Point d'Alençon.
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Von 1560 bis ungefähr zur Hälfte des XVII. Jahrhunderts exportierten die Venetianer eine ungeheuere Menge Nadelspitzen, sie deckten den ganzen Bedarf Europas, denn nirgends wurden ihre Spitzen so gut nachgeahmt, daß man ihnen nennenswerte Konkurrenz machen konnte.
Die verschiedenen Regenten erließen zahlreiche Erlässe gegen den übertriebenen Luxus, hohe Schutzzölle, strenge Verbote nützen und frommen nicht gegen die Macht der herrschenden Mode. Frankreich stand an der Spitze der importierenden Länder. Für viele Millionen Francs wurden alljährlich Spitzen aus Venedig eingeführt und die Nachfrage steigerte sich noch zusehends unter Louis XIV. Der »roi soleil«liebte in seiner Jugend üppigen Luxus und Glanz, er selbst beeinflußte die Moden und sprach allen Verordnungen seiner Minister Hohn, indem er für sich und seinen Hof den größten Aufwand an Spitzen aller Gattungen trieb, insbesondere aber die Venetianer bevorzugte. Es gab damals kaum ein Kleidungsstück, das nicht aus Spitzen gemacht oder mit Spitzen verziert wurde, breite Umlegkragen, jabots, manschetten, kanons, das sind Spitzenvolants, die aus den Stulpstiefeln hervorsahen, Rosetten an den Schuhen, an den jarretieren, Barben, Hauben, Schürzen, Bett- und Tischzeug, kurz alles war mit Spitzen versehen. In den Feldzügen, im Lager, über Harnischen, im Boudoir, in Kirchen und Klöstern, überall waren Spitzen zu sehen. Wenn man nun bedenkt, daß Frankreich verhältnismäßig wenig Spitzen im Lande produzierte, so begreift man, welch ein wirtschaftlicher Aderlaß dies für Frankreich war, und wie Flandern und Venedig dabei gewannen. Von der Macht der Mode kann man sich einen Begriff machen, wenn man die strengen Gesetze der damaligen Zeiten betrachtet; mit Schmugglern machte man nicht viel Federlesens, man knüpfte sie an den nächsten Baum oder schoß sie nieder, und trotzdem, da der Gewinn verlockend genug war, wurden die Schmuggler nur schlauer und erfindungsreicher, und Ballen von Spitzen fanden ihren Weg über die französische Grenze.
Wenn es kaum eine Kunst oder ein Kunsthandwerk, das durch Jahrhunderte so anonym geblieben ist, wie das der Spitzen gibt, denn überall anders treten uns Namen entgegen, so tritt ausnahmsweise der Name und die Gestalt Colberts hervor, ein Genie, das seinerzeit im Anfassen der nationalen Wirtschaftspolitik um Jahrzehnte vorauseilte, der nicht nur Altes unterstützte, sondern Neues schuf, der das so wichtige Prinzip erkannte, daß ein Luxus, so lange das Geld im Lande bleibt, und nichts vom Auslande importiert wird, nationalökonomisch nicht schädlich ist, da selbst sinnlose Ausgaben der Reichen das Geld ins Rollen bringen, Industrieen schaffen, die für den Export Bedeutung erlangen können, und das Volk zu großer Regsamkeit anspornen.
Colbert war mit einem Wort der erste moderne Finanz- und Handelsminister, er war der erste, der mit den nationalen Gütern nicht Raubbau trieb, er wollte nicht nur ernten, sondern säte auch in der Gegenwart für die Zukunft. Ihm hat Frankreich den ersten Impuls für die allen Stürmen trotzende Entwicklung der Industrie zu danken, er gründete oder förderte Manufakturen, wie die Gobelinweberei, Sèvresporzellanerzeugung, er ließ die so kostbaren und damals bloß in Venedig erzeugten Venetianerspiegel in Frankreich erfolgreich nachahmen, und endlich gründete er die Spitzenindustrie.
Colbert erkannte gleich, daß auf dem Wege der Verbote die Verhältnisse nicht zu sanieren waren. Mit der Mode mußte gerechnet werden, blieb nur das Geld im Lande, und es war das Beste die Passion für die eigene Heimat auszunutzen. Colbert faßte seine Sache erfolgreich an. In Frankreich hatte man bis dahin Nadelspitzen kaum fabriziert, doch war die Anfertigung des über alle Länder populären point coupé auch dort eingebürgert; hie und da hatte wohl auch die eine oder andere Spitzen-Matrone auf eigne Faust Venetianerspitzen aber minderwertig imitiert. Er suchte sich nun zur Pflanzstätte seiner Ideen jenen Bezirk Frankreichs aus, der eine relativ gut geschulte weibliche Bevölkerung besaß, und das war Alençon, mit Nachbarschaft, wie Aurillac, Argentan etc.
Die Gründung der Alençon-Spitzenindustrie ist deshalb eine sehr bemerkenswerte, weil sie eine vollkommen bureaukratische ist, sie wurde vom Schreibtisch aus diktiert, und mit Erfolg ins Leben gerufen. Im allgemeinen war und ist die Spitzenerzeugung stets eine volkstümliche gewesen, die nur hie und da in den Klöstern Förderung fand, von den Regierungen früher häufig eher gehemmt als unterstützt wurde. Colbert war der erste, der nationalökonomisch und administrativ wohl durchdachte Gründungen durch Ausbildung von schon existierenden Industrieen durchführte, obwohl er speziell von seiten der Bevölkerung in Alençon anfangs wenig freundliches Entgegenkommen fand. Vor dem Gründungsjahr 1665 hatte eine Mme. Perrière in Alençon venetianische Spitzen für eigene Rechnung nachgeahmt. Mit ihr und einigen anderen gründete Colbert die »Manufacture du point de France« wie von nun an alle französischen Spitzen hießen. Die Behauptung, welche die meisten Autoren der Mme. Paliser nachsprechen, daß die erste Manufaktur in Château de Lonrey bei Alençon etabliert war, ist nicht haltbar.
Zwei sehr ernste Autoren, wie Duval und Despierres widersprechen dieser Annahme und druckten in ihren Werken alte Dokumente als glaubwürdige Beweise ab; abgesehen von diesen Schriften spricht auch noch ein sehr einfacher Gedankengang gegen diese Behauptung. Im Jahre 1665 war die Feudalherrschaft noch in Blüte. Der Adel war noch nicht verarmt, wie später nach der Revolution. Damals, in Reichtum und Ansehen ungebeugt, bewohnten und benutzten die Adeligen ihre Schlösser noch selbst; hatten sie mehrere, so kamen dieselben wohl manches Mal noch zu Lebzeiten des Besitzers in Benutzung einer jüngeren Linie oder einer bevorzugten Maitresse. Ein bußfertiger Bruder oder eine alte Sünderin übertrug oder verschrieb ihre Herrschaft zur Rettung ihrer Seele der Kirche oder einem Kloster, seltener schon wurden Schlösser oder Burgen in Spitäler verwandelt. Doch der Gedanke, ein Schloß in eine Fabrik oder gar in eine Kaserne umzuwandeln, widerspricht ganz und gar dem aristokratischen Geiste jener selbstherrlichen Zeit. Dies blieb der Neuzeit vorbehalten, und leider oft zum Schaden der Ästhetik.
Die Gründung der Gesellschaft der points de France verteilte sich auf verschiedene Bezirke, wie Reims, Sedan, Aurillac und Argentan; und was nun von Alençon, dem wichtigsten, erzählt wird, gilt mehr oder minder von den anderen auch. Es wurden Gebäude für diesen Zweck eingeräumt und ausgestattet und man ließ Venetianerinnen und Flämländerinnen kommen und Frauen aus Alençon wurden angeworben, die genügende Schulung hatten.
Mit diesem kleinen Stabe hoffte Colbert in kurzer Zeit 8000 Arbeiterinnen heranbilden zu können. Darin wurden aber seine Erwartungen getäuscht, denn, so lange die Fabrik als solche unter der zehnjährigen Staatspatronanz stand, brachte man es auf nicht mehr wie 700 Arbeiterinnen, die Bevölkerung, die sich in ihrem Erwerbe bedroht sah, bot Widerstand, es kam häufig zu Ausschreitungen. Es wurde mit den neuen Mustern, die auch Monopol waren, Mißbrauch getrieben, was zwar strenge gestraft wurde aber Hetzereien und Wühlereien zur Tagesordnung machte. Trotzdem hatte die Manufaktur einen großen Erfolg. Louis XIV. erklärte den point de France zur offiziellen Hof-Etiquette, er trug ihn selbst und alles beeilte sich, ihn nachzuahmen.
Diese Fabrik muß man sich als ein Mittelding zwischen einer Fachschule und einer Aktiengesellschaft denken. Nachdem die ersten zehn Jahre verflossen waren, verwandelte sie sich in mehrere Privatunternehmen. Sie hatte aber ungemein befruchtend auf die allgemeine Spitzenindustrie gewirkt, obwohl man sich in den ersten fünfundzwanzig Jahren darauf beschränkte, die Venetianerspitzen möglichst getreu zu kopieren. Es war jene Gattung mit den brides picotées und war vielleicht nur im Relief etwas flacher gehalten. Doch der französische Geschmack kam bald zur Geltung, die Ausführung wurde zierlicher als die italienische und die Zeichnung wurde nach dem tonangebenden Geschmacke modifiziert. Wie aus den Venetianerspitzen derselben Zeit kann man an den Alençon bemerken, daß die brides wabenartig angeordnet waren, welche einen regelmäßigen réseau ahnen ließen. Im Anfange des XVIII. Jahrhunderts wurde der Versuch gemacht, den Klöppel-Reseau mit der Nadel nachzubilden. Es war auch die Konkurrenz, die das herbeiführte, denn die belgischen Spitzen wurden damals am Hofe viel getragen und drohten die points zu verdrängen. Die flämischen Mädchen werden offenbar die Anleitung dazu gegeben haben. In die Jahre zwischen 1700 und 1717 fallen die wichtigen Neuerungen, die den points d'Alençon ihr heutiges Ansehen gaben und sie von den venetianischen Spitzen so wesentlich unterscheiden, so daß sie von nun an eine ganz selbständige Gattung wurden. Es sind dies: der eigentliche, feine réseau, der dem Ansehen nach ähnlich wie der der Brüsseler Klöppel-Spitzen (point d'Angleterre) war; der Anfang des réseaus der Klöppelspitzen war sechseckig und ist später ein mehr längliches Viereck geworden und wird häufig réseau d'Alençon genannt. Dann wurde gleichzeitig die sogenannte maille bouclée und die bride tordue oder maille tordue gemacht, beides regelmäßige sechseckige Maschen, die nur größer und stärker wie der réseau sind. Die bride bouclée à picots, die von den Venetianern entlehnt war, nahm um diese Zeit ab. Die bride bouclée wird häufig den Argentans als Spezialität zugeschrieben; jede ihrer sechs Seiten wurde acht bis fünfzehn Mal mit Knopflochstich überzogen, wodurch sich natürlich dieser Grund durch große Dauerhaftigkeit auszeichnete und nebstbei in originellen Kontrast mit dem5 feinen eigentlichen réseau trat, der häufig als zweiter Streifen den Rand der Spitzen zierte. Durch die Benützung des réseaus wurden auch Zeichnung und Technik der Alençons bedeutend geändert. Von nun an wurden die points d'Alençons nicht mehr in Einem gearbeitet, sondern in kleinen Teilen von verschiedenen Arbeiterinnen, so wie die Brüsseler Spitzen. Jede Arbeiterin war in ihrer Spezialität eingearbeitet, und ein Stück Spitzen ging durch zwölf bis sechzehn verschiedene Hände, bis es fertig war. Diese getrennte Arbeit war in Venedig nicht in Gebrauch gewesen, und ist eine französische Neuerung, die man von den belgischen Klöpplerinnen gelernt hatte. Bei alten Spitzen begnügte man sich mit der Ausführung von fleurs, welche aus entoilage oder remplis gebildet waren; eine brode umgab sie und die brides füllten den Grund. Nun aber werden die Spitzen häufig in zweierlei Streifen gemacht, Medaillons als »rivière« angeordnet, schlängelten sich durch die Spitzen. Diese Medaillons wurden nun mit zahllosen verschiedenen Stichen ausgefüllt, die man modes nannte und die das rempli ersetzten, das jetzt zu große Ähnlichkeit mit dem feinen réseau hatte. Eine Eigentümlichkeit der Nomenklatur des point de France oder d'Alençon ist, daß er ganz andere Namen für die verschiedenen Teile hat, wie sonst gebräuchlich.
Motivs, fond, entoilage, fleur war die Bezeichnung für die Blume, champs für den Grund, ob aus brides oder réseau, brode heißt das Cordonet, das die Zeichnung umgibt, modes, fenêtres oder portes heißen die jours und so weiter.
Points d'Alençon sind noch insoferne interessant, weil man an ihnen wie an keiner anderen Spitzenart den jeweilig herrschenden Stil in der Zeichnung verfolgen kann.
Die ältesten vor 1660, volkstümlich »velins« nach dem Pergament, auf dem sie gearbeitet wurden, genannt, unterscheiden sich nicht von den allerorts gemachten points coupés, Reticellas oder primitiven Venetianern. 1660 bis 1700 verlegte man sich auf die getreue Kopie der kostbaren Venetianer Reliefspitzen und anderer, edler Gattungen.
Kleine Dessinänderungen wurden dann später wohl auch versucht, aber erst von 1700 erhalten die points d'Alençon ihr gewohntes Aussehen.
Von 1717 bis 1754 (Louis XV.) füllten die Blumen der Zeichnung bei schmäleren Volants noch die ganze Breite der Spitzen aus. Der Schwerpunkt der modes ist gegen den Rand gedrängt. Der Grund ist in einer der drei Gattungen brides, oder in réseau ausgeführt. Unter Louis XVI. kommt die sehr charakteristische Façons in Streifen und zweierlei champs auf, auch wird später le réseau mouche gemacht, der dann in der Folge wieder aufgenommen wurde.
Oben Gesagtes gilt von den kleineren Volants und den Berthen; betrachtet man jedoch ein größeres Stück wie die damals modernern tabliers und sehr breiten Volants, so kann man nicht genug über den Reichtum und die Üppigkeit der jours und modes staunen, eine solche wohlgeordnete Fülle von Details drängt sich. Und die ganze, große Zeit einer vollkommen höfischen Kunstrichtung, die, man möchte sagen aus der Initiative einzelner Personen entstand und mit diesen verging, zieht an Einem vorbei, Versailles und Petit Trianon unter den drei Louis mit diesen lebt und stirbt der point d'Alençon, Füllhörner, Blumen, Fruttiguirlanden, Rosen und Schmetterlinge, schnäbelnde Vögel, Blumenvasen, Baßgeigen, Mandolinen, Wappen und Menschen, ja oft Medaillonporträts von den Regenten, dies alles wurde häufig unsymmetrisch und doch fein stilisiert angeordnet.
Sehr bemerkenswert ist die stetige Konkurrenz der verschiedenen Spitzengattungen untereinander; sie entlehnen die künstlerischen Wirkungen und ahmen sich nach, bald war point de France, bald wieder die flachen Klöppelspitzen der point d'Angleterre, oder die Malines Königinnen der Mode. Im Wettbewerb trachteten sie sich an Schönheit, Ähnlichkeit und dann Verschiedenheit und Neues bieten zu übertrumpfen. Um 1700 findet man an den »modes« der Alençon häufig einen point angewendet, den réseau rosacé, der, in Nadelstich transponiert, den ursprünglichen point de neige der Malines wiedergibt. Diesen point de neiges oder oeil de perdrix findet man durch das ganze XVIII. Jahrhundert an Brüsseler Spitzen (point d'Angleterre), Valenciennes, Malines, point Alençon und Argentan immer wieder in verschiedenen Ausführungen und Variationen, und es war der kostbarste Grund.
Einen großen Niedergang in der französischen Spitzenindustrie schuf der Widerruf des Edikts von Nantes im Jahre 1685. – Unzählige protestantische Familien verließen ihre Heimat und trugen ihre Fähigkeiten in fremde Länder – und gründeten durch ihre Kenntnisse und Geschicklichkeit neue Gewerbe – überhaupt haben die Religionsverfolgungen im Laufe der Jahrzehnte gerade zur Ausbreitung der Spitzenindustrie sehr viel beigetragen. Wenn Deutschland, Schweden, Dänemark, die Schweiz und das Erzgebirge überhaupt eine Spitzenindustrie haben, so verdanken sie es zum größten Teile den französischen und flämischen Emigranten. – Direkte Vorteile aber gewann Venedig daraus, es erzeugte Spitzen im französischen Geschmacke und beschickte damit wieder die französischen und europäischen Märkte. Den zweiten, verderblichen Einfluß hatte die französische Revolution. –
Während der Revolutionsjahre gingen die meisten Spitzen-Industrien in Frankreich zu Grunde, manche, man sagt mehr wie zwölf, für immer; Sedan, Aurillac, Valenciennes kamen nie mehr in Betrieb. Napoleon förderte, wo er konnte, die durch die Revolution lahmgelegten Gewerbe, auch den points d'Alençon wandte er seine Sympathien zu. Die points d'Alençon im Empire zeigen kleine Blümchen stilisiert im réseau verstreut; und dieses ist mit sogenannten petits pois, larmes oder grains de café, coeurs – oder wie diese kleinen Pünktchen sonst noch im empfindsamen Geschmack der Zeit heißen, verziert, maille bouclée wurde von nun an nicht mehr gemacht. Später wurden die Alençon 1830–60 die Blumen auf Maschintülle appliciert und Br. Mercier nahm einen Musterschutz auf seine Erfindung, die sechseckigen Maschintüll-Maschen mit Knopflochstich in eine maille bouclée zu verwandeln.
Dieses Verfahren hatte aber keine große Lebensfähigkeit in sich. Man sagt, es sei noch mühsamer, wie die eigentliche bride bouclée.
Das Cordonet oder die brode der Alençons war zu allen Zeiten schöner und dichter umschlungen, wie das der Venetianer- und Brüsslerspitzen, auch war das Relief weniger erhaben, obwohl man ihm durch Einlage von Roßhaarfäden manchmal mehr Konsistenz gab. Man unterschied früher points d'Alençon und point d'Argentan; letzterer galt als noch kostbarer wie ersterer. Der Unterschied war meistens in einer sorgfältigeren Ausführung in der Zeichnung, auch machte Argentan häufig die mühsame maille bouclée.
Sedan, Aurillac, Reims, Argentella hatten alle den sogenannten fond oeil de perdrix und dies waren lauter ähnliche Spitzen, die man heute schwer differenzieren kann. Argentella sind, wie der Name schon ahnen läßt, eine Abart, besser gesagt Spielart, der Argentan, möglicherweise sind sie wirklich von Genua stammend; die End-Partikel ihres Namens klingt jedenfalls italienisch; sie hatten den fond réseau rosacé besonders viel in Verwendung, das Cordonet ist zwar nicht niedergenäht, aber nicht ganz übersponnen, was auch auf italienische, nicht französische Fabrikation deuten würde, point de Sedan und point plat de Venise hatten einige Ähnlichkeit, Rokokkospitzen mit breiter, und so dichter Zeichnung, daß sie fast jedweden Grund entbehren konnten. Sie haben hie und da kleine Reliefs wie aufgesetzte Lichter im Genre der Brabante.
Colbert hatte gesiegt. Das Geld blieb im Lande und seine bureaukratische Schöpfung hatte die in ihrer Art einzig dastehenden point d'Alençon ins Leben gerufen. Das Wohlwollen der Regierung blieb ihnen stets treu; im Jahre 1811 wurde die Neuerung gemacht, den Arbeiterinnen Zeichenunterricht geben zu lassen, bisher hatte man das nirgends versucht.
Alençon hat eine jetzt noch lebende Tradition der Spitzenindustrie. Erbgesessene Familien bilden Dynastien, die alle Erinnerungen pflegen, teilweise auch publizistisch hervortreten; es sind dies Namen wie: Duval, Despierre, Baron Mercier.