Die Spieler
Thomas Commichau translation
Deutsch von Gregorius Itelson
Den Bühnen gegenüber als Manuskript gedruckt Alle Rechte vorbehalten
„Geschichten aus alten Zeiten ...“
1. Auftritt
(Ein Zimmer in einem städtischen Gasthaus.)
Icharew kommt in Begleitung des Hoteldieners Alexej und seines eigenen Dieners Gawrjuschka.
Alexej. Bitte, bitte sehr, hier haben Sie ein Zimmerchen, das allerruhigste; gar kein Lärm.
Icharew. Lärm gibt’s wohl keinen, aber Kavallerie, Springer wohl genug, was?
Alexej. Das heißt, Sie meinen wohl von wegen der Flöhe? Seien Sie nur ruhig. Wenn ein Floh oder eine Wanze Sie beißen sollte, so haben wir’s zu verantworten, das ist unsere Sache.
Icharew (zu Gawrjuschka). Geh, bringe die Sachen aus dem Wagen her! (Gawrjuschka ab; zu Alexej) Wie heißt du?
Alexej. Alexéj.
Icharew. Nun höre, (mit Bedeutung) erzähl mal, wer wohnt bei euch?
Alexej. Hier wohnen jetzt viele, fast alle Zimmer sind besetzt.
Icharew. Wer denn alles?
Alexej. Schwóchnew — Peter Petrowitsch, Krugel — Oberst, Stepán Iwánowitsch Uteschítelny.
Icharew. Spielen die?
Alexej. Schon die sechste Nacht hintereinander spielen sie.
Icharew. Da hast du ein paar Rubelstücke. (Steckt ihm in die Hand.)
Alexej (sich verbeugend). Danke gehorsamst!
Icharew. Nachher gibt’s noch mehr.
Alexej. Gehorsamsten Dank!
Icharew. Spielen die untereinander?
Alexej. Nein, neulich haben sie den Leutnant Artunówsky bearbeitet; und dem Fürsten Schenkin haben sie sechsunddreißig Tausend abgewonnen.
Icharew. Hier hast du noch einen roten Lappen. Wenn du mir ehrlich dienst, kriegst du noch. Gestehe doch, die Karten hast du gekauft?
Alexej. Nein, die haben sie selbst gekauft.
Icharew. Bei wem?
Alexej. Bei dem hiesigen Kaufmann Wachraméjkin.
Icharew. Du lügst, Schwindler!
Alexej. Bei Gott!
Icharew. Gut, wir werden später mit dir verhandeln. (Gawrjuschka bringt eine Schatulle.) Stelle sie hierher. Jetzt geht und bringt mir etwas zum Waschen und zum Rasieren. (Die Diener ab.)
2. Auftritt.
Icharew allein.
Öffnet die Schatulle, die ganz mit Kartenspielen gefüllt ist.
Icharew. Ist das ein Anblick, was? Jedes Dutzend von Gold! Mit Schweiß, mit Mühe ist jedes hergestellt. Eine Kleinigkeit, bis jetzt flimmert’s mir noch vor den Augen von diesen verdammten Sprenkeln. Aber dafür ist’s ein wahres Kapital! Man kann’s den Kindern als Erbteil hinterlassen. Da ist es, das schicksalschwere Päckchen. Einfach eine Perle! Dafür hat es auch einen Namen, jawohl: Adelaida Iwanowna. Diene mir nur, mein Liebchen, so wie dein Schwesterchen mir gedient hat; gewinne mir ebenfalls achtzig Tausend, so werde ich dir ein Marmordenkmal setzen, wenn ich auf das Gut komme; in Moskau werde ich es bestellen. (Hört ein Geräusch und schließt schnell die Schatulle zu.)
3. Auftritt
Alexej und Gawrjuschka bringen eine Waschschüssel, einen Wasserkrug und ein Handtuch.
Icharew. Sind die Herren jetzt zu Hause?
Alexej. Ja wohl, sie sind jetzt im Salon.
Icharew. Ich werde mal hingehen und nachsehen, was für Leute das sind. (Ab.)
4. Auftritt
Alexej und Gawrjuschka.
Alexej. Kommt ihr von weitem her?
Gawrjuschka. Aus Rjasán.
Alexej. Seid ihr selbst auch aus jenem Gouvernement?
Gawrjuschka. Nein, wir selber sind aus dem Smolénskischen.
Alexej. So, so! Also, das heißt, das Gut ist im Smolenskischen?
Gawrjuschka. Nein, nicht im Smolenskischen. Im Smolenskischen haben wir hundert Seelen und im Kalúgischen achtzig.
Alexej. Ich verstehe schon, also in zwei Gouvernements.
Gawrjuschka. Jawohl, in zwei Gouvernements. Da ist bei uns an Dienerschaft: Ignát der Buffetier, Pawlúscha, der früher mit dem Herrn reiste, Gerássim, der Lakai, Iwán, ebenfalls Lakai, Iwán, der Hundeknecht, noch einmal Iwán, der Musikant, dann der Koch Grigórij, der Koch Semjón, Baruch, der Gärtner, Deméntij, der Kutscher — so ist es bei uns!
5. Auftritt
Dieselben; Krugel, Schwochnew, vorsichtig eintretend.
Krugel. Wahrhaftig, ich fürchte, daß er uns hier antreffe.
Schwochnew. Tut nichts, Stepan Iwanowitsch wird ihn aufhalten. (Zu Alexej.) Geh, Lieber, man ruft dich. (Alexej ab. Schwochnew vorsichtig an Gawrjuschka herantretend.) Woher ist dein Herr?
Gawrjuschka. Jetzt kommt er aus Rjasán.
Schwochnew. Gutsbesitzer?
Gawrjuschka. Gutsbesitzer.
Schwochnew. Spielt?
Gawrjuschka. Spielt.
Schwochnew. Hier hast du einen Roten (gibt ihm das Papiergeld), erzähl mir alles.
Gawrjuschka. Werden Sie aber dem Herrn auch nichts sagen?
Beide. I wo, hab keine Angst.
Schwochnew. Wie, ist er jetzt bei Gewinn, was?
Gawrjuschka. Kennen Sie den Oberst Tschebotaróff?
Schwochnew. Nein! Warum?
Gawrjuschka. Vor drei Wochen haben wir ihm achtzig Tausend in Geld abgewonnen, einen Warschauer Wagen, eine Schatulle, einen Teppich und mehrere Paar goldene Epaulettes, an reinem Gold sechshundert Rubel.
Schwochnew (sieht Krugel bedeutungsvoll an). He! Achtzigtausend? (Krugel schüttelt den Kopf.) Glaubst du, es ist eine reine Sache? Das wollen wir gleich erfahren. Hör mal, Gawrjuschka, wenn dein Herr allein zu Hause bleibt, was macht er dann?
Gawrjuschka. Was heißt das: was macht er? Was soll er denn machen? Er ist ein Herr, er hält sich gut, er tut gar nichts.
Schwochnew. Du lügst; er läßt wohl die Karten nicht aus der Hand?
Gawrjuschka. Das kann ich nicht wissen. Ich reise erst zwei Wochen mit dem Herrn; früher reiste immer Pawluscha mit ihm. Wir haben auch Gerassim, den Lakai, noch mal Iwan, den Lakai, Iwan, den Hundeknecht, Iwan, den Musikanten, Dementij, den Kutscher, und neulich haben wir uns aus dem Dorfe noch einen geholt.
Schwochnew (zu Krugel). Was glaubst du? Ein Falschspieler?
Krugel. Sehr möglich.
Schwochnew. Na, probieren müssen wir’s doch.
(Beide schnell ab.)
6. Auftritt
Gawrjuschka (allein). Geschickte Herren, aber fürs Papiergeld besten Dank. Dafür kriegt Matrjóna eine Haube und die Bengels Pfefferkuchen. Ach, wie liebe ich das Leben auf Reisen! Da fällt ja immer etwas ab. Der Herr schickt mal, was einzukaufen, da kann man schon ein Zehnkopekenstück vom Rubel in die Tasche legen. Wenn man bedenkt, was für ein schönes Leben die Herren haben: wohin du willst, da reist du hin. Hast du’s in Smolénsk satt, gehst du nach Rjasán, willst du nicht nach Rjasán, so nach Kasán, willst du nicht nach Kasán, dann direkt nach Jarosláw. Aber das eine weiß ich bis jetzt nicht, welche von diesen Städten ist ziviler: Rjasán oder Kasán? Kasán wird wohl ziviler sein, denn in Kasán ...
7. Auftritt
Icharew, Gawrjuschka, nachher Alexej.
Icharew. Sie haben nichts Besonderes an sich, wie mir scheint. Übrigens ... Ach, wie möchte ich sie gern rupfen! Lieber Gott, wie möcht’ ich’s so gern! Wenn ich daran denke, wahrhaftig, so kriege ich Herzklopfen! (Nimmt eine Bürste und Seife, setzt sich vor den Spiegel und fängt an, sich zu rasieren.) Die Hand zittert mir, ich kann mich nicht rasieren. (Alexej tritt ein.)
Alexej. Befehlen Sie — etwas zu essen?
Icharew. Gewiß, gewiß, bring etwas Imbiß für vier Personen: Kaviar, Lachs und vier Flaschen Wein, und gib ihm auch zu essen. (Zeigt auf Gawrjuschka.)
Alexej (zu Gawrjuschka). Bitte nach der Küche, da steht für Sie was bereit. (Gawrjuschka ab.)
Icharew (sich rasierend). Hör mal, haben sie dir viel gegeben?
Alexej. Wer denn?
Icharew. Nun, mach keine Faxen, sprich!
Alexej. Jawohl, sie haben mir was für Bedienung geschenkt.
Icharew. Wieviel? Fünfzig Rubel?
Alexej. Jawohl, fünfzig haben sie mir gegeben.
Icharew. Von mir kriegst du nicht fünfzig, sondern — siehst du, dort auf dem Tisch, da liegt ein Hundertrubelschein, nimm ihn dir. Hab keine Angst, er beißt nicht. Von dir wird nichts mehr verlangt, als Ehrlichkeit, verstehst du? Die Karten mögen beim Wachramejkin oder bei einem anderen Kaufmann gekauft werden, das geht mich nichts weiter an. Aber hier hast du als Zugabe noch ein Dutzend Kartenspiele von mir. (Gibt ihm ein versiegeltes Paket.) Hast du verstanden?
Alexej. Was ist denn da nicht zu verstehen? Sie können sich darauf verlassen, das ist schon meine Sache.
Icharew. Und die Karten verstecke ordentlich, daß man sie nicht gewahr wird. (Legt Bürste und Seife weg und trocknet sich das Gesicht mit dem Handtuch ab. Alexej ab.) Das wäre sehr, sehr schön. Ach, ich gestehe, ich möchte sie recht gern hineinlegen.
8. Auftritt
Schwochnew, Krugel und Stepan Iwanowitsch Uteschitelny treten mit Verbeugungen ein.
Icharew (mit einer Verbeugung ihnen entgegenkommend). Bitte um Entschuldigung: das Zimmer ist, wie Sie sehen, nicht besonders schön: im ganzen vier Stühle.
Uteschitelny. Die Freundlichkeiten des Hausherrn sind wertvoller, als alle Bequemlichkeiten.
Schwochnew. Man lebt ja nicht mit dem Zimmer, sondern mit guten Menschen.
Uteschitelny. Die reine Wahrheit. Ich könnte gar nicht ohne Gesellschaft auskommen. (Zu Krugel.) Erinnerst du dich, mein Bester, wie ich hierherkam, mutterseelenallein? Denken Sie sich, nicht einen einzigen Bekannten hatte ich hier. Die Wirtin — eine alte Greisin. Auf der Treppe irgendeine furchtbar häßliche Scheuerfrau. Da sehe ich: um sie herum scharwenzelt ein Infanterist, scheint ganz ausgehungert ... Mit einem Wort — eine tödliche Langeweile! Da plötzlich sendet mir das Schicksal ihn, und nachher führt mich der Zufall mit diesem da zusammen. Nun war ich aber froh! Ich kann keine Stunde ohne Gesellschaft von Freunden auskommen. Alles, was ich auf der Seele habe, bin ich bereit, jedem zu erzählen.
Krugel. Ja, Freundchen, das ist aber auch dein Fehler, und keineswegs eine Tugend. Jedes Zuviel schadet, du bist vermutlich schon mehr als einmal betrogen worden.
Uteschitelny. Jawohl, ich bin betrogen worden und werde noch immer betrogen werden, und doch kann ich ohne Aufrichtigkeit nicht leben.
Krugel. Nun weißt du, ich muß gestehen, das ist mir unbegreiflich! Mit jedem aufrichtig sein! Freundschaft, das ist ganz was anderes.
Uteschitelny. Das schon, aber der Mensch gehört der Gesellschaft an.
Krugel. Er gehört wohl, aber nicht ganz.
Uteschitelny. Nein, ganz.
Krugel. Nein, nicht ganz.
Uteschitelny. Nein, ganz!
Schwochnew (zu Uteschitelny). Streite nicht, lieber Freund, du hast unrecht.
Uteschitelny (hitzig). Nein, ich werde dirs beweisen, das ist eine Pflicht, das ist — das ist — das ist — eine Schuldigkeit, das ist — das ist ...
Schwochnew. Nun ist er losgegangen! Er ist nämlich furchtbar hitzig; die ersten paar Worte von dem, was er spricht, kann man noch verstehen, aber weiter versteht man nichts.
Uteschitelny. Ich kann nicht, ich kann nicht! Wenn es die Pflicht betrifft, so komme ich ganz außer Fassung! Ich erkläre gewöhnlich schon von vornherein: meine Herren, wenn die Rede von so etwas Ähnlichem sein wird, so müssen Sie schon verzeihen, ich lasse mich hinreißen, ja, ich lasse mich hinreißen. Wie im Rausch gleichsam, und meine Galle kocht und kocht über!
Icharew (für sich). Nun, lieber Freund, ich kenn’ schon die Leute, die sich hinreißen lassen und hitzig werden bei dem Worte Pflicht. Deine Galle wird schon überkochen, aber nicht bei solcher Gelegenheit. (Laut.) Nun, meine Herren, während hier über heilige Pflichten gestritten wird, wollen wir da nicht auch ein Spielchen machen? (Während des Gespräches wird das Frühstück serviert.)
Uteschitelny. Bitte, wenn’s nur ein kleines Spiel ist, warum nicht?
Krugel. Unschuldigen Vergnügungen bin ich nie abgeneigt.
Icharew. Wie ist es, in diesem Hotel wird’s wohl Karten geben?
Schwochnew. Oh, Sie brauchen nur zu befehlen!
Icharew. Karten! (Alexej macht sich am Kartentisch zu schaffen.) Und inzwischen, bitte, meine Herren, (zeigt mit der Hand auf den Frühstückstisch und tritt heran) der Lachs ist, wie es scheint, nicht sonderlich, aber der Kaviar geht an.
Schwochnew (indem er ein Stück in den Mund steckt). Nein, der Lachs ist auch nicht übel.
Krugel (ebenfalls). Der Käse ist auch gut; auch der Kaviar ist nicht übel.
Schwochnew (zu Krugel). Erinnerst du dich, was für vortrefflichen Käse wir vor zwei Wochen gegessen haben?
Krugel. Nein, nie in meinem Leben werde ich den Käse vergessen, den ich bei Peter Alexándrowitsch Alexándrow gegessen habe.
Uteschitelny. Sieh mal, mein Lieber: wann ist denn der Käse eigentlich gut? Er ist dann gut, wenn du dir nach einem Mittagessen noch ein zweites vornimmst — das ist seine eigentliche Bestimmung. Er ist gleichsam wie ein guter Quartiermeister; er sagt: bitte, meine Herrschaften, hier ist noch Platz.
Icharew. Bitte, meine Herrschaften, die Karten sind auf dem Tisch.
Uteschitelny (an den Kartentisch herantretend). Ah, das ist nun wieder einmal eine Sache aus alten Zeiten! Sieh mal, Schwochnew, Karten! Ha, wieviele Jahre sind’s wohl her?
Icharew (zur Seite). Na, na! Tu doch nicht so!
Uteschitelny. Wollen Sie die Bank halten?
Icharew. Eine kleine, gewiß! Fünfhundert Rubel! Wollen Sie abheben? (Gibt Karten. Das Spiel fängt an. Man hört Ausrufe.)
Schwochnew. Vier, Aß, beide zu zehn.
Uteschitelny. Gib mir mal dein Kartenspiel, Liebster, ich will mir eine Karte wählen: auf das Glück unserer Frau Adelsmarschall.
Krugel. Gestatten Sie mir eine Neun hinzuzufügen.
Uteschitelny. Schwochnew, gib mal die Kreide! Ich schreibe an und schreibe ab.
Schwochnew. Hol’s der Teufel, Paroli!
Uteschitelny. Und fünf Rubel Einsatz!
Krugel. Attendez! Gestatten Sie mir, nachzusehen, ich glaube, es müssen noch zwei Dreien im Spiel sein.
Uteschitelny (springt auf, für sich). Hol’s der Teufel, die Sache ist nicht sauber, hier sind andere Karten, das ist augenscheinlich (Das Spiel geht weiter.)
Icharew (zu Krugel). Gestatten Sie die Frage: Gelten beide?
Krugel. Beide!
Icharew. Erhöhen Sie nicht?
Krugel. Nein.
Icharew (zu Schwochnew). Und Sie, setzen Sie nichts?
Schwochnew. Gestatten Sie, daß ich dieses Spiel abwarte. (Steht auf, geht eilig auf Uteschitelny zu und sagt schnell:) Hol’s der Teufel, Liebster, er macht alle möglichen Kunststücke. Ein Falschspieler ersten Ranges.
Uteschitelny (erregt). Wollen wir denn auf die Achtzigtausend verzichten?
Schwochnew. Natürlich verzichten wir, wenn’s nicht geht.
Uteschitelny. Nun, das ist noch die Frage, aber vorläufig müssen wir uns mit ihm verständigen.
Schwochnew. Wieso?
Uteschitelny. Ihm einfach alles eingestehen.
Schwochnew. Wozu denn?
Uteschitelny. Das sage ich dir nachher, komm. (Gehen beide auf Icharew zu und klopfen ihm von beiden Seiten auf die Schulter.)
Uteschitelny. Verschießen Sie nicht umsonst Ihr Pulver.
Icharew (zusammenfahrend). Wieso?
Uteschitelny. Was ist da lange zu reden? Erkennt denn einer nicht seinesgleichen?
Icharew (höflich). Gestatten Sie die Frage, wie soll ich das verstehen?
Uteschitelny. Ganz einfach, ohne überflüssige Worte und Zeremonien. Wir haben Ihre Kunst gesehen, und seien Sie versichert, wir wissen Ihren Wert zu schätzen. Und deshalb schlage ich Ihnen im Namen unserer Kameraden ein Freundschaftsbündnis vor. Wenn wir unsere Kenntnisse und Kapitalien zusammentun, können wir viel erfolgreicher arbeiten als einzeln.
Icharew. In welchem Maße darf ich von der Richtigkeit Ihrer Worte überzeugt sein?
Uteschitelny. In diesem Maße: Für Aufrichtigkeit zahlen wir mit Aufrichtigkeit. Wir gestehen Ihnen hier ganz offen, daß wir uns verabredet haben, Sie zu beschwindeln, weil wir Sie für einen gewöhnlichen Menschen gehalten haben. Aber jetzt sehen wir, daß Ihnen die höchsten Geheimnisse bekannt sind. Und nun, wollen Sie unsere Freundschaft annehmen?
Icharew. Zu einem so freundlichen Anerbieten kann ich nicht nein sagen.
Uteschitelny. Also reichen wir einander die Hände. (Alle drücken nacheinander Icharew die Hand.) Von nun ab sei alles gemeinschaftlich, fort mit Verstellung und Zeremonien! Gestatten Sie die Frage, seit wann haben Sie angefangen, die Tiefe der Wissenschaft zu erforschen?
Icharew. Ich muß gestehen, schon seit meiner frühen Jugendzeit war es stets mein Bestreben. Schon in der Schule während der Vorlesungen des Professors habe ich meinen Kommilitonen unter dem Tisch die Bank gehalten.
Uteschitelny. Das dachte ich mir. Eine solche Kunst kann man nicht erwerben ohne eine Praxis in den Jahren der zartesten Jugend. Erinnerst du dich des ungewöhnlichen Knaben, Schwochnew?
Icharew. Welches Knaben?
Uteschitelny. Erzähle mal.
Schwochnew. Eine solche Begebenheit werde ich nie vergessen. Sagt mir da einmal sein Schwager (zeigt auf Uteschitelny) Andréj Iwánowitsch Pjátkin: „Schwochnew, willst du ein Wunder sehen? Ein Junge von elf Jahren, der Sohn von Iwán Micháilowitsch Kubischew, macht solche Kartenkunststücke, wie kein einziger Spieler. Reise mal nach dem Tjetjúschischen Kreis und sieh dir’s an!“ Ich muß gestehen, ich habe mich sofort nach dem Tjetjúschischen Kreis begeben, ich frage nach dem Dorf des Iwan Michailowitsch Kubischew und komme direkt zu ihm. Ich lasse mich anmelden. Es kommt ein Herr gesetzten Alters, ich stelle mich vor und sage: „Entschuldigen Sie bitte, ich habe gehört, daß Gott Ihnen einen ganz ungewöhnlichen Sohn geschenkt hat.“ — „Jawohl, das muß ich zugeben“, sagt er, und was mir gefallen hat, verstehen Sie wohl, ohne irgendwelche Umschweife und Prätentionen — Ja, sagt er, das ist richtig, wenn’s auch einem Vater nicht zukommt, seinen eigenen Sohn zu loben, aber der ist wirklich gewissermaßen ein Wunder. Mischa, sagt er, komm mal her, zeig mal dem Gast deine Kunst. Nun wissen Sie, wie so’n Junge ist, der Junge ist noch ganz Kind, reicht mir kaum bis an die Schulter, und in den Augen ist auch nichts Besonderes zu bemerken. Er fängt an, Karten zu geben, und ich bin ganz baff! Es übersteigt alle Beschreibung!
Icharew. Ist es möglich, daß gar nichts zu bemerken war?
Schwochnew. Nichts, gar nichts, nicht die Spur. Ich schaute zu mit beiden Augen.
Icharew. Das ist unbegreiflich!
Uteschitelny. Ein Phänomen, ein wahres Phänomen!
Icharew. Wenn ich noch bedenke, daß dazu doch Kenntnisse notwendig sind, die auf der Schärfe der Augen und einem aufmerksamen Studium des Musters beruhen.
Uteschitelny. Aber jetzt ist das ja sehr viel leichter geworden. Jetzt ist das Besprenkeln und Bezeichnen ganz aus dem Gebrauch gekommen. Man sucht jetzt den Schlüssel zu erlernen.
Icharew. Das heißt, den Schlüssel der Zeichnung?
Uteschitelny. Jawohl. Den Schlüssel der Zeichnung auf der Rückseite. Da lebt in einer Stadt, — in welcher, das will ich nicht sagen, — ein ehrbarer Mann, der nichts anderes tut, als nur dies: Jedes Jahr bekommt er aus Moskau einige hundert Kartenspiele, von wem, — das bleibt ein Geheimnis. Seine ganze Aufgabe und Pflicht besteht darin, das Muster auf der Rückseite jeder Karte zu untersuchen, und einen Schlüssel dazu einzuschicken, d. h. sieh nur hin: bei der Zwei, da ist die Zeichnung so angeordnet, bei einer anderen Karte ist die Sache so, und dann wieder so, und für das allein bekommt er jährlich fünftausend in barem Gelde.
Icharew. Das ist allerdings eine sehr wichtige Sache!
Uteschitelny. Ja, das muß übrigens auch so sein. Das ist, was man in der National-Ökonomie die Arbeitsteilungen nennt. Zum Beispiel, ein Wagenbauer, der macht ja nicht selbst den ganzen Wagen, er gibt doch auch dem Schmied und dem Tapezierer was ab. Sonst würde ja das ganze Menschenleben nicht ausreichen.
Icharew. Gestatten Sie eine Frage: Wie machten Sie’s bis jetzt, um Ihre Kartenspiele in Kurs zu setzen. Die Bedienung bestechen, das ist ja nicht immer möglich.
Uteschitelny. Gott behüte! ist auch gefährlich. Das hieße ja manchmal, sich selbst verraten. Wir machen es anders. Einmal machten wir’s auf folgende Weise: Unser Agent kommt zum Jahrmarkt und nimmt als Kaufmann Logis im Stadthotel; er habe noch nicht Zeit gefunden, sich einen Laden zu mieten. Da stehen nun die Kisten und Ballen noch so im Zimmer herum. Er lebt im Hotel, macht Ausgaben, ißt, trinkt und verschwindet plötzlich, man weiß nicht, wohin, ohne seine Rechnung bezahlt zu haben. Der Hotelwirt sucht im Zimmer herum und sieht, es ist nur ein Ballen zurückgeblieben. Er macht den Ballen auf, sieh da: hundert Dutzend Kartenspiele. Die Karten werden natürlich gleich verauktioniert. Das Dutzend einen Rubel billiger, da kaufen die Kaufleute in einem Augenblick alles für ihren Laden auf, und in vier Tagen hat die ganze Stadt ihr Geld im Spiel verloren.
Icharew. Das ist sehr geschickt.
Schwochnew. Nun, und bei jenem, beim Gutsbesitzer?
Icharew. Was denn, beim Gutsbesitzer?
Uteschitelny. Ja so, die Geschichte war auch nicht schlecht gemacht. Ich weiß nicht, ob’s Ihnen bekannt ist, es gibt einen Gutsbesitzer Arkádij Antónowitsch Dergunów, ein furchtbar reicher Mann, spielt vorzüglich, ist von beispielloser Redlichkeit, und, verstehen Sie, ihn herumzukriegen, ist gar keine Möglichkeit. Alles beaufsichtigt er selbst, seine Dienerschaft ist gut erzogen, — die reinen Kammerherren, das Haus — ein Palast, sein Garten — alles nach englischem Muster, kurz, ein russischer Edelmann im vollen Sinne des Wortes. Wir sind schon drei Tage bei ihm. Wie fängt man’s an? Einfach keine Möglichkeit! Endlich kamen wir auf einen Gedanken. Eines Morgens rast am Hofe ein Dreigespann vorbei, im Wagen sitzen ein paar junge Burschen, alle im höchsten Grade besoffen, alles singt Lieder und treibt’s, wie die wilde Jagd. Zu so einem Schauspiel kommt natürlich die ganze Dienerschaft herbeigelaufen. Sie gaffen, lachen und bemerken, daß aus dem Wagen etwas herausgefallen ist. Sie kommen hinzu und sehen einen Reisekoffer. Sie winken mit den Händen und rufen: Halt! Aber i wo, niemand hört, sie sind fortgerast, und nur der Staub auf dem ganzen Wege ist aufgewirbelt. Sie machen den Reisekoffer auf, finden Wäsche, einige Kleidungsstücke, zweihundert Rubel bares Geld und gegen vierzig Dutzend Kartenspiele. Nun natürlich, auf das Geld wollten die Dienstboten nicht verzichten, die Kartenspiele kamen auf den herrschaftlichen Tisch und schon am nächsten Tage waren gegen Abend alle, der Hausherr wie die Gäste, ohne eine Kopeke in der Tasche, und das Spiel war zu Ende.
Icharew. Sehr geistreich! Das bezeichnen die Leute mit Schwindel oder ähnlichen Namen, aber das ist ja nur Scharfsinn und feiner Verstand.
Uteschitelny. Die Leute verstehen ja nichts vom Spiel. Im Spiel gibt es kein Ansehen der Person, das Spiel sieht auf nichts. Mag mein eigener Vater mit mir Karten spielen; ich würde meinen Vater beschwindeln. Setze dich nicht mit mir hin! Hier sind alle gleich.
Icharew. Richtig, das versteht man nicht, daß ein Spieler der tugendhafteste Mensch sein kann. Ich kenne einen, der zu allen möglichen Mogeleien geneigt ist, aber einem Armen gibt er seine letzte Kopeke. Und er wird es keineswegs verschmähen, sich mit Dreien gegen Einen zu verbinden und ihm das Geld abzunehmen. Aber meine Herren, da wir schon so aufrichtig miteinander sind, so will ich Ihnen eine ganz wunderbare Sache zeigen. Wissen Sie, was das heißt, ein kombiniertes oder zusammengesuchtes Kartenspiel, in dem jede Karte von mir auf eine bedeutende Distanz erraten werden kann?
Uteschitelny. Ich weiß es wohl, aber vielleicht in etwas anderer Art.
Icharew. Ich kann mich wohl rühmen, daß Sie ein ähnliches nirgends finden werden. Es hat fast ein halbes Jahr Arbeit gekostet. Ich habe zwei Wochen nachher das Sonnenlicht nicht sehen können. Der Arzt befürchtete eine Augenentzündung. (Nimmt es aus der Schatulle.) Da ist es, aber nehmen Sie mir’s nicht übel, es hat auch einen Namen wie ein Mensch.
Uteschitelny. Wieso einen Namen?
Icharew. Jawohl, einen Namen: Adelaida Iwánowna.
Uteschitelny. Hör mal, Schwochnew, das ist ja eine ganz neue Idee, ein Kartenspiel Adelaida Iwanowna zu nennen. Ich finde es sogar sehr geistreich.
Schwochnew. Sehr schön: Adelaida Iwanowna! Wunderschön.
Uteschitelny. Adelaida Iwanowna! Sogar eine Deutsche! Hörst du, Krugel, da hast du eine Frau.
Krugel. Was bin ich für ein Deutscher? Mein Großvater war ein Deutscher, und auch der verstand kein Deutsch.
Uteschitelny (das Kartenspiel betrachtend). Das ist wahrhaftig ein Schatz. Wirklich, es ist gar nichts zu merken. Können Sie tatsächlich jede Karte erraten, auf jede beliebige Distanz?
Icharew. Bitte, ich stelle mich fünf Schritt weit von Ihnen auf und werde von da aus jede Karte benennen. Ich bin bereit, zweitausend Rubel zu zahlen, wenn ich mich irre.
Uteschitelny. Nun, was ist das für eine Karte?
Icharew. Eine Sieben.
Uteschitelny. Richtig, und diese?
Icharew. Ein Bube.
Uteschitelny. Hol’s der Teufel, ganz richtig! Nun, und diese?
Icharew. Eine Drei.
Uteschitelny. Unbegreiflich!
Krugel (die Achseln zuckend). Unbegreiflich!
Schwochnew. Unbegreiflich!
Uteschitelny. Gestatten Sie mir, noch mal nachzusehen. (Besieht das Kartenspiel.) Ein ganz wundervolles Ding, es ist wirklich wert, daß man ihm einen Namen gab. Aber gestatten Sie die Bemerkung, das Spiel in Gebrauch zu nehmen, ist doch eine schwierige Sache; vielleicht geht’s etwa mit einem ganz unerfahrenen Spieler, man muß es ja selbst vertauschen.
Icharew. Aber das tut man ja nur während der Hitze des Spiels, wenn das Spiel so hoch geht, daß der erfahrenste Spieler unruhig wird, und wenn ein Mensch nur ein bißchen verwirrt ist, so kann man ja mit ihm machen, was man will. Wissen Sie denn nicht, daß das mit den besten Spielern passiert, was man so nennt „sich heiß spielen“. Wenn er zwei, drei Nächte hintereinander spielt, ohne zu schlafen — nun, dann spielt er sich eben heiß. Im Hasardspiel kann ich immer den Talon vertauschen. Glauben Sie mir, die ganze Kunst besteht nur darin, daß man kaltblütig bleibt, wenn der andere hitzig ist; und die Aufmerksamkeit anderer abzulenken, dazu gibt es tausend Mittel. Fangen Sie nur mit einem der Spieler irgendeinen Krakehl an, sagen Sie z. B., er hätte nicht richtig aufgeschrieben, dann wenden sich die Augen Aller auf ihn, und in diesem Augenblick ist das Kartenspiel bereits vertauscht.
Uteschitelny. Nun, ich sehe, daß Sie außer der Kunst auch noch die Tugend der Kaltblütigkeit besitzen. Das ist eine wichtige Sache. Ihre Bekanntschaft ist nun für uns desto wertvoller geworden. Wollen wir alle Zeremonien, alle überflüssigen Formalitäten fallen lassen und wollen wir einander einfach du sagen.
Icharew. Das hätten wir schon längst tun sollen.
Uteschitelny. Kellner! Champagner, zur Bekräftigung des freundschaftlichen Bundes!
Icharew. Jawohl, es gehört sich, daß man das begieße!
Schwochnew. Nun, meine Herren, wir haben uns ja zu Heldentaten versammelt. Das Geschütz ist in unseren Händen, die nötigen Kräfte haben wir, es fehlt nur eins.
Icharew. Richtig, richtig! Die Festung fehlt ja, die zu nehmen wäre, das ist das Pech!
Uteschitelny. Was ist da zu machen? Vorläufig gibt’s noch keinen Feind. (Sieht Schwochnew fest an.) Wie? Du machst ja ein Gesicht, das zu sagen scheint: ein Feind wäre wohl da.
Schwochnew. Ja, da ist ... (Bleibt stecken.)
Uteschitelny. Ich weiß schon, wen du meinst.
Icharew (lebhaft). Wen denn, wen denn? Wer ist es?
Uteschitelny. Ach, Unsinn! Das hat er sich ausgedacht. Der reinste Unsinn! Sehen Sie mal, hier ist ein zugereister Gutsbesitzer, Micháilo Alexándrowitsch Glow. Aber was ist da zu reden, er spielt ja gar nicht. Wir haben uns schon mit ihm zu schaffen gemacht. Ich habe ihm einen ganzen Monat den Hof gemacht, habe mit ihm Freundschaft geschlossen, habe sein Vertrauen erworben und habe doch nichts ausgerichtet.
Icharew. Aber hör mal, kann man ihn denn nicht zu sehen bekommen? Wer weiß, vielleicht doch?
Uteschitelny. Nun, ich sage dir im voraus, das wird ganz vergebliche Mühe sein.
Icharew. Aber wir wollen’s doch mal versuchen.
Schwochnew. Nun, bring ihn doch wenigstens hierher. Wenn’s uns nicht gelingt, so unterhalten wir uns doch ein wenig. Warum wollen wir’s denn nicht versuchen?
Uteschitelny. Meinetwegen, mir macht’s ja nichts, ich bringe ihn schon her.
Icharew. Bring ihn doch, bitte, gleich hierher!
Uteschitelny. Schon gut, schon gut! (Ab.)
9. Auftritt
Dieselben ohne Uteschitelny.
Icharew. Wahrhaftig, wie kann man wissen, manchmal scheint eine Sache ganz unmöglich.
Schwochnew. Ich bin auch derselben Meinung. Wir haben’s doch nicht mit Göttern zu tun, sondern mit einem Menschen, und ein Mensch bleibt immer ein Mensch. Heute sagt er nein, morgen nein, übermorgen nein, und am vierten Tage, wenn man ihm nur ordentlich zusetzt, sagt er ja. Mancher tut ja bloß so, als ob er so unzugänglich sei, aber wenn man genauer zusieht, so merkt man, daß nur viel Lärm um nichts gemacht worden ist.
Krugel. Nun, dieser ist nicht derart.
Icharew. Ach, wenn’s doch wäre! Es ist nicht zu glauben, wie jetzt der Trieb zur Tätigkeit in mir erwacht ist. Sie müssen wissen, daß mein letzter Gewinn von achtzigtausend beim Oberst Tschebotarjów bereits vom vergangenen Monat herrührt. Seitdem habe ich einen ganzen Monat keine Praxis mehr gehabt. Sie können sich kaum denken, was für eine Langeweile ich in dieser ganzen Zeit ausgestanden habe, eine tödliche Langeweile!
Schwochnew. Ich begreife diese Lage ganz wohl. Es ist gerade wie bei einem Feldherrn: was muß der empfinden, wenn es keinen Krieg gibt. Das, mein Liebster, ist einfach eine fatale Zwischenpause. Ich weiß es aus eigener Erfahrung, das ist kein Spaß.
Icharew. Du glaubst es nicht, es kommt manchmal so weit, daß, wenn jemand bloß fünf Rubel in der Bank halten würde, ich bereit wäre, mich hinzusetzen und zu spielen.
Schwochnew. Eine ganz natürliche Sache. So hat auch schon manchmal der geschickteste Spieler verloren: aus Melancholie, wenn keine Arbeit da ist, gerät er in der Hitze manchmal an einen von jenen, die man Habenichtse und Stromer nennt, — nun, und verliert alles um nichts und wieder nichts.
Icharew. Ist der Glow reich?
Krugel. Oh, Geld hat er schon! Ich glaube, so gegen tausend Leibeigene.
Icharew. Ei, der Teufel! Vielleicht könnte man ihm was zu trinken geben, Champagner, was?
Schwochnew. Er nimmt keinen Tropfen in den Mund.
Icharew. Was ist nun mit ihm zu machen? Wie kommt man an ihn heran? Aber nein, ich denke doch, das Spiel ist eine verführerische Sache. Ich glaube, wenn er sich nur hinsetzen wollte und zusehen, wie die andern spielen, so würde er’s doch nicht aushalten.
Schwochnew. Nun, wir wollen’s jetzt versuchen. Wir wollen hier etwas abseits mit Krugel ein ganz kleines Spielchen machen. Aber man muß ihm nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken, alte Leute sind mißtrauisch. (Setzen sich abseits an den Spieltisch.)
10. Auftritt
Dieselben. Uteschitelny und Michailo Alexandrowitsch Glow, ein Herr in gesetzten Jahren.
Uteschitelny. Hier, Icharew, gestatte, daß ich dir Michailo Alexandrowitsch Glow vorstelle.
Icharew. Ich muß gestehen, ich habe mir schon lange die Ehre gewünscht. Da wir doch in einem Hotel wohnen ...
Glow. Ich freue mich auch, Ihre Bekanntschaft zu machen. Nur schade, daß es fast vor der Abreise geschieht.
Icharew (reicht ihm einen Stuhl). Bitte ergebenst! Leben Sie schon lange in dieser Stadt? (Uteschitelny, Schwochnew und Krugel flüstern miteinander.)
Glow. Ach, lieber Herr, ich habe sie schon so satt, diese Stadt, ich würde mich schon herzlich freuen, von hier fortzukommen.
Icharew. Nun, halten Sie hier Geschäfte davon ab?
Glow. Jawohl, Geschäfte. Ist das eine Sache, diese Geschäfte!
Icharew. Wohl ein Prozeß?
Glow. Nein, Gott sei Dank, kein Prozeß, aber doch eine ziemlich schwierige Angelegenheit. Sehen Sie mal, ich verheirate jetzt meine Tochter, ein achtzehnjähriges Mädchen. Verstehen Sie meine Lage als Vater? Ich bin hierher gekommen, verschiedene Einkäufe zu machen, hauptsächlich aber eine Hypothek auf ein Gut aufzunehmen. Die Sache wäre schon ganz zu Ende, aber das Amt gibt noch immer das Geld nicht heraus, und so bleibe ich ganz unnützer Weise hier.
Icharew. Gestatten Sie mir die Frage, für welche Summe verpfänden Sie Ihr Gut?
Glow. Für zweihunderttausend. Schon in diesen Tagen sollte das Geld ausgezahlt werden, aber nun zieht sich’s hin, und ich hab’s schon satt, hier zu sitzen. Zu Hause, wissen Sie, habe ich alles nur auf ganz kurze Zeit zurückgelassen. Meine Tochter ist Braut. Alles wartet ... Ich habe sogar schon beschlossen, nicht weiter zu warten und hier alles liegen zu lassen.
Icharew. Wieso? Wollen Sie denn nicht abwarten, bis Sie das Geld bekommen?
Glow. Was ist zu machen, mein Liebster? Bedenken Sie nur meine Lage. Seit einem Monat habe ich meine Frau und die Kinder nicht gesehen und habe auch keinen Brief erhalten. Weiß Gott, wie’s dort zugeht. Ich überlasse alles meinem Sohn, der hierbleibt. Ich hab’s satt. (Sich an Schwochnew und Krugel wendend.) Was machen Sie, meine Herren? Ich glaube, ich störe wohl. Sie waren mit etwas beschäftigt?
Krugel. Unsinn! Das ist nur so; vor Langeweile spielen wir ein bißchen.
Glow. Ich glaube, das ist so etwas wie Bankspiel?
Schwochnew. Ach was, nur zum Zeitvertreib: ein Pfennigspiel.
Glow. Ach, meine Herren, hören Sie, was Ihnen ein alter Mann sagt. Sie sind junge Leute, natürlich, da ist nichts Schlimmes dabei: so’n bißchen Zerstreuung; und in einem Pfennigspiel kann man ja nicht viel verlieren. Das ist ja ganz richtig. Aber immerhin ... Ach, meine Herren, ich habe selbst gespielt und kenne das aus Erfahrung. Da heißt alles auf der Welt eine Pfennigsache, aber sieht man näher zu, so endet ein kleines Spielchen manchmal als sehr großes Spiel.
Schwochnew (zu Icharew). Na, da fängt der Alte schon mit seinem Gerede an. (Zu Glow.) Nun sehen Sie mal, da machen Sie gleich aus einer Kleinigkeit eine wichtige Sache. Das ist so die gewohnte Manier der alten Herren.
Glow. Wieso? Ich bin ja noch gar nicht so alt, aber ich urteile aus Erfahrung.
Schwochnew. Ich meine ja nicht gerade Sie, aber die alten Herren haben es überhaupt an sich: wenn sie sich an etwas verbrannt haben, so sind sie überzeugt, daß auch der andere sich an derselben Sache verbrennen müsse. Wenn sie auf einem Wege dahingingen und aus Zerstreutheit auf dem Glatteis ausgeglitten und hingefallen sind, dann schreien sie gleich und geben es für eine allgemeine Regel aus, daß auf diesem Wege niemand gehen soll, denn da sei an einer Stelle Glatteis und jeder müsse auf die Nase fallen. Das bedenken sie nicht, daß ein anderer vielleicht nicht so zerstreut sein wird und seine Stiefel auch nicht so glatte Sohlen haben. Nein, das alles verstehen sie nicht. Hat mal ein Hund einen Menschen auf der Straße gebissen, dann heißt es, alle Hunde beißen, und niemand darf auf die Straße gehen.
Glow. Nun ja, mein Teuerster, das ist schon richtig, so ne schlechte Gewohnheit gibt’s ja. Aber auch die jungen Leute sind gut, die haben schon gar zu viel Feuer, die laufen jeden Augenblick Gefahr, sich das Genick zu brechen!
Schwochnew. Das ist es eben, daß wir keinen Mittelweg kennen. Die Jugend tobt, daß es nicht mehr auszuhalten ist, und das Alter wird so heuchlerisch, daß wieder die anderen es nicht aushalten können.
Glow. Also so eine beleidigende Meinung haben Sie von den Alten?
Schwochnew. Aber nein, was ist denn das für eine beleidigende Meinung? Das ist die reine Wahrheit, nichts mehr.
Icharew. Gestatte mir doch die Bemerkung: dein Urteil ist zu scharf.
Uteschitelny. Von wegen des Kartenspiels bin ich ganz derselben Meinung wie Michailo Alexandrowitsch. Ich habe selber gespielt und habe stark gespielt, aber Gott sei Dank, ich habe das für immer aufgegeben. Nicht etwa, daß ich all mein Geld verloren hätte oder daß ich mich gegen das Schicksal auflehnte. Glauben Sie mir, das ist noch gar nichts: der Geldverlust ist nicht so wichtig, wie die Seelenruhe. Schon die Aufregung, die man während des Spiels empfindet, verkürzt, was man auch sagen mag, merklich unser Leben.
Glow. Jawohl, richtig, mein Teuerster, bei Gott, das haben Sie sehr weise bemerkt. Gestatten Sie mir eine unbescheidene Frage: Ich habe schon so lange das Vergnügen, Ihre Bekanntschaft zu genießen und bis jetzt ...
Uteschitelny. Welche Frage denn?
Glow. Gestatten Sie mir die Frage, wenn es auch eine kitzlige Sache ist: wie alt sind Sie?
Uteschitelny. Neununddreißig.
Glow. Denken Sie mal, was ist das denn, neununddreißig Jahre? Noch ein ganz junger Mensch. Wenn doch bei uns in Rußland recht viele solche wären wie Sie, die so weise urteilen. Du lieber Himmel, das wäre ja ein goldenes Zeitalter, sozusagen eine Asträa. Wie bin ich dem Schicksal dankbar, daß ich Sie kennen gelernt habe!
Icharew. Glauben Sie mir, ich teile auch ganz dieselbe Ansicht. Ich würde jungen Burschen auch nicht gestatten, Karten in die Hand zu nehmen, aber weshalb sollen denn vernünftige, gesetzte Leute sich nicht etwas amüsieren, z. B. ein älterer Herr, der nicht mehr tanzt, warum nicht?
Glow. Das ist schon richtig, gewiß, aber glauben Sie mir, es gibt im Leben so viele Freuden, sozusagen heilige Pflichten. Ach meine Herren, hören Sie doch auf einen alten Mann. Es gibt für den Menschen keine bessere Bestimmung als das Familienleben, im häuslichen Kreis. Alles was Sie jetzt umgibt, sind ja nichts als Aufregungen, bei Gott, nur Aufregungen, aber das eigentliche Glück haben Sie ja noch nicht genossen. Nehmen Sie mal mich, glauben Sie mir, ich kann die Minuten kaum zählen, bis ich die Meinigen wiedersehe, bei Gott! Wenn ich mir vorstelle, wie mein Töchterlein mir um den Hals fällt: Papachen, liebstes Papachen! Auch mein Sohn ist aus dem Gymnasium gekommen, ich habe ihn ein halbes Jahr lang nicht gesehen. Wahrhaftig, ich kann’s gar nicht aussprechen; bei Gott, so ist es! Nach alledem will man keine Karte mehr ansehen!
Icharew. Aber weshalb soll man denn die väterlichen Gefühle mit den Karten zusammenwerfen? Die väterlichen Gefühle sind etwas für sich, und die Karten sind wieder etwas für sich.
Alexej (tritt ein, zu Glow). Ihr Diener fragt wegen der Koffer: befehlen Sie, sie hinauszutragen? Die Pferde warten schon.
Glow. Ah, sofort. Entschuldigen Sie, meine Herren, daß ich Sie für einen Augenblick verlasse. (Ab.)
11. Auftritt
Schwochnew. Icharew. Krugel. Uteschitelny.
Icharew. Nein, da ist keine Hoffnung!
Uteschitelny. Ich habe dir’s ja vorher gesagt. Ich begreife nicht, wie Sie es dem Menschen nicht sofort ansehen! Man braucht ja nur hinzusehen, um zu wissen, wenn einer nicht spielen will.
Icharew. Aber ich glaube, man müßte ihm doch ordentlich zusetzen. Weshalb hast du ihn denn noch selber unterstützt?
Uteschitelny. Aber mein Liebster, anders geht’s doch nicht. Mit diesen Leuten muß man sehr vorsichtig umgehen, sonst merkt er’s ja gleich, daß man ihm etwas abgewinnen will.
Icharew. Nun, und was ist daraus geworden? Er reist ja bald ab, es ist ja doch ganz egal.
Uteschitelny. Na, warten wir ab, die Sache ist noch nicht ganz zu Ende.
12. Auftritt
Dieselben und Glow.
Glow. Besten Dank für die angenehme Bekanntschaft, meine Herren. Ich bedaure wahrhaftig nur, daß sie erst so spät zustande gekommen ist. Gott wird uns übrigens vielleicht noch einmal zusammenführen.
Schwochnew. O gewiß, die Wege sind glatt, und die Menschen treiben sich weit herum, warum sollte man da nicht noch mal zusammentreffen? Wenn nur das Schicksal es so will!
Glow. Bei Gott, ganz richtig, wenn das Schicksal will, so sehen wir uns vielleicht schon morgen wieder, das ist die reinste Wahrheit! Adieu, meine Herren! Aufrichtigsten Dank! Und Ihnen, Stepan Iwanowitsch, bin ich besonders verpflichtet. Wahrhaftig, Sie haben mir meine Einsamkeit versüßt!
Uteschitelny. Aber bitte, hat nichts zu sagen. Ich habe getan, was ich konnte.
Glow. Nun, wenn Sie schon so gut sind, so erweisen Sie mir noch eine Gunst, wenn ich Sie bitten darf.
Uteschitelny. Welche? Sagen Sie mir bloß alles; alles, ich bin zu allem bereit!
Glow. Beruhigen Sie einen alten Vater.
Uteschitelny. Wieso denn?
Glow. Ich lasse meinen Sascha hier. Ein netter Junge, eine gute Seele, aber immerhin nicht ganz zuverlässig, zweiundzwanzig Jahre alt, ich bitte Sie, was sind das für Jahre? Fast noch ein Kind. Er hat die Schule durchgemacht und denkt nun an nichts anderes als an die Husaren. Ich sage zu ihm: „Es ist ja noch zu früh, Sascha, warte doch, sieh dich doch ein bißchen um, warum willst du denn Husar werden? Wer weiß, vielleicht hast du ganz zivile Anlagen. Du kennst ja noch die Welt gar nicht, die Zeit gehört ja dir!“ Nun, Sie begreifen wohl, ein so junges Wesen, da kommt ihm bei den Husaren alles so glänzend vor; die reiche gestickte Uniform ... Was ist da zu machen? Die Bestrebungen kann man ja nicht aufhalten .... Also seien Sie doch so gut, Väterchen Stepan Iwanowitsch! Er bleibt nun ganz allein. Ich habe ihm einige geschäftliche Aufträge gegeben. Er ist ja ein junger Mann, es kann ja alles passieren; daß ihn da nur die Beamten nicht irgendwie beschwindeln. Wer weiß! Also nehmen Sie ihn doch unter Ihren Schutz! Beaufsichtigen Sie seine Schritte, halten Sie ihn von allem Bösen ab! Seien Sie doch so gut, Väterchen! (Faßt seine beiden Hände.)
Uteschitelny. Bitte, bitte sehr. Alles, was ein Vater für seinen Sohn tun kann, werde ich für ihn tun.
Glow. Ach, Väterchen! (Sie umarmen und küssen sich.) Da sieht man doch gleich, wenn einer ein gutes Herz hat, bei Gott! Gott wird Sie dafür belohnen! Adieu, meine Herren! Ich wünsche Ihnen von Herzen alles Beste!
Icharew. Adieu, glückliche Reise!
Schwochnew. Ich wünsche, daß Sie die Ihrigen gesund vorfinden!
Glow. Ich danke Ihnen, meine Herren!
Uteschitelny. Und ich werde Sie bis zum Wagen begleiten und Ihnen hineinhelfen.
Glow. Ach, Väterchen, wie gut sind Sie!
13. Auftritt
Schwochnew, Krugel und Icharew.
Icharew. Fort ist der Vogel!
Schwochnew. Ja, man hätte doch was ergattern können!
Icharew. Ich muß gestehen, wie er da sagte: zweihunderttausend, da bekam ich sogar Herzklopfen.
Krugel. An eine solche Summe ist es sogar süß zu denken.
Icharew. Wenn man bedenkt, wieviel Geld umsonst, ohne irgendeinen Nutzen herumliegt! Was hat man nun davon, daß er zweihunderttausend bekommen wird? Das alles wird ja bei Einkäufen von irgendwelchen Lappen und altem Zeug draufgehen.
Schwochnew. Alles das ist Plunder und Tand.
Icharew. Und wieviel Geld geht so in der Welt ohne Umsatz verloren! Wieviel tote Kapitalien gibt es, die wie die Toten in den Banken herumliegen. Es ist wahrhaftig ein Jammer! Ich möchte nicht mehr haben, als was im Vormundschaftsrat liegt.
Schwochnew. Ich wäre schon mit der Hälfte zufrieden.
Krugel. Und ich mit einem Viertel.
Schwochnew. Na, na, flunkere nicht, Deutscher, du wirst schon noch mehr verlangen.
Krugel. Auf Ehrenwort!
Schwochnew. Schwindel!
14. Auftritt
Dieselben und Uteschitelny (kommt eilig, mit vor Freude strahlendem Gesicht).
Uteschitelny. Schadet nichts, schadet nichts, meine Herren, er ist fort, hol ihn der Teufel! Desto besser! Der Sohn ist dageblieben. Der Vater hat ihm die Vollmacht übergeben und alle Rechte auf den Empfang der Gelder vom Fiskus; und er hat mir die Aufsicht über alles anvertraut. Der Sohn ist ein feiner Kerl, es zieht ihn zu den Husaren. Da gibt’s eine Ernte. Ich gehe und bringe ihn gleich zu euch. (Schnell ab.)
15. Auftritt
Schwochnew, Krugel und Icharew.
Icharew. Der Uteschitelny! Ist das einer!
Schwochnew. Bravo! Die Sache nimmt eine vortreffliche Wendung! (Alle reiben sich vor Freude die Hände.)
Icharew. Ein braver Kerl, der Uteschitelny! Jetzt begreife ich, warum er sich an den Alten herangemacht hat und ihm in allem zustimmte. Und das alles so fein, so glatt!
Schwochnew. Oh, dazu hat er ein ungewöhnliches Talent!
Krugel. Ganz ungeheuere Fähigkeiten!
Icharew. Ich muß gestehen, als der Vater sagte, daß er den Sohn hier läßt, da ging mir selber ein Gedanke durch den Kopf, aber nur einen Augenblick, und dieser hat’s gleich ... was für ein Scharfblick!
Schwochnew. Oh, du kennst ihn noch nicht genügend!
16. Auftritt
Dieselben, Uteschitelny und Alexander Michailowitsch Glow, ein junger Mann.
Uteschitelny. Meine Herren, gestatten Sie, daß ich Ihnen vorstelle: Alexander Micháilowitsch Glow, ein vorzüglicher Kamerad. Ich bitte Sie, ihn zu lieben, wie mich selbst!
Schwochnew. Sehr erfreut! (Drückt ihm die Hand.)
Icharew. Ihre Bekanntschaft ist uns ...
Krugel. Gestatten Sie, daß wir Sie gleich umarmen!
Glow. Meine Herren, ich ...
Uteschitelny. Bitte ohne Zeremonien, ganz ohne Zeremonien. Gleichheit ist hier die erste Sache, meine Herren. Glow, du siehst, hier sind alle Kameraden, daher zum Teufel mit aller Etikette. Wollen wir uns gleich „du“ sagen?
Schwochnew. Jawohl, „du“.
Glow. Ja „du“. (Reicht ihnen allen die Hand.)
Uteschitelny. So, bravo! Kellner, Champagner! Bemerken Sie, meine Herren, wie er schon heute etwas vom Husaren an sich hat. Nein, dein Vater, gestatte bitte das harte Wort, ist ein großes Viech. Du mußt schon verzeihen, wir sind ja auf „du“. Wie konnte er nur so einen famosen Kerl in den Tintendienst stecken wollen! Nun, Bruder, findet die Hochzeit deiner Schwester bald statt?
Glow. Hol’s der Teufel mit der Hochzeit! Ich bin furchtbar ärgerlich, daß der Vater mich deswegen drei Monate auf dem Dorfe festgehalten hat!
Uteschitelny. Hör mal, ist deine Schwester hübsch?
Glow. So hübsch ... Wenn sie nicht meine Schwester wäre, dann würde ich’s ihr schon zeigen.
Uteschitelny. Bravo, bravo, Husar, da sieht man gleich den Husaren! Nun hör mal, würdest du mir helfen, wenn ich sie entführen wollte?
Glow. Warum denn nicht? Gewiß würde ich dir helfen.
Uteschitelny. Bravo, Husar! Das ist ein richtiger Husar, zum Teufel! Kellner, Champagner! Das ist mein wahrer Geschmack, solche offenherzigen Menschen habe ich gern! Warte mal, meine Seele, laß dich umarmen!
Schwochnew. Laß mich ihn auch umarmen. (Umarmt ihn.)
Icharew. Auch ich! (Umarmt ihn.)
Krugel. Nun, wenn’s so ist, dann werde auch ich ihn umarmen. (Umarmt ihn. Alexej bringt eine Flasche, den Korken mit den Fingern festhaltend, der knallend an die Decke fliegt. Er füllt die Gläser.)
Uteschitelny. Meine Herren, auf das Wohl des künftigen Husaren! Möge er der erste Haudegen, der erste Kurschneider, der erste Säufer, kurz, möge er alles mögliche werden!
Alle. Möge er alles mögliche werden! (Trinken.)
Glow. Auf das Wohl des gesamten Husarentums! (Erhebt das Glas.)
Alle. Auf das Wohl des gesamten Husarentums! (Trinken.)
Uteschitelny. Meine Herren, man muß ihn jetzt schon in alle Husarenbräuche einweihen. Wie Sie sehen, trinkt er schon leidlich gut, aber das ist ja ’ne Kleinigkeit. Man muß dazu auch noch ein rechter Kartenspieler werden. Spielst du Bank?
Glow. Ich möchte schon recht gerne spielen, ich möchte furchtbar gern, aber ich habe kein Geld.
Uteschitelny. Das ist Unsinn, kein Geld! Man braucht nur etwas zu haben, um sich an den Spieltisch zu setzen, dann kommen die Gelder schon, du wirst ja gewinnen.
Glow. Man muß doch aber was haben, um anzufangen.
Uteschitelny. Ah, wir werden dir’s kreditieren. Du hast ja eine Vollmacht auf die Gelder vom Fiskus. Wir können ja warten. Wenn du sie bekommst, so wirst du uns sofort bezahlen, bis dahin kannst du uns ja einen Wechsel geben. Übrigens, was sage ich da: als ob du unbedingt verlieren müßtest! Du kannst ja sofort einige Tausend in bar gewinnen.
Glow. Wenn ich aber verliere?
Uteschitelny. Schäme dich, was bist du denn für ein Husar! Natürlich, eins von beiden: entweder gewinnst du, oder du verlierst. Aber darin besteht ja die ganze Sache, in dem Risiko liegt ja die Haupttugend. Nicht riskieren kann ja jeder. Aufs Gewisse hin würde auch eine Beamtenseele es wagen und ein Jude eine Festung bestürmen.
Glow. Hol’s der Teufel! Wenn’s so ist, dann spiele ich, was soll ich mir da noch aus dem Vater machen!
Uteschitelny. Bravo, Junker! Kellner! Karten! (Schenkt ihm ein.) Was braucht man denn hauptsächlich? Man braucht Kühnheit, Kraft. Nun gut, meine Herren, ich werde eine kleine Bank von fünfundzwanzig Tausend halten. (Gibt Karten nach rechts und links.) Nun, Husar? Und du, Schwochnew, was setzt du? (Gibt.) Wie sonderbar die Karten fallen! Höchst interessant das zu berechnen! Der Bube ist geschlagen, die Zehn hat gestochen. Was hast du da, sieh mal nach. Auch die Vier hat geschlagen, was? Ah, Husar, Husar! Ist das ein Husar! Bemerkst du, Icharew, wie er schon die Einsätze großartig erhöht? Und das As kommt noch immer nicht heraus. Schwochnew, warum schenkst du ihm nicht ein? Da, da, da ist das As! Da hat Krugel auch schon was geholt, der Deutsche hat immer Schwein! Die Vier hat gewonnen. Ah, bravo, bravo, Husar! Hörst du’s, Schwochnew? Der Husar hat schon beinahe fünftausend gewonnen.
Glow (biegt die Karte um). Hol’s der Teufel! Paroli! Da ist schon wieder die Zehn auf dem Tisch. Die gilt auch, und noch fünfhundert Rubel Einsatz!
Uteschitelny (weitergebend). Ah, bravo, Husar! Die Sieben ist geschla— — ach nein, zum Teufel! Wieder pliez! Wieder pliez! Ah, nun hat der Husar verloren. Na, Liebster, was ist da zu machen? Nicht jeder hat eine Marie zur Frau, das kommt so, wie’s Gott gibt! Krugel, hör doch auf, zu rechnen, setze doch die, welche du gezogen hast. Bravo, da hat der Husar wieder gewonnen. Warum gratuliert ihr ihm nicht? (Alle trinken und gratulieren ihm, indem sie mit den Gläsern anstoßen.) Man sagt, Pique-Dame verrät einen immer, aber ich kann’s nicht behaupten. Erinnerst du dich, Schwochnew? Deine Brünette, die du Pique-Dame genannt hast? Was macht die jetzt, die Liebste? Die ist wohl ganz außer Rand und Band? Krugel, deine ist geschlagen! (Zu Icharew.) Und auch deine ist geschlagen! Schwochnew, deine ist auch geschlagen, der Husar ist auch kaputt.
Glow. Hol’s der Teufel! Va banque!
Uteschitelny. Bravo, Husar! Das ist die richtige Husarenschneidigkeit! Weißt du, Schwochnew, daß das eigentliche Gefühl doch stets herauskommt? Bis jetzt sah man immer schon, daß er einmal ein Husar sein wird, nun aber sieht man, daß er auch schon jetzt ein Husar ist. Das ist so die Natur! Der Husar ist wieder geschlagen!
Glow. Va banque!
Uteschitelny. Bravo, Husar! Auf alle fünfzigtausend! Das nennt man Seelengröße! Na, such doch mal, wo findest du so einen Zug. Das ist ja eine wahre Heldentat! Der Husar ist wieder geschlagen!
Glow. Va banque! Hol’s der Teufel! Va banque!
Uteschitelny. Oho, Husar, auf hunderttausend! Was? Und die Äuglein, die Äuglein! Merkst du’s Schwochnew, wie seine Äuglein brennen? Er hat etwas von einem Barklai de Tolly. Das ist etwas Heroisches! Der König ist noch immer nicht da! Hier hast du die Karo-Dame, Schwochnew. Da, hier, Deutscher, friß die Sieben! Routé, unbedingt routé! Der König scheint gar nicht im Spiel zu sein. Wahrhaftig, das ist sogar sonderbar. Ah, da ist er, da ist er. Wieder ist der Husar geschlagen!
Glow (hitzig). Va banque! Hol’s der Teufel! Va banque!
Uteschitelny. Nein, Bruder, halt! Du hast jetzt schon zweihunderttausend verloren. Erst zahlen, ohne das kann man kein weiteres Spiel anfangen. Soviel können wir dir nicht kreditieren!
Glow. Aber wo soll ich’s denn hernehmen? Ich hab’ ja jetzt kein Geld!
Uteschitelny. So gib uns einen Wechsel! Unterschreibe!
Glow. Bitte, ich bin bereit! (Nimmt die Feder.)
Uteschitelny. Und gib uns auch die Vollmacht auf die Gelder heraus.
Glow. Hier habt ihr auch die Vollmacht!
Uteschitelny. Jetzt unterschreibe dies, und dann auch dies! (Gibt ihm etwas zu unterschreiben.)
Glow. Bitte, ich bin bereit, alles zu tun. Hier habe ich unterschrieben. Jetzt wollen wir weiterspielen.
Uteschitelny. Nein, Liebster, warte, erst mußt du das Geld vorzeigen!
Glow. Ich werd’s euch doch bezahlen, seid nur ganz ruhig!
Uteschitelny. Nein, Bruder, erst das Geld auf den Tisch!
Glow. Was ist denn das? Das ist ja die reinste Niedertracht!
Krugel. Nein, das ist keine Niedertracht.
Icharew. Nein, das ist eine ganz andere Sache, die Chancen sind ja nicht gleich.
Schwochnew. Auf die Weise wirst du dich hinsetzen, um uns das Geld abzugewinnen. Das kennt man: wer sich ohne Geld zum Spiel hinsetzt, der setzt sich hin, um sicher zu gewinnen.
Glow. Was wollt ihr denn? Fordert doch beliebige Zinsen, ich bin zu allem bereit. Ich werde euch doppelt bezahlen!
Uteschitelny. Was machen wir uns aus deinen Zinsen, Liebster? Wir sind selber bereit, beliebige Zinsen zu zahlen, aber borg uns erst Geld.
Glow (verzweifelt und entschlossen). So sagt doch euer letztes Wort: wollt ihr spielen?
Schwochnew. Bring Geld, und wir wollen gleich spielen.
Glow (eine Pistole aus der Tasche herausholend). Nun, dann lebt wohl, meine Herren! Ihr werdet mich auf dieser Welt nicht mehr wiedersehen! (Schnell ab mit der Pistole.)
Uteschitelny. Du, du, bist du verrückt? Man muß ihm nach! In der Tat, er könnte sich ja noch erschießen! (Schnell ab.)
17. Auftritt
Schwochnew, Krugel und Icharew.
Icharew. Das gibt noch eine Geschichte, wenn dieser Teufel sich erschießt.
Schwochnew. Hol ihn der Teufel, mag er sich erschießen, nur nicht jetzt, denn noch sind die Gelder nicht in unseren Händen; das ist das Schlimme.
Krugel. Ich befürchte alles. Es ist ja auch möglich ...
18. Auftritt
Dieselben, Uteschitelny und Glow.
Uteschitelny (faßt Glow bei der Hand, in der er die Pistole hält). Was ist mit dir, was ist mit dir, Bruder? Bist du verrückt? Hören Sie, hören Sie doch, meine Herren? Er hatte schon die Pistole in den Mund gesteckt. He, schäm dich!
Alle (an ihn herantretend). Du, du ... Um Gottes willen, was ist mit dir?
Schwochnew. Und dabei ist er so’n gescheiter Mensch; und wegen so einer Lappalie will er sich erschießen!
Icharew. Auf diese Weise müßte sich ja ganz Rußland erschießen: Jeder hat verspielt oder hat doch die Absicht, zu verspielen. Wenn das nicht wäre, so könnte man ja auch nicht gewinnen, das mußt du doch selber bedenken!
Uteschitelny. Du bist einfach ein Dummkopf, laß dir’s sagen. Du kennst dein eigenes Glück nicht. Fühlst du denn nicht, daß du gewonnen hast, indem du verloren hast?
Glow (ärgerlich). Ihr haltet mich wirklich für einen Dummkopf. Was ist denn da für ein Gewinn, zweihunderttausend zu verlieren! Der Teufel auch!
Uteschitelny. Ei, du Einfaltspinsel, weißt du denn nicht, was für einen Ruhm du dir im Regiment erwirbst? Hörst du, eine Kleinigkeit: noch nicht Junker sein und zweihunderttausend verlieren! Die Husaren werden dich ja auf den Händen tragen!
Glow (ermuntert sich). Was denkt ihr denn? Werde ich denn nicht den Mut haben, auf das alles zu pfeifen, wenn es so weit ist? Hol’s der Teufel! Es lebe das Husarentum!
Uteschitelny. Bravo, es leben die Husaren! Teremtete! Champagner! (Man bringt ein paar Flaschen.)
Glow (das Glas in der Hand). Es leben die Husaren!
Icharew. Es leben die Husaren! Hol’s der Teufel!
Schwochnew. Teremtete! Es leben die Husaren!
Glow. Ich pfeife auf alles, wenn es so ist. (Stellt das Glas auf den Tisch.) Aber das eine ist schlimm, wie komme ich nach Hause? Mein Vater! Mein Vater! (Faßt sich beim Haar.)
Uteschitelny. Wozu willst du denn zum Vater? Ist ja gar nicht nötig!
Glow (ihn verwundert anglotzend). Wieso?
Uteschitelny. Du kannst ja von hier direkt ins Regiment fahren! Wir geben dir was zur Equipierung. Liebster Schwochnew, wir müssen ihm jetzt zweihundert Rubel geben, mag der Junker sich etwas amüsieren. Ich hab’s schon bemerkt, er hat so ’ne Brünette, was?
Glow. Hol’s der Teufel! Ich laufe gleich zu ihr, und werde sie im Sturme nehmen!
Uteschitelny. Ist das ein Husar, was? Schwochnew, hast du nicht zweihundert Rubel bei dir?
Icharew. Ich werde ihm schon was geben, mag er sich ordentlich amüsieren! (Glow nimmt das Papiergeld und fuchtelt damit in der Luft herum.)
Alle. Champagner! (Man bringt die Flaschen.)
Glow. Es leben die Husaren!
Uteschitelny. Sie leben hoch! Weißt du, Schwochnew, was mir jetzt eingefallen ist? Wir wollen ihn auf die Hände nehmen und in die Höhe werfen, wie man es bei uns im Regiment tat. Nun, antreten! faßt ihn an! (Alle treten an ihn heran, fassen ihn an den Händen und Füßen, wiegen ihn auf und ab und singen dabei nach der bekannten Melodie das bekannte Lied:)
Herzlich lieben wir dich allesamt, Bleibe unser Haupt du immerdar, Unsre Herzen sind für dich entflammt, Wir sind deine treue Kinderschar!
Glow (mit erhobenem Glas). Hurrah!
Alle. Hurrah! (lassen ihn auf die Erde hinab).
Glow (wirft das Glas zu Boden, alle zerschlagen ebenfalls ihre Gläser, die einen mit dem Stiefelabsatz, die anderen direkt am Boden). Ich gehe gleich zu ihr.
Uteschitelny. Können wir nicht auch mit, wie?
Glow. Nein, niemand soll ..., und wenn jemand ... so geht’s auf Säbel.
Uteschitelny. Ach, ist das ein Haudegen, was? Eifersüchtig und streitsüchtig wie ein Teufel. Ich glaube, meine Herren, daß aus ihm noch ein richtiger Kampfhahn wird. Nun adieu, leb wohl, Husar, wir halten dich nicht weiter auf.
Glow. Adieu!
Schwochnew. Komm und erzähl uns nachher! (Glow ab).
19. Auftritt.
Dieselben ohne Glow.
Uteschitelny. Man muß ihn sanft behandeln, so lange das Geld noch nicht in unsern Händen ist. Aber dann hol ihn der Teufel!
Schwochnew. Ich fürchte nur eins, daß sich die Sache mit der Herausgabe der Gelder vom Fiskus lange hinziehen könnte.
Uteschitelny. Ja, das wäre sehr schlimm. Übrigens meine Herren, wie ihr wißt, gibt’s ja zu diesem Zweck Antreiber. Wie dem auch sein mag, wir werden schon diesem oder jenem etwas Geld in die Hände stecken müssen; der Ordnung halber.
20. Auftritt.
Dieselben und der Beamte Samuchrischkin; er ist mit einem etwas schäbigen Frack bekleidet und steckt den Kopf durch die Tür.
Samuchrischkin. Gestatten Sie die Frage, ist hier Glow, Alexander Michailowitsch Glow?
Schwochnew. Nein, er ist eben fortgegangen. Was wünschen Sie denn?
Samuchrischkin. Ich komme in Geschäften wegen der Herausgabe der Gelder.
Uteschitelny. Wer sind Sie denn?
Samuchrischkin. Ich bin ein Beamter aus dem Fiskus.
Uteschitelny. Ah, bitte sehr, bitte gehorsamst, Platz zu nehmen. Für diese Sache haben wir alle das lebhafteste Interesse, um so mehr, als wir freundschaftliche Abmachungen mit Alexander Michailowitsch abgeschlossen haben. Deshalb werden Sie begreifen, daß Sie von ihm und von ihm und von ihm (zeigt mit den Fingern auf alle) den aufrichtigsten Dank zu gewärtigen haben. Es handelt sich nur darum, daß man die Gelder aus dem Fiskus möglichst schnell erhalte.
Samuchrischkin. Wie Sie wollen, vor zwei Wochen geht’s nicht.
Uteschitelny. Nein, das ist aber furchtbar lang. Sie vergessen ja, daß wir uns unsererseits bedanken ...
Samuchrischkin. Das versteht sich ja von selbst, es wird alles angenommen: wie könnte ich das vergessen? Wir sprechen auch deshalb von zwei Wochen, sonst würden wir Ihnen vielleicht drei Monate lang zu schaffen machen. Das Geld wird bei uns nicht vor anderthalb Wochen eintreffen, und augenblicklich haben wir im ganzen Amt auch nicht eine Kopeke. In der vorigen Woche haben wir hundertundfünfzigtausend erhalten, die haben wir aber alle ausgegeben. Jetzt warten noch drei Gutsbesitzer auf Geld, die bereits im Februar ihre Güter verpfändet haben.
Uteschitelny. Nun, das gilt für andere. Für uns aber machen Sie es aus Freundschaft. Wir müssen uns etwas näher kennen lernen. Nun ja, wir stehen einander doch nahe. Ja, wie heißen Sie gleich? Fentafléj Perpéntitsch, nicht?
Samuchrischkin. Psoj Stáchitsch.
Uteschitelny. Nun, das ist ja fast dasselbe. Also hören Sie, Psoj Stachitsch. Seien wir wie alte Freunde. Nun wie steht’s, wie gehen die Geschäfte? Wie ist Ihr Dienst?
Samuchrischkin. Ja, wie soll denn der Dienst sein? Wie gewöhnlich: Man dient eben.
Uteschitelny. Nun, und wie ist es mit den verschiedenen Einkünften, verstehen Sie? Sagen wir einfach, nehmen Sie viel Geschenke?
Samuchrischkin. Aber ich bitte Sie: natürlich, wovon soll man denn leben?
Uteschitelny. Nun sagen Sie mal ganz aufrichtig, wie ist es bei Ihnen im Amt: Greifen alle zu?
Samuchrischkin. Ach Gott, nun lachen Sie auch, wie ich sehe. Ach, meine Herren! ... Sehen Sie mal: auch die Herren Schriftsteller, die lachen alle über die, die sich bestechen lassen; aber wenn man genauer zusieht, so lassen sich auch andere Leute bestechen, die besser als wir zu sein scheinen. Z. B. Sie meine Herren, Sie haben nur einen vornehmeren Namen dafür erfunden. Eine Spende für wohltätige Zwecke oder so was. Weiß der Himmel, wie das heißt. Aber sieht man genauer zu, so ist’s in Wirklichkeit dieselbe Bestechung: wie sagt man doch, dieselbe Couleur in grün.
Uteschitelny. Wie ich sehe, fühlt sich unser Psoj Stachitsch gekränkt. So ist es, wenn man dem Ehrgefühl zu nahe tritt.
Samuchrischkin. Ja, das Ehrgefühl ist eine kitzlige Sache, das wissen Sie wohl selber. Aber ich bin gar nicht böse. Ich habe schon ein langes Leben hinter mir, Väterchen.
Schwochnew. Schon gut, wir wollen ganz freundschaftlich miteinander sprechen, Psoj Stachitsch. Wie steht’s mit Ihnen, was machen Sie, wie geht’s bei Ihnen? Wie schlagen Sie sich in der Welt durch? Haben Sie ein Frauchen und Kinderchen?
Samuchrischkin. Gott sei Dank, Gott hat mich gesegnet. Zwei Jungens besuchen schon die Kreisschule, die zwei anderen sind noch etwas jünger. Einer läuft noch im Hemdchen rum und der andere kriecht noch auf allen Vieren.
Uteschitelny. Nun, und sie können wohl alle mit den Händchen schon so machen, glaub ich. (Zeigt mit der Hand, wie man Geld nimmt.)
Samuchrischkin. Ach bitte, meine Herren, sind Sie aber! Sie fangen schon wieder an.
Uteschitelny. Nun, nun, schon gut, Psoj Stachitsch. Das geschieht ja alles aus Freundschaft. Was ist denn nun dabei, wir sind ja unter uns. Heda, ein Champagnerglas für Psoj Stachitsch. Wir müssen ja jetzt gute Freunde sein. Wir wollen Sie auch bald mal besuchen.
Samuchrischkin (nimmt das Glas). Ah, bitte schön, meine Herren, Sie sollen herzlich willkommen sein! Ich kann Ihnen aufrichtig sagen, einen solchen Tee wie Sie ihn bei mir trinken werden, finden Sie nicht einmal beim Gouverneur.
Uteschitelny. Natürlich ein Geschenk vom Kaufmann?
Samuchrischkin. Jawohl, vom Kaufmann, direkt aus Kjachta bezogen.
Uteschitelny. Aber wie ist denn das, Psoj Stachitsch, Sie haben ja gar keine amtlichen Beziehungen zu den Kaufleuten.
Samuchrischkin (trinkt das Glas aus und stützt sich mit den Händen auf die Knie). Die Sache ist nämlich so. Der Kaufmann hat eigentlich nur aus Dummheit blechen müssen. Der Gutsbesitzer Frakassow, wenn Sie den vielleicht kennen, nimmt eine Hypothek auf sein Gut auf, alles ist abgemacht, wie sich’s gehört, und am nächsten Tag soll er das Geld bekommen. Er plant die Errichtung irgendeiner Fabrik halbpart mit dem Kaufmann. Nun, Sie begreifen wohl, uns geht es ja gar nichts an, ob das Geld für eine Fabrik verwendet wird oder für etwas anderes, und wessen Kompagnon er ist, das ist gar nicht unsere Sache. Aber der Kaufmann plappert aus Dummheit in der Stadt herum, daß er mit dem Gutsbesitzer halbpart ein Kompagnie-Geschäft abgeschlossen hat und von ihm von Stunde zu Stunde Geld erwartet. Da ließen wir dem Kaufmann sagen: wenn er uns zweitausend schickt, so wird das Geld gleich ausgezahlt, wenn nicht, so kann er lange warten. Indessen aber, verstehen Sie wohl, sind ihm schon die Kessel und die andern Gerätschaften für die Fabrik gebracht worden, und man wartet bloß noch auf das Handgeld. Der Kaufmann sieht — die Sache ist schlimm, er bezahlt seine zweitausend und jedem von uns noch drei Pfund Tee. Man wird vielleicht sagen, das ist Bestechung, aber es geschieht ihm doch recht. Warum ist er so dumm, wer hat ihn denn zum Reden gezwungen; er hätte doch seiner Zunge Halt gebieten können.
Uteschitelny. Hören Sie mal, Psoj Stachitsch, bitte erledigen Sie doch unser Geschäftchen, wir werden Ihnen schon was geben, und Sie machen es mit Ihrem Vorgesetzten ab, wie sich’s gehört. Nur um Gottes Willen möglichst schnell, Psoj Stachitsch, wie?
Samuchrischkin. Wir werden uns schon Mühe geben. (Steht auf.) Aber ich will Ihnen ganz offen sagen, so schnell, wie Sie wollen, geht es nicht. Bei Gott, bei uns im Amt ist keine Kopeke vorhanden, aber ich will mir schon Mühe geben.
Uteschitelny. Nun, und wie soll ich nach Ihnen fragen?
Samuchrischkin. Fragen Sie ganz einfach nach Psoj Stachitsch Samuchrischkin. Auf Wiedersehen, meine Herren! (Geht zur Tür).
Schwochnew. Psoj Stachitsch, bitte Psoj Stachitsch, (sieht sich um) sehen Sie doch zu.
Uteschitelny. Psoj Stachitsch, bitte Psoj Stachitsch, helfen Sie recht schnell.
Samuchrischkin. Ich habe ja schon gesagt, ich werde mir Mühe geben.
Uteschitelny. Zum Henker, das dauert aber lange, (schlägt sich mit der Hand vor die Stirn) nein, ich will ihm nachgehen, vielleicht erreiche ich etwas, ich werde kein Geld sparen, hol ihn der Teufel, ich werde ihm dreitausend von meinem Geld geben. (Schnell ab).
21. Auftritt
Schwochnew, Krugel, Icharew.
Icharew. Natürlich wäre es besser, das Geld möglichst bald zu bekommen.
Schwochnew. Und wie dringend nötig wir es haben, wie dringend nötig!
Krugel. Ach, wenn er ihn nur herumkriegen könnte.
Icharew. Wie, sind denn etwa Ihre Angelegenheiten ...
22. Auftritt
Dieselben und Uteschitelny.
Uteschitelny (tritt ein, verzweifelt). Zum Teufel, früher als in vier Tagen kann er es keinesfalls machen, ich möchte mir den Kopf an der Wand zerschellen.
Icharew. Warum hast du denn nur solche Eile, kannst du denn nicht noch vier Tage warten?
Schwochnew. Das ist es ja, Liebster, das ist für uns viel zu wichtig.
Uteschitelny. Warten? Weißt du denn, daß man uns stündlich in Nischni-Nowgorod erwartet? Wir haben es dir noch nicht erzählt. Schon vor vier Tagen haben wir die Meldung bekommen, wir müßten eiligst dahin und sollten unter allen Umständen etwas Geld mitbringen. Ein Kaufmann hat da für sechshunderttausend Rubel Eisen mitgebracht. Dienstag ist die endgültige Abmachung, und das Geld wird ihm bar ausgezahlt; und gestern ist ein anderer mit Flachs für eine halbe Million angekommen.
Icharew. Nun, was ist denn dabei?
Uteschitelny. Wieso, was ist denn dabei? Die Alten sind doch zu Hause geblieben, und haben an ihrer Stelle ihre Söhne hingeschickt.
Icharew. Ob aber die Söhne auch ganz bestimmt spielen werden?
Uteschitelny. Aber wo lebst du bloß? Etwa in China? Weißt du denn nicht, wie diese Kaufmannssöhnchen sind? Der Kaufmann erzieht ja seinen Sohn derart, daß er entweder gar nichts weiß, oder nur das weiß, was ein Adliger und nicht was ein Kaufmann zu wissen braucht. Natürlich ist auch das Söhnchen danach: spaziert am Arm mit Offizieren, und bummelt herum. Das ist für uns die einträglichste Kundschaft, mein Liebster. Diese Schafsköpfe wissen nicht, daß sie für jeden Rubel, den sie uns abschwindeln, tausend bezahlen. Jawohl, das ist unser Glück, daß der Kaufmann nur daran denkt, seine Töchter mit einem General zu verheiraten und dem Sohne Rang und Titel zu verschaffen.
Icharew. Und sind das auch sichere Sachen?
Uteschitelny. Ob es sichere Sachen sind! Man würde uns doch nicht benachrichtigt haben. Es ist fast alles in unsern Händen, jede Minute ist jetzt teuer.
Icharew. Ach, zum Teufel, was sitzen wir denn hier. Meine Herren, wir haben ja abgemacht, gemeinschaftlich zu arbeiten.
Uteschitelny. Gewiß, das ist auch unser Vorteil. Hör mal, was mir eingefallen ist. Du brauchst ja vorläufig nicht zu eilen. Du hast jetzt achtzigtausend in barem Geld. Gib uns das Geld und nimm Glows Wechsel von uns, du bekommst sicher hundertfünfzigtausend, also das Doppelte, und uns würdest du noch gar einen Dienst erweisen. Denn wir brauchen jetzt das Geld so sehr, das wir mit Freuden das Dreifache für jede Kopeke zu zahlen bereit sind.
Icharew. Sehr gern, warum nicht: um Ihnen zu beweisen, daß die Freundschaft ... (Geht an die Kassette und nimmt einen Haufen Geldscheine hervor.) Hier habt ihr achtzigtausend.
Uteschitelny. Und hier hast du die Wechsel. Jetzt eile ich gleich zu Glow, ich will ihn herbeiholen und alle Formalitäten erledigen. Krugel, bring das Geld auf mein Zimmer. Hier hast du den Schlüssel zu meiner Kassette. (Krugel ab.) Ach, wenn wir es einrichten könnten, daß wir heute abend abreisen können! (Ab.)
Icharew. Natürlich, natürlich, hier ist keine Minute zu verlieren.
Schwochnew. Und dir rate ich auch, hier nicht noch lange sitzen zu bleiben. Sowie du das Geld bekommen hast, komme sofort zu uns. Mit den zweihunderttausend — weißt du, was man damit machen kann? Man kann einfach den ganzen Jahrmarkt in die Luft sprengen ... Ach, ich habe ganz vergessen, dem Krugel etwas Wichtiges zu sagen. Warte nur, ich komme gleich zurück. (Schnell ab.)
23. Auftritt
Icharew (allein). Was für eine Wendung doch die Umstände genommen haben, was? Noch heute morgen bloß achtzigtausend, und gegen abend schon zweihunderttausend, wie? Für manchen bedeutet das ja ein ganzes Leben voll Dienst und Arbeit, den Preis für ein ständiges Sitzen, Entbehrungen, Verlust der Gesundheit, und hier bist du in einigen Stunden, ja in einigen Minuten ein regierender Prinz. Eine Kleinigkeit das: Zweihunderttausend! Ich kann mir denken, was aus mir geworden wäre, wenn ich auf dem Lande gesessen wäre und mich mit den Starosten und Bauern herumgeschlagen hätte, um jährlich dreitausend einzuheimsen. Ist denn Bildung eine Kleinigkeit? Die Unbildung, die sich auf dem Lande an dir festsetzt, die kannst du nachher nicht mit dem Messer abkratzen. Womit hätte man da seine Zeit verloren? Mit Gesprächen mit den Starosten und den Bauern ... Ich aber will mich mit gebildeten Menschen unterhalten! Jetzt bin ich sichergestellt, jetzt habe ich freie Zeit. Jetzt kann ich mich damit beschäftigen, was zu unserer Bildung beiträgt. Wenn ich nach Petersburg will, kann ich auch nach Petersburg reisen, da gehe ich ins Theater, sehe die Münze, da spaziere ich am Palais, am Englischen Quai vorbei, gehe in den Sommergarten. Oder ich gehe nach Moskau und diniere bei Jar, ich kann mich nach der Mode der Residenz kleiden, kann mich mit den andern gleichstellen und die Pflichten eines aufgeklärten Menschen erfüllen. Und was ist die Ursache davon? Was gibt mir die Möglichkeit dazu? Das, was man Betrügerei nennt. Ach, Unsinn, das ist eben gar keine Betrügerei, ein Betrüger kann man in einer Minute werden, hierzu aber ist Praxis, Studium nötig. Aber zugegeben, es sei Betrügerei. Es ist doch eben eine notwendige Sache; was kann man denn ohne sie machen? Sie ist gewissermaßen eine Warnung. Wenn ich z. B. nicht alle Feinheiten kennte, wenn ich das alles nicht begriffen hätte, wie hätte man mich da nicht beschwindeln können! Sie haben mich ja auch wirklich beschwindeln wollen. Dann sahen sie aber, daß sie es nicht mit einem gewöhnlichen Menschen zu tun haben, und gingen mich selbst um meine Hilfe an. O nein, Verstand — das ist eine große Sache; und in der Welt ist Feinheit notwendig. Ich sehe das Leben von einem ganz anderen Standpunkt an. So leben, wie ein dummer Kerl, so kann jeder leben, das ist kein Kunststück, aber mit Witz und mit Kunst leben, alle betrügen und doch selbst nicht betrogen werden, das ist die eigentliche Aufgabe, das wahre Ziel.
24. Auftritt
Icharew und Glow, der eilig eintritt.
Glow. Wo sind sie denn? Ich bin eben im Zimmer gewesen, das ist leer.
Icharew. Sie sind soeben hier gewesen, sie sind nur auf einen Augenblick fortgegangen.
Glow. Wie, schon fort? Haben sie Geld bei dir genommen?
Icharew. Jawohl, wir haben’s schon abgemacht. Jetzt handelt sich’s noch um dich.
25. Auftritt
Dieselben und Alexej.
Alexej (zu Glow). Sie wünschen zu wissen, wo die Herren sind?
Glow. Jawohl.
Alexej. Die sind ja schon abgereist.
Glow. Wieso abgereist?
Alexej. So, sie hielten schon seit einer halben Stunde Wagen und Pferde bereit.
Glow (schlägt die Hände zusammen). Nun sind wir beide hineingelegt!
Icharew. Was für ein Unsinn? Ich verstehe kein Wort. Uteschitelny muß jeden Augenblick zurückkommen. Du weißt ja, daß du die ganze Schuld jetzt mir bezahlen mußt. Sie haben sie mir zediert.
Glow. Ach was, Schuld? Zum Teufel! Du willst bezahlt haben? Siehst du denn nicht, daß du zum Narren gehalten und angeführt bist wie ein Gimpel?
Icharew. Was sprichst du da für einen Unsinn? Du scheinst deinen Rausch noch immer im Kopf zu haben.
Glow. Nun, wie es scheint, haben wir beide einen Rausch. Erwache doch! Glaubst du etwa, ich bin Glow? Ich bin ebensowenig Glow, wie du der Kaiser von China.
Icharew (unruhig). Aber ich bitte dich, was sprichst du da für einen Unsinn? Und dein Vater? ... und ...
Glow. Der Alte? Erstens ist er gar nicht mein Vater, und wird den Teufel Kinder haben; und zweitens heißt er auch nicht Glow, sondern Krinizin und nicht Michailo Alexandrowitsch, sondern Iwán Klímitsch; der ist von derselben Bande.
Icharew. Hör mal, sprich du im Ernst; damit treibt man keinen Spaß.
Glow. Was für einen Spaß? Ich habe mich ja selber daran beteiligt und bin ebenfalls betrogen. Sie haben mir dreitausend für meine Mühe versprochen.
Icharew (geht auf ihn zu, hitzig). He, treib keinen Spaß, sage ich dir! Du glaubst, ich bin so dumm? Und die Vollmacht, und der Fiskus? Da war doch noch soeben der Beamte aus dem Fiskus, Psoj Stachitsch Samuchrischkin. Du glaubst, ich kann ihn wohl nicht gleich herbeiholen lassen?
Glow. Erstens ist er gar kein Beamter aus dem Fiskus, sondern ein Stabskapitän a. D. von derselben Bande; und dann heißt er gar nicht Samuchrischkin, sondern Mursaféjkin und nicht Psoj Stachitsch, sondern Frol Semjónowitsch.
Icharew (verzweifelt). Und wer bist du, Teufel? sprich, wer bist du?
Glow. Wer ich bin? Ich war ein anständiger Mensch und bin durch die Not zu einem Schwindler geworden. Sie haben mir alles im Spiel abgewonnen, alles bis aufs Hemd. Was soll ich nun machen? ich will doch nicht vor Hunger sterben. Für dreitausend habe ich mich dazu hergegeben, mitzuarbeiten und dich zu beschwindeln. Ich sag’ es dir gerade heraus, du siehst, ich handle vornehm.
Icharew (faßt ihn wütend am Kragen). Du Schwindler.
Alexej (für sich). Na, da kommt’s, wie es scheint, gleich zu einer Rauferei, da will ich lieber verschwinden. (Ab.)
Icharew (Glow fortziehend). Komm, komm.
Glow. Wohin, wohin?
Icharew (in Wut). Wohin? zum Gericht! zum Gericht!
Glow. Aber ich bitte dich, du hast ja gar kein Recht dazu!
Icharew. Wieso, ich habe kein Recht? Stehlen, am hellichten Tage Geld wegnehmen ... in so gaunerischer Weise! Ich hätte kein Recht? Aber warte nur, im Gefängnis, in Sibirien wirst du wohl auch sagen, daß ich kein Recht habe? Warte nur, man wird eure ganze Gaunerbande noch abfassen! Ihr werdet schon sehen, was es heißt, das Vertrauen und die Ehrlichkeit gutmütiger Menschen zu hintergehen. Das Gesetz, das Gesetz, das Gesetz werde ich anrufen. (Zieht ihn fort.)
Glow. Du könntest das Gesetz ja dann anrufen, wenn du selbst nicht gesetzwidrig gehandelt hättest. Aber bedenke doch, du hast dich ja mit ihnen verbunden, um mich zu beschwindeln und mir das Geld abzugewinnen, und die Karten waren ja dein eigenes Fabrikat. Nein, Brüderchen, das ist ja eben die Sache, daß du gar kein Recht hast, zu klagen.
Icharew (schlägt sich in seiner Verzweiflung mit der Hand vor die Stirn). Zum Teufel, das ist wahr. (Fällt entkräftet auf den Stuhl, indessen eilt Glow fort). Aber solch ein teuflischer Betrug!
Glow (steckt den Kopf durch die Tür). Tröste dich, du hast es ja noch nicht so schlimm, dir bleibt ja noch die Adelaida Iwanowna! (Verschwindet).
Icharew (wütend). Hol der Teufel die Adelaida Iwanowna! (Ergreift das Kartenspiel und schleudert es gegen die Tür, einzelne Karten fliegen auf den Boden.) Da muß es nun solche Schwindler geben zum Schimpf und zur Schande der Menschheit! Aber es ist ja einfach zum Wahnsinnigwerden: Wie teuflisch war das alles durchgeführt, wie fein! Dieser Vater, dieser Sohn und dieser Beamte Samuchrischkin — und das alles ist abgekartet, und ich kann nicht einmal klagen. (Springt vom Stuhl auf und geht erregt im Zimmer auf und ab.) Und da soll man noch den Schlauen spielen, da soll man seinen Geist, seinen Witz anstrengen, Mittel erdenken .... Nein, hol’s der Teufel, es lohnt sich gar nicht, es ist des edlen Eifers, es ist der Mühe nicht wert! Da findet sich gleich in deiner Nähe ein Gauner, der dich noch übergaunert, ein Schwindler, der mit einem Male das ganze Gebäude in die Luft sprengt, an dem du jahrelang gearbeitet hast. (Mit einer ärgerlichen Handbewegung.) Zum Teufel, ist das eine schwindelhafte Welt! Nur der hat Glück, der so dumm ist wie ein Klotz, und der nichts versteht, an nichts denkt, nichts tut und mit abgenutzten Karten um einen Groschen Boston spielt!