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Ein Diwan

III. LIEBE

Emil Bernhard translation

Ofra wäscht ihre Kleider In meiner Tränen Flut, Ofra trocknet die Kleider An ihres Auges Glut. Ofra braucht keine Bronnen Bei meines Auges Quell, Ofra braucht keine Sonnen, Denn ihr Auge ist hell.

Ich wiegt’ auf dem Schoße Den Liebsten so schön, Da sah er sein Bildchen Im Auge mir stehn. Der Schelm! Sieh, da küßt’ er Mein Auge so wild: Mein Auge nicht küßt’ er, Er küßte sein Bild.

Das Mädchen spricht: Was drängt ihr mich also, Ihr Frager, ihr flinken, Im Meere der Liebe Da sollt’ ich versinken. Da trat seine Sohle Zum donnernden Strande: – Da ging ich im Meere, Als ging ich im Lande. Der Knabe spricht: Im Garten der Schönheit Erwarbst du ein Land, Das grenzenlos reicht Bis zum ewigen Strand. Und wolltest die Sterne Zum Schmucke du han, Sie sprängen dir gerne Von himmlischer Bahn.

ABSCHIEDSVERSE

1

Mein Lieb, wir müssen uns schicken, Nun scheid’ ich aus dem Tal: Laß dir ins Auge blicken Zum allerletzten Mal! Ich fürcht’, ich kann nicht zwingen Das Herz in sein Revier: Heraus wird es mir springen Und laufen hinter dir.

2

Gedenke der Tage liebender Lust, Und ich will denken der Nächte: Wie du mir ziehst durch die träumende Brust, Auch ich, auch ich Durch deine Träume möchte.

3

Ein Meer von Tränen zwischen uns rollt, Ich kann nicht hinübereilen; Doch wenn deine Liebe herüber wollt’, – Die Wogen würden sich teilen.

4

Ach, daß ich einst in dunklen Grabesräumen Den Ton des Glöckleins über mir erlauschte, Das leise klingt an deinen Kleidersäumen! Ach, daß ich noch im Tode mich berauschte, Wenn du mich grüßt und fragst in meinen Träumen, Und ich dann Gruß und Frage mit dir tauschte!

5

Du hast einen Mord begangen, Darum verklag’ ich dich: Deine roten Lippen und Wangen Die sollen zeugen für mich! Deine roten Lippen und Wangen, Was sind sie denn so rot? – Nun mußt du schweigen und bangen: Mein Blut auf deinen Wangen, Das zeugt von meinem Tod.

6

Willst du wirklich meinen Tod? Ach, ich bete nur um Leben, Um es jung und frisch und rot Deinen Jahren zuzugeben. Ach, du raubtest mir die Ruh’ Meiner Nächte, süße Fraue! Leg’ sie dir auf deine Braue: Schlummre, schlummre du!

7

All’ meine Tränen blieben Im Feuer deiner Lust, All’ deine Tränen zerrieben Die Steine in meiner Brust. Durch Feuer und Wasser zusammen Schritt mein zitterndes Herz: Das waren deine Flammen, Das war mein weinender Schmerz.

8

Zwischen Bittre, zwischen Süße Muß mein Herz sich jetzt bequemen: Honig sind mir deine Küsse, Bitter ist das Abschiednehmen!

9

Aller Reichtum dieser Welt Ist mir eitel Trug, Deiner Lippen rote Schnur, Deiner Lenden Gürtel nur Wäre mir genug. All mein süßer Honig fließt Dort, wo ich dich küßte, Meiner Narde sich ergießt, Alle meine Myrrhe sprießt Rund um deine Brüste.

10

Der Frauen Ehre ist ihr edles Tun, Doch alles Tun veredelt sich durch dich.

11

Viel tausend Garben stehen Wohl in der Liebe Tal: Vor deiner Garbe beugen, Vor deiner Garbe neigen Sich alle allzumal.

12

Unter deinen leichten Füßen Heimlich süße Keime sprießen, Balsamknospe, Myrrhenblüt’: Möchte doch mein Leben glücken Nur so lange, bis ich pflücken, Sehen kann, wie alles blüht.

13

Deine Stimme hör’ ich nimmer, Aber leise hör’ ich immer Klingen wie ein fernes Grüßen In den Tiefen meiner Seele Deine Kettchen an den Füßen.

14

Mein Herz wird bitter, Da es gedenkt: – Noch hängt ja, hängt An den Lippen die Süße, Noch fühl’ ich die Küsse, Die du mir geschenkt. –

Wach doch auf aus deiner Ruh; Daß ich mich an deinem Bilde labe! Träumest du von Küssen, süßer Knabe? – Ich kann Träume deuten, du!

Wie die Sonne über Sphären schreitet, Herrschst du in der Welt mit Kraft und Mut: Deine Augen wilde Pfeile schießen, Männerherzen Ströme Blutes fließen: Mädchen, deine Pfeile treffen gut. Wilde Blumen stehn in deinem Garten, Rote Blumen, die das Pflücken wert: Doch du stelltest zu des Gartens Schutze, An die Pforte stelltest du zum Trutze Hin das zuckende, das Flammenschwert.

ZUM RUHME DER BRAUT

I

Das Silber läßt sich gründen Im Schachte des Gesteins, Wer aber wollte finden Ein Liebchen so wie meins? Wie Städte fest verbündet Mit Mauern und Gestämm: Wie Tirza hochgegründet Und wie Jerusalem!

II

Was wendet sie sich allerwärts, Zu suchen ein Gezelt, Da doch mein großes, weites Herz Das Tor ihr offen hält?

III

Dein Gesicht voll Rosen eine Küste: Meine Augen knicken sie; Aepfel der Granate deine Brüste: Meine Hände pflücken sie. Hoch auf deinem Lippenpaare Lodern wilde Feuerschlangen: Meiner Küsse Feuerzangen Reißen sie mir vom Altare.

IV

Wie zwei Abendwölfe fahren Aus des Waldes dunklen Nächten, Also steigen aus den Haaren Dir zwei rabenschwarze Flechten. Doch da ist ein Licht, ein schnelles, Von der Wange eingedrungen, Und dein Antlitz steht wie helles Morgenlicht in Dämmerungen.

V

Keine Nacht besteht vor ihrem Lichte, Und ihr Licht erlöscht in keinem Dunkeln: Leuchtet es im Tagesangesichte, Wächst es an zu siebenfachem Funkeln.

Zeigte Liebchen mir die Wangen, – Mitternächt’ge Stunde war’s –: Um die zarten Schläfen hangen Tief die Schleier ihres Haars. Von Rubinen hell umgossen Ihre frohe Wange war, Und vom klarsten Licht umflossen Schien die dunkle Locke gar. Wie die Sonne, wenn im holden Morgenstrahl die Flamme loht: – Dunkle Wolken werden golden, Dunkle Wolken werden rot.

Liebe Sänger, singt den Trauten Holde Lieder zu den Lauten In dem schönsten Wechselsang! Singet den verhüllten Blicken, Die verstohlen schaun und nicken Durch des Fensters Seidenhang. Sie, die Keuschen hinter Gittern, Die da lernten von den Müttern Rein zu halten Herz und Leib; Und die doch mit Pfeilen spielen, Kindlich mit dem Bogen zielen Ahnungslosen Zeitvertreib. Weh, geschossen und getroffen! Klaffend steht die Wunde offen: Ach, sie ahnten keinen Harm; Sie, die nie an Schwerter rührten Und als einz’ge Waffe führten Ihren Alabasterarm. Sie, die Schwachen, Müden, Süßen, Die das Kettlein an den Füßen, Allzu schwer das Ringlein drückt; Deren Auge bei den Lasten Ihrer seidnen Wimperquasten Kaum ein stiller Aufschlag glückt. Aber wenn es einmal blicken Und empor zur Sonne schicken Seine heißen Flammen wollt’, Schwarz verbrennen in der Ferne Würd’ an diesem Feuersterne All der Sonne rotes Gold. „Werde Licht!“ so spricht die Wange, „Werde Nacht!“ die Lockenschlange Dieser holdgeliebten Schar. Ihre weißen Kleider hüllet Licht der Liebe, Nacht erfüllet, Leidesnacht ihr dunkles Haar. O ihr Leuchten meines Lebens, Ist mein Herz nicht eures Schwebens Firmamentisch Himmelszelt? Rollt ihr nicht in ew’gen Gleisen Und in immer neuen Kreisen Durch dies Herze, diese Welt? Ach, ihr zarten, freudereichen, Traubenschwerem Weine gleichen, Wie er Zweig und Wurzel trägt! Ach, ihr Lippen, Schönheitsboten, Wie ihr eure doppelt roten Polster um die Perlen legt! Zürne, Herze, nicht den Kecken, Wenn gar ihres Auges Necken Falsch aus falschem Fenster schaut: Diese Aepfel, wie sie hangen, Diese Lilien auf den Wangen Sind ein süßes Heilekraut. Sieh den Wuchs gleich einer Palme, Der gleich windbewegtem Halme Lieblich seine Hüften wiegt! Jedes Herze, mußt du wissen, Kaum gefangen, schon zerrissen Blutend ihr zu Füßen liegt. Soll man sie nun schuldig sprechen, Da sie nur, um sich zu rächen, Gegen unsre Herzen gehn? Für die Blumen, die wir Frechen Täglich von den Beeten brechen, Die in Wangenblüte stehn? Auf, zum Richter will ich schreiten: Seine Schwingen, seine weiten, Sind der Weisheit Schutz und Hort. Er, der über Tod und Leben Richtet, soll die Antwort geben: Still, er kündet Gottes Wort! – – – – – –

Was geht noch auf die Sonne, Was leuchtet sie uns noch? Der Mädchen Allerschönste Verdunkelte sie doch. Magst, Sonne, du erröten Vor ihrem holden Glanz, Mag aus den Bahnen treten Der Sterne lichter Kranz! Was braucht die süße Taube Noch eure hohe Welt? – Sie macht die Myrtenlaube Sich selbst zum Himmelszelt.

ZUR HOCHZEIT

Mög’ des Paares holder Bund Israel zum Segen frommen! Tu’ das nächste Jahr uns kund, Daß ein neuer Stern entglommen. Daß in ihren Tagen dann Froh man meinem Volke kündet: – Des Erlösers Leuchte hat Gott dir angezündet.

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