Valenciennes.
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Valenciennes, die Wäschespitzen par excellence, sind leicht erkennbar, toilé und réseau werden gleichzeitig gearbeitet und womöglich mit der gleichen Anzahl Klöppel. Sie gelten mit Recht als die dauerhaftesten Spitzen, das toilé ist das dichteste, welches überhaupt vorkommt, und sieht wie feiner Batist aus. Die Klöppel werden kunstvoll verteilt und in dem réseau fortgeführt, welcher aus einer der Valenciennes charakteristischen Masche besteht; jede Seite derselben ist ein aus vier Fäden geflochtenes Zöpfchen, je dichter dieses ist, desto dauerhafter ist sie.
Das toilé ist von keinem Cordonet-Faden eingefaßt, und ist ganz flach, was ihm beim Waschen und Bügeln sehr zum Vorteil gereicht. Daher hatte sie den Beinamen eternelles Valenciennes. Der Faden des toilé läuft wie bei Leinwand vertikal und horizontal, bei alten Stücken kann man beobachten, daß das toilé und réseau aus derselben Klöppelanzahl bestand, es wurde also nichts geschnitten. Man kann die Valenciennes in dreierlei Gattungen einteilen:
1. Die ganz alten, welche sehr große Ähnlichkeit mit den flandrischen Spitzen zeigen, haben die maille à cinque troux (welche auch geflochten ist). Die Zeichnung bildet nicht den Rand, sondern schlängelt sich durch die ganze Breite in einem großzügigen Muster, Blumen und Ranken, mit Vorliebe Nelken und Tulpen, welches darauf schließen läßt, daß wirklich die flämischen Arbeiterinnen, die unter Louis XIV. in Valenciennes angesiedelt wurden, diese Art eingeführt haben. Der réseau geht bis zum Rand, welcher nur durch ein doppelt breites Zöpfchen (acht Fäden) und picots abgeschlossen ist; sie haben häufig jours mit point de neige.
2. Die Valenciennes wie sie noch heute ist, mit der runden oder fast runden Masche und die Valenciennes mit der viereckigen Masche.
Die Valenciennes mit der runden Masche ist die ältere von den beiden letzteren Gattungen. Ihr réseau wurde in Valenciennes erfunden, weshalb diese les vraies Valenciennes genannt wurde; sie waren schön und fein gearbeitet, das toilé bildet bei beiden Gattungen den Rand, kleine verstreute Blümchen bilden häufig die Zeichnung und im Beginne mögen die Spitzen, in Valenciennes selbst verfertigt, sich durch größere Schönheit ausgezeichnet haben, so daß die in Lille, Aras und so weiter angefertigten Imitationen als fausses Valenciennes oder bâtardes benannt wurden, doch mit dem XVIII. Jahrhundert ging dieser Industriezweig in Valenciennes nieder.
Im belgischen Flandern blühte dafür diese Gattung auf, die Revolution hatte in Frankreich die verderblichsten Folgen für die Spitzenindustrie im allgemeinen.
Auch wurden später in Lille und Aras weniger kostspielige Lille Spitzen gemacht, die unter dem Namen dentelle de Lille den Valenciennes Konkurrenz machten. Um sich ein Bild von dem Unterschiede in der Anfertigung zu machen, sei nur erwähnt: während eine Arbeiterin der Lillespitzen zwei bis drei Meter im Tage fertig stellen konnte, vermochte eine Valenciennes-Klöpplerin höchstens fünf Centimeter bei zwölfstündiger Arbeitszeit zustande zu bringen, man kann also dadurch den bedeutenden Preisunterschied verstehen.
Mme. Paliser erzählt: auf der Weltausstellung im Jahre 1851 waren Valenciennes von Ypres zu 2000 Franks per Meter ausgestellt. Die Arbeiterin konnte in zwölf Stunden täglich nur acht Millimeter anfertigen.
Valenciennes in der Breite von fünf Centimeter benötigen zwei bis dreihundert Klöppel. Jetzt werden in Valenciennes gar keine Spitzen in der Art und dieses Namens gemacht. Fast der ganze Bedarf wird in Belgien gemacht und zwar ist Ypres das Zentrum davon. Im Jahre 1830 wurde dann die viereckige, sehr klare Masche gemacht. Die Zeichnung wurde reformiert, sogar jours mit point d'aiguilles, mit barettes, und point de neige gemacht.
In Bruges, Courtrois, Bailleul und so weiter macht man Valenciennes mit kleinen Abweichungen, zum Beispiel in der Brugher Gegend wird die runde oder fast runde Masche gemacht, anderswo wird das toilé sehr fein geklöppelt und während des Arbeitens werden Nadeln hineingestochen, die dann kleine Löcher bilden. Im Ganzen und Großen gehören aber die Valenciennes zu jenen Spitzengattungen, die in stetiger Abnahme begriffen sind; einerseits ist die Herstellung eine außerordentlich mühsame und langwierige, anderseits werden sie durch die Maschine in stetig besserer Ausführung imitiert, so zwar, daß die feinen Sorten der Maschinenspitzen oft schwer von den echten zu unterscheiden sind. Das toilé und réseau ist schon recht ähnlich, nur an dem Rande und den picots kann man die falschen besonders nach dem Waschen leicht erkennen. Die picots der echten sind aus zwei Paar Fäden geschlungen (vier Fäden), die falschen nur aus zwei einfachen Fadenmaschen, die nebeneinander liegen. Die picots und Ränder bei allen Maschinenspitzen sind der schwächste Teil und der Rand zieht ein und zerreißt zuerst.
Die Zahl der Arbeiterinnen vermindert sich jedes Jahr und die jungen Arbeiterinnen können überhaupt nur mehr die schmalen billigen und gröberen Waren (meistens für den Hausierhandel) machen. Die Valenciennes wurden auch noch im Erzgebirge, der Schweiz und in England und so weiter gemacht, sind aber niemals so fein und schön gearbeitet wie die belgischen. Jahrelang, von Kindesbeinen auf erworbene Übung ist die Grundbedingung der Technik dieser Spitzen.