KAPITEL XI. DIE MISCHEHE.
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Religion und Inzucht waren die beiden eisernen Reifen, die das jüdische Volk fest umschlossen und als eine einzige feste Masse durch die Jahrtausende erhalten haben. Und wenn sie sich lockern? Was wird dann die Wirkung sein?
Werner Sombart.
„Das genealogische Moment hat die Nationen nicht geschaffen, sondern sie fixiert. Die Vererbung ist ein Zeichen und das Resultat der Nationalität, aber nicht ihre Ursache. Nicht der Beginn, sondern die weitere Existenz wird durch die Vererbung erklärt” (Bluntschli: Die nationale Staatenbildung, gesammelte Schriften). Mit anderen Worten: Nachdem eine gewisse Menschengruppe, die aus den verschiedensten Rassenbestandteilen zusammengewürfelt sein kann, untereinander in engere Verbindung getreten ist, wird nach D. Pasmanik durch Wechselheiraten und Vererbung ein bestimmter Menschentypus fixiert und konserviert. Der ursprünglichen wahllosen Vermischung der Juden in der Zeit ihrer Volkswerdung suchten einzelne weitsehende jüdische Politiker entgegen zu treten. Die Vorkehrungen gegen die Mischehe und die sie verwerfende Stellen deuten darauf hin. (Abraham und Isaak — Jacobs Brautfahrt, Deut. 23, 4, 8, 9, die Eheverbote mit den Amalikitern, Moabitern, Edomitern und Egyptern. Es sei an Ex. 34, 15, 16, und Deut. 7, 3, 4, erinnert).
Unter Esra und Nehemia wurde der Kampf um die Reinerhaltung der jüdischen Art bewußt durchgeführt. Auch im Talmud befinden sich viele dahin zielende Auslassungen. Maimonides und insbesondere der Schulchan Aruch, der diese Entwicklungen abschliesst, kommt zu einer absoluten Verwerfung der Mischehe. Praktisch hat (nach dem Schrifttum) Esra am konsequentesten gehandelt, indem er die damals in Palästina existierenden 113 Mischehen verwarf und ihre Auflösung durchsetzte. So alt die Geschichte der Juden ist, so oft wiederholen sich aber Ansätze und Ausbreitung der Mischehe. Moses heiratete die Tochter eines midianitischen Götzenpriesters, die allerdings rassenmässig einem nicht sehr fernestehenden Stamme angehörte. Die Sexualbeziehungen von Simson und David, des Sohnes der Moabiterin Ruth, Salomons, des Nachkommens einer hittitischen Mutter, Ahabs u. a. darf man als bekannt voraussetzen. Ich verweise hierbei insbesondere auf die Arbeit von Dr. Fritz Kahn, „Die Juden — als Rasse und Kulturvolk,” Welt-Verlag 1920, und Dr. Tänzers „Die Mischehe,” Berlin 1913.”
Eine Rolle in der jüdischen Religion und in den Festen dieses Volkes spielen die Vorgänge am persischen Hofe zur Zeit der Königin Esther, und man kann es den Kabbalisten nicht verdenken, daß sie deren Andenken verwarfen. Unter den Hasmonäern in der Zeit des Hellenismus tritt die Mischehe recht stark auf. Im Mittelalter gibt es sogar in Deutschland (900-1100) erotische Wechselbeziehungen mit der christlichen Umgebung.
In der Geschichte der Rassenforschung ist die Frage nach der Vermischung der Juden des häufigen aufgeworfen worden. Von der Parteien Haß und Gunst verwirrt, schwankt das Urteil über die Beimischung fremden Blutes.
Historisch wichtig ist, daß im XVI., XVII. und XVIII. Jahrhundert Mischehen im gesamten Judentum der Welt zu den Ausnahmeerscheinungen gehörten. Diese sexuelle Abgeschlossenheit, wird durch die Mischehe durchbrochen in der Zeit der Emanzipation und in hoc signo. Napoleon wollte jeden dritten Juden zwingen, einen christlichen Gemahl zu nehmen, sein Staatsrat wies allerdings eine solche Maßnahme zurück. Sogar Bismarck war für die Zucht des arischen Hengstes mit der semitischen Stute, wie auch E. v. Hartmann und andere die providenzielle Beimischung des jüdischen Blutstropfens als einen Segen für den deutschen Michel hielten. Sogar im jüdischen Lager wurde für die Mischehe Propaganda gemacht.
Natürlich fanden sich auch Gegner. So protestierte H. St. Chamberlain gegen die Idee einer Infizierung der Indoeuropäer mit jüdischem Blut. „Ginge das ein paar Jahrhunderte fort, es gäbe dann in Europa nur noch ein einziges rassereines Volk, das der Juden; alles übrige wäre eine Herde pseudo-hebräischer Mestizen und zwar ein unzweifelhaft physisch, geistig und moralisch degeneriertes Volk.”
Die Kenntnis und Benutzung des Hebräischen als Kultursprache, des jüdisch-deutschen als Umgangsdialekt, die absolute Befangenheit im jüdischen Glauben verbanden sich als psychische Voraussetzungen für die Inzucht. Das Einheiraten in die Gruppe derselben Menschen, hatte zur Erhaltung eines körperlich von anderen unterschiedlichen Typus geführt, der zwar nicht reinrassig in dem Sinne ist, als ob nur eine und dieselbe Form von Menschen am Eingang der jüdischen Nation bestanden hätte.
Aber die stetige Verschwägerung der Juden führte zu einer körperlichen Verwandtschaft, die sich im Aussehen allein schon anzeigt. Fishberg hat ganz recht, wenn er von der Mischehe das völlige Aufgehen des Judentums erwartet, weil die Kinder von Mischpaaren nicht mehr Träger der jüdischen Rasse sein können und religiös zumeist aus dem Judentum ausscheiden.
Die Mischehe ist dementsprechend eine weitere Form der Auflösung der jüdischen Gemeinschaft. Die Wege zur Mischehe sind verschiedentliche. Sie liegen letzten Endes nicht wie die Taufbewegung auf politischem Gebiet, sondern auf sozialem. Ist die Geburtseinschränkung ein vornehmlich durch ökonomische Ursachen bedingter Vorgang, so führen gesellschaftliche Momente zur Vermischung. Man kann ihre einzelnen Vorausbedingungen einbeziehen in das Gebiet der:
Liebe,
Gewöhnung,
Rasseprobleme,
gesellschaftlichen Angleichung.
1. Die Wege der Liebe sind oft wunderbar. Aber erst die Neuzeit, welche die Schranken zwischen den einzelnen Klassen und Kasten wegräumt, hat im Erwerbsleben, im gesellschaftlichen Umgang auf Schritt und Tritt den jüdischen und nichtjüdischen Mensch einander näher gebracht. Ob die psychischen Differenzen durch die erotischen Beziehungen, die zwei so verschiedene Charaktere aneinander knüpfen, auf die Dauer überbrückt werden, diese Ueberlegung versagt, wo starke Erotik alle übrigen Denkvorgänge zurückdrängt. Das Ideal der altjüdischen Ehe war die Heirat durch den Segen der Eltern und nach deren Willen und Bestimmung. Das Idol der heutigen und kommenden Bindungen ist die völlige Abkehr von allen Konventionshindernissen.
2. Die Gewöhnung als Voraussetzung zur Mischehe besteht in der Fortsetzung des Verhältnisses in der Legalisierung des Zusammenlebens. Der Student, der Handlungsgehilfe, der sich in seinem Drang einen Kameraden sucht, nimmt ihn häufiger aus dem christlichen Volke, da sich die Jüdinnen weniger leicht hingeben. Mit der Zeit, durch äußere Umstände, Schwangerschaft, Geburt eines Kindes, Infizierung und so weiter findet die ursprünglich nur auf kurze Zeit gedachte Verbindung ihren Dauerzustand in der Ehe.
3. Um gesellschaftlich emporzukommen, verheiraten sich reiche Jüdinnen mit verarmten Adligen oder wohlhabende Juden mit Nichtjüdinnen aus vornehmen Hause. Die Jüdin, die in ihrem Kreise keinen Mann findet, insbesondere die arme, ist froh, wenn sie einem Nichtjuden gefällt. Denn der innerste Beruf des Weibes ist ihr Streben nach der Hingabe. Und die Vereinsamung um Volkes willen mag ein gutes nationales Ziel sein. Rein menschlich betrachtet ist dieser Idealismus obsolet. Vielfach kann sich auch das heterogene Geschlechts- und Schönheitsempfinden ausleben erst in den Beziehungen zur Umwelt. Der dunkle Jude, auf den das blonde schlichte Gretchen, die große schlanke Frauengestalt der Deutschen wirkt: Les extrêmes se touchent. Die Juden fangen bereits an, bei der Wahl des Ehegatten das Schönheitsideal des sie umgebenden Volkes anzuerkennen, die jüdische Art und den jüdischen Typus zu meiden und den sogenannten arischen zu bevorzugen. In jüdischen Heiratsannoncen wird oft die blonde Haarfarbe hervorgehoben und sogar die geschmackvolle Bemerkung „nicht jüdisch aussehend” ist nicht allzu selten (Ruppin).
Umgekehrt erotisiert die schwarze Jüdin, mit ihrem Reiz, ihrer Eigenart, und ihrer geistigen Aufgewecktheit den Nichtjuden; selbst ausgeprägte antisemitische Ueberlegungen treten oft zurück, wo schöne Judenmädchen mit Feinden ihres Volkes in Berührung kommen.
Und schließlich wäre es sonderlich, wenn in einer Zeit, in der die sexuellen Beziehungen so stark gelockert sind, in der eine vollkommene Vermischung der Rassen, eine bunte Liebeslust die Menschheit ergriffen hat, nicht auch nahe Beziehungen zwischen den Individuen der germanisch-deutschen und der deutsch-semitischen Gemeinschaft entstünden.
Die von Napoleon I. berufene jüdische Nationalversammlung — als das Sanhedrion bekannt — hat erstmalig der Schließung einer Mischehe zugestimmt. Allerdings in der stark gewundenen Form, diese stehe in Uebereinstimmung mit dem bürgerlichen Gesetz, und dürfe, wenn auch gegen den jüdischen Ritus vorgenommen, nicht den Vorwurf für den rabbinischen Bann abgeben. Die Versammlung der jüdischen Theologen in Braunschweig (1844) und die Synoden von Leipzig und Augsburg sanktionierten die Mischehe, wenngleich mit dem Vorbehalt der jüdischen Erziehung der Kinder. Die in den 70er Jahren eingeführte Zivilehe bot vollends jedem die Möglichkeit der freiesten Eheschließung. Daß sich dabei die Eheschließenden nicht an die Wünsche der Rabbiner kehrten und die Kinder in Mischehen zum größten Teil im anderen Glauben erzogen, ist selbstverständlich. Insbesonders ist es einer Jüdin nicht leicht, von ihrem christlichen Ehemanne zu verlangen, daß er die Kinder in ihrer Religionsgemeinschaft aufwachsen lasse, der er selbst fernsteht und die in Deutschland als etwas minderwertiges erscheint. Die Mischehe ist ein Bund zwischen zwei Partnern, von denen der jüdische einer in der Oeffentlichkeit wenig beliebten Gemeinschaft angehört[30].
Die Freiheit der sexuellen Betätigung, die heute der Mann genießt, erobert sich immer mehr und mehr das in der Großstadt selbständige, von der Aufsicht der Familie losgelöste Mädchen. Durch die Erschwerung der Eheschließung kann sie sich nicht mehr darauf verlassen durch die Mitgift oder die Macht der Eltern an den Mann gebracht zu werden, so wünscht sie sich selbst zu versorgen und ihren Anteil am Leben und Genießen zu erhaschen. Dieser Prozeß ist noch lange nicht abgeschlossen. Ich möchte fast glauben, daß er erst richtig einsetzt. J. D. Meyer hat die Frankfurter Mischehen untersucht (Zeitschr. f. St. d. J.) und eine auffallend hohe Verehelichungsziffer armer Jüdinnen mit Christen gefunden, während die jüdischen Männer besonders des Mittelstandes sich christliche Partnerinnen wählten.
Die Mischehe ist aus dem Stadium herausgetreten, in dem sie eine Seltenheit war. Heute wo sie etwas alltägliches ist, findet sie keine Verurteilung und so werden die Widerstände von allen Seiten geringer und mit dem Sinken der Hemmungen wird sie nur selbstverständlicher.
Es gehört auch hier eine gesunde Naivität dazu, das plötzliche Aussetzen eines überall wirkenden Vorganges zu erhoffen, das Versiegen einer soziologischen Erscheinung zu erwarten. Die aus so vielen Ursachen bedingte Mischehe ist letzten Endes dadurch kurz erklärt, daß unter 100 Nichtjuden ein Jude lebt, der nach Ableugnung des nationalen Bandes nur noch mit einigen Vorstellungen über Gott und die Welt Beziehungen besonderer Art zu anderen Juden unterhält, wobei aber auch hier krasse Differenzen zwischen den Glaubensvorstellungen des konservativen und liberalen Juden auftreten. Objektiv ist der Unterschied in der Religionsauffassung zwischen gesetzestreuen und neologen Juden stärker als zwischen neologen Juden und ebensolchen Evangelischen. (Der unbewußt empfundene jüdische Nationalismus wird bewußt durch diese neologe offizielle Judenheit geleugnet und bekämpft). Ohne nationalistische Einstellung ist also die Mischehe bei diesem Standpunkt nicht zu verwerfen. —
Mischehen in Preußen
1875-1879: 1195 1895-1899: 2318
1880-1884: 12281900-1904: 2452
1885-1889: 14661905-1909: 3435
1890-1894: 15661910-1914: 4279
1875-1894: 5455 12384
in % der rein jüd. Ehen waren Mischehen
1876-1880:9,6 1896-1900:17,5
1886-1890: 12,81906-1910: 26,5
Mischehen in Deutschland
in % d. jüd. Ehen
1900-1902: 195217,0
1912-1913: 223230,25
in Berlin (im Durchschnitt)
jüdische Mischehen
1875-1880 284146
1881-1890469183
1891-1900574181
1901-1910608252
1911-1914502291
Es wurden Mischehen — stehende — 1910 in Preußen ermittelt: 3643 mit 1675 Kindern davon 782 jüdische, also auf fast 5 Mischehen ein jüdisches Kind.
Stehende Mischehen in Berlin.
Vater Mutter Zahl der Ehen Kinder davon jüdische
ev.jüd. 641 763164
kath.jüd. 81 88 30
sonst.jüd. 105 154 56
Judeev.11241199340
Judekath. 117 119 37
Judesonst. 79 95 64
21472418691
Von 1875-1914 wurden in Preußen 18000 Mischehen geschlossen, wobei die Mischehen nicht ermittelt sind, die zwischen getauften Juden und Nichtjuden eingegangen wurden. Insgesamt müssen es mehr denn 20000 gewesen sein. Gegenüber den jährlichen rein jüdischen Ehen in Preußen von durchschnittlich 2500 bis 2700 handelt es sich um recht respektable Ziffern. Die Großstadt liefert ein besonders reichliches Kontingent. Hamburg, Berlin, Frankfurt und München bezeugen es. Einen Ueberblick über die Mischehen im Reich ergibt die Tabelle, nach der auf 100 jüdische Ehen (1901) 17 Mischehen trafen, die sich bis (1909) auf 25,4 vermehrten. In letzter Zeit scheint die Mischehe 1/8 bis 1/7 der Heiratenden ergriffen zu haben. Die Vermischung kann aber noch zunehmen. Die Verhältnisse in Dänemark ergaben in den ersten Jahren unseres Jahrhunderts auf 100 jüdische Ehen 96 Mischehen und für Schweden (1901-1908) 135 gemischte auf 154 reine Ehen, so daß selbst in Ländern, in denen eine russische Einwanderung vorherrschte, bei der starken Assimilierungstendenz der Einheimischen eine rasche Vermischung eintrat. Erhebungen aus Italien, Frankreich, Ungarn, Holland, der Schweiz und Australien unterrichten uns über den internationalen Charakter dieser Erscheinung.
Ich habe mich in der ersten Auflage des „Untergangs” mit den Verhältnissen in anderen Ländern eingehend befaßt. Wilhelm Müller spricht vom amerikanischen Judentum im 19. Jahrhundert (Nr. 34 der Zukunft):
„Von den Reformierten sagt der französische Schriftsteller Henry Barky, dass es die wahren Vertreter des Judentums in Amerika seien. Ihre Religion ist Deismus und ihr Ritus ein Ausdruck des Gefühlslebens, der die Gegenwart mit der Vergangenheit verbindet. Diese Hauptaufgabe erblickt er jedoch in tatkräftiger Verwirklichung sittlicher Ideen. Mit dieser Auffassung nähern sich die Juden den liberalen christlichen Kirchen. Mr. Copp meinte, die religiöse Entwicklung der Juden habe sie dem liberalen Christentum zugeführt. Damit geht Hand in Hand die Abschaffung des Sabbaths, den Rabbiner Dr. Isidor Singer einen alt semitischen Aberglauben nennt.”
Wie das Deutschtum im Amerikanertum aufgegangen ist, so sieht schon jetzt eine Anzahl bekannter Juden die jüdische Zukunft in demselben Licht. Zangwill bezeichnet in seinem Drama: „Der Schmelztiegel”:
..... ein Aufgehen der Juden im Amerikanertum durch Zwischenheirat als das voraussichtliche Los seines Stammes.
Damit fände wie so mancher wegmüde Wanderer auch Israel im großen gastlichen Land der Freiheit Ruhe und Frieden.
In Sombarts „Judentaufen” verbreitet sich Zangwill über die Bedeutung der Zwischenheiraten.
„Hätte uns der Christ stets christlich angefasst, kein einziger Jude lebte heute in Europa. Ganz abgesehen von den Ereignissen im Ausland, ist in Deutschland die Mischehe kein Produkt des Zufalls, sie ist eine heute weitverbreitete Erscheinung, die bei einigen Wechselverbindungen zwischen Volksteilen, die sich immer mehr ausgleichen, auftreten muss. Die jüdische Gesamtheit bietet wohl noch Differenziertheiten. Diese Eigenart kann von einzelnen Individuen übersehen oder mit in den Kauf genommen werden. Der Jude ist an und für sich keine besondere Erscheinung mehr. Sein Geld, seinen Beruf, seine Anschauungen besitzen auch Christen.”
Zollschan hat in einigen markanten Sätzen zusammengefasst, was zu sagen ist: „Völkerstämme, die untereinander wohnen, vermischen sich stets, wenn die Ehe nicht durch das Gesetz oder die Religion verboten ist. Die Juden wohnen vermischt mit den anderen Völkern. Das Zivilgesetz gestattet heute die Mischehe. Die sexuellen und materiellen Interessen sind mächtiger als jede konfessionelle Schranke, namentlich wenn an diese selbst nur mehr eine blosse Erinnerung besteht. Die statistisch konstatierten Erfahrungen stimmen mit diesem Syllogismus überein.”
Professor Dr. Eduard Steiner, der Kenner des amerikanischen Judentums, befand: „Es ist zweifellos, dass das jüdische Volk in Amerika ernsterer Krisis entgegengeht als einst im babylonischen Exil. Das amerikanische Judentum geht einer Katastrophe entgegen. Der Auflösungsprozess wird nur durch den Zuzug von Juden aus Russland und Polen verzögert. Der Durchschnittsjude hat sich so weit amerikanisiert, dass er bereits vollständig seine Herkunft und Abstammung vergessen hat. Amerikanisierung und Assimilation sind nur zwei Seiten derselben Medaille, sind ein einheitlicher Prozess.”
Ruppin hat in klassischer Prägnanz die Inzucht der Juden gedeutet: „Ob die Juden von ihrem Eintritt in die Geschichte an eine einheitliche Rasse gebildet und diesen einheitlichen Charakter stets bewahrt haben, steht völlig dahin. Als sicher aber kann gelten, dass die Bekenner der mosaischen Religion gegen Ende des XVIII. Jahrhunderts nach vielen Jahrhunderten strengster Inzucht innerhalb eines relativ kleinen und räumlich beschränkten Kreises eine durch anthropologische Merkmale von ihrer christlichen Umgebung scharf unterschiedene Gemeinschaft bilden. Im XIX. Jahrhundert sind manche Angehörige dieser Rasse von der jüdischen Religion zur christlichen übergetreten, andere haben einen christlichen Ehegatten geheiratet und ihre Kinder dem Christentum zugewendet, sodass sich jetzt Angehörige der jüdischen Rasse auch unter den Anhängern der christlichen Religion befinden. Dem gegenüber sind die Fälle, in denen Christen (d. h. anthropologisch gesprochen Germanen, Slaven u. a.) durch Uebertritt zum Judentum oder auf dem Wege der geschlechtlichen Vermischung mit Juden zu Bekennern der mosaischen Religion geworden sind, so selten, dass man sie ohne erheblichen Fehler ganz vernachlässigen und auch heute noch alle Anhänger der mosaischen Religion als Anhänger der jüdischen Rasse bezeichnen kann.”
Die Inzucht gewährleistet das einzige objektiv jüdische Kennzeichen, erhält die körperliche Eigenart des Juden, während das Bekenntnis der jüdischen Religion oder zur Nationalität nur ein subjectives Merkmal, die momentane geistige Willensrichtung, die Empfindung der Zugehörigkeit darstellt.
Die jüdische Inzucht ist die letzte Komponente, die die Eigenart erhält. Daher sehen die Vorkämpfer der rein religiösen Gemeinschaft die Mischehe, selbst wenn der Partner die jüdische Religion annimmt, durchaus nicht gern. Die Aufhebung der Inzucht bedingt einen Verlust der Eigenart und heißt sich selbst aufgeben.
Für die Umwelt hat die Mischehe keine große Bedeutung. Es hat sich herausgestellt, das die Kinderzahl in jüdisch-christlichen Ehen das Zweikindersystem schon längst verlassen hat und zum Einkind übergegangen ist. (Ueber die Statistik u. dgl. siehe die verschiedenen Arbeiten M. Marcuses u. a. in den Sexualproblemen, 1911, und die 1. Auflage dieses Buches).
Die Entwicklung der Fruchtbarkeit in der Mischehe deutet darauf hin, daß auch hier rationalistische Einflüsse die Geburtenzahlen herabdrücken und wir es mit den allgemeinen Erscheinungen zu tun haben, denen wir allgemein bei der Erörterung des Geburtenproblems näher kamen. Die Anschauungen der Anthropologen, welche diese geringe Fruchtbarkeit auf die Rassenverschiedenheiten zurückführen, wie Lapouge, erscheint mir nicht mehr stichhaltig. Wohl aber mag ein seelischer Reiz oder vielmehr eine psychische Hemmung vorliegen, welche die Ehegatten den Nachwuchs noch weniger erwünscht sein läßt als bei rein jüdischen Ehen. Wegen der Verschiedenheit der Religion bringt die Geburt eines Kindes die unangenehme Frage und die Entscheidung mit sich, in welchem Glauben man es aufziehen soll. Die beste Lösung aller bevorstehenden Differenzen ist und bleibt die Geburtenverhinderung. Umsomehr, als insbesonders beim jüdischen Partner der Wille, den Namen und die Familie zu erhalten, von geringer Bedeutung ist. Vor allem aber sind die Ehegatten überaus moderne Menschen, die in ihrem Liebesleben der Allgemeinheit und der Umwelt keine Konzessionen zu machen wünschen und ihren Bund als die einfache Beziehung zwischen zwei Menschen ohne Berücksichtigung der Interessen der Verwandtschaft, der Rassen oder des Volkes, aufgefaßt wissen wollen. Da die Mischehe gerade in den assimiliertesten Kreisen stattfindet, ist die Unterfrüchtigkeit der Ausdruck der Gebär-un-Freudigkeit (sit venia verbo!) dieser Schichten.
Ich habe in meiner Untersuchung der Entwicklung der Berliner Juden den geringeren Anteil der ausländischen Juden an den Mischehen nachgewiesen. Während im Jahre 1909 der Anteil der Ausländer an jüdischen Eheschließungen 16,4% betrug, waren sie unter den Mischehen mit 10,8 vertreten. Ohne diese Einwanderung wäre der Mischehekoëffizient noch größer.
Bei der Mischehe wird ein hoher Prozent (12 vom 100 nach Dr. A. Kahn) wieder aufgelöst. Die Individualitäten, die in diesen Ehen praevalieren — im Gegensatz zu den Partnern der Konvenienzehe — scheinen rascher davon zurückzutreten, wenn sie ihren Zweck der Ehe d. i. ihr persönliches Glück nicht finden.
Sombart schrieb in der „Zukunft der Juden”: „Die Kinder, die den Mischehen entspringen, so wunderbar schön und so hochbegabt sie oft genug sind, scheinen doch des seelischen Gleichgewichts zu entbehren, das rassenreine Blutmischung gewährleistet. Wir finden unter ihnen gar zu häufig intellektuelle oder moralisch disäquilibrierte Menschen, die entweder sittlich verkommen oder mit Selbstmord oder in geistiger Umnachtung endigen. (Obwohl sich darüber zuverlässige Aussagen, die auf mehr als der persönlichen Erfahrung beruhen, beim heutigen Stand unseres Wissens Schlüsse nicht machen lassen).”
Derartige Werturteile entbehren vorerst der eingehenden Beweisführung. Einige bekannte Größen, wie Ludwig Gurlitt, Heyse, v. Hofmannsthal, v. Bayer, Nobel, Dernburg entstammen jüdischen Mischehen. Da die Zahl der in Mischehen Geborenen bis zum Jahre 1890 insgesamt nur 12-15000 betrug, so kann man auch nicht verlangen, daß bis jetzt unheimlich viele Genies aus der Mischehe hervorkamen. Kohler meinte zwar in dem Sammelheft über die Judentaufe:
„Nicht reine, sondern Mischrassen haben von jeher die Welt beherrscht und eine der Hauptmischrassen, die Engländer, wären niemals das geworden, was sie sind, wenn nicht das keltische, sächsische und normannische Element in ihnen in so glücklicher Weise vereinigt worden wäre. Eines möchte ich noch bemerken. Eigenschaften, die den Juden zukommen, finden sich auch in der deutschen Nation und zwar in sehr bedeutender Weise vertreten. Auch hier gibt es abstraktdenkende Kinder, auch gibt es Finanzgenies und Menschen von gewaltiger Kombinationsgabe und Suggestivkraft, Allein wir Deutschen sind nun durch den dreissigjährigen Krieg so verödet worden, dass wir im praktischen Leben mit unseren eigenen Talenten allein nicht vollständig das leisten würden, was notwendig ist, damit wir anderen Völkern den Widerpart halten. Das ist der Hauptgrund, der uns die Assimilierung des Judentums wünschenswert macht.”
Der anonyme Verfasser der Broschüre „Der Untergang Israels” wendet sich sehr energisch gegen die Mischehe. „Individuelle Heiraten zwischen Juden und Christen haben physiologisch genommen wenig Zweck. In moralisch, ethisch, historischer Hinsicht halte ich solche Heiraten für direkt verderblich. Verderblich für die Reinheit des Stammes, verderblich für die weitere Durchführung der jüdischen Gesetzgebung, verderblich mit einem Wort für den Geist des Judentums, der aller Stagnation abhold als Fortschrittsfaktor der Weltgeschichte.”
Die Mischehe führt aus dem Judentum heraus. Alle Ziffern ergeben, daß 20% bis höchstens 25% der Kinder im jüdischen Glauben erzogen werden. Bei der an und für sich geringen Fruchtbarkeit der Mischehen bedeutet diese Zahl fast nichts mehr. Beobachtet wird, daß getaufte Juden gern ebensolche heiraten. Diese Erscheinung weist darauf hin, wie unbewusstes Rassegefühl und historische Nachwirkung noch stark im Spiel sind und sich wieder geltend machen (also eine Parallel resp. Contreaktion). Das alles nimmt nicht der Mischehe ihre Aussicht, ihre eigentliche Bedeutung und die Wirkung, die mit Nietzsche in sich sterben läßt und zur Vernichtung auffordert, was reif zum Sterben ist: Geburten zu verhüten, um künftigen Generationen das niederdrückende Gefühl des Elends zu ersparen und somit noch schneller fallen zu lassen, was reif zum Sterben ist; und das, was fällt, nicht zu halten, sondern sogar noch zu stoßen, damit es noch schneller falle ...