Die löffelförmigen Haare der Molossi
Reading edition
von J. Jablonowski
Tafel X und XI
Bei der Bearbeitung der von den Hrn. Sarasin in Celébes gesammelten Säugethiere beobachtete Hr. A. B. Meyer (s. oben S. 17) im Gesichte der von ihm aufgestellten neuen Fledermausart Nyctinomus sarasinorum Haare von sehr eigenthümlicher, einem Senflöffelchen vergleichbarer Form, die, wie eine sogleich vorgenommene Prüfung des im Museum vorhandenen Materials ergab, bei den Arten der Gruppe Molossi ziemlich allgemein verbreitet sind.
Es wird daher gerechtfertigt sein, diese eigenthümliche Form von Säugethierhaaren durch eingehendere, von Abbildungen begleitete Schilderung weiteren Kreisen bekannt zu machen.
Ich bemerke vorweg, dass ich ausserhalb der Gruppe Molossi solche Haare nicht beobachtet habe. Nachdem ich mich hier mit ihnen vertraut gemacht, wurde das gesammte in Spiritus aufbewahrte Chiropterenmaterial des Dresdener Museums, worin alle Abtheilungen der Ordnung vertreten sind, ohne Erfolg durchgesehen.
Von den Molossi standen mir zur Verfügung Cheiromeles torquatus Horsf., vier Arten von Molossus und vierzehn von Nyctinomus, die theils dem Bestande des Dresdener Museums angehören, theils von Herrn Prof. Lampert, dem Director des Königlichen Naturalien-Cabinets in Stuttgart, für die Zwecke dieser Untersuchung in entgegenkommendster Weise hergeliehen waren.
Die Untersuchung führte ich derart aus, dass jedes einzelne Exemplar zunächst unter dem Zeiss’schen binocularen Präparirmicroscope, das sich für diesen Zweck als sehr geeignet erwies, auf das Vorkommen und die topographische Anordnung der fraglichen Haare genau geprüft wurde. Sodann wurden von den Haaren einer jeden Art eine Anzahl microscopischer Präparate angefertigt.
Um Wiederholungen möglichst zu vermeiden, werde ich bei der Darstellung der Befunde dagegen so vorgehen, dass ich zuerst die allgemeinen Eigenschaften dieser Haare schildere, wie sie sich aus der Vergleichung der Einzelbeobachtungen ergeben, und dann erst das besondere Verhalten bei den einzelnen Arten beschreibe.
Am Haarkleide der Säugethiere kann man allgemein unterscheiden das eigentliche Körperhaar, das die gleichmässige Bedeckung für den grössten Theil des Leibes bildet, und die von ihm nach Form und Grösse mehr oder weniger abweichenden, besonderen Zwecken angepassten Haare, die sich nur an bestimmten Stellen, namentlich, als sogenannte Spürhaare, im Gesichte, vorfinden. Die Haare, die den eigentlichen Gegenstand dieser Mittheilung bilden, gehören zwar in die zweite Gruppe, doch wird es ihre Charakterisirung erleichtern, wenn wir vorher einen Blick auch auf das gewöhnliche Körperhaar werfen.
Von der uns beschäftigenden Unterfamilie Molossi besitzt das Haar der zahlreichen Arten der beiden Gattungen Molossus und Nyctinomus durchweg den typischen Fledermauscharakter, abweichend verhält sich dagegen die dritte Gattung Cheiromeles mit der einzigen Art torquatus.
Die Arten der beiden erstgenannten Gattungen stimmen wieder unter einander im allgemeinen soweit überein, dass es für die Zwecke der vorliegenden Abhandlung genügt, das Verhalten einer Art zu berücksichtigen, und zwar mag als Beispiel die neue Species Nyctinomus astrolabiensis A. B. M. dienen.
Am einzelnen Haar erscheint unter dem Microscope der untere „charakteristische“ Abschnitt fast farblos, im oberen findet sich körniges Pigment gewöhnlich in segmentweiser, durch farbstoffreie Strecken unterbrochener Anhäufung.
Das Haarkleid ist am ganzen Körper gleichartig, Haare vom Rücken bieten die gleichen Verhältnisse wie die vom Bauch. Ein Unterschied von Stichel- und Wollhaar ist nicht zu bemerken, ebensowenig eine Anordnung in Gruppen.
Gewissermaassen einen negativen Beweis für die Richtigkeit dieser Anschauung bietet der oben erwähnte Cheiromeles torquatus Horsf., der sich durch die Beschaffenheit seines Körperhaares wie in vielen anderen Beziehungen von den Molossus- und Nyctinomus-Arten wesentlich unterscheidet.
Bei den Molossus- und Nyctinomus-Arten ändert sich die Beschaffenheit des Haarkleides, wenn wir von der Flughaut und dem Schwanze, die zum grössten Theile nackt sind, absehen, an zwei Stellen in schon für die Betrachtung mit freiem Auge merkbarer Weise, am Gesicht und an den Füssen. Eine kurze Schilderung der äusseren Formverhältnisse dieser Theile wird das Verständniss der folgenden Ausführungen, in denen öfter auf die topographischen Beziehungen Rücksicht zu nehmen ist, erleichtern und möge daher hier zunächst Platz finden.
Dem Kopf ist in den Gattungen Molossus und Nyctinomus durchgehends der Besitz sehr breiter Ohren eigenthümlich, die, seitlich weit herabreichend und in der Medianlinie sich dicht berührend oder häufig sogar verwachsend, für das Gesicht nach oben und rückwärts eine scharfe Begrenzung bilden (vgl. die Figuren auf Tafel XI). Die Schnauze ist breit, kurz und frontal von oben vorn nach unten hinten schräg abgestutzt (Taf. X, Fig. 3), so dass die, häufig von einem verdickten und mit kleinen Vorsprüngen besetzten Rand eingefassten, Nasenlöcher ihren vordersten Punkt einnehmen. Die Oberlippe ist sehr dick und bei vielen Arten mit senkrecht zum Mundspalte stehenden tiefen Falten versehen, über die Unterlippe greift sie etwas über. Was die Behaarung anbelangt, so nimmt man mit freiem Auge nur wahr, dass manche Stellen nahezu nackt sind, während an anderen die Haare im Gegensatze zu denen am Körper theilweise eine besondere Anordnung, wie in Büscheln und Reihen erkennen lassen, bisweilen auch sich durch grössere Länge auszeichnen.
Die genauere Prüfung der an Kopf und Füssen vorkommenden Haare ergiebt, dass man sie füglich in zwei Gruppen scheiden kann, zwischen denen es allerdings auch Übergangsformen giebt.
Die Haare der ersten Gruppe besitzen die gewohnte spindlig-fadenförmige Gestalt, sie gleichen dem Körperhaare durch die immer noch ziemlich stark vorspringenden Cuticularschuppen, die auch die charakteristische Anordnung in trichterförmigen Segmenten besitzen, unterscheiden sich aber von ihm durch meist bedeutendere Dicke, oft auch Länge, sowie stärkere Pigmentirung. Im einzelnen treten diese Haare nicht nur bei verschiedenen Arten, sondern z. Th. auch bei derselben je nach dem Standort in mancherlei Formen auf, die alle anzuführen, ausserhalb des Rahmens dieser Arbeit liegt. Es muss auch hier genügen, ein paar Beispiele herauszugreifen. Fig. 12 und 18 auf Taf. X geben Haare vom Gesichte von Nyctinomus bivittatus Hgl. wieder, die unter sich in der Dicke und der Zähnelung der Cuticula ziemlich übereinstimmen. Von dem eigentümlichen Aufsatz auf der Spitze, den das eine aufweist, wird weiter unten noch die Rede sein. Ein Haar von der Oberlippe von Nyctinomus astrolabiensis (Fig. 19) ist dagegen schmächtiger und glatter, es gleicht einigermaassen dem Körperhaare von Cheiromeles (Fig. 21 a).
Die zweite Gruppe umfasst sodann die eigentümlich ausgebildeten, in den ausgeprägten Fällen dem Körperhaare ganz unähnlichen Haare, die den eigentlichen Gegenstand dieser Mittheilung bilden. Sie finden sich sowohl am Gesichte wie an den Füssen, und, mit einer geringfügigen Ausnahme bei Cheiromeles, ist ihr Vorkommen auch auf diese Stellen beschränkt.
Ihre Anordnung im Gesicht ist bei den einzelnen Arten sehr verschieden und wird weiter unten für jede Species besonders geschildert werden. Vorläufig sei bemerkt, dass sie sich allgemein finden auf dem Felde zwischen der Nase und dem äusseren Rande der Oberlippe sowie auf den seitlichen Theilen der letzteren, besonders auf den Kämmen der senkrechten Falten, wo solche vorhanden sind. Nur bei manchen Arten kommen sie vor in dem Theile des Gesichts oberhalb der Nase bis gegen den Grund der Ohrmuscheln hin und ferner auf dem Unterkiefer.
Weit einförmiger ist das Verhalten an den Füssen. Hier bedecken sie die oben erwähnten Schwielen an den freien Seiten der beiden äusseren Zehen, und die Ausdehnung dieser Felder ist bei den einzelnen Arten von Nyctinomus und Molossus nur sehr wenig verschieden (Taf. XI Fig. 1 a u. 2 a). Abweichend verhält sich wiederum Cheiromeles, wie weiter unten geschildert werden wird.
Eine allgemeine Anschauung von der Beschaffenheit dieser Haare gewinnt man am leichtesten bei ihrer Musterung in situ unter dem binocularen Microscope; die Figuren 28 und 29 auf Tafel X versuchen das Bild wiederzugeben, das die charakteristischen Felder an der Schnauzenspitze von Nyctinomus sarasinorum und Molossus rufus obscurus bei dieser Art der Betrachtung gewähren.
Bei Nyctinomus sarasinorum erscheinen die Haare als kurze, circa 1 mm hohe, derbe, dunkle Borsten, die an der Spitze nach einer Seite hin ein annähernd halbkugliges Knöpfchen tragen, das gegenüber dem dunklen Schafte fast weiss erscheint, nur in seiner mittleren Parthie etwas dunkler gefärbt ist. Bewegt man das Object hin und her, so vermag man schon jetzt mit völliger Sicherheit zu erkennen, dass die Knöpfchen an der Unterseite ausgehöhlt sind, sodass sich der Vergleich des ganzen Haares mit der Form eines Senflöffelchens unwillkürlich aufdrängt. Jedes Haar steht in einer seichten, muldenartigen Vertiefung der Haut, die etwas heller gefärbt ist als ihre Nachbarschaft und sich gegen diese durch eine geringe wallartige Erhebung absetzt. Nicht alle Haare sind gleichmässig ausgebildet, man beobachtet, namentlich in den seitlichen Parthien des Gesichts, auch solche, bei denen das Knöpfchen viel weniger ausgeprägt ist. So typische Formen wie an der Schnauze von Nyctinomus sarasinorum findet man überhaupt nur noch bei wenigen Arten.
Über die Zahl und die gegenseitige Anordnung dieser Haare lässt sich etwas allgemein Zutreffendes nicht sagen. Bei Nyctinomus sarasinorum stehen sie nicht besonders dicht, zeigen aber eine gewisse Neigung, Gruppen von zwei bis drei zu bilden. Bei anderen Arten habe ich indessen nichts dergleichen bemerkt.
Dagegen ist ganz allgemein eine gewisse Regelmässigkeit in der Orientirung dieser Haare nicht zu verkennen. Überall im Gesichte sind sie nämlich vorwiegend so gestellt, dass die verbreiterte Endplatte nach einem Punkt hingerichtet ist, der median zwischen den Nasenlöchern liegt. In der Figur 28 auf Taf. X, wo der Pfeil am Rande die Medianlinie und die Richtung nach der Nase zu anzeigt, tritt dies auch deutlich hervor.
Auf dem Feld an der Schnauzenspitze des Molossus rufus obscurus (Fig. 29, Taf. X) stehen die Haare sehr viel dichter als bei Nyctinomus sarasinorum, doch ist ihre Form im ganzen weniger typisch und bei manchen nur schwach angedeutet. Dagegen gilt in Betreff der Orientirung der einzelnen Haare wieder das für Nyctinomus sarasinorum Bemerkte.
Die Haare an den Füssen besitzen im allgemeinen noch weniger ausgeprägte Form, orientirt sind sie in der Regel derart, dass die Enden nach der proximalen Seite des Fusses und zugleich etwas nach dem zunächst gelegenen freien Zehenrand hin gerichtet sind.
Wir gehen nun zur genaueren Betrachtung des einzelnen Haares über. Die Haare, deren Gestalt am ausgeprägtesten ist, sind sehr kurz (Taf. X, Fig. 4, 5, 7, 8). Ausnahmen machen einerseits die an der ersten Zehe von Cheiromeles (Fig. 6), die die doppelte Länge und darüber erreichen; andererseits finden sich bei Nyctinomus pumilus (Crtschm.) solche von kaum der Hälfte der gewöhnlichen Länge. Im Vergleiche mit dem Körperhaar ist der Schaft meist von beträchtlicher Dicke (0,08 mm und mehr), gewöhnlich ist er ziemlich gerade, oft aber besitzt er auch eine leichte Krümmung, und bei Nyctinomus sarasinorum bildet eine solche von s-Form sogar die Regel. Sie ist besonders deutlich an den kürzeren Haaren von wohl ausgeprägter Form, wodurch deren Ähnlichkeit mit einem Senflöffelchen noch auffallender wird (Fig. 4 auf Taf. X, auch in dem Habitusbilde Fig. 28 zu bemerken), findet sich aber auch an den längeren weniger typischen (Fig. 3, Taf. X).
Das eigenthümlich gestaltete Endknöpfchen, das den Charakter des Haares bestimmt, ist gegen den Schaft winklig abgesetzt, und zwar beträgt der Winkel bei den typischen Formen ungefähr einen Rechten, während er bei weniger typischen im allgemeinen um so stumpfer wird, je weniger die Endplatte die charakteristische Form zeigt (Taf. X, Fig. 3, 15, 16). Bei den Anfangsformen mit nur wenig verbreitertem Ende (Fig. 10), wie wir sie neben den ausgeprägten im Gesicht und, bei den meisten Arten vorwiegend, an den Füssen finden, ist es nur wenig gegen den Schaft gekrümmt.
Meist ist mit der geringeren Ausbildung der Endplatte eine Zunahme der Länge und Verminderung der Dicke des Schaftes verbunden (Fig. 3, Taf. X), doch kommen solche Formen auch mit kurzem dünnem (Fig. 11) und mit langem dickem Schafte (Fig. 14, 15) vor.
Für die topographische Vertheilung der verschiedenen Formen gilt allgemein die Regel, dass sich die am besten entwickelten auf dem Felde zwischen Nase und oberem Mundrande finden, während mit der Entfernung von dieser Region die minder typischen an Zahl zunehmen. Die sehr langen und dicken Borsten (Fig. 14, 15) stehen besonders oberhalb der Nase gegen die Ohrmuscheln hin. Die Haare auf den senkrechten Wülsten der Oberlippe besitzen meist ziemlich typische Form, während auch auf dem Feld unterhalb der Nase, wenn es, wie bei Molossus rufus (Fig. 29 Taf. X) sehr dicht bestanden ist, die Haare an seiner Peripherie z. Th. nur Anfangsformen von Spatelhaaren sind.
Das umgebogene Ende des Haares selbst stellt bei bester Entwicklung nahezu ein Kugelsegment dar, das so ausgehöhlt ist, dass seine Wand im Centrum am stärksten ist und sich nach der Peripherie zu allmählich verdünnt, um in scharfem Rande zu enden. Bei einem etwas geringeren Grade der Ausbildung ist die Endplatte mehr verkehrt eiförmig und flacher ausgehöhlt.
Der Schaft der löffel- oder spatelförmigen Haare ist so glatt, wie etwa der eines Menschenhaares. Bei stärkerer Vergrösserung treten nur feine Querlinien auf der Oberfläche als Ausdruck der Cuticularstructur hervor. Er ist an den Haaren vom Gesicht in der Regel dunkel, öfter, z. B. bei Nyctinomus plicatus und sarasinorum fast schwarz. Gewöhnlich ist in der Axe ein besonders dunkler ziemlich scharf begrenzter Strang zu bemerken, den man für einen Markcylinder halten könnte. Doch zeigt die genauere Untersuchung, besonders von Querschnitten, dass auch den Spatelhaaren ein gesondertes Mark mangelt, jener Eindruck rührt daher, dass das Pigment ganz überwiegend eine ziemlich genau kreisförmige centrale Parthie des Schaftes erfüllt.
Die Endplatte muss schon infolge ihrer grösseren Dünne heller als der Schaft erscheinen, sie ist aber auch absolut ärmer an Pigment, da sie vorwiegend aus einer Fortsetzung der peripherischen pigmentlosen Parthie des Schaftes besteht. Der dunkle centrale Strang des Schaftes setzt sich gewöhnlich eine Strecke weit in die Endplatte hinein fort, bisweilen entspricht dieser Stelle in der Concavität der Endplatte ein kielartiger, distalwärts allmählich verstreichender Vorsprung. Die Figur 5, Taf. X (von Nyctinomus plicatus), die den Haarlöffel in der Ansicht schräg von unten darstellt, zeigt ihn sehr deutlich. Von diesem dunklen Mittelstrang aus strahlt dann das Pigment nach der Peripherie hin in immer feinerer Vertheilung aus. Je allmählicher letztere vor sich geht, um so zierlicher ist das Bild, das die Endplatte unter stärkerer Vergrösserung gewährt (Fig. 9 a, Taf. X). In dem mittleren Strange bildet das Pigment grobe dichtgedrängte Schollen, die weiter nach der Peripherie feiner werden und durch weitere Zwischenräume getrennt sind, dann als Häufchen feiner brauner Körnchen erscheinen, bis endlich in den Randparthieen der Platte solche Körnchen nur noch ganz vereinzelt zu bemerken sind.
Oft hört die Pigmentirung aber auch ziemlich plötzlich und nahe dem Grunde der Endplatte auf, wie an dem Haare von Nyctinomus limbatus (Fig. 8) und dem von N. bivittatus (Fig. 7) zu sehen ist.
An Haaren mit nur wenig verbreitertem Ende ist dies in der Regel durchweg ziemlich dunkel, nur die äusserste Randzone erscheint etwas heller (Fig. 10, 11 auf Taf. X).
Die Spatelhaare an den Füssen sind abweichend von denen im Gesichte meist fast ohne Pigment und lassen daher auch keinen Unterschied in der Färbung von Schaft und Endplatte wahrnehmen.
Manche von den Borsten (Fig. 11, 17), die wir als erste Andeutungen von Spatelhaaren erkannten, bilden offenbar eine Vermittlung zwischen den auf den ersten Blick ganz isolirt stehenden Haaren von ausgeprägter Löffelform und denen, die oben als erste Gruppe der vom Körperhaar abweichenden beschrieben wurden. Für diese Auffassung ist auch bemerkenswerth, dass bei solchen gewissermaassen rudimentären Formen die Cuticularschuppung stärker als an den echten Spatelhaaren hervortritt (Fig. 17).
In anderer Richtung deuten auf eine innere Verwandtschaft der Spatelhaare mit den gewöhnlichen des Körpers die eigenthümlichen Formen, zu deren Beschreibung ich nun übergehe.
Bei einigen Arten von Nyctinomus bemerkte ich unter dem Binoculare neben Spatelhaaren von bekannter Form solche, deren Endplatte in einen feinen fadenförmigen Fortsatz auszulaufen schien. Prüfung bei stärkerer Vergrösserung ergab, dass dieser fadenförmige Anhang, der sich an die Endplatte in der Mitte ihres distalen freien Randes ansetzt, in seiner Structur dem Körperhaare sehr ähnlich ist (Taf. X, Fig. 1, 2, 2 a, 13). Er ist pigmentlos und besitzt stark vorspringende, in Trichtersegmenten geordnete Cuticularschuppen. Der Anhang zeigt ziemlich regelmässig eine bestimmte Gliederung. An der Übergangstelle in die Endplatte (Fig. 13) verjüngt er sich etwas, darauf folgt ein kurzes cylindrisches Stück, dann wieder eine meist tiefe Einschnürung und hierauf das Endglied, das etwa viermal so lang ist wie das erste und vom dickeren Grunde ganz allmählich in eine feine Spitze ausläuft (Fig. 2).
Diese eigentümliche Form hat ein Seitenstück unter den modificirten Haaren unserer ersten Gruppe. Figur 12, 12 a giebt ein solches Präparat wieder. Das Haar, das sonst ganz den früher beschriebenen (Fig. 18) gleicht, trägt an der Spitze einen Aufsatz von ganz derselben Form und Beschaffenheit wie an den eben geschilderten Spatelhaaren.
Als ich, noch im Anfange der Untersuchung, den Anhang an den Spatelhaaren bemerkte, lag die Frage nahe, ob er nicht regelmässig vorkomme und, wo er fehle, erst nachträglich verloren gegangen sei. Indessen musste diese Frage nach eingehender Prüfung verneint werden. Der Ansatz haftet an der Platte ziemlich fest und ist auch in sich gegen Zerrung und Biegung widerstandsfähig, am leichtesten erfolgt die Zerreissung an der eingeschnürten Stelle, aber auch erst bei einer bestimmten Gewalteinwirkung (wie am Präparate der Fig. 13, Taf. X geschehen). Es wäre also schwer denkbar, dass ihn bei der Mehrzahl der Exemplare alle und bei den übrigen die meisten Haare verloren haben sollten. Auch ergab die genaue Untersuchung der isolirten Spatelhaare, dass die Endplatten immer einen vollkommen unversehrten Rand besassen. Man muss daher wohl annehmen, dass die Bildung nur manchen Spatelhaaren und vielleicht nur bei bestimmten Species zukommt.
Vergegenwärtigen wir uns die Entwicklung dieser Haare, so ist klar, dass die die Papille überkleidende epitheliale Matrix hier zuerst eine Zeit lang ein Gebilde producirt, das einem Körperhaare gleicht, und dass dann mit einem Mal in der Production eine Änderung eintritt, sodass das Erzeugniss ein Spatelhaar wird.
Einen analogen Vorgang können wir vielleicht aus der Entwicklungsgeschichte der Feder heranziehen. Dieselbe Papille und Matrix, die eine Dune des jungen Vogels erzeugt hat, producirt später auch eine bleibende Feder des ersten Gefieders, die daher die Dune auf ihrer Spitze trägt (vergl. Gegenbaur, Vergl. Anat. Bd. 1, p. 139; Gadow in Bronns Klassen und Ordnungen des Thierreichs, Vögel, I. Anatomischer Theil. Leipzig 1891, p. 524 u. 525). So spielt sich der Vorgang aber nur bei der Bildung des ersten Gefieders ab, später entwickeln sich nach der Mauser die Ersatzfedern direct ohne vorhergehende Erzeugung einer Dune.
Auch in unserem Falle scheint mir der Gedanke nicht ohne weiteres abzuweisen, ob es vielleicht nur die zum ersten Male gebildeten Haare sind, die einen solchen Anhang besitzen. Zur Entscheidung dieser Frage wäre es nöthig, von den einzelnen Arten Reihen verschiedener Alterstufen zu untersuchen, die mir nicht zur Verfügung standen.
Bei einigen Arten der Gattung Nyctinomus kommen im Gesicht Haare, die in der Form irgendwelche Ähnlichkeit mit Spatelhaaren besitzen, überhaupt nicht vor. Immer aber finden sich dann an den Stellen, die bei anderen Arten welche tragen, Borsten oder Stacheln, die sich durch Dicke, Länge und histiologische Structur von den anderen im Gesichte vorkommenden längeren und steiferen Haaren deutlich unterscheiden. Ihr Schaft ist glatt wie bei den Spatelhaaren, dunkel pigmentirt, meist mit deutlichem axialem Strange (Fig. 24). Ich glaube daher, dass diese Borsten auch im morphologischen Sinn als Vertreter der bei den anderen Arten vorkommenden Spatelhaare zu betrachten sind.
Besonderes Interesse bietet in dieser Hinsicht Cheiromeles torquatus. Typische Spatelhaare finden sich hier nur an den Füssen und zwar abweichend von Molossus und Nyctinomus ausschliesslich auf einem am Aussenrande der ersten, nach Art eines Daumens frei beweglichen Zehe, gelegenen Felde, das die Figuren 11 b–d, Taf. XI in verschiedenen Ansichten wiedergeben. Die hier vorhandenen Spatelhaare sind, wie schon erwähnt, die längsten von ziemlich typischer Form, die ich überhaupt beobachtet habe. Von den Spatelhaaren an den Füssen der Molossus- und Nyctinomus-Arten unterscheiden sie sich ausser durch die viel ausgeprägtere Form und die grössere Länge auch durch bedeutend dunklere Färbung, die freilich immer noch heller ist als bei den Spatelhaaren im Gesicht.
Im Gesichte besitzt Cheiromeles unterhalb der Nasenlöcher eine dichte Gruppe kurzer, steifer und dicker Borsten, die im ganzen etwas abgeplattet sind (Taf. X, Fig. 22, 23). Kurz vor dem Ende verjüngt sich der Schaft ein wenig, während das Ende selbst wieder eine breitere, quer abgeschnittene Platte vorstellt, die etwas gegen den Schaft gekrümmt ist. Offenbar sind diese Haare als modificirte Spatelhaare aufzufassen.
An den seitlichen Theilen des Gesichts, wo die Molossus- und Nyctinomus-Arten Spatelhaare besitzen, finden sich bei Cheiromeles nur dicke Borsten verschiedener Länge. An manchen der kürzeren von ihnen ist das Ende gegen den Schaft etwas abgesetzt und gekrümmt, wodurch sie sich den Borsten unterhalb der Nase anschliessen (Fig. 25). So zeigt uns denn Cheiromeles nebeneinander eine Reihe von Übergängen von typischen Spatelhaaren zu den Borsten und Stacheln gewöhnlicher Form, die wir im Gesicht einiger Arten ausschliesslich antreffen.
Eine Eigenthümlichkeit dieser Borsten bei N. brasiliensis und africanus mag noch Erwähnung finden. Sie scheinen vielfach, unter Lupenvergrösserung betrachtet, weissliche Knöpfchen zu tragen, sodass man sie für Spatelhaare halten könnte. Thatsächlich rührt die Erscheinung daher, dass die Borsten am Ende eine kurze Strecke pinselartig sehr fein aufgefasert sind (Taf. X, Fig. 27) und die zwischen den Fasern festsitzende Luft das Licht diffus reflectirt. Zwischen Borsten mit intactem und aufgefasertem Ende findet man Übergänge; in Fig. 26, Taf. X ist z. B. eine Borste abgebildet, bei der eine geringe Verbreiterung und dellenartige Einziehung des Endes die bevorstehende Aufsplitterung anzeigt. Es handelt sich hier also jedenfalls nicht etwa um ein durch Abbrechen des Schaftes verursachtes Kunstprodukt, und auch für die Annahme, dass die Zerfaserung erst post mortem durch Maceration im Spiritus aufgetreten sei, scheint mir kein Grund vorzuliegen. Ähnliche, wenn auch nicht so regelmässige, Zersplitterungen der Spitze beobachtet man auch sonst gelegentlich an menschlichen und thierischen Haaren (vergl. Waldeyer, Atlas 112 u. 175, 1884; Fig. 38 u. 139).
Was die Frage nach der functionellen Bedeutung der löffel- und spatelförmigen Haare und der ihnen entsprechenden Borsten und Stacheln anlangt, so würde es sich in erster Linie darum handeln, ob sie nur als eine besondere Form der gewöhnlichen Haare oder als „Tasthaare“ im engeren Sinne betrachtet werden müssen. Da eine Untersuchung auf nervöse Endapparate an unserem Materiale von vornherein ausgeschlossen war, musste ich mich darauf beschränken, aus der Structur des Haarbalges vielleicht einigen Anhalt zur Beurtheilung zu gewinnen. Am geeignetsten wäre zu dem Zwecke das Exemplar von Nyctinomus sarasinorum gewesen, das sich, wie alles von den Hrn. Sarasin gesammelte Material, durch vortrefflichen Erhaltungszustand auszeichnete. Da es aber der Typus und bis jetzt das einzige vorhandene Exemplar der Art ist, so mochte ich es nicht beschädigen, und entnahm daher Hautstücke von der Oberlippe und den Feldern an den Zehen eines Exemplars von Nyctinomus plicatus, wo allerdings die Conservirung sehr viel zu wünschen liess.
Die Haarbälge sind recht derb und massig, besonders mit Rücksicht auf die geringe Grösse der Haare, und ihre dichte Anhäufung ist es wesentlich, wodurch die schwielige Verdickung an den Zehen bedingt wird. Doch konnte ich von einer cavernösen Structur der Balgwandung, wie sie für „Tasthaare“ als charakteristisch gilt und letztere auch als „Sinushaare“ bezeichnen lässt, an Durchschnitten hier nichts wahrnehmen. Da ich indessen bei der Kürze der verfügbaren Zeit erst wenige Präparate anfertigen konnte und da die Gewebe durch jahrelanges Liegen in dünnem Spiritus sehr gelitten hatten, will ich ein abschliessendes Urtheil hiermit keineswegs ausgesprochen haben.
Auch die Angaben über die Lebensgewohnheiten der Molossiden, die bisher vorliegen, sind zu dürftig, um über die besondere Leistung dieser Haare mehr als Vermuthungen zu gestatten.
Die Haare im Gesichte mögen, wenn sie doch als Tasthaare zu betrachten sein sollten, im Dienste des allgemeinen, bei den Fledermäusen so hoch entwickelten Hautsinnes stehen, man könnte aber vielleicht auch daran denken, dass ihnen eine Funktion bei der Nahrungsaufnahme zufällt. Nach Dobson (Catal. 1878, 403) wäre die grosse Dehnbarkeit der oft mit tiefen Falten versehenen Lippen der Molossiden von günstiger Wirkung beim Verschlingen der vorzüglich aus „grossen rundleibigen Käfern“ bestehenden Beute. Dabei könnten die vornehmlich auf der Oberlippe befindlichen Haare wohl eine Rolle spielen.
Bei alle dem wird man sich bezüglich der Function der Spatelhaare auch gegenwärtig bei der Ansicht bescheiden müssen, die Horsfield (Zool. Res. 1824, VIII. Cheiromeles, 6. S.) aussprach, als er zum ersten Male die Felder an den Füssen von Cheiromeles und Nyctinomus plicatus beschrieb: „It is doubtless of importance in the economy of the animal, but its use remains to be determined.“
Für eine solche Untersuchung käme zunächst der europäische Vertreter der Molossiden, Nyctinomus cestonii, in Betracht, der u. a. in Italien und Griechenland heimisch ist. Doch ist das Thier dort selten und gehört überdies zu den Arten, denen im Gesichte Spatelhaare fehlen. Dagegen finden sich Arten mit typischen Haaren gemein und in Menge in manchen tropischen Gegenden (vgl. die Bemerkung A. B. Meyers oben S. 18), und da ja neuerdings immer häufiger auch in feineren anatomischen Untersuchungen geübte und entsprechend ausgerüstete Forscher dorthin kommen, so bietet sich wohl einmal Gelegenheit, die wahre Bedeutung der eigenthümlichen Gebilde aufzuklären.
Im Anschluss an die Schilderung der löffelförmigen Haare der Molossiden ist es vielleicht angezeigt, einen Blick auf die bisher überhaupt beschriebenen Formen von Säugethierhaaren zu werfen. Eine daraufhin vorgenommene Durchsicht der Literatur lieferte mir ein ziemlich dürftiges Ergebniss. Zwar darin stimmen alle Autoren überein, dass die Mannigfaltigkeit ausserordentlich gross ist, was die Massenentwicklung und die feinere Structur des einzelnen Haares anlangt, aber die Grundform, die mit ganz verschwindenden Ausnahmen überall wiederkehrt, ist immer dieselbe spindlig-fadenförmige.
„Nach oben gegen die Talgdrüse zu wird der Schaft etwas dünner und rundlich, und so tritt er aus der Balgöffnung hervor. Er setzt sich in einen langen drehrunden Abschnitt fort, der sich endlich zu einem lanzettförmigen Plättchen verbreitert. Dasselbe endet in einer abgestutzten Spitze.“
Da mit dieser Schilderung die Abbildung in Waldeyers Atlas (Tat. VIII, Fig. 100) nicht übereinstimmt, untersuchte ich selbst diese Haare und fand Maurers Darstellung bestätigt. Die Abbildung bei Waldeyer giebt, wie mir scheint, nicht ein „ganzes Grannenhaar“ wieder, wie es in der Figurenerklärung heisst (Waldeyer, Atlas, 189), sondern nur den oberen Theil eines solchen. Man müsste sich das untere dünne Stück reichlich doppelt so lang denken wie die breite Endplatte, um eine zutreffende Vorstellung von der Gesammtform dieses merkwürdigen Haares zu erhalten. Die feinere Structur der einzelnen Theile finde ich vollkommen in Übereinstimmung mit den Beschreibungen und Abbildungen Waldeyers (Atlas, 190; Taf. VIII, Fig. 101–103).
Es soll nunmehr das Verhalten der löffelförmigen und der ihnen gleichwertigen Haare bei jeder der untersuchten Arten, besonders mit Rücksicht auf die topographische Vertheilung, kurz beschrieben werden.
Wo von derselben Art mehrere Exemplare vorlagen, liessen sich öfter gewisse individuelle Schwankungen in der Zahl und wohl auch in der Formentwicklung dieser Haare wahrnehmen, dagegen fand ich die Verbreitung und Anordnung immer durchaus übereinstimmend, so dass sich für jede einzelne Art eine für alle Exemplare zutreffende Schilderung geben lässt. Auch das Geschlecht ist in dieser Hinsicht ohne Einfluss.
Die Anordnung der Arten folgt im allgemeinen der in Dobsons Catalogue 1878, mit einigen im Interesse der bequemeren Darstellung gebotenen Abweichungen. Es empfahl sich mit dem Genus Nyctinomus zu beginnen und mit Cheiromeles zu schliessen. Von den Nyctinomus-Arten sind zunächst die behandelt, die im Gesicht echte Spatelhaare besitzen, dann erst jene, denen sie dort fehlen. Die drei Dobson noch nicht bekannten Arten (sarasinorum, astrolabiensis und loriae) habe ich den nächstverwandten angereiht.
Für das Verständniss der Beschreibungen seien folgende Bemerkungen vorausgeschickt. Die Haare sind gemeinhin als „Spatelhaare“ bezeichnet, und es werden im allgemeinen drei Grade der Ausbildung unterschieden: typische Formen, entsprechend den Figuren 4, 5, 7, 8 auf Tafel X, mittlere (Fig. 9, 16, 3) und wenig ausgeprägte (Fig. 10, auch 14 und 15). Die absolute Länge der Haare ist, wie früher schon bemerkt, immer sehr gering. Als gewöhnliches Durchschnittsmaass ist circa 1 mm anzusehen, unter „sehr langen“ Haaren sind solche von etwa 2–2,5 mm Länge (Fig. 1, 6, 14, 15) verstanden, unter „kurzen“ solche unter 1 mm (Fig. 2 a).
Die Figuren auf Tafel XI sollen in der Mehrzahl dazu dienen, eine Anschauung von einigen typischen Anordnungen der Spatelhaare im Gesichte verschiedener Molossiden-Arten zu geben. Es ist zu dem Zwecke der Kopf fast durchweg in der Ansicht von vorn und etwas von unten gezeichnet, sodass das Gebiet der Schnauze, der Ober- und Unterlippe möglichst vollständig vor Augen liegt. In die Umrisszeichnung aller dieser Theile sind dann unter Controlle mittelst des Binoculars die Spatelhaare oder die ihnen entsprechenden Borsten nach Zahl und Anordnung möglichst genau eingetragen und durch Punkte oder durch Striche mit verdickten Enden angedeutet. Andere als Spatelhaare oder ihre Vertreter sind dabei nicht berücksichtigt.
Bei jeder Art werde ich, soweit sie mir bekannt geworden sind, auch die Angaben früherer Autoren, die sich auf das Vorkommen dieser Haare beziehen, anführen, in der Synonymie folge ich dabei der Autorität von Dobsons Catalogue 1878.
Exemplare, die aus der Sammlung des Königlichen Naturalien-Cabinets in Stuttgart hergeliehen waren, sind als solche gekennzeichnet, die anderen, bei denen nichts bemerkt ist, gehören dem Dresdener Museum.
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Inhalt
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Molossi
Aus Burmeisters weiterer Darstellung geht übrigens hervor, dass er die Haare mit Sicherheit nur bei zwei Molossus-Arten (temmincki und perotis) und möglicherweise noch bei Molossus rufus obscurus und Nyctinomus macrotis beobachtet hat. Die älteren Angaben von Horsfield über Nyctinomus plicatus (vergl. unter diesem) erwähnt er nicht. Aber wenn auch Burmeisters Verallgemeinerung demnach für jene Zeit wohl nicht ganz begründet war, so ist sie doch jedenfalls richtig gewesen.
Daneben wäre noch Allen zu nennen, der in der allgemeinen Einleitung zu seinem „Monograph of the Bats of North America“ (Bull. U. S. Nat. Mus. 43, 12–13; 1893) unter der Rubrik „Haar“ folgende, allerdings viel weniger bestimmte, Bemerkung macht: „Bristles (setae) usually surmount warts (verrucae) [sc. in der ganzen Ordnung]. They are best developed on the face of Molossi, though they may be found in the group last named on the upper surface of the interfemoral membrane.“ „Fringes of bristles adorn the margins of the toes in Molossi.“ Ich bemerke dazu, dass ich solche Borsten auf der Rückenseite der Interfemoralmembran nur bei Cheiromeles torquatus beobachtet habe, wo sie schon Horsfield bekannt waren (vgl. später unter Cheiromeles). Allen giebt, soviel ich sehe, für seine allgemein gehaltene Bemerkung keine speciellen Belege.
Nyctinomus Geoffr.
Arten mit Spatelhaaren im Gesicht
1. Nyctinomus plicatus (Buch. Ham.)
Tafel XI, Fig. 1 u. 1 a, Tafel X, Fig. 5, 9, 9 a, 10, 11, 16 u. 17
Von dieser weit — von Vorderindien bis Tasmanien — verbreiteten Art standen mir zur Verfügung Exemplare von Port Darwin (N Australien) 5 (Stuttgart), Jobi (Insel im Norden von NW Neu Guinea) 3, Java (SW) 1, Sumátra (NO) 1.
Kopf: Der obere Nasenlochrand tritt wulstig hervor und ist mit Höckerchen besetzt, nach abwärts fliesst er in der Medianlinie mit dem der anderen Seite zu einer kurzen Leiste zusammen. Letztere besonders deutlich an dem Exemplare von Sumátra, demnächst an denen von Australien. Oberlippe sehr dick, mit circa 10 tiefen senkrecht zum Mundrande stehenden Falten. — Spatelhaare sehr typischer Form mässig zahlreich auf dem Felde zwischen Nasenlöchern und Mundrand, doch erst unterhalb der medianen Leiste. Am seitlichen Mundrande weniger zahlreich, zu je 2–8 auf den Kämmen der Falten bis nahe an den Mundwinkel, in den Furchen nicht. Form hier, je weiter seitwärts, um so weniger typisch, doch vorwiegend noch mittel, aber auch Übergänge zu Borsten einfacher Art (Fig. 11, 17 auf Tafel X). In den seitlichen Parthieen des Gesichts entfernt vom Mundrande keine Spatelhaare, wohl aber in den medianwärts gelegenen Theilen oberhalb der Nase bis gegen die Ohren hin und zwar hier vorwiegend längere dicke Borsten wenig ausgeprägter Form (wie in Fig. 14, 15, Tafel X). — Auf dem Unterkiefer bei den Exemplaren von Port Darwin zerstreut in zwei Gruppen nahe dem Mundwinkel, bei denen von Neu Guinea und Java vereinzelt hier und da, bei dem von Sumátra fehlend. Diese Borsten dick und wenig typisch, ähnlich Fig. 25, Tafel X.
Füsse: Die Felder am äusseren Rande der ersten und fünften Zehe dicht bestanden mit Spatelhaaren meist wenig ausgeprägter, seltener der mittleren sich nähernder Form. Vom proximalen zum distalen Ende des Feldes nehmen die Haare an Länge zu, so dass sie z. Th. denen von Cheiromeles (Tafel X, Fig. 6) gleich kommen, doch sind diese langen Formen am Ende nur ganz wenig verbreitert. — Die langen (bis gegen 1 cm) gekrümmten Haare, die sich auf der Dorsalseite der Nagelglieder aller Zehen finden, endigen zugespitzt, sind aber wie die Spatelhaare hell und glatt. Vollständige Übergänge zwischen beiden Haarformen habe ich indessen nicht beobachtet. Dies gilt auch für die folgenden Arten.
Ganz klar und zutreffend sind dagegen die Felder an den Füssen beschrieben (Horsfield, Zool. Research. 1824, Nyctinomus tenuis): „A series of delicate hairs, about one line in length, extends along the whole of the exterior side both of the thumb and of the little finger; a few hairs of a greater length are scattered through these and likewise stretch forward, and spread over the claw. These hairs rise nearly erect or vertically from the finger, and are not directed horizontally outward, as in Cheiromeles. The separate hairs are bent or hooked at the extremity; their colour is silvery gray. This regularly defined series of hooked hairs must not be confounded with the long lax hairs which are observed in all the fingers of the Nyctinomi, and which, according to M. Geoffroy, must also be placed among the generic characters.“
2. Nyctinomus sarasinorum A. B. M.
Tafel XI, Fig. 2 u. 2 a, Tafel X, Fig. 3, 4 u. 28
1 Exemplar von Central Celébes. Verhält sich dem vorhergehenden sehr ähnlich. Spatelhaare auf dem Felde zwischen Nasenlöchern und Mundrand sehr typisch, vielfach mit s-förmig gebogenem Schafte. Seitwärts auf den senkrechten Wülsten verschwinden die Haare in grösserer Entfernung vom Mundwinkel als bei plicatus. Oben und medianwärts von der Nase lange Spatelhaare (wie Fig. 14, 15, Tafel X), aber sparsamer als bei plicatus. Unterkiefer ohne Spatelhaare. — Die Felder an den Füssen etwas länger und schmäler als bei plicatus, dicht mit Haaren wenig ausgeprägter Form bestellt.
3. Nyctinomus bivittatus Hgl.
Tafel XI, Fig. 3, Tafel X, Fig. 7, 12, 12 a, 14, 15 u. 18
3 Exemplare von Keren, Bogos, NO Afrika (Stuttgart). Zwischen den Nasenlöchern eine kurze senkrechte Leiste; Oberlippe mit tiefen Falten. Unterhalb der Nasenlöcher und der medianen Leiste typische Spatelhaare nicht sehr dicht gestellt, gegen den Mund hin in scharfer gerader Linie abschneidend. Seitwärts unter Abnahme der typischen Form zu 3–5 auf den Kämmen der Falten. Oberhalb der Nase lange, wenig typische dicke Haare. Um von dieser Region eine Anschauung zu geben, ist der Kopf dieser Art von der Seite dargestellt. Auf dem Unterkiefer vereinzelt helle kurze, aber dicke, wenig typische Spatelhaare. Unter den Haaren der „ersten Gruppe“ fand ich am Kopfe dieser Art solche mit fadenförmigem Anhang an der Spitze (Fig. 12). — Form der Haare an den Füssen wenig ausgeprägt.
4. Nyctinomus brachypterus (Ptrs.)
Tafel X, Fig. 13
1 Exemplar von Lagos, W Afrika (Stuttgart). Auf dem Felde zwischen Nase und Mund ziemlich weitläufig kurze Spatelhaare, deren Endplatte breit und ziemlich flach ist. Auf den Falten des seitlichen Theiles der Oberlippe ebensolche, nur noch kürzer, so dass die Endplatte fast unmittelbar über der Hautoberfläche steht. Die mittlere Parthie des Gesichts oberhalb der Nase ganz ohne Spatelhaare. Unter den am weitesten nach oben und medianwärts stehenden sind einzelne von wenig ausgeprägter Form, deren Endplatte einen fadenförmigen Anhang trägt. — Unterkiefer frei. — Haare der Felder an den Füssen ziemlich dicht und mittlerer Form sich nähernd.
5. Nyctinomus pumilus (Crtschm.)
Tafel X, Fig. 2 u. 2 a
2 Exemplare von Ägypten (Stuttgart), 1 von Massaua, O Afrika, 3 von Akusi, W Afrika (Stuttgart). Spatelhaare ähnlich wie bei plicatus zwischen Nase und Mund, auf den Falten der Oberlippe und median oberhalb der Nase, aber überall spärlich und vorwiegend nur mittlere Formen. Einzelne, z. Th. sehr kurze, Haare (siehe die Figur) auf der Spitze mit fadenförmigem Anhange. Die Haare auf dem Felde vorn an der Schnauze zeigen, namentlich an einigen Exemplaren, eine Sonderung in eine obere und untere Gruppe angedeutet, wie sie schärfer bei der folgenden Art besteht. — Am Unterkiefer wenig ausgeprägte Spatelhaare sehr spärlich jederseits nahe dem Mundwinkel. — Felder an den Füssen ziemlich dicht behaart, Haare am Ende meist nur wenig verbreitert.
6. Nyctinomus limbatus (Ptrs.)
Tafel XI, Fig. 4, Tafel X, Fig. 1 u. 8
Je 1 Exemplar von Quelimane, O Afrika (Stuttgart) und von Kama, W Afrika. Unterhalb der Nasenlöcher und der zwischen ihnen befindlichen medianen Leiste ziemlich typische Spatelhaare in zwei zwar nahen, aber doch deutlich unterscheidbaren Gruppen, die sich hauptsächlich in querer Richtung ausdehnen. Die Haare der oberen Gruppe sind kürzer als die der unteren und stehen in 2–3 Reihen, die der unteren nur in 1–2. Seitwärts auf den Falten der Oberlippe minder typische Formen. Sehr lange dicke wenig ausgeprägte Spatelhaare oberhalb der Nase bis gegen die Ohren hin. Unter letzteren Haaren auch solche mit fadenförmigem Anhang an der Endplatte (Fig. 1). — Am Unterkiefer wenig typische Haare ziemlich spärlich nach den Mundwinkeln hin. — Auf den Feldern der Füsse die Haare locker gestellt, am Ende nur wenig verbreitert.
7. Nyctinomus angolensis Ptrs.
Tafel XI, Fig. 5
2 Exemplare von Madagascar. Das Feld zwischen Nase und Mundrand mit Spatelhaaren mässig dicht bestanden; die einzelnen Haare im oberen Theile des Feldes kürzer, nach unten hin länger, in ziemlich scharfer Linie aufhörend; Endplatten ziemlich typisch, aber nur mässig gegen den Schaft gebogen. Haare geringerer Ausbildung auf den Wülsten der Oberlippe und oberhalb der Nase, hier wieder sehr lange und wenig ausgeprägte Formen. — Auf dem Unterkiefer kurze Spatelhaare von nur angedeuteter Form spärlich in zwei Gruppen nach den Mundwinkeln hin. — An den Füssen die erste Zehe sehr stark verdickt, die Haare auf ihr und der fünften Zehe sehr locker gestellt und kaum am Ende verbreitert.
8. Nyctinomus astrolabiensis A. B. M.
Tafel XI, Fig. 6, Tafel X, Fig. 19 u. 30
1 Exemplar von Deutsch Neu Guinea. Spatelhaare mittlerer und geringerer Ausbildung in einfacher Reihe längs des medianen Theils des oberen Mundrandes. Nach letzterem zu schliesst sich dann, wie auch bei norfolcensis, noch eine Reihe von Borsten anderer Art (Fig. 19) an. Auf den seitlichen Parthieen der schwach gerunzelten Oberlippe spärlich meist wenig ausgeprägte Spatelhaare. Sonst im Gesichte fehlend. — Felder an den Füssen nach Form und Ausdehnung ähnlich wie bei sarasinorum (vgl. Fig. 2 a auf Tafel XI), sehr dicht mit am Ende wenig verbreiterten Haaren besetzt.
9. Nyctinomus norfolcensis (Gr.)
1 Exemplar von N. S. Wales. Spatelhaare mittlerer Form in einfacher Reihe im medianen Theile der Schnauze längs des äusseren Randes der Oberlippe; spärlich an ihrem seitlichen ziemlich glatten Abschnitt. Oberhalb der Nase fehlend. — Auf dem Unterkiefer sehr vereinzelt helle Haare von kaum angedeuteter Form. — Haare an den Füssen mässig dicht, wenig ausgeprägt.
10. Nyctinomus loriae Thos.
2 Exemplare von Brit. Neu Guinea. Am Kopf helle, wenig ausgeprägte Spatelhaare spärlich in einer Reihe nahe dem Mundrand auf dem medianen Theile der Oberlippe, sonst fehlend. — Haare an den Füssen mit kaum verbreitertem Ende.
Arten ohne Spatelhaare im Gesicht
11. Nyctinomus brasiliensis Is. Geoffr.
Tafel XI, Fig. 7, Tafel X, Fig. 26 u. 27
Da bei dieser Art die den Spatelhaaren homologen Borsten am besten entwickelt sind, so möge sie hier ohne Rücksicht auf die systematische Ordnung zuerst besprochen werden.
2 Exemplare von Brasilien, 1 von Guatemala (Stuttgart). Unterhalb der Nase zahlreiche dünne in unsere „erste Gruppe“ zu rechnende Borsten. Nur bei éinem Exemplare von Brasilien unter ihnen spärlich auch dicke der anderen Art. Letztere bei allen Exemplaren zahlreich weiter seitwärts auf den Wülsten der Oberlippe sowie oberhalb der Nase, hier z. Th. von beträchtlicher Länge (Fig. 27). — Am Unterkiefer solche Borsten zerstreut jederseits von der Mittellinie. Die Enden der Borsten, besonders der längeren, vielfach pinselartig aufgefasert. — Felder an den Füssen ziemlich dicht mit Haaren besetzt, die im ganzen etwas abgeplattet, am oberen Ende aber nicht verbreitert sind, im übrigen den Haaren an den Füssen der bisher besprochenen Arten gleichen.
Auf die Borsten im Gesichte von brasiliensis hat Allen aufmerksam gemacht (Monogr. Bats N. Am. Bull. U. St. Nat. Mus. 43, 1893). Er sagt (S. 165): „The face is naked over the dorsal surface except in the space between the median border of the auricle and the nostril where a number of long 3 mm to 4 mm stout bristles are found“, und er macht dazu die Anmerkung: „The bristles about the nostrils have been neglected in describing species of Nyctinomus. They are conspicuous in N. brasiliensis, while almost absent in N. plicatus“. Die Borsten auf den Wülsten der Oberlippe werden im Texte nicht erwähnt, in den Abbildungen (Fig. 1 u. 2, Taf. XXXII) sind sie dagegen richtig angedeutet. Das gleiche gilt für die Felder an den Füssen (daselbst Fig. 4, 5 u. 6).
12. Nyctinomus africanus Dobs.
1 Exemplar von Keren, Bogos, NO Afrika (Stuttgart). Neben zahlreichen Borsten anderer Art ähnliche wie bei brasiliensis spärlich unterhalb der Nasenlöcher sowie etwas seitlich von ihnen, ebensolche, z. Th. sehr lange, Borsten oberhalb der Nase. — Am Unterkiefer vereinzelt. Manche von diesen Borsten an der Spitze ähnlich denen von brasiliensis aufgefasert. — Haare an den Füssen locker stehend, am oberen Ende wenig, aber deutlich, verbreitert.
13. Nyctinomus cestonii (Savi)
1 Exemplar aus Italien (Stuttgart), sehr ausgeblasst, was die genauere Untersuchung erschwert. Borsten, ähnlich denen (Fig. 26, Taf. X) von brasiliensis, bemerkte ich nur auf den seitlichen Abschnitten der etwas gewulsteten Oberlippe. — Haare an den Füssen stehen ziemlich dicht, Enden wenig verbreitert.
14. Nyctinomus gracilis (Natt.)
1 Exemplar von Panama (Stuttgart). Am Kopfe sind nur einige helle, ziemlich kurze, etwas abgeplattete Borsten auf den Falten der Oberlippe möglicherweise als Vertreter der Spatelhaare zu betrachten.—An den Füssen die gewöhnliche Anordnung, aber die einzelnen Härchen sind wie bei brasiliensis nur im ganzen etwas abgeplattet und nicht am Ende verbreitert.
Molossus Geoffr.
1. Molossus rufus Geoffr. und M. rufus obscurus (Geoffr.)
Tafel XI, Fig. 8, Tafel X, Fig. 29
Art und Unterart verhalten sich in Bezug auf das Vorkommen von Spatelhaaren ganz übereinstimmend. Untersucht wurden von M. rufus: 3 Exemplare von Peru (2 Stuttgart), 1 von Surinam (dsgl.) und 1 von Jamaica (dsgl.); von M. rufus obscurus: 1 von Central Peru (Stuttgart), 3 von Surinam (dsgl.), 1 von Cuba und 1 von Tobago (Antillen).
Etwas unterhalb der Nasenlöcher bis nahe zum Mundrand ein meist scharf begrenztes, annähernd dreieckiges oder trapezoides Feld, sehr dicht bestanden mit Spatelhaaren vorwiegend mittlerer, aber auch geringerer Ausbildung, letztere Formen besonders an den seitlichen Rändern des Feldes und in seinem unteren Theile, wo die Länge der einzelnen Haare grösser wird. Sonst am Kopfe keine Spatelhaare. — Felder an den Füssen locker bestanden mit Haaren von wenig ausgeprägter bis annähernd mittlerer Form.
Gervais (Expéd. de Castelnau, Zool. Mammif. 57, Paris 1855) hat das Feld an der Schnauze bei M. rufus und rufus obscurus bemerkt und kennzeichnet seine gröberen Verhältnisse ganz zutreffend: „… la supérieure [sc. lèvre] est garnie au-dessous du nez de poils sétiformes très courts et en brosse.“
2. Molossus nasutus Spix
1 Exemplar von Guatemala (Stuttgart). Am Kopfe Spatelhaare, meist wenig ausgeprägter Form, nur auf einem Felde zwischen Nase und Mundrand ähnlich wie bei vorigen, aber in weiterer Ausdehnung, und ebenfalls sehr dicht gedrängt. — Haare an den Füssen am Ende nur wenig verbreitert.
Dobson (PZS. 1876, 711, auch Catal. 1878, 414) erwähnt das Feld an der Schnauze: „… the wide space between the nostrils and the margin of the upper lip occupied by a quadrilateral patch of thickly spread short hairs …“
3. Molossus abrasus (Temm.)
Tafel XI, Fig. 9
4 Exemplare von Surinam (3 Stuttgart). Obere Ränder der Nasenlöcher wulstig und mit warzigen Vorsprüngen, vereinigen sich nach abwärts zu einer medianen Leiste. Letztere dicht besetzt mit wenig ausgeprägten, nur bei éinem Exemplare mittlerer Form sich nähernden, Spatelhaaren, die vereinzelt auch noch auf die medialsten Theile des oberen Nasenlochrandes übergreifen. Sonst am Kopfe keine Spatelhaare. — Felder an den Füssen locker behaart, Haare verhältnissmässig dunkel, denen am Gesichte sehr ähnlich, z. Th. ziemlich lang, namentlich am äusseren Rande des Feldes der fünften Zehe.
4. Molossus perotis (Wied)
Tafel XI, Fig. 10
1 Exemplar von Surinam (Stuttgart). Am Kopf ähnlich wie bei vorigem wenig ausgeprägte Spatelhaare in geringer Zahl ausschliesslich auf einem senkrechten leistenartigen Felde zwischen den Nasenlöchern, auch jederseits oben auf ihren Rand übergreifend. — Haare an den Füssen am Ende wenig verbreitert.
Burmeister (Syst. Übers. Thiere Brasil. I. Säugeth. 66, Berl. 1854) sagt über diese Art: „… die Hinterzehen sind kräftig, besonders die erste und letzte, welche die steifen Häkchen26 tragen …“ Auch erwähnt er (ebendort) die „mittlere stark behaarte Längsschwiele“ an der Schnauze, ohne jedoch etwas über die Form der Haare zu sagen. Vielleicht aber ist die früher citirte Angabe über das Vorkommen von „hakenförmig aufwärts gebogenen Borsten“ auf den Lippen des Genus Dysopes (= Molossus und Nyctinomus) überhaupt (ebendort S. 66) auch speciell auf diese Art zu beziehen.
Cheiromeles Horsf.
Cheiromeles torquatus Horsf.
Tafel XI, Fig. 11 u. 11 a–d, Tafel X, Fig. 6, 20, 21 a–e, 22, 23, 24 u. 25
1 Exemplar in Spiritus von Java, ausserdem 1 ausgestopftes und 1 trockener Balg von Bórneo (SO u. W). Wie schon früher bemerkt, macht der Körper dieses interessanten Thieres auf den ersten Anblick den Eindruck völliger Nacktheit, thatsächlich aber ist die derbe schwartenartige Haut, wenn wir von der Flugmembran absehen, überall in verschiedenem Maasse, doch immer spärlich, behaart. Am dichtesten stehen die Haare auf Brust und Bauch, aber auch der Rücken ist nicht ganz nackt, wie Dobson (Catal. 1876, 178; Catal. 1878, 406) angiebt, sondern trägt auf seiner chagrinartig rauhen Oberfläche in regelmässiger Vertheilung einzeln und in sehr weiten Zwischenräumen stehende kurze Haare. Alle diese Haare besitzen die früher geschilderte Structur (siehe Tafel X, Fig. 21). Das Gleiche gilt auch für die meisten längeren Haare, die sich an bestimmten Körperstellen finden, besonders neben den Spatelhaaren und den ihnen verwandten Stacheln im Gesichte (Fig. 20, Taf. X) und, eine Art Krause bildend, um den Hals. Hier erreichen diese Haare die grösste Länge, 1–2 cm.
Die Form des Kopfes, der abgeplattet und langgestreckt, dabei zugleich sehr breit ist (wie man aus einem Vergleiche der Seiten- mit der Vorderansicht auf Tafel XI, Fig. 11 u. 11 a ersehen kann), finde ich unter den mir vorliegenden Abbildungen nur in der bei Temminck (Monogr. Mammal. II, Pl. 66, Leiden 1835–41) ziemlich naturgetreu wiedergegeben, doch ist auch hier im Vergleiche zu dem Dresdener Spiritus-Exemplare die Breite zu gering. In den ersten, nach einem getrockneten Balg entworfenen, Abbildungen Horsfields (Zool. Res. Lond. 1824, No. VIII, 2 Taf., Kopie der Oberansicht bei Temminck: Monogr. Mammal. I, Pl. 17. Paris 1827), sind die Formen verschiedentlich verzerrt, und bei Dobson (Catal. 1878, Pl. XXI, Fig. 1 u. 1 a) erscheint der Kopf in unnatürlicher Verkürzung und übertrieben hoch. Abweichend von dem Verhalten der übrigen Molossiden sind bei Cheiromeles die Ohren verhältnissmässig klein und durch einen weiten Zwischenraum getrennt.
Die Schnauze trägt am äussersten Ende in der Mitte unterhalb der Nasenlöcher ein scharf begrenztes Feld von der Gestalt eines Dreiecks, dessen Basis dem Mundrande genähert und parallel ist (Fig. 11 u. 11 a, Taf. XI). Es ist dicht mit Spatelhaaren der in Fig. 22 u. 23 auf Tafel X dargestellten modificirten Form besetzt, und trotz der Kürze der einzelnen Borsten, die noch nicht 1 mm frei hervorragen, markirt es sich doch auf der sonst fast nackten Haut am Spiritus- wie an den trockenen Exemplaren schon für die Betrachtung mit blossem Auge sehr deutlich. Indessen ist weder im Texte noch in den Abbildungen Horsfields (Zool. Res. 1824), Temmincks (Monogr. Mammal. II, 1835–41) und Dobsons (Catal. 1876 u. Cat. 1878) dieses Feld berücksichtigt.
Ausserdem finden sich am Kopfe neben spärlichen Haaren, die denen des Körpers gleichen (Fig. 20, Taf. X), noch in geringer Zahl die derben bald kürzeren, bald längeren Borsten oder Stacheln, die in Fig. 25 und 24 auf Tafel X abgebildet sind. Ein paar stehen einzeln seitwärts von dem medianen Feld an der Vorderseite der Schnauze (Fig. 11 a, Tafel XI), und weiter kann man längs des obern Randes ihrer Seitenfläche vom Nasenloche bis gegen das Ohr hin etwa drei bis vier kleine Gruppen von je zwei bis fünf Borsten unterscheiden. Die Anordnung, wie sie die Figur 11 (Taf. XI) von dem Spiritusexemplare von Java zeigt, ist an den beiden trockenen von Bórneo fast genau dieselbe.
Diese Gruppen hat schon Horsfield gesehen. Er unterscheidet (Zool. Res. 1824, No. VIII. Cheiromeles, 3. S.) genau „three small fascicles of short, stiff bristles, conical and glandular at the base, rigid and spinous at the point“. Auch in der Artdiagnose berücksichtigt er diesen Charakter: „Rostrum conicum, sulcatum, glandulis confertis setiferis in paribus tribus oppositis coronatum“. Der Ausdruck „glandular at the base“ bezieht sich vermuthlich auf das Grübchen, das die Haut, ähnlich wie an den Spatelhaaren, auch am Grunde dieser Stacheln öfter bildet. Auch Temminck (Monogr. Mammal. II, 349; Pl. 66, Fig. 3, 1835–41) erwähnt „de très petits mammelons qui donnent naissance à quelques poils rares et très courts“, Dobson (Catal. 1876 u. Cat. 1878) dagegen sagt nichts darüber.
Vereinzelt stehen solche Stacheln auch auf dem Unterkiefer in einiger Entfernung von der Medianlinie, und, merkwürdigerweise, auch auf der Rückseite der Interfemoralmembran, während ich hier bei den übrigen Molossiden vergeblich nach Spatelhaaren oder gleichwerthigen Borsten suchte. Beide Standorte sind auch bei Horsfield angegeben.
Die Füsse, deren Beschaffenheit nur am Spiritusexemplare klar zu erkennen ist, sind derb fleischig, mit dicken Zehen, deren Haut regelmässig quer gerunzelt ist (Taf. XI, Fig. 11 b). Die grosse Zehe ist doppelt so breit wie die anderen und wie ein Daumen frei beweglich. Auf der ganzen äusseren Fläche, nahe vom Grunde bis zum Nagel, trägt sie einen Besatz von langen, weit vorragenden Spatelhaaren, der bei der Betrachtung des Thieres sogleich ins Auge fällt (Tafel XI, Fig. 11 b–d). Horsfield hat davon schon in der ersten Beschreibung des Cheiromeles (Zool. Res. 1824. VIII, 6. S.) eine ganz zutreffende Schilderung gegeben, der ich mich nur anschliessen kann: „Together with the structure and position of the thumb, a very peculiar character is afforded to the Cheiromeles by an appendage or brush, consisting of bristly hairs, directed to one side, and forming a regular series along the outer margin of the thumb. At the extremity the hairs are long, and spread as a fan over the nail; they gradually decrease in length as they approach the base, preserving throughout the same direction. The separate hairs are rigid, thicker at the base, then gradually attenuated, and terminated by a hook.“ Ergänzend ist hierzu noch zu bemerken, dass die einzelnen Haare an ihrem Ende nicht nur hakig gekrümmt, sondern zugleich auch spatelförmig verbreitert sind. Die Form der Endplatte ist meist von mittlerer Ausprägung, am besten bei den kürzeren Haaren entwickelt. Mit der wachsenden Länge der Haare wird die Abplattung und Erweiterung am Ende immer geringer bis zu dem Grade der Fig. 11 auf Tafel X, und manchmal erscheint das Ende auch gleichmässig zugespitzt. Die längsten Haare erreichen bis 8–10 mm, aber auch die von mittlerer Ausbildung werden 2 mm und darüber lang (Fig. 6, Taf. X). Die Richtung der Krümmung ist durchweg plantar und proximal. Das einzelne Haar ist röthlich braun gefärbt.
Der fünften Zehe fehlen Spatelhaare durchaus, im Gegensatze zu dem Verhalten aller anderen Molossiden, dagegen finden sich wie dort so auch bei Cheiromeles an den Nagelgliedern der zweiten bis fünften Zehe einige längere Haare, die aber immer kürzer sind als die bei Molossus und Nyctinomus und, anders wie bei diesen Gattungen, vorwiegend an der ventralen Seite des Klauengliedes entspringen. In der Structur gleichen sie sehr den Spatelhaaren der ersten Zehe, sind aber heller. An der Spitze sind sie etwas abgestumpft. Horsfield (Zool. Res. VIII, 6. S. 1824) bemerkt über diese Haare wieder ganz richtig: „This character [d. i. der Haarbesatz der grossen Zehe] must not be confounded with the long, solitary, bristly hairs which, in Cheiromeles as well as in Nyctinomus, are loosely scattered over the fingers, and particularly over the extremity, near the insertion of the claws.“ Die späteren Autoren Temminck (Monogr. Mammal. II, 348, 1835–41) und Dobson (Catal. 1876, 178; Catal. 1878, 406) schildern die Verhältnisse der Behaarung an den Füssen lange nicht so eingehend und klar wie Horsfield.
Die im Vorstehenden aufgeführten 19 Arten umfassen nur wenig über ein Drittel der bis jetzt überhaupt bekannt gewordenen Molossiden. Nach dem neuesten Verzeichnisse der Säugethiere von Trouessart (Catal. Mammal. Nov. Edit. 1898–99. T. I, 142–149, T. II, Append. 1285–1286) und mit Einschluss der beiden von A. B. Meyer neu aufgestellten Nyctinomus sarasinorum (s. oben S. 16) und astrolabiensis (desgl. S. 19) stehen den 14 von mir untersuchten Nyctinomus-Arten 24, den 4 Species von Molossus 6 gegenüber, von denen ich kein Exemplar zur Verfügung hatte.
Das Verhalten dieser Arten in Bezug auf den Besitz löffelförmiger oder entsprechender Haare wird sich durch Prüfung des in den Museen vorhandenen Materials mit Leichtigkeit feststellen lassen, inzwischen mögen hier noch einige Notizen aus der Literatur Platz finden, die das Vorkommen solcher Haare für mehrere Arten wahrscheinlich machen, z. Th. sogar mit Sicherheit erweisen.
Sodann ist Nyctinomus macrotis Gr. zu nennen, über den Gray (Ann. Nat. Hist. IV, 5–6, 1840) folgende Angaben macht: „The pads of the great and little toes rather large, covered with white hairs, which are curved and rather dilated at the tip“28. Und ferner: „.. muzzle bald, with a central longitudinal and a transverse marginal ridge of close set short rigid hairs; upper lip with an oblong tuft of black hairs under the nose ..“. Dass es sich auch in der letzteren Bemerkung um Spatelhaare handelt, ist nicht unwahrscheinlich, zumal auch in der Abbildung der oberen Parthie des Kopfes dieser Species bei Dobson (PZS. 1876, 716, Fig. 3) oberhalb der Nasenlöcher vom Zeichner kurze steife Borsten angegeben sind, die wohl Spatelhaare vorstellen könnten.
Eine Anzahl weiterer, weniger bestimmter Äusserungen stelle ich nach der Reihenfolge der Arten in Trouessarts Catal. Mammal. 1898–99 hier noch kurz zusammen.
Molossus fluminensis Lat. „Des poils raides et courts occupent l’espace de demi cercle qui sépare le nez de la lèvre supérieure“. (Lataste, Ann. Mus. Genov. 30, 661; vgl. Fig. 1, 660. 1891). Vermuthlich entsprechen diese Haare dem Feld unterhalb der Nase bei Molossus rufus, dem diese Art sehr nahe steht (Lataste, l. c. 660).
M. bonariensis (Ptrs.). Die Abbildung bei Peters (Mb. Akad. Berl. 1874, 234. Taf. Fig. 1) zeigt die kurzen Härchen an den Verdickungen der Zehen sehr deutlich, eine Andeutung ist vielleicht an der Schnauze zu erkennen (Fig. 2 daselbst). Im Texte wird nichts darüber gesagt.
Nyctinomus orthotis H. Allen. „The face is occupied by a number of stout bristles between the ears and the muzzle“ (Allen, Proc. U. S. Nat. Mus. XII, 638. 1889).
N. kalinowskii Thos. In der Abbildung bei Thomas (PZS. 1893, pl. XXIX, Fig. 10) sind vorn an der Schnauze unterhalb der Nase kurze steife Borsten angegeben. Im Texte nicht erwähnt.
N. acetabulosus (Comm.). „Face thinly sprinkled with short rigid hairs, or rather bristles“. (Smith, Ill. Zool. S. Afr. Mammal. Dysopes natalensis Smith [pl. 49] 1849).
N. setiger (Ptrs.). „Die breite wulstige, aber nicht quergefaltete Oberlippe ist jederseits mit vier bis fünf Längsreihen kurzer stachelförmiger dicker Borsten bekleidet, zwischen denen sparsame feine kurze und längere Härchen hervortreten. Die Unterlippe zeigt noch kürzere und schwächere sparsame Borsten und Haare“ (Peters, Mb. Akad. Berl. 1878, 196; Taf. 1, Fig. 2–2 c). — Es scheint sich bei N. setiger um ähnliche Borsten wie bei brasiliensis zu handeln.
Hier wäre möglicherweise noch N. jugularis (Ptrs.) anzureihen, der nach der Abbildung bei Peters (M. B. Akad. Berl. 1881, 485, Taf. Fig. 2) auf der Oberlippe und auf der Schnauze oberhalb der Nase kurze Borsten besitzt. Doch ist die Synonymie der Art zweifelhaft. Peters hat sie 1865 aufgestellt (PZS. 468), Dobson 1876 (PZS. 734; auch Catal. 1878, 440) sie mit N. acetabulosus (Comm.) identificirt, dem sich Trouessart (Catal. Mamm. 1898–99, I, 149) anschliesst. Dagegen hat noch 1881 Peters (M. B. Akad. Berl. 483) dies nicht anerkannt, vielmehr N. jugularis mit dem später von Dobson (PZS. 1876, 733) aufgestellten N. albiventer für identisch erklärt. Ein Vergleich der Figuren bei Peters (M. B. Akad. Berl. 1881, 485, Tafel, 1 a und 2 a) mit denen bei Dobson (Catal. 1878, Pl. XXI, 5 u. 4) spricht mehr zu Gunsten der Auffassung von Peters. Einer vergleichenden Prüfung der vorhandenen Exemplare beider Arten muss es vorbehalten bleiben, die Sache klarzustellen.
Rechnen wir die zuletzt erwähnten 8–9 Arten den von uns untersuchten hinzu, so würden wir bis jetzt Spatelhaare oder stellvertretende Borsten bei etwas mehr als der Hälfte der bekannten Molossiden im Gesicht anzunehmen haben. Für ziemlich sicher können wir es halten, dass sie allen Arten von Molossus und Nyctinomus an den Aussenseiten der ersten und fünften Zehe zukommen, da die Verdickung dieser Zehen als allgemeiner Charakter der beiden Gattungen aufgeführt wird (vgl. Dobson, Catal. 1878, 404), die verdickten Stellen aber bei allen untersuchten Arten solche Haare tragen und durch die Anhäufung ihrer Bälge verursacht sind.
Erst nach genauer Kenntniss des Verhaltens sämmtlicher Arten wird es möglich sein, die Frage zu beantworten, ob diesen Haaren eine Bedeutung in systematischer Hinsicht beizumessen sei. Einiges lässt sich in dieser Beziehung indessen wohl schon aus den hier beigebrachten Beobachtungen entnehmen, worauf ich, vorbehaltlich der Controlle durch eingehendere an reicherem Material anzustellende Prüfung, jetzt im Zusammenhange kurz aufmerksam machen möchte.
Was die Ausnahmen betrifft, so kann Nyctinomus gracilis, bei dem ich solche Haare oder Borsten am Kopf überhaupt nicht mit Sicherheit nachweisen konnte, hier ausser Betracht bleiben, da mir von der Art nur éin Exemplar zur Verfügung stand, dessen Erhaltung nicht besonders günstig war, so dass die Untersuchung eines reicheren Materiales leicht zu anderen Ergebnissen führen könnte. Von dieser Species also abgesehen, bilden Nyctinomus norfolcensis, loriae und astrolabiensis eine Gruppe, für die bezeichnend ist, dass die Haare in einfacher Reihe zwischen Nase und Mundrand angeordnet und fast ausschliesslich auf diese Stelle beschränkt sind. Hierin ähneln die drei Arten den von mir untersuchten Molossi, bei denen nur nicht die Anordnung in einfacher transversaler Reihe vorkommt.
Nun steht N. loriae dem norfolcensis sehr nahe (Thomas, Ann. Mus. Genov. 38, 609, 1898), und dieser schliesst sich wieder zunächst an die Untergattung Mormopterus Ptrs. an, die in mehrfacher Hinsicht eine mittlere Stellung zwischen den übrigen Nyctinomus-Arten und der Gattung Molossus einnimmt (Dobson, Catal. 1878, 441–442). Auch N. astrolabiensis steht zu diesen Arten in näherer Beziehung (vgl. das von A. B. Meyer oben S. 19 Bemerkte).
Unter den übrigen Nyctinomus-Arten ist die Anordnung, Menge und Ausbildung der Spatelhaare sehr übereinstimmend bei plicatus, sarasinorum und bivittatus, von denen letztere beiden auch im übrigen gewissermaassen als celebensischer (A. B. Meyer, oben S. 17), bezw. afrikanischer (Dobson, Catal. 1878, 426) Vertreter des plicatus zu betrachten sind.
N. pumilus und limbatus, zwischen denen nach Dobson (Catal. 1878, 429) nur geringfügige Unterschiede von kaum specifischem Werthe bestehen, haben die Sonderung des Feldes unterhalb der Nase in eine obere und untere Abtheilung gemeinsam.
Die Arten, denen Spatelhaare im Gesichte fehlen (africanus, cestonii, gracilis [?], brasiliensis), lassen sich gegenwärtig wohl nicht unter gemeinsamem Gesichtspunkte betrachten.
Innerhalb des Genus Molossus bilden die Haare bei rufus, rufus obscurus und nasutus eine scharf begrenzte compacte Gruppe unterhalb der Nasenlöcher, bei abrasus und perotis nehmen sie ein längliches leistenartiges Feld zwischen ihnen ein.
Mit Rücksicht auf die Bezahnung werden Molossus rufus (und rufus obscurus) einerseits, abrasus und perotis andererseits verschiedenen Untergattungen (Molossus Ptrs. und Promops Gerv.) zugetheilt, und nasutus, der danach allerdings zu Promops gehört, ist doch in anderer Beziehung „quite intermediate between M. rufus and M. abrasus“ (Dobson, Catal. 1878, 415), so dass auch die dem Subgenus Molossus entsprechende Anordnung der Spatelhaare bei nasutus nichts Auffälliges hat.
Cheiromeles schliesst sich durch den Besitz des scharf begrenzten dreieckigen Feldes modificirter Spatelhaare an der Schnauzenspitze näher an Molossus als an Nyctinomus, und zu dieser Auffassung führt auch die Betrachtung der Gesammtorganisation des merkwürdigen Thieres (Dobson, Catal. 1878, 404).
Kann man, wie wir gesehen haben, mit ziemlicher Sicherheit annehmen, dass jedem Molossiden Spatelhaare (wenigstens an den Füssen, wenn auch nur in rudimentärer Form) zukommen, so bleibt die Frage, ob man diese merkwürdig geformten Haare als einen ausschliesslich den Molossiden eigenthümlichen Charakter betrachten dürfe. Ich bemerkte schon am Eingange der Abhandlung, dass ich ausserhalb der genannten Gruppe bei keiner Fledermaus solche gefunden habe. Immerhin hätten bei der nothgedrungen cursorischen Prüfung des reichen Materiales einzelne löffelförmige Haare der Beobachtung entgehen können, und die Chiropteren-Sammlung des Dresdener Museums weist natürlich auch manche Lücke auf, so dass diesem Punkte besondere Aufmerksamkeit zu schenken sein wird, ehe man ein abschliessendes Urtheil fällen darf.
Hierbei will ich besonders hervorheben, dass in der Dresdener Sammlung die den Molossiden nächstverwandte Gattung Mystacina Gr. (mit der einzigen Art tuberculata Gr.) nicht vertreten ist, und es auch nicht gelang, sie von anderwärts für diese Untersuchung zu erhalten. Es spricht aber manches, auch abgesehen von der nahen systematischen Verwandtschaft, dafür, bei dieser Art am ehesten solche Haare zu vermuthen.
Die Füsse der Mystacina (vgl. die eingehende Schilderung Dobsons, PZS. 1876, 488) sind wie die der Molossi breit, mit verdickter äusserer und innerer Zehe. Die langen gekrümmten Haare werden als fehlend angegeben, dagegen scheinen nach der Abbildung bei Dobson (PZS. 1876, 487, Fig. b.) die äusseren Seiten der ersten und fünften Zehe mit kurzen Härchen besetzt zu sein. Was das Gesicht betrifft, so finde ich bei Gray (Zool. Voy. Sulphur, Mammal. II. 23, 1843) eine vielleicht in diesem Zusammenhange zu deutende Bemerkung: „Nose rather produced, surrounded at the base with a series of short rigid bristles“.
Es wird sich also jedenfalls empfehlen, Mystacina in erster Linie auf das Vorkommen löffelförmiger oder ähnlicher Haare genau zu prüfen.
Sollte es sich durch weitere Untersuchungen endgiltig bestätigen, dass das Vorkommen löffelförmiger und verwandter Haare auf die Molossiden und etwa noch Mystacina beschränkt ist, so würde diese Thatsache im Vereine mit anderen vielleicht zu erwägen geben, ob nicht der Gruppe Molossi eine selbständigere Stellung im System, als besondere Familie, anzuweisen sein möchte.
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