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Der Untergang der Deutschen Juden

KAPITEL IX. ZUM PROBLEM DES GEBURTENÜBERSCHUSSES.

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„Nun tausend Jahr schon leb ich Im Drucke, im Exil, Ein Knecht in Wüsteneien Dem Uhu ein Gespiel! Komm Daniels Engel tu Das Ende mir doch kund! Das Ende auch verhüllt ist Verstummt des Engels Mund..!”

Salomon ibn Gabirol.

Bevölkerungsbewegung der Juden

In PreußenIm Durchschnitt der Jahre Geburten Sterbe- fälleAustritte[21] und TaufenBevölkerungs- bilanz (ungefähr)

1881-9096506075350+ 3225

1890-0082505639500+ 2100

1900-0569955665600+ 750

1906-1067905723700+ 350

191163575877„- 220

191262885753„- 175

191362645741„- 175

19145987 5750[23]„ - 400[22]

Bevölkerungsbewegung der Juden

In BayernIm Durchschnitt der Jahre Geburten Sterbe fälleAustritte[21] und TaufenBevölkerungs- bilanz (ungefähr)

1876174093930770

1880168099240648

1890114787550222

190093274060132

1905-098687127581

1910793644 79

1911773745 - 42

1912740713 - 43

1913695686 - 69

1914740

1917325878[24] - 553

In Wien

Jahr Geborene Uebertritt z. Juden Austritt[25] Gestorbene Bevölkerungs Zunahme resp. Abnahme

1910 2457915122163- 127

191123711075392332- 393

191222251245672259 - 477[26]

191322371174982355- 499

191425481075322551- 428

Für die Provinz und zwar gerade für die ursprünglich fruchtbarste hat Friedrich Swart in Schmollers Jahrbüchern im Jahre 1912 S. 316 (Deutsche und Polen in der Provinz Posen) den Geburtenüberschuß nachgeprüft und bezeichnenderweise auch für diese Gegenden das unzulängliche Resultat festgestellt. So betrug der Geburtenüberschuß auf je 10000 Köpfe in Posen:

JahrKath.JudenJahrKath.Juden

18802021191895248 25

1885178 891900225- 24

1890197 411905213- 36

Auf dem Lande bleiben verhältnismäßig viele alte Leute zurück, während die Mehrzahl der zeugungsfähigen abwandert und der Rest bei geschmälter Fruchtbarkeit immer geringeren Nachwuchs produziert.

Eine Ruppinsche Berechnung für die Jahre 1885-1900 habe ich fortgesetzt. Danach waren in Preußen Juden:

1885 bis 18901890 bis 18951895 bis 19001900 bis 19051906 bis 19101911 bis 1913

Geboren:453024244239386373433395018909

Gestorben:296782889627496283142861517371

Geburtenüberschuß:156241354611890 9029 5335 1538

Verluste

a) durch Austritt 1250 2000 2500 3000 3200 2000

b) durch Kinder aus Mischehen. 664 696 775 1000 1000 1000

Zunahme resp. Abnahme+ 13716+ 10850+ 861550291135-1500

Leider sind die Ziffern, die den Verlust der Gemeinschaft durch die Taufe, Austritt und Mischehe betreffen, nicht ganz genau zu erfassen (siehe das betr. Kapitel). Es ist nun ganz gleichgültig, ob der Verlust durch Austritt oder Mischehen um ein paar Seelen größer oder kleiner ist. Selbst bei günstigster Berechnung haben die preußischen Juden vor dem Kriege keine Bevölkerungszunahme aus sich heraus erfahren. Der Ausfall ist auf Grund sorgfältiger Berechnungen auf 1500 Seelen von 1911-1913 resp. 500 für das Jahr anzunehmen. Das ist aber nicht das Wesentliche an dem Vorgang, die Bedeutung liegt in der fabelhaften Tendenz, die sich in den wenigen harmlosen Ziffern widerspiegelt.

Auch Bayern weist z. B. für das Jahr 1913 695 Geburten und 686 Todesfälle auf. Wir können noch so sophistisch die Zahlen deuteln, die Geburtenunterbilanz ist unleugbar, da den 686 gestorbenen Juden die hinzuzuzählen sind, die bei ihrem Tod als Christen oder Freireligiöse gezählt wurden. Selbst bei bescheidensten Ziffern der getauften resp. ausgetretenen bayrischen Juden läßt sich nicht ein Plus erzielen.

Segall hat es, obwohl es von mir öfters im „Untergang” als ein fundamentaler Fehler gekennzeichnet wurde, trotzdem unterlassen (siehe z. B. die reptilienartige Berechnung eines Geburtenüberschusses der preußischen Juden auf Seite 136 d. 9. Jahrg. der Zeitschr. f. St. d. J.) die Zahl der Austritte bei seinen Geburtenüberschuß-Berechnungen zu buchen; auf diese Weise täuscht er einen Geburtenüberschuß vor, der in Wirklichkeit nicht existiert. Wenn die Austretenden nicht zu dem Zeitpunkte, an dem sie die jüdische Gemeinde verlassen, als Abgang in Rechnung gebracht werden, dann sind sie in ihrem Sterbejahr den gestorbenen Juden zuzuzählen, da sie doch auf der anderen Seite auch in die Statistik der geborenen Juden aufgenommen werden!

Im Jahre 1914 gab es in Preußen — naturgemäß alle aus der Friedenszeit stammend — fast 6000 Geburten, die dem Judentum zuflossen. Demgegenüber war die Sterblichkeit der letzten Jahre vor dem Krieg durchschnittlich über 5700, mit der Zahl der Austretenden aber übertraf sie den Zuwachs. Der aus Geburten stammende Zufluß genügt also im Jahre 1914 nicht, den regelmäßigen Abgang zu ersetzen.

Mit Absicht bin ich nicht auf die Bevölkerungsbewegung der Kriegszeit eingegangen. Die Kinderzahl jener Jahre sinkt noch um die Hälfte, während die Sterblichkeit sich fast verdoppelte. Es ist anzunehmen, daß während des Krieges der einheimischen jüdischen Bevölkerung eine Abnahme von 25-30000 Seelen erwachsen ist, was ungefähr 4-5% ihrer Gesamtheit ausmacht. Genaue Berechnungen werden sich erst aufstellen lassen, wenn alles Material vorliegt.

Man hat erwartet, daß Deutschland durch einen frisch-fröhlichen Krieg bevölkerungsproblematisch „gebessert” würde. Auch die statistische Wissenschaft der Juden (Segall) hat noch im Dez. Heft 1915 ihrer Zeitschrift dem Gedanken Ausdruck verliehen: „Ob durch den Krieg eine andauernde Besserung bewirkt werden wird, wird die Zukunft lehren” (S. 106) und auf das Stahlbad der ehernen Zeit gehofft, das insbesondere auch auf dem Gebiet des Sexuallebens tief einschneidende Aenderungen auslösen sollte. Da aber der Wille der Massen von den ökonomischen Einflüssen abhängig ist, da die Erkenntnis vorteilhafteren Lebens und die Bannung dogmatisch-religiöser Vorstellungen gerade durch den Krieg eine starke Beeinflussung erfahren haben, wird die Hoffnung der „Optimisten” Schiffbruch erleiden. Deutschland und insbesondere seine Juden werden mehr denn je ihre Fruchtbarkeit beschränken, wenn auch die Geburtenhöhe des Jahres 1920, des ersten Friedensjahres, durch ein momentanes Anschwellen der Heiraten, besonders infolge der Zuwanderung ansteigen wird. Aber die Erschwerung der Kinderhaltung wird durch die bekannten neuen Verhältnisse erst recht potenziert. Allerdings ist die absolute Zahl der Juden Deutschlands durch eine starke Einwanderung gekräftigt. Das verzögert den Prozeß, gestaltet ihn aber nicht um. —

Wer Sinn und Verständnis für Statistik hat, der mag sich den Bevölkerungsaufbau der Juden Berlins vom Jahre 1910 ansehen. Ich hätte ihn gerne ausführlichst mit weiteren früheren Altersgliederungen gegeben, muß aber aus Raummangel hier, wie so oft, mich bescheiden.

Von 100 Juden in Berlin[27] waren alt:

1871188019001910

0-20 Jahre40,938,530,229

20-50 "47,048,452,350

50 und älter12,113,117,520

Nach einzelnen Altersklassen wurden ausgezählt Personen (1910):

davon betrafen die0-5Jahre5859

0-1Jahre11485-106238

1-2113610-156627

2-3115015-207791

3-4120420-258879

4-5122125-308588

30-35Jahre881461-65Jahre3041

35-40755266-702202

40-45686971-751391

45-50583776-80 721

50-55516081-85 352

55-60392486 undälter

Hier wie auch anderorts sind die Juden des reifen Alters in größerer Zahl vertreten als ihr Nachwuchs. Die aufrückenden jüngeren Jahrgänge sind nicht imstande, numerisch gleich stark an die Stelle der älteren Jahrgänge zu rücken. Die in den Jahren 1906-1910 in Berlin geborenen, insgesamt nicht ganz 6000 jüdischen Kinder werden in 2-3 Jahrzehnten aus sich heraus nur ca. 5000-5300 Erwachsene stellen, (bei günstiger Sterblichkeit). Damit ersetzen sie, oder sollen sie die heute 8588 25-30 Jährigen ersetzen! Und selbst mit den Jahrgängen jenseits der Fruchtbarkeitszeit, selbst mit diesen älteren Jahrgängen können sie sich nicht messen. Man kann mit viel Kunst Ziffern anzweifeln und den Wert der Statistik kritisieren. Hier zeigt sich schwarz auf weiß: die Fruchtbarkeit der Berliner Juden ist schon heute um große Teile zu gering. Exakte Berechnungen, die ich in der Preisschrift der Gesellschaft für Rassenhygiene anstellte, ergaben einen Nachwuchs, der weit mehr als 40% zu gering ist! Die Geburtenziffer von 1910-1914 ist noch stärker zurückgegangen. Eine Unterbilanz von etwa 50% war ihre Folge.

Der Altersaufbau gibt einen glänzenden Ueberblick über die Frage der Quantität des Nachwuchses. In der jüdischen Statistik ist diese treffliche Beobachtungsmethode leider unbeachtet geblieben. Einige Beispiele lehren die Uebereinstimmung des Prozesses an anderen jüdischen Centren.

Im Jahre 1905 gab es in Hamburg

bei der allgemeinenjüdischen Bevölkerung

Kinder (0-10 Jahre) 176341 = 19.7%3027 5,15%

Erwachsene (30-40 „ )140897 = 16%323416,5%

Bei der allgemeinen Bevölkerung kam auf jeden Kopf der 30-40jährigen 1,25 der jüngeren Generation. Danach hatte die Hamburger Bevölkerung damals die Möglichkeit, sich aus den Kindern zu ergänzen. Bei den Juden kamen auf 3234 Dreissigjährige nur 3027 Kinder von 0-10 Jahren. Damit war die Altersklasse der Kinder um 7% schlechter besetzt. Erfahrungsgemäß fallen noch 10-12% infolge der Säuglings- und Kindersterblichkeit aus. Die jüdische Geburtenziffer war für Hamburg im Jahre 1905 mit 20% zu gering zu veranschlagen. Selbst wenn die ausländischen Juden daran schuld wären (Segall), so interessiert uns dies für den Augenblick nicht. Wir stellen momentan lediglich die Tatsache fest und können uns erst später den Einwänden nähern, die in dieser Ziffer Zufälligkeiten erblicken wollen.

Segall hat einmal eine weitschweifige Arbeit über die Münchener Juden herausgegeben, in der einige bedeutsame Ziffern in dem Wust der Tabellen verborgen blühten und die unbeachtet geblieben sind. Diese Zahlen betreffen den Bevölkerungsaufbau. Es waren in München:

Jahre altJudenGesamtbevölkerung

1875190518751905

1-151088222543758142810

16-301085317364766158982

31-50 817303457774159044

51-70 400140927660 65912

über 70 77 215 4806 12235

Die eine Tatsache geht aus dieser Statistik klar hervor, daß (1905) die Jahrgänge der 1-15jährigen Juden durchschnittlich 148 Kinder zählen und die der 30-50jährigen 151 Personen. Wie sollen die 148 Kinder nach Abzug der Verluste durch ihre Sterblichkeit die mit 151 Personen besetzten Jahrgänge der Erwachsenen ersetzen?

Bei der allgemeinen Bevölkerung ist eine ebenso große Einwanderung wie bei der jüdischen. Trotzdem kommen auf die mit 9520 Kinder besetzten Jahrgänge (0-15 Jahre) der Gesamtbevölkerung nur 7952 Erwachsene von 30-50 Jahren. Bei der christlichen Bevölkerung war der Nachwuchs fast genügend, bei der jüdischen war er absolut ungenügend. Und Segall gibt selbst den Beweis, daß die starke Einwanderung in die Städte nicht den Grund für den anormalen Volksaufbau abgibt. Er gibt ja die Statistik des Jahres 1875, da die Zuwanderung in München schon begonnen hatte. Damals waren 1-15 Jahre alt durchschnittlich 72 Juden und 31-50 jährig nur 41 Personen.

Segalls Irrtum, daß die ausländischen Juden die Fruchtbarkeit herabdrücken, erweist die Statistik der Leipziger Juden.

Hier, wo die verhältnismäßig stärkste Zuwanderung von Ostjuden besteht, ist einzig und allein eine stärkere Besetzung der jüngeren Jahresklassen (der Kinder) anzutreffen. Es waren die Altersklassen besetzt in Leipzig

19001905

1-1019,6%20,1%

10-2020,620,1

20-3019,720,7

30-4015,314,8

40-5012,412,8

In Leipzig ist sogar die Zahl der Kinder unter der Bevölkerung proportionell gewachsen!

Segall gibt in seiner „Andacht zum Unbedeutenden” wie einmal A. W. Schlegel sich ausdrückte, das von amtlicher Stelle gesammelte Material in hundert Aufsätzen und Arbeiten, aber er verwirrt nur die Probleme mit seinen Kommentaren. Er kompliziert die einfachsten Vorgänge.

Segall genügt nichts. Er sieht die Ziffern der Eheschließungen, Ehelosen, der Geburten, ihr Verhältnis zu den Eheschließungen. Nichts genügt ihm, der Geburtenrückgang erscheint ihm nicht wissenschaftlich belegt. Nur die Fruchtbarkeitsziffer könne bezeugen, ob tatsächlich die Kinder bei den Juden weniger wurden. Zum Unglück aber könne man diese Ziffer nicht bekommen. Wie steht es nun wirklich mit diesem seltenen Schlüssel, der allein uns das Rätsel lösen könnte. Diese Fruchtbarkeitsberechnung geht von dem Gedanken aus, die Zahl der Geburten an den Frauen zu messen, die gebärfähig sind, also an allen Mädchen und Frauen vom 15. bis 50. Lebensjahre. Jacob Segall benutzte eine Auszählung, die er nur an den Münchener Ehefrauen anstellte. Diese Arbeit ist natürlich nur eine halbe Sache. Die Fruchtbarkeit hängt nicht nur von verheirateten Frauen ab, sondern von allen weiblichen Wesen, also auch von ledigen ohne Kinder. Ist der Prozentsatz der Ledigen gering, so kann eine mäßige eheliche Fruchtbarkeit noch genügenden Nachwuchs liefern, ist die Ziffer der Ledigen mit Kindern groß, so könnte auch eine mäßige eheliche Geburtenziffer die Größe des Nachwuchses nicht beeinträchtigen. Alle diese Zwischenfragen werden überflüssig, wenn wir die Fruchtbarkeitsziffer an allen weiblichen Individuen ermitteln.

Aber selbst die Entwicklung der ehelichen Fruchtbarkeit in München müßte einem Statistiker zu denken geben, denn das ist ja eben das wesentliche an dieser Untersuchungsmethode, daß sie sich frei macht von der Besetzung der einzelnen Jahresklassen, daß sie die Einflüsse der Abwanderung gebärfähiger Elemente paralysiert und ein wirkliches absolut einwandfreies Bild der Zeugungslust abgibt. Nach den Segallschen Zahlen habe ich diese jüdische eheliche Fruchtbarkeit zusammen gefaßt. Sie beträgt in München

Im Durchschnitt d. Jahre Geburten

1875/76222

1877/82170

1883/80122

1891/99112

1900/05 107,5

Glaubt Segall wirklich, daß dieser rapide Geburtensturz der Münchener Jüdinnen eine in Deutschland singuläre Erscheinung darstellt? Da er mir vorwarf, daß ich die Fruchtbarkeitsberechnung nicht für andere Gegenden aufstellte, kam ich seinen Vorhaltungen nach und habe eine einwandfreie in der citierten Preisarbeit über die Berliner Juden niedergelegt.

Meine Berechnungen wenden sich nicht nur an die gebärfähigen Ehefrauen, sondern berücksichtigen, wo es logisch ist, alle fruchtbarkeitsfähige weibliche Wesen. Es wäre ein leichtes, auch wenn die offizielle Statistik diesbezüglich versagt, diese Ziffern für andere jüdische Gemeinden nachzuprüfen.

Es trafen auf 1000 verheiratete und ledige weibliche Personen im Fruchtbarkeitsalter Geburten bei der

preuß. Bev. Berliner Bev. bei d. Jüd. Berlins

1880105100,8

1895 96 67,5

1900 84 60,8

1905ca. 150-160 76 56,8

1910 48,6

1911/1440-45

Eingehendere Ziffern sind a. O. gegeben. Im Jahre 1910 fanden sich in Berlin 25742 Jüdinnen im Alter von 15-50 Jahren. Ihre Geburtenziffer in 1100 ehelichen jüdischen und 100 unehelichen und ca. 50 jüdischen Kindern aus Mischehen (die biologische Fruchtbarkeitsziffer der Jüdinnen ohne Rücksicht auf die Kindererziehung war dementsprechend 50,5).

Die allgemeine Fruchtbarkeitsziffer für die gesamte Bevölkerung war z. B. in Bayern

1908-12 1913

in den Großstädten 87,1 74,9

in den Bezirksämtern 145,5124,0

Jeder Mathematiker kann nachrechnen, daß eine Bevölkerung ohne jede Kindersterblichkeit 57,2 Geburten pro Jahr auf 1000 Frauen (15-50 Jahren) gebraucht. Bei einer idealen Säuglings- und Kindersterblichkeit und Mortalität der Erwachsenen bis zum 50. Jahre aber 65 Geburten. In praxi dürften bei den heutigen Mortalitätsverhältnissen 70 Geburten auf 1000 gebärfähigen Frauen gerade die Bevölkerung erhalten. Darnach war die Berliner jüdische Fruchtbarkeit um über 40% zu gering.

Segall verlangte nach einer Fruchtbarkeitsstatistik eines Landes. Die großstädtische Ziffer genügte ihm mit Recht nicht. Er hätte sie sich selbst bequem aus der Ruppinschen Arbeit (III. Jahrgang der Zeitschr. f. Statistik) ausziehen können. Sie ergibt für das Jahr 1905 und für Hessen mit reichlich ländlichen Gemeinden einen Fruchtbarkeitswert von 65. Damit hinkt die jüdische Fruchtbarkeit Hessens der Berlins nicht sehr nach. Auch Hessen teilte das Schicksal der deutschen Juden bereits 1905.

Genug der Methodik, der Tabellen, der Polemik.

Eine folgende schlichte Zusammenstellung ergibt dem, dem das Gewirr der Tabellen nicht Klarheit bietet, den erwünschten Ueberblick.

Von 100 Mädchen, die vor 45 Jahren von jüdischen Eltern geboren wurden (im Durchschnitt berechnet)

sind getauft als Kind und späterledig u. kinderlosledige Mütterheir. Nichtjud.heir. JudenInsgesamt

222318 55100

davon jüdisch. Nachwuchs 0 03 4118125

Auf jede dieser Frauen kommen momentan durchschnittlich 1,25 Kinder, während zur Erhaltung der Art 2,4 Kinder auf den Schoß jedes Weibes entfallen sollten. (Man verwechsle hiermit nicht unsere Berechnung, wonach auf jede jüdische Ehe je 2,15 kommen. Hier handelt es sich nicht nur um die Ehestatistik, die übrigens in Rubrik 5 enthalten ist, sondern um die Fruchtbarkeit im allgemeinen). Selbst wer nachsichtig, noch so liebevoll wissenschaftlich die Statistik des jüdischen Sexuallebens bearbeitet, kann nie und nimmer zu anderen Resultaten gelangen. (Dr. Herlitz fand an einzelnen Familien ähnliche Resultate, die er in dem Wiener Archiv für jüdische Genealogie publizierte). Die den Juden zufließende Fruchtbarkeit war nach dem statistischen Stand im Jahre 1913 um die Hälfte zu gering.

Notes in this chapter

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