ZWEITER THEIL BUCH DES LÖWENRUFS
Karl Eugen Neumann translation
11.
Zweiter Theil
Erste Rede
DER LÖWENRUF
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!« — »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»In einer solchen Heilsordnung, ihr Mönche, kann die Liebe zum Meister nicht vollkommen sein, kann die Liebe zur Lehre nicht vollkommen sein, kann die Erfüllung der Regel nicht vollkommen sein, kann die Werth- und Genehmhaltung Rechtschaffener nicht vollkommen sein, und warum nicht? Die Sache, ihr Mönche, verhält sich eben so, {67} wie’s zu erwarten ist bei einer schlechtverkündeten Heilsordnung, bei einer schlechtdargelegten, abstoßenden, Unruhe schaffenden, die kein vollkommen Erwachter kundgethan hat.
»Doch der Vollendete, Mönche, der Heilige, vollkommen Erwachte erklärt sich fähig, alles Anhangen von Grund aus darzulegen, und er giebt eine solche Darlegung: er untersucht den Hang zur Lust, er untersucht den Hang zur Ansicht, er untersucht den Hang zu Tugendwerk, er untersucht den Hang zur Selbstbehauptung.
»In einer solchen Heilsordnung, ihr Mönche, kann die Liebe zum Meister vollkommen sein, kann die Liebe zur Lehre vollkommen sein, kann die Erfüllung der Regel vollkommen sein, kann die Werth- und Genehmhaltung Rechtschaffener vollkommen sein, und warum das? Die Sache, ihr Mönche, verhält sich eben so, wie’s zu erwarten ist bei einer wohlverkündeten Heilsordnung, bei einer wohldargelegten, anziehenden, Ruhe schaffenden, die ein vollkommen Erwachter kundgethan hat.
»Aber dieses vierfache Anhangen, ihr Mönche, wo wurzelt das, woraus entspringt es, woraus entsteht es, woraus erwächst es? Dieses vierfache Anhangen wurzelt im Durst, entspringt aus dem Durst, entsteht aus dem Durst, erwächst aus dem Durst. Und dieser Durst, ihr Mönche, wo wurzelt der, woraus entspringt er, woraus entsteht er, woraus erwächst er? Der Durst wurzelt im Gefühl, entspringt aus dem Gefühl, entsteht aus dem Gefühl, erwächst aus dem Gefühl. Und dieses Gefühl, ihr Mönche, wo wurzelt das, woraus entspringt es, woraus entsteht es, woraus erwächst es? Das Gefühl wurzelt in der Berührung, entspringt aus der Berührung, entsteht aus der Berührung, erwächst aus der Berührung. Und diese Berührung, ihr Mönche, wo wurzelt die, woraus entspringt sie, woraus entsteht sie, woraus erwächst sie? Die Berührung wurzelt im sechsfachen Reich, entspringt aus dem sechsfachen Reich, entsteht aus dem sechsfachen Reich, erwächst aus dem sechsfachen Reich. Und dieses sechsfache Reich, ihr Mönche, wo wurzelt das, woraus entspringt es, woraus entsteht es, woraus erwächst es? Das sechsfache Reich wurzelt im Bild und Begriff, entspringt aus Bild und Begriff, entsteht aus Bild und Begriff, erwächst aus Bild und Begriff. Und dieses Bild und Begriff, ihr Mönche, wo wurzelt das, woraus entspringt es, woraus entsteht es, woraus erwächst es? Bild und Begriff wurzelt im Bewusstsein, entspringt aus dem Bewusstsein, entsteht aus dem Bewusstsein, erwächst aus dem Bewusstsein. Und dieses Bewusstsein, ihr Mönche, wo wurzelt das, woraus entspringt es, woraus entsteht es, woraus erwächst es? Das Bewusstsein wurzelt in den Unterscheidungen, entspringt aus den Unterscheidungen, entsteht aus den Unterscheidungen, erwächst aus den Unterscheidungen. Und diese Unterscheidungen, ihr Mönche, wo wurzeln die, woraus entspringen sie, woraus entstehn sie, woraus erwachsen sie? Die Unterscheidungen wurzeln im Nichtwissen, entspringen aus dem Nichtwissen, entstehn aus dem Nichtwissen, erwachsen aus dem Nichtwissen.
{68} Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.
12.
Zweiter Theil
Zweite Rede
DAS HAARSTRÄUBEN
Da nun begab sich der ehrwürdige Sāriputto, zeitig gerüstet, mit Mantel und Schaale versehn, auf den Almosengang nach Vesālī. Und es hörte der ehrwürdige Sāriputto, wie der Licchavier-Prinz Sunakkhatto in ganz Vesālī erzählte: »Der Asket Gotamo besitzt nicht das überirdische reiche Heilthum der Wissensklarheit: eine grüblerisch vernagelte Lehre trägt der Asket Gotamo vor, die er selbst ersonnen und ausgedacht hat; und der Zweck, warum er seine Lehre darlegt, ist einfach der, dass sie dem Grübler zur gänzlichen Leidensversiegung ausreicht.«
Nachdem nun der ehrwürdige Sāriputto in Vesālī von Haus zu Haus getreten war, kehrte er zurück, verzehrte sein Almosenmahl und ging hierauf zu der Stätte, wo der Erhabene weilte. Dort angelangt begrüßte er den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend sprach nun der ehrwürdige Sāriputto zum Erhabenen also:
»Der Licchavier-Prinz Sunakkhatto, o Herr, der vor kurzem aus dieser Heilsordnung ausgetreten ist, der führt in ganz Vesālī solche Rede: ‚Der Asket Gotamo besitzt nicht das überirdische reiche Heilthum der Wissensklarheit: eine grüblerisch vernagelte Lehre trägt der Asket Gotamo vor, die er selbst ersonnen und ausgedacht hat; und der Zweck, warum er seine Lehre darlegt, ist einfach der, dass sie dem Grübler zur gänzlichen Leidensversiegung ausreicht.‘«
»Aber freilich wird da, Sāriputto, Sunakkhatto, dem eitlen Mann, jene Ahnung der Wahrheit bei mir nicht aufgehn, derart zwar: ›Das ist der Erhabene, Heilige, vollkommen Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt Kenner, der unvergleichliche Leiter der Männerheerde, der Meister der Götter und Menschen, der Erwachte, der Erhabene.‹ Und freilich wird da, Sāriputto, Sunakkhatto, dem eitlen Mann, auch jene Ahnung der Wahrheit bei mir nicht aufgehn, derart zwar: ›Das ist der Erhabene, der auf manigfaltige Weise Machtentfaltung an sich erfahren mag: als nur einer etwa vielfach zu werden, und vielfach geworden wieder einer zu sein; oder sichtbar und unsichtbar zu werden; auch durch Mauern, Wälle, Felsen hindurchzuschweben wie durch die Luft; oder auf der Erde auf- und unterzutauchen wie im Wasser; auch auf dem Wasser zu wandeln ohne unterzusinken wie auf der Erde; oder auch durch die Luft sitzend dahinzufahren wie der Vogel mit seinen Fittichen; auch etwa diesen Mond und diese Sonne, die so mächtigen, so gewaltigen, mit der Hand zu befühlen und zu berühren; etwa gar bis zu den Brahmawelten den Körper in seiner Gewalt zu haben.‹ Und freilich wird da, Sāriputto, Sunakkhatto, dem eitlen Mann, auch jene Ahnung der Wahrheit bei mir nicht aufgehn, derart zwar: ›Das ist der Erhabene, der mit dem himmlischen Gehör, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, beide Arten der Töne hört, die himmlischen und die irdischen, die fernen und die nahen.‹ Und freilich wird da, Sāriputto, Sunakkhatto, dem eitlen Mann, auch jene Ahnung der Wahrheit bei mir nicht aufgehn, derart zwar: ›Das ist der Erhabene, der der anderen Wesen, der anderen Personen Herz und Gemüth durchschaut und erkennt: das begehrliche Herz erkennt er als begehrlich und das begehrlose Herz als begehrlos, das gehässige Herz als gehässig und das hasslose Herz als hasslos, das irrende Herz als irrend und das irrlose Herz als irrlos, das gesammelte Herz als gesammelt und das zerstreute Herz als zerstreut, das hochstrebende Herz als hochstrebend und das niedrig gesinnte Herz als niedrig gesinnt, das edle Herz als edel und das gemeine Herz als gemein, das beruhigte Herz als beruhigt und das ruhelose Herz als ruhelos, das erlöste Herz erkennt er als erlöst und das gefesselte Herz als gefesselt.‹
»Zehn Tugenden sind es, Sāriputto, die dem Vollendeten taugen, die dem Vollendeten eignen, um das Auffallende zu verstehn, um unter den Leuten den Löwenruf erschallen zu lassen, um das Reich der Heiligkeit zu begründen: welche zehn? Da versteht, Sāriputto, der Vollendete das Aechte als ächt und das Falsche als falsch der Wahrheit gemäß. Was da, Sāriputto, der Vollendete Aechtes als ächt und Falsches als falsch der Wahrheit gemäß versteht, das eben, Sāriputto, taugt dem Vollendeten als Tugend, {70} eignet dem Vollendeten als Tugend, um das Auffallende zu verstehn, um unter den Leuten den Löwenruf erschallen zu lassen, um das Reich der Heiligkeit zu begründen. Weiter sodann, Sāriputto, kennt der Vollendete vergangener, zukünftiger und gegenwärtiger Handlungen ächte und wirkliche Folgen der Wahrheit gemäß. Was da, Sāriputto, der Vollendete als ächte und wirkliche Folgen vergangener, zukünftiger und gegenwärtiger Handlungen der Wahrheit gemäß kennt, das eben, Sāriputto, taugt dem Vollendeten als Tugend, eignet dem Vollendeten als Tugend, um das Auffallende zu verstehn, um unter den Leuten den Löwenruf erschallen zu lassen, um das Reich der Heiligkeit zu begründen. Weiter sodann, Sāriputto, kennt der Vollendete den Pfad, der überallhin führt, der Wahrheit gemäß. Was da, Sāriputto, der Vollendete als überallhin führenden Pfad der Wahrheit gemäß kennt, das eben, Sāriputto, taugt dem Vollendeten als Tugend, eignet dem Vollendeten als Tugend, um das Auffallende zu verstehn, um unter den Leuten den Löwenruf erschallen zu lassen, um das Reich der Heiligkeit zu begründen. Weiter sodann, Sāriputto, weiß der Vollendete der Wahrheit gemäß, wie die Welt aus einzelnen Elementen, aus verschiedenen Elementen besteht. Was da, Sāriputto, der Vollendete als Bestehn der Welt aus einzelnen Elementen, aus verschiedenen Elementen der Wahrheit gemäß weiß, das eben, Sāriputto, taugt dem Vollendeten als Tugend, eignet dem Vollendeten als Tugend, um das Auffallende zu verstehn, um unter den Leuten den Löwenruf erschallen zu lassen, um das Reich der Heiligkeit zu begründen. Weiter sodann, Sāriputto, kennt der Vollendete der Wesen verschieden geartete Neigungen der Wahrheit gemäß. Was da, Sāriputto, der Vollendete als der Wesen verschieden geartete Neigungen der Wahrheit gemäß kennt, das eben, Sāriputto, taugt dem Vollendeten als Tugend, eignet dem Vollendeten als Tugend, um das Auffallende zu verstehn, um unter den Leuten den Löwenruf erschallen zu lassen, um das Reich der Heiligkeit zu begründen. Weiter sodann, Sāriputto, kennt der Vollendete das durch die Sinne gesetzte Maaß der anderen Wesen, der anderen Personen der Wahrheit gemäß. Was da, Sāriputto, der Vollendete als durch die Sinne gesetztes Maaß der anderen Wesen, der anderen Personen der Wahrheit gemäß kennt, das eben, Sāriputto, taugt dem Vollendeten als Tugend, eignet dem Vollendeten als Tugend, um das Auffallende zu verstehn, um unter den Leuten den Löwenruf erschallen zu lassen, um das Reich der Heiligkeit zu begründen. Weiter sodann, Sāriputto, kennt der Vollendete Schuld, Reinheit und Mündung der Schauenden, Abgelösten, Vertieften der Wahrheit gemäß. Was da, Sāriputto, der Vollendete als Schuld, Reinheit und Mündung der Schauenden, Abgelösten, Vertieften der Wahrheit gemäß kennt, das eben, Sāriputto, taugt dem Vollendeten als Tugend, eignet dem Vollendeten als Tugend, um das Auffallende zu verstehn, um unter den Leuten den Löwenruf erschallen zu lassen, um das Reich der Heiligkeit zu begründen. Weiter sodann, Sāriputto, erinnert sich der Vollendete an manche verschiedene frühere Daseinsform, als wie an ein Leben, dann an zwei Leben, dann an drei Leben, dann an vier Leben, dann an fünf Leben, dann an zehn Leben, dann an zwanzig Leben, dann an dreißig Leben, dann an vierzig Leben, dann an fünfzig Leben, dann an hundert Leben, dann an tausend Leben, dann an hunderttausend Leben, dann an die Zeiten während mancher Weltenentstehungen, dann an die Zeiten während mancher Weltenvergehungen, dann an die Zeiten während mancher Weltenentstehungen-Weltenvergehungen. ›Dort war ich, jenen Namen hatte ich, jener Familie gehörte ich an, das war mein Stand, das mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren, so war mein Lebensende; dort verschieden trat ich anderswo wieder ins Dasein: da war ich nun, diesen Namen hatte ich, dieser Familie gehörte ich an, dies war mein Stand, dies mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren, so war mein Lebensende; da verschieden trat ich hier wieder ins Dasein.‹ So erinnert er sich an manche verschiedene frühere Daseinsform, mit je den eigenthümlichen Merkmalen, mit je den eigenartigen Beziehungen. Was da, Sāriputto, der Vollendete als manche verschiedene frühere Daseinsform der Wahrheit gemäß wiedersieht, das eben, Sāriputto, taugt dem Vollendeten als Tugend, eignet dem Vollendeten als Tugend, um das Auffallende zu verstehn, um unter den Leuten den Löwenruf erschallen zu lassen, um das Reich der Heiligkeit zu begründen. Weiter sodann, Sāriputto, sieht der Vollendete mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, er erkennt wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren. ›Diese lieben Wesen sind freilich in Thaten dem Schlechten zugethan, in Worten dem Schlechten zugethan, in Gedanken dem Schlechten zugethan, tadeln Heiliges, achten Verkehrtes, thun Verkehrtes; bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, {71} gelangen sie auf den Abweg, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in untere Welt. Jene lieben Wesen sind aber in Thaten dem Guten zugethan, in Worten dem Guten zugethan, in Gedanken dem Guten zugethan, tadeln nicht Heiliges, achten Rechtes, thun Rechtes; bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, gelangen sie auf gute Fährte, in sälige Welt.‹ So sieht er mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, er erkennt wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren. Was da, Sāriputto, der Vollendete als Wiedererscheinen der Wesen je nach den Thaten der Wahrheit gemäß sieht, das eben, Sāriputto, taugt dem Vollendeten als Tugend, eignet dem Vollendeten als Tugend, um das Auffallende zu verstehn, um unter den Leuten den Löwenruf erschallen zu lassen, um das Reich der Heiligkeit zu begründen. Weiter sodann, Sāriputto, hat der Vollendete durch die Wahnversiegung die wahnlose Gemütherlösung, Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten sich offenbar gemacht, verwirklicht und errungen. Was da, Sāriputto, der Vollendete durch die Wahnversiegung als wahnlose Gemütherlösung, Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten sich offenbar gemacht, verwirklicht und errungen hat, das eben, Sāriputto, taugt dem Vollendeten als Tugend, eignet dem Vollendeten als Tugend, um das Auffallende zu verstehn, um unter den Leuten den Löwenruf erschallen zu lassen, um das Reich der Heiligkeit zu begründen.
»Das, Sāriputto, sind die zehn Tugenden, die dem Vollendeten taugen, die dem Vollendeten eignen, um das Auffallende zu verstehn, um unter den Leuten den Löwenruf erschallen zu lassen, um das Reich der Heiligkeit zu begründen.
»Wer nun zu mir, Sāriputto, dem also Erkennenden, also Erschauenden also spräche: ›Der Asket Gotamo besitzt nicht das überirdische reiche Heilthum der Wissensklarheit: eine grüblerisch vernagelte Lehre trägt der Asket Gotamo vor, die er selbst ersonnen und ausgedacht hat‹, und er bereute, Sāriputto, diese Rede nicht, verwürfe nicht diese Gedanken, gäbe diese Ansicht nicht auf, der möchte, wie er’s gefügt, dem Abweg verfallen. Gleichwie etwa, Sāriputto, ein Mönch, der Selbstbeherrschung, Vertiefung und Weisheit gewonnen hat, noch bei Lebzeiten zur Erkenntniss gelangen kann: so, sag’ ich, Sāriputto, mag wer diese Rede nicht bereut, diese Gedanken nicht verworfen, diese Ansicht nicht aufgegeben hat, wie er’s gefügt dem Abweg verfallen.
»Vier Arten der Zuversicht sind es, Sāriputto, die dem Vollendeten taugen, die dem Vollendeten eignen, um das Auffallende zu verstehn, um unter den Leuten den Löwenruf erschallen zu lassen, um das Reich der Heiligkeit zu begründen: welche vier? ›Vollkommen erwacht nennst du dich zwar, aber diese Dinge hast du nicht erkannt‹: dass mich da ein Asket oder ein Brāhmane, ein Gott oder ein Teufel, ein Brahmā oder irgend wer in der Welt mit Recht also abweisen könnte, {72} eine solche Möglichkeit, Sāriputto, sehe ich nicht. Und weil ich, Sāriputto, keine solche Möglichkeit kenne, bleibe ich ruhig, unverstört, zuversichtlich. — ›Wahnversiegt nennst du dich zwar, aber dieser Wahn ist nicht versiegt‹: dass mich da ein Asket oder ein Brāhmane, ein Gott oder ein Teufel, ein Brahmā oder irgend wer in der Welt mit Recht also abweisen könnte, eine solche Möglichkeit, Sāriputto, sehe ich nicht. Und weil ich, Sāriputto, keine solche Möglichkeit kenne, bleibe ich ruhig, unverstört, zuversichtlich. — ›Was du nun gar als verderblich bezeichnest, das muss nicht dem Thäter verderblich sein‹: dass mich da ein Asket oder ein Brāhmane, ein Gott oder ein Teufel, ein Brahmā oder irgend wer in der Welt mit Recht also abweisen könnte, eine solche Möglichkeit, Sāriputto, sehe ich nicht. Und weil ich, Sāriputto, keine solche Möglichkeit kenne, bleibe ich ruhig, unverstört, zuversichtlich. — ›Und trägst du gleich in gewisser Absicht deine Lehre vor, so reicht sie doch nicht dem Grübler zur gänzlichen Leidensversiegung aus‹: dass mich da ein Asket oder ein Brāhmane, ein Gott oder ein Teufel, ein Brahmā oder irgend wer in der Welt mit Recht also abweisen könnte, eine solche Möglichkeit, Sāriputto, sehe ich nicht. Und weil ich, Sāriputto, keine solche Möglichkeit kenne, bleibe ich ruhig, unverstört, zuversichtlich.
»Das, Sāriputto, sind die vier Arten der Zuversicht, die dem Vollendeten taugen, die dem Vollendeten eignen, um das Auffallende zu verstehn, um unter den Leuten den Löwenruf erschallen zu lassen, um das Reich der Heiligkeit zu begründen.
»Wer nun zu mir, Sāriputto, dem also Erkennenden, also Erschauenden also spräche: ›Der Asket Gotamo besitzt nicht das überirdische reiche Heilthum der Wissensklarheit: eine grüblerisch vernagelte Lehre trägt der Asket Gotamo vor, die er selbst ersonnen und ausgedacht hat‹, und er bereute, Sāriputto, diese Rede nicht, verwürfe nicht diese Gedanken, gäbe diese Ansicht nicht auf, der möchte, wie er’s gefügt, dem Abweg verfallen.
»Wer nun zu mir, Sāriputto, dem also Erkennenden, also Erschauenden also spräche: ›Der Asket Gotamo besitzt nicht das überirdische reiche Heilthum der Wissensklarheit: eine grüblerisch vernagelte Lehre trägt der Asket Gotamo vor, die er selbst ersonnen und ausgedacht hat‹, und er bereute, Sāriputto, diese Rede nicht, verwürfe nicht diese Gedanken, gäbe diese Ansicht nicht auf, der möchte, wie er’s gefügt, dem Abweg verfallen.
»Fünf Fährten giebt es, Sāriputto: und was für welche? Den Abweg, den thierischen Schooß, das Gespensterreich, die Menschen und die Götter. Den Abweg kenn’ ich, Sāriputto, und den abwärts führenden Pfad und den abwärts führenden Wandel, durch dessen Pflege man bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zu Verderben und Unheil gelangt, an Orte der Quaal und des Jammers: diesen Weg kenne ich. Den thierischen Schooß kenn’ ich, Sāriputto, und den zum thierischen Schooße führenden Pfad und den zum thierischen Schooße führenden Wandel, durch dessen Pflege man bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zum thierischen Schooße gelangt: auch diesen Weg kenne ich. Das Gespensterreich kenn’ ich, Sāriputto, und den zum Gespensterreich führenden Pfad und den zum Gespensterreich führenden Wandel, durch dessen Pflege man bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zum Gespensterreich gelangt: auch diesen Weg kenne ich. Die Menschen kenn’ ich, Sāriputto, und den zur Menschenwelt führenden Pfad und den zur Menschenwelt führenden Wandel, durch dessen Pflege man bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zur Menschheit gelangt: auch diesen Weg kenne ich. Die Götter kenn’ ich, Sāriputto, und den zur Götterwelt führenden Pfad und den zur Götterwelt führenden Wandel, durch dessen Pflege man bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, an Orte himmlischer Freude gelangt: auch diesen Weg kenne ich. — Und die Wahnerlöschung kenn’ ich, Sāriputto, und den zur Wahnerlöschung führenden Pfad und den zur Wahnerlöschung führenden Wandel, durch dessen Pflege man {74} nach Versiegung des Wahnes die wahnlose Gemütherlösung, Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten sich offenbar macht, verwirklicht, erringt und besitzt: auch diesen Weg kenne ich.
»Und ich durchschau’ und erkenne Herz und Gemüth eines Menschen also, Sāriputto: ›Derart handelt dieser Mensch, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte Fährte, in Verderben und Unheil gerathen wird‹; und ich seh’ ihn dann später mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts gerathen, auf schlechter Fährte, in Verderben und Unheil, einzig von schmerzlichen, stechenden, brennenden Gefühlen erfüllt. Gleichwie etwa, Sāriputto, wenn da eine Grube wäre, tiefer als Manneshöhe, voller glühender Kohlen, ohne Flammen, ohne Rauch; und es käme einer heran, vom Sonnenbrande gebraten, vom Sonnenbrande verzehrt, erschöpft, zitternd, dürstend, und schritte geraden Weges auf eben diese Grube zu; den habe ein scharfsehender Mann erblickt und spräche nun: ›Derart handelt jener liebe Mann, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er mitten in die glühenden Kohlen hineinfallen wird‹; und er sähe ihn dann später in der Kohlengrube drinnen, einzig von schmerzlichen, stechenden, brennenden Gefühlen erfüllt: ebenso nun auch, Sāriputto, durchschau’ und erkenn’ ich da Herz und Gemüth eines Menschen: ›Derart handelt dieser Mensch, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte Fährte, in Verderben und Unheil gerathen wird‹; und ich seh’ ihn dann später mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts gerathen, auf schlechter Fährte, in Verderben und Unheil, einzig von schmerzlichen, stechenden, brennenden Gefühlen erfüllt.
»Und ferner, Sāriputto, durchschau’ und erkenn’ ich Herz und Gemüth eines Menschen also: ›Derart handelt dieser Mensch, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, in thierischen Schooß gerathen wird‹; und ich seh’ ihn dann später mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Grenzen hinausreichenden, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, in thierischen Schooß gerathen, von schmerzlichen, stechenden, brennenden Gefühlen erfüllt. Gleichwie etwa, Sāriputto, wenn da eine Senkgrube wäre, tiefer als Manneshöhe, voller Unrath; und es käme einer heran, {75} vom Sonnenbrande gebraten, vom Sonnenbrande verzehrt, erschöpft, zitternd, dürstend, und schritte geraden Weges auf eben diese Senkgrube zu; den habe ein scharfsehender Mann erblickt und spräche nun: ›Derart handelt jener liebe Mann, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er mitten in den Koth hineinfallen wird‹; und er sähe ihn dann später in der Jauche drinnen, von schmerzlichen, stechenden, brennenden Gefühlen erfüllt: ebenso nun auch, Sāriputto, durchschau’ und erkenn’ ich da Herz und Gemüth eines Menschen: ›Derart handelt dieser Mensch, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, in thierischen Schooß gerathen wird‹; und ich seh’ ihn dann später mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, in thierischen Schooß gerathen, von schmerzlichen, stechenden, brennenden Gefühlen erfüllt.
»Und ich durchschau’ und erkenne Herz und Gemüth eines Menschen also, Sāriputto: ›Derart handelt dieser Mensch, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, ins Gespensterreich gerathen wird‹; und ich seh’ ihn dann später mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, ins Gespensterreich gerathen, von manchem Schmerzgefühle erfüllt. Gleichwie etwa, Sāriputto, wenn da auf schlechtem Erdreich ein Baum gewachsen wäre, mit verkümmertem Laube, spärlichem Grün, gesprengeltem Schatten; und es käme einer heran, vom Sonnenbrande gebraten, vom Sonnenbrande verzehrt, erschöpft, zitternd, dürstend, und schritte geraden Weges auf eben diesen Baum zu; den habe ein scharfsehender Mann erblickt und spräche nun: ›Derart handelt jener liebe Mann, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er gerade zu diesem Baume gelangen wird‹; und er sähe ihn dann später im Schatten dieses Baumes sitzen oder liegen, von manchem Schmerzgefühle erfüllt: ebenso nun auch, Sāriputto, durchschau’ und erkenn’ ich da Herz und Gemüth eines Menschen: ›Derart handelt dieser Mensch, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, ins Gespensterreich gerathen wird‹; und ich seh’ ihn dann später mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, ins Gespensterreich gerathen, von manchem Schmerzgefühle erfüllt.
»Und ferner, Sāriputto, durchschau’ und erkenn’ ich Herz und Gemüth eines Menschen also: ›Derart handelt dieser Mensch, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, als Mensch wiedererscheinen wird‹; und ich seh’ ihn dann später mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, als Mensch wiedererscheinen, von manchem Wohlgefühle erfüllt. Gleichwie etwa, Sāriputto, wenn da auf gutem Erdreich ein Baum gewachsen wäre, mit breitem Laubdach, dichtem Grün, tiefem Schatten; und es käme einer heran, vom Sonnenbrande gebraten, vom Sonnenbrande verzehrt, erschöpft, zitternd, dürstend, und schritte geraden Weges auf eben diesen Baum zu; den habe ein scharfsehender Mann erblickt und spräche nun: ›Derart handelt jener liebe Mann, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er gerade zu diesem Baume gelangen wird‹; und er sähe ihn dann später im Schatten dieses Baumes sitzen oder liegen, von manchem Wohlgefühle erfüllt: ebenso nun auch, Sāriputto, durchschau’ und erkenn’ ich da Herz und Gemüth eines Menschen: ›Derart handelt dieser Mensch, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, als Mensch wiedererscheinen wird‹; und ich seh’ ihn dann später mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, als Mensch wiedererscheinen, von manchem Wohlgefühle erfüllt.
{76} »Und ich durchschau’ und erkenne Herz und Gemüth eines Menschen also, Sāriputto: ›Derart handelt dieser Mensch, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, an Orte himmlischer Freude gelangen wird‹; und ich seh’ ihn dann später mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, an Orten himmlischer Freude, nur von Wohlgefühlen erfüllt. Gleichwie etwa, Sāriputto, wenn da ein Landhaus stände, mit luftiger Terrasse, zierlich gebohnt und geglättet, mit gefälligem Geländer versehn, vor den Fensterbogen duftige Matten, und ein Lager befände sich dort, aus flockigen, wollenen Decken gepolstert, mit zartesten Antilopenfellen behangen, zu beiden Seiten purpurne Kissen; und es käme einer heran, vom Sonnenbrande gebraten, vom Sonnenbrande verzehrt, erschöpft, zitternd, dürstend, und schritte geraden Weges auf eben dieses Landhaus zu; den habe ein scharfsehender Mann erblickt und spräche nun: ›Derart handelt jener liebe Mann, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er gerade zu diesem Landhaus herankommen wird‹; und er sähe ihn dann später in diesem Landhause, auf der Terrasse, auf dem Lager sitzen oder liegen, nur von Wohlgefühlen erfüllt: ebenso nun auch, Sāriputto, durchschau’ und erkenn’ ich da Herz und Gemüth eines Menschen: ›Derart handelt dieser Mensch, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, an Orte himmlischer Freude gelangen wird‹; und ich seh’ ihn dann später mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, an Orten himmlischer Freude, nur von Wohlgefühlen erfüllt.
»Und ferner, Sāriputto, durchschau’ und erkenn’ ich Herz und Gemüth eines Menschen also: ›Derart handelt dieser Mensch, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er nach Versiegung des Wahnes die wahnlose Gemütherlösung, Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten sich offenbar machen, verwirklichen und erringen wird‹; und ich seh’ ihn dann später nach Versiegung des Wahnes die wahnlose Gemütherlösung, Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten sich offenbar gemacht, verwirklicht und errungen haben, einzig von Wohlgefühlen erfüllt. Gleichwie etwa, Sāriputto, wenn da ein Lotusweiher läge, mit klarem Spiegel, mild, kühl, glitzernd, leicht zugänglich, erquickend, und nahe am Wasser tiefe Waldesgründe; und es käme einer heran, vom Sonnenbrande gebraten, vom Sonnenbrande verzehrt, erschöpft, zitternd, dürstend, und schritte geraden Weges auf eben diesen Lotusweiher zu; den habe ein scharfsehender Mann erblickt und spräche nun: ›Derart handelt jener liebe Mann, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er gerade an diesen Lotusweiher gelangen wird‹; und er sähe ihn dann später, nachdem er im See gebadet, getrunken und alle Quaal und Pein der Erschöpfung beschwichtigt hat, im Waldeshaine sitzen oder liegen, {77} einzig von Wohlgefühlen erfüllt: ebenso nun auch, Sāriputto, durchschau’ und erkenn’ ich da Herz und Gemüth eines Menschen: ›Derart handelt dieser Mensch, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er nach Versiegung des Wahnes die wahnlose Gemütherlösung, Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten sich offenbar machen, verwirklichen und erringen wird‹; und ich seh’ ihn dann später nach Versiegung des Wahnes die wahnlose Gemütherlösung, Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten sich offenbar gemacht, verwirklicht und errungen haben, einzig von Wohlgefühlen erfüllt.
»Das, Sāriputto, sind die fünf Fährten. Wer nun zu mir, Sāriputto, dem also Erkennenden, also Erschauenden also spräche: ›Der Asket Gotamo besitzt nicht das überirdische reiche Heilthum der Wissensklarheit: eine grüblerisch vernagelte Lehre trägt der Asket Gotamo vor, die er selbst ersonnen und ausgedacht hat‹, und er bereute, Sāriputto, diese Rede nicht, verwürfe nicht diese Gedanken, gäbe diese Ansicht nicht auf, der möchte, wie er’s gefügt, dem Abweg verfallen. Gleichwie etwa, Sāriputto, ein Mönch, der Selbstbeherrschung, Vertiefung und Weisheit gewonnen hat, noch bei Lebzeiten zur Erkenntniss gelangen kann: so, sag’ ich, Sāriputto, mag wer diese Rede nicht bereut, diese Gedanken nicht verworfen, diese Ansicht nicht aufgegeben hat, wie er’s gefügt dem Abweg verfallen.
»Und ferner bekenn’ ich, Sāriputto, die Zeiten der vierfach geübten Askese:
Inbrünstig bin ich gewesen, Inbrünstig wie noch kein andrer; Rauhsinnig bin ich gewesen, Rauhsinnig wie noch kein andrer; Wehmüthig bin ich gewesen, Wehmüthig wie noch kein andrer; Abgelöst bin ich gewesen, Abgelöst wie noch kein andrer.
»Und ich lebte von Kräutern und Pilzen, von wildem Reis und Korn, von Saamen und Kernen, von Pflanzenmilch und Baumharz, von Gräsern, von Kuhmist, fristete mich von Wurzeln und Früchten des Waldes, lebte von abgefallenen Früchten.
»Und ich raufte mir Haupt- und Barthaar aus, die Regel der Haar- und Bartausraufer befolgend; war ein Stetigsteher, verwarf Sitz und Lager; war ein Fersensitzer, übte die Zucht der Fersensitzer; war ein Dornenseitiger und legte mich zur Seite auf ein Dornenlager; stieg allabendlich zum dritten Mal herab ins Büßerbad. So übte ich mich gar vielfach in des Körpers inbrünstiger Schmerzensaskese. Und das, Sāriputto, ist meine Inbrunst gewesen.
»Und ich habe da, Sāriputto, also Rauhsinn gepflegt: vieljährigen Schmutz und Staub ließ ich am Körper ansammeln, bis zum herabfallen. Gleichwie etwa, Sāriputto, am Stumpfe des Ebenholzbaumes die Staubschicht sich von Jahr zu Jahr verdichtet, bis zum herabfallen: ebenso nun auch, Sāriputto, hatte sich an meinem Körper vieljähriger Schmutz und Staub angesammelt, bis zum herabfallen. Und es kam mir da, Sāriputto, kein solcher Gedanke: ›Ach könnte ich mich doch endlich von diesem Staub und Schmutze säubern, oder möchten es andere thun!‹ Ein solcher Gedanke, Sāriputto, kam mir nicht. Und das, Sāriputto, ist mein Rauhsinn gewesen.
»Und ich habe da, Sāriputto, also Wehmuth gehegt: jeder meiner Schritte, Sāriputto, war von klarem Bewusstsein geleitet, von klarem Bewusstsein gelenkt, und selbst ein Tropfen Wassers erregte in mir das Mitleid: ›O dass ich den kleinen verirrten Wesen ja nicht Schaden zufüge!‹ Und das, Sāriputto, ist meine Wehmuth gewesen.
»Und ich habe da, Sāriputto, also Ablösung gelernt: {79} ich ging in irgend einen Wald hinein und verweilte dort; bemerkt’ ich aber einen Rinderhirten oder Viehtreiber, einen Kräutersucher oder Reisigsammler oder einen Holzknecht, so floh ich von Forst zu Forst, von Hain zu Hain, von Thal zu Thal, von Berg zu Berg: und warum das? Jene sollten mich nicht sehn, und ich mochte sie nicht sehn. Gleichwie etwa, Sāriputto, ein Wild des Waldes, wenn es Menschen gesehn hat, von Forst zu Forst, von Hain zu Hain, von Thal zu Thal, von Berg zu Berg flieht: ebenso nun, Sāriputto, floh auch ich, wenn ich da einen Rinderhirten oder Viehtreiber, einen Kräutersucher oder Reisigsammler oder einen Holzknecht bemerkt hatte, von Forst zu Forst, von Hain zu Hain, von Thal zu Thal, von Berg zu Berg: und warum das? Jene sollten mich nicht sehn, und ich mochte sie nicht sehn. Und das, Sāriputto, ist meine Ablösung gewesen.
»Und ich ging dann, Sāriputto, wenn die Knechte fort waren, zu den Hürden hinab, zu den angebundenen Kühen, und sammelte in meinem irdenen Topfe Mist von den jungen, säugenden Kälbern und lebte davon. Und was da, Sāriputto, als mein eigener Koth und Harn unverdaut blieb, auch das nahm ich ein. Und das, Sāriputto, ist mein großer Hefekelch gewesen.
»Und ich habe mich dann, Sāriputto, in einen anderen, in grauenvollen Wald begeben, dort zu verweilen. In jener grässlichen Wildniss, Sāriputto, herrschte solches Entsetzen, dass jedem ungeheiligten Wanderer alsbald die Haare sich sträubten. Und während der kalten, eisigen Nächte im Winter, zur Zeit des Frostes, hielt ich mich nachts in einer Lichtung auf und tags im Dickicht; und im Sommer, zur Zeit der Hitze, hielt ich mich tags in einer Lichtung auf und nachts im Dickicht. Und es leuchtete mir, Sāriputto, dieser naturgemäße Spruch auf, der nie zuvor gehörte:
›Im Sommerbrand, im Wintersturm Allein im wilden Schreckensforst Sinnt ohne Feuer, ohne Herd Ein nackter Dulder selbstvertieft.‹
»Und ich wanderte, Sāriputto, zu einer Leichenstätte hin und lagerte mich auf einem Haufen fauler Gebeine. Und da kamen, Sāriputto, Hirtenkinder herbei, spieen auf mich und benässten mich und bewarfen mich mit Unrath und fuhren mir mit spitzigen Halmen in die Ohren. Doch erinnere ich mich nicht, Sāriputto, dass mir ein böser Gedanke gegen sie aufgestiegen wäre. Und das, Sāriputto, ist mein Gleichmuth gewesen.
{80} »Manche Asketen und Brāhmanen, Sāriputto, sagen und lehren: ›Die Nahrung läutert.‹ Und sie ermahnen: ›Lasst uns von Steinäpfeln leben.‹ Und sie verzehren Steinäpfel, essen Steinäpfelmus, trinken Steinäpfelsaft, genießen allerlei Gerichte aus Steinäpfeln. Ich erinnere mich, Sāriputto, nur einen Steinapfel als tägliche Nahrung genossen zu haben. Nun möchtest du wohl, Sāriputto, meinen, es habe damals auch größere Steinäpfel gegeben. Doch wäre eine solche Meinung, Sāriputto, unrichtig: auch damals wurden Steinäpfel nur ebenso groß wie heute. Und indem ich, Sāriputto, nur einen Steinapfel als tägliche Nahrung zu mir nahm wurde mein Körper außerordentlich mager.
»Und auch dieser Pfad, diese Zucht, diese harte Askese, Sāriputto, brachte mich dem überirdischen, reichen Heilthum der Wissensklarheit nicht näher: und warum nicht? Weil ich eben jene heilige Weisheit nicht errungen hatte, jene heilige Weisheit, deren Errungenschaft sich als heilige Weihe erweist, dem Grübler zur gänzlichen Leidensversiegung.
»Manche Asketen und Brāhmanen, Sāriputto, sagen und lehren: ›Der Kreislauf läutert.‹ Doch ist der Kreislauf, Sāriputto, {82} durchaus kein leichter, den ich auf dieser langen Fahrt nirgends gefunden habe als etwa bei den Reinen Göttern. Und sollt’ ich auch, Sāriputto, nur unter Reinen Göttern kreisen: ich mag in diese Welt nicht wiederkehren.
»Manche Asketen und Brāhmanen, Sāriputto, sagen und lehren: ›Die Geburt läutert.‹ Doch ist die Geburt, Sāriputto, durchaus keine leichte, die ich auf dieser langen Fahrt nirgends gefunden habe als etwa bei den Reinen Göttern. Und sollt’ ich auch, Sāriputto, nur unter Reinen Göttern geboren werden: ich mag in diese Welt nicht wiederkehren.
»Manche Asketen und Brāhmanen, Sāriputto, sagen und lehren: ›Das Leben läutert.‹ Doch ist das Leben, Sāriputto, durchaus kein leichtes, das ich auf dieser langen Fahrt nirgends gefunden habe als etwa bei den Reinen Göttern. Und sollt’ ich auch, Sāriputto, nur unter Reinen Göttern leben: ich mag in diese Welt nicht wiederkehren.
»Manche Asketen und Brāhmanen, Sāriputto, sagen und lehren: ›Die Spende läutert.‹ Doch ist die Spende, Sāriputto, durchaus keine leichte, die ich auf dieser langen Fahrt nicht geben konnte, es sei denn als gesalbter Kriegerkönig oder als mächtiger Brāhmane.
»Manche Asketen und Brāhmanen, Sāriputto, sagen und lehren: ›Das Feueropfer läutert.‹ Doch ist das Feueropfer, Sāriputto, durchaus kein leichtes, das ich auf dieser langen Fahrt nicht darbringen konnte, es sei denn als gesalbter Kriegerkönig oder als mächtiger Brāhmane.
»Manche Asketen und Brāhmanen, Sāriputto, sagen und lehren: ›Solange dieser liebe Mann da frisch und kräftig ist, glänzend dunkelhaarig, im Genusse der glücklichen Jugend, im ersten Mannesalter, solange besitzt er auch die höchsten Geisteskräfte. Ist aber dieser liebe Mann alt und greis geworden, hochbetagt, dem Ende nahe, ausgelebt, ein Achtziger oder Neunziger oder Hundertjähriger, dann schwinden ihm jene Geisteskräfte.‹ Doch ist das, Sāriputto, nicht schlechthin gültig. Ich bin ja, Sāriputto, jetzt alt geworden und greis und hochbetagt, dem Ende nahe, ausgelebt, stehe im achtzigsten Jahre. Gesetzt aber, Sāriputto, ich hätte da vier Jünger, die hundert Jahre alt würden, hundert Jahre lebten, höchst innig, tugendhaft und stark, mit den höchsten Geisteskräften begabt. Gleichwie etwa, Sāriputto, ein sehniger Bogenschütze, wohl geschult, geübt und erprobt, einen leichten Pfeil mit geringer Mühe über den Schatten einer Palme hinausschießen könnte: ebenso wären diese gar sehr innig, {83} tugendhaft und stark und mit den höchsten Geisteskräften begabt. Und sie stellten mir Frage auf Frage, von den Vier Pfeilern der Einsicht an, und ich gäbe ihnen Erklärung auf Erklärung, und sie bewahrten was ich erklärt hätte als erklärt und fragten mich keine Frage zum zweiten Mal, nur rastend beim Essen und Trinken, Kauen und Schlürfen, beim Entleeren von Koth und Harn und während der Pausen des Schlafes und der Müdigkeit. Unausgeführt bliebe da wohl, Sāriputto, des Vollendeten Zeugniss der Wahrheit, unausgeführt bliebe da wohl des Vollendeten Zeichnung des Wahrheitpfades, unausgeführt bliebe da wohl des Vollendeten Klärung der Fragen: denn jene vier Jünger, die hundert Jahre alt geworden wären, hundert Jahre gelebt hätten, stürben mir dann weg. Und wenn ihr mich auf dem Bette herbeitragen werdet, Sāriputto: die Geisteskraft des Vollendeten wird unverändert sein.
»Wer nun, Sāriputto, mit Recht von einem Manne sagen kann: ›Ein wahnloses Wesen ist in der Welt erschienen, vielen zum Wohle, vielen zum Heile, aus Erbarmen zur Welt, zum Nutzen, Wohle und Heile für Götter und Menschen‹, der kann eben von mir mit Recht sagen: ›Ein wahnloses Wesen ist in der Welt erschienen, vielen zum Wohle, vielen zum Heile, aus Erbarmen zur Welt, zum Nutzen, Wohle und Heile für Götter und Menschen.‹«
Während dieser Zeit nun hatte der ehrwürdige Nāgasamālo hinter dem Erhabenen gestanden und dem Erhabenen Kühlung gefächelt. Da wandte sich der ehrwürdige Nāgasamālo an den Erhabenen und sprach:
»Wunderbar ist es, o Herr, außerordentlich: denn während ich da, o Herr, dieser Darlegung lauschte, haben sich mir die Haare gesträubt. Wie soll, o Herr, diese Rede heißen?«
»Wohlan denn, Nāgasamālo, so bewahre sie unter dem Namen der Rede des Haarsträubens.«
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige Nāgasamālo über das Wort des Erhabenen.
13.
Zweiter Theil
Dritte Rede
DIE LEIDENSVERKETTUNG – I –
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Da nun begaben sich viele Mönche, zeitig gerüstet, {84} mit Mantel und Schaale versehn, auf den Weg zur Stadt, um Almosenspeise. Aber jene Mönche überlegten alsbald: ›Zu früh ist’s noch, in die Stadt um Almosenspeise zu gehn; wie, wenn wir jetzt den Garten der andersfährtigen Pilger aufsuchten?‹ Und jene Mönche begaben sich zum Garten der andersfährtigen Pilger, wechselten höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit ihnen und setzten sich seitwärts hin. Hierauf wandten sich die andersfährtigen Pilger an die Mönche und sprachen:
»Der Asket Gotamo, Brüder, untersucht das Begehren von Grund aus, auch wir untersuchen das Begehren von Grund aus; der Asket Gotamo, Brüder, untersucht das Körperliche von Grund aus, auch wir untersuchen das Körperliche von Grund aus; der Asket Gotamo, Brüder, untersucht das Gefühl von Grund aus, auch wir untersuchen das Gefühl von Grund aus: was für eine Beschränkung, ihr Brüder, was für Eigenart und Verschiedenheit besteht da wohl zwischen dem Asketen Gotamo und uns, sei es nun in Beziehung auf Vortrag oder Gebot?«
Doch die Mönche wurden durch diese Worte der andersfährtigen Pilger weder befriedigt noch verstimmt; ohne Befriedigung, ohne Verstimmung erhoben sie sich und gingen fort:
»Beim Erhabenen werden wir den Sinn dieser Worte verstehn.«
Und sie wanderten nach Sāvatthī, traten von Haus zu Haus um Almosenspeise, kehrten zurück, nahmen ihr Mahl ein und begaben sich alsdann zum Erhabenen. Dort angelangt begrüßten sie den Erhabenen ehrerbietig und setzten sich seitwärts hin. Seitwärts sitzend sprachen nun jene Mönche zum Erhabenen also:
»Wir waren da heute früh, o Herr, mit Mantel und Schaale versehn, nach Sāvatthī aufgebrochen, um Almosenspeise. Da kam uns, o Herr, der Gedanke: ›Es ist noch zu zeitig, in die Stadt um Almosenspeise zu gehn; lasst uns einstweilen den Garten der andersfährtigen Pilger aufsuchen.‹ Und wir begaben uns, o Herr, in den Garten der andersfährtigen Pilger, wechselten höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit ihnen und setzten uns seitwärts hin. Hierauf wandten sich die andersfährtigen Pilger, o Herr, mit folgender Rede an uns: ›Der Asket Gotamo, Brüder, untersucht das Begehren von Grund aus, auch wir untersuchen das Begehren von Grund aus; der Asket Gotamo, Brüder, untersucht das Körperliche von Grund aus, {85} auch wir untersuchen das Körperliche von Grund aus; der Asket Gotamo, Brüder, untersucht das Gefühl von Grund aus, auch wir untersuchen das Gefühl von Grund aus: was für eine Beschränkung, ihr Brüder, was für Eigenart und Verschiedenheit besteht da wohl zwischen dem Asketen Gotamo und uns, sei es nun in Beziehung auf Vortrag oder Gebot?‹ Diese Worte der andersfährtigen Pilger, o Herr, befriedigten uns nicht und verstimmten uns nicht; ohne Befriedigung, ohne Verstimmung erhoben wir uns und gingen fort: ›Beim Erhabenen werden wir den Sinn dieser Worte verstehn.‹«
»Was ist nun, ihr Mönche, Elend des Begehrens? Da erwirbt sich, ihr Mönche, ein Sohn des Hauses seinen Unterhalt durch ein Amt, sei es als Schreiber oder als Rechner oder Verwalter, als Landwirt oder als Kaufmann oder als Heerdenzüchter, als Soldat oder Minister des Königs, oder durch irgend einen anderen Dienst, ist der Hitze ausgesetzt, ist der Kälte ausgesetzt, muss Sonne und Wind Trotz bieten, sich mit Mücken, Wespen und Kriechthieren herumschlagen, wird von Hunger und Durst aufgerieben. Das aber, Mönche, ist Elend des Begehrens, ist die offenbare Leidensverkettung, durch Begehren entstanden, durch Begehren gefügt, durch Begehren erhalten, durch Begehren schlechthin bedingt.
»Wenn diesem Sohne des Hauses, ihr Mönche, der sich also abmüht, plagt und quält, Reichthum erblüht, so nagt ihn sorgende Pein um die Erhaltung dieses Reichthums: ›Dass mir meine Güter nur nicht von Königen eingezogen, oder von Räubern geplündert, oder vom Feuer verzehrt, oder vom Wasser weggespült, oder von feindlichen Verwandten entrissen werden!‹ Und indem er seine Güter wahrt und schützt werden sie ihm von Königen eingezogen, oder von Räubern geplündert, oder vom Feuer verzehrt, oder vom Wasser weggespült, oder von feindlichen Verwandten entrissen. Da wird er bekümmert und schwermüthig, klagt, schlägt sich stöhnend die Brust, geräth in Verzweiflung: ›Meinen Besitz, den haben wir nicht mehr!‹ Das aber, Mönche, ist Elend des Begehrens, ist die offenbare Leidensverkettung, durch Begehren entstanden, durch Begehren gefügt, durch Begehren erhalten, durch Begehren schlechthin bedingt.
»Weiter sodann, ihr Mönche: von Begehren getrieben, von Begehren gereizt, von Begehren bewogen, eben nur aus eitel Begehren streiten Könige mit Königen, Fürsten mit Fürsten, Priester mit Priestern, Bürger mit Bürgern, streitet die Mutter mit dem Sohne, der Sohn mit der Mutter, der Vater mit dem Sohne, der Sohn mit dem Vater, streitet Bruder mit Bruder, Bruder mit Schwester, Schwester mit Bruder, Freund mit Freund. Also in Zwist, Zank und Streit gerathen gehn sie mit Fäusten aufeinander los, mit Steinen, Stöcken und Schwerdtern. Und so eilen sie dem Tode entgegen oder tödtlichem Schmerze. Das aber, Mönche, ist Elend des Begehrens, ist die offenbare Leidensverkettung, durch Begehren entstanden, durch Begehren gefügt, durch Begehren erhalten, durch Begehren schlechthin bedingt.
»Weiter sodann, ihr Mönche: von Begehren getrieben, von Begehren gereizt, von Begehren bewogen, eben nur aus eitel Begehren stürzen sie sich, Schild und Schwerdt in den Händen, gegürtet mit Köcher und Bogen, von beiden Seiten der Schlachtordnung in den Kampf, und die Pfeile schwirren und die Speere sausen und die Schwerdter blitzen. Und sie durchbohren sich mit Pfeilen, durchbohren sich mit Speeren, spalten sich mit den Schwerdtern die Köpfe. Und so eilen sie dem Tode entgegen oder tödtlichem Schmerze. Das aber, Mönche, ist Elend des Begehrens, ist die offenbare Leidensverkettung, durch Begehren entstanden, durch Begehren gefügt, durch Begehren erhalten, durch Begehren schlechthin bedingt.
»Weiter sodann, ihr Mönche: von Begehren getrieben, von Begehren gereizt, von Begehren bewogen, eben nur aus eitel Begehren stürzen sie sich, Schild und Schwerdt in den Händen, gegürtet mit Köcher und Bogen, auf die schlüpfrig getünchten Wälle, und die Pfeile schwirren und die Speere sausen und die Schwerdter blitzen. {87} Und sie durchbohren sich mit Pfeilen, durchbohren sich mit Speeren, schütten glühenden Sand herunter, schleudern zerschmetternde Blöcke herab, spalten sich mit den Schwerdtern die Köpfe. Und so eilen sie dem Tode entgegen oder tödtlichem Schmerze. Das aber, Mönche, ist Elend des Begehrens, ist die offenbare Leidensverkettung, durch Begehren entstanden, durch Begehren gefügt, durch Begehren erhalten, durch Begehren schlechthin bedingt.
»Weiter sodann, ihr Mönche: von Begehren getrieben, von Begehren gereizt, von Begehren bewogen, eben nur aus eitel Begehren wandeln sie in Thaten den Weg des Unrechts, wandeln sie in Worten den Weg des Unrechts, wandeln sie in Gedanken den Weg des Unrechts. Und in Thaten auf dem Wege des Unrechts, in Worten auf dem Wege des Unrechts, in Gedanken auf dem Wege des Unrechts gelangen sie bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte Fährte, in Verderben und Unheil. Das aber, Mönche, ist Elend des Begehrens, ist die verborgene Leidensverkettung, durch Begehren entstanden, durch Begehren gefügt, durch Begehren erhalten, durch Begehren schlechthin bedingt.
»Dass aber Asketen oder Priester, ihr Mönche, die nicht also der Wahrheit gemäß des Begehrens Labsal als Labsal, Elend als Elend, Ueberwindung als Ueberwindung erkennen, vielleicht selbst das Begehren verstehn oder einen anderen dazu bringen werden, durch ihre Belehrung zum Verständnisse des Begehrens zu gelangen: das ist unmöglich. Dass nun aber Asketen oder Priester, ihr Mönche, die also der Wahrheit gemäß des Begehrens Labsal als Labsal, Elend als Elend, {88} Ueberwindung als Ueberwindung erkennen, vielleicht selbst das Begehren verstehn oder einen anderen dazu bringen werden, durch ihre Belehrung zum Verständnisse des Begehrens zu gelangen: das ist möglich.
»Freilich, o Herr!«
»Was da Wohl und Erwünschtes schimmernder Schönheit gemäß geht ist Labsal des Körperlichen.
»Freilich, o Herr!«
»Das aber, Mönche, ist Elend des Körperlichen. Weiter sodann, ihr Mönche: man sehe nur diese Schwester unwohl, leidend, schwerkrank, mit Koth und Harn beschmutzt daliegen, von anderen gehoben, von anderen bedient: was meint ihr wohl, Mönche? Ist, was einst schimmernde Schönheit war, verschwunden und Elend ruchbar geworden?«
»Freilich, o Herr!«
»Das aber, Mönche, ist Elend des Körperlichen. Weiter sodann, ihr Mönche: man sehe nur diese Schwester, den Leib auf der Leichenstätte, einen Tag oder zwei Tage oder drei Tage nach dem Verscheiden, aufgedunsen, blauschwarz gefärbt, in Fäulniss übergegangen: was meint ihr wohl, Mönche? Ist, was einst schimmernde Schönheit war, verschwunden und Elend ruchbar geworden?«
»Freilich, o Herr!«
»Das aber, Mönche, ist Elend des Körperlichen. Weiter sodann, ihr Mönche: man sehe nur diese Schwester, den Leib auf der Leichenstätte, von Krähen oder Raben oder Geiern zerfressen, von Hunden oder Schackalen zerfleischt, oder von vielerlei Würmern zernagt: was meint ihr wohl, Mönche? {89} Ist, was einst schimmernde Schönheit war, verschwunden und Elend ruchbar geworden?«
»Freilich, o Herr!«
»Das aber, Mönche, ist Elend des Körperlichen. Weiter sodann, ihr Mönche: man sehe nur diese Schwester, den Leib auf der Leichenstätte, das Knochengerippe, fleischbehangen, blutbesudelt, von den Sehnen zusammengehalten; das Knochengerippe, fleischentblößt, blutbefleckt, von den Sehnen zusammengehalten; das Knochengerippe, ohne Fleisch, ohne Blut, von den Sehnen zusammengehalten; die Gebeine, ohne die Sehnen, hierher und dorthin verstreut, da ein Handknochen, dort ein Fußknochen, da ein Schienbein, dort ein Schenkel, da das Becken, dort Wirbel, da der Schädel: was meint ihr wohl, Mönche? Ist, was einst schimmernde Schönheit war, verschwunden und Elend ruchbar geworden?«
»Freilich, o Herr!«
»Das aber, Mönche, ist Elend des Körperlichen. Weiter sodann, ihr Mönche: man sehe nur diese Schwester, den Leib auf der Leichenstätte, die Gebeine, bleich, muschelfarben anzusehn; die Gebeine, zuhauf geschichtet, nach Verlauf eines Jahres; die Gebeine, verwest, in Staub zerfallen: was meint ihr wohl, Mönche? Ist, was einst schimmernde Schönheit war, verschwunden und Elend ruchbar geworden?«
»Freilich, o Herr!«
»Das aber, Mönche, ist Elend des Körperlichen.
»Und was, ihr Mönche, ist des Körperlichen Ueberwindung? Was beim Körperlichen, ihr Mönche, Verneinung des Willensreizes ist, Verleugnung des Willensreizes, ist des Körperlichen Ueberwindung.
»Dass aber Asketen oder Priester, ihr Mönche, die nicht also der Wahrheit gemäß des Körperlichen Labsal als Labsal, Elend als Elend, Ueberwindung als Ueberwindung erkennen, vielleicht selbst das Körperliche verstehn oder einen anderen dazu bringen werden, durch ihre Belehrung zum Verständnisse des Körperlichen zu gelangen: das ist unmöglich. Dass nun aber Asketen oder Priester, ihr Mönche, die also der Wahrheit gemäß des Körperlichen Labsal als Labsal, Elend als Elend, Ueberwindung als Ueberwindung erkennen, vielleicht selbst das Körperliche verstehn oder einen anderen dazu bringen werden, durch ihre Belehrung zum Verständnisse des Körperlichen zu gelangen: das ist möglich.
»Was ist nun, ihr Mönche, Labsal der Gefühle? Da erwirkt, ihr Mönche, ein Mönch, gar fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen, in sinnend gedenkender ruhegeborener säliger Heiterkeit die Weihe der ersten Schauung. Zu einer Zeit, ihr Mönche, wo der Mönch die Weihe der ersten Schauung erwirkt hat, zu einer solchen Zeit ist er weder von sich abhängig noch von anderen, weder von sich noch von anderen abhängig empfindet er zu dieser Zeit nur ein Gefühl der Unabhängigkeit. {90} Unabhängigkeit, sag’ ich, ihr Mönche, ist höchstes Labsal der Gefühle.
»Weiter sodann, ihr Mönche: nach Vollendung des Sinnens und Gedenkens erwirkt ein Mönch die innere Meeresstille, die Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie, in der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten Schauung. Zu einer Zeit, ihr Mönche, wo der Mönch die Weihe der zweiten Schauung erwirkt hat, zu einer solchen Zeit ist er weder von sich abhängig noch von anderen, weder von sich noch von anderen abhängig empfindet er zu dieser Zeit nur ein Gefühl der Unabhängigkeit. Unabhängigkeit, sag’ ich, ihr Mönche, ist höchstes Labsal der Gefühle.
»Weiter sodann, ihr Mönche: in heiterer Ruhe verweilt ein Mönch gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück empfindet er im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig Einsichtige lebt beglückt‹: so erwirkt er die Weihe der dritten Schauung. Zu einer Zeit, ihr Mönche, wo der Mönch die Weihe der dritten Schauung erwirkt hat, zu einer solchen Zeit ist er weder von sich abhängig noch von anderen, weder von sich noch von anderen abhängig empfindet er zu dieser Zeit nur ein Gefühl der Unabhängigkeit. Unabhängigkeit, sag’ ich, ihr Mönche, ist höchstes Labsal der Gefühle.
»Weiter sodann, ihr Mönche: nach Verwerfung der Freuden und Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns erwirkt ein Mönch die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte Schauung. Zu einer Zeit, ihr Mönche, wo der Mönch die Weihe der vierten Schauung erwirkt hat, zu einer solchen Zeit ist er weder von sich abhängig noch von anderen, weder von sich noch von anderen abhängig empfindet er zu dieser Zeit nur ein Gefühl der Unabhängigkeit. Unabhängigkeit, sag’ ich, ihr Mönche, ist höchstes Labsal der Gefühle.
»Was ist nun, ihr Mönche, Elend der Gefühle? Was vergängliches, schmerzliches, wechselndes Gefühl ist, ihr Mönche, das ist Elend der Gefühle.
»Und was, ihr Mönche, ist der Gefühle Ueberwindung? Was bei den Gefühlen, ihr Mönche, Verneinung des Willensreizes ist, Verleugnung des Willensreizes, ist der Gefühle Ueberwindung.
»Dass aber Asketen oder Priester, ihr Mönche, die nicht also der Wahrheit gemäß der Gefühle Labsal als Labsal, Elend als Elend, Ueberwindung als Ueberwindung erkennen, vielleicht selbst die Gefühle verstehn oder einen anderen dazu bringen werden, durch ihre Belehrung zum Verständnisse der Gefühle zu gelangen: das ist unmöglich. Dass nun aber Asketen oder Priester, ihr Mönche, die also der Wahrheit gemäß der Gefühle Labsal als Labsal, Elend als Elend, Ueberwindung als Ueberwindung erkennen, vielleicht selbst die Gefühle verstehn oder einen anderen dazu bringen werden, durch ihre Belehrung zum Verständnisse der Gefühle zu gelangen: das ist möglich.«
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.
14.
Zweiter Theil
Vierte Rede
DIE LEIDENSVERKETTUNG – II –
{91} Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene im Lande der Sakker, bei Kapilavatthu, im Park der Feigenbäume. Da nun begab sich ein Sakkerfürst, Mahānāmo, dorthin wo der Erhabene weilte, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend sprach nun Mahānāmo, der Sakker, zum Erhabenen also:
»Lange Zeit schon, o Herr, scheint mir die Lehre des Erhabenen folgende zu sein: ›Gier ist Herzenstrübung, Hass ist Herzenstrübung, Irre ist Herzenstrübung.‹ So kenne ich zwar, o Herr, die Lehre des Erhabenen von der Gier als Herzenstrübung, vom Hasse als Herzenstrübung, von der Irre als Herzenstrübung, trotzdem aber lässt sich mein Herz zuweilen von Regungen der Gier beeinflussen, von Regungen des Hasses beeinflussen, von Regungen der Irre beeinflussen. Da frag’ ich mich nun, o Herr: was für ein Ding haust wohl noch in mir, dass sich mein Herz zuweilen von Regungen der Gier, von Regungen des Hasses, von Regungen der Irre beeinflussen lässt?«
»Eben das Ding, Mahānāmo, haust noch in dir, dass sich dein Herz zuweilen von Regungen der Gier, von Regungen des Hasses, von Regungen der Irre beeinflussen lässt. Denn würde, Mahānāmo, dieses Ding nicht mehr in dir hausen, so wolltest du nicht in der Familie bleiben, keine Begierden genießen. Weil nun aber, Mahānāmo, eben dieses Ding noch in dir haust, desshalb bleibst du in der Familie, genießest Begierden.
{92} »Auch ich, Mahānāmo, hatte schon vor der vollen Erwachung, als unvollkommen Erwachter, Erwachung erst Erringender den Satz ›Unbefriedigend sind die Begierden, voller Leiden, voller Quaalen, das Elend überwiegt‹ der Wahrheit gemäß mit vollkommener Weisheit erkannt, doch außer den Begierden, außer dem Schlechten fand ich keine Glücksäligkeit und nichts Besseres, und so gewahrte ich denn, dass ich eben immer noch um die Begierden herumtanzte. Sobald ich aber, Mahānāmo, den Satz ›Unbefriedigend sind die Begierden, voller Leiden, voller Quaalen, das Elend überwiegt‹ der Wahrheit gemäß mit vollkommener Weisheit erkannt und außer den Begierden, außer dem Schlechten Glücksäligkeit gefunden hatte und Besseres, da gewahrte ich, dass ich nicht mehr um die Begierden herumtanzte.
»Was ist nun, Mahānāmo, Befriedigung des Begehrens? Fünf Begehrungen giebt es, Mahānāmo, und welche fünf? Die durch das Gesicht ins Bewusstsein tretenden Formen, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch das Gehör ins Bewusstsein tretenden Töne, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch den Geruch ins Bewusstsein tretenden Düfte, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch den Geschmack ins Bewusstsein tretenden Säfte, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch das Getast ins Bewusstsein tretenden Tastungen, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden. Das sind, Mahānāmo, die fünf Begehrungen. Was da Wohl und Erwünschtes diesen fünf Begehrungen gemäß geht ist Befriedigung des Begehrens.
»Was ist nun, Mahānāmo, Elend des Begehrens? Da erwirbt sich, Mahānāmo, ein Sohn des Hauses seinen Unterhalt durch ein Amt, sei es als Schreiber oder als Rechner oder Verwalter, als Landwirt oder als Kaufmann oder als Heerdenzüchter, als Soldat oder Minister des Königs, oder durch irgend einen anderen Dienst, ist der Hitze ausgesetzt, ist der Kälte ausgesetzt, muss Sonne und Wind Trotz bieten, sich mit Mücken, Wespen und Kriechthieren herumschlagen, wird von Hunger und Durst aufgerieben. Das aber, Mahānāmo, ist Elend des Begehrens, ist die offenbare Leidensverkettung, durch Begehren entstanden, durch Begehren gefügt, durch Begehren erhalten, durch Begehren schlechthin bedingt.
{86} »Wenn diesem Sohne des Hauses, Mahānāmo, der sich also abmüht, plagt und quält, kein Reichthum erblüht, so wird er bekümmert und schwermüthig, klagt, schlägt sich stöhnend die Brust, geräth in Verzweiflung: ›Vergeblich, ach, ist mein Streben, meine Mühe hat keinen Zweck!‹ Das aber, Mahānāmo, ist Elend des Begehrens, ist die offenbare Leidensverkettung, durch Begehren entstanden, durch Begehren gefügt, durch Begehren erhalten, durch Begehren schlechthin bedingt.
»Wenn diesem Sohne des Hauses, Mahānāmo, der sich also abmüht, plagt und quält, Reichthum erblüht, so nagt ihn sorgende Pein um die Erhaltung dieses Reichthums: ›Dass mir meine Güter nur nicht von Königen eingezogen, oder von Räubern geplündert, oder vom Feuer verzehrt, oder vom Wasser weggespült, oder von feindlichen Verwandten entrissen werden!‹ Und indem er seine Güter wahrt und schützt werden sie ihm von Königen eingezogen, oder von Räubern geplündert, oder vom Feuer verzehrt, oder vom Wasser weggespült, oder von feindlichen Verwandten entrissen. Da wird er bekümmert und schwermüthig, klagt, schlägt sich stöhnend die Brust, geräth in Verzweiflung: ›Meinen Besitz, den haben wir nicht mehr!‹ Das aber, Mahānāmo, ist Elend des Begehrens, ist die offenbare Leidensverkettung, durch Begehren entstanden, durch Begehren gefügt, durch Begehren erhalten, durch Begehren schlechthin bedingt.
»Weiter sodann, Mahānāmo: von Begehren getrieben, von Begehren gereizt, von Begehren bewogen, eben nur aus eitel Begehren streiten Könige mit Königen, Fürsten mit Fürsten, Priester mit Priestern, Bürger mit Bürgern, streitet die Mutter mit dem Sohne, der Sohn mit der Mutter, der Vater mit dem Sohne, der Sohn mit dem Vater, streitet Bruder mit Bruder, Bruder mit Schwester, Schwester mit Bruder, Freund mit Freund. Also in Zwist, Zank und Streit gerathen gehn sie mit Fäusten aufeinander los, mit Steinen, Stöcken und Schwerdtern. Und so eilen sie dem Tode entgegen oder tödtlichem Schmerze. Das aber, Mahānāmo, ist Elend des Begehrens, ist die offenbare Leidensverkettung, durch Begehren entstanden, durch Begehren gefügt, durch Begehren erhalten, durch Begehren schlechthin bedingt.
»Weiter sodann, Mahānāmo: von Begehren getrieben, von Begehren gereizt, von Begehren bewogen, eben nur aus eitel Begehren stürzen sie sich, Schild und Schwerdt in den Händen, gegürtet mit Köcher und Bogen, von beiden Seiten der Schlachtordnung in den Kampf, und die Pfeile schwirren und die Speere sausen und die Schwerdter blitzen. Und sie durchbohren sich mit Pfeilen, durchbohren sich mit Speeren, spalten sich mit den Schwerdtern die Köpfe. Und so eilen sie dem Tode entgegen oder tödtlichem Schmerze. Das aber, Mahānāmo, ist Elend des Begehrens, ist die offenbare Leidensverkettung, durch Begehren entstanden, durch Begehren gefügt, durch Begehren erhalten, durch Begehren schlechthin bedingt.
»Weiter sodann, Mahānāmo: von Begehren getrieben, von Begehren gereizt, von Begehren bewogen, eben nur aus eitel Begehren stürzen sie sich, Schild und Schwerdt in den Händen, gegürtet mit Köcher und Bogen, auf die schlüpfrig getünchten Wälle, und die Pfeile schwirren {87} und die Speere sausen und die Schwerdter blitzen. Und sie durchbohren sich mit Pfeilen, durchbohren sich mit Speeren, schütten glühenden Sand herunter, schleudern zerschmetternde Blöcke herab, spalten sich mit den Schwerdtern die Köpfe. Und so eilen sie dem Tode entgegen oder tödtlichem Schmerze. Das aber, Mahānāmo, ist Elend des Begehrens, ist die offenbare Leidensverkettung, durch Begehren entstanden, durch Begehren gefügt, durch Begehren erhalten, durch Begehren schlechthin bedingt.
»Weiter sodann, Mahānāmo: von Begehren getrieben, von Begehren gereizt, von Begehren bewogen, eben nur aus eitel Begehren brechen sie Verträge, rauben fremdes Gut, stehlen, betrügen, verführen Ehefrauen. Da lassen die Könige einen solchen ergreifen und verhängen mancherlei Strafen, als wie Peitschen-, Stock- oder Ruthenhiebe; Handverstümmlung, Fußverstümmlung oder Verstümmlung der Hände und Füße; Ohrenverstümmlung, Nasenverstümmlung, Verstümmlung der Ohren und der Nase; den Breikessel, die Muschelrasur, das Drachenmaul; den Pechkranz, die Fackelhand; das Spießruthenlaufen, das Rindenliegen, den Marterbock; das Angelfleisch, den Münzengriff, die Laugenätze; den Schraubstock, das Bastgeflecht; die siedende Oelbeträufelung, das Zerreißen durch Hunde, die lebendige Pfählung, die Enthauptung. Und so eilen sie dem Tode entgegen oder tödtlichem Schmerze. Das aber, Mahānāmo, ist Elend des Begehrens, ist die offenbare Leidensverkettung, durch Begehren entstanden, durch Begehren gefügt, durch Begehren erhalten, durch Begehren schlechthin bedingt.
»Weiter sodann, Mahānāmo: von Begehren getrieben, von Begehren gereizt, von Begehren bewogen, eben nur aus eitel Begehren wandeln sie in Thaten den Weg des Unrechts, wandeln sie in Worten den Weg des Unrechts, wandeln sie in Gedanken den Weg des Unrechts. Und in Thaten auf dem Wege des Unrechts, in Worten auf dem Wege des Unrechts, in Gedanken auf dem Wege des Unrechts gelangen sie bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte Fährte, in Verderben und Unheil. Das aber, Mahānāmo, ist Elend des Begehrens, ist die verborgene Leidensverkettung, durch Begehren entstanden, durch Begehren gefügt, durch Begehren erhalten, durch Begehren schlechthin bedingt.
›Warum, liebe Freie Brüder, übt ihr denn die Askese als Stetigsteher, verwerft Sitz und Lager, erduldet überwältigenden Schmerz, stechende, brennende Gefühle?‹
»Auf diese Frage, Mahānāmo, erwiderten mir die Freien Brüder Folgendes:
»Auf diese Worte, Mahānāmo, sagte ich zu den Freien Brüdern:
›So wisset ihr wohl, liebe Freie Brüder: ‚Wir sind schon ehedem gewesen, nicht sind wir nicht gewesen‘?‹
›Wir wissen’s nicht, Bruder.‹
›Oder wisset ihr wohl, liebe Freie Brüder: ‚Wir haben schon ehedem Böses gethan, wir sind nicht schuldlos geblieben‘?‹
›Wir wissen’s nicht, Bruder.‹
›Oder wisset ihr wohl, liebe Freie Brüder: ‚Diese und jene böse That haben wir begangen‘?‹
›Wir wissen’s nicht, Bruder.‹
›Oder wisset ihr etwa, liebe Freie Brüder: ‚Ein Stück Leiden ist überstanden, ein anderes noch zu überstehn; ist aber ein Stück Leiden überstanden, so wird alles Leid überstanden werden‘?‹
›Wir wissen’s nicht, Bruder.‹
›Oder wisset ihr vielleicht, liebe Freie Brüder, wie man noch bei Lebzeiten das Falsche verleugnen und das Rechte gewinnen kann?‹
›Wir wissen’s nicht, Bruder.‹
›Man kann eben nicht, Bruder Gotamo, Wohl um Wohl gewinnen: um Wehe lässt sich Wohl gewinnen. {94} Wär’ es möglich, Bruder Gotamo, Wohl um Wohl zu gewinnen, so könnte der König von Magadhā, Seniyo Bimbisāro das Wohl gewinnen; dem König von Magadhā Seniyo Bimbisāro ist wohler als dem Mönche Gotamo.‹
›Ohne Zweifel haben jetzt die ehrwürdigen Freien Brüder voreilig und unüberlegt gesprochen. Denn nun muss ich eben fragen: welchem der beiden Ehrwürdigen ist wohler, dem König von Magadhā oder dem Mönche Gotamo?‹
›Vielleicht haben wir, Bruder Gotamo, voreilig und unüberlegt gesprochen. Aber sei es drum, jetzt bitten wir den ehrwürdigen Gotamo um Antwort: welchem von beiden Ehrwürdigen ist wohler, dem König von Magadhā oder dem Mönche Gotamo?‹
›Da will ich nun an euch, liebe Freie Brüder, eine Frage richten, die ihr nach euerem Ermessen beantworten sollt. Was meinet ihr, liebe Freie Brüder: kann der König von Magadhā ohne körperliche Bewegung, ohne ein Wort zu reden sieben Tage und Nächte sich vollkommen wohl fühlen?‹
›Das kann er nicht, Bruder.‹
›Was meinet ihr, liebe Freie Brüder: kann der König von Magadhā ohne körperliche Bewegung, ohne ein Wort zu reden sechs Tage und Nächte, fünf Tage und Nächte, vier Tage und Nächte, drei Tage und Nächte, zwei Tage und Nächte, einen Tag und Nacht sich vollkommen wohl fühlen?‹
›Er kann es nicht, Bruder.‹
›Ich aber, liebe Freie Brüder, kann ohne körperliche Bewegung, ohne ein Wort zu reden einen Tag und Nacht mich vollkommen wohl fühlen. Ich aber, liebe Freie Brüder, kann ohne körperliche Bewegung, ohne ein Wort zu reden zwei Tage und Nächte, drei Tage und Nächte, vier Tage und Nächte, fünf Tage und Nächte, sechs Tage und Nächte, sieben Tage und Nächte mich vollkommen wohl fühlen. Was meinet ihr, liebe Freie Brüder: wem ist da wohler, dem König von Magadhā oder mir?‹
{95} ›Da ist freilich dem ehrwürdigen Gotamo wohler als dem König von Magadhā.‹«
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich Mahanāmo der Sakker über das Wort des Erhabenen.
15.
Zweiter Theil
Fünfte Rede
DAS MAASS
»Fordert, ihr Brüder, ein Mönch auf: ›Warnen mögen mich die Ehrwürdigen, ich bedarf ihrer Verwarnung‹, und es steht misslich um ihn, missliche Dinge machen sich geltend, er ist ungeduldig und nimmt eine Belehrung ungeziemend auf, so können ihn eben die Ordensbrüder kaum einer Warnung oder Belehrung werth halten, können eine solche Person vertrauten Umgangs nicht würdig erachten.
»Fordert aber, ihr Brüder, ein Mönch nicht auf[10]: ›Warnen mögen mich die Ehrwürdigen, ich bedarf ihrer Verwarnung‹, und es steht günstig um ihn, günstige Dinge machen sich geltend, er ist geduldig und nimmt eine Belehrung geziemend auf, so können ihn eben die Ordensbrüder wohl einer Warnung oder Belehrung werth halten, können eine solche Person vertrauten Umgangs würdig erachten.
»Welche Dinge nun, Brüder, machen sich günstig geltend? Da ist, Brüder, ein Mönch nicht boshaft, folgt nicht dem Triebe böser Regungen. Wenn aber, Brüder, ein Mönch nicht boshaft ist, dem Triebe böser Regungen nicht folgt, so ist das eben ein Ding, das sich günstig geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch brüstet sich nicht, verachtet nicht die anderen. Wenn aber, Brüder, ein Mönch sich nicht brüstet und die anderen nicht verachtet, so ist das eben ein Ding, das sich günstig geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch ist nicht zornig, nicht zornverzehrt. Wenn aber, Brüder, ein Mönch nicht zornig ist und nicht zornverzehrt, so ist das eben ein Ding, das sich günstig geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch ist nicht zornig, nicht feindsälig aus Zorn. Wenn aber, Brüder, ein Mönch nicht zornig ist und nicht feindsälig aus Zorn, so ist das eben ein Ding, das sich günstig geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch ist nicht zornig, flucht nicht aus Zorn. Wenn aber, Brüder, ein Mönch nicht zornig ist und nicht flucht aus Zorn, so ist das eben ein Ding, das sich günstig geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch ist nicht zornig, lässt keine zornverwandten Worte hören. Wenn aber, Brüder, ein Mönch nicht zornig ist und keine zornverwandten Worte hören lässt, so ist das eben ein Ding, das sich günstig geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch fährt nicht auf eine Ermahnung gegen den Ermahner los. Wenn aber, Brüder, ein Mönch auf eine Ermahnung nicht gegen den Ermahner losfährt, so ist das eben ein Ding, das sich günstig geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch beleidigt nicht auf eine Ermahnung den Ermahner. Wenn aber, Brüder, ein Mönch auf eine Ermahnung den Ermahner nicht beleidigt, so ist das eben ein Ding, das sich günstig geltend macht. {97} Weiter sodann, Brüder: ein Mönch widerspricht nicht auf eine Ermahnung dem Ermahner. Wenn aber, Brüder, ein Mönch auf eine Ermahnung dem Ermahner nicht widerspricht, so ist das eben ein Ding, das sich günstig geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch zieht den Ermahner nicht von einem ins andere, schweift nicht vom Gegenstande ab und legt nicht Verdrossenheit, Hass und Misstrauen an den Tag. Wenn aber, Brüder, ein Mönch den Ermahner nicht von einem ins andere zieht, vom Gegenstande nicht abschweift, keine Verdrossenheit, keinen Hass und kein Misstrauen an den Tag legt, so ist das eben ein Ding, das sich günstig geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch leugnet nicht auf eine Ermahnung Verstöße. Wenn aber, Brüder, ein Mönch auf eine Ermahnung Verstöße nicht leugnet, so ist das eben ein Ding, das sich günstig geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch ist frei von Häuchelei und Neid. Wenn aber, Brüder, ein Mönch frei ist von Häuchelei und Neid, so ist das eben ein Ding, das sich günstig geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch ist frei von Eiferung und Selbstsucht. Wenn aber, Brüder, ein Mönch frei ist von Eiferung und Selbstsucht, so ist das eben ein Ding, das sich günstig geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch ist frei von Listigkeit und Gleißnerei. Wenn aber, Brüder, ein Mönch frei ist von Listigkeit und Gleißnerei, so ist das eben ein Ding, das sich günstig geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch ist frei von Starrsinn und Eitelkeit. Wenn aber, Brüder, ein Mönch frei ist von Starrsinn und Eitelkeit, so ist das eben ein Ding, das sich günstig geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch hat nicht nur für das vor Augen Liegende Sinn, greift nicht mit beiden Händen zu, lässt sich leicht abweisen. Wenn aber, Brüder, ein Mönch nicht nur für das vor Augen Liegende Sinn hat, nicht mit beiden Händen zugreift, sich leicht abweisen lässt, so ist das eben ein Ding, das sich günstig geltend macht. Das nennt man, Brüder, Dinge, die sich günstig geltend machen.
»Nun, Brüder, hat ein Mönch mit folgendem Maaße sich selber zu messen: ›Eine Person, welche boshaft ist und dem Triebe böser Regungen folgt, die ist mir unliebsam, unangenehm; wenn ich nun aber boshaft wäre und dem Triebe böser Regungen folgte, so würde ja ich den anderen unliebsam, unangenehm werden.‹ Ein also erkennender Mönch, ihr Brüder, hat den Herzensentschluss zu erzeugen: ›Ich will nicht boshaft sein, nicht dem Triebe böser Regungen folgen. — Eine Person, welche sich brüstet und die anderen verachtet, die ist mir unliebsam, unangenehm; wenn ich nun aber mich brüstete und die anderen verachtete, so würde ja ich den anderen unliebsam, unangenehm werden.‹ Ein also erkennender Mönch, ihr Brüder, hat den Herzensentschluss zu erzeugen: ›Ich will mich nicht brüsten, die anderen nicht verachten. — Eine Person, welche zornig ist und zornverzehrt, die ist mir unliebsam, unangenehm; wenn ich nun aber zornig wäre und zornverzehrt, so würde ja ich den anderen unliebsam, unangenehm werden.‹ Ein also erkennender Mönch, ihr Brüder, hat den Herzensentschluss zu erzeugen: ›Ich will nicht zornig sein, nicht zornverzehrt. — Eine Person, welche zornig ist und aus Zorn feindsälig, die ist mir unliebsam, unangenehm; wenn ich nun aber zornig wäre und aus Zorn feindsälig, so würde ja ich den anderen unliebsam, unangenehm werden.‹ Ein also erkennender Mönch, ihr Brüder, hat den Herzensentschluss zu erzeugen: ›Ich will nicht zornig sein, nicht feindsälig aus Zorn. — Eine Person, welche zornig ist und aus Zorn flucht, die ist mir unliebsam, unangenehm; wenn ich nun aber zornig wäre und aus Zorn fluchte, so würde ja ich den anderen unliebsam, unangenehm werden.‹ Ein also erkennender Mönch, ihr Brüder, hat den Herzensentschluss zu erzeugen: ›Ich will nicht zornig sein, nicht fluchen aus Zorn. — Eine Person, welche zornig ist und zornverwandte Worte hören lässt, die ist mir unliebsam, unangenehm; wenn ich nun aber zornig wäre und zornverwandte Worte hören ließe, so würde ja ich den anderen unliebsam, unangenehm werden.‹ Ein also erkennender Mönch, ihr Brüder, hat den Herzensentschluss zu erzeugen: ›Ich will nicht zornig sein, keine zornverwandten Worte hören lassen. — Eine Person, welche auf eine Ermahnung gegen den Ermahner losfährt, die ist mir unliebsam, unangenehm; wenn ich nun aber auf eine Ermahnung gegen den Ermahner losführe, so würde ja ich den anderen unliebsam, unangenehm werden.‹ Ein also erkennender Mönch, ihr Brüder, hat den Herzensentschluss zu erzeugen: {98} ›Ich will nicht auf eine Ermahnung gegen den Ermahner losfahren. — Eine Person, welche auf eine Ermahnung den Ermahner beleidigt, die ist mir unliebsam, unangenehm; wenn ich nun aber auf eine Ermahnung den Ermahner beleidigte, so würde ja ich den anderen unliebsam, unangenehm werden.‹ Ein also erkennender Mönch, ihr Brüder, hat den Herzensentschluss zu erzeugen: ›Ich will nicht auf eine Ermahnung den Ermahner beleidigen. — Eine Person, welche auf eine Ermahnung dem Ermahner widerspricht, die ist mir unliebsam, unangenehm; wenn ich nun aber auf eine Ermahnung dem Ermahner widerspräche, so würde ja ich den anderen unliebsam, unangenehm werden.‹ Ein also erkennender Mönch, ihr Brüder, hat den Herzensentschluss zu erzeugen: ›Ich will nicht auf eine Ermahnung dem Ermahner widersprechen. — Eine Person, welche den Ermahner von einem ins andere zieht, vom Gegenstande abschweift und Verdrossenheit, Hass und Misstrauen an den Tag legt, die ist mir unliebsam, unangenehm; wenn ich nun aber den Ermahner von einem ins andere zöge, vom Gegenstande abschweifte, und Verdrossenheit, Hass und Misstrauen an den Tag legte, so würde ja ich den anderen unliebsam, unangenehm werden.‹ Ein also erkennender Mönch, ihr Brüder, hat den Herzensentschluss zu erzeugen: ›Ich will den Ermahner nicht von einem ins andere ziehn, nicht vom Gegenstande abschweifen, keine Verdrossenheit, keinen Hass, kein Misstrauen an den Tag legen. — Eine Person, welche auf eine Ermahnung Verstöße nicht zugiebt, die ist mir unliebsam, unangenehm; wenn ich nun aber auf eine Ermahnung Verstöße nicht zugäbe, so würde ja ich den anderen unliebsam, unangenehm werden.‹ Ein also erkennender Mönch, ihr Brüder, hat den Herzensentschluss zu erzeugen: ›Ich will auf eine Ermahnung Verstöße nicht leugnen. — Eine Person, welche häuchlerisch ist und neidisch, die ist mir unliebsam, unangenehm; wenn ich nun aber häuchlerisch wäre und neidisch, so würde ja ich den anderen unliebsam, unangenehm werden.‹ Ein also erkennender Mönch, ihr Brüder, hat den Herzensentschluss zu erzeugen: ›Ich will nicht häuchlerisch sein, nicht neidisch. — Eine Person, welche eifernd ist und selbstsüchtig, die ist mir unliebsam, unangenehm; wenn ich nun aber eifernd wäre und selbstsüchtig, so würde ja ich den anderen unliebsam, unangenehm werden.‹ Ein also erkennender Mönch, ihr Brüder, hat den Herzensentschluss zu erzeugen: ›Ich will nicht eifernd sein, nicht selbstsüchtig. — Eine Person, welche listig ist und gleißnerisch, die ist mir unliebsam, unangenehm; wenn ich nun aber listig wäre und gleißnerisch, so würde ja ich den anderen unliebsam, unangenehm werden.‹ Ein also erkennender Mönch, ihr Brüder, hat den Herzensentschluss zu erzeugen: ›Ich will nicht listig sein, nicht gleißnerisch. — Eine Person, welche störrisch ist und eitel, die ist mir unliebsam, unangenehm; wenn ich nun aber störrisch wäre und eitel, so würde ja ich den anderen unliebsam, unangenehm werden.‹ Ein also erkennender Mönch, ihr Brüder, hat den Herzensentschluss zu erzeugen: ›Ich will nicht störrisch sein, nicht eitel. — Eine Person, welche nur für das vor Augen Liegende Sinn hat, mit beiden Händen zugreift, sich schwer abweisen lässt, die ist mir unliebsam, unangenehm; wenn ich nun aber nur für das vor Augen Liegende Sinn hätte, mit beiden Händen zugriffe, mich schwer abweisen ließe, so würde ja ich den anderen unliebsam, unangenehm werden.‹ Ein also erkennender Mönch, ihr Brüder, hat den Herzensentschluss zu erzeugen: ›Ich will nicht nur für das vor Augen Liegende Sinn haben, nicht mit beiden Händen zugreifen, mich leicht abweisen lassen.‹
»Nun, Brüder, hat ein Mönch sich selber also zu erforschen: ›Bin ich etwa boshaft und folge dem Triebe böser Regungen?‹ Wenn da der Mönch, ihr Brüder, bei seiner Erforschung erkennt: ›Freilich bin ich boshaft und folge dem Triebe böser Regungen‹, so hat ein solcher Mönch, ihr Brüder, um Befreiung von ebendiesen bösen, schlechten Dingen zu kämpfen. Wenn aber, Brüder, der Mönch bei seiner Erforschung erkennt: ›Nein, ich bin nicht boshaft, folge nicht dem Triebe böser Regungen‹, so hat ein solcher Mönch, ihr Brüder, ebendiese sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu pflegen.
»Weiter sodann, ihr Brüder: ein Mönch hat sich selber also zu erforschen: ›Brüste ich mich etwa und verachte die anderen?‹ Wenn da der Mönch, ihr Brüder, bei seiner Erforschung erkennt: ›Freilich brüste ich mich und verachte die anderen‹, so hat ein solcher Mönch, ihr Brüder, um Befreiung von ebendiesen bösen, schlechten Dingen zu kämpfen. Wenn aber, Brüder, der Mönch bei seiner Erforschung erkennt: {99} ›Nein, ich brüste mich nicht, verachte nicht die anderen‹, so hat ein solcher Mönch, ihr Brüder, ebendiese sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu pflegen.
»Weiter sodann, ihr Brüder: ein Mönch hat sich selber also zu erforschen: ›Bin ich etwa zornig und zornverzehrt?‹ Wenn da der Mönch, ihr Brüder, bei seiner Erforschung erkennt: ›Freilich bin ich zornig und zornverzehrt‹, so hat ein solcher Mönch, ihr Brüder, um Befreiung von ebendiesen bösen, schlechten Dingen zu kämpfen. Wenn aber, Brüder, der Mönch bei seiner Erforschung erkennt: ›Nein, ich bin nicht zornig und zornverzehrt‹ so hat ein solcher Mönch, ihr Brüder, ebendiese sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu pflegen.
»Weiter sodann, ihr Brüder: ein Mönch hat sich selber also zu erforschen: ›Bin ich etwa zornig und aus Zorn feindsälig?‹ Wenn da der Mönch, ihr Brüder, bei seiner Erforschung erkennt: ›Freilich bin ich zornig und aus Zorn feindsälig‹, so hat ein solcher Mönch, ihr Brüder, um Befreiung von ebendiesen bösen, schlechten Dingen zu kämpfen. Wenn aber, Brüder, der Mönch bei seiner Erforschung erkennt: ›Nein, ich bin nicht zornig und feindsälig aus Zorn‹, so hat ein solcher Mönch, ihr Brüder, ebendiese sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu pflegen.
»Weiter sodann, ihr Brüder: ein Mönch hat sich selber also zu erforschen: ›Bin ich etwa zornig und fluche aus Zorn?‹ Wenn da der Mönch, ihr Brüder, bei seiner Erforschung erkennt: ›Freilich bin ich zornig und fluche aus Zorn‹, so hat ein solcher Mönch, ihr Brüder, um Befreiung von ebendiesen bösen, schlechten Dingen zu kämpfen. Wenn aber, Brüder, der Mönch bei seiner Erforschung erkennt: ›Nein, ich bin nicht zornig, fluche nicht aus Zorn‹, so hat ein solcher Mönch, ihr Brüder, ebendiese sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu pflegen.
»Weiter sodann, ihr Brüder: ein Mönch hat sich selber also zu erforschen: ›Bin ich etwa zornig und lasse zornverwandte Worte hören?‹ Wenn da der Mönch, ihr Brüder, bei seiner Erforschung erkennt: ›Freilich bin ich zornig und lasse zornverwandte Worte hören‹, so hat ein solcher Mönch, ihr Brüder, um Befreiung von ebendiesen bösen, schlechten Dingen zu kämpfen. Wenn aber, Brüder, der Mönch bei seiner Erforschung erkennt: ›Nein, ich bin nicht zornig, lasse keine zornverwandten Worte hören‹, so hat ein solcher Mönch, ihr Brüder, ebendiese sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu pflegen.
»Weiter sodann, ihr Brüder: ein Mönch hat sich selber also zu erforschen: ›Fahr’ ich etwa auf eine Ermahnung gegen den Ermahner los?‹ Wenn da der Mönch, ihr Brüder, bei seiner Erforschung erkennt: ›Freilich fahr’ ich auf eine Ermahnung gegen den Ermahner los‹, so hat ein solcher Mönch, ihr Brüder, um Befreiung von ebendiesen bösen, schlechten Dingen zu kämpfen. Wenn aber, Brüder, der Mönch bei seiner Erforschung erkennt: ›Nein, ich fahre nicht auf eine Ermahnung gegen den Ermahner los‹, so hat ein solcher Mönch, ihr Brüder, ebendiese sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu pflegen.
»Weiter sodann, ihr Brüder: ein Mönch hat sich selber also zu erforschen: ›Beleidige ich etwa auf eine Ermahnung den Ermahner?‹ Wenn da der Mönch, ihr Brüder, bei seiner Erforschung erkennt: ›Freilich beleidige ich auf eine Ermahnung den Ermahner‹, so hat ein solcher Mönch, ihr Brüder, um Befreiung von ebendiesen bösen, schlechten Dingen zu kämpfen. Wenn aber, Brüder, der Mönch bei seiner Erforschung erkennt: ›Nein, ich beleidige den Ermahner nicht auf eine Ermahnung‹, so hat ein solcher Mönch, ihr Brüder, ebendiese sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu pflegen.
»Weiter sodann, ihr Brüder: ein Mönch hat sich selber also zu erforschen: ›Widerspreche ich etwa auf eine Ermahnung dem Ermahner?‹ Wenn da der Mönch, ihr Brüder, bei seiner Erforschung erkennt: ›Freilich widerspreche ich dem Ermahner auf eine Ermahnung‹, so hat ein solcher Mönch, ihr Brüder, um Befreiung von ebendiesen bösen, schlechten Dingen zu kämpfen. Wenn aber, Brüder, der Mönch bei seiner Erforschung erkennt: ›Nein, ich widerspreche nicht dem Ermahner auf eine Ermahnung‹, so hat ein solcher Mönch, ihr Brüder, ebendiese sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu pflegen.
»Weiter sodann, ihr Brüder: ein Mönch hat sich selber also zu erforschen: ›Ziehe ich etwa den Ermahner von einem ins andere, schweife vom Gegenstande ab und lege Verdrossenheit, Hass und Misstrauen an den Tag?‹ Wenn da der Mönch, ihr Brüder, bei seiner Erforschung erkennt: ›Freilich zieh’ ich den Ermahner von einem ins andere, schweife vom Gegenstande ab und lege Verdrossenheit, Hass und Misstrauen an den Tag‹, so hat ein solcher Mönch, ihr Brüder, um Befreiung von ebendiesen bösen, schlechten Dingen zu kämpfen. Wenn aber, Brüder, der Mönch bei seiner Erforschung erkennt: ›Nein, ich ziehe den Ermahner nicht von einem ins andere, schweife vom Gegenstand nicht ab, lege keine Verdrossenheit, keinen Hass, kein Misstrauen an den Tag‹, so hat ein solcher Mönch, ihr Brüder, ebendiese sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu pflegen.
»Weiter sodann, ihr Brüder: ein Mönch hat sich selber also zu erforschen: ›Geb’ ich etwa auf eine Ermahnung Verstöße nicht zu?‹ Wenn da der Mönch, ihr Brüder, bei seiner Erforschung erkennt: ›Freilich geb’ ich auf eine Ermahnung Verstöße nicht zu‹, so hat ein solcher Mönch, ihr Brüder, um Befreiung von ebendiesen bösen, schlechten Dingen zu kämpfen. Wenn aber, Brüder, der Mönch bei seiner Erforschung erkennt: ›Nein, auf eine Ermahnung leugne ich Verstöße nicht‹, so hat ein solcher Mönch, ihr Brüder, ebendiese sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu pflegen.
»Weiter sodann, ihr Brüder: ein Mönch hat sich selber also zu erforschen: ›Bin ich etwa häuchlerisch und neidisch?‹ Wenn da der Mönch, ihr Brüder, bei seiner Erforschung erkennt: ›Freilich bin ich häuchlerisch und neidisch‹, so hat ein solcher Mönch, ihr Brüder, um Befreiung von ebendiesen bösen, schlechten Dingen zu kämpfen. Wenn aber, Brüder, der Mönch bei seiner Erforschung erkennt: ›Nein, ich bin ohne Häuchelei, ohne Neid‹, so hat ein solcher Mönch, ihr Brüder, ebendiese sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu pflegen.
»Weiter sodann, ihr Brüder: ein Mönch hat sich selber also zu erforschen: ›Bin ich etwa eifernd und selbstsüchtig?‹ Wenn da der Mönch, ihr Brüder, bei seiner Erforschung erkennt: ›Freilich bin ich eifernd und selbstsüchtig‹, so hat ein solcher Mönch, ihr Brüder, um Befreiung von ebendiesen bösen, schlechten Dingen zu kämpfen. Wenn aber, Brüder, der Mönch bei seiner Erforschung erkennt: ›Nein, ich bin ohne Eiferung, ohne Selbstsucht‹, so hat ein solcher Mönch, ihr Brüder, ebendiese sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu pflegen.
»Weiter sodann, ihr Brüder: ein Mönch hat sich selber also zu erforschen: ›Bin ich etwa listig und gleißnerisch?‹ Wenn da der Mönch, ihr Brüder, bei seiner Erforschung erkennt: ›Freilich bin ich listig und gleißnerisch‹, so hat ein solcher Mönch, ihr Brüder, um Befreiung von ebendiesen bösen, schlechten Dingen zu kämpfen. Wenn aber, Brüder, der Mönch bei seiner Erforschung erkennt: ›Nein, ich hin ohne List, ohne Gleißnerei‹, so hat ein solcher Mönch, ihr Brüder, ebendiese sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu pflegen.
»Weiter sodann, ihr Brüder: ein Mönch hat sich selber also zu erforschen: ›Bin ich etwa störrisch und eitel?‹ Wenn da der Mönch, ihr Brüder, bei seiner Erforschung erkennt: ›Freilich bin ich störrisch und eitel‹, so hat ein solcher Mönch, ihr Brüder, um Befreiung von ebendiesen bösen, schlechten Dingen zu kämpfen. Wenn aber, Brüder, der Mönch bei seiner Erforschung erkennt: ›Nein, ich bin ohne Starrsinn, ohne Eitelkeit‹, so hat ein solcher Mönch, ihr Brüder, ebendiese sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu pflegen.
»Weiter sodann, ihr Brüder: ein Mönch hat sich selber also zu erforschen: ›Hab’ ich etwa nur für das vor Augen Liegende Sinn, greif’ ich mit beiden Händen zu, lass’ ich mich schwer abweisen?‹ Wenn da der Mönch, ihr Brüder, bei seiner Erforschung erkennt: ›Freilich hab’ ich nur für das vor Augen Liegende Sinn, greife mit beiden Händen zu, lasse mich schwer abweisen‹, so hat ein solcher Mönch, ihr Brüder, um Befreiung {100} von ebendiesen bösen, schlechten Dingen zu kämpfen. Wenn aber, Brüder, der Mönch bei seiner Erforschung erkennt: ›Nein, ich habe nicht nur für das vor Augen Liegende Sinn, greife nicht mit beiden Händen zu, lasse mich leicht abweisen‹, so hat ein solcher Mönch, ihr Brüder, ebendiese sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu pflegen.
»Wenn da der Mönch, ihr Brüder, bei seiner Erforschung etwa alle diese bösen, schlechten Dinge an sich merkt, so hat ein solcher Mönch, ihr Brüder, um Befreiung von eben allen diesen bösen, schlechten Dingen zu kämpfen. Wenn aber, Brüder, der Mönch bei seiner Erforschung etwa keines von allen diesen bösen, schlechten Dingen mehr finden kann, so hat ein solcher Mönch, ihr Brüder, ebendiese sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu pflegen.
»Gleichwie etwa, Brüder, ein Weib oder ein Mann, jung, frisch, gefallsam, in einem Spiegel oder in einer reinen lauteren, hellen Wasserfläche das Bild des eigenen Antlitzes prüfend betrachtet, und wenn sich da irgend ein Fleck oder Schmutz zeigt, ebendiesen Fleck oder Schmutz zu beseitigen sucht; doch wenn sich da kein Fleck oder Schmutz zeigt, eben darum erfreut ist, ›Heil mir, ich bin rein‹: also nun auch, ihr Brüder, hat da ein Mönch, der bei seiner Erforschung etwa alle diese bösen, schlechten Dinge an sich merkt, um Befreiung von eben allen diesen bösen, schlechten Dingen zu kämpfen. Wenn aber, Brüder, der Mönch bei seiner Erforschung etwa keines von allen diesen bösen, schlechten Dingen mehr finden kann, so hat ein solcher Mönch, ihr Brüder, ebendiese sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu pflegen.«
Also sprach der ehrwürdige Mahāmoggallāno. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des ehrwürdigen Mahāmoggallāno.
16.
Zweiter Theil
Sechste Rede
DIE HERZBEKLEMMUNGEN
{101} Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!« — »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Wer da von euch, ihr Mönche, die fünf Herzbeklemmungen nicht verloren und die fünf Fesseln des Herzens nicht durchschnitten hat, kann freilich in diesem Orden der Wahrheit zum Gedeihen, zur Reife und Entfaltung nicht gelangen. Welche fünf Herzbeklemmungen sind das, die ein solcher nicht verloren hat? Da schwankt und zweifelt, ihr Mönche, ein Mönch am Meister, hegt Misstrauen und Missgunst. Ein Mönch, ihr Mönche, der am Meister schwankt und zweifelt, Misstrauen und Missgunst hegt, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt ist, der hat also diese erste Herzbeklemmung nicht verloren.
»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch schwankt und zweifelt an der Jüngerschaft, hegt Misstrauen und Missgunst. Ein Mönch, ihr Mönche, der an der Jüngerschaft schwankt und zweifelt, Misstrauen und Missgunst hegt, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt ist, der hat also diese dritte Herzbeklemmung nicht verloren.
»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch schwankt und zweifelt an der Ordensregel, hegt Misstrauen und Missgunst. Ein Mönch, ihr Mönche, der an der Ordensregel schwankt und zweifelt, Misstrauen und Missgunst hegt, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt ist, der hat also diese vierte Herzbeklemmung nicht verloren.
»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch ärgert und kränkt sich über seine Ordensbrüder, ist niedergeschlagen und beklommen. Ein Mönch, ihr Mönche, der sich über seine Ordensbrüder ärgert und kränkt, niedergeschlagen und beklommen ist, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt ist, der hat also diese fünfte Herzbeklemmung nicht verloren. Das sind die fünf Herzbeklemmungen, die ein solcher nicht verloren hat.
»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch hat sich beim Fühlen nicht der Begierde entäußert, nicht des Verlangens entäußert, nicht der Sehnsucht entäußert, nicht des Gelüstens entäußert, nicht des Fieberns entäußert, nicht des Dürstens entäußert. Ein Mönch, ihr Mönche, der sich beim Fühlen nicht der Begierde, nicht des Verlangens, nicht der Sehnsucht, nicht des Gelüstens, nicht des Fieberns, nicht des Dürstens entäußert hat, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt ist, der hat also diese zweite Fessel des Herzens nicht durchschnitten.
{102} »Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch hat sich beim Sehn nicht der Begierde entäußert, nicht des Verlangens entäußert, nicht der Sehnsucht entäußert, nicht des Gelüstens entäußert, nicht des Fieberns entäußert, nicht des Dürstens entäußert. Ein Mönch, ihr Mönche, der sich beim Sehn nicht der Begierde, nicht des Verlangens, nicht der Sehnsucht, nicht des Gelüstens, nicht des Fieberns, nicht des Dürstens entäußert hat, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt ist, der hat also diese dritte Fessel des Herzens nicht durchschnitten.
»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch hat zur Mahlzeit so viel gegessen, als seinem Magen wohlbekommt, und gefällt sich in behaglichem Sitzen, behaglichem Liegen, behaglichem Schlummern. Ein Mönch, ihr Mönche, der zur Mahlzeit so viel gegessen hat, als seinem Magen wohlbekommt, und sich in behaglichem Sitzen, behaglichem Liegen, behaglichem Schlummern gefällt, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt ist, der hat also diese vierte Fessel des Herzens nicht durchschnitten.
»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch führt in der Absicht etwelche göttliche Verkörperung zu erlangen ein heiliges Leben: ›Durch diese Uebungen oder Gelübde, Kasteiung oder Entsagung will ich ein Gott werden oder ein Göttlicher!‹ Ein Mönch, ihr Mönche, der in der Absicht etwelche göttliche Verkörperung zu erlangen ein heiliges Leben führt: ›Durch diese Uebungen oder Gelübde, Kasteiung oder Entsagung will ich ein Gott werden oder ein Göttlicher!‹, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt ist, der hat also diese fünfte Fessel des Herzens nicht durchschnitten. Das sind die fünf Fesseln des Herzens, die ein solcher nicht durchschnitten hat. Wer da von euch, ihr Mönche, diese fünf Herzbeklemmungen nicht verloren und diese fünf Fesseln des Herzens nicht durchschnitten hat, kann freilich in diesem Orden der Wahrheit zum Gedeihen, zur Reife und Entfaltung nicht gelangen.
»Wer da von euch, ihr Mönche, die fünf Herzbeklemmungen verloren und die fünf Fesseln des Herzens glatt durchschnitten hat, kann wohl in diesem Orden der Wahrheit zum Gedeihen, zur Reife und Entfaltung gelangen. Welche fünf Herzbeklemmungen sind das, die ein solcher verloren hat? Da schwankt nicht und zweifelt nicht, ihr Mönche, ein Mönch am Meister, hegt Vertrauen und Gunst. Ein Mönch, ihr Mönche, der am Meister nicht schwankt und nicht zweifelt, Vertrauen und Gunst hegt, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt ist, der hat also diese erste Herzbeklemmung verloren.
»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch schwankt nicht und zweifelt nicht an der Satzung, hegt Vertrauen und Gunst. Ein Mönch, ihr Mönche, der an der Satzung nicht schwankt und nicht zweifelt, Vertrauen und Gunst hegt, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt ist, der hat also diese zweite Herzbeklemmung verloren.
»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch schwankt nicht und zweifelt nicht an der Jüngerschaft, hegt Vertrauen und Gunst. Ein Mönch, ihr Mönche, der an der Jüngerschaft nicht schwankt und nicht zweifelt, Vertrauen und Gunst hegt, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt ist, der hat also diese dritte Herzbeklemmung verloren.
»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch schwankt nicht und zweifelt nicht an der Ordensregel, hegt Vertrauen und Gunst. Ein Mönch, ihr Mönche, der an der Ordensregel nicht schwankt und nicht zweifelt, Vertrauen und Gunst hegt, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt ist, der hat also diese vierte Herzbeklemmung verloren.
»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch ärgert sich nicht, kränkt sich nicht über seine Ordensbrüder, ist nicht niedergeschlagen, nicht beklommen. Ein Mönch, ihr Mönche, der sich über seine Ordensbrüder nicht ärgert und kränkt, nicht niedergeschlagen und beklommen ist, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt. {103} Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt ist, der hat also diese fünfte Herzbeklemmung verloren. Das sind die fünf Herzbeklemmungen, die ein solcher verloren hat.
»Welche fünf Fesseln des Herzens sind das, die ein solcher glatt durchschnitten hat? Da hat sich, ihr Mönche, ein Mönch beim Wollen der Begierde entäußert, des Verlangens entäußert, der Sehnsucht entäußert, des Gelüstens entäußert, des Fieberns entäußert, des Dürstens entäußert. Ein Mönch, ihr Mönche, der sich beim Wollen der Begierde, des Verlangens, der Sehnsucht, des Gelüstens, des Fieberns, des Dürstens entäußert hat, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt ist, der hat also diese erste Fessel des Herzens glatt durchschnitten.
»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch hat sich beim Fühlen der Begierde entäußert, des Verlangens entäußert, der Sehnsucht entäußert, des Gelüstens entäußert, des Fieberns entäußert, des Dürstens entäußert. Ein Mönch, ihr Mönche, der sich beim Fühlen der Begierde, des Verlangens, der Sehnsucht, des Gelüstens, des Fieberns, des Dürstens entäußert hat, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt ist, der hat also diese zweite Fessel des Herzens glatt durchschnitten.
»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch hat sich beim Sehn der Begierde entäußert, des Verlangens entäußert, der Sehnsucht entäußert, des Gelüstens entäußert, des Fieberns entäußert, des Dürstens entäußert. Ein Mönch, ihr Mönche, der sich beim Sehn der Begierde, des Verlangens, der Sehnsucht, des Gelüstens, des Fieberns, des Dürstens entäußert hat, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt ist, der hat also diese dritte Fessel des Herzens glatt durchschnitten.
»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch hat zur Mahlzeit nicht so viel gegessen, als seinem Magen wohlbekommt, gefällt sich nicht in behaglichem Sitzen, behaglichem Liegen, behaglichem Schlummern. Ein Mönch, ihr Mönche, der zur Mahlzeit nicht so viel gegessen hat, als seinem Magen wohlbekommt, sich nicht in behaglichem Sitzen, behaglichem Liegen, behaglichem Schlummern gefällt, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt ist, der hat also diese vierte Fessel des Herzens glatt durchschnitten.
»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch führt nicht in der Absicht etwelche göttliche Verkörperung zu erlangen ein heiliges Leben: ›Durch diese Uebungen oder Gelübde, Kasteiung oder Entsagung will ich ein Gott werden oder ein Göttlicher!‹ Ein Mönch, ihr Mönche, der nicht in der Absieht etwelche göttliche Verkörperung zu erlangen ein heiliges Leben führt: ›Durch diese Uebungen oder Gelübde, Kasteiung oder Entsagung will ich ein Gott werden oder ein Göttlicher!‹, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt ist, der hat also diese fünfte Fessel des Herzens glatt durchschnitten. Das sind die fünf Fesseln des Herzens, die ein solcher glatt durchschnitten hat. Wer da von euch, ihr Mönche, diese fünf Herzbeklemmungen verloren und diese fünf Fesseln des Herzens glatt durchschnitten hat, kann wohl in diesem Orden der Wahrheit zum Gedeihen, zur Reife und Entfaltung gelangen.
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.
17.
Zweiter Theil
Siebente Rede
WALDEINSAMKEIT
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!« — »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Die Arten der Waldeinsamkeit will ich euch Mönchen erklären; höret es und achtet wohl auf meine Rede.«
»Ja, o Herr!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Da lebt, ihr Mönche, ein Mönch in einer Waldeinsamkeit: und während er in dieser Waldeinsamkeit, noch ohne Einsicht, lebt, gewinnt er keine, das zerstreute Gemüth sammelt sich nicht, der unversiegte Wahn versiegt nicht, die unerreichte unvergleichliche Sicherheit erreicht er nicht, und was ein Asket zur Fristung des Lebens braucht, an Kleidung, Nahrung, Lagerstatt und Arzeneien für den Fall einer Krankheit, das fließt ihm kümmerlich zu. Dieser Mönch, ihr Mönche, soll also erwägen: {105} ›Ich lebe da in dieser Waldeinsamkeit: und während ich in dieser Waldeinsamkeit, noch ohne Einsicht, lebe, gewinne ich keine, das zerstreute Gemüth sammelt sich nicht, der unversiegte Wahn versiegt nicht, die unerreichte unvergleichliche Sicherheit erreiche ich nicht, und was ein Asket zur Fristung des Lebens braucht, an Kleidung, Nahrung, Lagerstatt und Arzeneien für den Fall einer Krankheit, das fließt mir kümmerlich zu.‹ Dieser Mönch, ihr Mönche, soll bei Tag oder bei Nacht diese Waldeinsamkeit verlassen, nicht bleiben.
»Da lebt nun, ihr Mönche, der Mönch in einer anderen Waldeinsamkeit: und während er in dieser Waldeinsamkeit, noch ohne Einsicht, lebt, gewinnt er keine, das zerstreute Gemüth sammelt sich nicht, der unversiegte Wahn versiegt nicht, die unerreichte unvergleichliche Sicherheit erreicht er nicht, was aber ein Asket zur Fristung des Lebens braucht, an Kleidung, Nahrung, Lagerstatt und Arzeneien für den Fall einer Krankheit, das fließt ihm reichlich zu. Dieser Mönch, ihr Mönche, soll also erwägen: ›Ich lebe da in dieser Waldeinsamkeit: und während ich in dieser Waldeinsamkeit, noch ohne Einsicht, lebe, gewinne ich keine, das zerstreute Gemüth sammelt sich nicht, der unversiegte Wahn versiegt nicht, die unerreichte unvergleichliche Sicherheit erreiche ich nicht, was aber ein Asket zur Fristung des Lebens braucht, an Kleidung, Nahrung, Lagerstatt und Arzeneien für den Fall einer Krankheit, das fließt mir reichlich zu; aber ich bin ja nicht der Kleidung halber aus dem Hause in die Hauslosigkeit gewandert, nicht der Nahrung, nicht der Lagerstatt, nicht der Arzeneien halber bin ich aus dem Hause in die Hauslosigkeit gewandert. Doch während ich da in dieser Waldeinsamkeit, noch ohne Einsicht, lebe, gewinne ich keine, das zerstreute Gemüth sammelt sich nicht, der unversiegte Wahn versiegt nicht, die unerreichte unvergleichliche Sicherheit erreiche ich nicht.‹ Dieser Mönch, ihr Mönche, soll dann nach einiger Zeit diese Waldeinsamkeit verlassen, nicht bleiben.
»Da lebt, ihr Mönche, ein Mönch in einer Waldeinsamkeit: und während er in dieser Waldeinsamkeit, noch ohne Einsicht, lebt, gewinnt er sie, das zerstreute Gemüth sammelt sich, der unversiegte Wahn versiegt, die unerreichte unvergleichliche Sicherheit erreicht er, was aber ein Asket zur Fristung des Lebens braucht, an Kleidung, Nahrung, Lagerstatt und Arzeneien für den Fall einer Krankheit, das fließt ihm kümmerlich zu. Dieser Mönch, ihr Mönche, soll also erwägen: {106} ›Ich lebe da in dieser Waldeinsamkeit: und während ich in dieser Waldeinsamkeit, noch ohne Einsicht, lebe, gewinne ich sie, das zerstreute Gemüth sammelt sich, der unversiegte Wahn versiegt, die unerreichte unvergleichliche Sicherheit erreiche ich, was aber ein Asket zur Fristung des Lebens braucht, an Kleidung, Nahrung, Lagerstatt und Arzeneien für den Fall einer Krankheit, das fließt mir kümmerlich zu; aber ich bin ja nicht der Kleidung halber aus dem Hause in die Hauslosigkeit gewandert, nicht der Nahrung, nicht der Lagerstatt, nicht der Arzeneien halber bin ich aus dem Hause in die Hauslosigkeit gewandert. Doch während ich da in dieser Waldeinsamkeit, noch ohne Einsicht, lebe, gewinne ich sie, das zerstreute Gemüth sammelt sich, der unversiegte Wahn versiegt, die unerreichte unvergleichliche Sicherheit erreiche ich.‹ Dieser Mönch, ihr Mönche, soll dann eine Zeit lang in dieser Waldeinsamkeit bleiben, nicht fortgehn.
»Da lebt nun, ihr Mönche, ein Mönch in einer anderen Waldeinsamkeit: und während er in dieser Waldeinsamkeit, noch ohne Einsicht, lebt, gewinnt er sie, das zerstreute Gemüth sammelt sich, der unversiegte Wahn versiegt, die unerreichte unvergleichliche Sicherheit erreicht er, und was ein Asket zur Fristung des Lebens braucht, an Kleidung, Nahrung, Lagerstatt und Arzeneien für den Fall einer Krankheit, das fließt ihm reichlich zu. Dieser Mönch, ihr Mönche, soll also erwägen: ›Ich lebe da in dieser Waldeinsamkeit: und während ich in dieser Waldeinsamkeit, noch ohne Einsicht, lebe, gewinne ich sie, das zerstreute Gemüth sammelt sich, der unversiegte Wahn versiegt, die unerreichte unvergleichliche Sicherheit erreiche ich, und was ein Asket zur Fristung des Lebens braucht, an Kleidung, Nahrung, Lagerstatt und Arzeneien für den Fall einer Krankheit, das fließt mir reichlich zu.‹ Dieser Mönch, ihr Mönche, soll dann zeitlebens in dieser Waldeinsamkeit bleiben, nicht fortgehn.
»Da lebt nun, ihr Mönche, der Mönch in Gesellschaft einer anderen Person: und während er in dieser Gesellschaft, noch ohne Einsicht, lebt, {107} gewinnt er keine, das zerstreute Gemüth sammelt sich nicht, der unversiegte Wahn versiegt nicht, die unerreichte unvergleichliche Sicherheit erreicht er nicht, was aber ein Asket zur Fristung des Lebens braucht, an Kleidung, Nahrung, Lagerstatt und Arzeneien für den Fall einer Krankheit, das fließt ihm reichlich zu. Dieser Mönch, ihr Mönche, soll also erwägen: ›Ich lebe da in Gesellschaft dieser Person: und während ich in dieser Gesellschaft, noch ohne Einsicht, lebe, gewinne ich keine, das zerstreute Gemüth sammelt sich nicht, der unversiegte Wahn versiegt nicht, die unerreichte unvergleichliche Sicherheit erreiche ich nicht, was aber ein Asket zur Fristung des Lebens braucht, an Kleidung, Nahrung, Lagerstatt und Arzeneien für den Fall einer Krankheit, das fließt mir reichlich zu; aber ich bin ja nicht der Kleidung halber aus dem Hause in die Hauslosigkeit gewandert, nicht der Nahrung, nicht der Lagerstatt, nicht der Arzeneien halber bin ich aus dem Hause in die Hauslosigkeit gewandert. Doch während ich da in dieser Gesellschaft, noch ohne Einsicht, lebe, gewinne ich keine, das zerstreute Gemüth sammelt sich nicht, der unversiegte Wahn versiegt nicht, die unerreichte unvergleichliche Sicherheit erreiche ich nicht.‹ Dieser Mönch, ihr Mönche, soll dann nach einiger Zeit jene Person ohne Abschied verlassen, nicht bleiben.