I. Geflügelte Worte aus der Bibel.[6]
Reading edition
I. Geflügelte Worte aus der Bibel.[6]
Da die Bibel unter allen Büchern der Erde das bekannteste ist, so sind die Sprachen mit volkstümlichen Ausdrücken aus ihr reichlich getränkt. So die deutsche Sprache:
"Der Mensch wird nackt geboren wie Adam, er ist keusch wie Joseph, weise wie Salomo, stark wie Simson, ein gewaltiger Nimrod, der wahre Jakob, ein ungläubiger Thomas; er ist ein langer Laban, ein Riese Goliath, ein Enakskind; er lebt wie im Paradiese, dient dem Mammon und hat Mosen und die Propheten, oder er stimmt, arm wie Lazarus oder ein blinder Tobias, Jeremiaden an, sehnt sich zurück nach den Fleischtöpfen Ägyptens, bekommt eine Hiobspost über die andere und muss Uriasbriefe bestellen, wobei er von Pontius zu Pilatus zu laufen hat. Vielleicht ist er ein Saul unter den Propheten, ein barmherziger Samariter oder ein Pharisäer, der Judasküsse giebt; noch schlimmer, wenn er ein Kainszeichen an der Stirn trägt oder wenn man ihn zur Rotte Korah zählen muss, aber möglicherweise gehört er zu dem unschädlichen Geschlechte der Krethi und Plethi, oder er ist nichts als ein gewöhnlicher Philister. Jedenfalls müssen ihm der Text, die Epistel und die Leviten gelesen werden, damit er den alten Adam ausziehe und er nicht länger wie in Sodom und Gomorrha lebe, in ägyptischer Finsternis und babylonischer Verwirrung. Doch wie dem auch sei, er sehnt sich danach, alt zu werden wie Methusalem, und wenn es mit ihm Matthäi am letzten ist, wird er aufgenommen in Abrahams Schoss."
Es braucht wohl kaum erwähnt zu werden, dass "wahrer Jakob", "langer Laban", "von Pontius zu Pilatus" (statt: von Herodes zu Pontius Pilatus) Anlehnungen oder Entstellungen sind.
Neben solchen der Bibel entnommenen Worten, Namen und Redensarten sind eine Menge biblischer Sprüche im Munde des Volkes, die oft zu bequemerem Gebrauch umgestaltet, ja sogar profaniert worden sind.
Es wird in dem Folgenden Luthers Bibelübersetzung citiert[7], denn diese allein ist seit mehr als drei Jahrhunderten Volksbuch; und so findet man denn auch, weil sie das Volk aus der Bibel citiert, Worte hier eingereiht, die streng genommen nicht biblisch, sondern luthersch, ja sogar manchmal vorluthersch sind. Auch bleibt in diesem Kapitel die Reihenfolge der Bücher so unchronologisch, wie sie uns durch Luther zur Gewohnheit wurde.—
Ein wüster Zustand der Verwirrung heisst uns nach 1. Mose 1, 2 ein
Tohuwabohu
(nach den hebräischen Ausdrücken für "wüste und leer").—
1. Mos. 1, 3 steht:
Es werde Licht.—
1. Mos. 1, 12 schliesst:
Und Gott sahe, dass es gut war.—
Den Menschen nennen wir nach 1. Mos. 2, 7 einen
Erdenkloss.—
Nach 1. Mos. 2, 9 u. 17, wo von dem "Baum des Erkenntnisses Gutes und Böses" die Rede ist, dessen Früchte der Herr dem ersten Menschenpaar zu geniessen verbietet (s. 3, 2-6), wurden die Worte üblich:
Vom Baum der Erkenntniss essen
und:
Die verbotene Frucht.—
Nach 1. Mos. 2, 18 citieren wir:
Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei,
und:
Mann und Frau sind Eins
nach 1. Mos. 2, 24: "Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und an seinem Weibe hangen, und sie werden sein Ein Fleisch" (vrgl. Matth. 19, 5).—
Aus 1. Mos. 2, 23, wo Adam von Eva sagt: "Das ist doch Bein von meinen Beinen, und Fleisch von meinem Fleisch", entnehmen wir:
Fleisch von meinem Fleisch und Bein von meinem Bein.—
1. Mos. 3, 5 lesen wir das Schlangenwort: "Und werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist". Die Vulgata giebt: "Eritis sicut Dii". "Und werdet sein wie die Götter". Wir aber citieren die Stelle so, wie sie Goethe in der Schülerscene des "Faust" anwendet:
Eritis sicut Deus, scientes bonum et malum. Und werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.
Die Verwendung bei Goethe dürfte durch Agrippa von Nettesheim vermittelt sein, der im Anfange seines Werkes "de incertitudine et vanitate omnium scientiarum", Köln 1527, sich dahin äussert, die Wissenschaft erhebe zu Gott nur im Sinne dieses Spruches der Schlange. "Eritis sicut Deus" wurde zum Titel eines die Philosophen, besonders Fr. Th. Vischer, verspottenden Romans erkoren, der 1855 anonym zu Hamburg erschien und dessen fromme Verfasserin Wilhelmine Canz hiess.—
Nach dem Sündenfall heisst es 1. Mos. 3, 7 von Adam und Eva, sie "wurden gewahr, dass sie nackend waren; und flochten Feigenblätter zusammen, und machten ihnen Schürzen". Hiernach ward uns das
Feigenblatt
ein bildlicher Ausdruck für "schamhafte Verhüllung".—
1. Mos. 3, 16 spricht Gott zu Eva: "dein Wille soll deinem Manne unterworfen sein, und
Er soll dein Herr sein".—
1. Mos. 3, 19 steht:
Im Schweisse deines Angesichts sollst du dein Brod essen,
und:
Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden.
Dies citieren wir auch mit Sirach 41, 11 (vrgl. 42, 13 u. Pred. Sal. 12, 7) in der Form:
Alles, was aus der Erde kommt, muss wieder zur Erde werden.—
1. Mos. 4, 9 fragt Kain:
Soll ich meines Bruders Hüter sein?—
Der Ausdruck
himmelschreiend
beruht auf 1. Mos. 4, 10; 18, 20; 19, 13; 2. Mos. 3, 7; 22, 23; Jakobi 5, 4. Die alte Dogmatik hatte hieraus den Begriff der "schreienden Sünden", der "peccata clamantia" gebildet und diese in folgenden Versen aufgezählt:
Clamitat ad coelum vox sanguinis et Sodomorum, Vox oppressorum, viduae, pretium famulorum. Es schreit zum Himmel die Stimme des Bluts und der Sodomiter, die Stimme der Unterdrückten, der Witwe, der Arbeiter Lohn.—
Nach 1. Mos. 4, 15: "Und der Herr machte ein Zeichen an Kain, dass ihn niemand erschlüge", reden wir von einem
Kainszeichen
in dem fälschlichen Sinne, als stünde geschrieben, dass der Herr sichtbarlich Kain zum Mörder stempelte.—
1. Mos. 5, 24 heisst es von Henoch: "Und dieweil er ein göttlich Leben führte, nahm ihn Gott hinweg
und ward nicht mehr gesehen".
Dies Wort ist oft dichterisch als Schlusseffekt verwendet worden[8].—
Nach diesem Spruch (oder nach 1. Mos. 6, 9) sagt man auch:
Ein göttliches Leben führen,
ohne mehr an Henochs oder Noahs Wandel zu denken, sondern im Märchensinne des Schlaraffenlebens.—
Zur Bezeichnung eines sehr hohen Alters dient
Methusala, gewöhnlich: Methusalem,
welcher nach 1. Mos. 5, 27 das Alter von 969 Jahren erreichte.—
Den Weg alles Fleisches gehen
für "zu Grunde gehen" entnehmen wir wohl aus 1. Mos. 6, 12-13: "Da sahe Gott auf Erden, und siehe, sie war verderbet; denn alles Fleisch hatte seinen Weg verderbet auf Erden. Da sprach Gott zu Noah: Alles Fleisches Ende ist vor mich gekommen, denn die Erde ist voll Frevels von ihnen; und siehe da, ich will sie verderben mit der Erde". Auch 1. Kön. 2, 2: "ich gehe hin den Weg aller Welt", ist zu beachten und Hiob 16, 22 (s. unten).—
1. Mos. 6, 4 steht:
Berühmte Leute.—
Nach 1. Mos. 6, 17; 7, 10 u. 17; 9, 11 u. 15; Psalm 29, 10; Weisheit 10, 4; Sirach 40, 27; Matth. 24, 38 u. 39; 2. Petri 2, 5; 3, 6 reden wir mit Luther von einer
Sündflut
anstatt von einer Sintflut (Sint-Fluot d. i. grosse Flut), wie die genaueren Gelehrten nun zu schreiben pflegen.—
Das Ölblatt,
welches nach 1. Mos. 8, 11 die zweite von Noah ausgesandte Taube heimbrachte, gilt bis heute als Zeichen der Beschwichtigung, der Versöhnung und des Friedens.—
1. Mos. 8, 21 (vrgl. 1. Mos. 6, 5) steht:
Das Dichten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.—
Zur Bezeichnung eines leidenschaftlichen Jägers dient Noahs Enkel
Nimrod
nach 1. Mos. 10, 9: "Daher spricht man: Das ist
ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn
wie Nimrod".—
Menschenkind(er),
kommt 1. Mos. 11, 5 und sonst noch sehr oft in der Bibel vor, namentlich im Hesekiel.—
Babylonische Verwirrung
stammt aus 1. Mos. 11, 9: "Daher heisset ihr Name Babel, dass der Herr daselbst verwirret hatte aller Länder Sprache . . ."—
Gnade vor deinen (meinen) Augen finden
beruht auf 1. Mos. 18, 3; 19, 19; 2. Mos. 33, 12. 13. 16. 17.—
1. Mos. 18, 14 (vrgl. Jerem. 32, 27) steht: "Sollte dem Herrn etwas unmöglich sein?" und danach Jerem. 32, 17 "und ist kein Ding vor dir (Herr) unmöglich", was dann bei Luk. 1, 37 (vrgl. Matth. 19, 26; Mark. 10, 27; Luk. 18, 27) also lautet:
bei Gott ist kein Ding unmöglich.—
Auf 1. Mos. 19 beruht
Sodom und Gomorrha,
eine oft in der Bibel wiederkehrende Bezeichnung lasterhafter Stätten.—
Mit Blindheit geschlagen werden
steht 1. Mos. 19, 11; 5. Mos. 28, 28; 2. Kön. 6, 18 und "Weisheit" 19, 16.—
Zur Salzsäule werden
heisst uns "vor Entsetzen erstarren" nach 1. Mos. 19, 26 "Und sein (Lot's) Weib sahe hinter sich und ward zur Salzsäule". Der Herr hatte zu Lot und den Seinen gesagt, als die Engel sie fortführten aus dem der Vernichtung anheimfallenden Sodom (17): "Errette deine Seele und siehe nicht hinter dich".—
Nach 1. Mos. 22, 17; 32, 12; 41, 49; Jesaias 10, 22; 1. Kön. 4, 20; Hosea 1, 10; Gebet Asariae 36; Römer 9, 27 und anderen ähnlichen Schriftstellen sagen wir
Wie Sand am Meer.—
Aus 1. Mos. 23, 4. 9. 20; 49, 30; 50, 13 kommt uns das Wort:
Erbbegräbnis.—
1. Mos. 23, 6 heisst es: "begrabe deinen Todten in unsern ehrlichsten Gräbern", Sirach 38, 16: "bestatte ihn ehrlich zum Grabe" und 2. Macc. 4, 49: "und liessen sie ehrlich zur Erde bestatten". Hieraus bildeten wir das Wort
ein ehrliches Begräbnis.—
Nach 1. Mos. 25, 34 nennen wir etwas Wertloses, wofür etwas Wertvolles preisgegeben wird,
ein Linsengericht;
denn für ein solches mit Brod verkaufte Esau dem Bruder Jakob seine Erstgeburt (vrgl. Ebr. 12, 16).—
Gotteshaus
wird für "Kirche" oder "Tempel" gebraucht nach 1. Mos. 28, 22; Richter 17, 5; Matth. 12, 4. Kühnerweise schrieb Zesen sich diese Erfindung zu [s. unt. a. a. O. bei "Gottestisch"].—
Nach 1. Mos. 31, 20; 2. Sam. 15, 6 sagen wir:
Einem das Herz stehlen
und danach:
Herzensdieb.—
Die Kinder Israël
werden 1. Mos. 32, 32 und auch sonst häufig in der Bibel genannt.—
1. Mos. 33, 9 steht
Behalt, was du hast,
was sich Offenbar. Joh. 3, 11 in der Form: "Halt, was du hast" wiederholt, während es ebenda 2, 25 heisst: "(Doch) was ihr habt, das haltet, (bis dass ich komme)".—
Nach 1. Mos. 34, 1 wird ganz willkürlich von Männern auf Freiersfüssen gesagt:
ausgehen, um die Töchter des Landes zu besehen;
denn Jakobs und Leas Tochter Dina, so steht geschrieben, "ging heraus, die Töchter des Landes zu sehen".—
Nach 1. Mos. 37, 27: "Es ist unser Bruder, Fleisch und Blut", nennen wir die nächsten Angehörigen unser
Fleisch und Blut.—
1. Mos. 37, 35 steht für "sterben":
in die Grube fahren,
ein oft in der Bibel wiederkehrender Ausdruck.—
Habeat sibi, meinetwegen,
oder, wie Luther übersetzt: "Sie hab's ihr", ist aus 1. Mos. 38, 23 entlehnt (vrgl. Sueton: "Julius Cäsar", 1).—
Keusch wie Joseph
ist entwickelt aus 1. Mos. 39.—
Pharaos Traum, 1. Mos. 41, von "sieben schönen fetten Kühen", die von "sieben hässlichen und mageren Kühen" gefressen und von "sieben dicken und vollen Ähren", die von "sieben mageren Ähren" verschlungen werden, wird von Joseph dahin gedeutet, dass in ganz Ägyptenland "sieben reiche Jahre" und nach denselben "sieben Jahre teure Zeit" kommen würden. Hiernach sprechen wir von
Fetten Jahren und mageren Jahren.—
Aus 1. Mos. 41, 43, wo geschrieben steht, dass Pharao vor Joseph her ausrufen liess: "Der ist des Landes Vater" stammt
Landesvater,
oder aus Cicero "pr. Sest." 57: "pater patriae", "Vater des Vaterlands".—
Benjamin
als Bezeichnung des jüngsten Kindes und Lieblingssohnes beruht auf 1. Mos. 42, 4 und 43, 6 und 14.—
Nach 1. Mos. 44, 4; 1. Sam. 24, 18; 25, 21 und Jerem. 18, 20 sagen wir:
Gutes mit Bösem vergelten.
"Arges um Gutes thun" steht Psalm 35, 12; 38, 21 und: "Vergeltet nicht Böses mit Bösem" 1. Petri 3, 9; daher unser:
Böses mit Bösem vergelten.—
Nach 2. Mos. 1, 14: "Und (die Ägypter) machten ihnen (den Kindern Israel) ihr Leben sauer, mit schwerer Arbeit in Thon und Ziegeln und mit allerlei Fröhnen auf dem Felde", sagen wir:
Einem das Leben sauer machen.—
Wir sprechen von einem gesegneten Lande,
darinnen Milch und Honig fliesst
nach 2. Mos. 3, 8. Der Ausdruck wiederholt sich häufig in der Bibel und ist auch in den klassischen Sprachen bekannt[9].—
Zeichen und Wunder,
2. Mos. 7, 3 wiederholt sich ebenfalls oft in der Bibel. Auch im Aelian (2. Jahrh. n. Chr.; "Variae historiae" 12, 57) findet sich der Ausdruck σημεῖα καὶ τέρατα, also in derselben Form, wie im Neuen Testament an vielen Stellen, z. B. Matth. 24, 24.—
Der Finger Gottes
beruht zunächst auf 2. Mos. 8, 19, wo die Zauberer, weil Aaron Läuse aus dem Staube entstehen lassen konnte, zu Pharao sprechen: "Das ist Gottes Finger". Luk. 11, 20 spricht Jesus vom Austreiben der Teufel "durch Gottes Finger".—
Wir reden von der
Ägyptischen Finsternis
nach 2. Mos. 10, 22: "Da ward eine dicke Finsternis in ganz Ägyptenland drei Tage".—
2. Mos. 14, 17. 18 und Psalm 46, 11 heisst es:
Ehre einlegen.—
2. Mos. 15, 10: "Da liessest du deinen Wind blasen, und das Meer bedeckte sie" . . "Flavit spiritus tuus et operuit eos mare" . . . rief ein viel citiertes Wort hervor. Auf die Vernichtung der gegen England gesandten Riesenflotte Philipps II., der Armada, durch die August- und Septemberstürme d. J. 1588 schlugen nämlich die Holländer in Middleburg eine Dank- und Denkmünze. Die eine Seite trägt mit den Wogen kämpfende Schiffe und die Umschrift: "Flavit Jehovah et dissipati sunt" ("Jehovah" in hebräischen Lettern auf einem Gewölk: vergl. Van Loon "Nederlandsche Historipenningen" 1, 392). Die andere Seite zeigt als Sinnbild des Protestantismus eine auf meerumbrandetem Fels festgegründete Kirche, darunter des Moritz von Nassau Wappenschild und um den Rand die Worte: "Allidor non laedor" ("mag es an mir anprallen, wird es doch an mir abprallen"). Irrtümlich schreibt Addison ("Spectator" No. 293) eine solche Denkmünze mit der Inschrift: "Afflavit Deus et dissipantur" der Königin Elisabeth von England zu, und Schiller bringt, nach Mercier ("Portrait de Philippe second" Amst. 1785. "Précis historique" p. IX), in der Anmerkung zu seinem Gedicht "Die unüberwindliche Flotte" (1786, "Thalia" II, 71) denselben Irrtum nebst der nun durch ihn landläufig gewordenen Änderung der Devise:
Afflavit Deus et dissipati sunt,
die er am Schluss des Gedichtes also übersetzt:
"Gott der Allmächt'ge blies, Und die Armada flog nach allen Winden".
Dies lautet in Racines "Athalie" (1691) 5, 6, 3-4:
"Comme le vent dans l'air dissipe la fumée, La voix du tout-Puissant a chassé cette armée . . ."
und in Martin Crugots "Der Christ in der Einsamkeit" (1756, J. Korn, Breslau): "Der Allmächtige blies und zerstäubete die Unüberwindliche wie Spreu, welche der Wind zerstreuet". Vrgl. "Martin Crugot, der ältere Dichter der unüberwindlichen Flotte Schillers". Urkundlich nachgewiesen von Karl Hermann Manchot (Bremen, C. W. Roussell, 1886. S. 23).—
Auf 2. Mos. 16, 15. 33. 35 (vrgl. Psalm 78, 24; Joh. 6, 31. 49. 58), beruht:
Manna in der Wüste.—
Wollen wir bezeichnen, dass sich jemand nach einer äusserlich besseren Lage zurücksehnt, so sagen wir mit Anlehnung an 2. Mos. 16, 3 (vrgl. 4. Mos. 11): "Wollte Gott, wir wären in Ägypten gestorben, durch des Herrn Hand, da wir bei den Fleischtöpfen sassen", dass er sich zurücksehnt nach
den Fleischtöpfen Ägyptens.—
2. Mos. 21, 24; 3. Mos. 24, 20; 5. Mos. 19, 21; Matthäi 5, 38 steht:
Auge um Auge, Zahn um Zahn.—
Die Verehrung des Reichtums und die Sucht nach Metallbesitz bezeichnen wir fälschlich nach 2. Mos. 32 (wo wörtlich 'gegossenes Kalb' steht) mit
Anbetung des goldenen Kalbes; Tanz ums goldene Kalb;
denn in der betreffenden Stelle handelt es sich um ein Götzenbild, welches die Israeliten allerdings anbeteten und umtanzten, zu dessen Herstellung sie sich aber ihres goldenen Geschmeides entäussert hatten; auch liefert Ch. Beke (in "The Idol of Horeb: Evidence that the Golden Image was a Cone and not a Calf", 1871) den Beweis, dass die eigentliche Bedeutung des hebräischen Wortes nicht "Kalb", sondern "Kegel" ist.—
Aus 2. Mos. 23, 6; 5. Mos. 16, 19; 24, 17; 27, 19; 1. Sam. 3, 3; Hiob 34, 12 (vrgl. auch Sprichw. 17, 23; 18, 5; Jes. 10, 2) entnehmen wir:
das Recht beugen,
nach Luther, der so übersetzt, gleichviel ob in der Vulgata "declinare", "opprimere", "subvertere" oder "pervertere" steht. Aber es entstand unabhängig von ihm aus den Vulgataworten (5. Mos. 27, 19 vrgl. dazu 24, 17 und Hiob 34, 12): "maledictus, qui pervertit iudicium . . ." die Wendung:
das Recht verdrehen
und daraus:
Rechtsverdreher
und:
Rechtsverdrehung.—
Nach 2. Mos. 32, 27: ". . Gürte ein jeglicher sein Schwert auf seine Lenden . ." sagen wir für "sich kampfbereit machen":
Seine Lenden mit dem Schwert gürten.—
2. Mos. 33, 11 steht geschrieben: "Der Herr aber redete mit Mose
von Angesicht zu Angesicht,
wie ein Mann mit seinem Freunde redet".—
Auf 3. Mos. 16 (vrgl. 4. Mos. 7, 16ff.; 15, 24; 28 u. 29) beruht der Ausdruck:
Sündenbock,
von welchem Vers 21 und 22 geschrieben steht: "Da soll denn Aaron seine beide Hände auf sein Haupt legen, und bekennen auf ihm alle Missethat der Kinder Israel, und alle ihre Übertretung in allen ihren Sünden; und soll sie dem Bock auf das Haupt legen, und ihn durch einen Mann, der vorhanden ist, in die Wüste laufen lassen: dass also der Bock alle ihre Missethat auf ihm in eine Wildnis trage".—
Aus 3. Mos. 19, 18: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" ("als dich selbst": Matth. 5, 43; 22, 39; Mark. 12, 31; Röm. 13, 9) entsprangen die Worte:
Nächstenliebe
und (Gal. 5, 14):
Liebe deinen Nächsten als dich selbst.—
3. Mos. 19, 32 lautet: "Vor einem grauen Haupt sollt ihr aufstehen und die Alten ehren"; daher wir sagen:
Ein graues Haupt ehren.—
Aus 3. Mos. 19, 36: "Ihr sollt nicht ungleich handeln am Gericht, mit der Elle, mit Gewicht, mit Maas" stammt die Wendung:
Mit gleicher Elle messen.—
3. Mos. 20, 4 steht für "gegen Einen nachsichtig sein": dem Menschen
Durch die Finger sehen.—
3. Mos. 24, 11-16 (vrgl. Daniel 7, 25) lesen wir von Einem, der "des Herrn Namen lästert" und danach 2. Macc. 13, 6 das Wort:
Gotteslästerer
und 2. Macc. 15, 24, wie Matth. 26, 25; Mark. 2, 7; 3, 28; 14, 64; Luk. 5, 21:
Gotteslästerung.
Hier giebt der Grundtext:
Βλασφημία, Blasphemie,
was bei den Hellenen lediglich "Lästerung" bedeutete.—
3. Mos. Kap. 25 ist überschrieben "Feier- und Jubeljahr", und es wird darin den Kindern Israel befohlen, jedes fünfzigste Jahr mit dem Schall der Posaune (hebräisch: jobel) als ein Erlassjahr anzukündigen, "da jedermann wieder zu dem Seinen kommen soll". Eigentlich müsste es also "Jobeljahr" heissen; aber schon im 6. Jahrh. n. Chr. nennt Arator ("de actib. Apostol." II, 677) dieses jüdische Festjahr "annus iubilaeus". Wir sagen nun von einer seltenen Wiederholung, sie komme
"alle Jubeljahr' mal",
und die katholische Kirche feiert noch heute alle fünfundzwanzig Jahre ein gewinnbringendes Jubel- und Gnadenjahr, welches zuerst Bonifacius VIII. i. J. 1300 für eine hundertjährige Wiederkehr eingesetzt hatte. Die Worte "Jubel, jubeln, jubilieren, Jubelfest, Jubiläum, Jubilar, Jubelgreis", sind alle davon herzuleiten.—
3. Mos. 26, 6; 1. Macc. 7, 50; 9, 57; 14, 11 steht:
Friede im Lande.—
Aus 4, Mos. 6, 25: "Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig" entnehmen wir:
Sein Angesicht leuchten lassen über Jemandem.—
4. Mos. 9, 23 heisst es von den Kindern Israel: "Nach des Herrn Munde lagen sie und nach des Herrn Munde zogen sie, dass sie auf des Herrn Hut warteten . . ." Dieser Spruch und andere auf den Wachtdienst im Tempel bezügliche Stellen des alten Testamentes (s. 3. Mos. 8, 35; 4. Mos. 9, 19; 1. Chron. 24, 32; Nehemia 12, 45; Sacharja 3, 7) trugen bei zur Bildung des Sektennamens
Herrnhuter.
Nämlich der Zimmermann Christian David aus Mähren begründete im Jahre 1722 auf Berthelsdorf, dem Oberlausitzischen Gut des frommen Grafen Zinzendorf, mit neun Anderen am Hutberge eine Niederlassung, aus der die "evangelische Brüdergemeinde" hervorwuchs. Er, der Haushofmeister Georg Heitz und der Magister Christian Gottfried Marche benannten in des Spenders Abwesenheit den Ort "Herrnhut" und David schrieb darüber (s. Ersch und Grubers "Encyclopädie" unter "Brüder-Unität"): "Wir gaben diesem Orte nach dem dabei gelegenen Hutberge den Namen Herrnhut, teils deswegen, weil wir uns immer dabei erinnern sollten, dass der Herr über uns Hüter und Wächter ist, teils um uns täglich zu erinnern, dass wir auch auf der Hut und Wache sein sollen".—
Für Riesenkind, riesig starker Mensch, sagen wir nach 4. Mos. 13, 23. 29. 34 und anderen Stellen des alten Testamentes
Enakskind.—
Aus 4. Mos. 14, 34; 5. Mos. 31, 6. 8; Psalm 74, 11 schöpfen wir das Wort
die Hand abziehen von Einem.—
Die Bezeichnung eines Haufens wüster Polterer durch
die Rotte Korah
ist 4. Mos. 16, 5 entnommen.—
Auf 4. Mos. 31, 26. 27; Josua 22, 8; Eichter 5, 20 beruht:
Den Raub unter sich teilen.—
Dorn im Auge
ist aus 4. Mos. 33, 55 gebildet, wo es heisst:
"Werdet ihr aber die Einwohner des Landes nicht vertreiben vor eurem Angesicht, so werden euch die, so ihr überbleiben lasset, zu Dornen werden in euren Augen—".—
5. Mos. 1, 17 (vrgl. Sprichw. 24, 25; Joh. 7, 24) steht: "Keine Person sollt ihr im Gericht ansehen" und Hiob 34, 19 heisst es von Gott (vrgl. Hiob 13, 10; Maleachi 1, 9; Sir. 35, 16; Matth. 22, 16; Mark. 12, 14; Luk. 20, 21; Apostelg. 10, 34. 35; Röm. 2, 11; 2. Kor. 19, 7; Gal. 2, 6; Ephes. 6, 9; Col. 3, 25; Jak. 2, 1): "Der doch nicht ansieht die Person der Fürsten und kennt den Herrlichen nicht mehr, denn den Armen". Daher verlangen wir mit 1. Petri 1, 17, man solle richten
Ohne Ansehen der Person.—
Nach 5. Mos. 4, 26 sagen wir:
Himmel und Erde zu Zeugen (an)rufen.—
5. Mos. 4, 29; 6, 15; 10, 12; 26, 16; 30, 2; 30, 6; 30, 10; Josua 22, 5; 23, 14; 1. Kön. 2, 4; 8, 48; 2. Kön. 23, 3. 25; Jerem. 32, 41 steht geschrieben:
Von ganzem Herzen und von ganzer Seele—
und 5. Mos. 30, 19 und 31, 28:
Himmel und Erde zu Zeugen nehmen.—
Aus 5. Mos. 8, 3 ist:
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein
entnommen, was wir Matth. 4, 4 und mit Wortumstellung Luk. 4, 4 lesen.—
Für "Einen unbarmherzig strafen" sagen wir:
Einen steinigen
nach 5. Mos. 13, 10; 17, 5; 21, 21. 24.—
Seine milde Hand aufthun
stammt aus 5. Mos. 15, 11 (vrgl. Psalm 104, 28; 145, 16): "Es werden allezeit Arme sein im Lande; darum gebiete ich dir und sage, dass du deine Hand aufthust deinem Bruder, der bedrängt und arm ist in deinem Lande" und Psalm 37, 21: "Der Gerechte ist barmherzig und milde".—
5. Mose 21, 1-9 wird angeordnet, dass da, wo ein Erschlagener liege, dessen Mörder unbekannt sei, die Ältesten der nächsten Stadt über einer jungen Kuh, der der Hals abgehauen ist, ihre Hände waschen und dabei sagen sollen: "Unsere Hände haben das Blut nicht vergossen, so haben es auch unsere Augen nicht gesehen; sei gnädig deinem Volke Israel, dass du, der Herr, erlöset hast, lege nicht das unschuldige Blut auf dein Volk Israel u. s. w.". Hierauf beruht die uns nach Psalm 26, 6 oder besser Ps. 73, 13 (vrgl. Pilatus bei Matth. 27, 24) geläufige Wendung:
Ich wasche meine Hände in Unschuld,
oder:
Seine Hände in Unschuld waschen.—
Aus 5. Mos. 22, 26 "Sünde des Todes werth" und 1. Joh. 5, 16. 17 "Sünde zum Tode" stammt das Wort:
Todsünde.—
Aus 5. Mos. 24, 1. 3 (vrgl. Matth. 5, 31; 19, 7; Mark. 10, 4; Luk. 16, 18; 1. Kor. 7, 10) stammt der
Scheidebrief.—
Du sollst dem Ochsen, der da drischet, nicht das Maul verbinden
steht 5. Mos. 25, 4 (vrgl. 1. Kor. 9, 9; 1. Timoth. 5, 18). Noch heute wird in Syrien das im Freien ausgebreitete Getreide gedroschen, indem man mit einem ochsenbespannten hölzernen Stuhlschlitten darüberhinfährt, unter dessen Kufen scharfe Steine befestigt sind.—
5. Mos. 25, 18 findet sich:
müde und matt.—
5. Mos. 27, 15-26 steht zwölfmal: "und alles Volk soll sagen: Amen"; Matth. 5, 37: "Eure Rede sei ja, ja . . ." und Offenb. Joh. 22, 20: "Ja, ich komme bald, Amen". Daher unser:
Ja und Amen zu Etwas sagen.—
Aus 5. Mos. 28, 29, wo dem, der nicht auf des Herrn Stimme hörte, prophezeit wird: "Und wirst tappen im Mittage, wie ein Blinder tappet im Dunkeln", citieren wir:
im Dunkeln tappen.
Vrgl. Hiob 5, 14; 12, 25.—
Vom Scheitel bis zur Sohle
sagen wir nach 5. Mos. 28, 35; 2. Sam. 14, 25 und Hiob 2, 7, obwohl wir eigentlich "von der Fusssohle an bis auf die Scheitel" citieren müssten.—
Aus 5. Mos. 28, 37 (vrgl. 1. Kön. 9, 7; 2. Chron. 7, 20; Hiob 17, 6; Jerem. 24, 9; Hes. 14, 8) entnehmen wir:
zum Sprichwort werden
und:
zur Fabel werden.—
Eine Person oder Eigenschaft, die Einem Unehre macht, nennen wir einen
Schandfleck
nach 5. Mos. 32, 5: "Sie sind Schandflecken und nicht seine Kinder", und nach Sir. 20, 26: "Die Lüge ist ein hässlicher Schandfleck an einem Menschen" und 47, 21: ". . und bringest deiner Ehre einen Schandfleck an".—
Jemanden wie seinen Augapfel behüten
ist aus 5. Mos. 32, 10 und Psalm 17, 8. (Sacharja 2, 8: "Wer euch antastet, der tastet seinen Augapfel an".)—
Traubenblut
für "Wein" finden wir 5. Mos. 32, 14.—
5. Mos. 32, 35 (Röm. 12, 19; Ebr. 10, 30) spricht der Herr:
Die Rache ist mein.—
Mann Gottes
steht 5. Mos. 33, 1 und sonst noch sechzigmal im alten Testamente.—
Josua 1, 14; 8, 3; Richter 3, 29; 18, 2; 20, 17; 1. Chronika 6, 18; 11, 12 finden wir:
streitbare Männer,
Josua 17, 1:
Ein streitbarer Mann.—
Josua 3, 7 verspricht der Herr, "Josua gross zu machen vor dem ganzen Israel", 4, 14 beginnt: "An dem Tage machte der Herr Josua gross vor dem ganzen Israel", und in der "Historie von der Susanne und Daniel" 64 heisst es: "Und Daniel ward gross vor dem Volk". Daher stammt die unserer jüdischen Bevölkerung geläufige Redensart:
Gross vor den Leuten.—
Josua 6, 5. 10. 16. 20; 1. Thess. 4, 16 steht:
Feldgeschrei.—
Nach Josua 10, 24; Psalm 74, 3; Ev. Joh. 13, 18 und Ebräer 10, 29 sagen wir:
Einen mit Füssen treten.—
Josua 24, 15 steht:
Ich (aber) und mein Haus wollen dem Herrn dienen.—
Josua 24, 16; 1. Samuelis 14, 45; 2. Sam. 20, 20; Römer 3, 4. 6 und öfters in den paulinischen Briefen lesen wir:
Das sei ferne!
vrgl. "Das sei ferne von dir" (1. Mos. 18, 25) und "Das sei ferne von mir" (1. Mos. 40, 7).—
Das Buch der Richter 2, 10 (vrgl. 2. Kön. 22, 20; 2. Chronik. 34, 28; 1. Macc. 2, 69 und auch 1. Mos. 25, 8) schenkt uns das Wort:
zu seinen Vätern versammelt werden.—
Im Buch der Richter 5, 6 (vrgl. Psalm 125, 5) steht: ". . . die da auf Pfaden gehen sollten, die wandelten durch
krumme Wege".—
Im Buche der Richter 6, 12 und Ruth 5, 6 steht:
(Ein) streitbarer Held.—
Als Bezeichnung des Losungswortes für eine Partei gebrauchen wir nach dem Buch der Richter 12, 5. 6:
Schiboleth.
Die Gileaditer hatten sich bei einer Furt des Jordans aufgestellt und richteten an jeden Ephraiter, der hinüber wollte, die Frage: "Bist du ein Ephraiter? Wenn er dann antwortete: Nein; so hiessen sie ihn sprechen: Schiboleth; so sprach er: Siboleth und konnte es nicht reden. So griffen sie ihn" u. s. w.—
Löst jemand eine Aufgabe mit fremder Hülfe, so nennen wir das:
mit fremdem Kalbe pflügen,
nach dem Vorgange Simsons, dessen Weib die Auflösung eines von ihm aufgegebenen Rätsels seiner Verschwiegenheit entlockt und den Ratenden mitgeteilt hatte, worauf er zu ihnen (nach dem Buche der Richter 14, 18) sprach: "Wenn ihr nicht hättet mit meinem Kalbe gepflüget, ihr hättet mein Rätsel nicht troffen".—
Brandfuchs
wird (nach Hase: "Ideale und Irrtümer", Lpz. 1872, S. 116) der Student im zweiten Semester genannt, weil ihm, dem "Fuchs", dann einige Haare hinter dem Ohre mit einem Fidibus angebrannt wurden, damit er von nun ab ein Brandfuchs im Kampfe gegen die Philister würde, wie (nach dem Buche der Richter 15) Simson gegen die Felder, Gärten und Weinberge der Philister dreihundert Füchse aussendete, von denen je zwei einen Brand zwischen ihren Schwänzen hatten.—
Philister
für Nichtstudent, Widersacher des Studententums, soll darauf beruhen, dass, als am Ende des 17. Jahrhunderts[10] bei Händeln in Jena zwischen den Studenten und den Einwohnern der Johannisvorstadt ein Student erschlagen worden war, der Oberpfarrer und Generalsuperintendent Lic. theol. Götze ihm die Leichenrede über den im Buche der Richter (16) viermal vorkommenden Text gehalten habe:
"Philister über dir,
Simson". (vrgl. Schmeitzel in den "Wöchentlichen Hallischen Anzeigen", 1746 Sp. 177 und E. B. Wiedeburg "Beschreib. d. Stadt Jena", Jena 1785, S. 155.)
Hingegen nach Oskar Justinus ("Schlesische Zeitung" Nr. 520, 1879) haben diejenigen Häuser der ehemaligen Universitätsstadt Helmstädt, welche in irgend einer Beziehung zur Universität standen, Tafeln mit einem Simson, der einem Löwen den Rachen aufreisst. Dies vom Kaiser Maximilian verliehene Siegel hätte zuwege gebracht, dass man alle, welche nicht unter diesem Zeichen standen, also alle Nichtakademiker, mit dem Namen der von Simson bekämpften Philister belegte. Friedrich Kluge bezweifelt diese Deutung mit Recht in seinem "historischen Wörterbuche der Studentensprache" (K. J. Trübner. Strassburg 1895).—
Dass sich ein Volk erhebt
wie Ein Mann
ist ein Wort, das wir dem Buche der Richter 20, 1. 8. 11; Esra 2, 64; 3, 1. 9; 6, 20 und Nehemia 7, 66; 8, 1 entlehnen.—
1. Samuelis 1, 15; Psalm 42, 5 und 62, 9 entstammt:
Sein Herz ausschütten.—
Nach 1. Samuelis 3, 11 (vrgl. 2. Könige 21, 12): "Wer das hören wird, dem werden seine beiden Ohren gellen" und Jeremias 19, 3: "ich will ein solch Unglück über diese Stätte gehen lassen, dass, wer es hören wird, ihm die Ohren klingen sollen" . . sagen wir, dass Einem
die Ohren gellen oder klingen.—
1. Samuelis 3, 13 (vrgl. Hiob 21, 5; Matth. 6, 16) heisst es von Eli, "dass er wusste, wie seine Kinder sich schändlich hielten, und hätte nicht einmal
sauer dazu gesehen".—
Nach 1. Samuelis 5, 9 und 11 sagen wir:
Einen grossen Rumor machen.—
Nach 1. Samuelis 9, 2, wo es von Saul heisst: "der war ein junger feiner Mann" sagt man wohl:
ein feiner junger Mann;
doch wird darunter nicht mehr, wie dort, ein stattlich gewachsener, sondern ein wohlanständiger Jüngling verstanden und auch spöttisch ein ladenmässig geschniegelter.—
Das von Goethe am Ende von "Wilhelm Meister's Lehrjahren" angewendete:
Saul, der Sohn Kis, ging aus, seines Vaters Eselinnen zu suchen und fand ein Königreich
erklärt sich aus 1. Samuelis, Kap. 9 und 10.—
Wie kommt Saul unter die Propheten?
hat folgenden Ursprung. Einer Prophetenschar begegnend und vom Geiste Gottes ergriffen, fing Saul auch an, unter ihnen zu weissagen, und sie sprachen (1. Samuelis 10, 11); "Ist Saul auch unter den Propheten?" und "Daher", heisst es 1. Samuelis 10, 12, "ist das Sprichwort kommen: Ist Saul auch unter den Propheten?" (vrgl. 1. Sam. 19, 24.)—
Ein Mann nach dem Herzen Gottes
beruht auf 1. Samuelis 13, 14 und Apostelg. 13, 22.—
1. Samuelis 16, 7 steht geschrieben: "Ein Mensch siehet, was vor Augen ist, der Herr aber siehet das Herz an". Hieraus schöpfen wir unser:
Gott sieht aufs Herz.—
Nach 1. Samuelis 17 nennen wir einen hochgewachsenen Mann einen
Goliath oder einen Riesen Goliath.—
Als ein Beispiel inniger Freundesliebe gelten uns
David und Jonathan
nach 1. Samuelis 18, 1-7; 19, 1; 20, 17; 23, 18; 2. Samuelis 1, 26; 21, 7 (s. unten: 1. Macc. 10 und 11).—
Nach 1. Samuelis 25, 17. 25; 2. Samuelis 20, 1, wo aber "Mann" steht, sagen wir:
Ein heilloser Mensch.—
2. Samuelis 8, 13 lesen wir:
Sich einen Namen machen.—
Das bekannte Wort:
Krethi und Plethi,
d. h. die Kreter (nach anderen die Karer) und Philister, welche die Leibwache des Königs bildeten, steht 2. Samuelis 8, 18; 15, 18; 20, 7. 23; 1. Könige 1, 38. 44; 1. Chronica 19, 17 und es ist uns gleichbedeutend mit "allerlei Pöbel".—
Als nach 2. Samuelis 10, 5 und 1. Chronika 20, 5 der Ammoniterkönig Hanon den abgesendeten Dienern des Königs David hatte die Haare scheren lassen, liess David ihnen sagen: "Bleibet zu Jericho, bis euer Bart gewachsen", woraus jene volkstümliche Abfertigung an einen frühklugen Unbärtigen entstand:
Gehe nach Jericho und lass dir den Bart wachsen.—
Nach 2. Samuelis 11, 14 u. 15 nennt man einen Brief, welcher dem Überbringer Unheil bringt:
Uriasbrief,
denn David schickte an Joab den Uria mit einem Briefe des Inhalts: "Stellet Uria an den Streit, da er am härtesten ist, und wendet euch hinter ihm ab, dass er erschlagen werde und sterbe". Und also geschah es.—
2. Samuelis 12, 5 steht:
Kind des Todes,
1. Sam. 26, 16; Psalm 79, 11; 102, 21: "Kinder des Todes".—
Aus 2. Samuelis 15, 14 stammt:
Kein Entrinnen.—
2. Samuelis 16, 7 u. 8 nennt Simei den David einen
Bluthund;
und Sirach 34, 27 lautet: "Wer dem Arbeiter seinen Lohn nicht giebt, der ist ein Bluthund".—
2. Samuelis 18, 9 berichtet von Absalom, der auf einem Maultier ritt: "da das Maulthier unter eine grosse dicke Eiche kam, behing sein Haupt an der Eiche und schwebete zwischen Himmel und Erde, aber sein Maulthier lief unter ihm weg". Danach brauchen wir die Wendung:
zwischen Himmel und Erde schweben.—
Aus 2. Samuelis 18, 33 und 19, 4 stammt:
O mein Sohn Absalom!—
1. Könige 2, 2 sagt der sterbende David zu seinem Sohne Salomo:
sei ein Mann.—
1. Könige 3, 7 spricht Salomo zu Gott: ". . bin . . ein kleiner Knabe, weiss nicht weder meinen Ausgang noch Eingang". Daher sagen wir:
nicht aus noch ein wissen.—
Auf 1. Könige 3, 16-28 beruht:
Salomonisches Urteil.
Es wird da eine junge Mutter von einer anderen bei Salomo verklagt, sie habe der Schlummernden ihr eigenes im Schlaf erdrücktes Kind untergeschoben und sich deren lebendes genommen, was die Bezichtigte läugnet. Um die Wahrheit herauszubringen, entscheidet der König, das lebendige Kind solle mit dem Schwert in zwei Teile geteilt werden und jeder eine Hälfte zufallen. Die eine willigt darein, die andere aber will dann lieber ganz verzichten, "denn ihr mütterliches Herz entbrannte über ihren Sohn". Da sprach Salomo: "Gebt dieser das Kind lebendig und tötet es nicht; die ist die Mutter."—
Weise wie Salomo, Weisheit Salomos oder Salomonis, salomonische Weisheit
beruht auf 1. Könige 4, 29. 30. 31. 34; 5, 7. 12; 10, 4. 6. 7. 8. 23. 24; 11, 41; 2. Chronika 1, 10. 11. 12; 9, 3. 5. 6. 7. 22. 23; Luk. 11, 31 und dem Titel des apokryphischen Buches "die Weisheit Salomons an die Tyrannen".—
1. Könige 12, 11 sprechen "die Jungen, die mit ihm aufgewachsen waren" zu Rehabeam, Salomos Sohn, er möge dem um Erleichterung flehenden Volke antworten: "mein Vater hat euch mit Peitschen gezüchtigt, Ich aber will euch
mit Scorpionen (d. h. mit Geisseln) züchtigen".—
1. König 22, 22 und 23 ist die Rede von "einem falschen Geist in aller Propheten Munde" (vrgl. Jesais 9, 15; Jerem. 5, 31; 6, 13; 14, 14; 23, 25 und 26), danach reden wir mit Matth. 7, 15; 24, 11; Mark. 13, 22; 2. Petri 2, 1; 1. Joh. 4, 1; Offenb. 16, 13; 15, 20 und 20, 10 von
falschen Propheten.—
Aus 2. Könige 4, 40 entnehmen wir den Klageruf über schlechtes Essen:
der Tod im Topf!—
1. Chronica 13, 18 steht:
Friede sei mit dir.—
1. Chronica 13, 19 sagen die Fürsten der Philister von David: "wenn er zu seinem Herrn Saul fiele, so möchte es uns unsern Hals kosten"; daher die Wendung:
es kostet den Hals.—
1. Chronica 17, 34; Psalm 106, 1; 107, 1; 118, 1. 29; 1. Maccab. 4, 24; Gesang der drei Männer im Feuer, 89, (vrgl. 2. Chronika 7, 3; Psalm 136, 1; Esra 3, 11) steht:
Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich.—
Esra 9, 6 schliesst: "unsere Missethat ist über unser Haupt gewachsen und unsere Schuld ist gross bis in den Himmel". Danach sagen wir:
Sich Etwas über den Kopf wachsen lassen.—
Für "Alles was dazu dient, eine leere Stelle auszufüllen", sagen wir:
Lückenbüsser,
nach Nehemia 4, 7: "da aber Saneballat, und Tobia, und die Araber, und Ammoniter, und Asdoditer höreten, dass die Mauern zu Jerusalem zugemacht waren, und dass sie die Lücken angefangen hatten zu büssen (veraltet für: "ausbessern, flicken"), wurden sie sehr zornig".—
Im Sack und in der Asche trauern (oder) Busse thun
beruht auf Esther 4, 1 und 3 (vrgl. Jes. 58, 5; Jerem. 6, 26; Jona 3, 6; 1. Maccab. 3, 47; Matth. 11, 21; Luk. 10, 13).—
In dem Buche Hiob 1, 1 u. 8; 2, 3 (vrgl. 2. Sam. 15, 3; Ps. 25, 21) wird Hiob bezeichnet als
schlecht (d. i. schlicht) und recht.—
Eine unglückliche Botschaft nennen wir eine
Hiobspost
nach Hiob 1, 14. 16. 17 und 18; während
Arm wie Hiob
sich auf das ganze Buch oder noch passender auf Hiob 17, 6 stützt: "Er hat mich zum Sprichwort unter den Leuten gesetzt".—
Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen, der Name des Herrn sei gelobet
steht Hiob 1, 21.—
Wenn wir bei einem grossen Schrecken sagen, dass uns
die Haare zu Berge stehen,
so citieren wir damit Hiob 4, 15: "Und da der Geist vor mir über ging, standen mir die Haare zu Berge an meinem Leibe".
Sir. 27, 15 "gehen" Einem die Haare zu Berge.—
Hiob 8, 9 heisst es:
(Denn) wir sind von gestern (her und wissen nichts).—
Aus Hiob 10, 22: "(Ehe denn ich hingehe) in das Land, da es stockdick finster ist . . ." schöpfen wir das Wort:
stockfinster.—
Aus Hiob 15, 32: "und sein Zweig wird nicht grünen" ist die Redensart:
auf keinen grünen Zweig kommen
wahrscheinlich entstanden.—
Ein leidiger Trost
sagen wir nach Hiob 16, 2: "Ihr seid allzumal leidige Tröster".—
Den Weg gehen, den man nicht wiederkommt
stammt aus Hiob 16, 22: "Aber die bestimmten Jahre sind gekommen und ich gehe hin des Weges, den ich nicht wiederkommen werde". S. oben: "Den Weg alles Fleisches gehen".—
Nach Hiob 12, 18: "Sie (die Gottlosen) werden sein . . . wie Spreu, die der Sturmwind wegführet," sagen wir von etwas Haltlosem, Vergänglichem, es sei
wie Spreu im Winde.
Vrgl. Psalm 1, 4 "wie Spreu, die der Wind zerstreuet", Psalm 35, 5 "wie Spreu vor dem Winde", sowie Hosea 13, 3 und Zephanja 2, 2.—
Hiob 21, 23; Tobias 5, 28 (vrgl. 8, 15; 14, 15); Sir. 30, 14 und 2. Macc. 9, 20 lesen wir:
frisch und gesund.—
Auf Hiob 25, 3; Psalm 97, 11; 112, 4; Matth. 4, 16 beruht:
Es geht mir ein Licht auf.—
Hiob 27, 2 steht:
So wahr Gott leb(e)t.—
Aus Hiob 27, 6: ". . mein Gewissen beisst mich nicht" kam uns das Wort:
Gewissensbisse.—
Hiob 29, 10 heisst es: "Da die Stimme der Fürstin sich verkroch und ihre Zunge an ihrem Gaumen klebte"; Ps. 22, 16: "Meine Kräfte sind vertrocknet wie ein Scherben und meine Zunge klebet an meinem Gaumen"; Ps. 137, 6: "Meine Zunge müsse an meinem Gaumen kleben, wo ich deiner (Jerusalem) nicht gedenke"; Klagelieder 4, 4; "Dem Säuglinge klebt seine Zunge am Gaumen vor Durst" und Hesekiel 3, 26: "Ich will die Zunge an deinem Gaumen kleben lassen, dass du verstummen sollst". Danach sagen wir:
Es klebt einem die Zunge am Gaumen
vor Durst, Schreck, Schwäche oder Angst.—
Hiob 29, 16 steht: "Ich war
ein Vater der Armen",
danach wir auch sagen:
Armenvater.—
"Man hat mich in Dreck getreten und gleich geachtet dem
Staub und Asche"
steht Hiob 30, 19 (vrgl. "Erde und Asche" 1. Mos. 18, 27; Sirach 10, 9; "Erde und Staub" Sir. 17, 31).—
Aus Hiob 31, 17: "Habe ich meinen Bissen allein gegessen und nicht der Waise auch davon gegessen?" 18: "Denn ich habe mich von Jugend auf gehalten wie ein Vater . . ." oder aus Sirach 4, 10: "Halte dich gegen die Waisen wie ein Vater . ." bildeten wir das Wort:
Waisenvater.—
Nach Hiob 36, 26: "Siehe, Gott ist gross und unbekannt" sagt man von einem sich in Werken offenbarenden, sonst unsichtbar bleibenden bedeutenden Geist:
Der grosse Unbekannte.
So wurde (nach J. Ebertys "Walter Scott" 1, 143, 318, 322; 2, 42) der anonyme Verfasser des "Waverley" genannt ("The great Unknown") und Lenau singt ("der Hagestolz"):
"Die Schädelpfeif' hat auch geraucht, Als drin das Leben brannte, Als noch der Raucher drein gehaucht, Der grosse Unbekannte".—
Des Herren Worte an das Meer:
Bis hierher sollst du kommen und nicht weiter; hie sollen sich legen deine stolzen Wellen;
finden sich Hiob 38, 11. Gewöhnlich wird, wie in Schillers "Räubern" (2, 1), verkürzt citiert:
Bis hierher und nicht weiter!
Goethe legt die in dem Verse 11 enthaltenen Endworte in der Form: "Werden sich schon legen die stolzen Wellen", der Postmeisterin in "Stella" (1) in den Mund. Die Worte "und nicht weiter" sind sowohl in der von Franzosen und Engländern richtig angeführten Übersetzung:
Nec plus ultra,
wie in der Umformung, die wir damit vorgenommen:
Non plus ultra,
eine Bezeichnung des höchsten Grades einer Eigenschaft geworden.—
Hiob 39, 30 (vrgl. Habakuk 1, 8) heisst es vom "Adler": "wo ein Aas ist, da ist er", danach wir mit Matth. 24, 28 und Lukas 17, 37 sagen:
Wo (aber) ein Aas ist, da sammeln sich die Adler.—
Auf Hiob 42, 3: ". . Darum bekenne ich, dass ich habe unweislich geredet, dass mir zu hoch ist und nicht verstehe", oder auf Psalm 139, 6 (vrgl. 131, 1): "Solches Erkenntnis ist mir zu wunderlich und zu hoch, ich kann es nicht begreifen" oder auf den "Sprüchen Salomons" 24, 7: "Weisheit ist dem Narren zu hoch"—beruht das Wort:
Das ist mir zu hoch.—
Psalm 1, 1: "Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen; noch tritt auf den Weg der Sünder; noch sitzet, da die Spötter sitzen . . ." liefert uns die Worte:
Sitzen, da die Spötter sitzen,
oder:
Auf der Bank der Spötter sitzen.—
Aus Psalm[11] 2, 1: "Warum toben die Heiden?" mag das Wort
Heidenlärm
entstanden sein, was dann für "grosser Lärm" gebraucht ward und in diesem Sinne des Gewaltigen Worte hervorrief wie "Heidengeld", "Heidenprofit", "heidenmässig viel Geld".—
Aus Psalm 2, 11: "Dienet dem Herrn mit Furcht und freuet euch mit Zittern" stammt
mit Furcht und Zittern,
was sich Tobias 13, 5; Ephes. 6, 5 und Philipp. 2, 12 wiederholt. Hiob 4, 14 und Ps. 55, 6 steht: "Furcht und Zittern", 1. Kor. 2, 3: "Mit Furcht und grossem Zittern".—
Aus Psalm 4, 4: "Erkennet doch, dass der Herr seine Heiligen wunderlich führet" stammt:
wunderlicher Heiliger
und
Gott führt seine Heiligen wunderlich.—
Aus Psalm 4, 9 (Vulgata): "in pace in idipsum dormiam et requiescam" entnehmen wir, ohne dass dort vom Tode die Rede ist, unseren Wunsch für einen Verstorbenen:
Requiescat in pace! Er ruhe in Frieden!
und wenden ihn auch auf einen Lebenden an, den wir zu den Toten werfen.—
Psalm 7, 10 (vrgl. Psalm 26, 2; Jerem. 11, 20; 17, 10; 20, 12; Offenbar. 2, 23) bringt uns:
Herzen und Nieren prüfen.—
Psalm 8, 6 steht:
Von Gott verlassen sein
(vrgl. Psalm 22, 2; Matth. 27, 46; Mark. 15, 34).—
Reden ist Silber
beruht wohl auf Psalm 12, 2: "Die Rede des Herrn ist lauter, wie durchläutertes Silber" und Sprüche 10, 20: "Der Gerechten Zunge ist köstliches Silber"; aber welcher Weise setzte hinzu: "Schweigen ist Gold"? Der Prediger Salomo 3, 7 sagt nur: "Schweigen, Reden hat seine Zeit". Manche nennen für "Reden ist Silber und Schweigen ist Gold" den Koran als Quelle, bezeichnen aber klüglich nie die Sure, in der es Mohammed offenbart habe.—
Zum Spott der Leute werden
sagen wir nach Psalm 22, 7: "Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und Verachtung des Volks".—
Jugendsünden
entstand aus Psalm 25, 7: "Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend".—
Es heisst Psalm 34, 20:
Der Gerechte muss viel leiden,
und 35, 20:
Die Stillen im Lande,
ferner 37, 3:
Bleibe im Lande und nähre dich redlich.—
Aus Psalm 39, 3: "Ich bin verstummet und still und schweige der Freuden und muss mein Leid in mich fressen" stammt das Wort:
Sein Leid in sich fressen.—
Psalm 41, 9 heisst es: "Sie haben ein
Bubenstück
über mich beschlossen: wenn er liegt, soll er nicht wieder aufstehen".—
Aus Psalm 42, 2 citieren Dürstende:
Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser.—
Den Ausdruck:
Falsche Zunge und falsche Zungen
lesen wir Psalm 52, 6; 120, 2; Sprüche 6, 17; 12, 19; 26, 28; Micha 6, 12.—
Psalm 73, 19 (s. Gefl. Worte aus der Geschichte: Schill) heisst es:
Ein Ende mit Schrecken nehmen.—
Aus Psalm 75, 9 ist der Scherz entwickelt:
Die Gottlosen kriegen die Neige,
oder:
Der Rest ist für die Gottlosen;
denn der Herr wird dort als ein Schenk dargestellt, der uns aus einem Becher starken Weines tränkt; aber "die Gottlosen" heisst es weiter, "müssen alle trinken und die Hefen aussaufen". Jeremias 25, 15-28 reicht der Herr dem Propheten einen "Becher Weins voll Zorn" zum Ausschenken.—
Jammerthal,
(Psalm 84, 7; nach der Vulgata Ps. 83, 7: "vallis lacrymarum") ist längst vor Luther aus dieser Bibelstelle gebildet worden.
Hugo von Trimberg (1260-1309) wendet es in "Dem Renner", Vers 235 und 896 an. (Nach der Erlanger Handschrift, herausg. in Bamberg 1834-36.) In Grimms Wörterbuch sind eine Menge Stellen angegeben, wo es citiert wird.—
Psalm 90, 10 steht:
Unser Leben währet siebenzig Jahr, und wenn's hoch kommt, so sinds achtzig Jahr, und wenn's köstlich gewesen ist, so ist's Mühe und Arbeit gewesen.
Hiernach sagen wir, es erreiche Einer
das Alter des Psalmisten oder das Psalmistenalter.—
Psalm 91, 12 bringt:
Auf (den) Händen tragen,
was, mit Berufung auf diese Stelle, Matth. 4, 6 und Luk. 4, 11 wiederholen. Es wird von den Engeln gesagt, die dafür sorgen, dass der Fuss des Getragenen nicht an einen Stein stosse; und es bedeutet daher "mit Engelsgüte behandeln".—
Aus Psalm 92, 8: "Die Gottlosen grünen, wie das Gras, und die Übelthäter blühen alle" entnehmen wir:
Grünen und blühen.
"Blühen und grünen" soll "Israel" nach Jesaias 27, 6.—
Psalm 94, 15 steht:
(Denn) Recht muss (doch) Recht bleiben.—
Das nach Psalm 104, 15 "Und dass der Wein erfreue des Menschen Herz" gebildete:
Der Wein erfreut des Menschen Herz
ist der Anfang eines Trinkliedes von Gleim (Sämtl. Werke, hrsg. v. Körte, II, 166), der Ausspruch Bruder Martins in Goethes "Götz" (1. Akt), ferner der Anfang der Arie Nr. 3 aus dem musikalischen Quodlibet "Der Kapellmeister von Venedig" v. Breitenstein (Danzig bei Wedel, ersch. nach Mozarts "Don Juan"), endlich der Anfang eines von Zelter 1795 komponierten Liedes von Karl Müchler in F. W. A. Schmidts "Neuem Berlinischen Musenalmanach" (1797, S. 45), das fälschlich J. H. Voss zugeschrieben und irrig in Fr. v. Sonnenbergs Gedichte (Rudolst. 1808) aufgenommen wurde, (vrgl. Sprüche Salomons 31, 6. 7; Prediger 10, 19; Sirach 32, 34-35; 40, 20.)—
Das auserwählte Volk
werden die Juden genannt nach Psalm 105, 43: "also führte er sein Volk aus mit Freuden und seine Auserwählten mit Wonne" und nach 2. Macc. 5, 19: "Gott hat das Volk nicht auserwählt um der Stätte willen, sondern die Stätte um des Volkes willen."—
Vor den Riss treten,
d. h. "Verluste durch Einsetzung der eigenen Person wieder gut machen", ist ein biblischer Gedanke, s. Psalm 106, 23, Hesekiel 13, 5 und 22, 30. An der ersten Stelle lautet der Ausdruck: "den Riss aufhalten", an der zweiten: "vor die Lücken treten", an der dritten: "wider den Riss stehen".—
Eine durstige Seele
steht Psalm 107, 9 und ebenda (vrgl. Baruch 2, 18):
Eine hungrige Seele.—
Nach Psalm 107, 42: ". . . aller Bosheit wird das Maul gestopfet werden" (vrgl. Matth. 22, 34; Titus 1, 11) sagen wir:
Einem das Maul stopfen.
"Lügenmäuler verstopfen" steht Psalm 63, 12, "den Mund stopfen" Psalm 40, 10 u. Luk. 11, 53.—
Augen haben und nicht sehen und Ohren haben und nicht hören
beruht auf Psalm 115, 5. 6; 135, 16. 17; Jer. 5, 21; Hesek. 12, 2; Weisheit 15, 15.—
Psalm 116, 11 steht:
Omnis homo mendax, Alle Menschen sind Lügner.—
Im Texte von Psalm 127, 2: "Denn seinen Freunden giebt er's schlafend", liegt das Wort:
Gott giebt's den Seinen im Schlafe,
oder:
Dem Gerechten giebt's der Herr im Schlafe.—
Als Umgestaltung von Psalm 127, 3: "Siehe, Kinder sind eine Gabe des Herrn" mag gelten:
Viel Kinder, viel Segen.—
Psalm 143, 2: ". . . gehe nicht in's Gericht mit deinem Knechte; denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht" giebt uns das Wort:
Mit Einem ins Gericht gehen.—
Psalm 145, 15 und 16 (s. oben 5. Mos. 15, 11) steht das Tischgebet:
Aller Augen warten auf Dich und Du giebst ihnen ihre Speise zu seiner Zeit. Du thust Deine Hand auf und erfüllest alles, was lebet, mit Wohlgefallen.—
Der weise Salomo, der "dreitausend Sprüche redete" (1. Könige 4, 32), und der den Sprichwörtern die allgemeingültige Bezeichnung der
Weisheit auf der Gasse
(Sprüche Salomons 1, 20: "Die Weisheit klaget draussen, und lässet sich hören auf den Gassen") verschafft hat, wird natürlich oft citiert.—
"Sprüche" 1, 10 lautet:
(Mein Kind,) wenn dich die bösen Buben locken, so folge nicht.—
"Sprüche" 2, 16 warnt vor "eines andern Weib, und die nicht dein ist, die
glatte Worte
giebt".—
"Sprüche" 3, 12 enthält:
Welchen der Herr liebet, den strafet er,
was sich Ebräer 12, 6 ähnlich wiederholt (s. auch Offenbar. Joh. 3, 19):
We(lche)n der Herr lieb hat, den züchtigt er.—
"Sprüche" 4, 24 lesen wir: "Thue von dir den verkehrten Mund und lass das
Lästermaul
ferne von dir sein".—
"Sprüche" 5, 4 heisst es im schlimmen, Ebräer 4, 12 und Offenb. Joh. 1, 16 u. 2, 12 im guten Sinne von einer scharfen Rede, sie sei wie
ein zweischneidig(es) Schwert.
Gedankenlos wird heute dies Wort so citiert, als sei im allgemeinen ein Schwert gemeint, dessen eine Schärfe Heil, dessen andere Unheil bringe.—
"Sprüche" 8, 14 steht: "Mein ist beides
Rat und That";
während es Jeremias 32, 19 heisst: "Gross von Rat und mächtig von That".—
Gestohlenes Wasser schmeckt süss,
sagen wir nach "Sprüche" 9, 17: "Die verstohlenen Wasser sind süsse" (vrgl. 20, 17) und
Unrecht Gut gedeiht nicht,
nach "Sprüche" 10, 2: "Unrecht Gut hilft nicht" (vrgl. Sirach 5, 10; 41, 12 u. unter Kap. X: Sophokles).—
Dies irae,
der Tag des Zorns, d. h. des Gerichts Gottes, steht, wie "Sprüche" 11, 4 "dies ultionis" und Hesekiel 7, 19 "dies furoris", in der Vulgata Römer 2, 5 (vrgl. Offenb. 6, 16. 17; 11, 18) und bildet den Anfang des Liedes von Thomas von Celano (13. Jahrh.), das beim katholischen Traueramte ertönt und in Goethes "Faust" dem reuigen Gretchen im Dome entgegenbraust.—
"Sprüche" 12, 10 bietet:
Der Gerechte erbarmet sich seines Viehes.—
"Sprüche" 13, 24 steht: "Wer seiner Ruthe schonet, der hasset seinen Sohn; wer ihn aber lieb hat, der züchtiget ihn bald". (vrgl. Sirach 30, 1.) Hiernach ist gebildet:
Wer sein Kind lieb hat, der züchtigt es.—
"Sprüche" 14, 13: "Nach dem Lachen kommt Trauern, und nach der Freude kommt Leid" und Lukas 6, 25: ". . . Wehe euch, die ihr hier lachet, denn ihr werdet weinen und heulen" sind die Quellen des Wortes:
Nach Lachen kommt Weinen.—
Nach "Sprüche" 16, 9 (Vulgata): "Cor hominis disponit viam suam, sed Domini est dirigere gressus eius", bei Luther: "Des Menschen Herz schläget seinen Weg an, aber der Herr allein giebt, dass er fortgehe" ist gebildet:
Homo proponit, sed Deus disponit. Der Mensch denkt, Gott lenkt. L'homme propose et Dieu dispose.
Der lateinische Spruch kommt schon in dem englischen Gedichte W. Langlands "Piers Ploughmans Vision", (Mitte des 14. Jahrh.) V. 6644 und V. 13, 994 vor. An ersterer Stelle heisst es: "Homo proponit, sprach ein Dichter, und Plato hiess er, und Deus disponit sprach er; lass Gott seinen Willen thun".—
Hochmut kommt vor dem Fall
ist gebildet nach "Sprüche" 16, 18: "Stolzer Mut kommt vor dem Fall" (vgl. Tobias 4, 14: "Hoffart . . . ist ein Anfang alles Verderbens" und Sirach 3, 30: "Hochmut thut nimmer gut und kann nichts denn Arges daraus erwachsen").—
"Sprüche" 19, 17 steht:
Wer sich des Armen erbarmet, der leihet dem Herrn.—
"Sprüche" 24, 8 lautet: "Wer ihm selbst Schaden thut, den heisst man billig einen
Erzbösewicht".
Als solcher wird Maccabäer 15, 3 Nicanor bezeichnet, der aber anderen Schaden zu thun trachtet.—
Aus "Sprüche" 24, 15: "Laure nicht als ein Gottloser, auf das Haus des Gerechten, verstöre seine Ruhe nicht" mag sich der Ausdruck
Schlaf des Gerechten
entwickelt haben (andere leiten ihn her aus 3. Mos. 26, 6; aus Psalm 3, 6. 7; 4, 9; 127, 2; oder aus Sprüche Sal. 3, 24).—
"Sprüche" 24, 29: "Wie man mir thut, so will ich wieder thun", wird verkürzt zu:
Wie du mir, so ich dir.—
"Sprüche" 25, 11 bringt uns:
Güldene Äpfel in silbernen Schalen.—
"Sprüche" 25, 22 steht geschrieben: wer seinem Feinde Gutes thut, wird "Kohlen auf sein Haupt häufen" d. h. er wird dessen Wangen vor Schamröte erglühen machen. Nach dem Apostel Paulus (Röm. 12, 20) citieren wir dies Wort also:
Feurige Kohlen auf sein (oder: Jemandes) Haupt sammeln.—
Nach "Sprüche" 26, 27: "Wer eine Grube machet, der wird darein fallen" (vrgl. Psalm 7, 16; 9, 16; 57, 7; Predig. Sal. 10, 8; Sirach 27, 29) ist gebildet:
Wer ändern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.
Vrgl. Hesiod, (Werke und Tage, Vers 265): "οἷ τ' αὐτῷ κακὰ τεύχει ἀνὴρ ἄλλῳ κακὰ τεύχων" (Der Mann, der einem andern Böses bereitet, bereitet das Böse sich selbst.)—
Prediger Salomo 1, 2 und 12, 8 ruft: "Es ist alles ganz eitel", danach wir sagen:
Alles ist eitel.
Auch wird der lateinische Text citiert:
Vanitas vanitatum, et omnia vanitas.—
1, 7 (vrgl. Sirach 40, 11) heisst es:
Alle Wasser laufen ins Meer.—
1, 8: . . "das Auge sieht sich nimmer satt, und das Ohr hört sich nimmer satt" liess uns das Wort bilden:
Ein Nimmersatt.—
1, 9:
und geschiehet nichts Neues unter der Sonne.—
3, 1:
Ein jegliches hat seine Zeit.—
3, 11:
(Er aber thut) Alles (fein) zu seiner Zeit.—
3, 12: "Darum merke ich, dass nichts besseres darinnen ist, denn fröhlich sein und ihm
(sich) gütlich thun
in seinem Leben".—
3, 13: "Denn ein jeglicher Mensch, der da isset und trinket und hat guten Mut in aller seiner Arbeit, das ist
eine Gabe Gottes".—
5, 18: ". . . welchem Menschen Gott Reichtum und Güter und Gewalt giebt, dass er davon isset und trinket für sein Teil und fröhlich ist in seiner Arbeit; das ist
eine Gottes-Gabe".—
4, 12: "Einer mag überwältigt werden, aber zween mögen widerstehen; denn eine dreifältige Schnur reisst nicht leicht entzwei", daher wohl stammt:
Doppelt reisst nicht oder: Doppelt hält besser.—
9, 4: Ein lebendiger Hund ist besser weder (d. h. als) ein toter Löwe.—
Nach dem Prediger Salomo 10, 15: "Die Arbeit der Narren wird ihnen sauer" und nach Sirach 7, 16: "Ob dirs sauer wird mit deiner Nahrung und Ackerwerk, das lass dich nicht verdriessen" sagen wir:
Es wird Einem sauer
und:
Saure Arbeit.—
Pred. Sal. 10, 16 bietet:
Wehe dir Land, dess König ein Kind ist.—
Aus Pred. 12, 1: "Gedenke an deinen Schöpfer in deiner Jugend, ehe denn die bösen Tage kommen und die Jahre herzutreten, da du wirst sagen: sie gefallen mir nicht", entnehmen wir:
Das sind Tage, von denen wir sagen: Sie gefallen uns nicht.—
12, 12 steht:
Viel Büchermachens ist kein Ende.—
Das Hohelied Salomons (1, 15; 4, 1; 5, 12) schenkt uns das Wort:
Taubenaugen
und (8, 6):
Liebe ist stark wie der Tod.—
Nach Jesaias 5, 7: "Des Herrn Zebaoth Weinberg aber ist das Haus Israel" (vrgl. Matth. 20, 1 ff.) sprechen wir vom
Weinberg des Herrn.—
Jesaias 8, 14 und 1. Petri 2, 8 findet sich:
Stein des Anstossens (gewöhnlich: des Anstosses),
während Römer 9, 32 und 33 "Stein des Anlaufens" gesagt wird.—
Wenn die christliche Poesie den Fürsten der Finsternis
Lucifer (Lichtbringer)
nennt, so stützt sie sich auf Jesaias 14, 12: "Wie bist du vom Himmel gefallen, du schöner Morgenstern!" da die lateinische Bibel für "Morgenstern" "Lucifer" setzt.—
Der Grund- und Eckstein
sagen wir von dem Wesentlichen eines Werkes nach Jesaias 28, 16: ". . . ich lege in Zion einen Grundstein, einen bewährten Stein, einen köstlichen Eckstein."
(Vrgl. Psalm 118, 22: "Der Stein, den die Bauleute verworfen, ist zum Eckstein geworden" und Jer. 51, 25-26: ". . . ich will an dich, du schädlicher Berg . . . dass man weder Eckstein noch Grundstein aus dir nehmen könne". S. auch unter den "Gefl. Worten aus der Geschichte": Süvern.)—
Jesaias 34, 8 (u. a. a. O.) steht:
Der Tag der Rache.—
Nach Jesaias 38, 1: ". . . Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben" . . . sagen wir für "sein Testament machen":
Sein Haus bestellen.—
Wer vergeblich mahnt, den nennen wir einen
Prediger in der Wüste
nach Jesaias 40, 3: "Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste" (vrgl. Jes. 53, 1: ". . wer glaubt unserer Predigt?"); nach der Vulgata:
vox clamantis in deserto,
was, gedeutet auf Johannes den Täufer, Matth. 3, 3, Mark. 1, 3, Luk. 3, 4 und Johannes 1, 23 wiederholt wird. Genau genommen wäre zu übersetzen: "Es ist die Stimme eines Rufenden: In der Wüste (bereitet dem Herrn den Weg, auf dem Gefilde machet eine Bahn unserm Gotte)". Hieraus und aus Jesaias 42, 20: "Man predigt wohl viel, aber sie halten es nicht; man sagt ihnen genug, aber sie wollen es nicht hören" bildete man wohl das Wort:
Tauben Ohren predigen.—
Aus Jesaias 48, 4 "und deine Stirn ist ehern" ist entnommen:
Eherne Stirn,
oder, wie Lessing (1755 "Miss Sara Sampson" 2, 4) sagt:
Eiserne Stirn,
die er auch der "frons ferrea" der Angeberschar bei Plinius (Panegyricus, 35) verdanken kann.—
In der Vulgata lautet Jesaias 49, 20: ". . . Angustus est mihi locus, fac spatium mihi, ut habitem".—"Der Raum ist mir zu eng, mach' mir Platz, auf dass ich wohnen kann!" In seinem "Il poeta di teatro" (zuerst ersch. Lond. 1808) II, 14 "la rivoluzione teatrale", 2, singt Filippo Pananti da Mugello, wohl darauf anspielend:
E donde nascon le rivoluzioni? Dai lumi dei filosofi? dal peso Dell' ingiustizia, delle imposizioni? So che questo si dice; anch' io l'ho inteso. Ma tutto si riduce, al parer mio, Al dire, esci di li, ci vo' star io. Und woher kommen Revolutionen? Von Philosophenlichtern? Von den Banden Der Ungerechtigkeit, der Steuerfronen? Ich weiss, so sagt man; und ich hab's verstanden. Doch scheint mir alles drauf hinaus zu gehen, Zu sagen: pack' dich fort, ich will hier stehen!
Giusti wiederholte fast buchstäblich die beiden letzten Verse in einem Sonett (1829) mit dem Zusatz: "come dice un poeta da Mugello" "wie's ein Poet Mugellos ausgedrückt". Wir aber citieren die Schlusssentenz in der französischen Fassung des Grafen Saint-Simon ("Catéchisme des industriels". Paris 1823, s. "Oeuvres" Paris 1875. Vol. VIII, p. 53):
ôte-toi de là, que je m'y mette!—
Ein Himmel, wie ein Sack
sagen wir nach Jesaias 50, 3: "Ich kleide den Himmel mit Dunkel und mache seine Decke als einen Sack".—
Wer geduldig, still und willig anderen nachgiebt, von dem sagen wir, nach Jesaias 53, 7 und Apostelg. 8, 32, er sei
wie ein Lamm.—
Wer da schweigt, wo er reden sollte, von dem sagen wir, er sei
Ein stummer Hund
nach Jesaias 56, 10: "Alle ihre Wächter sind blind, sie wissen alle nichts: stumme Hunde sind sie, die nicht strafen; sind faul, liegen und schlafen gerne".—
Kopfhänger und Kopfhängerei
bilden wir nach Jesaias 58, 5: "Sollte das ein Fasten sein, das ich erwählen soll, dass ein Mensch seinem Leibe des Tages über Leid thue oder seinen Kopf hänge wie ein Schilf . . .", aus Jeremias 48, 39: "Wie heulen sie! Wie schändlich hängen sie die Köpfe!" und aus Sirach 19, 23: "Derselbige Schalk kann den Kopf hängen und ernstlich sehen und ist doch eitel Betrug".—
Von Leuten, die Böses sinnen, sagen wir, dass sie
Basiliskeneier ausbrüten
nach Jesaias 59, 5: "Sie brüten Basiliskeneier und wirken Spinnwebe. Isset man von ihren Eiern, so muss man sterben, zertritt man sie aber, so fährt eine Otter heraus", (vrgl. Plinius: "Basiliskenblick".)—
Nach Jeremias 4, 20 und 11, 16 reden wir von einem
Mordgeschrei,
nach Jeremias 12, 6 von
Zeter schreien,
und nach Amos 3, 9 und Judith 14, 16 von
Zetergeschrei,
woraus wir gebildet haben
Mord und Zeter schreien und Zeter Mordio.—
Das übliche Bild vom
Lockvogel
findet sich zuerst bei Jeremias 5, 27: "ihre Häuser sind voller Tücke, wie ein Vogelbauer voller Lockvögel ist"; und bei Sirach 11, 81: "Ein falsch Herz ist wie ein Lockvogel auf dem Kloben und lauert, wie er dich fangen möge", (vrgl. auch: Lockspitzel.)—
Jeremias 7, 11: "Haltet ihr denn dies Haus, das nach meinem Namen genannt ist, für eine Mördergrube?" citiert Matth. 21, 13 (vrgl. Luk. 19, 46) in der Form: "Mein Haus soll ein Bethaus heissen. Ihr aber habt eine Mördergrube daraus gemacht", und wir citieren danach ganz ungenau, wenn wir statt "aus jemandes Hause . . ." sagen:
Aus seinem Herzen eine Mördergrube machen.—
Jeremias 12, 13 (vrgl. Sirach 11, 11) heisst es von den Gottlosen: "sie lassen es ihnen [= sich] sauer werden, aber sie werden es nicht geniessen", daher wir sagen:
Es sich oder Sich's sauer werden lassen.—
Auf Jeremias 13, 23: "Kann auch ein Mohr seine Haut wandeln, oder ein Parder seine Flecken?" beruht:
Mohrenwäsche, einen Mohren weiss waschen.
Die Griechen sagten sprichwörtlich: "Einen Aethiopier abreiben". (S. Aesop, Fab. 13 rec. v. Halm, Lucian "An den Ungebildeten", 28 und Zonaras 15, 4.)—
"Gnade und Barmherzigkeit" findet sich sehr oft in der Schrift; aber
ohne Gnade und Barmherzigkeit,
wie wir zu sagen pflegen, beruht wohl auf Jeremias 16, 5: ". . . ich habe meinen Frieden von diesem Volk weggenommen, spricht der Herr, samt meiner Gnade und Barmherzigkeit", wobei dann noch vorschweben mag Psalm 56, 8: "Gott stosse solche Leute ohne alle Gnade hinunter" oder Psalm 59, 14: "Vertilge sie ohne alle Gnade" und 2 Macc. 5, 12: "Und hiess die Kriegsknechte erschlagen ohne alle Barmherzigkeit" oder Ebr. 10, 28: "Wenn jemand das Gesetz Mosis bricht, der muss sterben ohne Barmherzigkeit".—
Jeremias 26, 23 lesen wir, dass Jojakim des hingerichteten Uria "Leichnam unter dem
gemeinen Pöbel.
begraben" liess.—
Jeremias 31, 34 spricht der Herr: "ich will ihnen ihre Missethat vergeben und ihrer Sünde nicht mehr gedenken", danach wir sagen:
vergeben und vergessen.—
Jeremias 32, 7-8 steht geschrieben: "Du hast das nächste Freundrecht dazu, . . . denn du hast Erbrecht dazu und du bist der Nächste". Daraus stammt das vielcitierte Lieblingswort der Frau Pastorin in Fritz Reuters "Ut mine Stromtid" (1862-64):
Ich bin die Nächste dazu.—
Jeremias 32, 34 steht:
versiegelt und verbrieft.—
Nach Jeremias 33, 8: "Er hält weder Treue noch Glauben" sagen wir:
Treue und Glauben halten.—
Jeremias 50, 43 (s. Hesekiel 30, 16) heisst es vom Könige zu Babel: "ihm wird so
angst und bange werden,
wie einer Frau . . . . . . .". Nach Sirach 4, 19 sagen wir:
angst und bange machen,
("bange und angst" steht 1. Maccab. 13, 2).—
Nach Jeremias 51, 6: "Fliehet aus Babel, damit ein jeglicher seine Seele errette . . .", 51, 9: "Wir heilen Babel, aber sie will nicht heil werden . .", 51, 24: "ich will Babel vergelten alle ihre Bosheit, die sie an Zion begangen . . ." 51, 25: "Siehe, ich will an Dich, du schädlicher Berg . . ." und nach anderen Bibelstellen dient
Babel
uns zur Bezeichnung einer sündhaften Grossstadt. Wer bildete danach das für Paris übliche Wort:
Seinebabel?—
Aus Jeremias 51, 39 (s. auch 57) entnehmen wir:
Den ewigen Schlaf schlafen,
denn es heisst dort: "Ich will sie . . . trunken machen, dass sie fröhlich werden und einen ewigen Schlaf schlafen, von dem sie nimmermehr aufwachen sollen, spricht der Herr".—
Nach "Klaglieder Jeremiae" bilden wir:
Jeremiade.—
Aus 2, 11 (vrgl. Baruch 2, 18) entnehmen wir:
sich die Augen ausweinen.—
2, 12 (vrgl. Apostelg. 5, 5 und 10; 12, 23) bringt uns die übliche Wendung für "sterben":
Den Geist aufgeben.—
3, 41: "Levemus corda nostra cum manibus ad Dominum in coelos" "Lasst uns unser Herz samt den Händen aufheben zu Gott im Himmel" scheint die Quelle des
Sursum corda! empor die Herzen!
zu sein, womit der katholische Priester die "Praefatio", den Lobgesang beginnt, welcher den "Canon missae", die Einsegnung des Brotes und Weines, einleitet. Die Gemeinde respondiert dann: "habemus ad Dominum" "wir haben sie zum Herrn (emporgerichtet)". Schon Cyprian, der Kirchenvater (3. Jahrh.), erwähnt diesen Brauch ("De dominica oratione" "Über das Gebet des Herrn", 31).—
Hesekiel 3, 19 (vrgl. 33, 9) lautet: "Wo du aber den Gottlosen warnest und er sich nicht bekehret von seinem gottlosen Wesen und Wege: so wird er um seiner Sünde willen sterben; aber du hast eine Seele errettet". Daher rührt unser:
dixi et salvavi animam meam,
Ich habe gesprochen (d. h. gewarnt) und meine Seele gerettet (d. h. mein Gewissen beruhigt).—
Hesekiel 17, 21 steht:
In alle Winde zerstreut.—
Hesekiel 17, 24 u. 21, 26 (vrgl. Sprüche Sal. 29, 23; Xenophon "Anabasis" 6, 3; Luk. 14, 11 u. 18, 14) citieren wir mit Matth. 23, 12 in dieser Form:
Wer sich selbst erhöhet, der wird erniedriget, und wer sich selbst erniedriget, der wird erhöhet.—
Hesekiel 33, 14. 16. 19; 45, 9 entnehmen wir:
Thun was recht und gut ist.—
Auf Nebucadnezars Traum im Daniel 2, 31-34 beruht das Wort:
Koloss mit oder auf thönernen Füssen.—
Für "Warnungsruf" sagen wir:
Mene Tekel
nach Daniel 5, 25. König Belsazer gab ein wüstes Mahl. Plötzlich sah er entsetzt an der hell bestrahlten Wand des Saales entlang sich Finger einer Menschenhand bewegen und die Worte verzeichnen: "Mene, Mene, Tekel, Upharsin". Daniel, zur Deutung dieser rätselhaften Ausdrücke herbeigerufen, las den Untergang des Reiches heraus. Der König starb in der folgenden Nacht. Die in Vers 27 enthaltene Verdolmetschung des Wortes "Tekel": "man hat dich in einer Wage gewogen und zu leicht gefunden", hat der deutschen Sprache die Wendung zugeführt:
In einer Wage gewogen und zu leicht befunden werden.—
Daniel 9, 27 (11, 31; 12, 11; 1. Maccab. 1, 57; Matth. 24, 15; Mark. 13, 14) bietet:
Gräuel der Verwüstung.—
Auf Hosea 8, 7 (vrgl. "ut sementem feceris, ita metes"): "Sie säen Wind und werden Ungewitter einernten", "ventum seminabunt, et turbinem metent" beruht:
Wer Wind säet, wird Sturm ernten.—
Joël 2, 13 steht: "Zerreisset eure Herzen und nicht eure Kleider" und Psalm 7, 2-3: "Hilf mir . . .; dass sie nicht, wie Löwen, meine Seele . . . zerreissen . . ." Hieraus entstand uns wohl das Wort
herzzerreissend.—
Nach Amos 5, 7 u. 24; 6, 12 reden wir von
Recht und Gerechtigkeit.—
Amos 5, 12 steht: ". . . ich weiss . . ., wie ihr die Gerechten dränget und
Blutgeld
nehmet und die Armen . . . unterdrücket". Auch werden Matth. 27, 6 mit diesem Wort die dreissig Silberlinge bezeichnet, für die Judas Jesum verriet.—
Nach Jona 4, 11 sprach der Herr: "Und mich sollte nicht jammern Ninive's, solcher grossen Stadt, in welcher sind mehr denn hundert und zwanzig tausend Menschen, die
Nicht wissen (Unterschied), was rechts oder links ist,
dazu auch viele Tiere?"—
Micha 7, 3 steht: "die Gewaltigen raten nach ihrem Mutwillen Schaden zu thun, und drehen es, wie sie wollen", und Sirach 19, 22 heisst es vom "Schalk": er "kann die Sache drehen, wie er's haben will". Danach sagen wir:
Es oder Eine Sache drehen, wie man will.—
Zephanja 1, 11 heisst es: "Heulet, die ihr in der Mühle wohnet; denn das ganze
Krämervolk
ist dahin und alle, die Geld sammeln sind ausgerottet", woher wohl Adam Smith den Ausdruck
nation of shopkeepers>
nahm. Er sagt in seinem Werk "Wealth of Nation" (1775; II, 4; Kap. 7, Part. 3): "Einen grossen Staat gründen zu dem einzigen Zweck ein Volk von Kunden aufzuziehen, mag beim ersten Blick als ein nur für ein Krämervolk geeigneter Plan erscheinen". Und vor ihm, 1766, heisst es in einem Traktat des Dekans von Gloucester, Tucker: "Was von einem Krämer wahr ist, ist auch von einem krambesitzenden Volk wahr".—
Nach Haggai 2, 7 (vrgl. 2, 22 u. Ebr. 12, 26), wo der Herr verheisst, er werde "Himmel und Erde und das Meer und das Trockne bewegen", sagen wir:
Himmel und Erde in Bewegung setzen.—
Nach Sacharja 8, 23; Apost. 10, 28; 21, 39 und 22, 3 wird gesagt:
Ein jüdischer Mann.—
Das Maleachi 3, 16 und Matth. 23, 5 vorkommende Wort
Denkzettel
erklärt sich aus 4. Mos. 15, 38-39, wo der Herr durch Moses den Kindern Israel befiehlt, dass sie "Läpplein an den Fittigen ihrer Kleider" tragen, bei deren Anblick sie an alle Gebote denken sollen (vrgl. das ähnliche "Denkmahl" 5. Mos. 6, 8; 11, 18 und dazu Sprüche 3, 3; 7, 3).—
Aus dem Buche "Die Weisheit Salomons an die Tyrannen" 15, 12: "Sie halten auch das menschliche Leben für einen Scherz, und menschlichen Wandel für einen Jahrmarkt" . . entnehmen wir den
Jahrmarkt des Lebens.—
Im Buche Judith 6, 3 steht:
sterben und verderben.—
Tobias 2, 9 lesen wir: "Tobias aber fürchtete Gott mehr, denn den König" . ., danach uns Paulus in der Apostelgeschichte 5, 29 die Lehre giebt:
Man muss Gott mehr gehorchen denn den Menschen.—
Ein alter Reimspruch:
Was du nicht willst, das dir geschieht, Das thu' auch keinem andern nicht,
oder:
Was du nicht willst, das man dir thu', Das füg' auch keinem Andern zu,
ist die Umformung von Tobias 4, 16: "Was du nicht willst, das man dir thue, das thue einem Andern auch nicht", (vrgl. Matth. 7, 12 und Luk. 6, 31.) Man nimmt an, das Buch Tobiae stamme aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert, und so könnte man diesen Spruch auch auf den Rabbi Hillel zurückführen, der von 70 vor bis 10 n. Chr. lebte. Nach dem Talmudtraktat Sabbath (fol. 31 a) hat nämlich dieser Synedrialvorsitzende und Mischnalehrer einst einem Heiden, der ins Judentum aufgenommen werden wollte, gesagt: "Was dir unlieb ist, füge deinem Nebenmenschen nicht zu; das ist das ganze Gesetz u. s. w." Wir citieren das Wort auch lateinisch nach Lampridius (51), welcher vom Kaiser Alexander Severus († 235 n. Chr.) berichtet: "Er rief öfter aus, was er von einigen Juden oder Christen gehört und behalten hatte:
Quod tibi fieri non vis, alteri ne feceris,
liess es, wenn er jemanden rügte, durch den Ausrufer ausrufen, und liebte diesen Spruch so, dass er ihn sowohl an seinen Palast wie auch an öffentliche Gebäude anschreiben liess". Doch hätte der Kaiser diese Weisheit auch von den Heiden erfahren können: denn schon im 4. Jahrh. v. Chr. sagte Isokrates (3, im Nikokles, 61) ἃ πάσχοντες ὑφ' ἑτέρων ὀργίζεσθε, ταῦτα τοῖς ἄλλοις μὴ ποιεῖτε (Worüber ihr zürnt, wenn ihr es von andern erleidet, das thut den andern nicht.) Der Spruch findet sich ferner im Seneka (ep. 94) und in der syrischen Redaktion des Buches "von den sieben weisen Meistern" (von Fr. Bäthgen, Lpz. 1879, S. 4), sowie in der arabischen Bearbeitung dieser Erzählung in "1001 Nacht". (Deutsche Ausgabe. Hagen-Habicht, B. 15, S. 117.) u. s. w.—
Ein guter Gesell
sagen wir nach Tobias 5, 6.—
"Der gute Engel
Jemandes sein" oder "Einem als solcher zur Seite stehen", ist aus Tobias 5, 29 (vrgl. 2. Makk. 15, 23) entlehnt, wo Tobias zur Frau seines Sohnes von diesem spricht: "Ich glaube, dass der gute Engel Gottes ihn geleite".—
Die Worte aus Tobias 6, 3:
O Herr, er will mich fressen!
wendet man im gewöhnlichen Leben an, um ein unverstecktes, unhöfliches Gähnen damit zu rügen. Weil man aber gähnt, wo es langweilig ist, so kritisiert man damit auch eine solche Gesellschaft, oder man sagt kurzweg:
Tobias sechs, Vers drei.—
Jesus Sirach 3, 11 steht:
"Des Vaters Segen bauet den Kindern Häuser,
aber der Mutter Fluch reisset sie nieder".—
3, 24 lesen wir:
(Und) was deines Amtes nicht ist, da lass deinen Vorwitz;
und nach 3, 27: "Denn wer sich gern in Gefahr giebt, der verdirbt darinnen" wird citiert:
Wer sich in Gefahr begiebt, kommt darin um.—
Wider den Strom schwimmen
ist entnommen aus Sirach 4, 31: "Strebe nicht wider den Strom" (vrgl. Juvenal 4, 89: "nunquam direxerit brachia contra torrentem").—
Sirach 7, 15 (vrgl. Matth. 6, 7): . . . "wenn du betest, so mache nicht viele Worte" ist die Quelle der Redewendungen:
Viele Worte machen
und:
Nicht viele Worte machen.—
Sirach 7, 40 steht:
Was du thust, (so) bedenke das Ende.
Ist nach diesem Spruch der lateinische gemacht:
Quidquid agis, prudenter agas et respice finem,
Was du beginnest, beginne es klug und bedenke das Ende, der schon im Mittelalter (z. B. in den "Gesta Romanorum", c. 103) citiert wird? Andere mittelalterliche Schriften (Edélestand du Méril, Poésies inédites du moyen-âge, p. 162) berufen sich hinsichtlich dieses Ausspruches auf Aesop (Fab. 45, bei Halm; vrgl. 45b): ... τῶν ἀνθρώπων τοὺς φρονίμους δεῖ πρότερον τὰ τέλη τῶν πραγμάτων σκοπεῖν, εἶθ' οὕτως αὐτοῖς ἐπιχειρεῖν—"klugen Leuten ziemt es, zunächst das Ende eines Unternehmens ins Auge zu fassen, und es erst dann also ins Werk zu setzen". Ferner ist zu erinnern an V. 27 aus den pseudo-pythagoräischen "goldenen Sprüchen": βουλεύου δὲ πρὸ ἔργου, ὅπως μὴ μωρὰ πέληται—"Überlege vor der That, damit nichts Thörichtes daraus entstehe".
Hans Sachs erzählt in dem 1557 geschriebenen
"Mensch, was du thust, bedenk' das End, Das wird die höchst' Weisheit genennt."
(I, 4), dass ein Philosoph aus Athen diese Weisheit für tausend Goldstücke zu Rom dem Kaiser Domitianus verkauft habe, und glaubt irrtümlich, diese Geschichte sei im Sueton zu finden. Im "Kurtzweiligen Zeitvertreiber" von 1666, S. 50 wird erzählt, dass der Tyrann Dionysius einst einen Philosophen unter den Kaufleuten sitzen sah und ihn fragte, was er zu verkaufen hätte. Er antwortete: "Weisheit" und bestimmte den Preis dafür auf 400 Gulden. Dionys bezahlte den Preis, und der Philosoph sagte ihm unsern Spruch her.—
Sirach 9, 24 steht:
Das Werk lobt den Meister.—
Auf Sirach 10, 12 "Heute König, morgen tot" beruht
Heute rot, morgen tot.—
Aus Sirach 11, 29 stellen wir um:
Du sollst niemand rühmen vor seinem Ende.
vrgl. auch: nemo ante mortem beatus.—
Aus Sirach 11, 34 citieren wir:
Nichts Gutes im Sinne haben.—
Sirach 13, 1 steht:
Wer Pech angreift, (der) besudelt sich (damit).—
Aus Sirach 18, 20: "Hilf dir zuvor selber, ehe du andere arzneiest" entsprang:
Arzt, hilf dir selber!
Lukas 4, 23 wird es schon als Sprichwort angeführt.—
Seine Worte auf der Goldwage wägen
stützt sich auf Sirach 21, 27: "Die unnützen Wäscher plaudern, das nichts zur Sache dienet; die Weisen aber wägen ihre Worte mit der Goldwage" und 28, 29: "Du wägest dein Gold und Silber ein; warum wägest du nicht auch deine Worte auf der Goldwage?"
In einem Fragmente des Varro aus der Satire Περίπλους (Buch 2 περὶ φιλοσοφίας) kommt der Ausdruck in der Form "unum quodque verbum statera aeraria pendere" ebenfalls vor. (Ausg. v. Bücheler, No. 419.)—
Eine sitzen lassen
sagen wir nach Sirach 22, 4: "Eine vernünftige Tochter kriegt wohl einen Mann, aber eine ungerathene Tochter lässt man sitzen und sie bekümmert ihren Vater".—
Mit Bürger ("Die Weiber von Weinsberg" Strophe 6) reden wir von
Weiberlist
nach Sirach 25, 18: "Es ist keine List über Frauen List".—
Einem den Rücken bläuen
entnehmen wir aus Sirach 30, 12: "bläue ihm den Rücken, weil er noch klein ist, auf dass er nicht halsstarrig und dir ungehorsam werde".—
Heute mir, morgen dir
stammt wohl aus Sirach 38, 23: "Gedenke an ihn wie er gestorben, so musst du auch sterben. Gestern war es an mir, heute ist es an dir".—
Früh aufstehen
für "gescheidt sein" sagen wir nach Sirach 39, 5, wo es von dem Gelehrten und Weisen heisst: "und denkt, wie er früh aufstehe, den Herrn zu suchen, der ihn geschaffen hat, und betet vor dem Höchsten".—
Nichts Besseres zu hoffen, noch zu erwarten haben
citieren wir aus Sirach 41, 3: "O Tod, wie wohl thust du dem Dürftigen, 4: Der da schwach und alt ist, der in allen Sorgen steckt und nichts Besseres zu hoffen, noch zu erwarten hat!"—
Sirach 41, 26 steht:
Gut machet Mut.—
Sirach 42, 4:
Rechtes Maß und Gewicht halten.—
Sirach 50, 24:
Nun danket alle Gott,
was als der Anfang eines 1644 verfassten Kirchenliedes von Martin Rinckhart (1585-1649) am bekanntesten ist.—
Nach Baruch 2, 25 sagen wir:
jämmerlich umkommen.—
1. Maccabäer 10, 18 und 11, 30 wird Jonathan, des Mathathias Sohn, in den Briefen der Könige Demetrius und Alexander
Bruder Jonathan
angeredet, womit jetzt scherzend die Nordamerikaner bezeichnet werden. Der bibelfeste Washington nämlich soll nach einem ergebnislosen Kriegsrat, auf seinen Freund Jonathan Trumbull, den Gouverneur von Connecticut zielend, ausgerufen haben: "da müssen wir Bruder Jonathan zu Rate ziehen", und diese Bezeichnung soll dann, sprichwörtlich geworden, auf die Nordamerikaner überhaupt angewandt worden sein. Oder meinte Washington jenen anderen Jonathan, den Sohn Sauls, der (s. oben 2. Sam. 1, 26) von seinem Freunde David "Bruder Jonathan" genannt wird?—
Es giebt Petschafte mit der Inschrift "1. Maccabäer 12, 18" weil daselbst steht:
Und bitten um Antwort.—
Aus 2. Maccabäer 3, 38 schöpfen wir das Wort:
Mit dem Leben davon kommen.—
2. Maccabäer 4, 11 heißt es vom Hohenpriester Jason: "die guten löblichen Sitten, von den alten Königen geordnet, that er gar ab . . .", daher wir sagen:
Eine löbliche Sitte.—
2. Maccabäer 7, 28 ist die Quelle des Wortes:
Aus Nichts hat Gott die Welt erschaffen;
denn es heisst da: "Siehe an Himmel und Erde, und alles, was darinnen ist: dies hat Gott alles aus nichts gemacht, und wir Menschen sind auch so gemacht".—
Auf der Historie von der Susanne und Daniel beruht der Ausdruck
Daniel
für "weiser Richter", welcher durch Shakespeares "Kaufmann von Venedig" (4, 1) volkstümlich geworden ist. Shylock nennt dort die in Gestalt eines Richters auftretende Porzia einen Daniel, und Graziano wiederholt das Wort, den Shylock verhöhnend.—
Auf Matthäus 3, 10 (vrgl. Luk. 3, 9): "Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt. Darum, welcher Baum nicht gute Frucht bringet, wird abgehauen und ins Feuer geworfen . ." beruht:
die Axt an die Wurzel legen.—
Matth. 3, 11 (vrgl. Luk. 3, 16) heisst es: "Ich taufe euch mit Wasser zur Busse: der aber nach mir kommt . . . . ., der wird euch mit dem heiligen Geist und mit Feuer taufen". Daher reden wir, jedoch ohne den Sinn festzuhalten, von einer
Feuertaufe.—
Aus Matth. 3, 12: "Und er hat seine Wurfschaufel in seiner Hand; er wird seine Tenne fegen und den Weizen in seine Scheune sammeln; aber die Spreu wird er verbrennen mit ewigem Feuer", citiert man:
Die Spreu vom Weizen sondern.—
Matth. 3, 17 lesen wir:
Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe;
(vrgl. Jesaias 42, 1; Matth. 17, 5; Mark, 1, 11; Luk. 3, 22; 2. Petri 1, 17).—
Matth. 4, 10, sowie Luk. 4, 8 steht das Wort Jesu zum Teufel:
Hebe dich weg von mir, Satan! Apage, Satana!
(In ähnlicher Weise redet Christus den Petrus an: Matth. 16, 23 und Mark. 8, 33.)—
Matth. 5, 3: "Μακάριοι οἱ πτωχοὶ τῷ πνεύματι" ("Selig sind die am Geiste Armen") übersetzte Luther: "Selig sind, die da geistlich (veraltet für "geistig") arm sind", woraus wir die Worte gebildet haben:
arm an Geist, geistesarm und Geistesarmut.—
Matth. 5, 14 spricht Jesus zu den Jüngern: "Ihr seid das Licht der Welt", nach der Vulgata: "Vos estis lux mundi", woraus uns wohl für einen bedeutenden Geist die Bezeichnung "ein
lumen mundi"
entsprang. "Lumina civitatis" (Staatsleuchten) nannte Cicero ("Catil." 3, 10, 24) berühmte Männer.—
Sein Licht unter den Scheffel stellen
und
Sein Licht vor den Leuten leuchten lassen
stammt aus Matth. 5, 15 und 16: "Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter, so leuchtet es denen allen, die im Hause sind. Also lasset euer Licht leuchten vor den Leuten" u. s. w. (vrgl. Mark. 4, 21; Luk. 8, 16 und 11, 33.)—
Kein Jota, oder nicht ein Jota
beruht auf Matth. 5, 18. Der griechische Text hat dort statt des Lutherischen "—wird nicht zergehen der kleinste Buchstabe": "ἰῶτα ἕν—οὐ μὴ παρέλθῃ" (in der Vulgata: "iota unum—non praeteribit" d. h. "nicht ein Jota wird zergehen"). Der ganze Satz (vrgl. Luk. 16, 17) lautet: "Bis dass Himmel und Erde zergehe, wird nicht zergehen der kleinste Buchstabe, noch Ein Titel vom Gesetz, bis dass es alles geschehe". Daher auch unser:
Kein Titel, oder Tütel, oder Tittel, oder Tittelchen.—
Nach Matth. 5, 26 sagen wir:
der letzte Heller.—
Matth. 5, 37 steht:
Eure Rede aber sei, ja, ja, nein, nein; was drüber ist, das ist vom Übel.—
Matth. 5, 45: ". . . er lässt seine Sonne aufgehen über die Bösen und über die Guten und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte" giebt uns das Wort:
Seine Sonne scheinen lassen über Gerechte und Ungerechte.—
Giebt jemand prahlerisch aller Welt etwas kund, so tadeln wir, dass er es
ausposaune,
nach Matth. 6, 2: "Wenn du nun Almosen giebst, sollst du nicht lassen vor dir posaunen, wie die Heuchler thun in den Schulen und auf den Gassen".—
Lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte thut
lesen wir Matth. 6, 3.—
Matth. 6, 9-13 (vrgl. Luk. 11, 2. 4) steht das
Vaterunser, lateinisch: Paternoster,
dessen vierte Bitte
das tägliche Brot
und dessen siebente Bitte das "Erlöse uns von dem Übel" bietet. Hiernach sagt man im Volke von einem bösen Weibe: "Sie ist aus der siebenten Bitte", oder man nennt sie kurzweg:
Böse Sieben.
Nach Andern soll dieser Ausdruck von den sieben Todsünden entlehnt sein. Auch werden an manchen Stellen der heiligen Schrift böse Sieben angeführt. So heisst es:
Sprüche 26, 25: "Denn es sind sieben Gräuel in seinem Herzen"; Matth. 12, 45: "So gehet er hin und nimmt zu sich sieben andere Geister, die ärger sind, denn er selbst" (Luk. 11, 26);—Mark. 16, 9: "Jesus aber, da er auferstanden war frühe am ersten Tage der Sabbather, erschien er am ersten der Maria Magdalena, von welcher er sieben Teufel ausgetrieben hatte";—Luk. 8, 2: "Maria, die da Magdalena heisset, von welcher waren sieben Teufel ausgefahren".
Andere wiederum leiten "böse Sieben" von einem im 15. Jahrh. erwähnten Kartenspiele, Karnüffel, Karnöffel, Karnuffel oder Karnoffel genannt, her. Darin war die siebente Karte von oben der Teufel, der alle anderen Karten stach. Man nannte diese Karte die "böse Sieben". (Cyriacus Spangenberg veröffentlichte: "Wider die bösen Sieben ins Teufels Karnöffelspiel". Jena 1562; Eisl. 1562; Frankf. 1562.)—
Aus Matth. 6, 20 schöpfen wir das Wort:
Schätze sammeln, die weder Motten noch Rost fressen.—
Matth. 6, 21 (vrgl. Luk. 12, 34) steht geschrieben:
Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.—
Der Spruch Matth. 6, 24:
Niemand kann zween Herrn dienen
hat in Luk. 16, 13 die Form erhalten: "Kein Hausknecht kann zween Herrn dienen".—
Aus Matth. 6, 24 ist auch:
Mammon und Mammonsdiener
für "Reichtum" und "Geldmensch" entnommen. Es heisst daselbst: "Ihr könnet nicht Gott dienen und dem Mammon" (d. h. dem syrischen Gott des Reichtums). Der Mammon wird auch erwähnt Luk. 16, 9. 11. und 13.—
Matth. 6, 27 (vrgl. Luk. 12, 25) lautet: "Wer ist unter euch, der
seiner Länge Eine Elle zusetzen
möge, ob er gleich darum sorget?"—
Matth. 6, 34, lesen wir:
Es ist genug, dass ein jeglicher Tag seine Plage habe,
was wir gewöhnlich verkürzen in:
Jeder Tag hat seine Plage.—
Matth. 7, 1 (vrgl. Luk. 6, 37) steht:
Richtet nicht, auf das ihr nicht gerichtet werdet.—
Den Ausdruck:
Splitterrichter
bilden wir aus Matth. 7, 3-5: "Was siehest du aber den Splitter in deines Bruders Auge und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge?" u. s. w. (vrgl. Luk. 6, 41). Doch ist nach Dr. Zunz ("ges. Schrift." III, 294. Berl. 1876) der Priester und Mischnalehrer Tarfon der wahre Urheber dieses Spruches.—
Die Perlen vor die Säue werfen
ist gebildet nach Matth. 7, 6: "Ihr sollt das Heiligtum nicht den Hunden geben, und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen".—
Suchet, so werdet ihr finden
steht Matth. 7, 7 und Luk. 11, 9 (Sprüche Sal. 2, 4-5 ist wohl die Quelle).—
Aus Matth. 7, 9: "Welcher ist unter euch Menschen, so ihn sein Sohn bittet um Brot, der ihm einen Stein biete?" entnehmen wir:
einen Stein statt Brot geben.—
Auf Matth. 7, 15: "Sehet euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu Euch kommen, inwendig aber sind sie reissende Wölfe" beruht:
Wölfe in Schafskleidern.—
Matth. 7, 16 und 20 (vrgl. 12, 33 und Luk. 6, 44) steht:
an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.
Ein griechisches Sprichwort (Paroemiogr. Graeci. 1, 252, ed. Leutsch.) ist: ἐκ τοῦ καρποῦ τὸ δένδρον.—
Matth. 7, 26 lesen wir Jesu Gleichnis von dem "thörichten Manne", der
Sein Haus auf den Sand bauete,
so dass Regen und Wind es zu Falle brachten.—
Matth. 8, 12; 13, 42. 50; 22, 13; 24, 51; 25, 30 und Luk. 13, 28 steht, dass in der Hölle, in "der äussersten Finsternis", sein wird
Heulen und Zähnklappen.—
Aus Matth. 8, 20 oder aus Lukas 9, 58, wo Jesus von sich spricht: "Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester, aber des Menschen Sohn hat nicht, da er sein Haupt hinlege", entnehmen wir zur Bezeichnung äusserster Armut das Wort:
Nicht haben, wo man sein Haupt hinlege.—
Matth. 8, 22, sowie Luk. 9, 60 bietet Jesu Wort:
Lass die Toten ihre Toten begraben.—
Matth. 9, 12 und fast ebenso Mark. 2, 17 und Luk. 5, 31 spricht Jesus:
Die Starken (d. h. die Gesunden) bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken.—
Matth. 10, 14 (sowie Mark. 6, 11; Luk. 9, 5 und Apost. 13, 51) bringt uns für "verachtungsvoll von dannen gehen" das Wort:
Den Staub von den Füssen schütteln.—
Matth. 10, 16 enthält:
Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.—
Nach Matth. 10, 27 und Luk. 12, 3 wird citiert:
Auf den Dächern (von den Dächern) predigen.—
Nach Matth. 10, 38 (vrgl. 16, 24; Mark. 8, 34; 10, 21; Luk. 9, 23; 14, 27; Joh. 19, 17) sagen wir von jemandem, der ein Leid zu tragen hat:
Er trägt sein Kreuz
und
Sein Kreuz auf sich nehmen
und danach:
Ein Kreuzträger.—
Matth. 11, 15 findet sich das häufig wiederholte:
Wer Ohren hat zu hören, der höre.—
Matth. 11, 28 lesen wir: "Kommet her zu mir alle, die ihr
mühselig und beladen
seid, ich will euch erquicken".—
Nach Matth. 11, 30: ". . mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht", sagen wir:
Ein sanftes Joch.—
Nach Matth. 12, 24. 27, sowie Luk. 11, 15. 18. 19 (vrgl. 9, 34 und Mark. 3, 22) sagt man:
den Teufel durch Beelzebub austreiben.—
Matth, 12, 30 und Luk. 11, 23 (vrgl. 9, 50) steht:
Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich.—
Auf Matth. 12, 31 (vrgl. Mark. 3, 28; Luk. 12, 10; Ebr. 6, 4) beruht:
Sünde wider den heiligen Geist.—
Das von Luther volkstümlich gefasste und deshalb, wie er im "Sendbriefe vom Dolmetschen" vom 8. Sept. 1530 (§ XIV) mitteilt, von ihm zur Übersetzung des Urtextes (ἐκ ... τοῦ περισσεύματος τῆς καρδίας τὸ στόμα λαλεῖ) Matth. 12, 34 (vrgl. Luk. 6, 45) gewählte:
Wess das Herz voll ist, dess gehet der Mund über,
lautet wörtlich übersetzt im Französischen:
De l'abondance du coeur la bouche parle.—
Matth. 13, 12; 25, 29; Mark. 4, 25; Luk, 8, 18; 19, 26:
Wer da hat, dem wird gegeben,
fand seinen französischen Schliff in:
On ne prête qu'aux riches.—
Aus Matth. 13, 13 (s. oben Psalm 115, 5) schöpfen wir das Wort:
Mit sehenden Augen nicht sehen.—
Matth. 13, 21 sowie Mark. 4, 17 übersetzt Luther "πρόσκαιρος" mit
wetterwendisch,
d. h. unbeständig, sich wendend und ändernd wie das Wetter. Vor Luther lässt es sich in dieser übertragenen Bedeutung nicht nachweisen.—
Nach Matth. 13, 25 citieren wir:
Unkraut zwischen den Weizen säen.—
Matth. 13, 57 (s. Mark. 6, 4; Luk. 4, 24; Joh. 4, 44): "Ein Prophet gilt nirgend weniger, denn in seinem Vaterlande und in seinem Hause", wird gemeiniglich gekürzt in:
Der Prophet gilt nichts in seinem Vaterlande.—
Matth. 15, 11 (vrgl. Mark. 7, 15) enthält:
Was zum Munde eingehet, das verunreinigt den Menschen nicht.—
Aus Matth. 15, 27 stammt:
Brosamen, die von des Herrn Tische fallen.—
Brosamen, die von des Reichen Tische fallen
beruht auf Luk. 16, 21.—
Aus Matth. 16, 3: "Könnet ihr denn nicht auch die Zeichen dieser Zeit urteilen?" ist entlehnt:
Zeichen der Zeit.—
Matth. 16, 24 (Mark. 8, 34; Luk. 9, 23) spricht Jesus zu seinen Jüngern: "Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst . . ." Danach reden wir von:
sich selbst verleugnen
und von
Selbstverleugnung,
ein Moralbegriff, der noch über den der "Nächstenliebe" (3. Mos. 19, 18; Matth. 5, 43; 22, 39; Mark. 12, 21; Röm. 13, 9; Gal. 5, 14) hinausgeht, weil er schon das "Thut wohl denen, die euch hassen" (Matth. 5, 44; Luk. 6, 27) in sich schliesst, und der seine Wurzel in dem Gebote (2. Mos. 23, 5) hat: "Versäume gerne das Deine um seinet (d. h. des Feindes und Hassers) willen".—
Aus Matth. 17, 4: "Herr, hier ist gut sein; willst du, so wollen wir hier drei Hütten machen, dir eine, Mosi eine, und Elias eine", und aus den ähnlichen Stellen Markus 9, 5 und Lukas 9, 33 hat sich der Volksmund die Redensart:
Hier ist gut sein, hier lasst uns Hütten bauen
zurechtgelegt.—
Matth. 19, 6 und Markus 10, 9 steht:
Was (nun) Gott zusammengefüget hat, das soll der Mensch nicht scheiden.—
Matth. 19, 30 (vrgl. Matth. 20, 16; Markus 10, 31 und Luk. 13, 30) bietet:
(Aber viele, die da sind) die ersten werden die letzten und die letzten werden die ersten sein.—
Auf Matth. 20 (vrgl. Jesaias 5, 7) beruhen die
Arbeiter im Weinberg.—
Für "späte Zeit" ist Matth. 20, 6 und 9 entnommen:
Elfte (nicht: zwölfte) Stunde.—
Matth. 20, 12 steht:
Des Tages Last und Hitze getragen haben.—
Matth. 20, 16 und 22, 14 findet sich:
(Denn) viele sind berufen, aber wenige sind auserwählet.—
Nach Matth. 22, 11 entschuldigen wir uns, dass wir
kein hochzeitlich Kleid anhaben.—
Matth. 22, 21; Markus 12, 17; Luk. 20, 25 liest man:
(So) gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gotte, was Gottes ist.—
Matth. 23, 3: "Alles nun, was sie (die Schriftgelehrten und Pharisäer) euch sagen, das ihr halten sollt, das haltet und thut es; aber nach ihren Werken sollt ihr nicht thun. Sie sagen es wohl, und thun es nicht", ist die Quelle unseres
Haltet Euch an meine Worte und nicht an meine Werke!
Nach Livius 7, 32 sagte der Consul Valerius (343 v. Chr.) "facta mea, non dicta vos, milites, sequi volo"—"Soldaten, ich will, dass ihr meinen Thaten, nicht meinen Worten folget".—
Matth. 23, 15 lautet: "Wehe euch, Schriftgelehrten und Pharisäern, ihr Heuchler, die ihr Land und Wasser umziehet, dass ihr Einen Judengenossen machet (ποιῆσαι ἕνα προσήλυτον); und wenn er es geworden ist, macht ihr aus ihm ein Kind der Hölle, zwiefältig mehr, denn ihr seyd". Mit Hinzuziehung des griechischen Textes bildete man hieraus das verächtliche Wort:
Proselytenmacherei.—
Auf Matth. 23, 23 und Lukas 11, 42: "Dies sollte man thun und jenes nicht lassen" beruht:
Eines thun und das andere nicht lassen.—
Von Leuten, die im Nichtigen gewissenhaft und im Wichtigen gewissenlos sind, sagen wir, dass sie
Mücken seigen (d. h. durch ein Sieb entfernen) und Kameele verschlucken,
wie Jesus nach Matth. 23, 24 zu den Schriftgelehrten und Pharisäern sprach: "Ihr verblendete Leiter, die ihr Mücken seiget und Kameele verschlucket".—
Matth. 23, 27 werden die Schriftgelehrten und Pharisäer Heuchler genannt und
"Übertünchte Gräber,
welche auswendig hübsch scheinen, aber inwendig sind sie voller Totenbeine und alles Unflats".—
Matth. 24, 2 (vrgl. Mark. 13, 2; Luk. 19, 44; 21, 6) spricht Jesus in Jerusalem: "Es wird hier nicht ein Stein auf dem andern bleiben, der nicht zerbrochen werde". Danach sagt man von Dingen und Verhältnissen, die der völligen Zerstörung entgegengehen:
Es wird kein Stein auf dem andern bleiben.—
Mit dem Bürger in Goethes "Faust" (I "vor dem Thore") citieren wir
Krieg und Kriegsgeschrei
aus Matth. 24, 6: "Ihr werdet hören Kriege und Geschrei von Kriegen . ."—
In Bild und Wort verdanken wir den
Posaunenengel
Matth. 24, 31: "Und er wird senden seine Engel mit hellen Posaunen . . ." (vrgl. Offenb. Joh. 8, 2).—
Auf Matth. 25, 15-28, wo von den "vertraueten Centnern" und deren Verwertung erzählt wird, beruht der Ausdruck:
Talent.
Das griechische "τάλαντον", in der Vulgata "talentum", von Luther in diesem Kapitel mit "Centner" übersetzt, ist späterhin zu einem allen westeuropäischen Völkern gemeinsamen Ausdrucke für geistige Anlagen geworden (s. im Register "anvertrautes Pfund").—
Auf Matth. 25, 18 und 25 beruht:
Sein Pfund vergraben
mit Hinzuziehung des ähnlichen Gleichnisses bei Lukas 19 (s. weiterhin), da hier nur von "Centnern" die Rede ist.—
Matth. 25, 32 u. 33 heisst es von "des Menschen Sohn": "Und werden vor ihm alle Völker versammelt werden. Und er wird sie von einander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet. Und wird
die Schafe zu(seine)r Rechten (stellen, und) die Böcke zur Linken".
Dies wurde zum beliebten Vergleich guter mit bösen Menschen.—
Auf Matth. 26, wo geschrieben steht, dass die anderen Jünger schlafen, während Judas den Herrn verrät, beruht das Wort:
Der Verräter schläft nicht;
und auf Matth. 26, 15: "Ich will ihn euch verraten. Und sie boten ihm 30 Silberlinge" der Ausdruck:
Judaslohn.—
Wenn wir in bitteren Leiden wünschen:
Dieser Kelch mag an mir vorübergehen,
so wenden wir ungenau Worte Christi an, die Matth. 26, 39. 42; Lukas 22, 42; Markus 14, 36 angegeben werden.—
Matth. 26, 10 spricht Jesus von dem Weibe, die köstliches Wasser auf sein Haupt goss: "Sie hat ein gutes Werk an mir gethan". Daher unser Wort:
Ein gutes Werk an Einem thun.—
Matth. 26, 41 und Markus 14, 38 lesen wir:
Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.—
Matth. 26, 48 u. 49 (vrgl. Luk. 22, 48) heisst es von Judas: "Und der Verräter hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: welchen ich küssen werde, der ist's, den greifet. Und alsobald trat er zu Jesu und sprach: Gegrüssest seyst du, Rabbi! und küssete ihn". Darauf beruht der Ausdruck:
Judaskuss,
und einen
Judas
nennen wir danach einen falschen, verräterischen Menschen.—
Sehen, wo es hinaus will
sagen wir nach Matth. 26, 58: "Petrus . . . setzte sich bey den Knechten, auf dass er sähe, wo es hinaus wollte".—
Matth. 26, 73 sprechen die Umstehenden zu Petro, als er Jesum zum zweiten Male verleugnet hatte: "Wahrlich, du bist
auch Einer von Denen
(nämlich: die mit Ihm waren); denn deine Sprache verrät dich". Der Titel von Fr. Th. Vischer's Buch "Auch Einer" (1879) wurzelt in diesen Worten.—
Matthäi am letzten sein
in der Bedeutung: "Seinem Ende oder seinem Verderben nahe sein" beruht auf dem Schlusse des Evangeliums Matthäi: "(bis an der Welt) Ende". "Matthäi am letzten" citiert Luther im "Katechismus" (4. Hauptst. 1. B.).—
Aus Markus 1, 7; Luk. 3, 16; Joh. 1, 27 (vrgl. Apost. 13, 25) entnehmen wir die Redeweise:
Nicht wert sein, einem die Schuhriemen aufzulösen.—
Nach Mark. 3, 30: "Denn sie sagten: er hat einen unsaubern Geist" citieren wir:
Unsauberer Geist.
Von der Macht Jesu über die "unsauberen Geister", oder "den unsauberen Geist", welcher Luk. 4, 33 "unsauberer Teufel" heisst, ist die Rede Matth. 10, 1; Mark. 1, 23-27; 5, 2-9; 9, 25; Luk. 4, 33-35; 8, 29; Mark. 3, 11; vom Ausfahren des "unsauberen Geistes" ausser an einigen der citierten Stellen: Matth. 12, 43 u. Luk. 11, 24.—
Ihre Zahl ist Legion
beruht auf Mark. 5, 9, wo der "unsaubere Geist" spricht: "Legion heisse ich, denn unser ist viel" und Luk. 8, 30, wo der Teufel sagt, dass er "Legion" heisse; "denn es waren viel Teufel in ihn gefahren".—
Mark. 6, 26 heisst es vom Herodes "er ward betrübt", weil Herodias ihn um des Täufers Haupt gebeten, "doch um des Eides willen und derer, die am Tische sassen, wollte er sie nicht lassen
eine Fehlbitte thun".
Im Text aber steht gerade diese Wendung nicht, so dass wir damit nicht Markus, sondern Luther citieren.—
Das Scherflein der Witwe
beruht auf Mark. 12, 42 und Luk. 21, 1-4, wo jedoch von "zwei Scherflein" (= einem Heller) die Rede ist;
der Glaube macht selig
auf Mark. 16, 16: "Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden: wer aber nicht glaubet, der wird verdammet werden". ("Wer's glaubt, wird selig", sagt das Volk zu einer wenig glaubwürdigen Erzählung.)—
Mit Zungen reden
ist Mark. 16, 17 entnommen; auch kommt es Apostelgeschichte 2, 4; 10, 46; 19, 6 und 1. Korinth. 14 vielmals vor. In den ersten beiden Stellen, wo es "mit neuen" und "mit andern Zungen" lautet, bedeutet es "in fremden Sprachen reden", in den folgenden Stellen ohne Beiwort hat es den Sinn "vom heiligen Geist erfüllt reden".—
Aus Lukas 1, 66 citieren wir: