VIII. Geflügelte Worte aus spanischen Schriftstellern.
Reading edition
Einen närrischen Verfechter veralteter Anschauungen nennen wir einen
Don Quijote,
nach dem Titelhelden des Romanes von Miguel de Cervantes (1547-1616): "El ingenioso hidalgo Don Quijote de la Mancha" (1. T. 1605. 2. T. 1615). Nach dem Kampfross des Don Quijote nennen wir einen elenden Gaul eine (richtiger einen)
Rosinante
(spanisch: "Rocinante", zusammengesetzt aus "rocin", Klepper und "antes", früher). Don Quijote gab dem Pferde diesen Namen, weil dadurch ausgedrückt würde, was es einst als blosser Reitklepper gewesen, und was es jetzt als die Perle aller Rosse der Welt geworden wäre.
Nach der Erkorenen Don Quijotes bezeichnen wir eine Geliebte als
Dulcinea;
wir lassen verblendete Draufgänger, die Windmühlen für Riesen halten, wie Don Quijote (I, 8),
mit Windmühlen kämpfen, (molinos de viento acometer)
und nennen einen Kopfhänger, wie Sancho Pansa (I, 19) seinen von Schlägen zerbläuten Herrn, einen
Ritter von der traurigen Gestalt (El Caballero de la Triste Figura).—
Der Titel eines Lustspiels von Don Pedro Calderon (1600-81) ist:
"El secreto á voces",
wonach Carlo Gozzi (Venezia. Colombani 1772, Tom. 4) sein in Modena bereits 1769 gegebenes Stück
"Il pubblico secreto"
verfasste, das zuerst (1781) F. W. Gotter für uns bearbeitete, unter dem Titel:
"Das öffentliche Geheimnis",
und später Karl Blum (1786-1844) unter dem Titel:
"Das laute Geheimnis".
Schiller citiert schon in einem Brief an Koerner (4. Sept. 1794): "Was man in einer Zeitung und auf dem Katheder sagt, ist immer ein öffentliches Geheimnis".—
Auch citieren wir deutsch Calderons Lustspieltitel "La vida es sueño":
Das Leben ein Traum.—
Von Calderon stammt auch (aus dem vor 1644 erschienenen Stück "In diesem Leben ist Alles wahr und Alles Lüge") der Ausspruch her:
Ultima razon de Reyes . . . "Das letzte Wort der Könige
(im Kriege sind Pulver und Kugeln").—Ludwig XIV. wählte hiernach für die französischen Geschütze (wohl um 1650, da sie sich nicht früher findet) die schlecht-lateinische Inschrift:
Ultima ratio regum,
welche durch Beschluss der Assemblée vom 17. Aug. 1796 verpönt wurde.—In Preussen tritt nach Preuss ("Oeuvres de Frédéric-le-Grand" XI, p. 118)
Ultima ratio regis
seit 1742 als Kanonen-Inschrift auf. Alle Bronzegeschütze Friedrichs des Grossen trugen sie, die eisernen aus Haltbarkeitsrücksichten nicht; weshalb sie bei den meistens eisernen Festungsgeschützen ganz fortblieb. Daher rührt es, dass heut die Inschrift nur bei preussischen Feldgeschützen vorkommt und nicht bei Festungsgeschützen, gleichviel ob sie aus Bronze, Eisen oder Stahl sind.—