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Der Graf von Saint-Germain

ZWEITER TEIL URKUNDEN ZUR LEBENSGESCHICHTE DES GRAFEN SAINT-GERMAIN (continued 2)

Reading edition

VII Aus der Korrespondenz von Knyphausen und Michell mit Friedrich dem Großen[257]

Knyphausen und Michell an König Friedrich

London, 1. April 1760.

Das hiesige Ministerium erhielt gestern die Schreiben des Generals Yorke vom 28. vorigen Monats, worin er über eine Unterredung berichtet, die er tags zuvor mit dem sogenannten Grafen Saint-Germain wegen seiner Eröffnungen über den Frieden hatte[258] ... Wir beschränken uns auf den Hinweis, daß das hiesige Ministerium sehr in Verlegenheit ist, sich ein richtiges Urteil über den Zwischenfall zwischen Graf d’Affry und besagtem Saint-Germain zu bilden. Nur das eine läßt diese Kabale erkennen, daß die Meinungen im Versailler Staatsrat sehr geteilt sind. In Erwartung einer Aufklärung über die Gesinnung des Versailler Hofes ist man hier sehr zufrieden, dem General Yorke eine gleichmäßige Sprache sowohl dem Botschafter wie dem Unterhändler gegenüber vorgeschrieben zu haben.

London, 22. April 1760.

Wie wir in diesem Augenblick erfahren, soll der sogenannte Graf Saint-Germain mit dem heutigen Postschiff in England angekommen sein[259], nicht als Unterhändler, sondern um Zuflucht vor den Gewaltakten des Herzogs von Choiseul zu suchen, der über sein Auftreten im Haag entrüstet ist. Diese Geschichte scheint den Einfluß des Ministers und seine Bundestreue gegen den Wiener Hof von neuem zu bestätigen. Ein Schlachtopfer mußte offenbar fallen, um dafür öffentlich Zeugnis abzulegen.

London, 29. April 1760.

Der Graf Saint-Germain hat sich seit seiner Ankunft hierselbst nicht öffentlich gezeigt und unseres Wissens keinen Minister gesehen. Wir haben jedoch dauernd ein Augenmerk auf sein Tun und Lassen und werden alles in dieser Hinsicht Beachtenswerte gewissenhaft melden.

König Friedrich an Knyphausen

Meißen, 30. April 1760.

Es ist leicht zu merken ..., daß der Herzog von Choiseul wieder die Oberhand über seinen König und Herrn erlangt und im Staatsrat über die Friedenspartei gesiegt hat. Was dem Grafen Saint-Germain zugestoßen ist, ist ein schlagender Beweis dafür. Ebenso sieht man, daß Frankreich unter dem Einfluß des Wiener Hofes jetzt nicht ernstlich an Frieden denkt, sondern daß es England nur hinhalten und hintergehen will.

Immediatbericht Knyphausens an König Friedrich

London, 6. Mai 1760.

Ich habe E. M. zu melden, daß nach Ansicht des englischen Ministeriums der Aufenthalt des sogenannten Grafen Saint-Germain in England nach außen hin den Verdacht erwecken kann, als ob geheime Unterhandlungen mit England stattfinden, und daß er vielleicht auch im Lande selbst nachteilig wirkt. Deshalb hat Herr Pitt[260] sich nicht nur geweigert, ihn zu empfangen, sondern er besteht auch durchaus auf seiner Abreise. In der Verlegenheit, in die besagter Graf Saint-Germain dadurch gekommen ist, hat er sich entschlossen, sich an mich zu wenden, und Herrn Pitt, der ihn polizeilich überwachen ließ, gebeten, ihm eine Unterredung mit mir zu verschaffen.

Als ich ihn also auf Wunsch des Ministers aufsuchte, erklärte er, er könne um seiner Sicherheit willen nicht nach Holland zurückkehren, und da Herr Pitt durchaus auf seiner Abreise bestehe, habe er beschlossen, sich zu E. M. zu begeben und Sie um Zuflucht in Ihren Staaten gegen die Gewaltakte des Herzogs von Choiseul zu bitten. Wie er hinzufügte, sei dies seine Absicht schon bei der Abreise von Holland gewesen, aber Graf Bentinck habe ihm geraten, vorerst nach England zu gehen[261].

Ich brauche E. M. nicht zu versichern, wie peinlich mir diese Eröffnung war. Da ich jedoch voraussah, daß das Erscheinen dieses Mannes E. M. sehr unliebsam wäre, und da es nicht in meiner Macht stand, ihn daran zu hindern, habe ich im Einvernehmen mit Herrn Pitt mit ihm vereinbart, daß er unter dem Namen Graf Cea nach Aurich reisen und von dort bei E. M. anfragen solle, welches Ihre Absichten seien, so daß E. M. also Ihre Maßnahmen in voller Freiheit treffen können.

Damit er nicht argwöhnte, ich suchte seine Reise zu hintertreiben, habe ich ihm sogar Abschrift des beifolgenden Briefes an E. M. gegeben und ihm gesagt, daß ich ihn aufs wärmste empfohlen hätte. Ich habe hinzugefügt, ich hätte ihm lediglich deshalb geraten, in Aurich Station zu machen, weil ich fürchtete, er könne ohne Regelung seines Reiseweges in österreichische oder französische Hände fallen.

Die Entscheidung steht jetzt bei E. M. Inzwischen glaube ich, E. M. einen Dienst erwiesen zu haben, indem ich die Abreise des Grafen Saint-Germain nach Sachsen[262] hinausgezögert habe. Sie zu verhindern, lag nicht in meiner Macht, so gern ich es getan hätte.

Im übrigen habe ich bei meiner Unterredung mit ihm nichts erfahren, was für E. M. von Belang sein könnte und was Sie nicht schon aus den Briefen aus dem Haag wissen.

Nachschrift. Nach Abschluß dieses Berichtes hat Herr Pitt, mit dem wir nochmals eine Unterredung hatten, uns stark zugesetzt, E. M. nach Möglichkeit abzureden, den Grafen Saint-Germain zu empfangen, damit daraus keine Umtriebe oder Unannehmlichkeiten entstehen.

Knyphausen an das Kabinettsministerium

London, 6. Mai 1760.

Beiliegend die Abschrift meines Immediatberichts an den König, betreffend einen recht eigenartigen Zwischenfall, den ich mit dem sogenannten Grafen Saint-Germain hatte. Da dieser mir seit Jahren bekannte Mann[263] von gefährlichem Ungestüm ist und den König bestricken und zu vielen falschen Maßregeln verleiten könnte, bitte ich Euer Exzellenz, Ihr möglichstes zu tun, um seine Reise nach Sachsen zu verhindern.

König Friedrich an Knyphausen

Meißen, 10. Mai 1760.

Der Graf Saint-Germain sucht in England wohl nichts anderes als eine Zuflucht vor den Verfolgungen des Herzogs von Choiseul, mit dem und dessen Partei er, wie man deutlich sieht, völlig zerfallen ist.

Meißen, 19. Mai 1760.

Was Herr Pitt Ihnen über den Grafen Saint-Germain gesagt hat, leuchtet mir völlig ein. Bisher hat dieser nicht an mich geschrieben. Sollte er es noch tun, so will ich ihm Zuflucht in Emden oder besser in Aurich geben, falls er sich in nichts einmischt[264]. Ich fürchte nur, der seltsame Mann wird so unbesonnen sein, hierher zu kommen, ohne an mich zu schreiben und vorher um meine Erlaubnis zu bitten, wofür ich keine Verantwortung übernehme.

VIII Aus Mitchells Korrespondenz

Mitchell[265] an Lord Holdernesse

Freiberg, 27. März 1760.

Der König von Preußen geruhte, mir Kenntnis von einem außergewöhnlichen Gespräch zu geben, das der Graf Saint-Germain am 14. im Haag mit General Yorke hatte[266]. Er bemerkte, obwohl der Mann und seine ganze Art höchst ungewöhnlich seien, hätte General Yorke doch Recht getan, Euer Lordschaft über den Vorfall unmittelbar zu berichten, daß nämlich der Graf mit diesem geheimen Auftrage sehr wahrscheinlich vom Marschall Belle-Isle ohne Kenntnis der übrigen französischen Minister betraut worden sei, da das Kabinett sehr geteilter Meinung ist. Er fragte mich, ob ich den Grafen Saint-Germain kenne, der, wie er gehört habe, eine Zeitlang in England gewesen sei[267]. Ich antwortete, ich hätte ihn dort gesehen, hätte aber nie geglaubt, daß er zum Unterhändler werden würde. Seine Preußische Majestät entgegnete, er hätte gehört, daß der Graf Mittel und Wege gefunden hätte, sich die Gunst des Königs von Frankreich zu verschaffen. Er hätte ihn mit einigen chemischen Versuchen unterhalten, und der König hätte ihm das Schloß Chambord geschenkt.

Freiberg, 20. April 1760.

Nach Ansicht Seiner Preußischen Majestät erhellt aus allen Gesprächen der Herren d’Affry und Saint-Germain im Haag deutlich, daß das französische Ministerium in seiner Meinung geteilt sei. Einige seien für den Frieden, andere für Fortsetzung des Krieges, aber aus allem bisher Gesagten ließe sich unmöglich folgern, welchen Entschluß sie fassen würden und ob die Friedenswinke ernst gemeint oder nur gegeben seien, um Zeit zu gewinnen.

Lord Holdernesse an Mitchell[268]

Whitehall, 6. Mai 1760.

Sie werden aus meinen letzten Briefen ersehen haben, was zwischen General Yorke und dem Grafen Saint-Germain vorgefallen ist, und ich bin überzeugt, General Yorke wird Sie jedenfalls davon in Kenntnis gesetzt haben, daß Herr von Choiseul ihn in aller Form desavouiert hat und daß Saint-Germain beschlossen hat, nach England zu gehen, um sich den weiteren Verfolgungen des französischen Ministers zu entziehen[269]. Infolgedessen ist er vor einigen Tagen hier eingetroffen. Aber es liegt auf der Hand, daß er keine Vollmacht hatte, auch nicht von den französischen Ministern, in deren Namen er zu sprechen vorgab. Da sein hiesiger Aufenthalt unzweckmäßig ist und üble Folgen haben kann, wurde für angemessen erachtet, ihn bei seiner hiesigen Ankunft zu verhaften. Sein Verhör hat nichts sehr Belangreiches ergeben. Sein Benehmen und seine Sprache sind verschlagen, mit einem wunderlichen Einschlag, der schwer zu bestimmen ist.

Alles in Allem hielt man es für durchaus angezeigt, ihn nicht in England zu dulden. Demgemäß ist er am letzten Sonnabend (3. Mai) früh abgereist, mit der Absicht, Zuflucht im preußischen Staate zu suchen, da er sich in Holland nicht sicher fühlte. Auf seine dringende wiederholte Bitte hin besuchte ihn Baron Knyphausen während seiner Haft[270], aber keiner der königlichen Beamten.

Der König hielt es für richtig, Sie von diesen Vorgängen zu unterrichten. Sein Wunsch ist, daß Sie den Inhalt dieses Briefes Seiner Majestät dem König von Preußen mitteilen.

IX Berichte Reischachs an Graf Kaunitz[271]

Haag, 18. (März) 1760.

Der Ew. Excellenz bekannte Freund (Prinz Ludwig von Braunschweig[272]) hat mich vorgestern besuchet, ... um mich zu bereden, ihm die in Händen habende Contre-Declaration[273] einsehen oder ablesen zu lassen. Ich beharrte aber darauf, daß mich dermalen noch nicht im Stande befinde, sondern, wie ihm schon gemeldet, das weitere von dem Herrn Grafen von Starhemberg[274] gewärtige.

Worüber derselbe (Prinz Ludwig) gemeldet, er besorge, man werde mit einer solchen Contre-Declaration solang zuwarten, daß indessen Frankreich soviel Zeit gewinnen werde, um mit Engelland einen Frieden zu schließen. Herr Graf d’Affry habe vor etwas mehr als acht Tagen durch den allhiesigen preußischen Minister von Hellen dem engelländischen Minister Yorke ein Rendezvous in Ryswijk oder in selbiger Gegend antragen lassen ...

Es befinde sich ein gewisser Fremder, der sich Comte Saint-Germain nennt, schon einige Zeit in Amsterdam, allwo er bei dem sehr reichen und geschickten Negocianten Hope[275], welcher dermalen die meiste französischen Geschäften in Amsterdam verrichtet und durch seinen Credit große Geldsummen dem französischen Hofe verschaffe, wohnhaft, seit den allhiesigen Heirats-Festivitäten[276] aber in dem Haag gegenwärtig seie, allwo er den Mr. Yorke besuche und seit kurzem mit ihm eine dreistündige Unterredung tête-à-tête gehabt habe[277], so daß er um so weniger zweifle, er müsse von dem französischen Hofe mit Friedensgeschäften beladen sein, als man wahrnehme, daß dessen allhiesige Anwesenheit den Herrn Graf d’Affry alarmiere und er sein Mißvergnügen hierüber nicht verbergen könne.

Ich trachtete, denselben (Prinz Ludwig) zu verleiten, sich gegen mich weiters zu eröffnen, was nämlich Herr Graf d’Affry dem Mr. Yorke beigebracht habe und in weme dann des Mr. le Comte de Saint-Germain obhabende Commissionen bestehen möchten.

Derselbe ließe sich aber weiter nicht heraus, als daß er eingestanden, Saint-Germain gebe aus, „daß er sich schmeichle, Frankreich durch seinen Aufenthalt in Holland zu retten“. Über die Unterredung des Herrn Graf d’Affry mit Mr. Yorke wollte er sich gar nicht eröffnen, sondern widersetzte mir, daß, weil ich ihm von dem Inhalt der Contra-Declaration nichts beibringen wolle, er mir auch von dem, was zwischen besagten zweien Ministres vorbei gehe, nichts mitteilen könne ...

Als der sogenannte Comte Saint-Germain aus Amsterdam allhier angelanget, so befragte den Herrn Graf d’Affry, ober von dessen Ankunft von seinem Hofe preveniret und ob ihm bekannt, daß er in Holland, wie es verlaute, mit einigen Commissionen beladen sei. Derselbe wollte weder von dem einen noch von dem andern etwas wissen, sondern brache den Discours ab, mit Vermelden, daß er allzeit vor ein espèce d’aventurier passiret habe.

Von solcher Zeit hat derselbe den Herrn Graf d’Affry besuchet, welchen mehrmalen in Compagnie bei ihm angetroffen. Vor 2 Tagen ist er wiederum nach Amsterdam zurückgekehret, solle aber, wie von Herrn Graf d’Affry selbst vernommen, inners ungefähr 8 Tagen wiederum allhier zurück eintreffen.

Man versicheret mich, daß man nicht eigentlich weiß, wer dieser sogenannte Comte Saint-Germain sei. Er redet fast alle europäische Sprachen in perfection, hat sich viele Zeit in Polen, Teutschland, Italien, Spanien, Engelland, Frankreich, auch vor diesem in Holland aufgehalten, allwo er unterschiedliche Namen geführet. Er ist in der Music und sonderbar in Spielung der Violine sehr erfahren, und scheinet aus seinem Umgang, daß er allerorten die große Welt frequentiret habe. Dermalen soll er aus Frankreich kommen, allwo der König ihm das Schloß Chambord, so ehevordem Mr. le maréchal Comte de Saxe[278] zugehöret, überlassen haben soll. Es fehlet ihm an der Leichtigkeit, sich zu explicieren, und an Geist nicht. Wann er aber mit Geschäften beladen, so gedeucht mich, daß er zu viel rede und seine Discours nicht genügsam nach den Reglen der Prudenz abmesse.

Haag, 25. März 1760.

Vorgestern hat Graf d’Affry wiederum einen Expressen, aber nur aus Brüssel von dem Mr. Lesseps[279] erhalten; wie er mir gestern gemeldet, hat derselbe ihm Depêchen von seinem Hofe mitgebracht, wodurch der Herr Duc de Choiseul ihm auftraget, dem sogenannten Comte de Saint-Germain, von welchem in meinem ehevorigen Berichtschreiben Meldung beschehen und [welcher] dermalen wiederum von Amsterdam in dem Haag angelanget ist, auf das schärfeste zu untersagen, sich nicht zu unterstehen, in die Politique sich einmischen zu wollen, widrigenfalls demselben sein Haus zu verbieten oder gar ihn arretieren zu lassen[280].

Haag, 28. März 1760.

Der Herr Graf d’Affry hat dem sogenannten Comte de Saint-Germain ernstlich untersaget, sich in Friedens- oder politische Geschäften einigermaßen einzumischen, mit Bedrohen, daß er widrigenfalles ihn gar nicht mehr sehen werde.

Mir ist indessen von guter Hande zu vernehmen gekommen, daß Saint-Germain sich allhier gegen einem Freunde über dieses gegen ihm ausübendes Verfahren ungemein beschweret und demselben ein Originalschreiben von dem Herrn maréchal Duc de Belle-Isle vorgezeiget habe, in welchem derselbe ihm zu erkennen gegeben, daß er von ihm eine Antwort über seine allhiesige Verrichtungen mit vielem Empressement erwarte[281]. Ferner habe derselbe ihm, Freunde, vertrauet, daß er beladen worden, Mittel und Wege auszufinden, daß die französisch-amerikanische Insuln und Colonien, welche directe aus Frankreich nicht wohl approvisionniert werden können, von hier aus mit Lebensmitteln und andern Notwendigkeiten versehen werden; wo beinebens er auch chargiret worden sei, alles anzuwenden, den Credit der französischen Finanzien allhier wiederum zu erheben und emporzubringen, auch einzuberichten, was ihm von dem Friedensgeschäft zu Ohren kommen möchte. Dieses letztere habe er nicht besser zu bewirken gewußt, als den Herrn Grafen von Bentinck und Mr. Yorke zu sehen[282]. Der erstere habe sich wider Herrn Graf d’Affry beschweret, daß er von ihm gänzlich negligiret werde, da er doch imstand sich befinde, der Krone Frankreich allhier in Friedens- und andern Geschäften nützlich sein zu können. Mr. Yorke habe ihm die stärkste Versicherung erteilet, wie sehnlich und aufrichtig Engelland einen baldigen Frieden wünsche und suche; diese Krone werde den König in Preußen nicht verlassen, jedoch denselben vermögen, daß von ihm Ihro Majestät der Kaiserin[283] raisonnable und acceptable Friedensvorschläge gemacht werden. Von welchem allem er nach Versailles seinen Rapport abgestattet, darüber aber noch keine Antwort erhalten habe. Saint-Germain habe sich gegen diesem seinem Freunde herausgelassen, in was für großem Credit er bei der Madame la marquise de Pompadour und dem Herrn Duc de Belle-Isle stehe und nicht anders glauben könne, als daß Herr Graf d’Affry die an ihm vollzogene Ordre von Herrn Duc de Choiseul (von welchem ihm, Comte de Saint-Germain, nichts committiret worden) erhalten habe. Er werde aber auf das stärkeste arbeiten, daß alles ohne Anstand repariret und seine hierin verletzte Réputation auf das bäldeste und vollkommenste hergestellt werde.

Was mir von der Conduite und Verrichtungen des sogenannten Comte de Saint-Germain beigebracht wird, höre ich zwar an, jedoch hüte mich, einigermaßen in Sachen mich einzumischen, die mich nicht weiters interessieren können, als davon die Wissenschaft zu haben.

Haag, 8. April 1760.

Der sogenannte Mr. le Comte de Saint-Germain befindet sich noch allhier und hat dem Mr. Yorke und Herrn Grafen von Bentinck ein und das andere Mal besuchet. Von diesem letzteren wird derselbe wohl angesehen und hält sich unterweils mehrere Stunden bei ihm auf. Derselbe hat auch verlanget, bei dem Herrn Herzog Louis von Braunschweig aufgeführet zu werden. Er hat aber ihn bishero nicht vorkommen lassen wollen, welches er dem Herrn Grafen d’Affry, Herrn Grafen von Golowkin und mir, als wir uns bei Übergebung der Contre-Declaration in Ryswijk beisammen eingefunden, selbst erzählet und zugleich zu verstehen gegeben, daß dessen Anwesenheit allhier das Friedensgeschäft leichtlich embrouilliren und sehr schädlich sein könnte[284].

Herr Graf d’Affry gab die kräftigste Versicherungen, daß er ihm bereits aus Ordre seines Hofes auf das nachdrucksamste untersaget, sich in einige politische Affairen, so seinen Hof betreffen, einzumischen, wie dann er ihm auch sein Haus wirklich verboten habe[285] und ihn nicht anderst als einen aventurier ansehen könne.

Und da der Herr Herzog ihm hierauf zu erkennen gegeben, daß Saint-Germain von der Zeit, als er ihm obiges Verbot getan, den Mr. Yorke nochmals besucht und sich mit ihm unterhalten habe[286], so hat Graf d’Affry demselben erwideret, daß er ihn sogleich zu sich kommen lassen und ihm bedeuten wolle, daß, wann er hiervon nicht sogleich gänzlich abstehe, der französische Hof schon Mittel finden werde, ihn einzusperren und in eine basse-fosse[287] setzen zu lassen, wobei er den Herrn Herzog ersuchte, all solches dem Mr. Yorke zu hinterbringen.

Ich beobachtete hierbei, daß besagter Herr Herzog mit vielem Eifer sich wider Saint-Germain an Laden gelegt[288], welches mich urteilen gemacht, daß er vielleicht besorgen dürfte, es möchte durch seinen Canal ein Fried zwischen der Krone Frankreich und Engelland mit Ausschluß der engelländischen Aliirten beförderet werden.

Von Herrn Grafen d’Affry habe inzwischen vernommen, daß er obgemeldete Bedrohungen dem Saint-Germain wirklich eröffnet und er hierdurch ungemein betroffen worden sei.

Haag, 18. April 1760.

Gestern ist ... der bekannte Graf Saint-Germain von hier abgereiset, ohne daß man weiß, wohin er sich begeben will.

Haag, 22. April 1760.

In meinem letztern Berichtschreiben habe Ew. Excellenz zu melden die Ehre gehabt, daß der sogenannte Graf Saint-Germain von hier abgereiset, ohne daß bekannt ist, wohin er sich begeben habe. Ich bin aber gleich hinnach ganz sicher informiret worden, daß er so gähling und unvermutet dieses Land verlassen habe, weil Herr Graf d’Affry durch den Courier, wovon in meinen letztern zwei Berichtschreiben Meldung getan, von seinem Hofe Befehl erhalten, das Ansuchen allhier zu machen, daß er arretiret und an Frankreich ausgeliefert werde, wovon, als Herr Graf d’Affry, wiewohl ganz in geheime, dessentwegen einige passus gemacht, derselbe benachrichtiget worden und sich alsdann sogleich aus dem Staube gemachet hat. Man weiß zwar noch nicht positive, wohin er sich verfüget; es wird aber durchaus dafür gehalten, daß er nach Engelland abgegangen sei. Hierbei hat sich noch dieser notable Umstand ergeben, daß Herr Graf von Bentinck ihn vor seiner Abreise nachts um 9 Uhr besucht und bei demselben bis nach Mitternacht verblieben sein soll, worauf Graf Saint-Germain gegen anbrechendem Tage in einer mit 4 Pferden bespannten Kutsche abgereiset ist. Man will sogar behaupten, daß ein Bedienter des Herrn Grafen von Bentinck die Pferde und Wagen zu solcher Abreise veranstaltet habe[289].

Herr Graf d’Affry hat mir vor zwei Tagen von der empfangenen Ordre, den Saint-Germain allhier arretieren zu lassen und daß er dessentwegen in der Stille einige passus gemacht, Kenntniß erteilet, mit dem Beisatz, daß er den dessentwegen erhaltenen Courier wiederum zurückgesendet und sich bei seinem Hofe angefraget habe, ob er die Ursachen, warum Saint-Germain habe sollen arretiret werden, allhier kundmachen solle oder nicht.

Haag, 25. April 1760.

Man prätendiret, nunmehro sichere Nachricht zu haben, daß der sogenannte Comte de Saint-Germain von hier gerad nach Hellevoetsluis abgegangen und den 20. dieses mit dem Paquetbot nach Engelland abgefahren sei.

Von sicherer Hand vernehme, daß derselbe von hier aus ein Schreiben an Madame la marquise de Pompadour erlassen, in welchem er unter anderm den Nutzen und die Notwendigkeit vorstellt, den allhiesigen Graf von Bentinck von Seiten Frankreich wegen seinem guten Willen, dieser Krone bei gegenwärtigen Umständen nützliche Dienste zu leisten, und wegen von ihm allhier und bei dem engelländischen Ministerio besitzenden besonderen Credit nicht nur allein sehr zu menagiren, sondern auf alle Weise zu cultivieren[290]. Welches Schreiben aber von dem französischen Hofe an Herrn Graf d’Affry communiciret worden.

Aus allem, was mir zu Ohren kommet, muß ich urteilen, daß Herr Graf Bentinck sehr suchet, sich in künftiges Friedensgeschäft einmischen zu können. Es ist auch gewiß, daß Comte Saint-Germain während seines allhiesigen Aufenthalts sehr vielen Umgang mit ihm gepflogen und deswegen aller Anschein vorhanden ist, daß er mit seinem Wissen und vielleicht aus seinem Rat nach Engelland abgegangen, er auch suchen wird, ihn allda zu protegieren.

Haag, 2. Mai 1760.

Herr Graf d’Affry hat vorgestern bei den Generalstaaten abschriftlich anliegendes Mémoire[291] überreichet, wodurch er das Ansuchen tuet, daß der bekannte Comte de Saint-Germain angehalten, ausgelieferet und gefänglich nach Antwerpen geführet werde. Da nun derselbe, jedermann bekanntermaßen, schon vor mehr als 14 Tagen sich von hier hinweg begeben und von Hellevoetsluis nach Engelland abgegangen ist, so scheinet nicht möglich zu sein, daß die Absicht des französischen Hofes auf dessen Anhaltung zähle, sondern etwa dahin gehen möchte, das Publicum dardurch zu belehren, daß demselben, wo er sich befinden möchte, kein Glauben und noch viel weniger einiges Vertrauen beigemessen werde, maßen Herrn Graf d’Affry nicht unbekannt sein kann, daß er sich allhier verlauten lassen, daß, wann der französische Hof ihm wegen jenem, was mit ihm allhier vorgefallen, nicht Satisfaction geben werde, er sich im Stand befinde, Sachen von demselben an Tage zu legen, welche ihn vollkommen rechtfertigen, demselben aber ungemein nachteilig sein werden.

Was die Generalstaaten über obiges Mémoire entschlossen, ist mir noch nicht bekannt. Und da der widrige Wind noch immer anhaltet, so können keine engelländischen Nachrichten hier ankommen, wodurch man etwa vernehmen könnte, wie derselbe in Engelland angesehen werde oder wie er sich allda betrage.

Beilage zum Bericht Reischachs vom 13. Mai 1760

(Mitteilung eines englischen Correspondenten)

(London, Mai 1760.)

Die Denkschrift des Herrn Grafen d’Affry über den Grafen Saint-Germain[292], die Sie mir gütigst zugesandt haben, steht auch in den französischen Zeitungen. Allerdings lohnt es sich nicht, wie Sie sehr richtig bemerken, so viel Lärm über diese Sache zu schlagen. Man erweist diesem Abenteurer zu viel Ehre, wenn man viel Wesens von ihm macht. Der hiesige Hof glaubte, den Kundgebungen des Mißtrauens, die der französische Hof gegen diesen Mann in Szene gesetzt hat, nicht trauen zu dürfen; denn er verdient nur Verachtung. Sie hat ihn bei seiner Ankunft mit dem Paketboot sofort in polizeilichen Gewahrsam genommen und ihn erst außer Augen gelassen, als er wieder an Bord gebracht wurde, um über das Meer zurückzukehren. Ein scherzhaftes Abenteuer!

Haag, 16. Mai 1760.

Der sogenannte Mr. le Comte de Saint-Germain ist den 11. dieses mit dem Paquetbot aus Engelland zu Hellevoetsluis angelanget und hat sogleich seine Reise über Rotterdam nach Teutschland und, wie hier ausgegeben wird, nach Berlin fortgesetzet. Mehrere allhier halten dafür, daß das engelländische Ministerium denselben aus Attention vor Frankreich sogleich aus Engelland weggeschaffet habe, aus welchem sie inferiren, daß diese Kron sehr geneigt sei oder Hoffnung habe, mit Frankreich den Frieden in Bälde zu schließen.

Haag, 13. Juni 1760.

Wo der bekannte sogenannte Graf von Saint-Germain sich dermalen befinde, ist allhier nicht bekannt; es wird aber von mehreren öffentlich versicheret, daß derselbe schon von geraumer Zeit her einen Espion vor den König in Preußen gemachet habe, dergleichen derselbe an allen Höfen haben und solche reichlich bezahlen solle.

X Aus Kauderbachs Korrespondenz[293]

Kauderbach an Graf Wackerbarth-Salmour

Haag, 14. März 1760.

Wir haben hier gegenwärtig einen höchst seltsamen und ganz außergewöhnlichen Mann, der sich Graf Saint-Germain nennt. Er sieht höchstens wie 45 Jahre alt aus, und doch behauptet man, daß er mindestens 110 Jahre zählt. Wie mir Herr d’Affry versicherte, wäre er viel älter als wir beide zusammen, und doch sind wir beide über die Sechzig. Fest steht, daß ein fast siebzigjähriges Mitglied der Generalstaaten mir gesagt hat, er habe diesen seltsamen Mann im Hause seines Vaters gesehen, als er selbst noch ein Kind war, und er hätte fast genau so ausgesehen wie heute. Trotzdem macht er den gelenken, munteren Eindruck eines Dreißigjährigen. Seine Waden sind wie gedrechselt, sein eigenes Haar schwarz und voll, und er hat sozusagen keine Runzel im Gesicht. Fleisch ißt er fast nie, außer etwas Hühnerbrust; seine Nahrung beschränkt sich auf Grütze, Gemüse und Fische. Gegen Kälte schützt er sich sehr, aber er schont sich nicht übermäßig durch frühes Schlafengehen und hat uns, gleichsam aus Gefälligkeit, bis 1 Uhr nachts Gesellschaft geleistet, ohne daß man es ihm am nächsten Morgen anmerkte. Gelingt es mir, dem guten Alten sein Geheimnis zu entlocken, so glaube ich, dem König[294] einen wesentlichen Dienst zu leisten, wenn ich es Euer Gnaden mitteile, um Sr. Majestät ein so kostbares und für seinen Dienst so nützliches Leben zu verlängern.

Saint-Germain besitzt unermeßliche Reichtümer, und wenn man ihm glauben will, auch die schönsten Geheimnisse der Natur. Er spricht gelehrt darüber, ohne den Geheimnisvollen zu spielen, und sucht durch seine Beweisführungen auch die Ungläubigsten zu bekehren, anscheinend ohne jede Hintergedanken. Seine Reichtümer sind eine feststehende, in ganz Frankreich bekannte Tatsache. Er steht in höchster Gunst beim Allerchristlichsten König, der ihm das Schloß Chambord zum lebenslänglichen Wohnsitz angewiesen hat. Er zeigte uns Steine von unschätzbarem Wert und sämtlich von unvergleichlicher Größe und Schönheit. Beiliegend übersende ich E. E. der Wissenschaft halber die Maße eines seiner schönsten Opale, der von tadelloser Reinheit und herrlicher Schönheit ist. Nach seiner Behauptung besitzt kein Herrscher der Welt solche Schätze, wie er sie in Steinen zu besitzen vorgibt. Er sagt, daß alle irdische Größe ihm gleichgültig sei und daß er nur auf den Titel eines Bürgers Anspruch erhebe.

Von Frankreichs Unglück gerührt, hat er dem König[295] seine Dienste angeboten, um das Land zu retten, und zu diesem Zweck ist er nach Holland gekommen. Aus seinem Auftrag oder wenigstens dessen Zweck macht er kein Geheimnis. Wir sind gespannt, welche Mittel er hat; nach seiner Behauptung sind sie unfehlbar, da sie von ihm allein abhängen. Er ist ein großer Fürsprecher der Frau von Pompadour und sucht sie von dem Makel zu befreien, den man ihr hier angeheftet hat. Er schreibt ihr das beste Herz zu, die redlichsten Absichten und beispiellose Uneigennützigkeit. Ich hatte mit ihm ein langes Gespräch über die Ursachen von Frankreichs Mißgeschick und über die Ministerwechsel. Folgendes sagte er mir hierüber:

„Das Grundübel ist die Schwachheit des Monarchen. Seine Umgebung kennt seine übergroße Güte und mißbraucht sie, und diese Umgebung besteht nur aus Kreaturen der Brüder Pâris[296], die allein Frankreichs ganzes Unglück verschulden. Sie haben alles verderbt und die Pläne des besten französischen Bürgers, des Marschalls von Belle-Isle, durchkreuzt. Daher die Uneinigkeit und die Eifersucht unter den Ministern, die jeder einem anderen Herrscher zu dienen scheinen. Alles ist durch die Brüder Pâris verderbt: mag Frankreich zugrunde gehen, wenn sie nur ihr Ziel erreichen, 800 Millionen Vermögen zu erwerben. Unglücklicherweise besitzt der König mehr Güte als Scharfblick, um die Bosheit seiner Umgebung zu durchschauen. Da diese seine Charakterschwäche kennt, tut sie nichts, als seinen Schwächen zu schmeicheln, und findet dadurch vor allen anderen Gehör. Die gleiche Charakterschwäche zeigt sich bei der Mätresse. Sie kennt das Übel, hat aber nicht den Mut, ihm zu steuern.“

Er also, Saint-Germain, will die radikale Heilung unternehmen und macht sich anheischig, durch seine Maßnahmen in Holland zwei Männer zu stürzen, die dem Staate so schädlich sind und die man bisher für ganz unersetzlich hielt. Hört man ihn so frei von der Leber sprechen, so muß man annehmen, daß er seiner Sache gewiß ist, oder man muß ihn für den größten Gimpel auf Erden halten.

Ich könnte Euer Gnaden noch manches über diesen seltsamen Mann und seine physikalischen Kenntnisse erzählen, müßte ich nicht fürchten, Sie durch Berichte zu ermüden, die mehr romanhaft als wirklich erscheinen. Doch halte ich mit meinem Urteil noch zurück. D’Affry erweist ihm die größten Aufmerksamkeiten und scheint ihn für ein Wunder zu halten. Saint-Germain hat die ganze Welt durchstreift und spricht die meisten bekannten Sprachen. Er war mehrmals in Dresden und, wie er mir sagte, dem verstorbenen König[297] wohlbekannt. Auch in der Musik leistet er Hervorragendes. Er spielt vollendet Violine und Klavier und singt entzückend. Man läuft ihm hier das Haus ein, wie einem Wundertier, und er ist in der Tat ein sehr angenehmer Gesellschafter.

Kauderbach an den Fürsten Golizyn[298]

Haag, 14. März 1760.

Wir haben hier einen seltsamen Mann. Es ist der berühmte Graf Saint-Germain, der in ganz Europa wegen seiner Kenntnisse und seiner ungeheuren Reichtümer bekannt ist. Er ist mit einem wichtigen Auftrag in diesem Lande betraut und redet viel davon, er wolle ähnlich wie früher die Jungfrau von Orleans Frankreich retten. Wir müssen abwarten, wie er es anfangen wird. Er hat ein Lager von Edelsteinen von größter Schönheit. Er behauptet, der Natur ihre tiefsten Geheimnisse entrissen zu haben und sie durch und durch zu kennen. Das Merkwürdigste aber ist, daß er über 110 Jahre alt sein will. Er sieht indes nicht älter als 45 aus. Gaudeant bene nati[299]! Ich wünschte, ich könnte sein Geheimnis für Sie und auch für mich selbst erlangen! Er ist ein warmer Verteidiger der Frau von Pompadour und des Marschalls von Belle-Isle und verabscheut die beiden Brüder Pâris, denen er die Schuld an allem Mißgeschick Frankreichs zuschreibt.[300] Er spricht sehr frei über die französischen Verhältnisse — vom König bis zum Hanswurst.

Haag, 19. März 1760.

Ich schrieb Ihnen bereits von dem berühmten Saint-Germain, der gegenwärtig in Amsterdam bei Herrn Hope wohnt. Er hat Herrn Yorke in seinem Hause aufgesucht und ist drei Stunden bei ihm geblieben[301]. Er hat hier weder zu Herrn d’Affry geschickt noch sich an ihn gewandt, und doch hat er mir selbst erklärt, er sei mit einem wichtigen Auftrage betraut. Um jedoch die Wahrheit zu sagen, erscheint er mir zu anmaßlich und unvorsichtig, als daß man ihm glauben könnte, daß er ein allerhöchst beauftragter Unterhändler ist. Ich stelle ihn auf eine Stufe mit dem berüchtigten Macanas, den Euer Exzellenz hier 1747 kennen lernten, oder wenigstens mit dem Grafen Seckendorff, der im letzten Jahre herkam[302]. Ich müßte mich sehr in ihm täuschen, wenn er mit seinem Auftrag Erfolg hat. Unsere Holländer sind zu schwerfällig, um auf solche Schliche einzugehen. Immerhin zweifle ich nicht mehr, daß wichtige Unterhandlungen im Gange sind.

Graf Wackerbarth-Salmour[303] an Kauderbach

Dresden, 23. März 1760.

Ihre Königlichen und Kurfürstlichen Hoheiten lesen stets mit Vergnügen, was Sie mir schreiben. Sie haben das Bild, das Sie mir von Saint-Germain entwarfen, sehr fesselnd gefunden. Wir können es noch nicht bis ins einzelne deutlich erkennen. Aus der Ferne wirkt es schön, aber man muß es sich näher daraufhin ansehen, ob alle seine Züge übereinstimmen und zutreffen, woran ich stark zweifle. Vor 50 Jahren lernte ich den berüchtigten Huldashop kennen und verkehrte mit ihm. Er behauptete, über 80 Jahre alt zu sein. In Danzig heiratete er 25 bis 30 Jahre später eine Prinzessin von Holstein, die ihn nach den öffentlichen Nachrichten kurz darauf ermorden ließ, um sich in Besitz seiner Forschungen und Geheimmittel zu bringen[304]. Ich kannte einen Mann, den man als Mitschuldigen an diesem Mord in Verdacht hatte; er hat durch seinen Reichtum eine große Rolle gespielt und großes Aufsehen erregt. Derartige Wundermänner blenden eine Zeit lang; man verliert sie aus dem Gesicht, wenn man es am wenigsten glaubt.

Der Opal, dessen Maße Sie mir schickten, scheint mir nicht so außerordentlich. Ich besitze einen orientalischen von fast gleicher Größe, und der König hat viel ansehnlichere in seinem Schatze. Wie Sie wissen, sind farbige Steine, so schön und hart sie scheinen mögen, stets mit Vorsicht zu genießen. Bei den Diamanten handelt es sich darum: besitzt er viele? sind sie groß und von tadellosem Wasser?

Seine politischen Erörterungen bedürfen m. E. gründlicher Beweise und Darlegungen.

Am meisten zu seinen Gunsten scheint mir zu sprechen, daß ihm der König von Frankreich in seiner Huld das Schloß Chambord geschenkt hat; denn ein so bedeutendes Lehen kann er nur infolge von hervorragenden Leistungen im Dienste der Krone erhalten haben.

Kauderbach an Graf Wackerbarth-Salmour

Haag, 4. April 1760.

Wir kennen den angeblichen Grafen Saint-Germain bisher nur nach dem Rufe, den er geflissentlich selbst verbreitet: über seine geheimnisvolle Herkunft, sein hohes Alter und seine Geheimnisse. Trotzdem steht fest, daß er am französischen Hofe eine Zeitlang hoch in Gunst stand und sehr ausgezeichnet wurde. Aber das alles war von kurzer Dauer und hat sich sehr geändert. Herr d’Affry hat mir indes versichert, er sei von Stand, wenn auch kein geborener Franzose. Er selbst behauptet, Spanier zu sein.

Haag, 24. April 1760.

Wie ich soeben erfahre, hat der Kurier, den d’Affry letzten Montag (14. April) erhielt, ihm Befehl gebracht, bei den Generalstaaten die Verhaftung und Auslieferung des berüchtigten Grafen Saint-Germain zu beantragen, da er ein gefährlicher Mensch sei, mit dem Se. Majestät aus guten Gründen unzufrieden ist. D’Affry hat diesen Befehl dem Großpensionär mitgeteilt und letzterer dem ständigen Ausschuß der Provinz Holland Bericht erstattet. Der Vorsitzende dieses Ausschusses, Graf Bentinck, hat den Mann gewarnt, ihn nach England abreisen lassen, und zwar hat er ihm dazu seinen eigenen Wagen geschickt[305]. Am Tage vor seiner Abreise war Saint-Germain vier Stunden beim englischen Gesandten[306]. Er hat sich gerühmt, mit der Herbeiführung des Friedens beauftragt zu sein. Ich habe jedoch die Schriftstücke gesehen, auf die er sich für seine Mission beruft[307], und habe darin nichts gefunden, was seine Behauptung erhärtet. Belle-Isle pflegt mit den elendesten Zeitungsschreibern und Projektenmachern in Briefwechsel zu stehen und ihre Offenbarungen sehr teuer zu bezahlen.

Dieser Saint-Germain hat uns so viele andere grobe und elende Märchen erzählt, daß man ihn nur mit Widerwillen zum zweitenmal hört, es sei denn, daß man sich über dergleichen Aufschneidereien belustigen will. Dieser Mann kann kein zehnjähriges Kind betrügen, geschweige denn aufgeklärte Männer. Es ist also anzunehmen, daß die Protektion, die er findet, andere Gründe und Zwecke hat, als Verhandlungen durch ihn anzuknüpfen. Ich betrachte ihn als Abenteurer ersten Ranges, der mit seinen Mitteln am Ende ist, und ich würde mich sehr täuschen, wenn er kein tragisches Ende nähme. Unter den englischen Offizieren, die hier sind, haben einige ihn in London vor 20 Jahren gekannt und sprechen mit größter Verachtung von ihm. Sie halten ihn für einen einfachen Violinspieler.

Haag, 2. Mai 1760.

Der Abenteurer hat sich hier als geheimer Unterhändler des Marschalls Belle-Isle aufgespielt und Briefe von ihm[308] gezeigt, denen allerdings die Glaubwürdigkeit nicht ganz abzusprechen ist. Er ließ durchblicken, daß Belle-Isle ganz im Sinne der Frau von Pompadour, aber im Gegensatz zu Choiseul, leidenschaftlich nach Frieden trachte. Er hat stark aufgetragen und mit den stärksten Farben die Kabalen, die Not und die Zwistigkeiten geschildert, die in Frankreich herrschen sollen, und durch solche Schmeicheleien hat er das Vertrauen der englischen Partei zu gewinnen geglaubt. Andrerseits hat er an den Marschall Belle-Isle geschrieben[309], d’Affry wisse die Bestrebungen des Grafen Bentinck-Rhoon weder zu würdigen noch zu unterstützen. Dabei sei Bentinck von den besten Absichten beseelt und wünsche nichts so sehr, als die französischen Verhandlungen mit England zu fördern. Diese Briefe sind an d’Affry zurückgesandt worden, mit der Weisung, zu verhindern, daß Saint-Germain sich in irgendeine Angelegenheit einmische, falls er seine Dreistigkeit nicht damit büßen wolle, daß er bei der Rückkehr nach Frankreich seine Tage in einem Kerkerloch beschlösse[310].

Trotz dieses Verbots fuhr Saint-Germain fort, Reden zu halten und Schritte zu tun, um sich auch weiterhin das Ansehen eines bedeutenden Mannes zu geben. Er hat beharrlich den englischen Gesandten besucht, der ihn aber scheinbar verachtete. Herr von Rhoon hat ihn beschützt, ihn bevorzugt und viel Aufhebens von ihm gemacht, und als d’Affry seine Auslieferung verlangte, hat er ihn vor der ganzen Stadt nach London reisen lassen[311]. Ich fürchte, der Elende wird noch Anlaß zu manchen Skandalgeschichten geben. Er hat gedroht, alle Urkunden nebst einer Rechtfertigungsschrift zu veröffentlichen. Er ist ein Gauner, der eine Rolle spielen will.

XI Friedrich der Große und Voltaire[312]

Voltaire an König Friedrich

15. April 1760.

Ihre Gesandten werden in Breda[313] wohl mehr erfahren, als ich weiß. Der Herzog von Choiseul, Graf Kaunitz und Herr Pitt verraten mir ihr Geheimnis nicht. Bekannt soll es nur einem Herrn von Saint-Germain sein, der einst in der Stadt Trient mit den Vätern des Konzils gespeist hat und wahrscheinlich die Ehre haben wird, E. M. in etwa fünfzig Jahren zu besuchen. Der Mann ist unsterblich und allwissend.

König Friedrich an Voltaire

Meißen, 1. Mai 1760.

Ein Kongreß in Breda wird nicht stattfinden, und ich lege die Waffen erst nach drei weiteren Feldzügen nieder. Das Pack soll sehen, daß es mein Entgegenkommen gemißbraucht hat, und der König von England wird den Frieden nur in Paris und ich ihn in Wien unterzeichnen ... Der Graf von Saint-Germain ist nur ein Ammenmärchen[314].

XII Aus der „Geschichte des Siebenjährigen Krieges“ von Friedrich dem Großen[315]

Der König sandte einen Unterhändler nach Frankreich, der die Absichten des Versailler Hofes sondieren und ihm, sowie dem König von England Bericht erstatten sollte. Die Wahl fiel auf einen jungen Edelsheim[316] ... Er wurde in Paris leidlich aufgenommen. Man bedeutete ihm in unbestimmten Ausdrücken, daß die Erledigung seines Auftrages von der mehr oder minder schnellen Beilegung der Streitpunkte zwischen England und Frankreich abhängen würde. Man habe jedoch gehört, der König von Preußen gedenke, den König von Polen auf Kosten zahlreicher deutscher Kirchenfürsten zu entschädigen[317], die er säkularisieren wolle. Das aber könne der Allerchristlichste König nie und nimmer zugeben. Edelsheim brachte dem König den Bescheid nach Freiberg und reiste dann nach London, um ihn den großbritannischen Ministern zu übermitteln.

Zugleich mit Edelsheim tauchte in London ein anderer Politiker auf, eine rätselhafte Erscheinung, über deren Wesen man nie ins klare gekommen ist. Er nannte sich Graf Saint-Germain, hatte in französischen Diensten gestanden und sich bei Ludwig XV. so in Gunst gesetzt, daß der König ihm das Schloß Chambord schenken wollte. Nun spielte er die Rolle eines Gesandten, befaßte sich ohne Vollmacht mit Unterhandlungen und äußerte sich zugleich in beleidigender Weise über Frau von Pompadour und den Herzog von Choiseul. Die Engländer behandelten ihn als Abenteurer und wiesen ihn aus.

Ob nun aber das englische Ministerium Saint-Germain nicht traute oder infolge seiner Eroberungen die Hoffnungen höher schraubte, oder ob es gar mit der Erklärung des Versailler Ministeriums über den Kongreß[318] unzufrieden war, kurz, das Ministerium beauftragte den englischen Vertreter im Haag, Yorke, mit der Mitteilung an den französischen Gesandten d’Affry, der König von Großbritannien wäre zum Frieden geneigt und böte seine Hand zur Abhaltung eines Sonderkongresses, falls Frankreich die ungeschmälerte Erhaltung Preußens zur Grundlage der Präliminarien mache. Frankreich antwortete, es wünsche zwar nichts sehnlicher als die Beilegung seiner Streitigkeiten mit England. Da es aber mit Preußen gar nicht im Kriege liege, so könne es über die Interessen des Königs von Preußen nicht zugleich mit denen Seiner Britischen Majestät verhandeln. Mit dieser Antwort schwand die ohnedies schwache Hoffnung, die man auf die ganze Verhandlung gesetzt hatte.

XIII Aus: „The London Chronicle“[319]

Freitag, 2. Mai 1760.

Haag, 26. April. Ein gewisser Graf Saint-Germain, von dem seit über drei Monaten viel gesprochen wurde, ist verschwunden. Auf Antrag einer benachbarten Macht sollen die Generalstaaten einen Verhaftsbefehl gegen ihn genehmigt haben. Er ist nach London entflohen, der Abfallgrube von Paris und Rom.

Montag, 5. Mai 1760.

Der Graf Saint-Germain, der in unserer letzten Nummer als aus Holland hier angekommen gemeldet wurde, ist ein Ausländer, dem der König von Frankreich in seinem Lande Zuflucht gewährt hat. Da er fand, daß die Freiheit, mit der er von den öffentlichen Angelegenheiten sprach, ihn in eine schiefe Lage bringen konnte, verließ er Paris und ging nach Holland, wo er angeblich mit ganz geheimen Unterhandlungen zwischen Frankreich und der Republik betraut war. Herr d’Affry stellte einen förmlichen Antrag, ihn zu verhaften und ihn unter guter Bedeckung nach Antwerpen zu schicken[320], von wo er nach Frankreich gebracht werden sollte. Aber der angebliche Graf bekam rechtzeitig Wind davon und entfloh nach England.

Freitag, 9. Mai 1760.

Der Mann, der in Holland unter dem Namen Graf Saint-Germain auftrat ... und kürzlich in England eingetroffen ist, wurde in seiner Wohnung in London ermittelt und in polizeilichen Gewahrsam gebracht.

Montag, 26. Mai 1760[321].

Rotterdam, 18. Mai. Der Graf Saint-Germain ist in London in Freiheit gesetzt worden und hier eingetroffen[322]. Noch während seiner Gefangenschaft hatte er zahlreiche Unterredungen mit mehreren Mitgliedern des Geheimen Rats, die zu noch weiteren Mutmaßungen Anlaß geben. (Gazette de Bruxelles.)

Montag, 30. Juni 1760[323].

Wie wir aus Paris erfahren, haben mehrere vornehme Personen beim König Schritte zugunsten des Grafen Saint-Germain getan, der so viel von sich reden machte. Seine Majestät war im Begriff, ihm zu verzeihen, als es sich herausstellte, daß der Graf ein Spion des Königs von Preußen am französischen Hofe und sein Vertreter bei Frau von Pompadour war.

Freitag, 22. August 1760.

Wie wir erfahren, hat der berühmte Graf Saint-Germain, der vor kurzem hier war, sich in Altona niedergelassen.

XIV Graf Danneskjold-Laurwigen[324] an Saint-Germain

Kopenhagen, 3. April 1760.

Gern hätte ich den brieflichen Verkehr mit Ihnen fortgesetzt, solange ich nicht das Glück habe, Sie zu sehen. Aber ich kenne leider Ihre Adresse nicht, und ich wagte Sie nicht zu stören, bis der Kammerherr Baron von Gleichen[325] mir versicherte, daß Sie mich mit Ihrem Angedenken beehrten. Nehmen Sie dies als Zeichen meiner Dankbarkeit und meiner Freude an, von neuem Gelegenheit gefunden zu haben, Ihnen für all die Güte und Freundschaft zu danken, womit Sie mich in England beehrt haben. Den Degen, den Sie mir geschenkt, und die Briefe, die Sie mir geschrieben haben, habe ich als einen Besitz bewahrt, der zu kostbar ist, um mich je davon zu trennen, aber die Ehre, daß Sie meiner gedenken, ist zu tief in mein Herz geschrieben, als daß ich diese Gelegenheit nicht benutzte, um Sie der tiefen Achtung zu versichern, die ich Ihrem teuren Selbst schulde. Bitte, geben Sie mir Nachricht von sich und Ihren Wünschen, falls ich Ihnen hierzulande irgendwie dienlich sein kann. Und glauben Sie mir, ich bin so erfreut, meinen Freund wiederzufinden (gestatten Sie mir diesen Ausdruck), daß ich nicht weiß, wie ich Ihnen all meine Dankbarkeit ausdrücken soll. Bitte nehmen Sie diesen Brief freundlich auf und glauben Sie mir, ich kann mit ehrlicher Freude versichern, daß ich bin und zeitlebens sein werde Ihr usw.

GRAF SAINT-GERMAIN IN HOLLAND (1762)

I Aus dem Schriftwechsel des Herzogs von Choiseul[326]

Graf d’Affry an Choiseul

Haag, 23. März 1762.

Der sogenannte Graf Saint-Germain, der vor zwei Jahren mit der angeblichen Vollmacht zum Abschluß eines Friedens zwischen uns und England hierher kam und dessen Auslieferung als Betrüger zu beantragen ich Befehl erhielt[327], hat sich seitdem in den Provinzen der Republik und in deren Nachbarschaft unter fremdem Namen heimlich herumgetrieben. Doch erfuhr ich in den letzten Tagen, daß er unter dem Namen eines Amsterdamer Kaufmanns Noblet ein Gut in Geldern namens Ubbergen vom Grafen von Welderen gekauft und dafür noch nicht mehr als ungefähr 30000 Franken in französischer Währung gezahlt hat. Ich hielt es für meine Pflicht, Sie davon zu benachrichtigen und zu fragen, ob Seine Majestät wünscht, daß ich gegen diesen Mann durch eine neue Eingabe bei den Generalstaaten vorgehen oder ob ich ihn lieber laufen lassen soll, da ja der Hauptzweck meines Einschreitens erreicht ist; denn ich habe ihn derart in Mißkredit gebracht, daß er sich seitdem nicht mehr hervorwagt und sein Leben dadurch zu fristen suchen muß, daß er mit Hilfe seiner chemischen Geheimmittel Gimpel fängt.

Choiseul an Graf d’Affry

Versailles, 10. April 1762.

Wir haben den sogenannten Grafen Saint-Germain für die Unverschämtheit und Betrügerei seines Unterfangens bestraft und müssen es diesem Abenteurer überlassen, sich selbst vollends in den Mißkredit zu bringen, in den wir ihn schon versetzt haben.

II Aus den Aufzeichnungen Hardenbroeks[328]

20. März 1762.

Der sogenannte Graf Saint-Germain wohnt jetzt auf Ubbergen bei Nimwegen. Er besitzt noch eine Art Rittergut in der Nähe von Zutphen. Er hat ein großes Laboratorium in seinem Hause, in dem er tagelang sitzt. Er versteht die schönsten Farben allen nur denkbaren Dingen, wie Leder usw., zu geben, ist ein großer Philosoph und Kenner der Natur. Er spricht sehr schön, erscheint tugendsam, sieht wie ein geborener Spanier von erlauchter Abstammung aus, spricht von seiner verstorbenen Frau Mutter mit großer Ehrerbietung. Manchmal unterschreibt er sich: „Prinz von Spanien“[329]. Er ist stolz.

Er will die Fabriken der Republik fördern, doch ohne die eine oder andere Stadt der Provinz vor den übrigen zu bevorzugen. Amsterdam hatte ihm nämlich für die Erlangung ausschließlicher Vorrechte besondere Vorteile angeboten. Viele Dienste hat er dem Grafen Gronsfeld[330] durch Herstellung und Lieferung von Farben für seine Porzellanfabrik bei Weesp geleistet. Mit Herrn van Rhoon[331] steht er sehr gut, spricht und korrespondiert immer mit ihm. Er führt auch eine außerordentliche ausländische Korrespondenz, ist an allen Höfen bekannt. Von dem verstorbenen Prinzen von Wales[332], der einen schlechten Charakter hatte, wurde er sehr schlecht behandelt. Da aber Saint-Germain unschuldig war, ist ihm bei seiner Freilassung volle Genugtuung gegeben worden[333]. Mit den ersten Leuten in Frankreich hat er in Briefwechsel gestanden, und er spricht viel Gutes von Frau Pompadour usw.

Er ist sehr oft in Amsterdam, kommt viel zu G. Hasselaar[334]. Er besitzt ungewöhnlich schöne Steine, Rubine, Saphire, Smaragden und Diamanten. Man sagt, daß er die Kunst verstände, Diamanten helleres Wasser zu geben und Edelsteine zu verschönern usw. Er ist sehr freigebig, besitzt große Güter in der Pfalz und sonst in Deutschland. In Amsterdam wohnt er einmal im Hotel der vornehmen Welt, dann wieder wo anders und bezahlt überall gut.

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Später, im August 1762, ist er von Amsterdam fortgezogen. Er hat Kleider, Spitzen, ja selbst Geld von dem Perückenmacher Chaudon geliehen, das er ihm binnen acht Tagen zurückzahlen sollte. Er hat ihn jedoch brieflich um weitere acht Tage Aufschub gebeten.

Er hat überdies eine Wohnung in Chambord in Frankreich gehabt[335]. Dort soll er sich geäußert haben, daß er die Tochter eines gewissen Lambert[336] heiraten wolle. Dadurch sind diese Menschen ruiniert worden.

Illustration from Der Graf von Saint-Germain: Das Leben eines Alchimisten

Karl Graf Cobenzl

SAINT-GERMAIN IN DEN ÖSTERREICHISCHEN NIEDERLANDEN (1763)

I Aus dem Schriftwechsel des Grafen Karl Cobenzl[337]

Cobenzl an Kaunitz

Brüssel, 8. April 1763.

Vor etwa drei Monaten ist der unter dem Namen Saint-Germain bekannte Mann hier durchgekommen und hat mich aufgesucht. Ich fand in ihm den seltsamsten Menschen, der mir im Leben begegnet ist. Seine Herkunft kenne ich noch nicht genau; ich glaube jedoch, daß er einer heimlichen Verbindung aus einem mächtigen und berühmten Hause entsprossen ist. Er ist im Besitz großer Mittel, lebt aber äußerst einfach. Er weiß alles und zeigt eine bewundernswerte Rechtschaffenheit und Seelengüte.

In einem zahlreichen Bekanntenkreise hat er vor meinen Augen einige Versuche gemacht, von denen ich Eurer Exzellenz einige Proben senden werde. Die wesentlichsten bestehen in der Verwandlung von Eisen in ein Metall, das ebenso schön ist wie Gold und sich wenigstens ebenso zu allen Goldschmiedearbeiten eignet, ferner in der Färbung und Bearbeitung von Leder in einer solchen Vollkommenheit, daß es alle Maroquins der Welt und die vollkommensten Gerbverfahren übertrifft. Auch die Seiden- und Wollfärberei hat er zu einer bisher unbekannten Vollendung gebracht. Hölzer färbt er in den lebhaftesten Farben, und zwar durch und durch, ohne Indigo oder Cochenille, mit den einfachsten Zutaten und somit sehr billig. Er stellt auch Malfarben her, das Ultramarin so tadellos wie das aus Lapislazuli gewonnene. Schließlich nimmt er den zum Malen verwendeten Ölen den Geruch und stellt aus Rüböl und anderen noch schlechteren Stoffen das beste Provencer Öl her.

Alle diese Erzeugnisse sind vor meinen Augen hergestellt und befinden sich in meinen Händen. Ich habe sie aufs schärfste prüfen lassen, und da ich einen Millionengewinn darin erblicke, habe ich die Freundschaft, die er mir erweist, dazu benutzt, ihm alle seine Geheimnisse zu entlocken. Er überläßt sie mir und verlangt nur einen angemessenen Gewinnanteil, wohlverstanden, erst wenn ein Gewinn da ist.

Da alles Wunderbare notwendig zweifelhaft erscheinen muß, habe ich die zwei Klippen vermieden, mich täuschen zu lassen und mich auf übermäßige Ausgaben einzulassen. Zur Vermeidung der ersten Klippe habe ich einen Vertrauensmann herangezogen, in dessen Gegenwart ich die Versuche vornehmen ließ. Dabei habe ich mich voll überzeugt, daß es mit diesen Erzeugnissen seine Richtigkeit hat und daß sie billig sind. Betreffs des zweiten Punktes habe ich Herrn von Surmont — so nennt sich Saint-Germain jetzt — einen guten, zuverlässigen Kaufmann aus Tournai[338] beigegeben, bei dem er jetzt arbeitet. Die sehr geringen Vorschüsse habe ich durch Frau Nettine[339] zahlen lassen, deren Sohn und Schwiegersohn, Herr Walckiers[340], diese Manufaktur leiten sollen, sobald die Einnahmen aus den ersten Versuchen uns in den Stand setzen, sie ohne Risiko anzulegen. Der Augenblick des Gewinnes steht schon bevor, denn zwei unserer besten Kaufleute, Barbieri und Francolet, sind über die Schönheit der Seidenfarben so entzückt, daß sie mir zur Zeit alle Seiden zum Färben geben, die sie in den hiesigen Provinzen wie in ganz Niederdeutschland vertreiben.

Diese Einzelheiten sind noch sehr unvollkommen, aber ich bitte E. E., sie nur als vorläufigen Bericht über eine Sache zu betrachten, die für die Staatsfinanzen und die Wohlfahrt der Völker Ihrer Majestät von größter Bedeutung werden kann und muß. Zugleich versichere ich E. E., daß ich keine beträchtliche Summe aufs Spiel setzen werde. Bald werde ich ausführlicher berichten und eine genaue Berechnung des Gewinns, die ich schon in Arbeit habe, einsenden. Inzwischen bitte ich um Gutheißung des Geschehenen. Ich glaube mich nicht zu täuschen, wenn ich versichere, daß die Sache für das Wohl der Monarchie von größter Wichtigkeit ist.

Kaunitz an Cobenzl

Wien, 19. April 1763.

Ich will heute nur auf die Wunder eingehen, die der berüchtigte Graf Saint-Germain aus Freundschaft für E. E. vollbringen will. Ich sehe die Dinge aus der Entfernung und somit ohne den Zauber der Aufmachung. Aber Sie schreiben mir von Tatsachen, von unter Ihren Augen gemachten Versuchen, die die strengsten Prüfungen und Untersuchungen siegreich bestanden haben. Was soll man dazu sagen? Nur das eine, daß der Zweifel, ob das alles richtig gesehen wurde, hier um so begründeter ist, weil einerseits auch die gescheitesten Leute auf chemische Versuche hereingefallen sind, und weil andrerseits zwischen Versuchen im Kleinen und der Herstellung im Großen ein himmelweiter Unterschied ist. Ein Modell ist noch keine Maschine, und ein Versuch beweist noch nichts zu Gunsten einer Fabrik, deren Anlage kostspielige Vorbereitungen, unsichere Vorschüsse und sehr teure Betriebseinrichtungen kostet. Ich weiß nicht, was E. E. bereits für den Betrieb im Großen beschlossen haben. Frau Nettine scheint die gleichen Erwartungen wie E. E. an den Erfolg dieser Unternehmung zu knüpfen. Herr Walckiers leitet den wirtschaftlichen Teil, d. h. die Verwaltung. Das kann auch den ängstlichsten Finanzmann beruhigen.

Aber der Charakter des sonderbaren Mannes, der mehr geeignet ist, die Menschen zu betören als sie zu überzeugen, flößt mir kein Vertrauen und keine Sicherheit ein. Beiliegend ein paar Anekdoten über sein Leben. Ich stehe zwar nicht für ihre Richtigkeit ein, doch war ihr Verfasser an den Szenen beteiligt, die sich in Frankreich abgespielt haben. Der Rest ist allgemein bekannt. Das Stück ist in der Tat eine Komödie. Nur fürchte ich ein wenig, wir werden den Stoff für ihren letzten Akt liefern, und darum halte ich es für unklug, für die Inszenierung eine beträchtliche Summe aufs Spiel zu setzen.

Zudem sprechen E. E. sehr zuversichtlich von den Reichtümern des Herrn von Surmont. Welche Gewißheit haben Sie darüber? Welcher Art sind diese Reichtümer? Bestehen sie in Geld, Wertpapieren, Landbesitz, Handelseffekten? Hier sind viele Nebel zu verscheuchen, bevor wir klar sehen. Ich möchte, daß E. E. sowohl über die Grundlage des Unternehmens wie über die Verhältnisse des Erfinders Auskünfte einziehen, um meine Zweifel zu beheben, und daß Sie die mir in Aussicht gestellte Denkschrift durch einen Sachverständigen ausarbeiten lassen, der die Einzelheiten klar und deutlich anordnet und in seinem Gutachten soviel Licht verbreitet, daß wir die Dinge zu beurteilen vermögen.

Alles, was ich Ihnen schreibe, steht noch unter dem ersten Eindruck Ihrer Mitteilung von den Wundern, die Sie uns verheißen. Ohne die von Ihnen angeführten Tatsachen hätte die Sache mich eher belustigt als mir Eindruck gemacht. Aber es kommt gegenwärtig vor allem darauf an, die Interessen Ihrer Majestät nicht aufs Spiel zu setzen. Das muß ich Ihnen besonders anempfehlen. Ich erwarte mit Spannung positivere Auskünfte.

Anekdoten über die wunderbare Persönlichkeit, die sich gegenwärtig in Brüssel aufhält[341]

Vor vier Jahren lebte dieser eigenartige Mann in Frankreich unter dem Namen eines Grafen Saint-Germain.

Er besaß angeborene Beredtsamkeit, sprach mehrere Sprachen fließend, war fein gebildet, verstand den Geschmack, die Neigungen und Schwächen derer zu erfassen, deren Vertrauen er gewinnen will, kannte alle Kniffe und Pfiffe der Adepten gründlich und wußte sich von den Großen am Versailler Hofe bewundern und umwerben zu lassen, ja sogar mehrere geheime Unterredungen mit dem König und der Marquise (von Pompadour) zu erlangen. Er fand solchen Anklang, daß man nicht nur von seiner erlauchten Herkunft überzeugt war, sondern auch glaubte, er werde die Finanzen durch sein tiefes Wissen und seine wunderbaren Geheimmittel wiederherstellen, und Wohlstand werde unter seiner wohltätigen Schöpferhand erblühen. Diese Bezauberung währte eine Weile. Er hielt alle, die sich einen Anteil an seiner Freigebigkeit und an den von ihm versprochenen Wundern versprachen, in einer Art von Ehrfurcht, so daß sie sogar auf das Recht des Zweifels verzichteten. Sie wagten ihm nicht die geringste Frage über die Möglichkeit seiner wunderbaren Geheimmittel zu stellen, um dies schöpferische Wesen nicht zu kränken.

Trotz seiner einstudierten Miene und seines wohl überlegten Benehmens, seiner zurechtgelegten Reden und seines stets auf die Umwelt berechneten Auftretens entschlüpften ihm Unvorsichtigkeiten und Prahlereien, die die Illusion hätten zerstören müssen. Eines Tages vergaß er sich so weit, an einer Tafel, an der die erlauchtesten Personen des Hofes saßen, zu sagen, nur das Haus Bourbon sei ihm auf Erden ebenbürtig.

Ein Mann, der einem seiner größten und erlauchtesten Bewunderer nahestand, sah mit Kummer, wie dieser Herr sich blindlings in die Hirngespinnste des Grafen Saint-Germain verrannte, und wagte ihm gegenüber einige Zweifel zu äußern. Er fand zunächst schroffe Zurückweisung, ließ aber nicht locker und setzte es durch, den Grafen Saint-Germain in seiner Wohnung in Paris überraschen zu dürfen. Er ging tatsächlich hin und fand ihn in einer ziemlich unsauberen Wohnung. Er fragte ihn über seine Geheimmittel aus, bekam von ihm aber nur ein paar Farbproben zu sehen, sowie eine Art von Zauberbuch, eine alte Scharteke mit Angaben über chemische Prozeduren, deren Wertlosigkeit schon bei flüchtiger Durchsicht sofort erhellte.

Diese Feststellungen, die er dem genannten Herrn mitteilte, erschütterten Saint-Germains Kredit. Obwohl er immer nur von seinen Reichtümern, von seinen Geldmitteln an allen Plätzen Europas, von den Schiffen, die er auf dem Meere hatte, und von seiner Beteiligung an allen bekannten Banken erzählte, beging er die Unklugheit, vom Grafen Saint-Florentin ein Landgut für 1800000 Franken zu kaufen und einen förmlichen Kaufvertrag aufzusetzen. An den Tagen, wo die Raten fällig waren, trafen keine Zahlungen noch Wechselbriefe ein, und der Käufer verließ Frankreich.

In Holland angelangt, sprengte er aus, er hätte vom Allerchristlichsten König Vollmacht zu Friedensverhandlungen mit England[342]. Herr d’Affry schöpfte Verdacht, meldete Saint-Germains Äußerungen an seinen Hof und erhielt vom Minister des Auswärtigen Befehl, ihn verhaften zu lassen. Saint-Germain bekam Wind davon und entfloh nach England. Dort hielt er sich nur sehr kurz auf, vermutlich, weil das englische Ministerium, das damals mit dem Versailler Hof unterhandelte, eine Frankreich verdächtige Person nicht aufnehmen wollte. Man riet ihm, das Land zu verlassen.

Seitdem hat die Öffentlichkeit den eigenartigen Mann aus den Augen verloren. Man glaubte, er hätte sich nach Berlin begeben, aber wahrscheinlicher ist es, daß er sich in Holland verborgen hielt.

Kaunitz an Maria Theresia

Wien, 22. April 1763.

In der Generalverwaltung der Niederlande bereitet sich eine Szene vor, deren Ausgang mir so zweideutig erscheint, daß ich mich verpflichtet fühle, Eure Kaiserliche und Apostolische Majestät schon jetzt darauf vorzubereiten, wie ich diese Komödie ansehe.

Aus dem beiliegenden Auszug eines Berichtes des Grafen Cobenzl[343] ersehen E. M., welche Wunder ein seltsamer Mann, der vor vier Jahren unter dem Namen eines Grafen Saint-Germain in Frankreich auftrat, zur Bereicherung Ihrer Finanzen und Untertanen vollbringen will. Graf Cobenzl spricht mit solcher Zuversicht von dem völligen Gelingen mehrerer unter seinen Augen gemachter Versuche. Mehr noch: Frau Nettine geht so hitzig darauf ein, daß ich die Möglichkeit der Sache nicht abzustreiten wagte, obgleich ich versucht bin, das Ganze als bloße Vision und Betrügerei anzusehen. Ich habe den Grafen Cobenzl also aufgefordert, äußerst vorsichtig zu sein, keine Staatsgelder aufs Spiel zu setzen und Nachforschungen über die Reichtümer seines angeblichen Orakels anzustellen, von denen er und Frau Nettine mit solcher Begeisterung, indessen ohne nähere Angaben, sprechen. Zu dem Zweck habe ich dem Grafen Cobenzl die gleichfalls beiliegende Antwort erteilt und die Anekdoten über das Leben des angeblichen Grafen Saint-Germain beigefügt[344], die zu meiner Kenntnis gelangt sind.

Damit habe ich ihre großen Pläne weder verworfen noch gebilligt. Möglicherweise befinden sich unter der großen Zahl von Geheimmitteln, deren Ausbeutung so glänzende Erfolge verspricht, auch ein paar recht brauchbare. Möglicherweise aber löst sich auch alles in Dunst auf. Auf jeden Fall wäre es angezeigt, wenn E. M. den Inhalt meines Berichts geheim halten wollten; denn im ersteren Falle würde Saint-Germain zu sehr eine Entlarvung fürchten, und im zweiten müßte man die Schwachheit der Regierung, die sich von einem Schwindler anführen ließ, mit einem Schleier zudecken.

Eigenhändiges Marginal Maria Theresias

Ich bin völlig überzeugt, daß das von Ihnen entworfene Bild mehr zutrifft als das Cobenzl’sche und daß diese Torheit geheim gehalten werden muß. Ich wünschte, der Minister wäre von ihr geheilt.

Cobenzl an Kaunitz

Brüssel, 28. April 1763.

Auf den Erlaß vom 19. d. M. versichere ich zunächst, daß die Wunder, die ich täglich sehe, so groß und zugleich so einfach und so leicht sind, daß es mich gar nicht wundern würde, wenn E. E. nicht daran glauben wollten. Auch mir fiel es schwer, das zu glauben, was ich selbst gesehen habe und dann andere sehen ließ, die bessere Augen haben als ich. Jedes chemische Verfahren muß selbst denen verdächtig sein, die in dieser Wissenschaft besser Bescheid wissen als ich. Aber wie soll man den Glauben an etwas verweigern, das sich vor den eigenen Augen abspielt, das man selbst macht und das im großen wie im kleinen das gleiche sein muß? Denn es ist doch ausgeschlossen, daß mit einem Mittel, womit ein Stück gefärbt wird, nicht auch hundert Stück zu färben sind. Dazu kommt die völlige Klarheit der physikalischen Gründe, so daß man erkennt, daß Ursache und Wirkung gleich unfehlbar sind.

Wie ich E. E. schon berichtete, sind die Kosten nicht übermäßig, und die weiteren Ausgaben sollen aus dem Gewinn bestritten werden. Zur Verwandlung des Eisens, zum Färben von Holz, Wolle, Seide, Stoffen und Leder sind bereits folgende Einrichtungen getroffen. Wir haben einen guten, zuverlässigen Fabrikanten in Tournai[345] angenommen und lassen dort die nötigen Vorbereitungen treffen. Wir haben ihm den jungen Lannoy beigegeben, den E. E. in Wien oft gesehen haben. Alles wird so weit vorbereitet, daß Frau Nettines Sohn am 15. oder 16. Mai, nach der Rückkehr seiner Mutter von ihrer Reise nach Paris, die sie am 1. antritt, nach Tournai fahren kann, um dort das Verfahren zu sehen, das Geheimnis zu erfahren und die Herstellung zu lernen.

Bevor ich Punkt für Punkt auf die Mitteilungen über unseren Mann antworte, bitte ich E. E. zu bedenken, daß er nichts von uns verlangt und mir sein Geheimnis überlassen will. Seine persönlichen Eigenschaften sind uns ziemlich gleichgültig, wofern er uns sein Geheimnis preisgibt, das ich zum Teil schon besitze und das ich auf die obengenannte Weise ganz erfahren werde. Nur darauf kommt es an.

Ich sprach zuversichtlich von den Reichtümern dieses Mannes. Folgendes weiß ich darüber. Er besitzt ein Landgut in Holland, das zu zwei Dritteln bezahlt ist, und Wertsachen, die der Kaufmann, der sie in Seeland verpfändet hat, auf über eine Million schätzt. Diese Wertsachen läßt er herkommen, um sie bei Frau Nettine zu hinterlegen. Alles soll in einer Denkschrift von berufener Feder ausführlicher dargelegt werden. Bis dahin bitte ich E. E. versichert zu sein, daß ich sparsam und nur im Einvernehmen mit Frau Nettine vorgehen werde.

Ich komme zu den Anekdoten, die E. E. mir gütigst mitteilten. Die großen Fähigkeiten, die man unserem Manne zuschreibt, sind Tatsache, aber, wie ich hinzufügen muß, verachtet er die Adepten, und abgesehen von den Unterredungen, die er mit dem Allerchristlichsten König, der Marquise und den Ministern hatte, besitzt er viele Briefe von der Marquise und den Ministern, von denen er Gebrauch machen könnte, wenn er sich für die Härte rächen wollte, mit der Frankreich ihn behandelt hat.

Er stammt bestimmt aus einem erlauchten Hause, aber das tut nichts zur Sache, und so muß ich ihm gegenüber das Geheimnis wahren, das er mir darüber anvertraut hat. Er prahlt allerdings gelegentlich damit, aber unmöglich kann man an seinen Wundern zweifeln. Ich habe ihm tausend Einwände gemacht, aber er hat sie alle widerlegt: Ursache und Wirkung haben mich völlig überzeugt.

Die unbesonnene Bemerkung, die ihm entfahren sein soll, kann zutreffen. Wie gesagt, ist er in dieser Hinsicht ruhmredig. Ein Mensch, der seine Herkunft verbergen will, macht bisweilen ungewöhnliche Äußerungen, um die, welche ihn ausforschen wollen, irrezuführen. Aber nochmals: das tut nichts zur Sache.

Die Person, die ihn durch Überraschung entlarven wollte, hat ihn nicht gekannt. Er hat tausend Chemikalien in seinem Zimmer, mit denen er gar nichts macht. Er streut sie umher, damit man nicht auf die kommt, die er wirklich benutzt. Bei seinem Charakter wird man ihm sein Geheimnis durch Überrumplung nicht entreißen. Er überläßt es mir aus Freundschaft, und sicher wird er es nicht anders überlassen.

Er spricht von seinen Reichtümern und muß große besitzen; denn überall, wo er war, hat er prachtvolle Geschenke gemacht, viel ausgegeben und nie jemand um etwas gebeten, auch nirgends Schulden hinterlassen. Der Umstand mit dem Landgut des Herrn von Saint-Florentin ist mir nicht bekannt. Aber ich habe Einsicht in Schriftstücke gehabt, aus denen ich den Grund seiner Reise nach Holland ersah. Es handelte sich um folgendes.

Der Marschall Belle-Isle, dem er besonders nahestand, schickte ihn insgeheim nach Holland, um mit dem General Yorke über einen Sonderfrieden zu verhandeln. Das hat er getan; d’Affry wurde eifersüchtig und beschwerte sich lebhaft. Der Herzog von Choiseul war über die Sache wie über die Form aufgebracht und verfuhr gegen Saint-Germain in der allgemein bekannten Weise[346].

Ich habe die Schriftstücke gesehen und finde auf Saint-Germains Seite kein Verschulden. Aber selbst wenn ein solches vorläge, täte es nichts zur Sache; denn hier handelt es sich nur um Erlangung seiner Geheimmittel. Ich habe anfangs gefürchtet, daß Frankreich, nachdem es ihn aus Holland und England vertrieben hat, ihn auch hier verfolgen möchte. Aber er ist schon seit vier Monaten hier, und Frankreich hat bisher nichts unternommen. Daß dies noch geschehen könnte, fürchte ich um so weniger, als Frau Nettine den Grafen Starhemberg[347] und Herrn de Laborde[348] aufklären wird, und diese werden sicher verhindern, daß Frankreich bei uns seinethalben vorstellig wird.

Nach seiner Abreise aus England hat er sich in Holland aufgehalten. Er hatte dort besonders enge Beziehungen zum Grafen Bentinck[349], Herrn van Gronsfeld-Diepenbroek[350] und dem Bürgermeister Hasselaar[351] in Amsterdam. Er hat das Gut Ubbergen gekauft[352], nach dem er sich Surmont nennt. Dort wollte er eine Manufaktur einrichten. Der Zufall führte ihn hierher, und er besuchte mich auf der Durchreise. Seine Kenntnisse in der Malerei und Zeichenkunst bildeten den Anknüpfungspunkt; allmählich kam er auf seine Entdeckungen zu sprechen. Infolge meiner Ungläubigkeit ging er auf Einzelheiten ein. Da ich für Freundschaft empfänglich bin, bezeigte ich ihm die meine und machte ihn mit Frau Nettine bekannt. Die ausgezeichnete Erziehung, die sie ihren Kindern gibt, machte ihm Eindruck, und er schloß sich derart an sie und an mich an, daß ich glaube, wir könnten ihn zu allem bringen.

Das ist seine ganze Geschichte. E. E. werden sobald wie möglich genaue und ausführliche Einzelheiten über alle unsere Versuche nebst den Proben unserer Erzeugnisse erhalten und daraus erkennen, daß die Sache ihre Richtigkeit hat. Inzwischen wollen E. E. überzeugt sein, daß wir uns auf übermäßige Ausgaben nicht einlassen werden, und daß ein glücklicher Zufall uns durch diesen Mann, mag er sein, wer er will, ein Mittel geschenkt hat, um unsere Provinzen zu bereichern und den Staatsfinanzen einen vielleicht über Erwarten großen Gewinn zu verschaffen.

Kaunitz an Cobenzl

Wien, 10. Mai 1763.

Die Auskünfte Eurer Exzellenz zur Behebung meiner Zweifel an all den Wundern, die Herr von Surmont zugunsten unserer Finanzen wirken soll, vermehren nur meine Überraschung. Noch einmal: ich habe gegen Tatsachen nichts einzuwenden und glaube, wie E. E. schreiben, daß man mit einer Chemikalie, mit der man ein Stück Stoff färbt, auch mehrere färben kann. Weniger leicht ist der Nachweis, daß, wenn das Färben eines Stückes nur einen Gulden kostet, das Färben von tausend Stück sich nur auf tausend Gulden beläuft. Zur Herstellung im Großen bedarf es der Vorbereitungen, besonders bei chemischen Verfahren. Dazu kommt die Verwaltung, die Notwendigkeit, seine Geheimverfahren einer großen Zahl von Menschen mitzuteilen, tausend Zufälle, die durch Nachlässigkeit, Untreue oder Faulheit der Arbeiter entstehen, die Preissteigerung der Herstellungsmittel infolge starken Bedarfes. Alle diese Unkosten müssen berechnet und von dem Gewinn abgezogen werden, der aus einem Versuch im Kleinen errechnet ist. Hier gilt nicht die gewöhnliche Rechnung, daß zwei mal zwei vier ist. Deshalb gab ich E. E. zu bedenken, daß zwischen einem Versuch im Kleinen und der Herstellung im Großen ein himmelweiter Unterschied ist, und daß man bei dergleichen Untersuchungen nicht auf einfachen Versuchen fußen kann. Bliebe mir somit auch nicht der geringste Zweifel mehr über das Vorhandensein der wunderbaren Geheimverfahren des Herrn von Surmont, so kann ich mich doch nicht überzeugen, daß sie im Großbetrieb einen so sicheren und gewaltigen Gewinn abwerfen, wie er ihn in Aussicht stellt.

Auch die Geschichte von seinen Wertsachen, die auf eine Million geschätzt und doch in Seeland verpfändet sind, erscheint mir höchst verdächtig. Ein so schwer reicher Mann, der ein ganzes Peru in seiner Brieftasche trägt, verpfändet seine Wertsachen und besitzt ein Landgut, das er noch nicht bezahlt hat! Wie Sie mir zugeben werden, lieber Graf, sind das auffällige Widersprüche.

Aber schließlich halten die von Ihnen gesehenen und von Sachverständigen geprüften Tatsachen mich ab, diesen Zweifeln und Schwierigkeiten ganz nachzugeben. Ich bin nicht überzeugt, aber ich möchte es werden, und deshalb mache ich mir Sorge darüber, daß Sie sich für die Anlage von so kostbaren Manufakturen eine Stadt an der Grenze ausgesucht haben. Sie müssen dort notgedrungen die ganze Aufmerksamkeit und Eifersucht unserer Nachbarn erregen. Auch Herr von Surmont selbst ist dort nicht völlig sicher. Ich bin wirklich überrascht, Herr Graf, daß Sie, der Sie sich als Augenzeuge gewiß mehr von seinen Geheimmitteln versprechen, als ich bisher zu hoffen vermag, nicht gefürchtet haben, den ganzen Kram so aufs Spiel zu setzen, indem Sie ihn in Tournai anlegen. Doch auch das wird seine Gründe haben. Somit erwarte ich mit Spannung Ihre Denkschrift und Ihre Proben.

Cobenzl an Kaunitz

Brüssel, 19. Mai 1763.

Ich will E. E. heute nicht mit langen Einzelheiten über Herrn von Surmont belästigen; denn ich hoffe, bald einen eingehenden Bericht übersenden zu können. Alles Wunderbare oder Unbegreifliche überrascht, selbst wenn man es greifbar vorgeführt sieht. Die vorzügliche Qualität und die Billigkeit muß uns den Vorrang in der Färberei und Gerberei geben. Ich hoffe, die Proben zu erhalten, und werde sie E. E. sofort übersenden. Inzwischen darf ich versichern, daß ich keinen Schritt ohne Frau Nettine tue, und daß wir uns in den Ausgaben beschränken. Als Ort habe ich Tournai bestimmt, weil die Anlage dort billiger ist und ich dort einen Vertrauensmann und Sachverständigen für die Manufakturen (Rasse) habe, schließlich auch, weil ich dort am wenigsten Schwierigkeiten mit den abscheulichen Zünften befürchte. Mein Mann kommt heute aus Tournai zurück und wird in zwei bis drei Tagen mit Herrn von Nettine wieder hinfahren. Dieser letztere allein soll in das Geheimverfahren eingeweiht werden, und dies ist derart, daß weder die Arbeiter noch die Werkmeister es je erraten können. Frau Nettine hat bei ihrer Reise nach Paris nichts Ungünstiges über unseren Mann gehört und sich durch ihre Schwiegersöhne die Sicherheit verschafft, daß wir bei keiner einzigen Unternehmung Widerstand zu befürchten haben. Sobald Herr Nettine das Geheimverfahren kennt, werden wir einen richtigen Vertrag aufsetzen, den ich E. E. zur Genehmigung unterbreiten werde. Damit werden unsere großen Hoffnungen, die ich auf das Unternehmen setze, zur Gewißheit werden.

Brüssel, 27. Mai 1763.

Ich beehre mich, E. E. die Proben von Metall, gefärbter Seide, Wolle, Leder und Holz zu übersenden. Ich habe die Päckchen mit den vom Erfinder versehenen Aufschriften und den von ihm gegebenen Erläuterungen gelassen. Ich hoffe, E. E. werden alles vortrefflich finden. Ich wiederhole nur, daß all diese schönen Färbungen mit den einfachsten Mitteln hergestellt sind, und daß keine Cochenille verwandt ist; somit ist alles sehr billig. Alle anderen Farben sind in gleicher Weise zu erzielen. Grün gefärbte Seide, Wolle oder Holz habe ich nicht gesehen, aber wie mein Mann sagt, kann er auch das machen.

Sehr wichtig ist, wie ich selbst nachgeprüft habe, daß man nach erfolgter Färbung aus dem Farbwasser die schönsten Malfarben, selbst Ultramarin, gewinnt; bisher aber brauchte man zum Blau Cochenille. Der Erfinder glaubt jedoch, ein Verfahren zu finden, wo dies sich erübrigt. Doch ich kann nur für das einstehen, was ich selbst sah.

Nächsten Sonntag[353] fährt er mit Nettine nach Tournai und wird uns alle seine Geheimverfahren angeben. Nettine wird sie selbst ausprobieren, bis er sicher ist, sie nachahmen zu können. Danach werden wir unseren Vertrag entwerfen, und ich werde ihn E. E. zur Genehmigung vorlegen.

Ich brauche wohl nicht hinzuzufügen, daß diese Farben nicht die einzigen sind, mit denen wir färben können. Befehlen E. E. noch andere zu haben, so bedarf es nur der Zusendung einer Probe.

Brüssel, 28. Mai 1763.

Nach Abgang der Proben, die ich E. E. übersandte, übergab mir Herr von Surmont die beiliegende Denkschrift, die zur weiteren Erläuterung dient[354]. Ich hoffe, in einigen Tagen melden zu können, daß er uns seine Geheimverfahren angegeben hat; denn er wird morgen bestimmt mit dem jungen Nettine abreisen.

Dorn[355] an Cobenzl

Wien, 8. Juni 1763.

Der Herr Kanzler wollte heute die drei Briefe E. E. vom 27. und 28. Mai d. J. beantworten, wurde aber durch eine starke Kolik daran verhindert. Ich beehre mich also, E. E. in seinem Auftrage mitzuteilen, daß die Proben von gefärbter Seide und Wolle hier nicht die gleiche Bewunderung erregt haben wie in Brüssel. Das Färben von Holz ist keine Seltenheit und eignet sich nicht zu einem Handelsartikel, der in Wettbewerb mit über fünfzig indischen Holzarten treten muß. Diese sind eine schöner als die andere und sämtlich von einer Überlegenheit in den Farben und auch sonst für die Kunstschreinerei so viel besser geeignet, daß man sie stets Ihren billigen gefärbten Hölzern vorziehen wird. Die Metalle sind das verdächtigste und zugleich das belangloseste von all diesen Wundern. Nur das Leder scheint einige Beachtung zu verdienen. Es werden Musterkarten von gefärbter Seide und Wolle, die wir hier haben, aufgestellt werden. Neben jeder Gattung wird der Preis für ein Pfund vermerkt. Eine andere Musterkarte wird über gefärbtes Leder aufgestellt werden. Die Metalle werden chemisch geprüft und analysiert werden. E. E. sollen alle Auskünfte erhalten, die wir uns über diese Dinge beschaffen können.

Inzwischen aber sind wir weit entfernt, sie für so äußerst gewinnbringend zu halten, wie man es in den Niederlanden hofft. Der Herr Kanzler kann also nicht umhin, E. E. mitzuteilen, daß alle Vorarbeiten, die etwa zur Herstellung im Großen im Gange sein sollten, einzustellen sind, und daß mit Herrn von Surmont nichts abzuschließen ist, bis wir in der Lage sind, Ihnen den ausdrücklichen Befehl Ihrer Majestät hierüber kundzugeben.

Damit soll aber nicht alles verworfen werden. Unter diesen Geheimverfahren befinden sich einige, die, im Kleinen angewandt, wohl etwas Gewinn abwerfen könnten. Aber nach den Proben zu urteilen, befindet sich darunter nichts, dessentwegen man so große Ausgaben aufs Spiel setzen dürfte, wie sie schon die Vorbereitungen zur Anlage eines Großbetriebes vielleicht erfordern.

Herr von Surmont verspricht uns in seiner Denkschrift zwar Fortschritte in der Feinheit und Leuchtkraft der Farben; er müßte aber doch wissen, daß wir uns ein Urteil darüber nur aus den Proben bilden können, und die sprechen so wenig zu seinen Gunsten, daß unsere hiesigen Farben für Seide weit besser sind als die seinen. Es überrascht uns hier etwas, daß man seine Erzeugnisse nicht mit anderen verglichen hat, oder, wenn dies geschehen ist, daß man sich hat täuschen können. Man hat in Brüssel — oder sollte sie doch haben — die prachtvollen englischen und die glänzenden, schönen französischen Farben, mit denen die des Herrn von Surmont keinen Vergleich aushalten. Werden diese doch selbst von unseren Wiener Farben übertroffen. Die Billigkeit kann diesen Mangel nicht aufwiegen; denn entweder will man nur für den Absatz in den Niederlanden arbeiten, und dann ist die Sache gewiß nicht der Mühe wert, oder man will auch ans Ausland verkaufen und dessen Seiden zum Färben ins Land ziehen. Im letzteren Falle würden aber die Frachtkosten und Kommissionsgebühren, der Zeitverlust und zu alledem die Minderwertigkeit der Farben den Gewinn, der aus der Billigkeit entspringen könnte, auf ein Nichts herabdrücken. Das Färben ohne Cochenille und Indigo ist kein Kunststück. Kunckel, Lémery[356] und viele andere sehr verbreitete Bücher geben das Geheimnis und das Verfahren der Herstellung an. Nur wenn man ohne diese Farbstoffe so lebhafte, schöne, leuchtende und haltbare Farben herstellen könnte wie diejenigen, die auf Cochenille, Indigo und anderen teuren Farbstoffen beruhen, so wäre das ebenso ertragreich wie selten. Aber gerade das vermißt man bei den Surmont’schen Proben.

Was ich E. E. mitzuteilen habe, schließt nicht aus, daß Sie Herrn von Surmont in der bisherigen Weise weiter empfangen. Im Gegenteil, man darf ihm kein Mißtrauen zeigen. E. E. wollen nur darauf bedacht sein, nichts zu unternehmen, nichts abzuschließen und keine erhebliche Ausgabe zu machen, bis der Herr Kanzler Ihnen die Absichten Ihrer Majestät über die Gesamtheit Ihrer Unternehmungen mitteilen kann. Hiervon wollen E. E. auch Frau Nettine in Kenntnis setzen.

Dorn an den Kommerzienrat Thys in Klagenfurt

(Wien, 9. Juni 1763.)

Im Vertrauen auf Ihre Einsicht und Rechtschaffenheit möchte der Herr Kanzler Sie über eine Angelegenheit um Rat fragen, die für Ihre Heimat, die Niederlande, ebenso belangreich ist wie für den Dienst Ihrer Majestät. Somit möchten Sie nach Empfang dieses Schreibens oder wenigstens baldmöglichst mit der Post hierher kommen. Die Reisekosten werden Ihnen erstattet.

** *

Über das Ergebnis der Untersuchungen von Thys berichtet Kaunitz am 21. Juli 1763 an Maria Theresia:

„Da es sich um eine Unternehmung handelte, die nach Cobenzls ständig wiederholter Versicherung von größtem Nutzen für den Staat sein sollte, und ich in meinem Eifer dies Ziel sehnlichst herbeiwünschte, ließ ich aus Klagenfurt den Kommerzienrat Thys kommen, um ihn insgeheim zu Rate zu ziehen. Er hatte der hiesigen Beurteilung der Proben von Surmonts Geheimverfahren und der Unzuträglichkeit ihres Staatsbetriebes nichts hinzuzufügen und hielt es gleichfalls für unmöglich, diesen Erzeugnissen einen Absatz zu verschaffen, der den in den Niederlanden gehegten überspannten Erwartungen entsprach. Durch einen praktischen Versuch in Gegenwart des Departements-Referenten[357] stellte er fest, daß die meisten Surmont’schen Farben nicht mal die erforderliche Qualität besaßen. Auch war er überzeugt, daß das Gelb, wenn es auch leuchtender war als das hiesige, gegen das französische und englische Gelb nicht aufkommen kann. Schließlich hatte Surmont in seiner Denkschrift[358] erklärt, daß in den Niederlanden niemals Stoffe aus Ziegenhaar gefärbt worden seien, wie er sie zu färben sich anheischig machte, aber Thys versicherte, er selbst hätte Brüsseler Kamelott in dem gleichen Kübel mit Tuch zusammen scharlachrot gefärbt, und beides sei gleich gut ausgefallen.“

Cobenzl an Kaunitz

Brüssel, 19. Juni 1763.

E. E. erhalten demnächst einen ausführlichen Plan der Manufaktur in Tournai. Wenn die Sache auch nicht so großartig ist, wie ich geglaubt habe, werden hoffentlich E. E. die Überzeugung gewinnen, daß der Versuch sich lohnt.

Kaunitz an Cobenzl

Wien, 21. Juni 1763.

Die Vorstellung, die Sie immer noch von den angeblichen Geheimnissen Ihres Adepten haben, steigert sich nachgerade zur Begeisterung. Das geht über meine Begriffe. Da Sie an Ort und Stelle die gefärbten Stoffe mit den englischen, französischen und holländischen vergleichen und durch sachkundige Kaufleute den Umsatz der Färberei in Europa abschätzen lassen können — wie ist es da denkbar, daß Sie sich einbilden, Ihre Farben, die, bis auf das Gelb, tatsächlich ganz gewöhnlich sind, würden Nachfrage finden oder es ergäbe sich die Möglichkeit zu einem anständigen Gewinn? Dabei spreche ich gar nicht einmal von dem Riesengewinn, den man Ihnen eingeredet hat. Da Sie absolut nichts Neues zu bieten haben, kommt auch ein Monopol gar nicht in Frage, der einzige Weg, auf dem sich Neuheiten wenigstens für eine Zeitlang ausbeuten lassen.

Ihre Hölzer und Metalle sind nur Armseligkeiten — verzeihen Sie mir den Ausdruck, mein lieber Graf! Von dem Holze zu reden, lohnt nicht einmal die Mühe. Was haben Sie mit dem Metall vor? Gesetzt, es eignete sich zur Herstellung von Leuchtern, Lichtputzern, Feuerzeugen usw., wollen Sie für das alles Werkstätten anlegen oder das Metall in Barren oder Blöcken verkaufen? In diesem Falle wird es entweder nachgeahmt, und Sie haben nur die Unkosten davon, oder es kommt in Mißkredit durch die Mängel, die so viele verschiedene minderwertige Verbindungen von Kupfer und Zink in Verruf gebracht haben, wie Tombak, Similor u. a. m., die eines guten Goldüberzuges bedürfen, um erträglich zu sein. Im ersten Falle aber frage ich: Wo ist die Aussicht auf Riesengewinne? Wo ist auch nur die Möglichkeit, die Konkurrenz so vieler, schon bestehender derartiger Fabriken aus dem Felde zu schlagen? Welche Sicherheit haben Sie, auch nur die Anlage-, Verwaltungs- und Betriebskosten zu decken?

Von Ihren Ölen will ich schweigen. Wie ich mir Ihren Abenteurer vorstelle, muß ich glauben, daß es ihm gelingen wird, Ihnen auch hierbei wie bei allem übrigen etwas vorzumachen. Wie, Herr Graf? Jemand, der anderthalb Millionen Vermögen und so wunderbare Geheimmittel besitzt, sollte nicht selbst Gebrauch davon machen, sondern Ihnen aus purer Freundschaft seine Reichtümer ausliefern? Wahrhaftig, ein derartiges Benehmen spricht aller Wahrscheinlichkeit zu sehr Hohn, als daß es auf irgendwen Eindruck machen könnte. Wäre der Mann seiner Sache gewiß, er brauchte Sie nur um Genehmigung zu bitten und dann auf eigene Rechnung zu arbeiten. Aber seine Geheimmittel werden teuer zu stehen kommen, so sagen E. E. jetzt selbst, und doch soll ihre Ausbeutung spottbillig sein. Mich deucht, wir stehen damit vor der Lösung des Knotens, und so erklärt sich auch die Freundschaft, die ihn zu seinen vertraulichen Eröffnungen gedrängt hat.

Wie dem aber auch sei, ich habe Sie rechtzeitig gewarnt, kein Geld auf Kosten Ihrer Majestät aufs Spiel zu setzen. Ich nehme daher an, daß Sie nicht zu weit gegangen sind, und warne Sie nochmals, etwas aufs Spiel zu setzen, bis wir auf Grund Ihrer Denkschrift klar, ganz klar sehen. Erst dann können wir Sie zu beträchtlichen Ausgaben oder kostspieligen Verpflichtungen ermächtigen.

Cobenzl an Kaunitz

Brüssel, 25. Juni 1763.

Ich berichte E. E. ganz gehorsamst über alles, was ich mit meinem eigenartigen Manne abgeschlossen habe. Der Ordnung halber muß ich einen Teil von dem wiederholen, was ich in meinen früheren Berichten gesagt habe.

Der Mann suchte mich hier gleichsam nur auf der Durchreise auf. Trotzdem seine Lebensgeschichte und selbst seine Person in geheimnisvolles Dunkel gehüllt ist, fand ich bei ihm hervorragende Begabung für alle Künste und Wissenschaften. Er ist Dichter, Musiker, Schriftsteller, Arzt, Physiker, Chemiker, Mechaniker und ein gründlicher Kenner der Malerei. Kurz, er hat eine universelle Bildung, wie ich sie noch bei keinem Menschen fand, und er spricht alle Sprachen fast gleich gut, am besten Italienisch, Französisch und Englisch. Er hat fast die ganze Welt bereist, und da er bei all seinen Kenntnissen sehr unterhaltsam war, verbrachte ich meine Mußestunden sehr angenehm mit ihm. Ich kann ihm nur häufige Prahlereien über seine Talente und seine Herkunft zum Vorwurf machen.

Bis dahin drehten sich unsere Gespräche nur um Gegenstände der Bildung und Unterhaltung. Als er aber von seinen Geheimmitteln anfing, mir davon Erzeugnisse zeigte und Hoffnung machte, sie mir mitzuteilen, wollte ich mich nicht länger auf mich allein verlassen und machte ihn mit Frau Nettine bekannt. Sie war von den Talenten des Herrn von Surmont nicht weniger begeistert als ich. Er bezeugte die größte Freundschaft für sie, ihre Familie und für mich selbst, und wir ersahen daraus, daß es nur von uns abhing, in Besitz aller seiner Geheimmittel zu kommen. Also prüften wir eifrig ihre Brauchbarkeit und ersahen aus manchen Proben und den Gutachten aller Sachverständigen, daß sein Metall vielleicht gut ist, daß seine Färbstoffe hervorragend sind, daß seine Hölzer weit besser ausfallen als die in Frankreich gefärbten, daß seine Lederarten von größter Bedeutung sind, und daß seine Hüte einen sehr erheblichen Handelsartikel bilden können.

Je weiter wir mit ihm kamen, desto mehr erkannten wir, daß seine seltenen Gaben Hand in Hand mit äußerstem Eigensinn gingen, daß er unseren Wünschen nur entgegen kam, damit wir uns den seinen anbequemten, und daß es kein anderes Mittel gäbe, seine Geheimmittel zu erlangen, als in die Anlage einer Fabrik zu willigen. Hierzu wählte ich die Stadt Tournai aus den früher genannten Gründen[359]. Doch dazu waren Ausgaben nötig. Um mich darauf einzulassen, hätte es der vorgängigen Erlaubnis bedurft, die ich aber von E. E. nicht erlangen konnte. So sprang denn Frau Nettine mit ihrem gewohnten Eifer ein und erklärte sich, wie sie selbst an den Herrn Referendar schrieb[360], gern bereit, das Unternehmen auf eigene Rechnung zu führen, falls Ihre Majestät es nicht übernehmen wolle.

Die Anlage 1 enthält die Aufstellung der von ihr bereits aufgewandten sowie der noch weiter erforderlichen Summen.

Wir haben also unsere Manufaktur begründet. Der Graf ist mehrfach nach Tournai gereist, und der Kaufmann Rasse, bei dem ich ihn untergebracht hatte, hat ihn mit größtem Eifer unterstützt.

Unterdessen erzählte der Graf uns von seinen Reichtümern, insbesondere von den Wertsachen, die er in Holland hätte. Wir wollten Erkundigungen darüber einziehen, und der Kaufmann aus Nimwegen, sein Geschäftsfreund, veranschlagte sie auf mindestens eine Million. Da der Graf kein Geld hatte und seine Wertsachen herkommen lassen wollte, machte Frau Nettine ihm die in Anlage 2 aufgeführten Vorschüsse. Wir merkten indes, daß der Nimweger Geschäftsfreund mit ihm unter einer Decke stecken mußte; die hier eingetroffenen Wertsachen waren ganz unbedeutend, und was in Holland verblieben ist, besteht nur aus Gemälden, die er sehr hoch bewertet, die aber wenig Wert zu haben scheinen. Außerdem merkten wir, daß der Graf verschuldet war und von seinen Gläubigern in Holland gedrängt wurde. Dazu herrscht in seinen Privatverhältnissen so wenig Ordnung und Sparsamkeit, daß wir angesichts seiner Kenntnisse darüber staunen.

Wir konnten also nur wünschen, ihn loszuwerden, seine Geheimmittel möglichst billig zu erfahren, jede weitere Ausgabe zu vermeiden und die Leitung des Unternehmens einem Manne fortzunehmen, der bei seinem Mangel an Ordnung die Einkünfte in unmäßigen Ausgaben vergeudete. Zu dem Zweck schickte ich den Vicomte von Nettine nach Tournai, damit er sich dort alle Geheimmittel angeben ließ und sie selbst ausprobierte. Sobald ich sicher war, daß wir sie besaßen, schickte ich meinen Neffen[361] mit Herrn Walckiers nach Tournai, um den Handel mit dem Grafen abzuschließen. Das haben sie unter den in Anlage 3 angegebenen Bedingungen getan.

Wir sind jetzt also im Besitz folgender Geheimverfahren: Wir können Eisen in Metall verwandeln. Ist dies Metall gut, so ist es ein Vorteil mehr. Taugt es nichts, so ist die Ausgabe verschwindend, und wir gebrauchen auch nur wenig, da für das zum Färben der Häute erforderliche Wasser nicht viel nötig ist. Aber diese Färberei ist von höchster Bedeutung, und das Metallwasser besorgt nicht bloß das Färben, sondern zieht auch die Häute zusammen, wodurch sie stärker werden und auch kernig bleiben. Wir haben also eine Gerberei eingerichtet, von der in Anlage 4 die Rede ist. Anlage 5 enthält die Gegenüberstellung der bisher landesüblichen Preise für die Häute und der Preise, wie sie sich nach unserem Verfahren stellen.

Wir besitzen das Verfahren zum Färben von Wolle, Seide, Garn, Ziegenhaar und Baumwolle. Die Wichtigkeit dieser Sache ergibt sich aus dem in Anlage 6 dargelegten Preisunterschied zwischen unserem Färbverfahren und dem bisher angewandten. Der Absatz ist sichergestellt; denn unsere größten Kaufleute haben uns bereits schleunigst ihre Tuche, Kamelotte, Seiden und Wollstoffe zum Färben gegeben. Schon dieser Gewerbszweig allein kann Ihrer Majestät beträchtlichen Gewinn und den hiesigen Provinzen unendlichen Segen verschaffen.

Der Rückstand wird danach zum Färben des Holzes benutzt, was ein kostenloser Gewinn ist. Wäre er auch unbedeutend, so verdient er als Reingewinn doch Beachtung.

Die Malfarben, die, wie wir wissen, von französischen Malern ausprobiert sind, bilden ebenfalls einen Reingewinn ohne jede Kosten, denn sie werden nur aus dem Bodensatz der obigen, bereits benutzten Färbstoffe gewonnen.

Die Hutfabrikation schließlich ist auch ein sehr beträchtlicher Posten, wie sich aus Anlage 7 ergibt.

Aus allen diesen Einzelheiten ersehen E. E., welche Verfahren wir erworben haben, welchen Gewinn wir uns davon versprechen können und welche Auslagen wir bereits gemacht haben. Ich brauche nur noch über die weiter erforderlichen Ausgaben zu berichten, was in Anlage 8 ausgeführt ist.

Nun kommt es auf die Allerhöchste Entscheidung an, ob Ihre Majestät das Unternehmen der Frau Nettine überlassen oder es auf eigene Rechnung übernehmen will. Das letztere scheint mir in jeder Hinsicht empfehlenswert. In diesem Falle müßte man Frau Nettine ihre Vorschüsse auf das Unternehmen mit vier Prozent verzinsen und das Kapital nach und nach aus dem Gewinn zurückzahlen. Auch wäre es recht und billig, ihren Sohn zum Generaldirektor des Unternehmens zu ernennen. Er eignet sich dazu besonders durch seinen Eifer und seine Einsicht und als Alleinbesitzer des Geheimverfahrens. Er brauchte nur Seiner Königlichen Hoheit[362] und der Überwachung des Ministers unterstellt zu werden. Der Staatsrat und Lotteriedirektor Walckiers[363] könnte zum Königlichen Kommissar für das Unternehmen ernannt und dies der Lotterieverwaltung angegliedert werden. In Anbetracht des zu erzielenden Gewinns könnte Nettine entweder ein festes Gehalt oder einen Gewinnanteil bekommen.

Ich bitte E. E., mir über dies alles die Befehle Ihrer Majestät zukommen zu lassen, und bemerke nur noch, daß ich in alledem mit höchster Billigung Seiner Königlichen Hoheit verfahren bin und diesen Bericht, den ich ihm vorgelesen habe, nur auf seinen Befehl absende.

BEILAGEN

1. Aufstellung der für die Manufaktur in Tournai ausgegebenen Gelder

Färberei und Lager

Zwei große Häuser, das eine zum Abschweifen der Seide und zum Färben überhaupt, das andere als allgemeines Lager, nebst zwei kleinen anstoßenden Häusern. Kaufsumme in Gulden Kurant

31.035 Gulden. 5 Sols, 4 Pfennig[364]

(NB. Von diesen 31.035—5—4 Gulden sind nur 12.400 bezahlt. Der Rest ist auf die Häuser in Hypotheken zu 4 Prozent aufgenommen.)

Gulden

Ein Haus, das mit dem ersten in Verbindung steht, 3000—

Zum Ankauf eines Geländes zwecks Erweiterung der Wasserleitung, die durch den Garten der Färberei läuft, 630—

Anlagen zur Benutzung der Wasserleitung 1000—

Reparaturen an den vorgenannten Häusern 7500—

Noch im Gange befindliche Reparaturen höchstens 3000—

Ein großer Zinnkübel und Kessel aus Gelbkupfer für die Färberei 5300—

Kleine Kübel aus Zinn u. Steingut, Pressen und anderes notwendiges Färbereigerät 3000—

Drei Zylinder 2000—

Gesamtausgabe für die Färberei 56135—5—4

Gerberei

Gulden

Ankauf eines Hauses für die Gerberei 7800—

Für notwendige Umbauten 9000—

Für die notwendigen Geräte 2500—

Gesamtausgabe für die Gerberei 19300—

Hutfabrik

Gulden

Ankauf eines Hauses für die Hutfabrik 1500—

Vorgenommene und noch vorzunehmende Reparaturen 2760—

Gerät für 6 Walken 1440—

Gesamtausgabe für die Hutfabrik 5700—

Gulden

Ankauf eines Hauses für den Grafen Surmont 13500—

Verschiedene andere Ausgaben

Gulden

Kosten und Gebühren für den Ankauf der obigen Häuser 800—

Verschiedene Ausgaben des Herrn Rasse für die Manufaktur 4500—

Zusammen 5300—

Gesamtaufstellung

Gulden

Ausgaben für die Färberei und das Lager 56135—5—4

„ „ „ Gerberei 19300—

„ „ „ Hutfabrik 5700—

Das Haus für den Grafen 13500—

Verschiedene Ausgaben 5300—

Gesamtsumme Gulden Kurant 99935—5—4

2. Aufstellung der Vorschüsse und Auslagen für den Grafen Surmont

Gulden

Verschiedene Vorschüsse der Frau Nettine 81720—

Auslagen des Herrn Rasse und der Frau Nettine für den Unterhalt des Grafen sowie für seine Reisen nach Tournai usw. 12280—

Gulden Kurant 94000—

3. Vorläufige Bedingungen, die zwischen Graf Cobenzl und dem Grafen Surmont vereinbart sind

Der Graf von Surmont wird lebenslänglich[365] an den jetzt in Tournai errichteten Manufakturen zur Hälfte beteiligt.

Von dem ihm zufallenden Gewinn sind die ihm vorgeschossenen Summen und die für ihn zu machenden Auslagen abzuziehen. Nach erfolgtem Abzug soll er über seinen Gewinn frei verfügen.

Der Graf verpflichtet sich dem Grafen Cobenzl gegenüber noch zur Angabe der Herstellung von Blau und Grün, der Verfeinerung von Ölen, des Krempelns von Leder zur Herstellung von Hüten oder zu jedem anderen, ihm bekannten Gebrauch, sowie zur Bekanntgabe jedes anderen Geheimverfahrens oder jedes geeigneten Mittels, um die Manufakturen zur größten Vollendung zu bringen.

Graf Surmont hat diese Bedingungen unterzeichnet.

4. und 5. Gerberei usw.

Eine Ochsenhaut im Gewicht von 70 Pfund kostet, gegerbt und zugerichtet, einschl. des Arbeitslohns und der Unkosten 14 Gulden 15 Sols. Die Haut verliert gewöhnlich die Hälfte ihres Gewichts und wird mit 9 Sols das Pfund verkauft, somit 35 Pfund = 15 Gulden 15 Sols. Der Gewinn auf jede Haut beträgt 1 Gulden 10 Sols oder 11 Prozent.

Eine Kuhhaut im Gewicht von 45 Pfund, gegerbt und zugerichtet, kostet 7 Gulden 15 Sols. Völlig appretiert wiegt sie nur 15 Pfund und wird das Pfund zu 14 Sols verkauft, also für 10 Gulden 10 Sols. Der Gewinn für jede Haut beträgt 2 Gulden 15 Sols oder etwa 29 Prozent.

Eine Kälberhaut im Gewicht von 12 Pfund, gegerbt und zugerichtet, kostet 3 Gulden. Appretiert wiegt sie nur 4 Pfund und wird das Pfund zu 17,5 Sols verkauft, also für 3 Gulden 10 Sols. Gewinn 10 Sols pro Haut oder 16 Prozent.

1 Dutzend Ziegenfelle im Gewicht von 20 Pfund kommt auf 23 Gulden. Appretiert wiegen diese Häute nur 18 Pfund und werden das Pfund zu 2 Gulden, also zu 36 Gulden verkauft. Gewinn für 1 Dutzend also 13 Gulden oder etwa 55 Prozent.

Mit Sumach in Fett gegerbtes Maroquinleder, gleichfalls im Gewicht von 20 Pfund, kommt pro Dutzend auf 18 Gulden 15 Sols. Appretiert wiegt es nur 16 bis 17 Pfund und wird das Pfund zu 2 Gulden 16 Sols verkauft, also etwa 44 Gulden 5 Sols. Der Gewinn für 1 Dutzend beträgt also 25 Gulden 10 Sols oder etwa 135 Prozent.

Rotes Maroquinleder, mit Galläpfeln gegerbt, kostet im Dutzend bei gleichem Gewicht 32 Gulden 10 Sols. Appretiert wiegt es 12 Pfund und wird das Pfund für mindestens 4 Gulden 15 Sols verkauft, somit 57 Gulden. Gewinn 25 Gulden 10 Sols pro Dutzend oder 68 Prozent.

Ebenso weißes Maroquinleder.

Das alles wird ohne die Geheimverfahren des Grafen Surmont hergestellt, und zwar durch Mittel, mit denen sich noch weit schönere Farben noch billiger herstellen lassen.

6. Färberei

Abschweifen der Seide

Durch das Geheimverfahren des Grafen Surmont sind bereits 50 Prozent Gewinn erzielt; denn die Seide verliert nur ⅛ ihres Gewichts, beim gewöhnlichen Verfahren das doppelte. Außerdem ist es weit billiger, denn das Abschweifen der Seide kostet gewöhnlich 10 Sols pro Pfund, hier aber höchstens 6.

Außer diesen Vorteilen ist die Seide weit schöner, stärker, voller und nimmt die Farbe weit besser an als bisher.

Färben der Seide

Rot. Ein Pfund Seide karmoisinrot zu färben kostet nur 21 Sols, in Antwerpen 42 Sols. Der Unterschied beträgt also 100 Prozent. Die gleiche Menge in Ponceaurot kostet nur 4 Gulden, in Antwerpen 24. Das macht einen Unterschied von 500 Prozent. In Hochrot kostet die gleiche Menge nur 40 Sols, in Antwerpen 12 Gulden; Unterschied 600 Prozent. Feines Kirschrot kostet nur 20 Sols, in Antwerpen 4 Gulden; Unterschied 400 Prozent. Rosa 20 Sols, in Antwerpen 3 Gulden; Unterschied 300 Prozent.

Violett. Ein Pfund Seide in feinem Purpurviolett und anderen Violettarten kostet nur 18 Sols, in Antwerpen 36 Sols; Unterschied 200 Prozent.

Gelb. Ein Pfund Seide in kräftigstem Gelb, z. B. für Litzen, kostet nur 2 Gulden, in Antwerpen 10 Gulden; Unterschied 500 Prozent.

Die anderen Schattierungen entsprechend.

Färben von Tuch, Wolle, Kamelott, Ziegenhaar usw.

Rot. Das Färben von Tuch, Wolle, Kamelott und Ziegenhaar in Karmoisinrot, Hochrot, Scharlachrot und allen feinen roten Farben kostet nur 7 Sols. Hier kosten diese Farben 28 Sols. Der Unterschied beträgt 400 Prozent. Rosa unter 5 Sols, sonst 10 Sols; Unterschied 200 Prozent.

Violett. Tuch, Wolle, Kamelott und Ziegenhaar kosten das Pfund nur 6 Sols, sonst 24; Unterschied 400 Prozent.

Gelb. Tuch, Wolle, Kamelott und Ziegenhaar kosten pro Elle und Pfund nur 2 Sols, sonst 4 Sols; Unterschied 200 Prozent.

Holzfärben

Nach Färben der Seide oder Wolle eignet sich das in den Kübeln zurückbleibende Färbwasser nicht mehr zum Färben von Stoffen, wohl aber zum Holzfärben ohne irgendwelche Unkosten. So wenig Gewinn diese verschieden gefärbten Hölzer also abwerfen mögen, es ist Reingewinn.

Malfarben

Nach dem Holzfärben wird der Färbstoff niedergeschlagen. Auf dem Grunde bleibt eine sehr schöne Malfarbe zurück, die gleichfalls nichts kostet.

7. Hutfabrikation

Graf Surmont besitzt ein Geheimverfahren zur Hutfabrikation, das sehr großen Gewinn bringen kann. Er hat versprochen, es zu zeigen. Aber auch ohne dies Verfahren wird die Hutfabrikation einen sehr anständigen Gewinn abwerfen.

Gattung Bisherige Kosten im Engros- Einkauf in Gulden Künftig, inbegriffen Arbeitslohn und sonstige Unkosten Gewinn

in Gulden in Prozenten

Hochfeiner Biber 9—7—8 7—14— 1—13—8 18

Gewöhnlicher Biber 7—9—8 6—10—8 —19— 13

Halbbiber 5—2—8 4—11— —11—8 11

Gewöhnl. Halbbiber 4—13—8 4—4—8 —9— 10

In Betrieb sind 6 Walken. Jede stellt pro Tag 16 Hüte her, somit tägliche Gesamtproduktion 96, in 250 Arbeitstagen jährlich 24000 Hüte mit einem Gewinn von mindestens 20000 Gulden Kurant.

8. Aufstellung des Personals zur Leitung der Manufakturen

Gulden

Herr Rasse, Direktor 3000

„ de Lannoy, Subdirektor 2500

„ de Lannoy junior für die Korrespondenz 500

1 Buchhalter für die Färberei 500

„ „ „ Gerberei 500

1 Lagerverwalter 1000

Gulden 8000

Cobenzl an Kaunitz

Brüssel, 2. Juli 1763.

E. E. haben jetzt alles Material über unser Geheimverfahren in Händen. Ich erwarte Ihre Entscheidung und möchte zu Ihrem Schreiben (vom 21. Juni) nur noch ein paar Bemerkungen hinzufügen.

In solchen Dingen, glaube ich, täuscht man sich aus der Nähe wohl leichter als aus der Entfernung. Die Gegenwart und Beredsamkeit des Mannes kann blenden. Aus der Entfernung aber sieht man nur die Tatsachen und prüft sie unbefangen. Um aber auch hier unbefangen zu sein, habe ich Sachverständige zu Rate gezogen, und ein jeder hat alle gefärbten Stoffe durchweg für wunderbar erklärt. Die geringen Herstellungskosten geben ihnen gewiß hohen Wert. Unser Tressenfabrikant und Seidenhändler Barbieri, unser Kamelottfabrikant Francolet und unser Tuchfabrikant t’Kint bitten mich kniefällig um Beschleunigung dieser Färberei, die sie für äußerst wertvoll für den Staat halten.

Die Holzfärberei ist ein Nebenprodukt, das keinerlei Ausgaben verursacht. Wollen unsere und die Pariser Kunstschreiner das Holz kaufen, so ist das ein Gewinn mehr; wo nicht, läßt man die Sache fallen.

Ist das Metall gut, wie ein von mir befragter Chemiker glaubt, so kann es einträglich sein; wo nicht, so stellt man nur soviel her, als man zur Herstellung des Wassers braucht, das sich zum Schwarzfärben des Leders vorzüglich eignet. Die Herstellung von hundert Pfund Metall genügt zum Färben von mehreren tausend Häuten. Ich nenne dies Wasser wunderbar; denn ich habe selbst die Probe gemacht und es mit frischem Wasser, im Verhältnis von 1 zu 60, gemischt. Es färbt das Leder augenblicklich durch und durch, und zwar im schönsten Schwarz. Läßt man das Leder ein paar Stunden darin, so zieht es sich derart zusammen, daß eine sehr starke Kuhhaut so dünn wird wie ein Doppelbogen Papier, ohne daß sie die Form verliert. Ich glaube mich nicht zu täuschen, wenn ich sage, daß dies äußerst belangreich ist. Die Hutfabrikation ist ebenfalls wichtig, und das gleiche gilt erwiesenermaßen für die Öle.

Wenn ich von all diesen Tatsachen überzeugt bin, so doch nicht vom Reichtum meines Mannes. Ich sehe ein, daß er mir sein Geheimverfahren überlassen hat, weil er in größter Not war und es selbst nicht verwerten konnte.

Der Eventualvertrag, den ich mit ihm abgeschlossen habe[366], beweist, daß die Geheimverfahren zwar durch die an ihn gezahlten Vorschüsse und die Anlagekosten teuer zu stehen kommen, in der Folge aber tatsächlich nichts kosten; denn diese Summen kommen in Anrechnung auf den dem Grafen Surmont zugesagten Gewinnanteil. Auch habe ich für Ihre Majestät nichts aufs Spiel gesetzt; denn Frau Nettine übernimmt das Ganze sehr gern auf eigene Rechnung. Wenn aber Ihre Majestät, wie ich wünsche, das Unternehmen für sich behält, so ist Frau Nettine bereit, den Vorschuß zum üblichen Zinsfuß von 4 Prozent zu geben.

Würde dies Unternehmen mit dem Lotto und der Lotterie verbunden, so wird sich hoffentlich bald zeigen, daß diese drei Unternehmungen eine beträchtliche Einnahmequelle für die Staatsfinanzen bilden.

Kaunitz an Cobenzl

Wien, 5. Juli 1763.

Auf Ihren Bericht (vom 25. Juni) mit den ärgerlichen Einzelheiten Ihrer Unternehmung in Tournai könnte ich sofort mitteilen, daß Ihre Majestät sich nicht mit einem Pfennig beteiligt[367]. Doch ich will der formellen Entschließung, die Ihnen zugehen wird, nicht vorgreifen.

Ich will auch nicht auf den Wechsel Ihrer Ansichten über die Person und die Geheimmittel dieses Schwindlers hinweisen. Es genügt mir, ihn Ihnen als solchen gekennzeichnet zu haben, trotz dem zuversichtlichen Ton, mit dem Sie von seinen Reichtümern, seinem erhabenen Wissen und von den Millionen reden, die er uns aus Freundschaft[367] für Sie und die Familie Nettine verschaffen will.

Wenn ich auch in meiner Antwort auf Ihren ersten Bericht[368] über Ihre Unternehmungen, der, wie ich jetzt sehe, etwas spät[367] kam, Ihnen nicht unumwunden sagen wollte noch konnte, daß Ihre Begeisterung Ihnen den klaren Blick für die Dinge trüben könne, so gab ich es Ihnen doch — Sie werden sich dessen entsinnen — ziemlich deutlich zu verstehen durch meine Abneigung, den von Ihnen berichteten Tatsachen Glauben zu schenken. Ich gebrauchte den Ausdruck: Gegen Tatsachen lasse sich nichts einwenden als das eine, ob man sie richtig gesehen habe. Zu diesen Zweifeln fügte ich vorsichtshalber die Warnung, die Interessen Ihrer Majestät nicht aufs Spiel zu setzen[369].

Diese Vorsicht war durchaus nötig. Sie schrieben mir damals: „Ich habe Vorschüsse in sehr geringem Betrage[369] durch Frau Nettine geben lassen.“ Heute übersteigt dieser sehr geringe Betrag[369] bereits 190000 Gulden[370]!

Das Bild, das ich Ihnen zugleich von diesem berühmten Abenteurer oder Gauner gab — denn schließlich ist ein Betrüger nichts anderes — blieb offenbar eindruckslos; denn Sie mögen geglaubt haben, das Rätsel zu lösen, wie man seine Talente nutzbar machte, ohne seine Betrügereien fürchten zu müssen. War doch Ihre stete Antwort auf meine Warnungen: „Was kümmern uns seine Fehler, wenn wir nur seine Geheimmittel haben!“

Notes in this chapter

Note 1 · Dodo Heinrich Freiherr zu Inn- und Knyphausen, preußischer Gesandter, und Abraham Ludwig Michell, preußischer Geschäftsträger in London. IhrNote 2 · Vgl. S. 177 ff.Note 3 · Vgl. S. 169 f.Note 4 · Vgl. S. 163.Note 5 · Vgl. S. 169.Note 6 · In das Hauptquartier des Königs in Meißen.Note 7 · Vor seiner Berufung nach London (1758) war Knyphausen von 1751 bis Ende 1756 Gesandter am französischen Hofe gewesen.Note 8 · Weisungen des Königs für die Aufnahme Saint-Germains in Ostfriesland liegen weder im Geheimen Staatsarchiv in Berlin noch im Staatsarchiv inNote 9 · Andrew Mitchell, englischer Gesandter am preußischen Hofe. Er begleitete den König ins Feld. Die Berichte nach dem Abdruck in: „Memoirs and Note 10 · Vgl. S. 172 ff.Note 11 · Vgl. S. 119 ff.Note 12 · Nach dem Abdruck bei J. Cooper-Oakley, S. 141 f.Note 13 · Vgl. S. 154 f. und 169 f.Note 14 · Vgl. S. 191 f.Note 15 · Freiherr Thaddäus Reischach, österreichischer Gesandter im Haag; Graf Wenzel Kaunitz, österreichischer Hof- und Staatskanzler. Die Berichte Note 16 · Vgl. S. 151.Note 17 · Die Antwort der von Preußen und England zum Kongreß eingeladenen Höfe von Wien, Paris und Petersburg. Sie wurde am 3. April 1760 dem PrinzenNote 18 · Graf Georg Adam Starhemberg, österreichischer Botschafter in Paris.Note 19 · Vgl. S. 147.Note 20 · Der Prinzessin Karoline (vgl. S. 171).Note 21 · Vgl. S. 172 ff.Note 22 · Graf Moritz von Sachsen (vgl. S. 60).Note 23 · Der französische Gesandte Martin von Lesseps in Brüssel.Note 24 · Vgl. S. 148 f.Note 25 · Vgl. S. 145 und 172.Note 26 · Vgl. S. 162 ff. und 172 ff.Note 27 · Maria Theresia.Note 28 · Vgl. S. 151 f.Note 29 · Vgl. S. 152.Note 30 · Vgl. S. 177 ff.Note 31 · Kerker.Note 32 · an Laden legen = sich ins Zeug legen.Note 33 · Vgl. S. 169 f.Note 34 · Vgl. S. 146 f.Note 35 · Vgl. S. 160 f.Note 36 · Vgl. S. 160 f.Note 37 · Johann Heinrich Kauderbach, kursächsischer Resident im Haag. Seine Berichte nebst der Antwort des Grafen Wackerbarth-Salmour nach dem AbdrucNote 38 · König August III. von Polen, Kurfürst von Sachsen (1733 bis 1763).Note 39 · Ludwig XV.Note 40 · Vgl. S. 145.Note 41 · König August II., der Starke, von Polen, Kurfürst von Sachsen (1694-1733).Note 42 · Fürst Alexander Golizyn, russischer Botschafter in London. Nach dem Abdruck bei J. Cooper-Oakley, S. 259 ff.Note 43 · Es leben die glücklich Geborenen!Note 44 · Vgl. S. 208 f.Note 45 · Vgl. S. 172 ff.Note 46 · Näheres ist über Macanas und Seckendorff nicht festzustellen.Note 47 · Graf Joseph Anton Gabaleon Wackerbarth-Salmour, kursächsischer Minister und Oberhofmeister des Kurprinzen Friedrich Christian und seiner GemNote 48 · Näheres läßt sich auch über Huldashop und sein Schicksal nicht ermitteln.Note 49 · Vgl. S. 169 f.Note 50 · Yorke.Note 51 · Die Schreiben von Belle-Isle (vgl. S. 145 und 172).Note 52 · Vgl. S. 145 und 172.Note 53 · Vielmehr an die Marquise von Pompadour (vgl. S. 146 f.).Note 54 · Vgl. S. 148 f.Note 55 · Vgl. S. 170.Note 56 · Nach dem „Briefwechsel Friedrichs des Großen mit Voltaire“, hrsg. von Koser und H. Droysen, Bd. 3, S. 97 u. 102 (Leipzig 1911).Note 57 · Holland hatte Breda als Ort für die Friedenskonferenz den Mächten vorgeschlagen.Note 58 · Unübersetzbares Wortspiel: „Le Comte de Saint-Germain n’est qu’un conte pour rire.“Note 59 · Nach den „Werken Friedrichs des Großen“, hrsg. von G. B. Volz, Bd. 4, S. 32 f. (Berlin 1913).Note 60 · Freiherr Georg Ludwig Edelsheim. Er trat später aus preußischen in badische Dienste. Seine Pariser Sendung erfolgte im Februar 1760.Note 61 · Für die Einverleibung Sachsens.Note 62 · Frankreich hatte sich in der Erklärung vom 3. April (vgl. S. 196) bereit erklärt, seinen Zwist mit England durch einen Sonderfrieden zu schlNote 63 · Nach Maynial, S. 264 ff.Note 64 · Vgl. S. 160 f.Note 65 · Für die Nummer vom 14. Mai vgl. oben S. 120 f.Note 66 · Vgl. S. 206.Note 67 · Für die Nummer vom 5. Juni vgl. oben S. 77 ff.Note 68 · Graf Christian Konrad Danneskjold-Laurwigen (1723-1783), dänischer Admiral. Nach dem Abdruck bei J. Cooper-Oakley, S. 267 f.Note 69 · Vgl. S. 47.Note 70 · Nach dem Abdruck bei J. Cooper-Oakley, S. 222 f.Note 71 · Vgl. S. 154 f.Note 72 · Gijsbert Jan van Hardenbroek (1719-1788), Mitglied der Ritterschaft von Utrecht und Deputierter der Generalstaaten. Der obige Abdruck nach sNote 73 · In der Vorlage: pr. d’Es... (= prince d’Espagne). Saint-Germain gab sich für einen Sohn der spanischen Königin Maria Anna, Witwe König KarlsNote 74 · Graf Bertram Philipp Sigismund van Gronsfeld-Diepenbroek, früher holländischer Gesandter in Berlin und Madrid, seit 1761 Mitglied des Rates Note 75 · Graf Bentinck van Rhoon (vgl. S. 162).Note 76 · Prinz Friedrich Ludwig († 1751). Vgl. S. 120.Note 77 · Für Saint-Germains Teilnahme am Aufstand des Prätendenten vgl. S. 119 f.Note 78 · Vgl. S. 168.Note 79 · Vgl. S. 141 f.Note 80 · Vgl. S. 47 f.Note 81 · Graf Karl Cobenzl (1712-1770), bevollmächtigter Minister in den österreichischen Niederlanden. Nach den Akten des Haus-, Hof- und StaatsarchNote 82 · Rasse.Note 83 · Inhaberin eines großen Handelshauses in Brüssel.Note 84 · Österreichischer Staatsrat und Direktor der Lotterieverwaltung.Note 85 · Beilage zu dem Schreiben des Kanzlers Graf Kaunitz an Cobenzl vom 19. April.Note 86 · Vgl. S. 144 ff.Note 87 · Vgl. S. 225 ff.Note 88 · Vgl. S. 227 ff. und 229 ff.Note 89 · Rasse.Note 90 · Vgl. S. 144 ff.Note 91 · Vgl. S. 196.Note 92 · Marquis Jean Joseph de Laborde (1724-1794), französischer Hofbankier.Note 93 · Vgl. S. 162 ff.Note 94 · Vgl. S. 223.Note 95 · Vgl. S. 168.Note 96 · Vgl. S. 221.Note 97 · 29. Mai.Note 98 · Die Denkschrift von Saint-Germain liegt nicht vor. Wie Kaunitz in seinem Bericht vom 21. Juli an Maria Theresia (vgl. S. 264) schreibt, „wieNote 99 · Johann Jakob von Dorn, Hofrat und Referendarius für die niederländischen Angelegenheiten in der Geheimen Hof- und Staatskanzlei.Note 100 · Johann Kunckel (1630-1703), deutscher Chemiker; Nicolas Lémery (1645-1715), französischer Chemiker.Note 101 · Dorn.Note 102 · Vgl. S. 241, Anm. 1.Note 103 · Vgl. S. 239.Note 104 · Das Schreiben der Frau Nettine an Dorn liegt nicht vor.Note 105 · Graf Philipp Cobenzl (1741-1810), später Diplomat und Staatsmann und 1792 Kaunitz’ Nachfolger als Hof- und Staatskanzler.Note 106 · Der Statthalter der österreichischen Niederlande, Prinz Karl von Lothringen (1712-1780), der Schwager Maria Theresias.Note 107 · Vgl. S. 227.Note 108 · Der Gulden zählte 20 Sols, der Sol (Sou) 12 Pfennige (deniers).Note 109 · In der Vorlage unterstrichen.Note 110 · Vgl. S. 254 f.Note 111 · In der Vorlage unterstrichen.Note 112 · Vgl. S. 227 ff.Note 113 · In der Vorlage unterstrichen.Note 114 · Vgl. S. 254.
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