DRITTER THEIL BUCH DER GLEICHNISSE
Karl Eugen Neumann translation
21.
Dritter Theil
Erste Rede
DAS GLEICHNISS VON DER SÄGE
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Damals nun weilte der ehrwürdige Moliyaphagguṇo zu ungehöriger Zeit in Gesellschaft der Nonnen. Also weilte der ehrwürdige Moliyaphagguṇo in Gesellschaft der Nonnen, dass er, wenn irgend einer der Mönche ihm gegenüber jene Nonnen tadelte, darob entrüstet und verstimmt schlechthin einen Verweis ertheilte; und wenn irgend einer der Mönche jenen Nonnen gegenüber den ehrwürdigen Moliyaphagguṇo tadelte, diese darob entrüstet und verstimmt schlechthin einen Verweis ertheilten. Also weilte der ehrwürdige Moliyaphagguṇo in Gesellschaft der Nonnen.
Da nun begab sich ein Mönch zum Erhabenen, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich zur Seite hin. Zur Seite sitzend sprach nun jener Mönch zum Erhabenen also:
»Der ehrwürdige Moliyaphagguṇo, o Herr, weilt zu ungehöriger Zeit in Gesellschaft der Nonnen. Also, o Herr, weilt der ehrwürdige Moliyaphagguṇo in Gesellschaft der Nonnen, dass er, wenn irgend einer der Mönche ihm gegenüber jene Nonnen tadelt, darob entrüstet und verstimmt schlechthin einen Verweis ertheilt; und wenn irgend einer der Mönche jenen Nonnen gegenüber den ehrwürdigen Moliyaphagguṇo tadelt, diese darob entrüstet und verstimmt schlechthin einen Verweis ertheilen. Also, o Herr, weilt der ehrwürdige Moliyaphagguṇo in Gesellschaft der Nonnen.«
Da nun wandte sich der Erhabene an einen der Mönche:
{123} »Gehe, o Mönch, und sage in meinem Namen dem Mönche Moliyaphagguṇo: der Meister ruft dich, Bruder Phagguṇo.«
»Wohl, o Herr!« erwiderte jener Mönch, dem Erhabenen gehorchend, begab sich dorthin wo der ehrwürdige Moliyaphagguṇo weilte, und sprach hierauf also zu ihm:
»Der Meister ruft dich, Bruder Phagguṇo.«
»Gut, o Bruder, ich komme!« erwiderte der ehrwürdige Moliyaphagguṇo jenem Mönche, begab sich dorthin wo der Erhabene weilte, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich zur Seite nieder. Hierauf nun sprach zum ehrwürdigen Moliyaphagguṇo der Erhabene also:
»Ist es wahr, wie man sagt, Phagguṇo, dass du zu ungehöriger Zeit in Gesellschaft der Nonnen weilst? Also weilst du, heißt es, Phagguṇo, in Gesellschaft der Nonnen, dass, wenn irgend einer der Mönche dir gegenüber jene Nonnen tadelt, du darob entrüstet und verstimmt schlechthin einen Verweis ertheilst; und wenn irgend einer der Mönche jenen Nonnen gegenüber dich tadelt, jene Nonnen darob entrüstet und verstimmt schlechthin einen Verweis ertheilen: weilst du wirklich also, Phagguṇo, in Gesellschaft der Nonnen?«
»Ja, o Herr!«
»Bist du denn nicht, Phagguṇo, als edler Sohn von Zuversicht bewogen aus dem Hause in die Hauslosigkeit gewandert?«
»Ja, o Herr!«
»Das steht dir nicht wohl, Phagguṇo, der du als edler Sohn von Zuversicht bewogen aus dem Hause in die Hauslosigkeit gewandert bist, dass du zu ungehöriger Zeit in Gesellschaft der Nonnen weilst. Darum also, Phagguṇo: wenn auch irgend einer dir gegenüber jene Nonnen tadeln mag, so magst du, Phagguṇo, alle gemeinen Regungen, alle gemeinen Erwägungen verleugnen, so hast du dich, Phagguṇo, solcherart wohl zu üben: ›Nicht soll mein Gemüth verstört werden, kein böser Laut meinem Munde entfahren, freundlich und mitleidig will ich bleiben, liebevollen Gemüthes, ohne heimliche Tücke‹: solcherart hast du dich, Phagguṇo, wohl zu üben. Darum also, Phagguṇo: wenn auch irgend einer in deiner Gegenwart jene Nonnen mit Fäusten schlüge, mit Steinen würfe, mit Stöcken prügelte, mit Schwerdtern träfe, so magst du, Phagguṇo, alle gemeinen Regungen, alle gemeinen Erwägungen verleugnen, so hast du dich, Phagguṇo, solcherart wohl zu üben: ›Nicht soll mein Gemüth verstört werden, kein böser Laut meinem Munde entfahren, freundlich und mitleidig will ich bleiben, liebevollen Gemüthes, ohne heimliche Tücke‹: solcherart hast du dich, Phagguṇo, wohl zu üben. Darum also, Phagguṇo: wenn auch irgend einer dir gegenüber Tadel aussprechen mag, so magst du, Phagguṇo, alle gemeinen Regungen, alle gemeinen Erwägungen verleugnen, so hast du dich, Phagguṇo, solcherart wohl zu üben: ›Nicht soll mein Gemüth verstört werden, kein böser Laut meinem Munde entfahren, freundlich und mitleidig will ich bleiben, liebevollen Gemüthes, ohne heimliche Tücke‹: solcherart hast du dich, Phagguṇo, wohl zu üben. Darum also, Phagguṇo: wenn auch irgend einer dich mit Fäusten schlüge, mit Steinen würfe, mit Stöcken prügelte, mit Schwerdtern träfe, so magst du, Phagguṇo, {124} alle gemeinen Regungen, alle gemeinen Erwägungen verleugnen, so hast du dich, Phagguṇo, solcherart wohl zu üben: ›Nicht soll mein Gemüth verstört werden, kein böser Laut meinem Munde entfahren, freundlich und mitleidig will ich bleiben, liebevollen Gemüthes, ohne heimliche Tücke‹: solcherart hast du dich, Phagguṇo, wohl zu üben.«
Und der Erhabene wandte sich nun an die Mönche:
»Willigen Sinnes kamen mir wahrlich, ihr Mönche, die Mönche einmal entgegen. Da wandte ich mich zu ihnen: ›Ich nehme, ihr Mönche, einsames Mahl zu mir: einsames Mahl, ihr Mönche, zu mir nehmend wahre ich Gesundheit und Frische, Munterkeit, Stärke und Wohlsein. So nehmet auch ihr, meine Mönche, einsames Mahl zu euch: einsames Mahl, ihr Mönche, zu euch nehmend werdet auch ihr Gesundheit und Frische, Munterkeit, Stärke und Wohlsein wahren.‹ Und jene Mönche bedurften, ihr Mönche, keiner Ermahnung von mir: nur ihre Einsicht war zu erwecken.
»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn da auf gutem Boden, am Ausgangsplatze vierer Straßen, ein treffliches Wagengespann in Bereitschaft stände, mit dem zugehörigen Treibstock versehn; diesen Wagen bestiege ein Meister der Fahrkunst, ein gewandter Rosselenker, nähme die Zügel in die linke Hand, den Treibstock in die rechte, und führe nach Wunsch und Willen hin und her: ebenso nun auch, ihr Mönche, bedurften jene Mönche keiner Ermahnung von mir: nur ihre Einsicht war zu erwecken. Darum also, ihr Mönche: verleugnet das Schlechte, seid stetig im Guten; denn also werdet auch ihr in diesem Orden der Wahrheit zum Gedeihen, zur Reife und Entfaltung gelangen.
»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn sich da in der Nähe eines Dorfes oder einer Stadt ein dichtes Gehölz befände, von Rizinusstauden umwuchert; und es erbarmte sich Einer der Bäume, um sie zu hegen und zu sichern: da ginge er hin und holzte die krummen, entsäfteten Stämme ab, schaffte sie fort und hielte den wohlgesäuberten Forst sauber instand; die geraden, gutgewachsenen Stämme aber, die pflegte er sorgsam; und so käme wohl diese Waldung, ihr Mönche, beizeiten zum Gedeihen, zur Reife und Entfaltung: ebenso nun auch verleugnet, ihr Mönche, das Schlechte, seid stetig im Guten; {125} denn also werdet auch ihr in diesem Orden der Wahrheit zum Gedeihen, zur Reife und Entfaltung gelangen.
»Einst lebte hier in Sāvatthī, ihr Mönche, eine Hausfrau Namens Vedehikā. Die Hausfrau Vedehikā, ihr Mönche, stand in dem erfreulichen Rufe: ‚Sanft ist die Hausfrau Vedehikā, mild ist die Hausfrau Vedehikā, friedsam ist die Hausfrau Vedehikā!‘ Diese Hausfrau nun, ihr Mönche, hatte eine Magd Namens Kāḷī, die flink und fleißig ihre verschiedenen Obliegenheiten wohl besorgte. Da kam, ihr Mönche, der Magd Kāḷī dieser Gedanke: ›Meine Gnädige steht ja in dem erfreulichen Rufe: ‚Sanft ist die Hausfrau Vedehikā, mild ist die Hausfrau Vedehikā, friedsam ist die Hausfrau Vedehikā!‘ Wie nun: verbirgt mir nur die Gnädige ihre innere Galle, oder hat sie überhaupt keine? Oder besorg’ ich vielleicht alles so gut, dass mir die Gnädige die innere Galle, die sie hat, nicht zeigen kann? Ich will doch einmal die Gnädige auf die Probe stellen!‹ Und die Magd Kāḷī, ihr Mönche, stand bei hell lichtem Tage auf. Und die Hausfrau Vedehikā, ihr Mönche, rief nach ihr: ›He da, Kāḷī!‹ — ›Was, Gnädige?‹ — ›Warum stehst du bei hell lichtem Tage auf?‹ — ›Das thut nichts, Gnädige!‹ — ›Uns aber thut’s was, du schlechte Magd, dass du bei hell lichtem Tage aufstehst!‹ sagte die Hausfrau erzürnt und verstimmt mit gerunzelten Brauen. Da kam, ihr Mönche, der Magd Kāḷī dieser Gedanke: ›Die innere Galle, die sie hat, verbirgt mir die Gnädige, und ich besorge alles so gut, dass mir die Gnädige die innere Galle, die sie hat, nicht zeigen mag; ich will nun die Gnädige noch stärker auf die Probe stellen!‹ Und die Magd Kāḷī, ihr Mönche, stand noch später auf. Und die Hausfrau Vedehikā, ihr Mönche, rief nach ihr: ›He da, Kāḷī!‹ — ›Was, Gnädige?‹ — ›Warum stehst du bei hell lichtem Tage auf?‹ — ›Das thut nichts, Gnädige!‹ — ›Uns aber thut’s was, du schlechte Magd, dass du bei hell lichtem Tage aufstehst!‹ sagte die Hausfrau erzürnt und verstimmt und verstimmte Worte entfuhren ihrem Munde. Da kam, ihr Mönche, der Magd Kāḷī dieser Gedanke: ›Die innere Galle, die sie hat, verbirgt mir die Gnädige, und ich besorge alles so gut, dass mir die Gnädige die innere Galle, die sie hat, nicht zeigen mag; ich will nun die Gnädige noch stärker auf die Probe stellen!‹ Und die Magd Kāḷī, ihr Mönche, stand noch später auf. Und die Hausfrau Vedehikā, ihr Mönche, rief nach ihr: {126} ›He da, Kāḷī!‹ — ›Was, Gnädige?‹ — ›Warum stehst du bei hell lichtem Tage auf?‹ — ›Das thut nichts, Gnädige!‹ — ›Uns aber thut’s was, du schlechte Magd, dass du bei hell lichtem Tage aufstehst!‹ sagte die Hausfrau erzürnt und verstimmt, ergriff den spitzigen Thorriegel, warf ihn ihr an den Kopf, verwundete ihr den Kopf. Und die Magd Kāḷī, ihr Mönche, lief nun mit verwundetem Kopfe triefenden Blutes zu den Nachbarn und klagte jammernd: ›Seht, Beste, das Werk der Sanften, seht, Beste, das Werk der Milden, seht, Beste, das Werk der Friedsamen, wie’s da zugeht bei einer Frau, die nur eine Magd hält: ‚Bei Tag stehst du auf‘ sagt sie und wird euch zornig und wild den spitzigen Thorriegel an den Kopf werfen, den Kopf verwunden!‹ Und die Hausfrau Vedehikā, ihr Mönche, kam nun in den üblen Ruf: ‚Heftig ist die Hausfrau Vedehikā, ungestüm ist die Hausfrau Vedehikā, unfriedsam ist die Hausfrau Vedehikā!‘ —:
»Fünferlei Redeweisen giebt es, ihr Mönche, deren die Leute sich euch gegenüber bedienen können: rechtzeitiger oder unzeitiger, sinniger oder unsinniger, höflicher oder grober, zweckmäßiger oder unzweckmäßiger, liebevoller oder heimtückischer. Zur rechten Zeit, ihr Mönche, können sich die Leute der Rede bedienen, oder zur unrechten Zeit. Den Thatsachen entsprechend, ihr Mönche, können sich die Leute der Rede bedienen, oder den Thatsachen nicht entsprechend. Höflicher Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen, oder grober. Zweckmäßiger Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen, oder unzweckmäßiger.{127} Liebevoller Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen, oder heimtückischer. Da habt ihr euch nun, meine Mönche, wohl zu üben: ›Nicht soll unser Gemüth verstört werden, kein böser Laut unserem Munde entfahren, freundlich und mitleidig wollen wir bleiben, liebevollen Gemüthes, ohne heimliche Tücke; und jene Person werden wir mit liebevollem Gemüthe durchstrahlen: von ihr ausgehend werden wir dann die ganze Welt mit liebevollem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem, durchstrahlen‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben.
»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn da ein Mann herkäme, mit Spaten und Korb versehn, und spräche also: ›Ich werde den Erdball erdlos machen‹, und er grübe da und dort, würfe da auf und dort auf, lockerte da auf und dort auf, löste da ab und dort ab, ›Erdlos sollst du werden, erdlos sollst du werden‹; was meint ihr nun, Mönche: könnte wohl dieser Mann den Erdball erdlos machen?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Und warum nicht?«
»Der Erdball, o Herr, ist ja tief, unermesslich, den kann man nicht wohl erdlos machen, so viel Mühe und Plage auch immer jener Mann haben mag.«
»Ebenso nun auch, ihr Mönche, giebt es da fünferlei Redeweisen, deren die Leute sich euch gegenüber bedienen können: rechtzeitiger oder unzeitiger, sinniger oder unsinniger, höflicher oder grober, zweckmäßiger oder unzweckmäßiger, liebevoller oder heimtückischer. Zur rechten Zeit, ihr Mönche, können sich die Leute der Rede bedienen, oder zur unrechten Zeit. Den Thatsachen entsprechend, ihr Mönche, können sich die Leute der Rede bedienen, oder den Thatsachen nicht entsprechend. Höflicher Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen, oder grober. Zweckmäßiger Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen, oder unzweckmäßiger. Liebevoller Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen, oder heimtückischer. Da habt ihr euch nun, meine Mönche, wohl zu üben: ›Nicht soll unser Gemüth verstört werden, kein böser Laut unserem Munde entfahren, freundlich und mitleidig wollen wir bleiben, liebevollen Gemüthes, ohne heimliche Tücke; und jene Person werden wir mit liebevollem Gemüthe durchstrahlen: von ihr ausgehend werden wir dann die ganze Welt mit erdballgleichem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem, durchstrahlen‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben.
»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn da ein Mann herkäme, mit Lack oder Gelbwurz, Indigo oder Karmin versehn, und spräche also: ›Ich werde hier im Himmelsraume Gestalten zeichnen, werde ein Bild entwerfen‹; was meint ihr nun, Mönche: könnte wohl dieser Mann im Himmelsraume eine Gestalt zeichnen, ein Bild zuwege bringen?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Und warum nicht?«
»Der Himmelsraum, o Herr, ist ja gestaltlos, unsichtbar, da kann man nicht wohl eine Gestalt zeichnen, ein Bild erscheinen lassen, {128} so viel Mühe und Plage auch immer jener Mann haben mag.«
»Ebenso nun auch, ihr Mönche, giebt es da fünferlei Redeweisen, deren die Leute sich euch gegenüber bedienen können: rechtzeitiger oder unzeitiger, sinniger oder unsinniger, höflicher oder grober, zweckmäßiger oder unzweckmäßiger, liebevoller oder heimtückischer. Zur rechten Zeit, ihr Mönche, können sich die Leute der Rede bedienen, oder zur unrechten Zeit. Den Thatsachen entsprechend, ihr Mönche, können sich die Leute der Rede bedienen, oder den Thatsachen nicht entsprechend. Höflicher Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen, oder grober. Zweckmäßiger Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen, oder unzweckmäßiger. Liebevoller Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen, oder heimtückischer. Da habt ihr euch nun, meine Mönche, wohl zu üben: ›Nicht soll unser Gemüth verstört werden, kein böser Laut unserem Munde entfahren, freundlich und mitleidig wollen wir bleiben, liebevollen Gemüthes, ohne heimliche Tücke; und jene Person werden wir mit liebevollem Gemüthe durchstrahlen: von ihr ausgehend werden wir dann die ganze Welt mit himmelsraumgleichem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem, durchstrahlen‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben.
»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn da ein Mann herkäme, mit einem lodernden Strohwisch versehn, und spräche also: ›Ich werde mit diesem lodernden Strohwisch den Ganges ausdünsten, gänzlich ausdünsten‹; was meint ihr nun, Mönche: könnte wohl dieser Mann mit dem lodernden Strohwisch den Ganges ausdünsten, gänzlich ausdünsten?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Und warum nicht?«
»Der Ganges, o Herr, ist ja tief, unermesslich, den kann man nicht wohl mit einem lodernden Strohwisch ausdünsten, gänzlich ausdünsten, so viel Mühe und Plage auch immer jener Mann haben mag.«
»Ebenso nun auch, ihr Mönche, giebt es da fünferlei Redeweisen, deren die Leute sich euch gegenüber bedienen können: rechtzeitiger oder unzeitiger, sinniger oder unsinniger, höflicher oder grober, zweckmäßiger oder unzweckmäßiger, liebevoller oder heimtückischer. Zur rechten Zeit, ihr Mönche, können sich die Leute der Rede bedienen, oder zur unrechten Zeit. Den Thatsachen entsprechend, ihr Mönche, können sich die Leute der Rede bedienen, oder den Thatsachen nicht entsprechend. Höflicher Rede, ihren Mönche, können sich die Leute bedienen, oder grober. Zweckmäßiger Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen, oder unzweckmäßiger. Liebevoller Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen, oder heimtückischer. Da habt ihr euch nun, meine Mönche, wohl zu üben: ›Nicht soll unser Gemüth verstört werden, kein böser Laut unserem Munde entfahren, freundlich und mitleidig wollen wir bleiben, liebevollen Gemüthes, ohne heimliche Tücke; und jene Person werden wir mit liebevollem Gemüthe durchstrahlen: von ihr ausgehend werden wir dann die ganze Welt mit gangesgleichem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem, durchstrahlen‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben.
»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn da ein Katzenfell wäre, gegerbt, gut gegerbt, wohl ausgegerbt, weich und wollig, saftlos und kraftlos; und es käme ein Mann her, mit einem Scheit oder Scherben versehn, und spräche also: ›Ich werde dieses Katzenfell, das gegerbt worden ist, gut gegerbt, wohl ausgegerbt, das weiche und wollige, saftlose und kraftlose, mit dem Scheite oder dem Scherben zu Säften und Kräften bringen‹; was meint ihr nun, Mönche: könnte wohl dieser Mann das Katzenfell, das gegerbte, gut gegerbte, wohl ausgegerbte, das weiche, wollige, saft- und kraftlose, mit dem Scheite oder dem Scherben zu Säften und Kräften bringen?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Und warum nicht?«
»Das Katzenfell, o Herr, ist ja gegerbt, gut gegerbt, wohl ausgegerbt worden, weich und wollig, saftlos und kraftlos, das kann man nicht wohl mit einem Scheit oder Scherben zu Säften und Kräften bringen, so viel Mühe und Plage auch immer jener Mann haben mag.«
»Ebenso nun auch, ihr Mönche, giebt es da fünferlei Redeweisen, deren die Leute sich euch gegenüber bedienen können: {129} rechtzeitiger oder unzeitiger, sinniger oder unsinniger, höflicher oder grober, zweckmäßiger oder unzweckmäßiger, liebevoller oder heimtückischer. Zur rechten Zeit, ihr Mönche, können sich die Leute der Rede bedienen, oder zur unrechten Zeit. Den Thatsachen entsprechend, ihr Mönche, können sich die Leute der Rede bedienen, oder den Thatsachen nicht entsprechend. Höflicher Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen, oder grober. Zweckmäßiger Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen, oder unzweckmäßiger. Liebevoller Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen, oder heimtückischer. Da habt ihr euch nun, meine Mönche, wohl zu üben: ›Nicht soll unser Gemüth verstört werden, kein böser Laut unserem Munde entfahren, freundlich und mitleidig wollen wir bleiben, liebevollen Gemüthes, ohne heimliche Tücke; und jene Person werden wir mit liebevollem Gemüthe durchstrahlen: von ihr ausgehend werden wir dann die ganze Welt mit katzenfellgleichem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem, durchstrahlen‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben.
»Wenn auch, ihr Mönche, Räuber und Mörder mit einer Baumsäge Gelenke und Glieder abtrennten, so würde wer da in Wuth geriethe nicht meine Weisung erfüllen. Da habt ihr euch nun, meine Mönche, wohl zu üben: ›Nicht soll unser Gemüth verstört werden, kein böser Laut unserem Munde entfahren, freundlich und mitleidig wollen wir bleiben, liebevollen Gemüthes, ohne heimliche Tücke; und jene Person werden wir mit liebevollem Gemüthe durchstrahlen: von ihr ausgehend werden wir dann die ganze Welt mit liebevollem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem, durchstrahlen‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben.
»Dieser Belehrung aber, ihr Mönche, durch das Gleichniss der Säge mögt ihr euch oftmals erinnern. Wisst ihr, meine Mönche, von einer Redeweise, ob fein oder gemein, die ihr nicht ertragen könntet?«
»Darum also, ihr Mönche: dieser Belehrung durch das Gleichniss der Säge erinnert euch oftmals; es wird euch lange zum Wohle, zum Heile gereichen.«
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.
22.
Dritter Theil
Zweite Rede
DAS SCHLANGENGLEICHNISS
{130} Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Zu jener Zeit nun hatte ein Mönch Namens Ariṭṭho, ehemals ein Geierjäger, folgende verkehrte Meinung geäußert: ›Also fasse ich die vom Erhabenen verkündete Lehre auf, dass jene vom Erhabenen als verderblich bezeichneten Handlungen dem Thäter nicht nothwendig zum Verderben gereichen.‹ Es kam nun vielen Mönchen zu Ohren, dass ein Mönch Namens Ariṭṭho, ein früherer Geierjäger, diese verkehrte Meinung gefasst habe. Da begaben sich nun jene Mönche dorthin wo Ariṭṭho der Mönch, der frühere Geierjäger, weilte, und sprachen hierauf also zu ihm:
»Ist es wahr, wie man sagt, Bruder Ariṭṭho, du habest diese verkehrte Meinung gefasst: ›Also verstehe ich die vom Erhabenen verkündete Lehre, dass jene vom Erhabenen als verderblich bezeichneten Handlungen dem Thäter nicht nothwendig zum Verderben gereichen‹?«
»So ist es, ihr Brüder, allerdings fass’ ich die vom Erhabenen verkündete Lehre also auf, dass jene vom Erhabenen als verderblich bezeichneten Handlungen dem Thäter nicht nothwendig zum Verderben gereichen.«
Da nun wollten jene Mönche Ariṭṭho den Mönch, den früheren Geierjäger, von seiner verkehrten Meinung abbringen, wandten sich zu ihm, sprachen zu ihm, belehrten ihn: »Nicht also rede, Bruder Ariṭṭho, den Erhabenen verbessere nicht, nicht ist es gut den Erhabenen verbessern, nicht kann der Erhabene solches gesagt haben. Auf manigfaltige Weise, Bruder Ariṭṭho, wurden die verderblichen Handlungen vom Erhabenen erklärt, und sie gereichen dem Thäter nothwendig zum Verderben. Unbefriedigend sind die Begierden, hat der Erhabene gesagt, voller Leiden, voller Quaalen, das Elend überwiegt. Kahlen Knochen verglichen hat der Erhabene die Begierden, Fleischfetzen verglichen hat der Erhabene die Begierden, flammendem Stroh verglichen hat der Erhabene die Begierden, glühenden Kohlen verglichen hat der Erhabene die Begierden, Träumereien verglichen hat der Erhabene die Begierden, Betteleien verglichen hat der Erhabene die Begierden, Baumfrüchten verglichen hat der Erhabene die Begierden, Schwerdterschneiden verglichen hat der Erhabene die Begierden, Lanzenspitzen verglichen hat der Erhabene die Begierden, Schlangenrachen gleich sind die Begierden, hat der Erhabene gesagt, voller Leiden, voller Quaalen, das Elend überwiegt.«[14]
Ariṭṭho der Mönch aber, der frühere Geierjäger, obzwar von jenen Mönchen also angegangen, angesprochen und belehrt, hielt an dieser seiner verkehrten Meinung zähe fest: »Ich, fürwahr, ihr Brüder, verstehe die vom Erhabenen verkündete Lehre also, dass jene vom Erhabenen als verderblich bezeichneten Handlungen dem Thäter nicht nothwendig zum Verderben gereichen müssen.«
Als nun jene Mönche Ariṭṭho den Mönch, den früheren Geierjäger, {131} von dieser verkehrten Meinung nicht abbringen konnten, begaben sie sich dorthin wo der Erhabene weilte, begrüßten den Erhabenen ehrerbietig und setzten sich zur Seite nieder. Hierauf nun sprachen jene Mönche zum Erhabenen also:
»Ein Mönch Namens Ariṭṭho, o Herr, ein ehemaliger Geierjäger, hat folgende verkehrte Meinung geäußert: ›Also verstehe ich die vom Erhabenen verkündete Lehre, dass jene vom Erhabenen als verderblich bezeichneten Handlungen dem Thäter nicht nothwendig zum Verderben gereichen.‹ Hiervon erhielten wir Kunde, o Herr, begaben uns zu Ariṭṭho und fragten ihn, ob das Gerücht wahr sei. Auf unsere Frage, o Herr, erwiderte uns Ariṭṭho der Mönch, der frühere Geierjäger: ›So ist es, ihr Brüder, allerdings fasse ich die vom Erhabenen verkündete Lehre also auf, dass jene vom Erhabenen als verderblich bezeichneten Handlungen dem Thäter nicht nothwendig zum Verderben gereichen.‹ Da nun wollten wir, o Herr, Ariṭṭho den Mönch, den früheren Geierjäger, von seiner verkehrten Meinung abbringen, wandten uns zu ihm, sprachen zu ihm, belehrten ihn: Nicht also rede, Bruder Ariṭṭho, den Erhabenen verbessere nicht, nicht ist es gut den Erhabenen verbessern, nicht kann der Erhabene solches gesagt haben. Auf manigfaltige Weise, Bruder Ariṭṭho, wurden die verderblichen Handlungen vom Erhabenen erklärt, und sie gereichen dem Thäter nothwendig zum Verderben. Unbefriedigend sind die Begierden, hat der Erhabene gesagt, voller Leiden, voller Quaalen, das Elend überwiegt. Kahlen Knochen verglichen hat der Erhabene die Begierden, Fleischfetzen verglichen hat der Erhabene die Begierden, flammendem Stroh verglichen hat der Erhabene die Begierden, glühenden Kohlen verglichen hat der Erhabene die Begierden, Träumereien verglichen hat der Erhabene die Begierden, Betteleien verglichen hat der Erhabene die Begierden, Baumfrüchten verglichen hat der Erhabene die Begierden, Schwerdterschneiden verglichen hat der Erhabene die Begierden, Lanzenspitzen verglichen hat der Erhabene die Begierden, Schlangenrachen gleich sind die Begierden, hat der Erhabene gesagt, voller Leiden, voller Quaalen, das Elend überwiegt. Obzwar nun, o Herr, solcherart von uns angegangen, angesprochen und belehrt, hielt Ariṭṭho der Mönch, der frühere Geierjäger, an dieser seiner verkehrten Meinung zähe fest: ›Ich, fürwahr, ihr Brüder, fasse die vom Erhabenen verkündete Lehre also auf, dass jene vom Erhabenen als verderblich bezeichneten Handlungen dem Thäter nicht nothwendig zum Verderben gereichen.‹ Da wir nun, o Herr, Ariṭṭho den Mönch, den früheren Geierjäger, von dieser verkehrten Meinung nicht abbringen konnten, beschlossen wir, die Sache dem Erhabenen zu berichten.«
Da nun wandte sich der Erhabene an einen der Mönche:
»Gehe, o Mönch, und sage in meinem Namen Ariṭṭho dem Mönche, dem früheren Geierjäger: der Meister ruft dich, Bruder Ariṭṭho.«
{132} »Wohl, o Herr!« erwiderte jener Mönch, dem Erhabenen gehorchend, begab sich dorthin wo Ariṭṭho der Mönch, der frühere Geierjäger, weilte, und sprach hierauf also zu ihm:
»Der Meister ruft dich, Bruder Ariṭṭho.«
»Gut, o Bruder, ich komme!« erwiderte Ariṭṭho der Mönch, der frühere Geierjäger, jenem Mönche, begab sich dorthin wo der Erhabene weilte, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich zur Seite nieder. Hierauf nun sprach zu Ariṭṭho dem Mönche, dem früheren Geierjäger, der Erhabene also:
»Ist es wahr, wie man sagt, Ariṭṭho, du habest diese verkehrte Meinung gefasst: ›Also verstehe ich die vom Erhobenen verkündete Lehre, dass jene vom Erhabenen als verderblich bezeichneten Handlungen dem Thäter nicht nothwendig zum Verderben gereichen‹?«
»So ist es allerdings: ich, o Herr, fasse die vom Erhabenen verkündete Lehre dahin auf, dass jene vom Erhabenen als verderblich bezeichneten Handlungen dem Thäter nicht nothwendig zum Verderben gereichen.«
»Von wem hast du denn, du bethörter Mann, gehört, dass ich eine solche Lehre verkündet hätte? Habe ich nicht, o Thor, auf manigfaltige Weise die verderblichen Handlungen erklärt und dargelegt, dass sie dem Thäter nothwendig zum Verderben gereichen? Unbefriedigend sind die Begierden, hab’ ich gesagt, voller Leiden, voller Quaalen, das Elend überwiegt. Kahlen Knochen verglichen habe ich die Begierden, Fleischfetzen verglichen habe ich die Begierden, flammendem Stroh verglichen habe ich die Begierden, glühenden Kohlen verglichen habe ich die Begierden, Träumereien verglichen habe ich die Begierden, Betteleien verglichen habe ich die Begierden, Baumfrüchten verglichen habe ich die Begierden, Schwerdterschneiden verglichen habe ich die Begierden, Lanzenspitzen verglichen habe ich die Begierden, Schlangenrachen gleich, habe ich gesagt, sind die Begierden, voller Leiden, voller Quaalen, das Elend überwiegt. Aber missverständigen Sinnes, o Thor, willst du uns verbessern und gräbst dir selbst das Grab und schaffst dir schwere Schuld. Das wird dir, o Thor, lange zum Unheil, zum Leiden gereichen.«
Und der Erhabene wandte sich an die Mönche:
»Was meint ihr wohl, Mönche? Hat dieser Mönch Ariṭṭho, der frühere Geierjäger, in unserer Heilsordnung nicht etwa Brand gestiftet?«
»Wie wäre das möglich, o Herr, nein, wahrlich nicht, o Herr!«
Auf diese Worte setzte sich Ariṭṭho der Mönch, der frühere Geierjäger, verstummt und verstört, gebeugten Rumpfes, gesenkten Hauptes, das Antlitz von brennender Röthe übergossen, wortlos nieder. Als nun der Erhabene sah, wie Ariṭṭho der Mönch, der frühere Geierjäger, verstummt und verstört dasaß, gebeugten Rumpfes, gesenkten Hauptes, das Antlitz von brennender Röthe übergossen, wortlos, sprach er also zu ihm: »Dies wird sich als deine eigene verkehrte Meinung erweisen, o du Bethörter; ich werde nun die Mönche befragen.«
Und der Erhabene wandte sich an die Mönche:
{133} »Versteht auch ihr, meine Mönche, die verkündete Lehre also, wie dieser Mönch Ariṭṭho, der frühere Geierjäger, der missverständigen Sinnes uns verbessert und sich selbst das Grab gräbt und schwere Schuld schafft?«
»Nicht so, o Herr! Auf manigfaltige Weise hat uns ja, o Herr, der Erhabene die verderblichen Handlungen erklärt und dargelegt, dass sie dem Thäter nothwendig zum Verderben gereichen. Unbefriedigend sind die Begierden, hat der Erhabene gesagt, voller Leiden, voller Quaalen, das Elend überwiegt. Kahlen Knochen verglichen hat der Erhabene die Begierden, Fleischfetzen verglichen hat der Erhabene die Begierden, flammendem Stroh verglichen hat der Erhabene die Begierden, glühenden Kohlen verglichen hat der Erhabene die Begierden, Träumereien verglichen hat der Erhabene die Begierden, Betteleien verglichen hat der Erhabene die Begierden, Baumfrüchten verglichen hat der Erhabene die Begierden, Schwerdterschneiden verglichen hat der Erhabene die Begierden, Lanzenspitzen verglichen hat der Erhabene die Begierden, Schlangenrachen gleich sind die Begierden, hat der Erhabene gesagt, voller Leiden, voller Quaalen, das Elend überwiegt.«
»Wohl, ihr Mönche, wohl, dass ihr, meine Mönche, die verkündete Lehre also versteht. Freilich habe ich euch, ihr Mönche, auf manigfaltige Weise die verderblichen Handlungen erklärt und dargelegt, dass sie dem Thäter nothwendig zum Verderben gereichen. Unbefriedigend sind die Begierden, habe ich gesagt, voller Leiden, voller Quaalen, das Elend überwiegt. Kahlen Knochen verglichen habe ich die Begierden, Fleischfetzen verglichen habe ich die Begierden, flammendem Stroh verglichen habe ich die Begierden, glühenden Kohlen verglichen habe ich die Begierden, Träumereien verglichen habe ich die Begierden, Betteleien verglichen habe ich die Begierden, Baumfrüchten verglichen habe ich die Begierden, Schwerdterschneiden verglichen habe ich die Begierden, Lanzenspitzen verglichen habe ich die Begierden, Schlangenrachen gleich, habe ich gesagt, sind die Begierden, voller Leiden, voller Quaalen, das Elend überwiegt. Aber dieser Mönch Ariṭṭho, der frühere Geierjäger, will uns missverständigen Sinnes verbessern und gräbt sich selbst das Grab und schafft sich schwere Schuld. Das wird diesem bethörten Manne lange zum Unheil, zum Leiden gereichen. Dass er aber, ihr Mönche, außer diesen Begierden da, außer den wahrgenommenen Begierden, außer dem, was unter Begierden gedacht wird, etwa andere Begierden finden könnte, ist schlechterdings unmöglich.
»Wohl giebt es aber, ihr Mönche, auch edle Söhne, die sich die Lehre aneignen. Nachdem sie diese Lehre sich angeeignet haben, untersuchen sie mit Weisheit den Sinn der Lehren. Da sie den Sinn mit Weisheit untersuchen, gewähren ihnen die Lehren Einsicht. Sie lernen die Lehre nicht etwa nur, um Reden und Meinungen über sie äußern zu können. Den Zweck, um dessen willen sie die Lehre lernen, den merken sie. Ihnen gereichen die recht angefassten Lehren lange zum Wohle, zum Heile. Und warum das? Weil sie die Lehren, ihr Mönche, recht angefasst haben. Es ist, ihr Mönche, als wie wenn ein Mann, der Schlangen begehrt, Schlangen sucht, auf Schlangen ausgeht, eine gewaltige Schlange fände und sie mit einem gabelförmigen Stocke, recht angefasst, niederzwänge und, nachdem er sie mit dem gabelförmigen Stocke, recht angefasst, niedergezwungen hätte, am Halse wohl gepackt hielte: wenn nun auch, ihr Mönche, die Schlange Hand oder Arm oder andere Glieder jenes Mannes mit ihrem Leibe umringelte, so brauchte er darum weder Tod zu befürchten noch tödtlichen Schmerz. Und warum nicht? Weil er die Schlange, ihr Mönche, recht angefasst hätte. Ebenso nun auch, ihr Mönche, giebt es auch edle Söhne, denen die recht angefassten Lehren lange zum Wohle, zum Heile gereichen. Und warum das? Weil sie die Lehren, ihr Mönche, recht angefasst haben.
»Darum also, ihr Mönche: was ihr vom Sinn meiner Rede verstehet, das bewahret getreu; was ihr aber vom Sinn meiner Rede nicht verstehet, das muss ich mit euch besprechen, auf dass es wohlbelehrte Mönche gebe.
»Als Floss, ihr Mönche, will ich euch die Lehre weisen, zum Entrinnen tauglich, nicht zum Festhalten. Das höret und achtet wohl auf meine Rede.«
»Ja, o Herr!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Gleichwie, ihr Mönche, wenn ein Mann, auf der Reise, an ein ungeheueres Wasser käme, das diesseitige Ufer voller Gefahren und Schrecken, das jenseitige Ufer sicher, frei von Schrecken, und es wäre kein Schiff da zur Ueberfuhr, keine Brücke diesseits um das jenseitige Ufer zu erreichen. Da würde dieser Mann denken: ›Das ist ja ein ungeheueres Wasser, {135} das diesseitige Ufer voller Gefahren und Schrecken, das jenseitige Ufer sicher, frei von Schrecken, und kein Schiff ist da zur Ueberfuhr, keine Brücke diesseits um jenseits hinüberzugelangen. Wie, wenn ich nun Röhricht und Stämme, Reisig und Blätter sammelte, ein Floss zusammenfügte und mittelst dieses Flosses, mit Händen und Füßen arbeitend, heil zum jenseitigen Ufer hinübersetzte?!‹ Und der Mann, ihr Mönche, sammelte nun Röhricht und Stämme, Reisig und Blätter, fügte ein Floss zusammen und setzte mittelst dieses Flosses, mit Händen und Füßen arbeitend, heil ans jenseitige Ufer hinüber. Und, gerettet, hinübergelangt, würde er also denken: ›Hochtheuer ist mir wahrlich dieses Floss, mittelst dieses Flosses bin ich, mit Händen und Füßen arbeitend, heil ans jenseitige Ufer gelangt. Wie, wenn ich nun dieses Floss auf den Kopf heben oder auf die Schultern laden würde und hinginge, wohin ich will?‹ Was haltet ihr davon, Mönche? Würde wohl dieser Mann durch solches Thun das Floss richtig behandeln?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Was hätte also, ihr Mönche, der Mann zu thun, damit er das Floss richtig behandelte? Da würde, ihr Mönche, dieser Mann, gerettet, hinübergelangt, also erwägen: ›Hochtheuer ist mir wahrlich dieses Floss, mittelst dieses Flosses bin ich, mit Händen und Füßen arbeitend, heil an das jenseitige Ufer hinübergelangt. Wie, wenn ich nun dieses Floss ans Ufer legte oder in die Fluth senkte und hinginge, wohin ich will?‹ Durch solches Thun, wahrlich, ihr Mönche, würde dieser Mann das Floss richtig behandeln. Ebenso nun auch, ihr Mönche, habe ich die Lehre als Floss dargestellt, zum Entrinnen tauglich, nicht zum Festhalten.
Die ihr das Gleichniss vom Flosse, ihr Mönche, verstehet, Ihr habt auch das Rechte zu lassen, geschweige das Unrecht.
»Sechs verkehrte Lehren, ihr Mönche, sind das; welche sechs? Da betrachtet, ihr Mönche, der unerfahrene gewöhnliche Mensch, der Heiligen ungewärtig, der heiligen Lehre unkundig, der heiligen Lehre fremd — der Edlen ungewärtig, der Lehre der Edlen unkundig, der Lehre der Edlen fremd, den Körper: ›Der gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹; er betrachtet das Gefühl: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹; er betrachtet die Wahrnehmung: ›Die gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹; er betrachtet die Unterscheidungen: ›Die gehören mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹; und was da gesehn, gehört, gedacht, erkannt, erreicht, erforscht, im Geiste untersucht wird, auch davon hält er: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹; und auch den Glaubenssatz, welcher da lehrt: ›Das ist die Welt, das ist die Seele, das werde ich nach meinem Tode werden, unvergänglich, beharrend, ewig, unwandelbar, ewig gleich, {136} ja, werde ich so verbleiben‹, auch davon hält er: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst.‹
»Der erfahrene heilige Jünger aber, ihr Mönche, der Heiligen gewärtig, der heiligen Lehre kundig, der heiligen Lehre vertraut — der Edlen gewärtig, der Lehre der Edlen kundig, der Lehre der Edlen vertraut, betrachtet den Körper: ›Der gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst‹; er betrachtet das Gefühl: ›Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst‹; er betrachtet die Wahrnehmung: ›Die gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst‹; er betrachtet die Unterscheidungen: ›Die gehören mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst‹; und was da gesehn, gehört, gedacht, erkannt, erreicht, erforscht, im Geiste untersucht wird, auch davon hält er: ›Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst‹; und auch den Glaubenssatz, welcher da lehrt: ›Das ist die Welt, das ist die Seele, das werde ich nach meinem Tode werden, unvergänglich, beharrend, ewig, unwandelbar, ewig gleich, ja, werde ich so verbleiben‹, auch davon hält er: ›Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst.‹ Also die Dinge betrachtend kennt er kein unverständiges Zittern.«
Auf diese Worte wandte sich einer der Mönche an den Erhabenen: »Kann wohl, o Herr, unverständiges Zittern aus äußeren Gründen eintreten?«
»Kann sein, o Mönch«, sprach der Erhabene. »Es wird, zum Beispiel, o Mönch, einem Menschen also zumuthe: ›Verloren hab’ ich’s, ach, ich besitze es nimmer! O, hätt’ ich’s doch wieder! Ach, nimmermehr werd’ ich’s erlangen!‹ Er ist traurig, gebrochen, er jammert, schlägt sich stöhnend die Brust und geräth in Verzweiflung. Also, o Mönch, tritt unverständiges Zittern aus äußeren Gründen ein.«
»Und kann wohl, o Herr, unverständiges Zittern aus äußeren Gründen unterbleiben?«
»Kann sein, o Mönch«, sprach der Erhabene. »Da wird, o Mönch, einem Menschen nicht also zumuthe: ›Verloren hab’ ich’s, ach, ich besitze es nimmer! O, hätt’ ich’s doch wieder! Ach, nimmermehr werd’ ich’s erlangen!‹ Er ist nicht traurig, nicht gebrochen, er jammert nicht, schlägt sich nicht stöhnend die Brust und geräth nicht in Verzweiflung. Also, o Mönch, unterbleibt unverständiges Zittern aus äußeren Gründen.«
»Kann aber, o Herr, unverständiges Zittern ans inneren Gründen eintreten?«
»Und kann wohl, o Herr, unverständiges Zittern aus inneren Gründen unterbleiben?«
»Kann sein, o Mönch«, sprach der Erhabene. »Da hat, o Mönch, einer nicht den Glauben: ›Das ist die Welt, das ist die Seele, das werde ich nach meinem Tode werden, unvergänglich, beharrend, ewig, unwandelbar, ewig gleich, ja, werde ich so verbleiben.‹ Der hört vom Vollendeten oder von einem Jünger des Vollendeten die Verkündung der Wahrheit, die alles Anhängen und Genügen an falschen Lehren, Dogmen und Systemen von Grund aus zerstört, die zum Aufgehn aller Unterscheidung führt, zur Abwehr aller Anhaftung, zum Versiegen des Durstes, zur Wendung, zur Auflösung, zur Erlöschung. Da wird ihm nicht also zumuthe: ›Vernichtet werde ich sein, o, zugrunde gegangen, ach! Nicht mehr werde ich sein!‹ Er ist nicht traurig, nicht gebrochen, er jammert nicht, schlägt sich nicht stöhnend die Brust, geräth nicht in Verzweiflung, Also, o Mönch, unterbleibt unverständiges Zittern aus inneren Gründen.
»Könntet ihr wohl, Mönche, ein Gut erlangen, dessen Besitz unvergänglich, beharrend, ewig, unwandelbar, ewig gleich derselbe nur bliebe? Kennt ihr, Mönche, ein solches Gut?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Wohl, ihr Mönche: auch ich, ihr Mönche, kenne ein solches Gut nicht, dessen Besitz unvergänglich, beharrend, ewig, unwandelbar, ewig gleich derselbe nur bliebe.
»Seid ihr wohl, Mönche, einem Glauben an Unsterblichkeit ergeben, nach welchem der Gläubige von Wehe, Jammer, Leiden, Gram und Verzweiflung erlöst würde? Kennt ihr, Mönche, einen Glauben an Unsterblichkeit, der dem Gläubigen Erlösung brächte von Wehe, Jammer, Leiden, Gram und Verzweiflung?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Wohl, ihr Mönche: auch ich, ihr Mönche, kenne keinen Glauben an Unsterblichkeit, der dem Gläubigen Erlösung brächte von Wehe, Jammer, Leiden, Gram und Verzweiflung.
»Hängt ihr wohl, Mönche, einer Schule an, durch welche der Anhänger vor Wehe, Jammer, Leiden, Gram und Verzweiflung bewahrt bliebe? Kennt ihr, Mönche, eine Schule, die den Anhänger vor Wehe, Jammer, Leiden, Gram und Verzweiflung schützen könnte?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Wohl, ihr Mönche: auch ich, ihr Mönche, kenne eine solche Schule nicht, {138} die den Anhänger schützen könnte vor Wehe, Jammer, Leiden, Gram und Verzweiflung.
»Wenn das Ichselbst, ihr Mönche, vorhanden wäre, könnt’ es dann auch ein ›Mir eigen‹ geben?«
»Ja, o Herr!«
»Wenn das Eigen, ihr Mönche, vorhanden wäre, könnt’ es dann auch ein ›Mir selbst‹ geben?«
»Freilich, o Herr!«.
»Da nun weder das Ich noch das Eigen, ihr Mönche, wahrhaft und wirklich erlangt werden kann, wie steht’s um das Dogma, welches da lehrt: ›Das ist die Welt, das ist die Seele, das werd’ ich nach meinem Tode werden, unvergänglich, beharrend, ewig, unwandelbar, ewig gleich, ja, werde ich so verbleiben‹? ist das nicht, ihr Mönche, eine völlig ausgereifte Narrenlehre?«
»Was wär’ es denn anderes, o Herr, als eine völlig ausgereifte Narrenlehre!«
»Vergänglich, o Herr!«
»Weh’, o Herr!«
»Was aber vergänglich, wehe, wandelbar ist, kann man etwa davon behaupten: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Was meint ihr wohl, Mönche: ist das Gefühl unvergänglich oder vergänglich?«
»Vergänglich, o Herr!«
»Was aber vergänglich, ist das weh’ oder wohl?«
»Weh’, o Herr!«
»Was aber vergänglich, wehe, wandelbar ist, kann man etwa davon behaupten: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Was meint ihr wohl, Mönche: ist die Wahrnehmung unvergänglich oder vergänglich?«
»Vergänglich, o Herr!«
»Was aber vergänglich, ist das weh’ oder wohl?«
»Weh’, o Herr!«
»Was aber vergänglich, wehe, wandelbar ist, kann man etwa davon behaupten: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Was meint ihr wohl, Mönche: sind die Unterscheidungen unvergänglich oder vergänglich?«
»Vergänglich, o Herr!«
»Was aber vergänglich, ist das weh’ oder wohl?«
»Weh’, o Herr!«
»Was aber vergänglich, wehe, wandelbar ist, kann man etwa davon behaupten: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Was meint ihr wohl, Mönche: ist das Bewusstsein unvergänglich oder vergänglich?«
»Vergänglich, o Herr!«
»Was aber vergänglich, ist das weh’ oder wohl?«
»Weh’, o Herr!«
»Was aber vergänglich, wehe, wandelbar ist, kann man etwa davon behaupten: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»In solchem Anblick, ihr Mönche, wird der erfahrene heilige Jünger des Körpers überdrüssig und wird des Gefühles überdrüssig und wird der Wahrnehmung überdrüssig und wird der Unterscheidungen überdrüssig und wird des Bewusstseins überdrüssig. Ueberdrüssig wendet er sich ab. Abgewandt löst er sich los. ›Im Erlösten ist die Erlösung‹, diese Erkenntniss geht auf. ›Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹ versteht er da.
»Wie aber, ihr Mönche, wird der Mönch zum Riegelheber? Da wird, ihr Mönche, von dem Mönch das Nichtwissen verneint, an der Wurzel abgeschnitten, einem Palmstumpf gleichgemacht, so dass es nicht mehr keimen, nicht mehr sich entwickeln kann. Also, ihr Mönche, wird der Mönch zum Riegelheber.
»Wie aber, ihr Mönche, wird der Mönch zum Grabenfüller? Da wird, ihr Mönche, von dem Mönch die daseinsschwangere Wandelwelt der Geburten verneint, an der Wurzel abgeschnitten, einem Palmstumpf gleichgemacht, so dass sie nicht mehr keimen, nicht mehr sich entwickeln kann. Also, ihr Mönche, wird der Mönch zum Grabenfüller.
»Wie aber, ihr Mönche, wird der Mönch zum Pfeilentledigten? Da wird, ihr Mönche, von dem Mönch der Lebensdurst verneint, an der Wurzel abgeschnitten, einem Palmstumpf gleichgemacht, so dass er nicht mehr keimen, nicht mehr sich entwickeln kann. Also, ihr Mönche, wird der Mönch zum Pfeilentledigten.
»Wie aber, ihr Mönche, wird der Mönch zum Hakenlosen? Da werden, ihr Mönche, von dem Mönch die fünf niederzerrenden Fesseln verneint, an der Wurzel abgeschnitten, einem Palmstumpf gleichgemacht, so dass sie nicht mehr keimen, nicht mehr sich entwickeln können. Also, ihr Mönche, wird der Mönch zum Hakenlosen.
»Und wie, ihr Mönche, wird der Mönch zum Heiligen, zum Fahnenlosen, Bürdelosen, Abgeschiedenen? Da wird, ihr Mönche, von dem Mönch der Ichheit Dünkel verneint, an der Wurzel abgeschnitten, einem Palmstumpf gleichgemacht, so dass er nicht mehr keimen, nicht mehr sich entwickeln kann. {140} Also, ihr Mönche, wird der Mönch zum Heiligen, zum Fahnenlosen, Bürdelosen, Abgeschiedenen.
»Den also gemütherlösten Mönch, ihr Mönche, lauernd zu versuchen wagen selbst die Indo-, Brahmā- und Pajāpati-Götter nicht: ›Gefestigt ist dieses Vollendeten Bewusstsein.‹ Und warum nicht? Schon bei Lebzeiten nenn’ ich den Vollendeten, ihr Mönche, unerfassbar.
»Darum also, ihr Mönche: was euch nicht angehört, das gebet auf. Das von euch Aufgegebene wird euch lange zum Wohle, zum Heile gereichen.
»Was aber, ihr Mönche, gehört euch nicht an? Der Körper, ihr Mönche, gehört euch nicht an: ihn gebet auf. Der von euch aufgegebene wird euch lange zum Wohle, zum Heile gereichen. Das Gefühl, ihr Mönche, gehört euch nicht an: das gebet auf. {141} Das von euch aufgegebene wird euch lange zum Wohle, zum Heile gereichen. Die Wahrnehmung, ihr Mönche, gehört euch nicht an: sie gebet auf. Die von euch aufgegebene wird euch lange zum Wohle, zum Heile gereichen. Die Unterscheidungen, ihr Mönche, gehören euch nicht an: sie gebet auf. Die von euch aufgegebenen werden euch lange zum Wohle, zum Heile gereichen. Das Bewusstsein, ihr Mönche, gehört euch nicht an: das gebet auf. Das von euch aufgegebene wird euch lange zum Wohle, zum Heile gereichen.
»Was meint ihr wohl, Mönche: wenn ein Mann das, was an Gräsern und Reisig, Zweiglein und Blättern in diesem Siegerwalde daliegt, wegtrüge, oder verbrennte, oder sonst nach Belieben damit schaltete, würdet ihr da etwa denken: ›Uns trägt der Mann weg, oder verbrennt er, oder schaltet sonst nach Belieben‹?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Und warum nicht?«
»Nicht das ist ja, o Herr, unser Ich oder Eigen!«
»Ebenso nun auch, ihr Mönche, gebet auf, was euch nicht angehört. Das von euch Aufgegebene wird euch lange zum Wohle, zum Heile gereichen. Und was, ihr Mönche, gehört euch nicht an? Der Körper, ihr Mönche, gehört euch nicht an: ihn gebet auf. Der von euch aufgegebene wird euch lange zum Wohle, zum Heile gereichen. Das Gefühl, ihr Mönche, gehört euch nicht an: das gebet auf. Das von euch aufgegebene wird euch lange zum Wohle, zum Heile gereichen. Die Wahrnehmung, ihr Mönche, gehört euch nicht an: sie gebet auf. Die von euch aufgegebene wird euch lange zum Wohle, zum Heile gereichen. Die Unterscheidungen, ihr Mönche, gehören euch nicht an: sie gebet auf. Die von euch aufgegebenen werden euch lange zum Wohle, zum Heile gereichen. Das Bewusstsein, ihr Mönche, gehört euch nicht an: das gebet auf. Das von euch aufgegebene wird euch lange zum Wohle, zum Heile gereichen.
»So hab’ ich, ihr Mönche, die Wahrheit wohlverkündet, gezeigt, aufgedeckt, dargelegt, entschleiert.
»So ist die Wahrheit, ihr Mönche, von mir wohlverkündet, gezeigt, aufgedeckt, dargelegt, entschleiert worden, und jene Mönche, welche Heilige, Wahnversieger, Endiger sind, die das Werk gewirkt, die Bürde abgelegt, das Heil errungen, die Daseinsfesseln vernichtet haben, die in vollkommener Weisheit Erlösten: ein Wandeln giebt es für diese nimmer.
»So hab’ ich, ihr Mönche, die Wahrheit wohlverkündet, gezeigt, aufgedeckt, dargelegt, entschleiert.
»So ist die Wahrheit, ihr Mönche, von mir wohlverkündet, gezeigt, aufgedeckt, dargelegt, entschleiert worden, und jene Mönche, welche die fünf niederzerrenden Fesseln abgestreift haben, alle diese gelangen empor, um von dort aus zu erlöschen, nicht mehr kehren sie zurück nach jener Welt.
»So hab’ ich, ihr Mönche, die Wahrheit wohlverkündet, gezeigt, aufgedeckt, dargelegt, entschleiert.
»So ist die Wahrheit, ihr Mönche, von mir wohlverkündet, gezeigt, aufgedeckt, dargelegt, entschleiert worden, und jene Mönche, welche die drei Fesseln abgestreift haben, die von Gier, Hass und Irre Erleichterten, fast schon Geläuterten, alle diese kehren nur einmal wieder, nur einmal noch zu dieser Welt gekommen, werden sie dem Leiden ein Ende machen.
»So hab’ ich, ihr Mönche, die Wahrheit wohlverkündet, gezeigt, aufgedeckt, dargelegt, entschleiert.
»So ist die Wahrheit, ihr Mönche, von mir wohlverkündet, gezeigt, aufgedeckt, dargelegt, entschleiert worden, und jene Mönche, welche die drei Fesseln abgestreift haben, alle diese sind Hörer der Botschaft geworden, dem Verderben entronnen, {142} eilen zielbewusst der vollen Erwachung entgegen.
»So hab’ ich, ihr Mönche, die Wahrheit wohlverkündet, gezeigt, aufgedeckt, dargelegt, entschleiert.
»So ist die Wahrheit, ihr Mönche, von mir wohlverkündet, gezeigt, aufgedeckt, dargelegt, entschleiert worden, und jene Mönche, welche der Wahrheit ergeben, der Lehre ergeben sind, alle diese eilen der vollen Erwachung entgegen.
»So hab’ ich, ihr Mönche, die Wahrheit wohlverkündet, gezeigt, aufgedeckt, dargelegt, entschleiert.
»So ist die Wahrheit, ihr Mönche, von mir wohlverkündet, gezeigt, aufgedeckt, dargelegt, entschleiert worden, und jene, die Vertrauen, die Liebe zu mir empfinden, alle diese steigen himmelwärts auf.«
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.
23.
Dritter Theil
Dritte Rede
DER AMEISENHÜGEL
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Zu jener Zeit nun weilte der ehrwürdige Kumārakassapo im Dunkeln Walde. Als nun die Nacht eingetreten war, erleuchtete eine gewisse Gottheit den ganzen großen Dunkeln Wald mit ihrem Glanze, begab sich dorthin, wo der ehrwürdige Kumārakassapo weilte, und stellte sich seitwärts hin. Seitwärts stehend sprach nun jene Gottheit zum ehrwürdigen Kumārakassapo also:
»Mönch, o Mönch! Dieser Ameisenhügel raucht bei Nacht und flammt bei Tage. Der Geistliche sagte: Grab’ auf, o Weiser, mit scharfer Waffe. Der Weise grub auf mit scharfer Waffe und fand einen Keil: Ein Keil, o Herr! Der Geistliche sagte: Weg mit dem Keil, grab’ auf, o Weiser, mit scharfer Waffe. Der Weise grub auf mit scharfer Waffe und fand eine Blase: Eine Blase, o Herr! Der Geistliche sagte: Weg mit der Blase, grab’ auf, o Weiser, mit scharfer Waffe. Der Weise grub auf mit scharfer Waffe und fand einen Zweizack: Ein Zweizack, o Herr! Der Geistliche sagte: Weg mit dem Zweizack, grab’ auf, o Weiser, mit scharfer Waffe. Der Weise grub auf mit scharfer Waffe und fand ein Geflecht: {143} Ein Geflecht, o Herr! Der Geistliche sagte: Weg mit dem Geflecht, grab’ auf, o Weiser, mit scharfer Waffe. Der Weise grub auf mit scharfer Waffe und fand eine Schildkröte: Eine Schildkröte, o Herr! Der Geistliche sagte: Weg mit der Schildkröte, grab’ auf, o Weiser, mit scharfer Waffe. Der Weise grub auf mit scharfer Waffe und fand ein Schlachtbeil: Ein Schlachtbeil, o Herr! Der Geistliche sagte: Weg mit dem Schlachtbeil, grab’ auf, o Weiser, mit scharfer Waffe. Der Weise grub auf mit scharfer Waffe und fand einen Fleischfetzen: Ein Fleischfetzen, o Herr! Der Geistliche sagte: Weg mit dem Fleischfetzen, grab’ auf, o Weiser, mit scharfer Waffe. Der Weise grub auf mit scharfer Waffe und fand eine Kobra: Eine Kobra, o Herr! Der Geistliche sagte: Halt, es bleibe die Kobra, die Kobra rühre nicht an, Verehrung erweise der Kobra! — Diese Räthsel, o Mönch, wolle vor dem Erhabenen berichten und der Erklärung des Erhabenen gemäß bewahren. Keinen seh’ ich, o Mönch, in der Welt mit ihren Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schaar von Büßern und Priestern, Göttern und Menschen, der durch eine Erklärung dieser Fragen das Herz gewinnen könnte, den Vollendeten ausgenommen, oder einen Jünger des Vollendeten, und die es von da gehört haben.«
Das sprach jene Gottheit und verschwand hierauf von dort.
Nachdem nun die Nacht verflossen war, begab sich der ehrwürdige Kumārakassapo zum Erhabenen, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich zur Seite nieder. Hierauf nun sprach der ehrwürdige Kumārakassapo zum Erhabenen also:
»Diese Nacht, o Herr, beim Eintritt der Dämmerung, erleuchtete eine gewisse Gottheit den ganzen großen Dunkeln Wald mit ihrem Glanze, kam zu mir heran und stellte sich seitwärts hin. Seitwärts stehend sprach nun, o Herr, jene Gottheit also zu mir: ›Mönch, o Mönch! Dieser Ameisenhügel raucht bei Nacht und flammt bei Tage. Der Geistliche sagte: Grab’ auf, o Weiser, mit scharfer Waffe. Der Weise grub auf mit scharfer Waffe und fand einen Keil: Ein Keil, o Herr! Der Geistliche sagte: Weg mit dem Keil, grab’ auf, o Weiser, mit scharfer Waffe. Der Weise grub auf mit scharfer Waffe und fand eine Blase: Eine Blase, o Herr! Der Geistliche sagte: Weg mit der Blase, grab’ auf, o Weiser, mit scharfer Waffe. Der Weise grub auf mit scharfer Waffe und fand einen Zweizack: Ein Zweizack, o Herr! Der Geistliche sagte: Weg mit dem Zweizack, grab’ auf, o Weiser, mit scharfer Waffe. Der Weise grub auf mit scharfer Waffe und fand ein Geflecht: Ein Geflecht, o Herr! Der Geistliche sagte: Weg mit dem Geflecht, grab’ auf, o Weiser, mit scharfer Waffe. Der Weise grub auf mit scharfer Waffe und fand eine Schildkröte: Eine Schildkröte, o Herr! Der Geistliche sagte: Weg mit der Schildkröte, grab’ auf, o Weiser, mit scharfer Waffe. Der Weise grub auf mit scharfer Waffe und fand ein Schlachtbeil: Ein Schlachtbeil, o Herr! Der Geistliche sagte: Weg mit dem Schlachtbeil, grab’ auf, o Weiser, mit scharfer Waffe. Der Weise grub auf mit scharfer Waffe und fand einen Fleischfetzen: Ein Fleischfetzen, o Herr! Der Geistliche sagte: Weg mit dem Fleischfetzen, grab’ auf, o Weiser, mit scharfer Waffe. Der Weise grub auf mit scharfer Waffe und fand eine Kobra: Eine Kobra, o Herr! Der Geistliche sagte: Halt, es bleibe die Kobra, die Kobra rühre nicht an, Verehrung erweise der Kobra! — Diese Räthsel, o Mönch, wolle vor dem Erhabenen berichten und der Erklärung des Erhabenen gemäß bewahren. Keinen seh’ ich, o Mönch, in der Welt mit ihren Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schaar von Büßern und Priestern, Göttern und Menschen, der durch eine Erklärung dieser Fragen das Herz gewinnen könnte, den Vollendeten ausgenommen, oder einen Jünger des Vollendeten, und die es von da gehört haben.‹ So sprach, o Herr, jene Gottheit und verschwand hierauf von dort. Was ist nun, o Herr, der Ameisenhügel, was das Rauchen bei Nacht und das Flammen bei Tage, wer der Geistliche, wer der Weise, was die scharfe Waffe, was das Aufgraben, was der Keil, was die Blase, was der Zweizack, was das Geflecht, was die Schildkröte, was das Schlachtbeil, was der Fleischfetzen, was ist die Kobra?«
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige Kumārakassapo über das Wort des Erhabenen.
24.
Dritter Theil
Vierte Rede
DIE EILPOST
»Wer von den Mönchen, den Ordensgetreuen, ihr Mönche, hat sich daheim wohl also erwiesen: selbst wenig bedürfend die Bedürfnisslosigkeit mit den Mönchen besprechend, selbst zufrieden die Zufriedenheit mit den Mönchen besprechend, selbst zurückgezogen die Zurückgezogenheit mit den Mönchen besprechend, selbst weltflüchtig die Weltflucht mit den Mönchen besprechend, selbst ausdauernd standhaft die standhafte Ausdauer mit den Mönchen besprechend, selbst ordenstüchtig die Ordenstugend mit den Mönchen besprechend, selbst vertieft das Heil der Vertiefung mit den Mönchen besprechend, selbst weise das Heil der Weisheit mit den Mönchen besprechend, selbst erlöst das Heil der Erlösung mit den Mönchen besprechend, selbst die Erlösung klar kennend das Heil klarer Kenntniss der Erlösung mit den Mönchen besprechend: ein Belehrer, Aufklärer, Verkünder, ein Ermunterer, Ermuthiger, Erheiterer der Ordensgetreuen?«
{146} »Ein Ehrwürdiger Namens Puṇṇo, o Herr, der Sohn der Mantāṇī, hat sich daheim unter den Mönchen, den Ordensgetreuen, also erwiesen: selbst wenig bedürfend die Bedürfnisslosigkeit mit den Mönchen besprechend, selbst zufrieden die Zufriedenheit mit den Mönchen besprechend, selbst zurückgezogen die Zurückgezogenheit mit den Mönchen besprechend, selbst weltflüchtig die Weltflucht mit den Mönchen besprechend, selbst ausdauernd standhaft die standhafte Ausdauer mit den Mönchen besprechend, selbst ordenstüchtig die Ordenstugend mit den Mönchen besprechend, selbst vertieft das Heil der Vertiefung mit den Mönchen besprechend, selbst weise das Heil der Weisheit mit den Mönchen besprechend, selbst erlöst das Heil der Erlösung mit den Mönchen besprechend, selbst die Erlösung klar kennend das Heil klarer Kenntniss der Erlösung mit den Mönchen besprechend: ein Belehrer, Aufklärer, Verkünder, ein Ermunterer, Ermuthiger, Erheiterer der Ordensgetreuen.«
Zu jener Zeit nun hatte der ehrwürdige Sāriputto nicht fern vom Erhabenen Platz genommen. Da kam nun dem ehrwürdigen Sāriputto der Gedanke: ›Gesegnet ist der ehrwürdige Puṇṇo Mantāṇiputto, dessen vielseitiges Verdienst verständige Ordensbrüder vor dem Meister preisen, und der Meister freut sich darüber. O dass wir doch gelegentlich einmal mit dem ehrwürdigen Puṇṇo Mantāṇiputto zusammenträfen, dass wir uns über irgend etwas besprächen!‹
Nachdem nun der Erhabene in Rājagaham nach Belieben geweilt hatte, begab er sich auf die Wanderung nach Sāvatthī, von Ort zu Ort wandernd näherte er sich der Stadt.
Aber es ging ein Mönch zum ehrwürdigen Sāriputto und meldete ihm: »Jener Mönch, o Bruder Sāriputto, der Puṇṇo heißt, der Sohn der Mantāṇī, den du oft gerühmt hast, {147} der hat sich, vom Erhabenen in lehrreichem Gespräche gestärkt, ermuntert, ermuthigt, erheitert, durch des Erhabenen Rede erfreut und befriedigt, von seinem Sitze erhoben, den Erhabenen ehrerbietig begrüßt und ist gegen den Dunkeln Wald zu gegangen, wo er bis Abend verweilen dürfte.«
Da nahm der ehrwürdige Sāriputto unverzüglich seine Strohmatte und folgte dem ehrwürdigen Puṇṇo Mantāṇiputto Schritt vor Schritt, den Kopf nicht aus den Augen verlierend. Und der ehrwürdige Puṇṇo Mantāṇiputto wandte sich ins Innere des Dunkeln Waldes und setzte sich am Fuß eines Baumes nieder, für den Tag. Und auch der ehrwürdige Sāriputto wandte sich ins Innere des Dunkeln Waldes und setzte sich am Fuß eines Baumes nieder, für den Tag.
Als nun der ehrwürdige Sāriputto gegen Abend die Gedenkensruhe beendet hatte, begab er sich zum ehrwürdigen Puṇṇo Mantāṇiputto, wechselte höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit ihm und setzte sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend sprach nun der ehrwürdige Sāriputto zum ehrwürdigen Puṇṇo Mantāṇiputto also:
»Wird denn beim Erhabenen, o Bruder, heiliges Leben gepflegt?«
»Freilich, o Bruder.«
»Wie nun, o Bruder: wird beim Erhabenen um reiner Tugend willen heiliges Leben gepflegt?«
»Das nicht, o Bruder.«
»Oder wird, o Bruder, um reinen Herzens willen beim Erhabenen heiliges Leben gepflegt?«
»Das nicht, o Bruder.«
»Oder wird vielleicht, o Bruder, um reiner Erkenntniss willen beim Erhabenen heiliges Leben gepflegt?«
»Das nicht, o Bruder.«
»Oder wird etwa, o Bruder, um reiner Gewissheit willen beim Erhabenen heiliges Leben gepflegt?«
»Das nicht, o Bruder.«
»Wird also vielleicht, o Bruder, um reiner Wissenschaft der Wege willen beim Erhabenen heiliges Leben gepflegt?«
»Das nicht, o Bruder.«
»So wird also, o Bruder, um reiner Wissenschaft des Pfades willen beim Erhabenen heiliges Leben gepflegt?«
»Das nicht, o Bruder.«
»Wird dann vielleicht, o Bruder, um reiner Wissenschaft willen beim Erhabenen heiliges Leben gepflegt?«
»Das nicht, o Bruder.«
»Wie nun, o Bruder: auf die Frage, ›Wird beim Erhabenen um reiner Tugend willen heiliges Leben gepflegt‹ antwortest du ›Das nicht, o Bruder‹; auf die Frage ›Oder wird, o Bruder, um reinen Herzens willen beim Erhabenen heiliges Leben gepflegt‹ antwortest du ›Das nicht, o Bruder‹; auf die Frage ›Oder wird vielleicht, o Bruder, um reiner Erkenntniss willen beim Erhabenen heiliges Leben gepflegt‹ antwortest du ›Das nicht, o Bruder‹; auf die Frage ›Oder wird etwa, o Bruder, um reiner Gewissheit willen beim Erhabenen heiliges Leben gepflegt‹ antwortest du ›Das nicht, o Bruder‹; auf die Frage ›Wird also vielleicht, o Bruder, um reiner Wissenschaft der Wege willen beim Erhabenen heiliges Leben gepflegte antwortest du ›Das nicht, o Bruder‹; auf die Frage ›So wird also, o Bruder, um reiner Wissenschaft des Pfades willen beim Erhabenen heiliges Leben gepflegt‹ antwortest du ›Das nicht, o Bruder‹; auf die Frage ›Wird dann vielleicht, o Bruder, um reiner Wissenschaft willen beim Erhabenen heiliges Leben gepflegt‹ antwortest du ›Das nicht, o Bruder‹. Um wessen willen, sag’ an, o Bruder, wird beim Erhabenen heiliges Leben gepflegt?«
»Ist da wohl, o Bruder, reine Tugend hanglose Wahnerlöschung?«
»Das nicht, o Bruder.«
»So ist vielleicht, o Bruder, reines Herz hanglose Wahnerlöschung?«
»Das nicht, o Bruder.«
»So ist wohl, o Bruder, reine Erkenntniss hanglose Wahnerlöschung?«
»Das nicht, o Bruder.«
»Ist nun etwa, o Bruder, reine Gewissheit hanglose Wahnerlöschung?«
»Das nicht, o Bruder.«
»Oder ist da, o Bruder, reine Wissenschaft der Wege hanglose Wahnerlöschung?«
»Das nicht, o Bruder.«
»Oder ist, o Bruder, reine Wissenschaft des Pfades hanglose Wahnerlöschung?«
»Das nicht, o Bruder.«
»Oder ist dann, o Bruder, reine Wissenschaft hanglose Wahnerlöschung?«
»Das nicht, o Bruder.«
»So liegt also, o Bruder, hanglose Wahnerlöschung außerhalb dieser Dinge?«
»Das nicht, o Bruder.«
»Wie nun, o Bruder: auf die Frage ›Ist da wohl reine Tugend hanglose Wahnerlöschung‹ antwortest du ›Das nicht, o Bruder‹; auf die Frage ›So ist vielleicht, o Bruder, reines Herz hanglose Wahnerlöschung‹ antwortest du ›Das nicht, o Bruder‹; auf die Frage ›So ist wohl, o Bruder, reine Erkenntnis hanglose Wahnerlöschung‹ antwortest du ›Das nicht, o Bruder‹; auf die Frage ›Ist nun etwa, o Bruder, reine Gewissheit hanglose Wahnerlöschung‹ antwortest du ›Das nicht, o Bruder‹; auf die Frage ›Oder ist da, o Bruder, reine Wissenschaft der Wege hanglose Wahnerlöschung‹ antwortest du ›Das nicht, o Bruder‹; auf die Frage ›Oder ist, o Bruder, reine Wissenschaft des Pfades hanglose Wahnerlöschung‹ antwortest du ›Das nicht, o Bruder‹; auf die Frage ›Oder ist dann, o Bruder, reine Wissenschaft hanglose Wahnerlöschung‹ antwortest du ›Das nicht, o Bruder‹; auf die Frage ›So liegt also, o Bruder, hanglose Wahnerlöschung außerhalb dieser Dinge‹ antwortest du ›Das nicht, o Bruder‹. Wie soll da wohl, o Bruder, dieser Rede Sinn verstanden werden?«
»Hätte der Erhabene, o Bruder, reine Tugend als hanglose Wahnerlöschung bezeichnet, so würde ja der Erhabene Hanghaftes als hanglose Wahnerlöschung bezeichnet haben. Hätte der Erhabene, o Bruder, reines Herz als hanglose Wahnerlöschung bezeichnet, so würde ja der Erhabene Hanghaftes als hanglose Wahnerlöschung bezeichnet haben. Hätte der Erhabene, o Bruder, reine Erkenntniss als hanglose Wahnerlöschung bezeichnet, so würde ja der Erhabene Hanghaftes als hanglose Wahnerlöschung bezeichnet haben. Hätte der Erhabene, o Bruder, reine Gewissheit als hanglose Wahnerlöschung bezeichnet, so würde ja der Erhabene Hanghaftes als hanglose Wahnerlöschung bezeichnet haben. Hätte der Erhabene, o Bruder, reine Wissenschaft der Wege als hanglose Wahnerlöschung bezeichnet, so würde ja der Erhabene Hanghaftes als hanglose Wahnerlöschung bezeichnet haben. Wäre aber, o Bruder, hanglose Wahnerlöschung ohne diese Dinge möglich, so erlangte der gemeine Mensch die Wahnerlöschung: denn der gemeine Mensch, o Bruder, ist ohne diese Dinge. Desshalb will ich dir nun, o Bruder, ein Gleichniss geben: auch durch Gleichnisse wird da manchem verständigen Manne der Sinn einer Rede klar. — Gleichwie etwa, o Bruder, wenn den König Pasenadi Kosalo, während er in Sāvatthī residiert, irgend ein dringendes Geschäft nach Sāketam riefe: {149} da würden für ihn zwischen Sāvatthī und Sāketam sieben Eilposten eingestellt werden. Und der König Pasenadi Kosalo, o Bruder, verließe seine Burg zu Sāvatthī, bestiege vor dem Thore die erste Eilpost und führe mit dieser ersten bis zur zweiten. Dann stiege er aus der ersten in die zweite ein und führe mit dieser zweiten bis zur dritten. Dann stiege er aus der zweiten in die dritte ein und führe mit dieser dritten bis zur vierten. Dann stiege er aus der dritten in die vierte ein und führe mit dieser vierten bis zur fünften. Dann stiege er aus der vierten in die fünfte ein und führe mit dieser fünften bis zur sechsten. Dann stiege er aus der fünften in die sechste ein und führe mit dieser sechsten bis zur siebenten. Dann stiege er aus der sechsten in die siebente ein und führe mit der siebenten Eilpost bis nach Sāketam, vor das Thor seiner Burg. Dort angekommen frügen ihn Brüder und Vettern, Minister und Räthe: ›Mit dieser Eilpost, großer König, bist du von Sāvatthī nach Sāketam gefahren, bis zum Burgthor?‹ Wie möchte da wohl, o Bruder, der König Pasenadi Kosalo rechten Bescheid ertheilen?«
»Also, o Bruder, möchte der König Pasenadi Kosalo rechten Bescheid ertheilen: ›Während meiner Anwesenheit in Sāvatthī hat mich ein bestimmtes wichtiges Ereigniss nach Sāketam gerufen. Da befahl ich, sieben Eilposten zwischen Sāvatthī und Sāketam für mich einzustellen. Und ich verließ meine Burg zu Sāvatthī, bestieg vor dem Thore die erste Eilpost und fuhr mit dieser ersten bis zur zweiten. Dann stieg ich aus der ersten in die zweite ein und fuhr mit dieser zweiten bis zur dritten. Dann stieg ich aus der zweiten in die dritte ein und fuhr mit dieser dritten bis zur vierten. Dann stieg ich aus der dritten in die vierte ein und fuhr mit dieser vierten bis zur fünften. Dann stieg ich aus der vierten in die fünfte ein und fuhr mit dieser fünften bis zur sechsten. Dann stieg ich aus der fünften in die sechste ein und fuhr mit dieser sechsten bis zur siebenten. Dann stieg ich aus der sechsten in die siebente ein und bin mit der siebenten Eilpost in Sāketam angekommen, hier vor dem Burgthor.‹ Also, o Bruder, möchte der König Pasenadi Kosalo rechten Bescheid ertheilen.«
»Ebenso nun auch, o Bruder, führt reine Tugend zu reinem Herzen, reines Herz zu reiner Erkenntniss, reine Erkenntniss zu reiner Gewissheit, reine Gewissheit zu reiner Wissenschaft der Wege, {150} reine Wissenschaft der Wege zu reiner Wissenschaft des Pfades, reine Wissenschaft des Pfades zu reiner Wissenschaft, reine Wissenschaft zu hangloser Wahnerlöschung. Um hangloser Wahnerlöschung willen, o Bruder, wird beim Erhabenen heiliges Leben gepflegt.«
Nach diesen Worten sagte der ehrwürdige Sāriputto zum ehrwürdigen Puṇṇo Mantāṇiputto:
»Wie heißt der Ehrwürdige und unter welchem Namen kennen den Ehrwürdigen die Ordensbrüder?«
»Puṇṇo heiße ich, o Bruder, und als Mantāṇiputto kennen mich die Ordensbrüder.«
»Wunderbar, o Bruder, außerordentlich ist es, wie erschöpfend ein so erfahrener Jünger, ein so gründlicher Kenner des Meisterwortes, der ehrwürdige Puṇṇo Mantāṇiputto, diese überaus tiefsinnigen Fragen beantwortet hat. Gesegnet sind die Ordensbrüder, hochgesegnet sind die Ordensbrüder, denen der Anblick, denen die Gesellschaft des ehrwürdigen Puṇṇo Mantāṇiputto gegönnt ist! Und wenn den Ordensbrüdern Anblick und Gesellschaft des ehrwürdigen Puṇṇo Mantāṇiputto nur verhüllten Hauptes gegönnt wäre, so wären sie auch dann noch gesegnet, hochgesegnet. Gesegnet, hochgesegnet sind auch wir, die wir den Anblick und die Gesellschaft des ehrwürdigen Puṇṇo Mantāṇiputto genießen!«
Auf diese Worte sagte der ehrwürdige Puṇṇo Mantāṇiputto zum ehrwürdigen Sāriputto:
»Wie heißt der Ehrwürdige und unter welchem Namen kennen den Ehrwürdigen die Ordensbrüder?«
»Upatisso heiße ich, o Bruder, und als Sāriputto kennen mich die Ordensbrüder.«
»Als wir uns mit euch, dem Jünger, der dem Meister gleicht, wie man sagt, unterhielten, wussten wir nicht: das ist der ehrwürdige Sāriputto. Hätten wir das gewusst, wären wir nicht so ausführlich gewesen. Wunderbar, o Bruder, außerordentlich ist es, wie erschöpfend ein so erfahrener Jünger, ein so gründlicher Kenner des Meisterwortes, der ehrwürdige Sāriputto, diese überaus tiefsinnigen Fragen gestellt hat. Gesegnet sind die Ordensbrüder, hochgesegnet sind die Ordensbrüder, denen der Anblick, denen die Gesellschaft des ehrwürdigen Sāriputto gegönnt ist! Und wenn den Ordensbrüdern Anblick und Gesellschaft des ehrwürdigen Sāriputto nur verhüllten Hauptes gegönnt wäre, so wären sie auch dann noch gesegnet, hochgesegnet. {151} Gesegnet, hochgesegnet sind auch wir, die wir den Anblick und die Gesellschaft des ehrwürdigen Sāriputto genießen!«
So, wahrlich, ergetzten sich jene beiden Großen an gegenseitiger trefflicher Rede.
25.
Dritter Theil
Fünfte Rede
DAS FUTTER
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!« — »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Nicht streut der Wildsteller, ihr Mönche, dem Wilde Futter aus in dem Gedanken: ›Von dem Futter, das ich hier ausstreue, möge das Wild genießen, um gesund zu bleiben und alt zu werden, lange Zeit hindurch soll es sich davon ernähren‹, sondern, ihr Mönche, er denkt dabei: ›Von dem Futter, das ich hier ausstreue, angelockt wird sich das Wild blindem Genusse ergeben; angelockt, blindem Genusse ergeben wird es behaglich werden; behaglich geworden wird es sich gehn lassen; und wenn es sich gehn lässt, wird es in diesem Gehäge meinem Gefallen überliefert sein.‹
»Da kam, ihr Mönche, die erste Heerde Wildes heran, angelockt von dem Futter, das der Wildsteller ausgestreut hatte, und ergab sich blindem Genusse; angelockt, blindem Genusse ergeben wurden die Thiere behaglich; behaglich geworden ließen sie sich gehn; und als sie sich gehn ließen, waren sie in jenem Gehäge dem Gefallen des Wildstellers überliefert. Und so konnte, ihr Mönche, die erste Heerde Wildes aus dem Machtbereich des Wildstellers nicht entkommen.
»Da gedachte, ihr Mönche, die zweite Heerde Wildes: ›Jene Ersten sind von dem ausgestreuten Futter des Wildstellers angelockt worden, haben sich blindem Genusse ergeben; angelockt, blindem Genusse ergeben wurden sie behaglich; behaglich geworden ließen sie sich gehn; {152} und als sie sich gehn ließen, waren sie in jenem Gehäge dem Gefallen des Wildstellers überliefert. Und so konnten jene Ersten aus des Wildstellers Machtbereich nicht entkommen. Wir aber wollen uns von allem ausgestreuten Futter fern halten, fern von der Unglückspeise tief in den Wald zurückziehn.‹ Und sie hielten sich fern von allem ausgestreuten Futter, fern von der Unglückspeise zogen sie sich tief in den Wald zurück. Und im letzten Monat des Sommers, als Gras und Wasser versiegte, wurden sie außerordentlich mager; außerordentlich mager geworden verloren sie die Kraft; entkräftet gingen sie nun zu jenem Futter heran, das der Wildsteller ausgestreut hatte. Angelockt ergaben sie sich blindem Genusse; angelockt, blindem Genusse ergeben wurden sie behaglich; behaglich geworden ließen sie sich gehn; und als sie sich gehn ließen, waren sie in jenem Gehäge dem Gefallen des Wildstellers überliefert. Und so konnte, ihr Mönche, auch die zweite Heerde Wildes aus dem Machtbereich des Wildstellers nicht entkommen.
»Da gedachte, ihr Mönche, die dritte Heerde Wildes: ›Jene Ersten und auch jene Zweiten konnten also aus des Wildstellers Machtbereich nicht entkommen. {153} Wie, wenn wir uns nun in der Nähe jenes Platzes aufhielten, wo der Wildsteller Futter ausstreut? Dort weilend werden wir nicht angelockt und nicht blindlings die Nahrung genießen; nicht angelockt und nicht blindlings die Nahrung genießend werden wir nicht behaglich werden; nicht behaglich geworden werden wir uns nicht gehn lassen; und wenn wir uns nicht gehn lassen, werden wir in jenem Gehäge dem Gefallen des Wildstellers nicht überliefert sein.‹ Und sie hielten sich in der Nähe jenes Platzes auf, wo der Wildsteller Futter ausstreute; dort weilend genossen sie nicht angelockt und nicht blindlings die Nahrung; nicht angelockt und nicht blindlings die Nahrung genießend wurden sie nicht behaglich; nicht behaglich geworden ließen sie sich nicht gehn; und da sie sich nicht gehn ließen, waren sie in jenem Gehäge dem Gefallen des Wildstellers nicht überliefert. Da sagten sich, ihr Mönche, der Wildsteller und seine Gesellen: ›Schlau ist wahrhaftig dieses dritte, gewitzigte Rudel, magische Macht muss dieses dritte, fremde Rudel besitzen, da es ja hier das ausgestreute Futter verzehrt und keiner von uns entdecken kann, woher es kommt, oder wohin es geht! Wir wollen jetzt den Futterplatz mit großen Pfählen rings umstecken, von allen Seiten, damit wir vielleicht auf solche Weise auskundschaften, wo sich das dritte Rudel aufhält, wo es sich verbirgt.‹ Und sie säumten den Futterplatz ringsumher, von allen Seiten, mit großen Pfählen ein. Und der Wildsteller und seine Gesellen, ihr Mönche, sahn nun, wo sich die dritte Heerde Wildes aufhielt, wo sie sich verbarg. Und so konnte, ihr Mönche, auch die dritte Heerde Wildes aus dem Machtbereich des Wildstellers nicht entkommen.
»Da gedachte, ihr Mönche, die vierte Heerde Wildes: ›Jene Ersten und auch jene Zweiten und selbst jene Dritten {154} konnten also aus des Wildstellers Machtbereich nicht entkommen. Wie, wenn nun wir eine Stätte aufsuchten, die dem Wildsteller und seinen Gesellen unzugänglich wäre? Von dort aus mögen wir kommen und nicht angelockt und nicht blindlings die Nahrung genießen; nicht angelockt und nicht blindlings die Nahrung genießend werden wir nicht behaglich werden; nicht behaglich geworden werden wir uns nicht gehn lassen; und wenn wir uns nicht gehn lassen, werden wir in jenem Gehäge {155} dem Gefallen des Wildstellers nicht überliefert sein.‹ Und sie suchten eine Stätte auf, die dem Wildsteller und seinen Gesellen unzugänglich blieb; von dort aus kamen sie und genossen nicht angelockt und nicht blindlings die Nahrung; nicht angelockt und nicht blindlings die Nahrung genießend wurden sie nicht behaglich; nicht behaglich geworden ließen sie sich nicht gehn; und da sie sich nicht gehn ließen, waren sie in jenem Gehäge dem Gefallen des Wildstellers nicht überliefert. Da sagten sich, ihr Mönche, der Wildsteller und seine Gesellen: ›Schlau ist wahrlich dieses vierte, gewitzigte Rudel, magische Macht muss dieses vierte, fremde Rudel besitzen, da es ja hier das ausgestreute Futter verzehrt und keiner von uns entdecken kann, woher es kommt oder wohin es geht! Wir wollen diesen Futterplatz mit großen Pfählen rings umstecken, von allen Seiten, und glücklich erspähen, wo sich das vierte Rudel aufhält, wo es sich verbirgt.‹ Und sie säumten den Futterplatz von allen Seiten mit großen Pfählen ringsherum ein. Aber der Wildsteller und seine Gesellen, ihr Mönche, fanden keine Spur zu dem Orte, wo sich die vierte Heerde Wildes aufhielt, wo sie sich verbarg. Da sagten sich, ihr Mönche, der Wildsteller und seine Gesellen: ›Wenn wir nun das vierte Rudel verscheuchen wollten, so würde dieses, verscheucht, andere verscheuchen, diese anderen wieder andere, und so möchte das Futter, das wir hier ausstreuen, von allem Wilde gemieden werden: lasset uns doch über das vierte Rudel hinwegsehn!‹ Und der Wildsteller und seine Gesellen, ihr Mönche, sahn über die vierte Heerde Wildes hinweg. Und so konnte, ihr Mönche, die vierte Heerde Wildes aus dem Machtbereich des Wildstellers entkommen.
»Ein Gleichniss habe ich da, meine Mönche, gegeben, um den Sinn zu erklären. Das aber ist nun der Sinn. Das Futter: das ist, ihr Mönche, eine Bezeichnung der fünf Begehrungen. Der Wildsteller: das ist, ihr Mönche, eine Bezeichnung der Natur, der bösen.[17] Die Gesellen des Wildstellers: das ist, ihr Mönche, eine Bezeichnung der Gesellen der Natur. Die Heerde Wildes: das ist, ihr Mönche, eine Bezeichnung der Asketen und Büßer.
»Da haben sich, ihr Mönche, die ersten Asketen und Büßer, angelockt von dem Futter, das die Natur ausstreut, {156} von der Lust an der Welt, blindem Genusse ergeben; angelockt, blindem Genusse ergeben wurden sie behaglich; behaglich geworden ließen sie sich gehn; und als sie sich gehn ließen, waren sie in jenem Gehäge, in jener Lust an der Welt, dem Gefallen der Natur überliefert. Und so konnten, ihr Mönche, die ersten Asketen und Büßer aus dem Machtbereich der Natur nicht entkommen. Wie die erste Heerde Wildes, ihr Mönche, erscheinen mir diese ersten Asketen und Büßer.
»Da gedachten, ihr Mönche, die zweiten Asketen und Büßer: ›Jene ersten Asketen und Büßer sind von dem Futter, das die Natur ausstreut, von der Lust an der Welt, angelockt worden, haben sich blindem Genusse ergeben; angelockt, blindem Genusse ergeben wurden sie behaglich; behaglich geworden ließen sie sich gehn; und als sie sich gehn ließen, waren sie in jenem Gehäge, in jener Lust an der Welt, dem Gefallen der Natur überliefert. Und so konnten jene ersten Asketen und Büßer aus dem Machtbereich der Natur nicht entkommen. Wir aber wollen uns von allem Futtergenusse, von aller Weltlust, fern halten, fern von der Unglücksspeise tief in den Wald zurückziehn.‹ Und sie hielten sich fern von allem Futtergenusse, von aller Weltlust, fern von der Unglücksspeise zogen sie sich tief in den Wald zurück. Und sie lebten von Kräutern und Pilzen, von wildem Reis und Korn, von Saamen und Kernen, von Pflanzenmilch und Baumharz, von Gräsern, von Kuhmist, fristeten sich von Wurzeln und Früchten des Waldes, lebten von abgefallenen Früchten. Und im letzten Monat des Sommers, als Gras und Wasser versiegte, wurden sie außerordentlich mager; außerordentlich mager geworden verloren sie die Kraft; entkräftet verloren sie die Geistesruhe; verstört gingen sie nun zu jenem Futter heran, das die Natur ausstreut, zu jener Lust an der Welt. Angelockt ergaben sie sich blindem Genusse; angelockt, blindem Genusse ergeben wurden sie behaglich; behaglich geworden ließen sie sich gehn; und als sie sich gehn ließen, waren sie in jenem Gehäge, in jener Lust an der Welt, dem Gefallen der Natur überliefert. Und so konnten, ihr Mönche, auch die zweiten Asketen und Büßer aus dem Machtbereich der Natur nicht entkommen. {157} Wie die zweite Heerde Wildes, ihr Mönche, erscheinen mir diese zweiten Asketen und Büßer.
»Da gedachten, ihr Mönche, die dritten Asketen und Büßer: ›Jene Ersten und auch jene Zweiten konnten also aus dem Machtbereich der Natur nicht entkommen. Wie, wenn wir uns nun in der Nähe des Futters aufhielten, das die Natur ausstreut, in der Nähe der weltlichen Lust? Dort weilend werden wir nicht angelockt und nicht blindlings die Nahrung genießen; nicht angelockt und nicht blindlings die Nahrung genießend werden wir nicht behaglich werden; nicht behaglich geworden werden wir uns nicht gehn lassen; und wenn wir uns nicht gehn lassen, werden wir in jenem Gehäge, in jener Lust an der Welt, dem Gefallen der Natur nicht überliefert sein.‹ Und sie hielten sich in der Nähe des Futters auf, das die Natur ausstreut, in der Nähe der weltlichen Lust; dort weilend genossen sie nicht angelockt und nicht blindlings die Nahrung; nicht angelockt und nicht blindlings die Nahrung genießend wurden sie nicht behaglich; nicht behaglich geworden ließen sie sich nicht gehn; und da sie sich nicht gehn ließen, waren sie in jenem Gehäge, in jener Lust an der Welt, dem Gefallen der Natur nicht überliefert. Aber sie bekamen nun Ansichten wie: ›Ewig ist die Welt‹ oder ›Zeitlich ist die Welt‹, ›Endlich ist die Welt‹ oder ›Unendlich ist die Welt‹, ›Seele und Leib sind ein und dasselbe‹ oder ›Anders ist die Seele, anders der Leib‹, ›Der Vollendete besteht nach dem Tode‹ oder ›Der Vollendete besteht nicht nach dem Tode‹ oder ›Der Vollendete besteht und besteht nicht nach dem Tode‹ oder ›Weder besteht noch besteht nicht der Vollendete nach dem Tode‹. {158} Und so konnten, ihr Mönche, auch die dritten Asketen und Büßer aus dem Machtbereich der Natur nicht entkommen. Wie die dritte Heerde Wildes, ihr Mönche, erscheinen mir diese dritten Asketen und Büßer.
»Da gedachten, ihr Mönche, die vierten Asketen und Büßer: ›Jene Ersten und auch jene Zweiten und selbst jene Dritten konnten also aus dem Machtbereich der Natur nicht entkommen. Wie, wenn nun wir eine Stätte aufsuchten, die der Natur und ihren Gesellen unzugänglich wäre? Von dort aus mögen wir herantreten zu dem Futter, das die Natur ausstreut, zu der weltlichen Lust, und nicht angelockt und nicht blindlings die Nahrung genießen; nicht angelockt und nicht blindlings die Nahrung genießend werden wir nicht behaglich werden; nicht behaglich geworden werden wir uns nicht gehn lassen; und wenn wir uns nicht gehn lassen, werden wir in jenem Gehäge, in jener Lust an der Welt, dem Gefallen der Natur nicht überliefert sein.‹ Und sie suchten eine Stätte auf, die der Natur und ihren Gesellen unzugänglich blieb; von dort aus traten sie heran zu dem Futter, {159} das die Natur ausstreut, zu der weltlichen Lust, und genossen nicht angelockt und nicht blindlings die Nahrung; nicht angelockt und nicht blindlings die Nahrung genießend wurden sie nicht behaglich; nicht behaglich geworden ließen sie sich nicht gehn; und da sie sich nicht gehn ließen, waren sie in jenem Gehäge, in jener Lust an der Welt, dem Gefallen der Natur nicht überliefert. Und so konnten, ihr Mönche, die vierten Asketen und Büßer aus dem Machtbereich der Natur entkommen. Wie die vierte Heerde Wildes, ihr Mönche, erscheinen mir diese vierten Asketen und Büßer.
»Wie aber, ihr Mönche, ist der Natur und ihren Gesellen der Zugang verwehrt? Da weilt, ihr Mönche, ein Mönch, gar fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen, in sinnend gedenkender ruhegeborener säliger Heiterkeit, in der Weihe der ersten Schauung. Ein solcher, ihr Mönche, wird Mönch genannt: geblendet hat er die Natur, spurlos vertilgt ihr Auge, entschwunden ist er der bösen.
»Weiter sodann, ihr Mönche: nach Vollendung des Sinnens und Gedenkens erreicht der Mönch die innere Meeresstille, die Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie, in der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten Schauung. Ein solcher, ihr Mönche, wird Mönch genannt: geblendet hat er die Natur, spurlos vertilgt ihr Auge, entschwunden ist er der bösen.
»Weiter sodann, ihr Mönche: in heiterer Ruhe verweilt der Mönch gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück empfindet er im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig Einsichtige lebt beglückt‹; so erwirkt er die Weihe der dritten Schauung. Ein solcher, ihr Mönche, wird Mönch genannt, geblendet hat er die Natur, spurlos vertilgt ihr Auge, entschwunden ist er der bösen.
»Weiter sodann, ihr Mönche: nach Verwerfung der Freuden und Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns erwirkt der Mönch die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte Schauung. Ein solcher, ihr Mönche, wird Mönch genannt: geblendet hat er die Natur, spurlos vertilgt ihr Auge, entschwunden ist er der bösen.
»Weiter sodann, ihr Mönche: nach völliger Ueberwindung der Formwahrnehmungen, Vernichtung der Gegenwahrnehmungen, Verwerfung der Vielheitwahrnehmungen gewinnt der Mönch in dem Gedanken ›Gränzenlos ist der Raum‹ das Reich des unbegränzten Raumes. Ein solcher, ihr Mönche, wird Mönch genannt: geblendet hat er die Natur, spurlos vertilgt ihr Auge, entschwunden ist er der bösen.
»Weiter sodann, ihr Mönche: nach völliger Ueberwindung der unbegränzten Raumsphäre gewinnt der Mönch in dem Gedanken ›Gränzenlos ist das Bewusstsein‹ das Reich des unbegränzten Bewusstseins.[18] Ein solcher, ihr Mönche, wird Mönch genannt: geblendet hat er die Natur, spurlos vertilgt ihr Auge, entschwunden ist er der bösen.
»Weiter sodann, ihr Mönche: nach völliger Ueberwindung der unbegränzten Bewusstseinsphäre gewinnt der Mönch in dem Gedanken {160} ›Nichts ist da‹ das Reich des Nichtdaseins. Ein solcher, ihr Mönche, wird Mönch genannt: geblendet hat er die Natur, spurlos vertilgt ihr Auge, entschwunden ist er der bösen.
»Weiter sodann, ihr Mönche: nach völliger Ueberwindung der Nichtdaseinsphäre erreicht der Mönch die Gränzscheide möglicher Wahrnehmung. Ein solcher, ihr Mönche, wird Mönch genannt: geblendet hat er die Natur, spurlos vertilgt ihr Auge, entschwunden ist er der bösen.
»Weiter sodann, ihr Mönche: nach völliger Ueberwindung der Gränzscheide möglicher Wahrnehmung erreicht der Mönch die Auflösung der Wahrnehmbarkeit, und des weise Sehenden Wahn ist aufgehoben. Ein solcher, ihr Mönche, wird Mönch genannt: geblendet hat er die Natur, spurlos vertilgt ihr Auge, entschwunden ist er der bösen, entronnen der Weltlichkeit.«
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.
26.
Dritter Theil
Sechste Rede
DAS HEILIGE ZIEL
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Und der Erhabene, zeitig gerüstet, nahm Mantel und Schaale und ging nach der Stadt um Almosenspeise. Da nun begaben sich viele Mönche zum ehrwürdigen Ānando und sagten zu ihm:
»Lang’ ist es her, Bruder Ānando, seitdem wir vom Munde des Erhabenen ein lehrreiches Gespräch gehört haben: gut wär’ es, Bruder Ānando, wenn wir vom Munde des Erhabenen ein lehrreiches Gespräch zu hören bekämen.«
»Wohlan, Ehrwürdige, so begebt euch zur Klause des Brāhmanen Rammako, vielleicht werdet ihr vom Munde des Erhabenen ein lehrreiches Gespräch zu hören bekommen.«
»Das wollen wir thun, Bruder!« erwiderten da jene Mönche dem ehrwürdigen Ānando.
Nachdem nun der Erhabene in Sāvatthī von Haus zu Haus getreten und vom Almosengange zurückgekehrt war, wandte er sich nach dem Mahle an den ehrwürdigen Ānando:
»Komm’, Ānando, lass’ uns in den Osthain gehn, zu Mutter Migāros Terrasse, und bis gegen Abend dort verweilen.«
»Wohl, o Herr!« erwiderte der ehrwürdige Ānando dem Erhabenen.
{161} Und der Erhabene begab sich nun mit dem ehrwürdigen Ānando in den Osthain, zu Mutter Migāros Terrasse, für den Tag.
Als nun der Erhabene gegen Abend die Gedenkensruhe beendet hatte, wandte er sich zum ehrwürdigen Ānando:
»Komm’, Ānando, gehn wir ins Alte Bad, die Glieder erfrischen.«
»Wohl, o Herr!« erwiderte der ehrwürdige Ānando dem Erhabenen.
Und der Erhabene ging nun mit dem ehrwürdigen Ānando ins Alte Bad, die Glieder erfrischen. Nachdem der Erhabene seine Glieder im Alten Bade besprengt und bespült hatte, nahm er eines seiner drei Kleidungstücke um und ließ die Glieder vorerst trocknen.[19] Da nun sprach der ehrwürdige Ānando zum Erhabenen also:
»Jene Klause des Brāhmanen Rammako, o Herr, ist nicht weit von hier, entzückend gelegen, o Herr, in heiterer Ruhe. Gut wär’ es, o Herr wenn der Erhabene sich dorthin begeben möchte, von Mitleid bewogen!«
Schweigend gewährte der Erhabene die Bitte. Und der Erhabene begab sich nun zur Klause des Brāhmanen Rammako.
Um diese Zeit aber waren dort viele Mönche in lehrreichem Gespräche versammelt. Da blieb der Erhabene vor dem Thore der Klause stehn und wartete das Ende des Gespräches ab. Als nun der Erhabene merkte, das Gespräch sei zu Ende, räusperte er sich und schlug mit dem Klopfer an; jene Mönche aber öffneten dem Erhabenen die Pforte. Und der Erhabene betrat nun die Klause des Brāhmanen Rammako und setzte sich auf den dargebotenen Sitz. Hierauf wandte sich der Erhabene an die Mönche:
»Zu welchem Gespräch, ihr Mönche, seid ihr jetzt hier zusammengekommen, und wobei habt ihr euch eben unterbrochen?«
»Um des Erhabenen willen, o Herr, haben wir ein lehrreiches Gespräch unterbrochen: denn der Erhabene ist gekommen!«
»Gut, meine Mönche, das steht euch an, meine Mönche, die ihr als edle Söhne von Zuversicht bewogen aus dem Hause in die Hauslosigkeit gewandert seid, dass ihr zu lehrreichem Gespräche zusammenkommet. Trefft ihr euch, meine Mönche, so geziemt euch zweierlei: lehrreiches Gespräch oder heiliges Schweigen.
»Zwei Ziele, ihr Mönche, giebt es: das heilige Ziel und das unheilige Ziel. Was ist aber, ihr Mönche, das unheilige Ziel? Da sucht, ihr Mönche, einer, selber der Geburt unterworfen, {162} was auch der Geburt unterworfen ist; selber dem Altern unterworfen sucht er was auch dem Altern unterworfen ist; selber der Krankheit unterworfen sucht er was auch der Krankheit unterworfen ist; selber dem Sterben unterworfen sucht er was auch dem Sterben unterworfen ist; selber dem Schmerz unterworfen sucht er was auch dem Schmerze unterworfen ist; selber dem Schmutz unterworfen sucht er was auch dem Schmutze unterworfen ist. Was aber, ihr Mönche, nennet ihr der Geburt unterworfen? Weib und Kind, ihr Mönche, ist der Geburt unterworfen, Knecht und Magd ist der Geburt unterworfen, Lamm und Ziege ist der Geburt unterworfen, Schwein und Hahn ist der Geburt unterworfen, Elephant und Rind, Hengst und Stute ist der Geburt unterworfen, Gold und Silber ist der Geburt unterworfen. Der Geburt unterworfen sind diese Gebilde, ihr Mönche; und da sucht man verlockt, geblendet, hingerissen, selber der Geburt unterworfen was auch der Geburt unterworfen ist. Was aber, ihr Mönche, nennet ihr dem Altern, der Krankheit, dem Sterben, dem Schmerze, dem Schmutze unterworfen? Weib und Kind, ihr Mönche, Knecht und Magd, Lamm und Ziege, Schwein und Hahn, Elephant und Rind, Hengst und Stute, Gold und Silber ist dem Altern, der Krankheit, dem Sterben, dem Schmerze, dem Schmutze unterworfen. Dem Altern, der Krankheit, dem Sterben, dem Schmerze, dem Schmutze unterworfen sind diese Gebilde, ihr Mönche; und da sucht man verlockt, geblendet, hingerissen, selber dem Altern, der Krankheit, dem Sterben, dem Schmerze, dem Schmutze unterworfen was auch dem Altern, der Krankheit, dem Sterben, dem Schmerze, dem Schmutze unterworfen ist. Das ist, ihr Mönche, das unheilige Ziel.
»Was ist aber, ihr Mönche, das heilige Ziel? Da sucht, ihr Mönche, {163} einer, selber der Geburt unterworfen, das Elend dieses Naturgesetzes merkend, die geburtlose unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung; selber dem Altern unterworfen, das Elend dieses Naturgesetzes merkend, sucht er die alterlose unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung; selber der Krankheit unterworfen, das Elend dieses Naturgesetzes merkend, sucht er die krankheitlose unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung; selber dem Sterben unterworfen, das Elend dieses Naturgesetzes merkend, sucht er die unsterbliche unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung; selber dem Schmerze unterworfen, das Elend dieses Naturgesetzes merkend, sucht er die unbeschmerzte unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung; selber dem Schmutze unterworfen, das Elend dieses Naturgesetzes merkend, sucht er die unbeschmutzte unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung. Das ist, ihr Mönche, das heilige Ziel.
»Auch ich habe einst, ihr Mönche, noch vor der vollen Erwachung, als unvollkommen Erwachter, Erwachung erst Erringender, selber der Geburt unterworfen, gesucht was auch der Geburt unterworfen ist; selber dem Altern unterworfen, gesucht was auch dem Altern unterworfen ist; selber der Krankheit unterworfen, gesucht was auch der Krankheit unterworfen ist; selber dem Sterben unterworfen, gesucht was auch dem Sterben unterworfen ist; selber dem Schmerz unterworfen, gesucht was auch dem Schmerze unterworfen ist; selber dem Schmutz unterworfen, gesucht was auch dem Schmutze unterworfen ist.
»Da kam mir, ihr Mönche, der Gedanke: ›Was suche ich denn, selber der Geburt, dem Altern, der Krankheit, dem Sterben, dem Schmerze, dem Schmutze unterworfen, was auch der Geburt, dem Altern, der Krankheit, dem Sterben, dem Schmerze, dem Schmutze unterworfen ist? Wie, wenn ich nun, selber der Geburt unterworfen, das Elend dieses Naturgesetzes merkend, die geburtlose unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung suchte? Selber dem Altern unterworfen, das Elend dieses Naturgesetzes merkend, die alterlose unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung suchte? Selber der Krankheit unterworfen, das Elend dieses Naturgesetzes merkend, die krankheitlose unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung suchte? Selber dem Sterben unterworfen, das Elend dieses Naturgesetzes merkend, die unsterbliche unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung suchte? Selber dem Schmerz unterworfen, das Elend dieses Naturgesetzes merkend, die unbeschmerzte unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung suchte? Selber dem Schmutze unterworfen, das Elend dieses Naturgesetzes merkend, die unbeschmutzte unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung suchte?‹
»Und ich zog, ihr Mönche, nach einiger Zeit, noch in frischer Blüthe, glänzend dunkelhaarig, im Genusse glücklicher Jugend, im ersten Mannesalter, gegen den Wunsch meiner weinenden und klagenden Eltern, mit geschorenem Haar und Barte, mit fahlem Gewande bekleidet, vom Hause fort in die Hauslosigkeit hinaus.
»Ich wanderte nun, ihr Mönche, das wahre Gut suchend, nach dem unvergleichlichen höchsten Friedenspfade forschend, im Magadhā-Lande von Ort zu Ort und kam in die Nähe der Burg Uruvelā. {167} Dort sah ich einen entzückenden Fleck Erde: einen heiteren Waldesgrund, einen hell strömenden Fluss, zum Baden geeignet, erfreulich, und rings umher Wiesen und Felder. Da kam mir, ihr Mönche, der Gedanke: ›Entzückend, wahrlich, ist dieser Fleck Erde! Heiter ist der Waldesgrund, der Fluss strömt hell dahin, zum Baden geeignet, erfreulich, und rings umher liegen Wiesen und Felder. Das genügt wohl einem Askese begehrenden edlen Sohne zur Askese.‹ Und ich setzte mich nun, ihr Mönche, dort nieder: ›Das genügt zur Askese.‹
»Und der ich, ihr Mönche, selber der Geburt unterworfen, das Elend dieses Naturgesetzes merkend, die geburtlose unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung suchte, fand die geburtlose unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung; der ich, selber dem Altern unterworfen, das Elend dieses Naturgesetzes merkend, die alterlose unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung suchte, fand die alterlose unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung; der ich, selber der Krankheit unterworfen, das Elend dieses Naturgesetzes merkend, die krankheitlose unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung suchte, fand die krankheitlose unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung; der ich, selber dem Sterben unterworfen, das Elend dieses Naturgesetzes merkend, die unsterbliche unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung suchte, fand die unsterbliche unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung; der ich, selber dem Schmerze unterworfen, das Elend dieses Naturgesetzes merkend, die unbeschmerzte unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung suchte, fand die unbeschmerzte unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung; der ich, selber dem Schmutze unterworfen, das Elend dieses Naturgesetzes merkend, die unbeschmutzte unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung suchte, fand die unbeschmutzte unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung. Die klare Gewissheit ging mir nun auf:
›Für ewig bin erlöst ich,
Das ist das letzte Leben,
›Mit heißer Mühe was ich fand
Nun offenbaren wär’ umsonst:
Das gier- und hassverzehrte Volk
›Die stromentgegen gehende Tief innig zart verborgene Bleibt Gierergetzten unsichtbar In dichter Finsterniss verhüllt.‹
›O dass doch der Erhabene, o Herr, die Lehre darlege, o dass doch der Willkommene die Lehre darlege! Es giebt Wesen edlerer Art: ohne Gehör der Lehre verlieren sie sich; sie werden die Lehre verstehn.‹
»Das sagte, ihr Mönche, Brahmā Sahampati; und hierauf sprach er fernerhin also:
›Verkündet ward in Magadhā Verkehrtes, Vertrübte Lehre von Unreinen ausgedacht: Eröffne du jetzt dieses Thor des Lebens, Der Reine weise zur entdeckten Wahrheit uns.
›Wie einer, der am Gipfel hoher Berge steht
Und in die Lande blickt nach allen Seiten hin,
So blick’, Allauge du, vom Thurm der Wahrheit
Sieh’ hin, o Weiser, auf das Sein:
Entstehn-Vergehn ist seine Pein.
{169}
›Wohlan, o Helde, siegreicher Kampfesherr, Geh’ hin zur Welt, entsühnt, o Meisterführer du! Die Lehre mögest, Herr, verkünden: Es werden sich Verständige finden.‹
»Und ich erwiderte nun, ihr Mönche, Brahmā Sahampati’n mit dem Spruche:
Wer Ohren hat zu hören komm’ und höre.
Den Anstoß ahnend wahrt’ ich unberedsam
Das köstlich Edle vor den Menschen, Brahmā.«
»Da nun, ihr Mönche, sagte Brahmā Sahampati: ›Gewährung hat mir der Erhabene verheißen, die Lehre darzulegen‹, begrüßte mich ehrerbietig, ging rechts herum und war alsbald verschwunden.
»Da begegnete mir, ihr Mönche, Upako, ein Nackter Büßer, auf dem Wege vom Baum der Erwachung nach Gayā, und als er mich gesehen hatte sprach er also zu mir:
›Heiter, o Bruder, ist dein Angesicht, hell die Hautfarbe und rein! Um wessen willen, o Bruder, bist du hinausgezogen? Wer ist wohl dein Meister? Oder zu wessen Lehre bekennst du dich?‹
{171} »Auf diese Worte, ihr Mönche, sprach ich zu Upako dem Nackten Büßer die Sprüche:
»Allüberwinder, Allerkenner bin ich,
Von allen Dingen ewig abgeschieden,
Durch mich allein belehrt, wen kann ich nennen?
»Kein Lehrer hat mich aufgeklärt, Kein Wesen giebt es, das mir gleicht, Die Welt mit ihren Göttern hat Nicht Einen Ebenbürtigen.
»Denn ich bin ja der Herr der Welt, Der höchste Meister, der bin ich, Ein einzig Allvollendeter, Vollkommen Wahnerloschener.
»Der Wahrheit Reich erricht’ ich nun Und wandre zur Benāresstadt: Erdröhnen soll in finstrer Welt Die Trommel der Unsterblichkeit.«
›So glaubst du also, Bruder, dass du der Heilige bist, der Unumschränkte Sieger?‹
»Mir gleich, ja, werden Siegende,
Ist Wahnvertilgung ausgeübt:
Besiegt hab’ ich das Sündige,
»Und ich zog nun, ihr Mönche, von Ort zu Ort nach Benāres, kam zum Seherstein, in den Wildpark, wo die Fünf verbündeten Mönche weilten. Da erblickten mich, ihr Mönche, die Fünf verbündeten Mönche von ferne, und als sie mich gesehn, bestärkte einer den anderen: ›Da kommt, Bruder, jener Asket Gotamo heran, der Ueppige, der von der Askese abgefallen ist und sich der Ueppigkeit ergeben hat: wir wollen ihn weder begrüßen, noch uns erheben um ihm Mantel und Schaale abzunehmen, aber ein Sitz sei zugewiesen; wenn er will, mag er sich setzen.‹ Je mehr ich mich aber, ihr Mönche, näherte, desto weniger vermochten die Fünf verbündeten Mönche bei ihrem Entschluss zu verharren: einige kamen entgegen und nahmen mir Mantel und Schaale ab, einige baten mich Platz zu nehmen, einige machten ein Fußbad zurecht, und sie gingen mich mit dem Namen und dem Bruderworte an. Da sagte ich, ihr Mönche, zu den Fünf verbündeten Mönchen:
›Nicht gehet, ihr Mönche, den Vollendeten mit dem Namen und dem Bruderworte an: heilig, ihr Mönche, ist der Vollendete, der vollkommen Erwachte. {172} Leihet Gehör, ihr Mönche, die Unsterblichkeit ist gefunden. Ich führe ein, ich lege die Lehre dar. Der Führung folgend werdet ihr in gar kurzer Zeit jenes Ziel, um dessen willen edle Söhne gänzlich vom Hause fort in die Hauslosigkeit ziehn, die höchste Vollendung der Heiligkeit noch bei Lebzeiten euch offenbar machen, verwirklichen und erringen.‹ Auf diese Worte, ihr Mönche, erwiderten mir die Fünf verbündeten Mönche: ›Selbst durch deine so harte Buße, o Bruder Gotamo, durch deine Kasteiung, durch deine Schmerzensaskese hast du das überirdische, reiche Heilthum der Wissensklarheit nicht errungen: wie magst du nun jetzt, wo du üppig geworden, von der Askese abgefallen bist, der Ueppigkeit dich ergeben hast, das überirdische, reiche Heilthum der Wissensklarheit besitzen?‹ Auf diese Worte, ihr Mönche, erwiderte ich den Fünf verbündeten Mönchen: ›Nicht ist, ihr Mönche, der Vollendete üppig geworden, von der Askese abgefallen, der Ueppigkeit ergeben: heilig, ihr Mönche, ist der Vollendete, der vollkommen Erwachte. Leihet Gehör, ihr Mönche, die Unsterblichkeit ist gefunden. Ich führe ein, ich lege die Lehre dar. Der Führung folgend werdet ihr in gar kurzer Zeit jenes Ziel, um dessen willen edle Söhne gänzlich vom Hause fort in die Hauslosigkeit ziehn, die höchste Vollendung der Heiligkeit noch bei Lebzeiten euch offenbar machen, verwirklichen und erringen.‹ Und zum zweiten Mal nun, ihr Mönche, erwiderten mir die Fünf verbündeten Mönche: ›Selbst durch deine so harte Buße, o Bruder Gotamo, durch deine Kasteiung, durch deine Schmerzensaskese hast du das überirdische, reiche Heilthum der Wissensklarheit nicht errungen: wie magst du nun jetzt, wo du üppig geworden, von der Askese abgefallen bist, der Ueppigkeit dich ergeben hast, das überirdische, reiche Heilthum der Wissensklarheit besitzen?‹ Und zum zweiten Mal nun, ihr Mönche, erwiderte ich den Fünf verbündeten Mönchen: ›Nicht ist, ihr Mönche, der Vollendete üppig geworden, von der Askese abgefallen, der Ueppigkeit ergeben: heilig, ihr Mönche, ist der Vollendete, der vollkommen Erwachte. Leihet Gehör, ihr Mönche, die Unsterblichkeit ist gefunden. Ich führe ein, ich lege die Lehre dar. Der Führung folgend werdet ihr in gar kurzer Zeit jenes Ziel, um dessen willen edle Söhne gänzlich vom Hause fort in die Hauslosigkeit ziehn, die höchste Vollendung der Heiligkeit noch bei Lebzeiten euch offenbar machen, verwirklichen und erringen.‹ Und zum dritten Mal nun, ihr Mönche, erwiderten mir die Fünf verbündeten Mönche: ›Selbst durch deine so harte Buße, o Bruder Gotamo, durch deine Kasteiung, durch deine Schmerzensaskese hast du das überirdische, reiche Heilthum der Wissensklarheit nicht errungen: wie magst du nun jetzt, wo du üppig geworden, von der Askese abgefallen bist, der Ueppigkeit dich ergeben hast, das überirdische, reiche Heilthum der Wissensklarheit besitzen?‹ Auf diese Worte, ihr Mönche, sagte ich zu den Fünf verbündeten Mönchen:
›Entsinnet ihr euch, ihr Mönche, dass ich je zuvor also gesprochen hätte?‹
›Nein, o Herr!‹
›Heilig, ihr Mönche, ist der Vollendete, der vollkommen Erwachte. Leihet Gehör, ihr Mönche, die Unsterblichkeit ist gefunden. Ich führe ein, ich lege die Lehre dar. Der Führung folgend werdet ihr in gar kurzer Zeit jenes Ziel, um dessen willen edle Söhne gänzlich vom Hause fort in die Hauslosigkeit ziehn, die höchste Vollendung der Heiligkeit noch bei Lebzeiten euch offenbar machen, verwirklichen und erringen.‹ {173} Und es gelang mir, ihr Mönche, den Fünf verbündeten Mönchen meine Erkenntniss mitzutheilen. Erst trug ich, ihr Mönche, zweien Mönchen die Lehre vor, drei Mönche gingen um Almosenspeise, und was die drei Mönche an Almosenspeise brachten, das theilten wir in sechs Theile und lebten davon. Dann trug ich, ihr Mönche, dreien Mönchen die Lehre vor, zwei Mönche gingen um Almosenspeise, und was die zwei Mönche an Almosenspeise brachten, das theilten wir in sechs Theile und lebten davon.
»Und die Fünf verbündeten Mönche, ihr Mönche, von mir also belehrt, also eingeführt, selber der Geburt unterworfen, das Elend dieses Naturgesetzes merkend, die geburtlose unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung suchend, fanden die geburtlose unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung; selber dem Altern unterworfen, das Elend dieses Naturgesetzes merkend, die alterlose unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung suchend, fanden die alterlose unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung; selber der Krankheit unterworfen, das Elend dieses Naturgesetzes merkend, die krankheitlose unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung suchend, fanden die krankheitlose unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung; selber dem Sterben unterworfen, das Elend dieses Naturgesetzes merkend, die unsterbliche unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung suchend, fanden die unsterbliche unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung; selber dem Schmerze unterworfen, das Elend dieses Naturgesetzes merkend, die unbeschmerzte unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung suchend, fanden die unbeschmerzte unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung; selber dem Schmutze unterworfen, das Elend dieses Naturgesetzes merkend, die unbeschmutzte unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung suchend, fanden die unbeschmutzte unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung. Die klare Gewissheit ging ihnen nun auf:
›Für ewig sind erlöst wir, Das ist das letzte Leben, Und nicht mehr giebt es Wiedersein.‹
»Fünf Begehrungen, ihr Mönche, giebt es: welche fünf? Die durch das Gesicht ins Bewusstsein tretenden Formen, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch das Gehör ins Bewusstsein tretenden Töne, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch den Geruch ins Bewusstsein tretenden Düfte, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch den Geschmack ins Bewusstsein tretenden Säfte, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch das Getast ins Bewusstsein tretenden Tastungen, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden. Das sind, ihr Mönche, die fünf Begehrungen.
»Von allen den Asketen oder Priestern, ihr Mönche, die sich da der fünf Begehrungen verlockt, geblendet, hingerissen bedienen, ohne das Elend zu sehn, ohne an Entrinnung zu denken, von denen gelte das Wort: verloren, verdorben, dem Gefallen des Bösen überliefert. Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn sich ein Wild des Waldes auf eine Fallschlinge, verstrickt, hinlegte; da gälte von ihm das Wort: verloren, verdorben, dem Gefallen des Jägers überliefert, kommt nun der Jäger heran, wird es nicht hinwegeilen können, wohin es will: ebenso nun auch, ihr Mönche, gelte das Wort von allen den Asketen oder Priestern, die sich da der fünf Begehrungen verlockt, geblendet, hingerissen bedienen, ohne das Elend zu sehn, ohne an Entrinnung zu denken: verloren, verdorben, dem Gefallen des Bösen überliefert. Von allen den Asketen oder Priestern aber, ihr Mönche, die sich da der fünf Begehrungen nicht verlockt, nicht geblendet, nicht hingerissen bedienen, das Elend sehend, der Entrinnung eingedenk, von denen gelte das Wort: {174} nicht verloren, nicht verdorben, dem Gefallen des Bösen nicht überliefert. Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn sich ein Wild des Waldes auf eine Fallschlinge, unverstrickt, hinlegte; da gälte von ihm das Wort: nicht verloren, nicht verdorben, dem Gefallen des Jägers nicht überliefert, und kommt nun der Jäger heran, wird es hinwegeilen können, wohin es will: ebenso nun auch, ihr Mönche, gelte das Wort von allen den Asketen oder Priestern, die sich da der fünf Begehrungen nicht verlockt, nicht geblendet, nicht hingerissen bedienen, das Elend sehend, der Entrinnung eingedenk: nicht verloren, nicht verdorben, dem Gefallen des Bösen nicht überliefert.
»Gleichwie etwa, ihr Mönche, ein Wild des Waldes, in fernen Waldesgründen schweifend, gesichert geht, gesichert steht, gesichert sitzt, gesichert liegt, und desshalb zwar, weil es sich außer dem Bereich des Jägers hält: ebenso nun auch, ihr Mönche, verweilt da ein Mönch, gar fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen, in sinnend gedenkender ruhegeborener säliger Heiterkeit, in der Weihe der ersten Schauung. Ein solcher, ihr Mönche, wird Mönch genannt: geblendet hat er die Natur, spurlos vertilgt ihr Auge, entschwunden ist er der bösen.