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Der Dunkelgraf

Dritter Theil. (continued 3)

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Kaum war der Hauptmann aus dem Hause und Philipp ihm vom Hof aus nachgefolgt, indem er rasch einen Steeg überschritt und längs des mit hoher Planke umfriedeten Wiesengartens abwärts, dem Bache der Rodach nachging, so winkte Pachter Kaiser einem Knecht im Hofe und gebot ihm, hinüber in das Dorf zu laufen, die Bauern zur Hülfe zu rufen, und wenn es sein müßte, selbst die Sturmglocke ziehen zu lassen.

Der Hauptmann verschwand unter den Weiden, die ziemlich dicht an einer Stelle der Thalwiesen standen. Als er sein Blut beruhigt glaubte, kehrte er wieder um, – da stand Philipp vor ihm, wie aus der Erde gewachsen und vertrat ihm den Weg.

Die versprengten Soldaten im Schlosse hielten sich ruhig, sie fielen mit der Gier halbverhungerter Menschen über die Speisen und Getränke her, die man ihnen willig reichte; indessen sammelte sich bald ein Bauernhaufe vor dem Schlosse, mit allerlei Schießgewehr, Säbeln und Dreschflegeln.

Als der Pachter diesen Succurs anlangen sah, rief er den Soldaten zu, daß sie nun suchen sollten davonzukommen.

Die Franzosen riefen vergebens nach ihrem Kapitän, den sie erst jetzt vermißten. Bald sahen sie ein, daß sie dieser Uebermacht gegenüber den Kampf nicht wagen dürften. Die Bauernschaar verstellte den Flüchtigen den Weg ins Dorf und nach der Stadt, nöthigte sie einen Feldweg einzuschlagen, der sich gleich hinter dem Schloß und den Gutsgebäuden nach Streifdorf und südwärts zog, und gab ihnen unter deutschen Kernflüchen noch eine Strecke weit das Geleite.

Mittlerweile sank die Herbstnacht in das Thal herab; die laut plaudernde Bauernschaar kehrte nach ihrem Dorfe zurück und bald wurde es wieder ganz still um das Schloß, ja recht todtenstill, nur die Wellen der Rodach unterbrachen das tiefe Schweigen ringsum.

Jetzt kam Philipp langsam von der Wiese her nach dem Hause geschlichen, der Verwalter erschrak über seinen Anblick, denn Jener war bleich wie der Tod, stöhnte, hielt sich die Seite und konnte nur stammelnd mit gepreßtem Athem den Ruf nach dem Chirurgen hervorbringen. – Er mußte sogleich zu Bette gebracht werden.

Voll Bestürzung eilte der Graf herbei und ihm erzählte dann Philipp unter heftigem Schmerzgestöhn, was sich zwischen ihm und dem französischen Hauptmann auf der Wiese hinterm Schloß, dicht am Ufer der Rodach, begeben habe. Auf den ersten Blick hatte er in Jenem den abscheulichen Berthelmy wieder erkannt und der Gedanke, daß derselbe nicht lebend das Schloß wieder verlassen dürfe, stand sogleich sicher vor seiner Seele. So ging er ihm nach, so vertrat er dem Feinde den Weg, und warf sich mit einer wahren Tigerwuth auf ihn. Berthelmy, ein kräftiger Mann, wehrte sich verzweiflungsvoll, aber Philipp gab die Rache Riesenstärke; bald war der verruchte Mörder der herrlichen Angés völlig in seiner Gewalt, Philipp’s Faustschläge betäubten ihn und obwohl es Jenem noch gelang, seinen Angreifer mit einem Stilett tief in der rechten Seite zu verwunden, so achtete Philipp dessen doch nicht, und auf Berthelmy’s Brust knieend, drückte er ihm so lange die Kehle zu, bis derselbe kein Glied mehr regte. Dann schleifte er den Leichnam an den Haaren nach der nahen Rodach und warf ihn in den dunkelschäumenden Bach.

Graf Ludwig schauderte bei diesem Schreckensbericht, der Zustand des treuen Dieners ließ ihn jedoch jeden anderen Gedanken, jede andere Betrachtung zurückdrängen. Er sandte sogleich einen reitenden Boten nach dem Arzt in die Stadt, als aber dieser eintraf, hatte sich der Zustand des Kranken bereits so sehr verschlimmert, daß der Arzt an seinem Aufkommen zweifelte. Berthelmy’s Stilett hatte noch einmal, zum Letztenmal den Weg zu dem Sitze eines edlen Lebens gefunden, unter unsäglichen Schmerzen gab Philipp in der Nacht den Geist auf, aber erst einige Wochen nach seinem Tode fand man die Leiche des von ihm erdrosselten Berthelmy in den Weidengebüschen der Rodach auf.

10. Stillleben.

Wo bliebe ein irdisches Dasein von den Stürmen des Schicksals unberührt? Und wo blühte das Menschenleben, dem alle Hoffnungen sich erfüllten? Auch hinter Ludwig und Sophie hatte sich damals, als sie das Schloß von Eishausen bezogen, die Welt der Stürme und der herben Geschicke nicht völlig abgeschlossen, aber dennoch waren sie glücklich; der Himmel verlieh ihnen Mäßigung, jene kleinen Leiden als das Unabwendbare zu ertragen, und Tugend, großer Freuden würdig zu sein. So schwanden ihnen die Jahre dahin, nur ihre Herzen und deren treuer Liebesbund alterten nicht.

Eines Tages, als Sophie eben ihre Lieblinge, die Katzen fütterte, trat Ludwig mit einem Briefe zu ihr und sagte mit einer recht bitter ironischen Miene: Mein Berichterstatter aus der Heimath, Herr Rath Wippermann, früher Secretär meines Vetters, des Reichsgrafen, der so gütig ist, mir zuweilen mitzutheilen, wie es zu Hause steht, meldet mir als neueste Neuigkeit, daß Seine Erlaucht, Graf Wilhelm, sich bewogen gefunden hat, über alle und jede Hindernisse sich zu erheben, und seiner mit Madame Sara Margarita Gardes eingegangener Gewissensehe jetzt auch das öffentliche, kirchlich und weltlich gültige Sigill aufzudrücken.

Was ist das? fragte Sophie: Ich verstehe diese Ausdrücke nicht, bester Ludwig?

Der Graf schlug den Brief auseinander und las: »Seine Erlaucht haben sich am achten September achtzehnhundertsechzehn mit unserer nunmehrigen, allgemein verehrten Frau Reichsgräfin in Höchstihrer Herrschaft Kniphausen, und zwar zu Accum, in der dortigen Kirche reformirter und zugleich eigner Confession feierlich copuliren lassen.«

Ich meine, der Reichsgraf habe daran Recht gethan? bemerkte Sophie.

Nicht anders, und ich lobe ihn auch drum, versetzte Ludwig. Er folgt der Eingebung seines Gemüthes und verachtet die Formen des alten Herkommens.

Wird aber diese Ehe nicht angefochten werden von den Agnaten des Hauses? Werden diese ihr volle Gültigkeit zugestehen? fragte Sophie weiter.

Angefochten? Ganz sicher; denn der Streit darf ja nicht enden, der Hader nicht schweigen, ich habe ja diesen furchtbaren Fluch ausgesprochen, aber ein hoher Trost ist im Buche aller Bücher enthalten, welcher lautet: »Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet, denn nachdem er bewähret ist, wird er die Krone des Lebens empfahen.« Mein Vetter ist treu und beharrlich, das freut mich wahrhaft, er setzt seinen Willen durch trotz aller widrigen Schicksale, die ihn betroffen, und Niemand hat ein Recht, ihn zu tadeln, daß er seinem Herzen folgt, daß er der Frau, die er wahrhaft liebt, daß er der Mutter seiner Söhne, und dadurch den letzteren selbst die Rechte gibt, die ihnen gebühren, die aber ganz sicherlich auf das Heftigste werden angefochten und bestritten werden.

Ich verstehe Nichts von dem Recht und den Rechten solcher alten deutschen Familien, sprach Sophie. Ich glaube auch nicht, daß in allen Ländern so strenge und peinliche Ansichten und Gesetze herrschen. Du selbst hast mir früher einmal erzählt, daß man hierüber in England ungleich vernünftiger denke, wie in Deutschland. Auch in Frankreich herrscht für die Herzen mehr edle Freiheit.

Unsere deutschen Gesetzgeber sind sammt und sonders Juristen, deren Zöpfe so lang und unförmlich sind, wie das weiland römische Reich selber. Da darfst du nicht nach Gefühl und nach dem Herzen fragen, sondern nur nach Pergament und Schweinsleder. Es ist ein Jammer damit und wird es ewig bleiben, wenn nicht einmal am guten Tag ein reformatorischer Titane von Gott berufen den ganzer Plunder des alten sogenannten römischen Rechts mit all’ seinen Pandekten, Institutionen, Digesten, Glossen und wie das Zeug weiter heißt, aus Deutschland hinausfegt, und an die Stelle der Verdrehung, der wälschen Wortklauberei, Spitzfindigkeit, Lüge und Fälschung den Altar des einfachen urheiligen Naturrechts und der ewigen Wahrheit errichtet. So lange wir Deutsche noch berechtigt sind, mit Goethe zu klagen:

Es erben sich Gesetz’ und Rechte, Wie eine ew’ge Krankheit fort; Sie schleppen von Geschlecht sich zum Geschlechte, Und rücken sacht von Ort zu Ort. Vernunft wird Unsinn, Wohlthat Plage, Weh dir, daß du ein Enkel bist! Vom Rechte, das mit dir geboren ist, Von dem ist leider! nie die Frage.

so lange wird es auch mit unsern Rechtszuständen nicht besser werden. Und liegt nicht, um das nächste Beispiel aufzugreifen, selbst für mich in diesen Goethe’schen Worten eine unendliche Wahrheit? Sind die Processe im reichsgräflichen Hause nicht eine ewige Krankheit? Rücken sie nicht sacht fort, und wie sacht! Langsam, langsam, wie der Gletscher im Alpenlande, der sich fast unmerklich vorschiebt und im Weiterschreiten rings um sich alles Leben erstarren macht, alle Hoffnung raubt, alle Liebe ertödtet. Ist es nicht naturgemäß und vernünftig, daß der Sohn des Vaters Erbe sei? Aber das stets naturwidrige starre Recht wandelt diese Vernunft in Unsinn, sie knüpft an tausend Clauseln, Formeln und Bedingungen das Erbrecht an, und macht die Söhne der reinsten Liebe zu ausgestoßenen, ja durch die Geburt schon im Mutterschooße gebrandmarkten Bettlern. »Wohlthat wird Plage.« Weißt du, daß Hofrath Brünings mir einen Proceß an den Hals werfen wollte wegen des Falken von Kniphausen? Ich sollte mein Recht auf dieses Geschenk der Großmutter sonnenklar documentiren, sollte schwören, daß der Falke rechtlich mein sei, ich sollte mich vor Gericht stellen, sollte in meiner schönen Einsamkeit die ganze Plage der Verhandlungen mit Advocaten haben und durch diese Gabe der unvergeßlichen Frau das centnerschwere Gewicht jener Worte Goethe’s empfinden:

Weh dir, daß du ein Enkel bist!

Zum Glück hat mein Vetter, der Reichsgraf, jener diplomatischen dänischen Spinne zu verstehen gegeben, daß sie ein giftiger Kanker ist, und mich in Ruhe lassen solle, zumal ich ja ohnehin auf das Recht verzichte, »das mit mir geboren ist«.

Du wolltest mir längst Ursache und Ursprung jener Streitigkeiten mittheilen, lieber Ludwig, sprach Sophie: welche seit so langer Zeit in deiner Familie erblich sind. Nicht, daß ich neugierig darnach fragen will, aber um des Dichters Ausspruch zu widerlegen »und doch einmal die bestrittene Frage nach jenem Rechte zu erheben, von dem die Frage ist.«

Ich werde dir diese äußerst verwickelten Verhältnisse in gedrängtester Kürze mittheilen, meine theuerste Freundin, antwortete Ludwig. Es sind sehr viele Schriften darüber vorhanden, und kam jemals in Deutschland »ein lautes Geheimniß« wie Calderon eines seiner Stücke nannte, vielfach zur Aufführung, so ist es das unseres Hauses. In der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts lebte Einer der Ahnherren, des Namens Anton Günther, als der letzte des Stammes der Grafen von Oldenburg und Delmenhorst. Es war der Sohn jenes Grafen Johann des Sechzehnten, dem die Erbtochter von Brabant, Marie, ihre Grafschaft Jever schenkte und vererbte. Wenn sein Stamm mit ihm ausstarb, so fielen die Güter, welche Mannslehen waren – mit Töchtern war das Haus in Ueberfülle gesegnet – an das stammverwandte Königshaus Dänemark, und sein Sohn, der mit einem deutschen Freifräulein außerehelich erzeugt war, ging leer aus. Da nun dennoch dieser Sohn ein tüchtiger Mann zu werden verhieß, so verschaffte ihm der Vater erst den Adel, dann die Erhebung in den Reichsfreiherrnstand, er hieß nun Freiherr von Aldenburg und edler Herr zu Varel, und endlich erwirkte der treugesinnte Vater ihm sogar die Würde eines Grafen des heiligen römischen Reichs mit ausnehmend schönen Begabungen und Bevorzugungen, wie sie gar nicht besser zu wünschen waren, zum großen Verdruß der Seitenverwandten, der Könige von Dänemark und des Herzoghauses von Holstein-Sonderburg und Holstein-Plön, ja sogar das Münzrecht wurde ihm verliehen, und als der Vater endlich in seinem vierundachtzigsten Jahre starb, so gebot der Sohn, Reichsgraf Anton der Erste, über sehr ansehnliche Herrschaften, über die Herrlichkeiten Kniphausen und Inhausen, über die Herrlichkeit und das Amt Varel, über die Vogtei Jahde, und eine Menge einzelne Allode, das sind freieigene Güter, die keinem Oberherrn zu Lehn gehen, oder Familienfideicommisse. Dieser Graf vermählte sich in zweiter Ehe mit der Großmutter meiner Großmutter, welche letztere du, liebe Sophie, in Hamburg kennen lerntest, starb aber schon acht Monate vor der Geburt seines einzigen Sohnes von der zweiten Gemahlin; von der ersten hatte er nur Töchter, welche in die Familien Güldenlöwe, Gödens, Haxthausen, Bielcke und der Grafen von Wedel heiratheten. Es erhoben nun, während die gräfliche Wittwe in Doorwerth residirte, Dänemark, Holstein und Oldenburg verschiedene Ansprüche auf das Erbtheil, bis zu deren abermaligem Verdruß der Sohn erschien, und wackere Vormünder diesem seine Rechte wahrten; gleichwohl gab es der Verclausulirungen dabei eine Ueberfülle, welche dir mitzutheilen, äußerst langweilig und unerquicklich sein würde; nur ein Hofrath Brünings und ein Rath Melchers können Honig aus dieser Distel saugen! – Leider war auch dem Sohne, der sich zweimal vermählte, kein hohes Lebensziel zu erreichen beschieden und er starb ohne Söhne, nur eine einzige Tochter hinterlassend. Diese Tochter war meine selige Großmutter, die gütige Pflegerin meiner Jugend, die großmüthige Beschirmerin meiner Jünglingsjahre, deren Andenken ich dankbar segnen werde, so lange ich noch zu denken und zu segnen vermag. Weil die meisten Güter Allode und Familienbesitzthum waren, konnten dieselben meiner Großmutter nicht entrissen werden; sie vermählte sich mit einem in Holland geborenen, aber aus Deutschland, aus der Pfalz, unserer Angés Heimath, abstammenden Edelmann, mit dem sie jedoch nicht in glücklicher Ehe lebte, vielmehr sich von ihm trennte und Noth hatte, sich gegen Angriffe von allen Seiten her tapfer zu wehren, nächstdem, daß auch mannichfache Streitigkeiten in der Familie ihres Gemahls dazu beitrugen, ihr das Leben sauer zu machen. Sie war voll Kenntniß, Wissen, Geist und Gelehrsamkeit; sie stand mit den gelehrtesten Männern Europas im Briefwechsel, besonders über Alterthums- und Münzkunde, und weilte oft lange Zeit am Berliner, wie am Wiener und am französischen Hofe. Am Berliner Hofe betrieb sie ihre Angelegenheiten trotz eines Diplomaten, und hatte vielen Verkehr mit Voltaire. Die bedeutendsten Namen jener Zeit am Hofe zu Berlin und Potsdam sind erwähnt in einem Bruchstück ihres fast ganz verloren gegangenen umfassenden Tagebuches; bald speiste sie mit dem König, bald mit der Königin, bald mit dem Prinzen von Preußen, oder empfing Besuche hoher Personen, wie des Markgrafen von Bayreuth; schon ein flüchtiger Blick in diese Blätter begegnet einer Menge Namen von Grafen und Gräfinnen, Ministern, Künstlern, Gelehrten; das wirrt durcheinander, wie das Maskengewimmel eines großen Ballsaales. Schwerin, Arnim, Dankelmann, Voltaire, d’Argenteau, Algarotti, Maupertuis, Grumbkow, Bismark, Pannewitz, Schmettau, Knesebeck, Nöllnitz, Schulenburg und zahlreiche Andere. Dort traf die Großmutter auch zusammen mit einem nahen Verwandten ihres Gemahls, dem Vater des jetzigen Herzogs von Portland, den sie stets Mylord William nennt. Unter Anderem schrieb sie: »Tyrconel,« dies war der Name eines Gesandten, »jagte mir großen Schrecken ein, daß Frankreich ohnfehlbar gegen mich sei, und daß er nichts Gutes voraussehe.« An einer andern Stelle heißt es: »Am Hofe der regierenden Königin traf ich den Grafen von Bentheim-Steinfurth, der mir gleichfalls einen großen Schrecken verursachte. Ich versprach ihm, ihn zum Markgrafen Heinrich zu führen.« An einer dritten Stelle schreibt sie: »Voltaire sollte bei mir diniren, er mußte aber nach Potsdam zurückkehren und konnte sich nur eine Stunde bei mir aufhalten. Kurz darauf besuchte er mich wieder und beruhigte mich in Betreff des Königs. Ich schrieb nun selbst und sandte meinen Läufer nach Potsdam; am folgenden Tage kam derselbe mit guten Nachrichten vom König zurück.« – So war ihr Leben ein außerordentlich bewegtes, bis sie sich endlich auf ihre Schlösser zurückzog, und auf diesen oder in ihrem Hause zu Hamburg der Wissenschaft lebte. Ihr Enkel, der Reichsgraf, dessen Schicksale du ja größtentheils bereits kennst, mußte erleben, daß bereits in Folge des Friedens von Campo Formio sein Lehensverband zwischen dem Herzogthum Brabant und der Herrschaft Kniphausen sich löste, daß der französische König von Holland alle seine Besitzungen und Herrschaften in Ostfriesland militärisch besetzte, daß der Tilsiter Friede Jever, nachdem Rußland es abgegeben, an Holland brachte, und daß Kaiser Napoleon seinem Bruder, dem König von Holland, über Varel und Kniphausen die Souveränetätsrechte verlieh, die dem rechtmäßigen Gebieter durch dessen Mediatisirung entrissen worden waren. In dem Jahre 1811 verschlang das nimmersatte Kaiserreich Alles, wie es war, große Lande und kleine Ländchen, Holland, Oldenburg, Varel und Kniphausen. Dafür bekam der Graf den Union-Orden, der ihm, nach Vereinigung Hollands mit Frankreich, in den Reunion-Orden umgewandelt wurde. Der Graf wünschte ganz andere Wiedervereinigungen herbei, als das Verhängniß der Napoleonischen Herrschaft ihr Mene Tekel schrieb; allein ein gewisses Vorhaben mißglückte ihm; er wurde in Haft genommen und von Vandamme mit dem Tode bedroht. Nur der Reunion-Orden war es, der ihn rettete und schützte. Gleichwohl wurde er verbannt, und über seine Güter die Confiscation verhängt. Erst das Jahr 1814 befreite ihn; mittlerweile hatte Oldenburg die Herrschaften in Besitz genommen und wollte dem Grafen nicht einmal die Rechte eines Mediatisirten zugestehen. Darüber entstanden Prozesse, die noch immer schweben und den Grafen der Verarmung mehr und mehr zuführen. Wie wunderbare Geheimnisse doch in der deutschen Sprache ruhen! Sie sagt nicht: ein Proceß sitzt, steht, liegt, nein, sie sagt: er schwebt, wie ein Raubvogel, ein Falke, Habicht oder Geier in den Lüften schwebt, und mit scharfem gierigen Auge herab auf seine sichere Beute blickt – und zuletzt – da ruht der Proceß, wenn er endlich aus ist, wie wir auch ruhen, wenn es aus ist mit uns; mir ahnet aber, daß die Processe unseres Hauses eine wahrhaft Ahasverische Natur in sich tragen und immerdar schweben werden, gleich bösen Nachtgeistern.

Welche traurige Aussicht! rief Sophie mit Theilnahme. Wie froh bin ich, daß du, mein Theurer, losgerissen bist von jenem Hause und seinen Geschicken!

Ich kann auch froh sein und bin es vom Grunde meines Herzens, ich will nichts wissen von Processen! antwortete Ludwig. Jetzt hat der Graf von seiner Sara drei Söhne, diese wachsen heran, sein Bruder, Graf Johann Carl hat auch drei Söhne; gib Acht, noch einige Jahre, und die letzteren werden die legitime Abkunft der ersteren bestreiten, und wir können noch einen Kampf der Horatier und Curiatier erleben, freilich nicht mit Schwertern, sondern mit Advocatenfedern, aus den großen Schwebeschwingen des vorhin genannten Raubzeugs; Blut wird dabei nicht fließen, aber außerordentlich viele Tinte, und diese wird noch fortfließen, wenn längst unser Lebensnachen am umdunkelten Strande des Schattenreichs gelandet ist.

So machte der Graf häufig der Geliebten Mittheilungen aus seiner und seiner Familie Vergangenheit, und wie Vieles ließ sich für sie nicht daraus lernen. – Da die Zeit es ihm außerdem vergönnte, so las Ludwig sehr viel, und machte sich bewandert in schöner Literatur, Philosophie und Geschichte. Auch Physik blieb ihm nicht fremd. Es wird erzählt, der Graf habe sich auch viel mit Meteorologie beschäftigt, wozu des Hauses Höhe sich gut eignete; eine Hausapotheke bot jenen Bedarf einfacher Mittel in leichten Krankheitsfällen, deren Besitz und Kenntniß dem Landbewohner von großem Vortheil ist.

Der unmittelbar nächste Nachbar des Schlosses war der Kammergutspachter, und der Graf empfand durch ihn hinlänglich die Wahrheit des Dichterwortes:

Es kann der Beste nicht in Frieden leben Wenn es dem schlimmen Nachbar nicht gefällt.

Wie sich bei Anwesenheit des flüchtigen französischen Hauptmanns und seiner Handvoll Leute die rohe Bauernnatur in Verhöhung des Unglücks von Seiten dieses Mannes offenbart hatte, so zeigte sich sein Charakter auch gegen jeden Andern. Der Geschäftsträger nannte ihn in Briefen an den Grafen »Monsieur Grobian«, und der Graf selbst schrieb in einer seiner häufigen Beschwerden, daß die Bauern diesen Mann nur den »kleinen General« zu nennen pflegten, wahrscheinlich, weil derselbe ein absolutistisches Commando auf seiner Pachtung führte. Obschon er von dem Bewohner des Schlosses nur Vortheile hatte, und dieser sich gegen ihn und die Seinen stets gütig erwies, trat immer auf’s Neue die bäuerische Grobheit und Habsucht in unverschämten Forderungen zu Tage. Des Grafen Pferde konnten nicht wohl anders in Stallung und Futter gegeben werden, als auf dem Gute. Unversehens beliebte es dem Pachter, die reichliche Bezahlung dafür noch zu steigern. Da sandte der Graf noch in der Nacht zum Schulzen, ließ ihn wecken und rufen, und verkaufte ihm die herrlichen Rappen um einen Drittheil ihres Werthes; vielleicht auch schon dadurch verstimmt, daß der nach Philipp’s Tode zum Kutscher angenommene junge Mensch sich untauglich erwies. Dem Pachter wurde aber nach wie vor Stall- und Futtergeld fortgezahlt, damit er fühle, daß nicht des Geldes halber die Pferde abgeschafft seien, sondern daß man blos seiner Unverschämtheit sich unterzuordnen nicht geneigt gewesen sei.

Um sich und Sophien für die Entbehrung der Spazierfahrten zu entschädigen, miethete der Graf einen großen Wiesengarten, dicht vor dem Schloß, in welchem ein kleiner Beetgarten gelegen war. Zwischen dem Schloß und dem Garten rauschte die Rodach hin, von einem langen Steeg überbrückt. Hohes Buschwerk von Weiden, Ulmen und Rüstern friedeten diesen Wiesengarten ein, durch welchen der Graf einige Wege anlegen ließ, damit derselbe ihm und der Freundin künftig zu Spaziergängen diene; eine Bretterwand von 8 bis 10 Schuh Höhe wurde neu angelegt, um der Außenwelt den Einblick in das schöne Geheimniß dieses friedlichen Stilllebens zu wehren.

Dieser Garten nun war die stille Insel, auf welcher in schöner Jahreszeit Ludwig und Sophie sich täglich ergingen. Klösterlich abgeschlossen gegen die Außenwelt, ganz sich selbst lebend, sich selbst genügend, genossen sie die einfache Schönheit dieser ländlichen Einsamkeit. Eine Geißblattlaube, von einem Fliederbaum überschattet, bot das trauliche Ruheplätzchen, wo sich plaudern und lesen, arbeiten und ruhen ließ. Frieden murmelte der Rodach leisere Welle, Frieden flüsterten der Weiden silbergraue Blätterzungen, Frieden tönten der Aeolsharfe schwellendschwebende Accorde vom hohen Hause in den Garten nieder, Frieden sangen die lieblichen Kehlen munterer Vögel, Grasmücken, Weidenzeisige, Grünlinge und Bachstelzen. Sophie blieb das schöne Wesen ihrer Kindheit und Jugend, von stillem Ernst, dessen Siegel das Leben ihr aufdrückte, gleichsam geweiht. Selten nur kamen Nachrichten von ihrer Mutter, diese Dame reiste noch in hohen Jahren umher, sie war nicht traurig darüber, ihr Geheimniß so fern, so treu bewahrt zu wissen, Niemand lebte mehr, der ihr eine Verlegenheit hätte bereiten können, außer Ludwig und Sophie, und zu diesen fand Jene nie den Weg. Und so war es gut, denn alle Theile waren zufriedengestellt. Was in Sophiens Innerem vorging, ob sie sich hinaussehnte in die Welt, ob sie sich als eine Gefangene fühlte, ob sie heimlich einer ungenossenen Jugend nachweinte? Nur Ludwig war der Vertraute ihrer Seele, keinem andern Herzen konnte ihr reiches und schönes Gemüth sich je erschließen, doch war ihr, jenes stillen Ernstes ungeachtet, ein kindlich heiterer Sinn geblieben und ein tiefes Empfinden.

11. Der Freundin Tod.

Friedlich zogen ihnen so die Jahre vorüber, ihre Körper alterten, aber die Herzen blieben jung; ihre Haare bleichten, aber in ihren Augen glänzte die alte Jugend. Die Liebe verloderte und die Freundschaft am Altar ihrer Herzen nährte mit heiliger Hand ihr reines Vestafeuer.

Die Einsiedler im stillen Schloß zu Eishausen berührten die staatlichen und politischen Verhältnisse des Landes, das ihnen nun seit einer Reihe von fast zwanzig Jahren ein friedliches Asyl geboten hatte, nur wenig, doch blieben sie immerhin nicht ganz von dem damals stattfindenden Regierungswechsel unberührt; denn zu allernächst wußten sie ja nicht, ob unter einer neuen Regierung ihnen das Asyl, das nun nach so manchen widerstrebenden Gefühlen, nach so manchem Kampf ihnen lieb geworden, belassen werde? Sie wußten nicht, ob eine neue Regierung nicht blos neu, sondern nicht auch neugierig sein werde. Aber auch von dieser Seite wurde die zarteste Rücksicht gegen den Grafen beobachtet. Ein so lange Jahre still und unbescholten geführtes Leben und die Wohlthaten, welche derselbe nicht nur den Bewohnern von Eishausen, sondern auch den Armen der nahen Stadt erzeigte, waren zugleich ein entscheidendes Gegengewicht gegen jede Verdächtigung. Viele glaubten und glauben es noch, der unbekannte Bewohner des Schlosses zu Eishausen habe schriftlich oder persönlich dem neuen Landesherrn sich entdeckt; dies geschah jedoch nie, es wurde durchaus keine Enthüllung von Seiten des Grafen verlangt.

Alles erfuhr der Graf, was im Dorfe, in der Gegend und in der Stadt sich zutrug, während Dorf, Stadt und Umgegend von ihm noch eben so wenig wußten, als im ersten Jahre seiner Anwesenheit. Er hatte die schwere Kunst verstanden, die Leute zu nöthigen, ein stilles Geheimniß mitten im lauten Markt des Tages gewohnt zu werden. Eines Tages trat, von Niemanden geahnet, ein anderes großes Geheimniß, mit dem sich nicht eine kleine Stadt oder ein kleines Dorf, sondern mit dem sich ganz Deutschland, ja, die halbe Welt beschäftigte, an das Eishäuser Geheimniß episodisch heran. Es war Sommer, die Blätter der Weiden rauschten, über der Flur lag tiefes Schweigen.

Ludwig und Sophie standen an einem Fenster und blickten nach dem Dorfe hinüber; der Klang eines Posthorns erregte ihre Aufmerksamkeit. Bald darauf hörten sie das Rasseln eines Wagens, der im Dorfe anhielt.

Eine Weile nachher erschien auf dem Wege, der aus dem Dorfe nach dem Schloß führte, ein stattlicher, wohlbeleibter Mann im Reiserock, sein Gesicht, voll und breit und lebhaft geröthet, drückte Wohlwollen aus; er nahm den Hut ab, da es sehr warm war, und zeigte, daß er blondes Haar hatte, die Augen erschienen klein, blau und klug. Der Begleiter war ein junger Mensch von unsicherer Haltung und schwankendem Gange; seine Züge hatten etwas Weiches, Unentwickeltes, er trug eine leichte Reisemütze, und that diese jetzt gleichfalls ab; die Blicke, welche er auf die Umgebung warf, drückten eine sonderbare Theilnahmlosigkeit aus, während die seines älteren Begleiters forschend und fast neugierig umhersahen; diese Blicke glitten suchend an allen Fenstern des Schlosses hin, und hatten eine ungemeine Lebendigkeit. Die beiden Fremden blieben bald stehen, bald schritten sie wieder eine kurze Strecke weiter nach dem Schlosse zu.

Soll dieser Besuch wohl uns gelten? fragte Sophie, welche verschleiert am Fenster stand, und nur hinter der grünen bemalten Gardine verstohlen hinabschaute.

Uns nicht, meine Liebe, aber unserm Geheimniß! antwortete Ludwig. Wenn mich nicht Alles trügt, so kenne ich diesen jungen Menschen.

Wie wäre das möglich? fragte Sophie ganz verwundert. Er scheint mir nicht älter als höchstens achtzehn bis zwanzig Jahre zu sein. In diesem Zeitraume hast du ja das Schloß nicht verlassen?

Und dennoch sah ich ihn schon, versetzte der Graf, schritt in sein Arbeitszimmer und kehrte alsbald aus demselben mit einem Buche zurück, dem ein Bild vorangestellt war, welches dem jungen Menschen vollkommen glich.

Die Fremden standen noch unten. Der Herr deutete lebhaft sprechend, und, wie es den Anschein hatte, fragend, nach verschiedenen Richtungen hin. Der junge Mensch folgte jeder dieser Handbewegungen mit seinen Blicken, und machte häufig nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit den Händen entschiedene Bewegungen des Verneinens.

Sieh dir diesen Jüngling recht genau an, sprach Ludwig zur Freundin. Das ist ein Mensch, dessen Herkunft noch ungleich geheimnißvoller für die Welt ist, als die unsere, er ist das öffentliche Räthsel Deutschlands. Sieh, jetzt wenden sie sich, sie gehen wieder, er ist fremd hier, gehorsamer Diener, Herr Polizeirath! Wir bedanken uns für die gütige Aufmerksamkeit! Reisen Sie recht glücklich!

Du machst mich sehr neugierig, Ludwig! rief Sophie mit steigendem Erstaunen.

Ich durchschaue Alles, gab ihr der Graf lächelnd zur Antwort. Der junge Mensch ist der Findling Nürnbergs, dessen Geschichte ich dir erzählte, so weit mir dieselbe aus den über ihn erschienenen Schriften bekannt geworden ist, es ist Kaspar Hauser.

Das unglückliche Kind grausamer Eltern! rief Sophie bestürzt aus.

Derselbe, sprach Ludwig. Sein Begleiter und Führer war der Gothaische Polizeirath Eberhardt, der Schrecken aller Vagabunden und Gauner weit und breit, das hellsehendste Wächterauge in ganz Deutschland für die öffentliche Sicherheit.

Ich denke mir diesen Besuch einfach so: Polizeirath Eberhardt möchte längst gern wissen, wer ich bin, wer du bist, seinem Polizeibewußtsein ist es unerträglich, daß ein Mensch lebt, dessen Paß nicht jeden Augenblick vor aller Augen dargelegt werden kann, daß ein Mensch lebt, dessen Herkunft die Staatsregierung nicht kennt, und der Mann ist ohne Zweifel in seinem vollen Rechte, ja ich schätze ihn aus der Ferne sehr hoch. Sein Freund ist der berühmte Rechtsgelehrte und Criminalist Anselm Feuerbach zu Anspach, der sich Kaspar Hausers auf das Eifrigste angenommen hat und noch immer Alles aufbietet, um Spuren der Herkunft seines Schützlings aufzufinden. Jedenfalls lenkte Eberhardt jenes Mannes Verdacht auch auf uns und dieses Schloß, und daraufhin wurde Ersterem der arme Kaspar Hauser anvertraut um zu versuchen, ob nicht beim Anblick der hiesigen Oertlichkeiten Jugenderinnerungen im Gemüthe des Jünglings wach würden? Denn wie nahe liegt der Gedanke eines Verdachts? Hier ein einsames und stilles Schloß, bewohnt von einem gänzlich von der Gesellschaft getrennten Paare, über dessen Herkunft die dichtesten Schleier gebreitet sind. Könnte nicht hier jener unglückselige Knabe geboren worden, nicht hier sein Kerker gewesen sein? Wehe uns, wenn der junge Mensch vielleicht durch Aehnlichkeiten dieses Ortes mit seiner früheren Umgebung getäuscht, Vermuthungen ausgesprochen hätte, unsere Ruhe wäre dann auf das Aeußerste bedroht.

Der Himmel sei gepriesen, daß sie wieder fort sind! sprach Sophie und suchte des Freundes Besorgnisse zu zerstreuen. –

In das Publikum kamen immer neue Märchen über den geheimnißvollen Grafen. Was längst gesichert erschien, Ludwigs völlig ungestörter Aufenthalt in Eishausen, das wurde jetzt erst als bedroht angesehen und erregte Besorgniß. Die Stadt und die dortige obere Behörde hätte nur ungern den Mann aus dem Lande scheiden sehen, der fort und fort durch großmüthige Unterstützung der Armen und Nothleidenden sich nützlich und wohlwollend erwies, und beschloß deßhalb, dem Grafen ein sichtbares Zeichen dankbarer Anerkennung zu geben. Sie verlieh ihm das Ehrenbürgerrecht der vormaligen Residenzstadt Hildburghausen. Es konnte nicht fehlen, daß dieses Zeichen dankbarer Würdigung und Hochachtung seines Charakters Ludwig tief rührte und innig erfreute, und um so lieber blieb er nun in der stillen Häuslichkeit und in dem engen Kreise, den nun schon so lange und bis in das nahende Alter hinein um ihn und Sophie die traute Gewohnheit gezogen hatte. Um aber nicht blos Bürger der Stadt Hildburghausen zu heißen, sondern auch der That nach es zu sein, erwarb er käuflich ein Wohnhaus in der Stadtnähe, mit einem an dasselbe stoßenden Garten und ließ auch noch einen an diesen angrenzenden Wiesengarten von einem dritten Besitzer erkaufen. Bald umgab auch dieses Haus der Zauber des Geheimnißvollen; hohe dichte Bretterumzäunungen friedigten das neue Besitzthum, Hof und Gärten ein; Läden, welche stets verschlossen blieben, verwehrten das Erdgeschoß gegen jeden zudringlichen Blick.

Das Haus wurde völlig zur Wohnung eingerichtet und angemessen möblirt, auch ein neuer, höchst eleganter Wagen wurde eigens von Frankfurt verschrieben und es erfolgten nun bisweilen heitre Spazierfahrten Sophiens und Ludwig’s mit vier Postpferden, welche jedesmal erst von Hildburghausen nach Eishausen gebracht werden mußten. Bei diesen Fahrten wurde nie die Stadt berührt, indem sich ein Weg, die Mareistraße genannt, in ziemlicher Entfernung um dieselbe herumzog, unmittelbar in die von Coburg über Rodach kommende und nach der Meiningen oder nach Römhild führende Straße einmündete, und zwar ganz in der Nähe des Dörfchens Walrabs, das sich in geringer Entfernung von dieser Straße an eine bewaldete Thalrinne anlehnt. Auch in diesem Dorfe erwarb der Graf ein Haus, und da sich beim Heimfahren nahe dem Stadtberge oder eigentlich an demselben ein umbuschter Berggarten mit Häuschen häufig in einem besonders malerischen Lichte zeigte, so wurde auch dieses käuflich erworben, um zu schöner Jahreszeit einen Ruheplatz daselbst zu haben. Dieser Berggarten bot neben einer der schönsten Aussichten auf die freundliche und wohlgebaute Stadt mit ihrem stattlichen ehemaligen Residenzschloß und Hofgarten, auf die nahe vorbeiziehenden Straßen und auf die ganze friedliche Landschaft, zugleich mancherlei Schattenstellen unter vielen gemischten Holzarten, auch eine zwar nicht lange, doch tief schattende Allee niedriger aber stockstämmiger Kastanienbäume, welche Ludwig ganz eigenthümlich ansprach, indem es ihm war, als habe er schon einmal in dieser Allee gewandelt, aber er konnte sich durchaus nicht besinnen, wann und wo er eine ähnliche Oertlichkeit früher gesehen habe.

Obschon der Graf der Außenwelt stets rege Theilnahme widmete, so mußte er doch mehr und mehr wahrnehmen, wie Nichts Dauer hat auf Erden. Ohne der früheren Freunde zu gedenken, die der Tod ihm in so rascher Folge entrissen, hatte er auch im Laufe der Jahre einen Verlust nach dem andern zu beklagen, deren jeder in seiner Weise unersetzlich für ihn war. In des treuen Philipp’s Fußtapfen vermochte schon kein neuer Diener einzutreten. Der Graf wurde daher immer ernster, und es traten ihm nun zuweilen auch die Gedanken an das eigene Scheiden nah, als bald nach einander der redliche Geschäftsführer und der so äußerst gefällige hochgebildete Freund, der Geistliche des Dorfes starb. Als zu ungewöhnlicher Frühstunde die Glocken der Dorfkirche erklangen und den Tod des wackeren Predigers verkündeten, stimmte ihn dieses Geläute zur tiefsten Wehmuth. Eine Thräne glänzte in seinen Augen und bewegt rief er aus: Wieder ein Band mit der Welt zerrissen, und wohl das letzte! Fast will mich bedünken, als lebe ich zu lang!

Nicht blos, um in Hildburghausen und dessen Weichbild selbst als Ehrenbürger Grundbesitz zu haben, hatte der Graf Häuser und Gärten käuflich erworben; mit treuer Sorge für die Menschen, die ihr Leben an das seine geknüpft hatten und ihm es weihten, war er darauf bedacht, deren Loos sicher zu stellen, falls ihm, vielleicht bald, der dunkle Genius nahen sollte. Zumal Sophien gegenüber war es eine heilige Pflicht, vorsorglich zu handeln, ja ihm selbst konnte der Tag noch kommen, wo er freiwillig oder durch Kündigung der Miethe das Schloß verließ, dann war es gut, sogleich ein Besitzthum zur Verfügung zu haben; war doch ohnehin des Verwunderns darüber kein Ende, daß der Bewohner des stillen Schlosses in demselben wohnen blieb und jährlich 500 Gulden Miethe zahlte, während er ein recht geschmackvoll, obschon ohne Luxus eingerichtetes Haus mit großem Garten sein Eigenthum nannte, und zumal in nächster Nähe der Stadt, wo für den Verkehr mit der Post, mit Kaufleuten, mit dem Geschäftsführer so ungleich größere Bequemlichkeiten sich darboten, als auf einem anderthalb Stunden weit entlegenen Dorfe. Man hatte damit abermals einen Grund mehr gefunden, den Grafen als Sonderling zu bezeichnen, aber unbekümmert um Wohl- oder Uebelmeinen der Menge spann sich das Leben im stillen Schlosse geräuschlos fort, unbewegt und doch voll innerer Bewegung.

Das Jahr 1830 war schon herangekommen mit seinen wichtigen politischen Ereignissen, wie mußten diese die Einsiedler zu Eishausen berühren und erschüttern! Abermals brach in Frankreich ein Revolutionssturm los, bebte der Boden, brach der Königsthron jenes Grafen von Artois, der als Karl X darauf saß, er brach durch die entsetzliche Wucht von vier leichten Papieren, von vier Ordonnanzen zusammen. Es war eine Revolution, die ringsum ihren Wiederhall fand, einen Hall, der Viele erschreckte und nachdenklich machte.

Da kam ein Brief an von Sophiens Mutter, und nach dem Eingange, welcher theilnehmende Fragen nach dem Ergehen der geliebten Einsiedlerin enthielt, schrieb die Prinzessin: »Wir Alle sind außer uns, alle Ereignisse der Politik, welche jetzt die Aufmerksamkeit von ganz Europa auf sich lenken, denn nach allen Richtungen hin legt die republikanische Propaganda ihre Minen, und schon sind deren in Belgien, Polen, in Italien und in verschiedenen Theilen Deutschlands gesprungen – alle diese Ereignisse, sage ich, werden zurückgedrängt durch eine Begebenheit, welche uns zu allernächst auf das Schmerzlichste berührt und niederbeugt. Den letzten Stamm des Hauses Condé hat der Tod gebrochen, und welch’ ein Tod! – Ein schändlicher, verrätherischer, meuchelmörderischer Tod unter der schwärzesten Maske! Am 29. August dieses Jahres wurde Herzog Louis Henri Joseph von Bourbon, Prinz von Condé, auf seinem Landsitz zu Chantilly am frühen Morgen in seinem Schlafzimmer an einem Fensterkreuz erhängt gefunden, und die Schmach eines Selbstmordes auf sein unschuldiges Haupt gewälzt. Schmerz und Zorn zugleich nehmen mir die Feder aus der Hand – des Herzogs Testament ist eröffnet – lachende Erben nehmen das ungeheure Vermögen in Empfang und die gerechtesten Ansprüche Anderer werden mit Füßen getreten! – O, meine Sophie! Du bleibst, was du bisher gewesen bist, eine arme Waise, meine letzte Hoffnung, dir das Glück des Reichthums noch im irdischen Leben verschaffen zu können, denn drüben bedürfen wir dessen ja nicht, ist zertrümmert, wie Helm und Schild dem Letzten seines Stammes zerbrochen in das Grab nachgeworfen wurden!«

Laß doch Alles dahin sein, liebes Kind, sprach Ludwig mit der Ruhe eines Weisen zur Freundin, die von dieser Nachricht auf das Tiefste ergriffen wurde und in Thränen ausbrach; nur keine Thränen um irdische Habe, wahrlich, sie ist so köstlicher Thränen nicht werth, zumal solcher Habe, die Andere besaßen, nicht wir. Auch ich glaube hier nicht an einen Selbstmord, möchte aber auch Niemanden verdächtigen. Wir leben wieder in einer bösen Zeit und können nicht wissen, wie Alles sich gestalten wird.

Du bist unwohl und regst dich allzusehr auf, sagte Sophie, die mit Sorge wahrnahm, wie ihn alle diese Nachrichten immer wieder von Neuem erschütterten. – Ja, meine Theure, ich fühle mich in der That unwohl, entgegnete der Graf. Die lange Ruhe hat mich verwöhnt, so Manches stürmt jetzt auf mich ein, so Manches tritt mir nahe, was mich ängstlich und besorgt macht. Dein Schicksal, Sophie – wenn ich dir entrissen würde.

O schweige, um Gottes Willen, schweige, bester Ludwig! rief sie abwehrend.

Wozu verhüllen, was doch einmal geschehen wird? fragte Ludwig und streichelte sanft ihre erbleichende Wangen. Wie lange noch, und wieder färbt der Herbst die Blätter? Ein anderer Brief, den ich heute empfing, hat mich bis zum Kranksein erschüttert. Was ich einst voraussagte, es ist geschehen, meine jüngeren Verwandten, wenn ich sie so nennen darf, treten auf zum Kampfe gerüstet, und befehden einander in diesem unseligen Jahre mit der Feder, in offenen Druckschriften, sie tragen offen vor das Auge der Welt den Familienzwist, und die Kinder meines Vetters Johann Carl nennen die Kinder meines Vetters, des regierenden Herrn aus der Ehe mit Sara Gerdes Bastarde, sie selbst eine Leibeigene – und so erfüllt sich mir zur Strafe, zur furchtbaren Strafe mein eigener verhängnißvoller Fluch! Ist das nicht schrecklich? Soll das nicht jedes Herz erschüttern? Kaum traute ich meinen Augen, als ich die öffentliche Ankündigung dieser Streitschriften in den Zeitungen las. Und du weißt, liebe Sophie, was Alles vorherging, wie der regierende Reichsgraf leiden mußte, und das gönn’ ich ihm nicht! – Als Wilhelm Gustav Friedrich durch die Alliirten im Jahr 1814 aus seiner Haft und Verbannung befreit war, sequestrirte Oldenburg immer noch seine Güter, und es mußte erst ein abermaliger Berliner Vergleich zu Stande kommen, zu welchem die Großmächte Oesterreich, Preußen und Rußland die helfende Hand boten, daß ihm Kniphausen wieder eingeräumt ward, daß er die Regierung mit Landeshoheit wieder antreten, manches der früheren Rechte wieder zurückerhalten durfte. Aber um die Vermögensverhältnisse, die ja nie glänzend waren, sieht es betrübend aus, was mir am Herzen nagt wie eine Natter. – Bereits im Jahre 1827 hat der Graf seinem ältesten Sohne, Wilhelm Friedrich, das Fideicommiß der deutschen Güter abgetreten und ist nach England gegangen, wo er in London mit dem Rang eines großbritannischen General-Majors anständig lebt. Was aus dem Streite weiter werden soll, das wird die Zeit lehren! Möge die Stunde recht bald schlagen, in welcher die streitenden Parteien den Frieden finden und die Versöhnung! Aber das prophezeie ich, daß diese Zeit spät, sehr spät kommen wird und erst dann, wenn ich längst von meinem stillen Schauplatz abgetreten bin, und die Personen unseres Geschlechts, mit denen ich lebte, längst alle todt sind. Möchte mein so unbesonnener Fluch, der die dunkelste That meines Lebens war – ach, ich lebe nur, um ihn zu bereuen! – dann mindestens gesühnt sein, wenn ich selbst der Sühnung vor dem ewigen Richterstuhl bedarf. Nie soll ein Mensch Verwünschungen über seine Lippen gehen lassen, denn es hört sie eine dunkle dämonische Macht und nimmt sie hohnlachend auf ihre schwarzen Schwingen.

Ludwig war heftig aufgeregt, er legte sich fiebernd nieder. Es wurde ihm in der Nacht so unwohl, daß er die Klingel zog. Sophie eilte erschreckt aus ihrem Zimmer zu dem Kranken hinüber, auch die Köchin erschien.

Sophie weinte und wachte die ganze Nacht hindurch am Lager des Kranken. Dieser blickte sie lange schweigend an und sprach dann halb wie im Fieber:

Wenn ich nun dahingehe, was hat sie dann, die arme Verlassene? Wohin geht sie und wo bleibt sie dann? Unkundig aller Verhältnisse der Außenwelt – o wie unglücklich wird sie sein – o wie erbarmungswerth – und das ist dann mein Werk, ich Unglückseliger! Ich rang nach dem hohen Gute, ich errang es, weihte ihm mein ganzes Leben mit feierlichem Gelübde. Das Gelübde hab’ ich unerschütterlich gehalten, aber meine Eigensucht hat nicht daran gedacht, daß ich vor ihr abgerufen werden könnte!

Diese Betrachtungen marterten des Kranken Hirn bis zur heftigen Fieberglut, er fühlte sich völlig machtlos und sah im Fieber, wie eine hohe, dunkelverhüllte Gestalt die arme Sophie, welche einer geknickten Lilie glich, auf ihre Arme nahm und sie von hinnen trug, weit, weit fort. Immer sah er sie noch und vermochte ihr doch nicht zu folgen, immer weiter und weiter schritt jene Gestalt in eine unermeßliche öde Ferne, wurde immer kleiner, endlich war sie so weit, daß sie mit dem Dunkel der Ferne verschmolz, aber Sophiens Gestalt ward immer heller und heller, je weiter sie von ihm weggetragen wurde – endlich war auch sie nicht mehr sichtbar, sondern leuchtete nur noch wie ein kleiner reiner Stern.

Als der mit tödtlicher Sorge herangewachte Morgen erschien, fühlte sich der Graf besser, er sank aus der verwirrten Welt der Phantasieen in einen ruhigen Schlummer, doch mußte er noch mehrere Tage das Bett hüten. Wie er wieder das Lager zu verlassen und zu schreiben im Stande war, erhielt der Geschäftsführer einige Zeilen, mit zitternder Hand geschrieben, die ihn, was nicht selten geschah, zu einer Unterredung nach Eishausen einluden.

Mein Herr, sprach der Graf, der seinen Besuch in dem Zimmer empfing, welches zwischen dem Vorzimmer und dem Arbeitszimmer lag: ich war sehr krank, aber ich habe eine Pflege, die über alles Lob erhaben ist. Ich habe eine Gefährtin, die mir die ganze Welt, die ich gern entbehre, ersetzt. Aber die Mahnung aus dem Reich der Schatten, die jüngst an mich gelangte, wie im Mittelalter ein Brief der verhüllten Fehme an einen Schuldigen – sagte mir auch, wie viel ich jener treuen Liebe schulde. Helfen Sie mir, meine Pflicht zu thun, wie es den Landesgesetzen gemäß ist, doch ohne Weitläufigkeiten; Sie wissen, daß ich diese nun einmal nicht liebe. Nur keine Gerichte! Nur keine Commissionen, Advocaten, Schreiber – nur das nicht!

Ich werde mir erlauben, erwiederte der Geschäftsführer, Eurer Gnaden gehorsamst auseinanderzusetzen, daß und wie –

Schriftlich, lieber Herr, schriftlich, wenn ich bitten darf! unterbrach ihn Ludwig. Ich bin noch so angegriffen – ich danke Ihnen und bleibe Ihnen im voraus verbunden.

Am folgenden Tage schrieb dieser Mann an den Grafen Folgendes: »Nach dem gestrigen Besuche, wo Euer Gnaden zum Erstenmale der Dame erwähnten, hoffe ich Eurer Gnaden Wünsche richtig zu erkennen. Sie wünschen Ihre hier belegenen Besitzungen an eine Dame, deren Namen Hochdieselben noch angeben werden, zu übertragen und diese als Eigenthümerin einzusetzen, damit diese Dame, bei einer Abreise, oder Abwesenheit, oder dem Ableben von Euer Gnaden stets als solche verfügen und handeln kann. Dieses wird sich auf das Gültigste und Kürzeste leicht, vielleicht auch ohne die persönliche Gegenwart von Gerichtspersonen machen lassen. Ich bin so frei, einen Entwurf zu einer zu treffenden derartigen Verfügung oder Cession zu gnädigster Ansicht und Prüfung beizulegen.«

»Die Form der Abtretung der erwähnten Grundstücke an die Dame ist dadurch leicht gefunden, wenn Euer Gnaden mich beauftragen, die alten Kaufbriefe an die Behörde zurückzugeben und einen neuen auf den Namen der Dame ausfertigen zu lassen.«

Namen der Dame, Namen der Dame! rief der Graf in großer Betroffenheit.

»In Betreff anderweiter Gegenstände ist keine andere gültige Form einzurichten, als die, daß Euer Gnaden in Gegenwart zweier Zeugen eine Schenkung unter den Lebenden machen, wobei die Dame gegenwärtig ist und sagt: Ich nehme diese Schenkung an.«

»Letzteres hat jedoch nach hiesigen Gesetzen nur Rechtskraft und Rechtsgültigkeit, wenn die Schenkung unter 300 Ducaten beträgt. Ueber diese Summe hinaus ist die Schenkung nur gültig, wenn sie in Gegenwart von Gerichtspersonen geschieht.«

O mein Himmel, wie wäre das möglich! stöhnte der Graf, und seine Hände zitterten.

»Meine unmaßgebliche Meinung wäre dahin gerichtet, Hochdieselben wollten erlauben, daß ein Assessor des hiesigen Stadtgerichts hinauskommen dürfte, vor dem der ganze Actus für jetzt und alle Zukunft binnen drei Minuten zu beendigen wäre, indem ich Hochdero gnädige Dispositionen schon vorher zu Papier gebracht hätte, Euer Gnaden nur Namen und Daten ausfüllten und diese Schrift der Gerichtsperson dann mit den Worten übergäben: Dieses ist mein Wille, nehmen Sie denselben zu Protocoll. Das Uebrige besorgen dann die Gerichtspersonen in einem andern Zimmer, und es wird dann das gerichtlich ausgefertigte Instrument zu Hochdero Unterschrift vorgelegt; dabei werden, dafür stehe ich ein, Assessor und Secretair unaufgefordert kein Wort sprechen. Durch diesen Act wird bei einem etwaigen Sterbefall die Versiegelung überflüssig gemacht und jeder obrigkeitlichen Einmischung in Hochdero beiderseitige Hinterlassenschaft vorgebeugt. –«

Diese Schenkung, so weit sie Sophien betraf, gelangte nie zur Ausführung, denn Jene kam nicht in den Fall, derselben zu bedürfen.

Es kam Alles ganz anders, als der Graf geglaubt hatte. Noch eine Reihe von Jahren blieben sie in ihrer stillen Liebe vereinigt. Ludwig erfreute sich, wenn auch bisweilen schwankender, doch im Ganzen guter Gesundheit, aber Sophiens zartes Wangenroth, das so ungesehen von der Welt verblühte, wie eine schöne Blume im Hochgebirge oder in tiefer Waldeinsamkeit, wurde allmälig bleich, immer zarter und durchsichtiger wurde ihre Haut, ihre Blicke aber leuchteten in einem noch höheren Glanze. Ein leises kurzes Hüsteln – der Anflug einer hohen Röthe auf den Wangen – das Alles sagte genug und ließ ahnen, was kommen mußte.

So viel wußte Ludwig aus Büchern, daß hier ärztliche Hülfe nichts mehr fromme, daß hier einzig Mittel der Linderung in Anwendung kommen könnten, die milden Kräfte der Pflanzenwelt, das isländische Moos, die süßen Wurzeln der Quecke und Althea.

So kam der November des Jahres 1837 herbei, dieser schaurige Monat, der das letzte Laub von den Bäumen weht, der der Mutter Erde das Leichentuch zu weben beginnt.

Ein unermeßlicher Schmerz zog durch des Grafen Seele. Das Leben mit all’ seiner genossenen Süße lag hinter ihm und vor ihm lag der Tod in seiner holdesten Gestalt!

Es war ein bitteres, tiefempfundenes Scheiden, doch ohne Schmerz, ohne Qual. Menschen konnten das Weh dieser Trennung nicht ermessen, und Menschen waren auch keine Zeugen derselben. Da schluchzte keine weinende Dienerschaft auf den Knien, da sprach kein Priester Worte des Trostes, wie bei Ottolinens Sterbelager, da kniete nur ein einziger weinender, alternder Mann, und hatte keinen Trost, nicht für sie, nicht für sich.

Ich sterbe gern, flüsterte Sophie mit matter Stimme. Ich danke dir, mein Ludwig! Wie ich soviel, wie ich Alles dir danke – so danke ich dir auch noch für deine Treue – in dieser letzten Stunde! – Vergiß deine arme Sophie nicht! – Du bleibst nun allein – o tritt wieder hinaus in die Welt – begrabe dich nicht länger in der Abgeschiedenheit, denn nur um meinetwillen hast du dich in diese Einsamkeit zurückgezogen. – Ich habe viel entbehrt, was das Leben andern glücklicheren Menschen bietet, aber ich habe dich gehabt, du hast mich reich entschädigt – und wir waren glücklich. Alles, was ich habe, gabst du mir – Alles was ich bedurfte, warst du mir – noch einmal das altgewohnte Wort: mein Ludwig – ich danke dir!

Bebend hielt der Graf die immer matter werdende zarte Gestalt, die auf ihr Ruhebette hingegossen lag, in seinen Armen, er küßte noch ihre letzten Thränen an den langen dunkeln Wimpern auf.

Die Stimme versagte der Sterbenden – das reine Herz hörte auf zu schlagen, ihr Auge brach. Ludwig küßte seiner Verklärten die brechenden Augen zu, hielt sie noch eine Weile in seinen Armen, dann ließ er sie sanft in die weichen Kissen niedersinken und stieß einen lauten dumpfen Schrei des Schmerzes aus, indem er besinnungslos zu Boden sank. Der Tag war der fünfundzwanzigste November. Am vierundzwanzigsten November war Ottoline gestorben. Ob sie einander droben begegneten, die beiden guten Genien des armen Grafen? –

Es war vollbracht, und was noch zu vollbringen war, mußte gleichfalls geschehen. Ludwig ließ Alles durch die Bedienung und den schnell herbeigerufenen Geschäftsführer besorgen und anordnen. Er selbst war ohne Macht, ohne Kraft, ohne Willen, fast ohne Besinnung. Ach, wie marterten und peinigten ihn die dringenden und doch nöthigen Fragen und alle die Anordnungen, die solch ein Trauerfall hervorruft!

Tief versenkt in starres, schmerzliches Hinbrüten saß er da, ganz verloren in Erinnerungen an das selige Einst, und jetzt – jetzt fand er auch mit Einemmale die Erinnerung wieder an das stille, ihm so heilige Grab, und an jene Schattenallee im hochgelegenen Bergeshain, wie er letzteren einst im Traume geschaut, in Ottolinens Schloß geschaut, und wie er – so wunderbar ihn selbst besaß. – Hier die Klause, dort die Grabeszelle! so stand der Gedanke fest in ihm, und so führte er ihn auch aus.

Wortkarg, zurückhaltender als je, einsam und allein stand der Graf da. Keines Freundes tröstender Zuspruch konnte ihn erreichen, keine Theilnahme ihn aufrichten. Willenlos ließ er geschehen, was nicht zu ändern war, todtkrank weilte er beständig in seinem Zimmer, in stummem und darum doppelt unsäglichem Schmerz.

Und in diese schmerzliche Stille trat nun die Außenwelt mit ihren Ansprüchen, mit ihrer Allwissenheit; die Außenwelt, die da Buch führt über Leben und Sterben, über Sein oder Nichtsein. Des Ortes Küster kam, vom Geistlichen entsendet, mit dem Kirchenbuche. Eine Verstorbene, die lebend nie seiner Kirche bedurft, nie derselben begehrt, mußte in das Kirchenbuch mit Namen und Datum, mit Jahr und Tag, mit Alter und Heimath eingetragen werden! Ludwig war in seinem tiefen Schmerz kaum fähig, eine Antwort zu ertheilen auf die Frage nach dem Namen, nach dem Geburtsort.

Sophie Botta! flüsterte er endlich seufzend. – Und woher? – Aus West – Westbachen – Westbacherhof wollte er sagen. – Sophie Botta aus Westphalen, schrieb der Küster nieder.

12. Sterben und Erben.

Die Schauer der Herbstnacht wehten um den entblätterten Berghain. Stille dunkle Gestalten wandelten hinauf aus der Stadt, von Neugier getrieben, denn es war bekannt geworden, daß auf dem Schulersberg, so hieß dieses Besitzthum des Grafen, die Dame beigesetzt werden solle, welche eine so lange Reihe von Jahren hindurch im Schlosse zu Eishausen gelebt und sich den Blicken der Neugier nie, ja selbst nicht einmal der vertrauten Dienerschaft entschleiert gezeigt hatte.

Mild berührt vom Friedenskusse des Todesengels lag sie in ihrem Sarge, den ein alter Tischler unter Thränen gezimmert hatte. Ein weißes Kleid von schwerem kostbarem Atlas umwallte die zarte Gestalt, sie lag da wie ein Kind, mit lächelnden Zügen, man sah ihr kein Alter an, sie glich aber auch keiner Gestorbenen, sie glich dem Marmorbilde eines Ideals aus der Meisterhand eines großen Künstlers. Da war kein Zug von Schmerz und keine Spur von Erdenleid, da war nur Schlummer, sanfter heiliger Schlummer.

So lag sie im offenen Sarge, an welchem Ludwig stand mit schmerzerfüllter, erschütterter Seele, an welchem er einsam stand – o, so unermeßlich einsam! – Er barg manche theure Reliquie unter den Todtenkissen, eine Mitgift für das Grab, ein Geschenk für die Verwesung, eine Speise für den Moder, zuletzt ein zerbröckelnder Fund für die, welche einst, wenn sie es vermögen, die heilige Asche dieser Verstorbenen durchwühlen. Locken vom Haupte ihres ermordeten Vaters, ihrer ohnlängst verstorbenen Mutter, Locken von Angés, auch manchen werthvollen Schmuck, den ihr die Mutter gegeben. Was sollte er damit, was sollten Andere damit anfangen? Und Alles, was er an Schriften besaß, die nur im Entferntesten Sophiens Geheimniß berührten, barg er gleichfalls unter ihrem Gewande. In den gefalteten Händen hielt sie ein kleines Kruzifix aus Elfenbein vom höchsten Kunstwerth; das jetzt braune Haar, welches einst so reizend blond das Haupt des schönen Kindes umwallte, schmückte ein Kranz von weißen Immortellen, befestigt mit einer Nadel, die eine große Perle zierte.

Noch einen Blick, einen langen, zärtlichen Blick, noch eine Bewegung des Segnens, dann legte Ludwig selbst den Deckel des Sarges über seine schöne Todte und wankte zur Klingel.

Dunkele Männergestalten kamen herein, der Graf ging in sein Zimmer zurück, unten stand schon Alles bereit, scharrende Pferde, der Leichenwagen, Laternenträger, die Todtenfrauen und eine große schweigsame Volksmenge.

Langsam rollte der Wagen von dannen, stille Männer und Knaben mit Laternen schritten voran und zur Seite, Andere folgten.

Keine Glocke erklang, kein Geistlicher folgte dem Sarge.

Die Novembernacht war still, es begann leise zu schneien. Am Fenster stand der Graf und blickte mit thränenlosen Augen dem Schimmer nach, der sich seinem Auge erst eine Zeitlang entzog, als der stille Zug durch Steinfeld sich bewegte, dann jenseits dieses Dorfes wieder sichtbar werdend, mehr und mehr zur Höhe emporstieg. Hoch zogen sich die Lichter, es war, als wenn irrende Sterne aufwärts wollten, hinauf zu den Brudersternen am ewigen Himmel.

Jetzt wußte es Ludwig, wer damals, als er in Fieberphantasien lag, die dunkele Gestalt gewesen war, die seine Lilie ihm entführte, seine helle Lilie, die zuletzt zum Steine wurde; droben verschwanden die Lichter über die Berghöhe, eines nach dem andern, jetzt war nur noch Eins sichtbar – recht hell und wahrhaft wie ein Stern anzuschauen, jetzt erlosch auch dieses und war fort, den andern nach. –

Wo der Weg zu Thal sich senkt, an derselben Stelle, die einst den Liebenden einen reizenden Fernblick eröffnet und so manchen Traum von einer schönen liebverklärten Zukunft, da hielt der Leichenwagen, da hoben die Träger den Sarg herab, da ordnete sich der kleine Zug, voran und hinter dem Sarge die Laternen tragenden Knaben, still durch die dunkle Nacht, dem Berghain, dem Grabe zu.

Ueber dem Berghaus war die öde, einsame Stätte, wo die Hülle der Tochter so hoher Ahnen, fern von ihrem Heimathlande, irdische Ruhe finden sollte.

Damit nicht noch um ihre Asche die Lügenmäre ihr Gespinnst webe, hatte der Graf ausdrücklich geboten, den Sarg vor der Einsenkung noch einmal zu öffnen und Allen, die bei derselben zugegen, nun das milde Angesicht zu zeigen, das sich so lange Jahre hindurch hinter dichtem Schleier verborgen gehalten hatte.

Lautlos standen Alle; da lag sie im Silberglanze, im hellen Schein, die marmorbleiche schöne Leiche.

Heimlich schauerte die Nacht. Thränen flossen; leise schloß man den Sarg, und nun wurde dieser hinabgesenkt. –

Schreckliche Tage nahten bald dem Grafen, Tage, wie er sie nie durchlebt, nie geahnet hatte, denn nun kam ihm, was unvermeidlich kommen mußte, die Einmischung der Behörden.

Es war nicht Alles formell hergegangen bei diesem Begräbniß. Sophiens Hülle ruhte schon im kühlen Erdenschooße, als erst Anzeige, und zwar die zufällige durch einen Kreisgerichtsdiener vom Ableben der geheimnißvollen Dame an die Gerichtsstelle erfolgte. Diese forderte Bericht von der Verwaltungsbehörde und erhielt eine Auskunft, die sich über den Grafen nur wohlwollend äußerte; daß derselbe mit der Verstorbenen seit länger denn 30 Jahren ruhig und geschätzt im Lande gelebt, daß noch von keiner Seite her der geringste Anspruch oder eine Beschwerde an und gegen ihn erhoben worden sei, daß er viel Vermögen habe und sich der Stadt und der Umgegend durch Nichts bemerkbar gemacht habe, als durch Wohlthun; es seien weder Kinder noch sonst Jemand da, die Ansprüche an die Nachlassenschaft der Verstorbenen zu erheben berechtigt seien. So viel Dank habe jedenfalls der Graf verdient, um schonend und zart behandelt zu werden, und ein Einschreiten der Civilbehörde vor des Grafen Tode sei wohl nicht rathsam, zumal derselbe dem Vernehmen nach eine bedeutende milde Stiftung für die Gegend beabsichtige, und eine unzarte Behandlung bei seiner Eigenthümlichkeit wohl nur vom entschiedensten Nachtheil sein werde. – Diese wohlmeinenden Worte eines redlichen Beamten verfehlten die gehoffte Wirkung. Ansichten und Pflichten anderer Art ließen die gewünschte Schonung versagen.

Das Gericht ordnete die Versiegelung des Nachlasses der Verstorbenen an. Die Gefühle, die den Grafen hierbei bewegten, sind nicht zu schildern, doch nie verließ ihn die Würde. Er fügte sich ungern dem eisernen Willen des Gesetzes, aber er fügte sich. Er selbst blieb unsichtbar, er war krank; der Kammerdiener und eine alte treue Dienerin führten die Herren in die Zimmer, in welchen sich Sophiens Nachlaß befand, und erklärten, daß dieser Nachlaß von der Verstorbenen, wie von dem Grafen, der Dienerschaft zugedacht sei.

Auch als die Personen des Gerichts wiederkamen, um zur Aufnahme der Hinterlassenschaftsverzeichnisse zu schreiten, mußte der Geschäftsführer den Grafen, weil derselbe krank und sogar bettlägerig war, vertreten.

Welch’ ein Inventar! – Ueber siebenzig Oberröcke und Kleider, theils von Seide in allen Farben, theils von Mousselin und sonstigen feinen Kleiderstoffen, gegen dreißig Shawls und Longshawls, ohne die übrigen Halstücher, ebenso viele Hüte nach den neuesten Formen der Mode, und in diesem Verhältniß alles Uebrige in staunenswerther Fülle. Schmuck fand sich wenig, außer was Sophie als Kind schon besessen, für wen hätte sie sich auch mit zahlreichen Ketten und Ringen schmücken sollen? Sie selbst, ihre ganze Liebe und liebliche Erscheinung war ja der schönste Schmuck, wie er aus der Idee des Schöpfers als Meisterwerk hervorgegangen war; gleichwohl waren einige goldene Halsketten, waren Ringe, Armbänder und dergleichen äußere Frauenzierden vorhanden. Am Meisten überraschend aber war für die Beamten und Taxatoren die Menge baaren Geldes, die in verschiedenen buntseidenen und zum Theil mit Perlen oder mit Fischschuppen gestickten Börsen sich vorfand. Jene Ducaten von theurer Hand, der kleinen Sophie damals in Doorwerth geschenkt, sie waren nicht ausgegeben worden, außerdem fanden sich Friedrichsd’or, Kronen-, Species- und einfache Thaler. Der Graf übernahm gegen Zahlung der Taxe den ganzen Nachlaß, und ließ ihn durch das Gericht seiner Dienerschaft aushändigen; die Summe, welche er zahlte, wurde beim Gericht hinterlegt, und von einer dringlichen Aufforderung, Namen, Stand, Geburtsort und Alter der Verstorbenen ganz genau anzugeben, um so mehr Umgang genommen, als der Graf diese Auskunft zu geben sich entschieden weigerte und fest erklärte, sofort das Land verlassen zu wollen, wenn die Behörde darauf bestehen würde.

Dieselbe begnügte sich daher mit den bereits erfolgten Angaben.

Nach diesen Stürmen lagerte sich wieder die tiefste Stille über das Schloß zu Eishausen. Ludwig trauerte einsam hin, las viel und sprach sich oft mit schmerzlicher Rührung Goethe’s Worte vor, die so ganz auf ihn, auf seine Stimmung, selbst auf die Jahreszeit paßten:

Du versuchst, o Sonne, vergebens Durch die düst’ren Wolken zu scheinen, Der ganze Gewinn meines Lebens Ist, ihren Verlust zu beweinen.

Die Poesie war auch hier wieder die milde Trösterin, die ihm, dem Trauernden, mit ihren sanften Himmelsschwingen Frieden in die Seele fächelte. Alles was Ludwig in verschiedenen Schriften beziehungsweise auffand, merkte er an und schrieb es auch wohl ab.

Fast das einzige geistige Band mit der Außenwelt blieb ein Briefwechsel mit der Wittwe jenes zu Eishausen verstorbenen Predigers, welche nach Hildburghausen gezogen war, doch so, daß sie jeden empfangenen Brief zurückgab. Auch diese Frau hat den Grafen nie gesprochen. Das Bedürfniß, sich mitzutheilen, ist allzumächtig in der Menschenseele, als daß auch der allerverschlossenste Charakter ganz auf dasselbe zu verzichten im Stande wäre.

Aus Ludwig’s wehmuthvollster Zeit ergoß sich seine Klage in den Worten: »Meine Lage wird immer unerträglicher; es ist keine getrennte Ehe; es ist mehr: es ist die Zerreißung eines zusammengewachsenen Geschwisterpaares, Eines kann nicht ohne das Andere fortleben. – – Ich lege mich öfters des Tages nieder, doch vergeblich; die Schmerzen lassen meinem Körper so wenig Ruhe, als die mich umgebenden Gegenstände meinem Geist. Das Haus ist wie verödet.«

Ja, öde war es außer ihm, in ihm. Selbst jene Thiere, welche Sophie geliebt hatte, starben ungeachtet sorglichster Pflege schnell nach einander; des Pachters Hund, den sie oft aus dem Fenster herab gefüttert hatte, heulte einige Tage und wimmerte, und eines Morgens lag er todt unter den Fenstern des Schlosses.

Als der Frühling kam, die Auen neu ergrünten, da zog es den Grafen mehr denn einmal hin nach jenem Berggarten, nach jener Einsamkeit. Hier war die Stelle, die einst sein Jugendtraum ihm zeigte. Wie war doch dieser Traum zur Wahrheit geworden! Gesehen und gehört hatte Ludwig lebensvolles Gewühl der Straßen und Märkte großer Städte, Waffenlärm der Heerlager, berghohe Meereswogen, Stürme und ruhige See – hohe Burgen und Schlösser, stille Thäler – und zuletzt – die Siedlerklause dort im stillen Schloß, hier die dunkelschattende Kastanienallee – ein einsames Grab, und in dieses Grab hinabgesenkt alles Ringen und Streben, alles Jubeln und Bangen, alles Hoffen und Fürchten eines langen Erdendaseins – all’ sein Glück.

Alles hatte sich erfüllt, Alles – und er stand am Ziele. Sanft elegisch war seine Stimmung, und sie fand die verwandten Klänge im stillen Weben der Natur, durch deren hellste, sonnigste Lenzespracht doch bisweilen Ahnungen wehen, die des Menschen Herz mit Schauern durchrießeln.

Die Neigung zum Wohlthun blieb ihm durch alle Jahre hindurch, die ihm noch zu leben vergönnt waren. Mit Geschenken an Arme feierte er Sophiens Todestag, mit Geschenken an Arme den Geburtstag des Landesherrn, ja, selbst als Leonardus van der Valck spendete er noch Liebesgaben nach verschiedenen Orten hin, von denen ihm immer noch Bitten zugingen. Auch Vincenz Martinus war nicht völlig in den Hintergrund getreten. Eine Stelle im letzten Briefe, den der Graf von ihm erhielt, lautete:

»O mein geliebter Vetter! Wir werden alt, wie lange wollen wir noch mit einander Briefe wechseln? Deine letzte geehrte Zuschrift traf mich nicht mehr in Amsterdam, ich wohne seit Jahr und Tag hier in Leiden, allwo nach dem deutschen Scherzwort der König David geboren ist, vergleiche Psalm 38, Vers 18. Allhie bin ich Pfarrer, wohlbestallter, und bete täglich auf das Allerfleißigste zu den lieben Gottesheiligen auch für dich, geliebter Leonardus. Neues weiß ich dir aus Amsterdam nicht zu melden; daß dein alter Seekapitän Richart Fluit in der That und gegen menschliches Vermuthen von seiner alten Sibylla Nicodema wirklich einen Delphin erzielt hat, schrieb ich dir wohl schon vorlängst. Wir dachten damals oft an dich, als wir den kleinen Seekönig und Heiden tauften. Unsere Muhme Carolina Petronella, geborene Lippert, welche sich an den Brauereibesitzer Wirix verheirathet hatte, ist nun auch schon lange eine »bedroefde weduwe«. Du rühmtest mir einstmals den sinn- und deutungsvollen Reichthum der deutschen Sprache gegenüber der unsrigen. Nenne mir doch in der deutschen Sprache ein Wort, mein Leonardus, darin sich der Schmerz und die Klage und das Weinen einer Wittwe gewordenen Frau so ausgeprägt zeigte, wie im Worte Weduwe! das ist: wee te wee! Weh zu Weh! – Unsere anderen Muhmen, Cornelia’s Schwestern, Helena und Christina, können leider noch nicht in den traurigen Fall kommen, betrübte Wittwen zu werden, dieweil sie noch immer ledigen Standes sind. Ich habe ihnen dringend gerathen, in ein Kloster zu gehen, aber sie wollen nicht.«

»Helena Maria und Christina Theodora gleichen zwei alten Latten; wenn sie neben einander gehen, muß ich immer an die Säulen des Herkules denken, oder an ein römisches Jugum, nur Schade, daß Niemand Neigung trägt, seinen Nacken jemals unter diese antike Reliquien zu beugen, noch viel weniger, sie anzubeten. Im Vertrauen, geliebter Vetter – dir darf ich es sagen – ich habe niemals viel auf Reliquiendienst gegeben. Dabei fallen mir alle meine alten Sünden – nicht doch, wollte sagen: meine alten Tanten in Bochlio, zu Herzberg und zu Dahme ein, die sich vordessen auf deines wohlseligen Herrn Vaters Erbtheil spitzten, aber vergeblich. Jene deutschen Falken, die für ihr Leben gern Valcken sein möchten, warten auch auf deinen Tod. Thue ihnen aber ja nicht den Gefallen, bald zu sterben, sondern laß’ sie zappeln!«

»Ach, Leonarde! die Welt ist verderbt, ich sehne mich nach Ruhe. Ich habe das ewige Predigen, Beichtehören, Messelesen und was d’rum und d’ran hängt, von ganzem Herzen satt. Kein glücklicherer Mensch auf Erden als ein Pastor emeritus. Das Loos eines gutpensionirten Emeriti scheint mir viel beneidenswerther, als das eines Eremitä. Ach, wer doch schon ein Emeritus wäre! Nun ich hoffe, in einigen Jahren mich melden zu dürfen; hoffentlich bleibe ich noch so lange frisch und kräftig, daß ich mein Pensiönchen mit Behagen verzehren kann. Der heiligen Ottilia werde ich nichts mehr zuwenden, sie hat sich undankbar gegen mich erzeigt, ich nehme wahr, daß das Licht meiner Augen leidet. Nun lebe wohl, Leonarde; sei und bleibe du der Eremita, und hilf mir zu allen heiligen Einsiedlern beten, daß ich baldigst als ein wohlverdienter Emeritus mich nennen darf deinen unwandelbaren Vetter und Freund

Vincentius Martinus van der Valck, Pastor an Sanct Agatha in Leiden.

Ludwigs trüber Ernst stimmte schlecht zu diesem ungeistlichen Humor, doch konnte er sich eines wehmüthigen Lächelns nicht enthalten, wenn er daran dachte, was Alles nach seinem Dahinscheiden mit seinem Nachlaß vorgenommen werden würde, und wie und wohin er Manches bergen solle. Denn das war sein entschiedener und fester Wille, daß er die Spuren seines Daseins vernichten wolle, daß er die Hülle, unter der er hier so lange Jahre verborgen gelebt, nicht heben, den Schleier nicht lüften wolle. Der abgeschmackte Name, mit dem alle Welt ihn nannte, war ihm lieb geworden, weil er den wahren Namen verbergen half; keine Seele von allen den tausend Neugierigen dachte an das Ei des Columbus, dachte je daran, einen einzigen falschen Buchstaben wegzuwerfen und den richtigen einzusetzen, gleich einem Zahn zum Zerbeißen der Nuß des Geheimnisses.

Es war für ihn eine eigenthümliche schmerzliche Beschäftigung, die Sonderung seiner Briefschaften vorzunehmen; es that ihm weh, so manches theure Blatt den Flammen zu opfern, aber es mußte geschehen, denn ungelöst sollte das Räthsel seines Lebens bleiben. Die Menschen, sprach er einst in einer solchen stillen Opferstunde vor sich hin: glauben Alles, was sie glauben wollen, und nie das, was sie glauben sollen. Wenn ich todt bin, werden sie dennoch nicht müde werden, ihre Fabeln über den Grafen Vavel fortzuspinnen, und sollte ja in Zukunft irgend Einem vergönnt sein, den Nachkommen zu sagen, wer und woher ich war, so werden sie es ihm doch nicht glauben.

Sorglich ordnete Ludwig alle Papiere, die von Leonardus herrührten, wie jene Briefe von Angés an seinen liebsten Freund. Die Briefe jedoch, welche Leonardus und Angés an ihn geschrieben hatten, vernichtete er.

Oefter als früher nöthigte ihn jetzt Krankheit, bisweilen nach einem Arzte zu senden. Dieser verständige Mann zeigte sich menschlich theilnehmend, nicht neugierig, und so geschah es, daß es wohl zuweilen im Laufe rascher und geistvoller Gespräche schien, als wolle der Graf sich ihm mittheilen, doch häufig unterbrach er sich dann plötzlich selbst und sprang schnell auf einen andern Gegenstand über.

Das Alter macht geschwätzig, ich merke, daß ich in die Jahre komme, äußerte er sich einst bei einem solchen Besuche, da er den Arzt im Bette liegend empfangen mußte. Ich werde mittheilsam, das ist ein Zeichen meines herannahenden Todes; denn wenn es mit dem Menschen abwärts geht, ändern sich in ihm Neigungen und Gewohnheiten. Daher das Sprichwort, wenn ein als geizig bekannter und vertrauter Mann anfängt zu verschenken: es ist vor seinem Tode.

Sie haben sich allzusehr zurückgezogen, Herr Graf! sprach der Arzt. Es war nicht gut, nicht heilsam. Der Mensch gehört zum Menschen, auch der Geistreichste kann sich nicht immer selbst genügen: ja, er wird leicht durch fortgesetztes Absperren von der Menschenwelt einseitig, schroff und heftig.

Sie mögen Recht haben, Herr Doctor! erwiederte der Graf. Ich taugte aber nicht unter die Menschen, ich bin eine reizbare Natur, von Jugend auf heftig geartet, vielleicht Folge eines Mangels an richtiger Erziehung. Meine ganze Jugendzeit verfloß in einsamen Schlössern, und da sah ich wenig von der Welt. Als ich in dieselbe eintrat, fand ich die Zeit zu bewegt, die Elemente zu gährend, so daß ich nicht zur Klarheit über mich selbst gelangen konnte. Ich ward in eine Strömung hineingerissen; eigenthümliche Verhältnisse schlangen Bande um mich, denen ich mich nicht entringen konnte und nicht wollte; sonst habe ich zu andern Zeiten wohl gezeigt, daß der Mensch kann, was er will, wenn er will, was er kann.

Gewiß reisten Euer Gnaden viel? fragte der Arzt.

Nun ja, ich sah Einiges von fremden Ländern, zum Beispiel von Holland, Frankreich, England, Deutschland und Rußland, weiter kam ich nicht.

Nach einer Weile sagte der Arzt: Ihr Leben, Herr Graf, war gewiß ein vielfach bewegtes, und die lesende Welt würde es Ihnen Dank wissen, wenn Sie derselben Ihre Memoiren überliefern oder sie ihr doch dermaleinst hinterlassen wollten.

Mein Dermaleinst liegt gar nicht mehr so fern, Herr Ober-Medicinalrath! Memoiren sagen Sie? Nichts. Eine Sammlung von Küchenzetteln, das sind meine Memoiren.

Küchenzettel? fragte der Arzt verwundert.

Nun, könnte ich nicht ein gelernter Koch sein? fragte der Graf mit Ironie zurück. Entweder habe ich mir selbst gekocht, oder ich habe mir kochen lassen, es gibt keinen Mittelweg. Meinen Sie nicht, Herr Doctor, daß Küchenzettel ein schöneres Album bilden könnten, wie Recepte? Jedenfalls stehen sie vor diesen in erster Reihe, denn die Recepte entstehen meist nur, um das zu corrigiren, was die Küchenzettel verdorben haben.

Sie scherzen, um abzulenken, Herr Graf! entgegnete der Arzt. Ich beabsichtige nicht, Ihnen Geheimnisse zu entlocken.

Ein solches Bemühen würde auch das Vergeblichste von der Welt sein, versetzte Ludwig. Ich habe den Leuten das Räthsel nicht aufgegeben, um es in einer schwachen Stunde selbst zu lösen. Der schmerzlichste Verlust, den ich erlitt, machte mein Gemüth nur noch verschlossener, mein Schweigen nur um so tiefer. Gern hätte ich, als meine unvergeßliche Freundin dem Grabe – nicht zuwelkte, sondern zublühte, Sie rufen lassen, Herr Medicinalrath, aber sie wollte es nicht, und sie war ja die Herrin, meine angebetete Herrin, und über Alles, was mein war. Sie wollte es nicht, sie wollte von Ihnen nicht das Opfer.

Das Opfer des Schweigens? fiel der Arzt dem Grafen in das Wort. Ein solches Opfer wird dem Manne meines Standes nicht schwer. Schweigen ist unsere erste Pflicht.

Wohl jedem Ihrer Collegen, der so denkt! stimmte ihm Ludwig bei: und der anvertraute Geheimnisse treu im Busen bewahrt. Aber ich meine, angenehmer, leichter und froher lebe sich’s doch, wenn ein Mensch keine Geheimnisse zu bewahren hat und von solchen unbelastet bleibt? Meinen Sie nicht auch so?

Der Arzt lächelte und schwieg; sein heller Geist verstand den Wink sehr gut. – Ludwig sprach weiter: Ich sollte, und gewiß ist das auch Ihre Meinung, eigentlich darauf bedacht nehmen, mein Haus zu bestellen. Ich sollte, was man so nennt, testiren, nicht wahr? Vor Notaren und Actuaren, vor Zeugen und Zöpfen? Aber das fällt mir nicht ein! Wenn ich meine Augen schließe, so hören meine Geldquellen auf zu fließen, das ist längst so geordnet. Meine Dienerschaft wird nicht unbedacht bleiben, verspricht sie sich aber goldene Berge und Crösusschätze, so ist sie im Irrthum. Was ich in der Nähe der Stadt besitze, das Haus, die Gärten, das Haus in Walrabs, der Berggarten mit meinem theuren Grabe, das ich gepflegt wissen will neben dem meinen, soll Alles in treue Dienerhände fallen. Zu meiner hiesigen Verlassenschaft werden sich lachende Erben melden, Einer davon besonders wird am Meisten lachen, er ist ein geistlicher Herr katholischen Glaubens.

Sie sind katholisch? entfuhr dem Munde des Arztes die Frage.

Ludwig lächelte. Wer fragt danach? Ich bin, der ich bin, und bin, der ich nicht bin.

Mit dieser apokalyptischen Wendung schnitt der Graf die fernere Unterredung ab, und indem er in ein ernstes Nachsinnen versank, ward ihm so recht die Eitelkeit und Nichtigkeit alles Irdischen, das so tausendfach vergebliche Ringen und Streben, Mühen und Abquälen der Menschen in innerster Seele klar. – Dort lag das Tagebuch der Ahnfrau seines Hauses, der gebornen Herzogin de la Tremouille; er griff mechanisch nach demselben und sprach, indem er es aufschlug, gedankenvoll vor sich hin: Wie sich doch die Kettenglieder der Lebenden aneinander reihen von uralten Zeiten her. Welche Stofffülle! Und so ganz begraben, so ganz vergessen zu sein! – Auch hier ist geschildert, was sich ewig erneut im steten Wechsel und im Laufe der Jahrhunderte, der Herzen unruhvolles Klopfen, der Liebe Kampf und Ringen. Meine Großmutter gab mir dies Buch – und ich – habe keinen Enkel, dem ich es hinterlassen könnte. Die Großmutter meiner Großmutter schrieb dies Buch, und diese erzählte nun wieder von ihrer Großmutter. Welch’ eine Kette von Lebenden, die alle zum ewigen Schlummer sich niederlegten! – Wie beginnt die alte Dame?

»Die kurze Dauer des menschlichen Lebens und die Ungewißheit der Zeit des Todes hat mich den Entschluß fassen lassen, meinen Lebenslauf aufzuzeichnen, weil derselbe ungewöhnlich genug gewesen ist, so daß ich in ihm sichtlich die wunderbare Leitung Gottes erkannt habe, welche Alles zu meiner eigenen Genugthuung gewandt hat.«

Ja, ja – die Ungewißheit der Zeit des Todes! murmelte der Graf vor sich hin. Selten kommen die Menschen zeitig zu den rechten Entschlüssen. Diese Frau hat es über sich vermocht. Aber ihr Grund war auch ein gerechter; sie schrieb, was sie schrieb, für einen geliebten Sohn. Für wen sollte ich die Ereignisse meines Lebens aufzeichnen?

»Ich beginne dies,« schrieb sie: »im Jahre 1682, im einunddreißigsten meines Lebens, im ersten des deinigen.«

»Ich bin geboren zu Thouars, Mittwoch den 3. Januar 1652, nach der neuen Zeitrechnung, und den 25. December 1651, nach der alten. Ich wurde im Schlosse[15] von Herrn Chabrolle am 12. März getauft und Charlotte Amalie genannt. Herr von St. Cyr, Gouverneur von Thouars, vertrat meinen Pathen, welcher der Landgraf Wilhelm VI. von Hessen, Bruder meiner Frau Mutter, Emilie von Hessen war, außerdem waren Herr von Turenne, Herr Landgraf Friedrich von Hessen (Oheim des regierenden Landgrafen), und Graf Moritz von Nassau meine männlichen Pathen; meine Pathinnen waren die Frau Herzogin von Zweibrücken, Aebtissin von Herfort, die Gräfin Charlotte von Derby[16], geborene Herzogin de la Tremouille, die Frau Herzogin Eleonore Dorothea zu Sachsen-Weimar, die Frau Kurfürstin Charlotte von der Pfalz, Tochter des Landgrafen Wilhelm V. zu Hessen, und Mademoiselle de Bouillon. Den Namen Amalie empfing ich von meiner Großmutter, der Frau Landgräfin Amalie Elisabeth, Gemahlin des regierenden Landgrafen Wilhelm V. zu Hessen-Cassel.«

Welch ein Kranz glorreicher und strahlender Namen um die Wiege eines kleinen Mädchens! rief Ludwig aus. Ist mir doch als erblickte ich meine gute Großmutter, die so bewandert war in der Genealogie, leibhaftig vor mir, und hörte sie den Ruhm und die Verbindungen ihres alten Hauses verkünden! Wie oft mag sie mit stillem Vergnügen über diesem interessanten Buche gesessen haben!

»Meine Frau Mutter ließ mich im Schlosse bei der Herzogin meiner Großmutter, die mich als einzige Tochter adoptirte und für meine Erziehung und meine Bedürfnisse zu sorgen versprach, was sie auch mit der äußersten Zärtlichkeit fast dreizehn Jahre lang that, und mich gründlich verzog. Ich wurde ein so halsstarriges und eigensinniges Kind, daß eine minder geduldige und zärtliche Dame, als es meine Großmutter für mich war, meine Unarten gewiß nicht ertragen haben würde.«

Es geht ein eigenthümlicher Grundzug durch die Generationen, sprach Ludwig, als er dies gelesen hatte. Häufig tritt zwischen Großeltern und Enkeln mehr Aehnlichkeit der Gesichtsbildung, ja selbst des Charakters, als zwischen Eltern und Kindern hervor, auch häufig mehr Liebe der Großeltern zu den Kindern ihrer Kinder, als diesen von den Eltern zu Theil wird. So wäre zuletzt die oft halsstarrige Festigkeit und Härte im Charakter meiner guten Großmutter zum Theil nur ein Erbe der ihrigen gewesen? Welch’ ein eigenthümlicher Reiz liegt in diesem alten Buche – ein so langes, vielbewegtes Leben, – es wäre ein Unrecht von mir, dieses Buch, so wie jene Tagebuchbruchstücke meiner Großmutter der Vernichtung Preis zu geben – aber wem soll ich sie anvertrauen? Meinen Vetter Wilhelm Gustav Friedrich deckt seit 1835 die Gruft, William, der Vice-Admiral, starb schon 1813. Ihre Kinder kenne ich nicht, stehe ihnen fern, bin ihnen fremd, wer weiß, ob Eines von ihnen durch diese Gabe erfreut würde! Auch für Leonardus Erben kann sie nicht den mindesten Werth haben, diese Holländer wären im Stande, Häringe in die Papiere zu wickeln, welche die Geschichten einst glühender Herzen enthalten! – Der Einzige, Vincentius Martinus, der vielleicht diese Blätter würdigte, leidet an Gesichtsschwäche, die heilige Ottilia rächt sich an ihrem Kirchlein, weil er ihr, wie ich große Ursache zu glauben habe, meine ansehnliche Schenkung entzogen und sie für sich selber behalten hat. Da würden diese altfranzösisch geschriebenen Blätter ihm nur Mühe machen, sie zu entziffern. Am Besten, ich überlasse es ganz dem Zufall, daß dieser sie in eine Hand bringe, die sie dereinst zu schätzen und zu übersetzen weiß.

Ludwig blätterte wieder in dem alten Bande, viel des Anziehenden enthielt er noch, eine reiche Stofffülle für Geschichte damaligen Hoflebens und persönlicher Verhältnisse der weitverzweigten Verwandtschaft des alten reichsgräflichen Geschlechts, endlich legte er das Buch zur Seite und sagte, sonderbar bewegt: Es ist ein Grabstein.

Auch sein Ziel war nahe, näher als er selbst glaubte; gleichwohl versäumte er nicht, Alles vollends zu vernichten, was noch zu vernichten war, die Briefe der Großmutter, die Briefe und die Schenkungsurkunde Georginens, seine früheren Reisepässe, ein Flammenopfer nach dem anderen; ferner Leonardus’ Testament und Schenkungen, alle Quittungen, alle Danksagungen. – Alter Adrianus van der Valck! sprach er sinnend: Du, der mich rechnen lehrte, was sagst du zu meinem Rechnungsabschluß? Subtraction! Der Tod zieht mir das Leben ab, das ist das Facit meiner Rechnung.

Eines Tages wollte er noch schreiben, aber die Hand versagte ihm den Dienst. Der jüngere Diener ward herbeigerufen, der Herr wollte dictiren, aber er vermochte es nicht, er fühlte sich zu schwach dazu, und murmelte nur: O weh! daß ich doch zu keinem Entschluß kommen kann! Nun denn – mag es sein!

Noch einige unzusammenhängende Phantasien von Testamenten – von einer Dame, die aus weiter Ferne kommen werde – von einem Bruder, der ermordet worden – von einer Schwester, die ihm entgegenstrahle – von Engeln, die seiner harrten – und die Seele Ludwig’s löste sich leise los vom Erdenstaube. Er war »auf dem Sopha« – wie die Acten lauteten »sanft eingeschlafen.«

Der Tod des geheimnißvollen Grafen war ein Ereigniß, das lange Stadt und Land bewegte und allgemein die Neugier auf’s Höchste spannte. Nun endlich mußte doch Alles offenbar werden! Gegen Erwarten ward aber Nichts offenbar. Die Gerichte kamen, versiegelten, öffneten und inventirten den Nachlaß.

Es fand sich kein Testament. Die Dienerschaft erzählte, daß ihr entschlafener Herr stets den Wunsch ausgesprochen habe, in seinem Berge neben jenem Grabe beerdigt zu werden, das sein Theuerstes barg, denn in der Schenkungsurkunde des Berggartens an den Einen der Diener stand die Bedingung: »Das oder die Gräber in dem geschenkten Garten stets zu pflegen und zu bewachen.«

Ludwig wurde nicht neben Sophien zur Erde bestattet. Ein ausgemauertes Grab zu Eishausen nahm die sterbliche Hülle des Dunkelgrafen auf. Eingedenk der großen Wohlthaten, die er ihr erzeigt, ging die ganze Dorfgemeinde mit zu Grabe. Von Hildburghausen her nahte ein stiller Zug, die Waisenkinder mit ihrem Lehrer an der Spitze, deren Wohlthäter Ludwig gewesen war. Neben dem vormaligen Ortsgeistlichen wurde er eingesenkt, dessen Hügel ein Denkstein schmückt, den Therese, Bayerns Königin, diesem ihrem einstigen Lehrer hatte errichten lassen. Dankbar hob der jetzige Geistliche in der Grabrede die Verdienste des edeln menschenfreundlichen Verstorbenen hervor.

In den nun vom Gericht durchsuchten Papieren Ludwig’s fanden sich zunächst der Briefwechsel mit seinem Agenten zu Hildburghausen, die quittirten Rechnungen und diejenigen Documente, welche den Verstorbenen fast zweifellos zum Leonardus Cornelius van der Valck stempelten, und den Namen eines Grafen oder Barons Varel oder Versay als nur angenommen erscheinen ließen. Es fand sich auch etwas Geld, nämlich an 300 Stück Doppellouisd’or, eine Rolle einfache, gegen 200 holländische Ducaten einschließlich einiger anderer Goldstücke, 576 Kronenthaler, 577 preußische Thaler, und über 150 Gulden sonstige Silbermünze, eine Totalsumme von mehr als 10,000 Gulden baar. Aufschlüsse über die Verhältnisse des Verstorbenen fanden sich, wie die Acten aussagen, nicht vor. Im Inventar befand sich ein silbernes Petschaft mit einem Lapislazuli-Stein, in welchem drei Lilien unter einer Krone eingegraben waren; reiches Silberzeug, sechs Uhren, nicht weniger als sieben Thermometer, drei Barometer. Unter der reichhaltigen Rubrik des Kapitels: Insgemein stand auch trocken und klanglos: Nummer 112 »eine Windharfe« – verstimmte Saiten! –

Da kein Testament und keine Erbnehmer vorhanden waren, so erfolgten nun von Seiten der Gerichte Edictalladungen auswärtiger Erbberechtigten, in vielen deutschen und hauptsächlich rheinischen, sowie holländischen Zeitungen, in denen ausgesprochen war, daß »fast ohne Zweifel«, wie aus den Papieren hervorgehe, der Verstorbene Leonardus Cornelius van der Valck geheißen habe, denn Leonardus’ Taufzeugniß war vorhanden; auch daß er fast bis an seinen Tod mit seinen Verwandten in Amsterdam in Briefwechsel gestanden habe. Auch der Dame wurde in diesen Vorladungen gedacht und einer Reihe Briefe aus Mans, Angés Barthelmy, geb. Daniels unterzeichnet, »ohne Zweifel« an den Verstorbenen gerichtet, und die Annahme zulassend, daß die Verfasserin der Briefe mit der im Schlosse zu Eishausen verstorbenen Dame »vielleicht identisch« gewesen sein könne.

Es erschienen nun ein Anwalt aus Amsterdam und ein Notar aus dem Haag, überreichten Vollmachten, Pässe und den Stammbaum des Herrn Pastor Vincentius Martinus van der Valck zu Leiden, der verwittweten Frau Cornelia Petronella Adriana Wirix, geborenen Lippert, jetzt wohnhaft zu Weerd (Wörden), ingleichen der Fräulein Helena Maria und Christina Theodora Lippert, und bestellten zur Geltendmachung ihrer Rechtsansprüche einen Hildburghäuser Anwalt; sie legten auch die Taufzeugnisse von Vincentius Martinus Vater und Mutter, wie von den Eltern benannter Damen in bester Form verbrieft und besiegelt vor und eine Urkunde, kraft deren Vincentius Martinus van der Valck, römisch katholischer Pastor emeritus, für sich und seine Muhmen die Beauftragten an seiner Stelle zu handeln bevollmächtigte; bald flogen auch noch andere »Falken« in Briefen herbei, um an der schönen Erbschaft Theil zu nehmen; die Herzberger, die Bocholder, die von Dahme, zum Theil mit Beweismitteln, die manche Heiterkeit erregten, allein das Gericht sprach die Erbschaft und mit vollem Recht, dem lustigen Emeritus in Leiden und seinen alten Muhmen zu und soll derselbe, wie die von ihm nach der Hand abgesandten holländischen Bevollmächtigten, welche kamen, um die Erbschaft zu erheben, versicherten, in seiner jocosen Weise dankbar ausgerufen haben: Nun ist mein Leiden zu nichte gemacht!

Die Beauftragten aus Amsterdam trugen das reiche Erbe von dannen, sie verschmähten einen Haufen Maculatur und altes Papier, was auf dem Boden lag, und einige Scripturen, die zufällig dazu gekommen waren. Es war noch eine reichhaltige Briefsammlung, die zufällig unberührt geblieben war, das alte Tagebuch und das jüngere Tagebuchbruchstück lagen auch darunter. Es ist zu wünschen, daß alles Benutzbare davon nicht in allzuschlimme Hände gefallen sein möge.

Der Vorhang fiel, das Lebensdrama im stillen Schloß des Dunkelgrafen war zu Ende gespielt.

Wem vergönnt ist, durch Eishausen zu reisen und dort einen kleinen Aufenthalt zu machen, der besuche das Gasthaus und frage dort nach dem Grafen; da wird er hören, wie Ludwig’s Andenken noch immer in hohen Ehren gehalten wird.

»Um den Mann sind viele Thränen geweint worden – der Mann hat unser Dorf sehr glücklich gemacht – solch’ ein Mann kommt niemals wieder!« das sind die einfachen Reden der schlichten Landleute.

Schön und würdig hatte Ludwig seine Sendung erfüllt. Was die Großmutter einst beim Abschied segnend zu ihm gesprochen, es war an ihm zur Wahrheit geworden. Er ging durch die schmerzlichen Flammen der Läuterung und ging rein aus ihnen hervor; er ehrte Gottes Gebote und liebte die Menschen. Er war mildthätig und barmherzig und vergalt Kränkungen nur mit Wohlthaten – darum dauert in dem stillen Kreise, in den er eintrat, sein Name im Segen fort von Geschlecht zu Geschlecht.

Anmerkungen zur Transkription: Dieses elektronische Buch wurde auf Grundlage der 1854 als Band III in »Deutsche Bibliothek – Sammlung auserlesener Original-Romane« erschienenen Erstausgabe erstellt. Kleinere Unregelmäßigkeiten in der Schreibweise wurden beibehalten. Die nachfolgende Tabelle enthält eine Auflistung aller gegenüber dem Originaltext vorgenommenen Korrekturen.

S. 10: im Jahre siebenhundert und vierundfünfzig → siebzehnhundert

S. 11: Siebentes begehrt → Siebentens

S. 13: noch widrigerere Kämpfe → widrigere

S. 25: angstschweistreibender Pillen → angstschweißtreibender

S. 29: Herrn von Göthe → Goethe

S. 37: Paris, Straße Vaurigard → Vaugirard

S. 41: [vereinheitlicht] reichhaltigen Tagbüchern → Tagebüchern

S. 79: des Hauses van der Valk → Valck

S. 85: tn einem großen Bogen → in

S. 101: die Theilhaber an den fünfund zwanzig → fünfundzwanzig

S. 101: Prinz von Tarent und Talmont Theil, hat, → Talmont, Theil hat,

S. 109: Vater hat das Alles so beohlen → befohlen

S. 110: [vereinheitlicht] was will das bischen Flitter sagen → Bischen

S. 111: siebenzehnhundertsiebennndvierzig → siebenzehnhundertsiebenundvierzig

S. 129: entblös’ten Armen → entblößten Armen

S. 132: Feierlich stieg Robespiere → Robespierre

S. 134: zwischen dem Louver und dem Tuilerienschloß → Louvre

S. 134: laßt siel iegen vorn. → sie liegen

S. 137: setzte Wind hinzu → Windt

S. 140: [Komma entfernt] Schößlinge buntblühender, Stauden wachsen.

S. 148: [Komma ergänzt] siebenzehnhundertvierundsiebenzig, der Erstere aber

S. 160: sein rohe Benehmen → rohes

S. 168: [Ausrufezeichen ergänzt] immer mehr! rief der Erbherr.

S. 173: von den Zinnen und Warten das Kastells → des Kastells

S. 177: [Anführungszeichen ergänzt] meinen Knochen einen Höllenschmerz.«

S. 194: [Punkt ergänzt] Louise, der Tochter des Königs

S. 198: als ihr Inhal bis zur Nagelprobe → Inhalt

S. 203: Nicht uninterressant → uninteressant

S. 212: [Punkt ergänzt] in den alten Sprachen.

S. 214: Leonardus Reitknecht → Leonardus’

S. 214: [vereinheitlicht] Unterwegs peitschte der Postillion → Postillon

S. 221: [Punkt ergänzt] in das Lesecabinet, die Sessel mit der Krone

S. 222: [Komma entfernt] ohne Zweifel bei Ihnen, wohnen

S. 223: [Anführungszeichen ergänzt] »Seeluft! Seeluft!

S. 227: ich ersehne aber mit Ungeduld den Angenblick → Augenblick

S. 237: Der Graf von Artois begab sich nach Ham → Hamm

S. 238: verfehlte Willam nicht → William

S. 238: diese einsweilen ausgezahlte Summe → einstweilen

S. 245: [Punkt ergänzt] mein Bruder, mein Ludovicus.

S. 250: General-Gouverneuers von Indien → Gouverneurs

S. 265: besprochen worden von den Freuden → Freunden

S. 270: malade imaginair → malade imaginaire

S. 279: sprach Gräfin Linden. → Lynden.

S. 293: [vereinheitlicht] auf Angés Leben einwirkte → Angés’ Leben

S. 293: [vereinheitlicht] Es war Angés Hand → Angés’ Hand

S. 295: [Punkt korrigiert] Schwester Windt’s, entlud, → entlud.

S. 295: [Komma korrigiert] weder diesen. noch den anderen → diesen, noch

S. 303: gegen die Batatavische Republik → Batavische

S. 304: wenn du den Landesgesetzen gemäß dich hälst → hältst

S. 304: Lassen Niemanden Rechenschaft schuldig → Niemandem

S. 306: Cornelius van der Valk → Valck

S. 312: der klein und spießbürgerlichen Klatschsucht → klein- und

S. 314: [Anführungszeichen ergänzt] freisinniger Fürst, abgeschafft hat.«

S. 315: Prinz Joseph Hollandiuns Herzog → Hollandinus

S. 320: Dem Volke d’Hauptpoule’s folgte → Hautpoule

S. 321: 25000 Mann stark → 25,000

S. 322: [Komma entfernt] Schinken, Würste, die → Würste die

S. 325: Ernst August von Großbrittannien und Windt → Großbritannien

S. 326: [Punkt korrigiert] Wunderbar! rief Ludwig! → Ludwig.

S. 327: gebot seinem Diener zurückzureitten → zurückzureiten

S. 332: [Fragezeichen korrigiert] ganz einsam zu werden. → werden?

S. 343: Herr Kammerath Melchers also sind der Ansicht → Kammerrath

S. 360: vormaliger Fürstbischof von Strasburg → Straßburg

S. 368: [Punkt korrigiert] und nicht glauben wollte, → wollte.

S. 373: in dem Gedanken, das → daß

S. 374: sahe der Graf zu seiner Bestürzung → sah

S. 380: gibt es jetzt [...] zu thun gegeben, bald → zu thun, bald

S. 382: wer hätte das gedacht → Wer

S. 387: die Buchstaben L. C. V. d. V. eingegraben waren → L. C. v. d. V.

S. 406: Hofdame in Sarkoe-Selo → Sarskoe-Selo

S. 410: Als ich die Bäder von Burton gebrauchte → Buxton

S. 422: dachte er daran, entsiegelte, es las → entsiegelte es, las

S. 423: [vereinheitlicht] die Söhne der Reichgräfin → Reichsgräfin

S. 425: [Anführungszeichen ergänzt] »Dieser Gedanke schnitt mir wie

S. 429: er brachte keinen Störung → keine

S. 429: Briefwechsel mit dem Pfarrer Vincentinus → Vincentius

S. 434: Margarita Gardes eingegangener Gewisseensehe → Gewissensehe

S. 437: Holstein-Sonderburg und Holsteinstein-Plön → Holstein

S. 440: wazu des Hauses Höhe sich gut eignete → wozu

S. 442: der Arolsharfe schwellendschwebende Accorde → Aeolsharfe

S. 447: [vereinheitlicht] von Coburg über Rodoch kommende → Rodach

S. 450: sequestrirte Oldenbnrg → Oldenburg

S. 454: o trit wieder hinaus in die Welt → tritt

Die Fraktur-Ligatur für »etc.« wurde durch etc. ersetzt. (S. 47, 397)

Transcriber’s Notes: This ebook has been prepared from the first print edition published in 1854 as volume III in “Deutsche Bibliothek – Sammlung auserlesener Original-Romane”. Minor spelling inconsistencies have been maintained. The table below lists all corrections applied to the original text.

p. 10: im Jahre siebenhundert und vierundfünfzig → siebzehnhundert

p. 11: Siebentes begehrt → Siebentens

p. 13: noch widrigerere Kämpfe → widrigere

p. 25: angstschweistreibender Pillen → angstschweißtreibender

p. 29: Herrn von Göthe → Goethe

p. 37: Paris, Straße Vaurigard → Vaugirard

p. 41: [normalized] reichhaltigen Tagbüchern → Tagebüchern

p. 79: des Hauses van der Valk → Valck

p. 85: tn einem großen Bogen → in

p. 101: die Theilhaber an den fünfund zwanzig → fünfundzwanzig

p. 101: Prinz von Tarent und Talmont Theil, hat, → Talmont, Theil hat,

p. 109: Vater hat das Alles so beohlen → befohlen

p. 110: [normalized] was will das bischen Flitter sagen → Bischen

p. 111: siebenzehnhundertsiebennndvierzig → siebenzehnhundertsiebenundvierzig

p. 129: entblös’ten Armen → entblößten Armen

p. 132: Feierlich stieg Robespiere → Robespierre

p. 134: zwischen dem Louver und dem Tuilerienschloß → Louvre

p. 134: laßt siel iegen vorn. → sie liegen

p. 137: setzte Wind hinzu → Windt

p. 140: [extra comma] Schößlinge buntblühender, Stauden wachsen.

p. 148: [added comma] siebenzehnhundertvierundsiebenzig, der Erstere aber

p. 160: sein rohe Benehmen → rohes

p. 168: [added exclamation mark] immer mehr! rief der Erbherr.

p. 173: von den Zinnen und Warten das Kastells → des Kastells

p. 177: [added closing quotes] meinen Knochen einen Höllenschmerz.«

p. 194: [added comma] Louise, der Tochter des Königs

p. 198: als ihr Inhal bis zur Nagelprobe → Inhalt

p. 203: Nicht uninterressant → uninteressant

p. 212: [added period] in den alten Sprachen.

p. 214: Leonardus Reitknecht → Leonardus’

p. 214: [normalized] Unterwegs peitschte der Postillion → Postillon

p. 221: [added comma] in das Lesecabinet, die Sessel mit der Krone

p. 222: [extra comma] ohne Zweifel bei Ihnen, wohnen

p. 223: [added opening quote] »Seeluft! Seeluft!

p. 227: ich ersehne aber mit Ungeduld den Angenblick → Augenblick

p. 237: Der Graf von Artois begab sich nach Ham → Hamm

p. 238: verfehlte Willam nicht → William

p. 238: diese einsweilen ausgezahlte Summe → einstweilen

p. 245: [added period] mein Bruder, mein Ludovicus.

p. 250: General-Gouverneuers von Indien → Gouverneurs

p. 265: besprochen worden von den Freuden → Freunden

p. 270: malade imaginair → malade imaginaire

p. 279: sprach Gräfin Linden. → Lynden.

p. 293: [normalized] auf Angés Leben einwirkte → Angés’ Leben

p. 293: [normalized] Es war Angés Hand → Angés’ Hand

p. 295: [fixed period] Schwester Windt’s, entlud, → entlud.

p. 295: [fixed comma] weder diesen. noch den anderen → diesen, noch

p. 303: gegen die Batatavische Republik → Batavische

p. 304: wenn du den Landesgesetzen gemäß dich hälst → hältst

p. 304: Lassen Niemanden Rechenschaft schuldig → Niemandem

p. 306: Cornelius van der Valk → Valck

p. 312: der klein und spießbürgerlichen Klatschsucht → klein- und

p. 314: [added closing quotes] freisinniger Fürst, abgeschafft hat.«

p. 315: Prinz Joseph Hollandiuns Herzog → Hollandinus

p. 320: Dem Volke d’Hauptpoule’s folgte → Hautpoule

p. 321: 25000 Mann stark → 25,000

p. 322: [extra comma] Schinken, Würste, die → Würste die

p. 325: Ernst August von Großbrittannien und Windt → Großbritannien

p. 326: [fixed period] Wunderbar! rief Ludwig! → Ludwig.

p. 327: gebot seinem Diener zurückzureitten → zurückzureiten

p. 332: [fixed question mark] ganz einsam zu werden. → werden?

p. 343: Herr Kammerath Melchers also sind der Ansicht → Kammerrath

p. 360: vormaliger Fürstbischof von Strasburg → Straßburg

p. 368: [fixed period] und nicht glauben wollte, → wollte.

p. 373: in dem Gedanken, das → daß

p. 374: sahe der Graf zu seiner Bestürzung → sah

p. 380: gibt es jetzt [...] zu thun gegeben, bald → zu thun, bald

p. 382: wer hätte das gedacht → Wer

p. 387: die Buchstaben L. C. V. d. V. eingegraben waren → L. C. v. d. V.

p. 406: Hofdame in Sarkoe-Selo → Sarskoe-Selo

p. 410: Als ich die Bäder von Burton gebrauchte → Buxton

p. 422: dachte er daran, entsiegelte, es las → entsiegelte es, las

p. 423: [normalized] die Söhne der Reichgräfin → Reichsgräfin

p. 425: [added opening quotes] »Dieser Gedanke schnitt mir wie

p. 429: er brachte keinen Störung → keine

p. 429: Briefwechsel mit dem Pfarrer Vincentinus → Vincentius

p. 434: Margarita Gardes eingegangener Gewisseensehe → Gewissensehe

p. 437: Holstein-Sonderburg und Holsteinstein-Plön → Holstein

p. 440: wazu des Hauses Höhe sich gut eignete → wozu

p. 442: der Arolsharfe schwellendschwebende Accorde → Aeolsharfe

p. 447: [normalized] von Coburg über Rodoch kommende → Rodach

p. 450: sequestrirte Oldenbnrg → Oldenburg

p. 454: o trit wieder hinaus in die Welt → tritt

The ligature for "etc." has been replaced by etc. (p. 47, 397)

Notes in this chapter

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