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Taten des großen Alexander

FÜNFTES KAPITEL

Ludwig Rubiner translation

DIE SCHLACHT. Die folgende Schlacht fand bald statt am Flusse Strangas im Winter; die beiden Führer hatten so viel als möglich Heere gesammelt, und sprachen ihre bedeutendsten Reden. Dareios befand sich in einem wunderlichen Gespann, mit Sicheln ums Rund der Räder, mit denen das Gefährt alle Herannahenden mähte. Und solcher Vorrichtungen gab es ein ganzes Bataillon. Diese Schlacht war am blutigsten; der Himmel wurde verdunkelt von den Pfeilen, Steinen und Spießen. Die persischen Sichelwagen schnitten auf der Flucht in ihre eigenen Soldaten; und diese, ihre letzte Zuflucht auf dem Eise des Flusses suchend, fanden dort ihr endgültig Verderben, da das Eis das Gewicht von so vielen Menschen und Pferden nicht trug und brach, und alle wurden von dem plötzlich offenen schwarzen, rauschenden Wasser zugedeckt. Dareios zerriß am Ufer sein Kleid und begab sich eilig in den Palast, wo in entferntem Gemach eingeschlossen, er auf den Boden stürzte, wie ein Kind weinend: »Dareios, Dareios, ein flüchtender Bettler, vor kurzem noch der Beherrscher der Welt!«

Apis, der Vertraute des Dareios, unternahm erfolglos einen Anschlag auf das Leben Alexanders, indem er sich als Makedonier verkleidete, er wurde aber vom großmütigen König in Freiheit gesetzt. Alexander hieß die Leiber der gefallenen Griechen und Perser begraben, und schickte sich an, in Babylon zu überwintern, das durch viele Wunder berühmt war.

DER TOD DES DAREIOS. Zwei andere Vertraute von Dareios, im Wunsche, angenehmes Alexandern zu bereiten, als dem wahrscheinlichen Sieger in diesem Kampfe, beschlossen den Perserkönig zu töten; einmal in der Nacht in das königliche Schlafgemach dringend, überfielen sie Dareios, aber mit nackten Händen wehrte er die zwei so ab, daß die Edelleute ohne die schmachvolle Absicht wahr zu machen verschwanden; indem sie den nicht vollends erwürgten König stöhnend im dunklen Gemache zurückließen. Kaum erfuhr Alexander von der Verschwörung und dem Mordanschlag auf Dareios, als er sofort übers Eis den Fluß beschreitend, sich in des Persers Gemach begab. Der König lag auf dem Fußboden, mitten im Zimmer, das alle Spur des jüngsten zähen Kampfes trug, kaum noch lebendig.

Alexander deckte ihn mit seiner Chlamys zu, und, die erstarrenden Hände drückend, flüsterte er: »Dareios, stehe auf, lebe, herrsche in deinem Lande!«

Dareios, auf den König den irrenden Blick geheftet, flüsterte kaum hörbar: »Sieh, was ich geworden; ein Schatten, auf einer Mauer vorüberhuschend, das ist der Ruhm; denk daran, denk daran! . . .« Des Dareios Gesicht mit dem Mantel verhüllend, sprang Alexander davon. In Babylon besah er alle Wunder, bestattete Dareios, kreuzigte an seiner Grabstätte seine Mörder, krönte sich und feierte bald darauf seine Hochzeit mit Roxane, wobei er, wie es schien, den Gipfel menschlichen Glückes erreichte.

Ende des zweiten Buches.

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