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Sämtliche Werke 15

Ein schwaches Herz (continued 2)

E. K. Rahsin translation

„Da, da, nimm! Verwahre es!“ sagte Schumkoff und drückte Arkadij ein Stückchen Papier in die Hand. „Sie würden es mir fortnehmen. Bringe es mir später; bring es mir! hörst du; verwahre es gut“ ... Wassjä durfte nicht weiter sprechen. Man rief ihn. Er lief eilig die Treppe hinab und nickte allen mit dem Kopfe zum Abschied zu. Verzweiflung lag auf seinem Gesicht. Man setzte ihn in einen geschlossenen Wagen. Die Pferde zogen an und fort ging es. Arkadij öffnete das Stück Papier: Lisas schwarze Locke lag darin. Was mochte in Wassjä vorgegangen sein, als er sich von ihr trennte. Heiße Tränen stiegen Arkadij in die Augen: „Ach, arme Lisa!“

Nach Schluß des Büros ging er zu den Kolomnaschen. Ich kann nicht erzählen, was dort geschah! Sogar Petjä, der kleine Petjä, der doch noch nicht begreifen konnte, was mit dem guten Wassjä geschehen war, ging in die Ecke, bedeckte sein Gesicht mit den kleinen Händchen und schluchzte, als ob ihm sein Kinderherz brechen wollte. Es wurde Abend, als Arkadij nach Hause zurückkehrte. Als er über die Newa ging, blieb er einen Augenblick stehen und sah mit durchdringendem Blick über den Fluß in die rauchige, kaltneblige Ferne, die gerötet war von der letzten, blutig purpurnen Abendsonne.

Die Nacht senkte sich über die Stadt und die ganze unübersehbare tote Schneefläche der Newa glänzte, vom letzten Strahl der Sonne beschienen, in unendlichen Myriaden von diamantenen Funken. Es war eine Kälte von zwanzig Grad. Steifer Dunst ballte sich um die vielen jagenden Pferde und laufenden Menschen. Die Luft erzitterte beim geringsten Laut, und wie Riesen erhoben sich zu beiden Seiten der Ufer in den kalten Himmel die Rauchsäulen der Häuser, schoben sich und schichteten sich übereinander, während sie aufstiegen, und es war, als ob neue Gebilde und Gebäude über der alten eine neue Stadt in den Wolken bildeten ... als ob sich diese ganze Welt, mit all ihren Bewohnern, den starken und den schwachen, mit ihren Behausungen der Armen und den Palästen der Reichen und Mächtigen der Erde in dieser Dämmerstunde in einen phantastischen Traum verwandelte, der aus dem Dunst zu dem dunkelblauen Himmel aufstieg, um sich in ihm aufzulösen und im Wesenlosen zu vergehen ... Ein sonderbares Gefühl überkam den verwaisten Freund des armen Wassjä. Er schrak zusammen, und plötzlich strömte, durch ein mächtiges, ihm bis jetzt ganz ungeahntes Gefühl, eine heiße Blutwelle in sein Herz. Er begriff mit einem Male den Sinn des ganzen Geschehnisses, begriff, warum Wassjä sein Glück nicht tragen konnte und seinen Verstand verloren hatte. Seine Lippen zitterten, seine Augen glänzten, er erbleichte vor dem Neuen, das in ihm erstand ...

Seit der Zeit war Arkadij finster und verschlossen und hatte ganz seine frühere Fröhlichkeit verloren. Seine Wohnung wurde ihm unerträglich – er nahm sich eine andere. Nach zwei Jahren begegnete er ganz zufällig Lisenka in der Kirche. Sie war verheiratet: ihr folgte eine Amme mit einem Kinde auf dem Arm. Sie begrüßten einander und vermieden es lange Zeit, von der Vergangenheit auch nur zu sprechen. Lisa erzählte, daß sie glücklich und auch nicht mehr so arm sei wie früher, daß ihr Mann ein guter Mensch wäre und sie liebhabe ... Doch plötzlich, mitten in ihrer Rede, stockte sie, ihre Augen füllten sich mit Tränen, sie wandte sich ab und senkte ihren Kopf über ein Betpult, um vor den Menschen ihre Trauer zu verbergen.

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