völkern schuldig sind, ist die Freiheit der Gesetze: Ihr seid nur der Diener und Vollstrecker des Gesetzes". (Vous n'en êtes que le ministre et le premier dépositaire.) Diese Anschauung von den Regentenpflichten ist aber noch älter. Schon in Calderon "Das Leben ein Traum" (zuerst gedruckt 1635), Akt I, steht: "Seneca sagte, dass ein König der demütige Sklave seines Staates wäre". Es ist die Stelle aus "De clementia" I, 19 gemeint: "(rex) probavit, non rempublicam suam esse, sed se reipublicae". Und sogar schon von Tiberius überliefert Sueton ("Tib." 29), dass er gesagt habe, "ein guter und heilbringender Fürst müsse dem Senat dienen und der gesamten Bürgerschaft" ("bonum et salutarem principem . . . senatui servire debere et universis civibus . . .").—

Am Schluss des "Exposé du gouvernement prussien" Friedrichs des Grossen heisst es:

"Dies sind einige meiner Betrachtungen und Gedanken über die Regierung dieses Landes, welches, so lange es nicht eine grössere Konsistenz und bessere Grenzen haben wird, von Fürsten regiert werden muss, die

toujours en vedette Posten

sein und die Ohren aufsperren müssen, sich von einem Tag zum andern gegen die verderblichen Pläne ihrer Feinde zu verteidigen".—

Die Randschrift des Königs zu einer Anfrage des Ministeriums vom 18. Dez. 1766 hinsichtlich der Instandsetzung der schadhaft gewordenen Langen Brücke in Berlin "Buchholtz hat kein Geld dazu" lebt in der Form:

Dazu hat Buchholtz kein Geld

noch heute im Volksmunde.

(Buchholtz wurde 1753 Hof-Etats-Rentmeister, dann Kriegs- und Domänenrat, sowie Königlicher Trésorier. S. "Johann August Buchholtz", nach Familienpapieren erzählt vom Hauptmann J. B. Buchholtz in der Berliner Wochenschrift "Der Bär", 1881, No. 11, S. 157 u. s. w., sowie "Jahrbücher für die deutsche Armee und Marine", April 1878, S. 12.)—

Die unklassische Inschrift der 1780 vollendeten königlichen Bibliothek zu Berlin

Nutrimentum spiritus Nahrung des Geistes

verdankt ihren Ursprung wohl einer Lektüre Friedrichs des Grossen, der "Histoire ou vie tirée des monumens anecdotes de l'ancienne Égypte" des Abbé Terrasson (Amst. 1732, S. 70), ein Werk, das Friedrich in einem Briefe aus Ruppin vom 23. März 1733 an Herrn von Grumbkow lobte. Die Überschrift der Bibliothek in Theben lautete nach Diodor 1, 49, 3: "ψυχῆς ἰατρεῖον" ("Klinik für die Seele").

Übrigens gebrauchte der König während der Zeit des Baues die Ausdrücke "aliment de l'esprit" und "nourriture de l'âme" (s. Preuss: "Oeuvres de Frédéric-le-Grand", XXIV, p. 27 und XXV, p. 18). Ad. Streckfuss ("500 Jahre Berliner Geschichte" 3. Aufl., 1. Bd., 8. Abteil., 13. u. 14. Kap.) nennt ohne Beleg als Verfasser der Inschrift Quintus Icilius, der jedoch ein zu guter Lateiner war, um nicht zu wissen, dass "spiritus" ohne Beiwort nur "Hauch" oder "Athem" heisst. "Nutrimentum" oder "Pabulum ingenii" wäre unanfechtbar gewesen. Nach Thiébault ("Mes souvenirs de vingt ans de séjour à Berlin, ou Frédéric le Grand" I, 283; Paris 1804) wählte der König die Inschrift gerade gegen den Rath des Quintus Icilius.—

Nach Ed. Vehse ("Preussen" IV, 175) steht in einer Kabinetsordre Friedrichs des Grossen von 1785 (ein Datum giebt er nicht an):

Ich bin es müde, über Sklaven zu herrschen.

Der Satz entspricht völlig Friedrichs erleuchtetem Sinn. Noch sechzehn Tage vor seinem Tode verfügte er in der Kabinetsordre vom 1. Aug. 1786 über die Besiedelung urbar gemachten Landes bei Tilsit: "Die Bauern, welche da angesetzt werden, müssen ihre Güter alle eigentümlich haben, weil sie keine Sklaven sein sollen" (s. Preuss: "Friedr. d. Gr." 1834. IV, 259-60).—

Im Jahre 1770 war in Jena

"Schwefelbande"

der Name einer als roh berüchtigten Studentenverbindung

(s. H. A. O. Reichardts Selbstbiographie, überarbeitet und herausgegeben von Hermann Uhde, Stuttg. 1877).—

Eine veraltete, allbekannte Anekdote nennen wir einen

Meidinger

wegen der Sammlung "Auserlesener Histörchen", die den Lesestoff der 1783 erschienenen, vielgebrauchten französischen Grammatik Johannes Val. Meidingers bildeten.—

Ein Rothschild

wird ein schwer reicher Mann genannt nach dem Begründer des Handlungshauses zu Frankfurt a. M., Mayer Anselm Rothschild (1743-1812), und nach den Erben seines Namens und Rufes.—

Tempi passati!

geht auf Kaiser Joseph II. (geb. 1741; gest. 1790) zurück. Archenholtz "England und Italien" (1785) erzählt im 2. Bande, S. 46, bei Gelegenheit der Beschreibung des Dogenpalastes in Venedig: "Unter andern ist hier die ausserordentliche Begebenheit vorgestellt, wie Kaiser Friedrich I. 1172 vom Papst Alexander zu Venedig vom Bann mit grossen Feierlichkeiten losgesprochen wurde. Der Kaiser liegt hier der Geschichte gemäss zu den Füssen des Papstes und erhält die Absolution. Es wird erzählt, dass man, als Kaiser Joseph II. diesen Palast besah, geglaubt habe, ihm nicht dies Gemälde zeigen zu dürfen, und daher bemüht gewesen sei, seine Aufmerksamkeit auf andere Gegenstände zu richten; allein vergebens. Der Kaiser ward es gewahr, man sagte ihm mit dem grössten Glimpf, wovon die Rede sei, worauf er lächelnd versetzte: "Tempi passati!" (s. Kap. III das schwermütige: "Die Zeiten sind vorbei!")" Das in Rede stehende Gemälde ist von Federigo Zuccaro († 1609) und hängt in dem Saale des grossen Rats (sala del maggior consiglio) rechts nach der Piazetta zu.—

Nach Georg Webers "Weltgeschichte" (12. Aufl., I, 819) sagte der Minister Fürst Wenzel Anton von Kaunitz (1711-94) zu Joseph II.: "Ein ganzes

Volk in Waffen

ist an Majestät dem Kaiser ebenbürdig".—

Ruhe ist die erste Bürgerpflicht

ist einem öffentlichen Anschlagzettel auf blassrotem Papier mit deutschen Lettern entlehnt, welchen der Minister Graf von der Schulenburg-Kehnert am Montag nach der Schlacht bei Jena an die Strassenecken Berlins heften liess, und welcher lautete: "Der König hat eine Bataille verlohren. Jetzt ist Ruhe die erste Bürgerpflicht. Ich fordere die Einwohner Berlins dazu auf. Der König und seine Brüder leben! Berlin, den 17. Oktober 1806. Graf v. d. Schulenburg". Ein Exemplar des Anschlages befindet sich im Märkischen Provinzial-Museum zu Berlin.—

Die Bezeichnung des Freiherrn vom und zum Stein als

Alles Bösen Eckstein, Alles Guten Grundstein, Aller Deutschen Edelstein

(in der Fassung "Des Guten Grundstein" etc., Inschrift an dem am 9. Juli 1872 auf der Burg Nassau enthüllten Steindenkmale) rührt nach einer "Biographie Steins" des Freiherrn A. v. Seld (s. H. Pröhles "Germania", S. 289) von dem Geheimen Ober-Regierungsrat Süvern (1775-1829) in Berlin her. Der Spruch wurde nach Streckfuss ("500 Jahre Berliner Geschichte" X. Abt., 5. Kap., 3. Aufl., 1880) im Jahre 1808 bekannt. (Wodurch?) In Schmidts "Neuem Nekrolog der Deutschen", 9. Jahrgang (1831), stehen unter einem Stahlstiche des Freiherrn vom Stein die Worte:

Des Rechtes Grund-Stein, Dem Unrecht ein Eck-Stein, Der Deutschen Edel-Stein.

S. 572 stehen dieselben Worte als Motto von Steins Biographie. In den "Erinnerungen an Minister vom Stein" (Altenburg 1832) befindet sich sein Titelbild mit derselben Unterschrift, und in "Steins Lebensabend" von Dr. Wiesman (Münster 1831, S. 35) heisst es: "Noch von einer späten Nachwelt wird mit hoher Achtung genannt werden der edle Name dieses grossen Mannes, unter dessen Bild die dankbaren Zeitgenossen die bedeutungsvollen und treffenden Worte setzten:

Freiherr von Stein, Des Rechtes Grund-Stein, Dem Unrecht ein Eck-Stein, Der Deutschen Edel-Stein".

Sicherlich dachte der Verfasser des Steinspruchs dabei an Jesaias 28, 16: ". . . ich lege in Zion einen Grundstein, einen bewährten Stein, einen köstlichen Eckstein . . ." (s. Kap. I).—

Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende!

(Erweiterung des Ausdrucks in Psalm 73, 19: "ein Ende mit Schrecken nehmen") rief Ferdinand von Schill (1776-1809) am 12. Mai 1809 auf dem Marktplatze von Arneburg an der Elbe der begeisterten Schar zu, die ihm von Berlin aus nachgezogen war. (Haken in "Ferdinand von Schill", Lpz. 1824, Bd. 2, S. 88, setzt hinzu: "Dieser Ausdruck war seiner Vorstellung so geläufig, dass er sich desselben zum öftern bediente".) Es berührt komisch, dass schon Aesops Hasen (Halm 237 c) ähnlich sagen: "βέλτιον ... θανεῖν ἅπαξ ἢ διὰ βίον τρέμειν", "Besser auf einmal sterben, als sein Leben lang in Schrecken sein". Dies scheint aus Homer zu stammen, bei dem wir Il. 15, 511 lesen:

βέλτερον, ἢ ἀπολέσθαι ἕνα χρόνον ἠὲ βιῶναι, ἢ δηθὰ στρεύγεσθαι ἐν αἰνῇ δηιοτῆτι. Besser, die Wahl des Todes beschleunigen oder des Lebens, Als so lang' hinschmachten in schreckensvoller Entscheidung.

und Odyss. 12, 350:

Βούλομ' ἅπαξ πρὸς κῦμα χανὼν ἀπὸ θυμὸν ὀλέσσαι, ἢ δηθὰ στρεύγεσθαι ... Lieber will ich auf einmal den Geist in den Fluten verhauchen, Als noch lang' hinschmachten . . . .—

1811 verteidigte Finanzminister Graf Wallis in Wien eine Verfügung, durch die er die Reduzierung der Bankozettel auf ein Fünftel ihres Nennwerts anordnete, Metternich im Ministerrate gegenüber unter andern mit den Worten:

Was gemacht werden kann, wird gemacht.—

Den Namen "Schar der Rache" gab Major Freiherr Ludwig Adolf Wilhelm von Lützow (1782-1834) im Freiheitskriege der von ihm gesammelten Freischar. Gewöhnlich wird citiert:

Korps der Rache.—

In der Beilage III, Abs. 5 zu Friedrich Wilhelm III. (reg. 1797-1840) Verordnung vom 17. März 1813 über die Organisation der Landwehr (gedr. in d. Hartungschen Holbuchdruckerei) heisst es: "Jeder Landwehrmann wird als solcher durch ein Kreuz von weissem Blech mit der Inschrift

Mit Gott für König und Vaterland

bezeichnet, welches vorn an der Mütze angeheftet wird". "Pro deo, rege et patria" (Für Gott, König und Vaterland) war nach der Berliner Zeitschrift "Der Bär" (1879, No. 16) schon 1701 der Wahlspruch einer Landmiliz zu Bernau bei Berlin.—

So fluscht et bäter, oder: Dat fluscht bäter (So geht es besser von statten)

rief in der Schlacht bei Grossbeeren am 23. Aug. 1813 die pommersche Landwehr, die im Regen unbrauchbaren Flinten umkehrend und mit Kolbenschlägen auf die Schädel der Feinde einhauend.

In Gustav Partheys "Jugenderinnerungen" (1871; I, 397) heisst es über einen Hauptmann von Rode: "Keinen grösseren Gefallen konnte er seinen Leuten thun, als wenn er ihnen erlaubte, die Gewehre umzukehren und mit dem Kolben zu arbeiten. 'Det fluscht besser'! pflegten sie in ihrem Plattdeutsch zu sagen, und diese Redensart ist lange in manchen Berliner Kreisen einheimisch gewesen, ja man erzählte sich, dass auch dem Kronprinzen von Schweden dieses seltsame Wort zu Ohren gekommen, und er sich nach der Bedeutung erkundigt. Als man ihm dieselbe deutlich gemacht, habe er zu den Pommern und Uckermärkern gesagt: Eh bien, flouchez toujours!"—

Nach v. Treitschke ("Deutsche Gesch. im 10. Jahrh.", Lpz. 1879, 1. B., S. 504) wurde Blücher am 19. Okt. 1813, während er die Russen gegen das Gerberthor in Leipzig führte, zum ersten Male von den Kosaken mit dem Ehrennamen begrüsst:

Marschall Vorwärts!—

Am 23. Nov. 1814 schrieb Jacob Grimm an seinen Bruder Wilhelm (Briefwechs. d. Brüd. Grimm. Weimar 1881) vom Wiener Kongress her, der im September begonnen hatte: "Wie dieser Tage der prince de Ligne sagte: "le congrès danse beaucoup, mais il ne marche pas"." Gewöhnlich wird dies Spottwort des österreichischen Feldmarschalls Karl Josef Fürst von Ligne († Dez. 1814) in der Form citiert:

Le congres ne marche pas, il danse.

Varnhagen von Ense ("Galerie v. Bildnissen aus Rahels Umg. u. Briefwchs." Lpz. 1836. I, 92) schreibt: "Der Fürst von Ligne erlebte noch den grossen Kongress von Wien, wo die Feste leichter als die Geschäfte in Gang kamen, und sein berühmtes Wort veranlasst wurde:

Der Kongress tanzt wohl, aber geht nicht".—

H. v. Treitschke ("Hist. u. polit. Aufs.", 4. Aufl., Lpz. 1871, I, 171) sagt in "Hans von Gagern" (München 1861): "Man kennt Blüchers Toast nach Waterloo (18. 6. 1815):

Mögen die Federn der Diplomaten nicht wieder verderben, was das Volk mit so grossen Anstrengungen errungen!"—

Über den Ausdruck:

den Schwerpunkt nach Ofen verlegen

sagt der namenlose Verfasser (Kertbeny, Benkert) der "Spiegelbilder der Erinnerung" (1869. III, S. 189, in der "Geschichte eines Stiefgrossvaters"):

"Österreichs Schwerpunkt liegt in Budapest. Dies 'geflügelte Wort' sprach zuerst dessen Erfinder Friedrich von Gentz 1820 im Kabinete Metternichs aus; im ungarischen Reichstage erklang dies Schlagwort zuerst aus dem Munde des grossen Grafen Széchenyi; 1840 rief Massimo d'Azeglio dies Wort Österreich zu, um es zu bewegen, seine fixe Idee des Besitzes von Oberitalien aufzugeben; dies Wort sprach Graf Camillo Cavour 1857 in Compiègne aus, und diesen guten Rat erlaubte sich Graf Bismarck-Schönhausen 1863 in einer Zirkulardepesche Österreich schriftlich (?), 1866 praktisch auf dem Schlachtfelde zu erteilen."

Graf Beust äusserte in der Sitzung der österreichischen Delegationen vom 19. Aug. 1869, die Redensart entstamme einer Unterredung Bismarcks mit dem österreichischen Gesandten Karolyi.—

Karl von Holtei erzählt ("Vierzig Jahre" IV, 61; vrgl. VI, 137; 2. Aufl. 1859), Zacharias Werner (1768-1823) pflegte "in Zeiten seiner Wiener Heiligkeit", (also von 1814 an bis zu seinem Tode, 1823) Goethe nur mit

d(ies)er grosse Heide

zu bezeichnen ["ein Ausdruck, den der liebenswürdige Grillparzer—wenn er Werners ostpreussischen Dialekt nachahmt, unwiderstehlich!—gar nicht vergessen kann"]. Dies mag Heine zu Ohren gekommen sein, von dem Goethe (Norderney 1826. "Ges. W." her. v. Strodtmann 1, 138 u. a. a. O.) auch öfters "der grosse Heide" genannt wird, bis er dann in seinem Buche "Über Deutschland", 1834 ("Ges. W" 5, 228) meint, "man" lege diesen Namen Goethe bei, doch sei er "nicht ganz passend" wegen des unverkennbaren Einflusses des Christentums auf diesen Dichter. Goethes "Heidentum" betonte übrigens schon vor Werner im Jahre 1811 (aus Dresden am 24. Mai an J. Bertram; vrgl. "Sulp. Boisserée" Stuttg. 1862, 1, 129) Sulpice Boisserée, ohne jedoch vom "grossen Heiden" zu reden.—

Es wird behauptet, dass die letzten Worte, die Goethe am 22. März 1832 vor seinem Tode sprach:

Mehr Licht!

gewesen seien; er soll jedoch eigentlich gesagt haben: "Macht doch den zweiten Fensterladen auch auf, damit mehr Licht hereinkomme".—

Gustav Freytag erzählt in "Karl Mathy. Geschichte seines Lebens" (Lpzg. 1872, S. 49), dass dieser 1831 als junger Kameralpraktikant eine kleine Schrift "Vorschläge über die Einführung einer Vermögenssteuer in Baden", Karlsruhe 1831, bei der badischen zweiten Kammer einreichte, und dass seine Arbeit nach einem rühmenden Bericht Karl Rottecks (1775-1840) mit grosser Anerkennung unter der damals neuen Bezeichnung:

Schätzbares Material

der Kammerbibliothek einverleibt wurde. Dieses Wort fand Anklang. So hielt am 15. Mai 1851 Fürst Schwarzenberg beim Schluss der Dresdener Ministerkonferenzen eine Ansprache, in der es unter anderm hiess:

"Endlich liegen uns schätzbare Materialien vor, welche von den aus unserer Mitte gewählten Kommissionen mit tiefer Sachkenntnis, mit gründlichem Fleiss und dankenswerter Ausdauer zu tage gefördert worden sind, und welche, wenn sie gehörig benutzt werden, zur zweckmässigen Ausbildung und Verbesserung der Bundesverfassung, somit zur Erstarkung und zur Wohlfahrt des Bundes wesentlich beitragen können".

("Berliner Konstitutionelle Zeitung", 17. Juni 1851, Morgenausg.; 26. Juni 1851, Abendausg.)—

Bei dem Festschmause in Halle im Jahre 1834 aus Anlass der Vollendung des neuen Universitätsgebäudes erhielt der Oberleiter des Baues, Oberbaurat Matthias seinen Toast. Kurz darauf erhebt er sich und beginnt: "Meine Herren:

Unvorbereitet wie ich bin— —

hm! hm!— —Unvorbereitet wie ich bin— —hm! hm!"—Weiter geht es nicht, und er zieht harmlos aus seiner Brusttasche ein fertiges Manuskript hervor, welches er in aller Gemütsruhe herunterliest. Das erregte viel Heiterkeit, und das Wort ist in Halle zuerst zum geflügelten geworden.[79] Die Wendung wird scherzhaft umgestaltet zu:

Unvorbereitet wie ich mich habe.[80]—

Einen vorzüglichen Cicerone nennen wir einen

Baedeker,

indem der Koblenzer Buchhändler Karl Baedeker (1801-59) im Jahre 1836 Prof. J. A. Kleins "Rheinreise von Mainz bis Köln, Handbuch für Schnellreisende" (Fr. Röhling, Koblenz 1828) in zweiter Auflage neubearbeitet herausgab, welches Buch der Keim ward zu den jetzt allbeliebten Baedekerschen Reisehandbüchern für Europa und den Orient, die nach des Begründers Tode von dessen Söhnen fortgesetzt worden sind.—

Wir lesen in einem Aufsatze "Ungewöhnliche Charaktere" in den "Neuen Preussischen Provinzialblättern" (hrsg. v. A. Hagen, B. VI, S. 228) von einem 1839 in Königsberg gestorbenen alten, überstudierten Kandidaten und Hospitaliten Johann Wilhelm Fischer. Seine armselige Gestalt zog ihm, der viel auf den Strassen lag, erst die allgemeine Aufmerksamkeit und bald den allgemeinen Anruf:

Guten Morgen, Herr Fischer!

zu, der ihn so verdross, dass er wiederholt bei der Polizei und selbst bei dem königlichen Throne um Abhilfe bat. (S. "Der Königsberger Freimütige", 4. Febr. 1852, No. 29).—

Der beschränkte Unterthanenverstand,

diese Blüte bureaukratischer Überhebung, entstand folgendermassen: 1837 hob der König von Hannover die Verfassung seines Landes auf. Sieben Göttinger Professoren protestierten dagegen, unter ihnen Professor Albrecht aus Elbing. Von vielen Seiten erhielten diese Professoren beistimmende Adressen; auch wurde eine, die von Prince Smith verfasst war, von Einwohnern Elbings an Albrecht gerichtet. Jakob van Riesen in Elbing sendete dem preussischen Minister des Innern von Rochow eine Abschrift davon ein, worauf folgende Antwort erfolgte, deren Original in der Elbinger Stadtbibliothek liegt:

"Ich gebe Ihnen auf die Eingabe vom 30. v. M., mit welcher Sie mir die von mehreren Bürgern Elbings unterzeichnete Adresse an den Hofrath und Professor Albrecht überreicht haben, hierdurch zu erkennen, dass mich dieselbe mit unwilligem Befremden erfüllt hat. Wenn ich auch annehmen will, dass es nur Gewissenszweifel gewesen sind, welche den Professor Albrecht bewogen haben, die ihm angesonnene Eidesleistung für unstatthaft zu halten, so bin ich doch so weit entfernt, die in der Erklärung des Albrecht und seiner Göttinger Amtsgenossen ausgesprochene Beurtheilung des Verfahrens Sr. Majestät des Königs von Hannover dadurch gerechtfertigt oder auch nur entschuldigt zu finden, dass ich solche vielmehr für eine ebenso unbesonnene als tadelnswerthe und nach diesseitigen Landesgesetzen selbst strafbare Anmassung halte. Die Unterzeichner der Adresse an den Professor Albrecht laden daher mit Recht denselben Vorwurf auf sich, indem sie jene Erklärung billigen und loben und dadurch die Gründe derselben zu den ihrigen machen. Es ziemt dem Unterthanen, seinem Könige und Landesherrn schuldigen Gehorsam zu leisten und sich bei Befolgung der an ihn ergehenden Befehle mit der Verantwortlichkeit zu beruhigen, welche die von Gott eingesetzte Obrigkeit dafür übernimmt; aber es ziemt ihm nicht, die Handlungen des Staatsoberhauptes an den Massstab seiner beschränkten Einsicht anzulegen und sich in dünkelhaftem Übermute ein öffentliches Urteil über die Rechtmässigkeit derselben anzumassen u. s. w. u. s. w.

Berlin, den 15. Januar 1838.

Der Minister des Innern und der Polizei,

von Rochow".

Aus den Worten des dritten Absatzes des mitgeteilten Schriftstückes: "Es ziemt dem Unterthanen nicht, die Handlungen des Staatsoberhauptes an den Massstab seiner beschränkten Einsicht anzulegen", ist unser Wort gemacht worden. Georg Herwegh wendete es in seinem im Dez. 1842 aus Königsberg an Friedrich Wilhelm IV. von Preussen gerichteten Briefe an.

In den "Erinnerungen" von J. D. H. Temme (Feuilleton der "Frankfurter Zeitung", 2. April 1879) steht: "Jener bekannte Satz des preussischen Polizeiministers von Rochow, vielmehr seines Geheimrates Seiffart: der beschränkte Unterthanenverstand" u. s. w. In einer Fussnote wird hinzugefügt: "Auch der Geheimrat Seiffart war nicht der Vater der berüchtigten Phrase vom beschränkten Unterthanenverstande. Ein mir befreundeter Rat des Rochowschen Ministeriums teilt mir folgendes über die kleine Geschichte mit: — — — Die Angelegenheit gehörte zu dem Decernat des Herrn Seiffart. Herr Seiffart hatte einen Hilfsarbeiter, einen hochmütigen, übermütigen jungen Assessor; — — er hatte auch den Bescheid auf den Elbinger Bericht abzufassen, und er hatte darin jene Phrase angebracht. Dem Herrn Seiffart war sie wohl aus der Seele geschrieben; er liess sie stehen; auch der Herr von Rochow, wie feine Umgangsformen er auch besass, war nicht der Mann, der sie hätte unterdrücken mögen. Mein Freund nannte mir auch den Namen des jungen Assessors; ich erinnere mich desselben aber nicht mehr mit Bestimmtheit und mag daher hier nicht Gefahr laufen, vielleicht einen unrichtigen zu nennen".—

Die grüne Patina, welche so wirkungsvoll edle alte Bronzen überzieht, und dann im allgemeinen jeden altertümlichen Reiz, nennen wir mit Friedrich Wilhelm IV. (reg. 1840-1861):

den verschöne(r)nden Rost der Jahrhunderte;

denn dieser König sprach bei der Huldigung in Königsberg am 10. September 1840:

"So wolle Gott unser preussisches Vaterland sich selbst, Deutschland und der Welt erhalten, mannigfach und doch Eins, wie das edle Erz, das, aus vielen Metallen zusammen geschmolzen, uns ein einziger Edelstein ist,—keinem andern Rost unterworfen, als dem verschönenden der Jahrhunderte."—

Friedrich Wilhelm IV. empfing 1842 den jugendlichen Dichter Herwegh mit den Worten:

Ich liebe eine gesinnungsvolle Opposition.—

Er sagte in der am 11. April 1847 vor dem Vereinigten Landtage gehaltenen Thronrede:

"Möchte doch das Beispiel des einen glücklichen Landes, dessen Verfassung die Jahrhunderte und eine

Erbweisheit

ohne Gleichen, aber kein Stück Papier gemacht haben, für uns unverloren sein und die Achtung finden, die es verdient".

Am 15. April citierte Freiherr Vincke das Wort mit dem Zusatze: "Erbweisheit der Engländer". Doch war es so nicht gemeint gewesen. Eberty ("Gesch. d. preuss. Staats", VII, 265) sagt: "Von den Eingeweihten aber erfuhr man nachträglich, dass Mecklenburg gemeint war".—

Zwischen mich und mein Volk soll sich kein Blatt Papier drängen

ist umgestaltet aus den Worten Friedrich Wilhelms IV. (in derselben Rede): "Es drängt mich zu der feierlichen Erklärung — — —, dass ich nun und nimmermehr zugeben werde, dass sich zwischen unsern Herr Gott im Himmel und dieses Land ein beschriebenes Blatt, gleichsam eine zweite Vorsehung eindränge . . ."—

Rechtsboden

ist auf diejenige Stelle derselben Thronrede zurückzuführen, an welcher der König den Landtag anruft, ihm zu helfen, "den Boden des Rechts (den wahren Acker der Könige) immer mehr zu befestigen und zu befruchten".—

In der am 21. März 1848 erschienenen Proklamation Friedrich Wilhelms IV. "An mein Volk, an die deutsche Nation" kommen die Worte vor:

Preussen geht fortan in Deutschland auf!—

Auf den breitesten Grundlagen

steht zuerst in einer am 22. März 1848 einer Deputation der Städte Breslau und Liegnitz erteilten Antwort des Königs, deren Beginn lautet: "Nachdem ich eine konstitutionelle Verfassung auf den breitesten Grundlagen verheissen habe . . ." Das Wort wurde in dem königlichen Propositionsdekret vom 2. April an den vereinigten Landtag wiederholt. Es findet sich dann in dem Manifeste (datiert Schönbrunn, 6. Okt. 1848) wieder, wodurch Kaiser Ferdinand seine zweite Abreise von Wien ankündigte.—

Friedrich Wilhelm IV. führte den Ausdruck:

Racker von Staat

oft im Munde (s. "Briefe von Alexander von Humboldt an Varnhagen von Ense", Lpz. 1840, S. 274). W. Hoffmann erzählt darüber in "Deutschland einst und jetzt im Lichte des Reiches Gottes" (Berl. 1868, S. 299):

"Ein Bauer aus dem Regierungsbezirk Merseburg, dem der König eine unbillige Forderung, die er mündlich vorbrachte, nicht gewähren konnte und sich dabei auf den 'Staat und dessen Ordnung' berief, hatte nämlich geantwortet: 'O! ich wusste wohl, dass nicht mein geliebter König mir entgegensteht, sondern der Racker von Staat'. Dieses Bauers Wort gebrauchte der König im Scherze, oft auch in Ironie".—

Heinrich LXXII., Fürst Reuss zu Lobenstein und Ebersdorf, hat durch einen seiner wunderlichen Erlasse der deutschen Sprache:

Auf einem Prinzip herumreiten

und das daraus gebildete

Prinzipienreiter

zugeführt. Dieser Erlass stand im "Adorfer Wochenblatt", wurde vom "Halleschen Courier" nachgedruckt, ging aus letzterem in die "Vossische Zeitung" (18. Sept. 1845) über und lautet:

"Ich befehle hiermit Folgendes in's Ordrebuch und in die Spezial-Ordrebücher zu bringen. Seit 20 Jahren reite Ich auf einem Prinzip herum, d. h. Ich verlange, das ein jeglicher bei seinem Titel genannt wird. Das geschieht stets nicht. Ich will also hiermit ausnahmsweise eine Geldstrafe von 1 Thlr. festsetzen, der in Meinem Dienste ist, und einen Andern, der in meinem Dienste ist, nicht bei seinem Titel oder Charge nennt".

Schloss Ebersdorf, den 12. Oktober 1844.

Heinrich LXXII.—

Rühmlichst abwesend

nannte die amtliche Zeitung den Prinzen Waldemar von Preussen, der, in Ostindien weilend, dem Begräbnis seiner Mutter in Berlin am 18. April 1846 nicht beiwohnen konnte. So berichtet Varnhagen in seinem Tagebuche unter dem 18. April 1846 und unter dem 22. April sagt er, der Verfasser jener amtlichen Anzeige sei der Geheimrat und Archivdirektor Georg Wilhelm von Raumer († 1856).—

In einer Sitzung der Kurie der drei Stände des Vereinigten Landtages am 5. Juni 1847 (s. "Der erste Preuss. Landt. in Berl." Berlin 1847, 2. Abt., 10. Heft, S. 1387) sprach der Abgeordnete Hermann von Beckerath (1801-1870) das oft citierte Wort:

Meine Wiege stand am Webstuhl meines Vaters.—

Am 8. Juni 1847 sagte ebenda David Hansemann (1790-1864) (s. die soeben citierte Samml., 2. Abt., 13. Heft. S. 1507):

"Bei Geldfragen hört die Gemütlichkeit auf",

was gewöhnlich in der Form citiert wird:

In Geldsachen hört die Gemütlichkeit auf.

Lessings Anton im "jungen Gelehrten" (3, 12) bemerkt schon: "Ich bin ein wenig hitzig, zumal in Geldsachen"—

Auf einer Äusserung des Fürsten Metternich (1773-1859), die sich in dessen Brief vom 19. Nov. 1849 an Prokesch (vrgl. "Aus d. Nachlasse d. Grf. Prokesch-Osten. Briefwechsel mit Herrn v. Gentz u. Fürsten Metternich". Wien, 1881; Bd. II, S. 343) findet, beruhen die Worte:

Italien ein geographischer Begriff

und:

Deutschland ein geographischer Begriff.

Metternich sagt daselbst: "Ich habe in meiner Controverse mit Lord Palmerston in den italienischen Fragen im Sommer 1847[81] den Ausspruch gefällt, dass der nationale Begriff 'Italien' ein geographischer sei, und mein Ausspruch: l'Italie est un nom géographique, welcher Palmerston giftig ärgerte, hat sich das Bürgerrecht erworben. Mehr oder weniger—wie dies auf alle Vergleiche passt—gilt derselbe Begriff für das Deutschland, welches bei der Menge in der zweiten Linie der Gefühle und der Strebungen steht, während es von reinen oder berechnenden Phantasten (also von ehrlichen und kniffigen) auf die oberste Stelle erhoben wird".—

Uhland schloss am 22. Jan. 1848 im Frankfurter Parlament seine Rede gegen die Erblichkeit der Kaiserwürde und den Ausschluss Österreichs mit den Worten: "Glauben Sie, meine Herren, es wird kein Haupt über Deutschland leuchten, das nicht mit einem vollen

Tropfen demokratischen Öls

gesalbt ist".—

Viribus unitis Mit vereinten Kräften

ist der vom Kaiser Franz Joseph I. durch "Allerhöchste Entschliessung" vom 12. Februar 1848 angenommene Wahlspruch. Dessen Schöpfer ist Ritter Joseph v. Bergmann, Lehrer der Söhne Erzherzogs Karl. Das vom Kaiser am 4. März 1849 von Olmütz aus erlassene Manifest, wodurch er die Auflösung des Reichstages von Kremsier verkündete, schliesst: "Gross ist das Werk, aber gelingen wird es den vereinten Kräften".—

In der 1. Sitzung des Vereinigten Landtages von 1848 am 2. April sprach Graf Adolf Heinrich Arnim-Boytzenburg (1803-68) in der Debatte über die Adresse an den Thron ein in verschiedenen Fassungen, z. B. in dieser:

Die Regierung muss der Bewegung stets einen Schritt voraus sein,

oft citiertes Wort in folgendem Zusammenhange aus:

"Das Ministerium hat sich ferner gesagt, dass in einer Zeit, wie die seines Eintritts, es nicht ratsam sei, hinter den Erfahrungen der drei letzten Wochen und deren Ergebnissen in den übrigen deutschen Staaten zurückzubleiben, sondern, dass es besser sei, den Ereignissen um einen Schritt voranzugehen, damit nicht erst durch einzelne Konzessionen Einzelnes gegeben und immer wieder von dem Strom der Zeit überflutet werde, sondern damit das, was gewährt werden könne, auf Einmal gegeben, Geltung und Dauer gewinne".—

In der Sitzung vom 14. Juni 1848 der preussischen Nationalversammlung nannte Georg Jung bei Gelegenheit des Reichenspergerschen Antrags, welcher aus Anlass einer angeblichen Misshandlung des Herrn von Arnim eine Kommission zur Untersuchung dieser Angelegenheiten zu ernennen vorschlug, solche Ausschreitungen: das

Schaumspritzen jugendlicher Freiheit.—

Von Treitschke ("Histor. u. polit. Aufsätze" 4. Aufl., Lpz. 1871. I, 429, im Aufsatze "F. C. Dahlmann", Freiburg 1864) spricht über das Vertrauen zu den rettenden Thaten der "Kabinette der bewaffneten Furcht in Wien und Berlin" und über die auch in die Hallen von St. Paul hereinbrechende Reaktion und sagt dann: "Kein geringerer Mann als Dahlmann hat das unselige Wort:

Rettende That

erfunden". (Friedrich Christoph Dahlmann, geb. 1785, gest. 1860.)—

Aus der deutschen konstituierenden Nationalversammlung ist das Wort des Präsidenten von Gagern in der 22. Sitzung am 24. Juni 1848:

der kühne Griff,

tief ins Volk gedrungen. Er sprach:

"Wer soll die Centralgewalt schaffen? Meine Herren! ich habe diese Frage von dem Standpunkte des Rechtes und von dem Standpunkt der Zweckmässigkeit vielfach beurteilen hören; ich würde bedauern, wenn es als ein Prinzip gälte, dass die Regierungen in dieser Sache gar nichts sollten zu sagen haben; aber vom Standpunkte der Zweckmässigkeit ist meine Ansicht bei weiterer Überlegung wesentlich eine andere, als die der Majorität im Ausschuss . . . . . . Meine Herren! Ich thue einen kühnen Griff und ich sage Ihnen: wir müssen die provisorische Centralgewalt selbst schaffen".

Der stürmische Jubelruf, mit dem Gagerns Wort aufgenommen wurde, verschaffte diesem seinen Widerhall, und doch hatte Gagern nur ein Wort seines Vorredners Karl Mathy (1807-1868) wiederholt, der, von der Ansicht ausgehend, dass auch die Einzelstaaten bei Begründung einer deutschen Centralgewalt gehört werden müssten, gesagt hatte:

" . . . sollten die Regierungen einzelner Staaten unterlassen, dem Beispiele zu folgen, dem Beispiele treuer Pflichterfüllung gegen das gesammte Vaterland, welches die Versammlung, wie ich nicht zweifle, geben wird, dann meine Herren, ja dann wäre uns ein kühner Griff nach der Allgewalt nicht nur erlaubt, sondern durch die Not geboten".

Vielleicht schwebten Schillers Worte vor ("Gesch. d. 30jähr. Krieges" B. 3, vorletzter Absatz):

"Die Geschichte . . . sieht sich zuweilen durch Erscheinungen belohnt, die gleich einem kühnen Griff aus den Wolken in das berechnete Uhrwerk der menschlichen Unternehmungen fallen".—

Das ist das Unglück der Könige, dass sie die Wahrheit nicht hören wollen

sagte Johann Jacoby (1805-77) am 2. November 1848 als Mitglied der von Friedrich Wilhelm IV. empfangenen Deputation der Berliner Nationalversammlung.

Möglicherweise kam dieses Wort, dem Erregten in jenem Augenblick natürlich unbewusst, aus Herders "Cid" (2, 32), wo Graf von Cabra zum sterbenden König Don Sancho spricht:

"Ach, der Kön'ge hartes Schicksal, Dass, wenn man sie nicht mehr fürchtet, Dann nur ihnen Wahrheit spricht".

Worauf der Cid leise, dass es den Verscheidenden nicht beleidige, hinzufügt:

"Auch zu andern, andern Zeiten Sagt man ihnen wohl die Wahrheit; Aber sie, sie hören nicht—".—

In der Nacht vom 9. u. 10. Novemb. 1848, als die Bürgerwehr und die Gewerke Berlins der Nationalversammlung bewaffneten Schutz anboten, sprach der damalige Präsident der Versammlung Hans Victor von Unruh (1806-1886): "Ich wäre entschieden der Meinung, dass hier nur

passiver Widerstand

geleistet werden könne, und dass die wahre Entscheidung über die schwere Krisis, welche durch die jetzigen Ratgeber der Krone hereingebrochen ist, in der Hand des Landes liege. So lange die Presse, so lange das Vereins- und Versammlungsrecht nicht von neuem geknebelt ist, hat das Land die Mittel in den Händen, ohne Blutvergiessen den Sieg über die Bestrebungen der Reaktion herbeizuführen", und im weiteren Verlauf seiner Rede wiederholte er: "wir dürfen, wenn wir den Boden im Lande nicht verlieren wollen, den Gewaltschritten der Krone nur passiven Widerstand entgegensetzen".—

Der Ausdruck:

Bassermannsche Gestalten

zur Bezeichnung zerlumpter Galgenvögel entstand auf Grund des am 18. Nov. 1848 im Frankfurter Parlamente vom Abgeordneten Friedrich Daniel Bassermann (1811-1855) erstatteten Berichts über Berliner Zustände:

"Spät kam ich (in Berlin) an, durchwanderte aber noch die Strassen und muss gestehen, dass mich die Bevölkerung, welche ich auf denselben, namentlich in der Nähe des Sitzungslokals der Stände, erblickte, erschreckte. Ich sah hier Gestalten die Strassen bevölkern, die ich nicht schildern will".

Das Wort wurde schnell populär. Schon die Überschrift des zweiten Heftes vom Band 1 der "Bibliothek moderner Räubergeschichten" (Berlin, C. Schultze, 1851) lautet: "Bassermannsche Gestalten".—

Der Abgeordnete Julius Kell sagte in der Sitzung der sächsischen zweiten Kammer am 15. Febr. 1849:

Die Gründe der Regierung kenne ich nicht; aber ich muss sie missbilligen.—

Der Minister des Auswärtigen, Freiherr Otto Theodor von Manteuffel (1805-1882), äusserte in der 8. Sitzung der Preussischen Zweiten Kammer vom 3. Dez. 1850 das zum Citat gewordene Wort:

Der Starke weicht einen Schritt zurück

in diesem Zusammenhange:

"Das Misslingen eines Planes hat immer etwas Schmerzliches; es wirkt aber verschieden auf den Schwachen. Der Schwache gelangt dadurch in eine Gereiztheit; der Starke tritt wohl einen Schritt zurück, behält aber das Ziel fest im Auge und sieht, auf welchem andern Wege er es erreichen kann". (S. Kap. XI. Martial "De Spectaculis" 31.)—

Autorität, nicht Majorität

ist die Zusammenfassung folgender Betrachtungen, die Friedrich Julius Stahl (1802-1861) am 15. April 1850 in der 11. Sitzung des Volkshauses des Erfurter Parlaments anstellte:

"Wie können vollends die Anhänger jenes Systems mit solcher Zuversicht jetzt vor uns hintreten, nach den Erfahrungen von 1848? Standen sie da der entfesselten Bewegung nicht ebenso gegenüber wie jener Zauberlehrling den Gewässern, die er heraufbeschworen hatte und nicht mehr zu bannen vermochte? Sie hatten den Spruch vergessen, sie zu bannen, oder vielmehr dieser Spruch stand nicht in ihrem Lexikon: denn dieser Spruch heisst 'Autorität'. Da wollen sie die Gewässer besprechen mit einem Zauberspruche ihres Systems: Majorität, Majorität!"

Die Fassung: "Autorität, nicht Majorität" findet sich zuerst in einer, 1851 im Selbstverlage des Verfassers erschienenen Schrift von E. Knönagel: "Autorität—nicht Majorität—beherrscht die Welt. Epistel in 12 Capiteln wider den Aberglauben am Constitutionalismus. An Bürger und Bauer, Städter und Landmann." Stahl hatte am 5. März 1852 in der Ersten Kammer die Aristokratie verherrlicht. Als er am 12. Dez. 1852 bei einem ihm zu Ehren im Englischen Hause zu Berlin, Mohrenstrasse No. 49, gegebenen Festmahle von Gesinnungsgenossen eine silberne Säule empfing, die auf der einen Seite die Inschrift: "Zur Erinnerung an den 5. März 1852 von gleichgesinnten Männern des Regierungsbezirks Köslin", auf der anderen

"Autorität, nicht Majorität"

trug, wies er in der Erwiderungsrede darauf hin, dass er diesem Grundsatze seines Lebens zum ersten Male in jenem Parlamente Ausdruck gegeben habe. Im weiteren Verlaufe seiner Erwiderung wandte er das berüchtigte Wort an: "Die Wissenschaft bedarf der Umkehr", was gewöhnlich in der Form citiert wird:

Die Wissenschaft muss umkehren,

("Neue Preussische Zeitung", No. 291, 15. Dez. 1852.)—

Für die Klodt v. Jürgensburgschen Rossebändiger vor dem königlichen Schlosse in Berlin erfand in der Reaktionszeit nach 1850 der Oberlehrer Dr. Julius Bartsch († 1867 zu Berlin) die Bezeichnung:

der gehemmte Fortschritt und der beförderte Rückschritt.—

Die grossen Städte müssen vom Erdboden vertilgt werden

hat von Bismarck nicht gesagt. Er äusserte in der 46. Plenarsitzung der zweiten Kammer vom 20. März 1852 in Erwiderung gegen den Abgeordneten Harkort:

"Wenn der Herr Abgeordnete auch die Äusserung hier wiederholt hat, dass die Regierung dem Volke misstraue, so kann ich ihm sagen, dass auch ich allerdings der Bevölkerung der grossen Städte misstraue, so lange sie sich von ehrgeizigen und lügenhaften Demagogen leiten lässt, dass ich aber dort das wahre preussische Volk nicht finde. Letzteres wird vielmehr, wenn die grossen Städte sich wieder einmal erheben sollten, sie zum Gehorsam zu bringen wissen, und sollte es sie vom Erdboden tilgen".—

von Bismarck schrieb 1853 (ohne Datum) seiner Schwester vom Frankfurter Bundestage: "Ich gewöhne mich daran, im Gefühle gähnender Unschuld alle Symptome von Kälte zu ertragen und die Stimmung

gänzliche(r) Wurschtigkeit

in mir vorherrschend werden zu lassen, nachdem ich den Bund allmählich mit Erfolg zum Bewusstsein des durchbohrenden Gefühls seines Nichts zu bringen nicht unerheblich beigetragen zu haben mir schmeicheln darf" (L. Hahn: "Fürst Bismarck", Berl. 1878, I, S. 45).—

Heinrich Leos (1799-1878) Kraftausdruck:

Skrophuloses Gesindel!

steht im Geschichtlichen Monatsbericht vom Juni, "Volksblatt für Stadt und Land", 1853, No. 61, wo es heisst:

"Gott erlöse uns von der europäischen Völkerfäulnis und schenke uns einen frischen, fröhlichen Krieg, der Europa durchtobt, die Bevölkerung sichtet und das skrophulose Gesindel zertritt, was jetzt den Raum zu eng macht, um noch ein ordentliches Menschenleben in der Stickluft führen zu können".

Der frische fröhliche Krieg

steht noch einmal in Leos "Volksblatt für Stadt und Land", 1859, No. 35:

"Ein langer Friede häuft nach des Verfassers Argument eine Menge fauler Gährungsstoffe auf. Drum thut uns ein frischer, fröhlicher, die Nationen, namentlich die die europäische Bildung tragenden Nationen tiefer berührender Krieg bitter Not" u. s. w.—

Aufkläricht

stammt ebenfalls von Leo. (S. Wilhelm Harnisch: "Briefe an seine Tochter", Essen 1841, S. 11, 12, 19, 20, 27, 29, 50, 113, 202.)—

Glaubwürdiger Überlieferung nach hat ein von Colberg 1855 (s. Rangliste) nach Graudenz versetzter und vom dortigen Militärgericht vernommener, humoristischer Artillerielieutenant Haase ausgesagt: "Mein Name ist Haase, ich weiss von gar Nichts und bin bereit, diese meine Aussage zu beschwören." Daher das Wort:

Ich weiss von Nichts. Mein Name ist Haase.—

Der Prinz-Regent von Preussen, der nachmalige deutsche Kaiser Wilhelm der Grosse hielt am 8. Nov. 1858 eine Ansprache an das am 5. von ihm gebildete Ministerium, in der vorkam ("Nationalz." v. 25. Nov. 1858, Abendausg.): "In Deutschland muss Preussen

moralische Eroberungen

machen durch eine weise Gesetzgebung bei sich" u. s. w. Nach der "Hannoverschen Tagespost" wiederholte er als König das Wort am 30. August 1866 beim Empfang einer Deputation aus Hannover.—

Nach der Entlassung des Ministeriums von der Pfordten hatten die Gemeindebevollmächtigten der Stadt Würzburg die Absicht, den königlichen Professor an der Universität Würzburg und Appellationsgerichtsrat Dr. Weis, mit dem die Regierung bisher im Kampfe gelegen hatte, zum rechtskundigen Bürgermeister zu wählen. Staatsminister von Neumayr berichtete darüber an König Max II. von Baiern und erhielt darauf folgende (in No. 137 der "Neuen Münchener Zeitung" von 1859 abgedruckte) Entscheidung des Monarchen zu Antwort:

"Den politischen Kampf gegen Dr. Weis in irgend welcher Form fortzuführen, halte ich für durchaus nicht mehr geeignet;

Ich will Frieden haben mit Meinem Volke

und den Kammern; deshalb habe ich das Ministerium gewechselt, und es ist infolge dessen auch die Weissche Frage in das Stadium des Vergessens von Meiner Seite eingetreten. Von diesem Gesichtspunkte aus widerstrebt es Meinem Gefühle, den Dr. Weis zu befördern; Ich werde aber der Sache ihren jetzigen naturgemässen Lauf lassen und habe nicht das Geringste dagegen, wenn derselbe zum Bürgermeister von Würzburg gewählt wird, werde ihn vielmehr ohne Anstand nach den bestehenden gesetzlichen Normen in dieser Eigenschaft bestätigen".

Heinrich von Sybel berichtet in seinem Buche "Die Begründung des deutschen Reiches durch Wilhelm I." (1889. Bd. 2, S. 301), dass Ludwig Karl Heinrich Freiherr von der Pfordten (1811-1880) dieses Wort dem Könige soufflierte. Man hatte "einen kleinen Staatsstreich" in Bayern geplant, "Auflösung der Kammer, Oktroyierung eines neuen Wahlgesetzes, und was sonst solche Rettungen zu begleiten pflegt". Als aber der Prinz von Preussen das Ministerium Manteuffel stürzte, musste auch v. d. Pfordten in München weichen und er rieth seinem König, den Forderungen der Kammer nachzugeben, die Schuld des Zwistes auf die Minister zu schieben und jene beruhigende Wendung zu gebrauchen. "Der von dem Staatsstreichminister erfundene Satz wurde zu einem populären Schlagwort, auf welches während der späteren preussischen Verfassungswirren jeder Bayer mit patriotischem Stolze hinwies, ohne zu ahnen, dass Bayern die Erhaltung seines allerdings hohen Ruhmes, niemals einen Bruch seiner Verfassung erlebt zu haben, in erster Linie dem Prinzen von Preussen verdankte". (In Schillers "Maria Stuart", 1, 6 heisst es:

Nicht eine Welt in Waffen fürchtet sie, So lang' sie Frieden hat mit ihrem Volke.)—

Gyulai erkannte (1859, nach dem Gefechte bei Palestro), dass seine einzige Rettung der schleunige Übergang über den Tessin sei, und so gab er am 1. Juni den Befehl:

sich rückwärts zu konzentrieren,

ein Ausdruck, der dadurch geschichtlich wurde, der aber schon vordem in Militärkreisen üblich war.

Nämlich in einem aus Bautzen, 21. Sept. 1813 datierten Briefe des Obersten von Müffling an General von dem Knesebeck heisst es: "Kömmt er (Napoleon) endlich aus seinem Loch—schnell rückwärts konzentriert u. s. w." (G. H. Pertz: "D. Leben d. Feldm. Gr. v. Gneisenau", Berl. 1869, Bd. 3, S. 360).—

Der preussische Minister Alexander Gustav Adolf Graf von Schleinitz (1807-1885) gebrauchte im Jahre 1859 hinsichtlich des französisch-österreichischen Krieges den Ausdruck:

die Politik der freien Hand.

Bismarck bediente sich desselben Ausdrucks am 22. Jan. 1864 im Abgeordnetenhause.—

Der Österreichische Minister Johann Bernhard Graf von Rechberg (geb. 1806) sagte in seiner Antwortdepesche nach Berlin hinsichtlich der Anerkennung Italiens (1861):

Garantien, die das Papier nicht wert sind, anf dem sie geschrieben stehen.—

Angenehme Temperatur

ist eine Redeblume des preussischen Kriegsministers Albrecht Theodor Emil Graf von Roon (1803-1879). Er begleitete in der Sitzung des Herrenhauses am 23. Januar 1862 die Einbringung des Gesetzentwurfs wegen Abänderung des Gesetzes über die Verpflichtung zum Kriegsdienst vom 3. Sept. 1814 mit den Worten:

"Ich habe über die Bedeutung dieses Gesetzentwurfes mich an diesem Orte eigentlich näher auszusprechen: sein Zusammenhang mit der Organisation des königlichen Heeres ist unverkennbar, und da ich bereits zweimal Gelegenheit gehabt habe, die angenehme Temperatur, welche in diesem Hause in Betreff jener grossen Massregel herrscht, zu fühlen, so wäre es eine Art von Undankbarkeit, wenn ich die Herren mit einer weitläufigen Auseinandersetzung der Notwendigkeit und Nützlichkeit des fraglichen Gesetzentwurfes ermüden wollte".—

In einer Abendsitzung der Budgetkommission des preussischen Abgeordnetenhauses, 30. Sept. 1862, sagte von Bismarck, "im Lande giebt es eine Menge

catilinarischer Existenzen,

die ein grosses Interesse an Umwälzungen haben". Danach gab Theodor König einem Roman den Titel: "Eine catilinarische Existenz" (Breslau 1865).—

Zeitungsschreiber ein Mensch, der seinen Beruf verfehlt hat

wurde in dieser Form nicht von Bismarck gesagt, beruht aber auf einer Äusserung von ihm. Als eine Ergebenheits-Deputation aus Rügen an den König, welche dieser am 10. November 1862 empfing, einige Tage zuvor dem Minister-Präsidenten ihre Aufwartung machte, äusserte dieser, nach dem Kreisblatte der Insel Rügen, "die Regierung werde Alles aufbieten, ein Verständnis mit dem Abgeordnetenhause herbeizuführen, dass aber die oppositionelle Presse diesem Streben zu sehr entgegenwirke, indem sie zum grossen Teil in Händen von Juden und unzufriedenen, ihren Lebensberuf verfehlt habenden Leuten sich befinde".—

Macht geht vor Recht

hat Bismarck nie gesagt. Am 27. Januar 1863 sprach Bismarck im Abgeordnetenhause: "Conflicte werden, da das Staatsleben nicht still zu stehen vermag, zu Machtfragen; wer die Macht in Händen hat, geht dann in seinem Sinne vor". Graf Maximilian von Schwerin (1804-1872) erwiederte darauf: "Ich erkläre, dass ich den Satz in dem die Rede des Herrn Minister-Präsidenten kulminierte: 'Macht geht vor Recht' . . . nicht für einen Satz halte, der die Dynastie in Preussen auf die Dauer stützen kann . . ., dass dieser vielmehr umgekehrt lautet:

Recht geht vor Macht u. s. w."

Bismarck, der während dieser Rede seines Gegners nicht anwesend war und erst später, wieder in den Saal eingetreten, vernommen hatte, dass man ihm den Ausspruch: "Macht geht vor Recht" untergelegt hatte, verwahrte sich dagegen, worauf Graf von Schwerin erwiderte, er erinnere sich nicht gesagt zu haben, der Minister-Präsident habe diese Worte gebraucht, sondern nur, dass dessen Rede in diesem Satze kulminiere. Noch am 1. Februar 1868 wehrte sich Bismarck dagegen im preussischen Landtage, als ihm Twesten eine Redewendung missdeutete. Bismarck sagte damals: "Ich möchte nicht, dass aus diesem meinem Worte durch die Geburtshilfe des Herrn Vorredners ein fliegendes Wort gemacht werde, wie aus einem früheren, welches ich niemals ausgesprochen habe, dass Macht vor Recht gehe."

(S. Habakuk 1, 3, wo Luther "Es gehet Gewalt über Recht", das er in der "Auslegung des Habakuk" als ein "gemein Sprichwort" bezeichnet, hineintrug. Seit Agricola lautet dies in den Sprichwörtersammlungen: "Gewalt geht für Recht" und Spinozas "Tract. polit." cap. II, § 8 bietet: "quia unusquisque tantum iuris habet, quantum potentia valet", weil jeder so viel Recht hat, als er Macht hat.)—

(Das) innere Düppel

stand zum ersten Male nach der Erstürmung der Düppeler Schanzen durch die Preussen am 18. April 1864 in der Form "Düppel im Innern" im Politischen Tagesberichte der "Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" vom 30. Sept. 1864.—

Seitdem Georg Büchmann (1822-84) den vorliegenden "Citatenschatz des deutschen Volkes" erscheinen liess, also seit 1864, wurde der Name

Büchmann

vielfach für citatenreiche Leute (z. B.: "Sie sind ja der reine Büchmann!") oder zum Titel solcher Bücher (z. B.: "Der rothe Büchmann", "Der ungeflügelte Büchmann") verwendet.—

Aus authentischer Quelle kann versichert werden, dass Feldmarschall Frhr. v. Manteuffel als preussischer Gouverneur von Schleswig im Okt. 1865 das ihm von antipreussischen Zeitschriften aufgebürdete Wort:

Wir haben heidenmässig viel Geld

nie gesagt hat.—

An der Spitze des Morgenblattes der Wiener Zeitung "Die Presse" vom 18. Juni 1866 steht:

"Wien, 17. Juni. Die bis heute Abend eingetroffenen Nachrichten entsprechen nicht der Wichtigkeit des Moments. Die militairische Situation betrachten wir in einem unten folgenden Artikel. Hier konstatieren wir bloss, dass nach den eingetroffenen Nachrichten die Preussen viele Theile Sachsens besetzt haben, und dass preussische Truppen nicht bloss in Hannover und Kurhessen, sondern auch in Darmstadt eingerückt wären. Die Preussen entwickeln überhaupt eine

affenähnliche Beweglichkeit".

Das Wort ist umgestaltet worden in:

affenartige Beweglichkeit, affenmässige Geschwindigkeit u. s. w.

Der Verfasser des Artikels war der damalige Mitarbeiter der Presse August Krawani.—

Der preussische Schulmeister hat die Schlacht bei Sadowa gewonnen

ist die Umformung eines Ausspruchs des Geheimrats Dr. Oskar Peschel (1826-75), Professors der Erdkunde in Leipzig, welcher in einem Aufsatze des von ihm redigierten Blattes "Ausland" ("Die Lehren der jüngsten Kriegsgeschichte", No. 29 17. Juli 1866, S. 695, Spalte 1) schrieb:

"Wir sagten eben, dass selbst der Volksunterricht die Entscheidung der Kriege herbeiführe: wir wollen jetzt zeigen, dass, wenn die Preussen die Österreicher schlugen, es ein Sieg der preussischen Schulmeister über die österreichischen Schulmeister gewesen sei"; und (Spalte 2): "Die Mathematik ist der Wetzstein, und in diesem Sinne darf man wohl sagen, die preussischen Schulmeister haben in dem ersten Abschnitt des böhmischen Feldzuges über die österreichischen gesiegt".—

Berechtigte Eigentümlichkeiten

steht in den vom 3. Okt. 1866, Schloss Babelsberg datierten Patenten der Besitzergreifungen von Hannover, Kurhessen, Nassau und Frankfurt durch König Wilhelm I.—

Graf Bismarck soll den Schluss seiner am 11. März 1867 im Norddeutschen Reichstage gehaltenen Rede:

"Meine Herren, arbeiten wir rasch! Setzen wir Deutschland, so zu sagen, in den Sattel! Reiten wird es schon können",

nach der Spenerschen Zeitung vom 28. März 1874 in einem Gespräche mit zwei Abgeordneten selbst als "geflügeltes Wort" bezeichnet haben. Im Zoll-Parlament sagte er am 18. Mai 1868: "Dem Herrn Vorredner gebe ich zu bedenken, dass

ein Appell an die Furcht in deutschen Herzen niemals ein Echo findet".—

Als es sich im Anfange des Jahres 1869 darum handelte, das in Preussen noch vorfindliche Vermögen des Kurfürsten von Hessen mit Beschlag zu belegen, wurde Graf Bismarck, dem damaligen Minister-Präsidenten, der Vorhalt gemacht, er werde die ihm schon zur Verfügung stehenden geheimen Fonds, um unbekannte Summen vermehrt, zur Korruption der Presse und anderen sich der Aufsicht entziehenden Zwecken verwenden. Es handelte sich nämlich nicht bloss um die verhältnismässig kleinen Revenuen aus dem in Beschlag genommenen Vermögen des Kurfürsten, sondern auch um die Zinsen der 16 Millionen Thaler, welche dem König von Hannover erst bewilligt und dann einbehalten waren, und mit deren Verwendung das Abgeordnetenhaus sich erst am Tage vorher beschäftigt hatte. Darauf antwortete Graf Bismarck am 30. Jan. 1869:

"Ich bin nicht zum Spion geboren meiner ganzen Natur nach; aber ich glaube, wir verdienen Ihren Dank, wenn wir uns dazu hergeben, bösartige Reptilien zu verfolgen bis in ihre Höhlen hinein, um zu beobachten, was sie treiben. Damit ist nicht gesagt, dass wir eine halbe Million geheimer Fonds brauchen können; ich hätte keine Verwendung dafür und möchte die Verwendung für solche Summen nicht übernehmen. Es werden sich andere Verwendungen finden, die Ihre nachträgliche Genehmigung und Zustimmung finden werden. Auf dem hessischen Hofvermögen haften, wie man sagt, Verpflichtungen dem Lande gegenüber, Baupflichten, die übernommen worden sind. Es wird eine Ehrenpflicht der Regierung sein, wenn sie in dem Besitz der Fonds ist, solche Schulden zu tilgen; aber machen Sie uns aus dem bedauerlichen Zwange, dass wir Gelder auch zu anderen Zwecken verwenden müssen, keinen Vorwurf; probieren Sie selbst erst, ob Sie Pech anfassen können, ohne sich zu besudeln".

Auf Grund dieser Äusserung nannte man die einbehaltenen Gelder den

Reptilienfonds,

später nannte man dann

Reptil

Jeden, der in der Presse thätig, Beziehungen zu den Behörden hat. Graf Bismarck sagte darüber im Reichstage, 9. Febr. 1876, Folgendes:

"Dieser Beisatz "offiziös" und diese Verdächtigungen irgend eines Blattes, je nachdem man es gerade braucht, als eines "subventionierten" durch das Wort "Reptilie" ist ja eine wirksame Hülfe in der publizistischen Diskussion. Das Wort Reptilie, Reptilienvater, Reptilienpresse in der Meinung, wie es gebraucht wird, kommt mir immer vor, als wenn Leute, die mit dem Gesetze in Konflikt treten, auf die Polizei schimpfen und sie Diebsjäger und dergleichen nennen. Reptilie—wie entstand das Wort? Unter Reptilien verstanden wir Leute, die in Höhlen—bildlich gedacht, kurz und gut in verwegener Weise intriguieren gegen die Sicherheit des Staats und man hat das nun umgedreht und nennt jetzt Reptile diejenigen, die das aufzudecken streben. Mit diesem Sprachgebrauch will ich nicht rechten. Es ist ja ganz einerlei; ich erkläre nur, dass es Reptile des auswärtigen Amts in dem Sinne, wie Gegner den Ausdruck gebrauchen, absolut nicht giebt".

Burke hatte jedoch schon das Wort Reptilien im Unterhause für die Magistrate von Middlesex verwendet (Lord Mahon VII, 13), und der Major Scott, Hastings Organ, nannte Burke selbst "jenes Reptil, Herr Burke" (Macaulay "Warren Hastings"). Der Vergleich des Reptils für Pressorgane scheint übrigens aus Frankreich zu stammen (vrgl. "Gegenwart" XXVI, 45 u. 48) und Zeitungsschreiber werden so von Dickens genannt (z. B. "Pickwick Papers" Ch. 15; vrgl. auch Georg Winter: "Unbeflügelte Worte", 1888, S. 349.)—

Am 13. Febr. 1869 sagte Graf Bismarck im Herrenhause: "Es wird vielleicht auch dahin kommen zu sagen:

Er lügt wie telegraphiert".—

In Graf Bismarcks telegraphischer Mitteilung vom 28. Juli 1870 an den Gesandten des Norddeutschen Bundes in London, Grafen Bernstorff, heisst es:

"Nach Eintritt der patriotischen Beklemmungen des Ministers Rouher hat Frankreich nicht aufgehört, uns durch Anerbietungen auf Kosten Deutschlands und Belgiens in Versuchung zu führen. Im Interesse des Friedens bewahrte ich das Geheimnis und behandelte sie dilatorisch".

Das Wort

dilatorische Behandlung

für "hinhaltende Behandlung" bürgerte sich seitdem in Parlamenten und Zeitungen ein.—

Vor Paris nichts Neues

schloss eine Depesche des Generals Eugen Anton Theophil von Podbielski (1814-79) aus Ferrières vom 25. Sept. 1870, seine Depeschen aus Versailles vom 8. und 11. Okt. 1870 und eine aus Versailles vom 26. Jan. 1871, während die vom 18. Okt. 1870 so beginnt.—

Heinrich von Treitschke (1834-96) gebrauchte in den "Historischen und politischen Aufsätzen" (1. Aufl., Lpz. 1870) in dem Aufsatze "Fichte und die nationale Idee" den Ausdruck "Brustton der tiefsten Überzeugung", was viel citiert wird als

Brustton der Überzeugung.—

Heinrich Bernhard Oppenheim (1819-80) richtete (nach dem Feuilleton "Pamphletliteratur" der "Nationalzeitung" vom 20. April 1872) gegen die jugendlichen Professoren der Nationalökonomie das Wort

Kathedersocialisten

und gab i. J. 1872 die Schrift heraus: "Der

Kathedersocialismus".

Dieser Spottname rief eine Flut von Gegenschriften hervor und blieb haften.—

Am 14. Mai 1872 sagte Fürst Bismarck im deutschen Reichstage:

Nach Canossa gehen wir nicht.—

Emil du Bois-Reymond (1818-96) schloss seine 1872 zu Leipzig gehaltene und erschienene, dann in mehreren Auflagen, sowie in französischer, englischer, italienischer und serbischer Übersetzung verbreitete Rede über die "Grenzen des Naturerkennens" mit den Worten: "In Bezug auf die Rätsel der Körperwelt ist der Naturforscher längst gewöhnt, mit männlicher Entsagung sein ignoramus auszusprechen. In Rücksicht auf die durchlaufene siegreiche Bahn, trägt ihn dabei das stille Bewusstsein, dass, wo er jetzt nicht weiss, er wenigstens unter Umständen wissen könnte und dereinst vielleicht wissen wird. In Bezug auf das Rätsel aber, was Materie und Kraft seien und wie sie zu denken vermögen, muss er ein für allemal zu dem viel schwerer abzugebenden Wahrspruch sich entschliessen:

Ignorabimus". "Wir werden es nie wissen."

Dies Wort wiederholte er 1881 in der Rede über "Die sieben Welträtsel" und es ist nun aus den Kreisen der Fachmänner in weitere, besonders in gläubige Schichten gedrungen.

Im Juli 1858 hatte du Bois-Reymond in der "Gedächtnisrede auf Johannes Müller" gesagt, es habe Müller nie verdrossen, "als das Ergebnis nach so langer und mühsamer Erörterung den altschottischen Wahrspruch niederzuschreiben: 'Ignoramus'". Dies "Ignoramus" ("wir wissen es nicht") ist somit der Keim seines "geflügelten Wortes". "Ignoramus" war die Formel der Geschworenen Altenglands im Fall ihrer Unentschiedenheit, ob eine Anklage begründet oder unbegründet sei. Nach R. Gneist ("Englische Verfassungsgeschichte" 1882, S. 604, Anm.) suchte König Karl II. dies "Ungeheuer", wie er es nannte, zu beseitigen, das "in den Jahren 1680-82 in der City von London gewütet habe", als es sich für die Krone um die Frage handelte, "ob Verrat und Aufruhr in London und Middlesex strafbar sei oder nicht".—

Kulturkampf,

von Rudolf Virchow (geb. 1821) in einem von ihm 1873 verfassten Wahlprogramme der Fortschrittspartei angewendet, ist dadurch zum "geflügelten Worte" geworden. In diesem Programme heisst es:

"Aber obwohl sie (die Fortschrittspartei) dabei nur zu oft unterlegen ist, so hat sie es doch als eine Notwendigkeit erkannt, im Verein mit den andern liberalen Parteien die Regierung in einem Kampfe zu unterstützen, der mit jedem Tage mehr den Charakter eines grossen Kulturkampfes der Menschheit annimmt".

Hierüber sagte Virchow am 16. Okt. 1876 in Magdeburg:

"M. H., bei der vorigen Wahl hat die Fortschrittspartei ein Wahlmanifest erlassen, in dem zuerst das Wort Kulturkampf gebraucht worden ist. Vielleicht wissen Sie nicht, dass ich der Erfinder dieses Wortes bin. Ich habe es zuerst in dieses Manifest, das ich verfasst habe, hineingeschrieben und zwar mit vollem Bewusstsein; denn ich wollte damals den Wählern gegenüber konstatieren, dass es sich nicht um einen religiösen Kampf handle, nicht um einen konfessionellen Kampf, sondern dass hier ein höherer, die ganze Kultur betreffender Kampf vorliege, ein Kampf, der von diesem Standpunkte aus weiter zu führen sei".

Vor Virchow hatte jedoch Ferdinand Lassalle (1825-64) in den "Demokratischen Studien" (Hamb. 1861, II, 505, hersg. v. L. Walesrode) einen im Nov. 1858 geschriebenen Aufsatz "Gotthold Ephraim Lessing" über Adolf Stahrs "Leben Lessings" veröffentlicht, an dessen Ende er "Kulturkampf" also anwendet:

"Die Katharsis, welche dieses Werk in jedem eines geistigen Eindrucks nur einigermassen fähigen Gemüt hinterlassen wird, ist die, es zu erheben über die Qualen und Konflikte, die ihm selber zustossen. Eines edlen, eines nur irgend wahrhaft bescheidenen Gemüts wird sich eine edle Gleichgültigkeit bemächtigen gegen Alles, was uns selbst widerfahren kann in einem Kulturkampf, in welchem die Grössten und Besten langsam und qualvoll verblutet sind".

Also ist Virchow nur der Urheber der besonderen Bedeutung des Wortes "Kulturkampf", für den Kampf des Staates gegen die Macht der katholischen Kirche.—

Diokletianische Verfolgung

ist ein Wort des Bischofs Martin von Paderborn († 1879).—

Eine Äusserung Graf Gyula (Julius) Andrassys (1823-90) gegenüber der Delegation, dass in Berlin anlässlich der Verhandlungen über das Berliner Memorandum nichts Bindendes in Betreff der Orientpolitik entschieden worden sei, sondern dass die Mächte ganz einfach beschlossen hätten, sich über ihre Haltung gegenüber den einzelnen Phasen der Orientereignisse von Fall zu Fall zu verständigen, ist von Oppositionsblättern dahin generalisiert worden, als hätte er im Allgemeinen die

Politik von Fall zu Fall

als den Grundsatz seiner Staatskunst ausgesprochen. Er hat später selbst gegen die Auffassung Widerspruch erhoben.—

Vom Vornehmsten herab bis zum Künstler

entstand in der Sitzung des deutschen Reichstages vom 25. Jan. 1876, in der Graf Frankenberg sagte, dass im Palazzo Caffarelli, der deutschen Botschaft in Rom, "alle Gesellschaftsklassen, von den vornehmsten Fremden bis zu den dort einheimischen Künstlern" (Unruhe und Heiterkeit links) "ihren Centralpunkt der Geselligkeit finden". In der weiteren Debatte griff Prof. Albert Hänel (geb. 1833) das Wort in der Form auf: "bis zu den Künstlern herunter", eine Deutung, der Graf Frankenberg also entgegentrat: . . . "wenn ich es gesagt haben soll, so verwahre ich mich entschieden dagegen, dass ich der Aristokratie der Kunst und des Geistes eine niedrigere Stufe einräumte, als der Aristokratie des Blutes und der Geburt" (Bravo!).—

Franz Reuleaux (geb. 1829) bezeichnete als Vertreter des deutschen Reiches auf der Weltausstellung zu Philadelphia die, in der Ausstellung vorgeführten deutschen Massenartikel in seinen "Briefen aus Philadelphia" (1876) mit dem Ausdrucke:

Billig und schlecht.

In der Reichstagssitzung vom 10. Mai 1879 behauptete der Abgeordnete Zimmermann, dass Reuleaux seinen Ausdruck dem kurz vorher erschienenen Artikel des amerikanischen Blattes "the Sun" entnommen habe, welches als Motto für die deutsche Ausstellung in Philadelphia die Worte "ugly and cheap" (hässlich und billig) vorgeschlagen habe. Diese Bezeichnung beruht offenbar auf dem "Cheap and nasty" "billig und garstig", das schon Th. Carlyle (Collect. Works. Vol. XI, Essays vol. VI, "Shooting Niagara". Chap. 7. August 1867) als ein "vulgar proverb" anführt und es der "Shoddy-Wirtschaft" ins Gesicht wirft. Das Wort Reuleauxs ist eine Variation auf dasselbe Thema. Reuleaux wurde wegen seines Ausspruches vielfach angegriffen und antwortete auf die Angriffe u. A. in der Morgennummer der "Nationalzeitung" vom 13. August 1892, wo er erklärte, dass sein Wort nur eine epigrammatische Bedeutung hätte haben sollen.

Schon Hans Sachs sagt in seinem, 1527 geschriebenen Spruchgedichte "Der Eygennutz":

"All's auf die Eil, wolfeil und schlecht, Man findt weng Arbeit mehr gerecht."—

Richard Wagner (1813-83) sprach zum Publikum nach der Aufführung der "Götterdämmerung" am 18. Aug. 1876 in Bayreuth: "Sie haben jetzt gesehen, was wir können; wollen Sie jetzt;—Und wenn Sie wollen, werden wir eine Kunst haben". So citiert Wagners Worte Paul Lindau in seinen "Nüchternen Briefen aus Bayreuth" (1. Aufl. 1876). Gewöhnlich wird gesagt:

Wenn Sie eine Kunst haben wollen, so haben Sie eine.—

(Königliche Hoheit), kommen Sie 'rein in die gute Stube!

redete im Sept. 1876, als Kaiser Wilhelm I. Leipzig besuchte, eine Leipzigerin den ihrem Hause als Gast zugewiesenen Prinzen Friedrich Karl von Preussen an.—

Im Reichstage sagte Fürst Bismarck am 19. Febr. 1878: "Die Vermittelung des Friedens denke ich mir nicht so, dass wir nun bei divergierenden Ansichten den Schiedsrichter spielen und sagen: so soll es sein, und dahinter steht die Macht des deutschen Reiches, sondern ich denke sie mir bescheidener, ja—ohne Vergleich im übrigen stehe ich nicht an, Ihnen etwas aus dem gemeinen Leben zu citieren—mehr die eines

ehrlichen Maklers,

der das Geschäft wirklich zustande bringen will".—

Der sogenannte arme Mann

ist ein Ausdruck, den Graf Franz von Ballestrem (geb. 1834) im Reichstage am 5. Juli 1879 gebrauchte.—

In der Sitzung des preussischen Abgeordnetenhauses vom 12. Nov. 1879 sprach Minister Albert von Maybach (geb. 1822):

Ich glaube, dass die Börse hier als ein Giftbaum wirkt u. s. w.

Der Vergleich schädlicher Einflüsse mit denen eines Giftbaumes ist selbstverständlich älter.—

Fürst Bismarck sagte im Reichstage am 4. März 1881: "Ich habe mit meinem Gute Varzin früher dem Kreise Schlawe angehört. Der Kreisausschuss befand sich unter der Leitung ganz fester politischer Gegner von mir von der äussersten Rechten, und ich habe denn doch als Minister in meinem Privatleben für meine amtlichen ministeriellen Sünden zu büssen gehabt, bis ich schliesslich sah, dass ich der schwächere war und die Flucht ergriff! Mir war die Thür offen. Ich hatte

die Klinke zur Gesetzgebung

und bewirkte, dass ich aus dem Kreise Schlawe ausgeschieden und in den duldsameren Rummelsburger Kreis übergeführt wurde."—

Anlässlich des Ausfeldischen Antrages, betreffend die Abänderung des Artikels 32 der Reichsverfassung, sagte der Abgeordnete Sabor in der Reichstagssitzung vom 17. Dez. 1884 (s. "Stenogr. Berichte" I, 435): "Der Herr Reichskanzler will nicht, dass das Wahlrecht in dem Umfange, wie es jetzt besteht, gelten bleibe" (Widerspruch rechts) "und wenn man ihm darin nachgiebt, ist er bereit, in eine Verfassungs-Änderung zu willigen, ist sogar bereit, die Diäten zu bewilligen. Das lässt tief blicken" (Heiterkeit) "in die Maschine,—lässt einen Einblick thun in die geistige Werkstatt, in der die soziale Reform bereitet wird" . . . Hieraus stammt die übliche erheiternde Redensart:

Das lässt tief blicken, sagt Sabor.

Natürlich ist die Redensart: "Das lässt tief blicken" weit älter. Erst mit dem scherzhaften Zusatz "sagt Sabor" ist das Wort ein geflügeltes.—

Gegen Ende seiner Reichstagsrede, am 6. Februar 1888, über das Bündnis Deutschlands und Österreich-Ungarns vom 7. Oktober 1879 sagte Fürst Bismarck mit Bezug auf Russlands drohende Haltung: "Wir können durch Liebe und Wohlwollen leicht bestochen werden—vielleicht zu leicht—aber durch Drohungen ganz gewiss nicht! Wir Deutschen fürchten Gott, aber sonst Nichts in der Welt, und die Gottesfurcht ist es schon, die uns den Frieden lieben und ehren lässt". Alsbald wurden die demütig-stolzen Worte dieser Warnrede Bismarcks:

"Wir Deutschen fürchten Gott, aber sonst Nichts in der Welt!"

über den Erdball verbreitet und fort und fort citiert. Und so stehen sie denn hier als Schlussstein des deutschen Citatenschatzes und zugleich in dankbarer Erinnerung an den gottbegnadeten Schöpfer geflügelter Worte.

Schon bei Livius (32, 32, 14) sagt König Philipp von Macedonien: "neminem equidem timeo praeter deos immortales" ("ich fürchte Niemand ausser den unsterblichen Göttern"). In Konrad von Würzburgs († 1287) Gedicht "Dër Wërlte lôn" (S. 7, her. v. Fr. Roth 1843) spricht die Frau Welt zum Ritter Wirent von Grafenberg: "Ich entfürhte nieman âne got, der ist gewaltic über mich." So lässt auch Racine (1691) in seiner "Athalie" (1, 1) den Hohenpriester Joas zum Feldhauptmann Abner sprechen: "Je crains Dieu, cher Abner et n'ai point d'autre crainte". Mit Auslassung der Anrede setzte Chodowiecki diese Worte unter seinen berühmten Stich "Der Abschied des Jean Calas". Dann sagt E. M. Arndt in dem Gedichte "Die alten und die neuen Teutschen" ("Lieder für Teutsche im Jahr der Freiheit 1813" S. 76) von unsern Vätern: "Sie fürchteten Gott und Nichts weiter".—

Notes in this chapter

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