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Der Graf von Saint-Germain

ZWEITER TEIL URKUNDEN ZUR LEBENSGESCHICHTE DES GRAFEN SAINT-GERMAIN

Reading edition

SAINT-GERMAIN IN LONDON (1743-1745)

I Aus dem Briefwechsel von Horace Walpole[136]

Horace Walpole an den Ritter Man[137]

9. Dezember 1745.

Wir beginnen Volk aufzugreifen[138], aber so vorsichtig und zaghaft, wie Frauen von Stand, die zum erstenmal ihre Juwelen versetzen. Wir haben noch keinen großen Schlag gewagt. Der Propst von Edinburg ist in polizeilichem Gewahrsam. Kürzlich wurde ein Narr verhaftet, der unter dem Namen Graf Saint-Germain lebt. Er ist zwei Jahre hier gewesen und will nicht sagen, wer und woher er ist. Aber zwei ganz wundervolle Sachen gibt er zu, erstens, daß er nicht unter seinem richtigen Namen lebt, und zweitens, daß er nie mit einem weiblichen Wesen etwas zu tun gehabt hat... Er singt, spielt wundervoll Violine, komponiert, ist verdreht und nicht sehr feinfühlig. Er soll Italiener, Spanier oder Pole sein; ein hergelaufener Mensch, der in Mexiko durch Heirat zu großem Vermögen kam und mit den Juwelen seiner Frau nach Konstantinopel durchbrannte; ein Priester, ein Fiedler, ein vornehmer Mann. Der Prinz von Wales[139] war unbändig neugierig auf ihn, doch umsonst. Indes ist nichts gegen ihn geschehen. Er ist freigelassen, und — was mich überzeugt, daß er kein Edelmann ist — er bleibt hier und behauptet, er sei als Spion verhaftet worden.

Horace Walpole an John Chute[140]

Paris (8. Januar 1766).

Ich will nichts mit den französischen „Gelehrten“ und Philosophen zu schaffen haben und beneide Euch nicht gerade um Rousseau[141]. Er ist eben solch ein „Scharlatan“ wie Graf Saint-Germain, der sich selbst zu einem wunderlichen Menschenkinde stempelt und von sich reden macht ... So sehr ich seine Fähigkeiten bewundere, habe ich doch erkannt, daß weder er noch irgendein „Genius“ genügend gesunden Menschenverstand besitzen, um der Maßlosigkeit ihrer Ansprüche die Wage zu halten. Sie hassen die Priester, können aber doch die Kirche nicht entbehren. Aus diesem Grunde ziehe ich ihre Lektüre ihrer persönlichen Bekanntschaft vor.

II Aus: „The London Chronicle“[142]

13.–15. Mai 1760.

Mittwoch, 14. Mai. Wie der Herausgeber der „Gazette de Bruxelles“[143] uns erzählt, ist der hier kürzlich aus Holland angekommene sogenannte Graf von Saint-Germain 1712 in Italien geboren. Er spricht ebenso geläufig deutsch und französisch wie italienisch und drückt sich auf englisch recht gut aus. Er ist in allen Künsten und Wissenschaften bewandert, ein guter Chemiker, Musikvirtuose und zugleich ein sehr angenehmer Gesellschafter.

Im Jahre 1745 kam er in England in eine sehr schlimme Lage. Ein Mann, der wegen einer Liebesgeschichte eifersüchtig auf ihn war, steckte ihm einen falschen Brief des jungen Prätendenten[144] in die Tasche (worin dieser ihm für seine Nachrichten dankte und ihn bat, damit fortzufahren), dann ließ er ihn sofort verhaften. Da die Untersuchung seine völlige Unschuld ergab, wurde er in Freiheit gesetzt und von Lord H... zu Tisch eingeladen. Wer ihn kennt (sagt Herr Maubert), wird sich ärgern, zu hören, daß er sich die Ungnade des Allerchristlichsten Königs[145] zugezogen hat.

SAINT-GERMAIN IN FRANKREICH

I. Aus Casanovas „Memoiren“[146]

(1757)

Die angenehmste Mahlzeit, die ich (bei der Marquise von Urfé)[147] einnahm, war in Gesellschaft der Frau von Gergy[148], die den berühmten Abenteurer mitbrachte, der als Graf Saint-Germain bekannt ist. Statt zu essen, sprach er vom Anfang bis zum Ende des Mahles, und ich machte es beinahe ebenso, indem ich ihm mit größter Aufmerksamkeit zuhörte. Allerdings konnte man kaum besser sprechen als er.

Saint-Germain gab sich für einen Wundermann aus. Er wollte verblüffen, und das gelang ihm oft. Sein Ton war bestimmt, aber so einstudiert, daß er nicht mißfiel. Er war gelehrt, beherrschte die meisten Sprachen, war ein großer Musiker und Chemiker, hatte ein angenehmes Gesicht und verstand alle Frauen zu kirren; denn er gab ihnen zugleich Schminken und Schönheitsmittel und schmeichelte ihnen mit der Hoffnung, nicht, sie zu verjüngen — denn er war so bescheiden, zu gestehen, daß er dies nicht vermöchte —, wohl aber, sie in ihrem jetzigen Zustande zu erhalten, und zwar mittels eines Wassers, das er ihnen schenkte, obwohl es ihm selbst, wie er sagte, viel Geld kostete.

Er hatte die Gunst der Frau von Pompadour zu erlangen gewußt, die ihm eine Unterredung mit dem Könige verschaffte, und diesem hatte er ein hübsches Laboratorium eingerichtet. Denn der liebenswürdige Monarch, der sich überall langweilte, glaubte etwas Unterhaltung oder doch Zerstreuung beim Herstellen von Farben zu finden. Der König hatte ihm eine Wohnung im Schlosse Chambord angewiesen und ihm 100000 Franken zum Bau eines Laboratoriums gegeben. Wie Saint-Germain behauptete, wollte der König durch seine chemischen Produkte die französischen Fabriken in Blüte bringen.

Dieser eigentümliche Mann, der zum Betrüger großen Stiles geschaffen war, sagte in selbstgewissem Ton und gleichsam beiläufig, er sei dreihundert Jahre alt, besitze das Allheilmittel, mache mit der Natur, was er wolle, besitze das Geheimnis, Diamanten zu schmelzen und aus zehn bis zwölf kleinen einen großen von reinstem Wasser zu machen, ohne daß ein Gewichtsverlust einträte. Alle diese Operationen waren für ihn ein Kinderspiel. Trotz seiner Aufschneidereien, offenkundigen Lügen und maßlosen Wunderlichkeiten brachte ich es doch nicht über mich, ihn unverschämt zu finden. Achtbar fand ich ihn auch nicht, aber unwillkürlich und fast unbewußt fand ich ihn verblüffend; denn er verblüffte mich ...

Der seltsame Mann erschien oft in den besten Häusern der Hauptstadt zum Diner, rührte aber keinen Bissen an und behauptete, sein Leben hinge von seiner Ernährungsweise ab, die niemand außer ihm kennen könne. Mit dieser Wunderlichkeit fand man sich ab, denn man war nur auf seine Erzählerkunst erpicht, die ihn tatsächlich zur Seele aller von ihm besuchten Gesellschaften machte.

(Februar 1758)

Zu Tisch erschien Saint-Germain, aber wie stets aß er nicht, sondern redete nur. Mit unerschütterlicher Sicherheit erzählte er unglaubliche Dinge, und man mußte so tun, als ob man sie glaubte; denn er war stets Augenzeuge oder Held der Geschichte gewesen. Nur als er etwas erzählte, das ihm begegnet war, als er mit den Vätern des Konzils von Trient[149] speiste, mußte ich lachen.

Frau von Urfé trug am Halse als Schmuckstück einen großen Magneten. Eines Tages, so behauptete sie, würde dieser Magnet den Blitz anziehen, und sie würde auf diese Weise zur Sonne aufsteigen. Der berühmte Schwindler versicherte ihr sofort, die Sache sei unfehlbar, aber er allein besäße die Macht, den Magneten ums Tausendfache zu verstärken. Ich entgegnete ihm kalt, ich wollte um 20000 Thaler wetten, daß er ihn nicht einmal um das Doppelte verstärken könne. Frau von Urfé legte sich ins Mittel, um die Wette zu verhindern, und nach Tisch sagte sie mir unter vier Augen, ich hätte sie verloren; denn Saint-Germain sei Magier. Man kann sich wohl denken, daß ich ihr recht gab.

Ein paar Tage darauf reiste der angebliche Magier nach Chambord, wo der König ihm eine Wohnung und 100000 Franken angewiesen hatte, um in voller Freiheit an seinen Farben arbeiten zu können, mit denen er den französischen Tuchfabriken den Vorrang vor denen aller anderen Länder sichern wollte. Saint-Germain hatte den König dadurch bestrickt, daß er ihm in Trianon ein Laboratorium einrichtete, in dem er sich bisweilen die Zeit vertrieb, so gering auch seine chemischen Kenntnisse waren. Aber der König langweilte sich überall, außer auf der Jagd: der Hirschpark betäubte ihn nur und stumpfte ihn immer mehr ab.

Die gefällige Marquise hatte den Adepten dem König zugeführt, in der Hoffnung, ihm die Langeweile zu vertreiben, indem sie ihm Geschmack für die Chemie beibrachte. Zudem glaubte die Pompadour, von Saint-Germain das Lebenselixier bekommen zu haben, und so wollte sie ihm einen großen Vorteil verschaffen. Dies Wunderwasser, das man genau in der von dem Schwindler vorgeschriebenen Dosis einnehmen mußte, besaß nicht die Kraft, den Menschen zu verjüngen — er gab zu, daß dies unmöglich war —, sondern nur die, ihn für mehrere Jahrhunderte nicht altern zu lassen. Tatsächlich hatte dies Wasser — oder sein Erfinder — wo nicht auf den Körper, so doch auf den Geist der berühmten Frau gewirkt: sie hatte dem König versichert, daß sie nicht altere.

Auch der König war ganz im Banne des Betrügers; eines Tages zeigte er dem Herzog von Zweibrücken[150] einen zwölfkarätigen Diamanten von reinstem Wasser, den er selbst gemacht zu haben wähnte. „Ich habe 24 Karat kleinere Diamanten geschmolzen,“ sagte Ludwig XV., „daraus erhielt ich diesen, der durch Schleifen auf 12 Karat verkleinert ist.“ Infolge dieser Voreingenommenheit hatte der König jenem berühmten Abenteurer den früheren Wohnsitz des Marschalls von Sachsen[151] angewiesen. Ich habe diese Anekdote vom Herzog von Zweibrücken selbst gehört, als ich in Metz mit ihm und dem schwedischen Grafen Lewenhaupt speiste.

Ferner erzählt Casanova in seiner Schrift „Monolog eines Denkers“, S. 34 f. (Prag 1784):

Der unlängst in Schleswig verstorbene Saint-Germain war niemand anders als der Geigenspieler Catalani. Er war groß unter dem Namen eines Marquis de la croix noire in England, wunderbar unter dem Namen eines Grafen Saint-Germain in Frankreich und Spanien, und einzig unter dem eines Grafen Belmar in Italien. Was war das für ein Mensch! Selbst von ihm angeführt zu werden, gereichte nicht zur Unehre. Sein Gesicht war angenehm, vornehm sein Auftreten. Er war ein guter Erzähler, wenn er auch manchmal aufschnitt, sprach alle Sprachen gut. Dazu war er ein großer Chemiker, ein großer Musiker, besaß die Formen der guten Gesellschaft, zeigte sich selten, war zurückhaltend, höflich, witzig, geistvoll — kurz, er war von solcher Art, daß selbst die, die auf ihn hereingefallen waren, es ohne Erröten zugaben. König Ludwig XV., der sich, wo er auch war, langweilte, fand Zeitvertreib in dem von Saint-Germain ihm eingerichteten Laboratorium. Er gab ihm eine Wohnung im Schloß Chambord und 100000 Franken.

II. Aus den „Denkwürdigkeiten“ der Madame du Hausset[152].

Bei Frau von Pompadour verkehrte oft ein Mann, der einer Zauberin kaum etwas nachgab. Das war der Graf Saint-Germain, der glauben machen wollte, daß er mehrere Jahrhunderte alt war.

Eines Tages fragte Madame ihn in meiner Gegenwart bei der Toilette: „Wie sah Franz I.[153] aus? Das war ein König, den ich geliebt hätte.“ — „Er war auch sehr liebenswert“, versetzte Saint-Germain. Dann schilderte er seine Gesichtszüge und seine ganze Erscheinung wie bei einem, den man sich genau angesehen hat. „Leider war er nur zu hitzig. Ich hätte ihm gern einen trefflichen Rat gegeben, der ihn vor all seinem Unglück bewahrt hätte, aber er hätte ihn nicht befolgt; denn es scheint ein Verhängnis über den Fürsten zu walten, die ihre Ohren — die Ohren des Geistes — den besten Ratschlägen verschließen, besonders in kritischen Augenblicken.“ — „Und was sagen Sie von dem Connétable[154]?“ fragte Madame. — „Ich kann weder allzu Gutes noch allzu Schlechtes von ihm sagen“, entgegnete er. — „War der Hof Franz’ I. sehr schön?“ — „Sehr schön, aber der seiner Enkel[155] übertraf ihn unendlich. Zur Zeit der Maria Stuart[156] und der Margarete von Valois[157] war er ein Zauberland, der Tempel der Genüsse, auch der geistigen. Beide Königinnen waren gelehrt, sie machten Verse, und ihnen zuzuhören, war ein Genuß.“ Lachend versetzte Madame: „Wie es scheint, haben Sie das alles gesehen.“ — „Mein Gedächtnis ist stark,“ sagte er, „und ich habe die französische Geschichte eingehend studiert. Bisweilen erlaube ich mir den Spaß, die Leute zwar nicht glauben zu machen, aber glauben zu lassen, daß ich in den ältesten Zeiten gelebt habe.“ — „Aber schließlich sagen Sie doch nicht, wie alt Sie sind, und Sie geben sich für sehr alt aus. Die Gräfin von Gergy, die vor 50 Jahren Botschafterin war, ich glaube in Venedig[158], behauptet, Sie so gekannt zu haben, wie Sie jetzt sind.“ — „Allerdings Madame, habe ich die Gräfin von Gergy vor langer Zeit kennen gelernt.“ — „Aber nach dem, was sie sagt, müßten Sie jetzt über 100 Jahre alt sein.“ — „Das ist nicht unmöglich,“ sagte er lachend, „aber wie ich zugebe, ist es noch möglicher, daß die verehrte Dame Unsinn redet.“ — „Sie behauptet, Sie hätten ihr ein Elixier von wunderbarer Wirkung gegeben. Sie hätte infolgedessen lange wie eine Vierundzwanzigjährige ausgesehen. Warum geben Sie dem König das Elixier nicht?“ — „Ach, Madame,“ versetzte er mit einer Art von Schauder, „wenn ich mir beikommen ließe, dem König eine mir unbekannte Arznei zu geben, müßte ich wahnsinnig sein[159].“

Ich begab mich auf mein Zimmer, um dies Gespräch aufzuschreiben.

Ein paar Tage darauf war zwischen dem König, Madame, einigen Edelleuten und dem Grafen Saint-Germain die Rede von dem Geheimmittel, das er besaß, um Diamanten von Flecken zu befreien. Der König ließ sich einen mäßig großen Diamanten bringen, der einen Fleck hatte. Man ließ ihn wiegen, und der König sagte zum Grafen: „Er wird auf 6000 Livres geschätzt, aber ohne den Flecken wäre er 10000 wert. Wollen Sie es übernehmen, mich 4000 Franken verdienen zu lassen?“ Dieser prüfte ihn genau, dann sagte er: „Das ist möglich. In einem Monat werde ich ihn Eurer Majestät wiederbringen.“

Illustration from Der Graf von Saint-Germain: Das Leben eines Alchimisten

Giacomo Casanova

Nach einem Pastellbild seines Bruders Francesco

Nach einem Monat brachte der Graf dem König den Diamanten fleckenlos zurück. Er war in Asbestwatte gewickelt, die er entfernte. Der König ließ ihn wiegen, und er wog fast genau soviel wie vorher. Der König schickte ihn durch Herrn von Gontaut[160] zu seinem Juwelier, ohne ihm irgend etwas zu sagen, und der brachte 9600 Livres wieder. Aber der König ließ den Diamanten zurückfordern, um ihn der Wissenschaft halber zu behalten. Er konnte sich von seiner Überraschung nicht erholen und sagte, Herr von Saint-Germain müsse millionenreich sein, besonders, wenn er das Geheimnis besäße, aus kleinen Diamanten große zu machen. Der sagte weder ja noch nein, versicherte aber sehr bestimmt, er könne Perlen vergrößern und ihnen ein schöneres Wasser geben. Der König behandelte ihn achtungsvoll, ebenso Madame, von der ich das eben Gesagte erfuhr. Betreffs der Perlen hat mir Herr Quesnay[161] gesagt: „Die Perlen entstehen durch eine Krankheit der Austern, und es ist möglich, ihr auf den Grund zu kommen. Somit kann Herr von Saint-Germain Perlen vergrößern; trotzdem aber ist er ein Scharlatan; denn er hat ein Lebenselixier und läßt durchblicken, daß er mehrere hundert Jahre alt ist. Übrigens ist der König vernarrt in ihn und spricht bisweilen von ihm, als ob er von erlauchter Geburt sei.“

Ich habe ihn mehrfach gesehen. Er schien 50 Jahre alt, war weder fett noch mager, hatte eine schlaue, geistreiche Miene, war sehr schlicht, aber geschmackvoll gekleidet und trug sehr schöne Diamanten an den Ringen wie an seiner Tabaksdose und Uhr. Eines Tages, bei einem großen Hoffest, kam er mit so schönen Schuhschnallen und Kniebändern, die mit echten Diamanten besetzt waren, zu Madame, daß diese sagte, sie glaube nicht, daß der König so schöne hätte. Er ging ins Vorzimmer, um sie abzumachen, und brachte sie dann wieder, damit man sie näher ansehen könnte. Herr von Gontaut, der dabei war, verglich die Steine mit anderen und sagte, sie seien wenigstens 200000 Franken wert. Am selben Tage trug er eine unschätzbare Tabaksdose und Manschettenknöpfe von funkelnden Rubinen. Kein Mensch wußte, woher dieser so reiche und außergewöhnliche Mann stammte, und der König duldete nicht, daß man verächtlich von ihm sprach und über ihn spottete. Er war angeblich der Bastard eines portugiesischen Königs ...

Eines Tages sagte Herr von Saint-Germain zum König: „Um die Menschen zu achten, darf man weder Beichtvater noch Minister noch Polizeidirektor sein.“ — Der König setzte hinzu: „Und König.“ — „Ach, Sire,“ rief er, „Sie haben den Nebel vor einigen Tagen gesehen, man sah keine vier Schritt weit. Die Könige sind — allgemein gesprochen — in noch viel dichtere Nebel gehüllt, die Ränkeschmiede, treulose Minister um sie entstehen lassen, und in allen Volksklassen ist man sich darin einig, ihnen die Dinge in falscher Beleuchtung zu zeigen.“ Dies hörte ich aus dem Munde des berühmten Grafen Saint-Germain, als ich bei Madame war, die unpäßlich war und im Bette lag. Der König besuchte sie, und auch der Graf wurde als willkommener Gast empfangen. Herr von Gontaut, Frau von Brancas[162] und der Abbé de Bernis[163] waren dabei ...

Eines Tages besuchte Graf Saint-Germain Madame, die unpäßlich war und auf ihrem Diwan lag. Er zeigte ihr ein Kästchen voller Topase, Rubine und Smaragde. Anscheinend besaß er Schätze davon. Madame rief mich, um all die schönen Dinge zu besehen. Ich blickte sie verblüfft an, machte aber hinten herum Madame ein Zeichen, daß ich alles für falsch hielte. Der Graf suchte etwas in einer Brieftasche, die doppelt so groß war wie ein Brillenfutteral, zog zwei bis drei kleine Päckchen hervor, wickelte sie aus, zeigte einen prachtvollen Rubin und warf geringschätzig ein kleines Kreuz auf den Tisch neben ihm. Es bestand aus weißen und grünen Steinen. Ich betrachtete es und sagte: „Das ist nicht zu verachten.“ Ich legte es an und machte eine Miene, als ob ich es sehr hübsch fände. Sogleich bat der Graf mich, es anzunehmen. Ich weigerte mich, er blieb dabei. Madame schlug es gleichfalls für mich aus. Schließlich drängte er so, daß Madame, die sah, daß es nicht mehr als 40 Louisdors wert sein konnte, mir winkte, es anzunehmen. Ich nahm das Kreuz, sehr befriedigt über die Liebenswürdigkeit des Grafen, und ein paar Tage darauf schenkte Madame ihm eine emaillierte Dose mit dem Bild irgendeines griechischen Weisen, eine Anspielung auf ihn. Übrigens ließ ich das Kreuz prüfen; es war 1500 Franken wert.

Er schlug Madame vor, ihr ein paar Emailbilder von Petitot[164] zu zeigen, und sie sagte ihm, er solle am Nachmittag während der Jagd wiederkommen. Er zeigte seine Bilder, und Madame sagte zu ihm: „Man erzählt von einer reizenden Geschichte, die Sie vor zwei Tagen beim Souper beim Premier zum besten gaben und deren Augenzeuge Sie vor 50 bis 60 Jahren waren.“ Er lächelte und sprach: „Sie ist etwas lang.“ — „Um so besser“, entgegnete Madame und schien ganz entzückt. Herr von Gontaut und die Damen kamen, und man ließ die Tür schließen. Dann winkte Madame mir, hinter einem Wandschirm Platz zu nehmen. Der Graf entschuldigte sich sehr, daß seine Geschichte vielleicht langweilen werde. Manchmal erzähle man gut, und ein andermal hätte man weniger Glück.

Saint-Germains Erzählung

„Der Marchese von San Gil[165] war zu Anfang dieses Jahrhunderts spanischer Botschafter im Haag. In seiner Jugend war er mit dem Grafen von Moncada befreundet gewesen, einem spanischen Granden und einem der reichsten Herren des Landes. Einige Monate nach seiner Ankunft im Haag erhielt er einen Brief des Grafen, der ihn bei seiner Freundschaft beschwor, ihm einen sehr großen Dienst zu leisten. „Wie Sie wissen, lieber Marchese,“ schrieb er ihm, „hatte ich den Kummer, den Namen Moncada nicht fortpflanzen zu können. Doch kurz nachdem ich Sie verlassen, erhörte der Himmel mein Flehen und schenkte mir einen Sohn. Der zeigte frühzeitig eines Mannes seiner Abkunft würdige Neigungen, aber das Unglück wollte, daß er sich in Toledo in die berühmteste Schauspielerin der dortigen Truppe verliebte. Ich schloß die Augen über diesen Jugendstreich, da ich bisher stets zufrieden mit ihm war. Als ich aber erfuhr, daß ihn die Leidenschaft derart verblendete, daß er das Mädchen heiraten wollte, und daß er ihr ein schriftliches Eheversprechen gegeben hatte, bat ich den König, sie einsperren zu lassen. Als mein Sohn von meinem Schritt erfuhr, kam er ihm zuvor und entfloh mit der Geliebten. Seit über einem halben Jahre weiß ich nicht, wohin er seine Schritte gelenkt hat, aber ich habe Grund zu der Annahme, daß er im Haag ist.“ Nun beschwor der Graf den Marchese im Namen seiner Freundschaft, die genauesten Nachforschungen anzustellen, um ihn ausfindig zu machen und ihn zur Heimkehr zu bewegen. „Es ist recht und billig,“ schrieb der Graf, „dem Mädchen eine Versorgung zu geben, falls sie das Heiratsversprechen, das sie sich ausstellen ließ, wieder herausgibt. Ich überlasse es Ihnen, die Entschädigung zu bestimmen und meinem Sohn so viel auszuzahlen, daß er in anständigem Aufzuge nach Madrid zurückkehren kann. Ich weiß nicht, ob Sie Kinder haben“, schloß der Graf. „Wenn ja, so können Sie sich einen Begriff von meiner Sorge machen.“ Dem Brief lag eine genaue Beschreibung seines Sohnes und seiner Geliebten bei.

Sobald der Marchese ihn erhalten hatte, ließ er in allen Gasthöfen von Amsterdam, Rotterdam und dem Haag nachforschen. Doch umsonst! Er brachte nichts heraus. Er begann schon am Erfolg seiner Schritte zu verzweifeln, als er auf den Gedanken kam, einen sehr geweckten jungen französischen Pagen dazu zu benutzen. Er versprach ihm eine Belohnung, falls es ihm gelänge, die so dringend gesuchten Personen zu entdecken, und er gab ihm deren Beschreibung. Mehrere Tage streifte der Page vergebens an allen öffentlichen Orten umher. Endlich, eines Abends im Theater, erblickte er in einer Loge einen jungen Mann und eine Dame, die er aufmerksam betrachtete. Als er merkte, daß beide, durch seine Aufmerksamkeit betroffen, sich in den Hintergrund der Loge zurückzogen, zweifelte der Page nicht mehr am Erfolg seiner Nachforschungen. Er ließ die Loge nicht aus den Augen und beobachtete gespannt alles, was darin vorging.

Als das Stück aus war, stand er in dem Gange, der von den Logen zum Portal führte, und als der junge Mann an ihm vorbeiging, bemerkte er, daß seine Tracht diesem offenbar auffiel, und daß er sein Taschentuch vor den Mund hielt, um sich unkenntlich zu machen. Unauffällig folgte er ihm bis zum Gasthof „Vicomte de Turenne“, in den er ihn mit seiner Begleiterin eintreten sah. Dann eilte er, seiner Sache gewiß, zu dem Botschafter, um ihn zu benachrichtigen.

Der Marchese von San Gil begab sich sofort, in einen Mantel gehüllt und von seinem Pagen und zwei Dienern gefolgt, nach dem Gasthof. Dort angelangt, fragte er den Wirt, wo sich das Zimmer eines jungen Mannes und einer Dame befände, die seit einer Weile bei ihm wohnten. Der Wirt machte zunächst einige Schwierigkeiten, es zu sagen, wenn der Name der beiden nicht angegeben würde. Aber der Page machte ihn darauf aufmerksam, daß er mit dem spanischen Botschafter spräche, der seine Gründe hätte, mit diesen Personen zu reden. Da sagte der Wirt, sie wünschten nicht bekannt zu werden und hätten verboten, jemand bei ihnen einzulassen, der ihren Namen nicht nenne. Aus Hochachtung vor dem Botschafter jedoch gab er ihm das Zimmer an und führte ihn selbst ins oberste Stockwerk in ein elendes Stübchen. Er klopfte an, aber es dauerte ein Weilchen, bis die Tür geöffnet wurde. Endlich, als er von neuem stark gepocht hatte, wurde sie halb geöffnet, aber beim Anblick des Botschafters und seines Gefolges wollte der, welcher sie geöffnet hatte, sie wieder schließen, indem er sagte, man irre sich wohl. Da stieß der Botschafter sie mit Gewalt auf, trat ein und gebot seinen Leuten, draußen zu warten.

Als er allein im Zimmer stand, sah er einen jungen Mann von sehr hübschem Äußeren, das vollkommen zu der Beschreibung paßte. Bei ihm war ein junges Weib, schön und von guter Figur, dessen Haarfarbe, Wuchs und Gesichtsschnitt gleichfalls mit der Beschreibung des Grafen von Moncada übereinstimmte. Der junge Mann brach zuerst das Schweigen. Er beschwerte sich über das gewaltsame Eindringen bei einem Fremden, der in einem freien Lande sei und unter dem Schutz der Gesetze lebe. Der Botschafter trat auf ihn zu, um ihn zu umarmen, und sprach: „Verstellen Sie sich nicht, lieber Graf! Ich kenne Sie und komme nicht her, um Ihnen Verdruß zu bereiten, auch der jungen Dame nicht, die mir sehr fesselnd erscheint.“

Der Jüngling entgegnete, er irre sich. Er sei kein Graf, sondern der Sohn eines Kaufmanns aus Cadix. Die junge Frau sei seine Gattin, und sie reisten zu ihrem Vergnügen. Der Botschafter warf einen Blick in das elend ausgestattete Stübchen, in dem nur ein einziges Bett stand, sowie auf das armselige Gepäck, das herumlag. „Wohnt hier, liebes Kind — gestatten Sie mir diese Anrede, zu der mich die zärtliche Freundschaft zu Ihrem Herrn Vater ermächtigt —, wohnt hier der Sohn des Grafen Moncada?“ Der junge Mann behauptete immer noch, nicht zu verstehen, was er meinte. Schließlich aber ward er durch den eindringlichen Zuspruch des Botschafters besiegt und gestand weinend, daß er Moncadas Sohn sei, daß er aber niemals zu seinem Vater zurückkehren werde, falls er das angebetete Weib verlassen müsse.

Auch sie brach in Tränen aus, warf sich dem Botschafter zu Füßen und sagte, sie wolle nicht die Ursache des Unglücks des Grafen Moncada sein. Indem ihre Hochherzigkeit oder vielmehr ihre Liebe über ihren eigenen Vorteil siegte, erklärte sie sich bereit, da es sich um sein Glück handle, sich von ihm zu trennen.

Der Jüngling gerät in Verzweiflung, macht seiner Geliebten Vorwürfe und erklärt, er wolle sie nicht verlassen und nicht dulden, daß ihr edles Herz sich gegen sie selbst, gegen ein so liebenswertes Wesen kehre. Der Botschafter entgegnet, es sei nicht die Absicht des Grafen Moncada, sie unglücklich zu machen, vielmehr sei er beauftragt, ihr eine angemessene Summe zu geben, damit sie nach Spanien zurückkehren oder leben könne, wo sie sonst wolle. Ihre vornehme Gesinnung und ihre echte Zärtlichkeit, sagte er, flößten ihm die größte Anteilnahme ein und bestimmten ihn, die Summe, die er ihr gegenwärtig zu geben beauftragt sei, so hoch wie möglich zu bemessen. Somit verspräche er ihr 10000 Gulden (etwa 30000 Franken), die ihr ausgezahlt werden sollten, sobald sie das ihr gegebene schriftliche Heiratsversprechen ausliefere und der Graf Moncada zum Botschafter übergesiedelt sei und nach Spanien zurückzukehren gelobt habe.

Das junge Weib achtet scheinbar nicht auf die Summe und denkt nur an ihren Liebhaber und den Schmerz, ihn zu verlieren, an das grausame Opfer, zu dem Vernunft und Eigenliebe sie zwingen. Dann zieht sie aus einer kleinen Brieftasche das Heiratsversprechen des Grafen und sagt: „Ich kenne sein Herz zu gut, um dies nötig zu haben“, küßt es mit einer Art Überschwang mehrere Male und überreicht es dem Botschafter, der ob solcher Seelengröße erstaunt ist. Er verspricht dem jungen Weibe, sich stets ihrer anzunehmen, und versichert dem Grafen, daß sein Vater ihm verzeihen werde. Mit offenen Armen, sagt er, werde er den verlorenen Sohn aufnehmen, der zu den untröstlichen Seinen zurückkehre; das Herz eines Vaters sei eine unerschöpfliche Quelle der Zärtlichkeit. Wie glücklich werde sein so lange bekümmerter Freund sein, wenn er diese Nachricht erhalte, und wie glücklich fühle er sich selber, das Werkzeug dieses Glückes zu sein! So redete der Botschafter auf den Jüngling ein, und dieser schien lebhaft gerührt.

Da der Botschafter indes befürchtete, die Liebe möchte in der Nacht ihre ganze Gewalt wieder erlangen und über den hochherzigen Entschluß der Dame siegen, drängte er den jungen Grafen, ihm in sein Haus zu folgen. Die Tränen und Schmerzenslaute, die diese grausame Trennung hervorrief, sind schwer zu beschreiben und rührten das Herz des Botschafters tief. Er versprach, der jungen Dame seinen Schutz angedeihen zu lassen. Das kleine Gepäck des Grafen war leicht fortgeschafft, und am Abend befand er sich im schönsten Gemache des Botschafters, der hocherfreut war, dem erlauchten Hause Moncada den Erben seiner Größe und so vieler prächtiger Besitzungen wiedergegeben zu haben.

Als der junge Graf am Tage nach diesem glücklichen Ereignis aufsteht, sieht er Schneider, Stoff- und Spitzenhändler usw. erscheinen, und er braucht nur zu wählen. Zwei Kammerdiener und drei Lakaien warten in seinem Vorzimmer, und zwar Leute, die der Botschafter unter den klügsten und ehrlichsten ausgewählt hat. Sie melden sich bei ihm zum Dienste. Der Botschafter zeigt dem jungen Grafen den Brief, den er soeben an dessen Vater geschrieben hat. Darin beglückwünscht er ihn zu einem Sohne, dessen Gesinnung und Eigenschaften seinem erlauchten Blut entsprechen, und meldet ihm seine baldige Heimkehr. Die junge Frau ist nicht vergessen. Er gesteht, daß er ihrer Hochherzigkeit die Unterwerfung seines Sohnes zum Teil danke, und zweifelt nicht, daß der Graf das Geschenk von 10000 Gulden gutheißen werde.

Diese Summe wurde der edlen, fesselnden Person noch am selben Tage zugestellt, und sie reiste alsbald ab. Auch die Zurüstungen zur Abreise des Grafen wurden getroffen. Eine prächtige Garderobe, ein ausgezeichneter Wagen wurden in Rotterdam auf ein Schiff verladen, das nach Frankreich in See ging und auf dem der Graf ebenfalls abfahren sollte, um sich von dort nach Spanien zu begeben. Bei seiner Abreise erhielt er eine erhebliche Geldsumme und beträchtliche Wechsel auf Paris. Rührend war der Abschied des Botschafters von dem jungen Herrn.

Voller Ungeduld erwartete der Botschafter die Antwort des Grafen Moncada und genoß dessen Freude, indem er sich an seine Stelle versetzte. Nach vier Monaten traf sie endlich ein. Aber umsonst wird man versuchen, die Überraschung des Botschafters zu schildern, als er folgendes las:

„Der Himmel hat mir nie die Genugtuung gewährt, Vater zu sein, lieber Marchese. Er hat mich mit Gütern und Ehren überhäuft, aber mir den Kummer bereitet, keine Erben zu haben und mein erlauchtes Geschlecht mit mir aussterben zu sehen, und so hat er mein Leben mit dem bittersten Gram erfüllt. Ich sehe zu meinem tiefsten Leidwesen, daß Sie durch einen jungen Abenteurer getäuscht worden sind, der die Kenntnis von unserer alten Freundschaft gemißbraucht hat. Aber Euer Exzellenz sollen nicht der Angeführte sein. Den Grafen Moncada haben Sie sich zu verbinden geglaubt; er hat die Pflicht, das zu begleichen, was Sie ihm in hochherziger Freundschaft vorgestreckt haben, um ihm ein Glück zu bereiten, das ihn aufs höchste erfreut hätte. Ich hoffe also, Herr Marchese, Sie werden ohne Widerstreben die beiliegende Summe von 3000 Louisdors laut ausgestellter Rechnung annehmen.“

** *

Die Art, wie der Graf Saint-Germain den jungen Abenteurer, seine Geliebte und den Botschafter reden ließ, brachte die Zuhörer abwechselnd zum Weinen und zum Lachen. Die Geschichte ist buchstäblich wahr, und der Abenteurer ist nach Aussage derer, die ihm zuhörten, geschickter als Guzman von Alfarache[166]. Madame hatte den Einfall, ein Lustspiel daraus zu machen, und der Graf schickte ihr die Geschichte schriftlich, so wie ich sie hier abgeschrieben habe.

III. Bericht Hellens[167]

Haag, 8. Januar 1760.

Wie ich höre, befindet sich in Paris ein Mann, dessen Auftreten wichtig genug scheint, um E. M. zu berichten, was ich davon erfahren konnte. Es ist eine Art Abenteurer, der unter dem Namen eines Grafen Saint-Germain in Deutschland und England gereist ist. Er spielt vorzüglich Violine, macht auch den Alchimisten und tritt überall groß auf. In Paris wohnt er bei einem englischen Bankier Selwin. Vielleicht haben E. M. von dem Manne schon gehört. Der angebliche Graf soll gegenwärtig am Versailler Hofe eine hervorragende Rolle spielen und sogar Zutritt zu den Privatgemächern des Königs von Frankreich und der Marquise (von Pompadour) haben. Wie man mir versichert, besuchen ihn alle Minister, um sich bei ihm einzuschmeicheln, nicht nur, weil er in hohem Maße die Gunst ihres Gebieters besitzt, sondern auch, um sich Rat bei ihm zu holen.

Was ihn in so hohe Gunst gebracht hat, ist schwer zu sagen, aber allem Anschein nach hat er der Favoritin und dem König weisgemacht, daß er ihnen das Geheimnis des Steins der Weisen zeigen würde. Die Geistesschwäche des Königs und seine bloße Neugier für alles, was mit den Naturwissenschaften zusammenhängt, dazu die Habsucht der Marquise, machen diese Annahme sehr wahrscheinlich. Übrigens soll er dem König von Frankreich bereits einige recht merkwürdige chemische Entdeckungen mitgeteilt haben, unter anderem ein Geheimmittel zur Herstellung dauerhafter Farben. Wie dem aber auch sei, der Mann spricht den französischen Ministern seine Meinung mit größtem Freimut aus. Er wiederholt ihnen oft, sie hätten die größte Torheit begangen, sich mit E. M. zu entzweien und in den Kontinentalkrieg einzugreifen[168]. Er rät ihnen, schleunigst Frieden zu machen. Er gibt sich überhaupt als großen Bewunderer E. M. aus. Als die beiden Niederlagen gegen Rußland[169] bekannt wurden, hat er immerfort vorausgesagt, was tatsächlich eingetreten ist, nämlich daß E. M. Mittel und Wege finden würden, den Schaden wieder gut zu machen, und daß man sehen würde, daß Ihre Feinde keinen Schritt weiter gekommen seien.

Anscheinend hat er Anteil am Sturze des letzten Generalkontrolleurs[170]. Zum mindesten hat er ihn in einem Brief an einen Freund im Ausland in einer Weise angezeigt, daß diese Annahme fast berechtigt erscheint. „Ich habe Ihnen mein Versprechen gehalten,“ schreibt er, „Silhouette, der Henker Frankreichs, ist gestürzt.“

IV. Saint-Germain auf Schloß Chambord

(Aus dem Schriftwechsel des Marquis von Marigny[171])

Collet[172] an den Marquis von Marigny

Chambord, 10. Mai 1758.

Ich benutze das freundliche Anerbieten des Grafen Saint-Germain, ihn nach Paris zu begleiten, um einige ihn betreffende Angelegenheiten zu ordnen und einige Geschäfte zu erledigen, die vor Ende nächster Woche beendet sein müssen.

Der Abbé de la Pagerie an den Marquis von Marigny

Blois, 12. August 1758.

Herr von Saint-Germain, der die Neugier des ganzen Landes erregt, wird täglich erwartet. Ich habe zweimal mit ihm zu Mittag gespeist. Er scheint ein Mann von großem Wissen und von Grundsätzen zu sein.

Der Marquis von Marigny an den Abbé de la Pagerie

Versailles, 2. September 1758.

Ich erhielt Ihren Brief vom 12. vorigen Monats. Tatsächlich hat der König Herrn von Saint-Germain eine Wohnung in Chambord angewiesen, und Sie sagen mit Recht, daß er ein Mann von Verdienst ist. Ich hatte Gelegenheit, mich davon bei mehreren Unterredungen mit ihm zu überzeugen. Von seinen hervorragenden Kenntnissen darf man sich wirklichen Gewinn versprechen.

Collet an den Marquis von Marigny

Chambord, 4. Dezember 1758.

Graf Saint-Germain ist am letzten Sonnabend (2. Dezember) mit zwei Herren hier eingetroffen. Er will fünf bis sechs Tage hier bleiben und geht dann nach Paris. Er ist so freundlich, mich mitzunehmen.

Herr von Saumery[173] an den Marquis von Marigny

Paris, 15. April 1759.

Ich glaube, die Nebengebäude werden als Wohnung für die Arbeiter hinreichen, die Graf Saint-Germain zur Errichtung seiner Manufaktur mitbringen will.

Collet an den Marquis von Marigny

Chambord, 8. Mai 1759[174].

Graf Saint-Germain ist am letzten Sonnabend (5. Mai) hier eingetroffen. Dies ist sein zweiter Aufenthalt in Chambord. Ich habe zwei Zimmer für einige seiner Leute zurechtgemacht, sowie drei andere mit Küche und Speisekammer im Erdgeschoß zu seiner Bequemlichkeit. Ich habe in diesem Teil des Schlosses nichts verändert, sondern nur dringende Reparaturen machen lassen.

V. Aus einem Schreiben des Grafen Bernstorff[175]

(1779).

Ich war weder sein Freund noch sein Bewunderer. Hoffentlich hat er vergessen, wie sehr er sich darüber ärgerte, aber seither sind zweiundzwanzig Jahre verflossen ... Jetzt halte ich mein Urteil zurück, gestehe aber, daß ich noch immer sehr zum Mißtrauen gegen einen Mann neige, dessen Persönlichkeit stets ein Rätsel blieb, der mit unsinnigen Behauptungen um sich warf, der immerfort seinen Namen wechselte und sich bald als Adepten, bald als vornehmen Herrn ausgab, den die Vorsehung besonders reich gesegnet habe.

VI. Aus den „Episoden meines Lebens“ des Grafen d’Angiviller[176]

Ich kannte den Grafen Saint-Germain, der vom Prinzen Karl[177] so begünstigt worden ist. Ich war noch sehr jung, aber trotz meiner Jugend, trotzdem er mich gut behandelte und mir sogar schmeichelte, ließ ich ihn nicht etwa friedlich die Ehren genießen, die man seinem Scharlatanismus erwies, sondern trumpfte immerfort erbarmungslos gegen ihn auf.

DIE MISSION SAINT-GERMAINS IM HAAG (1760)

I Aus dem Schriftwechsel des Herzogs von Choiseul[178]

Graf d’Affry[179] an Choiseul

Haag, 22. Februar 1760.

Herr Astier[180] schreibt, daß sich in Amsterdam ein gewisser Graf Saint-Germain aufhält, der, soviel ich weiß, früher lange in England gelebt hat und einen recht sonderbaren Eindruck macht. Er spricht in ungewöhnlicher Weise von unseren Finanzen und unserem Ministerium und behauptet, mit einer wichtigen finanziellen Mission für Frankreich betraut zu sein.

Haag, 10. März 1760.

Graf Saint-Germain hat mich vorgestern hier aufgesucht. Er führte mir gegenüber dieselben Reden, wie er sie in Amsterdam geführt haben soll. Er hat soeben mein Haus verlassen; seine Gespräche drehten sich um die gleiche Sache. Er sagte mir zuerst, er könne mir unsere Finanzlage nicht trüb genug schildern; er besitze einen gewissen Plan zu ihrer Aufbesserung; mit einem Wort, er wolle das Königreich retten. Ich ließ ihn reden, soviel er wollte, und als er innehielt, fragte ich ihn, ob der Generalkontrolleur über diesen Plan Bescheid wisse. Er verneinte es und sagte bei dieser Gelegenheit viel Übles über den Vorgänger des Herrn Bertin[181]. Er schien besonders den Herren Pâris de Montmartel und Duverney[182] feindlich gesinnt. Wie er mir sagte, hätte er enge Beziehungen zum Herrn Marschall von Belle-Isle[183]; auch zeigte er mir zwei Briefe von ihm, die er seit seiner Ankunft in Holland erhalten hat. Darin spricht sich Herr von Belle-Isle anerkennend über seinen Eifer aus, aber sie enthalten nur allgemeine Wendungen und keine Einzelheiten.

Ich gestand Herrn von Saint-Germain, daß ich seinen Plan durchaus nicht begriffe. Er gab mir seinerseits zu, daß er ihn schlecht erklärt hätte, und versprach mir, ihn mir morgen mitzubringen. Ich fragte ihn, was seine Reise nach Holland mit diesem Plane zu tun hätte. Er gab mir darauf keine klare Antwort und sagte nur, sein allgemeines Vorhaben sei, uns den Kredit der vornehmsten hiesigen Bankhäuser zu sichern.

Ich werde mich beehren, Herr Herzog, Ihnen am nächsten Freitag (14. März) zu berichten, was Herr von Saint-Germain mir morgen etwa sagt und mitteilt. Ich weiß nicht, ob alle seine Behauptungen völlig wahrheitsgemäß sind, aber er hat sicherlich sehr ungewöhnliche Ansichten.

Haag, 11. März.

Herr von Saint-Germain hat mir seinen Plan mitgeteilt, der Herrn Bertin bekannt ist und sogar von ihm empfohlen wird.

Graf Saint-Germain an die Marquise von Pompadour

[Haag] 11. März 1760.

Gnädige Frau. Meine reinen und aufrichtigen Wünsche für die Wohlfahrt Ihres verehrten Volkes und für Sie selbst werden, wo ich auch in Europa weile, unverändert bleiben. Doch will ich nicht unterlassen, Ihnen Beweise dafür in aller Reinheit, Aufrichtigkeit und Stärke zu geben. Ich bin jetzt im Haag und wohne beim Grafen Bentinck, Herrn van Rhoon, zu dem ich enge Beziehungen habe[184]. Ich war so erfolgreich, daß ich glaube, Frankreich hat keinen verständigeren, treueren und beständigeren Freund. Des seien Sie versichert, gnädige Frau, wenn Sie auch das Gegenteil davon hören sollten.

Herr von Bentinck ist hier ebenso allmächtig wie in England, ein großer Staatsmann und vollendeter Ehrenmann. Er ist mir gegenüber völlig offen. Aus der Fülle meines Herzens sprach ich ihm von der reizenden Marquise von Pompadour. Meine Gefühle gegen Sie, gnädige Frau, sind Ihnen längst bekannt und gewiß der Herzensgüte und Seelenschönheit wert, die diese Gefühle erweckten. Er war so begeistert davon, daß er ganz bezaubert ist; mit einem Wort, Sie können sich auf ihn verlassen wie auf mich.

Ich glaube mit gutem Grunde, daß der König angesichts seiner Macht, seiner Aufrichtigkeit und Redlichkeit große Dienste von ihm erwarten kann. Wenn der König glaubt, daß meine Beziehungen zu ihm irgendwie von Nutzen sein können, so will ich mich aufs äußerste bemühen, ihm zu dienen. Meine freiwillige, selbstlose Hingebung an seine heilige Person muß ihm ja bekannt sein. Sie kennen die Treue, die ich Ihnen geschworen habe, gnädige Frau: befehlen Sie, und ich gehorche. Sie können Europa ohne die Verdrießlichkeiten und Schwierigkeiten eines Kongresses den Frieden geben. Ihre Befehle werden mir völlig sicher zukommen, wenn Sie sie an den Grafen van Rhoon im Haag senden oder, wenn Sie es für besser halten, an die Herren Thomas und Adrian Hope[185], bei denen ich in Amsterdam wohne. Was ich Ihnen zu schreiben habe, erscheint mir so bedeutsam, daß ich mir schwere Vorwürfe machen müßte, gnädige Frau, wenn ich es Ihnen verschweigen wollte, da ich nie etwas verborgen habe noch verbergen werde. Wenn Sie keine Zeit haben, mir selbst zu antworten, so bitte ich Sie, es durch eine sichere, vertrauenswürdige Person zu tun. Aber verlieren Sie keinen Augenblick; ich beschwöre Sie bei aller Liebe und Zuneigung für den besten und würdigsten aller Könige.

Graf d’Affry an Choiseul

Haag, 14. März 1760.

Ich habe den Plan gesehen, von dem Herr von Saint-Germain mir gesprochen hatte. Ich habe ihn an ihn zurückgesandt und werde ihm bei nächster Gelegenheit sagen, daß derartige Geschäfte mit meinem Amte nichts zu tun haben. Ich könnte mich ohne Auftrag nicht damit befassen und wünschte selbst, Kredite für die Staatsfinanzen in Amsterdam oder in anderen holländischen Städten zu finden ...

Wie Herr von Saint-Germain mir sagte, hat Herr Bentinck van Rhoon sich über meine Zurückhaltung bei ihm beschwert; ich spräche mit ihm nie von Geschäftssachen. Wie er hinzusetzte, hat Herr Bentinck ihm versichert, niemand sei weniger englisch gesinnt als er; er sei ein guter Patriot und mehr Franzose, als ich glaubte. Ich antwortete Herrn von Saint-Germain mit allgemeinen Wendungen, ließ aber durchblicken, daß ich es seltsam fände, daß Herr Bentinck ihm diesen Auftrag gegeben hätte, und noch seltsamer, daß er ihn übernommen hätte. Ich halte mich für verpflichtet, Ihnen alles mitzuteilen, was zwischen diesem Manne und mir stattgefunden hat.

Choiseul an Graf d’Affry

Versailles, 19. März 1760.

Ich sende Ihnen einen Brief des Herrn von Saint-Germain an die Marquise von Pompadour[186], der die unglaubliche Art dieses Mannes hinreichend beweist. Er ist ein Abenteurer ersten Ranges und zudem, soweit ich sehen kann, sehr töricht. Ich bitte Sie, ihn sofort nach Empfang meines Briefes zu sich kommen zu lassen und ihm zu sagen, ich wisse zwar nicht, wie man im Finanzdepartement über ihn dächte, gäbe Ihnen aber den Befehl, ihm zu eröffnen: sobald ich erführe, daß er sich irgendwie im Großen oder im Kleinen in die Politik einzumischen wage, so könne er sich darauf verlassen, ich würde beim König den Befehl erwirken, ihn bei seiner Rückkehr nach Frankreich für den Rest seiner Tage in einem Kerkerloch einzusperren. Sie wollen hinzusetzen, er möge ganz sicher sein, daß diese meine Absichten ebenso ernst sind, wie daß sie bestimmt ausgeführt werden, falls er mir Anlaß gibt, mein Wort zu halten.

Nach dieser Erklärung werden Sie ihn auffordern, nie wieder einen Fuß in Ihr Haus zu setzen, und Sie werden gut daran tun, allen fremden Gesandten sowie den Amsterdamer Bankiers das Kompliment bekanntzugeben, das Sie diesem unausstehlichen Abenteurer in meinem Auftrage gemacht haben.

Graf d’Affry an Choiseul

Haag, 21. März 1760.

Graf Rhoon van Bentinck hat mich nicht nur durch Herrn von Saint-Germain unterrichtet, sondern mir auch durch andere Personen sagen lassen, wie sehr ihm daran liege, sich mit mir in Verbindung zu setzen. Ich gab zur Antwort, da ich bisher keinerlei Beziehungen zu ihm gehabt hätte, schiene es mir zwecklos, jetzt damit zu beginnen. Ich wäre jedoch stets bereit, mit Personen zusammenzugehen, die es als gute holländische Patrioten für ihr Land für vorteilhaft hielten, die Freundschaft und das Wohlwollen Seiner Majestät zu pflegen. Ich wüßte, daß Herr von Bentinck diese für sein Land wie für ihn selbst so wünschenswerten Grundsätze stets außer acht gelassen hätte und daß seine diesbezügliche Sinnesänderung Beweise von längerer Dauer erheischte, als ihm recht sein möchte. Er hat meine Antwort erhalten, sich dadurch aber nicht entmutigen lassen.

Ich hielt mich für verpflichtet, den Ratspensionär[187], Herrn van Slingelandt[188] und Herrn von Hompesch zu benachrichtigen. Wie sie mir sagten, wünscht Herr von Bentinck eine Annäherung an uns nur, um seinen Kredit hier und in England aufzufrischen, und er möchte wahrscheinlich zu einem der Bevollmächtigten der Republik auf dem künftigen Kongreß[189] ernannt werden.

Haag, 5. April 1760.

Ihren Erlaß vom 19. März über den Grafen Saint-Germain kann ich erst heute beantworten, weil das indiskrete Benehmen dieses Abenteurers (um nicht mehr zu sagen) mir Nachforschungen nötig erscheinen ließ, bevor ich Ihnen Bericht erstatte. Aber dies Benehmen ist derart, daß ich es für meine Pflicht halte, es zur Kenntnis Seiner Majestät zu bringen.

Am Tage nach Empfang Ihres Schreibens suchte Herr von Saint-Germain, der aus Amsterdam kam, mich auf. Er kam mit Herrn von Brühl und Kauderbach[190] und sagte mir, die Herren wollten mit ihm zum Grafen Golowkin[191] nach Ryswijk, wohin auch ich wollte. Ich sagte Herrn von Saint-Germain, daß ich ihn vorher zu sprechen wünschte, und teilte ihm zugleich den Inhalt Ihres Schreibens über seinen Plan mit. Er war davon niedergeschmettert. Zuletzt bat ich ihn, am nächsten Morgen um 10 Uhr zu mir zu kommen. Kurz darauf teilte ich Kauderbach den Inhalt Ihres Schreibens mit, worauf er sofort beschloß, Saint-Germain nicht nach Ryswijk mitzunehmen.

Saint-Germain ist nicht zu mir gekommen, und da ich glaubte, meine sehr deutlichen Erklärungen würden hinreichen, um ihn vorsichtig zu machen, ja ihn zum Verlassen des Landes bestimmen, so hielt ich es nicht für erforderlich, ihn nochmals zu mir zu bitten, sondern ließ es dabei bewenden, das, was Sie mir geschrieben haben, an die vornehmsten Vertreter der Republik und an einige fremde Gesandte mitzuteilen, sowie Herrn Astier in Amsterdam anzuweisen, die größten Bankhäuser vor den etwaigen Vorschlägen Saint-Germains zu warnen. Wie Herr Astier mir mitteilte, haben unter anderen die Herren Thomas und Adrian Hope seinen Aufenthalt bei ihnen als sehr lästig und peinlich empfunden und wollen die erste Gelegenheit wahrnehmen, um ihn loszuwerden.

Aber die beiden Briefe des Marschalls Belle-Isle, die Sie mir gesandt haben, scheinen mir zu beweisen, daß der Mann sich nicht an die ihm von mir erteilten Weisungen gehalten hat, sondern uns in neue Schwierigkeiten verwickeln wird. Diese Briefe erhielt ich Dienstag (1. April). Ich ließ Herrn von Saint-Germain auffordern, mich am Mittwoch früh aufzusuchen, aber er kam nicht, und vorgestern, am Donnerstag, sagte mir der Prinz von Braunschweig[192] in Gegenwart der Herren Golowkin und von Reischach[193], nachdem wir ihm unsere Gegenerklärungen[194] mitgeteilt hatten, er hätte erfahren, auf Befehl Seiner Majestät seien die Briefe, die Saint-Germain nach Versailles gerichtet hat, an mich übersandt worden. Wahrscheinlich würde ich bald noch andere erhalten; denn er wisse, daß Saint-Germain noch mehrere sehr lange geschrieben hätte, seit ihm mein Haus von mir verboten sei. Er selber hätte sich bestimmt geweigert, ihn zu empfangen. Trotzdem sei ihm bekannt, daß er andere Personen gesehen hätte und daß dieser Mensch hier noch immer Ränke spänne. Es ließe sich ihm zwar nichts zur Last legen, aber er sei in diesem Augenblick und hierzulande eine sehr gefährliche Person, und ein Mensch von solcher Dreistigkeit könne eine Unterhandlung durch einen einzigen Schritt erschweren und verzögern. Nun glaubte ich das Wort ergreifen zu müssen und sagte zum Prinzen Ludwig, ich sei vollauf ermächtigt, ihm sowie den Herren Golowkin und Reischach zu erklären, daß Saint-Germain von uns völlig desavouiert werde und daß auf irgendwelche Äußerungen von ihm über unsere Angelegenheiten oder unsere Regierung nichts zu geben sei. Ich sagte dem Prinzen von Braunschweig ferner, wenn er Gelegenheit habe, Herrn Yorke[195] zu sehen, vielleicht am gleichen Tage, so bäte ich ihn ernstlich, ihm von mir aus die gleiche Erklärung abzugeben. Dasselbe tat ich gestern morgen beim Ratspensionär und beim Greffier[196].

Vorgestern Abend, nach meiner Rückkehr aus Ryswijck, sandte ich zu Herrn von Saint-Germain und ließ ihn um seinen Besuch bitten. Er war nicht zu Hause. Ich sandte ihm eine schriftliche Einladung, mich gestern früh um acht Uhr aufzusuchen. Ich mußte nochmals nach ihm schicken; schließlich kam er. Ich hielt es nicht für angezeigt, ihm die Briefe des Herrn von Belle-Isle zu übergeben, da er schlechten Gebrauch davon machen könnte, aber ich sagte ihm, der Herr Marschall hätte mir auf ausdrücklichen Befehl des Königs geboten, alles anzuhören, was er mir zu sagen hätte. Ich fragte ihn, ob seine Eröffnungen sich auf unser Militär bezögen; er verneinte es. Ich fragte ihn, ob sie unsere Flotte oder unsere Finanzen beträfen. Er verneinte es gleichfalls. Hierauf entgegnete ich, sie könnten also lediglich politischer Natur sein, und darauf las ich ihm alles vor, was Sie mir über sein ihm bevorstehendes Schicksal bei seiner Rückkehr nach Frankreich geschrieben haben. Anfangs trug er große Gleichgültigkeit zur Schau, dann drückte er sein Erstaunen über die Behandlung aus, mit der man einen Mann seines Ranges bedrohe, aber schließlich schien ihn die Sache zu verwirren. Da er indes anscheinend nicht gesonnen war, den Plan, den sein Betätigungsdrang ihm eingibt, fallen zu lassen, warnte ich ihn beim Abschied nochmals sehr ernstlich und sagte ihm, wenn er sich noch weiterhin irgendwie in die Angelegenheiten und Interessen Seiner Majestät einmische, so würde ich Ihnen das melden und hier öffentlich sagen, daß alles, was er hier verbreitet habe, von Seiner Majestät und dessen Ministern völlig dementiert werde.

Sogleich ging ich zu Herrn Yorke ... und fragte ihn, ob Saint-Germain in seinem Hause gewesen sei. Er sagte, er sei zweimal bei ihm gewesen[197]. Beim ersten Besuch hätte er mit ihm vom Frieden gesprochen, und er selbst hätte sich lediglich in allgemeinen Wendungen über Englands ehrlichen Friedenswillen geäußert. Beim zweiten Besuch sei er, Yorke, zurückhaltender geworden, da er gehört habe, daß ich Saint-Germain mein Haus verboten hätte. Er fügte hinzu, daß der Herzog von Newcastle[198] auf seinen Bericht über den ersten Besuch des Mannes an ihn geschrieben hätte, er möge ihm erwidern, daß Eröffnungen über den Frieden von seiten Frankreichs in London stets willkommen seien, einerlei durch wen sie gemacht würden. Aber ich weiß nicht, ob Herr Yorke ihm diesen Bescheid mitgeteilt hat.

Ich bitte Sie, Herr Herzog, diesen Bericht dem Herrn Marschall von Belle-Isle mitzuteilen. Ich bin sicher, daß er jeden brieflichen Verkehr mit einem Manne abbrechen wird, der sich in der von mir geschilderten Weise benommen hat. Anbei folgen die beiden Schreiben zurück, die er mir für Saint-Germain zugesandt hat.

Ich habe Ihnen noch zu sagen, daß Herr von Saint-Germain so anmaßend ist, überall zu behaupten und sogar mir zu sagen, daß Seine Majestät so gütig waren, ihm das Schloß Chambord unter den gleichen Bedingungen zuzuweisen wie dem verstorbenen Marschall von Sachsen, mit Ausnahme der Einkünfte, die er, wie er sagte, gar nicht zu haben wünschte.

Choiseul an Graf d’Affry

Versailles, 11. April 1760.

Aus meinem besonderen Schreiben über den Grafen Saint-Germain[199] haben Sie ersehen, welche Meinung ich von diesem unausstehlichen Abenteurer habe. Ich kann Ihnen versichern, daß alle Minister Seiner Majestät ebenso denken, und der König läßt Ihnen ausdrücklich befehlen, Sie sollen den sogenannten Grafen Saint-Germain nicht nur bei allen Personen in ganz Holland, von denen Sie annehmen können, daß sie diesen Halunken kennen, mit Schimpf und Schande in Verruf bringen, sondern Seine Majestät wünscht auch, daß Sie mit Berufung auf die zwischen ihm und Holland bestehende Freundschaft die Verhaftung dieses Burschen durchsetzen, damit er nach Frankreich überführt und gemäß der Schwere seines Vergehens bestraft wird. Es liegt im Interesse aller Herrscher und der öffentlichen Moral, daß mit solcher Unverschämtheit aufgeräumt wird, die sich in die Angelegenheiten einer Macht wie Frankreich einzumischen wagt, ohne dazu ermächtigt zu sein. Nach meiner Meinung ist das Auslieferungsverlangen in diesem Falle ebenso berechtigt, wie sonst bei Verbrechern. Somit hofft der König nicht ohne Grund, daß Saint-Germain auf Ihren Antrag verhaftet und mit sicherem Geleit nach Lille gebracht wird.

Ich muß gestehen, daß Sie nach meiner Meinung sehr schonend mit ihm verfahren sind und daß ich vielleicht nach Ihrer letzten Unterredung mit ihm den Befehl hätte geben sollen, ihm eine gute Tracht Prügel verabfolgen zu lassen.

Was er Ihnen über Chambord gesagt hat, ist eine Lüge ersten Ranges. Der König will durchaus, daß dieser Abenteurer alsbald in den Vereinigten Provinzen in Verruf und Mißkredit gebracht und, wenn möglich, so bestraft wird, wie sein Unterfangen es verdient. Seine Majestät hat mich ausdrücklich beauftragt, Sie in seinem Namen aufzufordern, daß Sie der Sache Ihre volle Aufmerksamkeit widmen.

Nachschrift. Wäre es nicht möglich, außer dem Antrag auf Auslieferung Saint-Germains bei den Generalstaaten einen Artikel in die holländischen Zeitungen zu bringen, durch den dieser Halunke ein für allemal diskreditiert wird, damit alle Betrüger, die ihn nachahmen wollen, eine Lehre erhalten? Auch dies hat der König vollauf genehmigt, und Sie werden es voll ausführen, wenn Sie es für möglich halten.

Graf d’Affry an Choiseul

Haag, 17. April 1760.

Ich habe den Kurier bis heute zurückbehalten, um Ihnen über die Ausführung Ihrer Befehle, betreffend den sogenannten Grafen Saint-Germain, eingehend berichten zu können. Gestern suchte ich den Ratspensionär auf, las ihm alles vor, was Sie mir betreffs dieses dreisten Abenteurers geschrieben haben, und bat um dessen Verhaftung und Auslieferung im Namen Seiner Majestät. Das schien ihm Verlegenheit zu bereiten, aber er versprach mir trotzdem, alles zu tun, was in der Sache von ihm abhinge ...

Der Greffier sagte mir, er zweifle nicht, daß dieser Mann an uns ausgeliefert würde. Da jedoch Herr von Bentinck der Vorsitzende des ständigen Ausschusses ist, von dem die Sache während der Abwesenheit der Generalstaaten geprüft werden muß, fürchtete ich sofort, man werde Saint-Germain das Entkommen erleichtern, und diese Befürchtung ist eingetroffen.

Ich erwartete gestern morgen weitere Nachrichten, als Herr Kauderbach zu mir kam und mich fragte, ob ich schon von Saint-Germains Flucht gehört hätte? Ich verneinte es. Darauf sagte er mir, vorgestern abend zwischen 7 und 8 Uhr sei Herr von Bentinck im Hause dieses Abenteurers gewesen[200] und hätte es vor 9 Uhr verlassen. Dann wäre Herr Pieck van Soelen[201] hingekommen, aber nicht lange geblieben. Darauf wäre Herr von Bentinck zwischen 9 und 10 Uhr nochmals erschienen und bis nach Mitternacht dageblieben. Herr von Saint-Germain sei zu Bett gegangen; um 5 Uhr früh hätte er Tee getrunken, und ein Bedienter des Herrn von Bentinck sei mit einem vierspännigen Mietswagen vor der Tür erschienen. Der Schwindler hätte ihn bestiegen, aber der Wirt könne nicht angeben, welche Straße er eingeschlagen habe, noch könne er sagen, ob Herr von Bentincks Bedienter mitgefahren sei. Diese Abreise geschah so hastig, daß er im Wirtshause seinen Degen und Koppel, sowie ein Paket mit Silber- oder Zinnspänen und ein paar Flaschen mit einer unbekannten Flüssigkeit hinterlassen habe. Ich hielt an mich, um Herrn Kauderbach meine Entrüstung über das Benehmen des Herrn von Bentinck zu verbergen. Ich sagte ihm nicht mehr, als ich ihm über das Auslieferungsgesuch sagen sollte, und fragte nur, ob er all der mir angegebenen Einzelheiten sicher sei. Er entgegnete mir, er habe sie von Saint-Germains Gastwirt, einem Sachsen, und schlug vor, diesen zu mir zu senden. Wir ließen ihn holen, und er bestätigte alles, was Herr Kauderbach mir gesagt hatte.

Als Herr Kauderbach mein Haus verlassen hatte, ließ ich den Ratspensionär um eine Audienz bitten. Er war gerade von einem großen Mahle zurückgekehrt, bei dem er seit 7 Uhr gewesen war, und schob meinen Besuch bis heute 9 Uhr morgens auf. Ich ging zu ihm und fragte ihn, wie die Angelegenheit mit Saint-Germain stände. Er entgegnete, er allein könne die Verantwortung nicht auf sich nehmen, und ich müsse durchaus Herrn von Bentinck, dem Vorsitzenden des ständigen Ausschusses, eine Denkschrift überreichen. Der Ausschuß werde wohl Saint-Germains Verhaftung beschließen, nicht aber seine Auslieferung, bevor er nicht von den Staaten von Holland bei ihrem demnächstigen Zusammentritt dazu ermächtigt sei. Ich erwiderte, daß ich auf die Überreichung einer Denkschrift an Herrn von Bentinck verzichte und ihm auch den Grund dafür sagen wolle. Dann erzählte ich ihm Saint-Germains Flucht mit allen Einzelheiten und dem, was vorhergegangen war, ohne den Gastwirt weiter zu erwähnen, und stellte alles so dar, daß er glauben mußte, ich hätte das Ein- und Ausgehen des Herrn von Bentinck in dem Gasthofe und das Erscheinen seines Bedienten mit dem Mietswagen nur durch die Wachsamkeit meiner Spione erfahren. Er schien mir über alles, was er hörte, ehrlich entrüstet. Darauf sagte ich ihm, da man dem Abenteurer vom Haag aus zur Flucht verholfen hätte, hätte er vielleicht Zuflucht in Amsterdam gefunden, und ich wolle an unseren Marinekommissar, Herrn Astier, schreiben, er solle den Schurken im Namen Seiner Majestät verhaften und bis auf weiteren Befehl in sicherem Gewahrsam halten lassen ... Ferner sagte ich dem Ratspensionär, da der Abenteurer vielleicht in anderen Provinzen der Generalstaaten Zuflucht gesucht habe, würde ich zugleich die Genehmigung Seiner Majestät einholen, einen Antrag an die Hochmögenden zu stellen, und falls insbesondere die Provinz Holland oder eine andere diesen Akt der Gerechtigkeit abschlagen oder ihn dadurch vereiteln sollte, daß sie Saint-Germain zur Flucht behilflich sei, so würden wir ihn schon zu finden wissen, und ich sei sicher, wenn er in England oder sonstwo ermittelt würde, daß er nach Friedensschluß unmittelbar an uns ausgeliefert würde. Letzteres schien den Ratspensionär sehr in Verlegenheit zu setzen, und es sollte mich nicht wundern, wenn er in Amsterdam auf unseren Antrag hin verhaftet würde, aber ich bin überzeugt, daß er die Grenze der Republik bereits erreicht hat.

Die Denkschrift[202], zu deren Einreichung an die Generalstaaten ich Ihre Erlaubnis erbitte und deren Entwurf ich hier beilege, kann, wenn es Seiner Majestät genehm ist, in allen Zeitungen erscheinen. Sie wird diesem Abenteurer einen Stempel aufdrücken, den er nie wieder los werden wird. Sie ist eine Art von Verurteilung in contumaciam, die ihn in ganz Europa brandmarkt.

Ich glaube, der Schwindler ist in arger Geldverlegenheit. Er hat sich von dem Juden Boas[203] 2000 Gulden geborgt, für die er bei dem Juden drei Opale, falsche oder echte, in einem versiegelten Papier als Pfand hinterlassen hat. Die 2000 Gulden sollen am 25. d. M. bezahlt werden, und Herr Boas sagte gestern zu Herrn Kauderbach, wenn der Wechselbrief am 25. nicht einträfe, würde er die drei Opale öffentlich versteigern lassen. Betreffs des Herrn von Bentinck werde ich gemäß Ihrem letzten Erlaß handeln, falls Seine Majestät mir nicht neue diesbezügliche Befehle erteilt. Wenn ich ihn dieser Tage treffe, werde ich mit ihm von Herrn von Saint-Germain und dessen Abreise sprechen, ohne mich bloßzustellen, aber so, daß ich ihn zwinge, sein Benehmen und seine Beziehungen zu diesem Abenteurer ein für allemal abzuleugnen.

Choiseul an Graf d’Affry

Versailles, 24. April 1760.

Der König genehmigt, daß Sie den Generalstaaten die Denkschrift über den sogenannten Grafen Saint-Germain einreichen, deren Entwurf Sie mir übersandten.

Graf d’Affry an Choiseul

Haag, 25. April 1760.

Man glaubt, daß der sogenannte Graf Saint-Germain sich nach England begeben hat. Ich hörte sagen, er hätte solche Angst vor der Verhaftung gehabt, daß er nicht in der Stadt Hellevoetsluis zu bleiben gewagt hat, sondern sich sofort auf ein Paketboot begab, wo er bis zum Augenblick der Abfahrt blieb, ohne den Fuß an Land zu setzen. Andere glauben, er sei nach Utrecht gefahren, von wo er Deutschland erreicht haben muß.

II Denkschrift des Grafen d’Affry an die Generalstaaten[204]

Haag, 30. April 1760.

Hochmögende Herren! Ein Unbekannter, der sich Graf Saint-Germain nennt und dem mein Herr und König Zuflucht in seinem Reiche gewähren wollte, hat seine Gnade gemißbraucht. Er ist vor einiger Zeit nach Holland und seit kurzem nach dem Haag gekommen, wo er ohne irgendeine Vollmacht Seiner Majestät und des Ministeriums und ohne irgendeinen Auftrag in schamloser Weise ausgesprengt hat, er wäre zu Unterhandlungen im Namen des Königs ermächtigt. Mein Herr und König befiehlt mir ausdrücklich, dies Ihnen, hochmögende Herren, öffentlich mitzuteilen, damit niemand in Ihrem Machtbereich durch einen derartigen Schwindler getäuscht werde.

Seine Majestät befiehlt mir ferner, die Auslieferung dieses Abenteurers von dunkler Herkunft zu beantragen, der von Anfang an die ihm gewährte Zuflucht gemißbraucht hat, indem er sich beikommen ließ, von der Regierung des Königreiches mit ebenso großer Dreistigkeit wie Unkenntnis zu reden und die falsche und dreiste Behauptung zu verbreiten, er sei mit Vertretung der wichtigsten Interessen meines Herrn und Königs betraut. Seine Majestät zweifelt nicht, daß Sie, hochmögende Herren, ihm die Gerechtigkeit nicht versagen werden, die er von Ihrer Freundschaft und Gerechtigkeit erwarten darf, und daß Sie veranlassen, daß der angebliche Graf Saint-Germain verhaftet und mit guter Bedeckung nach Antwerpen gebracht wird, um von dort nach Frankreich überführt zu werden. Ich hoffe auf unverzügliche Gewährung dieser Bitte.

III Protokoll der Sitzung der Generalstaaten[205]

Haag, 30. April 1760.

In der Versammlung wurde die Denkschrift des Herrn Grafen d’Affry, Botschafter Seiner Majestät des Königs von Frankreich, die die Person eines sogenannten Grafen Saint-Germain reklamierte, verlesen.

Darauf wurde in die Beratung eingetreten. Die Deputierten der verschiedenen Provinzen haben die erwähnte Denkschrift in Abschrift entgegengenommen, um sie in ihren Provinzen weiter mitzuteilen. Ferner wurde einstimmig beschlossen, die Abschrift der obigen Denkschrift dem Herrn Pieck van Soelen und anderen Mitgliedern der Generalstaaten, die zum auswärtigen Ausschuß gehören, zur weiteren Prüfung und Berichterstattung an die Versammlung zu übergeben[206].

IV Aus den Aufzeichnungen des Grafen Bentinck[207]

Sonntag, 9. März 1760.

Saint-Germain erzählte mir, England würde dem Frieden keine Hindernisse in den Weg legen, Frankreich dagegen Schwierigkeiten bereiten. Der französische König und Frau von Pompadour, der ganze Hof sowie das gesamte Land verlangten leidenschaftlich nach Frieden. Der Herzog von Choiseul sei der einzige, der dies Bestreben zu vereiteln suche. Er habe seinen Einfluß gewonnen, als er am Wiener Hof weilte[208]. Alles Elend und Mißgeschick in Europa habe der Versailler Vertrag von 1756 verursacht. Durch eine geheime Klausel in demselben sei Flandern dem Infanten zugesichert, und dafür solle Schlesien nach seiner Eroberung der Königin von Ungarn abgetreten und übertragen werden[209]. Einen Weg aus dieser Verlegenheit gebe es: nämlich der Friedensschluß zwischen England und Frankreich. Das übliche System von Präliminarien, Kongressen und Konferenzen würde nur die Lösung unbegrenzt hinausschieben und zu einem neuen Kriege führen. Der bloße Gedanke lasse einen erschaudern. Sobald man nur einige annehmbare Vorschläge vorbrächte oder nur etliche aufrichtige und vertrauenswürdige Männer sich ins Mittel legten, würde seiner Ansicht nach der Friede zustande kommen, den England ebenso dringend gebrauche wie Frankreich. Der König und Frau von Pompadour verlangten sehnsüchtig nach Frieden, nicht minder der englische König. Ebenso wären der Herzog von Newcastle[210] und Lord Granville[211] dafür eingenommen. Pitt[212], der jetzt mit ihnen beiden gemeinsame Sache mache, hätte bisher stets seine Pläne durchkreuzt; aber er wäre dem Könige verhaßt.

Ein Schotte, namens Crammon, der in Paris lebe, habe ein Schreiben von Neufville in Amsterdam[213] erhalten, mit dem Auftrage, sich auf seinen Empfang vorzubereiten. Er bekam noch einen weiteren Brief über Brüssel aus London, und dieses letztere Schreiben enthielt Andeutungen über einen Sonderfrieden zwischen Frankreich und England. Diese Andeutungen kamen vom Herzog von Newcastle und Lord Granville. Frau von Pompadour habe ihn von dem Inhalt dieses Schreibens unterrichtet; sie sei hocherfreut gewesen und habe ihm aufgetragen, Choiseul davon in Kenntnis zu setzen. Nach anfänglicher Weigerung habe er, Saint-Germain, schließlich nachgegeben. Aber Choiseul verwerfe alles.

Dienstag, 11. März 1760.

Wie Saint-Germain mir sagte, hat er Frau von Pompadour mitgeteilt, was zwischen mir und ihm vorgefallen ist[214], ... und auch an den Minister in diesem Sinne geschrieben. Auf meine Frage, wie der Minister diese Nachricht aufnehmen werde, sagte er lächelnd, doch mit zuversichtlichem Blick, es werde sich in Versailles bald manches ändern, und er gab mir zu verstehen, daß es nicht in Choiseuls Macht liegen werde, den Frieden noch lange zu hintertreiben.

Freitag, 4. April 1760.

Der Ratspensionär Steyn erzählte mir, d’Affry hätte ihm mitgeteilt, daß die Weisungen Choiseuls, betreffend Saint-Germain, in der Hauptsache darauf hinausliefen, alles, was Saint-Germain für den Frieden getan hätte oder tun würde, zu desavouieren. Ferner sei er beauftragt, Saint-Germain davon zu unterrichten und die Drohung hinzuzufügen, bei weiterer Einmischung würde er bei seiner Rückkehr nach Frankreich eingekerkert[215] ...

An demselben Tage speiste Saint-Germain zusammen mit mir und erzählte mir, d’Affry habe ihm die Befehle mitgeteilt und Choiseuls Brief[216] gezeigt. Er hätte geantwortet, das werde ihn nie an der Rückkehr nach Frankreich hindern und diese Drohungen würden nie zur Ausführung gelangen; sie stammten lediglich von Choiseul. Ferner berichtete er, er hätte Yorke schon vor 17 Jahren als Kind kennen gelernt und die Familie Yorke wäre stets die Güte selbst zu ihm gewesen. D’Affry hätte ihm auch seine häufigen Besuche bei mir vorgehalten, aber er, Saint-Germain, hätte erklärt, daß er damit fortfahren würde. Dann habe d’Affry ihm Choiseuls Brief zusammen mit dem gezeigt, den er selbst an Frau von Pompadour geschrieben habe[217]. Dazu bemerkte Saint-Germain, nach seiner Überzeugung hätte Choiseul diesen der Frau von Pompadour gestohlen. Wiederholt hätte ihm d’Affry gesagt, Frankreich werde nie Vertrauen in mich setzen. Nach allem scheint es, als ob sich Saint-Germain aus den Weisungen, die d’Affry empfangen hat, wenig macht, und noch weniger aus Choiseul selbst.

Dienstag, 15. April 1760.

Der Ratspensionär erzählte mir, d’Affry habe ihm die in der letzten Nacht durch Kurier überbrachten Befehle gezeigt, in denen es hieß, daß Saint-Germain „ein bloßer Landstreicher“ sei, und daß alles, was er etwa vorgebracht habe, dementiert werden solle. Es solle Klage gegen ihn erhoben, er solle festgenommen und nach Lille zur weiteren Überführung nach Frankreich gebracht und dort eingekerkert werden[218] ... Demgegenüber entwickelte ich meine Ansicht, daß Saint-Germain, wie andere Fremde, im Vertrauen auf den Schutz der Gesetze hergekommen sei und auf seine persönliche Sicherheit rechne; daß er kein Kapitalverbrecher sei, wie Mörder oder Giftmischer, denen kein Herrscher Schutz gewähre, und daß das Asylrecht in unserer Republik als geheiligt gelte ... Er stimmte dem zu, schien aber sehr besorgt wegen der Aufnahme in Frankreich.

Darauf ging ich zum Greffier, der mir in Gegenwart des Ratspensionärs und ebenso wie dieser von d’Affrys Besuch und seinen Forderungen erzählte und daß er ihm geraten habe, sich an die Regierung selber zu wenden usw., daß er aber nicht glaube, die Regierung werde jemand ausliefern, der im Lande im Vertrauen auf dessen Schutz lebe, und der sich kein scheußliches Verbrechen, dem kein Herrscher Schutz gewähre, habe zu schulden kommen lassen.

Mittwoch, 16. April 1760.

Als ich Yorke mitteilte, was ich soeben über Saint-Germain gehört hatte, erwartete ich, er werde ihn in Schutz nehmen; denn Yorke hatte mit Saint-Germain zu verhandeln begonnen und ihn ermutigt. Ich habe seine Originalbriefe an Saint-Germain selbst gesehen; sie sind sehr freundlich und ermutigend. Statt aber Saint-Germain in Schutz zu nehmen, nahm er seinen harten, hochmütigen und anmaßlichen Ausdruck an und sagte, es sei ihm „sehr lieb, Saint-Germain in den Händen der Polizei zu sehen“. Ich war wie vom Donner gerührt und sagte ihm mit voller Absicht meine Meinung, freilich in sehr höflicher und vorsichtiger Weise, um ihn nicht zu verletzen. Aber Yorke blieb dabei und sagte, er „wüsche sich betreffs Saint-Germains die Hände in Unschuld“. Auch verweigerte er mir einen Paß für das Paketboot, um den ich ihn bat. Als ich ihn drängte, sagte Yorke schließlich, wenn ich einen Paß als persönliche Gunst erbäte, werde er ihn mir „mit Rücksicht auf meine Stellung“ nicht abschlagen. Ich nahm es an und betonte, daß d’Affry uns eine Menge Scherereien machen könne, denen sich vorbeugen ließe, wenn man Saint-Germain die Flucht ermöglichte. Darauf rief Yorke seinen Sekretär und ließ einen Paß bringen, den er unterzeichnete und mir unausgefüllt aushändigte, so daß Saint-Germain seinen eigenen Namen oder irgendeinen anderen hineinsetzen konnte, um sich den Verfolgungen d’Affrys oder seiner Agenten zu entziehen. Ich ging mit dem Paß fort, ohne Yorke zu zeigen, wie sehr ich über diesen Vorfall verletzt und empört war.

18. April 1760.

D’Affry besuchte mich, und als er von Linnières und seinen Beziehungen zu Saint-Germain sprach[219], fiel mir dieser Name auf und erregte meine Neugierde, da ich viel über ihn in England gehört hatte, wo er längere Zeit gewesen war und in den besten Kreisen verkehrt hatte. Kein Mensch dort wußte, wer er war. Aber das wunderte mich nicht, da es in England keine Geheimpolizei gibt. Um so erstaunlicher war dagegen, daß er in Frankreich unbekannt war. Nur der König, so erzählte d’Affry, kannte ihn, und in England, wie er glaubte, der Herzog von Newcastle. Ich berichtete d’Affry, was ich über Saint-Germain, sein Gebaren, seinen Reichtum, sein prächtiges Auftreten gehört hatte, ebenso über die Regelmäßigkeit, mit der er seine Schulden bezahlte, und über die großen Summen, die er in England, wo das Leben teuer ist, ausgab usw. Darauf bemerkte d’Affry, sicher wäre er ein merkwürdiger Mann; die seltsamsten Geschichten würden von ihm erzählt, eine immer abgeschmackter als die andere. Z. B. solle er den Stein der Weisen besitzen, 100 Jahre alt sein, obwohl er noch nicht wie ein Vierziger aussähe usw. Meine Frage, ob er ihn persönlich kenne, bejahte er; im Hause der Prinzessin Montauban sei er ihm begegnet. Saint-Germain sei in Versailles hochwillkommen und eine bekannte Persönlichkeit gewesen und habe oft Frau von Pompadour besucht. Er sei verschwenderisch und trete prächtig auf. Unter anderem erwähnte er seine kostbaren Gemälde, Juwelen und Kunstgegenstände. An Weiteres erinnere ich mich nicht mehr ...

Auf die Mitteilung von Linnières, daß ich seine Bekanntschaft wünschte, machte mir Saint-Germain im März seinen Besuch. Seine Unterhaltung gefiel mir außerordentlich; sie war glänzend, voll Abwechslung und reich an Schilderungen der verschiedenen Länder, die er gesehen hatte — alles sehr fesselnd. Seinen Urteilen über Personen und Sachen, die mir bekannt waren, konnte ich nur beipflichten. Sein Auftreten war sehr höflich und bewies, daß er in der besten Gesellschaft aufgewachsen war.

Mit Frau Geelvinck und Herrn A. Hope[220] war er von Amsterdam herübergekommen, wo er täglich im Hause des Bürgermeisters Hasselaar[221] verkehrte. Er hatte von der Hasselaarschen Familie Empfehlungen an Herrn van Soelen im Haag, der ihn zu Frau von Byland und anderswohin mitnahm. Am Geburtstag des Prinzen von Oranien[222] nahm ich ihn nach dem „Alten Hof“ (Oude Hof), wo ich seinen Namen nannte, zum Ball mit, wo er von den Hasselaars, Frau Geelvinck und Frau Byland und anderen angesprochen wurde.

Er wollte ursprünglich am Tage nach dem Ball wieder abreisen und hatte zu dem Zwecke eine Kutsche aus Amsterdam gemietet, um mit den beiden Damen, die mit ihm gekommen waren, dorthin zurückzukehren. Aber sie hielten ihn drei bis vier Tage länger auf. Während dieser Zeit war er täglich mit d’Affry zusammen, bei dem er auch speiste, bevor er wieder nach Amsterdam abreiste. Ich hatte verschiedene Unterredungen mit ihm, doch ist das meiste meinem Gedächtnis entfallen. Ich muß noch bemerken, daß während der Zeit, die zwischen dem Ball und seiner Abfahrt verstrich, d’Affry im steten Glauben, daß er abreisen wolle, ihm täglich Wein und Fleisch sandte. Das kann ich persönlich bezeugen, da ich zugegen war, als d’Affrys Bote ihm zwei Tage hintereinander die Sachen brachte. Da aber Saint-Germain trotzdem nicht abreiste, kam er zu Tisch in d’Affrys Haus ...

Ich ging selbst zu Saint-Germain und riet ihm in seinem eigenen Interesse, sobald als möglich fortzugehen[223]. Ich erzählte, ich wäre von dritter Seite unterrichtet[224], daß d’Affry Befehl habe, seine Festnahme zu bewirken, worauf er unter Bedeckung an die Grenze gebracht und an Frankreich ausgeliefert werden solle, damit er dort für den Rest seines Lebens eingekerkert würde. Er war außerordentlich überrascht, nicht sowohl über Choiseuls Befehle, als darüber, daß d’Affry daran dächte, sie in einem Lande, wo Recht und Gesetz noch Geltung hätten, zur Ausführung zu bringen. Er stellte eine Menge Fragen, eine immer gemessener als die andere, und mit der größten Ruhe der Welt. Ich wollte mich auf keinerlei Erörterung einlassen, da es mir zu schwierig schien, alle seine Fragen zu beantworten und alle Punkte, die er zur Sprache brachte, aufzuklären. Ich sagte ihm, dazu wäre keine Zeit; er solle vielmehr an sofortige Abreise denken, wenn ihm seine Sicherheit lieb wäre. Bis zum anderen Morgen hätte er für seine Vorbereitungen Zeit, da d’Affry die Schritte, die er etwa vorhätte, nicht vor 10 Uhr am nächsten Morgen unternehmen könnte. Vor diesem Zeitpunkte müsse also Saint-Germain seine Pläne gefaßt und ins Werk gesetzt haben. Darauf wurde Art und Weise und Ziel der Reise besprochen. Für das erstere stellte ich mich zur Verfügung; für das letztere riet ich zu England. Wir einigten uns darüber, und ich erbot mich, ihm von Herrn Yorke den Paß zu besorgen, dessen er zur Einschiffung auf dem Paketboot bedurfte. Da ein Schiff am nächsten Tage fahren sollte, drängte ich ihn, sich so schnell als möglich nach Hellevoetsluis zu begeben. Sei das geschehen, kämen alle Schritte d’Affrys zu spät ...

Abends zwischen 7 und 8 Uhr brachte ich Saint-Germain den Paß. Er richtete einen Haufen Fragen an mich, auf die ich aber nicht einging; vielmehr bat ich ihn, lieber an Wichtigeres zu denken als Fragen zu stellen, die in der gegenwärtigen Bedrängnis abgeschmackt und nutzlos seien. Er entschloß sich zur Abreise. Da keiner von seinen Bedienten Sprache, Straßen und Bräuche des Landes kannte, bat er mich, ihm einen der meinigen zu leihen, was ich mit Vergnügen tat. Ja, ich tat noch mehr, ich bestellte einen Mietswagen mit vier Pferden, der ihn angeblich nach Leiden bringen sollte, für den nächsten Morgen um 4½ Uhr vor mein Haus und beauftragte einen Diener, den Grafen Saint-Germain auf den richtigen Weg zu bringen und bei ihm zu bleiben, bis dieser ihn zu mir zurückschicken würde.

V Aus Yorkes Korrespondenz[225]

Yorke an Lord Holdernesse[226]

Haag, 14. März 1760.

Da Seine Majestät[227] geruht hat, Frankreich seine Meinung über die europäischen Verhältnisse im großen und ganzen mitzuteilen und durch mich seinen Wunsch nach Wiederherstellung der öffentlichen Ruhe auszudrücken[228], nehme ich an, daß der Versailler Hof diesen Weg als den gangbarsten ansieht, um sich mit England in Verbindung zu setzen. Das ist wenigstens der nächstliegende Grund für Frankreichs Versuche, mich durch einen Dritten auszuforschen.

Euer Lordschaft kennen die Geschichte des seltsamen Mannes, der unter dem Namen eines Grafen von Saint-Germain bekannt ist. Er hat sich eine Zeitlang in England aufgehalten[229], ohne irgendwie hervorzutreten; die zwei bis drei letzten Jahre hat er in Frankreich verbracht, wo er auf vertrautestem Fuße mit dem König von Frankreich, Frau von Pompadour, dem Marschall von Belle-Isle usw. stand. Das hat ihm das Geschenk des königlichen Schlosses Chambord eingetragen und ihn instand gesetzt, in jenem Land eine gewisse Rolle zu spielen. In meinen Privatbriefen glaube ich schon einmal von diesem Phänomen gesprochen zu haben.

Der Mann ist vor ein paar Tagen hier angekommen. Er tauchte für einige Tage in Amsterdam auf, wo er sehr umschmeichelt wurde und wo man viel von ihm redete. Anläßlich der Hochzeit der Prinzessin Karoline[230] kam er nach dem Haag, wo er der gleichen neugierigen Aufmerksamkeit begegnete. Seine Zungenfertigkeit warb ihm Zuhörer; der Freimut, mit dem er über alles mögliche sprach, erregte allerlei Vermutungen, nicht zuletzt die, daß er als Friedensunterhändler gekommen sei. Herr d’Affry behandelt ihn mit Achtung und Aufmerksamkeit, ist aber sehr eifersüchtig auf ihn. Ich für mein Teil kümmerte mich nicht um ihn und habe mir nicht einmal die Mühe gegeben, meine Bekanntschaft mit ihm zu erneuern. Trotzdem sprach er bei mir vor, ich erwiderte seinen Besuch, und gestern wünschte er mich zu sprechen, erschien aber nicht zur bestimmten Stunde. Heute früh wiederholte er seine Bitte, und ich empfing ihn.

Er sprach zunächst von der schlechten Lage Frankreichs, von seinem Friedensbedürfnis und seinem Wunsch, Frieden zu schließen, sowie von seinem eigenen Ehrgeiz, zu einem für die gesamte Menschheit so erwünschten Ziele beizutragen. Schließlich betonte er seine Vorliebe für England und Preußen, die ihn nach seiner Behauptung in Frankreich jetzt beliebt mache. Da ich ihn zur Genüge kenne und mich auf eine Unterhaltung mit ihm, ohne näher unterrichtet zu sein, nicht einlassen wollte, war ich zuerst sehr ablehnend und sagte ihm, dergleichen Dinge seien zu heikel, um sie mit unberufenen Leuten zu erörtern; ich wünschte daher seine Absichten kennen zu lernen.

Dies Verfahren verfehlte seinen Zweck nicht; denn sofort zeigte er mir als Beglaubigungsschreiben zwei Briefe des Marschalls von Belle-Isle vom 14. und 26. Februar. In dem ersteren sandte ihm der Marschall einen Blankopaß des Königs von Frankreich mit der Erlaubnis, ihn auszufüllen. In dem zweiten wartete er mit Ungeduld auf Nachrichten von ihm, und in beiden ergeht er sich in Lobeserhebungen über seinen Eifer, sein Geschick und die Hoffnungen, die er auf den Zweck seiner Sendung setze. An der Echtheit beider Briefe zweifle ich nicht. Nachdem ich sie gelesen und ihm ein paar übliche Komplimente gemacht hatte, bat ich ihn, sich zu erklären, was er folgendermaßen tat.

Der König, der Dauphin, Frau von Pompadour, der ganze Hof und das gesamte Volk, mit Ausnahme Choiseuls und Berryers[231], wünschen Frieden mit England. Sie könnten nicht anders, da die innere Lage es fordere. Die wahre Gesinnung Englands ist ihnen unbekannt, und sie wünschen mit Anstand aus der Sache herauszukommen. Herr d’Affry ist nicht eingeweiht, und der Herzog von Choiseul ist so österreichisch gesinnt, daß er nicht alles ausplaudern wird; aber das hat nichts zu bedeuten, denn er wird hinausgesetzt werden. Frau von Pompadour ist nicht für den Wiener Hof, aber sie ist unentschlossen, weil sie nicht weiß, auf wen sie sich verlassen kann. Sie wird aber entschlossen werden, sobald sie des Friedens gewiß ist. Der Marschall von Belle-Isle hat mit Wissen des Königs von Frankreich den Grafen Saint-Germain als Fühler vorgeschoben. Auf Spanien rechnet man nicht und macht sich in dieser Hinsicht keine Hoffnungen[232], obgleich der Herzog von Choiseul sich bemüht, diesen Glauben zu erwecken. Das und vieles andere brachte der politische Abenteurer vor.

Ich schwankte sehr, ob ich ihm gegenüber auf die Sache eingehen sollte; da ich aber von der Richtigkeit seiner Sendung überzeugt war, glaube ich keine Mißbilligung zu finden, wenn ich in allgemeinen Wendungen antwortete. Ich sagte ihm also, der König wünsche ernstlich den Frieden, und daran sei kein Zweifel möglich, da er ja inmitten seiner Erfolge, die seitdem noch beträchtlich zugenommen hätten, die Hand zum Frieden geboten habe. Mit unseren Verbündeten[233] sei die Sache leicht, aber ohne sie unmöglich, und Frankreich kenne unsere Lage zu gut, um sie erst von mir erfahren zu müssen. Auf Einzelheiten könne man jedoch erst eingehen, wenn wir vom ernstlichen Friedenswunsch der Gegner überzeugt seien; zudem sei ich nicht eingeweiht. Ich ging dann auf Frankreichs Abhängigkeit von den beiden Kaiserinnen[234] und auf die unangenehmen Aussichten ein, die sich für Frankreich böten, selbst wenn der König von Preußen Unglück hätte. Aber ich hütete mich wohl, über die allgemeinsten, wenn auch durchaus positiven Versicherungen hinauszugehen, daß Seine Majestät die Wiederherstellung des Friedens wünsche.

Als das Gespräch lebhafter wurde, fragte ich ihn, welcher Verlust für Frankreich am empfindlichsten gewesen sei? Ob es Kanada[235] wäre?

„Nein,“ sagte er, „denn wir wissen, daß es uns 36 Millionen gekostet hat, ohne uns etwas einzubringen.“

„Guadalupe?“

„Deswegen wird der Frieden nicht scheitern, denn wir haben auch ohne diese Insel Zucker genug.“

„Ostindien?“

„Das ist der empfindliche Punkt, denn es hängt mit unserer Finanzlage zusammen.“

Ich fragte ihn, was man von Dünkirchen dächte.

„Man wird es ohne Schwierigkeit schleifen; darauf können Sie sich verlassen.“

Nun fragte er mich, was wir von Minorka dächten.

Ich entgegnete ihm, wir hätten es vergessen, wenigstens spräche niemand mehr davon.

„Das“, sagte er, „habe ich ihnen hundert und tausendmal gesagt. Auch die Kostenfrage brächte uns sehr in Verlegenheit.“

Das sind die Hauptpunkte einer dreistündigen Unterredung, über die ich ihm zu berichten versprach.

Er bat mich um Geheimhaltung und sagte, er ginge nach Amsterdam und Rotterdam, bis er erführe, daß ich eine Antwort erhalten hätte. Ich habe ihn nicht ermutigt, darauf zu warten, aber auch nicht das Gegenteil getan.

Ich hoffe, Seine Majestät wird mein Benehmen nicht mißbilligen. Es ist in solchen Verhältnissen nicht leicht, das Rechte zu treffen, aber ich kann diese Verhandlungen ebenso leicht abbrechen, wie ich sie angeknüpft habe. Der König scheint ja dem Frieden eine Tür öffnen zu wollen, und Frankreich scheint ihn sehr nötig zu haben. Die Gelegenheit scheint günstig, aber bevor ich weiter gehe, erwarte ich Weisung. Ein allgemeiner Friedenskongreß scheint nicht nach Frankreichs Geschmack, und man scheint weiter gehen zu wollen, als man gesagt hat, aber es wäre Frankreich sehr angenehm, wenn man ihm irgendein Angebot machte; denn Seine Allerchristlichste Majestät und die Marquise sind etwas schwer von Entschluß.

Lord Holdernesse an Yorke

Whitehall, 21. März 1760.

Ich kann Ihnen zu meiner Freude mitteilen, daß Seine Majestät Ihr Verhalten bei der Unterredung mit dem Grafen Saint-Germain, die Sie durch Geheimbericht vom 14. melden, durchaus billigt. Insbesondere ist es dem König lieb, daß Sie so vorsichtig waren, nicht auf Einzelheiten einzugehen, bevor er die beiden Briefe des Marschalls von Belle-Isle vorzeigte, die, wie Sie richtig bemerken, eine Art Vollmacht waren. Da Sie ihm gegenüber nur in allgemeinen Wendungen und gemäß Ihren früheren Instruktionen gesprochen haben, würde es auch nichts schaden, wenn Ihre Worte öffentlich bekannt würden. Seine Majestät hält es für wahrscheinlich, daß der Graf Saint-Germain — vielleicht sogar mit Vorwissen des Königs von Frankreich — von einigen Mitgliedern des Staatsrats tatsächlich beauftragt war, so zu reden, und es ist einerlei, durch welche Mittelsperson man zum erwünschten Ziele kommt. Weiter aber dürfen die Unterhandlungen zwischen einem beglaubigten Gesandten Seiner Majestät und einer Persönlichkeit wie Saint-Germain, so wie dieser bisher auftritt, nicht gehen. Alles, was Sie sagen, ist offiziell, wogegen Saint-Germain kurzerhand verleugnet werden kann, wenn es dem französischen Hofe paßt. Deshalb ist sein Auftrag auch nicht nur dem französischen Gesandten im Haag unbekannt, sondern auch dem Minister des Auswärtigen in Versailles, der, wenn ihn auch das gleiche Los treffen kann, wie seinen Vorgänger, Kardinal von Bernis[236], doch der offizielle Minister ist.

Seine Majestät wünscht also, daß Sie dem Grafen Saint-Germain sagen sollen: in Beantwortung des Berichtes, den Sie mir über Ihre Unterredung mit ihm schrieben, hätten Sie Befehl erhalten, ihm zu sagen, Sie könnten mit ihm über so wichtige Dinge nur reden, wenn er einen authentischen Beweis dafür beibrächte, daß er tatsächlich mit Wissen und Wollen Seiner Allerchristlichsten Majestät handle. Zugleich aber können Sie hinzufügen, da der König stets geneigt sei, die Reinheit seiner Gesinnung und seinen ehrlichen Wunsch nach Vermeidung jedes weiteren Vergießens von Christenblut zu beweisen, sei er bereit, sich über die Friedensbedingungen auszulassen, wenn der französische Hof einen gehörig beglaubigten Unterhändler schickte. Dabei werde jedoch vorausgesetzt, daß, wenn beide Kronen sich über die Friedensbedingungen einigten, der französische Hof ausdrücklich und zuverlässig seine Zustimmung erklärte, daß die Verbündeten Seiner Majestät, insbesondere der König von Preußen, in das Abkommen einbegriffen werden. Ich brauche nicht hinzuzufügen, daß England sich auf keine Friedensunterhandlungen einläßt, in die Seine Majestät nicht als Kurfürst [von Hannover] eingeschlossen wird.

Yorke an Lord Holdernesse

Haag, 28. März 1760.

Gestern morgen besuchte mich der Graf Saint-Germain, da ich ihn hatte wissen lassen, daß ich ihn sprechen möchte. Ich erklärte ihm offen, weitere Verhandlungen mit ihm seien unmöglich, wenn er nicht eine Vollmacht, die von dem König von Frankreich oder in dessen Namen ausgestellt sei, vorweisen könne. Ich sagte ihm, ich sei beglaubigt und er nicht, und daher könne alles, was er sage, sogleich desavouiert werden, wogegen alles, was von mir käme, das Gepräge der mir vom König verliehenen Eigenschaft trage. Ich betonte das als Einleitung zu den Eröffnungen, die ich auf Weisung Eurer Lordschaft vom 21. ds. Mts. machen sollte. Ich setzte hinzu, obwohl es klar sei, daß die Meinungen am französischen Hofe auseinandergingen, würden wir nicht mit verschiedenen Personen unterhandeln, die teils Vollmacht hätten und teils nicht. Da, wie er wisse, der König seinen Feinden einen Kongreß offen angeboten habe und dank der unvergleichlichen Hochherzigkeit Seiner Majestät Unterhandlungen mit Herrn d’Affry hätten angeknüpft werden können, sei jede weitere Erörterung über die Nutzlosigkeit und Unzweckmäßigkeit weiterer Schritte von unserer Seite zwecklos, wenn wir keine Gegenliebe fänden.

Nachdem ich dies vorausgeschickt hatte, sagte ich zu ihm: Ganz abgesehen von der Person, deren Briefe er mir früher gezeigt hätte, und in der Überzeugung, daß er ein so heilsames Werk ehrlich zu fördern wünsche, hätte der König mir erlaubt, ihm mitzuteilen, daß Seine Majestät auch künftig einer Aussöhnung mit dem französischen Hofe geneigt sei. Das könne jeden Wohlmeinenden von der Lauterkeit der Gesinnung Sr. Majestät überzeugen. Demgemäß teilte ich ihm die Weisung Eurer Lordschaft mit und erlaubte ihm auf seine Bitte, Abschrift von dem letzten Teile zu nehmen, von den Worten: „Seine Majestät wünscht also“, bis zum Schluß.

So weit bin ich gemäß dem mir erteilten Auftrag gegangen. Da jedoch seit meinem letzten Bericht über den Grafen von Saint-Germain ein Zwischenfall eingetreten ist, über den d’Affry (der noch nichts über meine Unterredung mit ihm weiß) ganz offen gesprochen hat, wünschte ich die Geschichte aus seinem eigenen Munde zu hören, und er erzählte mir folgendes:

Am Sonntag (23. März) erhielt d’Affry einen Kurier vom Herzog von Choiseul mit der Weisung, zu erklären, Saint-Germain hätte keinerlei Auftrag vom Versailler Hofe, und er (d’Affry) solle ihn wissen lassen, daß er nicht in seinem Hause verkehren dürfe, ja er solle ihm dies sogar verbieten[237]. Das teilte d’Affry dem Saint-Germain am Mittwoch (26. März) bei seinem Besuche mit, und zwar im Namen des Königs von Frankreich. Als dieser aber den Befehl zu sehen verlangte, da er sich nicht denken konnte, daß er vom König selbst käme, räumte d’Affry ein, daß der Befehl nicht vom König selbst, sondern vom Herzog von Choiseul als Staatssekretär des Auswärtigen käme. Dies begleitete er mit Versicherungen seiner Hochachtung und drückte zugleich den Wunsch aus, ihn am nächsten Tage nochmals zu sprechen. Saint-Germain jedoch lehnte dies ab, da er nicht gewillt sei, den Gesandten nochmals zu einem Verstoß gegen seine Befehle zu veranlassen, die er bereits durch seinen Empfang übertreten hätte. D’Affry ließ einfließen, daß dieser Befehl die Folge eines Briefes sei, den Saint-Germain an die Marquise von Pompadour geschrieben hätte[238], und durch den er, wie er sich ausdrückte, in Versailles in Teufels Küche geraten sei, obwohl er leugnete, von dem Inhalt des Briefes das geringste zu wissen. Saint-Germain berief sich auf die ihm bei seinem ersten Besuche gegebenen Beweise dafür, daß er nicht ohne Vollmacht sei, und erklärte, daß die möglichen Folgen seiner Briefe ihm keine Kopfschmerzen verursachten, was den Gesandten einigermaßen mißtrauisch machte. Schließlich verabschiedete er sich kurzerhand. Nichtsdestoweniger ließ d’Affry sich gestern wieder nach ihm erkundigen. Dabei ließ er ihm sein Bedauern ausdrücken, ihn nicht gesehen zu haben, und seine Besorgnis, er möchte unpäßlich sein. Ob er seitdem bei ihm war, weiß ich nicht.

Diese neue Episode in dem Roman Saint-Germains verwundert mich nicht sehr. Ebensowenig sollte es mich wundern, wenn über kurz oder lang ein mächtiger französischer Minister seinem Treiben ein Ende macht, obwohl er behauptet, sich vor nichts zu fürchten.

Ich war jedoch begierig zu erfahren, was er nun vorhat und wie er sein Unternehmen fortsetzen will. Mir scheint, fürs nächste wird er nicht recht wissen, was er tun soll. Ob aus Furcht vor dem Groll des Herzogs von Choiseul, oder, wie er behauptet, wegen der Tatlosigkeit des Königs von Frankreich und der Unschlüssigkeit der Marquise, vermag ich nicht zu sagen. Aber ich fand ihn im Zweifel darüber, ob er nicht versuchen solle, den Herzog von Choiseul selbst für das System zu gewinnen, das seine eigenen Auftraggeber seiner Ansicht nach vertreten. Es war nicht meines Amtes, ihn dazu zu ermutigen, und so sagte ich nur, die Sache schiene mir, aus der Entfernung gesehen, heikel zu sein und könnte seine Beschützer in Ungelegenheit bringen.

Dann suchte ich von ihm zu erfahren, in welcher Weise er von meinen Eröffnungen Gebrauch machen werde, und ob er selbst nach Versailles zu gehen gedächte. Dies lehnte er fürs erste ab, da er, wie er sagte, sonst gleich wieder zurückgeschickt würde und nur neuen Argwohn erregen müßte. Doch wollte er einen seiner Diener mit drei Briefen absenden, einem an die Frau von Pompadour, einem an den Marschall von Belle-Isle und dem dritten an einen Prinzen von Geblüt, den Grafen von Clermont[239], den er anfangs als seinen Busenfreund und als einen Mann hingestellt hatte, der des Königs Vertrauen unabhängig von seinen Ministern besäße und sehr für einen sofortigen Friedensschluß mit England einträte.

Um jeden Verdacht zu zerstreuen, zeigte er mir tatsächlich einen Brief dieses Prinzen an ihn vom 14. d. M., der in den freundschaftlichsten und herzlichsten Ausdrücken gehalten war, seine Abwesenheit beklagte und seine baldige Rückkehr herbeiwünschte. Er hegte keinen Zweifel, daß er von den beiden Letztgenannten Antworten erhalten würde. Von Frau von Pompadour, sagte er, erwarte er dies nicht, denn es wäre bei ihr Grundsatz, über Staatsangelegenheiten nichts zu schreiben, obwohl es unbedingt nötig sei, sie zu unterrichten, damit sie in den Stand gesetzt werde, ihrerseits zu wirken.

Das alles klingt sehr wahrscheinlich, aber der Erfolg muß sich erst noch zeigen. Inzwischen ist es klar, daß die französischen Minister gegeneinander arbeiten und somit verschiedene Systeme verfolgen. Welches den Sieg davontragen wird, hängt nicht von uns ab, aber es kann für den königlichen Dienst nicht nachteilig sein, daß die Gesinnung Seiner Majestät am französischen Hofe bekannt wird, einerlei durch welche Mittelsperson dies geschieht.

Daß d’Affry dem Grafen Saint-Germain noch Komplimente macht, nachdem er ihm den Befehl des Herzogs von Choiseul mitgeteilt hatte, ist ebenso ungewöhnlich wie das übrige, zumal er dessen Beziehungen zum Marschall von Belle-Isle sehr wohl kennt und den vom König ihm ausgestellten Paß gesehen hat.

Dies ganze Mysterium wird nach und nach aufgeklärt werden, und ich werde nicht verfehlen, Euer Lordschaft von allem zu unterrichten, was ich darüber erfahren kann. Ich ließ Saint-Germain wissen, daß er oder irgendeine andere gehörig beglaubigte Person England genehm sei. Was wir gegenwärtig einzuwenden hätten und was die ganze Sache zum Stillstand brächte, sei der Mangel einer richtigen, ausreichenden Vollmacht.

VI Aus Hellens Korrespondenz mit Friedrich dem Großen[240]

Hellen an König Friedrich

Haag, 15. März 1760.

Hier ist soeben eine Person eingetroffen, die vielleicht weitgehende Aufträge hat. Es ist eine Art Abenteurer, ein Mann, dessen Vaterland unbekannt ist. Er durchstreift seit mehreren Jahren die Welt, tritt überall groß auf, spricht alle neueren Sprachen und nennt sich Graf Saint-Germain. Ich hatte bereits die Ehre, E. M. einen Immediatbericht darüber zu senden, wie weit dieser Mann es verstanden hat, sich beim Versailler Hofe beliebt zu machen[241]. Wie man mir versichert, hat ihm der König von Frankreich soeben das Schloß Chambord geschenkt. Er ist seit etwa 3 Wochen in Holland, mit einer Empfehlung an Herrn Hope[242], den reichsten Kaufmann in Amsterdam, bei dem er sogar vierzehn Tage gewohnt hat. Hier hat er Empfehlungen an die reichsten portugiesischen Juden. Wie behauptet wird, hat er den Auftrag, über 30 Millionen (Anleihe) für Frankreich zu verhandeln, aber ich neige zu der Ansicht, daß er andere Aufträge hat, und zwar ohne Wissen des Grafen d’Affry, der ihn zwar höflich behandelt, aber im Grunde sehr eifersüchtig auf ihn ist.

Gestern bat er um eine Unterredung mit dem General Yorke, die 2 Stunden gewährt hat. Das sagte mir dieser am Abend ins Ohr, mit dem Zusatz, er schiene beauftragt, ihn auszuforschen, und er würde mir bei anderer Gelegenheit mehr darüber sagen. Ich hoffe, mit der nächsten Post darüber berichten zu können[243].

Heute muß ich mich auf die Meldung beschränken, daß der Mann viel schwatzt, sich als Gegner Österreichs ausgiebt und Frankreich wegen seines Bündnisses mit Wien laut tadelt. Dagegen ist er ein großer Anhänger Eurer Majestät. Ich selbst hörte ihn neulich ganz laut in Gesellschaft und fast in nächster Nähe des Barons Reischach[244] sagen, Frankreich hätte sich sehr unklug benommen.

König Friedrich an Hellen

Freiberg, 22. März 1760.

Ich kann mir kaum vorstellen, daß der König von Frankreich einen Menschen, den man eigentlich nur als Abenteurer ansehen kann, mit einem so wichtigen Auftrag wie Friedensverhandlungen betraut. Sie werden daher gut tun, sich nicht auf den Anschein noch auf unbestimmte Gerüchte zu verlassen, sondern dem Mann scharf auf die Finger zu sehen. Es scheint mir wohl möglich, daß er den Auftrag hat, wegen einer Anleihe zu verhandeln, aber dreißig Millionen kommen mir doch etwas stark vor.

Freiberg, 23. März 1760.

Ihr Bericht vom 18. d. M.[245] ist mir richtig zugegangen. Sehr befriedigt hat mich Ihre genaue Wiedergabe der Unterredung zwischen Yorke und dem Grafen von Saint-Germain. Es giebt wohl nichts Seltsameres, aber sie ist sehr fesselnd.

(Hellen soll Yorke im Namen des Königs für die Mitteilung danken und ihm Verschwiegenheit zusichern.)

Indes habe ich meinem Gesandten in England einiges über diese Unterredung vertraulich mitgeteilt und ihn angewiesen, beim englischen Ministerium nach Kräften darauf zu dringen, daß es jetzt sobald wie möglich seine Weisungen dem General Yorke giebt, damit er genau weiß, welche Friedensbedingungen England für sich und seine Verbündeten Frankreich gegenüber stellt, und was es von seinen Eroberungen behalten oder den Franzosen zurückgeben will. Ist man erst soweit, dann lassen sich schnell bestimmte, klare und unzweideutige Präliminarartikel vereinbaren, die zur Herstellung des Friedens und als Grundlage für den allgemeinen Kongreß dienen können.

Hellen an König Friedrich

Haag, 29. März 1760.

(Hellen berichtet über die weitere Unterredung Yorkes mit Saint-Germain am 27. März, vgl. S. 177 ff.)

Mittlerweile ist ein sonderbarer Zwischenfall eingetreten. Am vergangenen Sonntag (23. März) erhielt Graf d’Affry einen Kurier vom Herzog von Choiseul mit dem Befehl, den Grafen von Saint-Germain nicht mehr zu empfangen und den alliierten Gesandten[246] zu versichern, daß er keinerlei Auftrag hätte. Man wird ja bald sehen, ob Frankreich diesen Mann als Unterhändler benutzen oder ihn verleugnen und den Gesandten mit Unterhandlungen betrauen wird. Das letztere würde beweisen, daß der Staatssekretär und die österreichische Partei noch das Übergewicht haben.

Haag, 1. April 1760.

Es wäre sicherlich recht eigenartig, wollte Frankreich einen Mann wie den Grafen Saint-Germain mit einer so wichtigen Unterhandlung wie der des Friedens betrauen. Zieht man jedoch in Betracht, daß diese Persönlichkeit — welcher Art sie auch nach Aussage aller aus Frankreich kommenden anständigen Leute ist — in Versailles aus und ein geht, mit der Favoritin, dem Marschall Belle-Isle und den ersten Personen am Versailler Hofe auf bestem Fuße steht, daß der König von Frankreich ihm ganz gewiß das Schloß Chambord geschenkt hat, daß der Marschall Belle-Isle ihm persönlich einen Blankopaß Seiner Allerchristlichsten Majestät schickte, — so erscheint es keineswegs unmöglich, daß er in höherem Auftrag handelt.

Als er hier ankam und dem Grafen d’Affry diesen Blankopaß und die Schreiben (Belle-Isles) zeigte, empfing ihn der Botschafter mit Auszeichnung, gab ihm Soupers, führte ihn in seine Theaterloge usw. Allerdings hat er ihm darauf, wenn auch äußerst höflich, gesagt: „Sie haben sich in Versailles furchtbare Unannehmlichkeiten durch einen Brief an die Marquise zugezogen. Ich habe eben einen Kurier mit einem Befehl des Königs erhalten, Sie nicht mehr bei mir zu empfangen.“ Darauf verlangte der Graf von Saint-Germain diesen Befehl zu sehen, und d’Affry mußte einräumen, daß er nicht von Sr. Majestät selbst stamme, sondern vom Staatssekretär. Hierauf erwiderte Saint-Germain: „Das macht mir wenig aus“ und verabschiedete sich ziemlich plötzlich von dem Gesandten, der ihn bat, am nächsten Tage wiederzukommen, da er sehr gern mit ihm plaudern werde. Doch jener entgegnete: „Gestatten Sie, Herr Botschafter, daß ich dies nicht tue. Ich möchte Sie nicht ein zweites Mal in Gefahr bringen, Ihren Befehlen zuwiderzuhandeln.“

So hat Saint-Germain den Vorfall dem General Yorke selbst erzählt[247]. Aber noch merkwürdiger ist, daß Graf d’Affry am übernächsten Tage nochmals zu ihm geschickt haben soll, um sich nach ihm zu erkundigen, indem er sagen ließ, er fürchte, daß er nicht wohl sei, da er seinen Besuch am Tage zuvor erwartet und ihn leider nicht gesehen hätte.

Übrigens hat der Graf dem englischen Gesandten noch einen sehr freundschaftlichen Brief des Grafen von Clermont vom 14. März gezeigt, worin dieser ihn fast wie seinesgleichen behandelt[248]. Nach seiner Angabe steht Graf Clermont in hohem Ansehen und ist sehr zum Frieden geneigt.

Haag, 5. April 1760.

Der Herzog von Choiseul, der sich dem Wiener Hofe verkauft hat, besitzt ständig großen Einfluß in Versailles. Das sieht man wieder an der Art, wie er gegen den Grafen Saint-Germain verfährt. Der Staatssekretär hat dem Grafen d’Affry mit der Pferdepost soeben einen zweiten Brief geschrieben, worin er ihm befiehlt, ihm bei seiner Rückkehr nach Frankreich mit einem Kerkerloch zu drohen, falls er sich noch weiter in Dinge mischte, zu denen er keinen Auftrag hätte[249]. Dieser ganze Zorn kommt von einem ersten Briefe des Genannten an die Marquise[250], den sie so schwach war, dem Staatssekretär mitzuteilen. Soviel ich glaube, war dies aber noch nicht der Bericht über seine Unterredungen mit dem englischen Gesandten. D’Affry hat den Befehl gestern ausgeführt, aber der Graf hat ziemlich selbstbewußt geantwortet, wenn man ihm (Choiseul) den Inhalt seines ersten Briefes mitgeteilt hätte, würde man ihm wahrscheinlich auch die folgenden mitteilen. Recht merkwürdig ist jedoch, daß der Marschall Belle-Isle dem Grafen durch Vermittlung des Grafen d’Affry geantwortet und ihn dabei etwas ausgescholten hat, freilich in sehr schonender Form. Er sagt, der König von Frankreich habe im Haag einen Gesandten, der sein Vertrauen besitze, und er werde dem Grafen d’Affry selber schreiben; trotzdem sei er überzeugt, daß den Grafen Saint-Germain die besten Absichten beseelten.

Bei alledem glaubt der englische Gesandte, der Mann sei nicht zuverlässig und seiner Sache nicht hinreichend sicher. Er wies darauf hin, daß Saint-Germain, als er ihm den Befehl seines Hofes mitteilte, die Neigung durchblicken ließ, den Staatssekretär auf irgendeine Weise in Kenntnis zu setzen, während er doch früher gesagt hatte, er wolle ihn stürzen. Er besann sich dann freilich eines anderen und sagte, er wolle nur an die Favoritin, den Marschall und den Grafen Clermont schreiben[251]. Seitdem ist er nicht mehr beim englischen Gesandten erschienen und hat nur für gestern abend um eine Audienz gebeten, aber ich weiß noch nicht, ob er vorgelassen wurde oder nicht ...

Übrigens erzählte Graf d’Affry dem englischen Gesandten, welche Befehle er betreffs Saint-Germains erhalten hätte, und fragte ihn, ob er ihn gesehen habe. Der Gesandte antwortete, er hätte ihm nichts gesagt, was er nicht überall wiederholen könne. „Das hat er mir auch selbst gesagt“, entgegnete der Franzose[252].

König Friedrich an Hellen

Freiberg, 8. April 1760.

Die Einzelheiten Ihres Berichtes vom 29. März waren sehr beachtenswert. Was den Grafen Saint-Germain und das Rundschreiben über ihn betrifft, das der Herzog von Choiseul an die Gesandten der Verbündeten Frankreichs im Haag erlassen hat, so muß sich jetzt bald herausstellen, ob der Graf Vollmacht hatte oder nicht. Im ersteren Falle ist es klar, daß der Staatssekretär über die wirkliche Denkweise und die wahren Absichten seines Hofes nicht genau Bescheid weiß. Wie dem aber auch sei, durch die Schritte des Grafen sind die Dinge zwischen Frankreich und England in Fluß gekommen, und wenn Frankreich ernstlich gewillt ist, die Partie abzubrechen und Frieden mit uns Alliierten zu schließen, so muß es sich jetzt England gegenüber bald erklären.

Hellen an König Friedrich

Haag, 22. April 1760.

Soviel steht fest: die Reden, die Graf Saint-Germain geführt hat, haben wenigstens die Wirkung gehabt, daß der Herzog von Choiseul der Friedensströmung im Versailler Kabinett nicht ganz hat widerstehen können. Unseres Wissens hat man ihm auch nicht die letzten Berichte des Grafen mitgeteilt. Wenigstens schien der Botschafter davon keine Kenntnis zu haben, aber der besagte Staatssekretär ist so in Wut auf den armen Teufel geraten, daß er den Grafen d’Affry beauftragt hat, seine Verhaftung und Auslieferung zu beantragen. Dieser hat auch schon tatsächlich mit den Vertretern der Republik darüber gesprochen. Als aber Graf Bentinck davon erfuhr, hat er Saint-Germain mit Wissen des Prinzen Ludwig[253] sofort davon benachrichtigt und ihm einen Paß vom General Yorke beschafft, damit er nach England fliehen kann[254]. Gekränkt, wie er ist, kann der Graf dort sehr gute Nachrichten über die jetzigen Finanzen Frankreichs geben, über die er genau Bescheid weiß.

Haag, 3. Mai 1760.

E. M. werden in der Leidener und Amsterdamer Zeitung den genauen Abdruck des Antrages finden, den Graf d’Affry am 30. April bei den Generalstaaten wegen der Auslieferung des Grafen Saint-Germain gestellt hat[255], obwohl er, wie er nicht abstreitet, schon wußte, daß dieser bereits vor einigen Tagen nach London abgereist ist. Die Hochmögenden haben diesen Antrag im Schoße von Kommissionen begraben[256], offenbar um ihn nicht zu beantworten.

Notes in this chapter

Note 1 · Horace Walpole, Lord von Orford (1717-1797), Sohn des englischen Staatsmannes Robert Walpole, Mitglied des Parlaments. Er widmete sich späteNote 2 · Horace Man war englischer Gesandter in Florenz. Der obige Abdruck nach den von P. Toynbee herausgegebenen „Letters of Horace Walpole, fourthNote 3 · Anläßlich des Aufstandes des englischen Kronprätendenten Karl Eduard Stuart (1720-1788), Enkel des 1688 vertriebenen Königs Jakob II.Note 4 · Prinz Friedrich Ludwig (vgl. S. 66).Note 5 · Vgl. Letters of Horace Walpole, Bd. 6, S. 391 (Oxford 1904).Note 6 · Jean Jacques Rousseau (1712-1778), der bekannte Genfer Philosoph und Schriftsteller.Note 7 · Nach Maynial, S. 264.Note 8 · Jean Henri Maubert de Gouvest (1721-1767).Note 9 · Vgl. S. 119, Anm. 3.Note 10 · König Ludwig XV.Note 11 · Giacomo Casanova de Seingalt (1725-1798), der bekannte Abenteurer. Der obige Abdruck nach seinen „Mémoires écrits par lui-même“, Bd. 5, S. 2Note 12 · Vgl. S. 91.Note 13 · Anne Henry Gräfin Gergy, die Witwe des 1734 als französischer Botschafter in Venedig gestorbenen Grafen (vgl. S. 51).Note 14 · Vgl. S. 93.Note 15 · Herzog Christian IV. von Zweibrücken-Birkenfeld (1722 bis 1775).Note 16 · Schloß Chambord.Note 17 · Vgl. „Mémoires de Madame du Hausset, femme de chambre de madame de Pompadour“, S. 148 ff., 179 und 186 ff. (Paris 1824).Note 18 · König Franz I. von Frankreich (1494-1547).Note 19 · Anne Herzog von Montmorency (1492-1567), Connétable von Frankreich.Note 20 · Franz II. (1559-1560), Karl IX. (1560-1574) und Heinrich III. (1574-1589).Note 21 · Maria Stuart war in erster Ehe mit König Franz II. vermählt.Note 22 · Erste Gemahlin König Heinrichs IV., 1599 von ihm geschieden.Note 23 · Vgl. S. 122.Note 24 · Vgl. dazu die widersprechende Angabe bei Lamberg (S. 60).Note 25 · Charles Antoine Armand (1708-1788), Marquis, seit 1758 Herzog von Gontaut, Generalleutnant.Note 26 · François Quesnay (1694-1774), Leibarzt Ludwigs XV. und Nationalökonom, Begründer der physiokratischen Schule.Note 27 · Maria Angelica, Herzogin von Brancas, war Ehrendame der Dauphine.Note 28 · François Joachim de Pierre, Graf Bernis (1715-1794), Abbé, Juni 1757 bis Oktober 1758 Staatssekretär des Auswärtigen, seit Oktober 1758 KardNote 29 · Jean Petitot (1607-1691), Erfinder der Emailmalerei.Note 30 · Don Joachim Antonio de Bazan y Melo, Marquis de San Gil, 1734-1746 spanischer Botschafter im Haag.Note 31 · Held eines spanischen Gaunerromans.Note 32 · Bruno von der Hellen, preußischer Geschäftsträger im Haag. Der Bericht nach der Ausfertigung im Preußischen Geheimen Staatsarchiv zu Berlin.Note 33 · Durch den Abschluß der Versailler Allianz vom 1. Mai 1756 mit dem Wiener Hofe war Frankreich auf Seite der Gegner Preußens getreten und stanNote 34 · Bei Kay am 23. Juli, wo der zum Diktator ernannte General von Wedell, und bei Kunersdorf am 12. August 1759, wo König Friedrich selbst von dNote 35 · Der Generalkontrolleur der Finanzen, Étienne de Silhouette, erhielt am 21. November 1759 seine Entlassung.Note 36 · Der Marquis de Marigny war Generaldirektor der Königlichen Schlösser in Frankreich. Der obige Abdruck nach den von J. Cooper-Oakley in ihrerNote 37 · Haushofmeister der Schlösser Chambord und Blois.Note 38 · Gouverneur des Schlosses Chambord.Note 39 · In der Vorlage verschrieben: 1758.Note 40 · Graf Andreas Peter Bernstorff (1735-1797), dänischer Staatsmann. Er weilte 1757 in Frankreich. Nach dem Abdruck bei Maynial, S. 263 f.Note 41 · Charles Claude de Flahaut, Herr de la Billarderie, Graf d’Angiviller (1730-1809). Er war Kammerjunker bei den Kindern des 1765 gestorbenen DNote 42 · Prinz Karl von Hessen.Note 43 · Stephan Franz Graf von Stainville (1719-1785), am 11. November 1758 zum Staatssekretär des Auswärtigen ernannt und zum Herzog von Choiseul eNote 44 · Vgl. S. 55, Anm. 1.Note 45 · Französischer Marinekommissar in Amsterdam.Note 46 · Heinrich Leonhard Johann Baptiste Bertin war der Nachfolger Silhouettes (vgl. S. 140 f.) als Generalkontrolleur der Finanzen.Note 47 · Jean Pâris de Montmartel, französischer Hofbankier, und sein Bruder Joseph Pâris-Duverney, gleichfalls Bankier.Note 48 · Vgl. S. 54, Anm. 2.Note 49 · Graf Willem Bentinck, Herr van Rhoon (1704-1773). Er hatte bei der Wiedereinführung der Statthalterschaft in Holland 1747 eine Rolle gespielNote 50 · Inhaber eines Handelshauses in Amsterdam.Note 51 · Vgl. S. 146 f.Note 52 · Peter Steyn.Note 53 · Govert van Slingelandt, Generalsteuereinnehmer von Holland.Note 54 · Gemeint ist der von England und Preußen in Vorschlag gebrachte Friedenskongreß.Note 55 · Der sächsische Resident.Note 56 · Der russische Gesandte.Note 57 · Prinz Ludwig von Braunschweig-Wolfenbüttel (1718-1788) führte die Regierung für den minderjährigen Prinzen Wilhelm V. von Oranien.Note 58 · Der österreichische Gesandte.Note 59 · Die abschlägige Antwort von Österreich, Rußland und Frankreich auf die englisch-preußische Deklaration vom 25. November 1759 mit dem VorschlNote 60 · Der englische Gesandte.Note 61 · Heinrich Fagel, Greffier der Generalstaaten.Note 62 · Vgl. dafür unten S. 170 ff. die Berichte von Yorke.Note 63 · Verschrieben für Holdernesse (vgl. unten S. 175).Note 64 · Vgl. S. 148 f.Note 65 · Vgl. dazu unten S. 169 f. die Aufzeichnung des Grafen Bentinck vom 18. April.Note 66 · Mitglied des auswärtigen Ausschusses der Generalstaaten.Note 67 · Vgl. unten S. 160 f.Note 68 · Tobias Boas, Bankier im Haag.Note 69 · Vgl. C. A. van Sypesteyn, Voltaire, Saint-Germain, Cagliostro, Mirabeau en Nederland, S. 100 f. (Haag 1869).Note 70 · Vgl. C. A. van Sypesteyn, S. 100 f.Note 71 · Am 16. Mai wurde die Denkschrift d’Affrys darauf durch den Ratspensionär Steyn der Versammlung der Staaten von Holland mitgeteilt. Diese besNote 72 · Für Bentinck vgl. S. 146, Anm. 1. Der obige Abdruck nach den von J. Cooper-Oakley (S. 225 ff.) im Auszug mitgeteilten „Papieren“ Bentincks iNote 73 · Choiseul (damals noch Graf Stainville) war 1757 und 1758 bis zu seiner Berufung zum Staatssekretär des Auswärtigen (vgl. S. 144, Anm. 1) fraNote 74 · Nicht in dem am 1. Mai 1756 zwischen Frankreich und Österreich geschlossenen Versailler Defensivvertrag, sondern erst in dem OffensivvertragNote 75 · Thomas Pelham, Herzog von Newcastle, englischer Erster Lord des Schatzes.Note 76 · John Carteret, Lord Granville, Präsident des Geheimen Rates.Note 77 · William Pitt, Lord Chatham (1708-1778), Staatssekretär und Premierminister.Note 78 · Neufville war Inhaber eines Handelshauses in Amsterdam.Note 79 · Vgl. S. 146 f.Note 80 · Vgl. S. 152.Note 81 · Vgl. S. 148 f.Note 82 · Vgl. S. 146 f.Note 83 · Vgl. S. 154 f.Note 84 · Linnières, angeblich ein Edelmann aus der Franche-Comté, hatte mit Saint-Germain eine Gesellschaft für die Herstellung von hydraulischen MasNote 85 · Wohl der Bankier Adrian Hope (vgl. S. 147).Note 86 · Gerard Arnoud Hasselaar (1698-1766), Bürgermeister von Amsterdam.Note 87 · Der Erbstatthalter Wilhelm V. war am 8. März 1748 geboren.Note 88 · Das Folgende bezieht sich auf Saint-Germains Flucht am Morgen des 16. April (vgl. S. 156 f.).Note 89 · Vgl. S. 165.Note 90 · Joseph Yorke, englischer Generalmajor und Gesandter im Haag. Der Abdruck nach Abschriften im Geheimen Staatsarchiv in Berlin.Note 91 · Robert d’Arcy, Lord Holdernesse, englischer Staatssekretär.Note 92 · König Georg II. (1683-1760).Note 93 · In geheimen Besprechungen Yorkes mit dem französischen Botschafter Graf d’Affry.Note 94 · Vgl. S. 119 ff.Note 95 · Die Vermählung der Prinzessin Karoline, Schwester des Erbstatthalters Wilhelm V., mit dem Prinzen Karl von Nassau-Weilburg fand am 5. März sNote 96 · Nicolas René Berryer, der Chef des Departements für Marine und Kolonien.Note 97 · Die spanische Krone hatte im Herbst 1759 ihre Vermittlung für einen englisch-französischen Frieden angeboten.Note 98 · Mit Preußen und einigen deutschen Fürsten hatte England Subsidienverträge geschlossen.Note 99 · Die Kaiserin Maria Theresia und Zarin Elisabeth.Note 100 · Im Pariser Friedensschlusse von 1763 ging Kanada in englischen Besitz über; dagegen wurden die von England in Ostindien gemachten EroberungeNote 101 · Vgl. S. 130, Anm. 2.Note 102 · Vgl. S. 148 f.Note 103 · Vgl. S. 146 f.Note 104 · Graf Ludwig Clermont, Prinz von Bourbon-Condé, französischer Generalleutnant.Note 105 · Die Berichte des preußischen Geschäftsträgers von der Hellen (vgl. S. 139) sind dem Geheimen Staatsarchiv in Berlin entnommen; die AntwortenNote 106 · Vgl. S. 139 ff.Note 107 · Vgl. S. 147.Note 108 · Am 18. März berichtet Hellen ausführlich über Yorkes Unterredung mit Saint-Germain (vgl. S. 172 ff.); am 27. teilt der König diesen Bericht Note 109 · Der österreichische Gesandte.Note 110 · Vgl. Anm. 1.Note 111 · Baron Reischach und Graf Golowkin.Note 112 · Vgl. S. 178 f.Note 113 · Vgl. S. 180 f.Note 114 · Vgl. S. 148 f.Note 115 · Vgl. S. 146 f.Note 116 · Vgl. S. 180.Note 117 · Vgl. S. 153.Note 118 · Vgl. S. 151. Das im Landeshauptarchiv zu Wolfenbüttel aufbewahrte Tagebuch des Prinzen Ludwig von Braunschweig enthält keine Aufzeichnungen Note 119 · Vgl. S. 166.Note 120 · Vgl. S. 160 f.Note 121 · Vgl. S. 161.
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