Die fremde Frau und der Mann unter dem Bett (continued 2)
E. K. Rahsin translation
„Ha–ha–ha! Köch-köch! Weißt du, Herzchen, wer das ist?“ wandte sich lachend und hustend der Alte an seine Frau.
„Wer? Hahaha! Wen meinst du?“
„Köch-köch! Hahaha! Das ist dasselbe nette Frauenzimmerchen, das mit allen kokettiert! Das ist sie! Ich könnte wetten, daß das seine Frau ist!“
„Nein, Exzellenz, ich bin überzeugt, daß Sie eine andere meinen; ich bin vollkommen überzeugt davon ...“
„Aber, mein Gott! – weshalb verlieren Sie dann Ihre kostbare Zeit!“ unterbrach ihn die Dame, indem sie zu lachen aufhörte. „So eilen Sie doch! Gehen Sie nach oben, vielleicht treffen Sie sie noch an ...“
„Sie haben recht, gnädige Frau, ich werde nach oben eilen. Doch ich weiß, daß ich niemanden antreffen werde, gnädige Frau. Das kann nicht meine Frau sein, davon bin ich fest überzeugt. Sie ist jetzt zu Hause! Ich allein bin der Schuldige! Ich habe es meiner eigenen Eifersucht zuzuschreiben ... Was meinen Sie, oder werde ich sie wirklich dort antreffen, gnädige Frau?“
„Hahahahaha!“
„He–he–he! Köch-köch!“
„Gehen Sie! Gehen Sie! Und wenn Sie wieder an unserer Tür vorüberkommen, dann treten Sie ein und erzählen Sie!“ rief die Dame lebhaft. „Oder nein: kommen Sie morgen und bringen Sie Ihre Frau mit: ich will sie kennen lernen.“
„Leben Sie wohl, gnädige Frau, besten Dank, ich werde sie unfehlbar mitbringen. Es hat mich sehr gefreut, Ihre Bekanntschaft zu machen. Ich bin glücklich und froh, daß alles so schnell und gut seine Lösung gefunden hat!“
„Und den Schoßhund! Vergessen Sie den nicht!“
„Nie im Leben, gnädige Frau! Ich werde ihn unfehlbar bringen!“ beteuerte Iwan Andrejewitsch, der bereits an der Tür stand. „So weiß wie ein Zuckerstückchen und auch nicht viel größer als ein solches, mit langem seidigen Fell! – Leben Sie wohl, gnädige Frau, es hat mich sehr, sehr, sehr gefreut, Ihre Bekanntschaft zu machen, sehr gefreut!“
Und Iwan Andrejewitsch verbeugte sich und verschwand.
„He! Sie! Mein Herr! Warten Sie, kommen Sie zurück ... köch-köch!“ rief ihm plötzlich die heisere Stimme des Alten nach.
Iwan Andrejewitsch kehrte zurück.
„Ich kann den Kater Wassjka nicht finden – sagen Sie, war er nicht unter dem Bett, als Sie dort waren?“
„Nein, da war er nicht, Exzellenz ... Übrigens, es freut mich wirklich, Ihre Bekanntschaft gemacht zu haben. Ich rechne es mir zur großen Ehre an ...“
„Er hat jetzt Schnupfen und da schnurrt er immer und niest! Man muß ihn wieder einmal prügeln.“
„Ja, Exzellenz, gewiß; Erziehungsstrafen sind bei Haustieren sehr angebracht.“
„Was?“
„Ich sagte nur, daß Erziehungsstrafen, Exzellenz, bei Haustieren sehr angebracht sind, um sie an Gehorsam zu gewöhnen.“
„Ah? Wirklich? ... Nun, mit Gott, das war alles, was ich wissen wollte, besten Dank! Köch-köch!“
Als Iwan Andrejewitsch auf die Straße trat, blieb er lange Zeit regungslos auf einem Fleck stehen, als erwarte er im Augenblick einen Schlaganfall. Dann nahm er langsam den Hut ab, wischte sich den kalten Schweiß von der Stirn, schüttelte sich, dachte nach und begab sich nach Haus.
Wie groß aber war sein Erstaunen, als er, zu Hause angelangt, erfuhr, daß Glafira Petrowna schon längst aus dem Theater zurückgekehrt war, daß ihre Zähne zu schmerzen begonnen hatten, daß sie nach dem Arzt und nach Blutegeln gesandt, und daß sie nun im Bett lag und voll Ungeduld ihren Gatten erwartete.
Iwan Andrejewitsch schlug sich zuerst vor die Stirn, dann verlangte er Wasser und Bürsten, um sich zu waschen und zu reinigen, und erst nachdem dies geschehen war, entschloß er sich, das Schlafgemach seiner Frau zu betreten.
„Jetzt sagen Sie mir, bitte, wo Sie die Nächte zubringen! So sehen Sie doch, wie Sie aussehen! Wo waren Sie? Das ist doch noch nicht dagewesen: während die Frau zu Hause fast im Sterben liegt, ist der Mann in der ganzen Stadt nicht zu finden! Wo waren Sie? Oder waren Sie wieder auf der Suche nach mir, um mich bei einem Rendezvous zu ertappen, zu dem ich Gott weiß wen bestellt haben soll? Schämen Sie sich denn nicht? Das will ein Mann sein! Bald wird man mit dem Finger auf Sie weisen!“
„Herzchen!“ stammelte Iwan Andrejewitsch, doch verspürte er schon im selben Augenblick eine solche Rührung, daß er nach seinem Taschentuch greifen mußte, da es ihm zu einer Rede an Worten, Gedanken und Luft gebrach ... Doch wer beschreibt seinen Schreck, sein grauenvolles Entsetzen, als aus seiner Rocktasche, aus der er das Taschentuch hervorzog, plötzlich die Leiche Amischkas herausfiel! Er war sich dessen gar nicht bewußt, daß er im Augenblick der größten Verzweiflung, als er gezwungen war, unter dem Bett hervorzukriechen, die Leiche seines Opfers in die Tasche gesteckt hatte, vielleicht in einer Art Selbsterhaltungstrieb, um die Spuren seiner Tat zu verbergen und somit der Strafe zu entgehen.
„Was ist das?“ rief entsetzt seine Gattin. „Ein totes Hündchen! Gott! Woher kommt das? ... Was fällt Ihnen ein? ... Wo waren Sie? Sagen Sie sofort, wo Sie waren!“
„Herzchen!“ stammelte Iwan Andrejewitsch, dessen eigenes Herz beinahe stille stand, „Herzchen! ...“
Doch nun ziehen wir vor, unseren Helden zu verlassen, denn hier setzt etwas ganz Neues ein, das mit seinen früheren Abenteuern nichts Gemeinsames hat. Es ist möglich, daß ich noch einmal alle diese Unglücksfälle mit ihren Schicksalstücken wiedergebe ... Nur eines müssen Sie, meine verehrten Leser, mir heute schon zugeben: daß Eifersucht eine unverzeihliche Leidenschaft ist, ja sogar noch mehr als das: sogar ein – Unglück! ...