KAPITEL V. DAS SEXUALPROBLEM.
Reading edition
Die vernunftmässige Ueberlegung erobert auch die Sexualsphäre. Die Zeit, wo die Rassen instinktmässig dahinlebten und neben der Stillung des Hungers keinen anderen intensiven Lebensgenuss als den ehelichen Verkehr kannten, ist vorbei.
Dr. Mensinga.
1. Die Ehelosigkeit.
Mit der Umwälzung, welche die Judenheit durch die Lösung ihrer religiösen Gebundenheit und durch Umstellung in Beruf und Wohnort erfahren hat, traten Sexualverhältnisse auf, die wir zusammenfassend folgendermaßen kennzeichnen können:
Von 100 Juden, heiraten 25 überhaupt nicht. Ein weiteres Viertel bleibt kinderlos, das dritte Viertel begnügt sich mit ein oder zwei Kindern und nur beim letzten Viertel treffen wir drei und bei einem kleinen Prozensatz mehr Geburten. Diese vorweggenommenen Resultate bedürfen der näheren Untersuchung. Wir werden zuerst die Frage der Ehelosigkeit berühren.
Die Ehelosigkeit ist aus verschiedenen Gründen bedingt. In den Wirtschaftsverhältnissen ist ein Teil der Hindernisse gelegen. Die Großstadt verfügt über tausende von jungen Beamten und kaufmännischen Angestellten die nach ihrem Stand sich zur Schicht des Mittelstandes rechnen, und ihrem Einkommen nach Proletarier sind. Während der Arbeiter frühzeitig eine Lebensgefährtin nimmt, die mit ihrem Verdienst — wo es nötig ist — die Einkünfte der Familie sicher stellt, hat der Jude den Uebergang in das moderne Wirtschaftsleben noch nicht vollkommen gefunden. Bei ihm soll die Frau nur im Heim ihre Fertigkeit entfalten und da der jüdische Kastengeist eine gewisse Stufe, resp. Höhe der Lebenshaltung zum ungeschriebenen Gesetz erhoben hat, ist es für den niederen Angestellten eine Schwierigkeit, mit einer produktiv kaum gewinnreich tätigen Frau und mit kostspieligem Nachwuchs das armselige Budget zu belasten. Wie jeder Soldat angeblich den Marschallstab im Tornister trägt, so glaubt mancher Kaufmann es noch zu einem kleinen Rothschild zu bringen. Es ist daher in den Kreisen der jüdischen Handlungsgehilfen Sitte, mit der Vermählung zu warten, bis der Herr Kommis sich aus dem kümmerlichen Lohnverhältnis herausgearbeitet hat und selbst Unternehmer geworden ist. Was vor wenigen Jahrzehnten verhältnismäßig einfach war, ist in dem Zeitalter der Konglomeration des Kapitals eine Schwierigkeit geworden. Und wenn der 30jährige noch immer auf die passende Gelegenheit lauert, so hat der 40jährige schon die Hoffnung aufgegeben, im Kampf ums Dasein den ökonomischen Aufstieg für sich günstig zu entscheiden. Er bleibt das, was ihm als eine vorübergehende Periode erschien, sein Lebtag ein Gehilfe. Zu spät hat er seinen Beruf erfahren und damit zum Teil verfehlt. Und die meisten können sich auch dann nicht in den Gedanken finden, Proletarier zu sein. Die echten Proletarier haben manches vor ihnen voraus. Der einfache Arbeiter baut sein Leben auf seine derzeitigen Existenzverhältnisse auf, der jüdische kommerzielle Angestellte rechnet mit Größen aus dem Reiche der Wahrscheinlichkeit oder Unwahrscheinlichkeit.
Der Arbeiter heiratet im Durchschnitt recht früh. Er erlangt schon Anfang der Zwanziger das Maximum seines Einkommens. Er vermietet seine Arbeitsleistung, seine Kraft, seine Arme an den Unternehmer und gewinnt damit durch rein physische Leistung den Lebensunterhalt. Also erreicht der Proletarier etwa mit der Volljährigkeit, in der Zeit der sexuellen Vollreife die wirtschaftliche Höhe seines Einkommens, die die Unterlage für Ehen seines Standes zu bilden pflegt.
Der jugendliche Handlungsangestellte und der Beamte bekommt nicht wie der Arbeiter den Lohn, den auch die älteren Berufsgenossen beziehen. Er vermietet zwar seine volle Arbeitsleistung, sein Hauptkapital das er besitzt, wird aber im jugendlichen Alter nur insoweit entlohnt, daß er knapp allein sein Leben fristen kann. Je länger er ausgebildet ist, Schulen besucht, Sprachen gelernt hat, das Ausland bereiste, in anderen Unternehmungen sich betätigte, Erfahrungen und Zeugnisse sammelte, desto größer wird die Chance seines Einkommens. Das schließt für diese Berufsangehörige den Verzicht in sich, frühzeitig viel zu verdienen. Seine ökonomischen Verhältnisse türmen der Familienbildung Widerstände entgegen, die sich im Laufe der Jahre verringern, insbesondere, wenn der niedere Angestellte eine gehobene Stellung erreicht oder den Traum seines Lebens, den Weg zum Unternehmertum, gefunden hat.
Der Unternehmer arbeitet nicht nur mit Kraft und Intelligenz, sondern besonders mit seinem Kapital. Das Kapital gibt ihm die Ware, die Unterlagen, Räume zu mieten, Kräfte einzustellen, Reklame zu treiben, Kunden anzulocken. Der Besitz des Kapitals gibt ihm Arbeitsmöglichkeiten. Der kapitalarme Unternehmer kann höchstens durch besondere Intelligenz, durch glücklichen Kredit (was dem eigenen Kapital nahekommt) den Kampf mit kapitalskräftigen Konkurrenten aufnehmen. Es ist klar ersichtlich, daß jeder Händler, jeder Inhaber eines Ladengeschäftes, jeder größere Agent das Geld nicht nur um des Geldes willen, sondern als Arbeitskraft, als Vorausbedingung braucht. Daher ist es erklärlich, daß der Jude als das nach Erfahrungen und Statistiken am meisten zur Selbständigkeit und Unternehmertum strebende Element im Tanze um das goldene Kalb sich verzehrt. Mit dem immer schwieriger werdenden wirtschaftlichen Kampfe rückt das Alter hinaus, in dem der Kaufmann sich eine selbständige Position errungen hat. Und da er hinwiederum erst dann auf eine Mitgift rechnen kann, wenn er schon selbst sich eine kleine Basis, eine Position geschaffen hat, ist sein Heiratsalter um so später. In den Kreisen aber, in denen die jungen Leute wissen, daß sie jahrelang nicht an eine Ehe denken können, wird der Anreiz immer stark sein, mit Surrogaten der Liebe vorlieb zu nehmen. Umsomehr als der jüdische Kaufmann auf den vielen Reisen, bei der leichten Lebensauffassung seines Standes, bei der großen Zahl der Mädchen, die ihn umgeben, die gleichfalls die Möglichkeit einer Ehe für nicht allzu groß erachten, Auswahl und Anreiz in Menge vor sich sieht. Deshalb ist die freie sexuelle Betätigung des jüdischen Kaufmannes und Studierenden eine ökonomisch besonders bedingte und bei aller Bewunderung, die wir denen zollen, welche sich in Aufrufen an das Verantwortlichkeitsgefühl der jungen Leute abmühen, ist es doch ausgeschlossen, daß dadurch der starke sexuelle Trieb unterdrückt wird. Die Frühehe der alten Juden mochte den Menschen Genüge tun. Sie verzichtete auf das törichte Verfangen, naturam expellere furca. Wo die jüdische Lehre aber in zu starkem Widerspruch mit den Voraussetzungen des Lebens geriet, erlitt auch sie eine Niederlage. Ein Beispiel mag es bezeugen: Verpönt war die Geldehe, (Eben Haezar 2, 1). Die gesetzestreuen Juden haben sich nicht daran gekehrt. Die alten jüdischen Weisen rechneten wenigstens mit der Gewalt des Geschlechtstriebes und gaben ihm Unterlagen. Die modernen Prediger in der Wüste vertrösten erwachsene Menschen.
Die Aussicht auf die Spätehe muß die Verseuchung der großstädtischen kaufmännischen Bevölkerung auslösen. Die Folge zahlreicher Infektionen ist aber wiederum ein Anschwellen impotenter Ehemänner und Dauerzölibatäre. Immer größer wird die Zahl der jüdischen Junggesellen. In der Großstadt ist die Heirat keine Lebensnotwendigkeit. Die Gründe für die Ehelosigkeit sind im Zunehmen begriffen. Niemand findet heute an dem Junggesellentum einen sittlichen Mangel. (Selbst unter den Rabbinern und orthodoxen Juden befinden sich ledige Juden.)
Für Hessen hat Ruppin bereits für 1905 die geringere Heiratsneigung der Juden nachgewiesen. (Zeitschr. f. St. der Juden, Band III.) Nach meiner Preisarbeit der Gesellsch. f. Rassenhygiene waren von hundert Berliner Juden verheiratet:
189519001910
männl. weibl. männl. weibl. männl. weibl.
Bis 25 J. alt 2,021,43,321,5 18-20 J.0,110,0
„30„20,652,919,052,7 20-3012,035,4
„35„47,065,543,766,0 30-4057,969,6
„40„70,071,357,469,8 40-5077,770,2
„45„78,073,078,368,1 50-6081,556,8
„50„82,668,382,067,1
„55„83,762,768,654,6
„60„81,250,666,952,7
Danach waren bis zum dreißigsten Lebensjahr (1910) 12,4% der Männer verheiratet gegen 20,6% im Jahre 1895, vom 35.-40. etwas über die Hälfte. Die älteren Jahrgänge entstammen einer früheren Zeit, sodaß wir heute wohl mit geringeren Ziffern zu rechnen haben. Gleichwohl ergab sich, daß von 100 männlichen und weiblichen Juden in den Jahresklassen der 40- bis 50-jährigen 22,3% resp. 29,8% unverheiratet, (darunter über 20% ledige) eine Zahl, die nach dem Stand von 1920 auch ohne Berücksichtigung der schweren wirtschaftlichen Verhältnissen der neuen Zeit zugenommen hätte.
Die Statistik zeigt, daß die Jahrgänge 25-40 der Berliner Juden durchschnittlich mit 1700 bis 1800 Personen besetzt waren (1910), während an jüdischen und nichtjüdischen Eheschließungen zwischen 1910 und 1913 ca. 1200 Eheleute jährlich beteiligt waren, von denen wir die Witwen und Geschiedenen abziehen. Es heirateten also vor dem Krieg keine 2/3 der jüdischen Berliner Bevölkerung. Bei der allgemeinen Berliner Bevölkerung gab es von den 40- bis 50jährigen nur 10,7% männliche und 14,7% weibliche ledige, gegenüber 22 und 27% bei den Juden. Wie wir aus der vorliegenden Statistik ersehen, betrifft bei den Juden ein großer Teil der geschlossenen Ehen, Spätehen. Von Frauen zwischen 20 und 30 Jahren war nur ein Drittel verheiratet. Die Folge muß eine geringe Ziffer von Geburten sein. Auch ein Heiratsalter von über 45 Jahren von Seiten des Mannes kann unmöglich zur Erzeugung einer großen Zahl von Kindern führen: unbeachtet von der Frage, ob diese späte Eheschließung noch physisch und geistig gutgeartete Kinder zuläßt. Die Erschwerung der Eheschließung, welche durch den Krieg ausgelöst wurde, betrifft die jüdischen Kreise stärker wie die nichtjüdischen, weil die Juden viel rationeller alle Fragen des Familienlebens überdenken. Die Gründung eines eigenen Heims wird auf Jahre hinaus eine schwere ökonomische Frage für alle Heiratenden sein und während bei der nichtjüdischen Bevölkerung viel eher Einschränkungen vollzogen werden, hält der Jude an dem Auftreten, an dem Schein und Zeigen eines gewissen Wohlstandes fest. Jugendliche Idealisten scheinen den Weg der Jugend zu beeinflussen. Rücksichtslos wollen sie ihre Verbindungen anknüpfen, gegen den Stachel der Gesellschaft löcken und ein Heim, wenn auch auf wirtschaftlichem Nichts, begründen. Aber können sie zum Prototyp einer Zeit werden, in der alle Nöte, Teuerung und späte Selbständigkeit ihrer Klasse so sehr die Stunde regieren? Einen Gradmesser der sexuellen Nöte verraten allein schon die jüdischen unehelichen Geburten.
In Preußen wurden uneheliche Geburten bei Juden betroffen:
in %in %
d. jüd. Geburtend. Geburten
1821/30941,71891/952373,0
1831/401272,01896/002593,4
1841/501622,41901/052613,6
1861/652503,61906/103184,2
1881/90 2482,51910/14 3185,0
In Berlin allein waren uneheliche Geburten:
1875/81518
1882/91789
1892/01847
1902/11 1051
In den letzten Jahren vor dem Krieg bildeten die unehelichen Geburten 10 Prozent der ehelichen Geburten der Juden Berlins gegen 5% in den 70er Jahren.
Weder Entrüstung noch der Ausdruck irgend welcher sonstiger krasser moralischer Werturteile ist hier am Platze. Die in der Enge des jüdischen Familienlebens erzogene Jüdin, ihre an alten Beispielen verankerte Sittlichkeit und ihre im Kreise der Kleinstadt und der Ihrigen behütete und bewachte sexuelle Auffassung hat eine völlige Ummodelung in dem Augenblick erfahren, wo das junge Mädchen in das Erwerbsleben eintritt. Eine neue Umgebung läßt neue Anschauungen aufkommen. Die Emanzipation vom Elternhaus, die Möglichkeit sich selbst den Unterhalt zu verdienen, gibt ihr die Kraft sich von aller Konvention, von aller Abhängigkeit vom Hause freizumachen, ein eigenes modernes Leben zu führen und nicht nach dem zu fragen, was einst für gut und böse gehalten wurde. Die völlige Freiheit des jüdischen Mannes ist seit langem geduldet. Vor hundert Jahren war es auch darin anders und es ist keine Unwahrscheinlichkeit, daß sich auch die Frau dasselbe laisser-faire, laisser-passer erringen wird. Ob wir es wünschen oder nicht — ist dabei gleichgültig. Der Einfluß der Civilisation, die Neuzeit mit ihrer breit ausladenden Sinnlichkeit, das Großstadtmilieu, die Einwirkungen des Kapitalismus, die unglückliche Verteilung der wirtschaftlichen Güter und die ungerechte Bezahlung der Arbeitsleistungen der einzelnen Stände und der Geschlechter u. a. bringen Einflüsse mit sich, welche eine Umwälzung in der Psyche des Weibes vornehmen. Die Ausschließung lebensfreudiger Elemente von der Ehe muß eine natürliche Reaktion sinnlicher Individuen hervorrufen und die Prediger der Enthaltsamkeit warnen so lange vergebens, als der natürlichen Regung des Weibes, ihrem unbewußten Sehnen, ihrem selbstverständlichen Trieb das eigentliche Objekt: Ehe und Mutterschaft entzogen wird. Mit dem Steigen der Ehelosigkeit der Jüdinnen nimmt die Zahl der unehelichen Geburten zu, soweit sie die Geburtenpraevention nicht verhütet, was in noch stärkerem Maße der Fall ist. Trotz allem ist ihre Ziffer nicht groß genug, um von Bedeutung für die Erhaltung der Judenheit zu sein. Die 300 unehelichen Kinder in Preußen sind eigentlich lächerlich wenig an und für sich, nur das Sinken der allgemeinen Geburtenziffern und die frühere relative Seltenheit unehelicher Kinder bei den Juden überhaupt lassen sie zu einer soziologischen Bedeutung werden. Moralstatistisch ist sie hochbedeutsam; Bevölkerungstechnisch ist ihr Wert zu übersehen.
Es ist sicher, daß die Ziffer der unehelichen Geburten absolut keinen erschöpfenden Ueberblick über das sexuelle Leben der unehelichen Jüdinnen gibt. Die Jüdin der Großstadt, insbesondere das Mädchen von Berlin W, das den Weg zur Ehe nicht findet, hat keine große Vorliebe für außereheliche Mutterfreuden, die sie zu hintertreiben weiß. Wer aber dem berühmten Schrei nach dem Kinde Leben verleiht, den überläßt die Oeffentlichkeit der Aechtung. Aber alle Schuld rächt sich auf Erden. Die Entwicklung, die heute nur ein Fünftel der jüdischen Mädchen in dem angemessenen Alter zum Altar führt und die Aussicht für eine Heirat überhaupt immer unsicherer gestaltet, modelt die berühmte altjüdische Sittlichkeit des Weibes um, nachdem die des Mannes längst zum Teufel ging. Ist es Schicksalswende der Juden oder Entwicklung des Sexualismus: Liebe, Ehe, Sexualbefriedigung finden ihre Umwälzung und der Prozeß, der sich anbahnt, ist noch lange nicht zum Abschluß gekommen. Eine weibliche Jugend mit eigenen starken Impulsen wächst heran, die ihr Leben sich selbst einrichten will, ohne Rücksicht auf die Philistermoral. Und mit einer Energie, die der Sexualtrieb verstärkt und die logische Ueberlegung stützt, nimmt sich die Jüdin ihr Recht auf das Leben, das nun einmal der Güter höchstes ist, das Recht auf ihr eigenes Leben.